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Thema: Bund: Farbabweichungen und Verfärbungen durch Sonne und Chemie
Jürgen Witkowski Am: 03.12.2008 22:38:15 Gelesen: 11204# 1 @  
Bund MiNr. 270 - Grün statt braun

Warum es sich lohnt, bei vermeintlichen "Sensationsfunden" immer mal wieder genau in den Michel zu schauen, zeigt ein Beispiel, dass ich heute von einem Vereinskollegen auf unserem monatlichen Vereinsabend präsentiert bekam. Er hatte in einer aufgekauften Sammlung eine scheinbare Abart gefunden, die Bund MiNr. 270 in einem ziemlich leuchtenden Grün, statt der bei der Markenbeschreibung verzeichneten Farbe lebhaftbraunocker.

Des Rätsels Lösung steht im Michel Spezial. Dort kann man lesen: MiNr. 270 sehr wasserempfindlich, durch längeres Wasserbad Verfärbung bis Grün!

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Stevi-2014 Am: 22.06.2014 14:15:49 Gelesen: 9752# 2 @  
Michel Nr. 458: Fehlende Farbe ?

Hallo,

habe die Wohlfahrtsmarke Mi-Nr. 458 seit vielen Jahren in meiner Sammlung. Im Vergleich zum Original fehlt mir ganz einfach eine Farbe!

Hat jemand das gleiche "Phänomen"?

Vielen Dank für Informationen.


 
briefmarkenwirbler24 Am: 22.06.2014 14:50:26 Gelesen: 9716# 3 @  
@ Stevi-2014 [#2]

Hallo Stevi,

ich vermute, dass es sich um chemische Einflüsse handelt, die die Marke verfärbt haben.

Sonnenlicht genügt schon bei einigen Farben um diese zu "manipulieren".

MfG

Kevin
 
Stevi-2014 Am: 22.06.2014 15:27:46 Gelesen: 9687# 4 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#3]

Hallo Kevin,

habe mir schon so etwas ähnliches gedacht - trotzdem vielen Dank für die Antwort.

Stevi
 
Stevi-2014 Am: 22.06.2014 15:31:11 Gelesen: 9682# 5 @  
@ Concordia CA [#1]

Hallo Jürgen,

Danke für die Antwort.

Schönen Tag noch,
Stevi
 
chemiekusss Am: 14.05.2017 18:11:18 Gelesen: 8150# 6 @  
Habe mich heute bei den "Philaseiten" registriert und die Beiträge über Farbveränderungen an Briefmarken gefunden.

Nach meinem Chemiestudium habe ich vor 25 Jahren Versuche mit Chemikalien an Briefmarken durchgeführt. Ich habe verschiedene Briefmarken mit einer warmen oxidierenden Lösung (Oxidationsbleiche mit Percarbonat (SKIP)) und einer reduzierenden Lösung (Reduktionsbleiche mit Natriumdithionit (K2R)) behandelt. Gerade braune Farbtöne lassen sich sehr gut verändern. Der Effekt trat bei australischen Briefmarken sehr häufig auf, bei bundesdeutschen Briefmarken eher selten. Links sieht man die mit Reduktionsbleiche veränderte Briefmarke, in der Mitte die unbehandelte und rechts die mit Oxidationsbleiche behandelte.

Mein Credo: "Traue keiner Farbe, die Du nicht selbst gefälscht hast!"



 
Dieter 66 Am: 04.12.2023 22:32:04 Gelesen: 1806# 7 @  
Hallo,

bin auf diesen Thread aufmerksam geworden und möchte gerne nachstehende Wohlfahrtsmarke Berlin Mi. Nr. 296 vorstellen.

Ich meine mal gehört zu haben, dass dieses ein klassisches Beispiel einer chemischen Manipulation sein soll.

Kann jemand das bestätigen? Die Frage wäre, ob es nur möglich ist auf Rot pigmentierte Farbe Einfluss zu nehmen.

Die restliche Farbe scheint nicht verändert zu sein.

Gruß Dieter.


 
Dieter 66 Am: 18.12.2023 17:24:40 Gelesen: 1644# 8 @  
@ Dieter 66 [#7]

Ich habe schon mal weiter im Internet recherchiert, allerdings keinerlei Hinweise auf diese Besonderheit finden können. Auch in anderen Foren konnte ich nichts finden.

Eine Anfrage an einen BPP Prüfer ist auch schon gestellt. Habe allerdings noch keine Rückantwort erhalten.

Warten wir mal ab.

Dieter
 
johanneshoffner Am: 18.12.2023 18:15:11 Gelesen: 1622# 9 @  
Abart Fehlende Farbe? Vorsicht vor Verfälschungen!

Im letzten Monat bekam ich eine Anfrage, ob ich eine Marke prüfen könnte, bei der es sich um eine unbekannte Farbabart handeln könnte. Er handelte sich die Zumstein Nummer 920, die 1997 zum Jubiläum des Schweizerischen Bauernverbands ausgegeben wurde.

Den Prüfauftrag nahm ich mit einem unguten Gefühl an:

- Die Marke ist im Offsetdruck gedruckt, bei dem eine fehlende Farbe aufgrund des Produktionsprozesses eigentlich nicht möglich ist.
- In den relevanten Katalogen Zumstein, SBK und Michel ist eine solche Abart nicht aufgeführt.
- In meiner Registratur ist eine solche Marke noch nicht gelistet.

Die Marke ist gestempelt Richterswil 24.10.97 und auf den ersten Blick unauffällig, ausser, dass die rote Farbe fehlt. Sowohl im Acker als auch im Baum und im senkrechten Balken rechts fehlt die Farbe rot und der Acker und der Balken sind gelb.



Abb. 1 links die fragliche Marke, rechts eine normale Marke als Vergleichsstück. Auf den Marken ist rechts in der Mitte ist der Ausschnitt gekennzeichnet, der für Abb 2 gewählt wurde.



Abb. 2 40-fache Vergrösserung oben die fragliche Marke, unten eine normale Marke als Vergleichsstück.



Abb 3 Vergrösserung des gelben Balkens Reste der roten Farbe sind mit Pfeilen gekennzeichnet.

Unter 40-facher Vergrösserungi (Abb 2 unten) sieht man bei der normalen Marke die roten Punkte des Offsetdrucks im Acker und die flächige Farbe im orange-roten Balken.

Bei der fraglichen Marke sieht man unter 40-facher Vergrösserung im Feld nur noch gelbe und blaue Punkte keine roten (Abb 2 oben). Im Balken rechts sieht man eine gleichmässige gelbe Fläche und an einigen Stellen rote Spuren (Abb 3) in den vertieften Stellen. Unter der Wertziffer 70 schimmern noch rote Punkte durch. Somit ist der Fall klar, die Marke hatte einmal die rote Farbe und wurde verfälscht.

Nun brach der Chemiker in mir durch. Im Labor stehen verschiedene Lösungsmittel, mit denen ich versuchte, die rote Farbe zu entfernen. Beim vierten Versuch klappte es. Innerhalb von 5 Minuten löste sich die rote Farbe und auch nur die rote Farbe. Zurück blieb eine Marke in gelb, ganz ohne rot. (Abb 4) Eine wertvolle Abart? Mitnichten, eine plumpe Verfälschung.



Abb 4 links die Marke vor dem Versuch, rechts nach dem Versuch.

Seien Sie kritisch bei vermeintlichen Raritäten insbesondere bei Farbabarten, „fehlenden“ Farben, „verwischten Drucken“, Druckausfällen u.ä. bei modernen Marken. Wenden Sie sich bei Fragen zu Echtheit und Qualität von Briefmarken oder Belegen an die Prüfer des Schweizer Briefmarken Prüfer Verbands (SBPV) oder des BPP.

Sie finden die Liste der Prüfer in den gängigen Briefmarkenkatalogen, unter http://www.briefmarken-prüfer.ch oder http://www.bpp.de
 
Ben 11 Am: 18.12.2023 22:32:21 Gelesen: 1576# 10 @  
@ johanneshoffner [#9]

Ein sehr interessanter Artikel, vielen Dank dafür.

Auch mir werden hin und wieder moderne Marken mit fehlenden Farben mit der Bitte einer Untersuchung vorgelegt. Ich nehme die Untersuchungen immer an und nähere mich doch recht vorbehaltlos der Problematik.

Meist sehen die Marken so aus, wie im Bild links zu sehen. Das Original dazu rechts daneben.



Häufig ist es die Farbe Gelb, die fehlt. Manchmal auch Cyan. Seltener Magenta.

In meinen Untersuchungen konnte ich bisher immer noch Reste der fehlenden Farben nachweisen. Die Offsetfarben überdecken sich und so kann man unter dem Mikroskop gut unterscheiden, ob eine Farbe wirklich fehlt, oder noch Reste davon da sind.

Eine chemische Einflussnahme führt auch zur Beeinträchtigung anderer Bestandteile. Bei modernen deutschen Marken ist es zum Beispiel der Fluoreszenzfarbstoff im Papierstrich, bei dem die gelbe Reaktion auf UV-Licht zerstört wird.

Ich möchte gern an zwei Stellen aus Ihrem Artikel einhaken.

Die Marke ist im Offsetdruck gedruckt, bei dem eine fehlende Farbe aufgrund des Produktionsprozesses eigentlich nicht möglich ist.

Aus drucktechnischer Sicht ist es auch im modernen Offsetdruck durchaus möglich, dass eine Farbe nicht ausgedruckt wird. Es kommt hier jedoch sehr auf die Prozessparameter und auch auf die Reihenfolge der Farben in der Maschine an, wann und ob dieser Zustand eintritt.

... mit denen ich versuchte, die rote Farbe zu entfernen. Beim vierten Versuch klappte es. Innerhalb von 5 Minuten löste sich die rote Farbe und auch nur die rote Farbe.

Wie sich eine Druckfarbe zusammensetzt, wissen Sie als Chemiker bestimmt besser als ich. Druckfarben bestehen zu über 50% aus pigmentfreien Bindemitteln. Weitere 20-30% sind die eigentlichen Farbpigmente. Und schließlich gibt es noch ein paar Zusätze, die z.B. das Trocknen der Farbe beschleunigen, oder die Wischfestigkeit verbessern.

Entfernen Sie die Farbe wirklich oder zerstören Sie lediglich die Farbpigmente mit den Lösemitteln?

Wenn Sie eine Farbe einschließlich der Bindemittel entfernen, beschädigen Sie auch die andern verbleibenden (darüber liegenden) Farben. Das würde man vermutlich sehen.

Zerstören (oder Lösen?) Sie lediglich die Farbpigmente einer bestimmten Farbe, bleiben die anderen Farben erhalten. Die Bindemittel verbleiben aber auch auf dem Papier und diese würde man wiederum sehen können. Zum Beispiel unter UV-Licht 256 nm.

Den Effekt kennen wir am Beispiel des Sicherheitsaufdruckes bei der Dauerserie "Sehenswürdigkeiten" nach 2002. Was wir dort sehen ist keine Farbe, sondern ihr Träger, das Bindemittel.

Er beruht auf dem Prinzip der "bedingt gleichen Farben", wonach sich zwei farbige Flächen bei einer bestimmten Beleuchtung nicht unterscheiden, unter einer anderen Beleuchtung schon.

Viele Grüße und nochmal vielen Dank für Ihren Artikel.
Ben.
 
johanneshoffner Am: 19.12.2023 16:52:27 Gelesen: 1492# 11 @  
@ Ben 11 [#10]

Beim Entfärben meiner Marke Zumstein 920 habe ich beobachtet, dass auch im Lösungsmittel weisse unlösliche Bestandteile von der Oberfläche abgingen, das sind wohl die Bindemittel oder irgendwelche Stoffe, die das Papier veredelt haben.

Ob die rote Farbe sich im chemischen Sinne gelöst hat, oder als Pigment entfernt wurde, weil sich irgendwelche Trägersubstanzen gelöst haben, darauf habe ich nicht geachtet. Es war spannend zu sehen, dass die anderen Farben unverändert blieben.

Unter dem Binokular bei 40-facher Vergrösserung habe ich keine Veränderungen der anderen Farben gesehen und auch beim Papier konnte ich keine Veränderung feststellen. Die UV-Reaktion war anders als bei der unbehandelten Marke.

Bei der Hilfe für einen Kollegen, bei dem es um eine frühe Nachkriegsausgabe eines deutschen Sammelgebietes ging, blieb nach dem Auswaschen der roten Farbe auf der Marke ein Klecks des Bindemittel übrig, das unter 40-facher Vergrösserung wie Griesbrei aussah. Dieser Klecks war nur unter Beschädigung des Papiers zu entfernen.
 
Bart Am: 26.12.2023 11:36:45 Gelesen: 1367# 12 @  
Hallo Steve,

nicht diese aber aus einer anderen Ausgabe derselbe Effekt.

Gruß Dirk


 
Ben 11 Am: 27.12.2023 09:24:03 Gelesen: 1297# 13 @  
@ Dieter 66 [#7]
@ Bart [#12]

Guten Morgen Zusammen,

ist ein recht interessantes Thema, was sich da entwickelt, finde ich. Die Marken würde ich gern mal aus drucktechnischer Sicht untersuchen.

Sehen, was die so für Geheimnisse preisgeben und diese mit Euch teilen.

Würdet Ihr die Marken mal leihweise an mich schicken? Wenn Ihr Interesse habt, schickt mir bitte kurz eine Mail. Ich teile Euch meine Postanschrift mit.

Vergleichsmaterial dazu habe ich da.

Viele Grüße und weiter eine schöne Zeit zwischen den Jahren.
Ben.
 
Dieter 66 Am: 27.12.2023 14:08:26 Gelesen: 1259# 14 @  
@ Ben 11 [#13]

Hallo Ben,

ich habe über einen Bekannten kontakt zu einem Chemiker innerhalb seiner Familie aufnehmen können. Dieser war gerne bereit an den Marken einige chemische Versuche durchzuführen. Fand er selbst auch spannend.

Die Ergebnisse bekomme ich dann im neuen Jahr und würde diese dann gerne hier veröffentlichen.

Guten Rutsch erst einmal.

Gruß Dieter
 
Bart Am: 30.12.2023 18:50:48 Gelesen: 1186# 15 @  
@ Stevi-2014 [#2]

Steve hier ist noch eine solche Marke.

Gruß Dirk


 
Bart Am: 30.12.2023 18:55:19 Gelesen: 1182# 16 @  
@ Ben 11 [#13]

Danke für die Nachfrage mach ich gern.

Habe dir gerade gemailt.

Gruß Dirk
 
Dieter 66 Am: 03.02.2024 22:21:24 Gelesen: 870# 17 @  
@ Ben 11 [#13]

Hallo Ben,

hat zwar ein wenig gedauert, aber meinem Bekannten ist es tatsächlich gelungen die Rotanteile aus einer neuen Wohlfahrtsmarke nahezu zu entfernen. Welche Mittel dazu verwendet wurden ist mir nicht bekannt. Es sind noch minimale Spuren der roten Farbe zu erkennen. Irgendwann hat er dann den Versuch beendet, da die Manipulation eindeutig zu belegen ist. Unter UV-Licht sieht man den Unterschied zwischen echten und verfälschten Marken deutlich. Auch sind Reste des Bindemittels noch vorhanden. Warum nur die Pigmente von Rot reagieren ist allerdings immer noch unklar.



Anbei die neu verfälschte Marke.

Gruß Dieter
 
Ben 11 Am: 04.02.2024 17:57:02 Gelesen: 773# 18 @  
@ Dieter 66 [#17]

Guten Abend Dieter,

vielen Dank für die interessanten Informationen.

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Viele Grüße
Ben.
 
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