Thema: Neues vom BPP - Bund philatelistischer Prüfer
Richard Am: 09.06.2014 09:07:04 Gelesen: 124357# 31@  
Bericht von der Prüfertagung des BPP in Nürnberg am 17. Mai 2014

bpp.de - Als Präsident Christian Geigle um 18.10 Uhr die diesjährige Mitgliederversammlung des Bundes Philatelistischer Prüfer e. V. schloss, lag ein fast achtstündiger Diskussions- und Abstimmungsmarathon hinter den rund neunzig anwesenden Mitgliedern und Gästen. Intensiv war um die bestmöglichen Entscheidungen gerungen worden, Einstimmigkeit in vielen Bereichen und dann wieder knappe Mehrheitsentscheidungen in einigen wenigen Tagesordnungspunkten ließen nie Langeweile aufkommen. Aber der Reihe nach:

Vier Philatelisten hatten sich dieses Jahr um eine außerordentliche Mitgliedschaft als Verbandsprüfer im BPP beworben. Am Tag vor der Prüfertagung wurde ihr Fachwissen von den Prüfungskommissionen intensiv überprüft, das Vergleichsmaterial auf seine Prüftauglichkeit untersucht und einzelne Bewerber bis zu vier Stunden einem Prüfungsstress ausgesetzt, wie sie ihn vielleicht in der Schule oder an der Universität zum letzten Mal in dieser Form erlebt hatten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Alle vier Kandidaten bekamen von ihrer jeweiligen Prüfungskommission eine einstimmige Aufnahmeempfehlung, der sich die Mitgliederversammlung ebenso einstimmig anschloss.

In den Grußworten der anwesenden Ehrengäste fanden die Leistungen der Prüfbewerber lobende Erwähnung. Allen voran der neu gewählte Präsident des BDPh, Uwe Decker, der sich von der Leistung des neuen Braunschweig-Prüfers Dr. Wilderbeek besonders beeindruckt zeigte, ist er doch selber im Sammelgebiet „Altdeutschland“ zuhause.

Überhaupt scheint die Zusammenarbeit zwischen den Verbänden reibungslos zu laufen. Harald Rauhut, Präsident des Versteigererverbandes, lobte ausdrücklich den „kleinen Dienstweg“, auf dem anstehende Probleme schnell und kollegial besprochen und gelöst würden. Es gebe nichts, worüber man nicht miteinander reden könne.

Die Berichte des Vorstandes fielen angesichts der umfangreichen Tagesordnung dieses Jahr kürzer als gewohnt aus. Präsident Geigle stellte vor allem auf den technischen Wandel im Prüfwesen ab, der es erfordere, manche lieb gewonnene Gewohnheit auch einmal auf den Prüfstand zu stellen. So sagte er wörtlich: „Wir müssen uns immer wieder selbst hinterfragen, unsere Arbeitsmethoden, unsere Regeln, unser willkommenes Kuschelnest, das „Tradition“ heißt. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Dieser Satz hat in der Philatelie - leider - einen ganz großen Funken Wahrheit. Egal wie schön oder toll es früher einmal war - wir müssen uns fragen, wo der BPP in zehn oder in zwanzig Jahren stehen soll. Wenn es nach mir ginge: Wir möchten auch 2034 noch die Nr. 1 sein. Dazu müssen wir offen sein für Neues, für neue Regeln, für neue Techniken und auch für die Wünsche unserer Kunden.“

Die Kassenlage des BPP ist ausweislich des Berichtes von Schatzmeister Gunnar Gruber sehr gut. Das Geschäftsjahr 2013 konnte mit einem kleinen Überschuss abgeschlossen werden, sämtliche verauslagte Anwalts- und Gerichtskosten aus den Markenschutzprozessen der vergangenen Jahre wurden inzwischen von der Gegenseite erstattet. Dieser positive Bericht war den Mitgliedern dann doch einen Sonderapplaus wert.

Das zentrale Thema der diesjährigen Prüfertagung lautete „Einführung der Konsultationsrichtlinien“. Nach fast zwei Jahren Vorarbeit hatte der Vorstand die bereits seit vielen Jahren eingeführte und bewährte Konsultation zwischen neuen Prüfern oder solchen, die ihr Prüfgebiet erweitern wollen, mit erfahrenen, älteren Prüfern in ein gut ausformuliertes Regelwerk gegossen und zur Abstimmung gestellt. Nach ausführlicher Diskussion und einigen Änderungen im Wortlaut wurden die Konsultationsrichtlinien mit großer Mehrheit angenommen. Im Kern sieht die neue Regelung vor, dass neue Prüfer in den ersten drei Jahren ihrer Prüftätigkeit intensive Unterstützung, Beratung und auch Kontrolle durch ihren jeweiligen Konsultationspartner erhalten. Frühestens nach drei Jahren können sie den Antrag auf ordentliche Mitgliedschaft stellen. Der BPP erhofft sich davon eine noch geringere Fehlerquote bei den jungen Prüfern und eine weitere Vereinheitlichung der Prüftechniken und der Dokumentation in Form von Attesten und Befunden.

Es folgten eine Vielzahl von Satzungs- und Regeländerungen, die bis auf eine meist einstimmig im Sinne der Vorlage befürwortet wurden.

Am Nachmittag schließlich hatten die Mitglieder über sechs beantragte Prüfgebietserweiterungen zu entscheiden. Die Vorgaben aus den Prüfungskommissionen waren auch hier eindeutig, und so konnten zum ersten Mal seit vielen Jahre alle zehn angetretenen Kandidaten (vier Neuprüfer, sechs Erweiterer) einstimmig befürwortet werden. „Das zeigt eindeutig, dass unser mehrstufiges Auswahl- und Prüfungsverfahren ein Erfolgsmodell ist“, lobte Geigle seine Mitglieder, von denen viele in den Prüfungskommissionen mitarbeiteten.

Eine neue Geschäftsstelle bekommt der BPP auch noch. Nach 26 Jahren beendet Dr. Helmut Oechsner seine Tätigkeit als Geschäftsführer des BPP, um sich zukünftig stärker seinen umfangreichen Prüfgebieten widmen zu können. Präsident Geigle bedankte sich bei Dr. Oechsner für seine vorbildliche Arbeit, betonte aber zugleich, dass Dr. Oechsner als Schriftführer auch weiterhin dem Vorstand des BPP angehören wird. Nachfolger als Geschäftsführer wird der bekannte Prüfer der Abstimmungsgebiete, Gunnar Gruber, der die Geschäftsstelle künftig von Radolfzell aus leiten wird. Die Übergabe wird am 30. Juni stattfinden, die neuen Kontaktdaten werden rechtzeitig veröffentlicht werden.

Erleichterung war den meisten Teilnehmern anzumerken, als Präsident Geigle die letzten beiden Tagesordnungspunkte aufrief. Der Mitgliedsbeitrag bleibt unverändert, und die nächste Prüfertagung findet am 18.04.2015 wiederum in Nürnberg im Arvena Park Hotel statt. Innerhalb weniger Minuten leerte sich der große Sitzungssaal, denn schon eine Stunde später begann der Festabend des BPP. Da blieb dann aber die Verbandspolitik außen vor. Allenfalls das Pokalendspiel in Berlin vermochte den einen oder anderen vor den Fernseher zu ziehen. Erst lange nach Mitternacht kehrte nach einem ereignisreichen Tag wieder Ruhe im Tagungshotel ein.
 
Quelle: www.philaseiten.de
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