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Thema: Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Das Thema hat 158 Beiträge:
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rudi63 Am: 01.08.2019 19:59:34 Gelesen: 6142# 134 @  
@ Detlev0405 [#133]

Servus Detlev,

an eine Fälschung des Stempels: Marienbad 1 UB:3c M47 lt. Monografie 17 mag ich nicht glauben, die sind schon in Ordnung.

Es gibt durchaus Stempel des Typs M47 ohne Sterne/Kreuze, siehe Monografie Einleitung Seite 45, Abbildung 38. Schiefe Zahlen in der Datumleiste sind nicht ungewöhnlich, kann es nur nicht für genau diesen Stempel beweisen.

Vom Stempel Marienbad 1/3c habe ich auch nur einen Beleg, der mit Deinem aus Beitrag [#10] identisch ist, gleiche Karte, gleiche Frankatur, gleiche Stempel (meiner hat jedoch den Mimon Stempel 2 x nebeneinander abgeschlagen), gleicher Empfänger. Leider kann ich momentan nicht scannen, sonst hätte ich ein Bild hochgeladen.

Die Belege aus 1920/1921 mit der 1. Flugpostausgabe sind sehr mit Vorsicht zu genießen. Mein Brief aus [#5] hat übrigens ein Attest, allerdings von Georg Bühler, was auch keine Garantie ist, deshalb hatte ich es damals auch nicht erwähnt. Ich persönlich halte den Beleg für echt - halt per Bahnpost befördert. Ich habe auch noch keine Belege der 1. Ausgabe mit aktuellem Attest gesehen. Die Marken der 1. Ausgabe traue ich mir zu auf echt und falsch zu bestimmen, aber die Belege.

Briefe wurden früher, auch bei anderen Ausgaben unter oder neben den Marken geprüft. Tschechische Prüfer haben übrigens noch nie Stempel geprüft, eine Signatur Gilbert, Karasek, usw. bezieht sich immer nur auf Markenechtheit, nie die des Stempels.

Schöne Grüße
Rudi
 
Detlev0405 Am: 02.08.2019 12:02:20 Gelesen: 6102# 135 @  
@ rudi63 [#134]

Hallo Rudi,

danke für Deine Ausführungen zu dem Thema. Was die Marken der ersten Luftpostausgabe betrifft ist es gut zu wissen, an wen ich mich wenden kann, wenn ich einen solchen Brief mal in die Finger bekomme. Das die tschechischen Prüfer nur den Aufdruck und nicht den dazugehörigen Stempel prüfen, wusste ich auch noch nicht.

Was den Stempel von Marienbad betrifft, folgende Ergänzung von mir. Richtig ist, wie Du schreibst, das es auch Stempel ohne Trennornamente in der Zeit von 1919 - 1939 gibt. Die Erklärung unter dem Stempel von Chcebuz/Zebus in der Abbildung 38 lautet aber übersetzt : "... dass vielleicht als einziger zweisprachige dieser Art keine Trennwanddekorationen hat. "

Da ich aber den ganzen Stempelkatalog nicht durchsucht habe, bezog ich mich auf meine Darstellung zur Fälschung ausschließlich auf die Stempel von Marienbad 1, registriert unter der Ordnungsnummer 1344 Seite 362 und 363. Sowohl Typ M 44 als auch Typ M 47 sind nur mit Trennornamenten aufgeführt. Das deckt sich dann wieder rum mit dem Begleittext unter der Abbildung 38.

Viel spannender für mich ist die Frage nun, wozu eine solche Stempelfälschung ? Eingesetzt wurde er nachweislich von Anfang bis Ende Juli 1927, wie beide Belege zeigen. Gibt es noch andere Belege zu diesem Stempel ?

Ebenfalls schöne Grüße von mir
Detlev
 
rudi63 Am: 02.08.2019 19:31:00 Gelesen: 6033# 136 @  
@ Detlev0405 [#135]

Servus Detlev,

schon seltsam. Leider kann ich kaum tschechisch, aber auch die Monografie 17 ist nicht unfehlbar.

Schau bitte mal im Horka Seite 102 nach. Da ist unser Stempel ohne Trennornament als Ankunftstempel auf einem Erstflug 4.7.1927 aus Prag abgeschlagen.

Leider kann ich in meinem Archiv keinen unverdächtigen Abschlag auf irgendwelcher Korrespondenz finden. Vielleicht wurde der Stempel auch nur am Flugplatz verwendet? Ich glaube einfach nicht an eine Fälschung.

Schönen Abend, gehe jetzt zum Kulmbacher Bierfest.

Rudi
 
Detlev0405 Am: 02.08.2019 20:42:39 Gelesen: 6024# 137 @  
@ rudi63 [#136]

Hallo Rudi,

zuerst einmal viel Spaß beim Fest.

Beim Horka habe ich nachgeschaut - offensichtlich hat er ein Exemplar mit gleichem Stempel wie wir. Ja ein wenig Tschechisch habe ich inzwischen gelernt, den Rest schaue ich nach.

Ich denke wir vertagen uns zu diesem Problem. Ich werde die Leiterin des Postmuseums anschreiben und um ihren Rat bitten mit konkreten Fragen. Habe ja nun schon Übung darin und wurde bisher nie enttäuscht. Das Ergebnis werde ich hier wieder veröffentlichen.

Beste Grüße
Detlev
 
Anton Am: 07.08.2019 10:43:12 Gelesen: 5792# 138 @  
Hallo Detlev 0405,

soeben erhielt ich die monatliche Mail von Philaseiten mit dem Hinweis auf Deinen Forumsbeitrag mit allem Drum und Dran über die Luftpost in der Tschechoslowakei 1919-38. Ich habe ihn mit zunehmender Begeisterung gelesen.

Nun bin ich kein Sammler dieses Spezialgebiets, aber doch einigermaßen orientiert. Und da hatte ich folgende Idee als Redakteur der "Forschungsberichte der Tschechoslowakei-Philatelie" der "Arbeitsgemeinschaft Tschechoslowakei e.V. im BDPh e.V". Deine wertvolle Arbeit und die Anfragen und Antworten dazu mit bisher 137 Beiträgen verdienen es außerordentlich, einer größeren Anzahl von auf die Tschechslowakeiphilatelie Spezialisierten zugänglich gemacht zu werden.

Ich wäre dazu bereit, aus allen Beiträgen einen großen Artikel (sicher in Fortsetzungen) journalistisch und redaktionell zu entwickeln, natürlich Dir und sämtlichen Beteiligten vorher vorzulegen und darüber zu diskutieren, was heißt, den Artikel dann gemeinsam in Absprache noch einmal zu redigieren, und ihn dann in unserem jeweils 80 Seiten umfassenden Quartalsmagazin zu veröffentlichen. Entscheidend wird Deine Zustimmung ebenso wie die aller Beteiligten sein. Da weiß ich noch nicht, wie ich das anstellen soll; denn ich bin zwar schon lange Mitglied der Philaseiten, habe aber noch nie was geschrieben, sondern nur um meiner Information willen.

Dankbar wäre ich für eine Antwort. Nähere Informationen auch für Dich und alle unter Arge-Tschechoslowakei.de, (kann ja aber auch sein, dass Du selbst oder/und andere Mitglied bei uns sind, was unter dem Forum-Namen ja nicht erkennbar ist.

Ich bin gespannt auf Reaktionen, gerne auch von eventuellen Mitgliedern der ArGe direkt an mich. Die können mich ja im Impressum auf der Titelrückseite identifizieren und mir direkt eine Mail schreiben.

Das wär's vorerst mit herzlichen Grüßen an Dich und alle anderen
Euer "Anton"

[Redaktioneller Hinweis zu Absatz 1: Die "monatliche Mail von Philaseiten" ist der Philaseiten Brief und erscheint jede 2 Monate.]
 
Detlev0405 Am: 08.08.2019 15:46:48 Gelesen: 5695# 139 @  
@ Anton [#138]

Hallo Anton,

natürlich bin ich einverstanden mit einer weiteren Veröffentlichung meiner hier dargelegten Erkenntnisse, sie sollen ja nicht begrenzt nutzbar bleiben. Zumal es sehr wenig Literatur zu dieser Thematik gibt und Ausstellungssammlungen eben nur zu Ausstellungen gezeigt werden, oder eben im Internet.

Dein Hinweis auf eine redaktionelle Bearbeitung für ein Fachblatt findet meine Zustimmung, da ich hier meine Erkenntnisse in etwas mehr oder weniger unterhaltsamer Art und Weise dargestellt habe - mein Thread sollte unterhaltsam sein.

Selbstverständlich habe ich auch die Zustimmung von Richard eingeholt und mich mit ihm geeinigt, das ich auch weiterhin meine Erstveröffentlichungen auf dieser Plattform bringen werde.

Nein ich bin kein Mitglied der ARGE (ich bin in keinem nationalen Verband organisiert und das bleibt auch so), habe aber zu Detailfragen schon sehr intensiven Kontakt zum einen oder anderen Mitglied der ARGE gepflegt, die auch sehr fruchtbar für mich waren.

Sollte Dich der Rahmen zufrieden stellen, kannst Du mich gern dazu kontaktieren (Mail Adresse im Profil) - ich weiß nicht wer hinter Anton steht.

Freundliche Grüße
Detlev
 
Detlev0405 Am: 12.08.2019 08:11:00 Gelesen: 5505# 140 @  
Heute kann ich einen Brief von der wohl längsten Strecke, auf der ein Brief bis 1939 von der Tschechoslowakei befördert wurde, vorstellen.



Es handelt sich um die Destination Prag – Melbourne aus dem Jahr 1938. Beim ersten Blick auf den Brief werden wohl viele enttäuscht sein – keine Luftpostmarken, keine Durchgangsstempel. Daher verweise ich hier auf den Beitrag von Ralf unter [#22] und vom Wolfgang [#24] Punkt 1 zweiter Absatz. Lediglich ein Abgangsstempel von Prag – Flughafen am 09.04.38 um 17 Uhr und ein Ankunftsstempel in Melbourne am 24.04.38 . Und dennoch ist es ein faszinierender Brief der Bedarfsluftpost – wir müssen nur in die Details eindringen.



Es handelt sich hier um einen Geschäftsbrief der „Boskin“ AG für Lederwaren an den Partner in Australien zum Bezug der Rohware für die AG. Frankiert wurde er – und das wieder entgegen den geltenden Bestimmungen der Post – mit zwei Firmenfreistempeln a 8 Kronen. Also gesamt 16 Kronen Porto. Ab dem 01.03.1937 galt für internationale Briefe ein Porto von 2,50 Kronen bis 20 g. Der Luftpostzuschlag je 5 g betrug ab 01.07.1937 4,50 Kronen. Somit war der Brief etwa 15 g schwer = 13,50 Kronen + Porto. Also bedarfsgerecht frankiert.

Bleibt die Frage, welche Gesellschaft auf welcher Route den Brief nach Australien befördert hat, denn der Abgangsstempel von Prag – Flughafen legt ja die Luftpostbeförderung nahe. Und hier kommt uns der Fakt, das keine Durchgangsstempel angebracht wurden, zur Hilfe. Aus der Zeit der Luftpost bis 1939 fallen mir zwei Länder auf, die kaum gestempelt haben – USA und England. Das der Brief über die USA lief kann ausgeschlossen werden.

Also ein Flug über London ? Eigentlich wäre Athen als Anbindung idealer. Aber erinnern wir uns, die tschechoslowakischen Airlines hatten es verpasst, sich mit der DLH vertraglich zu verbinden auf der Strecke. Und so macht die Destination über London Sinn.

Wir müssen auch wieder auf die Wochentage achten, da Flüge nur an bestimmten Wochentagen durchgeführt wurden. Der 09.04.38 war ein Samstag und der 24.04.38 ein Sonntag. In diesen Rahmen muss die Beförderung passen.

Los geht es am 10.04.38 um 15 Uhr ab Prag mit dem Trans Europe Air Express nach London. Dort kam der Brief um 20.05 Uhr an. [1] Leider verpasste der Brief den Flug nach Australien an diesem Tag um genau eine Stunde. Also musste er bis Mittwoch warten. So verließ der Brief am 13.04. London. Die wichtigsten Etappen waren dann : 14.4 . (Do) Athen 15.4. (Fr) Basra 16.4. (Sa) Karachi 17.4. (So) Calcutta 18.4. (Mo) Bangkok 19.4. (Di) Singapore. Bis hierher beförderte die Imperial Airways den Brief. Eine kleine Besonderheit muss hier noch eingefügt werden. Von London wurde der Brief per Bahn nach Southampton befördert, um dort in ein Flugboot verladen zu werden.

Von Singapore wurde der Brief weiter befördert mit der Qantas Empire Airways, einer Tochtergesellschaft der Imperial Airways. So waren die weiteren Etappen : 20.4. (Mi) Sourabaya 21.4. (Do) Darwin 22.4. (Fr) Townsville und 23.4. (Sa) Sydney . Hier endet der lange Flug. [2]

Von Sydney nach Melbourne beförderte die Australian National Airways ANA den Brief mit einer DC-2 . Der Flughafen von Melbourne befand sich zu der Zeit in Essendon . [3]



Das war das einzige Schema von Flugplänen, das in den vorgegebenen Zeitrahmen passte. Nun wird auch jeder verstehen, warum keine Etappenstempel abgeschlagen wurden.

Der Brief dokumentiert noch einmal sehr deutlich, das auch entgegen der gesetzlichen Regelung – Aufkleber + Luftpostmarke – Post ohne Luftpostmarke anstandslos befördert wurde.

Zur Seltenheit von Freistempeln bei Luftpostsendungen hatte ich mich schon im Beitrag [#94] geäußert.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok38/ok38-5.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/iaw38aus/iaw38u-2.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/an36.htm
 
Detlev0405 Am: 14.08.2019 08:33:44 Gelesen: 5347# 141 @  
Ich freue mich heute einen Beitrag veröffentlichen zu können, der sich auf die Anfänge des Threads bezieht. Es geht um den Beitrag [#9], wo ich den Flug nicht so richtig zuordnen konnte.

Dazu erreichte mich folgende Zuschrift:

Ihr Beitrag vom 15. 1.18 LP-Karte Marienbad - Chemnitz - Halle /
Leipzig. Die Karte wurde auf der Lufthansa-Linie Marienbad - Chemnitz -
Berlin, eröffnet am 21. 5. 1928, bis Chemnitz befördert, dort entkartet und auf
die Direktlinie Chemnitz - Halle / Leipzig geleitet. Deshalb die
Flugbestätigungen von Chemnitz und Halle / L. Eine Direktlinie Marienbad
- Chemnitz - Halle gab es nicht-

Mit herzlichen Gruß Dietrich Intelmann


Auch für den Beleg aus dem Beitrag [#17] wird nun eine fundierte Auflösung angeboten.

Da waren noch 2 Belege 1.6.31 An
diesem Tag wurde durch CSL die Linie
Halle / Leipzig - Marienbad - Karlsbad eröffnet. Sie zeigten da den
Rückflug Karlsbad - Marienbad , dort umgeleitet auf die LH-Strecke
Richtung Berlin, in Chemnitz entkartet und den Hinflug Halle -Karlsbad.
Näheres findet man im Handbuch von Otto Dt. LP 1919 - 1932

Mit herzlichen Grüßen Dietrich Intelmann


Ich bedanke mich ausdrücklich bei Herrn Intelmann für die Lösung der beiden Rätsel in meinen Beiträgen. Seine Zustimmung zur Veröffentlichung der Mails liegt mir vor.

Mit freundlichen Grüßen
Detlev
 
Detlev0405 Am: 22.08.2019 08:30:58 Gelesen: 5006# 142 @  
Unser heutiger Beleg ist weder ein Bedarfsbeleg noch ein Erstflugbeleg. Am 18.07.1937 fand in Brüssel ein Flugmeeting statt. Aus diesem Anlass wurde ein Sonderflug zur Propagierung der Luftpostverbindung zwischen Brüssel und Prag durchgeführt.



Abgefertigt wurde die Karte am 19.07.1937 um 10 Uhr am Flughafen in Brüssel. Seinen Ankunftstempel erhielt sie am Flughafen Prag am gleichen Tag um 16 Uhr. Abgeschlagen wurde in Brüssel ebenfalls ein Sonderstempel in Türkis, der Anlass bezogen war.

Frankiert mit tschechischen Marken ging der Brief am 21.07.1937 zurück nach Brüssel. Dabei werfen die verklebten 2 Kc aber Fragen auf. Ab 01.03.1937 war der Posttarif ins Ausland für eine Karte 1,50 Kc. Hinzu kommt der gültige Flugposttarif vom 05.06.1930 von 1.50 Kc . Eine Vergünstigung für Drucksachen ins Ausland gab es nicht.

Das es sich um einen Sonderflug handeln muss, ist aus dem Flugplan der CSA für 1937 ersichtlich. Der reguläre Streckenflug von Brüssel ging täglich um 9 Uhr ab [1]. Der Sonderflug laut Stempel vom Flughafen Brüssel nicht vor 10 Uhr.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-1.jpg
 
Detlev0405 Am: 27.08.2019 13:42:16 Gelesen: 4680# 143 @  
Heute möchte ich die Destination zwischen Belgien und der Tschechoslowakei mit weiteren Belegen dokumentieren. Neben den schönen Frankaturen der Luftpost aus Belgien fällt noch ein weiterer Umstand ins Auge. Obwohl die Direktverbindung zwischen Prag und Brüssel am 05.04.1937 hergestellt wurde, war es nicht die einzige genutzte Flugverbindung.



Unser erster Beleg wurde auf der direkten Verbindung zwischen Brüssel und Prag abgefertigt. Aufgegeben vom 1. Luftfahrtsalon in Brüssel am 28.05.1937 um 16 Uhr, konnte er am nächsten Tag um 09 Uhr seine Reise nach Prag antreten. In Prag kam er um 11.50 Uhr an nach Flugplan [1] . Das belegt auch der auf der Vorderseite angebrachte Ankunftstempel vom Prager Flughafen. Von dort aus ging es per normaler Post weiter nach Opava. Eine Luftpostbeförderung nach Opava kann ausgeschlossen werden, da diese Strecke 1936 eingestellt wurde.



Der zweite Beleg ging von Zwartberg über Brüssel und Paris nach Prag. Am 02.12.1937 in Zwartberg aufgegeben, traf er in Paris am 03.12.1937 ein um von dort aus weitergeleitet zu werden nach Prag. Hier endete die Beförderung am 04.12.1937 . Sehr schön die Einzel Frankatur mit der MiNr. 283 von Belgien. Warum dieser Brief doch diesen Umweg über Paris genommen hat, vermag ich nicht nachzuvollziehen. Zumal Brüssel als Zwischenstation nachgewiesen wurde auf der Rückseite mit einem Stempel. Am 02.12.1937 gegen 19 Uhr in Brüssel angekommen, hätte der Brief auch am 03.12.1937 früh direkt nach Prag gehen können und wäre Mittag in Prag gewesen. So erst einen Tag später.



Das letzte Beispiel ist ein Brief, der von Brüssel direkt nach Prag ging. Er ging in unruhigen Zeiten auf Reisen, denn er wurde in Brüssel am 19.10.1938 abgeschickt. Erinnern wir uns, ab dem 01.10.1938 wurden die Sudeten durch Deutschland besetzt. Nach Prag funktionierte die Postverbindung noch reibungslos, so kam er am 20.10.1938 am Flughafen Prag an mit der regulären Verbindung 09 Uhr ab Brüssel und Ankunft 11.50 Uhr in Prag. Es verwundert nicht, das der Brief durch die Zensur ging.

Zur Zusatzleistung Eilpost auf Luftpostbriefen hatte ich mich schon einmal im Beitrag [#69] geäußert. Eigentlich sinnlos, wenn die Enddestination am Endflughafen ist, aber auch in diesem Fall macht es wohl wieder Sinn. Ich habe beobachtet, das Zensurbelege 1937/38 bis zu drei Tagen Verzögerung erfuhren bis sie am Zustellpostamt eintrafen. Dieser Brief wurde wohl bevorzugt bearbeitet, was die Durchgangsstempel beweisen. So hat wohl die Eilpost seinen Zweck erfüllt.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-1.jpg
 
Detlev0405 Am: 03.09.2019 13:43:43 Gelesen: 4445# 144 @  
Unsere heutige Karte begegnet uns als kleines hässliches Entlein – auf den ersten Blick. Dabei entpuppt sich die Karte bei tiefgehenden Nachforschungen als ein stolzer Schwan, in mehreren Teilgebieten des tschechoslowakischen Sammelgebietes.



Grundtenor der Karte – von Prag in das besetzte Gebiet der Tschechoslowakei, die Sudeten. Seit dem 01.10.1938 besetzten deutsche Truppen nach dem Münchner Abkommen die Gebiete der Sudeten.

Meine erste Frage war selbstverständlich auf die Richtigkeit der Luftpostbeförderung gerichtet. Die Frankatur war für eine Auslandsfrankatur ausgelegt und sogar etwas zu hoch – ab 01.03.1937 war 1.50 Kc für eine Auslandskarte fällig, Luftpostzuschlag nach Deutschland betrug ab dem 05.06.1930 1,00 Kc. Der Flugpost Stempel vom Prager Flughafen ist zweifelsfrei vom 06.10.1938 um 21.00 Uhr. Fakt ist, das die Karte erst am 07.10.1938 vom Flughafen Prag auf Reisen gehen konnte. Die Frage steht – wohin ? Erste Möglichkeit über Berlin. Oder nur bis Dresden – nur von beiden Standorten fehlt ein typischer Ankunftstempel. Von Dresden aus hätte die Karte dann mit der Reichspost nach Rumburg befördert werden müssen.

Hier hilft uns der historische Ablauf der Besetzung der Sudeten weiter. Rumburg wurde am 02.10.1937 besetzt ( andere Quellen benennen sogar den 30.09. ). Der nächstliegende Flughafen war Liberec/Reichenberg, von hier aus waren es etwa 20 km mit der Post nach Rumburg und weitere 4 km etwa nach Nixdorf. Liberec wurde von den deutschen Truppen erst am 09.10.1937 besetzt, stand also für die CSA am 07.10.1937 zur regulären Luftpostbeförderung zur Verfügung. Aber die CSA stellte bereits ihre Flüge nach Liberec am 23.09.1938 ein. Die Deutsche Lufthansa hatte keine Verbindung nach Liberec auf dem Plan. Bleibt nur noch eine Linie möglich – die CSL.

Und wir werden fündig, im Jahre 1938 am 01.05. den Flugbetrieb aufgenommen, gibt es keine Angaben über das Ende des Flugbetriebes von Prag nach Liberec mit der CSL. So konnte die Karte ab Prag um 16.45 Uhr abgehen, um gegen 17.25 Uhr in Liberec am 07.10.1938 anzukommen [1]. Hier befand sich die Karte noch auf tschechoslowakischen Gebiet. Nun musste sie auf dem Landweg nach Rumburg. Hier überschritt die Karte die „neue“ deutsche Grenze. Das auf der Rückseite angebrachte Bleistiftdatum lässt vermuten, das die Karte an dem Tag vom Empfänger bearbeitet wurde. Interessant der Vermerk des Absenders, per Luftpost zu antworten. Hier können wohl eher die Spezialisten der Sudetenpost ihre Meinung äußern.

Somit ist die Karte einer der letzten Belege, die mit tschechoslowakischer Luftpost nach Liberec befördert wurde. Zugleich ein Zeitdokument der Post in die Sudeten als besetztes Gebiet. Ein Beleg aus dessen Anfangstagen und echt gelaufen. Ab 01.11.1938 waren auf dem Flughafen Reichenberg die Aufklärungsgruppen 52 und 41 der deutschen Luftwaffe stationiert [2].

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/cls38/cls38-06.jpg
[2] http://www.vrtulnik.cz/ww2/protektorat-liberec.htm
 
Detlev0405 Am: 10.09.2019 13:09:06 Gelesen: 4173# 145 @  
Mein heutiger Beleg ist fast ein normaler spanischer Luftpostbeleg – wenn er nicht vom 12.08.1936 datiert und damit nahtlos ein Vorgänger des Beleges aus dem Beitrag [#124] wäre. Am 17.07.1936 brach der spanische Bürgerkrieg aus.



Davon aber noch völlig unberührt wurde unser Brief am 12.08.1936 in Barcelona aufgegeben. Es gab offensichtlich noch keinerlei Zensurmaßnahmen.

Hier gab es jetzt zwei Möglichkeiten der Beförderung – zum einen auf der regulären Strecke Barcelona ab 13 Uhr – Paris an 20.15 Uhr oder Dakar – Barcelona ab 13.05 Uhr – Paris an 19.10 Uhr. [1] Von Paris erfolgte die weitere Beförderung im Direktflug nach Prag. Der Flug ging um 06 Uhr in Paris ab und erreichte Prag um 11.25 Uhr. [2]

So abenteuerlich es klingt, die restliche Etappe nach Piestany wurde auch mit dem Flugzeug der CSA geschafft und das in mehreren Etappen. Prag verließ der Brief um 16 Uhr, machte Zwischenlandungen in Brno 17.15 Uhr und Bratislava 18.10 Uhr um in Piestany um 18.50 Uhr anzukommen. [3]

Zwei Tage Laufzeit des Briefs, am 3. Tag wohl zugestellt – eine tolle Leistung.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af36p/af36p-13.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af36p/af36p-08.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok3506/ok3506-3.jpg
 
Detlev0405 Am: 17.09.2019 06:02:20 Gelesen: 3867# 146 @  
Manche Belege entlocken mir einfach nur ein leichtes Schmunzeln. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht.



Diese Karte ging am 09.03.1928 von Leipzig nach Prag. In der Zeit vom 04. - 14.03.1928 fand die Frühjahrsmesse in Leipzig statt. Aber jeder Beleg, der in dieser Zeit vom Flughafen Leipzig abging, ist nicht gleich ein Beleg vom Messeflugverkehr.

Auch wenn diese Karte als Messeflugverkehr angeboten wurde, ist sie es nicht. In den 20er Jahren schrieb das Messeamt Sonderflüge zur Messe aus, zu denen sich die Deutsche Lufthansa und die Nordbayerische Verkehrsflug bewarben. [1] Diese Karte wurde am 09.03.2019 zwischen 12 – 13 Uhr am Flughafen aufgegeben. Somit konnte sie den Flug um 13.40 Uhr nutzen, um in Prag gegen 15.50 Uhr anzukommen. Allerdings handelt es sich hier um den Linienflug Bremen – Leipzig – Prag – Wien. [2] Der fragmentarische Ankunftsstempel auf der Rückseite (wenn es denn einer ist) gibt uns leider keine Auskunft über die Ankunft.

Dafür aber der auf der Vorderseite angebrachte Stempel vom Haupttelegrafenamt. Nur hat sich der Postbeamte hier vertan – gut um 8 Uhr früh nachvollziehbar – der Monat war falsch eingestellt worden auf dem Stempel.

Also Vorsicht vor Messeflug Belegen – es könnten normale Linienflüge sein.

Gruß
Detlev

[1] https://publikationen.dglr.de/?tx_dglrpublications_pi1[document_id]=82601004
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh27/dlh27-21.jpg
 
Detlev0405 Am: 23.09.2019 14:00:56 Gelesen: 3548# 147 @  
Der heute Beleg ist etwas verwirrend, denn er trägt 4 verschiedene Stempel von Prag bevor er auf Reisen ging. Er reflektiert aber eine große Begeisterung vieler Sammler in der damaligen Tschechoslowakei – das Interesse an Sonderstempel.



Unser Fan wollte die Sonderstempel zum 20. Jahrestag der tschechischen Armee. Also beklebte er einen Blankoumschlag mit einer 10 Heller Marke und holte sich beim Postamt Praha 25 den Maschinenstempel in Rot ab. Dann ging es zum Postamt der Prager Burg in Praha 10 , wo er den Abschlag des Sonderstempels zum gleichen Anlass in Gold bekam. Die ordnungsgemäße Abfertigung am gleichen Postamt für den Postweg bestätigt der Tagesstempel vom gleichen Postamt auf der 50 Heller Marke.

Als Drucksache (Tiskopis) deklariert, wurde der Brief vom Flughafen in Praha 7 mit Luftpost nach Brno befördert. Dabei ist aber eine Besonderheit zu beachten. Zum 31.08.1934 wurden die meisten Linien im Sommerflugplan eingestellt. Eine Linie wies aber ein Besonderheit auf, sie wurde vom 01.09. - 31.10.1934 betrieben. Es war die Linie Prag – Bratislava – Ushorod. Diese ging über Brno und beförderte unseren Brief ab Prag 12 Uhr und Ankunft in Brno um 16.15 Uhr. [1]



In Brno bekam der Brief den Ankunftsstempel nach Horka RV12 in violett.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 01.10.2019 08:26:45 Gelesen: 3329# 148 @  
Heute und das nächste Mal habe ich Belege, die etwas abseits der stark frequentierten Strecken die Flugverbindungen der Tschechoslowakei aufzeigen. Es geht um den Standort Brno.

Luftpostbelege von Polen in die Tschechoslowakei bis 1939 sind relativ schwer zu finden. Warum vermag ich nicht zu erklären. Um so erfreulicher, wenn einem sogar Erstflugbelege über den Weg laufen – wie dieser Erstflug auf der Strecke Warschau – Krakau – Brno – Wien.



Dieser Brief wurde am 01.11.1927 in Warschau aufgegeben und mit dem violetten Kastenstempel für den Erstflug versehen. Registriert ist er bei Horka unter der Nummer 73a. Nach Horka war auch die staatliche polnische Fluggesellschaft LOT für die Beförderung verantwortlich. Das stimmt aber nicht so und in seiner umfangreicheren Beschreibung auf Seite 84 unten erwähnt er auch die P.L.L. LOT als transportierende Luftfahrt Gesellschaft. Richtig ist, das der Brief durch die Polska Linja Lotnicza befördert wurde. Die LOT wurde erst am 29.12.1928 gegründet. [1]

Der Flug ging in Warschau nach Plan um 08.45 Uhr in Richtung Krakau. Dort sollte Ankunft um 11.15 Uhr sein. Um 12.30 Uhr geht dann der Flug laut Plan von Krakau über Brno nach Wien. [2]

Der aufmerksame Beobachter stellt sich nun eine Schlüsselfrage – wieso ist der Ankunftsstempel in Brno vom 03.11.1927 ? Dazu muss man streng die gesamte Flugstrecke teilen. Warschau – Krakau war eine inländische Destination genauso wie die Strecke Lwow – Krakau. Beide Städte sollten ursprünglich in Krakau zeitgleich auflaufen, um dann weiter nach Wien befördert zu werden. Letztere wurde erst am 03.11.1927 realisiert (vgl. Horka Nummer 73c) und so konnte der Erstflug Krakau – Wien erst am 03.11.1927 abgeschlossen werden. Auf der polnischen Strecke wurden 140 Belege befördert, wovon 40 erst ab Krakau aufgegeben wurden.

Etwas ungewöhnlich aber wir dürfen nicht vergessen, wir sind in der Anfangszeit der Luftpostbeförderung.

Gruß
Detlev

[1] https://corporate.lot.com/pl/en/history
[2] https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f2/Skany_dokumentow_historycznych_068.jpg
 
Detlev0405 Am: 08.10.2019 05:52:22 Gelesen: 3028# 149 @  
Der zweite Beleg kommt viel bescheidener her.



Es handelt sich um die Flugverbindung von Katowice nach Brno. Aufgegeben in Katowice am 08.01.1929 um 8 Uhr, traf er in Brno am gleichen Tag gegen 11 Uhr ein.



Markant für den Erstflug der rote Zusatzstempel für den Erstflug auf der Strecke Katowice – Brno. Geflogen wurden 75 Stück.

Wer gedacht hat, der vorhergehende Beleg wirft schon eine Menge Fragen auf, wird bei dem Beleg fast in den Wahnsinn getrieben ( zumindest wenn er keine Spezialliteratur hat ) . Es geht um die Frage, welche Luftfahrtgesellschaft hat diesen Brief befördert ? Im Flugplan der LOT von 1931 wird die Verbindung Katowice – Brno ausgewiesen. [1] Ein Nachweis über Flugpläne der LOT kann ich erst ab dem 01.09.1930 finden. Selbst die Geschichte der LOT ist im Jahre 1929 sehr vage und gibt dazu keine Auskunft. [2] Auch in der Geschichte der PLL , die ja formal Ende 1928 abschließt, findet sich kein Hinweis.
Bemerkenswert ist jedoch, das der Flug bereits am 07.01.1929 statt finden sollte und auch gestartet ist. Allerdings endete dieser in einer Notlandung in Pohrlitz/Pohorelice am gleichen Tag.

Meine These – auch wenn die PLL ab dem 01.01.1929 in der LOT aufging und damit formal die LOT flog, wurde der Flug real von der PLL noch realisiert. Aber vielleicht gibt es ja Spezialisten, die dazu besser Bescheid wissen.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/i-kl/lo3104i.jpg
[2] https://corporate.lot.com/pl/en/history
 
Detlev0405 Am: 15.10.2019 08:04:13 Gelesen: 2810# 150 @  
Ich habe lange gesucht nach einem Beleg, der bedarfsmäßig zumindest einen großen Teil der Strecke mit einem Zeppelin auf dem Weg nach Prag oder weiter zurück gelegt hat. Um so mehr habe ich mich gefreut, das der folgende Beleg anstelle eines Flugzeuges einen Zeppelin zur Beförderung erwischt hat.



Am 29.05.1934, einem Dienstag , in Buenos Aires aufgegeben , konnte der Brief mit dem Condor Express Dienst nach Rio de Jainero befördert werden. Dort erreichte er den LZ 127 , der am 31.05.1934 auf den Flug nach Recife ging. Am 01.06.1934 ging dann der große Flug ab Recife nach Friedrichshafen, wo das Luftschiff am 05.06.1934 eintraf. [1] Somit handelt es sich um die Michel Nr. 364 und 365.
Dabei tritt dann für mich als Zeppelinpost Laie eine Frage auf. Handelt es sich bei der Argentinischen Post im klassischen Sinne um eine Zuleitung im Sinne einer Zubringer Post und zweitens hätte der Brief in Rio de Jainero nicht an Bord des LZ 127 mit einem Bordstempel versehen werden müssen ? Michel gibt zu derartiger Post keine Auskunft.

Nun wird es wieder interessant, wenn wir uns den Ankunftsstempel in Friedrichshafen zwischen 6 – 7 Uhr ansehen und den Ankunftsstempel von Prag – am gleichen Tag um 17 Uhr. Wer auf den Flugplan der DLH schaut kann erkennen, das ab Friedrichshafen am gleichen Tag erst gegen 17.10 Uhr ein Flug nach Stuttgart geht. [2]
Wir müssen dazu zurück zu [1] . In der Flugplan – Übersicht wird dort vermerkt, das 2 Stunden nach der Landung des Zeppelins ein Sonderflug über Stuttgart nach Berlin abging. Genügend Zeit , um in Berlin den Flug nach Prag zu erreichen. Somit ging der Brief in Berlin um 14.40 Uhr über Dresden 15.40 Uhr nach Prag, wo er um 16.45 Uhr ankam. Das korrespondiert auch mit dem Ankunftsstempel um 17 Uhr vom Prager Flughafen. [2]
Von Prag aus nahm der Brief seine Reise nach Gablonec auf dem Landweg auf.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh34/dlh34-09.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh34/dlh34-08.jpg
 
Detlev0405 Am: 22.10.2019 07:18:45 Gelesen: 2508# 151 @  
Unser heutiger Beleg ist zweifelsfrei als Sammlerbrief aufgemacht worden. Aber ein schöner Blickfang für jeden.



So wurde er frankiert mit der Mi.Nr. 271 2x , 1x Nr. 219, 4x Nr.228 und dem kompletten Satz Nr. 234 – 236 . Ob das Porto gerecht war mögen Dänemark Spezialisten beurteilen. Der Brief wurde in Kopenhagen am 08.03.1937 abgefertigt. Erstaunlich – die Uhrzeit wurde mit Minutenangabe versehen, also 16.40 Uhr. Dabei hatte es keine Bedeutung für den Flug nach Prag, denn der Brief ging erst am nächsten Tag von Kopenhagen ab. Mit der DLH wurde der Brief um 09 Uhr in Richtung Berlin geflogen, wo er um 11 Uhr eintraf. [1] Um 12.45 Uhr ging die Reise weiter über Dresden – an 13.30 Uhr – nach Prag an 14.30 Uhr. Somit korrespondiert die Ankunftszeit mit dem Ankunftsstempel um 15 Uhr am Prager Flughafen.

Beachtenswert auf der Rückseite – 2 Vignetten zur Werbung für Esperanto.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3610/dlh36-07.jpg
 
Detlev0405 Am: 29.10.2019 08:48:31 Gelesen: 2136# 152 @  
Unser heutiger Beleg schließt an die Beiträge [#27] [#40] [#112] an und hier besonders den Beitrag [#40]. Es geht wieder einmal um den Erstflug Brno – Piestany – auf dem ersten Blick.



Was uns bei dem Beleg als erstes ins Auge springt ist der blaue Stempel von Piestany vom Erstflug Brno – Zlin – Piestany. Und das wieder vom 04.05.1937 , wo doch der Erstflug am 01.05.1937 stattfand. Bei der weiteren Suche nach einer Erklärung versagt unser Horka das erste Mal (wenn ich nicht etwas überlesen habe).

Hier müssen wir uns den gültigen Flugplan der CSA von 1937 ansehen, um weiter zu kommen. [1] Dort finden wir die Flugstrecke 660, die für uns wichtig ist. Sie geht von Uzhorod über Kosice, Piestany, Bratislava nach Brno. Und an der gesamten Strecke wird der Vermerk angebracht od 3.5. , also ab 3.5.

Lediglich bei Mahr finden wir im Band 3 Seite 121 1.Absatz einen Hinweis auf diese Strecke, allerdings nur bis Bratislava und nicht nach Brno. Das ist für meine Betrachtung aber nicht von Bedeutung. Die bei Mahr im Band 4 Seite 201 unter der Nummer 16/01.21 erfolgte Registrierung von Belegen auf der Strecke Prag – Piestany vom 03.05.1937 hat mit dem heutigen Beleg nichts zu tun.

Also ist unsere Karte auf der Strecke Kosice ab 14.05 Uhr nach Piestany an 15.50 Uhr geflogen worden. Offensichtlich war das Postamt schon geschlossen, so das der Stempel von Piestany am 04.05. um 7 Uhr Morgens auf den Beleg kam. Damit ist eindeutig belegt, das er nicht nur als Bestätigungsstempel für den Erstflug verwendet wurde sondern auch als normaler Flugbestätigungsstempel, möglicherweise aber gegen bestehende postamtliche Vorschriften verstoßend.

Wir haben es hier mit einem echten, bisher noch nicht registrierten Erstflug auf der Etappe Kosice – Piestany zu tun. Aber auch nur auf diesem Teilstück.

Für mögliche Zweifler – der Stempel von Kosice weist ein sehr typisches Echtheitsmerkmal auf, das mir jeden Zweifel nimmt. Das der Flug bei Horka nicht registriert ist, lässt sich mit dem kurzen Vermerk bei Mahr beantworten. Da diese Strecke bereits im Herbst wegen Misserfolges eingestellt wurde und keine Angaben zu Leistungen auf der Strecke vorliegen, hat sie meiner Meinung nach den Charakter einer Versuchsstrecke gehabt, über die sie niemals hinaus kam.



Das Bonbon der Karte ist der in dunkelviolett abgeschlagene Stempel der CSA Kosice.

Auf der Rückseite die fällige Gebühr für das Postlagernd. Es handelt sich beim Stempelabschlag um den Stempel S 583 – 1 des Typs M.41 . Der Kennbuchstabe e war von 1925 – 1939 im Einsatz. [2]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-4.jpg
[2] Monografie der tschechoslowakischen Marken, Band 17, Teil II , Seite 286
 
Detlev0405 Am: 05.11.2019 06:36:46 Gelesen: 1761# 153 @  
Unser heutiger Brief wäre eigentlich völlig problemlos zu erläutern, wenn er nicht auf die Idee gekommen wäre, eine Extrawurst haben zu wollen.



Es handelt sich um einen Brief von Maastricht in den Niederlanden nach Prag. Um mit Luftpost befördert zu werden, musste er entweder nach Rotterdam oder Amsterdam. Dort lagen die zwei Flughäfen der Niederlande, die Luftpost auf Reisen bringen konnten. Naheliegend wäre Rotterdam gewesen – von hier aus bediente die CLS seit dem 02.04.1929 die Destination nach Prag. Sie bestand auch 1931 [1]. Bei der Auflieferung des Briefes am 28.11. hätte er am nächsten Tag in Prag ankommen können – wenn der Tag nicht ein Samstag gewesen wäre. Am Wochenende wurde diese Strecke nicht bedient und hätte erst am 30.11. von Rotterdam abgehen können, um gegen 18.45 Uhr in Prag einzutreffen.



Der Brief war aber schon um 12 Uhr in Prag. Deshalb auch die seltsame Destination des Briefes über Paris. Die Lignes Farman (ein Vorgänger der Air France) beflog die Strecke Amsterdam – Rotterdam – Paris täglich, so das der Brief um 16.45 Uhr in Paris am Sonntag eintraf. Das stimmt auch mit dem Durchgangsstempel von Paris um 17.30 Uhr überein. [2]



Mit der CLS ging der Brief am 30.11. um 4 Uhr ab Paris – Straßburg 6.40 Uhr nach Prag Ankunft 10.04 Uhr. [3] So konnte der Brief um 12 Uhr seinen Ankunftsstempel in Prag erhalten.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/kl/kl3105/kl3105-4.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/farmani.htm
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3105/
 
Detlev0405 Am: 12.11.2019 07:00:02 Gelesen: 1331# 154 @  
Heute haben wir Post, die mit Flugpost schnell befördert werden sollte, mit der Bahn aber noch schneller ans Ziel kam.



Sehr schön frankiert mit Werten der Luftpostausgabe Österreich Nr. 601–603 und einem Flugpostaufkleber, wurde der Brief am 26.10.1937 um 16 Uhr in Wien auf geliefert. Der Brief sollte nach Nova Rise, 20 km westlich von Brno gehen. Eine Luftpostbeförderung war erst am nächsten Tag möglich – entweder über Prag um 9 Uhr und Ankunft in Brno 17.20 Uhr oder über Bratislava nach Brno und da die Ankunft um 17.15 Uhr.

So entschloss sich die österreichische Post, den Brief mit dem Nachtzug nach Brno zu schicken, so das er mit der Morgenpost dem Adressaten zugestellt werden konnte. Ein entsprechender amtlicher Vermerk wurde von der Post auf dem Brief angebracht.

Diese Vorgehensweise ist primär bei der österreichischen Post zu beobachten, es gibt aber auch Beispiele von der deutschen Reichspost.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 19.11.2019 04:15:46 Gelesen: 930# 155 @  
Mein heutiger Brief macht auf den ersten Blick einen etwas deprimierenden Eindruck – wegen der vielen Stockflecken. Bevor jedoch jemand diesbezüglich ein vorschnelles Urteil fällt, möge er überlegen, was der Brief für eine Geschichte hinter sich hat. Gerichtet an einen jüdischen Bürger in Danzig, mag sich jeder seine eigenen Gedanken dazu machen.



Der Brief wurde am 01.02.1937 in Mukacevo ( Karpaten Ukraine ) aufgegeben und schon am nächsten Tag erreichte er Danzig, den Bestimmungsort. Der Aufgabestempel von Mukacevo mit dem Kennbuchstaben m wurde im Zeitraum von 1932 – 1938 verwendet. [1]

Bei der Suche nach der richtigen Verbindung war Geduld gefordert. Zuerst musste die Aufgabezeit in Mukacevo ergründet werden. Ich gehe von der Uhrzeit 12 Uhr aus, auch wenn der Abschlag undeutlich ist. Da Mukacevo nur 20 km südöstlich von Uzhorod lag, konnte der Brief den Flug ab Uzhorod um 13.25 Uhr problemlos erreichen [2]. So kam der Brief in Prag gegen 17.15 Uhr an und wurde am nächsten Tag um 09.00 Uhr zum Weiterflug abgefertigt. Von dort ging er um 10.30 auf Reisen über Dresden ab 11.30 Uhr nach Berlin an 12.15 Uhr. Von Berlin ging es um 14.30 Uhr weiter nach Stettin ab 15.25 Uhr, um in Danzig um 16.45 Uhr anzukommen [3].



Der Stempel von Danzig 5 bestätigt diese Ankunft dann auch letztendlich zwischen 17 – 18 Uhr.

Bei der Bestimmung des Portos ist darauf zu achten, das die Sondertarife für Deutschland und Polen ab 1922 nicht für Danzig zutrafen. So kostete der Brief 2,50 Kc bis 20 g, je weitere 20 g 1.25 Kc. Die Einschreibgebühr war 2,50 Kc, der Luftpostzuschlag 1,00 Kc je 20 g.

Also würde ein 60g Brief 10,50 Kc kosten. Ob er wirklich 60g befördert hat, überlasse ich der Phantasie eines jeden Betrachters. Über- oder Unterfrankatur bei Luftpost Briefen war in der Tschechoslowakei gang und gebe.

Tatsache ist, das eine Destination von der Karpaten Ukraine nach Danzig sehr selten ist.

Gruß
Detlev

[1] Monografie der tschechoslowakischen Briefmarken Band 17 Teil II Karpaten Ukraine Nr. 41 – 3. Seite 366
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok3506/ok3506-3.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3610/dlh36-07.jpg
 
Detlev0405 Am: 26.11.2019 05:45:59 Gelesen: 564# 156 @  
Heute haben wir einen Diplomatenbrief – aufgegeben von der Botschaft in Caracas (Venezuela) an das tschechoslowakische Außenministerium in Prag.



Auffallend die schöne Frankatur mit Luftpostmarken Venezuelas – der Michel Nr.153 , 163 und 166 . Aufgegeben am 23.Juli 1935 in Caracas, irritiert der Vordruckbrief mit dem Vermerk, mit der Air France befördert zu werden. Er wurde auf dem amerikanischen Kontinent mit der PanAm befördert. Entweder über Port of Spain oder Barranquilla nach Miami und von dort nach New York.[1]



Von New York wurde der Brief auf dem Seeweg nach Le Havre befördert.

Nach seiner Ankunft in Le Havre musste der Brief nach Paris. Da der Flughafen erst 1937 in Bau ging und 1939 fertig wurde, musste er auf dem Bahnweg transportiert werden. Am 02.08.1935 um 6 Uhr ging der Brief von Paris über Straßburg und Nürnberg nach Prag, wo er um 11.05 Uhr ankam.

Dieser Flug wurde von der CLS ausgeführt.



Abgefertigt wurde der Brief durch die Auslandsabteilung der Post am Flughafen Prag.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/pa/pa34/pa34-5.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3504/cls354-3.jpg
 
Detlev0405 Am: 03.12.2019 07:17:58 Gelesen: 296# 157 @  
Hat sich schon jemand einmal die Frage gestellt, was wohl seltener ist - eine Zuleitung zu einem Luftschiff Flug, einem Katapultflug oder zu einer Schiffspassage ? Bei der Fragestellung zu letzterem werden erfahrene Sammler bestimmt den Kopf schütteln und meinen, das gibt es nicht.



Und doch möchte ich heute mit unserem Brief beweisen, das es das auch gab. Der Brief ging von Prag nach Alexandria. Schon bei der Aufgabe gab es Ungereimtheiten. Ursprünglich in Prag 8 aufgegeben, wurden die beiden oberen Marken abgestempelt und ein Porto von 6,50 Kc abgedeckt. Am Flughafen wurde der Brief offensichtlich nachgewogen – siehe die 15 unterhalb der unteren 1,50 Kc Marke – und dann das fehlende Porto nach geklebt. Denn das Porto betrug 1935 2,50 Kc für einen Auslandsbrief, 2.50 Kc für das Einschreiben und 3 Kc für den Luftpostzuschlag – gesamt 8 Kc. Deshalb auch der Flughafenstempel auf der unteren 1,50 Kc Marke.

Auf der Rückseite dann der eigentliche Abfertigungsstempel vom 06.05.1935 um 13 Uhr. Um 17.10 Uhr ging der Brief ab nach Wien, Ankunft 18.30 Uhr. Erst am 07.05.1935 ging es weiter und das durch halb Osteuropa. Ab Wien 09.45 Uhr – Budapest ab 11.05 Uhr – Beograd ab 12.55 Uhr – Saloniki 17.30 Uhr und Ankunft in Athen um 19.05 Uhr. [1]



Das korrespondiert dann auch mit den Bestätigungsstempel von Athen vom 08.05.1935 früh um 6 Uhr. Von Athen ab 12 Uhr ging es weiter mit der Imperial Airways nach Alexandria an Abend. Die Beförderung erfolgte auf der Südafrika Linie am Dienstag den 07.05.1935. [2]



Am 09.05.1935 erfolgte in Alexandria früh zwischen 6-7 Uhr die Bestätigung des Eingangs am Flughafen.



Kommen wir zurück zu unserer Ausgangsproblematik. Der Brief ist adressiert an eine Reederei und Postfach in Alexandria. Wichtig der Vermerk unter Alexandria – for SS. Kraljica Maria.



Es handelt sich dabei um ein Passagierschiff, in deren Kabine 527 der Adressat des Briefes, Frau Faustkova eingeschifft war. [3]
In der Zeit von 1926 – 1940 war das Schiff im Eigentum des Yugoslav Lloyd. [4]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3504/cls354-4.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/iaw35afr/iaw35f-4.jpg
[3] http://www.ansichtskarten-center.de/sisak-sissek/sisak-dampfschiff-ss-kraljica-marija
[4] https://www.wrecksite.eu/wreck.aspx?161222
 
Detlev0405 Am: 10.12.2019 07:39:30 Gelesen: 98# 158 @  
Unser heutiger Brief besticht durch seine gute Erhaltung und der Vollständigkeit der Dokumentation des Postweges.



Am 20.02.1934 wurde ein Einschreiben – Luftpost in Olomouc aufgegeben. Ob er um 13 oder 18 Uhr aufgegeben wurde, spielt in unserem Fall keine Rolle. Er ging auf jeden Fall auf dem Landweg nach Prag. Dort wurde er um 8 Uhr am Flughafen abgefertigt. Mit der DLH Linie 471 wurde der Flug um 10.40 Uhr nach Fürth durchgeführt, Ankunft in Fürth um 12 Uhr.



In Fürth wurde der Brief sowohl mit dem Luftpoststempel zur Beförderung und dem Tagesstempel des Nürnberger Flughafens um 15 Uhr versehen. Um 15.55 Uhr ging es auf der Linie 10 der DLH nach München. Dort traf er um 16.55 Uhr ein. [1]



Und auch in München erhielt der Brief sowohl den Beförderungstempel per Luftpost als auch den Tagesstempel in München um 18 Uhr. Auf dem Landweg ging dann der Brief nach Durach, wo er am 22.02,1934 gegen 08 oder 09 Uhr eintraf. Somit ist jede einzelne Etappe mit einem entsprechenden Stempel nachgewiesen.

Ich möchte die Gelegenheit des sauberen Beleges nutzen, um auf die Bewertung eines solchen einzugehen. Der Bestätigungsstempel von Nürnberg wertet laut Michel F 81) 04 mit 20 Euro, der Stempel von München F 77) 04/a ebenfalls mit 20 Euro. Hinzu kommt eine spezielle Bewertung der verklebten Marken der III. Luftpostausgabe der Tschechoslowakei nach Horka. Dort ist auf Seite 134 eine detaillierte Aufstellung vorgenommen. Unter a) ad) finden wir unsere 4 Kc Marke. Bei einem Randstück kann man wohl die höchste Bewertung annehmen – als etwa 25 Euro. Somit haben wir schon 65 Euro zusammen gerechnet, ohne die Destination Olomouc – München zu bewerten. Dafür gibt es auch keine Anhaltspunkte, außer der eigenen Erfahrung am Markt. Entscheidend bei allem ist – was bin ich bereit, für einen solchen Beleg zu bezahlen. Was ist er m i r persönlich wert. Das muss jeder selbst entscheiden. Letztendlich habe ich den Beleg für unter 10 Euro erworben.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3309/dlh339-4.jpg
 

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