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Thema: (?) (57) Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Das Thema hat 60 Beiträge:
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Detlev0405 Am: 27.02.2018 13:12:34 Gelesen: 6707# 36 @  
Manchmal sind es ganz unscheinbare Belege, die eine große Geschichte erzählen können. So wie dieser Beleg vom 04.08.1936 aus Berlin.



Vom 01. - 16.08.1936 fanden in Berlin die Olympischen Sommerspiele statt. Zeitlich und von der Marke her passend wurde dieser Beleg per Flugpost von Berlin C nach Prag 82 aufgegeben. Sehr schön frankiert mit einer Mi. Nr. 615 aus dem Deutschen Reich ist dieser Beleg auch richtig frankiert, 5 Pf für die Drucksache und 20 Pf Luftpostgebühr. Ein schöner Beleg, der auch in jede Sammlung zu Olympia passen würde.

Einen schönen Tag noch,
Detlev
 
Detlev0405 Am: 01.03.2018 10:56:01 Gelesen: 6650# 37 @  
[#32]

In Ergänzung dieses Beitrages habe ich nun vom Stadtarchiv Bremerhaven eine Auskunft erhalten, die Wolfgangs und meine Nachforschung zu dem Beleg erhärtet. Mit Zustimmung von Herrn Jürgensen kopiere ich seine Auskunft nachfolgend :

Sehr geehrter Herr Röhn,

zu Ihrer Anfrage können wir Ihnen folgendes mitteilen.

Am 20. Mai 1929, einem Pfingstmontag, wurde auf dem Flugplatz Bremerhaven ein Großflugtag mit verschiedenen flugtechnischen Vorführungen veranstaltet. Mehrere damals sehr bekannte deutsche Kunstflieger zeigten dabei ihre Fertigkeiten.

Diese Veranstaltung ist in der zeitgenössischen Tagespresse am 21. Mai ausführlich gewürdigt worden. Im Anschluss an die Berichterstattung über den Flugtag findet sich eine kurze Notiz mit folgendem Inhalt:

Der Luftpostverkehr vom Flughafen Bremerhaven-Wesermünde nach Hamburg mit Anschluß an Berlin und weiter ist am 21. Mai aufgenommen worden. Schlußzeit für Luftpostsendungen beim Postamt in Bremerhaven um 7.15 Uhr. (Norddeutsche Volksstimme, 21.5.1929).

Über die Zusendung einer Kopie Ihres Luftpostbriefes würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Jürgensen

Magistrat der Stadt Bremerhaven
Stadtarchiv
Uwe Jürgensen
Hinrich-Schmalfeldt-Straße - Stadthaus 5
27576 Bremerhaven
Tel. 0471-590-2788
Fax: 0471-590-2005


Auch hier wieder die Bestätigung, das lokale Archive bis hin zum Bundesarchiv sehr kooperativ sind und bei kleinen Anliegen bisher immer kostenlos. Es lohnt sich, einfach nachzufragen.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 03.03.2018 10:47:47 Gelesen: 6613# 38 @  
Am 01.06.1932 wurde durch die CSL (private tschechische Luftfahrtgesellschaf) die Strecke Marienbad – Karlsbad – Chemnitz mit Anschluss nach Halle / Leipzig eröffnet.



Dieser Brief wurde auf der Teilstrecke Chemnitz – Karlsbad befördert. Frankiert mit den Mi. Nr. 379 und A 379 (5 Pf. für die Drucksache und 20 Pf. für die Luftpostgebühr) war er ordnungsgemäß freigemacht. In Chemnitz mit dem Flugplatzstempel versehen und zwischen 5 und 6 Uhr abgefertigt, traf er in Karlsbad um 20 Uhr ein (siehe Rückseite). Beachtenswert die 3 verschiedenen Stempel von Karlsbad 1 mit den Unterscheidungsbuchstaben 4a, 9b und 7b. Da der Brief ordnungsgemäß frankiert war, bleibt die Frage offen, wofür die Gebühr in Höhe von 30 Heller erhoben wurde und mittels Mi. Nr. P 58 Tschechoslowakei auf der Vorderseite verklebt wurde. Die Gebühr wurde gegenüber dem Empfänger für die Lagerung bei der Post erhoben. Interessant beim Stempelabschlag auf der Gebührenmarke – es wurde keine Zeit eingestellt. Diese Strecke ist wohl bei den Sammlern etwas untergegangen, denn nach Horka gehören alle Belege dieser Strecke zu den seltensten der Periode 1931–1939.

Ein schönes Wochenende wünsche ich
Detlev
 
Detlev0405 Am: 06.03.2018 13:31:52 Gelesen: 6576# 39 @  
Meinem heutigen Beleg sieht man einfach an, es ist ein Bedarfsbeleg. Nach 80 Jahren und tausenden Kilometern Reise kann man das auch mal so hinnehmen, Hauptsache die Merkmale einer echten Luftpostbeförderung sind alle vorhanden. Und dafür hatte ja Wolfgang gute Anhaltspunkte in einem früheren Beitrag geliefert.



Aber schon der Abgang des Beleges ist sehr interessant. Aufgegeben in Bensen am 15.02.1937, einer Kleinstadt im Kreis Decin, ging er auch nach Decin (Bodenbach als Ortsteil von Decin). Hier sollte er eigentlich nach Prag weitergeleitet werden, um von dort als Luftpost weiter befördert zu werden. Statt dessen wurde der Brief am 17.02.1937 per Bahnpost nach Berlin geschickt, wo er am 17.02.1937 angekommen ist und am Luftpostamt Berlin C L 2abgefertigt wurde.



Der rote Bestätigungsstempel für Deutsche Luftpost Europa – Südamerika bezeugt die Beförderung mittels der DLH auf der Südamerika Linie. Mit dem Ankunftsstempel Asuncion wird der Flug hier komplett dokumentiert.



Ein schwacher Ankunftsstempel in Villarica komplettiert den gesamten Postweg.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 19.03.2018 15:06:37 Gelesen: 6407# 40 @  
Wer zu spät kommt den bestraft das Leben – so ging es auch dem folgenden Brief. Ursprünglich wurde der Erstflug Brno – Zlin – Piestany für den 03.05.1937 in den Amtsblättern avisiert.Es gelang der CSR jedoch, die Flugverbindung von Piestany weiter nach Uzhorod bereits vorfristig sicher zu stellen und somit konnte der Flugbetrieb vorfristig am 01.05.1937 eröffnet werden. Diese Information erreichte jedoch nicht mehr jeden und so kam es zum folgenden Zubringer.



Am 03.05. wurde der Brief in Brüssel am Flughafen um 10 Uhr aufgegeben. Er kam in Prag gegen 16 Uhr an und wurde dementsprechend abgefertigt (siehe Stempel Vorderseite ). Auf der Rückseite ist die weitere Beförderung um 21 Uhr ausgewiesen. Jetzt gibt es theoretisch zwei mögliche Streckenführungen, eine nach Brno und die zweite direkt Prag – Piestany. Es ist davon auszugehen, das der Flug über Brno erfolgte, um von dort am 04.05.1937 zum Bestimmungsort in Zlin geflogen zu werden.

Auf Grund der Verschiebung des Erstflugtermins wurde in Zlin 2 der Einsatz des Sonderstempels für den Zeitraum vom 01. - 03.05.1937 genehmigt. Eine Verwendung dieses Stempels noch am 04.05.1937 ist schon außergewöhnlich und relativ selten anzutreffen.



So wurde aus dem eigentlich geplanten Zubringerbeleg aus Belgien für einen Erstflug ein ganz normaler Luftpostbrief auf der Strecke Brüssel – Prag – Brno – Zlin.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 26.03.2018 11:48:50 Gelesen: 6309# 41 @  
Eine Strecke und zwei Erstflüge – das war in den 20er und 30er Jahren in der Tschechoslowakei keine Ausnahme. Theoretisch wären sogar 4 Erstflüge möglich gewesen, nämlich durch die CIDNA, CSA, CLS und DLH.

Heute geht es um die Strecke Prag – Breslau auf der 2.Flugtrasse der Tschechoslowakei Prag – Warschau. Während die Direktverbindung nach Warschau bereits am 24.04.1921 eröffnet wurde, zeichnete sich im Laufe der praktischen Flüge ab, das eine Zwischenstation für die Flugzeuge von Vorteil wäre. So wurde 1925 der Flugplatz Gleiwitz angeflogen, stellte sich aber im gleichen Jahr als unattraktiv heraus. So nahm man 1926 die Destination über Breslau auf – sie hielt bis 1939 zum Ende der Tschechoslowakei.



Am 10.08.1926 flog als erste Gesellschaft die CIDNA auf der Strecke Prag – Breslau. Typisch für diesen Beleg die neben der in tschechisch stattfindenden Bezeichnungen die in Französisch. So ist der Richtungsaufkleber komplett in französisch gehalten. Der vielen bekannte blaue Aufkleber in tschechischer Sprache war erst mit der Reform vom 01.04.1928 zwingend vorgeschrieben.



Der abgeschlagene Erstflugstempel von 1926 wurde offiziell beim Postamt Prag Flughafen eingesetzt. Er besaß eine auswechselbare Jahreszahl und war deshalb auch schon 1925 anzutreffen. Später wurde er weiter verwendet bis 1938, aber ohne jegliche Jahreszahl.



Der rote Kennzeichnungsstempel für Flugpost ist typisch für die beim Postamt Prag 82 abgefertigte Post.



Komplettiert wird die Beförderung durch den Ankunftsstempel vom Postamt Breslau 1. Der komplette Beleg ist auch bei Mahr Band 3 Seite 103 abgebildet.



Am 19.04.1927 nahm die Deutsche Lufthansa auf der gleichen Strecke den Flugbetrieb auf. Obwohl die Abfertigung ebenfalls beim Postamt Prag 82 durchgeführt wurde, hatte sich inzwischen der Abfertigungsstempel für Luftpost geändert. Es kam der Achteckstempel zum Einsatz, der seit dem 16.03.1927 in Gebrauch war. Normal wurde er in Schwarz abgeschlagen, lediglich die Flüge Prag nach München / Breslau und Chemnitz erhielten einen roten Abschlag.

Die CLS gab aus diesem Anlass eine offizielle Karte heraus, konnte durch den Vorlauf im Druck nicht mehr verhindern, das der Flug einen Tag später stattfand als auf der Karte ausgewiesen.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 03.04.2018 09:03:42 Gelesen: 6151# 42 @  
Heute ein recht unscheinbarer Brief, der meine Aufmerksamkeit eigentlich nur wegen dem Adressaten erweckt hat. Er knüpft nahtlos an den Beitrag [#27] an, Post an die damalige Weltfirma Bata in Zlin.



Es gab bei dem Brief nur zwei Anhaltspunkte für eine bedarfsgerechte Beförderung – der Abgangsstempel vom Flugplatz Prag am 24.11.1936 und der Ankunftsstempel von Port of Spain am 07.12.1936. Für mich begann nun die Suche nach der richtigen Fluglinie. Meine erste Überlegung nach einem Blick auf die Landkarte und der Tatsache, das die Tschechische Luftpost eng verbunden war mit der französischen – der Flug ging über Prag – Marseille – französisch Guyana nach Trinidad. Das war aber mit dem verklebten Porto unvereinbar. Das hätte für einen einfachen Brief zu der Zeit 20,- Kc gekostet. Der zweite mögliche Weg über Berlin und Stuttgart fielen auch aus, da der rote Stempel für Europa – Südamerika Flüge fehlte.

So habe ich die Notbremse gezogen und mich wieder an „saintex“ gewandt mit der Bitte um Hilfe. Es war eine gute Entscheidung. Wolfgang machte mich auf den Weg über New York und von dort nach Port of Spain aufmerksam.

So ergibt sich nach unseren gemeinsamen Nachforschungen folgender Weg für diesen Brief (höchste Wahrscheinlichkeit, da Etappenstempel bei der Beförderung fehlen).

Von Prag ging der Brief nach Paris und dort weiter nach Cherbourg oder Le Havre. Das beansprucht maximal 2 Tage. Die größere Wahrscheinlichkeit liegt aber beim Hafen Cherbourg, weil hier primär neben Passagieren Fracht und Post abgefertigt wurde, in Le Havre in erster Linie französische Dampfer abgingen. Mit dem Schiff ging es nach New York, zur damaligen Zeit eine Reisedauer von 5-6 Tagen. Von New York ging der Brief nach Miami mit der Eastern Airlines, die zu der Zeit ihr Stammquartier in Miami hatte und das Monopol auf der Strecke New York – Miami. Das beansprucht einen Tag.

Die weitere Beförderung erfolgte dann von Miami nach Port of Spain mit der Pan American Airways System Inc. (PAA) direkt auf der Strecke Miami - Buenos Aires. Hier gibt die PAA an, das eine Beförderung von Miami nach Port of Spain maximal 2 Tage in Anspruch nimmt. 13 Tage war die Laufzeit des Briefes – 11 Tage wurden Netto benötigt für diese Strecke. So war der logische Weg gefunden.

Dazu passt dann auch das Porto von 7,00 Kc. Laut Horka (Seite 213) betrug das Porto zu den Kleinen Antillen in der Porto Periode 30.11.1935 – 11.11.1937 für einen einfachen Brief 3,50 Kc. Also handelt es sich um einen Doppelbrief bis 10 g.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 09.04.2018 13:47:42 Gelesen: 5943# 43 @  
Heute erweckt eine ganz normale Luftpostbeförderung aus der Tschechoslowakei nach Deutschland unsere Aufmerksamkeit.



Am 18.07.1932 wurde in Bruntal (deutsch Freudenthal) der Brief auf Reisen geschickt. Bruntal liegt etwa 60 km nordwestlich von Ostrau fast an der polnischen Grenze und damit näher an Katowice als an Brno. Da eine Fluglinie vom nahe gelegenen Flugplatz Mährisch Ostrau nach Prag erst 1935 eröffnet wurde, kann man eindeutig sagen, das die Post von 18 Uhr bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr in Prag auf dem Landweg befördert wurde.

Bereits um 1-2 Nachmittags war der Brief in Leipzig angekommen, in nicht einmal 24 Stunden. Bestätigt auch durch den Luftpostbestätigungsstempel Michel F 50-02 vom Flughafen Halle/Leipzig.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 16.04.2018 13:07:04 Gelesen: 5770# 44 @  
Das Jahr 1927 war ein sehr aktives Jahr der Deutschen Lufthansa in seinen Beziehungen zur Tschechoslowakei und gekennzeichnet durch viele neue Linien zwischen beiden Ländern. So wurde am 19.04.1927 der Direktflug zwischen Bremen und Prag eröffnet. Die Strecke wurde in Etappen geflogen (Bremen – Hannover – Halle/Leipzig – Chemnitz – Prag) und so kommen verschiedene Beförderungsbelege vor. Diese Linie wurde bis zum 31.10.1934 betrieben. Dementsprechend finden wir auf dieser Strecke 4 verschiedene Erstflugbelege – von Bremen nach Prag, Hannover nach Prag, Halle/Leipzig nach Prag und Chemnitz nach Prag.



Von der letzten Etappe stammt dieser Beleg – von Chemnitz nach Prag (Horka 61 d). Abgefertigt beim Postamt am Flughafen Chemnitz zwischen 12 und 13 Uhr weißt der Beleg den Abfertigungsstempel Mi.Nr. A 10-02 auf.



Sehr attraktiv ist der Bestätigungsstempel für den Erstflug Mi.Nr. G 12-01.



Die Ankunft des Briefes in Prag wird durch den Ankunftsstempel Horka R2 – 157d um 16 Uhr dokumentiert. Er war von 1927 – 1929 im Einsatz. Belege auf dieser Teiletappe sind die am seltensten vertretenen der ganzen Strecke.



Der zweite Beleg auf dieser Strecke ist ein reiner Bedarfsbeleg. Der Flug fand am 25.10.1930 statt, 6 Tage vor Beginn der Winterpause. Er weißt den gleichen Abfertigungsstempel wie der Erstflug auf, nur der Ankunftsstempel hat sich geändert. Es handelt sich um den Stempel R2 – 157bb nach Horka, der von 1926 – 1939 im Einsatz war.

Bei dem Erstflugbeleg bin ich das erste Mal in einer sehr extremen Weise auf ein Problem gestoßen, was die theoretische Bewertung eines solchen Beleges betrifft. Michel weißt einen Preis x für den Erstflug auf, der Preis für den Abfertigungsstempel ist vernachlässigbar. Der Bestätigungsstempel für den Erstflug hat den gleichen Preis wie der Erstflug als solches. Da der Empfangsstempel in Prag nach Horka einen Aufschlag von 15% des Belegwertes rechtfertigt, komme ich da doch ins grübeln. Ist ein Erstflugbeleg nicht zwangsläufig mit einem Bestätigungsstempel für den Erstflug versehen ? Wie muss man die Bewertung der Einzelteile aus dem Michel zusammen fassen ? Ich weiß, das das nichts mit dem realen Marktwert zu tun hat, mir geht es hierbei lediglich um das Verständnis um Umgang mit dem Katalog an Hand eines konkreten Beispiels.

Vielleicht können die erfahrenen Sammler mir ja ein paar Hinweise geben ?

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 23.04.2018 08:57:14 Gelesen: 5543# 45 @  
Luftpost von der Tschechoslowakei nach Österreich war seit 1922 üblich und eine der am stärksten frequentierten Strecken zwischen Prag und Wien. Daher ist es besonders interessant, abweichende Destinationen von der Hauptstrecke zu finden.



Ein solcher Beleg ist zum Beispiel dieser Brief von Karlovy Vary nach Kalsdorf bei Graz. In Karlsbad am 06.08.1935 aufgegeben, wurde er um 13 Uhr abgefertigt. Von dort aus ging es nach Prag, wo er am gleichen Tag gegen 22 Uhr weiter abgefertigt wurde. Da die Linie Karlsbad – Prag bis zum 15.09.1938 betrieben wurde, kann hier ohne Zweifel eine Luftpostbeförderung angenommen werden. Von Prag aus ging es nach Wien. Leider ist der Stempel auf der Rückseite zwischen dem Prager und Kalsdorfer Stempel nicht zu entziffern. Da der Ankunftsstempel in Kalsdorf vom 08.08.1935 ist, kann angenommen werden, dass der Brief von Wien nach Graz auf dem Landweg befördert wurde. Zumal von Graz keine Luftpostbestätigung erfolgte. Aufgewertet wird die Beförderung durch den Versand als Einschreiben.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 30.04.2018 19:55:24 Gelesen: 5434# 46 @  
Der 15.08.1920 markierte einen Meilenstein in der Geschichte der jungen Tschechoslowakei – die erste zivile Luftpost wurde befördert. Auf der Strecke Prag – Straßburg – Paris fand der Flug statt, über die Menge der beförderten Briefe gibt es keine Angaben. In der Zeit vom 28.11.1918 bis zum 21.03.1920 fanden 12 registrierte Versuchsflüge statt, die vorwiegend durch die Armee sichergestellt wurden. Darüber gibt es auch Belege.

Die zivile Luftfahrt in der Tschechoslowakei wurde durch Frankreich aufgebaut. Deshalb waren auch die ersten Strecken alle durch französische Luftfahrtgesellschaften betrieben worden. Bis 1926 hatte die CFRNA das Monopol, die ab 1925 in CIDNA umbenannt wurde. Partner dieser Gesellschaft war eine rumänische Fluggesellschaft. Die Deutsche Lufthansa spielte auf den Strecken nach Frankreich keine Rolle, lediglich 1927 gelang es ihr , eine Strecke nach Marseille zu bedienen.

Erst im Jahre 1933 gelang es der CSA zusammen mit der CIDNA auf der Strecke Paris – Prag – Marienbad, in den Markt nach Frankreich einzudringen.



Dieser Brief von Prag nach Paris ist noch zweifelsfrei von der CIDNA befördert worden, da die CSA erst im September des gleichen Jahres in den Flugverkehr nach Paris einstieg.

Abgefertigt am 24.08.1933 um 17 Uhr am Postamt Prag 1 wurde er am Flugplatz mit dem üblichen Abgangsstempel am gleichen Tag um 23 Uhr versehen. Somit ist er eindeutig als mit Luftpost befördert einzuordnen, auch wenn in Paris kein Ankunftsstempel abgeschlagen wurde.

Viel interessanter ist der abgeschlagene Sonderstempel auf diesem Brief. Vom 21.08. - 04.09.1933 fand der 18.Zionistenkongress in Prag statt. Dem Ereignis ist dieser zweisprachige Stempel gewidmet.



Diese Karte vom 28.03.1938 wurde von Paris nach Prag befördert. Um 1.30 Uhr in Paris abgefertigt, erreichte sie Prag am gleichen Tag gegen 12 Uhr und weißt einen dem entsprechenden Ankunftsstempel auf vom Prager Flugplatz auf.

Möglicher Weise ist dieser Beleg mit der neu gegründeten Air France geflogen, die am 07.10.1933 gegründet wurde und die CIDNA in sich aufgenommen hat.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 07.05.2018 05:50:51 Gelesen: 5315# 47 @  
Heute wieder ein Beleg aus der Bäder Luftpost (Karlsbad, Marienbad), der nach Horka eigentlich gar nicht existiert. Aber der Reihe nach.

Im Beitrag [#9] bin ich schon einmal auf die Strecke Marienbad – Halle/Leipzig eingegangen. Der Eröffnungsflug fand am 15.05.1930 statt und ist im Horka unter der Nummer 86 registriert. Geflogen wurde diese Strecke durch die CLS. Wer nun den Rückflug bei Horka sucht, wird enttäuscht. Den gab es wohl nicht.

Ziehe ich also Mahr zu Rate und stoße zumindest unter der Nummer 17/05.01 neben dem Erstflug auf die Auflistung von Belegen zwischen Marienbad und Halle/Leipzig. Das könnte den Beleg wie folgt umfassen.



Zum Glück gibt es noch eine 3. Alternative, nämlich den Michel. In der Annahme, der Erstflug Halle/Leipzig wurde durch die DLH ausgeführt, begab ich mich dort auf die Suche. Nun war mein Erstaunen doch recht groß – der Erstflug auf der Strecke fand am 07.06.1930 statt und wurde durch die CLS ausgeführt. So ist dieser Beleg also ein Erstflug, um 16-17 Uhr in Halle/Leipzig aufgegeben und in Marienbad um 20 Uhr bereits abgefertigt (siehe Rückseite Bestätigungsstempel). Frankiert mit 2 x Mi.Nr. 411, der Mi.Nr. 391 sowie der Mi.Nr. A379 und versehen mit dem Flugplatzstempel Mi. Nr. A 32-05 kommt der Beleg als Erstflugbeleg sehr bescheiden her.

Gruß
Detlev
 
Filigrana Am: 07.05.2018 13:30:56 Gelesen: 5300# 48 @  
Detlev0405 Am: 07.05.2018 14:04:44 Gelesen: 5292# 49 @  
@ Filigrana [#48]

Hallo Adriana,

ich danke Dir für die 3 Links, den 2. kannte ich noch gar nicht. Schön noch weitergehende Informationen zu bekommen. Den 1. Link kann man so besser erreichen http://www.vrtulnik.cz/ww2/protektorat-otrokovice.htm .

Ich mag die tschechischen Dokumentationen, sie enthalten viel Bildmaterial, welches kaum bekannt ist.

LG Detlev
 
Detlev0405 Am: 14.05.2018 09:16:57 Gelesen: 5158# 50 @  
Heute wieder einmal ein Erstflugbeleg, der streng genommen gar keiner ist. Aber typisch für die tschechische Luftpost in seiner Entstehungsphase. Aber der Reihe nach. Die Strecke Prag – Bukarest gehört neben den 1920/21 eröffneten Linien nach Paris, London und Warschau zu den absoluten Anfängen der tschechischen Luftpost. Am 22.09.1922 fand auf dieser Strecke bereits der Erstflug statt – allerdings durch die französisch – rumänische Luftfahrtgesellschaft CFRNA (später CIDNA). Aus dem Jahre 1922 sind Belege auf dieser Strecke eine absolute Rarität. Zum Vergleich – in den Monaten Oktober bis Dezember wurden auf dieser Strecke insgesamt 9 Belege befördert (bisher bekannte Belege), während im gleichen Zeitraum auf der Strecke Prag – Paris insgesamt 826 Belege befördert wurden (vgl. Horka Seite 70 Tab. 20). Im Jahre 1925 wurde Bukarest Etappenziel auf der Strecke Prag – Ankara, eine wichtige Linie in den Süden Europas und nach dem Nahen Osten.



Erst im Jahre 1935 konnte die CSA die Flugverbindung nach Bukarest aufnehmen, nachdem die Exklusivrechte an der Strecke durch die CIDNA erloschen waren. Am 03.06.1935 eröffnete die CSA auf der Strecke Prag – Uzhorod – Cluj – Bukarest seine Verbindung auf dieser Strecke.

Hier ein Beleg als Ganzsache CDV 57 (2) mit Zusatzfrankatur Mi.Nr. 303 + 304. Versehen mit dem Erstflugstempel für diesen Flug, wird auf der Rückseite in Bukarest die ordnungsgemäße Abfertigung der Luftpost bestätigt.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 28.05.2018 13:52:21 Gelesen: 4150# 51 @  
Am 19.04.1927 hat die DLH die Strecke München – Prag – Breslau und retour eröffnet. Historisch eingeordnet war diese Linie eigentlich ein Unikum – eine innerdeutsche Linie mit Zwischenlandung im Ausland, hier in der Tschechoslowakei.



Von dieser Auslandsbeförderung stammt der Beleg von der Etappe Prag – München. Aufgegeben am 02.05.1927 beim Postamt Prag 82 Letiste Kennbuchstabe b (Verwendung von 1926 – 1939), wurde die Ankunft durch den Flugbestätigungstempel in München 2 quittiert (Mi.Nr. F 77-03). Frankiert wurde der Brief mit Luftpostmarken Mi.Nr. 199 + 200 sowie Mi.Nr. 246A + 169A. Der Stempel zur Kennzeichnung von Flugpost ist ordnungsgemäß in französischer Sprache verfasst, die Richtungsangabe Breslau – Prag – München charakterisiert diesen Stempel als privaten Stempel. Der Stempel zur Eröffnung der Luftpostlinie war kreisrund (vgl. Mi.Nr. D 8-02).

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 11.06.2018 09:57:39 Gelesen: 2507# 52 @  
Heute habe ich wieder einmal einen Bedarfsbeleg aus der Bäder Gegend der Tschechoslowakei. Im Jahre 1927, genau am 11.07., eröffnete die DLH eine Verbindung zwischen Marienbad und Chemnitz. Der Rückflug wurde am 12.07.1927 durchgeführt. Obwohl es doch in beiden Ländern verhältnismäßig kleine Standorte waren, die durch die DLH bedient wurden, hielt diese Linie bis in das Jahr 1934. Das diese Linie ausschließlich für Urlauber in Marienbad geschaffen wurde, zeigen die Saison Zeiten, in denen diese Linie bedient wurde. Von 1928 an wurde sie ab Mai – von 1931 ab 01.06. geflogen und jeweils bis Ende August bzw. Mitte September bedient (Ausnahme 1931, hier nur bis zum 01.08.). In den Jahren 1928 bis 1931 wurde diese Linie sogar bis Berlin erweitert.



Der heutige Beleg ist eine typische Karte von Urlaubern aus Marienbad (siehe auch Text). Die Vorderseite zeigt eine Ansicht von Marienbad. Die Rückseite ist frankiert mit der obligatorischen Luftpostmarke Mi.Nr. 199 und ergänzt mit einer Mi.Nr. 260. Da der obligatorische blaue Luftpostaufkleber erst ab 1930 Pflicht war, wurde die Luftpostbeförderung ordnungsgemäß handschriftlich mit „Flugpost“ gekennzeichnet. Relativ selten auf Luftpostbelegen ist der Abfertigungsstempel von Marienbad 1. Solche Belege finden sich nur 20 Tage lang bis zum 31.07.1927. Dann wurde am 01.08.1927 der beliebte zweisprachige Flugplatzstempel von Marienbad eingeführt (Horka Nr. R8). Die Beförderung wurde in Chemnitz mit dem Flugpostbestätigungsstempel Mi.Nr. F 18-01 ordnungsgemäß quittiert.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 19.06.2018 13:10:21 Gelesen: 2142# 53 @  
Heute habe ich einmal ein Randgebiet der Luftpost aus dieser Zeit heraus gesucht. Es handelt sich dabei um eine kleine Auswahl von Werbestempeln zu diesem Gebiet.



Vom 12.06. bis zum 06.07.1937 fand in Prag Holesovice auf dem dortigen Ausstellungsgelände die gesamtstaatliche Luftfahrtausstellung statt. Offensichtlich ist die geplante Ausstellungsdauer bis zum 20.06. (siehe Werbestempel) verlängert worden, was bei großer Beliebtheit nicht unüblich war. Dieser Stempel ist neben dem zweiten Stempel hier einer der beliebtesten Werbestempel aus der Zeit der Tschechoslowakei.



Der zweite hier aufgezeigte Stempel ist ein propagandistischer Werbestempel. 1935 erfolgte der Aufruf, 1000 neue Piloten für die Luftfahrt anzuwerben. Im Werbestempel wurde keine konkrete Aussage getroffen, ob für den zivilen oder militärischen Bereich – aber beide hatten einen großen Bedarf und man kann davon ausgehen, das die Spezifikation bei den persönlichen Gesprächen statt fand. Erstaunlich ist das Ergebnis der Werbeaktion – 1935 112 Piloten, 1936 186 Piloten, 1937 623 Piloten und bis zum Herbst 1938 weitere 222 Piloten. Somit wurde das Ziel der Werbekampagne mit 143 Piloten überboten.



Im Jahre 1933 kam dieser Werbestempel zur Benutzung der Luftpost zum Einsatz. Hier ein Beispiel vom Postamt Prag 14.



Banska Stiavnica ist ein kleiner Ort (heute etwa 10.000 Einwohner) in der zentralen Slowakei – etwa 175 km östlich von Bratislava. Berühmt ist die Stadt als Bestandteil des UNESCO Weltkulturerbe auf Grund seiner Bergbaugeschichte und der Rolle in Zeiten der Reformation.

Hier gab es in den 30er Jahren (vermutlich ab 1933) ein Werk zur Produktion von Segelflugzeugen. Es ist eng verbunden mit den tschechischen Konstrukteur Hubert Vahal, der zu dieser Zeit eine große Rolle in diesem Bereich spielte. Gleichzeitig wird er als hervorragender Instrukteur für Segelflugzeuge beschrieben.

Nun stellt sich die Frage, wie so ein kleiner Ort Werbung für den Besuch des Flugzeugwerkes machen kann, wo doch die Lage des Ortes in der Tschechoslowakei sehr dezentral war. Dazu muss man wissen, das vom 24.04. - 04.05.1935 der erste nationale Segelflugwettbewerb der Tschechoslowakei in Banska Stiavnica stattfand. Somit erscheint es logisch, wenn das Werk für Segelflugzeuge auf sich aufmerksam macht.

Der Stempel wurde sowohl in schwarz als auch in blau abgeschlagen. Er ist sehr selten anzutreffen.



Im Jahre 1938 kam ein neuer Flugpoststempel am Postamt Prag 1 heraus. Bei Mahr findet sich dazu keine Auskunft, dafür bei Horka. Unter der Nummer R 1 wird er bei den Stempeln gelistet. Interessant ist dabei, das Horka den Stempel erst ab Juli 1938 registriert hat. Sein Einsatz ist naturgemäß zeitlich begrenzt, da im März 1939 die Tschechoslowakei von deutschen Truppen besetzt wurde. Bei dem Stempelabschlag vom 26.06.1938 handelt es sich entweder um einen Probeabschlag des Stempels, wahrscheinlicher jedoch um eine Gefälligkeitsabstempelung direkt am Schalter beim Postamt Prag 1 für einen Sammler. Es war ein Freitag im Jahre 1938.



Als letztes Beiwerk heute ein normaler Geschäftsbrief der CLS an das Reisebüro CEDOK in Mährisch Ostrau. Wir erinnern uns, in der jungen Tschechoslowakei gab es die staatliche Luftverkehrsgesellschaft CSA – übrigens die fünft älteste noch heute fliegende Gesellschaft der Welt – und die private CLS. Im Oktober 1926 fand die Gründung der CLS statt, Initiator und Kapitalgeber waren die Skoda Werke. Bemerkenswert die Strategie dahinter. Während es gegenüber der staatlichen Luftfahrtgesellschaft von den Nachbarländern (aus welchen Gründen auch immer im Ergebnis des Nachkriegseuropa) Hemmungen zur Kooperation gab, stiegen bereits 1927 die DLH und die OELAG (österreichische Luftfahrtgesellschaft) bei der CLS ein. Das sichtbare Ergebnis war die Eröffnung der Fluglinie Berlin – Dresden – Prag – Wien am 21.03.1927. Diese Linie wurde bis 1939 betrieben. Der Höhepunkt der Tätigkeit der CLS war die Eröffnung der Linie von Prag über Kassel nach Rotterdam am 30.04.1928 als alleiniger Betreiber und deren Ausweitung als sogenannte Fluglinie „Donau – Express“ . So ging diese Linie von Rotterdam über Prag nach Wien und Budapest. Später erfolgte die Verlängerung der Linie nach London. Aus dieser Zeit stammt auch die enge Zusammenarbeit mit der KLM aus den Niederlanden. 1945 wurden die CSA und CLS zusammen gelegt und firmierten als CSA, aus der 1995 die Czech Airlines a.s. wurde.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 25.06.2018 19:49:10 Gelesen: 1709# 54 @  
Am 21.04.1927 wurde durch die DLH, CLS und die ÖELAG in Kooperation die Strecke Breslau – Gleiwitz – Brünn – Wien eröffnet. Für die tschechoslowakische Luftpost waren nur die Destinationen von Breslau und Gleiwitz nach Brünn von Bedeutung. Angeschlossen war die Linie an eine Verbindung nach Berlin. Offensichtlich war der Bedarf dieser Strecke nicht sehr groß, denn sie wurde am 15.10.1927 bereits wieder eingestellt.



Ich zeige hier einen Beleg von der Teilstrecke Gleiwitz – Brünn. Abgefertigt am 21.04.1927 zwischen 10 und 11 Uhr Vormittags, kam der Brief in Brünn am gleichen Tag an. Eine Ankunftszeit vermag ich am Stempel von Brünn nicht zu identifizieren. Bei Horka ist diese Teilstrecke registriert unter der Nummer 62 bb, im Michel unter 27.17 – 04.

Viel interessanter ist das Missgeschick, das dem Postamt in Gleiwitz passiert ist. Der Flugpostbestätigungsstempel wurde fehlerhaft geschnitten und es wurde ein „Erstpflug“ aus dem Erstflug. Mit diesem fehlerhaften Stempel wurde ein Teil der Post abgeschlagen, bevor der Fehler entdeckt wurde. Da kein neuer Stempel möglich war, behalf man sich mit der Aptierung des „p„ im Erstflug. So entstand das zweigeteilte Wort „Erst flug“. Registriert auch im Michel unter G 13 – 02.

Gruß
Detlev
 
gabriele Am: 25.06.2018 21:36:32 Gelesen: 1698# 55 @  
@ Detlev0405 [#54]

Hallo Detlev,

nach Deinem Hinweis bei meinen "schlechten Belegen" hatte ich dieses Thema durchgelesen. CSR- und Flugpost-Enthusiasten betrachten deine gezeigten Belege bestimmt mit Begeisterung! Für mich gibt es dabei aber einfach zu viele Fluggesellschaften, da komm ich als Außenstehende nicht mehr mit. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass ich mich zwar schon mit wenigen alten KuK-Postkarten (aus Prag etc.) beschäftigt habe, aber eher wegen der Drucktechnik *schiefes Grinsen*

Zum letzten Beleg habe ich Fragen:

a.) Absender und Empfänger ist wohl der Gleiche?
b.) Gab es da Ansprechpartner in Gleiwitz, die extra zugesendete Briefe auf den richtigen Weg brachten?
c.) Bewirkte der Vermerk Post restante (postlagernd), dass der Brief nach einer Wartezeit zurück an den Absender ging, weil nicht abgeholt?
d.) Ich sehe halt keinen Zurück-Vermerk. Wurde das zusätzlich von den Ansprechpartner aus Gleiwitz organisiert?

Ansonsten zeigst Du manche Belege, die ich auch interessant finde. Naja, leider eher nicht die Erstflüge.

Der Erst _P_flug ist total lustig. :-D

LG, Gabi
 
Detlev0405 Am: 26.06.2018 06:40:07 Gelesen: 1676# 56 @  
@ gabriele [#55]

Hallo Gabi,

das ist wohl eine sehr zutreffende Bemerkung von Dir bezüglich der vielen Luftpostgesellschaften, die sich auf dem Gebiet der Tschechoslowakei bis 1939 tummelten. In erster Linie war das wohl dem fehlenden Kapital geschuldet und den historischen Gegebenheiten nach dem 1. Weltkrieg und dem Zerfall der K.u.K Monarchie. Alle Nachbarländer (und darüber hinaus wie bei Frankreich) versuchten, ihre Marktposition zu festigen. Es liegt aber auch gerade darin ein gewisser Reiz herauszufinden, wer denn nun welchen Flug sicher gestellt hat. Das ist ähnlich wie bei verschiedenen Drucktechniken, wo nicht das Gesamtbild einer Postkarte Dein Interesse weckt sondern die technischen Details. Nach 1945 wird es einfacher (und langweiliger), es existiert nur noch die CSA als einzige Fluggesellschaft in Tschechien. Erst nach 1990 wird es wieder komplizierter.

Du hast richtig beobachtet - Absender und Empfänger sind ein und dieselbe Person. Es handelt sich um den sehr bekannten Braunschweiger Briefmarkenhändler Otto Krenge, der sich mit dem Aufkommen der Luftpost auf dieses Gebiet spezialisiert hat. Heutige Sammler bezeichnen diese Briefe auch kurz und bündig als "Krenge - Briefe ", wobei sich hier die Geister scheiden. Ein Teil lehnt sie ab weil eben offensichtlich zu Sammlerzwecken produziert, der andere Teil akzeptiert sie wie sie sind und sehen darin einen Teil der Aerophilatelie. Und im Ernst - eigentlich ist jeder Erstflugbeleg ein "künstlich produzierter" Beleg, um diesen einen Flug zu dokumentieren.

Einen Ansprechpartner in Gleiwitz wie in jedem anderen Ort gab es immer - nämlich das zuständige Postamt, von dem die jeweiligen Flüge abgingen. Dort wurde die Post aufgeliefert per Post, bearbeitet und auf die Linie geschickt.

Ja der Vermerk postlagernd bewirkte automatisch die Rücksendung der nicht abgeholten Post an den Absender. Offensichtlich gab es im internationalen Postwesen eine entsprechende Vereinbarung, dementsprechende Reaktionen gibt es weltweit und bis heute. Nur so sind die vielen Luftpostbelege überhaupt machbar gewesen. Interessant ist dabei zu beobachten, das speziell in Europa bei Luftpostbelegen zu Erstflügen kaum Retourstempel anzutreffen sind , während bei Post in die USA oder Südamerika sehr häufig Retourstempel anzutreffen sind. Vielleicht kann sich ja zu der Frage einer der vielen "alten Hasen" hier äußern, es gibt bestimmt Regelungen beim Weltpostverein.

Ich sehe das auch so wie Du - es sind nicht die Erstflugbelege, die spannend sind sondern die "normalen" Belege, die viel spannendere Geschichten erzählen können. Sonst wäre ein Beleg wie unter [#19] nie zustande gekommen. Die Erstflugbelege zeige ich hier auch nur zur Dokumentation der Eröffnung von Linien, während mein Schwerpunkt weiterhin die echte Bedarfspost von und in die Tschechoslowakei bleiben soll.

LG Detlev
 
Detlev0405 Am: 03.07.2018 11:56:25 Gelesen: 1182# 57 @  
Nachdem uns Gabi ja gesagt hatte, dass sie Erstflugbelege „doof“ findet, versuche ich heute ihrem ästhetischen Blick zu entsprechen mit einem ganz normalen Flugbeleg.



Vom 26.01.1938 stammt dieser Beleg aus der Schweiz, er ging von Basel nach Prag. Um 15 Uhr in Basel abgefertigt, war er um 5 Uhr des nächsten Tages bereits in Strasbourg. Am 27.01. um 14 Uhr landete der Beleg pünktlich auf dem Flugplatz in Prag und war zwei Stunden später bereits am Auslieferungspostamt. Der Durchgangsstempel von Strasbourg verrät uns wieder, das der Beleg durch die französische CIDNA befördert wurde. Die Schönheit des Beleges wird nicht nur durch die recht sauberen Stempel an jedem Ort geprägt, sondern auch durch den verklebten Block 3 der Schweiz und dem attraktiven Luftpostaufkleber.

Wie jede Schönheit hat auch diese ein kleines Geheimnis. Kein Absender aber eine Prägung auf der Verschlussklappe – ein Eigentumszeichen und Hinweis auf den Absender oder ein Siegel des Herstellers des Briefumschlages ?



Es ist bis heute mein einziger Bedarfsbeleg mit einem Block frankiert, wohl eher auch selten in den 20er und 30er Jahren.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 09.07.2018 13:29:38 Gelesen: 852# 58 @  
Heute sind Flugpostverbindungen innerhalb Tschechiens eher etwas ungewöhnliches als normal. Kein Wunder, es kämen nur Brno und Ostrava in Frage und eine Luftpostverbindung würde keinen Sinn machen auf Grund der Kürze der Strecke.In den 20er und 30er Jahren der Tschechoslowakei zeigte sich die Lage etwas anders, es kamen solche Strecken wie nach Bratislava, Kosice und Ushgorod hinzu, letztere als längste immerhin Luftlinie direkt zwischen Prag und Ushgorod etwa 750 Km (direkt auf der Karte).



Unserer heutiger Brief ist ein Kur Gruß von Bruno Karsten an seine Tochter/Schwester Nelly Karsten. Es erstaunt schon, das für die Strecke Karlsbad – Prag extra die Luftpostgebühr entrichtet wurde – oder steckt da mehr dahinter ? Die Post geht nach Mukacevo. Es ist ein Blick auf die Karte aus der Zeit notwendig, um alles richtig einzuordnen [1].



Ganz unten rechts findet sich der Ort – in der Karpaten Ukraine. Kennzeichnend für alle Orte in der Karpaten Ukraine war der zweisprachige Ortsstempel – hier in Russisch.

Nun ist wieder akribisches Suchen angesagt. Es gab zwei Verbindungen in die Karpaten Ukraine, Prag – Ushgorod direkt auf der Strecke nach Moskau und die Etappenverbindung Prag – Brünn – Bratislava – Kosice – Ushgorod . Die direkte Verbindung zwischen Prag und Ushgorod wurde aber erst am 02.09.1936 eröffnet und fällt somit für unsere Betrachtung aus. Bleibt also die Etappenpost – eröffnet am 06.05.1929.

In Karlsbad am 12.06. um 12 Uhr aufgegeben am Flugplatz, wurde der Brief bereits um 12 Uhr am gleichen Tag in Prag weiter abgefertigt. Auf der Rückseite befindet sich ein Bestätigungsstempel von Mukacevo – am 13.06. um 15 Uhr. 26 Stunden für eine kombinierte Flugpost - und Landbeförderung halte ich für angemessen, da insgesammt 4 Stationen angeflogen wurden.



Gegen eine Landbeförderung spricht die enorme Strecke, die zu bewältigen wäre – über 900 km von Prag nach Mukacevo. Aufgegeben wurde der Brief als Luftpostbrief, also liegt es auch nahe, das er von Prag nach Ushgorod ebenfalls per Luftpost befördert wurde. Auch wenn dort keine Empfangsbestätigung zu sehen ist. Dafür in Mukacevo, was nur bei Sonderbeförderungen üblich war – Eilboten, Einschreiben und Luftpost (als Standardsendungen).

Mukacevo liegt dann noch etwa 60 km von Ushgorod entfernt. Post in die oder aus der Karpaten Ukraine (echt gelaufene Bedarfsbelege) sind heute große Seltenheiten und sehr begehrt. Einen Luftpostbeleg zu haben ist schon ein kleiner Glücksfall.

Gruß
Detlev

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Tschechoslowakei
 
Detlev0405 Am: 17.07.2018 13:59:23 Gelesen: 298# 59 @  
Luftpost nach England aus der Tschechoslowakei hat immer einen Makel – in England gibt es kaum Bestätigungsstempel für den Flug. Um so schöner ist es dann, wenn auf dem Flug von London nach Prag die Etappen nachvollziehbar sind.



Mein heutiger Beleg ist ein reiner Geschäftsbrief zwischen zwei Firmen, wie aus dem Absender und dem Adressaten ersichtlich. Aufgegeben wurde er in London am 20.09.1934. Laut dem Sommerflugplan der Lufthansa von 1934 ging er über Köln nach München.



Dort erhielt er einen Luftpostbestätigungsstempel vom Flugplatz München 2 Mi.Nr. F 77-06 und den Aufgabestempel von München 28A d am 21.09.1934 . Da die DLH bereits seit 1927 die Linie München – Prag bediente, war in München nur ein umpacken notwendig in eine andere Maschine. So kam der Brief bereits am 21.09.1934 in Prag gegen Mittag an. Von dort aus ging es weiter nach Mährisch Ostrau. Da es erst ab 1935 eine Flugverbindung nach Mährisch Ostrau von Prag aus gab, wurde der Brief auf dem Landwege befördert.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 23.07.2018 11:32:08 Gelesen: 17# 60 @  
Doch, auch aus den USA gab es Post in die Tschechoslowakei in diesem Zeitraum. Auch hier das Problem wie bei England, die wichtigsten Etappen auf dem Beleg gut dokumentieren zu können.



Unser heutiger Brief kann den Anspruch in etwa erfüllen. Es ist wieder einmal eine Zusammenarbeit zwischen Wolfgang ( saintex ) und mir, um die Details nachzuvollziehen. Ein sehr schöner Hotel Brief vom Lincoln Hotel in Urbana Ill. wurde auf Reisen geschickt nach Mährisch Ostrau am 13.09.1929 um 13.30 Uhr. Urbana verfügte aber erst 1945 über einen eigenen Flugplatz, so das die erste Etappe zu Lande überwunden werden musste. Bis Chicago waren es auf dem Landweg ca. 219 km .



So kam der Brief in Chicago recht schnell an und wurde am gleichen Tag gegen 19.30 Uhr per Luftpost abgefertigt. Von dort aus ging es entsprechend dem angebrachten Leitvermerk auf der Vorderseite ( privaten Ursprungs )nach New York. Die Luftpostrecke New York – Chicago trug die Bezeichnung C.A.M. No. 17 und wurde ab 01.09.1927 von der us-amerikanischen Fluggesellschaft National Air Transport, Inc. beflogen. Nach den Streckenkarten, die in den im Internet (s.o.) veröffentlichten Flugplänen der National Air Transport, Inc. abgedruckt sind, verlief die Streckenführung der C.A.M. 17 für die Postbeförderung Ende 1929 ab Chicago über South Bend,IN – Toledo, OH – Cleveland, OH zum Flughafen in Newark westlich von New York.

Leider gibt es von New York keinen Ankunfts- oder Abgangsstempel. Bis nach New York hat der Brief nicht mehr als 2 Tage gebraucht. So blieben dem Brief 9 Tage, um es bis nach Paris zu schaffen.



Dort wurde er am Gar du Nord in Paris am 24.09.1929 abgefertigt. Das ist ein eindeutiger Beleg dafür, das der Brief per Schiffspost nach Europa befördert wurde.

Von Paris ging es mit der CIDNA weiter über Straßburg nach Prag. Dort traf er am 25.09.1929 am Flugplatz ein.



Einen Tag später war er dann auf dem Landweg in Mährisch – Ostrau eingetroffen. Auch wenn die 2 im Stempel fehlt, ist der 26.09.1929 festzustellen.



Nach 13 Tagen in Kombination Land – Luft – Seeweg um die halbe Welt gereist, für diese Zeit eine großartige Leistung der Post.

Der Luftpostbrief ist bei einem Gewicht bis zu ½ Unze (ca. 14 Gramm) mit 15 Cent portogerecht frankiert. Der Betrag von 15 Cent setzt sich zusammen aus dem Auslandsporto für einen Brief der ersten Gewichtsstufe bis Paris (5 cent) + dem (ermäßigten) Luftpostzuschlag für die inneramerikanische Luftpostbeförderung von Chicago nach New York (4 cent; Normaltarif ab 01.08.1928 5 cent) + dem Luftpostzuschlag für die Luftpostbeförderung von Paris in die Tschechoslowakei (6 cent).

Gruß
Detlev

Literaturangaben:
American Air Mail Catalogue, Band 2 5. Auflage 1977
Davies, R.E.G. Airlines of the United States since 1914, Washington D.C. 1972
Wawrukiewiecz/Beecher U.S. International Postal Rates, 1872-1996, Portland 1996
 

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