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Thema: (?) (11/23) Druckzufälligkeit Passerverschiebung
Jürgen Witkowski Am: 02.01.2009 23:55:23 Gelesen: 12710# 1 @  
Wenn die verschiedenen Farben seitlich oder in der Höhe versetzt auf die Marken gedruckt werden, spricht man von einer Passerverschiebung. Zur Druckkontrolle werden sogenannte Passerkreuze auf den Bogenrand gedruckt. Die "Passerkreuze" könnrn auch T-förmig oder auch nur als Winkel ausgebildet sein. Alle Farben sollten im Idealfall deckungsgleich übereinander liegen.

Bei dieser belgischen MiNr. 538 vom oberen rechten Bogenrand ist es durch einen komplett nach links und unten verschobenen Druck dazu gekommen, dass das Passerkreuz auf der Marke gelandet ist. Gut zu erkennen ist bei der Farbe Gelb, dass sie nach links und oben verschoben ist. Die Farbe Rot ist nur nach oben verschoben.

Vielleicht habt ihr auch die eine oder andere Passerverschiebung, die ihr hier zeigen könnt.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
asmodeus Am: 03.01.2009 09:05:03 Gelesen: 12693# 2 @  
Passerverschiebung der roten Farbe. Bei der ATM- Ausgabe nicht so häufig:


 
germaniafreund Am: 03.01.2009 18:23:13 Gelesen: 12660# 3 @  
@ Concordia CA [#1]

Hallo Jürgen,

um dieses interessante Thema (bei Germania leiden wir an Passverschiebungen keine Not) mal wieder noch oben zu holen, hier mal am Beispiel einer 97BII, ein fast perfekt gelungener Zweifarbendruck.

Links das Passerkreuz fast 100% getroffen und unten in einer für diese Zeit guten Toleranz. Übrigens ist dieses Bogenteil die linke untere Bogenecke des Zähnungsschemas A.



liebe Grüße Klaus
 
heide1 Am: 29.10.2011 19:38:16 Gelesen: 11722# 4 @  
@ Concordia CA [#1]

Moin,

Vielleicht habt ihr auch die eine oder andere Passerverschiebung, die ihr hier zeigen könnt.

Dann mach ich mal: Nach oben verschobener Druck Papa Heuss, Michel 179.

Gruß Jürgen


 
muemmel Am: 29.10.2011 19:49:11 Gelesen: 11718# 5 @  
@ heide1 [#4]

Moin heide1-Jürgen,

wo soll bitte bei den beiden Heuss-Marken eine Passerverschiebung sein? Die 5 Pf. ist lediglich nicht ordnungsgemäß in der Zähnungsapparatur gelandet.

Grüßle
Mümmel
 
Postgeschichte Am: 29.10.2011 20:21:24 Gelesen: 11711# 6 @  
@ heide1 [#4]

Hallo heide1,

eine Passerverschiebung kann nur bei Zwei- oder Mehrfarbendruck vorkommen. Dies liegt bei den von Dir gezeigten Marken nicht vor. Harald hat schon auf die verschobene Zähnung hingewiesen, die ursächlich für den vermeintlich höheren Bilddruck ist.

Gruß
Manfred
 
heide1 Am: 29.10.2011 20:39:15 Gelesen: 11706# 7 @  
@ muemmel [#5]
@ Postgeschichte [#6]

Moin Ihr Beiden - Prüfung bestanden.

Gruß Jürgen
 
volkimal Am: 30.10.2011 07:01:49 Gelesen: 11683# 8 @  
Hallo zusammen,

Auch aus meiner Sammlung ein paar Passerverschiebungen:



Griechenland Nr. 522: 50 Dr auf 25000 Dr (6.3.1946) - ohne Aufdruck Nr. 478 (1.7.1944)

Als ich diese Briefmarke aus Griechenland fand, wunderte ich mich über den roten Winkel oben rechts. Die Erklärung lieferte die folgende Marke:



Griechenland Nr. 515: 10 Dr auf 10 Dr (6.3.1946) - ohne Aufdruck Nr. 458 (15.09.1943)

Der Winkel diente dazu, den Aufdruck richtig zu zentrieren. Wenn er auf dem Markenrand oben rechts neben der Zähnung war, so ist der Aufdruck richtig zentriert. Bei der ersten Marke ist der rote Aufdruck so stark verschoben, dass der Winkel mit auf die Marke gedruckt wurde.

Hat es in Griechenland eigentlich 1944 eine Währungsreform gegeben - im Michelkatalog steht nichts dazu? Im Juli 1944 hat Griechenland mehrere Marken zu 50000 Drachmen herausgegeben, am 11. November 1944 geht es dann mit 50 Lepta = 1/2 Drachme weiter. Wenn es eine Währungsreform gab, dann waren die 10 Drachmen (Aufdruck) die neue Währung und die 10 Drachmen der ursprünglichen Marke die alte Währung.



Belgien Eisenbahnpaketmarke Nr. 220 - Aufdruck "B" im Oval auf Marke Nr. 166

Die ursprüngliche Marke wurde 1927 herausgegeben, die Marke mit Aufdruck 1940. Da die Bögen schon fertig (und zwar einfarbig) gedruckt waren, gab es wie bei den Griechischen Marken kein Passerkreuz, an dem man sich orientieren konnte. Bei der belgischen Marke ist links und rechts des Wortes "Spoorwegen" ein senkrechter roter Strich. Ich gehe davon aus, dass auch er zur Zentrierung des Aufdrucks diente.

Zum Abschluss noch zwei Marken mit einer starken Passerverschiebung - jeweils mit der Marke ohne Passerverschiebung zum Vergleich:



Die schwarze Farbe ist sehr stark nach links verschoben. Eigentlich musste z.B. der braune Fleck unter dem Gesicht sein.



Der türkise Aufdruck ist so weit nach links verschoben, dass schon die Ansatz der Zahl "25" von der nächsten Marke zu sehen ist.

Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag
Volkmar
 
Pete Am: 30.10.2011 09:50:05 Gelesen: 11666# 9 @  
@ volkimal [#8]

Hat es in Griechenland eigentlich 1944 eine Währungsreform gegeben - im Michelkatalog steht nichts dazu? Im Juli 1944 hat Griechenland mehrere Marken zu 50000 Drachmen herausgegeben, am 11. November 1944 geht es dann mit 50 Lepta = 1/2 Drachme weiter. Wenn es eine Währungsreform gab, dann waren die 10 Drachmen (Aufdruck) die neue Währung und die 10 Drachmen der ursprünglichen Marke die alte Währung.

Über Google ließ sich bisher nicht viel über eine Währungsreform von 1944 finden; es wurde in (1) lediglich angegeben, dass es 1944 eine Reform gab.
Die griechische Botschaft in Berlin veröffentlicht einen Artikel zur Entwicklung der griechischen Drachme bis zur Einführung des Euro im Jahr 2002, wo u.a. Informationen zur Währungs- und Wirtschaftssituation im Jahr 1944 zu finden sind:

http://www.griechische-botschaft.de/wirtschaft/die-drachme/

Gruß
Pete

(1) http://www.numismatik.realedition.de/staaten-der-welt/griechenland/
 
steppenwolf Am: 30.10.2011 19:45:02 Gelesen: 11621# 10 @  
Dann etwas von GB Fußball "vor dem Match und nach dem Match". Schwarze Farbe stark nach links verschoben.


 
Pepe Am: 08.11.2015 21:28:29 Gelesen: 8353# 11 @  
Passerverschiebung ?



Polen, 1959 01 03, Mi 1089, Springreiter

Bei dieser Marke, im Rastertiefdruck hergestellt, entsteht die Zweifarbigkeit hellbläulichgrün/dunkelblaugrün durch die Überlagerung der Farben. Hier sieht man deutlich die Verschiebung. Spricht man in diesem Fall von Passerverschiebung?

Nette Grüße
Pepe
 
Pete Am: 01.09.2016 17:58:35 Gelesen: 6986# 12 @  
Nachfolgend eine recht auffällige Passerverschiebung aus Mazedonien (Briefmarke von 2011). :-)



Gruß
Pete
 
tomato Am: 01.09.2016 20:49:10 Gelesen: 6963# 13 @  
@ Pete [#12]

Sehr schön, enthält soweit ich das sehen kann auch einen Doppelbilddruck in Blau.

Gruß Thomas
 
Pete Am: 01.09.2016 23:22:59 Gelesen: 6950# 14 @  
@ tomato [#13]

Sehr schön, enthält soweit ich das sehen kann auch einen Doppelbilddruck in Blau.

Ja, den Eindruck bezüglich des Doppelbilddruckes hatte ich auch. :-)

Gruß
Pete
 
volkimal Am: 02.09.2016 12:27:15 Gelesen: 6915# 15 @  
Hallo zusammen,

da ist wieder das leidige Problem - was ist ein Doppeldruck, ein Doppelbilddruck und ein Schmitzdruck.





Beim Doppeldruck wird der Bogen wirklich zweimal bedruckt. Als Beispiel die erste Marke - eine Fälschung.

Der Doppelbilddruck kommt nur beim Offsetdruck vor. Der sogenannte Doppeldruck der schwarzen Farbe bei Marken der Bundesrepublik ist eigentlich ein Doppelbilddruck. Das Merkmal ist, dass das die Farbe beim doppelten Bild gleich schwarz ist. Beispiel: zweite Marke.

Bei einem Schmitzdruck ist die Farbe des zweiten Bildes blasser und wenn wie bei der dritten Marke ein dreifacher Schmitzdruck vorliegt ist das dritte Bild noch blasser. Weiterhin tritt der Schmitzdruck nicht im ganzen Bogen auf. Die dritte und die vierte Marke kommen aus demselben 5-er Streifen. Der Schmitzdruck war oben sehr deutlich und unten nicht mehr sichtbar.

Ich denke, dass es sich bei der Marke aus Mazedonien um eine Passerverschiebung mit zusätzlichem Schmitzdruck handelt.

Weitere Information findet ihr beim Thema: "Doppeldruck und Schmitzdruck - worin liegt der Unterschied?" Als Literatur ist der Michel-Abartenführer zu empfehlen.

Viele Grüße
Volkmar
 
jduester Am: 01.09.2017 15:07:28 Gelesen: 5048# 16 @  
Hier mal zwei Passerverschiebungen aus einem etwas exotischeren Land, dem Sultanat Oman. Es ist beides mal die Ausgabe zum 100jährigen Jubiläum des Weltpostvereins von 1974 (SG 179), jeweils mit der korrekt gedruckten Marke zum Vergleich:





Als Oman-Sammler bin ich stets an weiteren solchen Besonderheiten interessiert!
 
Pete Am: 22.12.2018 13:48:29 Gelesen: 1451# 17 @  
Die Problematik von Passerverschiebungen lässt sich auch in Ostafrika finden, wobei die Briefmarken selbst in Großbritannien gedruckt worden sind:

1. Ostafrikanische Gemeinschaft - Mi-Nr. 149, Ausgabe 04.06.1966:



Passerverschiebung des Bildmittelteils auf der linken Marke, rechts als Vergleich die Normalausführung

2. Tanganyika - Mi-Nr. 104, Ausgabe 09.12.1961:



Passerverschiebung der braunen Farbe auf der rechten Marke, links als Vergleich die Normalausführung

Gruß
Pete
 
spain01 Am: 10.03.2019 12:40:19 Gelesen: 1008# 18 @  
@ volkimal [#15]

Hallo Volkmar,

mit deiner Beurteilung der Bund MiNr. 1050 liegst du meiner Meinung nach falsch. Ein Schmitzdruck unterscheidet sich zu einem Doppel(bild)druck dadurch, dass Konturen miteinander verbunden sind. Die erste MiNr. 1050 ist meiner Meinung nach ein super eindeutiger Dreifachbilddruck der Farbe Schwarz und definitiv kein Schmitzdruck. Eindeutig deshalb, weil die Konturen deutlich voneinander abgehoben sind. Fällt besonders am Reihenwertzähler, dem Wort EUROPA und dem Symbol auf, jedoch auch an den Rahmenkonturen.

Dass die zweite MiNr. 1050 diesen Dreifachbilddruck nicht mehr zeigt ist technisch bedingt. Das Gummituch als Farbträger hat nur im oberen Bereich des Bogens "geflattert" und somit die schwarze Farbe, die durch den dreimaligen Aufdruck ganz normal farbschwächer wird, dreifach aufgetragen.

Es hat also alles seine Richtigkeit und du hast einen wirklich sehr schönen und dazu noch farbintensiven Dreifachbilddruck!

Gruß
Michael
 
Ben 11 Am: 16.03.2019 18:23:37 Gelesen: 935# 19 @  
@ volkimal [#15]
@ spain01 [#18]

Guten Abend Zusammen,

ob in einer Druckabweichung ein "Schmitzdruck" oder ein "Doppelbilddruck" vorliegt, scheint schwer erklärbar zu sein. Zeit für einen kleinen Ausflug in die Drucktechnik.

Das BPP Lexikon definiert „Schmitzdrucke“ wie folgt:

"Schmitzdrucke (Schattendrucke) beruhen auf einem Verquetschen der Druckfarbe infolge unzureichender Druckzurichtung (ungleichmäßige Unterlage). Das Druckbild erscheint mit einem mehr oder weniger gleichmäßigen Schatten in verschieden starker Ausprägung, es tritt kein vollständiges zweites Druckbild auf. Schmitzdrucke werden wie Druckzufälligkeiten eingeordnet und nicht signiert oder attestiert."

Die Definition kennt jeder, sie wird regelmäßig im Wortlaut wiedergegeben. Allerdings ist die technische Begründung ziemlich ungenau und lässt die Ursache völlig offen. Lediglich das Ergebnis wird mit "einem mehr oder weniger gleichmäßigen Schatten" klar formuliert. Insgesamt hilft das dem Sammler nicht weiter.

Suchen wir bei Wikipedia, dann finden wir eine ausführlichere Erklärung.

"Der Schmitz ist ein Fehler in der Druckabwicklung, der sich in Form eines verschmierten Abdruckes und unscharfen Druckbildes äußert. Neben anderen gibt es die Walzenschmitz und Zylinder- oder Zurichteschmitz. Beim Walzenschmitz rutschen die Farbauftragswalzen auf den Führungsschienen beispielsweise durch Öl oder Fett auf den Walzen oder durch unterschiedliche Durchmesser, sodass die Umfangsgeschwindigkeit der Walze geringer oder höher ist als die der darunter hinweggehenden Form. Ursache des Walzenschmitz ist meist eine zu hohe Abnutzung der Walzen oder Laufringe, sodass sich die Durchmesser unterscheiden. Die Walze wird also am Umfang zwangsweise schneller oder langsamer als der Schmitzring gedreht und schiebt somit über die Form statt auf ihr abzurollen. Dadurch wird die Farbe nicht durch Spaltung, sondern durch Abschmieren übertragen und die Form nicht gleichmäßig eingefärbt. In Extremfällen wird die Farbe regelrecht wieder abgerieben, und die Form bleibt blank."

Mit dem "unscharfen Druckbild" wird wieder das jetzt schon bekannte Ergebnis genannt und als Ursache ein Fehler in der Druckabwicklung. Es werden dann mehrere Arten beschrieben, von denen der Walzenschmitz genauer, jedoch widersprüchlich erklärt wird. Wenn die Farbwalzen sich nicht mehr drehen, sondern stehen bleiben und Rutschen, haben sie keine Umfangsgeschwindigkeit mehr und können demzufolge keine Farbe übertragen. Farbwalzen haben eigentlich keine Schmitzringe an den Seiten. Diese gibt es in Hochdruckmaschinen am Druckform- und Gegendruckzylinder, sowie in Offsetdruckmaschinen am Druckform- und Gummituchzylinder.

Die Erklärung hilft dem Sammler also auch nicht wirklich weiter. Interessant ist aber der Quellenhinweis auf das Buch "Polygraph Fachlexikon der Druckindustrie und Kommunikationstechnik", Polygraph Verlag Frankfurt /Main. Hier wird der Schmitz ausführlich erklärt:

"1. Fehlerscheinung im Buchdruck, die sich in einem verschwommen aussehenden, unscharfe Konturen zeigenden Abdruck äußert und auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist.
2. Fehlerscheinung im Rakeltiefdruck, dadurch gekennzeichnet, dass im Druckerzeugnis unscharfe und mitunter doppelte Konturen sichtbar sind."


Die Ursachen werden ausführlich erklärt. "Druckabwicklungsschmitz entsteht beim Druck mit Zylinderdruckmaschinen durch zu dicken oder zu dünnen Aufzug." Bei älteren Maschine, die im Flachdruck arbeiten "auch bei fehlerhaft justierten Druckstöcken, durch übermäßige Zurichtung". Bei Rakeltiefdruckmaschinen durch "nicht gleichmäßig abgerichtete Presseure […], konische oder unrund laufende Druckformzylinder".

Offsetdruck, wie in der beschriebenen Briefmarke angewendet, wird hier gar nicht genannt! Der Offsetdruck kennt also keinen "Schmitz" als Druckfehler. Im Handbuch der Printmedien von Helmut Kipphahn findet der Begriff keine Erwähnung. Die Funktion der Schmitzringe wird dafür genau beschrieben. Demzufolge haben Schmitzring und Teilkreis des antreibenden Zahnrades den gleichen Durchmesser. Die Druckplatte wird mit Unterlagen hinterlegt, so dass sie 1/10 mm über dem Schmitzring steht. Das Gummituch liegt genau auf Schmitzringniveau. Beim Drucken wird also das Gummituch durch die Druckplatte zusammengedrückt. Schmitzringe sorgen insbesondere beim Kanaldurchlauf für eine gleichmäßige und stoßfreie Drehung der Zylinder.

Fazit: Im Offsetdruck gibt es keinen "Schmitzdruck" und ich habe Euch viel zum Lesen und zum Nachdenken gegeben.

Viele Grüße einstweilen.
Ben.
 
spain01 Am: 16.03.2019 21:00:28 Gelesen: 913# 20 @  
@ Ben 11 [#19]

Danke für die ausführliche Information.

Was jetzt noch fehlt ist deine Einschätzung, ob es sich bei der Marke von Volkmar um einen DDD handelt. Meiner Meinung nach ja, da alle Linien abgesetzt sind und nicht als "Schatten", was für den Schmitzdruck ja typisch ist, vorhanden sind.

Mir sind diese Schmitzdrucke (nur) bei Marken bekannt, die im Rastertiefdruckverfahren (Rakeltiefdruck ?) hergestellt worden sind. Hier handelt es sich aber um das Offsetverfahren.

Gruß
Michael
 
Ben 11 Am: 17.03.2019 08:34:50 Gelesen: 894# 21 @  
@ spain01 [#20]

Guten Morgen Michael,

den zweiten Teil des Ausfluges in die Drucktechnik mit dem Schwerpunkt "Doppelbilddruck" bereite ich noch vor, brauche dafür aber noch etwas Zeit für ein oder zwei Bilder zur Erläuterung.

Soviel vorab: einen "Doppel-" oder "Dreifachbilddruck" ist es nicht.

Das BPP Lexikon definiert „Doppelbilddruck“ wie folgt:

"Der Doppelbilddruck, der ausschließlich beim Offsetdruck vorkommt, ist kein eigentlicher Doppeldruck. Er entsteht nicht durch ein zweimaliges Einlegen des Bogens, sondern durch doppelten Auftrag des Druckbildes auf den Gummituchzylinder, wenn die Maschine kurz angehalten worden war, beispielsweise um einen beschädigten Bogen herauszunehmen. Doppelbilddrucke sind Druckzufälligkeiten."

Der Begriff ist ein reines Phantasieprodukt, die Erklärung technisch völlig falsch.

Voraussetzung für das Erscheinungsbild auf der Leibnitz-Marke sind a) eine zähflüssige Druckfarbe und b) das Vorhandensein eines Gummituchzylinders. Infrage kommen also alle indirekten Druckverfahren, nicht nur der Offsetdruck. Wird eine Maschine angehalten, um z.B. einen Bogen zu entnehmen, kann keine Farbe für ein doppeltes Bild übertragen werden. Bei einer Rollenoffsetmaschine kann man auch keinen Bogen entnehmen.

Das Phänomen hat seine Ursache in der Farbspaltung und der Reihenfolge, in der die Farben gedruckt werden. Und das will ich versuchen später zu erklären.

Bis dahin Viele Grüße
Ben.
 
Ben 11 Am: 24.03.2019 09:53:14 Gelesen: 832# 22 @  
@ Ben 11 [#21]

Guten Morgen Zusammen,

ich möchte heute mal den Ausflug in die Drucktechnologie fortsetzen.
Drucktechnisch ist das Fehlerbild auf der gezeigten Leibnitz-Marke ein Dublieren, dass im Polygraph Fachlexikon der Druckindustrie und Kommunikationstechnik als

"Fehlerscheinung […], die sich infolge geringfügigen Nebeneinanderdruckens der Druckelemente als doppelte Kontur auf dem Bedruckstoff bemerkbar macht."

beschrieben wird.

Helmut Kipphahn definiert schließlich im Handbuch der Printmedien den Fehler als:

"Fehlerscheinung im Druckprodukt des Offsetdruckes […], die sich als doppelte oder mehrfache (schattenartige) Kontur des Druckbildelementes zeigt."

Dublieren wird durch Passerschwankungen verursacht. Der Druckbogen mit der frischen Farbe aus einem Druckwerk wird gegen den Gummizylinder des folgenden Druckwerkes gedrückt. Durch Farbspaltung auf das Gummituch entsteht auf den folgenden Bögen ein zweites schwächeres Druckbild, wenn die Farben nicht passgenau übereinander liegen.

Im Allgemeinen können wir uns den Aufbau einer Druckmaschine wie im folgenden Bild vorstellen. Die Papierbahn (oder der Druckbogen) wird zwischen Gummituch- und Druckzylinder durch die Maschine gezogen. Dabei wird die Farbe vom Gummizylinder auf das Papier übertragen. Wenn alles klappt, stimmen die Bilder vollständig überein.



Im auslaufenden Spalt zwischen Papier und Gummizylinder tritt eine Farbspaltung auf, die das Papier beansprucht. Im Fall des Dublierens tritt ein Zustand ein, indem das Papier am Gummituch "kleben" bleibt, die Papierbahn oder der Bogen werden infolge der Belastung gedehnt.



Als Ursachen beschreibt die Fogra – Forschungsinstitut für Medientechnologien e.V. hier

- Eine hohe Zügigkeit der Druckfarbe, die zu einer starken Beanspruchung des Papiers beim Trennen vom Drucktuch führt.
- Unterschiede im Dehnungsverhalten, der Glätte, der Dicke und der Saugfähigkeit des Papieres.
- oder auch eine ungünstige Motivverteilung.

Was genau an der Leibnitz-Marke passiert sein könnte, will ich in einem späteren Beitrag versuchen zu erklären. Das scheint mir nach jetziger Sicht eine ziemlich spannende Sache gewesen zu sein.

Bis dahin Viele Grüße
Ben.
 
Ben 11 Am: 08.04.2019 21:01:29 Gelesen: 669# 23 @  
@ Ben 11 [#22]

Guten Abend Zusammen,

ich möchte hier mal weitermachen und die Leibnitz-Marke im Detail diskutieren. Schauen wir uns hierzu einmal die verwendeten Druckfarben an.



Es gibt Gelb auf dem Rasterwinkel 0°. Die Rasterung ist schwer zu erkennen, am ehesten unter den Locken im unteren Bereich zu erahnen. Ansonsten wird ungerasterte Fläche gedruckt.

Als zweites gibt es die Farbe Rosa (Hautfarbe) ebenfalls mit 0°. Gut zu erkennen im Gesicht. Die Verwendung einer zweiten Farbe in gleichem Winkel ist ungewöhnlich. Da sich die Farben aber nicht berühren, könnte man das so machen.

Rot liefert die dritte Farbe im Winkel von 15°. Zu erkennen in den dunkleren Bereichen des Gesichtes.

Und schließlich als vierte Farbe wird Braun auf 75° und in der Fläche gedruckt.

Weiter folgen Grau mit 45° sowie Schrift und Schwarz für den Rahmen, Umrandungen und Reihenwertzähler. Möglich ist, dass für die Farbe Schwarz zwei Druckwerke verwendet wurden. Einmal für den Reihenwertzähler und einmal für den Rahmen und die Konturen im Bild.

Zum Schluss dürfte eine Lackierung folgen.

Damit wären wir in Summe bei 6 Farben und 1 Lackierung. Die Anzahl von 7 oder 8 Druckwerken ist für eine Rollenmaschine in Standard Ausführung eigentlich zu lang. Üblich wären 6 Druckwerke. Ich gehe also davon aus, dass die Marken nicht von der Rolle, sondern vom Bogen auf einer Maschine mit 4 Druckwerken und zweimaligem Durchlauf gedruckt wurde.

Im ersten Druckgang werden die Farben Gelb, Rosa, Rot und Braun gedruckt, wobei die braune Farbe einer Passerverschiebung unterliegt. Wie diese entsteht, ist nicht ganz klar, Da sie aber wieder verschwindet, ist Dublieren einer andern vorherigen Farbe wahrscheinlich.

Im zweiten Druckgang folgen die Farben Schwarz, Grau und die Lackierung. Hier gehe ich davon aus, dass die Reihenwertzähler wegen des starken Farbaufbaus ein Dublieren verursachen, dass sich im nachfolgenden Grau und in der Lackierung weiter zeigt.

Die Analyse der Fehler an dieser Marke ist also auch mit Blick auf Herstellung eine ziemlich spannende Sache. Soweit meine Überlegungen dazu. Was sind Eure Meinungen?

Viele Grüße
Ben.
 
Ben 11 Am: 18.04.2019 22:38:06 Gelesen: 459# 24 @  
@ Pepe [#11]

Bei dieser Marke, im Rastertiefdruck hergestellt, entsteht die Zweifarbigkeit hellbläulichgrün/dunkelblaugrün durch die Überlagerung der Farben. Hier sieht man deutlich die Verschiebung. Spricht man in diesem Fall von Passerverschiebung?

Ja, das kann man. Die Verschiebung ist hier sehr schön ausgeprägt.

Im Rakeltiefdruck arbeitete man mit Rotations-Druckmaschinen (Zylinder gegen Zylinder) von der Papierrolle. Bewegungen der Papierbahn oder Bahnspannungen können solche Verschiebungen hervorrufen. Am besten kann man diese bei Farbübergängen zwischen zwei Farben oder weißer Fläche erkennen.
Diese beiden Marken des Satzes zeigen keine Auffälligkeiten. Die Details und Übergänge, insbesondere zu Weiß, sind gut getroffen.



Während die anderen beiden Marken des Satzes eine leichte Passerverschiebung aufweisen. Sehr deutlich zu erkennen an den Farbübergängen.



Der Begriff Rastertiefdruck ist hier ein Technologischer Begriff. Er beschreibt die Anwendung von tiefenvariablen Rasterelementen meist auf Kupferplatten und den Druck auf Kupferdruckpressen (Platte gegen Zylinder). Verarbeitet wurden Papierbögen.

Die Weiterentwicklung zum Rakeltiefdruck kennzeichnet den Übergang zu Rotations-Druckmaschinen mit der Verarbeitung des Papiers von der Rolle. Friedrich Bruckmann hat das Verfahren als "Mezzotinto-Gravure" 1904 eingeführt. Die Bayern Briefmarken mit Bildnis König Ludwig III. sind hier ein sehr gutes Beispiel und auch bekannt.

Viele Grüße
Ben.
 
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