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Thema: Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Das Thema hat 253 Beiträge:
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Detlev0405 Am: 12.11.2019 07:00:02 Gelesen: 36264# 154 @  
Heute haben wir Post, die mit Flugpost schnell befördert werden sollte, mit der Bahn aber noch schneller ans Ziel kam.



Sehr schön frankiert mit Werten der Luftpostausgabe Österreich Nr. 601–603 und einem Flugpostaufkleber, wurde der Brief am 26.10.1937 um 16 Uhr in Wien auf geliefert. Der Brief sollte nach Nova Rise, 20 km westlich von Brno gehen. Eine Luftpostbeförderung war erst am nächsten Tag möglich – entweder über Prag um 9 Uhr und Ankunft in Brno 17.20 Uhr oder über Bratislava nach Brno und da die Ankunft um 17.15 Uhr.

So entschloss sich die österreichische Post, den Brief mit dem Nachtzug nach Brno zu schicken, so das er mit der Morgenpost dem Adressaten zugestellt werden konnte. Ein entsprechender amtlicher Vermerk wurde von der Post auf dem Brief angebracht.

Diese Vorgehensweise ist primär bei der österreichischen Post zu beobachten, es gibt aber auch Beispiele von der deutschen Reichspost.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 19.11.2019 04:15:46 Gelesen: 35863# 155 @  
Mein heutiger Brief macht auf den ersten Blick einen etwas deprimierenden Eindruck – wegen der vielen Stockflecken. Bevor jedoch jemand diesbezüglich ein vorschnelles Urteil fällt, möge er überlegen, was der Brief für eine Geschichte hinter sich hat. Gerichtet an einen jüdischen Bürger in Danzig, mag sich jeder seine eigenen Gedanken dazu machen.



Der Brief wurde am 01.02.1937 in Mukacevo ( Karpaten Ukraine ) aufgegeben und schon am nächsten Tag erreichte er Danzig, den Bestimmungsort. Der Aufgabestempel von Mukacevo mit dem Kennbuchstaben m wurde im Zeitraum von 1932 – 1938 verwendet. [1]

Bei der Suche nach der richtigen Verbindung war Geduld gefordert. Zuerst musste die Aufgabezeit in Mukacevo ergründet werden. Ich gehe von der Uhrzeit 12 Uhr aus, auch wenn der Abschlag undeutlich ist. Da Mukacevo nur 20 km südöstlich von Uzhorod lag, konnte der Brief den Flug ab Uzhorod um 13.25 Uhr problemlos erreichen [2]. So kam der Brief in Prag gegen 17.15 Uhr an und wurde am nächsten Tag um 09.00 Uhr zum Weiterflug abgefertigt. Von dort ging er um 10.30 auf Reisen über Dresden ab 11.30 Uhr nach Berlin an 12.15 Uhr. Von Berlin ging es um 14.30 Uhr weiter nach Stettin ab 15.25 Uhr, um in Danzig um 16.45 Uhr anzukommen [3].



Der Stempel von Danzig 5 bestätigt diese Ankunft dann auch letztendlich zwischen 17 – 18 Uhr.

Bei der Bestimmung des Portos ist darauf zu achten, das die Sondertarife für Deutschland und Polen ab 1922 nicht für Danzig zutrafen. So kostete der Brief 2,50 Kc bis 20 g, je weitere 20 g 1.25 Kc. Die Einschreibgebühr war 2,50 Kc, der Luftpostzuschlag 1,00 Kc je 20 g.

Also würde ein 60g Brief 10,50 Kc kosten. Ob er wirklich 60g befördert hat, überlasse ich der Phantasie eines jeden Betrachters. Über- oder Unterfrankatur bei Luftpost Briefen war in der Tschechoslowakei gang und gebe.

Tatsache ist, das eine Destination von der Karpaten Ukraine nach Danzig sehr selten ist.

Gruß
Detlev

[1] Monografie der tschechoslowakischen Briefmarken Band 17 Teil II Karpaten Ukraine Nr. 41 – 3. Seite 366
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok3506/ok3506-3.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3610/dlh36-07.jpg
 
Detlev0405 Am: 26.11.2019 05:45:59 Gelesen: 35497# 156 @  
Heute haben wir einen Diplomatenbrief – aufgegeben von der Botschaft in Caracas (Venezuela) an das tschechoslowakische Außenministerium in Prag.



Auffallend die schöne Frankatur mit Luftpostmarken Venezuelas – der Michel Nr.153 , 163 und 166 . Aufgegeben am 23.Juli 1935 in Caracas, irritiert der Vordruckbrief mit dem Vermerk, mit der Air France befördert zu werden. Er wurde auf dem amerikanischen Kontinent mit der PanAm befördert. Entweder über Port of Spain oder Barranquilla nach Miami und von dort nach New York.[1]



Von New York wurde der Brief auf dem Seeweg nach Le Havre befördert.

Nach seiner Ankunft in Le Havre musste der Brief nach Paris. Da der Flughafen erst 1937 in Bau ging und 1939 fertig wurde, musste er auf dem Bahnweg transportiert werden. Am 02.08.1935 um 6 Uhr ging der Brief von Paris über Straßburg und Nürnberg nach Prag, wo er um 11.05 Uhr ankam.

Dieser Flug wurde von der CLS ausgeführt.



Abgefertigt wurde der Brief durch die Auslandsabteilung der Post am Flughafen Prag.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/pa/pa34/pa34-5.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3504/cls354-3.jpg
 
Detlev0405 Am: 03.12.2019 07:17:58 Gelesen: 35229# 157 @  
Hat sich schon jemand einmal die Frage gestellt, was wohl seltener ist - eine Zuleitung zu einem Luftschiff Flug, einem Katapultflug oder zu einer Schiffspassage ? Bei der Fragestellung zu letzterem werden erfahrene Sammler bestimmt den Kopf schütteln und meinen, das gibt es nicht.



Und doch möchte ich heute mit unserem Brief beweisen, das es das auch gab. Der Brief ging von Prag nach Alexandria. Schon bei der Aufgabe gab es Ungereimtheiten. Ursprünglich in Prag 8 aufgegeben, wurden die beiden oberen Marken abgestempelt und ein Porto von 6,50 Kc abgedeckt. Am Flughafen wurde der Brief offensichtlich nachgewogen – siehe die 15 unterhalb der unteren 1,50 Kc Marke – und dann das fehlende Porto nach geklebt. Denn das Porto betrug 1935 2,50 Kc für einen Auslandsbrief, 2.50 Kc für das Einschreiben und 3 Kc für den Luftpostzuschlag – gesamt 8 Kc. Deshalb auch der Flughafenstempel auf der unteren 1,50 Kc Marke.

Auf der Rückseite dann der eigentliche Abfertigungsstempel vom 06.05.1935 um 13 Uhr. Um 17.10 Uhr ging der Brief ab nach Wien, Ankunft 18.30 Uhr. Erst am 07.05.1935 ging es weiter und das durch halb Osteuropa. Ab Wien 09.45 Uhr – Budapest ab 11.05 Uhr – Beograd ab 12.55 Uhr – Saloniki 17.30 Uhr und Ankunft in Athen um 19.05 Uhr. [1]



Das korrespondiert dann auch mit den Bestätigungsstempel von Athen vom 08.05.1935 früh um 6 Uhr. Von Athen ab 12 Uhr ging es weiter mit der Imperial Airways nach Alexandria an Abend. Die Beförderung erfolgte auf der Südafrika Linie am Dienstag den 07.05.1935. [2]



Am 09.05.1935 erfolgte in Alexandria früh zwischen 6-7 Uhr die Bestätigung des Eingangs am Flughafen.



Kommen wir zurück zu unserer Ausgangsproblematik. Der Brief ist adressiert an eine Reederei und Postfach in Alexandria. Wichtig der Vermerk unter Alexandria – for SS. Kraljica Maria.



Es handelt sich dabei um ein Passagierschiff, in deren Kabine 527 der Adressat des Briefes, Frau Faustkova eingeschifft war. [3]
In der Zeit von 1926 – 1940 war das Schiff im Eigentum des Yugoslav Lloyd. [4]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3504/cls354-4.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/iaw35afr/iaw35f-4.jpg
[3] http://www.ansichtskarten-center.de/sisak-sissek/sisak-dampfschiff-ss-kraljica-marija
[4] https://www.wrecksite.eu/wreck.aspx?161222
 
Detlev0405 Am: 10.12.2019 07:39:30 Gelesen: 35031# 158 @  
Unser heutiger Brief besticht durch seine gute Erhaltung und der Vollständigkeit der Dokumentation des Postweges.



Am 20.02.1934 wurde ein Einschreiben – Luftpost in Olomouc aufgegeben. Ob er um 13 oder 18 Uhr aufgegeben wurde, spielt in unserem Fall keine Rolle. Er ging auf jeden Fall auf dem Landweg nach Prag. Dort wurde er um 8 Uhr am Flughafen abgefertigt. Mit der DLH Linie 471 wurde der Flug um 10.40 Uhr nach Fürth durchgeführt, Ankunft in Fürth um 12 Uhr.



In Fürth wurde der Brief sowohl mit dem Luftpoststempel zur Beförderung und dem Tagesstempel des Nürnberger Flughafens um 15 Uhr versehen. Um 15.55 Uhr ging es auf der Linie 10 der DLH nach München. Dort traf er um 16.55 Uhr ein. [1]



Und auch in München erhielt der Brief sowohl den Beförderungstempel per Luftpost als auch den Tagesstempel in München um 18 Uhr. Auf dem Landweg ging dann der Brief nach Durach, wo er am 22.02,1934 gegen 08 oder 09 Uhr eintraf. Somit ist jede einzelne Etappe mit einem entsprechenden Stempel nachgewiesen.

Ich möchte die Gelegenheit des sauberen Beleges nutzen, um auf die Bewertung eines solchen einzugehen. Der Bestätigungsstempel von Nürnberg wertet laut Michel F 81) 04 mit 20 Euro, der Stempel von München F 77) 04/a ebenfalls mit 20 Euro. Hinzu kommt eine spezielle Bewertung der verklebten Marken der III. Luftpostausgabe der Tschechoslowakei nach Horka. Dort ist auf Seite 134 eine detaillierte Aufstellung vorgenommen. Unter a) ad) finden wir unsere 4 Kc Marke. Bei einem Randstück kann man wohl die höchste Bewertung annehmen – als etwa 25 Euro. Somit haben wir schon 65 Euro zusammen gerechnet, ohne die Destination Olomouc – München zu bewerten. Dafür gibt es auch keine Anhaltspunkte, außer der eigenen Erfahrung am Markt. Entscheidend bei allem ist – was bin ich bereit, für einen solchen Beleg zu bezahlen. Was ist er m i r persönlich wert. Das muss jeder selbst entscheiden. Letztendlich habe ich den Beleg für unter 10 Euro erworben.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3309/dlh339-4.jpg
 
Detlev0405 Am: 17.12.2019 08:13:35 Gelesen: 34765# 159 @  
Es erreicht uns wieder ein Brief aus Südamerika. Und das aus einem relativ kleinen Land dieses Teilkontinentes – aus Bolivien.



Am 29. April 1935 in La Paz wurde der Brief aufgegeben. Frankiert mit einer Michel Nr. 221 von Bolivien, weist der Vordruckbrief der Air France auf die Route, die zur Beförderung des Briefes genutzt wurde.

Es ist nicht ganz einfach, den Weg auf dem südamerikanischen Kontinent bis ins letzte Detail nachzuvollziehen – dazu sind meine verfügbaren Unterlagen über diese Region zu spärlich. Sicher bin ich mir, das der in La Paz aufgegebene Brief mit der Lloyd Aereo Boliviano auf der Inland Strecke bis Puerto Suarez befördert wurde und von dort nach Corumba in Brasilien mit einer anderen Fluggesellschaft bis nach Rio de Janeiro [1]. Ab Corumba kommt möglicher Weise die Syndicato Condor LTDA in Frage, hier bleibt aber die Reststrecke von Sao Paulo bis Rio de Janeiro offen [2]. Auf jeden Fall ist aber im Flugplan der Lloyd Aereo Boliviano ersichtlich, das eine direkte Weiterbeförderung nach Rio de Janeiro vorgesehen ist.

Von Rio de Janeiro ging es auf der Südamerika Linie der Air France über Natal, Dakar, Tanger nach Paris. Ab Paris dann auf der uns inzwischen hinlänglich bekannten Strecke über Straßburg nach Prag [3]. Dort kam er letztendlich am 06.05.1935 auf dem Prager Flughafen an.

Interessant ist der Vermerk bei der Quelle [3] neben der grafischen Flugstrecke. Demzufolge ist die eindeutige Kennzeichnung als Flugpost oben links auf dem Brief anzubringen und der Vermerk „Via France“. Nur so wurde die Beförderung per Luftpost durch die Air France und beteiligte Gesellschaften gewährleistet.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/lb1/lb32/lb32-1.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/sc35a.htm
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/af34/af34-7.jpg
 
saintex Am: 22.12.2019 18:25:09 Gelesen: 34516# 160 @  
@ Detlev0405 [#159]

Hallo Detlev,

ein äußerst interessanter Luftpostbrief aus Bolivien aus dem Jahr 1935, den Du uns in Deinem Beitrag [#159] zeigst und der einige Anmerkungen verdient hat.

1. Der Luftpostbrief wurde im April 1935 in der Hauptstadt Boliviens, La Paz aufgegeben. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die seit Juni 1932 zwischen Bolivien und dem Nachbarstaat Paraguay andauernde militärische Auseinandersetzung (sog. Chacokrieg) um die Grenzregion zwischen beiden Staaten, den Gran Chaco bzw. Chaco Boreal, in ihrer Endphase. Beide Seiten hatten seit Kriegsbeginn ausländische Militärberater engagiert und ihren Generalstäben zur Seite gestellt. Zum Befehlshaber der bolivianischen Truppen wurde bei Kriegsbeginn der deutsche General Hans Kundt ernannt, der jedoch nach schweren Niederlagen der bolivianischen Seite im Dezember 1933 zurück trat und durch bolivianische Generäle ersetzt wurde.

Weniger bekannt ist, dass auch die Tschechoslowakei eine Militär-Mission zur Unterstützung der bolivianischen Kriegsanstrengungen nach Bolivien entsandte. Die tschechische Militär-Mission, die aus fünf Offizieren unter dem Kommando des tschechischen General Vilém Plaček stand, traf im Mai 1934 in Bolivien ein und kehrte nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen Bolivien und Paraguay am 12.06.1935 im Juli 1935 in die Heimat zurück. Hintergrund der Entsendung der tschechischen Militär-Mission nach Bolivien war offensichtlich staatliche „Kundenpflege“, da Bolivien einer der Hauptkunden der tschechoslowakischen Rüstungsindustrie war. Es war die erste militärische Auslandsmission der unabhängigen Tschechoslowakei nach ihrer Gründung am 28.10.1918.



General Vilém Plaček (Bildquelle: Facebook)

Nach den Angaben auf der Rückseite Deines bolivianischen Luftpostbriefes war Absender des Briefes offensichtlich der Leiter der tschechoslovakischen Militär-Mission in Bolivien, General Vilém Plaček. Adressiert ist der Luftpostbrief an einen Major Karel Fišer in Prag-Dejvice, wo sich am Vitězné náměstí (Siegesplatz) das Gebäude des Generalstabes der tschechoslowakischen Armee befand. Auch das spricht für die Vermutung hinsichtlich des Absenders des Luftpostbriefes.

2. Thematisch zum Grund des Aufenthaltes des Absenders in Bolivien passend, ist die Frankatur mit einem Propagandastempel der bolivianischen Post entwertet, der in vier Sprachen (spanisch/engl./franz./dt. ) die bolivianischen Gebietsansprüche in der umkämpften Grenzregion bekräftigt und dessen Text lautet: „ El Chaco Boreal/es y sera siempre de Bolivia/is and will always be Bolivia‘s/est et sera toujours bolivien/ist und wird immer Bolivien sein“. Hier der Propagandastempel nochmals auf einem Luftpostbrief aus meiner Sammlung



Die bolivianischen Gebietsansprüche erfüllten sich allerdings nicht. Im Chacokrieg militärisch unterlegen, musste Bolivien im Friedensvertrag mit Paraguay von 1938 den Großteil der umstrittenen Grenzregion an das Nachbarland abtreten. Letzte Unstimmigkeiten im Grenzverlauf wurden allerdings erst im Jahr 2009 durch einen Grenzvertrag zwischen beiden Ländern beseitigt.

3. Hinsichtlich des Leitweges der bolivianischen Luftpost nach Europa innerhalb Südamerikas gab es in der 1930er Jahren nach meinen Recherchen zwei verschiedene Leitwege:

Bolivianische Luftpost, die mit der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa nach Europa befördert werden sollte, wurde innerhalb Boliviens mit der bolivianischen Fluggesellschaft Lloyd Aéro Boliviano (LAB) von La Paz über Cochabamba, Santa Cruz und Roboré bis zur brasilianischen Grenzstadt Corumbá und von dort mit der brasilianischen Fluggesellschaft Syndicato Condor über Sao Paulo nach Rio de Janeiro befördert. Dort hatte die bolivianische Luftpost Anschluss an den Trans-Ozean-Dienst der Lufthansa nach Europa.

Die zur Beförderung durch die französische Fluggesellschaft Air France bestimmte Flugpost wurde dagegen durch die LAB von La Paz aus in südlicher Richtung bis zur bolivianischen Grenzstadt Yacuiba an der Grenze zu Argentinien befördert und dort von der us-amerikanischen Fluggesellschaft Panagra übernommen, die die für Europa bestimmte bolivianische Luftpost über ihr argentinisches Streckennetz nach Buenos Aires beförderte, wo die bolivianische Luftpost Anschluss an die wöchentlich Sonntag früh um 04:00 Uhr abgehenden Flüge der Air France nach Europa hatte. Rückseitig erhielten diese Luftpostsendungen aus Bolivien in Buenos Aires häufig einen auf die Luftpostbeförderung hinweisenden Poststempel, der den Leitweg über Buenos Aires belegt.



Luftpostbrief aus La Paz nach Paris vom 7.9.1934 mit rückseitigem Transit-Stempel SERV. AEROPOSTAL BUENOS AIRES 15.9.34 18 Uhr

Ein identischer Transit-Stempel findet sich auch auf der Rückseite Deines Luftpostbriefes links unterhalb des Logos der Air France, allerdings nur schwach und auf dem Kopf stehend abgedruckt. Bei entsprechender Vergrößerung ist das Stempeldatum jedoch klar erkennbar 27.04.35. 18 Uhr. Der Luftpostbrief wurde mit der am Folgetag, Sonntag 28.4.1935 04:00 Uhr von Buenos Aires abgehenden französischen Flugpost nach Frankreich befördert, die nach den in meinem Archiv registrierten Stempeldaten am 5.5.1935 16 Uhr im Pariser Hauptpostamt (Paris R.P. Avion) eintraf. Damit korrespondiert der rückseitig angebrachte Ankunftsstempel des Postamtes Prag 7 vom Folgetag, dem 6.5.1935 13 Uhr.

4. Fazit: Ein schönes Stück tschechoslowakischer Militärgeschichte, bestimmt nicht häufig zu finden. Glückwunsch zu dem Fund.

Quellennachweise

Internet
R.E.G. Davies, Airlines of Latin America since 1919, London 1984
Gerard Collot/Alain Cornu, Ligne Mermoz Histoire Aérophilatelique Latecoere Aeropostale Air France 1918 – 1940, Paris 1990
u.a.

saintex
 
Detlev0405 Am: 22.12.2019 19:44:44 Gelesen: 34499# 161 @  
@ saintex [#160]

Hallo Wolfgang,

zuerst einmal vielen Dank für die Korrektur der Briefbeförderung innerhalb Boliviens und dem Anschluss bis Rio de Janeiro. Daran erkennt man doch, das Du der absolute Spezialist für Luftpost des südamerikanischen Kontinents bist.

Sowohl mit dem Absender als auch der Anschrift habe ich mich leider nicht beschäftigt gehabt - so entging mir der tatsächlich historische Wert dieses Briefes. Das ist nun doch wie ein Weihnachtsgeschenk durch Dich an mich, denn sehr häufig wird eine solche Korrespondenz tatsächlich nicht zu finden sein. Danke für Deine Mühen bei den Nachforschungen.

Mit freundlichen Grüßen
Detlev
 
Detlev0405 Am: 30.12.2019 08:05:45 Gelesen: 34083# 162 @  
Ein schöner Brief erreicht uns heute aus Ungarn, konkret aus dessen Hauptstadt Budapest. Die erste Flugverbindung durch die CIDNA nach Budapest war im Jahr 1923 in den Monaten September und Oktober. Eine Postbeförderung ist aus dieser Zeit nicht bekannt. Erst ab dem 01.07.1925 fand bis ins Jahr 1939 auf dieser Strecke auch Luftpost Beförderung statt. Bis 1933 durch die CIDNA, dann die Air France.



Frankiert mit einer Michel Nr. 532 wurde er am 27.05.1936 aufgegeben. Matyasföld ist der XVI. Stadtbezirk in Budapest. Am 28.05. um 07 Uhr fand die Abfertigung für den Flug nach Prag statt.

Es gibt zwei Gesellschaften, die zeitlich diesen Brief befördert haben können. Zum einen die DLH – ab Budapest 07.35 Uhr an Wien 08.45 Uhr und von Wien ab 09 Uhr an Prag 10.15 Uhr. Die zweite Möglichkeit ist die CSA ab Budapest 07.10 Uhr an Wien 08.45 Uhr und von dort weiter um 09.05 Uhr um in Prag 10.35 Uhr anzukommen. [1] Der Ankunftsstempel in Prag um 10 Uhr kann für beide Flüge zutreffen – auf jeden Fall hatte der Postbeamte die Zeit noch nicht auf 11 Uhr vorgestellt. Der Flugplan der Air France aus 1936 schließt eine Beförderung mit dieser Gesellschaft aus.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok3506/ok3506-3.jpg
 
Detlev0405 Am: 07.01.2020 20:07:00 Gelesen: 33722# 163 @  
Heute kommt der Brief aus Ungarns Nachbarland Rumänien. Der Standort Bukarest gehört zu den frühesten Luftpostverbindungen der CFRNA/CIDNA auf dem Weg über den Balkan in die Türkei. Bereits am 22.09.1922 fand ein erster Flug mit Luftpost von Prag nach Bukarest statt.



Auffallend wieder eine schöne Frankatur für eine Luftpost Beförderung. Mit der Michel Nr. 336x und 2 x 337x wird er für jeden Luftpostsammler visuell stark aufgewertet. Viel interessanter ist aber der abgeschlagene Stempel von Baneasa – Aviatie. Es handelt sich dabei um den Stempel des Flughafens von Bukarest, nördlich der Hauptstadt gelegen. Der Vermerk im Stempel „Par Avion“ weißt darauf hin, das es sich dabei um einen ausschließlichen Stempel für die Abfertigung von Luftpost Sendungen am Flughafen handelt. Den Bestätigungsstempel für Transit Post haben wir bereits im [#127] gesehen.

Auch wenn der Stempel in Bukarest keine Zeitangabe hat, lässt sich auf Grund der Ankunftszeit in Prag am gleichen Tag – 23.07.1930 – um 15 Uhr der Flug genau bestimmen. Es ist die DHL, die um 06.40 Uhr auf direktem Weg nach Wien fliegt und dort um 12.40 Uhr ankommt. Um 13 Uhr ging es dann nach Prag, wo der Brief um 15 Uhr eintrifft. Nach Brno ging der Brief dann per Bahn.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3005/dlh305-3.jpg
 
Detlev0405 Am: 13.01.2020 16:02:02 Gelesen: 33416# 164 @  
Unser heutiger Beleg basiert auf einem besonderen „Spleen“ der Luftpostsammler in den 20er und 30er Jahren in der Tschechoslowakei. Da die Linien im Winterhalbjahr den Betrieb einstellten, war es ein Bestreben der Sammler, die jährlichen „Erstflüge“ und die des letzten Tages zu bekommen. Das wurde auch unserem heutigen Beleg zum Verhängnis.



Am 15.03.1928 sollte die Karte von Bratislava nach Prag per Luftpost geschickt werden. Wurde sie aber nicht, sondern ist auf ganz ordinärem Bahnweg befördert worden. Was ist geschehen ?

Seit 1924 wurde diese Linie durch die CSA beflogen und in der Regel im März je Jahr eröffnet. Nachzulesen bei Horka Seite 64 Tabelle 17 . In der gleichen Tabelle ist ersichtlich, das im Jahr 1928 die Eröffnung der Flugsaison erst am 02.04. stattfand.

Offensichtlich sollte die jährliche Eröffnung aber am 15.03.1928 stattfinden, wie im Jahr davor. Dafür spricht der Stempel vom Flughafen Bratislava. Es handelt sich hierbei um den bei Horka registrierten R6 (vergleiche Seite 179). Also wurde die Karte für den Eröffnungsflug abgefertigt. Dafür spricht weiterhin, das der Sammler Kapitan Hucl wieder seine Finger im Spiel hatte.

Warum also fand der Flug nicht statt ? Technische Probleme ? Dann wäre der Flug eben am nächsten Tag durchgeführt worden.

Bleibt also nur die Frage nach dem Wetter. Erinnern wir uns – am 19.03.1926 musste eine Maschine der CSA auf der Strecke Prag – Bratislava bei Uhlirske Janovice notlanden. Offensichtlich wollte man am 15.03.1928 nicht noch einmal ein solches Risiko eingehen. Nur wer stellt uns die Wetterdaten aus dieser Zeit zur Verfügung ? Google hilft nicht.

Da habe ich also die naheliegenden Wetterstationen angeschrieben – Bratislava und Wien. Leider keine Auskunft erhalten. Blieb noch der Deutsche Wetterdienst – hier aber mehr aus Verzweiflung. Sicherlich sind Wetterdaten aus dem Jahre 1928 und dann auch noch Tag genau fast eine Zumutung. Aber der Deutsche Wetterdienst hat diese Zumutung gemeistert. Deshalb, bevor ich zum Ergebnis komme, mein besonderer Dank an Herrn Thomas Schmischke vom DWD Hamburg Abt. Klima- und Umweltberatung, der diese Herausforderung mit Bravour gemeistert hat. Er hat mir diesen Link [1] geschickt und eine ausführliche Anleitung zu Handhabung dieser Seite inklusive Beschreibung der einzelnen Dokumente.

Was ist nun die Kernaussage der Recherche ?





Zu unserem fraglichen Termin kam es tatsächlich zu einem Kälteeinbruch sowohl in Bratislava als auch am Zielort Prag. [2]

Die Temperaturen sanken von +3° - +5° am Vortage in den Minusbereich, ca. bis 6° tiefer wie ersichtlich beim Vergleich (Spalte 4). [3]

Nicht irgendwelche außergewöhnlichen Schneefälle haben die Saisoneröffnung verhindert, sondern der Frosteinbruch und die damit verbundene Gefahr der extremen Vereisung der Flugzeuge.

Deshalb entschloss man sich offensichtlich, den bereits vorbereiteten Flug abzubrechen und die auf gelieferte Post auf dem normalen Postweg zu verschicken. Ein Flugabbruch, der so in der Literatur noch nicht dokumentiert wurde.

Gruß
-Detlev

[1] https://library.noaa.gov/Collections/Digital-Docs/Foreign-Climate-Data/Germany-Climate-Data#o46399078
[2] https://library.noaa.gov/Collections/Digital-Docs/Foreign-Climate-Data/Germany-Climate-Data#o46399078 Zeitraum Jan. - März 1928 Seite 613
[3] ebenda Seite 612
 
Detlev0405 Am: 20.01.2020 15:44:07 Gelesen: 32873# 165 @  
Unser heutiger Brief kommt aus dem Irak, genauer gesagt aus Kerbala. Er hatte die Möglichkeit, sowohl mit der Air France als auch mit der KLM befördert zu werden. Beide Gesellschaften berührten auf ihrem Flug nach Asien Bagdad.



Am 26.09.1935 wurde der Brief in Kerbala aufgegeben. Auf dem Landweg ging er so in Bagdad ein und wurde dort am 27.09.1935 abgefertigt.

Leider fehlen mir von 1935 die konkreten Flugpläne, so das ich auf 1934 zurückgreifen musste, um die Etappen des Fluges aufzuzeigen. Da stimmen aber die Wochentage des Briefes nicht mit dem Flugplan überein, das kann erst 1937 so konkret dokumentiert werden. [1] [2]

Der Flug ging von Bagdad – Kairo – Athen nach Budapest. Und genau an dem Zielort Budapest lässt sich festmachen, das die KLM den Brief befördert hat. Die Air France tangierte Budapest nicht auf ihren Asien Flügen.

In Budapest am 30.09.1935 gegen 9 Uhr angekommen, ist die Frage nach der Weiterbeförderung. Am 01.10.1935 um 7 Uhr in Gablonez abgestempelt, bleiben also der Rest vom 30.09. und der 31.09. zum Transport. Es mangelt nicht an Verbindungen über Budapest - Wien nach Prag. Unser Brief hätte bequem den Flug ab Budapest um 10.50 Uhr oder eben um 12.50 Uhr erreichen können. Bei einer Ankunft um 12 Uhr in Wien wäre der Anschluss nach Prag um 12.30 Uhr garantiert und die Ankunft in Prag um 13.55 Uhr. Da heißt der Brief hätte schon am 31.09. in Gablonez sein können. [2] Also wurde er definitiv von Budapest nach Prag auf dem Landweg befördert.

So wurde auch dieser Brief ein Opfer der fehlenden vertraglichen Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und der DLH, wie auf dem Umschlagplatz Athen.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/kl34b/kl34b-3.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh35/dlh35-8.jpg
 
Detlev0405 Am: 27.01.2020 15:22:33 Gelesen: 32428# 166 @  
Heute gibt es wieder einmal Post aus Europa und zwar aus Portugal. Es soll keiner glauben, das es so einfach ist, einen derartigen Beleg für die Periode bis 1939 zu finden. Auch wenn er sehr einfach daher kommt, ist auch er sehr interessant bei seiner Erforschung.



Der Brief ging von Barreiro, wo er am 22.01.1938 aufgegeben wurde, nach Lissabon. Dort wurde er zwar postalisch abgefertigt, musste aber weiter zum Militärflugplatz Alverca, dem einzigen Flugplatz im Großraum Lissabon bis 1942. Auf diesem Flugplatz wurden auch sämtliche zivilen Flugstrecken bedient.

Nun beginnt der eigentliche Teil der Untersuchung des Beleges – mit welcher Fluggesellschaft wurde er befördert ? Für mich am naheliegendsten war die Air France. Von Lissabon über Tanger nach Casablanca und dort mit der Südamerika Linie der Air France nach Paris. Das ist theoretisch auch richtig, zumal wir außer Lissabon und Prag keine weiteren Stempel haben, die Auskunft geben könnten. Der 25.01. als Ankunft in Prag ist und vorgegeben und passt aber nicht in die Flugtage der Südamerika Strecke der Air France.

Bleibt als nächstes die Deutsche Lufthansa. Sie erschien mir völlig ungeeignet für die Beförderung, weil kein einziger Etappenstempel von Deutschland abgeschlagen wurde, aber ich habe es probiert.

In Lissabon wurde der Stempel am 22.01., einem Samstag, abgeschlagen. Am Montag um 08 Uhr ging der DLH Flug in Lissabon ab, von wo er über Salamanca nach Marseille ging und dort um 15.10 Uhr eintraf. Den Anschluss hatte er am nächsten Morgen, dem 25.01. um 06.45 Uhr nach Genf um von dort aus nach Stuttgart zu fliegen, wo er um 11.35 Uhr ankam. Bis hier hin war es die Strecke 22 der DLH. Nun ging es auf der Strecke 12 um 11.50 Uhr nach Halle/Leipzig – Ankunft 13.45 Uhr. Nach Dresden ging es weiter um 13.55 Uhr und von dort um 15.10 Uhr um in Prag letztendlich um 15.45 Uhr einzutreffen. [1] [2] Der Empfangsstempel von Prag um 16 Uhr bestätigt uns, das wir den richtigen Weg geflogen sind. Und zugleich eine logistische Meisterleistung ganz ohne Computer zur damaligen Zeit.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3710/dlh370-3.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3710/dlh370-8.jpg
 
Detlev0405 Am: 03.02.2020 09:08:45 Gelesen: 32097# 167 @  
Heute haben wir Post aus dem Libanon und das gleich zweimal. Nein, sicherlich nicht um die Seiten zu füllen, sondern die unterschiedliche Behandlungsweise auf ein und derselben Strecke zu dokumentieren. Wir erinnern uns – Wolfgang (saintex) hat uns darauf aufmerksam gemacht, das zwischen der DLH und der CSA/CSL keine vertraglichen Vereinbarungen herrschten zum Weitertransport von Post aus Athen nach Prag.



Unser erster Brief wurde in Beirut am 13.01.1939 abgefertigt und sollte nach Prag gehen. Es ist ein Freitag. Keine der großen Fluglinien berührte auf seinem Flug nach Asien Beirut und so musste ein neuer Player ins Spiel kommen. Es handelt sich um die Palestine – Airways Limited. Sie flog täglich die Strecke Beirut – Tel Aviv sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag. [1] Es ist zwar ein Plan aus 1939, aber unten am Rand die Fußnote zeigt an, das es auch vorhergehende Flugpläne gab (nur leider für mich nicht verfügbar). So lag der Brief in Tel Aviv – Lydda – bereit zur weiteren Beförderung nach Athen am Samstag den 14.01.1939, wo er um 17.30 Uhr eintraf. [2] Unser Lieblingstempel von Athen auf der Rückseite (wie immer schwer oder gar nicht lesbar) zeigt uns zumindest den 15.01.1939 als Ankunftsstempel an.

Nun sollte man meinen, der Ankunftsstempel von der Auslandsstelle am Prager Flughafen würde als Ersatz für den normalen Flughafenstempel herhalten. Macht er auch oft, aber nicht immer. Hier sollte man immer aufs Datum schauen. In Athen am 15.01. weiter abgefertigt und in Prag am 18.01. als Ankunft gestempelt – das lässt den Schluss zu, das der Brief per Bahn befördert wurde.



Unser zweiter Brief ging am 04.10.1938, einem Dienstag, aus Beirut ab. Vorausgesetzt er wurde am Nachmittag mit der Palestine – Airways Ltd. nach Lydda befördert, konnte der Brief am Mittwoch von dort aus mit der KLM nach Athen befördert werden. Schaffte er aber nicht und so wurde er offensichtlich mit einer Maschine der Imperial Airways am Sonntag befördert und zwar auf der Linie Australien – England bis nach Athen. [3] So erklärt sich auch die Ankunft in Athen am 08.10.1938.



Ein Mysterium bleibt aber bei dem Brief. Am rechten Stempel von Athen ist deutlich die Uhrzeit 15 Uhr am 08.10. zu erkennen. Beim Stempel vom Prager Flughafen haben wir auch den 08.10.1938 und möglicher Weise 18 Uhr. Es gibt keinerlei Verbindung, die eine solche Konstellation zulässt. Das wiederum eröffnet die Möglichkeit zu einer bisher noch nicht dokumentierten Nachverwendung eines solchen Stempels (Horka R3 Nr.158a Seite 178) zu Aufwertungszwecken (Fälschung).

Ich gehe davon aus, das der Brief ab Athen korrekter Weise auf dem Landweg befördert wurde.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/palesta.htm
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/kl3803.htm
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/iaw38aus/iaw38u-3.jpg
 
Detlev0405 Am: 09.02.2020 13:01:39 Gelesen: 31773# 168 @  
Unser heutiger Brief kommt sehr attraktiv daher – frankiert mit der 2. Luftpostausgabe MiNr. 199-201 und dem Luftpostaufkleber Prag – London (Horka Nr. NP1c siehe Seite 181) - auf dem Weg nach London. Ich habe ihn Zuckmantel Brief getauft, da eine Zuordnung zu einer Destination nicht möglich ist.

Aber wehe ich gebe den Brief dem Prüfer, der rennt mit Freuden sofort zu seinem Schrank mit den Stempeln und holt den größten und dicksten Falschstempel heraus und würde ihn bestimmt gern quer über die Vorderseite platzieren. Und das schon wegen der Dreistigkeit des Produzenten dieses Briefes.

Was ist geschehen ?



Zum Ersten – die 2. Luftpostausgabe war nur bis zum 31.03.1931 frankaturgültig. Das es sich hier um einen „Durchschlüpfer“ handeln könnte, ist eineinhalb Jahre nach Ungültigkeit eher unwahrscheinlich. Die tschechoslowakischen Postbeamten waren in der Regel sehr korrekt.

Zum Zweiten – der Luftpostaufkleber von 1920 Prag – London hätte zwar verklebt werden können, aber nur bei gleichzeitiger Verwendung des seit 1930 (gemäß Horka, es gibt auch Quellen die sagen 1928) erschienenen neuen blauen Luftpostaufklebers. Dieser war für Luftpostsendungen zwingend vorgegeben. Der Aufkleber von 1920 allein hätte durchkreuzt werden und der Brief auf dem Landweg befördert werden müssen.

Zum Dritten – Teplitze verfügte über keinen Flugplatz. Demzufolge hätte der Brief nach Prag auf dem Landweg befördert werden müssen, um dort auf dem Flughafen in Prag 82 oder 7 für den Flug nach London bearbeitet werden zu können. Es findet sich aber kein entsprechender Bearbeitungsvermerk (Stempel) auf dem Brief.

Eine zweite Möglichkeit wäre der Weg per Bahn nach Dresden oder Berlin gewesen, aber auch hier hätten diese Flughäfen einen Transit bzw. Bearbeitungsstempel für Flugpost am Brief angebracht (Beispiele liegen mir vor).

Zum Vierten – der Stempel Zuckmantel.BHM ** Cukmantl v. Cechach C.S.P. Buchstabe a existiert zwar [2], ist aber eindeutig nachverwendet worden. Sein Einsatz war im Zeitraum 1920 – 1927 regelkonform. Er ist in diesem Fall eindeutig zu Fälschungszwecken eines ganzen Beleges verwendet worden.

Das Einzige was an diesem Brief stimmt ist das Porto. Für einen Auslandsbrief 2,50 Kc und für die Luftpostbeförderung ab 05.06.1930 1,50 Kc.

Ich bedanke mich bei dem Sammler, der mir nach Aufklärung über den Sachverhalt den Brief zur Veröffentlichung überlassen hat, um ihn hier vorzustellen. Ich bedanke mich ebenfalls bei Rudi63, der mir konsultativ für diesen Beleg zur Verfügung stand. Es ist sicherlich eine große Ausnahme, eine solch umfangreiche Fälschung eines Luftpostbriefes der 2. Luftpostausgabe zu finden.

Gruß
Detlev

[1] Monografie der tschechoslowakischen Marken Band 14, Seite 310 , Nummer 2789
[2] ebenda Band 17, Teil I , Seite 140 Nummer 255 Ziffer 1
 
Detlev0405 Am: 16.02.2020 07:28:11 Gelesen: 31327# 169 @  
Post aus der Schweiz hatten wir schon – und doch gibt es immer wieder etwas neues dabei zu entdecken.



Unser heutiger Brief kommt aus Rorschach, einer Stadt im Kanton St. Gallen gelegen am Bodensee.Normaler Weise hätte der Brief nach Zürich gehen müssen, um mit der CLS von Zürich nach Prag befördert zu werden. Seit dem 15.05.1935 gab es diese Direktverbindung auf dem Weg nach Marseille. Aufgegeben in Rorschach am 11.06.37 um 13 Uhr hätte der Brief in Zürich am 12.06. um 13 Uhr mit dem Flieger nach Prag befördert werden können, um dort gegen 15.50 Uhr einzutreffen. [1]



Unser Brief wurde aber nach Basel geschickt, um dort per Bahnpost auf die Strecke Basel – Luxemburg gebracht zu werden. Das zeigt der Bahnpoststempel des Zuges 2 oder 29 der Strecke. Und auf der Strecke liegt Straßburg – Flughafen der Air France auf dem Weg nach Prag. Laut Bestätigungsstempel in Straßburg ging der Brief um 23 Uhr ein. Somit konnte er in Straßburg den Flieger um 09 Uhr nach Prag erreichen, wo er dann um 11.40 Uhr eintraf. [2] Der Stempel vom Flughafen Prag 82 um 12 Uhr bestätigt die Nutzung dieser Verbindung. Also rund 4 Stunden vor dem Direktflug Zürich – Prag. Respekt den Schweizer Beamten, die diese Zeitersparnis trotz Umweges erkannt haben.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-4.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af37p/af37p-06.jpg
 
wuerttemberger Am: 16.02.2020 20:12:56 Gelesen: 31279# 170 @  
Hallo Detlev,

ich lese immer noch mit voller Begeisterung mit. Mach weiter so!

Gruß

wuerttemberger
 
Detlev0405 Am: 23.02.2020 09:54:55 Gelesen: 30973# 171 @  
Heute habe ich einen Brief aus Istanbul. Obwohl der erste Flug der CFRNA , Vorgänger der CIDNA , bereits am 22.09.1922 statt fand, ist Post aus der Türkei in der Zeit bis 1939 etwas rar vorhanden. Kein Wunder, auch der Erstflug fand nur eine Resonanz mit zwei Briefen.



Unser Brief muss am 11.06.1935 in Istanbul aufgegeben worden sein. Der Stempel ist leider sehr schlecht zu entziffern. Der Flug ging mit der CSL jeweils Mittwoch und Freitag jede Woche von Istanbul ab. Der 12.06. war ein Mittwoch. Um 04 Uhr in der Früh startete der Flug in Richtung Bukarest, wo er 07.15 Uhr eintraf, um von dort 07.30 Uhr nach Belgrad zu fliegen. Dort um 08.50 Uhr angekommen, ging es weiter nach Budapest um 09 Uhr, wo der Flug um 10.40 Uhr eintraf. Hier war nur ein kurzer Aufenthalt, um gegen 10.50 Uhr nach Wien weiter zufliegen. Punkt 12 Uhr zum Mittag war der Brief in Wien, ehe er 12.30 Uhr nach Prag weiter flog. Letztendlich war er um 13.55 Uhr in Prag eingetroffen. [1] Das entspricht auch dem Ankunftsstempel auf der Vorderseite vom Prager Flughafen um 15 Uhr (oder 16 Uhr ?).

Leider sind die Stempel auf der Rückseite nicht leserlich, so das die Weiterbeförderung nach Brno nicht nachvollzogen werden kann.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3504/cls354-4.jpg
 
Detlev0405 Am: 01.03.2020 09:05:36 Gelesen: 30585# 172 @  
Manchmal muss man viel Glück haben, der Zufall spielt auch eine Rolle und die Zeit. Meine heutigen Ausführungen schließen sich nahtlos an den Beitrag [#129] an. Ich hatte da schon meine Bedenken zur Farbe schwarz des CIDNA Stempels geäußert, heute kann ich es beweisen.



Mein heutiger Brief geht wieder von Prag nach Paris und wurde im Büro der CIDNA aufgegeben. Das dokumentiert vor allem der Stempel vom Postamt 25. Dort wurde die Post vom Büro der CIDNA generell aufgegeben.

Beschäftigen wir uns als Erstes mit dem Aufgabedatum des Briefes – 25.11.1928 – scheint es dringend geraten, in die gültigen Flugpläne zu schauen. So finde ich im Flugplan 1927 (1928 ist nicht verfügbar) den Vermerk, das die Fluglinie am 15.November pausierte. [1] Mehr Auskunft liefert uns unser Horka auf Seite 70 in Tabelle 21. Daraus ist ersichtlich, das in diesem Jahr der Flugbetrieb durchgehend bis zum 31.05.1930 gewährleistet wurde. Bleibt die Möglichkeit noch in den Wetterdaten des Jahres zu suchen, aber das ändert nichts an der Tatsache, das der Brief auf dem Landweg befördert wurde. Der Stempel von Paris Gare du Nord am 01.12.1928 ist neben der Laufzeit ein deutliches Indiz dafür.

Das verklebte Porto von 2,50 Kc ist für die Zeit korrekt, auch für einen Luftpostbrief nach Paris durch die CIDNA – vergleiche Beitrag [#129].

Wichtig für jede weitere Betrachtung ist die Tatsache, ob der Tagesstempel auf dem CIDNA Stempel sitzt oder der CIDNA Stempel auf dem Tagesstempel. Sowohl auf dem ersten Blick als auch bei entsprechender Vergrößerung vertrete ich den Standpunkt, das der Tagesstempel auf dem CIDNA Stempel sitzt.



Setzen wir nun beide Stempel die schwarz sein sollen nebeneinander, können wir zweifelsfrei erkennen, das die Karte von Beitrag [#129] einen violetten , keinen schwarzen Stempel trägt. Auf unserem heutigen Beleg handelt es sich um den Metallstempel gemäß Horka Seite 184 Nummer RV4. Der violette Stempel ist der Gummistempel nach Horka Seite 184 Nummer RV3.

Fazit unserer heutigen Betrachtung – es gibt nicht nur die zwei Farben schwarz und rot, wie bei Horka beschrieben. Es gibt auch noch eine dritte Farbe violett als Neuentdeckung.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 09.03.2020 07:37:20 Gelesen: 30260# 173 @  
Der heutige Brief hat nichts mit der Luftpost als solches zu tun und trotzdem ist er ein Dokument der Grundlagen der Tschechoslowakischen Luftpost.



Es ist ein Geschäftsbrief der Flugzeugwerke in Zlin - Zlínská letecka A.S. . Es ist wohl ein glücklicher Umstand, das er auch gleichzeitig einen Freistempler der Bata Zlin trägt. Aufgegeben am 25.11.1936.

Es war Jan Antonin Bata, der am 18.04.1934 diese Firma gründete. Sein Vermögen aus der Schuhproduktion, der Bata A.S. , ermöglichte es ihm auch, seiner Liebe zum Flugwesen mit einer solchen Firma Nachdruck zu verleihen. [1]

Seine Flugzeugwerke konzentrierten sich auf die Produktion von Sportflugzeugen einmotorigen Typs, die auch als Mehrsitzer konzipiert wurden. Ab dem 01.11.1934 wurde die Flugzeugproduktion nach Otrokovice verlagert. [2] Die Erfolgsgeschichte der Zlin Sportflugzeuge hielt mit Unterbrechungen bis zum Jahre 1990 an. Ab dem Jahr 1936 versuchte sich die Firma auch in der Hubschrauber Technik (Avro 671), was jedoch nie zur Serienreife geführt wurde.

Gruß
Detlev

[1] http://www.vrtulnik.cz/zlin.htm
[2] http://www.vrtulnik.cz/ww2/protektorat-otrokovice.htm
 
Detlev0405 Am: 16.03.2020 08:19:49 Gelesen: 29993# 174 @  
Heute bin ich Dank des Erwerbs eines kleinen Nachlasses in der Lage, das Original zum Beitrag [#208] zu zeigen.



Es handelt sich um den Erstflug auf der Strecke Marienbad – Prag vom 04.07.1927. Und diesmal geht es wirklich nach Prag mit entsprechendem Bestätigungsstempel. Leider habe ich keinen Flugplan der CSA von 1927, aber auch der Blick in den Plan von 1928 zeigt als Orientierung, wie die Strecke bedient wurde. Auf der Strecke flog die CSA bereits 1928 zweimal täglich. [1]

Der Flughafenstempel ist nach Horka ein R2 157c , ab 1927 im Einsatz bis 1929. Auch der rote Kastenstempel ist ein Abfertigungsstempel von Prag, Horka RV2a .

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok2803/ok28-02.jpg
 
Detlev0405 Am: 23.03.2020 08:43:17 Gelesen: 29781# 175 @  
Heute begegnet uns eine der wohl seltensten Destinationen aus den Anfängen der tschechoslowakischen Luftpost. Es handelt sich um eine Karte, die von Prag nach Yokohama geschickt wurde und das im Jahre 1927. Da die Karte einen Wasserschaden hat, verzichte ich ausnahmsweise auf das Zeigen der Bildseite.





Doch bevor wir uns der Karte und ihrem Weg widmen, folgen wir dem Hinweis von saintex ( Wolfgang ) aus dem Beitrag [#160] – die handelnden Personen beachten. Der Adressat ist nicht so aufregend, es handelt sich um den Konsul der japanischen Botschaft in Yokohama (Tokio).

Viel interessanter ist der Absender, es handelt sich um Jan Juzek. Besser bekannt ist er als John Juzek, ein genialer und international anerkannten Instrumentenbauer. Seinen Ruf begründete er und seine Familie ab 1900 bis in die 1920er Jahre in den USA und da speziell mit Lieferungen nach New York für das Sinfonieorchester. [1]

Die Firma Kleinhampel war eine renommierte Großhandelsfirma in der Zeit und wurde von Jan Juzek für seinen Handel genutzt.

Es war Jan Juzek wohl sehr wichtig, das seine Karte Yokohama erreicht, sonst hätte er sie nicht per Einschreiben versandt. Frankiert wurde die Karte mit der Mi. Nr.200 und der Mi. Nr.227 , also 6 Kc Porto. Das Porto betrug ab 01.01.1922 1,50 Kc für Karten + 2,50 Kc Einschreibgebühr. Die Luftpostgebühr betrug nach Japan ab dem 01.05.1927 für die Karte 2 Kc. Also korrekt frankiert.



Am 02.05.1927 wurde die Karte am Flughafen Prag aufgegeben. Das bezeugt sowohl der Tagesstempel vom Flughafen mit dem Kennbuchstaben b (Horka R2 Nr. 157b), der rote Achteck Stempel um 11 Uhr (Horka R2 nr.157db – nur im Einsatz 1926–1929) und der rote Abfertigungsstempel für Luftpost (Horka RV2a).



Um 10.45 Uhr flog die Karte mit der DLH ab in Richtung Berlin, um dort um 13.50 Uhr einzutreffen. [2] Das bezeugt auch der Ankunftsstempel von Berlin um 14.00 Uhr. Auch der Luftpostbestätigungsstempel von Berlin C 2.



Von Berlin konnte es sowohl am 03. als auch am 04.05. weiter gehen, um am 05.05.1927 in Moskau einzutreffen. Die DLH beflog ab 03 Uhr die Strecke über Danzig – Königsberg – Kowno – Smolensk um gegen 18.10 Uhr am gleichen Tag in Moskau anzukommen. [3]

Von Moskau aus ging es mit der Bahn auf der Transsibirischen Eisenbahn weiter. Und hier war es notwendig, einen Spezialisten für Post via Sibirien zu befragen. So habe ich mich an „ligneN“ aus unserem Forum gewandt mit der Bitte, mir behilflich zu sein.

Es gab drei Möglichkeiten des Transfers:

1. Der direkte Weg mit der Bahn bis Wladiwostok und von dort aus mit dem Schiff nach Tsuruga an der Westküste Japans. Von dort aus mit der Bahn nach Yokohama.
2. Der zweite Weg führt über China von Tschita – Mandzurija – Harbin – Mukden – Dairen ( heute Dalian ) und von dort aus auf dem Seeweg nach Japan.
3. Der dritte Weg ging von Mukden über Pusan ( Korea ) nach Japan

Die japanischen staatlich subventionierten Postdampferlinien bedienten diese Strecke ununterbrochen von 1926 bis 1942 auf der Hauptstrecke nach Wladiwostok.

Es hing immer davon ab, mit welchem Schiffsanschluss man in Wladiwostok, Dairen oder Pusan mit der schnellsten Weiterbeförderung rechnen konnte.

Die Tendenz kann man an der Häufigkeit der Postschiffsverbindungen ablesen:

1. Tsuruga-Wladiwostok und zurück 1x wöchentlich;
2. Dairen-Japan täglich;
3. Pusan-Japan 2x täglich, morgens und abends.

Route 3 wurde entsprechend als hauptsächliche Postaustauschroute Japan-UdSSR bzw. Sibirientransit im Juli 1927 festgelegt.



Die angebrachten japanischen Schriftzeichen sowohl in Rot als auch in Schwarz betreffen die Transkription der lateinischen Anschrift des Adressaten in die Landessprache.



Der Tagesstempel vom 29.05.1927 bestätigt die Ankunft der Karte in Japan, einen Ort kann man im Stempel nicht ableiten. So kam die Karte nach einer Laufzeit von 27 Tagen am Bestimmungsort an.

Ich möchte mich ausdrücklich bei „LigneN“ bedanken, der mir alle Angaben ab der Transsibirischen Eisenbahn zur Verfügung gestellt hat.

Gruß
Detlev

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/John_Juzek
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh27/dlh27-14.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh27/dlh27-11.jpg
 
Detlev0405 Am: 30.03.2020 18:14:40 Gelesen: 29454# 176 @  
Post nach Wien von Prag aus gehört bereits zu den Anfängen der tschechoslowakischen Luftpost, auch wenn sie am Anfang von der CFRNA/CIDNA ausgeführt wurde. So stammt die erste Verbindung bereits aus dem Jahr 1922.



So ist es auch nichts besonderes, wenn 1927 eine Karte aus Prag auf Reisen geht nach Wien. Zumal seit März 1927 die CLS zusammen mit der DLH und der ÖELAG (österreichische Luftfahrtgesellschaft) die Strecke Berlin – Prag – Wien betrieben. Interessant wird es dann, wenn wir einen Anschlussflug nach Innsbruck dokumentieren können.

Unsere heutige Karte ging am 28.06.1927 von Prag (ab 16.20 Uhr) in Richtung Wien (an 18.20 Uhr) auf Reisen. [1] Das bestätigt auch der Ankunftsstempel in Wien um 20 Uhr.

Am 29.06. um 14 Uhr wurde die Karte in Wien abgefertigt für den Weiterflug nach Innsbruck, wo sie dann um 18.20 Uhr ankam. [2] Bestätigt durch den Ankunftsstempel um 19 Uhr in Innsbruck. Durchgeführt wurde der Flug auf der Teilstrecke von der Österreichischen Luftverkehrs AG Wien.



Auch der zweite Beleg zu diesem Thema besticht nur durch seinen Zielort. Am 30.08.1935 in Usti nad Labem aufgegeben, wird die Karte auf dem Landweg nach Prag befördert. Dort erfolgt am 31.08. die Bearbeitung als Luftpost gegen 8 Uhr, wie der Stempel beweist. Über Wien erreichte die Karte am gleichen Tag gegen 18 Uhr den Flugplatz in Salzburg. Wirklich über Wien ? Nein der Anschlussflug von Wien nach Salzburg geht jeden Tag früh um 9 Uhr. Die DLH gibt uns eine Alternative – aber über München. Um 09.15 Uhr ging der Flug von Prag nach München, wo er um 11.10 Uhr eintraf. Von dort aus geht jeden Tag ein Flug um 15.25 Uhr nach Salzburg. Dort trifft er dann gegen 16 Uhr ein. [3]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh27/dlh27-14.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh27/dlh27-29.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh35/dlh35-8.jpg
 
Detlev0405 Am: 06.04.2020 18:57:36 Gelesen: 29145# 177 @  
Ab Mai 1937 bediente die CSA zusammen mit der Ala Littoria, einer italienischen Luftfahrtgesellschaft, eine neue Linie in den sonnigen Süden. Es ging nach Venedig und im Mai 1938 wurde die gemeinsame Strecke bis Rom verlängert. Der Beitrag schließt an den Beitrag [#88] an, wo der Erstflug vorgestellt wurde.



Unser heutiger Brief kommt aus Pola (heute Pula), damals in italienischem Bestand und Sitz der Bezirkshauptmannschaft im gleichnamigen Bezirk Istriens. [1] Heute ist es ein Teil Kroatiens.

Am 25.08.1938 aufgegeben, wurde er auf dem Landweg nach Triest befördert. Dort konnte er dann am Flughafen auf den Weg nach Prag gebracht werden. Um 14.15 Uhr ging der direkte Flug ab über Klagenfurt und Bratislava, um in Prag um 18 Uhr einzutreffen. [2]

Auffallend und sehr attraktiv ist der Vordruckbrief der Luftfahrtgesellschaft Ala Littoria.



Der zweite Brief war ein Jahr früher auf der gleichen Strecke befördert worden Triest – Prag. Und doch ganz anders. Etwa 50 km von Triest entfernt, wurde der Brief in Grado am 13.08.1937 aufgegeben und auf dem Landweg nach Triest befördert. In Triest nahm die DLH die Beförderung auf. Der 14.08. war ein Samstag und somit ein Flugtag der Gesellschaft. Um 14.15 Uhr ab Triest ging es über Klagenfurt 15 Uhr, Graz 15.45 Uhr nach Wien an 16.30 Uhr. In Wien (ab 17.20 Uhr) wurde der Brief nach Prag (an 18.35 Uhr) befördert. [3] Das bestätigt auch der Ankunftstempel in Prag um 19 Uhr.

Gruß
Detlev

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bezirk_Pola
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/ala38/ala38-14.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh37/dlh37-17.jpg
 
Detlev0405 Am: 13.04.2020 05:42:41 Gelesen: 28876# 178 @  
Wer ein gutes Gedächtnis hat erinnert sich – den Firmenbrief von der CLS hatten wir schon. Richtig im Beitrag [#128] hatte ich ihn schon vorgestellt. Nur der heutige Anlass ist ein trauriger in der Geschichte der tschechoslowakischen Luftpost.



Im März 1939 besetzte Deutschland die gesamte Tschechoslowakei. Folgerichtig wurden auch die Firmen der Wirtschaft von deutschen Firmen übernommen. Die CSA und die CLS machten dabei keine Ausnahme. Hier war jedoch nicht in erster Linie die Flugtechnik Ziel der Übernahme, sondern die gesamte Logistik. Die Flugplätze aller Art auf dem Territorium der Tschechoslowakei und die Vertragsverbindungen speziell in Europa.

Deshalb ist unser heutiger Brief vom 23.05.1939 von der CLS als ein Brief der Abwicklung der Gesellschaft anzusehen. Im April 1939 wurden beide Gesellschaften von der Lufthansa geschlossen und abgewickelt. Frankiert wurde der Brief mit der Mi.Nr. 349 +400 der Tschechoslowakei und war somit ein Vorläufer aus der Periode vom 15.03. - 14.07.1939. Und einer der letzten regulär verwendeten Briefumschläge der CLS.

Gruß
Detlev
 

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