Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: Privatpost bis 1900: Auerbach
Meinhard Am: 07.05.2017 18:30:11 Gelesen: 4892# 1 @  
Die Anstalt wurde am 15. Oktober 1886 von Bernhard Richard Müller als "Express-Packet-Verkehr" für Auerbach und Falkenstein im Vogtland gegründet.

Bereits vier Wochen später wurde diesem Unternehmen der "Briefverkehr" als weiterer Zweig angegliedert, dem es von vornherein in dem gerade 8000 Einwohner zählenden Ort an Beförderungsnotwendigkeit mangelte. Dessen ungeachtet wurde gerade dieser Teil des Unternehmens mit einem Instrumentarium an Tarifen und einer Fülle von Wertzeichen verschiedenster Art ausgestattet, die für eine Anstalt mit der Beförderungskapazität einer Großstadt vollauf ausgereicht hätte. Neben weit über 100 Werten für Briefe und Pakete gab es Sonderausgaben für Warenproben, Drucksachen, Anweisungen sowie Eilboten- und Einschreibsendungen, ergänzt durch Nachporto- und Kontroll-Marken. "Bezettelungen", gedruckt mit fünf sorgsam konstruierten Druckplatten, die alle Wertstufen noch einmal zusammen für beide Schwesternanstalten enthielten. Dieses eher für den Sammler bestimmte reichhaltige Angebot wurde natürlich noch durch Probedrucke und eine ungezähnte Ausgabe (infolge Bruchs der Zähnungsmaschine) abgerundet und schließlich mit einer "Zwischenausgabe" - Zähnung der ersten, Farben der Zweiten - bis an die Grenze der Glaubwürdigkeit getrieben. Das diese Ausgaben kaum noch mit den postalischen Notwendigkeiten des Unternehmens begründet werden konnten, war in Sammlerkreisen bereits damals unbestritten. Umstritten aber blieb, ob und inwieweit hier die fachmännischen Ideen einer in Gößnitz versammelten Interessengemeinschaft hineingewirkt haben, deren philatelisches Presseorgan stets prompte Neuheitenmeldungen und begründete Erklärungen zu den verschiedenen Abarten samt den Klischees zu veröffentlichen in der Lage war.

Gegenüber der Markenproduktion stellte sich das Emmissionsprogramm der Ganzsachen geradezu bescheiden dar. Sozusagen als einziges philatelistisches Unglück mußte auf diesem Sektor die "Brand"-Ausgabe hingenommen werden, die ihre Existenz einem Feuerausbruch in den Anstaltsräumen verdankt.

Während der Briefverkehr am 31. März 1900 eingestellt werden mußte, bestand die Firma Richard Müller als Express-Packet-Verkehr bis zum Jahre 1907 weiter und ging dann an A.F.Leistner über, der unter Weiterbenützung der Wertzeichen das Unternehmen bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges weiterführte.

Quelle: Die Deutschen Privatpost-Anstalten, Band I von Hans Maier zu Eissen.

Privatpost " Falkenstein" siehe hier: http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=10288&CP=0&F=1

LG, Meinhard


 
JohannesM Am: 09.05.2017 15:21:44 Gelesen: 4821# 2 @  
@ Meinhard [#1]

Das ist ja Wahnsinn, in Halberstadt hatte die Courierpost gerade mal 3 Marken ausgegeben bei 40.000 Einwohnern. Leider kann ich nichts zeigen, da ich im Krankenhaus liege.

Beste Grüße
Eckhard
 
JohannesM Am: 11.05.2017 21:36:47 Gelesen: 4771# 3 @  
@ JohannesM [#2]

So, bin wieder zu Haus (Freu) und kann die 3 Marken zeigen, es gab zwar Unterschiede bei den Druckvermerken, aber das hatte mit den Auflagen zu tun.



Hier noch 2 Postkarten als Bedarfsverwendung.



Beste Grüße
Eckhard
 
Meinhard Am: 07.09.2017 19:21:43 Gelesen: 4602# 4 @  
Die nächste Ausgabe waren die "Eilbotenmarken". Im Michel werden diese unter der Nummer 79 bis 92 katalogisiert.

Die 2 Ausgabe gibt es in gez. 111/2, gez. 101/2 und geschnitten. Wenn man die verschiedenen katalogisierten Farben, welche im Michel angeführt sind, noch zu den verschiedenen Zähnungen dazu nimmt, wären es insgesamt "50" ? verschiedene Marken!! Das Motiv finde ich sehr gelungen, wenn man als Vergleich die Ausgaben der Reichspost nimmt.

LG, Meinhard


 
Meinhard Am: 07.09.2017 19:24:29 Gelesen: 4600# 5 @  
Kann jemand den Stempel identifizieren? Ich lese "Rich. Müller" - richtig?
Datum ..........?


 
Pete Am: 07.09.2017 19:59:16 Gelesen: 4590# 6 @  
@ Meinhard [#5]

Kann jemand den Stempel identifizieren? Ich lese "Rich. Müller" - richtig?

Dies lese ich ebenfalls.

Zur Datumsangabe: Man sollte meinen, dass es sich um eine Ziffernkolonne für ein Datum handelt. Allerdings sieht mir die erste Ziffer nach einer 5 (links oben mit einer Ecke versehen, daher keine 1; 2 oder 3 für die erste Ziffer der Tagesangabe) und die letzte Ziffer nach einer 7 aus. Bei der vorletzten Ziffer könnte es sich um eine 8 oder 9 handeln, eventuell auch um den geschwungenen Kopf einer 2.

Gruß
Pete
 
Meinhard Am: 07.09.2017 20:11:59 Gelesen: 4587# 7 @  
@ Pete [#6]

Danke dir, der Stempel ist mit Sicherheit nur ein "Gefälligkeitsstempel". Wenn man das Datum entziffern könnte, so wäre die Frage nach echt oder falsch erledigt.

Mache mal weiter mit den Marken für "Geldanweisungen". Im Michel werden diese unter der Nummer 93 bis 98 katalogisiert.

Auch hier gibt es 2 Ausgaben mit den Zähnungen 111/2, gez. 101/2 und geschnitten. Bei diesen Ausgabe gibt es incl. Probedrucke und Farben nur "22" verschiedene Marken, also schon etwas bekömmlicher zum Sammeln.

Gruß, Meinhard


 
Meinhard Am: 12.09.2017 18:27:51 Gelesen: 4541# 8 @  
Die nächste Ausgabe war für " Aufträge". Im Michel werden diese unter der Nummer 99 bis 106 katalogisiert.

Auch hier gibt es 2 Ausgaben mit den Zähnungen 111/2, gez. 101/2 und geschnitten. Bei diesen Ausgaben gibt es incl. Probedrucke und Farben "29" verschiedene Marken.

.

Und für "Einschreibsendungen". Im Michel unter den Nummern 107 bis 116 katalogisiert.

Auch hier gibt wieder 2 Ausgaben mit den Zähnungen 111/2, gez. 101/2 und geschnitten. Bei diesen Ausgaben gibt es incl. Probedrucke und Farben "36" verschiedene Marken.


 
Meinhard Am: 14.10.2017 11:00:38 Gelesen: 4390# 9 @  
Die nächste Ausgabe waren die " Kontrollmarken". Im Michel werden diese unter der Nummer 117 bis 126 katalogisiert.

Auch hier gibt es 2 Ausgaben mit den Zähnungen 111/2, gez. 103/4 und geschnitten. Bei diesen Ausgaben gibt es incl. Probedrucke und Farben "36" verschiedene im Michel katalogisierte Marken.



Die Größe der Marken ist ca. 42 x 50 mm. Zum Vergleich eine normale Höhe einer Marke von einer früheren Ausgabe.

Interessant ist noch, dass beide Wertangaben sowohl Pfennig als auch Mark auf dieser Ausgabe angegeben ist.

Der Druck erfolgte im "Steindruck" mit farblos eingeprägtem Wappen.


 
Meinhard Am: 08.04.2018 12:03:20 Gelesen: 3801# 10 @  
Nach einem Brand im August 1888 wurden noch vorrätige gezähnte Marken mit einem violettem Handstempel versehen (Beschreibung siehe bei Bild 1).

Einige dieser Marken mit Handstempel kann ich euch zeigen.

LG
Meinhard


 
buchhalter Am: 27.05.2020 18:49:17 Gelesen: 1249# 11 @  
Ich verweise auch auf den interessanten Artikel zum Thema Bernhard Richard Müller im Stadtarchiv Auerbach/Vogtland [1].

Hier wurden alle verfügbaren Daten und Fakten zusammengefasst und ergänzt.

[1] http://www.archiv-auerbach.de/pdf/Guenter%20Feustel%20-%20Privatpost%20Mueller.pdf
 
Richard Am: 01.06.2020 09:01:09 Gelesen: 1149# 12 @  
@ buchhalter [#11]

Danke für Den schönen Beitrag aus dem Stadtarchiv und willkommen auf den Philaseiten !

Bleib gesund, Richard
 
Meinhard Am: 19.07.2020 10:50:55 Gelesen: 832# 13 @  
Hier noch die Ausgaben für " Drucksachen". Im Michel werden diese unter der Nummer 57 bis 66 katalogisiert.

Auch hier gibt es 2 Ausgaben mit den Zähnungen 111/2, gez. 103/4 und geschnitten. Bei diesen Ausgaben gibt es incl. Probedrucke und Farben "21" verschiedene im Michel katalogisierte Marken.

Weiters gibt es " Ausgleichmarken". Im Michel werden diese unter der Nr. 67 und 68 katalogisiert. Hier gibt es incl. Farben 5 verschiedene.

Gruß, Meinhard


 
Meinhard Am: 20.07.2020 09:55:57 Gelesen: 800# 14 @  
Die Ausgaben für "Warenproben". Im Michel werden diese unter der Nummer 69 bis 78 katalogisiert.

Auch hier gibt es 2 Ausgaben mit den Zähnungen 11 1/2, gez. 10 3/4 und geschnitten. Bei diesen Ausgaben gibt es incl. Probedrucke und Farben "21" verschiedene im Michel katalogisierte Marken.


 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht  
 
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.