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Thema: Farbfehldrucke
Heinz 7 Am: 05.01.2018 23:54:06 Gelesen: 2462# 1 @  
Ein Farbfehldruck entstand, wenn die Post in der Absicht, eine bestimmte Briefmarke in einer bestimmten Farbe zu drucken, VERSEHENTLICH eine falsche Farbe verwendete oder sonstwie eine Marke in einer unbeabsichtigten Farbe herstellte.

Fall I: Eine Marke sollte blau erstellt werden, der Drucker verwendete aber grüne Farbe. Resultat: der ganze Bogen (z.B. 100 Marken) ist grün, statt blau. => Eine solche Fehlleistung wird in der Regel sofort bemerkt und die Marke wird eine funktionierende Kontrolle wohl nicht überstehen, sondern als Druckausschuss ausgeschieden und vernichtet.

Fall II: Eine Marke mit der Nominale 5 sollte blau erstellt werden. Bei den Vorbereitungsarbeiten aber läuft etwas schief.

Beispiel gefällig?



1895-1898 produzierte die Postverwaltung von Rumänien neue Werte zur 14. Ausgabe von Rumänien (der "Ährenausgabe" = Marken mit Abbildungen von König Karl I., an den Rändern haben die drei wertkleinsten Marken der Serie Ähren, darum ihr Name). Gemäss Spezialkatalog CMPR '74 wurden 10 verschiedene Werte auf weissem Papier mit Wasserzeichen IV (= "PR") hergestellt (1895-1898), welche die Nummern CMPR 99c - 108c erhielten. Unter anderem wurden die Werte zu 25 Bani hergestellt in der Farbe violett (= CMPR 105c) und zu 5 Bani in der Farbe blau (= CMPR 102c).

Wir sehen hier einen grossen Teilbogen zu 60 Marken der CMPR 102c, gedruckt im November 1897. Es fällt auf, dass die Zähnung nicht ideal ist, und alle 60 Marken sind darum "dezentriert". Das kam recht oft vor und ist somit nichts wirklich Aussergewöhnliches.

So weit, so gut.

Ja - wirklich?

Zählen Sie die Marken doch einmal durch, 5 Bani, 5 Bani, 5 Bani, und so weiter. Die ersten 27 Marken sind alles 5 Bani-Marken.

"Na klar!" wird manch ein Ungeduldiger ausrufen, "es ist ja ein Bogen der CMPR 102c!"

So? Der Ungeduldige hat zwar recht, aber ... betrachten Sie einmal die 28. Marke. Was sehen wir da? => Wir entdecken eine Marke 25 Bani blau!

Wie ist das möglich? - Die Erklärung ist einfach! Ein 25 Bani-Druckstöckel wurde versehentlich in den Druckplatte eingesetzt. In diesem Fall an der 28. Stelle des 150-er-Bogens.

Damit ergibt sich also, dass eine 25 Bani Marke NICHT violett ist, wie sie üblicherweise gedruckt wurde, SONDERN blau, wie die 5 Bani-Marken. Die 25 Bani-Marke ist also ein Farbfehldruck!

Man könnte also, streng genommen, auch von einem "Wertzeichenfehldruck" statt von einem "Farbfehldruck" sprechen. Aber weil sich ein Betrachter einer Marke wohl immer zuerst am Nominalwert der Marke orientiert, hat sich diese Bezeichnung "Farbfehldruck" eingebürgert.

Ich finde das faszinierend und natürlich lieben Briefmarkensammler solche Irrtümer. Da diese Marke aber ziemlich oft hergestellt wurde, ohne dass der Fehler bemerkt wurde, gibt es diese Abart doch einige Male und die Abart ist nicht besonders teuer. Klar ist aber, dass diese Marke viel mehr wert ist, wenn sie nicht einzeln/lose ist, sondern im Zusammenhang mit normalen 5 Bani-Marken. Dieser Farbfehldruck erhielt im CMPR '74 die Nummer 105cE.

Es gibt weltweit einige Farbfehldrucke. Einzelne von ihnen sind sehr selten und sehr teuer...

Viel Glück bei der Suche nach solch spektakulären Abarten!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.01.2018 00:33:02 Gelesen: 2403# 2 @  
Einer der ganz seltenen und ganz teuren Farbfehldrucke ist die Marke von Spanien, 1851.

Schon bei der zweiten Ausgabe von Spanien (Königin Isabella II mit Diadem im Oval; Michel Nr. 6-11) gab es einen Fehler.

In die Druckplatte der 6 Reales blau (Michel 10 w) wurde versehentlich ein Klischee der 2 Reales eingesetzt. Normalerweise wurde die 2 Reales (Michel 8 w) orangerot gedruckt. Im 6 Reales-Bogen wurde nun das Klischee mit Nominale 2 Reales ebenfalls blau eingefärbt.

Offenbar wurde der Fehler früh bemerkt, denn es sind bis heute nur ganz wenige dieses Farbfehldruckes bekannt geworden. (Man könnte, streng genommen, auch von einem "Wertzeichenfehldruck" statt von einem "Farbfehldruck" sprechen. Aber weil sich ein Betrachter einer Marke wohl immer zuerst am Nominalwert der Marke orientiert, hat sich diese Bezeichnung "Farbfehldruck" eingebürgert).

Von den heute bekannten drei Stück ist eines im Museum (British Library, Tapling Sammlung, siehe Beitrag 328 von Thema: "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt").

Eine weitere Marke hängt aber noch mit einer 6 Reales Marke zusammen, und ist darum besonders wertvoll!



Leider ist die Abbildung im Buch "Encyclopedia of rare and famous stamps; 2. The Biographies" von L.N. Williams von 1997 nur schwarz-weiss und der Stempel schwer, aber angeblich kann man die Bezeichungen lesen: obere Marke "DOS REALES", unter Marke "SEIS REALES".

Die Markeneinheit wurde schon teuer bezahlt und war ein Highlight u.a. der Sammlungen

- Ferrary,
- Arthur Hind und
- René Berlingin.

Gute Nacht!
Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.11.2018 21:28:56 Gelesen: 1593# 3 @  
@ Heinz 7 [#2]

Im Thema "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken" haben wir bereits gesehen, dass viele der teuer bezahlten Briefmarken Farbfehldrucke sind. Dieses Thema "Farbfehldrucke" soll

a) auch NICHT teure Farbfehldrucke auflisten
b) Infos zu den Farbfehldrucken vertiefen

Den heute wohl berühmtesten Farbfehldruck - die Tre Skilling yellow von Schweden - haben wir bereits ausführlich besprochen. "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken", Beitrag 173+174.



Seit 1975 gilt die Marke definitiv als echt und nicht als eine Fälschung.

1978 wurde sie an einer Auktion in Deutschland angeboten (Edgar Mohrmann)
1984 wurde sie von David Feldman in Zürich verkauft
1990 wurde sie von David Feldman in Zürich verkauft
1996 wurde sie von David Feldman in Zürich verkauft

Im Auktionskatalog von DF (8. November 1996) wurde offengelegt, dass der Käufer von 1990 seine Zahlung(en) nicht beendet hatte und darum die Marke 6 Jahre später wieder angeboten wurde "... to secure the debt and charges." (siehe Seite 21).

Diese Marke wird an der Stockholmia 2019 ebenfalls gezeigt. Gemäss Thomas (Beitrag 174 in "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken") gehört sie heute dem Schweden Gustaf Douglas, dem "philatelic Head Patron" der Ausstellung 2019 in Stockholm. Gustaf Douglas ist natürlich Mitglied der Royal Phil. Society London (seit 2008). Seit dem Jahr seines Vortrag in der Royal (31.10.2013) ist er Fellow (2013). Er hat am Vortrag offengelegt, dass er im Jahr 2013 diese Marke gekauft habe.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 14.01.2020 23:17:30 Gelesen: 711# 4 @  
@ Heinz 7 [#1]

Das schöne Thema Farbfehldrucke wurde an anderem Orte schon breit besprochen. Ich möchte hier anknüpfen. Ich bin sehr froh, einen weiteren, sehr seltenen Farbfehldruck aus meiner Sammlung zeigen zu können.

(Man könnte, genau genommen, auch von einem "Wertzeichenfehldruck" statt von einem "Farbfehldruck" sprechen. Aber weil sich ein Betrachter einer Marke wohl immer zuerst am Nominalwert der Marke orientiert, hat sich diese Bezeichnung "Farbfehldruck" eingebürgert).



1872 kam die 9. Briefmarkenausgabe heraus, zuerst als Pariser Buchdruck, dann als Bukarester Buchdruck von Pariser Platten und schliesslich als Bukarester Druck von Platten aus Bukarest.

Der Wert zu 5 Bani wurde in der Farbe olivgelb/olivbraun (Nuancen) gedruckt = Michel Nr. 44,
der Wert zu 10 Bani wurde in der Farbe blau (viele Nuancen) gedruckt = Michel Nr. 45.

Betrachtet bitte obiges Fragment. Leider ist der olivbraune Wert beschädigt und auch sonst sehen wir Markenmängel. Aber das interessiert uns nur am Rande. Denn betrachtet einmal die zweite Marke von oben.

Ja, sie ist blau. Aber sie hat keinen Nennwert von 10 (Bani), sondern von 5! Es ist also ein seltener Fehldruck. Er ist als Nummer 44 F katalogisiert (obwohl es ja eigentlich eine Abart ist der Grundmarke 45; siehe Erklärung oben in der Klammer).

Die Marke ist wirklich selten und wird kaum je angeboten. Man muss sie auch mit Mängeln akzeptieren, sonst wird die Suche ziemlich aussichtslos.

Im Katalog (Michel 2010) ist die Marke nur mit Euro 450 bewertet. Sie ist hiermit meines Erachtens unterbewertet.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 24.04.2020 22:31:34 Gelesen: 437# 5 @  
@ Heinz 7 [#1]

Die Michel Nr. 5 F von Südafrika/Kap der Guten Hoffnung ist eine äusserst seltene Marke, bzw. ein Fehldruck. In eine Druckanordnung der 4 Pence Marke von 1861, welche im groben Holzschnitt ausgeführt wurde, verirrte sich ein Druckstöckel einer One Penny-Marke, welche in der Farbe der 4 Pence Marke, hellblau, eingefärbt wurde. So entstand eine hellblaue 1 Penny Marke.

Weil die Menschen meist zuerst auf die Wertstufe sehen und dann "1 Penny" entdecken, wurde die Marke als Abart der 1 Penny-Marke katalogisiert (5 F). Meiner Meinung wäre es eigentlich besser gewesen, die Marke als Abart der 4 Pence-Marke zu behandeln (also als 6 F), aber ich kann das nicht bestimmen, also muss ich mich dem allgemeinen Brauch fügen, die Marke als Abart der Grundmarke 5 zu sehen.

Ich habe diese Marke im Thema "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" ausführlich besprochen (siehe Beitrag 181). Dieser Fehldruck schaffte es in der Tabelle von Haas 1905 immerhin auf Platz 8 der seltensten (besten) Fehldrucke.



Der Fehldruck war gestempelt mit Euro 40'000 bewertet im Katalog Michel 2010. Im Paar mit einer "normalen" Marke (Michel Nr. 6) ist die Abart natürlich besonders spektakulär. Solch ein Paar wurde an einer Auktion in London vor knapp 20 Jahren verkauft (2001). Sie erzielte dort einen sehr hohen Preis.

Fortsetzung: siehe Thema: "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt"; aber vermutlich erst morgen...

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.05.2020 19:28:24 Gelesen: 289# 6 @  
@ Heinz 7 [#5]

Ich habe an anderem Orte schon von einem sehr seltenen Fehldruck berichtet:

Südafrika/Kap der Guten Hoffnung, 1861, sog. "Woodblocks" 1 Penny hellblau (statt rot), Michel Nr. 5 F

Es gibt aber noch ein "Gegenstück" dazu

Südafrika/Kap der Guten Hoffnung, 1861, sog. "Woodblocks" 4 Pence rot (statt blau), Michel Nr. 6 F

Besonders interessant sind natürlich Einheiten, wo ein Fehldruck mit Normalmarken zusammenhängt, wie z.B. bei diesem Stück



Hier hängt ein Fehldruck in einem Viererblock mit drei Normalmarken zusammen.

Diese "Woodblock"-Fehldrucke sind seit mehr als 100 Jahren weltberühmt. Schon 1905 listete Theodor Haas diese zwei Fehldrucke unter den wertvollsten Fehldrucken der Welt:

8. Platz = Kap der guten Hoffnung 1861, 1 P. blau, sogenannter Holzschnitt
13. Platz = Kap der guten Hoffnung 1861, 4 P. rot, sogenannter Holzschnitt

1912 wurden diese Fehldrucke wie folgt bewertet:
Gebrüder Senf
1 Penny blau 1500 Mark
4 Pence rot 2000 Mark

Leser des Themas "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" wissen, dass mit diesen Bewertungen die zwei Fehldrucke wirklich in der Spitzengruppe weltweit platziert sind. Und zwar seit über 100 Jahren.

Heinz
 
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