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Thema: Spanien: Hintergründe zur Mi. 27 y
Heinz 7 Am: 20.12.2017 11:45:16 Gelesen: 4024# 1 @  
Mit grossem Aufwand habe ich versucht, Näheres zur Briefmarke "Spanien, 1854 - 1 Real hellblau - ungebraucht" (Michel Nr. 27 y, Senf Nr. 30, Edifil 34A) zu erfahren, bin dabei aber nicht soweit gekommen, wie erhofft. Im Thema: "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken", Beiträge 285-288 habe ich meine Erkenntnisse zu dieser Briefmarke vorgestellt.

Ein von mir kontaktierter Spanien-Experte hat mir vor einiger Zeit freundlicherweise geholfen und mir einen Artikel aus der Feder des Experten Alfredo Navarrro Paya zu dieser Briefmarke zugesandt. Der philatelisische Artikel ist zwar schon in die Jahre gekommen (geschrieben 1982), es soll aber der beste Beitrag zu dieser schwierigen Briefmarke sein.

Leider scheitere ich aber stets beim Versuch, den Artikel lesen zu wollen. Er ist eben spanisch, und das "kommt mir nicht nur spanisch vor", sondern ist für mich leider nicht verständlich.

Kann nun einer unserer Forum-Leser von den zwei Seiten eine Übersetzung beibringen? Das wäre super. Auch "nur" eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse würde ich gerne lesen (wie viele Exemplare sind bekannt? Existieren ungebrauchte Exemplare? Äussert sich der Autor zu den seltsamen Katalog-Preis-Notierungen?).

Der anbei gezeigte philatelistische Artikel erschien 1982 im "Eco Filatélico".




Schon im Voraus besten Dank an alle, die mir helfen.

Heinz
 
EdgarR Am: 20.12.2017 16:10:11 Gelesen: 3986# 2 @  
@ Heinz 7 [#1]

Hallo Heinz!

Wenn es bis etwa zur Jahreswende Zeit hat, übersetze ich es Dir gerne.

Kannst Du mir ggfs. das Traktat zumailen?

Phila Grüße EdgarR
 
Heinz 7 Am: 20.12.2017 21:08:35 Gelesen: 3941# 3 @  
@ EdgarR [#2]

Lieber Edgar,

vielen Dank für das Angebot. Ja, natürlich warte ich gerne. Ich habe Dir die zwei Seiten an Deine e-mail Adresse gesandt.

Herzliche Grüsse

Heinz
 
saintex Am: 21.12.2017 00:15:44 Gelesen: 3918# 4 @  
@ Heinz 7 [#1]

Hallo Heinz,

um bereits vor den Weihnachtsfeiertagen Deine Neugierde zum Inhalt des im Jahr 1982 in der spanischen Zeitschrift Eco Filatélico erschienenen Artikels mit dem Titel „Die Briefmarke zu 1 Real hellblau aus dem Jahr 1854 ist die seltenste Briefmarke Spaniens“ zu stillen, vorab einige Antworten auf Deine Fragen aus Deinem posting vom 20.12.:

1. Nach Angaben des Autors habe ihm der größte Experte dieser Marke in Spanien, Dr. Antonio Roig Soler am 2.8.1967 zur Seltenheit der 1 Real hellblau (Yvert Spanien Nr. 33) folgendes erklärt: “In dem von mir im Jahr 1927 begonnenen Register habe ich bis heute (1967) nur 18 echte Exemplare verzeichnet.“ (Don Antonio war offensichtlich auch Prüfer). Nach Schätzungen des Autors habe sich diese Zahl bis heute (1982) auf maximal 25-30 Exemplare erhöht.

2. Nach Angaben des Autors ist eine Marke auf Brief, jedoch kein ungebrauchtes Exemplar bekannt. Ein im Handel angebotenes ungebrauchtes Exemplar der Marke soll sich als Verfälschung herausgestellt habe, bei dem die Tintenstrichentwertung nachträglich entfernt wurde.

3. Zur Katalogpreis-Notierung wird in dem Artikel lediglich erwähnt, dass der Katalogpreis für die Yvert Nr. 33 unter dem Katalogpreis für die „2 Real orange von 1851“ (Yvert Spanien Nr. 14 ?) liegt, obwohl die „2 Real orange“ im Handel öfter angeboten werde als die „1 Real hellblau“.

4. Im übrigen befasst sich der Artikel ausführlich mit Fälschungen und Verfälschungen der Yvert Nr. 33.

MfG saintex
 
Heinz 7 Am: 31.12.2017 15:11:11 Gelesen: 3771# 5 @  
@ saintex [#4]
@ EdgarR [#2]

Lieber Saintex,

vielen Dank für Deine Nachricht vom 21.12.2017, die ich sehr schätze.

Ich möchte aber Edgar, der mir eine Übersetzung des ganzen Artikels in Aussicht gestellt hat, nicht verprellen. Ich freue mich sehr auf seinen Beitrag und warte geduldig ab, was er mir berichten kann.

Danach werde ich auf Eure beiden Beiträge antworten!

Herzlichen Dank Euch beiden und alles Gute für 2018!



Heinz
 
Cantus Am: 01.01.2018 07:37:47 Gelesen: 3707# 6 @  
@ Heinz 7 [#5]

Hallo Heinz,

falls du hier oder auch in einer anderen ähnlichen Angelegenheit nicht zum gewünschten Ziel gelangst, empfehle ich dir noch fogende Möglichkeiten. Du könntest bei der Staatsbibiothek Berlin [1] anfragen. Wir haben in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht, uns von dort vorhandenen Dolmetschern in schwierigen Einzelfällen helfen zu lassen, z.B. der Übertragung eines japanischen Textes ins Chinesische. Sicher, unsere entsprechenden Erfahrungen liegen schon etwa vierzig Jahre zurück, aber wenn man bei einer Anfrage betont, dass die Bitte um Übersetzung nicht der finanziellen Gewinnerzielung, sondern der Forschung dienen soll, warum sollte dann heute die Hilfe versagt werden?

Eine zweite Variante besteht darin, sich an eine/n Dozentin oder Dozenten zu wenden, die an einer Volkshochschule ihre Dienste anbieten. Dort wird sicherlich kostenlos oder für geringes Engelt eine Übersetzung möglich gemacht werden können.

Viele Grüße
Ingo

[1] http://staatsbibliothek-berlin.de/
 
EdgarR Am: 05.01.2018 17:50:27 Gelesen: 3571# 7 @  
@ Heinz 7 [#1]

Ich habe die Übersetzung erledigt.

EdgarR
 
Heinz 7 Am: 05.01.2018 23:57:34 Gelesen: 3527# 8 @  
@ EdgarR [#7]

Grossartig! Herzlichen Dank! Ich freue mich schon auf die Lektüre. Danach werde ich zum Thema noch meine gewonnenen Erkenntnisse zusammenfassen.

Viele Grüsse

und nochmals vielen Dank!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.01.2018 23:55:31 Gelesen: 3460# 9 @  
@ saintex [#4]
@ EdgarR [#7]

Lieber Edgar,
lieber Saintex,

ich danke herzlich für die Unterstützung, die Ihr mir gegeben habt. Aus der Übersetzung von Edgar sehe ich, wie schwer dieser Text zu lesen war. Umso mehr schätze ich es, dass Du bis am Ende das Bestmögliche herausgeholt hast und Wort für Wort übersetzt hast. Die Anmerkungen in Klammern waren dabei sehr hilfreich für mich.

Ohne es zu wissen, war ich also mit meinen Vermutungen beim Thema "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" (Beiträge 285-288) der Wahrheit schon ziemlich nahegekommen. Der Artikel von Alfredo Navarra Payo, der von einem geschätzten Spanien-Kenner als der beste Beitrag zu dieser schwierigen Briefmarke sein soll, sagt u.a. Folgendes aus:

a) es gibt offenbar keine ungebrauchte Michel Nr. 27 y. Ein früher vermutetes Stück scheint auch gebraucht zu sein (entfernte Tintenentwertung); (Hinweis: ich nehme an, wir sprechen hier vom Ferrary-Stück (Los 177 der 8. Ferrary Auktion/108. Auktion Gilbert, Paris, 1923)).

b) auch gestempelt ist die Marke sehr selten; Payo spricht von lediglich 25-30 echten Marken (alle gebraucht, einer davon auf Brief)

Warum die Marke trotz ihrer Seltenheit keinen höheren Katalogpreis hat, ist mir unklar (25-30 Exemplare sind wenig!). Es scheint mir hingegen offensichtlich, dass wir die Michel Nr. 27 y nicht zur "seltensten spanischen Marke" erküren sollten, denn der Farbfehldruck 2 Reales blau von 1851 (Michel Nr. 8 F) ist viel, viel seltener! Es sind heute nur 3 Exemplare davon bekannt (siehe Beitrag 328 (Thema "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt"). Im Michel-Katalog 2010 liegen auch "Welten" zwischen den zwei Bewertungen:

Mi Nr. 27 y = gest. = Euro 7'500
Mi Nr. 5 F = gest. = Euro 150'000

Schöne Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.01.2018 12:53:29 Gelesen: 3406# 10 @  
@ Heinz 7 [#9]

Ich habe im Thema: "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" heute meinen Stand des Wissens zur Mi 27y zusammengetragen (siehe Beitrag 342) und dabei auch einen Grund genannt, warum die sehr seltene Marke vielleicht dennoch keine absoluten Top-Preise erzielt bzw. in den Katalogen nicht sehr hoch bewertet wird.

Ich möchte hier nicht alles wiederholen sondern verweise auf den obigen Beitrag.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 30.12.2019 23:05:39 Gelesen: 1279# 11 @  
@ Heinz 7 [#10]

Diese seltene Marke (siehe auch: "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt") war Anlass für mich das alte berühmte Handbuch von Rudolf Friederich zu konsultieren. 1894 erschien dieses Buch und war meines Wissens damals das beste Handbuch zur Philatelie Spaniens. Eindrücklich wird darin gezeigt, wie Spanien in rascher Folge Ausgabe nach Ausgabe herausgab, um den Fälschern immer einen Schritt voraus zu sein. Trotzdem - es gibt auch von Spanien viele und gefährliche Fälschungen, was auch Friederich feststellte.

Friederich listete nicht weniger als 32 Ausgaben auf für die Jahre 1850-1889!



So kommt er auf Nummer 234 für den höchsten Wert der 32. Ausgabe. Spanien hat es also seinen Sammlern nicht einfach gemacht!

Warum der Katalog Senf 1911 dann für denselben Wert erst die Nummer 200 vergab (und damit immerhin 34 Haupt-Nummern weniger), wäre sicher ein interessantes Objekt einer Studie. Doch ich will mich hier auf die Nummer Michel 27y konzentrieren.

Ich habe bereits (teilweise) erwähnt, wie die Katalogisierung des Wertes war bzw. ist:

1854. Wappen Spaniens mit Königskrone, umgeben von der Kette des Goldenen Vliesses auf weissem Untergrund. 1 Real blau, auf bläulichem dickem Papier

Michel (2010) = Nr. 27y
Michel (1910) = Nr. 30a
Senf (1911) = Nr. 30b
Kohl Handbuch (1915) = Nr. 30b
Zumstein (1940) und (1991/92) = Nr. 30a

Bei Friederich wird diese Marke gelistet als Nummer 30e (3. Wert der 8. Ausgabe von Spanien):
("milchblau auf bläulichem Papier").
Die Nummern 30a, b, c und 30d wurden vergeben für diverse Farbvarianten auf WEISSEM Papier.

Wir sehen also, dass vor dem 1. Weltkrieg die massgebenden deutschsprachigen Kataloge alle dieser Marke die Nummer 30 vergaben! Solch eine Geschlossenheit ist nicht unbedingt üblich und dürfte auf die überzeugende Arbeit von Rudolf Friederich zurückzuführen sein.

Dem Handbuch (Seite 25) entnehme ich, dass die Portostufe 1 Real benötigt wurde "für einfache Briefe nach Cuba und Portorico" (die damals Kolonien Spaniens waren).

Leider konnte ich keinen Hinweis auf die Seltenheit des Wertes (besonders ungebraucht) entdecken. Interessant ist aber, dass auf den Fototafeln ein scheinbar ungebrauchtes Stück gezeigt wurde. (Meine Interpretation; die Tafeln wurden meines Wissens nicht kommentiert). Wir wissen (heute), dass es Stücke der Mi 27y gab, deren Tintenentwertung entfernt wurde. Ob es im 20. Jahrhundert (bzw. 1894) je echte ungebrauchte Marken dieses Wertes gab, kann ich noch immer nicht bestätigen.



Heinz
 
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