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Thema: Altdeutschland Oldenburg Auktionserlöse
Richard Am: 30.12.2017 09:34:37 Gelesen: 7600# 1 @  
In der Schlegel Auktion vom 20.-22.11.2017 wurde ein Brief Oldenburg von 1861 mit einer Einzelfrankatur Mi. 9 wie folgt angeboten:

Los A21-5740

DIE LEGENDÄRE ¼-GROSCHEN-FRANKATUR DES GROSSHERZOGTUMS OLDENBURG 1861, ¼ Gr. dunkelgelborange, als EINZELFRANKATUR auf Faltbrief mit zweizeiliger, blauer Rahmenstempelentwertung "VECHTA 28/12" (1861) nach Goldenstedt im Zustellbezirk Vechta, Entwertung rechts oberhalb der Anschrift wiederholt, allseits voll- und meist breitrandig mit minimaler und belangloser senkrechter Knitterspur rechts, kontrastreiche Abstempelung und ursprüngliche, ansonsten einwandfreie Qualität, rückseitiger Öffnungsfehler wurde gestützt.

Es handelt sich um eine Fehlfrankatur, denn portogerechte Einzelfrankaturen dieser Marke waren nicht möglich, ein einfacher Brief kostete ab 1.1.1861 ½ Groschen. Es ist lediglich ein weiteres Ganzstück bekannt. Signiert Grobe und Köhler, Fotoattest Nussbaum-Bisser 1966 und Fotoattest Stegmüller BPP 09/2017.

Außerordentliche Wiederentdeckung, nachdem diese dekorative ALTDEUTSCHLAND-RARITÄT rund 50 Jahre in einem Tresor sicher verwahrt wurde. Ein großartiger Beleg für anspruchsvolle Philatelisten, der den meisten bekannten großen Altdeutschlandsammlern gefehlt hat, absoluter Höhepunkt der Deutschland-Philatelie!



Der Brief war den Käufer die stolze Summe von Euro 56.000 einschliesslich aller Nebenkosten wert.



Attest Stegmüller BPP (2017)



Attest Nussbaum-Bisser VSPhV (1966)
 
Heinz 7 Am: 31.12.2017 15:07:27 Gelesen: 7520# 2 @  
@ Richard [#1]

Lieber Richard,

schön, dass Du Dich dafür so begeistern lässt!

Fernab von Scanner und Bibliothek kann ich im Moment nicht vertieft und fundiert antworten, aber Oldenburg hatte immer schon sensationelle Stücke, die auch entsprechend teuer immer wieder Aufsehen erregten. Eine lange Reihe von Bockstücken und phantastischen Briefen katapultierten Oldenburg immer wieder in die Spitzengruppe, der Philatelie weltweit!

Ich hoffe, wir finden die Zeit um uns den Oldenburg-Raritäten etwas vertieft zu widmen. Ich persönlich habe viele Projekte (auch philatelistische), die meine Zeit beanspruchen/belegen. Darum kann ich heute nichts versprechen. Ich möchte aber gerne 2018 das Thema aufgreifen!

Euch Allen ein gutes Neues Jahr!



Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.01.2018 22:24:44 Gelesen: 7419# 3 @  
@ Richard [#1]

Oldenburg hat mit Blockstücken (Einheiten) und Briefen immer wieder sehr hohe Auktionsergebnisse erzielt.

Alfred Lichtenstein (1877-1947) hatte mehrere schöne Sammlungen, die über viele Jahre verkauft wurden. Teils waren die Sammlungen zuerst in die Sammlung seiner Tochter Louise Boyd Dale (1913-1967) übergegangen.

Am 12. März 1992 kam die Sammlung Altdeutsche Staaten in New York zum Verkauf (Harmers of New York). Es waren zwar "nur" 683 Lose, aber es waren viele sehr schöne Stücke dabei.

Das dritthöchste Resultat von immerhin US$ 50'000 (1992) erreichte ein Oldenburg-Los: Nr. 406



Dieser Brief wurde mehrfach verwendet!

- Heppens 21/10 nach Neuende, Frankatur: 1/2 EIN GROSCHEN-Marke (Michel 17 H)
- Heppens 26/10 nach Neuheppens, ohne Franaktur
- Heppens 28/10 nach Stollhamm, Frankatur: EIN GROSCHEN-Marke (Michel 17)
- Stollhamm 1/11 nach Varel, Frankatur: EIN GROSCHEN-Marke (Michel 17)

Diese Verwendung ist ein Unikat. Dafür, dass der Briefumschlag viermal verwendet wurde (und viermal zugeklebt und viermal geöffnet), ist er in erstaunlich guter Erhaltung geblieben.

Die zwei Lose, die damals noch höhere Ergebnisse erzielten, werde ich gerne später an anderem Orte vorstellen (sie betreffen nicht Oldenburg).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.05.2019 23:02:07 Gelesen: 6277# 4 @  
@ Richard [#1]

Leider haben wir an diesem schönen Thema nicht weiter gearbeitet, auch ich nicht, obwohl Oldenburg für Altdeutschland sehr wichtig ist.

Die Diskussionen, ob die Reihenfolge 1. Bayern - 2. Preussen für Altdeutschland richtig ist, lasse ich nun bewusst aus, weil dazu gibt es viele Meinungen. Nur soviel: Oldenburg spielt für viele Raritätenliebhaber eine wichtige Rolle!

Auch bei Erivan Haub gibt es ein paar Oldenburg - Superstücke.

Das beste wird gleich an der ersten Erivan-Auktion verkauft:



Es ist dies das legendäre Bogenstück zu 12 Marken der Michel Nummer 5. Es erzielte schon mehrfach schwindelerregende Verkaufsergebnisse (z.B. bei Burrus, 1964, oder bei Boker, 1987).

Nun wird das Traumstück zum Schnäppchenpreis von Euro 150'000 angeboten.

Wenn dieses philatelistische Stück zu diesem Preis in einem Festpreis-Angebot wäre, würde wohl auch ich alle Hebel in Bewegung setzen, um dieses Stück zu kaufen. Es wird aber bestimmt viel höher zugeschlagen!

Nur zur Info: 1987 wurde das Stück erst bei DM 700'000 zugeschlagen. Vor 32 Jahren lag der Startpreis bei DM 400'000 (Los 269, 6. Auktion Boker). - Welchen Preis das Stück am 8. Juni erzielen wird, ist eine der "grossen" Fragen unserer "kleinen Welt" Philatelie.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.04.2021 13:19:09 Gelesen: 5191# 5 @  
@ Heinz 7 [#4]

Ich habe vor zwei Jahren darauf hingewiesen, dass Oldenburg in der Altdeutschland-Philatelie eine wichtige Rolle spielt. Ich denke hier in erster Linie an die phantastischen ungebrauchten Einheiten. Aber auch gestempelte Marken, Briefe und "Postal history-items" hat Oldenburg viele wichtige!

An der 5. Auktion Erivan Haub bei Köhler kamen immerhin 23 Lose dieses schönen Gebietes zum Verkauf.

18 Briefe, davon 5 (!) mit Mehrfachfrankaturen
2 Ganzsachen mit Zusatzfrankaturen
3 Einheiten (Dreier- oder Viererstreifen) */gest.

Es ist nicht so, dass ALLE Oldenburg-Lose für Sammler mit nicht grossem Budget unerschwinglich sind. Immerhin 13 der 23 Lose Haub 5 (24.4.2021) hatten einen Ausruf von höchstens Euro 1'000 (Euro 150 bis Euro 1'000). Einige der Lose wurden stark beboten, aber nicht alle, und immerhin 12 Lose wurden zugeschlagen zu Euro 2'000 oder weniger.

Zwei wunderschöne Lose, die günstig zu haben waren, möchte ich hier zeigen.



Ein Ganzsachenumschlag (Mi U3A) mit Zusatzfrankatur (Mi. 17A) in sehr schöner Erhaltung. Dieses Stück (Los 138) wurde angeboten zu Euro 1'000 und zugeschlagen zu Euro 1'100 (+ 21% Provision).

Los 135 begeistert mich noch mehr



Natürlich müssen viele Sammler bei einem Ausruf von Euro 3'000 auch schon "tief Luft holen" und viele Sammler müssen bei solchen Preisen auf das Mitbieten verzichten. Andererseits kennen wir viele Sammler, die durchaus bereit sind, solche Beträge für besonders schöne Stücke aufzubringen.

Nun, gestern hat sich der "Einsatz" für den glücklichen Sammler gelohnt, der hier sein Glück versuchte. Der Zierbrief Los 135 wurde zum Ausruf verkauft! Ich wage nun die Aussage, dass der Käufer einen Superkauf getätigt hat, an dem er immer seine Freude haben wird.

(Fortsetzung folgt)

Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.04.2021 13:39:31 Gelesen: 5184# 6 @  
@ Heinz 7 [#5]

Vier Lose aus dem Angebot wurden vom Auktionator zu Recht mit hohen Vorgaben/Startpreisen von Euro 20'000 oder 30'000 ins Rennen geschickt.

Los 125: Dreierstreifen der Nr. 5 auf Brief
Los 128: Dreierstreifen der Nr. 7 gestempelt
Los 129: Viererstreifen der Nr. 8 gestempelt
Los 130: Viererstreifen der Nr. 9 auf Brief

Alle vier Lose wurden verkauft, und drei davon klar über dem Ausrufpreis!



Los 129 erreichte mit Euro 48'000 ein beeindruckendes Resultat (+ 21 % Provision).

Das spektakulärste Ergebnis erzielte aber Los 130



Es ist ein Brief mit der grössten bekannten Einheit dieser Marke, von der sonst nur noch ein loser Streifen registriert ist. Der Brief war zu Euro 30'000 im Katalog angeboten, stieg gestern aber auf schwindelerregende Euro 140'000 (plus 21 % = Euro 169'400).

Schön, dass wir Philatelisten haben, die bereit sind, für solche Wunderstücke tief in die Tasche zu greifen!

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.04.2021 19:18:47 Gelesen: 5038# 7 @  
@ Lars Boettger

Lars und 10 Parale, lasst uns bitte in diesem Thema bei Oldenburg bleiben.

Schon an der vierten Auktion Haub kamen einige hübsche Oldenburg-Lose zum Verkauf. Herausragend war Los 109: ein Viererstreifen (!) der Michel Nr. 3I auf Brief (= grösste bekannte Einheit dieser Marke auf Brief)



Das Los war zu Euro 30'000 geschätzt, wurde dann aber erst bei Euro 75'000 zugeschlagen. +21 % Provision ergibt also einen Preis von Euro 90'750.

Briefe werden heute teuer bezahlt. Früher waren es vor allem die grossen Einheiten (vor allem ungebraucht). Der Wert der Briefe wurde früher nur ausnahmsweise so hoch gesehen wie heute.

Sehr tief waren die Preise im Unglücksjahr 1939. Baron Rothschild hatte seine Bestände nach London gebracht, und H.R. Harmer konnte sich einen spitzen Kommentar nicht verkneifen:



In der Broschüre "Resumé for the Season 1938-1939", in welcher auch auf ein Ausblick auf die neue Saison 1939/40 gemacht wurde, schrieb Harmer "The Germans will miss these!" Er meinte die wunderbaren Lose der Sammlung Rothschild. Am 23./24.10.1939 fand dann die Auktion in London statt, als 521 Lose zu Verkauf kamen... es waren unzählige Traumstücke darunter!

(Fortsetzung folgt)

Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.04.2021 19:40:59 Gelesen: 5026# 8 @  
@ Heinz 7 [#7]

Los 293 der Auktion in London 1939 kennen wir jetzt in Farbe (siehe Beitrag [#9]). Mit Foto wurde dieser wunderbare Brief vor 82 Jahren angeboten.



Alle Lose wurden offenbar unlimitiert angeboten, ohne Schätzpreise und Vorgaben.

Wir wissen zwar, dass 1939 das Britische Pfund in ganz anderen Wertverhältnissen stand zu den übrigen Währungen der Welt. CHF 17.868 galt damals ein GB£. Dennoch ist das Ergebnis 1939 aus heutiger Sicht natürlich bedenklich. Nur GB£ 35 erreichte das Los. Punkt. Nicht GB£ 350, sondern GB£ 35.

Das war auch 1939 nicht unmässig viel Geld, auch wenn das Resultat, umgerechnet in Kaufkraft von heute, mit einem Faktor von mehr als Hundert umgerechnet werden sollte, d.h. 1 GB£ (1939) > CHF 100 (2019).

Zweifellos war die Nachfrage zu Kriegsbeginn 1939 schwach, und so kam Alfred Caspary günstig in den Besitz dieses wichtigen Briefes.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.04.2021 22:46:38 Gelesen: 4942# 9 @  
@ Heinz 7 [#8]

Hätte ein Schweizer am 23.10.1939 in London den Rothschild-Brief Oldenburg für den Preis von GB£ 35. kaufen können, hätte er dafür CHF 893.40 (1939) aufwenden müssen.

Hätte er denselben Betrag zinstragend angelegt, wären in den 80 Jahren seit 1939 aus dem Betrag CHF 4643 geworden. Daraus wird ersichtlich, dass der Preis für den grossartigen Oldenburg-Brief (ein Viererstreifen der Michel Nr. 3I auf Brief!) bei Kriegsbeginn in London wirklich sehr tief lag. Am 21.11.2020 musste der Käufer dieses Briefes immerhin Euro 90'750 dafür aufwenden! Also mehr als 20 x mehr!

Heute wissen wir, dass Alfred Caspary der Käufer des Loses war. Und so tauchte der Brief 16 1/2 Jahre später wieder auf, als die märchenhafte Sammlung Caspary verkauft wurde. Wieder bei Harmer, aber nicht in London, sondern bei der Schwesterunternehmung H.R. Harmer Inc., New York.



Auf Seite 123 des Auktionskataloges 1956 entdecken wir auf der Fototafel "unseren" Heppens-Brief, auf Seite 122 ist Los 584 beschrieben. "Excessively rare strip and probably unique cover" lesen wir in der Auktionsbeschreibung. Der Verweis auf die "Rothschild" Sammlung ist auch zu finden!

Die Auktion Caspary, sale 4, Old German States, vom 23.-25.4.1956 umfasste nicht weniger als 901 Lose und damit "the major portion" der Sammlung. Ein beeindruckender zweiter Teil folgte beim sale 13 (1958), als weitere 463 Lose folgten. Das ist wirklich bemerkenswert, umso mehr, als Caspary nur ausgewählte Stücke von Altdeutschland sammelte. Wir lesen im Vorwort: "In German States, Mr. Caspary did not seek completeness", aber mit 1364 Losen war die Sammlung doch sehr umfangreich. Und - hochinteressant: "Oldenburg was Mr. Caspary's favorite German State", schrieb im Vorwort zur Auktion ausgerechnet John Boker, der selbst eine Altdeutschland-Sammlung der Superlative zusammenstellte.

Los 584 kostete US$ 525 (Hammerpreis = Endpreis; kein Aufgeld/Zuschlag (!) sammlerfreundliche Zeiten, damals). In Schweizer Franken waren dies (1956) CHF 2250, auf heute aufgerechnet CHF 9'854. Also real mehr als doppelt so viel wie 1939, aber immer noch nicht wirklich viel.

Unter allen Caspary-Altdeutschland-Losen spielte der Oldenburg-Brief keine sehr wichtige Rolle. An beiden Auktionen erreichten nicht weniger als 36 Lose einen Zuschlag von mehr als US$ 1'000.

Wir kennen auch den Käufer dieses Loses. Es war John R. Boker höchstpersönlich, der sich diese Preziose sicherte.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 30.04.2021 15:20:43 Gelesen: 4839# 10 @  
@ Heinz 7 [#9]

Es kommt gelegentlich vor, dass wir die Stationen alle kennen, die eine philatelistische Rarität durchlief. Eine Provenienz-Angabe über viele Jahre, gelegentlich über x Dekaden, ist willkommen und auch wertsteigernd.

Ich habe oben Ausschnitte aus Auktionskatalogen gezeigt, als der einzigartige Brief mit dem Viererstreifen der Oldenburg (Michel Nr. 3 I) verkauft wurde. Seine Provenienz-Tafel ist eine "Ehrentafel" von Spitzensammlern von Altdeutschland.



Die Interessierten werden es verschmerzen, wenn auf dem Foto der rechte Teil des Briefes unscharf wiedergegeben ist. Wir haben ja bereits ein aktuelles Farbfoto von dem Los (Beitrag 7).

Am 15. März 1986, an der dritten Auktion der Spitzensammlung Boker, kam als Los 180 "unser" Oldenburg-Brief zum Angebot.

Damit haben wir folgenden Provenienz-Nachweis

1939 - Baron Alphons Rothschild (Harmer London)
1956 - Alfred Caspary (Harmer New York)
1986 - John R. Boker (Köhler Wiesbaden)
2020 - Erivan Haub (Köhler Wiesbaden)

Ich weiss nicht, wann Rothschild in den Besitz dieses Briefes kam, aber wir sehen an diesem Beispiel schön, dass die Sammler nur wenige Möglichkeiten hatten, sich dieses Stück zu kaufen: 4 Möglichkeiten in mehr als 80 Jahren sind nicht viel.

Das ist auch der Grund, warum viele vermögende Sammler tief in die Tasche greifen, wenn seltene Stücke endlich einmal angeboten werden.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.05.2021 14:42:53 Gelesen: 4761# 11 @  
@ Heinz 7 [#6]

Der wunderbare Viererstreifen Oldenburg Nr. 8, der bei Köhler nun für Euro 48'000 verkauft wurde (plus 21 % Aufgeld), Los 129 der 5. Haub Auktion, tauchte gemäss Auktionskatalog Köhler zum ersten Mal auf in 1913 (!). Die zweite Provenienz-Angabe stammt von 1987 (Boker-Auktion).

Ich bin froh, dass ich die langen Jahre zwischen erster und zweiter Provenienz-Angabe nun praktisch halbieren kann: Ich habe das Stück in einer Auktion von 1954 wieder gefunden!



Am 1.4.1954 führte Ernst Müller seine 16. Auktion durch, in Basel. Als Los 430 kam der Oldenburg-Viererstreifen als Los 430 zum Verkauf. Das Los war in Originalgrösse abgebildet auf Fototafel 1 (Seite 33). Der Schätzpreis dazu war immerhin CHF 3'500.

Herzliche Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.08.2021 22:53:49 Gelesen: 4289# 12 @  
@ Heinz 7 [#11]

Briefe aus Oldenburg an seltene Destinationen sind sehr begehrt und entsprechend teuer.



Dieser schöne Brief von Oldenburg nach Schanghai kostete an der Auktion Peter Rapp, Wil (2014) immerhin CHF 43'920 (Zuschlag CHF 36'000 + 22 %). Dies war Los 1698.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.08.2021 18:32:22 Gelesen: 4130# 13 @  
@ Heinz 7 [#12]

Ich freue mich, frühere Stationen dieses Briefes aufzeigen zu können.

1987 wurde in Wiesbaden dieser Brief auch angeboten.



Volker Parthen schätzte diesen Brief hoch ein und nahm ihn auf die Titelseite seiner Herbstauktion 1987. Den erwarteten Schätzpreis von DM 80'000 wollte damals aber kein Sammler zahlen, und so blieb dieses Los gemäss Ergebnisbericht unverkauft.

Wichtig sind auch die Hinweise im Auktionskatalog. Ich zitiere aus dem Auktionskatalog Köhler 1987 (Los 439):

Der Brief wurde erstmals 1913 bei einem Teilverkauf der Sammlung Jeanrenaud anlässlich der 4. Köhler-Auktion verkauft und war dann in der Sammlung des Baron Rieger.

Eine Provenienz-Angabe über mehr als 100 Jahre ist eine tolle Sache und steigert den Wert des Stückes zusätzlich.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.09.2021 12:13:21 Gelesen: 3983# 14 @  
@ Richard [#1]

Einmal mehr kommen hochwertige Oldenburg-Belege auf den Markt. Auf den Erlös dürfen wir gespannt sein.



Köhler Wiesbaden preist (u.a.) Los 111 auf Seite 98 des neuen Kataloges "Erivan 6" an. Ein wunderschöner 8 Groschen-Brief von Oldenburg nach Zürich aus dem Jahr 1861, frankiert mit den Mi.-Nrn. 7 und 8 (Paar).

Kenner der Oldenburg-Philatelie schlägt das Herz höher. Lange mussten sie auf diesen Brief warten, der nun 33 Jahre lang in der Sammlung von Erivan Haub lag.

Doch wir können noch viel weiter zurückblicken.

1908 durfte Gilbert & Köhler die grossartige Sammlung von Georg Koch verkaufen, dies geschah an drei Auktionen in Paris. Bei der 3. Auktion vom 23.-28.11.1908 kamen die Lose 2155-3621 zum Verkauf: Deutschland. Nur 12 Fototafeln standen für das atemberaubende Angebot zur Verfügung.



Ein Los, das abgebildet wurde, war Los 3297. Beschreibung:

"Oldenbourg, 2 (Gulden) noir sur rose, 3 (Gulden) noir sur jne (jaune), paire; très beaux ex. sur lettre, RR (photo no 155)"

Tatsächlich finden wir auf Fototafel 8 links unten einen kleinen Ausschnitt dieses Briefes (nur die Marken wurden abgebildet).

Los 3297 wurde sodann verkauft, vermutlich für 209 Francs (handschriftliche Preisnotiz, schwer zu lesen) = ca. 167 Reichsmark (Angaben OHNE Gewähr, bitte); plus Aufgeld von 10 %.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.09.2021 12:42:37 Gelesen: 3974# 15 @  
@ Heinz 7 [#14]

Der 8 Groschen Oldenburg-Zürich Brief fand grosse Beachtung bei den Kennern von Altdeutschland, entsprechend teuer wurde er 1988 angeboten, als er letztmals auf den Markt kam.



Am 9. März 1988 kam in Wiesbaden die 7. Auktion "John R. Boker, Jr.; Altdeutsche Staaten" zum Verkauf. Alleine an dieser Auktion war die Summe der Ausrufpreise bei beeindruckenden DM 5'623'480. Der Zuschlag soll sich sogar bei DM 7'441'180 belaufen haben, obwohl nicht ganz alle Lose verkauft wurden (Zahlen gemäss Ergebnisliste).

Los 337 hatte einen Ausruf von DM 80'000. Bei solchen Beträgen sind die Interessenten oft dünn gesäht. Trotzdem konnte Erivan Haub den Brief nicht zum Ausrufspreis kaufen, er musste noch 10 % zulegen: gemäss Ergebnisliste erzielte der Brief einen Preis von DM 88'000 (plus 15 % Aufgeld, also DM 101'200).

Der jetzige Ausrufpreis (2021 bei Köhler) von Euro 20'000 ist also keinesfalls hoch und ich empfehle den vermögenden Sammlern von Oldenburg "einmal tief Luft zu holen" und das Los 111 am 25. September 2021 zu bebieten.

Einen noch schöneren Brief mit einer Provenienz-Reihe der Superklasse (Koch, Boker, Haub) kann man sich fast nicht vorstellen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.09.2021 18:41:20 Gelesen: 3951# 16 @  
@ Heinz 7 [#14]

1965 wurde in Basel ein Auktionskatalog herausgegeben von der Organisation "Uncommon Market". Dahinter steckte kein geringerer als Robson Lowe, der mit seinen Schweizer Partnern 1964 eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit einging. Regelmässig wurden Auktionen in Basel durchgeführt; später kam auch Genf und Zürich hinzu. Viele schöne Auktionen wurden so in der Schweiz veranstaltet, statt in London.

Der Sale vom 20.10.1965 war nicht der spektakulärste, aber er verdient unsere Aufmerksamkeit. "Altdeutschland, Deutsches Reich und Deutsche Kolonien" kam zum Angebot, immerhin ca. 622 Lose. Auf Seite 1 des Kataloges lesen wir: "unter anderem mit der "Court" Sammlung".



Schönes Oldenburg-Material wurde angeboten. Die Besichtigung war möglich in London, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München, Zürich und natürlich in Basel.

Offenbar war das Ergebnis zufriedenstellend, denn zwei Jahre später gab es eine ähnliche Auktion. Wieder in Basel. Auch diesmal lesen wir auf Seite 1: "U.a. mit der "COURT" Sammlung". Diesmal waren es nur 345 Lose, aber viele davon waren bemerkenswert.



Toll war auch das Angebot der Auktionatoren: Besichtigung war möglich:

18.-22.9.1967 in London (bei Robson Lowe)
26.9.1967 in Den Haag (bei van Dieten)
28.9.-2.10.1967 in Brüssel (bei Robson Lowe an einer Philatelie-Ausstellung)
3.-5.10.1967 in Paris (bei Robineau)
6.-13.10.1967 in Berlin, Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Frankfurt und München, in 6 schicken Hotels (!)
14.10.1967 in Zürich
16.10.1967 in Basel (bei Marken Müller AG)

Am 17.10.1967 wurde das Material dann versteigert. Zum Zuschlagpreis wurde - trotz dem perfekten Service - nur ein Aufgeld von 10% erhoben.

Los 165 ist der Grund meines ausführlichen Berichtes: Es ist "unser" 8-Groschen-Brief von Oldenburg nach Zürich. Er wurde auf Seite 28 ganz abgebildet, in schwarzweiss; auf dem Umschlagseite 4 war zudem eine Farbabbildung des linken oberen Briefteiles (mit den Marken). Es fällt auf, dass nach Beschreibung 1967 der Brief von 1864 sein soll (später wurde 1861 genannt).



Die Händler von "Uncommon Market" waren nicht bescheiden und sahen einen Schätzpreis von CHF 10'000, was 1967 recht viel Geld war. Der Brief wurde meines Wissens verkauft. Leider habe ich offenbar keine Ergebnisliste.

Wir dürfen vermuten, dass der Brief 1967 in die Sammlung von John R. Boker gelangte, wo er bis zu seinem Tode verblieb. 1988 wurde der Brief wieder verkauft (siehe Beitrag [#15]).

Noch ein interessanter Hinweis. Hinter dem Pseudonyme "Court" könnte sich ein anderer ganz grosser Philatelist (und Händler) verbergen. Brian Birch hat in einer sehr wertvollen Studie "Pseudonyme" aufgeschlüsselt; siehe "Anhang 2" zum Buch "Meilensteine der Philatelistischen Literatur des 19. Jahrhunderts; Supplement, Index, Deutsche Übersetzung" (2014).

Auf Seite 177 finden wir die Auflistung von Brian Birch:

"Court" = Giulio Bolaffi (1902-1987).

Damit wird die "Ahnentafel" des Oldenburg-Briefes noch beeindruckender:

Georg Koch 1908 - Giulio Bolaffi 1967 - John Boker 1988 - Erivan Haub 2021.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.09.2022 23:25:07 Gelesen: 2953# 17 @  
@ Heinz 7 [#15]

Ich riet vor rund einem Jahr den vermögenden Liebhabern von Oldenburg "einmal tief Luft zu holen", und zu versuchen, den wunderschönen Brief zu kaufen, der einen Ausruf hatte von nur Euro 20'000. Am 25.9.2021 wurde der Brief ausgerufen, und es blieb - erwartungsgemäss - nicht beim Ausruf, sondern die Gebote stiegen immerhin auf Euro 42'000.

Ein neues Spitzenlos von Oldenburg aus der nun 8. Haub-Auktion hat, wie das oben genannte Los, ebenfalls zur Super-Sammlung von Georg Koch gehört. Es ist wohl das teuerste Objekt, das Oldenburg je hatte. Es ist allerdings kein einzelner Brief oder eine Einheit, sondern gleich ein ganzer Satz von Grosseinheiten.



Wir sehen 5 Sechserblocks und ein Sechserstreifen der Michel Nrn. 9+10+11+13+14 sowie der Nr. 12. Wir wissen, dass diese Marken als Einzelstücke nicht sehr teuer sind, aber als Sechserblocks / Sechserstreifen sind die Stücke einmalig, und in dieser Kombination natürlich ein Blickfang ersten Ranges!

Wir kennen dieses Los seit 1908! Dreimal wurden die 6 Einheiten ZUSAMMEN in einer Auktion angeboten:

26.11.1908 Auktion Gilbert & Köhler, Paris, Sammlung Koch, Los 3331 = Zuschlag sehr hohe Francs 7'500
25.4.1956 H.R. Harmer Inc., New York, Sammlung Caspary: Lose 622+634+640+648+657+665 = Zuschlag kumuliert: recht hohe US$ 13'590 *
19.3.1988 Heinrich Köhler, Wiesbaden: Boker-Auktion, Los 339 (oder Lose 339a+b+c+d+e+f) = Zuschlag extrem hoch bei DM 1'200'000

* wir wissen: Alle 6 Lose wurden von John Boker gekauft! Er führte die Stücke wieder zusammen

Im Auktionskatalog 2022 sind die drei Vorbesitzer abgebildet. Koch - Caspary - Boker - Haub; diese Provenienz ist unübertrefflich!

Nun werden die 6 Einheiten wieder angeboten, wieder bei Heinrich Köhler, am 24.9.2022. Dieses Mal ist die "Hintertüre" (Zuschlag der Einheiten einzeln, in 6 Losen), nicht vorgesehen. Es soll nur ein Los geben: Los Nr. 135.

Ich nehme an, der Ausrufpreis von Euro 250'000 wird erreicht bzw. übertroffen. Wir dürfen gespannt sein.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.09.2022 22:32:36 Gelesen: 2822# 18 @  
@ Heinz 7 [#17]

Seit gestern wissen wir, dass auch 2022 die "Traumeinheiten" von Oldenburg teuer bezahlt werden mussten, und nur für sehr vermögende Sammler überhaupt "in Frage kommen".



Der Zuschlag für die fünf Sechserblocks und den Sechserstreifen lag bei Euro 290'000, das sind immerhin ca. Euro 50'000 pro Einheit. 1988 hatte Volker Parthen (Auktionshaus Köhler) die 6 Einheiten unterschiedlich hoch bewertet, aber der oben genannte "Durchschnittspreis" zeigt, in welcher "Liga" diese Einheiten seit 1908 gehandelt werden - -

... in der obersten!

Auch sonst erregten mehrere Oldenburg-Lose grosse Aufmerksamkeit. Am meisten natürlich die tolle Wiederentdeckung von ca. 2010, als zwei "Streifbänder" als zusammengehörend erkannt wurden (siehe Auktionskatalog, Seite 98+99).



Die Sammler waren "heiss" auf dieses Stück, und der Preis stieg von Euro 25'000 (Ausruf) auf Euro 95'000 (Zuschlag).

Ein wunderbares Ende einer äusserst erstaunlichen und abenteuerlichen Geschichte eines einmaligen Poststückes!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.03.2024 10:34:58 Gelesen: 706# 19 @  
@ Heinz 7 [#6]

Den Viererstreifen der Michel Nr. 9 auf Brief haben wir vor knapp drei Jahren hier besprochen. Nun hatten wir die Möglichkeit, den Sechserstreifen der Nr 10a (1/3 Gr. auf bläulichgrün) zu bestaunen - er ist einmalig - ja vielleicht sogar, ihn zu kaufen!



Dieser einmalige Brief war eines der extra-Schaustücke aus der Sammlung von Baron Rothschild. Der Brief wurde auf Seite 50 (Text) und Seite 47 (Fototafel IX) des legendären Auktionskataloges bei Harmers London angeboten (Los 313), wurde damals aber zu einem nur sehr gedrückten Preis verkauft (Kriegsbeginn; Datum der Auktion 23./24.10.1939).

Nun wurde das Prachtstück bei Peter Feuser angeboten, als Los 1099, für nur Euro 20'000 Startpreis. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich da diverse Sammler dafür interessierten.

Feuser schreibt in seinem Auktionskatalog zu seinem beeindruckenden Angebot: "Kaum jemand kannte diese über zwei Generationen von Vater und Sohn zusammengetragene bedeutende Oldenburg-Sammlung" und "Zahllose wertvolle Marken und Briefe waren in den letzten 60 Jahren nicht mehr auf dem Markt". Ich weiss im Moment nicht, wann dieser Brief "Heppens - Jever (26.2.1863)" das letzte Mal verkauft wurde, 1939 wird es wohl nicht gewesen sein, dies wären ja 84 Jahre "Wartezeit".

Ich bin gespannt, zu welchem Preis der Brief einen neuen Käufer fand (Auktion 16.3.2024).

Heinz
 
Martin de Matin Am: 18.03.2024 17:41:53 Gelesen: 604# 20 @  
@ Heinz 7 [#19]

Der Zuschlag erfolgte für 25.000 Euro.

Gruss
Martin
 
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