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Thema: Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Das Thema hat 117 Beiträge:
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Detlev0405 Am: 02.10.2018 09:40:03 Gelesen: 7119# 93 @  
Unser heutiger Brief kommt aus Linköping in Schweden und geht nach Olmütz ( Olomouc ) in der Tschechoslowakei.



In Linköping aufgegeben am 29.04.1929, musste er auf dem Landweg nach Malmö, um dort in ein Flugzeug zu gelangen. Der erste Flugplatz wurde in Linköping erst in den 30er Jahren gebaut.

Von Malmö ging der Brief per Luftpost über Kopenhagen – Hamburg – Berlin nach Prag. Von dort aus ging es dann auf dem Landwege zum Zielort Olmütz.



Beachtenswert ist der Ankunftsstempel in Prag auf dem Flugplatz. Es handelt sich um den Stempel der Auslandsabteilung (Cizina) des Flugplatzes in Prag 7. Er ist gleichberechtigt eingesetzt worden neben den anderen Luftpoststempeln am Flugplatz. Ob dieser Stempel zum Einsatz kam, weil die Post einer speziellen Kontrolle unterzogen wurde, vermag ich nicht zu bestimmen. Eine Zweckbestimmung habe ich aber inzwischen herausgefunden – der Stempel wurde als Abgangsstempel für Flugpost verwendet, die zum Beispiel nach Athen per Bahn auf den Weg gebracht wurde.

Rudolf von Kulmburg war einer der Honoratioren der Stadt zu seinen Lebzeiten, Briefmarkensammler und Aussteller auf der Daposta 1937. Er ist Ehrenmitglied der Vereinigung Alt – Neustadt in Wien, einer Vereinigung von Absolventen der Theresianischen Militärakademie Wien.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 08.10.2018 14:15:52 Gelesen: 6797# 94 @  
Der heutige Beleg wird uns zeigen, das es bei der Bestimmung der Flugrouten nicht nur Kenntnis über die jeweiligen Flugpläne und Fluglinien benötigt, sondern auch Kenntnisse über historische Gegebenheiten der jeweiligen Region. Diese Analyse ist in bewährter Zusammenarbeit mit Wolfgang (saintex) entstanden und hat ein weiteres Mal gezeigt, das sein Spezialwissen unverzichtbar ist. Aus diesem Grund habe ich auch die Darstellung des Beleges in einer anderen Form gewählt, als These und Antithese. So kann jeder die Gedankengänge zu dem Beleg nachvollziehen.



Der Reihe nach. Während in Deutschland Luftpostbelege mit Freistempel relativ oft vorkommen, ist das in der Tschechoslowakei eher eine seltene Form der Frankierung gewesen. Absender ist die Poldi Hütte in Kladno, ein Betrieb der Stahlindustrie. Zulieferer z.B. von Stahl für den Rennwagen Blitz von Benz oder der Harbour Bridge in Sydney. Der Adressat ist eine Firma in Kalkutta (Indien).

Der europäische Teil des Fluges bis Athen war bei der Untersuchung unumstritten. Es war nur schwer, das entsprechende Material zu finden, da es keine Beförderung von einer einzigen Luftpostlinie war. Die Verbindung ging über Wien – Prag ab 17.00 an Wien 18.30 Uhr am 01.06. Von Wien am 02.06. 13.10 ab und an Budapest 14.15 Uhr. Ab Budapest um 15.00 nach Belgrad an 16.05. Uhr. Ab Belgrad 16.20 (So = Samstag) an Sofia 19.30 Uhr. Dienstag (U = Dienstag) den 05.06., um 14.55 nach Saloniki an 16.10 Uhr und weiter nach Athen um 16.30 Uhr. Dort Ankunft um 18.30 Uhr. Nur diese Verbindung passt in den Zeitrahmen und korrespondiert auch mit den jeweiligen Wochentagen, an denen die einzelnen Strecken betrieben wurden und wäre ein Argument für beide Luftpoststempel.



Optimistisch habe ich dann auch versucht, die Strecke Athen – Kalkutta mit dem vorliegenden Material zu analysieren. So kam meine These zustande:

„Ich habe zuerst einmal die Tage enträtselt - 01.06.34 Prag ein Freitag , 06.06.34 Athen war ein Mittwoch, 10.06.34 Karachi ein Sonntag und der 13.06.34 in Kalkutta ein Mittwoch. Dann habe ich mir die Flugpläne angesehen - Athen flog die Air France am Mittwoch und auch die Ankunft in Karachi stimmt mit dem Air France Plan überein. Als ich dann auf Kalkutta gesehen habe, fand ich nur die KLM, die an diesem Tag dort eintraf. Und plötzlich verstand ich den Stempel auf der Vorderseite aus Karachi. Es ist kein Durchgangsstempel wie ich zuerst vermutet hatte, sondern ein Flugunterbrechungsstempel. Irgend etwas lief wohl schief mit der Air France Maschine, so das die Post mit der nächsten, einer KLM
Maschine, weiter geleitet wurde. Die KLM Maschine traf am Mittwoch in Kalkutta ein.“


Soweit so gut – oder eben nicht. Meine These berücksichtigt keine Flugverspätungen, geschweige denn die politischen Veränderungen in Indien seit Beginn der 30er Jahre.

So kommt Wolfgangs Gegenthese doch zu einem anderen Ergebnis:

„Aufgrund der Stempeldaten von Athen (6.6.1934) und Karachi (10.6.1934) kommt nach den in der aerophilatelistischen Literatur u.a. von Proud[1] und TSchroots[2] veröffentlichten Flugdaten nach meiner Meinung nur eine Beförderung Deines Luftpostbriefes auf der Fluglinie der KLM Amsterdam – Bandoeng in Betracht: mit Flug Nr. 186 ab Amsterdam am 7.6.1934 (Donnerstag), an Athen 8.6.1934 (Freitag), an Karachi 10.6.1934 (Sonntag). Dieser Flugablauf stimmt auch mit dem in der für die Monate Mai/Juni 1934 gültigen Luftpostliste veröffentlichten Flugplan für die Luftpostlinie Amsterdam – Bandoeng überein.
Richtig ist, dass aufgrund der in den zeitgenössischen Flugplänen der Air France angegebenen Abflug- und Ankunftszeiten zunächst auch eine Beförderung Deines Luftpostbriefes mit der Air France denkbar wäre. Diese Möglichkeit scheidet nach meiner Ansicht jedoch aus folgenden Gründen aus:
….
Entscheidend kommt aus meiner Sicht jedoch hinzu, dass der Air France Flug, der am 6.6.1934 in Marseille begonnen hatte, nach den Angaben bei Proud[3] abweichend vom Flugplan erst am 12.6.1934 (Dienstag) in Karachi angekommen war. Ein Grund für die zweitägige Verspätung wird bei Proud nicht angegeben. Treffen die Angaben bei Proud zu, kann Dein Luftpostbrief nicht mit der Air France befördert worden sein, da Dein Luftpostbrief ausweislich des Hinweisstempels bereits am 10.6.1934 und damit zwei Tage vor der Air France Maschine in Karachi eingetroffen war, was meine These der Beförderung durch die KLM erhärtet.
In Karachi wurde die für Brit. Indien, Burma und Ceylon bestimmte Luftpost ausgeladen und auf „gewöhnlichem Weg“ bis zum Bestimmungsort weiterbefördert. Wörtlich heißt es im Handbuch von TSchroots in einer Anmerkung zur Luftpostlinie Amsterdam-Bandoeng für das Jahr 1934[4]: De correspondentie vanuit Nederland voor geheel Brits Indie, Birma en Ceylon wordt in Karachi gelost en vandaar met de bestaande middelen van vervoer doorgezonden. Aus diesem Grund wurde in Karachi auch der Hinweisstempel CANCELLED auf dem tschechischen Luftpostaufkleber angebracht, zum Zeichen dafür, dass die Luftpostbeförderung in Karachi endete. Diese eigenartige Regelung der Luftpostbeförderung über das Territorium Brit. Indiens soll u.a. politische Gründe gehabt haben, insbesondere dem allmählich erstarkenden indischen Nationalgefühl und dem Wunsch nach Eigenstaatlichkeit widerstrebte die Gewährung von Verkehrsrechten an ausländische Luftverkehrsgesellschaften ohne Gegenseitigkeit. Auch die Gründung eigener indischer Fluggesellschaften, z.B. durch den Tata-Konzern, die Fluglinien innerhalb Indiens aufbauten, scheint eine Rolle gespielt zu haben. Vermutlich wird auch die britische Fluggesellschaft Imperial Airways Einfluss auf die indische Kolonialregierung genommen haben, um sich der niederländischen KLM als einem lästigen Mitbewerber zu erwehren.“

Erhärtet wurde diese Darstellung durch Wolfgangs ergänzende Information, die eine zeitgenössische Darstellung des Kampfes um die Lufthoheit in Indien dokumentiert.

„Bei Proud habe ich noch die in der Anlage beigefügte von Anfang Oktober 1933 datierende Bekanntmachung der Indischen Post gefunden. In Ziff. 4. enthält die Bekanntmachung die Klarstellung, dass Luftpost innerhalb Indiens nicht von der K.L.M. oder der Air Orient (Vorläufer der Air France) befördert wird und dass Luftpost aus Europa nach Bestimmungsorten in Indien und Burma in Karachi ausgeladen wird (… will be dropped at Karachi). Damit liegt auch eine zeitgenössische postalische indische Quelle vor, die bestätigt, dass die Luftpostbeförderung Deines Luftpostbriefes in Karachi endete.“




Dieses Dokument ist ein wichtiger Beweis für die Behauptung von Wolfgang, das es restriktive Maßnahmen seitens der indischen Regierung gab, um die eigene Luftfahrt zu fördern und zu schützen. Es wird bei einem späteren Beitrag in meinem Thread noch eine wichtige Rolle spielen und bewiesen werden mit einem Beleg. Somit ist dieser Beleg nicht nur beeindruckend durch die seltene Verwendung von Freistempeln im internationalen Luftpostverkehr der Tschechoslowakei, sondern auch eine Dokumentation zu den Anfängen der selbständigen Luftpost in Indien.

Quellen:

[1] Edward B. Proud, Intercontinental Airmails, Vol. 2 Asia and Australasia, Großbritannien 2009
[2] TSchroots, Luchtvaart en Luchtpost encyclopedie, Teil 1 (bis 1935), Amsterdam 1990
[3] Proud Vol. 2 Seite 804
[4] TSchroots Teil 1 Seite 627
[5] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3405/cls345-4.jpg
 
Detlev0405 Am: 15.10.2018 19:35:40 Gelesen: 6528# 95 @  
Wir haben Post aus Ceylon bekommen (heute Sri Lanka). Und erinnern uns daran, das uns Wolfgang (saintex) im letzten Beitrag einen entscheidenden Hinweis für die Entwicklung einer eigenständigen indischen Luftfahrtgesellschaft gegeben hat und dem ich auch wieder für seine Korrekturen danke.



Unser heutiger Beleg demonstriert auf eindrucksvolle Weise den Fortschritt der indischen Luftfahrt in den 30er Jahren. Von Colombo wurde der Beleg nach Karachi mit der Bahn und Tata Airlines befördert. Aufgegeben am 20.03.1937 fand der Brief seine planmäßige Beförderung mit der Bahn von Colombo (ab 20.15 Uhr Hbf.) nach Madras (an 06.35 Uhr Hbf.) mit dem Indo-Ceylon-Epress. [1] Von Madras ging der Brief am Montag den 22.03. 14.00 Uhr mit der Tata Airlines nach Karachi. Dort kam er am nächsten Tag gegen 18.10 Uhr an.

Auffallend die schöne Frankatur mit Werten aus Michel Nr. 216 -223 von Ceylon. In Karachi fand der Brief dann am Mittwoch, den 24.03., Anschluß an den Flug der Imperial Airways nach Europa. Ein langer Weg stand ihm bevor – über Oman am 25.03., Kuweit und Bagdad am 26.03., Alexandria am 27.03. weiter nach Athen, Brindisi nach Paris LeBourget, wo er am Donnerstag den 29.03.1937 gegen 09.30 Uhr ankam. [2]



Hier wurde der Brief umgeladen in eine Maschine der Air France und erreichte Prag über Straßburg am 30.03.1937. Auch wenn der Brief einen gewissen Umweg nahm, war es die schnellste Verbindung für ihn. Flüge mit der KLM oder Air France hätten mehr Zeit in Anspruch genommen, weil die Abflugtage für den Brief ungünstig lagen. Auch wenn die Strecke als solche wesentlich kürzer gewesen wäre.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/il/il38/il38i3.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/iaw/iaw36u/iaw36u-2.jpg
 
Detlev0405 Am: 22.10.2018 09:00:39 Gelesen: 6212# 96 @  
Heute fliegt unsere Karte mal wieder von Prag ab hat eine etwas seltenere Destination. Sie will unbedingt nach Bochum.



Dabei hat sie Glück, denn am 10.08.1926 wurde von der CIDNA die erste Postbeförderung auf der Strecke Prag – Nürnberg – Straßburg – Paris durchgeführt. So war es einen Monat später kein Problem, die Reise bis nach Nürnberg anzutreten. Am Flugplatz Prag am 08.09.1926 aufgegeben, erhielt die Karte auch den Rahmenstempel nach Horka RV2a in Rot.



Merkwürdig sicherlich die Verwendung des Luftpostaufkleber für die Strecke Prag – Straßburg, aber korrekt, da die Beförderung durch die CIDNA erfolgte und die uns geläufigen blauen gezähnten Aufkleber erst 1929/30 in Verkehr kamen.

Da der Flug von Nürnberg weiter ging mit der DLH, wurde also umgeladen. Deshalb auch der Ankunftsstempel Michel Nr. 81-01 b in violett von Nürnberg. Von Nürnberg wurde die Karte weiter geleitet über Frankfurt/M – Köln nach Essen/Mühlheim (vgl. [1]).

Wann sie letztendlich dort ankam, entzieht sich leider meiner Kenntnis (fehlender Ankunftsstempel mit Datum).

Gruß
Detlev

[1] https://flughafenbb.files.wordpress.com/2017/12/1926-12-18-schweizerische-bauzeitung.jpg
 
Detlev0405 Am: 26.10.2018 15:45:09 Gelesen: 5872# 97 @  
Heute möchte ich zu mehreren Anfragen Stellung nehmen - es geht um tschechische Belege sowohl zur Zeppelinpost als auch zur Schleuderpost verschiedener Dampfer nach Nord- und Südamerika.

Ich klammere diesen Teil der tschechoslowakischen Luftpost bewusst aus bei meinen Betrachtungen und das aus verschiedenen Gründen:

1. Die gesamte Schleuderflugproblematik ist in seinen Ursprüngen eine deutsche Erscheinung. Tschechoslowakische Belege mit ausschließlicher tschechischer Frankatur werden in der Fachsprache als "Durchrutscher" bezeichnet und basieren auf Zufall, keiner geregelten Luftpostbeförderung.

2. Bei Zeppelinbelegen gab es ab 1932 für die Tschechoslowakei den Status eine Vertragsstaates und somit die geregelte Möglichkeit zur Auflieferung von Post zu den einzelnen Sonderflügen. Im Wesen blieb es aber eine Veranstaltung der deutschen Luftpost und ging über den Charakter einer Tagesluftpost hinaus.

3. Das dritte und wohl wesentliche Argument - die meisten Belege zu beiden Themen befinden sind in festen Händen. Hinzu kommen Preise, die pro Stück immer im guten 3 stelligen Bereich liegen. Beide Fakten schränken selbstverständlich das "Interesse" an solchen Belegen von vorn herein ein.

Saintex hatte im Beitrag [#15] schon auf eine Publikation zu tschechischen Sammlungen und Sammlungen zur tschechoslowakischer Thematik aufmerksam gemacht. Für alle die, die sich einmal mit der tschechoslowakischen Zeppelin und Schleuderflugpost visuell beschäftigen möchten, empfehle ich die Sammlung von Georg Wilhelms in diesem Link von Wolfgang. Nach meiner Übersicht ist diese deutschsprachige Ausstellungssammlung bezüglich der Vertragsstaaten Post zu den Zeppelinen mit allen Belegen zu den bekannten und belieferten Flügen vertreten.

Eine Klasse Dokumentation.

http://www.exponet.info/exhibit.php?exhibit_ID=176&lng=DE#

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 29.10.2018 13:10:17 Gelesen: 5785# 98 @  
Eigentlich gehört die Luftpost zwischen Prag und Wien zu den ursprünglichen Linien der tschechoslowakischen Luftpost und hätte schon längst einmal vorgestellt werden müssen. Gut Ding will aber Weile haben. So kann ich heute einen Brief vorstellen, der von der Jubiläumsausstellung der tschechischen Philatelisten ( 25.09. - 02.10.1927 ) in Prag abgeschickt wurde. Darauf verweist der Sonderstempel von der Ausstellung.



Offensichtlich war der Aufgabestempel vom 27.09.1927 auf der Ausstellung geführt worden, denn es gibt keinen Vermerk zum Hauptpostamt Prag 1 oder andere Postämter. Daher lief der Brief erst am 28.03. beim Postamt am Flughafen auf. Hier wurden dann alle Stempel auf den Brief gebracht, die zu dieser Zeit vorrätig waren. So der obligatorische Stempel von Prag 82 b , der seit 1926 im Einsatz war. Hinzu kommt der Rahmenstempel Horka RV2a in Rot.



Die Krönung des Briefes ist aber der ungewöhnliche Leitstempel in tschechisch und französisch „Luftpost von Prag nach …...“ und handschriftlichem Eintrag des Zielortes – hier nach Wien.



Dieser Stempel war nur 1926 und 1927 im Einsatz. Registriert bei Horka unter der Nummer RV6 ist dort auch ein ähnlicher Beleg unter Obr. 164 zu finden. Innerhalb von 4 Stunden war der Brief dann in Wien, wie der Ankunftsstempel zeigt.

Weiterhin beachtenswert an dem Beleg ist die Tatsache, das er aus der Sammlung von Simon Hucl stammt. Er war in den 20er Jahren ein anerkannter Sammler tschechoslowakischer Luftpost und hat seine Ergebnisse in der Zeitschrift „Die Postmarke“, Wien 1928, Seite 257 ff. veröffentlicht.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 05.11.2018 09:21:51 Gelesen: 5366# 99 @  
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, auch bei den Luftpostbelegen in die Tschechoslowakei. Seit dem 01. - 10.Oktober 1938 wurde das Sudetenland an Deutschland angegliedert, damit begann die Zerschlagung der Tschechoslowakei.



Unsere heutige Karte kommt aus der Schweiz und wurde am 11.11.1938 in Zürich aufgegeben. Es gab zwar im Jahre 1930 die Eröffnung einer Direktverbindung von Prag nach Zürich ( Basel ) mit der Ad Astra, aber diese Verbindung wurde Ende September 1931 mangels Auslastung eingestellt. So blieb nur die Beförderung über Straßburg, wo die Karte am 12.11.1938 ankam. Von dort aus übernahm die Air France und lieferte die Karte in Prag ab. Abweichend von der bisherigen Praxis wurde die Karte nicht am Flughafen Prag mit dem Ankunftsstempel versehen.



Ich gehe davon aus, das die gesamte Post des Fluges direkt bei der zuständigen Zensurstelle aufgeliefert wurde. Sowohl der Stempel „Censurovano“ als auch der 5 stellige Stempel des Zensors zeugen von der Sonderbehandlung der Karte. Erst danach wurde die Karte vom Zustellpostamt Prag 31 9a als Eingang quittiert. Das Postamt befand sich im Stadtteil Vinohrady.

Auf der Vorderseite ist eine DC 2 der Swiss Air zu sehen mit dem Kennzeichen HB – ITE. Sie wurde 1935 angeschafft und flog bis 1952 bei der Airline. Anschließend wurde sie an die Phoenix Airlines in Südafrika verkauft.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 12.11.2018 07:57:59 Gelesen: 5063# 100 @  
Eigentlich wird die Etappe Kosice – Prag durch die CSA bereits seit dem 12.05.1924 betrieben und unter diesem Aspekt hatte ich die Karte erworben – als normale Bedarfspost im Jahre 1929 auf der Strecke.



Es handelt sich um eine Ganzsache CDV 37 I.typ nach dem Spezialkatalog Prag 1988 mit der Zusatzfrankatur einer Mi.Nr. 199 . Auch wenn der Luftpostaufkleber bei Horka (Nr. NP3) erst 1930 registriert wird, ist er schon 1929 anzutreffen. Ordnungsgemäß wurde der Flugplatz Stempel Horka R7 als Nachweis zur Beförderung abgeschlagen.

Routinemäßig habe ich noch das Datum des Fluges geprüft und nicht schlecht gestaunt. Denn am 06.05.1929 fand der Erstflug Uzhorod-Kosice-Bratislava-Brno-Praha und retour statt. In allen Nachschlagewerken sind die Teiletappen sowohl von Prag als auch Uzhorod verzeichnet, aber Zwischenetappen wie Kosice – Prag wurden wohl nur sehr wenig genutzt und sind damit kaum bekannt. Damit wurde aus einem ursprünglich als Bedarfsbeleg erworbenen Beleg eine recht seltene Destination von einem Erstflug. Die letzte Etappe nach Liberec legte die Karte per Bahn zurück.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 19.11.2018 08:14:51 Gelesen: 4723# 101 @  
Heute freue ich mich, an die Beiträge [#58] und [#69] anknüpfen zu können und den Flugplatzstempel von Uzhorod zeigen zu können.



Die Karte wurde am 29.08.1936 am Flugplatz in Uzhorod gegen 12 Uhr aufgegeben. Der Stempel ist bei Horka unter der Nr. R9 registriert und war von 1929 – 1938 im Einsatz. Die direkte Verbindung Uzhorod – Prag war noch nicht möglich, da die Strecke Moskau – Uzhorod – Prag genau einen Tag später eingeweiht wurde. So ist es um so bemerkenswerter, das die Karte auf der „Etappenpost“ nach Prag ging und von dort per Bahn oder Postauto nach Pilsen, wo sie am nächsten Tag früh um 5 Uhr bereits Postamt Plzen 1 ankam.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 26.11.2018 08:19:03 Gelesen: 4516# 102 @  
Unser heutiger Beleg ruft erst einmal Kopfschütteln hervor – weil er im Horka überhaupt nicht registriert ist. Am 05.04.1937 gab es den Erstflug Prag – Brüssel,er ging auch über Essen. Dieser Flug startete aber bereits früh um 8.00 Uhr von Prag.



Unser Flug verließ Prag aber erst um 14.00 Uhr. Auch bei Mahr findet sich kein entsprechender Hinweis. Zuerst habe ich auch gedacht, der Beleg als Erstflug nach Frankfurt/Main ist ein Fake, zumal der Brief in 5 Stunden bereits in Essen angekommen war.

Zum Glück blieb mir noch der Michel Luftpost Spezial und dort stieß ich tatsächlich auf einen Erstflug zwischen FFM und Prag sowie retour. Unter der Nummer 37.4 – 02 ist mein Beleg tatsächlich registriert. Durchgeführt wurde der Flug von der DLH auf der Strecke.

Blieb noch die Frage, ob der zeitliche Ablauf auch eine Beförderung zuließ. Nach dem Flugplan Sommer 1937 der DLH ging der Brief um 14 Uhr in Prag ab. In Frankfurt/Main traf er um 16 Uhr ein,, von wo er um 17.20 Uhr nach Dortmund weiter geleitet wurde. Dort kam er 18.10 Uhr an und ging nach Essen um 18.20 Uhr ab. Ankunft Essen um 18.35 Uhr und somit stimmt auch der Ankunftsstempel in Essen.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 03.12.2018 17:23:12 Gelesen: 4276# 103 @  
Unsere heutige Karte erfordert wieder einmal ein etwas komplizierteres Um-die-Ecke-Denken. Was auf den ersten Blick sehr offensichtlich erscheint, ist es aber nicht.



Der Beleg geht von Marienbad am 01.06.1930 nach Köln, eine etwas ungewöhnliche Destination. Dafür verschwand der Beleg ja auch wieder in der Sammlung von Herrn Hucl. Auf den ersten Blick ging die Karte von Marienbad über Chemnitz – Leipzig nach Köln. Tut sich aber ein großes Fragezeichen auf. Warum ist die Karte erst am 07.06.1930 von Chemnitz aus weiter befördert worden ? Und warum geht die Karte über Chemnitz nach Leipzig, wenn doch 1930 auch eine direkte Verbindung von Marienbad nach Leipzig bestand ? Und beide Streckenführungen von der DLH bedient wurden ?

Also komplett umdenken. Der Beleg ging am 01.06.1930 mit dem Flug 655 um 09.30 Uhr nach Leipzig ab und traf dort um 10.50 Uhr ein. Um 11.25 Uhr ging es auf der Linie 156 direkt nach Köln weiter wo er um 14.05 Uhr eingetroffen war.



Das wird auch durch den Flugbestätigungsstempel Michel Nr. F 63-06 am Kölner Flughafen bestätigt. Nun trat er sein Dasein als postlagernde Sendung an – für 5 Tage. Am 06.06.1930 wurde er offensichtlich zurück geschickt mit dem Flug 156 um 14.05 Uhr und erreichte Leipzig um 16.25 Uhr. Nun tritt für mich ein echtes Mysterium auf – nach welchen Kriterien wurde der Beleg nach Chemnitz geschickt ? Das das eine zentrale Fragestellung ist wird dadurch erhärtet, das um 16.50 Uhr von Halle/Leipzig ein Flug sowohl nach Chemnitz als auch nach Marienbad abging und Marienbad lag näher an Reichenberg. Auf jeden Fall kam der Beleg um 17.25 Uhr in Chemnitz an und wurde am nächsten Morgen Post seitig bearbeitet.



Die Karte erhielt einen Flugplatzstempel Michel Nr. A 10-02 vom 07.06.1930 und einen Flugbestätigungsstempel Michel Nr. F 18-02b
.
Den Rest der Strecke nach Reichenberg legte die Karte offensichtlich per Bahn zurück.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 11.12.2018 14:12:03 Gelesen: 3869# 104 @  
Heute ist Post aus Venezuela eingetroffen. Am 18.05.1938 in Caracas aufgegeben, traf sie am 27.05.1938 am Flughafen in Prag ein. Frankiert mit den venezolanischen Marken Michel Nr. 241, 254 und 268 erfreute er bestimmt den Empfänger.



Dass in Venezuela ab 1933 die Fluggesellschaft „Linea Aeropostal Venezolana“ den Postverkehr per Flugzeug sicher stellte, konnte ich mit Hilfe des Internets noch herausfinden. Der aufgebrachte Leitstempel zur Beförderung über Natal nach Paris half mir zumindest zu bestimmen, dass der Brief von Caracas nach Natal (Brasilien) ging.



Leider fand ich aus dem Jahr 1938 weder einen Flugplan noch ein Streckennetz der LAV, so dass ich wieder Wolfgang bitten musste, mir zu helfen.

"Dein Luftpostbrief wurde auf der 2. Route befördert, also Caracas - Natal mit Pan American Airways und ab Natal vermutlich mit der Air France. Auch das Porto stimmt: UPU-Auslandsporto bis 20 Gramm 37,5 Centavos; Luftpostzuschlag je 5 Gramm über Route 2 nach Europa 1,125 Bolivares. Die aufgeklebte Luftpostmarke mit dem "krummen" Wert von 1,125 Bolivares war offensichtlich genau für diesen Tarif verausgabt worden." [1]

Von Natal ging der Brief am 22.05.1938 mit der AirFrance auf der Strecke 270 über Villa Cisneros, Agadir, Casablanca, Barcelona, Marseille und Toulouse nach Paris und traf dort am 26.05.1938 ein.



Diese Auffassung vertritt auch Wolfgang: "Nach den Stempeldaten war dies eindeutig die Air France, die den Südatlantik am 23./24.5.1938 in einem Nachtflug mit einem 4-motorigen Landflugzeug vom Typ Farman 2200 (Ville de Mendoza F-AOXF) in einer reinen Flugzeit von 15.20 Stunden überquerte. Die mit diesem Südatlantikflug beförderte Luftpost traf am 25.5.1938 in Frankreich ein. Damit korrespondiert der rückseitig - leider nur sehr schwach - angebrachte Ankunftstempel "Paris Aviation Etranger 25.V.1938 23:30". 

Umgeladen auf die Strecke Paris – Prag wurde er am 27.05.1938 um 08.00 Uhr auf die Reise geschickt und traf um 11.50 Uhr ein. Um 13.00 Uhr war seine Reise am Postschalter des Flughafens erfolgreich abgeschlossen.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/pa/pa40/pa40-8.jpg
 
Detlev0405 Am: 21.12.2018 13:18:03 Gelesen: 3522# 105 @  
Heute erreicht uns Post aus Sofia. Es ist schon erstaunlich, das die tschechoslowakische Luftfahrtgesellschaft trotz seiner Kontakte nach Bukarest und Zagreb mit Hilfe der CIDNA seit Mitte der 20er Jahre niemals seine Balkan Aktivitäten eigenständig erweitern konnte.



Der Brief wurde am 29.0.1937 aufgegeben, ist frankiert mit einer Mi.Nr. 238 als EF und erreichte Prag noch am gleichen Tag. Dabei sieht man dem Brief nicht an, das er tatsächlich 5 europäische Hauptstädte auf diesem Weg passierte.
Sein Flug beginnt um 09.00 Uhr in Sofia und erreicht Belgrad um 09.30 Uhr. Von hier aus ging es weiter um 09.50 Uhr nach Budapest, das um 11.20 Uhr den Brief gesehen hat. Nun ist es wieder einmal wichtig, den Wochentag zu bestimmen, da ein passender Weiterflug entsprechend den abgeschlagenen Stempeln nur am Montag, Mittwoch und Sonnabend möglich war. Wir sind an einem Sonnabend unterwegs und so konnte der Brief um 12.05 Uhr Budapest verlassen und in Wien um 13.10 Uhr eintreffen. Von hier aus ging es um 17.20 Uhr ab nach Prag, wo er um 18.35 Uhr eintraf. [1] Lediglich die Strecke Wien – Prag wurde durch die tschechoslowakische CSL bedient bei dem Beleg.





Auffallend schön sind die abgeschlagenen Luftpoststempel auf der Strecke. In Sofia wurde der Beleg direkt am Flugplatz aufgegeben und erhielt den entsprechenden Stempel mit einem stilisierten Flugzeug im Bild, in Wien einen Flugpost Stempel vom Flugfeld in Wien – Aspern. Bei über einem Dutzend von Belegen nach und über Wien das erste Mal, das ich einen solchen Stempel gesehen habe.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-4.jpg
 
Detlev0405 Am: 10.01.2019 14:09:38 Gelesen: 3058# 106 @  
Unsere heutige Post erreicht uns aus Sarajevo, eine Stadt mit wechselvoller Geschichte. Zum Zeitpunkt des Briefes war Sarajevo Teil des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen bis 1941. Ab 1941 bis 1945 war es Bestandteil des Staates Kroatien. Nach 1945 war es integriert in der Republik Jugoslawien, um 1992 als Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina seine vorläufige Bestimmung zu finden.



Aufgegeben wurde der Brief am 31.08.1936 um 20 Uhr. Sein Flug ging aber erst am nächsten Tag los, um 7.35 Uhr in Richtung Belgrad. Dort kam er um 8.50 Uhr an und wurde um 10 Uhr am Flugplatz abgefertigt. Dokumentiert wird das durch den Stempel von Zemun auf der Rückseite. Zemun ist ein Ortsteil von Belgrad und beherbergt den örtlichen Flugplatz.



Von dort aus ging es weiter um 9.10 Uhr oder 10.40 Uhr nach Budapest , um von dort aus um 12.25 Uhr seinen Weiterflug nach Wien zu absolvieren. Dort bekam er dann um 16 Uhr seinen Abfertigungsstempel. Da der letzte Flug nach Prag am Tage aber schon um 15.05 Uhr abging, kam es zu einer auf dieser Strecke typischen Besonderheit. Es wurde entschieden , den Brief per Bahn nach Prag zuzustellen. So kam er am 02.09.1936 gegen 2 Uhr in Prag an [1].

Gruß
Detlev

[1] https://flughafenbb.files.wordpress.com/2017/08/deutsche-lufthansa-sommer-1936-04-19-bis-1936-10-03.pdf
 
Detlev0405 Am: 21.01.2019 12:53:11 Gelesen: 2673# 107 @  
Unsere heutige Karte ist unverkennbar eine Bedarfskarte – oder gibt es hier einen Philatelisten, der auf die Idee kommt, die Marken über Eck zu verkleben ?



Die Strecke Varna – Sofia gehört zu den ältesten kontinuierlich betriebenen Luftpoststrecken Bulgariens und wurde am 07.11.1927 eingeweiht. Fast drei Jahre später geht unsere Karte auf Reisen. Am 29.08.1930 wurde sie in Varna aufgegeben. Um 11.15 Uhr wurde sie in Sofia abgefertigt nach Belgrad und traf dort um 12.30 Uhr ein. Um 13.15 Uhr flog die Maschine weiter nach Budapest (Ankunft 15.45 Uhr) um von dort aus um 18.00 Uhr in Wien einzutreffen. Bis hierher wurde die Strecke 462 der CSL genutzt, die von Istanbul nach Wien ging. [1]

Da davon auszugehen ist, das die Post nicht umgeladen wurde die nach Prag sollte, ging der Flug auf der gleichen Linie am 29.08.1930 um 08.30 oder 13.00 Uhr von Wien weiter nach Prag und war um 10.30 oder 15.00 Uhr in Prag angekommen. Da der Ankunftsstempel um 16.00 Uhr datiert, ist wohl eher die zweite Version wahrscheinlich (aber eben Spekulation).

Gruß
Detlev

[1] https://flughafenbb.files.wordpress.com/2015/09/deutsche-luft-hansa-a-g-1930-05-01-1930-08-31-sommer.jpg
 
Detlev0405 Am: 30.01.2019 12:11:32 Gelesen: 2247# 108 @  
Heute benötige ich Hilfe – ich kann den Bestimmungsort der Karte nicht entziffern. Interessant ist bei der Karte, das sie mit 50 Heller Luftpostmarke frankiert wurde, den Luftpostaufkleber vorschriftsmäßig hat und noch dazu den Abfertigungsstempel des Flughafens Brno nach Horka RV11.



Aus der Anschrift glaube ich erraten zu können, das die Karte nach Belgien gehen soll (unterste Schriftzeile). Auf jeden Fall wohl ein Ort an einem Fluss gelegen (a / ?), darüber gelegene Zeile.



Damit würden aber die Ungereimtheiten beginnen. Nach Horka Tabelle 48 ist das Porto nach Belgien 1,50 Kc ab dem 05.06.1930 – also nicht richtig frankiert. Der RV 11 ist nach Horka erst seit 1932 im Einsatz, aber das kann dem Alter des Nachschlagewerkes geschuldet sein, immerhin schon 20 Jahre her. Und die Praxis ist oft der Maßstab für Erkenntnisse.

Vielleicht kann jemand die Karte besser deuten, die Anschrift lesen ?

Gruß
Detlev
 
rudi63 Am: 30.01.2019 18:58:03 Gelesen: 2219# 109 @  
Servus Detlev,

ich lese da: Libochovice n.O., Cechy. Also Inlandspostkarte zu 50 Heller, nur ohne Luftpostzuschlag.

Gruß Rudi
 
saintex Am: 30.01.2019 21:18:52 Gelesen: 2201# 110 @  
@ Detlev0405 [#108]

Hallo Detlev,

also Libochovice als Bestimmungsort lese ich auch. Der Zusatz n. O. könnte für nad Ohří (deutsch: an der Eger) stehen. Dazu passt dann auch die Anschrift der Empfängerin auf der Anschriftenseite der Postkarte: Slečna Dagmar Kadlecová . Bekam Fräulein Dagmar Kadlecova also eine Luftpostkarte, die auf der inländischen Fluglinie Brünn – Prag befördert worden war, wie Aufgabestempel und Luftpostbestätigungsstempel des Postamtes Brünn 2 belegen.

MfG Wolfgang
 
Detlev0405 Am: 30.01.2019 21:41:06 Gelesen: 2198# 111 @  
@ rudi63 [#109]
@ saintex [#110]

Hallo Rudi und Wolfgang,

ich danke Euch beiden für die Entzifferung der Schrift - ich habe leider kein Feeling für derartige Schreibschrift, bin ich wohl noch zu jung (Scherz) dafür.

Dann werden wohl die beiden Stempelfragmente unterhalb der Marke der vergebliche Versuch sein in Prag, einen Ankunftsstempel zu zaubern - ich weiß es bleibt im Reich der Spekulation.

Da die Karte, wie Rudi sagte, ohne Luftpostzuschlag trotzdem mit Luftpost befördert wurde, handelt es sich hier um eine postalische Kulanz oder einfach einen Fehler eines Postbeamten ?

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 04.02.2019 17:34:11 Gelesen: 1726# 112 @  
Heute gibt es eine Fortsetzung des Beitrages [#27]. Es handelt sich um die Werbekarte des Bata Konzerns aus Zlin.



Es handelt es sich hier um die Ausgabe in tschechischer Sprache. Wichtig bei dieser Karte ist, das ich meine These aus dem Beitrag [#27] widerlegen kann. Diese Karte wurde nicht nur von Zlin aus eingesetzt, sondern auch in Brno. Es gibt auch noch eine deutsche Version dieser Karte, die ich noch vorstellen werde.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 14.02.2019 15:44:33 Gelesen: 1324# 113 @  
Eigentlich hatte unser heutiger Brief nichts mit der Luftpost zu tun, denn er widmet sich ursprünglich dem seit 1874 in Pardubice stattfindenden Steeplechase (Hindernisrennen für Pferde auf einer 6.900 m langen Bahn). Es ist Europas härtestes Hindernisrennen.



Diesem Ereignis sind auch die 3 farbigen Stempel zur Entwertung der Frankatur gewidmet. 1937 wurde gleichzeitig ein Sonderflug zu Ehren des tschechoslowakischen Flugpioniers Jan Kaspar veranstaltet. Meines Wissens nach der einzige offizielle Sonderflug der Tschechoslowakei bis 1938.





Dem widmet sich sowohl der rote Hinweisstempel Pardubice – Prag als auch der aufgelegte 2 farbige Sonderstempel. Von diesem Ereignis gibt es sehr viel Souvenir Belege. Sie wurden am Flugplatz gefertigt und den Besuchern ausgehändigt. Philatelistisch interessant sind nur Belege, die einer echten Beförderung unterzogen wurden. Das ist nur am Bestätigungsstempel in Prag zu erkennen. Das Prag an der Moldau liegt, ist an diversen Wasserflecken erkennbar (leider).

Jan Kaspar hat mit seinem ersten Flug von Pardubice nach Prag am 13.05.1911 die Ära der Fliegerei in Böhmen eingeleitet.

Der Flugplatz Pardubice ist ein Unikum – ursprünglich ein Militärflugplatz, wird er seit 1995 sowohl vom Militär als auch der zivilen Luftfahrt genutzt. Das Sagen hat das Militär, das heißt in der Praxis, alle zivilen Flüge müssen durch das Militär bestätigt werden. Primär werden hier Flüge nach Russland abgefertigt.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 22.02.2019 11:40:18 Gelesen: 1007# 114 @  
Unser heutiger Beleg ist Bestandteil einer Geschichte, die wohl nicht so gut verlaufen ist wie die von anderen Flugplätzen in der Tschechoslowakei.



Es handelt sich um den Erstflug Piestany – Bratislava – Wien vom 03.06.1935. Einen echten Bedarfsflug ab Piestany, egal in welche Richtung, wird man kaum finden und da sind wir schon beim Kernproblem des Flughafens.

Piestany war ein international anerkannter Badeort wie Karlsbad oder Marienbad. Es war spezialisiert auf Rheuma Erkrankungen. Der wesentliche Nachteil dieses Bades gegenüber den anderen beiden Orten – seine dezentrale Lage gegenüber Gästen aus Deutschland. Die Klientel aus Österreich und Ungarn reichte vom finanziellen Aspekt einfach nicht aus.

Hinzu kommt die Tatsache, das Piestany erst 1945 das Stadtrecht bekam. Wirtschaft war nicht im größeren Umfang vertreten. Die Frage nach einer zentralen Schaltstelle im Netz des Flugverkehrs der Tschechoslowakei bis 1939 stellt sich kaum – direkte Anbindungen gab es nur nach Prag, Bratislava und Uzhorod. Letztere beiden Städte hatten aber selbst direkte Verbindungen nach Prag oder Wien, ohne auf Piestany angewiesen zu sein. Bleibt das Fazit – der Flugplatz Piestany stellt aus wirtschaftlicher Sicht eine komplette Fehlinvestition dar.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 01.03.2019 13:29:01 Gelesen: 688# 115 @  
Heute gibt es Post aus der drittgrößten Stadt Finnlands – Tampere. Von hier aus ging es nach Helsingfors / Helsinki, wobei offen bleibt, ob per Flugzeug oder auf dem Landweg. Eine Flugverbindung bestand durch die Aero O/Y, einer finnischen Luftfahrtgesellschaft.



Flugpost von Helsinki nach Prag ist immer hochinteressant – weil es zwei völlig verschiedene Verbindungswege gibt. Ein Weg wäre am 25.04. um 07.30 Uhr von Helsinki über Reval, Riga und Wilna nach Warschau. Dort käme er um 12.25 Uhr an und würde am nächsten Tag (der 26.04.) nach Prag abgehen um 08.20 Uhr. In Prag wäre Ankunft um 11.30 Uhr. Die Linie hat für unseren Beleg einen Haken – die Verbindung von Warschau nach Prag geht nur Dienstag, Donnerstag und Samstag. Der 26.04. war ein Montag.

Kommt also die Hauptstrecke über Berlin in Frage. Dazu ging der Brief in Helsinki am 25.04. um 07.40 Uhr in Helsinki ab nach Stockholm und von dort nach Kopenhagen. Hier kam er um 11.45 Uhr an und musste bis zum nächsten Tag warten. Am 26.04. um 09.00 Uhr fand der Brief Platz in der Maschine nach Berlin, wo er um 10.50 Uhr ankam. Um 13.50 Uhr ging es auf der Strecke Berlin – Dresden – Prag zum Bestimmungsort und kam dort um 15.35 Uhr an. Das korrespondiert auch mit dem Ankunftsstempel in Prag um 16.00 Uhr. [1]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh37/
 
Detlev0405 Am: 08.03.2019 10:26:26 Gelesen: 410# 116 @  
Unsere heutige Karte ist wieder einmal vollgepackt mit Mysterien und Fragezeichen. Dabei war ihre ursprüngliche Destination sehr einfach, von Wien nach Brno (Luftlinie 110 km). Geschafft hat sie letztendlich fast 400 km. Aber der Reihe nach.



Am 04.10.1935 schreibt ein Galan seiner Komtesse in Brno einen lieben Gruß von der Kaiser Franz Josef Ausstellung in Wien – Schönbrunn. 4 Tage brauchte die Karte, um endlich am Flughafen von Wien einzutreffen und abgefertigt zu werden. Warum wird sich wohl nicht mehr ergründen lassen.

Nachdem die Karte am 08.10.1935 gegen 08 Uhr am Flughafen abgefertigt wurde, sollte man glauben, es geht auf direktem Wege nach Brno. Zumal der Tag ein Dienstag war und die DLH an diesem Tag 13.40 Uhr direkt nach Brno flog und dort 14.25 Uhr ankam. Aber Beamte haben wohl ihre eigene Logik. So wurde die Karte um 09.05 Uhr auf die Strecke der CSA verfrachtet und kam in Prag um 10.35 Uhr an.



Davon zeugt auch der Ankunftsstempel von 11 Uhr. Um 16 Uhr ging es dann von hier aus nach Brno mit der CSA, um dort gegen 17.15 Uhr einzutreffen.



Das bezeugt auch der Ankunftsstempel in Brno gegen 18 Uhr. Das diese Teilstrecke auch wirklich geflogen wurde, zeigt und der violette Abfertigungsstempel von Brno 2 nach Horka RV12.



Und wir haben noch ein kleines Mysterium, auf das ich aber keine Antwort weiß. Offensichtlich wurde die Karte mit Nachporto belegt, wie der Stempel T und der handschriftliche Vermerk 26 vermuten lässt.



Eigentlich gab es ja gültige Portomarken von 1928, aber vielleicht ließ sich der krumme Wert in Marken nicht darstellen. Die Marken gab es zu 5, 20 und 30 Heller. Ob die Karte unter frankiert war, kann wohl nur ein Österreich Spezialist hier sagen.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 19.03.2019 11:37:41 Gelesen: 101# 117 @  
Mein heutiger Brief stammt aus dem tiefen Südamerika und ist für mich einfach eine Augenweide. Dazu trägt gewiss die dort übliche Art der gestalteten Vordruckbriefe bei, es ist aber auch die Einzelfrankatur der der Michel Nr. 524 und die sauberen Stempel.



Am 29.02.1936 wurde der Brief in Montevideo / Uruguay aufgegeben. Es war ein Samstag und zugleich ein Schalttag. Da solche Langstreckenflüge in der Regel nur einmal die Woche zu dieser Zeit durchgeführt werden, ist die Bestimmung des Aufgabetages sehr wichtig.

Schauen wir in den Flugplan der Air France auf der Südamerika Route, so können wir erkennen, das die Post am Sonntag den 01.03.1936 in Montevideo abging. [1] Über Rio de Janeiro, Bahia und Natal ging es auf den afrikanischen Kontinent in Dakar – Casablanca um am Mittwoch in Paris einzutreffen. [2] Seinen Bestätigungsstempel erhielt der Brief allerdings erst am Donnerstag den 05.03.1936 früh. Offensichtlich kam der Brief am Vortage erst spät in der Nacht an.

Von Paris ging es weiter über Straßburg nach Prag, wo der Brief am Freitag den 06.03.1936 seinen Bestimmungsort erreichte.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3604p/af364-24.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3604p/af364-31.jpg
 

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