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Thema: Auktionsmarkt weiter in Bewegung - Grosse Sammlungen kommen an den Markt
Richard Am: 07.11.2018 09:07:49 Gelesen: 1270# 1 @  
Auktionsmarkt weiterhin in Bewegung

(wm) Während die Konzentration im Segment der Briefmarkenversteigerungsfirmen weiter anhält, ein „Global Player“ nun auch in Düsseldorf ein Akquise-Domizil eröffnet, mehrt sich die Zahl sog. „hochkarätiger“ Spitzenkollektionen und Investitionsposten, die in großer Gesamtzahl fast weltweit auf den Markt drängen. Einzelne Firmen kündigen bereits an, dass sie in kommender Zeit teils bis zu sieben Sonderkataloge mit solchem Ausnahme-Material offerieren. Insider sprechen offen die Frage aus, ob der Markt dies auf längere Sicht vertragen kann.

Die Kumulierung von „Hochprozentigem“ trifft auf wirtschaftspolitische Begleitumstände, die nur schwer prognostizierbar sind, Anleger, Investoren, aber auch die vielzitierten „kleinen“ Sammler zuweilen verunsichern.

Momentan erscheint der Markt noch als stabil, Sorge und Befürchtungen sind nicht explizit angesagt, gelinde Skepsis vielleicht eher. Dies mag auf den ersten Blick beispielsweise eine Information des renommierten Schweizer Auktionshauses David Feldman bestätigen, das zum 1. Dezember 2018 die von Käufern zu zahlende Provision (das Aufgeld) von bisher 20 nun auf 22% des Zuschlagspreises erhöht und dies mit „steigenden Transaktionskosten“ und dem offenbar ebenso steigenden „Volumen kleinerer Käufe“ begründet. Allerdings gilt diese Erhöhung nur bei Zuschlagslosen bis 50 000 Euro/CHF/GBP. Für noch höherwertige Lose werden „nur“ 18% fällig. Weiterhin informiert das Auktionshaus: „Der bisherige Zuschlag für Versicherungen wird nun jedoch nicht mehr erhoben, und wir werden weiterhin keine Online- und Telefonbietergebühren sowie Losgebühren berechnen.“

Der zweite Blick aber lohnt. Zum einen, weil solche Provisionserhöhungen bereits seit Jahren im In- und Ausland zu vermerken sind (sofern aufzuschlagende Mehrwertsteuer einberechnet ist, auch noch höhere Werte notiert werden können), zum anderen, weil zu vernünftigen Preisen angesetzte Ware nach wie vor viele interessierte Käufer findet. Wenn dann allerdings zahlreiche Ausnahme-Kollektionen eines österreichischen Industriellen im gleichen Jahr den Weg in den Markt finden, zu teils sehr hoch angesetzten Ausrufpreisen bei verschiedenen Auktionshäusern zum Ausruf kommen, dann bleibt es nicht aus, dass die Verkaufsquote eher – höflich ausgedrückt – sehr durchschnittlich ist. Eben dies ist ein Zeichen für einen gesunden Markt, der sehr aufmerksam zu registrieren weiß, was marktgerechte Preise sind. Ob dann Rücklose dem Auktionator oder dem Vermittler Freude machen, sei dahin gestellt. Zuweilen gelten solche Lose als „verbrannt“.

In dieser Situation, in der die über Jahrzehnte zusammen getragenen Sammlungen zweier Milliardäre – in Österreich von Peter Zgonc, in Deutschland von Erivan Haub – auf den Markt kommen, kann man sich der Burrus-Auktionen erinnern, die von 1962–1967 von einem extra zum Verkauf gegründeten Amhelca-Trust vermarktet wurden. In über 75 Versteigerungen und zahlreichen Privatverkäufen wurde das immense Material – Insider schätzten den damaligen Wert auf mehr als 50 Millionen DM – geschickt auf zahlreiche Auktionshäuser verteilt, die diese nach Ferrari wohl weltgrößte Sammlung portionierten und zu maßvoll angesetzten Preisen auch gut verkauften. Damit belebten sie den Markt und gaben diesem eine enorme Chance, noch weiter zu wachsen.

Wenn also von 221 Losen einer Sudetenland-Sammlung von Peter Zgonc nur 131 als verkauft in der Ergebnisliste erscheinen, von dessen 135 Losen ausgesuchten Österreich-Materials nur 45 und von seiner Deutsches Reich-Sammlung (246 Lose) nur 124 weggingen, mag dies auf nachlassende Nachfrage interpretiert werden. Zutreffender – und dies beweisen andere special- oder name-sales – dürfte allerdings die Einschätzung sein, dass der Ausruf vieler der offenbar vom Einlieferer resp. dessen Vermittler limitierten Lose deutlich zu hoch angesetzt war.

Selbst der Eindruck, bei manchen Auktionshäusern komme zeitgleich „zu viel“ hochklassiges Material zum Ausruf, trügt. Denn der Philatelie-Markt ist vielfältig, kennt hunderte von Sammelgebieten und entsprechend für jedes Gebiet zahllose Sammler. Wenn dann bei ein- und demselben Auktionshaus zum gleichen Termin Grandprix- oder Großgoldsammlungen von Chile, Kap der Guten Hoffnung, Australien, Altdeutschland, Schweiz und was auch immer angeboten werden, so treffen diese Offerten auf weltweit verschiedene Käuferkreise. Diese sorgen für gute Nachfrage, sofern die Preisansätze angemessen sind und auch wirkliche Steigerungsmöglichkeiten ermöglichen.

Für Skepsis und Befürchtungen gibt es also kaum einen guten Grund, solange Marktanbieter die jahrhundertalte Erfahrung beherzigen, dass zu hohe Ausrufpreise ebenso schädlich sein können wie das zeitgleiche Angebot zu großer Materialmengen ein- und desselben Gebietes. Volker Parthen, der die ehemalige Altdeutschlandsammlung von John Boker versteigerte, wusste, wie man es marktgerecht machte: Fünfzehn Jahre (!) und achtzehn Auktionen bedurfte es, diese riesige Boker-Sammlung zu teils sensationellen Erlösen platzieren. Geschickt vermied er bei den ersten acht Versteigerungen einzelne komplette Teilgebiets-Auktionen (Baden, Bayern etc.), sondern bot in jeder Auktion immer nur überschaubare Partien all dieser Gebiete an. Boker und Parthen hatten Geduld – und sie belebten damit den Markt, ähnlich wie es Jahrzehnte zuvor bei den Burrus-Auktionen der Fall gewesen war.

Torschlusspanik und Weltuntergangsszenarien sind also keineswegs angebracht. Vernunft und Weitsicht schon.
 
saeckingen Am: 07.11.2018 14:12:57 Gelesen: 1154# 2 @  
ein „Global Player“ nun auch in Düsseldorf ein Akquise-Domizil eröffnet

Ist das denn inzwischen öffentlich angekündigt? Man hat mir das zwar im September bei der Saisoneröffnung der RPSL vorgestellt, aber da war es noch vertraulich. Bisher habe ich davon ansonsten noch nirgendwo etwas gelesen oder gehört.

Ein in unmittelbarer Nähe seinen Firmensitz habender Auktionator dürfte darüber nicht sehr begeistert sein.
 
22028 Am: 07.11.2018 14:59:11 Gelesen: 1115# 3 @  
In Sindelfingen hat er mir das nun offiziell verkündet, zumindest ist er auf der Prüfer Broschüre von dem Verband wo er Mitglied ist mit seiner neuen Adresse aufgeführt.
 
22028 Am: 07.11.2018 15:01:15 Gelesen: 1111# 4 @  
@ Richard [#1]

Passend dazu brachte der Briefträger heute ein Paket aus der Schweiz, ca. 10 cm, dick, mit insgesamt 7 Auktionskatlogen davon 5 Festgebunden, davon wiederum 4 Name Sale Kataloge.
 
Heinz 7 Am: 07.11.2018 21:39:21 Gelesen: 1004# 5 @  
@ Richard [#1]

Verkaufsquoten von 59 % (Sudetenland) oder 50 % (Deutsches Reich) sind nicht schlecht; da kennen wir in der langen Phila-Geschichte viele Beispiele, die wesentlich schlechter waren.

Auch der Vergleich zu den Burrus-Sammlungen scheint mir nicht zutreffend, denn wohl wurden die Sammlungen auf viele Auktionen und viele Auktionshäuser verteilt, aber in der Regel wurden alle Länder an EINER Auktion angeboten. (Als einzige Ausnahme fällt mir Frankreich ein). Unvergessen sind die "Burrus Switzerland", die an drei Tagen (!) im April 1964 von Robson Lowe in Basel verkauft wurden (624 Lose). Noch "geballter" war die Ladung von "Burrus Deutschland", an 4 Tagen im Oktober desselben Jahres (!) 1683 Lose!

Da wurde also ganz anders "aufgetischt" als 1985-1988 bei Heinrich Köhler (Boker-Sales). Die Teile Preussen und Hannover kamen später zur Auktion (1991/92 und 1997-2000). Hätte Boker am Anfang ALLES eingeliefert, hätte die Auktionsserie auch nicht 15 Jahre in Anspruch genommen.

Heinz
 
jmh67 Am: 08.11.2018 06:52:14 Gelesen: 935# 6 @  
Wenn sogenannte "Investitionsposten" verkauft werden, dann haben sie wohl ihren Zweck erfüllt.

Preisgekrönte Sammlungen, die mit Mühe und Akribie (und sicher auch unter erheblichem finanziellem Einsatz, der durchaus anzuerkennen ist) zusammengestellt wurden und die oft eine vorzügliche Dokumentation darstellen, gehören aber komplett ins Museum, damit die ganze Welt etwas davon hat, das ist nämlich Kulturerbe! Dokumentarischer Wert ist nicht mit Geld aufzuwiegen.

-jmh
 
22028 Am: 08.11.2018 07:16:22 Gelesen: 923# 7 @  
@ jmh67 [#6]

Dass Preisgekrönte Sammlungen die wie Du schreibst "vom Besitzer mit Mühe und Akribie (und sicher auch unter erheblichem finanziellem Einsatz, der durchaus anzuerkennen ist" zusammengestellt wurden komplett ins Museum gehören, ist doch sicher nur ein Witz von Dir. Das wäre ja praktisch eine Enteignung. Solche Stücke gehören in den Philatelistischen Kreislauf, schon um das Interesse am Gebiet aufrecht zu erhalten.

Wo willst Du damit beginnen? Preisgekrönt auf Rang 3, oder nur GP bei FIP? Dann wäre früher oder später der Markt tot!
 
jmh67 Am: 08.11.2018 08:57:25 Gelesen: 882# 8 @  
Nein, ich meine das ernst mit dem Museum, jedenfalls für hochspezialisierte und einzigartige Sammlungen. Mit Austellungskategorien hat das bei Lichte besehen eher wenig zu tun. Da hat jemand Geld und Zeit und viel Arbeit in eine historische Dokumentation gesteckt, und die Nachwelt hat nichts Besseres zu tun, als diese stückweise zu verticken und die Arbeit zu zerstören? Das wäre respektlos, als ob man Bücher auseinanderreißt, die Bilder behält und den Text wegwirft.

Wenn du mal nach London kommst, gehe in die British Library. Dort sind einige philatelistische Sammlungen museal erhalten, bei denen es wirklich schade gewesen wäre, wenn man sie verhackstückt hätte. Nur mal so als Beispiel. Sicher waren das Stiftungen, aber warum sollte das nicht weiter geschehen.

-jmh
 
22028 Am: 08.11.2018 10:56:45 Gelesen: 831# 9 @  
@ jmh67 [#8]

Sicher ist es gut wenn Sammlungen Museen vermacht werden, aber sollen die dann verschenkt werden? Sorry, ich bin kein Multimillionär und meine eventuellen Erben werden sicher meine Sammlungen nicht spenden.

In meinen Augen genügt es für die Sammlungen einen digitalen frei verfügbaren Nachlass zu erstellen, dann hat jeder der Interesse hast darauf Zugriff. Es einem Museum zu vermachen, oh Gott, Museen haben so viele Exponate die wissen oft selbst nicht was sie alles haben und soll der potentielle Interessent dann immer Weltreisen unternehmen?

In Israel hat sich der bekannte, verstorbene Palästina Sammler Zvi Alexander (der sammelte auch die Overland Mail) für seine Sammlungen ein Museum erbaut, das Alexander Museum. Auch genannt der Alexander (Sammlungs) Friedhof. Das Material ist für den Markt weg, schade, und das Museum [1] besucht kaum einer.

Kurt Dahnke hat z.B. seine Tibet Sammlung dem BDPh vermacht mit der Auflage die jedem zugänglich zu machen der Interesse hat, seitdem liegt die Sammlung im Tresorraum des BDPh, ich habe sie mal vor Jahren auf Einladung des BDPh durchsucht und schädliches Plastik entsorgt, seitdem liegt sie wieder nur im Dunkeln.

[1] http://www.alexandercollection.org/alexander-museum.aspx
 
Ron Alexander Am: 08.11.2018 11:04:24 Gelesen: 819# 10 @  
@ 22028 [#9]

Den digitalen Ansatz finde ich wirklich gut, zumal damit dann auch einer breiten Masse philatelistisches Material zur Verfügung gestellt wird, ohne das man durch die halbe Welt reisen muss.

Ist halt dann immer die Frage, steht das digitale Material dann auch immer zur Verfügung? Gerade der Aufbau solcher Sammlungen etc. sollte m.E. beim BDPh im Vordergrund stehen, schlussendlich auch eine Werbung für unser Hobby. Ich dachte da geht auch bedeutend mehr, aber wenn ich das mit der Tibet Sammlung höre, dann kann ich wieder mal nur den Kopf schütteln.

Generell bin ich der selben Meinung, Sammlungen sollten durchaus verkauft werden, damit steigt doch auch das Interesse etc. Aber immer mit dem Hintergrund, dass diese Digital aufgearbeitet ist und allen zur Verfügung steht.

Grüße,
Ron
 
ligneN Am: 08.11.2018 12:00:50 Gelesen: 786# 11 @  
Die Museums-Idee ist ziemlich abwegig. Und vor dem teilweisen Abverkaufen "schützt" das auch nicht, siehe Smithonian, mit durchaus nachvollziehbaren Kriterien/Begründungen.

Die privaten "Museen" in Japan usw. sind vor allem Steuersparmodelle und nur bei der Mitsui-Sammlung Teil eines riesigen, professionell geführten Familienmuseums mit seriösem Kuratorium und regelmäßigen Ausstellungen.

Fachgerechte Auflösung durch "name-sales" mit Abbildung aller Stücke, die Kataloge als .pdf auch nach Auktionsende weiter zugänglich (Corinphila, Feldman, Gärtner, Spink, ...), so macht man das.

Ich erinnere da nur an die Casey-Sammlungen China bei Feldman oder Mizuhara bei Spink.

So ist allen interessierten gedient.

Die "edition d'or" von Köhler/Corinphila ist auch eine Idee, unbeschadet der Marketinggedanken dahinter ist das gute Literatur.

Und wer Angst um das Verlorengehen seiner Erkenntnisse/Forschung hat, sollte halt *vor* dem Ableben eine Monographie/Aufsätze usw. verfassen (lassen).

Oder seine Forschungsinterlagen (nicht: die Sammlung) testamentarisch entsprechenden philatelistischen Institutionen hinterlassen (NICHT: allgemeinen Museen/Bibliothken, die haben keinen Platz für Dinge außerhalb ihres Forschungs/Depotschwerpunktes/belächeln Gezacktes). Vielleicht gibt es dann ja noch eine Publikation aus dem Nachlaß.
 
olli0816 Am: 08.11.2018 12:08:00 Gelesen: 777# 12 @  
Das mit den Museen finde ich auch nicht praktikabel. Das Deutsche Museum z.B. stellt weniger als 5% seiner Exponate aus. Ich hatte mal vor vielen Jahren das Glück, über einen Bekannten ein Teil des Lagers sehen zu dürfen. Da sind so viele Sachen, die interessant sind. Obwohl das Museum sehr groß ist und die Züge/Straßenbahnen in einem Verkehrsmuseum ausgelagert wurden, ist das gar nicht zu bewältigen. Man kann die Exponate des Deutsche Museums gar nicht an einem Tag anschauen. Und dann stelle man sich vor, die 20-fache Größe.

Der Wert der Sammlung ist auch so ein Punkt. Hat jemand eine teure Sammlung und die Erben wollen das Geld dafür sehen, ist das natürlich auch nicht zu vernachlässigen. Und so etwas wie die Tibet-Sammlung, die fast nur im Tresor liegt, ist doch auch keine Lösung. Digital ist sicher keine schlechte Idee, doch habe ich für mich die Feststellung gemacht, dass "live" ein Brief oder eine Briefmarke immer noch die beste Wirkung hat. Außerdem: Sammlungen sind nicht heilig und auch jede Sammlung hat Zu- und Abgänge während des aktiven sammelns, ist also nicht fix und lebt. Wir alle müssen mal gehen, warum soll das nicht auch für Sammlungen gelten? Außerdem unterbindet man mit der Konservierung einen der spannendsten Aspekte des Briefmarkensammelns: Suchen und Finden.

Nun habe ich zum eigentlichen Thema wenig beigetragen. Aber auch dazu kurz meine Meinung, die sicher nicht allgemeingültig ist: Es ist klar, wenn ein Auktionshaus zu hohe Startangebote nachfragt, dass es entweder zu krassen Untergeboten kommt oder einfach sehr wenig Lose verkauft werden. Andererseits denke ich, dass jedes Auktionshaus aufgrund seiner Erfahrungen ungefähr weiß, was es nachfragen kann. Wenn das nicht der Realität entspricht, sind die negativen Ergebnisse sehr schnell sichtbar. Von daher schätze ich, dass es in der nächsten Auktion den Fehler sehr schnell korrigieren wird. Es sind ja Wirtschaftsunternehmen und sie müssen davon leben.

Die Auflösung großer Sammlungen sind sicher Werbung für das Sammeln. Auch wenn dann geballt große Sammlungen auf den Markt treffen, werden sie mit der Zeit von anderen Sammlern aufgekauft. Das dauert seine Zeit und es mag auch sein, dass es erfolglosere Auktionen gibt. Aber man kann häufig beobachten, dass Lose in den Folgeauktionen günstiger angeboten werden und wenn der Preis dann irgendwann stimmt, wird es auch gekauft. Die Preise für Briefmarken sind sowieso alle subjektiv und häufig ist der Zufall, dass zwei oder drei Sammler genau das Stück möchten, dafür verantwortlich, dass ein sehr hoher Preis herauskommt. Das sieht man an den Ergebnissen fast jeder Auktion, dass es einzelne Lose gibt, die sehr viel teurer als der Ausruf verkauft werden. Viele Sachen sind dann vielleicht für den einen oder anderen Sammler interessant, aber man hat natürlich kein unendliches Budget. Ich sehe bei Nachauktionen immer wieder ganz tolle Sachen, die ich aber trotzdem nicht kaufe, weil ich eben nicht alles kaufen kann was ich gerne möchte. Wenn sich kein anderer findet, dann bleibt es eben liegen. Irgendwann kommt dann meist noch jemand, der es nach mehreren Versuchen trotzdem kauft. Alles keine wilde Sache.

Grüße Oliver
 
DL8AAM Am: 08.11.2018 15:07:50 Gelesen: 696# 13 @  
Das "mit den Museen" ist aber teilweise trotzdem richtig, aber nur teilweise bzw. sehr teilweise.

Es gibt Sammlungen die wirklich ein kulturhistorischen Schatz mit nationaler Bedeutung darstellen können. Das die Staaten in diesen Fällen gesetzlich ein Vorkaufsrecht eingeräumt bekommen müssten, klingt zwar nach einer Art von ("Bewegungs-") Enteignung, aber in einigen (sehr wenigen) Fällen stehen dem höhere "historische" Werte gegenüber. Wir reden hier aber nicht von irgendwelchen noch zu prämierten Ausstellungssammlungen. Philatelistische Werte sind erst einmal keine "nationalen Werte", auch wenn wir uns das manchmal gerne einreden.

Beispielsweise:

Ich durfte vor zwei Jahren mir auf Drängen meiner nichtsammelnden (aber von der Rahmenwüste der "New York 2016" komplett begeisterten) Frau in Taipei die "Sammlungsweltmeisterschaft" anschauen und da waren vielleicht 2-3 Sammlungen, die in diese Kategorie fallen könnten, z.B. gab es eine mit "Feldpostbriefen" der frühen Shogunzeit in Japan, da wurde (fast) jeder Shogun bzw. Periode und die jeweils "wichtigen" Kriege an Hand von Kurierbriefen dokumentiert, und da dieses i.d.R. "Faltumschläge" sind, natürlich inklusive des rückseiten Inhalts.

So etwas gehört eigentlich in ein Nationalarchiv, nicht auf den privaten Markt, mit dem Risiko, dass diese vereinzelt werden und u.U. sogar, dass einzelne Stücke auf ewig irgendwie "verschwinden".

Ein weiteres Beispiel, was mir da einfallen würde, war ebenfalls eine Feldpostkurierbotenreitersammlung, nämlich die der schwedischen Armee aus dem 30jährigen Krieg. Mit den entsprechen Kurierrouten und den "Bewegungsdaten" der Armee, natürlich ebenfalls i.d.R. mit den Inhalten. Das sind ja auch keine Briefe der kleinen Landsknechte, sondern der "wichtigen" Befehlshaber mit entsprechend "wichtigen" (sprich historisch interessanten) Inhalten. Entweder gehört so etwas in ein spezialisiertes Museum zum 30jährigen Krieg als entsprechend aufbereitete (nicht philatelistische) "Sonderausstellung" oder eben wieder in ein Nationalarchiv, damit die Historiker was zum Forschen haben. Wobei ich in diesen Fällen aber die Selten- bzw. Besonderheit nicht beurteilen kann, vielleicht handelte es sich ja um "ausgesonderten Schrott" aus Museen, das dort keiner mehr haben wollte. ;-) Das war von mir nur mal so als Diskussionsbeispiel gedacht.

Eine weitere die mir einfallen würde, war in New York zu sehen. Die jeweils frühesten, der erste bekannte Brief aus (fast) jeder der 13 nordamerikanischen Kolonien. Meist heim nach Grossbritannien. So etwas hätte ich als Schmuckstücke einer Dauerausstellung der Library of Congress erwartet und nicht in der "monotonen Rahmenwüste" einer "ordinären" Briefmarkenausstellung.

Eine (die) sehr schöne Tibetsammlung (eines unserer Forumsmitglieder) konnte ich mir dort auch anschauen und ich glaube das wäre bestimmt ein guter Kern für das künftige Postmuseum eines unabhängigen Tibets - irgendwann einmal. ;-)

Und zum Thema "digitale" Dokumentation. Ja klar, eine sehr gute Idee und das sollte grundsätzlich Schule machen bzw. ab einer gewissen Ebene ein selbstverpflichtetes Muss unter Philatelisten werden. Das ist erst einmal besser als nichts. Aber dann auch frei im Netz. Trotzdem das Original im Original zu sehen, ist etwas vollkommen anderes. Wir sind damals extra nach New York geflogen, wegen der "British Guiana 1 Cent Magenta" und der "Blue Boy". Dafür sind wir als Anfang-50er Old Couple gerne wieder in einem Hostel mit Gemeinschaftsbad auf dem Flur abgestiegen - ansonsten kann sich ja kein normaler Mensch New York leisten. ;-)

Aber generell sollten wir "unsere" Sammlungen einfach nicht so "wichtig" nehmen, zumindest nicht kulturhistorisch relevant genug, um wirklich (ausstellungstechnisch) museal (und nicht nur für's "Lager") zu sein, um so wichtig zu sein, um sie aus dem Markt zu entfernen bzw. sie künftigen Sammlerkreise vorzuenthalten. Es ist eben "nur" ein Hobby, mehr oder weniger gut bis superdupermega toll aufgearbeitet. Auch wenn da 10 Millionen Dollar drinstecken. Auch Milliardäre können ausgesprochen gute Hobbyisten sein! Über reine Wertanlagensammlungen möchte ich überhaupt nicht sprechen.

Gruß
Thomas
 
jmh67 Am: 08.11.2018 17:08:24 Gelesen: 631# 14 @  
@ DL8AAM [#13]

Genau solche Sammlungen meinte ich! Da tritt der Geldeswert völlig in den Hintergrund. Ich meinte auch nicht die üblichen Länder- oder thematischen Sammlungen, sondern Forschungssammlungen und solche mit deutlichem historischem Schwerpunkt, das hätte ich vielleicht klarstellen müssen.

Was ich so flapsig als "Museum" bezeichnete, kann durchaus auch eine (wissenschaftliche) Bibliothek, ein National- oder Regionalarchiv oder eben auch ein Museum der Kommunikation sein. Museen sind ja nicht nur zur Ausstellung da, sondern vor allem zur Bewahrung von Kulturgut. Das ist dort allemal für interessierte Menschen zugänglicher als in privaten Tresoren. Monographien und digitale Aufbereitung sind gute Ideen, nur unterbleibt solches bisweilen. Was nun wirklich museal-archival erhalten werden soll, muss sicher im Einzelfall erwogen werden, aber zunächst unabhängig vom Geldeswert.

Um den "Markt" und den "Kreislauf" braucht man sich in solchen Fällen wohl nicht zu sorgen, denn sie werden immer nur einen kleinen Teil des vorhandenen Materials umfassen. Um es philosophisch auszudrücken; die Quantität einer Sammlung kann durchaus in die Qualität einer bewahrenswerten Dokumentation umschlagen, ohne dass große finanzielle Werte dahinterstehen.

-jmh
 
saeckingen Am: 08.11.2018 17:25:16 Gelesen: 619# 15 @  
Museen haben doch gar nicht die finanziellen Mittel solche bedeutenden Sammlungen zu kaufen und die Besitzer kann man wohl nicht verpflichten, die Sammlung kostenfrei zu überlassen. Wer das möchte, kann das ja jederzeit machen!

Hier ein Beispiel einer (geplanten) Schenkung einer 35 Millionen € wertvollen Kunstsammlung an die Stadt Neuss [1]:

Die Stadt hat abgelehnt, weil man weder das Geld für den Museumsraum noch den Unterhalt hat!

[1] https://rp-online.de/nrw/staedte/neuss/jugendstil-sammlung-kommt-nicht_aid-19785863
 
drmoeller_neuss Am: 08.11.2018 18:09:22 Gelesen: 585# 16 @  
@ saeckingen [#15]

Du solltest den Lesern nicht die Wahrheit vorenthalten: Diese Schenkung hätte die Stadt Neuss etwa 17 Millionen für den Umbau des Clemens-Sels-Museums gekostet, dazu noch die laufenden jährlichen Kosten. Leider hat auch Neuss keinen Goldesel und kann jeden Euro nur einmal ausgeben. Geschenke gibt es eben nicht immer umsonst.

Museen haben nun mal keine leeren Räume, sondern müssen knallharte Entscheidungen treffen, was ausgestellt wird und was im Keller bleibt. Oder anders ausgedrückt; für Eure Spende muss irgendwo anders ein Bild abgehangen werden.

Die Vorredner haben es ja schon geschrieben: Hinter einer bewahrenswerten Dokumentation muss nicht zwangsläufig ein hoher finanzieller Wert dahinterstehen. Wer der Meinung ist, so etwas gehört der Nachwelt erhalten, sollte testamentarisch festlegen, dass die Sammlung nur als ganzes versteigert wird. Und wenn sich absolut kein Käufer findet, dann ist eben mit der "bewahrenswerten Dokumentation" doch nicht so weit her, wie man selbst einge- bzw. überschätzt hat.

Im übrigen ist nicht jede philatelistische Forschungsleistung für die Allgemeinheit interessant. Ich glaube, 99,9% der Bundesbürger interessieren sich keinen Deut über die Rekonstruktion eines Sachsen-Dreier Bogens oder über das Forschungsergebnis, dass Postoberhauptsekretär Fritz Wilhelm Müller-Lüdenscheid immer montags recht und schlecht aus der linken Hand gestempelt hat, weil er vom sonntäglichen Frühschoppen in der Kneipe noch verkatert war.

Für mich stellt es einen guten Kompromiss dar, wenn eine solche "Forschungssammlung" digital aufbereitet wird und die Ergebnisse interessierten Sammlern zur Verfügung stehen. Schliesslich sind wir ja Sammler, und schöne Stücke kauft man nicht eben mal wie ein Stück Butter im Supermarkt.
 
Carsten Burkhardt Am: 09.11.2018 12:13:51 Gelesen: 405# 17 @  
@ drmoeller_neuss [#16]

Für mich stellt es einen guten Kompromiss dar, wenn eine solche "Forschungssammlung" digital aufbereitet wird und die Ergebnisse interessierten Sammlern zur Verfügung stehen

Genauso ist es. Passt zwar vielleicht nicht ganz um Thema hier, aber aus diesem Grund habe ich 2007 mein Online - Köpfe-Projekt gestartet, wo alles zu einer Serie frei verfügbar für alle dokumentiert wird. Und der Erfolg gibt mir recht, die wesentlichen Sammlungen aus dem Gebiet sind dorthin eingeflossen und gehen der Nachwelt digital nicht verloren.

Ich habe nie die Lust gehabt, alles, was bei mir im Album schlummert zu Ausstellungen zu schicken, um Medaillen einzuheimsen. Die hatte ich bereits alle in der Jugendklasse in den 1970ern und der Streit mit Juroren heutzutage nervt mehr als die Befriedigung einer weiteren Goldenen.

Viele Grüße
Carsten
 
10Parale Am: 09.11.2018 21:34:48 Gelesen: 275# 18 @  
@ 22028 [#4]

Passend dazu brachte der Briefträger heute ein Paket aus der Schweiz, ca. 10 cm, dick, mit insgesamt 7 Auktionskatalogen davon 5 Festgebunden, davon wiederum 4 Name Sale Kataloge.

Dieses Paket aus der Schweiz ist auch mir ins Haus geflogen. Gratuliere an Richard, dass er dieses Thema in Bewegung gebracht hat.

Zurück zum Paket:

Es handelt sich wohl um die Firma Corinphila in Zürich. Nur der Hauptkatalog lässt nichts zu wünschen übrig. Man schaue sich nur die fantastischen Rumänien-Lose an, vor allem der lehrreiche Teil über die berühmte Zeitungsmarken Michel Nr. 5x/y, die jetzt mit sehr seltenen Stücken zum Ausruf gelangen (26. November - 01. Dezember 2018).

Ich bin Auktionshäusern wie Corinphila sehr dankbar, dass sie solch gewaltige Anstrengungen für die "kaufkräftige" Sammlerschaft unternehmen. Die Spezialbände (Sammlung von Mr. Hackmey kommt unter den Hammer) ähneln mehr Lehrbüchern als Verkaufskatalogen. So ist zumindest mein Eindruck.

Für mich ist das auch immer eine Einladung, trotz schmalen Geldbeutels (ich oute mich mal zum unteren Mittelstand gehörend) an der Versteigerung teilzunehmen und vielleicht unter allen schönen Angeboten auch ein Schnäppchen mit nach Hause zu nehmen.

Liebe Grüße

10Parale
 
22028 Am: 10.11.2018 10:03:20 Gelesen: 178# 19 @  
@ 10Parale [#18]

Ja, genau, es war Corinphila, ich kenne Walter Brühlmann von Corinphila seit mehreren Jahren persönlich sehr gut und er bat mich in Sindelfingen um eine persönliche Führung durch meine Overland Mail Sammlung.

Er stand dort ungläubig von meinen Belegen aus der Schweiz in den Irak welche mit der Overland Mail befördert wurden.

Gestern kam übrigens Post von David Feldman mit dem ersten Katalog zur Joseph Chalhoub Ägypten Sammlung die in den nächsten Jahren bei David Feldman aufgelöst wird, PDF Kataloge können heruntergeladen werden.
 
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