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Thema: Altdeutschland Hamburg: Michel-Nr. 8 Steindruck, Umdrucktypen
Markus Pichl Am: 19.09.2018 07:29:42 Gelesen: 446# 1 @  
Hallo,

die 1 1/4 Schilling-Marke, Michel-Nr. 8, wurde im Steindruckverfahren bei der Druckerei C. Adler in Hamburg hergestellt.

Die m.E. umfassenste Abhandlung, über die Herstellung dieser Marke, findet sich wohl im Kohl-Handbuch 11. Auflage.

Ein Druckbogen bestand demnach aus 2x 96 Marken. Bis aber im Steindruckverfahren 2x 96 Marken auf Papier gebracht werden können, ist es ein weiter Weg.

Zuerst wurde eine einzelne Marke auf den sogen. Urstein gezeichnet. Der sah so aus:


Darstellung aus Auktionskatalog der 258. Heinrich Köhler-Auktion.

Auf diesem Urstein befindet sich links unten die 1 1/4 Schilling-Marke, von dem dann gemäß Angaben im Kohl-Handbuch 12 Abzüge auf chinesischem Umdruckpapier genommen, die Markenbilder derselben knapprandig ausgeschnitten und in drei Querreihen zu je vier auf einen Zwischenstein übertragen wurden. Infolge der Zufälligkeiten des Umdruckverfahrens wies jedes der 12 Markenbilder dieses "Umdruckblocks" bestimmte kleine Mängel oder Merkmale auf, die sogen. Typen des Hilfsteins oder Umdruckblocks.



Von dem Hilfsstein wurden dann wieder acht Abzüge genommen und in vier Querreihen zu je zwei Umdruckblocks auf einen Druckstein übertragen. In jedem dieser acht Umdruckblocks "I" bis "VIII" wiederholen sich diese 12 Umdrucktypen des Hilfssteins (auch Zwischenstein genannt).



Dieser so entstandene Druckstein beinhaltete somit insgesamt 8 x 12 = 96 Marken. Diese 96 Marken wurden dann abermals im Umdruckverfahren auf einen zweiten Druckstein umgedruckt. Dabei entstanden zusätzliche Mängel bzw. Merkmale, an den zweiten 96 Markenbildern - wie wir später noch im direkten Vergleich von korrespondierenden Markenfeldern sehen werden.

Beide Drucksteine (Drucksteinhälften) waren auf allen vier Seiten mit "Reihenzählern" in Kursivschrift versehen, die auf den beiden waager. Rändern von "1" bis "8" und auf den beiden senkr. von "1" bis "12" liefen. In der untersten rechten Ecke, der beiden Drucksteinhälften, wurde dann noch der Name der Druckerei "C. Adler, Hamburg" angebracht. Die Druckbogen wurden dann in Schalterbogen zerschnitten.

Auf die ungezähnt gebliebenen 1 1/4 Schilling-Marken entfallen vier Bestellungen (siehe nachstehenden Auszug aus dem Kohl-Handbuch), mit einer Gesamtauflage von 384.192 Marken.



Mit den vier verschiedenen Auflagen bzw. weil diese auch in Teillieferungen erfolgten, siehe die Ablieferungsdaten, ergibt sich eine recht große Vielfalt bei der Druckfarbe der ausgelieferten Marken. Die Michel-Nr. 8 wird daher in sieben verschiedene Farben, von a bis g, im Michel-Katalog unterteilt.

Katalogisierung der Farben im Kohl-Handbuch 11. Auflage


Katalogisierung im heutigen Michel-Katalog





Beste Grüße
Markus
 
Markus Pichl Am: 25.09.2018 07:38:28 Gelesen: 379# 2 @  
Hallo,

von Hamburg MiNr. 8 sind leider nur wenige Einheiten erhalten geblieben. Ein ungebrauchter 18er-Block der 8 b gilt als größte bekannte Einheit - dieser zeigt uns aber nicht alle Umdrucktypen, weil die vierte senkr. Bogenreihe fehlt.



Alle Umdrucktypen zeigt dieser, aus zwei wahrscheinlich zusammengehörenden Sechserblocks der 8 b zusammengesetzte Zwölferblock.

1. waager. Reihe Umdrucktypen 1 bis 4
2. waager. Reihe Umdrucktypen 5 bis 8
3. waager. Reihe Umdrucktypen 9 bis 12



Fortsetzung folgt.

Beste Grüße
Markus

P.S. die Abbildungen stammen aus Auktionskatalogen des Auktionshaus Heinrich Köhler (Boker-Sammlung)
 
jpvde Am: 28.09.2018 00:04:33 Gelesen: 340# 3 @  
Hallo Markus,

Ich habe meine Marken angesehen und bei fast allen kann man die type bestimmen.

Einige typen kann ich sehen lassen. Neben den genannten Punkten gibt es scheinbar noch mehr Merkmale.

Den "4" mit Kerbe und verstümmeltem "M" ist also keine Besonderheit, wie ich erstmal dachte.

Grusse,
Jean-Paul










 
Markus Pichl Am: 28.09.2018 10:54:12 Gelesen: 324# 4 @  
@ jpvde [#3]

Hallo Jean-Paul,

einen lieben vielen Dank, für die vielen Bilder Deiner Marken.

Ja, ich gehe davon aus, dass jedes Bogenfeld seine eigenen Merkmale hat, evtl. sogar solche gibt, die nicht die typischen Umdruckmerkmale zeigen. Weil auch mir gelingt es nicht immer, zumindestens im Moment, eine jede Marke einer bestimmten Umdrucktype zuzuordnen.

An eine Rekonstruktion des Druckbogens, scheint sich noch niemand herangetraut zu haben. Vermutlich sind hierzu auch ganz viele Marken und vor allem Einheiten, an denen es etwas in der Menge des Aufkommens mangelt, notwendig. Mit den heute bestehenden technischen Möglichkeiten, könnte dies aber gelingen - auch wenn es wahrscheinlich dennoch viele Jahre in Anspruch nehmen wird. Schauen wir mal, was die Zukunft ergibt.

Beste Grüße
Markus
 
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