Liebe Sammlerfreunde,
ein belgischer Zwangsarbeiter sandte am 18.07.1944 den unten abgebildeten Brief an seine Ehefrau oder Mutter aus dem Leipziger Arbeitslager "Stadtrand" nach Brüssel. Das Lager befand sich in der Riesaer Straße 64, Leipzig-Engelsdorf oder Leipzig O 29. Träger des Lagers war die Christian Mansfeld GmbH. In dem Lager waren vor allem Menschen aus Polen (Männer), Italien (Männer), Sowjetunion (Männer), Niederlande (Männer), Belgien (Männer und Frauen) und Frankreich (Männer) untergebracht.
Das Lager befand sich neben dem Werksgelände der Christian Mansfeld GmbH. Die Firma hatte dort ab 1941 ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Ende 1943 beschäftigte das Werk bereits mehr als 3.000 Personen, darunter fast 1.300 Zwangsarbeiter. Es gab hier auch eine besondere Sonderunterbringung ab Frühjahr 1944. In zwei Baracken, die nochmals mit Stacheldraht eingefriedet waren, wurden ab Frühjahr 1944 zeitweise 100–200 Belgier, Niederländer und Franzosen untergebracht. Bei diesen Menschen handelte es sich nach der damaligen NS-Kategorisierung um Personen, die als „arbeitsunwillig“, „vertragsbrüchig“ oder fluchtverdächtig galten bzw. Fluchtversuche unternommen hatten.
Die Christian Mansfeld GmbH war ursprünglich ein Hersteller von Maschinen für die Schuh- und Sattelfabrikation. Das Werk an der Riesaer Straße wurde 1910 errichtet. Während des Krieges erfolgte eine weitgehende Umstellung auf Rüstungsproduktion. Hergestellt wurden unter anderem:
● Geschosse und Granaten,
● Teile für Flugzeugmotoren und
● Werkzeug- und Druckereimaschinen.
Die Firma war unter anderem Zulieferer für Heinkel, Arado und Junkers.
Der Brief wurde mit dem Absenderfreistempel der Chr.Mansfeld GmbH mit 12 Pfennig freigemacht. Das entsprach dem normalen innerdeutschen einfachen Fernbrief. Die Zensur fand in der Auslandsbriefprüfstelle Köln (Kennbuchstabe c im roten Zensurstempel auf der Rückseite) statt.
Mit lieben Sammlergrüßen
Totalo.Flauti.