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Thema: Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Das Thema hat 227 Beiträge:
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Detlev0405 Am: 16.08.2020 07:35:02 Gelesen: 8445# 203 @  
Briefe und Karten für Erstflüge, Sonderflüge und als Bedarfsluftpost hatten wir in den vergangenen Beiträgen reichlich. Zum heutigen Beitrag habe ich etwas besonderes aufgehoben. Es handelt sich um eine Geldüberweisung, die nachweislich per Luftpost versandt wurde. Ein vergleichbares Exemplar habe ich bisher nur auf einer Burda Auktion gesehen, auf der Strecke Prag – Algier.



Unsere Geldüberweisung wurde am 09.08.1938 in Vrutky, einem kleinen Ort in der heutigen Nordslowakei, aufgegeben.



Da die Überweisung bereits am 11.08.38 in Paris vorlag, war es ratsam den Weg rückwärts zu verfolgen, um einen logischen Postweg zu finden.



Bis nach Zlin waren es etwa 50km, so das ich davon ausgehe, das die Karte dort auf geliefert wurde. Da die Überweisung am 09.08.38 Vormittags bearbeitet wurde, wie aus dem Tagesstempel ersichtlich, konnte diese so um 15.25 Uhr in Zlin den Flug nach Brno erreichen, um dort gegen 15.45 Uhr anzukommen. Am 10.08.38 ging es dann um 07.50 Uhr von Brno weiter nach Prag, wo die Überweisung um 08.50 Uhr ankam. Um 13 Uhr konnte es dann weiter gehen nach Paris, wo sie um 16.50 Uhr eintraf. Damit ist der Ankunftstempel in Paris XV um 07 Uhr logisch. Behoben wurde die Überweisung offensichtlich am 17.08.1938. [1]

Um das Porto zu bestimmen kann ich mich nur auf eine Quelle beziehen [2] . Demnach wäre für Geschäftspapiere eine Mindestgebühr von 2.50 Kc in der Zeit vom 01.03.1937 bis zum 15.03.1939 fällig. Ob Geldüberweisungen darunter fallen kann ich nicht definitiv feststellen. Ein Luftposttarif war ab dem 16.05.1937 nicht zu bezahlen, wenn überhaupt für Geldüberweisungen nötig. [3]

Internationale Geldüberweisungen während der ersten Republik waren normales Tagesgeschäft, der Versand per Luftpost ist jedoch extrem selten.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok38/ok38-6.jpg
[2] Spezialkatalog für Sammler tschechoslowakischer Briefmarken und Belege, Prag 1988, Seite 538, Tabelle 6.3.22.
[3] Horka, Seite 194
 
Detlev0405 Am: 23.08.2020 07:17:39 Gelesen: 7933# 204 @  
Der heutige Beleg schließt nahtlos an den vorhergehenden Beitrag an – jedoch mit vielen Fragezeichen. Es wäre schön, wenn Fachleute für die 1.Republik ergänzende bzw. korrigierende Beiträge dazu leisten können. Ich vermag den Beitrag nur als Arbeitshypothese veröffentlichen.



Es geht um die Geldüberweisung von Prag nach Belgrad. Sie wurde am 19.03.1932 in Prag 79 aufgegeben. Das belegt sowohl der Tagesstempel auf der Vorderseite wie auch der Bearbeitungsvermerk durch den Postbeamten. Soweit ist alles ordnungsgemäß dokumentiert.



Auf der Rückseite der Überweisung beginnen dann die Fragen. Es wird am 21.03. eine weitere Frankatur zur ursprünglichen 2 Kc von 50 Heller vorgenommen. Frage – warum lag die Überweisung 2 Tage auf dem Postamt Prag 79 fest und wieso wurde die Zusatzfrankatur vorgenommen ? Wurde hier die Mindestgebühr für Geschäftspapiere erhoben ? [1]



Noch interessanter wird der Postweg der Überweisung, wenn wir auf den Ankunftsstempel in Belgrad schauen – 22.03.1932 . Auf dem Landweg wohl eher nicht zu realisieren. Aber auf dem Luftpostweg. Am 21.03. mit der DLH in Prag um 17.35 Uhr aufgegeben, konnte die Überweisung in Wien am 22.03. um 12.10 Uhr nach Budapest weiterfliegen, von dort um 13.40 Uhr nach Belgrad wo um 15.57 Uhr Ankunft war. [2] Bleibt aber die Frage nach einem Luftposttarif. Ab 05.06.1930 einheitlich für alle Luftpostbeförderungen 1,50 Kc ( Brief, Karte, Drucksache ). [3] Wie aber war die Regelung für Geldüberweisungen ?

Das weder ein Luftpostlabel noch Luftpostmarken verklebt waren, ist kein Hinderungsgrund für eine Luftpostbeförderung. Das haben bereits frühere Beiträge gezeigt.

Sollte sich meine Vermutung bewahrheiten, schlummern möglicher Weise noch einige unerkannte Geldüberweisungen in einigen Sammlungen, die per Luftpost befördert wurden.

Gruß
Detlev

[1] Spezialkatalog für Sammler tschechoslowakischer Briefmarken und Belege, Prag 1988, Seite 538, Tabelle 6.3.22.
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3105/dlh315-4.jpg
[3] Horka, Seite 194
 
Detlev0405 Am: 30.08.2020 06:19:19 Gelesen: 7465# 205 @  
In der ersten Republik entwickelte sich die Luftpostbeförderung zu einem ganz normalen Kommunikationsmittel wie in anderen europäischen Ländern. Schwerpunkt war Europa, gefolgt von Südamerika. Das drückt sich auch in der Häufigkeit von Belegen aus. Seltener sind schon Destinationen nach Asien und Afrika, Briefe von und nach Australien eher selten.



Unser heutiger Brief geht von Prag nach Mombasa (Kenya). Post nach Afrika trifft man schon etwas öfter an, nur mit entsprechenden Transitstempeln und Ankunftsstempeln ist sie schon sehr schwer zu bekommen.

Aufgegeben wurde der Brief am 07.10.1937 in Prag 34 um 12 Uhr, um am Flughafen in Prag 7 gegen 14 Uhr anzukommen (siehe Rückseite). Die Luftpostbeförderung wird dokumentiert einen extra gefertigten Luftpoststempel zum Tode vom Präsidenten Masaryk. Es gibt ihn sowohl von Prag 7 als auch von Prag 82. Es handelt sich in beiden Fällen um einen Sonderstempel, weswegen sie nicht bei Horka als Luftpoststempel jedoch bei Paul Kipp unter den Nummern 143 und 147 registriert sind. [1]

Am 08.10.1937 ging der Brief um 08.35 Uhr auf Reisen nach Venedig – Ankunft 12.55 Uhr – mit der Ala Littoria. [2] Dort ging der Brief um 13.45 Uhr weiter nach Rom, um dort gegen 15.40 Uhr einzutreffen. Das Teilstück wurde von der DHL und Ala Littoria betrieben zu dieser Zeit.

Die Route ab Rom kann ich nun nur im Prinzip nach verfolgen, weil mir nur ein Flugplan der Imperial Airways ab November 1937 zur Verfügung steht.



Der Stempel von Alexandria vom 10.00.37 legt die Vermutung nahe, das der Flug von Rom nach Alexandria mit dem Flugboot auf der Linie nach Indien und Australien der Imperial Airways befördert wurde und dort dann umgeschlagen wurde. [3]

In Alexandria wurde der Brief wohl am Montag, den 11.10.37 auf der Ostafrika Linie der Imperial Airways aufgenommen, um am Mittwoch den 13.10.37 in Mombasa einzutreffen. Der Ankunftsstempel vom 14.10.37 in Mombasa stützt diese Annahme. [4]

Gruß
Detlev

[1] Paul Kipp, Die Sonderstempel der Tschechoslowakei von 1919 bis 1939, Kiel 1994
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/ala/ala37g/ala37gi.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/iaw37afr/iaw37f-2.jpg
[4] ebenda
 
Detlev0405 Am: 06.09.2020 06:24:50 Gelesen: 7026# 206 @  
Wir haben bisher viele Arten der Luftpostbeförderung von, nach und innerhalb der Tschechoslowakei bis 1939 gesehen, inklusive Sonderflüge innerhalb des Landes. Dabei waren die Anfänge der Luftpost im weitesten Sinne geprägt durch Ballonpost. Es soll sogar französische Post von 1870 auf dem Territorium der späteren 1.Republik gestrandet sein bzw. adressiert. [1]



So ist es auch nicht verwunderlich, das ich heute eine Ballonfahrt aus Belgien in die Tschechoslowakei vorstelle. Aus Anlass eines Flugfestes in Brüssel am 05.07.1936 wurde der Ballon „Belgica“ in Brüssel aufgelassen am 05.07.1936. Sein Ziel – Cesky Tesin, ungefähr 25 Km östlich von Ostrava an der polnischen Grenze. Cesky Tesin bildet mit Cieszyn auf der polnischen Seite eine Doppelstadt. Nach etwa 5 tägiger Ballonfahrt traf dieser am 10.07.1936 in Tesin ein. Registriert ist dieser Flug bei Horka unter der Nummer LB3 . [2]

Die Doppelstadt an der polnischen Grenze veranlasste einen polnischen Piloten, gleichwertig eine polnische Briefmarke zu verkleben. Diese Post wurde dann nach Warschau weiter geleitet und dort mit einem Tagestempel versehen.

Gruß
Detlev

[1] vergleiche Horka Seite 28, Nr.1
[2] Horka, Seite 164, LB3, 168b
 
Detlev0405 Am: 13.09.2020 08:36:30 Gelesen: 6422# 207 @  
Es gibt Belege bei denen geht so fast alles schief – und heraus kommt etwas besonderes. So verhält es sich mit unserer heutigen Karte.



Eigentlich sollte die Karte ganz normal per Luftpost von Prag über Berlin nach Kopenhagen gehen.

Am 08.03.1932 in Jägerndorf gegen 12 Uhr aufgegeben, wird sie am 09.03.1932 früh um 1 Uhr am Flughafenpostamt in Prag abgefertigt. So konnte sie den Flieger um 12.25 Uhr nach Berlin erreichen, wo sie dann gegen 15.10 Uhr ankam. [1] Im Gegensatz zum Sommerflugplan hatte der Winterflugplan 1932/33 keine direkte Verbindung nach Kopenhagen – ich vermute auch im Jahr 1931/32 nicht. Der Flugplan steht mir nicht zur Verfügung.



Offensichtlich ist es dem Wetter geschuldet, das im Winterflugplan die direkte Verbindung von Berlin nach Kopenhagen nicht bedient wurde. Das dem so war, beweisen die Wetterdaten vom 09.03.32. Während die Temperaturen für die DLH zu bewältigen waren in Berlin und Kopenhagen, waren die Sturmtiefs schon eine ernsthafte Bedrohung für die noch junge Luftfahrt. [2]



Dieser Stempel gibt und den Hinweis zur Weiterbeförderung ab Berlin. Mit der Bahn nach Warnemünde, von dort aus mit dem Fährschiff nach Gedser und von dort aus mit der Bahn weiter nach Kopenhagen. Somit waren Flugzeug, Bahn und Schiff bei der Karte verewigt.

Auch beim Porto ist einiges schief gelaufen. Eine Karte kostete ins Ausland 1,50 Kc, der Luftpostzuschlag ab dem 05.06.1930 nach Dänemark 1,50 Kc. Zusammen 3 Kc. Der Absender wollte wohl eine philatelistische Karte schicken und klebte 2 Marken der Luftpostausgabe auf die Vorderseite. Dem Postbeamten ist es wohl entgangen bzw. er bestand auf die rechtmäßige Anbringung des Portos und die Mi.Nr.290 wurde noch zusätzlich verklebt. So erhielt die Karte doppeltes Porto.

Liebe Grüße
Katja ( co. Autorin ) und Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh32/dlh32-5.jpg
[2] https://library.noaa.gov/Collections/Digital-Docs/Foreign-Climate-Data/Germany-Climate-Data#o46399015 Zeitraum Januar – März 1932 Frame 537
 
molenaar Am: 16.09.2020 22:50:58 Gelesen: 6188# 208 @  
Hallo zusammen,

Ich hätte gerne etwas Info über diese Postkarte.

Ist das Porto richtig?



Danke im voraus, Tiem.
 
rudi63 Am: 17.09.2020 07:29:32 Gelesen: 6165# 209 @  
Hallo Tiem,

sehr schöner und seltener Luftpostbeleg aus 1921.

Die Karte ist portorichtig:

Postkarte - Ausland 0,50 kc + Reco 1,25 Kc + Luftpost Prag-Paris 3,00 Kc

So ein Beleg wird im tschechischen Horka-Luftpostkatalog mit 8500 kc bewertet!

Gruß Rudi
 
Detlev0405 Am: 17.09.2020 07:35:01 Gelesen: 6162# 210 @  
@ molenaar [#208]

Guten Morgen Tiem,

zur Karte selber nach dem ersten Eindruck - es handelt sich um eine Luftpostkarte von Prag nach Paris mit Weiterbeförderung auf dem Landweg nach Gravenhage in Holland. Befördert wurde die Karte mit der französischen Luftfahrtgesellschaft CFRNA/CIDNA (Vorläufer der Air France), die auf dem Gebiet der Tschechoslowakei das Monopol für die Strecke hatte.

Wie vorgeschrieben ist der Luftpost Aufkleber der tschechischen Post auf der Karte. Abweichend von den zu der Zeit üblichen Frankierungen mit der 1. Luftpostausgabe ist deine Karte mit "normaler" Frankatur versehen. Das macht einen solchen Beleg noch viel interessanter.

Vielleicht bittest du Richard, den ganzen Beitrag in den Thread "Tschechoslowakische Luftpost 1919 - 1939 " zu verschieben. Dort können weitere kompetente Leser des Themas ihre Kommentare hinterlassen.

Wenn alles stimmt ist es ein Klasse Bedarfsbeleg aus der Zeit.

Würdest du bitte trotzdem die Rückseite der Karte einstellen, für mich sind da noch Fragen offen.

Danke, Gruß Detlev

[Beiträge [#208] bis [#210] wie von Detlev empfehlen verschoben aus dem Thema "Tschechoslowakei: Portobestimmung von Belegen"]
 
molenaar Am: 18.09.2020 20:48:43 Gelesen: 6094# 211 @  
Hallo Rudi und Detlev,

ich danke euch beiden für die Information. Ich habe die Karte gekauft, weil ich Luftpost Aufkleber sammle.

Anbei die Rückseite der Karte.



Freundliche Grüsse aus Holland,Tiem.
 
Detlev0405 Am: 19.09.2020 11:25:37 Gelesen: 6075# 212 @  
@ molenaar [#211]

Hallo Tiem,

danke, dass du auch die Rückseite der Karte eingestellt hast. Bei Flugpostsendungen solltest du immer die Rückseite mit abbilden, auch wenn nichts darauf zu sehen ist. Das ist wichtig für die Beurteilung, ob und wie eine solche Karte per Luftpost befördert wurde.

Da du die Luftpost Aufkleber sammelst, zuerst einige Bemerkungen zu dem Aufkleber. Ihren Ursprung haben die Aufkleber in der Verfügung Nr. 52 des Amtsblattes des Ministeriums für Post und Telegrafen Nr.46 von 1920. Sie wurden für die Zielorte Paris, Straßburg, London und Warschau hergestellt. Gedruckt auf weißem Papier haben sie die Zähnung ¾. Der tschechische Text und französische war immer in rot gehalten, der Rand dagegen blau. [1]

Der Aufkleber war für alle Luftpostsendungen verpflichtend. Der Zettel wurde am Postschalter für eine Gebühr von 5 Heller abgegeben. Dadurch entstand bei der Berechnung der Luftpostgebühr ein Kuriosum – jeder Luftpostbeleg war eigentlich um 5 Heller wegen des Aufklebers „über frankiert“.

Solltest du an allen 4 Aufklebern im losen Zustand interessiert sein, setze dich mit mir in Verbindung – Mail Adresse ist hinterlegt.

Nun zur Karte als solches. Zweifelsfrei ist deine Karte von Prag nach Gravehage befördert worden. Stellt sich aber die generelle Frage – auf dem vorgezeichneten Luftpostweg oder auf dem Landweg direkt nach Gravehage.

Zur Frankatur und dem Porto hat dir dankenswerter Weise Rudi63 Auskunft erteilt. Das die Karte in Dvur Kralove geschrieben wurde und in Prag 1 abgestempelt wurde irritiert zwar etwas, ist aber durchaus möglich. Entweder hat der Absender sie selbst nach Prag gebracht oder aber das Postamt in Dvur Kralove hat die Karte wie vorgeschrieben direkt und sofort an das Postamt Prag 1 a weitergeleitet, ohne sie selbst zu stempeln. Mangels Erfahrungen um die Zeit halte ich solch eine Vorgehensweise durchaus für möglich. Das sind in meinen Augen die Fakten, die für eine Luftpostbeförderung sprechen.

Kommen wir zu den Argumenten die gegen eine Luftpostbeförderung sprechen. Ab April 1921 war das Luftpostamt am Prager Flughafen im Einsatz. Mit dem Tagesstempel wurde sowohl am Flughafen auf gelieferte Post abgestempelt als auch durchlaufende Post vom Postamt Prag 1. [2]

Nach Horka war dieser Stempel bis zum Jahre 1934 im Einsatz. [3] Bleibt als einziger Hinweis der violette Rahmenstempel in tschechisch und französisch zur Luftpostbeförderung, der am Prager Flughafen angebracht werden konnte. Es handelt sich nach Horka um den Stempel RV2b. Es wird dort aber ausdrücklich darauf verwiesen, das dieser Stempel auf Auslandssendungen gefälscht wurde. [4] Das sind aber Mängel (besonders der fehlende Tagesstempel vom Prager Flughafen), die in der tschechoslowakischen Luftpost oft vor kamen, also auch bei deinem Beleg möglich waren.

Das Kardinal Problem an dem Beleg ist der fehlende Durchgangstempel in Paris. Normaler Weise erhält ein Luftpostbeleg bei Ankunft in Paris einen Ankunftsstempel. Viel wichtiger ist aber, das es sich um einen nachweispflichtigen Beleg handelt – um ein Einschreiben. Und auch das wurde in Paris nicht quittiert, wohl aber in Gravehage. Und da sind Zweifel wohl angebracht.

Keine Angst, meine offenen Fragen zu der Karte machen diese nicht wertlos. Als Prüfer würde ich dir die Karte mit meinem Text zurück schicken und mit der Bemerkung „Beleg nicht prüfbar“. Und das geht leider vielen Luftpostbelegen aus der Zeit so. Einschreiben ohne Transit – oder Ankunftsstempel aus dieser Zeit bleiben immer fragwürdig.

Gruß
Detlev

[1] Mahr/Vouhsem – Die Geschichte der Tschechoslowakischen Flugpost, Teil 2, Seite 66
[2] ebenda Seite 85
[3] Horka – Tschechoslowakische Luftpost 1918 – 1939, Seite 177
[4] ebenda Seite 188
 
Detlev0405 Am: 21.09.2020 07:00:10 Gelesen: 6030# 213 @  
Destinationen aus Südamerika in die Tschechoslowakei sind immer sehr interessant und bergen einige Überraschungen. Noch interessanter wird es, wenn es dann noch Diplomatenpost ist. Oft wird sie auf Zwischenstationen nicht mehr bearbeitet, so das keine Transitstempel den Weg dokumentieren. Auch wenn offensichtlich eine Marke auf dem Weg verlustig gegangen ist, bleibt er hoch interessant.



So ist es auch bei unserem heutigen Brief der tschechoslowakischen Botschaft in Lima. Die Aufgabestempel von Lima sind sehr undeutlich, ich nehme den 10.10.1937 oder 10.11. an. Wie es sich für Diplomatenpost gehört, hat der Brief eine Registratur C. 558/37 und wurde zusätzlich per Einschreiben verschickt.



Viel interessanter ist der Leitvermerk für die Luftpostbeförderung in violett – Via FAUCETY v. AIR – FRANCE. Damit wird die Südroute zur Beförderung als Luftpost vorgegeben.

Auf der ersten Etappe wurde der Brief mit der Comapnia de Aviacion Faucett S.A., die als eine der ersten Luftfahrtgesellschaften Lateinamerikas am 27.09.1928 gegründet wurde [1] , in Richtung Süden befördert. So ging es von Lima nach Tacna im Süden des Landes an der chilenischen Grenze. [2]

Die zweite Etappe führte von Arica in Chile nach Santiago de Chile. Es war die von der Linea Aeropostal Santiago-Arica ( LAN ), gegründet im Jahre 1929, als wichtigste Linie betriebene Route in den Norden des Landes. [3] Die Verbindung zwischen Tacna in Peru und Arica in Chile wurde möglicher Weise auf dem Landweg gehalten.

Die dritte Etappe führte dann mit der Air France von Santiago de Chile über Buenos Aires, Rio de Janeiro, Natal, Barcelona nach Paris innerhalb von 6 Tagen Flug. [4]

Die Schlussetappe ist uns bereits hinlänglich bekannt – Paris über Straßburg nach Prag. [5] Der Ankunftsstempel vom 10.12.1937 in Prag war der Abschluss einer langen Flugreise.

Gruß
Detlev

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Faucett_Per%C3%BA
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/cf30s.htm
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/LATAM_Airlines
[4] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/af37/af37-6.jpg
[5] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/af37/af37-5.jpg
 
Detlev0405 Am: 27.09.2020 06:50:28 Gelesen: 5846# 214 @  
Der heutige Beleg wäre ohne das Forum nie in den Thread gelangt. Post aus Afrika und dann noch mit schlechtem Stempelabdruck kann einen schnell überfordern. Aber Dank der Hilfe von Harald (saeckingen) in einem Thread zur Ostafrikanischen Gemeinschaft konnte das Problem gelöst werden. [1]



Unser Beleg wurde in Tanga / Tangayika am 10.02.1939 auf die Reise geschickt. Dieser Teil war die Domäne der britischen Imperial Airways. Tanga liegt am nordöstlichen Zipfel des heutigen Tansania am indischen Ozean. Die Besonderheit – ein Anschluss an die Linie der Imperial Airways gab es in Daressalam (Tansania) oder aber in Mombasa (Kenia). Nach Mombasa war der Weg nur halb so weit.

Von Mombasa ging der Flug über Khartum nach Alexandria in Ägypten. Zwei Tage benötigte der Brief bis hierher. Am 3. Tag ging der Flug weiter von Alexandria nach Athen, wo er gegen 11 Uhr eintraf. [2] Der Eingangsstempel von Athen auf der Rückseite bestätigt die Ankunft am 13.02.39 .

Nach Prag fand der Brief seine Beförderung auf dem Landweg, wo er am 16.02.1939 eintraf – zwei Wochen vor dem Ende der 1.Republik.

Gruß
Detlev

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=13120&CP=0&F=1 Beitrag [#9]
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/iaw/iaw3810f/iaw38f-7.jpg
 
Detlev0405 Am: 04.10.2020 06:45:30 Gelesen: 5414# 215 @  
Der heutige Brief unterscheidet sich von allen anderen in dem Thread durch das bewusste Abweichen vom Prinzip von Wolfgang (saintex) - Luftpost ist nur mit Ankunftsstempel 100% ig sicher gelaufen – und bleibt deswegen auch eine Ausnahme.



Es handelt sich um einen Brief aus dem Senegal und dort konkret aus Dakar. Am 02.03.1938 wurde er auf Reisen nach Europa geschickt. Der unter dem Fenster platzierte handschriftliche Vermerk legt nahe, das der Brief in die Tschechoslowakei ging.

Somit würde der Brief am darauf folgenden Dienstag um 5 Uhr auf die Reise geschickt worden und in Casablanca gegen 17.05 Uhr eingetroffen sein. Am nächsten Tag, einem Mittwoch ging es um 5 Uhr weiter und erreichte Marseille gegen 15.45 Uhr. Am Donnerstag wurde der Brief von Marseille um 09.45 Uhr weiter nach Paris befördert, wo er gegen 13.30 Uhr eintraf. [1] Erst am Freitag ging es dann um 07.55 Uhr nach Prag, wo der Brief letztendlich gegen 13.40 ankam. [2]

Was macht den Brief aber nun interessant, obwohl sowohl Durchgangstempel in Paris als auch Ankunftsstempel in Prag fehlen ? Dafür gibt es mehrere Gründe.

Dakar haben zehntausende von Luftpostbriefen passiert. Ohne das jedoch ein Stempel von diesem Ort auf den Briefen abgeschlagen wurde. Es ist die letzte Station auf dem Flug über den Atlantischen Ozean, bevor die Post in Natal den Südamerikanischen Kontinent erreichte oder eben retour. Und frequentiert wurde dieser Flughafen von der Air France auf der Südamerika Linie.



Zum Zweiten ist der Richtungsstempel Trajet Dakar – France (Richtung/Pfad) sehr interessant. Er sollte wohl vermeiden, das Post nach Europa aus versehen in Richtung Südamerika versandt wurde.

Zum Dritten der Absender des Briefes – die „Banque Commerciale Africaine“ . Es ist keine afrikanische Bank, sondern eine Bank des französischen Kolonialministeriums, das von 1835 – 1964 tätig war. [3]

Das kann auch der Grund sein, warum der Brief nach Dakar keine weiteren Bearbeitungsvermerke aufweist. Französische Bank über Paris nach Prag nur mit der Air France befördert – möglicher Weise liegt darin der Grund und das es ein Bankbrief war, das keine weiteren Bearbeitungsvermerke zu sehen sind (Hypothese).

Gruß
Detlev

[1] http://timetableimages.com/ttimages/complete/af37/af37-6.jpg
[2] http://timetableimages.com/ttimages/complete/af37/af37-5.jpg
[3] https://francearchives.fr/facomponent/41589494c0ed6f54792230d038e74168612e6fa6
 
Detlev0405 Am: 11.10.2020 06:03:56 Gelesen: 4814# 216 @  
Unser heutiger Brief verdankt seine Entstehung wieder der Leidenschaft tschechischer Philatelisten in der 1. Republik. Eigentlich geht es um den Erstflug von Prag nach Rom im Jahre 1938, den die CSA zusammen mit der Ala Littoria durchführte.



Unser Brief war aber nur adressiert nach Bratislava, der zweiten Station dieses Erstfluges. So ist es auch folgerichtig, das der Flug bei Horka in die Nr. 126a Prag – Rom und Nr.126b Bratislava – Rom unterteilt wurde. Eine Registrierung der wirklich ersten Etappe Prag – Bratislava wurde nicht vorgenommen.

Unser Flug wurde am 16.05.1938 um 9 Uhr am Flughafen Prag abgefertigt und am Telegrafenamt in Bratislava am gleichen Tag um 22 Uhr für seine Ankunft bestätigt. Im normalen Flugplan wurde diese Strecke dann aus gewiesen ab Prag 9 Uhr – Ankunft Bratislava 10.20 Uhr. [1]

Nach dem der Adressat in Bratislava nicht aufzufinden war, wurde der Brief wieder nach Prag zum Absender zurück geschickt. Deshalb kommt es auf der Rückseite des Briefes zum Abfertigungsstempel des Flughafens Bratislava am 19.05.1938 gegen 19 Uhr.

Das Porto entspricht den Bestimmungen am 16.05.38. Bis zum 28.02.1937 galt für Italien ein Sondertarif von 2 Kc bis 20 g und ab dem 16.05.1938 war die Luftpostgebühr nach Italien entfallen. [2]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/ala/ala38sf/ala38s-3.jpg
[2] vergleiche Horka Seite 192 (Tarife) und Seite 194 (Luftpostzuschlag)
 
Detlev0405 Am: 18.10.2020 07:11:10 Gelesen: 4147# 217 @  
Athen war in den 30er Jahren für fast alle europäischen Luftfahrtgesellschaften das Drehkreuz für Flüge nach Afrika, Asien und Australien. Um so erstaunlicher war es, das tschechoslowakische Luftfahrtgesellschaften nicht in der Lage waren, Anschlussverträge zum Transfer der Luftpost von Athen nach Prag zu schließen. So kam es zu völlig verschiedenen Behandlungsformen bei ein und der gleichen Destination.



Der erste Brief wurde am 03.11.1937 ordnungsgemäß in Athen als Luftpost abgefertigt. Offensichtlich im Stadtzentrum, brauchte der Brief dann noch 2 Tage, um vom Flughafen Athen auf Reisen zu gehen. Am 05.11. um 5.50 Uhr mit der DLH in Richtung Berlin gestartet, erreichte der Brief um 12.40 Wien. Das deckt sich zeitlich mit dem Bestätigungsstempel auf der Rückseite. [1]

Geflogen wurde auf der Strecke mit einer Ju 52. Auf dem Landweg kam der Brief in Prag am 06.11.1937 in Prag 1 an.



Der zweite Brief hatte mehr Glück bei seiner Beförderung. Am 11.08.1937 in Athen als Luftpost abgefertigt, konnte er am 12.07. früh den gleichen Flug der DLH nach Wien antreten wie der erste Brief. Was die Postbeamten in Wien veranlasste, den Brief der CSA zu übergeben, bleibt ihr Geheimnis. Auf jeden Fall wurde der Brief ab Wien um 17.20 Uhr nach Prag mit der CSA/CSL geschickt, wo er um 18.35 Uhr ankam. [2] Der Stempel der Auslandsstelle am Flughafen um 21 Uhr bestätigt den Eingang. Wer noch Zweifel am Einsatz dieses Stempel als Luftpost Bestätigungsstempel hat, es gab keine Landverbindung, mit der ein Brief innerhalb von 24 Stunden auf der Strecke befördert werden konnte.



Unser dritter Brief hatte einfach Pech. Er gelangte in die Fänge der griechischen Behörden. Er wurde ordnungsgemäß als Luftpost abgefertigt, dann aber gestoppt durch die Finanzbehörde und einer Kontrolle unterzogen. Warum er anschließend nicht doch noch per Luftpost auf Reisen ging, wissen nur die griechischen Behörden. So kam der Brief erst am 30.11.1936 in Prag 1 an.



Der vierte Brief ist der interessanteste. Wie kann es sein, wenn keine Luftpostverbindung zwischen Athen und Prag realisiert wurde, das trotzdem der Flughafenstempel von Prag 82 Letiste auf der Vorderseite prangt ?

Ganz normal wurde der Brief in Athen um 6 Uhr abgeschickt mit der DLH, über Saloniki 7.45 Uhr nach Sofia 9.15 Uhr und Belgrad 10.30 Uhr um in Budapest um 12.05 Uhr einzutreffen. [3] Hier wurde der Brief umgeladen, wie ein Durchgangstempel in Budapest zeigt. Ob die 10 im Steg des Stempels die Uhrzeit anzeigt, wage ich zu bezweifeln oder wurde nicht richtig eingestellt.

Die CLS hatte ab 1938 eine kontinuierliche Verbindung bis Budapest aufgebaut und konnte so die Post aus dem Süden aufnehmen und nach Prag transportieren. Ab Budapest 13.55 Uhr und an Prag 16.25 Uhr. So kamen doch noch Briefe aus Athen zu einem regulären Luftpost Stempel in Prag, wenn auch relativ selten.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/malert/mal3704/mal37-14.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-4.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/cls38/cls38-08.jpg
 
Detlev0405 Am: 25.10.2020 06:14:47 Gelesen: 3588# 218 @  
Heute haben wir Post aus Mittelamerika, die über New York nach Europa befördert wurde. Es ist ein Brief aus Mexiko von der tschechoslowakischen Botschaft in Mexiko. Leider ist das auch das Handicap des Briefes, das er als Diplomatenpost an den Zwischenstationen keine Transitstempel erhielt.



Am 03.04.1933 wurde der Brief in Mexiko D.F. als Einschreiben aufgegeben. Es kommt daher zu einer Besonderheit mexikanischer Briefe – den Sunburst, Verschluss oder Siegelmarken für Einschreiben. Vergleiche [1] .

Frankiert wurde der Brief mit den Mi.Nr. 568, 610 und 659. Aufgegeben um 14 Uhr am Postamt, konnte er am 04.04.33 vom Flughafen in Mexiko D.F. mit der Pan Am um 08.15 Uhr in Richtung Brownsville/Texas abheben, wo er um 12.45 Uhr eintraf. [2]

In Brownsville wurde der Brief umgeladen und mit der American Airways weitergeleitet. Am 05.04.33 um 02.15 Uhr ging der Flug ab nach Dallas, wo er um 08.05 Uhr ankam. [3]

Von Dallas konnte der Brief mit der gleichen Linie am 06.04.33 über Port Columbus nach New York weiter geleitet werden, wo er dann am 07.04.33 abends um 18.10 Uhr eintraf. [4]

Von New York ging es per Schiff nach Frankreich, um von dort nach Prag auf die Reise geschickt zu werden. In Prag kam der Brief am 13.04.1933 gegen 15 Uhr an, wie der Eingangstempel vom Flughafen Prag bestätigt.

Gruß
Detlev

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=7996&CP=0&F=1
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/pa/pa33/pa33-4.jpg Tabelle 8
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/aa/aa3212/aa3212-3.jpg Tabelle 14
[4] http://www.timetableimages.com/ttimages/aa/aa3212/aa3212-4.jpg Tabelle 18
 
ChristianSperber Am: 25.10.2020 10:09:46 Gelesen: 3566# 219 @  
@ Detlev0405 [#217]

Hallo Detlev,

alle vier Briefe weisen vorderseitig einen Durchlaufstempel der griechischen Devisenkontrolle auf. Der von der Devisenkontrolle geöffnete Brief ist schon besonders interessant.

Gruß

Christian
 
Detlev0405 Am: 25.10.2020 14:28:50 Gelesen: 3546# 220 @  
@ ChristianSperber [#219]

Hallo Christian,

offensichtlich meinst du den Stempel



Vielen Dank - ich wusste ihn bisher nicht so recht einzuordnen. Dann sind wohl alle Auslandsbriefe durch die Devisenkontrolle zu der Zeit gegangen ? Seltsamer Weise finde ich ihn aber auch auf Transitbriefen über Athen. Weißt du näheres darüber ?

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 01.11.2020 10:04:05 Gelesen: 2925# 221 @  
Briefe aus der Schweiz sind bekannt wegen ihrer schönen Frankaturen, zumindest im Regelfall. Ich freue mich im Gegensatz dazu über einen Freistempel auf einem Firmenbrief. Denn sie sind relativ selten auf Destinationen in die Tschechoslowakei.



Am 20.04.1936 wurde von der Transport A.-G. In Basel ein Brief zu den Kollegen des Spediteur – Verein in Prag aufgegeben. Das Porto wurde freigemacht mit einem Freistempel zu 70 Rappen der schweizerischen Post.

Fast sensationell die Beförderungszeit des Briefes. Um 12 Uhr in Basel aufgegeben, war er bereits 4 Stunden später am Flughafen in Prag angekommen. Wie war das möglich ? Nicht auf dem uns bekannten Weg von Basel über Straßburg nach Prag.

Auch wenn mir der Flugplan von 1936 der CSA nicht zur Verfügung steht, die Linie Marseille – Zürich – Prag existiert seit dem 16.05.1935 und somit liefert uns der Flugplan von 1937 den Anhaltspunkt.

Von Basel nach Zürich geht es auf einem Inlandsflug, ab Basel 12.20 Uhr an Zürich 12.45 Uhr auf der Linie 539A. [1] Hier findet der Brief um 13 Uhr die Möglichkeit zum Weiterflug direkt nach Prag und kommt dort um 15.50 Uhr an. [2] Nur so war es möglich, das der Brief um 16 Uhr am Flughafen Prag bereits seinen Empfangsstempel bekam.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-3.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-4.jpg
 
ChristianSperber Am: 01.11.2020 14:47:23 Gelesen: 2900# 222 @  
@ Detlev0405 [#220]

Hallo Detlev,

die Devisenkontrolle in Griechenland wurde am 20.8.1936 eingeführt. Es wurde Post von und nach Griechenland sowie teilweise Transitpost kontrolliert. Zur Kenntlichmachung der bearbeiteten Post diente der abgebildete Kontrollstempel.

Der gezeigte Stempel bedeutet "Prostasia Ethnikou Nomismatos" = Schutz der nationalen Währung.

Vor ein paar Jahren hatte ich mir das unten erwähnte Büchlein zugelegt, es ist im Wesentlichen eine Aufstellung der bekannten Zensurmerkmale.

Gruß
Christian

[1] G. Rhensius: Devisenkontrolle in Griechenland 1936 bid 1940 und 1948 bis 1951. Berlin, 2006.
 
Detlev0405 Am: 01.11.2020 15:35:31 Gelesen: 2896# 223 @  
@ ChristianSperber [#222]

Hallo Christian,

vielen Dank für Deine Ausführungen. Damit hast Du bestimmt nicht nur bei mir eine Wissenslücke geschlossen.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 08.11.2020 11:21:44 Gelesen: 2251# 224 @  
Unser heutiger Brief kommt etwas ungewöhnlich daher. Im April 1938 nach Lima geschickt und ohne Absender. Das hatte wohl seinen Grund, wenn man sich den Adressaten ansieht. Prof. Theo Buchwald war aus Wien emigriert vor der braunen Diktatur [1][2] auch in seinem Land und ihm Post zu schicken aus der Tschechoslowakei war auch da nicht ganz ungefährlich.



Am 10.06.1938 um 12 Uhr in Bratislava aufgegeben, wurde er in Prag am Flughafen um 23 Uhr abgefertigt für den Weiterflug. Befördert wurde der Brief ab Bratislava 16.40 Uhr und Ankunft Prag 18 Uhr. [3] So konnte der Brief bereits am 11.06.1938 um 9 Uhr nach Paris auf Reisen geschickt werden, wo er um 13 Uhr eintraf. [4]

Unser Brief hatte Glück, der 11.06. war ein Samstag und konnte somit ab Paris am 12.06. auf die Südamerika Linie geflogen werden. Leider lässt sich das Datum vom Stempel in Le Bourget nicht eindeutig entziffern. Unser Brief traf somit am 16.06.1938 in Santiago de Chile ein. [5]

Die Etappe von Santiago de Chile nach Lima habe ich bereits im Beitrag [#213] beschrieben. So kam der Brief am 22.06.1938 an.

Der Brief ist mit 17.50 Kc Porto gerecht frankiert – Brief Porto ab 01.03.1937 2,50 Kc und Luftpost Porto ab 01.06.1938 nach Peru 15 Kc/5g .

Gruß
Detlev

[1] http://bmlo.de/b1028
[2] https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_B/Buchwald_Theo.xml
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok38/ok38-6.jpg
[4] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok38/ok38-5.jpg
[5] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3803/af383-19.jpg
 
Detlev0405 Am: 15.11.2020 06:29:22 Gelesen: 1538# 225 @  
Heute gibt es wieder Post von unserem Kpt. Hucl aus Reichenberg. Und wieder versteht er es, aus einem normalen Erstflugbeleg etwas besonderes zu gestalten.



Am 15.05.1931 wurde der Erstflug auf der Strecke Karlsbad – Marienbad – Prag und retour durchgeführt. Verantwortlich für diese Streckenführung war die CSA. Aufgegeben wurde die Karte am 13.05.1931 beim Postamt Karlsbad 1 Kennbuchstabe 7c (alter Typ). Einsatz des Stempels ab 1920, wie lange ist unbekannt. [1]

Am 15.01.1931 wurde dann der Erstflugstempel in Karlsbad für diesen Flug abgeschlagen. Das geschah früh um 6 Uhr (unten links).

Die Besonderheit eines Hucl Beleges kam dann in Prag. Er bekam beide Ankunftsstempel von Prag auf seinen Beleg. Einmal von Prag 7 und zum anderen von Prag 82. (oben links nebeneinander) Nicht genug – auch die Gebührenmarke für das Postlagernd wurde am Postamt des Flughafens Prag 82 abgestempelt.

Registriert ist der Erstflug bei Horka unter der Nummer 93b. [2]

Gruß
Detlev

[1] Monografie tschechoslowakischer Briefmarken, Prag 1988, Band 17 Teil I, Seite 283, Nummer 947
[2] Horka, Seite 135, Nummer 93b
 
Detlev0405 Am: 22.11.2020 06:35:16 Gelesen: 1031# 226 @  
Es gibt Momente im Sammlerleben, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Jahrelang gesucht und plötzlich steht er vor einem – der lang gesuchte Brief, den man unbedingt haben wollte. So ging es mir bei einem Luftpostbrief aus Kanada mit Ankunftsstempel in Prag.



Unser Brief wurde am 14.05.1934 in Vancouver / Kanada aufgegeben. Die Stadt liegt an der Westküste Kanadas und musste also den ganzen Kontinent überqueren, ehe es per Schiffspost nach Europa gehen konnte.

Kanada selbst verfügte zu dem Zeitpunkt nicht über das Streckennetz von West nach Ost und so nahm der Brief seinen Weg über die USA. Eine Karte aus dem Jahr 1936 verdeutlicht den Weg durch die USA.



Quelle [1] Pennsylvania Airlines 1936

Demzufolge ging die Flugroute von Vancouver – Seattle -Portland zum Drehkreuz Salt Lake. Von hier aus geht es weiter nach Cleveland, um umgeladen zu werden auf die Strecke nach New York. [2] Der hier gezeigte Flugplan von 1936 ist ein update des Planes von 1934.

Von New York ging es per Dampfer nach Frankreich, entweder Cherbourg oder Le Havre. Beide Städte verfügten 1934 noch nicht über Flughäfen, so das die Zustellung nach Paris per Bahn erfolgte. Am 24.05.1934 wurde der Brief um 18.30 Uhr für die weitere Luftpost in Paris aufbereitet. Doch anstatt am nächsten Morgen ab 6.30 Uhr auf die Reise mit dem Flugzeug nach Prag geschickt zu werden, ist er wohl per Bahn nach Strasbourg weiter befördert worden. So kommt es auch zu dem Stempel von Strasbourg am 25.05.34 um 5 Uhr. Und dort verladen ins Flugzeug erreichte er planmäßig Prag um 11.25 Uhr, bestätigt durch den Flughafen Stempel um 12 Uhr. [3]

Neben dem etwas verwirrenden Weg des Briefes in Frankreich tut sich noch eine zweite Frage auf. Warum gibt es keinen einzigen Transitstempel auf dem Weg durch die USA ? Ich gehe davon aus, das die Post nach Europa von Vancouver als selbstständiger Postsack auf Reisen ging und erst in Paris geöffnet wurde, um von dort aus in ganz Europa zugestellt zu werden.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/pal/pal3605/pal365-1.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/pal/pal3605/pal365-2.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3405/af345-10.jpg
 
Detlev0405 Am: 29.11.2020 07:54:32 Gelesen: 443# 227 @  
Der heutige Brief kommt von einem heute sehr beliebten Urlaubsziel – der Insel Krk in Kroatien.



Aufgegeben wurde der Brief in Malinska am 12.08.1935. Von dort aus ging es auf dem Landweg nach Zagreb, etwa 120 km nordöstlich der Insel Krk. Die Flugpost Abfertigung erfolgte am Postamt Zagreb 1 um 9 Uhr.

Der Brief profitierte von der am 02.07.1930 eröffneten Linie (Susak) – Zagreb – Bratislava – (Praha). So wurde er um 14.15 Uhr auf Reisen geschickt und war um 15.50 Uhr bereits am Flughafen Bratislava. [1]

Das bestätigt uns auch der Ankunftsstempel in Bratislava am Telegrafenamt um 18 Uhr. Briefe, die nicht über den Flughafen Prag geleitet wurden und aus dem Ausland kamen, sind sehr selten zu finden.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3504/cls354-4.jpg
 

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