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Thema: Altdeutschland Helgoland: Die acht verschiedenen Auflagen der MiNr. 6
Das Thema hat 41 Beiträge:
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Markus Pichl Am: 15.08.2017 13:09:47 Gelesen: 8639# 17 @  
Hallo,

die gestempelte Marke, welche ich zusammen mit den ungebrauchten Marken mit Kammschlag von unten kommend gezeigt habe, ist real eine 6 f mit Kammschlag von oben kommend. Sie ist im kleineren Markenformat und diese Marken sind, wie ich vor knapp zwei Jahren anderswo schon betonte, bezüglich des Kammschlags schwerer beurteilbar. Sie passt auch vom Druckbild nicht wirklich zu den anderen, das Druckbild ist feiner und die dünnen Rahmenlinien des inneren und äußeren Rechtecks sind nicht in gleicher Art unterbrochen.

Die Marke wurde einst von Herrn Lemberger als 6 f signiert und dann von Herrn Schulz als 6 e (das f wurde mit einem "e" überstempelt).

In Bogen, bei denen der Kammschlag von oben kommt, sitzen die Marken im kleineren Markenformat in der obersten waagerechten Markenreihe. Die Marke stammt von Feld 3. Dies beweist Feld 48 im Berliner Neudruckbogen I aus 1875, denn auf der Zwickelplatte gibt es einen weiteren Plattenfehler, das ist diese mit Pfeil markierte Schlaufe an der Arabeske. Auch in Bezug auf die Zähnung passt diese Marke optimal auf dieses Feld (natürlich kopfstehend). Dreht man den Bogen um 180 Grad, dann ist es Feld 3.



Die Stellung des "AU" für August im Rundstempel verrät, dass die Marke nicht im Jahre 1872 gestempelt wurde, denn im August 1872 stand das "AU" im Stempel hinter und nicht vor den Tagesziffern. Somit mit ganz großer Wahrscheinlichkeit eine Entwertung aus August 1873.

Die Marken, die auf der linken und rechten Seite oben einen spitzen Ausgleichszahn aufzeigen, habe ich jetzt alle in einen Ordner getan (egal als was sie vorher signiert oder befundet wurden) und werde ich im nächsten Beitrag zeigen.

Der bisher noch nicht gezeigte Zwickel-Plattenfehler von Feld 3, findet sich auch den Berliner Neudruckbogen II aus 1879 und IV aus 1884



Keine Sorge, ich bekomme die Auflagen schon noch auseinander und werde dem BPP erklären, was alles jahrzehntelang auf diesem Sammelgebiet von seinen Prüfern falsch gemacht wurde.

Beste Grüße
Markus
 
Markus Pichl Am: 15.08.2017 17:24:11 Gelesen: 8608# 18 @  
Hallo,

wie groß die Irrungen und Wirrungen bei Helgoland MiNr. 6 und deren Auflagenprüfungen sind, soll dieser Beitrag aufzeigen.

Im November 2016 standen in einem anderen Forum die beiden nachstehenden Marken zur Diskussion (Bildquelle: ebay, Anbieter "kuestrow")







Irrtümlich beurteilte ich innerhalb der damaligen Diskussion diese beiden Marken als MiNr. 6 e.

Richtig ist, dass es sich bei der von den Herren Lemberger BPP und Schulz BPP als 6 d geprüften Marke um keine solche handelt. Sie zeigt weder das Druckbild einer 6 d und der Kammschlag kommt von oben statt von unten.

Der Käufer der beiden Marken teilte später mit, dass es sich gemäß neuer Prüfung Estelmann BPP bei der befundeten eindeutig um eine 6 e handeln würde und die Marke nun entsprechend signiert sei. Leider ist mir wirklich eine Fehleinschätzung am Bild unterlaufen und Herrn Estelmann eine Fehlprüfung am Original, da die unterschiedlichen Arabesken die Stellung der Zwickelplatte verraten (siehe Pfeile) und somit ist es eine MiNr. 6 f, mit feinem Druckbild, ein gut deckendes, zart aufgetragenes lichtes Grün und Kammschlag von oben kommend. Auch das Verwendungsdatum ist abermals August 1873, wie bei den meisten MiNr. 6 f. Selbiges gilt für die oben gezeigte zweite Marke, nur dass deren Grün noch mehr an ein "Maigrün" erinnert, wie im Kohl-Handbuch für diese Auflage beschrieben.

Hier die beiden Marken im Vergleich, zu der MiNr. 6 e von Feld 3 mit Zwickel-Plattenfehler "zungenförmige Einkerbung" und Stempeldatum vom 6.Juli.1873



Nebenbei möchte ich vermerken, dass ich mittlerweilen in Erfahrung bringen konnte, dass der Urstempel für die Zwickelplatte noch heute in Berlin im Museum lagert und dass auch an diesem Urstempel erkennbar ist, dass eine der vier Arabesken eine klar abweichende Form zu den anderen drei aufzeigt.

Dann war mir in meinen alten, kürzlich erst wieder gefundenen, Bilddateien aufgefallen, dass die zweite Marke mit Stempel vom 10.August.1873 mir schon im Jahre 2009 vorlag. Hier ein Vergleichsbild von damals, mit zwei Stück MiNr. 6 e



Stimmt, ich selbst hatte ein Fotoattest für diese Marke im Oktober 2009 ausgestellt und sie wurde dann in der 109. Dr. Reinhard Fischer Auktion zum Ausruf von Euro 400.- angeboten und auch versteigert.



Warum im ebay-Angebot das von mir ausgestellt Attest nicht gezeigt wurde, entzieht sich im Moment meiner Kenntnis. Vielleicht lag es der von "kuestrow" gekauften Sammlung nicht bei? Schade, wenn es gezeigt worden wäre oder hätte können, dann hätte dieser Sachverhalt im letzten Jahr mich schon zu neuen Anstrengungen, die Sache mit der richtigen Auflageneinteilung von Marken der MiNr. 6, verleitet. Aber nun ist es ja geschafft. Jedoch frage ich mich, mit welchem Vergleichsmaterial arbeitet eigentlich Herr Estelmann BPP bzw. hat er überhaupt welches?

Beste Grüße
Markus
 
Markus Pichl Am: 16.08.2017 09:22:10 Gelesen: 8559# 19 @  
Hallo,

das Problem der korrekten Unterscheidung von Marken der Helgoland MiNr. 6 nach ihren verschiedenen Auflagen, ist seit mehr als 100 Jahren bekannt. Als Sammler dieser Marken wundert man sich spätestens ab dem Zeitpunkt, wenn man mehrere geprüfte Marken der MiNr. 6 angesammelt hat und man sich dann fragt, warum bei eigentlich gleich aussehenden Marken der gleiche oder verschiedene Prüfer zu unterschiedlichen Prüfungsergebnissen gekommen ist? Wie eingangs schon geschrieben, konnten bisher veröffentlichte Handbücher diese Fragen auch nicht erschöpfend beantworten. Zumindest dann nicht, wenn man sich nicht unendlich tief in die Materie einarbeitet und über viel Vergleichsmaterial verfügt. Erschwerend kommt natürlich hinzu, dass man die Erklärungen in den Handbüchern auch falsch interpretieren kann, wenn einem vielerlei von Prüfern falsch klassifizierte Marken vorliegen.

In meiner Ausarbeitung im Oktober 2015 hatte ich leider keine Auswertung über die Verwendungsdaten vorgenommen und ich konnte und wollte mir auch nicht vorstellen, neben mir bereits bekannten Fehlprüfungen von Lemberger und Schulz, dass auch Cornelia Brettl BPP leider des Öfteren fehlerhafte Beurteilungen, in der Unterscheidung der verschiedenen Auflagen von MiNr. 6, unterlaufen waren. So vertraute ich leider verschiedenen von Ihr ausgestellten Befunden zu MiNr. 6 f, rein in dem Glauben, wenigstens sie muß es doch gekonnt haben. Das man aber leider quasi keiner der in der Vergangenheit erfolgten BPP-Prüfungen bezgl. Helgoland MiNr. 6 vertrauen darf, ist leider nun klar gewordene Realität. Meine Frustration, über das Elend der vielen Fehlprüfungen von BPP-Prüfern im Sammelgebiet Helgoland, ist enorm groß. Als Sammler sowie als Händler möchte ich doch Gewissheit haben, dass es sich auch tatsächlich um die Auflage handelt, welche ich mir für die Sammlung gekauft habe oder einem Sammler anbiete.

Kürzlich wurde die nachstehende Marke auf ebay verkauft (Bildquelle: Anbieter "flynnboy"). Die Marke ist von Herrn Lemberger BPP als "6 f" signiert, aber dies entspricht leider nicht der tatsächlichen Auflage und im Vergleich mit der zuvor gezeigten, von Herrn Schulz BPP falsch klassifizierten Marke, sehen wir auch warum.





Bei beiden Marken sehen wir die gleiche Stellung der Zwickelplatte, welche ich im Moment als "normal stehend" deklariert habe. Bei der linken Marke kommt der Kammschlag von unten, bei der rechten von oben. Jeweils erkennbar an den spitzen Zähnen oben bzw. unten, auf der linken und der rechten Seite. Im Kohl-Handbuch wird erklärt, dass das Druckbild der IV. Auflage unscharf ist und die grüne Druckfarbe ein ausgesprochen schmutziges, trübes, aber ziemlich helles Gelbgrün ist. Im Vergleich zu der "lichtgrünen" MiNr. 6 f, wird dies dann auch deutlich sichtbar. Betrachtet man im Vergleich gebrauchte Marken der MiNr. 6 d, so spiegeln sich die Merkmale der linken Marke in diesen wider und durch die Verwendungsdaten zuordnungsbar.

Im Beitrag [#9] hatte ich schon einige Marken und Briefe der MiNr. 6 d (IV. Auflage) gezeigt, u.a. die Fehlprüfungen von Herrn Lemberger, bei dem Viererblock und dem Oberrandstück. Aus diesem Beitrag wissen wir, dass alle diese Marken der IV. Auflage einen von unten kommenden Kammschlag zeigen. Nun habe ich alle mir im Moment vorliegenden Marken der MiNr. 6, bei denen der Kammschlag von unten kommt, herausgesucht und zeige ich im nachstehenden Scan.



Im Kohl-Handbuch wird angegeben, dass bei der IV. Auflage die Farbe der Zwickel blaßrosa sein soll, aber dies trifft nur auf einen Teil der Auflage zu. Vor knapp zwei Jahren wurde bereits von mir aufgezeigt, dass vor allem die Farbe der Zwickel innerhalb einer Auflage stark variieren kann. Nachstehend acht Marken der V. Auflage, aufgenommen innerhalb von einem Scan, bei denen auch verschiedene Farbtönungen der Zwickel zu ersehen sind.



Im hier dargestellten Vergleich, ist der Unterschied zwischen dem hellen Gelbgrün der IV. Auflage und dem Olivgrün der V. Auflage, gut zu erkennen. Der Vorteil für alle Betrachter liegt darin, dass hier die beiden Auflagen mit genügend Marken, bei denen die Bilder mit jeweils identischen Scannereinstellungen aufgenommen wurden, dargestellt werden können.

Im Bild der Marken der IV. Auflage, sticht die dritte Marke in unterer Reihe hervor. Sowohl von ihrem etwas im Verhältnis zu den anderen sieben Marken sauberer ausgeführtem Druck, den tieffarbigen Zwickeln und dem weißen Papier. Das weiße Papier begründet sich ganz einfach dadurch, dass das Papier stark gereinigt und mit Neugummi versehen wurde. Im direkten Vergleich zu bereits gezeigter Marke MiNr. 6 f, wird aber auch hier deutlich, dass es sich dennoch um einen unscharfen Druck handelt und von der klar unterschiedlichen Farbgebung der grünen Druckfarbe ganz zu schweigen.



Im nachstehenden Bild sind Bilddateien von Marken, die mit einem von unten kommenden Kammschlag gezähnt wurden, fremder Herkunft dargestellt. Da diese Marken auf einem oder mehreren anderen Scannern mit von meinen Einstellungen abweichender Farbkalibrierung aufgenommen wurden, kann man die Farben nicht 1:1 mit meinen Scans vergleichen. Zu ersehen ist aber, dass es sich jeweils um einen unscharfen Druck handelt und somit diese vier Marken eindeutig aus der IV. Auflage (MiNr. 6 d) stammen.





Ich möchte nicht ausschließen, dass mir an den vorstehenden Marken im Jahre 2008 vielleicht auch derartige Fehlbeurteilungen unterlaufen wären. Das Beispiel zeigt aber in jedem Fall auf, dass es als Prüfer unabdingbar ist, sich auch mit den druck- bzw. herstellungstechnischen Eigenschaften der Marken auseinanderzusetzen, welche man prüft und dies war wohl im Sammelgebiet Helgoland bisher nie in einem ausreichenden Umfang geschehen. Durchaus hatte ich aber immer die Vorstellung, BPP-Prüfer hätten dies immer gemacht und würden in Vergleichsmaterial schwimmen, aber diese Vorstellung ist zumindestens auf diesem Sammelgebiet in der Luft zerplatzt.

Im nachstehenden Bild habe ich sechs Marken der MiNr. 6 f zusammengefasst. Die Bilddateien wurden mit verschiedenen Scannern aufgenommen und ich habe nur eine Anpassung in der Belichtung der Bilder vorgenommen. Alle sechs Marken zeigen die selbe Stellung der Zwickelplatte ("normal stehend"), der Kammschlag wurde von oben angesetzt und die Druckfarbe ist ein "lichtgrün" bzw. ein "maigrün". Letztendlich weit weg von der gelbgrünen Druckfarbe der IV. und der olivgrünen der V. Auflage. In "maigrün" steckt ein leichter Blauanteil, da es u.a. mit preußischblau verschnitten wird.



Beste Grüße
Markus
 
Markus Pichl Am: 18.08.2017 10:00:25 Gelesen: 8504# 20 @  
Hallo,

nun zuletzt die Marken der VII. und VIII. Auflage.

Im Michel sind diese wie folgt katalogisiert:

y dickes gegittertes Papier ("Leinenpapier")
g bläulichgrün / dunkelkarmin (Juli 1873)
h lebhaftbläulichgrün / karmin (Sept. 1873)

und im Kohl-Handbuch:

B. dickes gegittertes Papier
g mattbläulichgrün (Druck unscharf) / dunkelkarmin (Juni 1873)
h lebhaft(bläulich)grün (Druck scharf) / karmin (Sept. 1873)

Die Auflagenhöhe jeweils 20.000 Stück.

Der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden letzten Auflagen gegenüber den zuvor gedruckten ist das Papier. Es hat bei Durchsicht ein gitterartiges Muster. Das es auch dicker als das Papier der vorigen Ausgaben sein soll, ist mir ein kleines Rätsel. Es mag sich starrer anfühlen, aber Papiermessungen an Marken ohne Gummierung zeigen, dass die zuvor verwendeten Papiere in der Regel genauso dick sind.

Nachstehend ein Vergleichsbild bei Durchsicht (Marken einfach gegen eine Lichtquelle halten), mit Marken aus der II. bis V. Auflage im Vergleich mit Marken der VII. und VII. Auflage. Das gitterartige Muster im Papier der beiden letzten Auflagen, ist klar zu erkennen.



Die VII. und VIII. Auflage unterscheidet sich dann wiederum in der Druckausführung. Hierzu gibt das Kohl-Handbuch die notwendigen Informationen an, VII. Auflage unklarer Druck, VIII. Auflage scharfer Druck. Nach meiner Beobachtung kann die rote Druckfarbe der Zwickel, aufgrund fließender Farbmischung bei der Herstellung, durchaus in beiden Auflagen etwas variieren. Die grüne Druckfarbe kann durch spätere äußere Einflüsse varieren.

Betrachtet man genügend Marken beider Auflagen, so wird der Unterschied, unklarer und scharfer Druck, deutlich sichtbar.

Marken der VII. Auflage (MiNr. 6 g)



Die Angabe über das Ersttagsdatum "6.7.73" für die VII. Auflage im Kohl-Handbuch, kann ich leider nicht nachvollziehen, in meinem Archiv ist die früheste gestempelte Marke dieser Auflage die oben im Bild gezeigte vom 14.August.1873

Marken der VIII. Auflage (MiNr. 6 h)



Die beiden vorstehenden Bilder sind zwar jeweils ein Mix von Scans verschiedener Herkunft, aber ich denke jeder kann nachvollziehen, dass die Marken der jeweiligen Auflage korrekt zugeordnet sind. Dies zeigt sich dann auch an dem nachstehenden UV-Bild. Das Grün der Marken der VII. Auflage reagiert deutlich heller und das Grün von Marken der VIII. Auflage deutlich dunkler. Die beiden UV-Reaktionen sind sogar so deutlich unterschiedlich, dass man UV-Farbbezeichnungen vergeben könnte.



Hier noch ein schöner Dreierstreifen der MiNr. 6 g auf Briefstück (Bildquelle: Auktionshaus Christoph Gärtner).



Und dann ein Brief, frankiert mit Marken MiNr. 6 h und 7 c (dieser Brief gehörte im Jahre 2009 mir und es handelt sich um Eigenscans, heute würde ich den Brief mit 1200 statt 200 dpi einscannen). Bei zwei anderen einst als angeblich mit 6 h frankierten Marken, sind leider die Bilder so winzig bzw. so schlecht, dass ich nicht erkennen kann, ob es sich wirklich um Marken der VIII. Auflage handelt. Durchaus habe ich aber meine Zweifel, einmal sogar wegen dem Verwendungsdatum, dass es sich um solche handelt. Bei dem nachstehenden handelt es sich tatsächlich um eine Marke der VIII. und letzten Auflage.





Die Stellung der Zwickelplatte ist bei den beiden letzten Auflagen "normal stehend", insofern man den Zwickel-Plattenfehler, wenn er auf Feld 48 im rechten unteren Zwickel vorkommt, als "normal stehend" definiert. Der Kammschlag wurde bei beiden Auflagen jeweils durchgängig von oben angesetzt.

Durchaus kommen auch bei diesen beiden Auflagen Fehhlprüfungen vor, aber irgendwann bin selbst ich es leid, das Elend weiter aufzuzeigen.

Gebrauchte Marken der VIII. Auflage sind nach meinem Dafürhalten extrem unterbeweret, da nur sehr selten vorkommend.

Beste Grüße
Markus
 
Markus Pichl Am: 20.08.2017 16:42:12 Gelesen: 8463# 21 @  
Hallo,

mit diesem Beitrag möchte ich eine Gesamtübersicht, über die acht verschiedenen Auflagen der MiNr. 6, geben. Am Ende finden sich dann noch die verschiedenen gezähnten Neudrucke zu 1/2 Schilling und Fälschungen.

Da nun ein Merkmal gefunden ist, mit dem die Stellung der Zwickelplatte bei einer jeden Einzelmarke auskundig gemacht werden kann und auch eine Auswertung der Verwendungsdaten stattfand, kann ab sofort in Zusammenhang mit weiteren drucktechnischen Merkmalen eine korrekte Zuordnung von Marken der MiNr. 6, zu der richtigen der acht verschiedenen Auflagen, gewährleisteistet werden.

Welche Stellung der Zwickelplatte nun als „kopfstehend“ oder „normal stehend“ bezeichnet werden kann, ist evtl. nicht mehr rückvollziehbar. Da die noch vorhandenen 25 Klischees den Zustand zeigen, den sie seit dem letzten von Goldner in Hamburg in Auftrag gegebenen Druck haben und bereits zu den Leipziger Neudrucken im Jahre 1888 überarbeitet wurden, evtl. sogar vom Urstempel neue Klischees gefertigt wurden.

Letztendlich kommt es aber auch nicht darauf an, ob nun die Stellung der Zwickelplatte als „kopfstehend“ bezeichnet wird, wenn der Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 3 oder 48 positioniert ist. Wichtig ist aber die Erkenntnis, welche man aus den verschiedenartigen Drucken inkl. den Neudruckauflagen zu MiNr. 6 ziehen kann, dass innerhalb der Zwickelplatte die Galvanogruppen immer nur in eine Richtung eingesetzt werden konnten und nur die gesamte Druckplatte als solche in die eine oder in die andere Richtung eingesetzt werden konnte. Daher werde ich in der nachstehenden Übersicht angeben, auf welchem Feld sich der Zwickelplattenfehler befunden hat.

Für die Angaben der Druckfarben, verwende ich nachstehend die Farbbezeichnungen aus dem Kohl-Handbuch. Anzumerken ist, dass in den meisten Auflagen deutlich unterschiedliche Sättigungsgrade des Rotdrucks beobachtet werden können.

MiNr. 6 a, I. Auflage, Papier ohne Struktur, geliefert im April 1869
Druckfarben: zartblaugrün (Druck fein) / karmin (Druck voll)
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 3
Kammschlag: von oben kommend
Auflagenhöhe: 400 Bogen (= 20.000 Stück)
Bisher registriertes Frühdatum: 5.Juli.1869 (nach Kohl), gezeigt werden konnte der 15.Juli.1869



MiNr. 6 b, II. Auflage, Papier ohne Struktur, geliefert im August 1870
Druckfarben: hellgrün (Druck unscharf) / karmin (verschiedene Sättigungsgrade)
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 3
Kammschlag: von oben kommend
Auflagenhöhe: 300 Bogen (= 15.000 Stück)
Bisher registriertes Frühdatum: 28.Mai.1871



MiNr. 6 c, III. Auflage, Papier ohne Struktur, geliefert im Juli 1871
Druckfarben: bronzegrün (Druck sehr scharf) / karmin (Druck porös)
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 48
Kammschlag: von oben kommend
Auflagenhöhe: 500 Bogen (= 25.000 Stück)
Bisher registriertes Frühdatum: es sind Teilabschläge aus August 1871 bekannt, leider sind auf diesen die Tagesziffern nicht erkennbar



MiNr. 6 d, IV. Auflage, Papier ohne Struktur, geliefert im Januar 1872
Druckfarben: trübhellgelbgrün (Druck unscharf) / mattrosa (verschiedene Farbtöne bis karminrot)
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 48
Kammschlag: von unten kommend
Auflagenhöhe: 200 Bogen (= 10.000 Stück)
Bisher registriertes Frühdatum: 18.Mai.1872
Anmerkung: Marken dieser Auflage kommen überwiegend in ungebraucht vor, ein größerer Teil der Auflage ist vermutlich damals von der Helgoländer Post an Händler verkauft worden. Dies erklärt auch, dass spätere Verwendungsdaten als Juli 1871 bisher nicht vorliegen.



MiNr. 6 e, V. Auflage, Papier ohne Struktur, geliefert im Juli 1872
Druckfarben: hellolivgrün (Druck scharf) / karmin (verschiedene Sättigungsgrade)
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 3
Kammschlag: von oben kommend
Auflagenhöhe: 400 Bogen (= 20.000 Stück)
Bisher registriertes Frühdatum: 13.August.1872



MiNr. 6 f, VI. Auflage, Papier ohne Struktur, geliefert im September 1872
Druckfarben: licht- bzw. maigrün (Druck scharf) / karmin (verschiedene Sättigungsgrade)
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 48
Kammschlag: von oben kommend
Auflagenhöhe: 200 Bogen (= 10.000 Stück)
Bisher registriertes Frühdatum: 21.Juni.1873



MiNr. 6 g, VII. Auflage, gegittertes Papier, geliefert im Juni 1873
Druckfarben: mattbläulichgrün (Druck unscharf bzw. unklar) / dunkelkarmin
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 48
Kammschlag: von oben kommend
Auflagenhöhe: 400 Bogen (= 20.000 Stück)
Bisher registriertes Frühdatum: 14.August.1873



MiNr. 6 h, VIII. Auflage, gegittertes Papier, geliefert im August 1873
Druckfarben: lebhaftbläulichgrün (Druck scharf) / karmin
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 48
Kammschlag: von oben kommend
Auflagenhöhe: 400 Bogen (= 20.000 Stück)
Bisher registriertes Frühdatum: 23.Mai.1874
Anmerkung: die letzte Auflage ist in gebrauchter Erhaltung sehr selten und völlig unterbewertet.



Zu den ½ Schilling-Marken gibt es keine amtlichen Neudrucke, nur amtlich vermittelte und rein private. Diese gibt es in den Trennungsarten: ungezähnt, gezähnt und durchstochen. Letztendlich können aber nur die gezähnten Neudrucke mit den Originalmarken MiNr. 6 verwechselt werden und daher zeige ich nachstehend auch nur solche.

Grundsätzlich wird bei Neudrucken von Helgoland in drei Gruppen unterschieden:
Erste Gruppe: amtliche Neudrucke, hergestellt in der Reichsdruckerei Berlin
Zweite Gruppe: amtlich vermittelte Neudrucke, hergestellt in der Reichsdruckerei Berlin (kurz BND)
Dritte Gruppe: rein private Neudrucke, hergestellt in Leipzig (kurz LND) und in Hamburg (kurz HND)

Die in der Reichsdruckerei Berlin hergestellten amtlich vermittelten Neudrucke, sind mit den gleichen Druckmaterialien und Zähnungskamm hergestellt worden, wie die Originale. Papier, Druckfarben und letztendlich auch das Druckbild, unterscheiden sich aber von den Originalen. In gezähnt wurden in Berlin drei verschiedene Auflagen hergestellt:

Berliner Neudruck I vom 6.Juni.1875
Druckfarben: schmutziggelbgrün (Druck grob bis unsauber) / trübkarmin bis trübrosa (Druck voll, scharf durchgeprägt)
UV-Reaktion der Druckfarben: schwarzgrün / lila
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 3
Kammschlag: von unten kommend
Auflagenhöhe: 1.000 Bogen (= 50.000 Stück)

Berliner Neudruck II aus Mai 1879
Dieser wurde in einer Auflage von nur 5.000 Stück hergestellt und unperforiert ausgeliefert. Erst im Mai 1884 wurden 84 Bogen (= 4.200 Stück) mit einer Kammzähnung versehen.
UV-Reaktion der Druckfarben: dunkelgeblichgrün (Rahmenlinien, vor allem die des kleinen Rechtecks um das Oval, meist unvollständig) / lila (Druck fein)
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 48
Kammschlag: von unten kommend
Anmerkung: durch die unterschiedliche Stellung der Zwickelplatte zum Berliner Neudruck I, als auch die unterschiedliche UV-Reaktion zu selbigen und dem nachfolgenden, lässt sich dieser in gezähnte seltene amtlich vermittelte Neudruck klar gegenüber den beiden anderen Auflagen unterscheiden. Das nachstehende Stück, wurde mit einem Falschstempel versehen. Hierbei handelt es sich um einen vermutlich von Goldner selbst angebrachten Falschstempel.

Berliner Neudruck IV aus Mai 1884
Druckfarben: moosgrün (Rahmenlinien weniger unvollständig, aber in den Mittelmedaillons häufig weiße Stellen) / karminrot bis rosa (Eosinfarben, druck voll und deutlich durchprägend)
UV-Reaktion der Druckfarben: schwarzgrün / grelleosinrot („Leuchtkeksfarben“)
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 48
Kammschlag: von oben kommend



Die Druckmaterialien der Schillinge-Marken kaufte der Briefmarkenhändler J. Goldner bereits am 14.Januar.1879 von der Helgoländer Regierung, aber die Reichsdruckerei nahm von Goldner selbst keine Druckaufträge an und so bedurfte es immer der Vermittlung durch den britischen Gouverneur von Helgoland. Im Jahre 1886 wurde auf Helgoland ein neuer britischer Gouverneur eingesetzt, der die Vermittlung von Druckaufträgen ablehnte. Er ließ sogar die Druckmaterialien beschlagnahmen, aber Goldner konnte sich durch den erwähnten Kaufvertrag als rechtmäßiger Eigentümer der Druckplatten ausweisen und so wurden sie wieder freigegeben. Da aber keine weitere Vermittlung durch den neuen Gouverneur stattfand, war Goldner die Möglichkeit genommen, seine Neudrucke weiter in der Reichsdruckerei herstellen zu lassen. Weitere Neudrucke ließ Goldner dann zunächst im Jahre 1888 in Leipzig durch die Firma Giesecke & Devrient und von 1891 bis 1895 in Hamburg von der Buchdruckerei F. Schlotke & Co. anfertigen. Bei diesen in Leipzig und Hamburg hergestellten Neudrucken spricht man daher von „rein privaten Neudrucken“. Wie oben schon erwähnt, wurden die Druckplatten zur Herstellung der Leipziger Neudrucke vollständig überarbeitet, weitere Überarbeitungen fanden dann wohl auch in Hamburg statt.

Diese sogen. Leipziger- und Hamburger-Neudrucke zu ½ Schilling unterscheiden sich abermals im Papier und den Druckfarben, von allen zuvor hergestellten Originalen und amtlich vermittelten Berliner Neudrucken. Auch bei den rein privaten Neudrucken möchte ich mich hier nur auf die in gezähnt hergestellten konzentrieren. Vor allem sind diese an der abweichenden Zähnung zu erkennen, da die beiden oben genannten Druckereien über andere und nicht die gleichen Zähnungskämme wie in der Reichsdruckerei Berlin verfügten.

Bei den Leipziger Neudrucken ist es eine kleinlochige waager. Reihenzähnung (Kammzähnung), die angebracht wurde. Soll heißen, bereits an den viel kleineren Zahnlöchern sind gezähnte Leipziger Neudrucke gegenüber Originalmarken oder amtlich vermittelten Berliner Neudrucken zu erkennen.

Alle gezähnten Hamburger Neudrucke zu Helgoland-Marken wurden mit einer Linienzähnung perforiert. Die Linienzähnung ist an den unregelmäßigen Eckzähnen gut erkennbar. Nach den bisherigen Erkenntnissen sind die Hamburger Neudrucke in vier Auflagen eingeteilt (A, B, C und D), gezähnte Neudrucke zu ½ Schilling wurden den Auflagen B und C zugeordnet.



Zu guter letzt noch Fälschungen der MiNr. 6, hergestellt mit falschen Druckmaterialien. Jedes Detail im Druckbild weicht von allem zuvor gezeigten ab.



Beste Grüße
Markus

[Redaktioneller Hinweis: Korrektur siehe Beitrag [#26]]
 
siegfried spiegel Am: 21.09.2017 11:30:35 Gelesen: 8329# 22 @  
Berliner Neudruck IV aus Mai 1884
Druckfarben: moosgrün (Rahmenlinien weniger unvollständig, aber in den Mittelmedaillons häufig weiße Stellen) / karminrot bis rosa (Eosinfarben, druck voll und deutlich durchprägend)
UV-Reaktion der Druckfarben: schwarzgrün / grelleosinrot („Leuchtkeksfarben“)
Stellung der Zwickelplatte: Zwickelplattenfehler „zungenförmige Einkerbung“ auf Feld 48
Kammschlag: von oben kommend


Hallo Markus,

der Zwickelplattenfehler "zungenförmige Einkerbung" des Berliner Neudrucks IV befindet sich auf Feld 38.



Beste Grüße
Siegfried
 
Markus Pichl Am: 21.09.2017 11:50:46 Gelesen: 8320# 23 @  
Hallo Siegfried,

danke, für Deine Korrektur. Das ist ein Schreibfehler oder ähnliches meinerseits gewesen.

Nachstehend noch ein vollständiger Bogen BND IV 1884 durchstochen. Hatte ich im Dezember 2014 als Auktionssachbearbeiter auf meinem Schreibtisch liegen.





Beste Grüße
Markus
 
Kolarbeiter Am: 30.12.2017 19:35:55 Gelesen: 7471# 24 @  
Sehr geehrter Herr Pichl,

mit großem Interesse habe ich mich über Weihnachten mit Ihren Ausführungen zur Nr.6 beschäftigt. Ich finde es ganz toll, daß ein Experte mal sein Wissen teilt, was selten genug ist. In meiner Vergleichsammlung hatte ich die mit Abstand die meisten ungeklärten Helgoland-Marken bei der Nr.6. Jetzt lüftet sich der Schleier langsam.

Vielleicht als Anregung: Wenn Sie weiter mit den Zwickel-Platten arbeiten, machen Sie doch eine römisch I und II daraus.



Das ewige mal kopfstehend, mal PL-Fehler auf Feld 3 oder 48 hat doch ganz schön verwirrt. Auch wäre es einfacher gewesen, wenn Sie die Zwickelfelder nicht gedreht hätten. Das hat mich anfangs mehrfach durcheinander gebracht. Aber insgesamt super interessant. Ich habe meine 20 ungeprüften wahrscheinlich echten sortiert, bis auf die f ist wohl jede Farbe vertreten. Trotzdem finde ich die Abgrenzung von a, b und e sehr schwierig. Für die Analyse wäre es wahrscheinlich einfacher, wenn man sich von der zeitlichen Reihenfolge und den Farb-Buchstaben trennen würde und erst einmal nach Zwickel-Platte, Kammschlag und Papier sortiert.

Ich habe meine 1 a-e eingescannt und zwei Werte, die ich nicht zuordnen konnte. Können Sie meine a-e bestätigen und was zu den anderen 2 Marken sagen?

Beste Grüße,
Robert
 
Markus Pichl Am: 31.12.2017 12:57:31 Gelesen: 7427# 25 @  
@ Kolarbeiter [#24]

Hallo Robert,

es freut mich sehr, dass Sie sich über Weihnachten mit Ihren Helgoland-Marken und meinen Ausführungen beschäftigt haben.

Auch wäre es einfacher gewesen, wenn Sie die Zwickelfelder nicht gedreht hätten. Das hat mich anfangs mehrfach durcheinander gebracht.

In Beitrag [#10] findet sich auch ein großes Übersichtsbild, mit vier Markenreihen und vielen gelben Pfeilen - welche immer auf den linken unteren Zwickel bzw. dessen Arabeske zeigen und den Unterschied verdeutlichen. Letztendlich ist es eine Übungssache. Soll heißen, je mehr Helgoland-Marken MiNr. 6 man selbst im Original betrachtet, um so sicherer wird der Blick für "kopfstehende" oder "richtig stehende" Zwickelplatte. Dies erging anfangs auch Siegfried so, dass es schwierig war zu unterscheiden, aber mittlerweile, wie er mir berichtet hat, reicht ein, ggf. ein zweiter kurzer Blick aus, um korrekt die Stellung der Zwickelplatte zu bestimmen.

Wenn Sie weiter mit den Zwickel-Platten arbeiten, machen Sie doch eine römisch I und II daraus.

Dies würde bedeuten oder könnte insofern falsch verstanden werden, dass es sich um zwei verschiedene Zwickelplatten handelt, aber es ist immer selbige war, nur halt um 180 Grad gedreht.

Nun zu Ihren Marken. Leider handelt es sich um einen Scan mit nur 300 dpi Bildauflösung und da sind auch mir Grenzen gesetzt. Besser wären einzelne Bilder mit einer Bildauflösung von wenigstens 600, noch besser 1200 dpi. Die Anzahl der Marken lässt sich ohne weiteres auf einmal bei höherer Bildauflösung einscannen und dann der Scan in mehrere Bilder auseinander schneiden, um hier dann mit solchen zu hinterfragen.

Für die Analyse wäre es wahrscheinlich einfacher, wenn man sich von der zeitlichen Reihenfolge und den Farb-Buchstaben trennen würde und erst einmal nach Zwickel-Platte, Kammschlag und Papier sortiert.

Bei der Bestimmung der richtigen Auflage empfiehlt es sich die Marken zuerst nach Papiersorten, Papier ohne Stuktur oder gegittertes Papier, zu unterscheiden. Die mit Marken mit Papier ohne Struktur dann nach "kopf-" oder "richtig stehender" Zwickelplatte trennen. Bei denen mit "richtig stehender" Zwickelplatte, kann die IV. Auflage (6 d) recht einfach über die Richtung des Kammschlags aussortiert werden (Marken der 6 d im kleineren Markenformat, also solchen aus der untersten Bogenreihe der IV. Auflage, sind durchaus etwas schwieriger als solche zu erkennen. Hier dann aber wieder, wer nicht selbst über Bogenmaterial der Berliner Neudrucke verfügt, welche mit selbgiem Zähnungskamm wie die Originale gezähnt wurden, wieder das Druckbild weiterhilft).

I., II. und V. Auflage, also a, b und e, haben jeweils "kopfstehende" Zwickelplattenstellung. Die V. Auflage differenziert deutlich in der Farbtönung, von der I. und II. Auflage. Die Unterscheidung zwischen I. und II. Auflage ist schon etwas schwierigen.

Ihre Bestimmung für c, d und e kann ich anhand der Bilder bestätigen (3., 4. und 5. Marke in oberer Reihe). Schwerer tue ich mich bei den ersten beiden Marken in oberer Reihe, da die Bildqualität nicht ausreichend ist. Die erste Marke stammt zumindest von Bogenfeld 44. Dies ist an dem unten links abgeschrägtem "H" von "HELIGOLAND" zu erkennen. Der Farbpunkt links am Oval, kommt in jedem Fall bei der II. Auflage vor, ob auch bei der I. Auflage, ist noch nicht sicher gestellt. In der dritten Auflage, taucht dieser Farbpunkt nicht mehr als Feldmerkmal auf Feld 44 auf.

Nachstehend links Ihre erste Marke, um das doppelte vergrößert, im Vergleich zu einer Marke aus der II. Auflage vom selbigen Bogenfeld. Die Marke aus der II. Auflage ist als 6 b korrekt von Herrn Schulz BPP signiert und das Bild ist gerade noch ausreichend, damit ich die Prüfung von Herrn Schulz nachvollziehen kann (600 dpi, Bildquelle Auktionshaus Christoph Gärtner).



Dann kann ich noch dieses Foto eines anderen Sammlers zeigen (vorgestellt von "jpvde" im stampsX-Forum). Nach Einschätzung des Sammlers soll es sich um eine 6 a handeln. Selbst kann und will ich dies aufgrund unzureichender Bildqualität nicht bestätigen.



An hochaufgelösten Scans, sollte es mir aber möglich sein, eine Aussage über I. oder II. Auflage zu treffen.

Durch die ständig fließende Farbmischung in den acht verschiedenen Auflagen, kommt es zu zahlreichen unterschiedlichen Farbwirkungen innerhalb einer Auflage. Somit UV-Reaktionen, ferner auch durch andere, u.a. umwelt- oder lagerungsbedingte Umstände beeinflusst, kein absolut sicheres Kriterium zur Auflagenbestimmung darstellen, vor allem an UV-Fotos nicht. Dennoch möchte ich nicht verschweigen, dass es mit sehr viel Vergleichsmaterial möglich ist, verschiedene UV-Reaktionen bestimmten Auflagen zuzuordnen. Dem nicht geübten Betrachter, könnte aber, bei Darstellung solcher, ein falscher Eindruck vermittelt werden oder ein solcher dabei entstehen. Der ersten Auflage kann ich zwei verschiedene UV-Reaktionen, die jeweils von der der II. Auflage abweichen, zuordenen. Aber, man braucht hierzu viele Marken aus I. und II. Auflage in einem Foto, damit ich anhand von einem solchen hierzu eine Aussage machen könnte.

Vielleicht ist es Ihnen möglich, die ersten beiden Marken mit einer hohen Bildauflösung einzuscannen? Ebenso bitte ich um bessere Bilder für die Exemplare in zweiter Reihe, um eine sichere Bestimmung zu ermöglichen.

Beste Grüße
Markus
 
Markus Pichl Am: 08.04.2018 07:02:34 Gelesen: 5764# 26 @  
@ Markus Pichl [#21]

Hallo,

in meinem Beitrag [#21] vom 20.08.2017 war mir ein Schreibfehler unterlaufen.

Das bisher registrierte Frühdatum der VI. Auflage (MiNr. 6 f) hätte auf "21. Juli 1873" und nicht auf "21. Juni 1873" lauten müssen.

Da sich registrierte Früh- oder Spätdaten immer ein bisschen mehr oder weniger verändern können, ist das jetzt nicht so schlimm.

Lange Rede, kurzer Sinn. Auf der letzten Rauhut & Kruschel-Auktion wurde die nachstehende Marke gemäß Signatur Lemberger als eine MiNr. 6 e zum Ausruf von Euro 50.- angeboten. Sie ist aber real eine 6 f und zeigt uns ein neues Frühdatum vom "7. Juli 1873" und der Zuschlag erfolgte bei Euro 210.-



Beste Grüße
Markus
 
siegfried spiegel Am: 13.11.2018 14:12:44 Gelesen: 2457# 27 @  
Die 8 verschiedenen Auflagen der Mi.Nr.6a-h wurden mit wechselnder Stellung der Zwickelplatte gedruckt. Dies steht bereits im Kohl-Handbuch (Bezeichnung bei Kohl: Auflage I bis VIII). Weiter steht geschrieben, daß die Stellung dieser Zwickelplatte innerhalb einer Auflage niemals gewechselt wurde. Das Kohl-Handbuch liegt bei der Stellung der Zwickelplatte für die Auflagen 6a, 6c und 6h richtig. Bei den restlichen Auflagen konnte seinerzeit die Stellung der Zwickelplatte nicht angegeben werden, bzw. war bei Auflage 6f falsch bestimmt. Durch neuere Nachforschungen, insbesondere von Markus Pichl, konnten alle 8 Auflagen richtig bestimmt werden.

Die heutigen mit Mi.Nr.6c, 6d, 6f, 6g und 6h bezeichneten Auflagen wurden mit normalstehender Zwickelplatte gedruckt, die Nr. 6a, 6b und 6e mit kopfstehender Zwickelplatte. Als leicht nachvollziehbarer Nachweis dient der markante Plattenfehler "zungenförmige Einkerbung", der bei den Auflagen mit normalstehender Zwickelplatte im rechten unteren Zwickel auf Feld 48 vorkommt. Da die Zwickelplatte bei den Auflagen 6a, 6b und 6e um 180° gedreht eingesetzt wurde, befindet sich der Fehler logischerweise im linken oberen Zwickel auf Feld 3.

Dies lässt sich mittlerweile auch visuell belegen (bis auf Mi.Nr. 6h).


 
Markus Pichl Am: 13.11.2018 20:41:18 Gelesen: 2405# 28 @  
Hallo Siegfried,

vielen Dank, für Deinen großen Scan der als 6 g geprüften Marke von Feld 48, welchen Du mir per email gesendet hast. Nach diesem Scan sieht es nach einer 6 g aus. Wirklich sicher kann ich es Dir aber erst bei Originalvorlage sagen, ob es eine 6 g oder eine 6 h ist.

Bei der nachstehenden Marke ist die richtige Auflage einfacher zu beurteilen. Der Gründruck hat sich offensichtlich nach einem bläulichen Grünton verfärbt. Die Stellung der Zwickelplatte passt weder zu MiNr. 6 a (= I. Auflage), 6 b (= II. Auflage) oder 6 e (= V. Auflage). Die Bilder habe ich vorhin auf ebay, bei einer Suche in den bereits beendeten Angeboten aufgegabelt.

Zu welcher Auflage gehört die Marke und von welchem Bogenfeld stammt sie. Der Gründruck (Rahmenplatte) dieser Marke zeigt ein Merkmal, welches einem bestimmten Bogenfeld zuordnungsbar ist. Deine Neudruckbogen BND I 1875 und BND II 1879, werden Dir bei der Feldbestimmung ganz bestimmt helfen können, auch wenn sich das gewisse Merkmal dort nicht so deutlich abzeichnet, wie bei der Originalmarke.



Beste Grüße
Markus
 
siegfried spiegel Am: 13.11.2018 22:52:27 Gelesen: 2384# 29 @  
@ Markus Pichl [#28]

Hallo Markus,

ohne Vorlage der Marke ist das schwierig. Eine 6b ist es jedenfalls nicht. Ich tippe mal auf ungegittertes Papier, dann könnte es eine 6c oder 6f sein.

Bogenfeld 11, Delle im Rahmen über dem "S" von SCHILLING.

Beim BND I auch auf Feld 11, beim BND II auf Feld 41, beim Leipziger ND auf Feld 48.

Gruß, Siegfried
 
Markus Pichl Am: 14.11.2018 05:09:57 Gelesen: 2356# 30 @  
@ siegfried spiegel [#29]

Hallo Siegfried,

Feld 11 ist richtig. Die Delle im oberen Rahmen, etwas links oberhalb dem "S", verrät es.

Ob III. oder VI. Auflage, verrät der Zustand der Zwickelplatte. Vergleiche bitte einmal die Abdrucke bzw. Darstellung der Arabesken, zwischen solchen Marken.

Beste Grüße
Markus
 
siegfried spiegel Am: 14.11.2018 12:47:19 Gelesen: 2313# 31 @  
Ich denke, es ist eine ausgeblichene 6c.

Zum Vergleich habe ich die Marke mit einer 6c (links) und einer 6f (rechts) abgebildet.


 
Markus Pichl Am: 14.11.2018 13:29:10 Gelesen: 2303# 32 @  
Hallo Siegfried,

auch ich tendiere zu einer 6 c.

Wie Dein Vergleichsbild aufzeigt, ist der Scan von der bei ebay verkauften Marke sehr hell. Im Photoshop habe ich die Helligkeit reduziert, als auch den Blaustich. Ob die Marke im Original so aussieht, wie in meinem nachstehenden Vergleichsbild, wissen wir nicht. Dies ist aber auch nicht wichtig, da es sich dabei nur um eine qualitative Verbesserung des Bildes handeln soll.

Das Druckbild der Marke, damit ist nicht der Farbeindruck gemeint, verrät eine Vielzahl von kleinen Details, die ich in der Gesamtsumme der III. Auflage zurechne. Zu diesen kleinen Details gehört u.a. die Schärfe des Druckbildes, die Stärke der Typen und der kleine aufrechtstehende weiße Dorn, links unten im Oval. Dieser kleine Dorn ist in der Klarheit vorrangig bei Marken der III. Auflage zu erkennen. Einzeln betrachtet, mögen diese Details (es gibt noch weitere, die ich aufzählen könnte), auch bei anderen Auflagen vorkommen, aber nicht in der Gesamtheit.

Hier die besagte Marke im Vergleich mit vier Stück 6 c und fünf Stück 6 f.



Beste Grüße
Markus
 
Markus Pichl Am: 19.11.2018 20:15:59 Gelesen: 2201# 33 @  
Hallo,

unter UV-Licht, mit 254 nm Wellenlänge, reduziert sich die unter 366 nm Wellenlänge gegebene Vielfalt der UV-Reaktionen des Rotdrucks gewaltig.

Verfügt man über genügend Material aus einer jeden Auflage, so reduziert sich, bei Betrachtung unter 254 nm Wellenlänge, die Vielfalt der Reaktionen des Rotdrucks auf exakt eine Farbtönung je Auflage. Somit werden dann auch die wenigen schwierigen Fälle, bei denen uns hingegen der Gründruck bei Tageslichtbetrachtung in die Irre führen kann, zwischen 2. und 5. oder 7. und 8. Auflage zuordnungsbar.

Beim Gründruck sticht lediglich die VI. Auflage unter 254 nm hervor, bei allen anderen Auflagen reagiert der Gründruck so ziemlich gleich.

Aus technischen Gründen kann ich im Moment hierzu kein Bildmaterial zeigen. Hoffe aber, dies in ca. 14 Tagen nachholen zu können.

Beste Grüße
Markus
 
siegfried spiegel Am: 20.11.2018 11:35:56 Gelesen: 2165# 34 @  
Die abgebildete Marke gab es bei Ebay. Angeboten wurde die Marke als Mi.Nr. 6a. Rückseitig ist die Marke signiert von Schuhardt und Thier, zusätzlich war in Bleistift ein "a" vermerkt. Das "a" habe ich entfernt, weil es wegen der Stellung der Zwickelplatte keine 6a sein kann.

Wer findet die richtige Auflage raus?


 
Markus Pichl Am: 20.11.2018 17:27:32 Gelesen: 2137# 35 @  
@ siegfried spiegel [#34]

Hallo Siegfried,

gerne möchte ich anderen Mitgliedern die Chance geben, eine Einschätzung an Deiner Marke vorzunehmen.

Es ist offensichtlich die Auflage, welche ich Dir aufgrund Deiner Nachfrage vor Deinem Kauf an einem kleinen Angebotsbild genannt habe.

Warten wir einmal ab, vielleicht traut sich doch noch jemand.

Beste Grüße
Markus
 
Markus Pichl Am: 22.11.2018 11:39:58 Gelesen: 2094# 36 @  
@ siegfried spiegel [#34]

Hallo Siegfried,

selbst habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass sich doch noch jemand an Deinem Fragespiel beteiligt. Wir sollten die Sache auflösen.

Es ist eine Marke aus der VI. Auflage (= MiNr. 6 f).

Vielleicht magst Du die Marke mit weiteren 6 f von Dir zeigen?

Beste Grüße
Markus
 
siegfried spiegel Am: 22.11.2018 12:32:22 Gelesen: 2088# 37 @  
Weitere 6f.


 
Markus Pichl Am: 22.11.2018 19:04:24 Gelesen: 2068# 38 @  
Hallo Siegfried,

vielen Dank für das Zeigen. Passt doch alles ganz prima.

Beste Grüße
Markus
 
jpvde Am: 28.12.2018 15:18:40 Gelesen: 1639# 39 @  
Hallo Markus,

ich habe zwei neue gestempelte Marken (aus Deutsche Staaten Lot). Es sieht mir aus die sind auch 6f. Glaube die 6f gestempelt sieht man dann sehr häufig, oder liege ich falsch?

Grusse,
Jean-Paul




 
Markus Pichl Am: 28.12.2018 17:14:50 Gelesen: 1618# 40 @  
@ jpvde [#39]

Hallo Jean-Paul,

vielen Dank für das Zeigen der Marken.

Diese vier Marken zeigen das typische lichtgrün der VI. Auflage, als auch die entsprechende Stellung der Zwickelplatte.

Das Frühverwendungsdatum, von Marken der VI. Auflage, ist in meiner Registratur zwischenzeitlich auf den 17.Juli.1873 gerückt.

Wer sucht, wird früher oder später auch eine gebrauchte Marke der VI. Auflage finden. Sie sind dennoch nicht so häufig und nicht jede der bekannten Marken findet in qualitativer Hinsicht das Wohlwollen aller Sammler. Gedruckt wurden nur 10.000 Stück und wahrscheinlich wurde die Auflage gänzlich aufgebraucht. Es fehlt nach wie vor an Belegstücken in ungebrauchter Erhaltung mit Originalgummierung. Früher wurden oftmals ungebrauchte Marken der IV. Auflage, als VI. Auflagen geprüft. Mit "früher" ist gemeint, vor meiner Ausarbeitung im August 2017.

Beste Grüße
Markus
 
jpvde Am: 28.12.2018 20:55:42 Gelesen: 1590# 41 @  
Hallo Markus,

Danke fur die Bestätigung. Die suche nach Marken geht einfach weiter. :)

Ich wünsche dir noch ein Frohes Neues Jahr und viel Glück, Erfolg und Gesundheit.

Grüsse,
Jean-Paul
 

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