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Thema: Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Das Thema hat 106 Beiträge:
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saintex Am: 27.08.2018 00:26:53 Gelesen: 7363# 82 @  
@ Detlev0405 [#81]

Hallo Detlev,

zu Deinen Fragen im Beitrag [#81]:

Nach meiner Ansicht wäre der Luftpostbrief auch ohne den Durchgangsstempel von Marseille sammelwürdig, da die Luftpostbeförderung durch den Ankunftstempel von Buenos Aires und den Hinweisstempel AVION ATRASADO auch so eindeutig nachgewiesen ist. Natürlich ist der Durchgangsstempel von Marseille „schön“, da hierdurch ersichtlich ist, dass der Luftpostbrief der französischen Südamerika-Linie nicht in Toulouse sondern in Marseille zugeleitet wurde.

Das Besondere an diesem Flugpostbrief ist für mich jedoch der bei der Ankunft in Buenos Aires angebrachte Verspätungsstempel, den ich so auf Zuleitungspost aus der Tschechoslowakei noch nicht gesehen hatte. Darüber hinaus ist der Verspätungsstempel AVION ATRASADO häufig ein Indiz dafür, dass die planmäßige Beförderung des Luftpostbriefes durch unvorhergesehene Ereignisse wie z.B. Notlandungen, politische Unruhen o.ä. unterbrochen wurde, was den Brief aus meiner Sicht als Sammelobjekt dann zusätzlich interessant macht. Leider habe ich bei dem gezeigten Luftpostbrief aus der Tschechoslowakei aus dem Jahr 1932 bislang noch nicht herausgefunden, welches Ereignis die Verspätung verursacht hat.

Bei dem vorderseitig links neben der 3 Kč Flugpostmarke abgedruckten Stempel handelt es sich nach meiner Kenntnis um einen speziellen Briefträgerstempel für R-Briefe (vgl. den Text im Innenkreis: Certificados Central), der nach der Ankunft des Luftpostbriefes in Buenos Aires angebracht wurde.

Grüsse Wolfgang
 
Detlev0405 Am: 28.08.2018 19:29:39 Gelesen: 7191# 83 @  
Sehen wir uns die Karte der Luftpostverbindungen in der Tschechoslowakei bis 1938 an, so können wir im wesentlichen 4 Knotenpunkte feststellen. Neben Prag als Hauptstandort finden wir noch Brno, Kosice und Bratislava. Bratislava (heute die Hauptstadt der Slowakei) war in der Praxis der damaligen Luftpost das Tor nach Wien und auf den Balkan für die tschechoslowakische Luftpost. Die strategische Bedeutung dieses Standortes wird bereits im Jahre 1920 durch Testflüge des Militärs auf der Strecke Bratislava – Prag und retour dokumentiert. Im Jahre 1923 wurde durch die CSA erneut die Strecke getestet, bevor es 1926 zu einer dauerhaften Verbindung der CSA auf der Stecke Prag – Brno – Bratislava – Kosice und retour kam. Von nun an war der Flugplatz Bratislava kontinuierlich Bestandteil des tschechoslowakischen Flugnetzes.



Unser heutiger Beleg ist in Bratislava aufgegeben worden. Es handelt sich um einen Inlandsbrief, wobei wir erst einmal davon ausgehen dürfen, das der Weg von Prag nach Reichenberg auf dem Landweg zurück gelegt wurde. Eine Flugverbindung gab es zwischen beiden Städten erst ab Mai 1937.

Dafür ist der Beleg auf der Strecke Bratislava – Prag befördert worden, auch wenn in Prag kein Bestätigungsstempel abgeschlagen wurde. Dafür hat Bratislava gleich alle möglichen Stempel abgeschlagen. Aufgegeben am Postamt 1 am 21.09.1936 um 10 Uhr wurde der Beleg am Postamt 2 – Flugplatz – um 13 Uhr als Flugpost bearbeitet mit dem Kastenstempel Horka R4 in schwarz. Zum Einsatz kam der Stempel von 1936 – 1939 . Der Postbeamte am Flugplatz hatte es aber besonders gründlich gemacht und auch den zweiten Luftpoststempel abgeschlagen.



Es handelt sich nach Horka RV15 um einen einzeiligen Luftpoststempel mit Rahmen, der in der Zeit von 1932 – 1939 eingesetzt wurde. Zu beachten ist, dass dieser Stempel nur sporadisch eingesetzt wurde im Gegensatz zum rahmenlosen Stempel bis 1930. Das Signum auf der Rückseite unten rechts kann ich leider nicht zuordnen.

Gruß
Detlev
 
filunski Am: 01.09.2018 22:42:00 Gelesen: 6777# 84 @  
Hallo Deltev,

ich hoffe du gestattest, dass ich mich auch mit einem Beleg beteilige? ;-)

Meine Aufmerksamkeit erregte er durch den schön abgeschlagenen, zweisprachigen Ankunftstempel aus Karlovy Vary/Karlsbad, hier zu sehen:



So damit wären wir schon bei der Destination, also quasi am Ende, deshalb jetzt von Anfang an. Erst mal die Vorderseite des, wie ich ziemlich sicher annehme, reinen Bedarfsbriefs:



Ein Luftpostbrief aus Argentinien, genauer aus Buenos Aires an die Senora "Matilde Anchorena de Verstraeten" die im Juli des Jahres 1936 wohl im Hotel Imperial in Karlsbad (Karlovy Vary) weilte.

Abgeschickt gem. Aufgabestempel der Luftpoststelle (Servizio Aeropostal) in Buenos Aires am 11.7.1936:



Wie es dann weiterging kann uns vielleicht Wolfgang (saintex), der hier sicher mitliest, ;-) bei Gelegenheit erklären.

Die Rückseite des Briefs verrät uns neben der genauen Anschrift des Absenders auch noch wann und wo der Brief in der Tschechoslowakei ankam:



Nämlich fünf Tage später am 16.7. in Prag, hier nochmals im Detail der Ankunft-/Transitstempel für die Auslandspost (Cizina/Etranger) aus Prag:



Von dort war es dann nur noch ein "Katzensprung" rüber nach Karlsbad wo der Brief einen Tag später ankam und wir wieder dort wären wo ich oben anfing.

Viele Grüße,
Peter
 
Detlev0405 Am: 02.09.2018 06:35:04 Gelesen: 6729# 85 @  
@ filunski [#84]

Hallo Peter,

ich freue mich über jeden Beitrag, der nicht von mir ist - also danke auch für Deinen. :-)

Dein Brief hat aber die optimale Variante genutzt, nur 5 Tage Beförderung von Buenos Aires bis Prag ist für diese Zeit schon eine super Leistung. Ich mag solche Bedarfsbelege, Du hast ja in einem anderen Thread (Flugzeuge) selbst erlebt, welche Freude sie bei genauer Bestimmung auslösen können.

Zur Destination nach Europa wird Wolfgang bestimmt noch einen Kommentar abgeben - es gibt keinen, der das besser könnte.

Zum Ankunftsstempel in Prag mag ich aber noch ein Wort verlieren. Auch wenn er bei Horka nicht als Tagesluftpoststempel geführt wird und ich keinen Verweis auf diesen Stempel finde, ist er nach Mahr (Band 4, Seite 167 oben) eindeutig als Tagesluftpoststempel eingesetzt worden. Über die genaue Verwendung dieses Stempels finde ich in der Literatur so gut wie keine Informationen, aber ich habe inzwischen eine Arbeitshypothese.

In der 1. tschechischen Republik gab es offizielle Statements, nach denen es in der Tschechoslowakei keine Zensur gibt. Obwohl sich das in erster Linie auf die Presse bezog, war diese Aussage nun auch für das Postwesen verbindlich. Ich persönliche verfolge deshalb diesen Stempel unter dem Gesichtspunkt einer Zensurstelle für Auslandspost. Ob ich diese Hypothese einmal begründen kann, weiß ich noch nicht. Auffallend ist jedoch, dass der Einsatz eines Zensurstempels erst ab 1936 extrem vereinzelt zu beobachten ist (4 oder 5 stellige Nummernstempel). Ab März 1939 mit der deutschen Besetzung war Zensur aus dem Ausland eine völlig normale Tagesangelegenheit und offiziell auf den Belegen dokumentiert.

Viele Grüße
Detlev
 
Detlev0405 Am: 04.09.2018 05:35:05 Gelesen: 6563# 86 @  
Der zweite Beleg aus Bratislava, den ich hier vorstelle, ist eine Destination ins Ausland.



Adressat ist eine Ärztin in Paris, die offensichtlich Post von einem Familienmitglied aus Bratislava erhält. Aufgegeben am Postamt Bratislava 1 4b am 04.06.1937 gegen 19 Uhr – das Postamt befindet sich am westlichen Stadtrand – musste er dann zum Flugplatz am östlichen Stadtrand transportiert werden. Das waren etwa 10 km Luftlinie auf dem Landweg. Am Flugplatz erhielt die Sendung den für Bratislava typischen Abfertigungsstempel Horka RV15. Es ist auch das einzige 100% ige Merkmal für eine Luftpostbeförderung bereits von Bratislava. In Prag angekommen, wurde der Brief weiter bearbeitet, erhielt einen Abfertigungsstempel am 05.06.1937 um 09 Uhr. Von hier aus ging es dann per Luftpost weiter zum Bestimmungsort Paris.



In Paris wurde sowohl die Ankunft am Flugplatz als auch am Bestimmungspostamt für die Sendung mittels Stempel bestätigt. Während die Ankunft am Flugplatz noch am 05.06.1937 erfolgte, wurde die Zustellung am 06.06. bewerkstelligt.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 05.09.2018 20:05:47 Gelesen: 6466# 87 @  
Heute kann ich das Ergebnis meiner Nachfrage beim Postmuseum in Prag präsentieren zu der Diskussion in den Beiträgen [71], [72], [73] und [74].

Ich stelle erst einmal den Beitrag von Frau Dr. Zamrzlova in den Raum, der mir als erste Antwort einging.

„Sehr geehrter Herr Röhn,
 
ich sende Ihnen folgende Informationen.

Wir haben acht Stahlstempel in der Sammlung, die die Flugzeuge und die Prager Silhouetten vom 26. Juni 1938 zeigen, die sich nur durch die Bezeichnung a-h unterscheiden. Es handelt sich um Sonderstempeln zu der Briefmarkenausstellung Praga 1938. Wie Sie auf dem beigefügten Bild  sehen konnen, sind diese Stempel in der Sammlung des Postmuseums unter der Nummer 60-67 registriert (Signatur PPR1938/60 - PPR1938/67). Alle Sonderstempel PPR1938/60 - PPR1938/67 wurden für die Dauer der Prager Ausstellung verwendet.
 
Stempelabdrücke in den Inventar-Aufzeichnungen sind immer am ersten Nutzungstag datiert. Stempel in der Sammlung (physische Objekte) haben anderes Datum - den letzten Nutzungstag.
 
Die Signatur PPR1938/68 hat der betreffene Luftpoststempel. Auf dem Stempel im Inventar wurde das Datum des ersten Nutzungtages gestellt (26. VI. 1938), und umgekehrt – der Stahlstempel in der Sammlung hat das Datum des letztes Tages (4. VII. 1938). Die Nutzungsperiode zirka zehn Tage ist gewöhnlich. Die Daten würden vermuten lassen, dass der Stempel als Sonderstempel verwendet wurde.
 
Leider kann man uber der Stempel PPR1938/68 nicht Weiteres teilen, da der Stempel nicht der Standardausführung von Sonderstempeln entspricht. Es gibt keine zeitspezifische Gelegenheit, zu welcher der Stempel benutzt wurde (wie z. B. eine Ausstellung, wie es bei Praga der Fall ist). Daher sind wir geneigt zu glauben, dass dies eher ein Tagesstempel ist.
 
Wir halten jedoch Folgendes für interessant. Sonderstempel wurden zum Zeitpunkt der Übergabe an die Museumssammlungen (die Zeit unmittelbar nach ihrer Verwendung) im Museumsbestand „Sonderstempel“ registriert. Sie können auch die gescannte Seite (Inventar) von 1938 im Anhang sehen. Tägliche Poststempel hat damals das Postmuseum nicht gesammelt und sogar heute sammelt sie nicht. Daraus lässt sich folgern, dass der Stempel PPR1938/ 68 zum Zeitpunkt der Eintragung in Museumssammlungsakten als Sonderstempel wahrgenommen wurde; sonst würde es nicht in der Sammlung geschrieben werden. Leider gab es in den Sammlungen des Postmuseums keine ausführliche Dokumentation zu diesem Stempel, sondern nur ein Inventar. Es muss jedoch hinzugefügt werden, dass detaillierte Dokumentationen von anderen Stempeln aus diesem Zeitraum auch fehlen - es ist also nicht ungewöhnlich.
 
Beiliegend sende ich Ihnen noch die Informationsphotos von dem Sonderstempel aus den Sammlungen des Postmuseums.

Es tut mir leid, dass ich Ihre Fragen nicht genauer und bewiesenermaßen beantworten kann.

PhDr. Jitka Zamrzlová
kurátorka
odd. správa sbírkového fondu
zamrzlova.jitka@cpost.cz
+420 954 400 701
http://www.postovnimuzeum.cz "


Zusätzlich habe ich das Bildmaterial vom Stempel des Postmuseums bekommen.

Bild 1



Bild 2



Bild 3



Während die Bilder 1 – 3 den Stempel in verschiedenen Lagen zeigt, hat der Stempel auf Bild 4 einen interessanten Anhaltspunkt vermittelt.



Es ist eine seitliche Ansicht des Stempels, der die Datumsleiste offen legt. Und diese Datumsleiste offenbart, das der Stempel wohl für einen längeren Einsatz geplant war.

Also habe ich noch einmal Rückfrage beim Postmuseum in Prag gehalten und auf den Umstand aufmerksam gemacht. Postwendend schickte mir Frau Dr. Zamrzlova die schriftliche Bestätigung, das der Stempel für einen langfristigen Einsatz konzipiert war. Bild 5 und Bild 6 geben einen Einblick in die Details.

„Sehr geehrter Herr Röhn

Der Datenteil in der Mitte des Stempels besteht aus acht Stellräder mit immer 12 kleinen Flächen (das Monatsdatum in Form der römischen Ziffern I.-XII., andere in  arabischen Ziffern) Der Stempel war eindeutig für den langfristigen Einsatz bestimmt. Ich schicke Ihnen noch zwei Photos.

Mit freundlichen Grüßen

PhDr. Jitka Zamrzlová
kurátorka
odd. správa sbírkového fondu
zamrzlova.jitka@cpost.cz
+420 954 400 701
http://www.postovnimuzeum.cz";


Bild 5 und Bild 6 geben einen Einblick in die Details.

Bild 5



Bild 6



Somit sollte der Disput bezüglich dieses Stempels geklärt sein. Zum Vergleich zu dem Praga Stempel von 1938, der mit 8 verschiedenen Kennbuchstaben a – h an verschiedenen Postämtern zum Einsatz kam, war der Luftpoststempel ausschließlich für den Einsatz am Hauptpostamt Prag 1 bestimmt und das als Tagesstempel für die Aufgabe von Luftpostsendungen. Vergleiche Bild 7. Es war in diesem Stempel auch kein Bezug zur Praga 38 ersichtlich.

Bild 7



Somit war die Einordnung durch Dr. Horka in seinem Werk zur Luftpost der Tschechoslowakei berechtigt. Es wird ein Mysterium bleiben, warum dieser Stempel im Format eines Sonderstempels gefertigt wurde.

Die Bilder sind Eigentum des Postmuseums Prag und werden wie die Beiträge mit ausdrücklicher Genehmigung von Frau Dr. Zamrzlova veröffentlicht (http://www.postovnimuzeum.cz ). Sowohl bei Ihr als auch den Mitarbeitern des Museums bedanke ich mich ausdrücklich für die Hilfe.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 11.09.2018 08:46:30 Gelesen: 6107# 88 @  
Heute möchte ich mich einem Thema widmen, das in der tschechoslowakischen Luftpost im Jahre 1927 seinen Anfang nahm. Ich spreche von den Sonderkarten, die zu den Erstflügen jeweils herausgegeben wurden. Die erste Karte wurde zum Erstflug 1927 Berlin – Prag – Wien aufgelegt. Zur Illustration zwei Beispiele aus der späteren Zeit, weil hier auch verlässliche Zahlen vorliegen.



Zuerst möchte ich die Karte für den Erstflug Prag – Brüssel zeigen. Am 05.04.1937 wurde der Flug nach Brüssel durchgeführt. Der Aufgabestempel von Prag 82 verweist auf den Erstflug. In Brüssel wurde ordnungsgemäß ein Ankunftsstempel abgeschlagen. Im bräunlichen Ton findet sich auch ein Stempel der Sabena – belgische Luftfahrtgesellschaft. Das hat so seine Richtigkeit, denn der Flug wurde auf der Strecke sowohl von der CSA als auch der SABENA gemeinschaftlich betrieben. Auf der Kartenvorderseite eine stilisierte Darstellung der Flugstrecke, die wir in dieser Form auch auf weiteren derartigen Karten wieder finden werden. Und nun das besondere – während die Karte in einer Stückzahl von etwa 1500 Exemplaren auf der Strecke befördert wurde, gab es insgesamt nur 410 „normale“ Erstflugbelege aller Art auf dieser Strecke. Folgerichtig ist bei Horka diese Karte auch nur mit 120 Kc bewertet. Wirklich Wert steigernd ist die Einzel Frankatur der 2 Kc Marke (ca. 250 Kc).



Die zweite Karte stammt vom Erstflug der CSA und der italienischen Luftfahrtgesellschaft ALA LITTORIA auf der Strecke Prag – Bratislava – Klagenfurt – Triest – Venedig und retour. Der Flug fand am 15.05.1937 sowohl nach Venedig als auch zurück statt. Ordnungsgemäß mit dem italienischen Erstflugstempel aufgegeben, war er am Flughafen Prag mit dem Gegenstempel vom Erstflug Prag 82 bestätigt worden. Vom Hinflug liegen konkrete Zahlen vor, etwa 2000 dieser Karten und nur 119 „normale“ Belege aller Art. Auch hier auf der Rückseite die stilisierte Darstellung der Fluglinie. Bei Horka wertet diese Karte 100 Kc .

Es sind zweifelsfrei sehr attraktive Karten zur Dokumentation dieser Erstflüge, die auch mir gefallen. Damit komme ich aber auch gleichzeitig auf ein Problem. Diese Propagandakarten wie sie Horka bezeichnet (für mich einfache und effektive Werbekarten) sind immer überproportional zu den „normalen“ Belegen auf den Erstflugstrecken befördert worden. Das liegt auch daran, dass die CSA in Eigenregie diese Karten, geflogen, veranlasst hat. Wer sich für diese Karten interessiert, sollte Geduld haben und sie nur zwischen 5 – 10 Euro erwerben. Und vor allem nicht auf solche Gebote eingehen, wie ich sie kürzlich bei Ebay gesehen habe – für Prag – Moskau 120 Euro Einstandspreis. Auch wenn diese Karte attraktiv aussieht, mehr als 100 Kc ist sie Horka nicht wert. Kein Wunder, wenn auf dieser Strecke 2000 der Sonderkarten befördert wurden, aber nur 239 „normale“ Erstflugbelege. Hier stimme ich auch nicht mit der Einschätzung des Michel Katalog zum Erstflug Berlin – Dresden – Prag – Wien überein, der für die Karten einen Zuschlag von 40% fordert. Bei Horka gibt es auf allen Etappen einen Abschlag zu „normalen“ Erstflugbelegen, einen Abschlag von etwa 60%. Und das deckt sich auch mit meinen Marktbeobachtungen. Die Sonderkarte ist weitaus öfters anzutreffen auf allen Teilstrecken als die „normalen“ Luftpostbelege.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 17.09.2018 19:19:54 Gelesen: 5798# 89 @  
Mit etwas Glück findet man auch nach längerem Sammeln innerhalb Europas völlig „neue“ Destinationen und das macht die Suche so spannend.



Heute geht es von Bratislava nach Saarbrücken im Saargebiet. Zu der Zeit 1931 war das Saargebiet noch Mandatsgebiet des Völkerbundes als Ergebnis des I. Weltkrieges. Das heißt, konkret war das Saargebiet völkerrechtlich Teil des Deutschen Reiches, wurde aber vom Völkerbund verwaltet bis zur vorgesehenen Volksabstimmung im Jahre 1935.

Los ging es am 04.05.1931 um 9 Uhr in Bratislava 1 4f. Wie schon bei der vorhergehenden Post aus Bratislava erläutert, gibt uns nur der Zusatzstempel zur Luftpost Auskunft darüber, dass dieser Brief bereits ab Bratislava mit Luftpost befördert wurde.



Es ist diesmal aber der rahmenlose Stempel, bei Horka unter RV14 registriert. Auffallend – der Einsatz des Stempels wird dort nur von 1926 – 1930 registriert. Da der Rahmenstempel in Bratislava erst 1932 zum Einsatz kam, gehe ich hier von einer Spätverwendung des Stempels aus.

Der Stempel vom Flugplatz Prag zeigt die weitere Bearbeitung des Briefes am folgenden Tag, 05.05.1931, gegen 10 Uhr. Und nein, der Brief brauchte von Bratislava nach Prag keinen ganzen Tag. Es ist vielmehr das Mysterium der Prager Luftpoststempel bis 1939, dass sowohl der runde Stempel als auch der quadratische Stempel sowohl für die Abfertigung als auch für die Ankunft benutzt wurden. Sie werden beide auch bei Horka zusammen als Tagesstempel für Luftpost geführt. Mir ist bisher nicht bekannt, nach welchem System welcher Stempel zum Einsatz kam, zumal das Postamt 82 zeitgleich beide Stempeltypen im Einsatz hatte. Also ist unser Stempel heute als Abfertigungsstempel für den Flug nach Saarbrücken zu betrachten.

Die Ankunft in Saarbrücken auf dem Flugplatz wird durch den roten Flugpostbestätigungsstempel Mi.Nr. F 89-02 dokumentiert. Da kein weiterer Stempel die Strecke von Prag nach Saarbrücken dokumentiert, kann man nur von einer möglichen Beförderung ausgehen. Es gibt zwei Varianten:

1. Mit der CIDNA von Prag 16.05 Uhr am 05.05. über Nürnberg an 17.47 Uhr nach Paris an 22.14 Uhr auf der Strecke 471 und weiter ab Paris am 06.05. um 08.25 Uhr an Saarbrücken 10.50 Uhr auf der Strecke 11.

2. Mit der DLH wäre die Beförderung von Prag nach Nürnberg auf der Strecke 471, von Nürnberg ab 06.05. um 14.45 Uhr nach Frankfurt am Main an 16.15 auf der Strecke 45. Erst am 07.05. um 15.25 Uhr wäre die Weiterbeförderung auf der Strecke 11 nach Saarbrücken möglich, an 10.50 Uhr.

Da mag sich jeder seine eigene Meinung bilden.

[1] https://flughafenbb.files.wordpress.com/2015/09/deutsche-luft-hansa-ag-sommer-1931-05-01-bis-1931-08-31.jpg
 
saintex Am: 21.09.2018 23:06:57 Gelesen: 5610# 90 @  
@ Detlev0405 [#89]

Hallo Detlev,

zu Deinem Beitrag [#89] gestatte ich mir eine Ergänzung. Es gab im Mai 1931 noch eine dritte Variante der Flugverbindung zwischen Prag und Saarbrücken, beflogen von der Lufthansa: mit Linie 162 (Breslau-Prag-München) ab Prag 10:00 Uhr nach München an 12:35 Uhr und ab München mit Linie 52 (München-Stuttgart-Mannheim/Ludwigshafen/Heidelberg-Saarbrücken) ab München 13.15 Uhr an Saarbrücken 16:35 Uhr.

Die Flugverbindung Prag-Saarbrücken über die Fluglinien 162 und 52 ist im Übrigen auch im Reichs-Luftkursbuch Sommer 1930 für die Beförderung von Passagieren und Fracht angegeben.



Da beide Linien ausweislich des von Dir im Betrag [#89] eingestellten Sommer-Flugplans 1931 auch im Sommer 1931 in Betrieb waren und sich die Abflug- und Ankunftszeiten im Verhältnis zum Sommer 1930 nur geringfügig geändert hatten, gehe ich davon aus, dass Dein Luftpostbrief aus dem Beitrag [#89] von der Lufthansa über die Linien 162 und 52 von Prag nach Saarbrücken befördert wurde. Dies umso mehr auch deshalb, weil die Luftpost über diese Flugverbindung – anders als über die von Dir aufgeführten Varianten 1 und 2 – Saarbrücken noch am gleichen Tag nachmittags erreicht hat.


MfG Wolfgang
 
Detlev0405 Am: 22.09.2018 09:49:00 Gelesen: 5527# 91 @  
@ saintex [#90]

Hallo Wolfgang,

ja das wäre wohl die logischere Variante für die Beförderung des Briefes. Ich habe diese (sie ist auch im von mir angegebenen Flugplan ersichtlich) aber mit einem Fragezeichen bei mir versehen, weil ich mir nicht im Klaren war, was der Poststempel vom Prager Flughafen um 10.00 Uhr aussagt. Dazu brauche ich dann einen praktischen Rat von Dir.

Bedeutet der Stempelabschlag 10.00 Uhr, das der Brief zu der Zeit am Schalter bearbeitet wurde oder gibt es hier ein Zeit Fenster, das das erreichen der Maschine um 10.00 Uhr noch ermöglicht ? Da der Brief aus Bratislava ja schon am Vorabend in Prag aufgeliefert wurde, war ja genug Zeit, um den Brief für den 10.00 Uhr Flug vorzubereiten.

MfG Detlev
 
Detlev0405 Am: 25.09.2018 09:16:35 Gelesen: 4653# 92 @  
Heute gibt es die Gegenstrecke zum letzten Beleg [#89] – Saarbrücken nach Prag.



Nach der Volksabstimmung wurde das ehemalige Saargebiet ab dem 01.03.1935 wieder dem Deutschen Reich eingegliedert. Somit hat die Karte auch einen symbolischen Charakter als Gruß nach Prag. Eigentlich eine sehr eindeutige Destination – Saarbrücken über Frankfurt am Main und Nürnberg nach Prag, recht ordentlich auch dokumentiert mit entsprechenden Stempeln. Beim Blick in Details hatte ich jedoch zwei Fragen, die mir Wolfgang klären konnte. Zum Ersten der Stempel vom Flughafen in Nürnberg. Ich konnte ihn im Michel nicht finden. Kein Wunder, war doch im Michel bei den Flugplatz-/Flughafenbestätigungsstempeln unter der Nummer A 51-01zwar der richtige Stempel beschrieben aber in der Abbildung ein falscher Stempel wider gegeben worden (vgl. Seite 394).



Die zweite Hürde war – ich fand zwischen Saarbrücken 2 (Hauptpostamt) und Nürnberg im vorgegebenen Zeitrahmen keine Flugverbindung der DLH. Dabei ignorierte ich konsequent, das diese Entfernung von etwa 300 km auch per Bahn zurück gelegt werden kann. Wolfgang hatte den passenden Holzhammer für mich parat. Beim Prüfen der DLH Verbindungen komme ich bei Nürnberg – Prag auf eine logische Verbindung im Zusammenhang mit den Stempeln. Abgang Nürnberg 12.20 Uhr und Ankunft Prag 13.55 Uhr. [1] So wurde die Karte eine Kombination von Bahn- und Luftpost.

Gruß
Detlev

[1] https://flughafenbb.files.wordpress.com/2015/09/lufthansa-winterflugplan-1934-1935.jpg
 
Detlev0405 Am: 02.10.2018 09:40:03 Gelesen: 4355# 93 @  
Unser heutiger Brief kommt aus Linköping in Schweden und geht nach Olmütz ( Olomouc ) in der Tschechoslowakei.



In Linköping aufgegeben am 29.04.1929, musste er auf dem Landweg nach Malmö, um dort in ein Flugzeug zu gelangen. Der erste Flugplatz wurde in Linköping erst in den 30er Jahren gebaut.

Von Malmö ging der Brief per Luftpost über Kopenhagen – Hamburg – Berlin nach Prag. Von dort aus ging es dann auf dem Landwege zum Zielort Olmütz.



Beachtenswert ist der Ankunftsstempel in Prag auf dem Flugplatz. Es handelt sich um den Stempel der Auslandsabteilung (Cizina) des Flugplatzes in Prag 7. Er ist gleichberechtigt eingesetzt worden neben den anderen Luftpoststempeln am Flugplatz. Ob dieser Stempel zum Einsatz kam, weil die Post einer speziellen Kontrolle unterzogen wurde, vermag ich nicht zu bestimmen. Eine Zweckbestimmung habe ich aber inzwischen herausgefunden – der Stempel wurde als Abgangsstempel für Flugpost verwendet, die zum Beispiel nach Athen per Bahn auf den Weg gebracht wurde.

Rudolf von Kulmburg war einer der Honoratioren der Stadt zu seinen Lebzeiten, Briefmarkensammler und Aussteller auf der Daposta 1937. Er ist Ehrenmitglied der Vereinigung Alt – Neustadt in Wien, einer Vereinigung von Absolventen der Theresianischen Militärakademie Wien.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 08.10.2018 14:15:52 Gelesen: 4033# 94 @  
Der heutige Beleg wird uns zeigen, das es bei der Bestimmung der Flugrouten nicht nur Kenntnis über die jeweiligen Flugpläne und Fluglinien benötigt, sondern auch Kenntnisse über historische Gegebenheiten der jeweiligen Region. Diese Analyse ist in bewährter Zusammenarbeit mit Wolfgang (saintex) entstanden und hat ein weiteres Mal gezeigt, das sein Spezialwissen unverzichtbar ist. Aus diesem Grund habe ich auch die Darstellung des Beleges in einer anderen Form gewählt, als These und Antithese. So kann jeder die Gedankengänge zu dem Beleg nachvollziehen.



Der Reihe nach. Während in Deutschland Luftpostbelege mit Freistempel relativ oft vorkommen, ist das in der Tschechoslowakei eher eine seltene Form der Frankierung gewesen. Absender ist die Poldi Hütte in Kladno, ein Betrieb der Stahlindustrie. Zulieferer z.B. von Stahl für den Rennwagen Blitz von Benz oder der Harbour Bridge in Sydney. Der Adressat ist eine Firma in Kalkutta (Indien).

Der europäische Teil des Fluges bis Athen war bei der Untersuchung unumstritten. Es war nur schwer, das entsprechende Material zu finden, da es keine Beförderung von einer einzigen Luftpostlinie war. Die Verbindung ging über Wien – Prag ab 17.00 an Wien 18.30 Uhr am 01.06. Von Wien am 02.06. 13.10 ab und an Budapest 14.15 Uhr. Ab Budapest um 15.00 nach Belgrad an 16.05. Uhr. Ab Belgrad 16.20 (So = Samstag) an Sofia 19.30 Uhr. Dienstag (U = Dienstag) den 05.06., um 14.55 nach Saloniki an 16.10 Uhr und weiter nach Athen um 16.30 Uhr. Dort Ankunft um 18.30 Uhr. Nur diese Verbindung passt in den Zeitrahmen und korrespondiert auch mit den jeweiligen Wochentagen, an denen die einzelnen Strecken betrieben wurden und wäre ein Argument für beide Luftpoststempel.



Optimistisch habe ich dann auch versucht, die Strecke Athen – Kalkutta mit dem vorliegenden Material zu analysieren. So kam meine These zustande:

„Ich habe zuerst einmal die Tage enträtselt - 01.06.34 Prag ein Freitag , 06.06.34 Athen war ein Mittwoch, 10.06.34 Karachi ein Sonntag und der 13.06.34 in Kalkutta ein Mittwoch. Dann habe ich mir die Flugpläne angesehen - Athen flog die Air France am Mittwoch und auch die Ankunft in Karachi stimmt mit dem Air France Plan überein. Als ich dann auf Kalkutta gesehen habe, fand ich nur die KLM, die an diesem Tag dort eintraf. Und plötzlich verstand ich den Stempel auf der Vorderseite aus Karachi. Es ist kein Durchgangsstempel wie ich zuerst vermutet hatte, sondern ein Flugunterbrechungsstempel. Irgend etwas lief wohl schief mit der Air France Maschine, so das die Post mit der nächsten, einer KLM
Maschine, weiter geleitet wurde. Die KLM Maschine traf am Mittwoch in Kalkutta ein.“


Soweit so gut – oder eben nicht. Meine These berücksichtigt keine Flugverspätungen, geschweige denn die politischen Veränderungen in Indien seit Beginn der 30er Jahre.

So kommt Wolfgangs Gegenthese doch zu einem anderen Ergebnis:

„Aufgrund der Stempeldaten von Athen (6.6.1934) und Karachi (10.6.1934) kommt nach den in der aerophilatelistischen Literatur u.a. von Proud[1] und TSchroots[2] veröffentlichten Flugdaten nach meiner Meinung nur eine Beförderung Deines Luftpostbriefes auf der Fluglinie der KLM Amsterdam – Bandoeng in Betracht: mit Flug Nr. 186 ab Amsterdam am 7.6.1934 (Donnerstag), an Athen 8.6.1934 (Freitag), an Karachi 10.6.1934 (Sonntag). Dieser Flugablauf stimmt auch mit dem in der für die Monate Mai/Juni 1934 gültigen Luftpostliste veröffentlichten Flugplan für die Luftpostlinie Amsterdam – Bandoeng überein.
Richtig ist, dass aufgrund der in den zeitgenössischen Flugplänen der Air France angegebenen Abflug- und Ankunftszeiten zunächst auch eine Beförderung Deines Luftpostbriefes mit der Air France denkbar wäre. Diese Möglichkeit scheidet nach meiner Ansicht jedoch aus folgenden Gründen aus:
….
Entscheidend kommt aus meiner Sicht jedoch hinzu, dass der Air France Flug, der am 6.6.1934 in Marseille begonnen hatte, nach den Angaben bei Proud[3] abweichend vom Flugplan erst am 12.6.1934 (Dienstag) in Karachi angekommen war. Ein Grund für die zweitägige Verspätung wird bei Proud nicht angegeben. Treffen die Angaben bei Proud zu, kann Dein Luftpostbrief nicht mit der Air France befördert worden sein, da Dein Luftpostbrief ausweislich des Hinweisstempels bereits am 10.6.1934 und damit zwei Tage vor der Air France Maschine in Karachi eingetroffen war, was meine These der Beförderung durch die KLM erhärtet.
In Karachi wurde die für Brit. Indien, Burma und Ceylon bestimmte Luftpost ausgeladen und auf „gewöhnlichem Weg“ bis zum Bestimmungsort weiterbefördert. Wörtlich heißt es im Handbuch von TSchroots in einer Anmerkung zur Luftpostlinie Amsterdam-Bandoeng für das Jahr 1934[4]: De correspondentie vanuit Nederland voor geheel Brits Indie, Birma en Ceylon wordt in Karachi gelost en vandaar met de bestaande middelen van vervoer doorgezonden. Aus diesem Grund wurde in Karachi auch der Hinweisstempel CANCELLED auf dem tschechischen Luftpostaufkleber angebracht, zum Zeichen dafür, dass die Luftpostbeförderung in Karachi endete. Diese eigenartige Regelung der Luftpostbeförderung über das Territorium Brit. Indiens soll u.a. politische Gründe gehabt haben, insbesondere dem allmählich erstarkenden indischen Nationalgefühl und dem Wunsch nach Eigenstaatlichkeit widerstrebte die Gewährung von Verkehrsrechten an ausländische Luftverkehrsgesellschaften ohne Gegenseitigkeit. Auch die Gründung eigener indischer Fluggesellschaften, z.B. durch den Tata-Konzern, die Fluglinien innerhalb Indiens aufbauten, scheint eine Rolle gespielt zu haben. Vermutlich wird auch die britische Fluggesellschaft Imperial Airways Einfluss auf die indische Kolonialregierung genommen haben, um sich der niederländischen KLM als einem lästigen Mitbewerber zu erwehren.“

Erhärtet wurde diese Darstellung durch Wolfgangs ergänzende Information, die eine zeitgenössische Darstellung des Kampfes um die Lufthoheit in Indien dokumentiert.

„Bei Proud habe ich noch die in der Anlage beigefügte von Anfang Oktober 1933 datierende Bekanntmachung der Indischen Post gefunden. In Ziff. 4. enthält die Bekanntmachung die Klarstellung, dass Luftpost innerhalb Indiens nicht von der K.L.M. oder der Air Orient (Vorläufer der Air France) befördert wird und dass Luftpost aus Europa nach Bestimmungsorten in Indien und Burma in Karachi ausgeladen wird (… will be dropped at Karachi). Damit liegt auch eine zeitgenössische postalische indische Quelle vor, die bestätigt, dass die Luftpostbeförderung Deines Luftpostbriefes in Karachi endete.“




Dieses Dokument ist ein wichtiger Beweis für die Behauptung von Wolfgang, das es restriktive Maßnahmen seitens der indischen Regierung gab, um die eigene Luftfahrt zu fördern und zu schützen. Es wird bei einem späteren Beitrag in meinem Thread noch eine wichtige Rolle spielen und bewiesen werden mit einem Beleg. Somit ist dieser Beleg nicht nur beeindruckend durch die seltene Verwendung von Freistempeln im internationalen Luftpostverkehr der Tschechoslowakei, sondern auch eine Dokumentation zu den Anfängen der selbständigen Luftpost in Indien.

Quellen:

[1] Edward B. Proud, Intercontinental Airmails, Vol. 2 Asia and Australasia, Großbritannien 2009
[2] TSchroots, Luchtvaart en Luchtpost encyclopedie, Teil 1 (bis 1935), Amsterdam 1990
[3] Proud Vol. 2 Seite 804
[4] TSchroots Teil 1 Seite 627
[5] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3405/cls345-4.jpg
 
Detlev0405 Am: 15.10.2018 19:35:40 Gelesen: 3764# 95 @  
Wir haben Post aus Ceylon bekommen (heute Sri Lanka). Und erinnern uns daran, das uns Wolfgang (saintex) im letzten Beitrag einen entscheidenden Hinweis für die Entwicklung einer eigenständigen indischen Luftfahrtgesellschaft gegeben hat und dem ich auch wieder für seine Korrekturen danke.



Unser heutiger Beleg demonstriert auf eindrucksvolle Weise den Fortschritt der indischen Luftfahrt in den 30er Jahren. Von Colombo wurde der Beleg nach Karachi mit der Bahn und Tata Airlines befördert. Aufgegeben am 20.03.1937 fand der Brief seine planmäßige Beförderung mit der Bahn von Colombo (ab 20.15 Uhr Hbf.) nach Madras (an 06.35 Uhr Hbf.) mit dem Indo-Ceylon-Epress. [1] Von Madras ging der Brief am Montag den 22.03. 14.00 Uhr mit der Tata Airlines nach Karachi. Dort kam er am nächsten Tag gegen 18.10 Uhr an.

Auffallend die schöne Frankatur mit Werten aus Michel Nr. 216 -223 von Ceylon. In Karachi fand der Brief dann am Mittwoch, den 24.03., Anschluß an den Flug der Imperial Airways nach Europa. Ein langer Weg stand ihm bevor – über Oman am 25.03., Kuweit und Bagdad am 26.03., Alexandria am 27.03. weiter nach Athen, Brindisi nach Paris LeBourget, wo er am Donnerstag den 29.03.1937 gegen 09.30 Uhr ankam. [2]



Hier wurde der Brief umgeladen in eine Maschine der Air France und erreichte Prag über Straßburg am 30.03.1937. Auch wenn der Brief einen gewissen Umweg nahm, war es die schnellste Verbindung für ihn. Flüge mit der KLM oder Air France hätten mehr Zeit in Anspruch genommen, weil die Abflugtage für den Brief ungünstig lagen. Auch wenn die Strecke als solche wesentlich kürzer gewesen wäre.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/il/il38/il38i3.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/iaw/iaw36u/iaw36u-2.jpg
 
Detlev0405 Am: 22.10.2018 09:00:39 Gelesen: 3448# 96 @  
Heute fliegt unsere Karte mal wieder von Prag ab hat eine etwas seltenere Destination. Sie will unbedingt nach Bochum.



Dabei hat sie Glück, denn am 10.08.1926 wurde von der CIDNA die erste Postbeförderung auf der Strecke Prag – Nürnberg – Straßburg – Paris durchgeführt. So war es einen Monat später kein Problem, die Reise bis nach Nürnberg anzutreten. Am Flugplatz Prag am 08.09.1926 aufgegeben, erhielt die Karte auch den Rahmenstempel nach Horka RV2a in Rot.



Merkwürdig sicherlich die Verwendung des Luftpostaufkleber für die Strecke Prag – Straßburg, aber korrekt, da die Beförderung durch die CIDNA erfolgte und die uns geläufigen blauen gezähnten Aufkleber erst 1929/30 in Verkehr kamen.

Da der Flug von Nürnberg weiter ging mit der DLH, wurde also umgeladen. Deshalb auch der Ankunftsstempel Michel Nr. 81-01 b in violett von Nürnberg. Von Nürnberg wurde die Karte weiter geleitet über Frankfurt/M – Köln nach Essen/Mühlheim (vgl. [1]).

Wann sie letztendlich dort ankam, entzieht sich leider meiner Kenntnis (fehlender Ankunftsstempel mit Datum).

Gruß
Detlev

[1] https://flughafenbb.files.wordpress.com/2017/12/1926-12-18-schweizerische-bauzeitung.jpg
 
Detlev0405 Am: 26.10.2018 15:45:09 Gelesen: 3108# 97 @  
Heute möchte ich zu mehreren Anfragen Stellung nehmen - es geht um tschechische Belege sowohl zur Zeppelinpost als auch zur Schleuderpost verschiedener Dampfer nach Nord- und Südamerika.

Ich klammere diesen Teil der tschechoslowakischen Luftpost bewusst aus bei meinen Betrachtungen und das aus verschiedenen Gründen:

1. Die gesamte Schleuderflugproblematik ist in seinen Ursprüngen eine deutsche Erscheinung. Tschechoslowakische Belege mit ausschließlicher tschechischer Frankatur werden in der Fachsprache als "Durchrutscher" bezeichnet und basieren auf Zufall, keiner geregelten Luftpostbeförderung.

2. Bei Zeppelinbelegen gab es ab 1932 für die Tschechoslowakei den Status eine Vertragsstaates und somit die geregelte Möglichkeit zur Auflieferung von Post zu den einzelnen Sonderflügen. Im Wesen blieb es aber eine Veranstaltung der deutschen Luftpost und ging über den Charakter einer Tagesluftpost hinaus.

3. Das dritte und wohl wesentliche Argument - die meisten Belege zu beiden Themen befinden sind in festen Händen. Hinzu kommen Preise, die pro Stück immer im guten 3 stelligen Bereich liegen. Beide Fakten schränken selbstverständlich das "Interesse" an solchen Belegen von vorn herein ein.

Saintex hatte im Beitrag [#15] schon auf eine Publikation zu tschechischen Sammlungen und Sammlungen zur tschechoslowakischer Thematik aufmerksam gemacht. Für alle die, die sich einmal mit der tschechoslowakischen Zeppelin und Schleuderflugpost visuell beschäftigen möchten, empfehle ich die Sammlung von Georg Wilhelms in diesem Link von Wolfgang. Nach meiner Übersicht ist diese deutschsprachige Ausstellungssammlung bezüglich der Vertragsstaaten Post zu den Zeppelinen mit allen Belegen zu den bekannten und belieferten Flügen vertreten.

Eine Klasse Dokumentation.

http://www.exponet.info/exhibit.php?exhibit_ID=176&lng=DE#

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 29.10.2018 13:10:17 Gelesen: 3021# 98 @  
Eigentlich gehört die Luftpost zwischen Prag und Wien zu den ursprünglichen Linien der tschechoslowakischen Luftpost und hätte schon längst einmal vorgestellt werden müssen. Gut Ding will aber Weile haben. So kann ich heute einen Brief vorstellen, der von der Jubiläumsausstellung der tschechischen Philatelisten ( 25.09. - 02.10.1927 ) in Prag abgeschickt wurde. Darauf verweist der Sonderstempel von der Ausstellung.



Offensichtlich war der Aufgabestempel vom 27.09.1927 auf der Ausstellung geführt worden, denn es gibt keinen Vermerk zum Hauptpostamt Prag 1 oder andere Postämter. Daher lief der Brief erst am 28.03. beim Postamt am Flughafen auf. Hier wurden dann alle Stempel auf den Brief gebracht, die zu dieser Zeit vorrätig waren. So der obligatorische Stempel von Prag 82 b , der seit 1926 im Einsatz war. Hinzu kommt der Rahmenstempel Horka RV2a in Rot.



Die Krönung des Briefes ist aber der ungewöhnliche Leitstempel in tschechisch und französisch „Luftpost von Prag nach …...“ und handschriftlichem Eintrag des Zielortes – hier nach Wien.



Dieser Stempel war nur 1926 und 1927 im Einsatz. Registriert bei Horka unter der Nummer RV6 ist dort auch ein ähnlicher Beleg unter Obr. 164 zu finden. Innerhalb von 4 Stunden war der Brief dann in Wien, wie der Ankunftsstempel zeigt.

Weiterhin beachtenswert an dem Beleg ist die Tatsache, das er aus der Sammlung von Simon Hucl stammt. Er war in den 20er Jahren ein anerkannter Sammler tschechoslowakischer Luftpost und hat seine Ergebnisse in der Zeitschrift „Die Postmarke“, Wien 1928, Seite 257 ff. veröffentlicht.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 05.11.2018 09:21:51 Gelesen: 2602# 99 @  
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, auch bei den Luftpostbelegen in die Tschechoslowakei. Seit dem 01. - 10.Oktober 1938 wurde das Sudetenland an Deutschland angegliedert, damit begann die Zerschlagung der Tschechoslowakei.



Unsere heutige Karte kommt aus der Schweiz und wurde am 11.11.1938 in Zürich aufgegeben. Es gab zwar im Jahre 1930 die Eröffnung einer Direktverbindung von Prag nach Zürich ( Basel ) mit der Ad Astra, aber diese Verbindung wurde Ende September 1931 mangels Auslastung eingestellt. So blieb nur die Beförderung über Straßburg, wo die Karte am 12.11.1938 ankam. Von dort aus übernahm die Air France und lieferte die Karte in Prag ab. Abweichend von der bisherigen Praxis wurde die Karte nicht am Flughafen Prag mit dem Ankunftsstempel versehen.



Ich gehe davon aus, das die gesamte Post des Fluges direkt bei der zuständigen Zensurstelle aufgeliefert wurde. Sowohl der Stempel „Censurovano“ als auch der 5 stellige Stempel des Zensors zeugen von der Sonderbehandlung der Karte. Erst danach wurde die Karte vom Zustellpostamt Prag 31 9a als Eingang quittiert. Das Postamt befand sich im Stadtteil Vinohrady.

Auf der Vorderseite ist eine DC 2 der Swiss Air zu sehen mit dem Kennzeichen HB – ITE. Sie wurde 1935 angeschafft und flog bis 1952 bei der Airline. Anschließend wurde sie an die Phoenix Airlines in Südafrika verkauft.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 12.11.2018 07:57:59 Gelesen: 2299# 100 @  
Eigentlich wird die Etappe Kosice – Prag durch die CSA bereits seit dem 12.05.1924 betrieben und unter diesem Aspekt hatte ich die Karte erworben – als normale Bedarfspost im Jahre 1929 auf der Strecke.



Es handelt sich um eine Ganzsache CDV 37 I.typ nach dem Spezialkatalog Prag 1988 mit der Zusatzfrankatur einer Mi.Nr. 199 . Auch wenn der Luftpostaufkleber bei Horka (Nr. NP3) erst 1930 registriert wird, ist er schon 1929 anzutreffen. Ordnungsgemäß wurde der Flugplatz Stempel Horka R7 als Nachweis zur Beförderung abgeschlagen.

Routinemäßig habe ich noch das Datum des Fluges geprüft und nicht schlecht gestaunt. Denn am 06.05.1929 fand der Erstflug Uzhorod-Kosice-Bratislava-Brno-Praha und retour statt. In allen Nachschlagewerken sind die Teiletappen sowohl von Prag als auch Uzhorod verzeichnet, aber Zwischenetappen wie Kosice – Prag wurden wohl nur sehr wenig genutzt und sind damit kaum bekannt. Damit wurde aus einem ursprünglich als Bedarfsbeleg erworbenen Beleg eine recht seltene Destination von einem Erstflug. Die letzte Etappe nach Liberec legte die Karte per Bahn zurück.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 19.11.2018 08:14:51 Gelesen: 1959# 101 @  
Heute freue ich mich, an die Beiträge [#58] und [#69] anknüpfen zu können und den Flugplatzstempel von Uzhorod zeigen zu können.



Die Karte wurde am 29.08.1936 am Flugplatz in Uzhorod gegen 12 Uhr aufgegeben. Der Stempel ist bei Horka unter der Nr. R9 registriert und war von 1929 – 1938 im Einsatz. Die direkte Verbindung Uzhorod – Prag war noch nicht möglich, da die Strecke Moskau – Uzhorod – Prag genau einen Tag später eingeweiht wurde. So ist es um so bemerkenswerter, das die Karte auf der „Etappenpost“ nach Prag ging und von dort per Bahn oder Postauto nach Pilsen, wo sie am nächsten Tag früh um 5 Uhr bereits Postamt Plzen 1 ankam.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 26.11.2018 08:19:03 Gelesen: 1752# 102 @  
Unser heutiger Beleg ruft erst einmal Kopfschütteln hervor – weil er im Horka überhaupt nicht registriert ist. Am 05.04.1937 gab es den Erstflug Prag – Brüssel,er ging auch über Essen. Dieser Flug startete aber bereits früh um 8.00 Uhr von Prag.



Unser Flug verließ Prag aber erst um 14.00 Uhr. Auch bei Mahr findet sich kein entsprechender Hinweis. Zuerst habe ich auch gedacht, der Beleg als Erstflug nach Frankfurt/Main ist ein Fake, zumal der Brief in 5 Stunden bereits in Essen angekommen war.

Zum Glück blieb mir noch der Michel Luftpost Spezial und dort stieß ich tatsächlich auf einen Erstflug zwischen FFM und Prag sowie retour. Unter der Nummer 37.4 – 02 ist mein Beleg tatsächlich registriert. Durchgeführt wurde der Flug von der DLH auf der Strecke.

Blieb noch die Frage, ob der zeitliche Ablauf auch eine Beförderung zuließ. Nach dem Flugplan Sommer 1937 der DLH ging der Brief um 14 Uhr in Prag ab. In Frankfurt/Main traf er um 16 Uhr ein,, von wo er um 17.20 Uhr nach Dortmund weiter geleitet wurde. Dort kam er 18.10 Uhr an und ging nach Essen um 18.20 Uhr ab. Ankunft Essen um 18.35 Uhr und somit stimmt auch der Ankunftsstempel in Essen.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 03.12.2018 17:23:12 Gelesen: 1512# 103 @  
Unsere heutige Karte erfordert wieder einmal ein etwas komplizierteres Um-die-Ecke-Denken. Was auf den ersten Blick sehr offensichtlich erscheint, ist es aber nicht.



Der Beleg geht von Marienbad am 01.06.1930 nach Köln, eine etwas ungewöhnliche Destination. Dafür verschwand der Beleg ja auch wieder in der Sammlung von Herrn Hucl. Auf den ersten Blick ging die Karte von Marienbad über Chemnitz – Leipzig nach Köln. Tut sich aber ein großes Fragezeichen auf. Warum ist die Karte erst am 07.06.1930 von Chemnitz aus weiter befördert worden ? Und warum geht die Karte über Chemnitz nach Leipzig, wenn doch 1930 auch eine direkte Verbindung von Marienbad nach Leipzig bestand ? Und beide Streckenführungen von der DLH bedient wurden ?

Also komplett umdenken. Der Beleg ging am 01.06.1930 mit dem Flug 655 um 09.30 Uhr nach Leipzig ab und traf dort um 10.50 Uhr ein. Um 11.25 Uhr ging es auf der Linie 156 direkt nach Köln weiter wo er um 14.05 Uhr eingetroffen war.



Das wird auch durch den Flugbestätigungsstempel Michel Nr. F 63-06 am Kölner Flughafen bestätigt. Nun trat er sein Dasein als postlagernde Sendung an – für 5 Tage. Am 06.06.1930 wurde er offensichtlich zurück geschickt mit dem Flug 156 um 14.05 Uhr und erreichte Leipzig um 16.25 Uhr. Nun tritt für mich ein echtes Mysterium auf – nach welchen Kriterien wurde der Beleg nach Chemnitz geschickt ? Das das eine zentrale Fragestellung ist wird dadurch erhärtet, das um 16.50 Uhr von Halle/Leipzig ein Flug sowohl nach Chemnitz als auch nach Marienbad abging und Marienbad lag näher an Reichenberg. Auf jeden Fall kam der Beleg um 17.25 Uhr in Chemnitz an und wurde am nächsten Morgen Post seitig bearbeitet.



Die Karte erhielt einen Flugplatzstempel Michel Nr. A 10-02 vom 07.06.1930 und einen Flugbestätigungsstempel Michel Nr. F 18-02b
.
Den Rest der Strecke nach Reichenberg legte die Karte offensichtlich per Bahn zurück.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 11.12.2018 14:12:03 Gelesen: 1105# 104 @  
Heute ist Post aus Venezuela eingetroffen. Am 18.05.1938 in Caracas aufgegeben, traf sie am 27.05.1938 am Flughafen in Prag ein. Frankiert mit den venezolanischen Marken Michel Nr. 241, 254 und 268 erfreute er bestimmt den Empfänger.



Dass in Venezuela ab 1933 die Fluggesellschaft „Linea Aeropostal Venezolana“ den Postverkehr per Flugzeug sicher stellte, konnte ich mit Hilfe des Internets noch herausfinden. Der aufgebrachte Leitstempel zur Beförderung über Natal nach Paris half mir zumindest zu bestimmen, dass der Brief von Caracas nach Natal (Brasilien) ging.



Leider fand ich aus dem Jahr 1938 weder einen Flugplan noch ein Streckennetz der LAV, so dass ich wieder Wolfgang bitten musste, mir zu helfen.

"Dein Luftpostbrief wurde auf der 2. Route befördert, also Caracas - Natal mit Pan American Airways und ab Natal vermutlich mit der Air France. Auch das Porto stimmt: UPU-Auslandsporto bis 20 Gramm 37,5 Centavos; Luftpostzuschlag je 5 Gramm über Route 2 nach Europa 1,125 Bolivares. Die aufgeklebte Luftpostmarke mit dem "krummen" Wert von 1,125 Bolivares war offensichtlich genau für diesen Tarif verausgabt worden." [1]

Von Natal ging der Brief am 22.05.1938 mit der AirFrance auf der Strecke 270 über Villa Cisneros, Agadir, Casablanca, Barcelona, Marseille und Toulouse nach Paris und traf dort am 26.05.1938 ein.



Diese Auffassung vertritt auch Wolfgang: "Nach den Stempeldaten war dies eindeutig die Air France, die den Südatlantik am 23./24.5.1938 in einem Nachtflug mit einem 4-motorigen Landflugzeug vom Typ Farman 2200 (Ville de Mendoza F-AOXF) in einer reinen Flugzeit von 15.20 Stunden überquerte. Die mit diesem Südatlantikflug beförderte Luftpost traf am 25.5.1938 in Frankreich ein. Damit korrespondiert der rückseitig - leider nur sehr schwach - angebrachte Ankunftstempel "Paris Aviation Etranger 25.V.1938 23:30". 

Umgeladen auf die Strecke Paris – Prag wurde er am 27.05.1938 um 08.00 Uhr auf die Reise geschickt und traf um 11.50 Uhr ein. Um 13.00 Uhr war seine Reise am Postschalter des Flughafens erfolgreich abgeschlossen.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/pa/pa40/pa40-8.jpg
 
Detlev0405 Am: 21.12.2018 13:18:03 Gelesen: 758# 105 @  
Heute erreicht uns Post aus Sofia. Es ist schon erstaunlich, das die tschechoslowakische Luftfahrtgesellschaft trotz seiner Kontakte nach Bukarest und Zagreb mit Hilfe der CIDNA seit Mitte der 20er Jahre niemals seine Balkan Aktivitäten eigenständig erweitern konnte.



Der Brief wurde am 29.0.1937 aufgegeben, ist frankiert mit einer Mi.Nr. 238 als EF und erreichte Prag noch am gleichen Tag. Dabei sieht man dem Brief nicht an, das er tatsächlich 5 europäische Hauptstädte auf diesem Weg passierte.
Sein Flug beginnt um 09.00 Uhr in Sofia und erreicht Belgrad um 09.30 Uhr. Von hier aus ging es weiter um 09.50 Uhr nach Budapest, das um 11.20 Uhr den Brief gesehen hat. Nun ist es wieder einmal wichtig, den Wochentag zu bestimmen, da ein passender Weiterflug entsprechend den abgeschlagenen Stempeln nur am Montag, Mittwoch und Sonnabend möglich war. Wir sind an einem Sonnabend unterwegs und so konnte der Brief um 12.05 Uhr Budapest verlassen und in Wien um 13.10 Uhr eintreffen. Von hier aus ging es um 17.20 Uhr ab nach Prag, wo er um 18.35 Uhr eintraf. [1] Lediglich die Strecke Wien – Prag wurde durch die tschechoslowakische CSL bedient bei dem Beleg.





Auffallend schön sind die abgeschlagenen Luftpoststempel auf der Strecke. In Sofia wurde der Beleg direkt am Flugplatz aufgegeben und erhielt den entsprechenden Stempel mit einem stilisierten Flugzeug im Bild, in Wien einen Flugpost Stempel vom Flugfeld in Wien – Aspern. Bei über einem Dutzend von Belegen nach und über Wien das erste Mal, das ich einen solchen Stempel gesehen habe.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-4.jpg
 
Detlev0405 Am: 10.01.2019 14:09:38 Gelesen: 294# 106 @  
Unsere heutige Post erreicht uns aus Sarajevo, eine Stadt mit wechselvoller Geschichte. Zum Zeitpunkt des Briefes war Sarajevo Teil des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen bis 1941. Ab 1941 bis 1945 war es Bestandteil des Staates Kroatien. Nach 1945 war es integriert in der Republik Jugoslawien, um 1992 als Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina seine vorläufige Bestimmung zu finden.



Aufgegeben wurde der Brief am 31.08.1936 um 20 Uhr. Sein Flug ging aber erst am nächsten Tag los, um 7.35 Uhr in Richtung Belgrad. Dort kam er um 8.50 Uhr an und wurde um 10 Uhr am Flugplatz abgefertigt. Dokumentiert wird das durch den Stempel von Zemun auf der Rückseite. Zemun ist ein Ortsteil von Belgrad und beherbergt den örtlichen Flugplatz.



Von dort aus ging es weiter um 9.10 Uhr oder 10.40 Uhr nach Budapest , um von dort aus um 12.25 Uhr seinen Weiterflug nach Wien zu absolvieren. Dort bekam er dann um 16 Uhr seinen Abfertigungsstempel. Da der letzte Flug nach Prag am Tage aber schon um 15.05 Uhr abging, kam es zu einer auf dieser Strecke typischen Besonderheit. Es wurde entschieden , den Brief per Bahn nach Prag zuzustellen. So kam er am 02.09.1936 gegen 2 Uhr in Prag an [1].

Gruß
Detlev

[1] https://flughafenbb.files.wordpress.com/2017/08/deutsche-lufthansa-sommer-1936-04-19-bis-1936-10-03.pdf
 

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