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Thema: Österreich Lombardei und Venetien: Stempelmarken bestimmen
marc123 Am: 18.11.2017 13:47:46 Gelesen: 4084# 1 @  
Hallo,

ich habe vor einigen Jahren in einem kleinen, billigen Luxemburg Los diese beiden Stempelmarken (Lombardei und Venetien) erworben, die falsch eingeordnet waren. Besonders die 75 Centisimi wird im Michel hoch bewertet (Typ I 8000 Euro, Typ II 4000 Euro). Allerdings ist im Michel vermerkt, "postalisch verwendet". Ich kenne mich aber mit diesen Marken überhaupt nicht aus. Kann mir jemand hier weiterhelfen?



Liebe Grüße
Marc
 
bayern klassisch Am: 18.11.2017 14:28:23 Gelesen: 4072# 2 @  
@ marc123 [#1]

Hallo Marc,

beide Marken haben Fiskalstempel, wurden also offensichtlich nicht postalisch verwendet, daher ist der von dir genannte hohe Preis hier nicht anwendbar. Müsste eh ein Brief sein, um sicher zu gehen.

Mit diesen Marken, um dir einen Eindruck zu verschaffen, sind mir eine Handvoll nach ganz Altdeutschland bekannt.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bignell Am: 18.11.2017 14:28:35 Gelesen: 4071# 3 @  
@ marc123 [#1]

Hallo Marc,

beide sind fiskalisch entwertet, somit trifft der Michelwert nicht zu. Es gibt dazu Stempelmarkenkataloge, aber ich habe keinen, deshalb kann ich Dir keinen Wert sagen. Aber in dieser Form sind die Stempelmarken häufig, somit dürften sie nicht viel wert sein.

Lg, harald
 
marc123 Am: 18.11.2017 14:33:19 Gelesen: 4069# 4 @  
Vielen Dank Ralph und Harald für die schnellen Antworten.

Liebe Grüße
Marc
 
Cantus Am: 19.11.2017 02:31:13 Gelesen: 4020# 5 @  
@ marc123 [#4]

Hallo,

ich habe vermutlich Kataloge dazu. Ich schaue morgen mal nach, auf jeden Fall melde ich mich hier nochmals zurück. Ganz allgemein ist aber anzumerken, dass alle Stempelmarken von Österreich, auch die von dir gezeigten, als lose Briefmarken mit fiskalischer Entwertung preislich im unteren einstelligen Eurobereich angesiedelt sind. Etwas teurer werten sie, wenn sie auf kompletten Belegen anzutreffen sind, z.B. auf Verträgen, Gerichtsschreiben, Rechnungen, Heimatscheinen, Ehestandsdokumenten u.a.m., aber auch diese Belege kosten in aller Regel auch nicht mehr als 10 Euro. Teurer werden Belege mit Stempelmarken nur, wenn, wie meine Vorredner bereits betont haben, Stempelmarken auf Belegen postalisch und nicht fiskalisch entwertet worden sind.

Die von dir gezeigten Marken dürften etwa aus dem Zeitraum zwischen 1850 und 1865 stammen. Auch wenn sie lose nicht teuer sind, so sind sie doch reizvoll und könnten sehr wohl der Beginn einer spannenden Sammlung sein.

Viele Grüße
Ingo
 
Cantus Am: 20.11.2017 03:54:13 Gelesen: 3961# 6 @  
@ Cantus [#5]

Hallo Marc,

ich habe zwar kein Fachbuch zu den Stempelmarken von Lombardei-Venezien, das damals ein Teil von der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war, bei mir gefunden, ich habe aber ein Handbuch zu den gleichzeitig gültigen Stempelmarken des Kernlandes von Österreich. Diese gleichen im Bild deinen beiden Marken weitestgehend, nur der Werteinduck in Centesimi beläuft sich bei den österreichischen Marken auf Kreuzer.

Deine linke Marke zu 75 Centesimi besitzt ein Pendant zu 75 Kreuzer. Es gibt sechs verschiedene Zähnungsvarianten bei dieser Marke, der teuerste Wert wurde bei dieser Marke im Jahr 1986 mit 5 DM eingeschätzt; neuere Literatur zu dem Thema gibt es nicht.

Deine rechte Marke zu 30 Centesimi besitzt keine direkte Parallelmarke zu 30 Kreuzern in identischer Zeichnung, allerdings gab es zu der Zeit 30 Kreuzer-Marken in 18 verschiedenen Zähnungsvarianten. Die teuerste dieser Varianten war mit 2 DM bewertet worden.

Wie ich gestern schon geschrieben habe, es könnte spannend sein, sich intensiv mit diesen Ausgaben zu beschäftigen, es sollte aber nicht des Wertes wegen geschehen, sondern nur aus Freude an der Sache.

Viele Grüße
Ingo
 
bignell Am: 20.11.2017 17:36:15 Gelesen: 3934# 7 @  
@ Cantus [#6]

Hallo Ingo,

die Umrechnung zwischen Kreuzer C.M.(Conventions-Münze) und Centesimi ist ca 1:5, die 30 Centesimi entsprechen somit 6 KR, die 75 Centes 15 KR. 1858 gab es dann eine Währungsreform, nach der die Portosätze folgendermassen umgestellt wurden (die Brief-/Stempelmarken in italienischer Währung blieben davon unberührt):

1 KR CM = 2 Neukreuzer (= 5 Centes)
2 KR CM = 3 Neukreuzer (= 10 Centes)
3 KR CM = 5 Neukreuzer (= 15 Centes)
6 KR CM = 10 Neukreuzer (= 30 Centes)
9 KR CM = 15 Neukreuzer (= 45 Centes)

Stempelmarken gibt es auch zu deutlich höheren Nominalen (auch in Gulden) da die Stempelgebühren viel höher sein konnten als Postgebühren.

Die Verwendung von Stempelmarken zur Abgeltung von Postgebühren war verboten, deshalb selten und teuer, besonders die hohen Nominalen sind postalisch verwendet nicht zu bezahlen.

Lg, harald
 
Cantus Am: 21.11.2017 03:07:55 Gelesen: 3901# 8 @  
@ bignell [#7]

Hallo Harald,

du hast da etwas missverstanden.Ich habe nicht Währungen miteinander verglichen und auch nicht die Verwendung der jeweiligen Marken, sondern nur und ausschließlich die Abbildungen der Marken. Wenn man die oben gezeigte Marke zu 75 Centesimi neben eine gleichzeitig verwendete Marke zu 75 Kreuzer vom Mutterland Österreich legt, dann stimmen die Bilder völlig überein, lediglich das Wort "Centesimi" ist bei der anderen Marke durch den Text "kr." ersetzt. So brauchte bei der Herstellung dieser Marken die Druckvorlage nur geringfügig verändert werden.

Bei der Marke zu 30 Centesimi, die aufgrund ihrer Machart vermutlich aus einer späteren Auflage stammt, gibt es bei den Stempelmarken vom Kernland Österreich zwar keine Marke zu 30 Kreuzern, die ebenfalls weitestgehend bildgleich ist, es existieren jedoch mehrere andere Wertstufen, deren bildliche Darstellung der Marke zu 30 Centesimi entspricht. So ist also auch in diesem Fall die Herstellung der Marken weitgehend vereinfacht worden.

Die Art der Verwendung der Marken in der Centesimi-Währung ist nur anhand der Vorstellung von Dokumenten mit aufgeklebten entsprechenden Marken möglich, ich selber besitze aber keine Dokumente oder Rechnungen aus Lombardei-Venetien.

Viele Grüße
Ingo
 
marc123 Am: 21.11.2017 22:27:59 Gelesen: 3858# 9 @  
@ Cantus [#5]
@ bignell [#7]

Ich bedanke mich herzlichst bei euch beiden für eure Antworten, die mich weitergebracht haben.

Liebe Grüße
Marc
 
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