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Thema: Postüberwachung in der DDR
doktorstamp Am: 06.12.2008 04:13:22 Gelesen: 7293# 1 @  
Das “Stasi” Museum Leipzig

Der Staatsicherheitsdienst überwachte täglich zirka 1.500 bis 2.000 Briefe die in dem Raum Leipzig eingingen oder aufgegeben worden waren. Die Briefe waren ausgesucht, bestimmte Adressen oder Personen, die schon unter Verdacht standen, oder Herkunft der Briefe. Das Postgeheimnis war also regelrecht vom Staat missachtet.

Abteilung M hat zu diesem Zweck ein Lagerhaus eingerichtet, in dem sie versuchten ein Exemplar der Handschrift eines jeden, der Briefe in den Ausland schickte zu bekommen.

Um es besser einzuheften und Aktenkundiger zu machen waren auch ihre Ausweise kopiert. Diese Kopien waren von hilfswilligen Polizisten erworben, und mit den Handschriftexemplaren mit eingeheftet. Binnen Leipzig umfassten diese einige
100.000 Adressen.

Besonders sorgfältig ging die Abteilung mit Korrespondenz aus nicht Kommunistischen Ländern vor, bares war aus den Briefen entnommen. Zwischen 3-5% aller Briefe waren niemals zugestellt. Allerdings passend von der Stasi eingeheftet für den Fall……….

Einige Geräte die bei der Postüberwachung Einsatz fanden sind in dem Museum erhalten. Zum Aufmachen, zum Verschliessen, Kopiergeräte, Pressen (um die Briefe wieder flach zu kriegen).

Alle verdächtigten Inhalte waren entweder im Original oder als Photokopie an anderen Zuständigen weitergeleitet. Alle in Leipzig eingehende Telegramme waren im Stasibezirkshauptquartier kopiert.

i. Die Abteilung beschäftigte 800 Arbeiter, hiervon waren 85 mit der Aufgabe Briefe zu öffnen, kopieren, und zu verschliessen beauftragt.

ii. Briefe waren mittels Dampf geöffnet.

iii. Die Stasi hat selbst Briefe an möglichen Dissidenten gerichtet, hierzu waren sie mit Marken (Echt) und einem Arsenal an Falschstempeln ausgerüstet.

iv. Alle Briefe Richtung West Deutschland waren eine Kontrolle unterzogen.

v. Um Platz zu sparen waren die Inhalte manche Briefe auf Mikrofilm abgelichtet.

vi. Verschiedene Lampen fanden Verwendung in dem Kampf gegen Geheimschrift.

vii. Wie bereits geschrieben bares war sofort beschlagnahmt, umgekehrt das Ostgeld war auch entfernt. Der Staat hatte die Wahrung nötig.

viii. Einige Briefe waren ohne Grunde in den Akten aufgenommen.


Dieser Artikel habe ich mit Genehmigung des Autors Jeremy Martin übersetzt. Er erschien in dem Rundbrief The Society of Postal Historians. Leider sind die beigefügten Bilder zu schwammig weiterzugeben.

Einige Fragen hatte ich; nämlich sind die Stempel sichergestellt, oder besser vernichtet ? Abschläge der von der Stasi verwendeten Stempel sind uns erhalten geblieben.

Wer kennt näheres hierzu?

mfG

Nigel
 
Christian Am: 07.12.2008 11:54:17 Gelesen: 7247# 2 @  
@ doktorstamp [#1]

Hallo Nigel,

hier noch zwei, wie ich finde nützliche Beiträge zum Thema

http://www.briefmarkenverein-berliner-baer.de/vereinszeitung/241-1-stasi.htm

und

http://www.stasiopfer.com/brief.html

Meiner Einschätzung nach sind bestimmt noch diverse Stempel im Umlauf. Wenn ich daran denke, was mir 1989 / 1990 alles angeboten wurde, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass alle Stempel ordnungsgemäß vernichtet wurden.

Grüße Christian
 
doktorstamp Am: 07.12.2008 17:10:07 Gelesen: 7229# 3 @  
@ Christian [#2]

Danke für die Links. Hierdurch kann man so eine Art Gesamtbild des Vorgehens in der DDR schaffen.

mfG

Nigel
 
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