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Thema: Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Das Thema hat 141 Beiträge:
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Detlev0405 Am: 19.03.2019 11:37:41 Gelesen: 5683# 117 @  
Mein heutiger Brief stammt aus dem tiefen Südamerika und ist für mich einfach eine Augenweide. Dazu trägt gewiss die dort übliche Art der gestalteten Vordruckbriefe bei, es ist aber auch die Einzelfrankatur der der Michel Nr. 524 und die sauberen Stempel.



Am 29.02.1936 wurde der Brief in Montevideo / Uruguay aufgegeben. Es war ein Samstag und zugleich ein Schalttag. Da solche Langstreckenflüge in der Regel nur einmal die Woche zu dieser Zeit durchgeführt werden, ist die Bestimmung des Aufgabetages sehr wichtig.

Schauen wir in den Flugplan der Air France auf der Südamerika Route, so können wir erkennen, das die Post am Sonntag den 01.03.1936 in Montevideo abging. [1] Über Rio de Janeiro, Bahia und Natal ging es auf den afrikanischen Kontinent in Dakar – Casablanca um am Mittwoch in Paris einzutreffen. [2] Seinen Bestätigungsstempel erhielt der Brief allerdings erst am Donnerstag den 05.03.1936 früh. Offensichtlich kam der Brief am Vortage erst spät in der Nacht an.

Von Paris ging es weiter über Straßburg nach Prag, wo der Brief am Freitag den 06.03.1936 seinen Bestimmungsort erreichte.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3604p/af364-24.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3604p/af364-31.jpg
 
Detlev0405 Am: 29.03.2019 13:01:45 Gelesen: 5426# 118 @  
Zwei Jahre später gab es wieder Post aus Montevideo. Briefverkehr zwischen zwei Banken in Uruguay und der Tschechoslowakei.



Auf den ersten Blick hat sich nichts geändert. Am Samstag auf geliefert der Brief, wurde er am Sonntag den 27.03.1938 auf Reisen geschickt. Und wie zwei Jahre zuvor kam er nach 4 Tagen in Marseille oder Paris an. [1] Und da ist auch der Unterschied. In Montevideo erhielt der Brief den Vermerk, das er mit der Air France zu befördern sei.



Und in deren Hände blieb der Brief bis Prag. Das ist wohl auch der Grund dafür, das unterwegs keine Etappenstempel angebracht wurden. So bleibt uns verborgen, ob der Brief bis Marseille oder Paris transportiert wurde, ehe er nach Prag geliefert wurde. Dort traf er dann am 01.04.1938 (kein Aprilscherz) ein, bevor er dann um 23 Uhr am endgültigen Bestimmungsort in Gablonz eintraf.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3803/af383-19.jpg
 
Detlev0405 Am: 09.04.2019 10:37:29 Gelesen: 5187# 119 @  
Heute gibt es wieder Post aus Asien und zwar von der längsten zu dieser Zeit geflogenen Strecke der Welt Niederländisch Indien (heute Indonesien) nach den Niederlanden. Immerhin wurden über 14.000 km zurückgelegt auf dieser Verbindung durch die KLM mit Landflugzeugen des Typs DC-2 und DC-3.



Am 27. November 1937 fand der 500. Flug auf der Strecke Bandoeng (heute Bandung) nach Amsterdam statt. Bandoeng war seit 1920 Sitz des militärischen Hauptquartiers der Kolonie Niederländisch – Indien. Aufgegeben wurde der Brief am 27.11.1937 in Bandoeng und erreichte Amsterdam am 2.Dezember 1937 gegen Mittag auf dem Flugplatz Schiphol.

Der Flug wurde auf der Strecke Bandoeng – Singapore – Bangkok – Calcutte – Karachi – Baghdad – Alexandria – Athen vollzogen. [1] Von dort aus ging es entsprechend dem Winterflugplan über Neapel und Marseille nach Amsterdam.
Gewürdigt wurde dieser Flug mit einem Sonderstempel in Bandoeng zum 500. Flug. Diesem Sonderstempel folgend, wurde die „Reiger“ (Reiher) für diesen Flug eingesetzt – also eine DC-3 mit der Kennung PH-ALR. Die Strecke kann in einem zeitgenössischen Prospekt der KLM nachvollzogen werden (Ausschnitt). [2] Die Ankunft wurde bestätigt durch den Stempel vom „Amsterdam-Centraalstation“, wo ein großer Teil der Luftpost bearbeitet wurde.



Bei der Beurteilung, ob der Brief von Amsterdam nach Prag per Luftpost befördert wurde, bleibt nur der Bereich der Spekulation übrig. Der Brief kam um 21 Uhr in Amsterdam an und konnte am 3. Dezember von der KLM auf der Route Amsterdam – Wien um 10.30 Uhr abgeschickt werden und traf in Prag dann um 14.15 Uhr an. Da der 03.12. ein Freitag war, deckt sich das mit dem Flugplan der KLM [3]. In Prag wurde der Brief aber erst am 04.12. abgestempelt. Da es aber am Postamt Prag 7 geschah (Bereich des Flughafens wie aus anderen Stempeln des Flughafens ersichtlich). sollte die Antwort im 4 stelligen Nummernstempel – Zensur – zu finden sein. Somit wäre die Zeitverzögerung von einem Tag auf die Postzensur zurück zu führen. Eine Beförderung per Bahn wäre auch möglich, da er aber an Prag XIII adressiert war, ist die Bearbeitung in Prag 7 wenig plausibel.

Ich danke wieder Wolfgang (saintex) für die Informationen zu den Details des Fluges.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/kl/kl37b/kl37b-04.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/kl/kl37b/kl37b-01.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/kl36/kl36-5.jpg
 
Detlev0405 Am: 17.04.2019 09:23:40 Gelesen: 4850# 120 @  
Heute habe ich ein kleines Päckchen Luftpostbriefe aus Argentinien bekommen. Beim sortieren fiel mir dann auf, das sie alle zwei verschiedene Transportwege hinter sich gebracht haben. Der eine Weg wurde durch die Syndicato Condor LTDA, einer Tochter der Deutschen Lufthansa A.G., und der andere durch die Air France betrieben. Heute werde ich zwei „Condor“ Briefe vorstellen.



Beide Briefe haben eines gemeinsam – sie sind mit der gleichen Maschine nach Europa gekommen. Der erste Brief wurde am 01.06.1938 (einem Mittwoch) in Buenos Aires aufgegeben und erhielt auf der Rückseite den Luftpost Stempel. Auffallend und attraktiv zugleich ist der Vordruckbrief von/für die „Condor“ Linie. Am Donnerstag den 02.06. ging der Flieger von Buenos Aires ab nach Europa. Über Porto Alegre – Rio de Janeiro nach Natal, wo er am Freitag ankam. Von Natal ging der Flug weiter über Bathurst – Las Palmas – Sevilla nach Frankfurt am Main. Dort traf er am 05.06,1936, einem Sonntag. [1] Dort wurde er am gleichen Tag für die weitere Beförderung nach Prag abgefertigt. Von Frankfurt ging der Brief höchstwahrscheinlich um 12.10 Uhr nach Nürnberg und weiter nach Prag, um dort gegen 19.00 Uhr einzutreffen. [2] Dort erhielt er den Ankunftsstempel der Auslandsstelle von Prag 7 am 06.06.1938.



Der zweite Brief war äußerlich einfacher aufgemacht – es reichte ein eigenhändiger Vermerk „Condor“. Auffallend, der Brief erhielt auf der Vorderseite für die Marken die Abstempelung von der Luftpoststelle. Die Erklärung ist einfach – er kam auf dem letzten Drücker, um 2 Uhr Morgens. Um 4 Uhr ging der Flieger in Buenos Aires ab.

Da der Brief bis Brno ging, wurde er in Prag im Transit behandelt und erhielt den Flugpoststempel. Diese Teilstrecke nach Brno wurde auch per Flugzeug zurück gelegt. Das erkennt man zum Ersten am Ankunftsstempel in Brno am gleichen Tag um 18 Uhr und zum Zweiten am Eingangsstempel des Flughafens Brno (Horka RV12) auf der Vorderseite (wenn auch sehr zart gestempelt).



Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/sc3703.htm
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh38b/dlh38-7.jpg
 
Detlev0405 Am: 24.04.2019 13:08:42 Gelesen: 4601# 121 @  
Heute stelle ich euch zwei Belege von der Air France auf der gleichen Strecke vor – Buenos Aires nach Prag bzw. Brno.



Der erste Brief wurde in Buenos Aires am 24.07.1937 aufgegeben. Handschriftlich der Vermerk „ via Air France „ gibt die Abfertigung der Post mit der gewünschten Fluggesellschaft vor. Von Buenos Aires ging der Flug über Porto Allegro, Rio de Janeiro, Natal über den Ozean nach Dakar und Tanger bis zum europäischen Kontinent nach Barcelona. [1] Hier gibt es nun zwei Möglichkeiten des Weiterfluges für den Brief. Zum einen umladen in Marseille auf die Direktverbindung nach Prag oder er fliegt bis Paris und geht dort von über Straßburg nach Prag. Ankunft des Briefes aus Buenos Aires war für beide Orte in Frankreich ein Mittwoch. Am Donnerstag um 13 Uhr war der Brief in Prag. Da der Flug von Paris nach Prag am Donnerstag früh um 7 Uhr abging und um 12.50 Uhr in Prag sein sollte ist anzunehmen, das diese Beförderung am nächsten liegt. [2] Bestätigt wurde die Beförderung durch die Auslandspoststelle.

Auch unser zweiter Brief ging den gleichen Weg und weiter nach Brno.



Er wurde am 29.07.1939 in Buenos Aires abgefertigt und erreichte Prag am 03.08.1939. Am nächsten Tag erreichte er seinen Bestimmungsort in Brno. Stellt sich die Frage – wozu zeigt er uns den dann ? Die Frage wird durch die beiden Bestätigungsstempel beantwortet. Auch wenn die tschechischen Marken mit Gültigkeit noch bis zum 15.12.1939 aufgebraucht werden konnten, verwundert es dann doch, das beide Stempel etwa 5 Monate nach der Besetzung der Tschechoslowakei noch komplett in tschechisch verwendet wurden. Das ist dann wohl doch eine Besonderheit, die Beachtung finden muss.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3704/af374-22.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3704/af374-06.jpg
 
Detlev0405 Am: 30.04.2019 07:15:06 Gelesen: 4315# 122 @  
Ich habe bestimmt schon mehr als ein Dutzend Belege, die über Athen als Relaisstation für renommierte Airlines wie Imperial Airways oder KLM aus Richtung Asien oder Afrika kamen. Jeder dieser Belege wird geziert von einem Athener Rollenstempel, der so zerquetscht, das er sich nicht einmal für eine Rate Sendung eignet.



Deshalb wird es jeder nachvollziehen können wie ich mich freute, als es mir gelang, mal einen sauberen Stempelabschlag von Athen – Luftpost zu erhalten.



Es handelt sich um einen Brief von Athen nach Prag, der am Flugplatz am 02.08.1937 aufgegeben wurde. Das eigentliche Aufgabepostamt bleibt der griechischen Tragödie treu und stempelt auch wieder unleserlich. Absender ist eine internationale Gesellschaft für kaufmännische Ausbildung, die sich an ihre Sektion in Prag wendet. Am Montag, den 02.08. um 23 Uhr abgefertigt, konnte der Brief mit dem Dienstag und Samstag stattfindenden Flug nach Belgrad mitfliegen.

Ab Athen um 11.15 Uhr war er in Belgrad um 13.45 Uhr. Dort wurde er um 14.05 Uhr auf die Reise nach Budapest geschickt und traf um 15.30 Uhr ein. Weiter ging es hier um 16 Uhr nach Wien mit Ankunft um 17.05 Uhr. Wien verließ der Brief um 17.20 Uhr um endlich um 18.35 Uhr an seinem Bestimmungsort Prag einzutreffen. [1] Dort wurde er reichlich mit Stempeln versehen, dem Stempel des Auslandspostamtes am Flugplatz und Haupttelegrafenamt (warum der erschließt sich mir nicht) und am nächsten Tag über das Zustellpostamt in Prag 1 dem Empfänger zugestellt zu werden.

Bemerkenswert ist die Tatsache, das der Brief um 21 Uhr sowohl das Auslandspostamt als auch zwei Bereiche des Haupttelegrafenamtes passierte – 4a und 1c.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh37/dlh37-17.jpg
 
Detlev0405 Am: 07.05.2019 06:30:49 Gelesen: 4092# 123 @  
Unser heutiger Brief ist ein gewöhnlicher Brief von Prag nach Chust. Also keine Luftpost – wieso taucht er dann hier auf ?



Die Antwort finden wir in einem kleinen Detail. Es geht um den Absender des Briefes, der Masarykova Letecka Liga (Fliegerliga „Masaryk“). Damit ist der Beleg ebenfalls ein kleines Detail der Tschechoslowakischen Luftpostgeschichte in der 1.Republik und schließt nahtlos an meinen ersten Beitrag in diesem Thread. Jetzt weiß ich auch was im Karlsbader Stempel das MLL bedeutet.



Die Geschichte begann mit der Gründung des Masaryk Luftfahrtfond am 03.01.1923 und nahm aktiv an der Entwicklung der Luftfahrt teil. Zum Geburtstag des Präsidenten Masaryk am 07.03.1926 wurde der Fond in die Liga umgewandelt. Die Organisation bestand im Hauptquartier, den Landkreisen, den Ortsgruppen und den direkten Segelvereinen. Im Jahre 1928 hatte die MLL bereits 310 Ortsgruppen und 8 Bezirksorganisationen. Ab 1930 übernahm die MLL die Ausbildung von Segelfliegern und betätigte sich bei der Entwicklung und den Bau nicht motorisierter Flugzeuge. Ein großer Förderer des MLL war J.A. Bata aus Zlin. Im Oktober 1934 existierten 92 Segelflugverbände in denen 408 Piloten ausgebildet wurden. [1]

Damit wird die Rolle der Liga ersichtlich sowohl bei der Propagierung des Flugwesens als auch konkret bei der Nachwuchsförderung für Piloten. Viele Flugveranstaltungen wurden durch die MLL organisiert.

Gruß
Detlev

[1] http://www.vrtulnik.cz/ww2/mll.htm
 
Detlev0405 Am: 14.05.2019 09:20:36 Gelesen: 3713# 124 @  
Manchmal muss man einfach Glück haben, wie in diesem Fall. Ich habe lange nach einem Bedarfsbeleg aus Spanien gesucht und nicht gefunden. Dann lachte mich ein Flugpostbeleg aus Spanien an, aber kein gewöhnlicher und doch ein Bedarfsbeleg.



Es handelt sich hier um einen Beleg aus dem spanischen Bürgerkrieg von 1936 – 1939. Er wurde abgeschickt in Valencia, der republikanischen Seite des Bürgerkrieges. Auffallend – es gibt keine Absenderangabe auf dem Brief, offensichtlich aufgegeben von einem Interbrigadisten aus der Tschechoslowakei.
Der Brief ist beispielhaft für die komplette Bestätigung aller Teiletappen mittels notwendiger Stempel. Den Anfang macht der Luftpoststempel von Valencia.



Dort wurde der Brief am 02.05.1937 abgefertigt. Da der Brief erst um 12 Uhr einging, wurde die Beförderung erst am 03.05.1937 um 09.35 Uhr möglich. [1] Von dort aus ging es über Barcelona, Toulouse nach Paris. In Paris kam der Brief um 17.30 Uhr an. Ein Bestätigungsstempel von Paris liegt früh um 08.30 Uhr am 04.05.1937 vor.



Demnach wurde der Brief zu spät bearbeitet, um den Flug früh um 07.00 Uhr nach Prag zu erreichen. Also ging er dann am 05.05.1937 von Paris aus nach Prag ab. Dort kam er dann um 11.40 Uhr an. Das deckt sich auch mit dem Bestätigungsstempel von 12.00 Uhr am gleichen Tag. [2]




Prag verließ der Brief mit dem Flugzeug um 16.20 Uhr, um eine Stunde später in Brno zu landen. Das bestätigt auch der Tagesstempel von Brno 2 um 18.00 Uhr. [3] Auch der in Brno übliche Flugplatzstempel wurde als Ankunftsbestätigung abgeschlagen, wenn auch nur schwach sichtbar.



Wirklich spannend wird es, wenn wir uns die Zensurstempel auf dem Brief ansehen. Ich schicke voraus, das ich kein Kenner Spaniens bin. Sehe ich mir auf der Vorderseite den violetten Militärzensurstempel an, so fällt mir auf, das er angebracht wurde, bevor er von der Post in Valencia bearbeitet wurde. Die Marke zu 10c in grün und der Tagesstempel darauf liegen offensichtlich über dem Zensurstempel.



Noch deutlicher wird der Sachverhalt, wenn man den Zensurstempel auf der Rückseite betrachtet. Er ist vom 30.April 1937. Und er deckt eine der 1c Marken ab – offensichtlich als Verschlussmarken eingesetzt ? Ebenso die braune 2c Marke.Diese ist unter der Verschlussklappe komplett erhalten ( Betrachtung im Lichtkasten ).



An der Stelle ist es nun notwendig, die Meinung eines Spezialisten einzufügen, denn ich irre an der Stelle. Wer wenn nicht Wolfgang (saintex) konnte mir da weiter helfen:

„Was Du hinsichtlich der Praxis der Zensur vermutet hast, trifft zu. Jeder Bataillonskommandeur hatte für sein Bataillon einen Quartiermeister (furriel) zu bestimmen, zu dessen Aufgaben auch die Postversorgung gehörte und dem die für das Ausland bestimmte Post der Freiwilligen im offenen Briefumschlag zu übergeben war. Über den Stab des Bataillons bzw. der Brigade wurden die offenen Briefumschläge der Freiwilligen an den für ihren Standort zuständigen  zentralen Postdienst der internationalen Brigaden (Servicio Central de Correos) weitergeleitet, wo die Post der Freiwilligen auch zensiert wurde. Im Falle Deines Briefes wurde dieser in Albacete zensiert, wo sich im April/Mai 1937 auch der zentrale Stützpunkt und das Ausbildungslager der internationalen Brigaden befanden, und dort wurde auch vorderseitig der violette Kastenstempel „Visado por la Censura Militar“ und rückseitig der schwarze Kastenstempel „S.C.C. 30 ABR 1937 111“ abgedruckt. Die Abkürzung S.C.C. steht für Servicio Central de Correos und der Code 111 für Albacete (es gab noch einen zweiten Standort des S.C.C. in Madrid mit dem Code 222 für die Post der Freiwilligen, die im Bereich Madrid kämpften). Bei dem rückseitig angebrachten schwarzen Kastenstempel handelt es sich demnach entgegen Deiner Vermutung nicht um einen Zensur- sondern um einen Poststempel.

Nachdem die Post der Freiwilligen in Albacete die Zensur durchlaufen hatte, wurden die dann  vermutlich zwischenzeitlich verschlossenen Briefumschläge nach Valencia transportiert, dort frankiert und über die Beförderungswege der staatlichen spanischen Post in ihre Bestimmungsländer befördert.

Abschließend noch der Hinweis auf folgende Besonderheit Deines Luftpostbriefes in die C.S.R.: Es soll damals nach den für die Post der Freiwilligen in ihre Heimat geltenden spanischen Bestimmungen so gewesen sein, dass  nur Post nach Frankreich und in die Tschechoslowakei mit Briefmarken frankiert werden durfte und mit Luftpost befördert werden konnte. Post nach anderen Bestimmungsländern wurde in Valencia mit einem Freistempelgerät der Marke „HASLER“ Modell F 22 frankiert und auf dem Land- bzw. Seeweg in das jeweilige Bestimmungsland befördert.“


Eigentlich sollte es nur ein weiterer Beleg für meine Sammlung sein – schlussendlich wurde es ein umfangreiches zeitgeschichtliches Dokument in vielerlei Hinsicht.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3704/af374-11.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3704/af374-06.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-4.jpg

Quellen zu Wolfgangs Beitrag:
Zur Postgeschichte der internationalen Brigaden

Ernst L. Heller, Historia postal y servicio postal de las Brigadas Internacionales, Madrid 2007 427 Seiten; Francisco Aracil, Las Brigadas Internacionales, Madrid 2002 125 Seiten

Zur Luftpost während des spanischen Bürgerkrieges (republikanische Seite)
Félix Gómez-Guillamón, El Correo Aereo en la Guerra Civil Espanola, Zona Republicana (1936-1939), Madrid 2007 167 Seiten
 
 
Detlev0405 Am: 24.05.2019 19:15:20 Gelesen: 3336# 125 @  
Heute gibt es eine Fortsetzung des Beitrages [#10], aber diesmal ein echter Bedarfsbeleg von der Strecke Prag – Marienbad. Also die Gegenstrecke vom Beitrag [#10].



Unser heutiger Brief ist am 20.04.1929 in Prag abgefertigt worden und ging nach Marienbad. Ordnungsgemäß mit einer MiNr. 200 als obligatorische Flugpostmarke frankiert und mit dem blauen Luftpostaufkleber versehen. Da er am Flugplatz direkt abgefertigt wurde, wie der Stempel von Prag 82 Flughafen ausweist , ist die Destination nach Marienbad als bewiesen anzunehmen. Leider gibt es keinen Bestätigungsstempel von Marienbad. Die einzige Möglichkeit über Karlsbad konnte erst zwei Jahre später als Möglichkeit in Betracht kommen.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 01.06.2019 08:02:04 Gelesen: 3109# 126 @  
Der heutige Beitrag soll etwas Licht in die Rolle Athens bei der Luftpost von Athen nach Prag bringen. Dabei beziehe ich mich auf das Werk von Peter Wingent: Der DLH Athen – Berlin Dienst 1932 -1939 (mir liegt der Aufsatz in PDF Form vor, eine andere Quelle kann ich nicht angeben).

In den 30er Jahren war Athen Dreh- und Angelpunkt für die Fluggesellschaften Imperial Airways, KLM, Air France und Deutsche Lufthansa. Sowohl aus Asien als auch aus Afrika trafen hier die Linien ein. Während die Air France, KLM und Imperial Airways von Athen über Rom und/oder Marseille ihre Flüge fortsetzten, war die DLH für Zentraleuropa maßgeblich.

Nun gibt es eine Besonderheit. Sehen wir auf die Flugstrecke 1936 bei Herrn Wingent (Seite 16) fällt auf, das die Strecke von Athen über Saloniki – Sofia – Belgrad – Budapest – Wien nach Berlin ging. Von Wien nach Berlin wurde diese Strecke aber nicht über Prag sondern über München geführt. Offensichtlich hatte es die Tschechoslowakei und die CLS/CSA versäumt, in Vertragsverhandlungen mit Deutschland und der DLH sich in diese Strecke mit einzubringen – mit gravierenden Folgen. Der größte Teil der in Athen aufgelaufenen Post ist per Bahn weitergeleitet worden nach Prag.



Unser Brief ging von Alexandria nach Karlsbad. Aufgegeben am 31.07.1936 weist der Brief im Original eine untypische Besonderheit auf – er ist innen massiv mit Baumwolle ( Leinen ) versehen und hat leer schon ein Gewicht von 10 Gramm. Oben rechts auf der Vorderseite sieht man noch einen Bindfaden vom inneren des Briefes.



Erstaunlich ist auch das Porto des Briefes – 190 Mills. Bei Herrn Wingent ist auf Seite 10 oben zu lesen, das der Tarif für Luftpost aus Ägypten 20 Mills per 20gms betrug in die Tschechoslowakei. Möglicherweise ist die feine Bleistiftnotiz unter den beiden 20 Mills Marken eine Gewichtsangabe – 31 Gramm. Trotzdem vermag ich das Porto nicht aufzuschlüsseln.



Der Flug ging am 31.07.1936 aus Alexandria ab mit der Imperial Airways um 03.30 Uhr zum Samstag ab und erreichte Athen am gleichen Tag Abend. Abgestempelt wurde der Brief in Athen mit dem üblichen fast unleserlichen Stempel von Athen am 02.08.1936.



Das deckt sich auch mit dem Flugplan der Gesellschaft.[1] Von Athen aus ging der Brief dann per Bahn nach Karlsbad, wo er am 05.08.1936 eintraf.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/iaw/iaw36f/iaw36f-2.jpg
 
Detlev0405 Am: 08.06.2019 06:00:06 Gelesen: 2846# 127 @  
Lange Zeit habe ich bei jedem angebotenen Luftpostbeleg aus Israel in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Finger von gelassen, ja sogar gezweifelt ob es denn eine Flugpostverbindung nach Europa gab. Dann flatterten die ersten Belege ins Haus, bei denen man auf der Rückseite den sagenhaften verschwommenen Stempel von Athen entziffern konnte. Alle hatten aber eines gemeinsam – keinen Bestätigungsstempel von Prag für den durchgeführten Flug.



Und wieder waren Geduld und Zufall die besten Helfer. Ein Luftpostbrief von Tel Aviv mit Ankunftsstempel in Prag. Sieht man nun bei den gängigen Luftfahrtgesellschaften aus dieser Zeit nach, findet man aber weder bei der KLM, der DLH, Air France noch bei Imperial Airways eine passende Verbindung bis nach Prag.



Der Durchgangsstempel von Baneasa – Bukarest bringt einen aber irgendwann auf die richtige Spur. Bei der Durchsicht zu Informationen über den Flughafen Baneasa stößt man auch auf die LOT (polnische staatliche Luftfahrtgesellschaft) und ist auf der richtigen Spur.

Am 13.10.1938 in Tel Aviv aufgegeben, wurde der Brief auf dem Landweg nach Lydda (heute Lod) gebracht. Von dort ging die Post am 14.10.1938 früh um 8 Uhr in Richtung Athen ab und wurde weiter über Sofia bis Bukarest transportiert. [1]

Von dort aus nahm sich die DLH des Briefes an und flog über Budapest und Wien nach Prag. Dort kam er dann gegen 16.25 Uhr, was auch durch den Ankunftsstempel von Prag 82 bestätigt wird.

Zugabe auf dem Brief noch ein Werbestempel für Jaffa Orangen. Diese Destination mit der LOT ist aber bei der täglichen Suche nach entsprechenden Belegen sehr selten.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/lo/lo38/lo38-11.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh38b/dlh38-7.jpg
 
Detlev0405 Am: 17.06.2019 06:33:33 Gelesen: 2574# 128 @  
Unser heutiger Brief ist ein einfacher Firmenbrief – aber einer von den großen tschechoslowakischen Luftfahrtgesellschaften.



Es handelt sich um den Brief der CLS (Èeskoslovenská letecká spoleènost), wie er in den Jahren der Gründung üblich war. Die CLS wurde am 22.01.1927 im Skodawerk in Plzen gegründet. Daher war es auch kein Wunder, das diese Gesellschaft gegenüber der staatlichen CSA im Jahre 1928 über 1,5 Mio Kronen mehr Kapital verfügte und somit auch international ein begehrter Partner wurde. So kam es zu vertraglichen Verbindungen zur Deutschen Lufthansa und der Östereichischen Luftverkehr.

Die bekanntesten Strecken, die in Kooperation bedient wurden, waren Berlin – Prag – Wien, Prag – Kassel – Rotterdam und Prag – München – Zürich.

Bei dem finanziellen Hintergrund ist es natürlich kein Problem, sich einen umfangreichen Flugzeugpark zuzulegen. So waren 1928 6 Avia BH-25 und 2 Fokker F.VIIa im Einsatz, 1930 kamen 8 Fokker F.XVII hinzu, 1936/37 insgesamt 5 Douglas DC-2 sowie 1937/38 3 Douglas DC-3.

1939 beendete die CSA ihre Aktivitäten.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 25.06.2019 12:51:58 Gelesen: 2371# 129 @  
Mein heutiger Beitrag geht in die 20er Jahre der tschechoslowakischen Luftpost zurück und räumt auch mit Klischees von allgemeinen Tschechoslowakei Prüfern auf. Zugegeben, sie sind nicht automatisch auch qualifiziert, ein solch spezielles Gebiet wie die Luftpost des Landes zu bewerten.

Zu den Fakten. In der Anordnung Nr.42 des Ministerium für Post und Fernmeldewesen vom 12.08.1920 wird die Abfertigung von Luftpost genau beschrieben. Im Punkt 2 wird verankert, das eine extra Bezeichnung zur Luftpost in tschechisch und französisch vorzunehmen ist , wenn Aufkleber existieren diese anzuwenden sind. Im Punkt 3 wird -a- die Verwendung von Luftpostmarken zwingend vorgeschrieben und -b- eine Befreiung von Luftpostzuschlägen für Luftpostsendungen kategorisch ausgeschlossen. Es wird der Luftpostzuschlag mit entsprechenden Luftpostmarken vorgeschrieben. Ab 01.04.1928 wird durch die Anordnung 30 der blaue Luftpostaufkleber zwingend vorgeschrieben für Luftpostsendungen und beendet die bis dahin gängige Praxis der verschiedenen Aufkleber und Stempeln.

Die beiden folgenden Karten zeigen, wie von den gesetzlichen Bestimmungen offiziell abgewichen wurde, ohne das Sanktionen erfolgten. Post, die von der CIDNA befördert wurde, erhielt ab 1924 einen eigenen Stempel.



Die erste Karte stammt aus dem Jahre 1928 und ist adressiert nach Paris. Markant der rote CIDNA Stempel auf der Karte. Wer sich mit dem Porto auskennt, erkennt sofort, es wurde nur das normale Porto für eine Auslandspostkarte frankiert – 1,50 Kc. (vgl. Horka Seite 192 Tabelle 46). Bei dem roten CIDNA Stempel handelt es sich um den im Hauptpostamt in Prag 1 verwendeten Stempel. Bei Horka registriert unter der Nummer RV3.



Die zweite Karte stammt (wenn ich das Stempelfragment richtig interpretiert habe) aus dem Jahre 1926. Auch sie ist adressiert nach Paris. Sein Abschlag ist in schwarz metallic gehalten (für mein mangelhaftes Farbverständnis eher violett) und war am Postamt Prag 25 im Einsatz. Natürlich stellt sich die Frage, warum gerade dieses eine Postamt innerhalb der Stadt außerhalb des Hauptpostamtes. Die Antwort auf diese Frage findet man nur, wenn man den Sitz der CIDNA in Prag sucht. Und ich wurde fündig – es ist Prag II, Narodni trida 6. Die dort auf gelieferte Post wurde dann im Postamt 25 postalisch bearbeitet und weitergeleitet. Diese Praxis des Auflieferns bei der CIDNA war wohl weniger geläufig, denn der rote CIDNA Stempel kommt wesentlich häufiger vor. Horka registriert den Stempel unter RV4.

Auch die zweite Karte wurde nur mit dem normalen Porto für eine Karte ins Ausland frankiert. Es ist wichtig die Fußnote bei Horka auf der Seite 184 zu lesen. Demnach wurden die für die CIDNA bestimmten Briefe und Karten ohne Luftpostzuschlag mit dem Stempel versehen und als Luftpost befördert. Das galt aber nur für Post nach Straßburg, Paris und London. Weiter gehende Destinationen sind mir in der Zeit nicht bekannt. Die Verwendung dieses Stempels sollte eigentlich ab 01.04.1928 beendet sein, in der Fachliteratur findet man aber Bemerkungen, das der Stempel noch in den 30er Jahren auftaucht.

Somit räumt die Geschichte um den CIDNA Stempel mit zwei Vorurteilen zur Beförderung tschechoslowakischer Luftpost auf.

Zum Ersten und Wichtigsten, es muss nicht zwingend eine Luftpostmarke verklebt worden sein, um als Luftpost befördert zu werden. Das zeigen vermehrt zu findende Belege besonders ab den 30er Jahren und vor allem die Praxis der Firmenfreistempler, wenn sie auch relativ selten sind.

Zum Zweiten und das ist die einzige mir bekannte Ausnahme der 20er Jahre – es gibt auch Luftpost ohne Luftpostzuschlag. Obwohl es ein entsprechendes Gesetz gab. Ab April und Mai 1938 wurde in eine Reihe von europäischen Staaten der Luftpostzuschlag bis zum Ende der Tschechoslowakei aufgehoben. Das gleiche galt für die Sowjetunion vom 17.07.1937 – 29.07.1938.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 05.07.2019 06:26:15 Gelesen: 2121# 130 @  
Heute habe ich mal wieder einen Erstflugbeleg vorzuzeigen. Es handelt sich dabei um das Gegenstück zum Beitrag [#44].



Am 02.05.1927 ging von Prag der Erstflug auf der Strecke Chemnitz – Leipzig – Hannover – Bremen ab. Unsere Karte ist auf der ersten Etappe dieses Fluges befördert worden. Ihr Ziel war Chemnitz. Da der Abflug in Prag etwa gegen 11 Uhr war, kann davon ausgegangen werden, das die Karte bereits gegen 12.30 Uhr in Chemnitz war. Die reale Flugzeit betrug 1 h 10 min.

Vorschriftsmäßig mit einer Luftpostmarke – Mi,Nr. 200 – versehen, ergänzte die Anforderung an eine Luftpostbeförderung der Leitstempel Horka RV2a in tschechisch und französisch. Gestempelt am Flughafen mit dem Tagesstempel Horka R2 157b Buchstabe b und dem Stempel für den Erstflug Horka R2 157 .

In Chemnitz gab es dann den üblichen Bestätigungsstempel für die erbrachte Leistung MiNr. F 18-02. Hier haben wir ein deutliches Beispiel für die Nachverwendung des Klebezettel für den Erstflug wie sie in Deutschland sehr häufig zu finden sind, denn das Adressfeld zuzukleben hätte wohl sonst die Aushändigung der Sendung unmöglich gemacht.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 16.07.2019 14:16:06 Gelesen: 1799# 131 @  
Nun werden wohl einige den Kopf schütteln und sich fragen, ob ich denn schon senil bin und wieder einen Beleg zeige, den ich schon gezeigt habe im Beitrag [#125].

Wer aber bis zu Ende mitliest, wird eine Sensation der tschechoslowakischen Luftpost bis 1939 vorgestellt bekommen.

Dabei habe ich die Hilfe von Wolfgang (saintex) und Rudi (Rudi63) in Anspruch genommen und mit deren Hilfe viele Details aufklären müssen. Auch das Postmuseum in Prag hat mich mit Frau Dr. Zamrzlova nach Kräften unterstützt. Besonderer Dank auch der ARGE Tschechoslowakei und seinem Archiv unter Leitung von Herrn Christian Neumann.



Ja es ist wieder ein Beleg von der Strecke Prag – Marienbad. Auch wenn er von 1928 ist, zucken wohl einige die Schultern und entgegnen na und ? Der Erstflug auf der Strecke fand bereits am 01.06.1925 statt. Es ist eine einfache Karte, ausgewiesen als Drucksache. Noch dazu entgegen den geltenden Bestimmungen ohne Luftpostmarke frankiert.

Die Portomarke entspringt den Gebühren für das postlagernd. Als Quelle dient der Merkur-Revue Katalog von 2002 in tschechischer Sprache. Demnach betrug diese Gebühr 30 Heller im Zeitraum von 01.05.1923 – 28.02.1937 und war nicht zeitlich befristet.



Womit wir bei der Anschrift währen. Die Karte ist gerichtet an den legendären Luftpostsammler der 20er und 30er Jahre in der Tschechoslowakei, den St. Kpt. S. J. Hucl aus Reichenberg. Und darin liegt auch der Schlüssel der Karte, denn er war auch vermutlich der Absender (Hypothese).



Wichtig bei dieser Karte ist der Stempelabschlag von Prag 82. Die Karte wurde am 30.04.1928 am Flughafen Prag aufgegeben. Wer jetzt flink den Horka in die Hand nimmt wird feststellen, das an diesem Tag der Erstflug Prag – Marienbad – Kassel – Rotterdam stattfand. Nur, während unter der Nummer 75a die Strecke nach Kassel (150 Belege) und unter der Nummer 75b die Strecke nach Rotterdam (161 Belege) ausgewiesen ist, fehlt jegliche Registrierung von Prag nach Marienbad. Offensichtlich ging Horka davon aus, das Marienbad lediglich für Zuladungen gedacht war. Es fand aber keine Zuladung statt, denn weder Mahr noch Horka haben dazu einen Hinweis.

Das es sich aber tatsächlich um die Beförderung auf diesem Erstflug nach Rotterdam auf der Teiletappe Prag nach Marienbad handelt lässt sich an zwei Fakten festmachen. Zum Ersten zeigt Horka auf der Seite 104 unter der Abbildung 88 einen Beleg von diesem Erstflug. Auf dem Stempel von Prag 82 ist ebenfalls die Uhrzeit 11 Uhr abgeschlagen. Zum Zweiten findet sich bei Mahr doch eine Registrierung dieser Teilstrecke unter der Nummer 17/02.02 a auf Seite 202. Weitere Ausführungen zu dieser Teiletappe finden sich auch nicht bei Mahr, auch keine Preisnotierung.



Aber es gibt zum Glück das Anzeigenblatt des Ministeriums für Post und Telegrafen vom 05.05.1928 , in dem unter der Nummer 43 die Bestimmungen für den Flug Prag – Rotterdam veröffentlicht wurden. Unter Punkt (1) wird die Etappe Prag – Marienbad zweifelsfrei als Poststrecke definiert, denn unter Punkt (2) werden die einzelnen Poststücke, die zur Beförderung zugelassen waren, festgelegt. So auch tiskoviny = Drucksachen. Marienbad wird vom Postverkehr definitiv nicht ausgenommen. [2]

Ein wenig Kopfzerbrechen bereitete das Porto für die Luftpostbeförderung. 60 Heller waren zu dem Zeitpunkt kein ausreichendes Porto. Aber hier hilft wieder der Katalog von Trojan 1997, unser Horka. Auf Seite 192 finden wir die Tabelle 47 und eine Fußnote darunter, wonach für Drucksachen ab dem 01.06.1925 ein Sondertarif sowohl für Prag – Marienbad als auch andere innere tschechische Destinationen galt – 60 Heller. Somit war das Porto Problem auch geklärt.

Blieben als mögliche Fehlerquelle noch die Stempel. Für den Stempel Prag 82 Letiste liegen mir ausreichend Vergleichsstempel vor, so das ich diesen zweifelsfrei als echt identifizieren konnte. Für den Stempel von Marienbad konnte ich kein Vergleichsmaterial beisteuern, also blieb mir nur der Weg über die Fachliteratur.



In der Monografie tschechoslowakischer Briefmarken, Band 17 , Prag 1988 wurde ich fündig. Seite 44 – 47 ist die Typ Beschreibung des zutreffenden Stempels M 47 im Detail zu finden. Auf den abgebildeten Seiten 362 und 363 ist der Stempel von Marienbad 1 abgebildet, sowie die Einsatzzeiten des Stempels gelistet. Über den Einsatz der Trennornamente im Stempel gibt es keine generelle Festlegung. So kommt es zu einer großen Vielfalt vgl. ebenda Seite 36 und speziell für den Stempeltyp M.47 vgl. ebenda Seite 45 – 46. Typisches Beispiel ist Prag, wo von Postamt zu Postamt jeweils verschiedene Trennornamente anzutreffen sind.

Es war wohl dem genialen Kpt. Hucl zu verdanken, das zumindest ein Exemplar dieser Teilstrecke entstanden ist und bis in die Gegenwart überstanden hat.
Ich war mich mit Rudi63 einig, das es sich hierbei nicht um einen klassischen Erstflugbeleg handelt. Dabei prägte Rudi den Ausdruck Dokumentationsbeleg für die erste Etappe des Erstfluges. Ich glaube das trifft es am besten. Frau Dr. Zamrzlova vom Postmuseum in Prag hatte nach Vorlage der Recherchen keine Einwände oder fachliche Korrekturen.

Gruß
Detlev

[1] PhDr. Jitka Zamrzlová kurátorka odd. správa sbírkového fondu zamrzlova.jitka@cpost.cz +420 954 400 701
http://www.postovnimuzeum.cz

[2] Archiv der ARGE Tschechoslowakei , Leiter Christian Neumann

Zur Postlager Bestimmung:

Merkur revue, Èeskoslovensko 1918 - 1939, V. Schödelbauer, specializovaný katalog známek a celistvostí;
 
Detlev0405 Am: 26.07.2019 13:24:24 Gelesen: 1403# 132 @  
Am 15.06.1936 fand auf dem Flugplatz in Prag – Kbely der größte Militärflugtag der tschechoslowakischen Geschichte bis 1939 statt. Im Mittelpunkt stand die tschechoslowakische Luftwaffe, die mit etwa 200 Flugzeugen präsent war. 250.000 Zuschauer zog es zu diesem Ereignis auf das Flugfeld.

Besondere Attraktionen waren ein Experimentalhubschrauber, die ANT-6 (TB-3) der russischen Luftwaffe und eine DC-2.





Eine große Anzahl von Sonderkarten mit Darstellungen von Flugstaffeln begleitete den Tag in Prag – Kbely.



Während die meisten der Karten als Souvenir Karten in die Schubladen oder Alben verschwanden, gibt es auch einige, die den normalen Postweg gegangen sind. Jede Karte hatte einen anderen patriotischen Spruch (rot eingekreist).



Ein Sonderstempel wurde aus diesem Anlass von der tschechoslowakischen Post aufgelegt, der in den Unterscheidungsbuchstaben a – d anzutreffen ist. [1]

Eine Bestimmung der gezeigten Flugzeugtypen übersteigt meine Kenntnisse auf dem Gebiet, aber vielleicht kann ja jemand behilflich sein.

Gruß
Detlev

[1] Paul Kipp Die Sonderstempel der Tschechoslowakei von 1919 bis 1939
 
Detlev0405 Am: 01.08.2019 15:51:10 Gelesen: 1082# 133 @  
Ich möchte in meinem heutigen Beitrag auf ein Problem aufmerksam machen, das wohl jedes Sammelgebiet betrifft, das in die ältere Zeit zurück geht. Es geht um Fälschungen.

Voran stellen möchte ich Wolfgangs Aussage im Beitrag [#24]:

4. Fälschungen der hier bislang gezeigten Luftpostbriefe lagen mir bislang noch nicht vor. Nach meiner Erfahrung steht der Zeit- und Kostenaufwand für eine Fälschung der hier bislang gezeigten Erst- und Bedarfsflugbriefe in keinem sinnvollen Verhältnis zum Wert der hier bislang gezeigten Luftpostbriefe, der nach meiner Einschätzung im mittleren zwei- bis dreistelligen Euro-Bereich liegen dürfte. Fälschungen von Luftpostbriefen sind mir bislang in erster Linie nur bei Zuleitungspost zu den Zeppelinfahrten der 1930er Jahre aus exotischen Staaten und den Zeppelinbriefen der Lakehurst-Katastrophe im Mai 1937 bekannt geworden.

Das erleichtert das Sammeln von tschechoslowakischer Luftpost bis 1939, da es in der Regel zutrifft, schützt aber nicht vor unliebsamen Begegnungen.

Ich kann aber selbst bei den von mir vorgestellten Belegen inzwischen zwei mit einer Stempelfälschung verifizieren. Es handelt sich um die vorgestellten Belege im Beitrag [#52] und [#10]. Er wirft allerdings mehr Fragen als Antworten auf.



links Fälschung / rechts Original

Der hier verwendete Stempel von Marienbad 1 ist offensichtlich eine Fälschung. Bei der Durchsicht der aufgelegten Stempel von Marienbad 1 unter der Ordnungsnummer 1344 [1] fällt als erstes auf, das zwischen 1918 – 1939 kein Stempel existiert, der keine Trennornamente hat ( ** ). Alle Stempeltypen weisen diese auf – der abgebildete Stempel aber nicht. Der zweite Fehler – die 1 hinter Lazne hat eine völlig falsche Stellung. Vergleiche die 1 hinter Marienbad. Bei dem Unterscheidungsbuchstaben 3 c fällt auf, das die 3 und das c nicht in einer waagerechten Linie zueinander stehen, sondern das c erhöht ist. Das ist unüblich. Beim Datum ist auffällig bei extremer Vergrößerung, das die Ziffern in der waagerechten unregelmäßig stehen. Aber Vorsicht – bei der Jahreszahl scheint es nicht untypisch zu sein sondern eher ein technischer Fehler bei der Stempelproduktion. Schrägstellungen bei der Jahreszahl habe ich von verschiedenen Orten bereits beobachtet. Dafür scheint mir die 8 in der Uhrzeit sehr unregelmäßig zu sein.

Bleibt die Frage – wozu wurde dieser Stempel gefälscht ? Wenn ich annehme, das der Bestätigungsstempel von Chemnitz echt ist, war der Beleg auch im normalen Postdienst unterwegs. Vielleicht können ja hier Deutschland Spezialisten näheres dazu beitragen. Der Stempel von Mimon/Niemes bei Beleg [#10] ist aus der Zeit und echt. Eine Fälschung zum Schaden der Post ?

Ich nutze auch gleich die Gelegenheit zu erklären, warum von mir trotz Ankündigung, ab 1919 Bedarfspost zu zeigen, nicht realisiert wurde.

Belege mit der ersten Luftpostausgabe der Tschechoslowakei Mi.Nr. 192-194 sind sehr problematisch. Bereits Michel verweist darauf, das schon die Marken lose fälschungsgefährdet sind. Da Flüge mit der ersten Ausgabe oft nur zwischen 10 und 150 Belege im Zeitraum 1920 bis 1922 beförderten, ist hier größte Vorsicht geboten.

Im Mai/Juni wurden hier zwei Belege angeboten vom 30.03.1921. Einer ging von Prag über Paris nach London, ein zweiter nur bis Paris als Einschreiben ohne jeglichen Ankunftstempel. Während der erste Beleg den stolzen Erlös von 1.000 Euro erzielte (kein Schreibfehler), waren beim zweiten Beleg Sammler schon vorsichtiger wegen fehlender Ankunftstempel und boten nur noch 400 Euro. Beide Belege waren nicht geprüft.

Ich kann jedem Sammler nur empfehlen, Belege mit der ersten Luftpostausgabe nur mit Attest oder zumindest geprüft zu erwerben. Es gibt auch Belege, bei denen nur die Marken geprüft wurden (erkenntlich am Prüfstempel unmittelbar unter oder neben der Marke).

Es stellt sich nämlich eine ganz simple Frage - wie kann es sein, das etwa 100 Jahre nach dem Flug solche international begehrten Belege noch nicht durch die Hand eines Prüfers gegangen sind ?

Deshalb verzichte ich auf derartige Belege, ich habe noch keinen geprüften angeboten bekommen.

Gruß
Detlev

[1] Monografie Ceskoslovenskych Znamek, Band 17, Teil I Ceskoslovenska Postovni Razitka 1919 - 1938
 
rudi63 Am: 01.08.2019 19:59:34 Gelesen: 1056# 134 @  
@ Detlev0405 [#133]

Servus Detlev,

an eine Fälschung des Stempels: Marienbad 1 UB:3c M47 lt. Monografie 17 mag ich nicht glauben, die sind schon in Ordnung.

Es gibt durchaus Stempel des Typs M47 ohne Sterne/Kreuze, siehe Monografie Einleitung Seite 45, Abbildung 38. Schiefe Zahlen in der Datumleiste sind nicht ungewöhnlich, kann es nur nicht für genau diesen Stempel beweisen.

Vom Stempel Marienbad 1/3c habe ich auch nur einen Beleg, der mit Deinem aus Beitrag [#10] identisch ist, gleiche Karte, gleiche Frankatur, gleiche Stempel (meiner hat jedoch den Mimon Stempel 2 x nebeneinander abgeschlagen), gleicher Empfänger. Leider kann ich momentan nicht scannen, sonst hätte ich ein Bild hochgeladen.

Die Belege aus 1920/1921 mit der 1. Flugpostausgabe sind sehr mit Vorsicht zu genießen. Mein Brief aus [#5] hat übrigens ein Attest, allerdings von Georg Bühler, was auch keine Garantie ist, deshalb hatte ich es damals auch nicht erwähnt. Ich persönlich halte den Beleg für echt - halt per Bahnpost befördert. Ich habe auch noch keine Belege der 1. Ausgabe mit aktuellem Attest gesehen. Die Marken der 1. Ausgabe traue ich mir zu auf echt und falsch zu bestimmen, aber die Belege.

Briefe wurden früher, auch bei anderen Ausgaben unter oder neben den Marken geprüft. Tschechische Prüfer haben übrigens noch nie Stempel geprüft, eine Signatur Gilbert, Karasek, usw. bezieht sich immer nur auf Markenechtheit, nie die des Stempels.

Schöne Grüße
Rudi
 
Detlev0405 Am: 02.08.2019 12:02:20 Gelesen: 1016# 135 @  
@ rudi63 [#134]

Hallo Rudi,

danke für Deine Ausführungen zu dem Thema. Was die Marken der ersten Luftpostausgabe betrifft ist es gut zu wissen, an wen ich mich wenden kann, wenn ich einen solchen Brief mal in die Finger bekomme. Das die tschechischen Prüfer nur den Aufdruck und nicht den dazugehörigen Stempel prüfen, wusste ich auch noch nicht.

Was den Stempel von Marienbad betrifft, folgende Ergänzung von mir. Richtig ist, wie Du schreibst, das es auch Stempel ohne Trennornamente in der Zeit von 1919 - 1939 gibt. Die Erklärung unter dem Stempel von Chcebuz/Zebus in der Abbildung 38 lautet aber übersetzt : "... dass vielleicht als einziger zweisprachige dieser Art keine Trennwanddekorationen hat. "

Da ich aber den ganzen Stempelkatalog nicht durchsucht habe, bezog ich mich auf meine Darstellung zur Fälschung ausschließlich auf die Stempel von Marienbad 1, registriert unter der Ordnungsnummer 1344 Seite 362 und 363. Sowohl Typ M 44 als auch Typ M 47 sind nur mit Trennornamenten aufgeführt. Das deckt sich dann wieder rum mit dem Begleittext unter der Abbildung 38.

Viel spannender für mich ist die Frage nun, wozu eine solche Stempelfälschung ? Eingesetzt wurde er nachweislich von Anfang bis Ende Juli 1927, wie beide Belege zeigen. Gibt es noch andere Belege zu diesem Stempel ?

Ebenfalls schöne Grüße von mir
Detlev
 
rudi63 Am: 02.08.2019 19:31:00 Gelesen: 947# 136 @  
@ Detlev0405 [#135]

Servus Detlev,

schon seltsam. Leider kann ich kaum tschechisch, aber auch die Monografie 17 ist nicht unfehlbar.

Schau bitte mal im Horka Seite 102 nach. Da ist unser Stempel ohne Trennornament als Ankunftstempel auf einem Erstflug 4.7.1927 aus Prag abgeschlagen.

Leider kann ich in meinem Archiv keinen unverdächtigen Abschlag auf irgendwelcher Korrespondenz finden. Vielleicht wurde der Stempel auch nur am Flugplatz verwendet? Ich glaube einfach nicht an eine Fälschung.

Schönen Abend, gehe jetzt zum Kulmbacher Bierfest.

Rudi
 
Detlev0405 Am: 02.08.2019 20:42:39 Gelesen: 938# 137 @  
@ rudi63 [#136]

Hallo Rudi,

zuerst einmal viel Spaß beim Fest.

Beim Horka habe ich nachgeschaut - offensichtlich hat er ein Exemplar mit gleichem Stempel wie wir. Ja ein wenig Tschechisch habe ich inzwischen gelernt, den Rest schaue ich nach.

Ich denke wir vertagen uns zu diesem Problem. Ich werde die Leiterin des Postmuseums anschreiben und um ihren Rat bitten mit konkreten Fragen. Habe ja nun schon Übung darin und wurde bisher nie enttäuscht. Das Ergebnis werde ich hier wieder veröffentlichen.

Beste Grüße
Detlev
 
Anton Am: 07.08.2019 10:43:12 Gelesen: 706# 138 @  
Hallo Detlev 0405,

soeben erhielt ich die monatliche Mail von Philaseiten mit dem Hinweis auf Deinen Forumsbeitrag mit allem Drum und Dran über die Luftpost in der Tschechoslowakei 1919-38. Ich habe ihn mit zunehmender Begeisterung gelesen.

Nun bin ich kein Sammler dieses Spezialgebiets, aber doch einigermaßen orientiert. Und da hatte ich folgende Idee als Redakteur der "Forschungsberichte der Tschechoslowakei-Philatelie" der "Arbeitsgemeinschaft Tschechoslowakei e.V. im BDPh e.V". Deine wertvolle Arbeit und die Anfragen und Antworten dazu mit bisher 137 Beiträgen verdienen es außerordentlich, einer größeren Anzahl von auf die Tschechslowakeiphilatelie Spezialisierten zugänglich gemacht zu werden.

Ich wäre dazu bereit, aus allen Beiträgen einen großen Artikel (sicher in Fortsetzungen) journalistisch und redaktionell zu entwickeln, natürlich Dir und sämtlichen Beteiligten vorher vorzulegen und darüber zu diskutieren, was heißt, den Artikel dann gemeinsam in Absprache noch einmal zu redigieren, und ihn dann in unserem jeweils 80 Seiten umfassenden Quartalsmagazin zu veröffentlichen. Entscheidend wird Deine Zustimmung ebenso wie die aller Beteiligten sein. Da weiß ich noch nicht, wie ich das anstellen soll; denn ich bin zwar schon lange Mitglied der Philaseiten, habe aber noch nie was geschrieben, sondern nur um meiner Information willen.

Dankbar wäre ich für eine Antwort. Nähere Informationen auch für Dich und alle unter Arge-Tschechoslowakei.de, (kann ja aber auch sein, dass Du selbst oder/und andere Mitglied bei uns sind, was unter dem Forum-Namen ja nicht erkennbar ist.

Ich bin gespannt auf Reaktionen, gerne auch von eventuellen Mitgliedern der ArGe direkt an mich. Die können mich ja im Impressum auf der Titelrückseite identifizieren und mir direkt eine Mail schreiben.

Das wär's vorerst mit herzlichen Grüßen an Dich und alle anderen
Euer "Anton"

[Redaktioneller Hinweis zu Absatz 1: Die "monatliche Mail von Philaseiten" ist der Philaseiten Brief und erscheint jede 2 Monate.]
 
Detlev0405 Am: 08.08.2019 15:46:48 Gelesen: 609# 139 @  
@ Anton [#138]

Hallo Anton,

natürlich bin ich einverstanden mit einer weiteren Veröffentlichung meiner hier dargelegten Erkenntnisse, sie sollen ja nicht begrenzt nutzbar bleiben. Zumal es sehr wenig Literatur zu dieser Thematik gibt und Ausstellungssammlungen eben nur zu Ausstellungen gezeigt werden, oder eben im Internet.

Dein Hinweis auf eine redaktionelle Bearbeitung für ein Fachblatt findet meine Zustimmung, da ich hier meine Erkenntnisse in etwas mehr oder weniger unterhaltsamer Art und Weise dargestellt habe - mein Thread sollte unterhaltsam sein.

Selbstverständlich habe ich auch die Zustimmung von Richard eingeholt und mich mit ihm geeinigt, das ich auch weiterhin meine Erstveröffentlichungen auf dieser Plattform bringen werde.

Nein ich bin kein Mitglied der ARGE (ich bin in keinem nationalen Verband organisiert und das bleibt auch so), habe aber zu Detailfragen schon sehr intensiven Kontakt zum einen oder anderen Mitglied der ARGE gepflegt, die auch sehr fruchtbar für mich waren.

Sollte Dich der Rahmen zufrieden stellen, kannst Du mich gern dazu kontaktieren (Mail Adresse im Profil) - ich weiß nicht wer hinter Anton steht.

Freundliche Grüße
Detlev
 
Detlev0405 Am: 12.08.2019 08:11:00 Gelesen: 419# 140 @  
Heute kann ich einen Brief von der wohl längsten Strecke, auf der ein Brief bis 1939 von der Tschechoslowakei befördert wurde, vorstellen.



Es handelt sich um die Destination Prag – Melbourne aus dem Jahr 1938. Beim ersten Blick auf den Brief werden wohl viele enttäuscht sein – keine Luftpostmarken, keine Durchgangsstempel. Daher verweise ich hier auf den Beitrag von Ralf unter [#22] und vom Wolfgang [#24] Punkt 1 zweiter Absatz. Lediglich ein Abgangsstempel von Prag – Flughafen am 09.04.38 um 17 Uhr und ein Ankunftsstempel in Melbourne am 24.04.38 . Und dennoch ist es ein faszinierender Brief der Bedarfsluftpost – wir müssen nur in die Details eindringen.



Es handelt sich hier um einen Geschäftsbrief der „Boskin“ AG für Lederwaren an den Partner in Australien zum Bezug der Rohware für die AG. Frankiert wurde er – und das wieder entgegen den geltenden Bestimmungen der Post – mit zwei Firmenfreistempeln a 8 Kronen. Also gesamt 16 Kronen Porto. Ab dem 01.03.1937 galt für internationale Briefe ein Porto von 2,50 Kronen bis 20 g. Der Luftpostzuschlag je 5 g betrug ab 01.07.1937 4,50 Kronen. Somit war der Brief etwa 15 g schwer = 13,50 Kronen + Porto. Also bedarfsgerecht frankiert.

Bleibt die Frage, welche Gesellschaft auf welcher Route den Brief nach Australien befördert hat, denn der Abgangsstempel von Prag – Flughafen legt ja die Luftpostbeförderung nahe. Und hier kommt uns der Fakt, das keine Durchgangsstempel angebracht wurden, zur Hilfe. Aus der Zeit der Luftpost bis 1939 fallen mir zwei Länder auf, die kaum gestempelt haben – USA und England. Das der Brief über die USA lief kann ausgeschlossen werden.

Also ein Flug über London ? Eigentlich wäre Athen als Anbindung idealer. Aber erinnern wir uns, die tschechoslowakischen Airlines hatten es verpasst, sich mit der DLH vertraglich zu verbinden auf der Strecke. Und so macht die Destination über London Sinn.

Wir müssen auch wieder auf die Wochentage achten, da Flüge nur an bestimmten Wochentagen durchgeführt wurden. Der 09.04.38 war ein Samstag und der 24.04.38 ein Sonntag. In diesen Rahmen muss die Beförderung passen.

Los geht es am 10.04.38 um 15 Uhr ab Prag mit dem Trans Europe Air Express nach London. Dort kam der Brief um 20.05 Uhr an. [1] Leider verpasste der Brief den Flug nach Australien an diesem Tag um genau eine Stunde. Also musste er bis Mittwoch warten. So verließ der Brief am 13.04. London. Die wichtigsten Etappen waren dann : 14.4 . (Do) Athen 15.4. (Fr) Basra 16.4. (Sa) Karachi 17.4. (So) Calcutta 18.4. (Mo) Bangkok 19.4. (Di) Singapore. Bis hierher beförderte die Imperial Airways den Brief. Eine kleine Besonderheit muss hier noch eingefügt werden. Von London wurde der Brief per Bahn nach Southampton befördert, um dort in ein Flugboot verladen zu werden.

Von Singapore wurde der Brief weiter befördert mit der Qantas Empire Airways, einer Tochtergesellschaft der Imperial Airways. So waren die weiteren Etappen : 20.4. (Mi) Sourabaya 21.4. (Do) Darwin 22.4. (Fr) Townsville und 23.4. (Sa) Sydney . Hier endet der lange Flug. [2]

Von Sydney nach Melbourne beförderte die Australian National Airways ANA den Brief mit einer DC-2 . Der Flughafen von Melbourne befand sich zu der Zeit in Essendon . [3]



Das war das einzige Schema von Flugplänen, das in den vorgegebenen Zeitrahmen passte. Nun wird auch jeder verstehen, warum keine Etappenstempel abgeschlagen wurden.

Der Brief dokumentiert noch einmal sehr deutlich, das auch entgegen der gesetzlichen Regelung – Aufkleber + Luftpostmarke – Post ohne Luftpostmarke anstandslos befördert wurde.

Zur Seltenheit von Freistempeln bei Luftpostsendungen hatte ich mich schon im Beitrag [#94] geäußert.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok38/ok38-5.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/iaw38aus/iaw38u-2.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/an36.htm
 
Detlev0405 Am: 14.08.2019 08:33:44 Gelesen: 261# 141 @  
Ich freue mich heute einen Beitrag veröffentlichen zu können, der sich auf die Anfänge des Threads bezieht. Es geht um den Beitrag [#9], wo ich den Flug nicht so richtig zuordnen konnte.

Dazu erreichte mich folgende Zuschrift:

Ihr Beitrag vom 15. 1.18 LP-Karte Marienbad - Chemnitz - Halle /
Leipzig. Die Karte wurde auf der Lufthansa-Linie Marienbad - Chemnitz -
Berlin, eröffnet am 21. 5. 1928, bis Chemnitz befördert, dort entkartet und auf
die Direktlinie Chemnitz - Halle / Leipzig geleitet. Deshalb die
Flugbestätigungen von Chemnitz und Halle / L. Eine Direktlinie Marienbad
- Chemnitz - Halle gab es nicht-

Mit herzlichen Gruß Dietrich Intelmann


Auch für den Beleg aus dem Beitrag [#17] wird nun eine fundierte Auflösung angeboten.

Da waren noch 2 Belege 1.6.31 An
diesem Tag wurde durch CSL die Linie
Halle / Leipzig - Marienbad - Karlsbad eröffnet. Sie zeigten da den
Rückflug Karlsbad - Marienbad , dort umgeleitet auf die LH-Strecke
Richtung Berlin, in Chemnitz entkartet und den Hinflug Halle -Karlsbad.
Näheres findet man im Handbuch von Otto Dt. LP 1919 - 1932

Mit herzlichen Grüßen Dietrich Intelmann


Ich bedanke mich ausdrücklich bei Herrn Intelmann für die Lösung der beiden Rätsel in meinen Beiträgen. Seine Zustimmung zur Veröffentlichung der Mails liegt mir vor.

Mit freundlichen Grüßen
Detlev
 

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