Thema: Bund: Farbabweichungen und Verfärbungen durch Sonne und Chemie
johanneshoffner Am: 18.12.2023 18:15:11 Gelesen: 1405# 9@  
Abart Fehlende Farbe? Vorsicht vor Verfälschungen!

Im letzten Monat bekam ich eine Anfrage, ob ich eine Marke prüfen könnte, bei der es sich um eine unbekannte Farbabart handeln könnte. Er handelte sich die Zumstein Nummer 920, die 1997 zum Jubiläum des Schweizerischen Bauernverbands ausgegeben wurde.

Den Prüfauftrag nahm ich mit einem unguten Gefühl an:

- Die Marke ist im Offsetdruck gedruckt, bei dem eine fehlende Farbe aufgrund des Produktionsprozesses eigentlich nicht möglich ist.
- In den relevanten Katalogen Zumstein, SBK und Michel ist eine solche Abart nicht aufgeführt.
- In meiner Registratur ist eine solche Marke noch nicht gelistet.

Die Marke ist gestempelt Richterswil 24.10.97 und auf den ersten Blick unauffällig, ausser, dass die rote Farbe fehlt. Sowohl im Acker als auch im Baum und im senkrechten Balken rechts fehlt die Farbe rot und der Acker und der Balken sind gelb.



Abb. 1 links die fragliche Marke, rechts eine normale Marke als Vergleichsstück. Auf den Marken ist rechts in der Mitte ist der Ausschnitt gekennzeichnet, der für Abb 2 gewählt wurde.



Abb. 2 40-fache Vergrösserung oben die fragliche Marke, unten eine normale Marke als Vergleichsstück.



Abb 3 Vergrösserung des gelben Balkens Reste der roten Farbe sind mit Pfeilen gekennzeichnet.

Unter 40-facher Vergrösserungi (Abb 2 unten) sieht man bei der normalen Marke die roten Punkte des Offsetdrucks im Acker und die flächige Farbe im orange-roten Balken.

Bei der fraglichen Marke sieht man unter 40-facher Vergrösserung im Feld nur noch gelbe und blaue Punkte keine roten (Abb 2 oben). Im Balken rechts sieht man eine gleichmässige gelbe Fläche und an einigen Stellen rote Spuren (Abb 3) in den vertieften Stellen. Unter der Wertziffer 70 schimmern noch rote Punkte durch. Somit ist der Fall klar, die Marke hatte einmal die rote Farbe und wurde verfälscht.

Nun brach der Chemiker in mir durch. Im Labor stehen verschiedene Lösungsmittel, mit denen ich versuchte, die rote Farbe zu entfernen. Beim vierten Versuch klappte es. Innerhalb von 5 Minuten löste sich die rote Farbe und auch nur die rote Farbe. Zurück blieb eine Marke in gelb, ganz ohne rot. (Abb 4) Eine wertvolle Abart? Mitnichten, eine plumpe Verfälschung.



Abb 4 links die Marke vor dem Versuch, rechts nach dem Versuch.

Seien Sie kritisch bei vermeintlichen Raritäten insbesondere bei Farbabarten, „fehlenden“ Farben, „verwischten Drucken“, Druckausfällen u.ä. bei modernen Marken. Wenden Sie sich bei Fragen zu Echtheit und Qualität von Briefmarken oder Belegen an die Prüfer des Schweizer Briefmarken Prüfer Verbands (SBPV) oder des BPP.

Sie finden die Liste der Prüfer in den gängigen Briefmarkenkatalogen, unter http://www.briefmarken-prüfer.ch oder http://www.bpp.de
 
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