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Thema: Altdeutschland Sachsen: Schöne Belege
Heinz 7 Am: 11.10.2018 12:46:52 Gelesen: 301# 1 @  
150 Jahre alte Auslandbriefe nach Rumänien sind zum Teil recht selten, je nach Herkunftsland. Viele Sammler sammeln heute "eingehende Post" und versuchen aus den verschiedenen Ländern Post in ihr Sammelgebiet zu finden.

Das Königreich Sachsen existierte von 1806-1918. Es gehörte dem Rheinbund an (1806-1815), dann dem Deutschen Bund (1815-1866), bevor es Bundesstaat des Norddeutschen Bundes wurde (1866-1871) und dann des Deutschen Reiches (1871-1918). Briefe nach Rumänien aus der zweiten Phase (Dt. Bund, bis 1866) sind meines Wissens ziemlich selten.



Dieser schöne Brief aus Leipzig wurde am 6. Juni 1865 versandt. Rückseitig finden wir einen Durchgangsstempel von Temesvar (8/6) und einen Ankunftsstempel von "ALT-CRAJOVA 10/6". Die schöne Frankatur ist sehr schön gestempelt "LEIPZIG DRESD: BAHNH."

Heinz
 
bayern klassisch Am: 11.10.2018 12:54:35 Gelesen: 299# 2 @  
@ Heinz 7 [#1]

Lieber Heinz,

den hätte ich sogar gerne als Bayernsammler! :-)

Der Komplettheit halber: 3 Silbergroschen für Sachsen bis Ausgangsgrenze Österreichs (Ö. erhielt nichts) und 2 Silbergroschen, wie vorne in blau schön ausgewiesen, für die Rumänen, die Österreich in Form von 10 Neukreuzer Rumänien kreditierte.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 11.10.2018 14:48:33 Gelesen: 279# 3 @  
@ bayern klassisch [#2]

Lieber Ralph,

ja, Arnold Vaatz, Verbandsprüfer, hat bestätigt:

"korrekt frankiert für Einfachgewicht 3 Ngr. Vereinsporto + 2 Ngr. Fremdporto".

Für solche Briefe sollte eine Bestätigung eines Experten vorliegen, dass das alles stimmt und zusammengehört. Der Brief ist "fast zu schön, um wahr zu sein" - ein Attest (als Ergänzung der eigenen Einschätzung) hilft, zu einer gefestigten Meinung zu kommen. Danke Dir aber für Deine Erläuterung.

Heinz

[Beiträge [#1] bis [#3] redaktionell kopiert aus dem Thema "Rumänien für Sammler"]
 
Heinz 7 Am: 12.10.2018 09:47:04 Gelesen: 238# 4 @  
@ Heinz 7 [#3]

Richard hat eben auch eine Schwäche für schöne Briefe, und darum hat er meinen Beitrag zu Rumänien (Brief Sachsen-Rumänien) gleich als neues Thema für Sachsen verwendet! Ich sehe dies als Ansporn, dazu noch etwas zu zeigen.

Sachsen hat wirklich wunderbare Briefe und es gab zu diesem Sammelgebiet ganz unglaubliche Sammlungen. Dank meiner wunderbaren Bibliothek kann ich dazu auch aus "dem Vollen schöpfen".

Ich zeige nun anbei einen Brief von Sachsen nach Florenz (Italien)



Frankiert ist dieser Brief mit den Marken Michel Nr. 2 IIb, 10a und 12a. Das ist hochinteressant, weil das sind zwei verschiedene Ausgaben mit sogar zwei verschiedenen Währungen: Wappenzeichnung mit Pfennige, König Johann mit Neugroschen!

Diese Frankatur aus postalischer Sicht erklären zu können, ist nun wirklich hohe Kunst. Gemäss Attest Tilo Rismondo gilt was folgt:

"Das frankierte Porto ergibt sich aus 3 Ngr. Postvereinsgebühr, 2 Ngr. Reco-Gebühr und 2,2 Ngr. Fremdgebühr. Die Portospitze von 2 Pfg. wird durch die 3 Pfg. Marke dargestellt. Entwertung der Marken durch Nummernstempel 1, Aufgabestempel Dresden"

Obwohl die Marken Altersspuren haben finde ich solch einen Brief faszinierend und sehr schön.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 12.10.2018 15:40:52 Gelesen: 212# 5 @  
@ Heinz 7 [#4]

Lieber Heinz,

eine schöner und seltener Brief - recommandirte Briefe ins Postvereinsausland sind nirgendwo häufig, nicht einmal von Sachsen, wo es doch so viele tolle Briefe heute noch gibt.

Aber du schreibst: "Das ist hochinteressant, weil das sind zwei verschiedene Ausgaben mit sogar zwei verschiedenen Währungen: Wappenzeichnung mit Pfennige, König Johann mit Neugroschen!"

Das ist nicht ganz richtig, weil in Sachsen immer nur eine Währung existierte - Thaler - Neugroschen - (Neu-)Pfennige.

Der Unterschied zu Preussen war der, dass der preussische Silbergroschen in 12 Pfennige geteilt wurde, während Sachsen das Dezimalsystem präferierte und den gleichen Groschen daher Neugroschen nannte und ihn in 10 Pfennige teilte.

Silbergroschen und Neugroschen waren also paritativ identisch, nur war der sächsische Pfennig etwas höher wertig, als der preussische Silberpfennig.

Fürs Inland hätte dies auch allemal gereicht, nur bei Auslandsbriefen konnte es zu Währungsreduktionen kommen, die Sachsen mit seinen Marken nicht perfekt abdecken konnte. Genau solch einen Brief zeigst du uns - bravo!

Während Preussen Dutzende von Postverträgen mit ausländischen Postverwaltungen schloss, schloss Sachsen keinen einzigen! Die Postverträge in der Zeit des Postvereins, die Preussen schliessen konnte, waren aber stets ausgelegt auf die preussische Währung und natürlich nicht auf irgendeine andere.

Galt es bei frankierten Briefen aus dem Postverein ins Postvereinsausland genau das treffende Franko zu verkleben, war das in Preussen kein Problem, aber bei Postverwaltungen wie Hannover/Brauchschweig mit ihren alten Gutengroschen, oder Sachsen im Bruchbereich mit Neupfennigen bzw. bei den süddeutschen Staaten Baden, Württemberg und Bayern mit ihren rheinischen Kreuzern oft nicht perfekt machbar, so dass es oft Rundungen gab - Rundungen, an denen die Postverwaltungen i. d. R. profitierten, weil eine Abrundung zu einem Umsatzverlust geführt hätte und u. U. eine empfindlichen Nachtaxe nach sich gezogen hätte, während ein paar Pfennige hier und da mehr kassiert zu haben eine feine Sache war.

So auch bei deinem Brief. Auf der anderen Seite hätte es auch wenig Sinn gemacht, eine 1 oder 2 Pfennigsmarke zu drucken, weil die kaum Chancen gehabt hätte, eine weite Akzeptanz unter der Bevölkerung zu finden, von den hier eher hohen Kosten mal ganz abgesehen - und auch damalige Regierungen waren nur daran interessiert, Geld einzufahren, nicht welches zu verbrennen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 12.10.2018 17:38:47 Gelesen: 196# 6 @  
@ bayern klassisch [#5]

Lieber Ralph,

danke für die Präzisierungen. Ich weiss da nur in Umrissen Bescheid, aber - gut, dass Du das ganz genau klären kannst!

Der gezeigte Brief gehört mir leider nicht, aber in meinen vielen Büchern und Auktionskatalogen "lachen" mich immer wieder wunderbare Sachen an. Geteilte Freude ist doppelte Freude, dachte ich mir.

Liebe Grüsse
Heinz
 
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