Thema: Kleine Briefmarkenbörse in Berlin am 1.11.-2.11.2025
Cantus Am: 04.11.2025 09:50:00 Gelesen: 294# 4@  
Hallo allerseits,

die Messe am letzten Samstag war, gemessen an den großen Veranstaltungen weit weg im Westen der Republik, ziemlich klein, dafür aber hochkonzentriert, denn es gab keine Ausstellungsrahmen und auch keine Postverwaltungen oder Stände irgendwelcher Auktionsfirmen, sodass die anwesenden Sammler, die reichhaltig erschienen waren, sich auf das Suchen und auf die Gespräche mit Gleichgesinnten konzentrieren konnten. Für das leibliche Wohl war in der Halle ebenfalls gesorgt, es gab leckere frisch belegte 'Brötchen, allerlei privat gefertigte Kuchenvarianten und diverse warme und kalte Getränke. Die Tische der Händler waren zum Teil stark umlagert und ich bin, was anderswo eher nicht so üblich ist, sogar bei zwei interessierten Händlern Übersichten meiner Sammelgebiete losgeworden.

Neben der Halle hatten sich zusätzlich zwei sehr gut sortierte Händler mit ihren Beständen aufgebaut, wodurch ich auf dem Weg zur Börsenhalle schon die ersten 135 Euro losgeworden bin. An diesen beiden Ständen waren die Preise relativ hoch, dafür war nur ausgesucht saubere Ware im Angebot. In der Halle war das Preisgefüge unterschiedlich, ein Händler bot alles ab mindestens 5 Euro aufwärts an, ein anderer Händler hatte eine große Auswahl an teils sehr interessanten Belegen so zwischen ein bis 3 Euro im Angebot. Münzen wurden relativ wenig angeboten und an den wenigen Angeboten von losen Briefmarken gingen die meisten Besucher vorbei, aber das Angebot an Ansichtskarten oder an diversen philatelistischen Belegen jeder Art stieß dagegen auf spürbar großes Interesse.

Leider sind zwei Minuspunkte anzumerken, wobei einer davon wohl nur mich persönlich betraf. Die Firma Oldthing, die die Halle für die Börse vermietet hatte, hatte wohl verlauten lassen, dass zukünftig voraussichtlich keine weitere 'Briefmarkenbörse an diesem Standort mehr stattfinden würde, da die Nachfrage für Händlerstände zu gering gewesen sei, so jedenfalls wurde mir von verschiedenen Seiten berichtet.

Der zweite Punkt, den ich ansprechen möchte, ist das offensichtliche völlige Desinteresse von Oldthing daran, dass man auch schwerbehinderten Personen wie mir den problemlosen zutritt zur Halle oder auch das risikoreduzierte Verlassen der Börse ermöglicht. Die Halle, in der die Briefmarkenbörse stattfand, kann normalerweise nur von vorne über eine fünfstufige Treppe ohne irgendeine Art von Treppengeländer betreten werden, für mich ein absolut unüberwindbares Hindernis. Ich bin aber daran gewöhnt, mir statt dessen von hinten über eine längere und grundsätzlich abgesperrte Rampe, die recht steil nach unten führt, den Zutritt zur Briefmarkenbörse zu verschaffen. Zu diesem Zweck muss stets mein Begleiter um die Halle nach vorne gehen und darum bitten, dass man mich am Fuß der Rampe hineinlässt, denn beide Türen dort sind ständig verschlossen, was ich persönlich aus Brandschutzgründen nicht als sinnvoll erachte.

Während der Einlass zu früheren Zeiten stets recht zügig erfolgte, musste ich jetzt fast 20 Minuten warten, bis mein Freund selber mit dem Schlüssel erschien und mich hineinließ, da man vorne am einzigen Zugang Eintritt kassierte und das als wichtiger einstufte, als mich hinten hineinzulassen. Schließlich konnte ich aber doch hinein und sofort wurde hinter mir wieder abgesperrt.

In den gut drei Stunden, die ich mich auf der Börse aufgehalten habe, bin ich reichlich fündig geworden, wenn zu meinem Leidwesen auch nicht in meinem Hauptsammelgebiet "Österreich", da ich aber äußerst vielseitig orientiert bin, lässt sich immer und fast überall brauchbares Material für meine Sammlungen finden. Schließlich musste ich aber meine Suche beenden, denn vom vielen Durchblättern des Belegangebotes bekam ich irgendwann so starke Schmerzen in den Händen, dass ich das Ganze beenden musste, aber trotzdem war ich am Ende fast 500 Euro losgeworden.

Direkt danach kam aber das böse Erwachen. Die Frau, die dort die Schlüsselhoheit ausübt, war verschwunden und hatte den einzigen Schlüssel für die hintere Tür mitgenommen und war auch trotz mehrerer telefonischer Kontaktversuche des jungen Mannes am Eingang einfach nicht zu erreichen, damit war mir das Verlassen der Halle auf dem für mich üblichen Weg versperrt. Ich war somit gefangen in der Halle und hätte theoretisch bis zum Ende der Veranstaltung warten müssen, bis die verantwortliche 'Person wieder erscheint und mich hinauslässt; das war aber nicht in meinem Sinn, denn an dem Tag standen noch andere Termine an. Mit dem Mut der Verzweiflung, zwei starken tatkräftigen Helfern, viel Adrenalin und einer gehörigen Portion Angst ist es mir dann schließlich gelungen, die fünf Stufen am Eingang hinab zu bewältigen, für gesunde Menschen nichts, worüber sich nachzudenken ließe, für mich aber der pure Horror. Unten angekommen musste ich erst einmal verschnaufen, habe mir aber trotzdem vorgenommen, dass ich die weite Fahrt zur Briefmarkenbörse (für mich rund 70 km) auch zukünftig in Kauf nehmen werde, da es ansonsten in angemessener Reichweite einfach keine andere Möglichkeit mehr gibt, an einer ähnlichen Veranstaltung teilzunehmen. Sicher, im nächsten Jahr gibt es die große Veranstaltung in Bernau, aber sonst ist hier im Großraum Berlin kaum noch etwas los, was einen Sammler wie mich veranlassen könnte, nur so auf Verdacht so weite Touren zu unternehmen, und das, obwohl Berlin Bundeshauptstadt ist.

Viele Grüße
Ingo
 
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