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Thema: Moderne Privatpost: Brieflogistik Oberfranken
EdgarR Am: 20.12.2018 12:24:19 Gelesen: 361# 1 @  
Gestern erhielt ich folgende Frage von einem Mitglied hier:

Lieber Edgar,
dein Brief ist heute gut angekommen. [...]
Den Brief habe ich mal angehängt, da er mir doch ein kleines Rätsel ist. Du hast ihn ja mit einer Marke der privaten „brieflogistik“ frei gemacht und wohl auch bei denen abgegeben/eingeworfen. Die haben dann einen DPAG AFS drauf geklebt, der Konsolidierer (?) hat dann über die Privatpostmarke und den AFS noch einen „Konsolidiererstempel“ (?) K 2093 angebracht und zugestellt wurde es dann natürlich bei mir von der DPAG.




Nun haben wir hier aber auch einen flächendeckenden Privatpostdienstleister, die Regensburger citymail, die hier auch täglich zustellt. Warum hat die brieflogistik nicht über/mit der citymail gearbeitet sondern ist den Weg über Konsolidierer/DPAG gegangen? Wird da gespart, egal wieviel es kostet?
Vielleicht weißt du etwas dazu?

Lieber Peter,

ich kann auch nur raten. Drei mögliche Erklärungen liegen für mich auf der Hand - eine banale und zwei beunruhigende.

1 - die banale Erklärung: bei der Brieflogistik Oberfranken bzw. bei deren "Mutter", der MainPost Logistik hat keiner einen Überblick, welche jenseits des eigenen Zustellgebiets tätige Privatpost im Mail Alliance-Verbund noch aktiv ist und wo. Nicht völlig unrealistisch, denn umgekehrt scheint auch in Schleswig-Holstein bei der dortigen Privatpost noch keiner was von der Brielogistik Oberfranken gehört zu haben.

2 - eine beunruhigende Erklärung: Es kommt der MainPost Logistik - denn diese Muttergesellschaft der Brieflogistik Oberfranken ist der Konsolidierer "K2093" - billiger, den Brief für die DP AG zu frankieren und konsolidieren (nämlich wegen der Rabatte, die dann rückerstattet werden), als ihn über eine Partnerfirma im Mail Alliance-Verbund weiterzureichen. Träfe das zu so hieße das dass das ganze Privatpost-System in Deutschland im Grunde genommen eine Fehlkonstruktion wäre und längerfristig zum Scheitern verurteilt ist.

3 - die andere beunruhigende Erklärung: Die Brieflogistik Oberfranken (mindestens, wenn nicht die ganze MainPost Logistik) sind finanziell am Ende und der Insolvenzverwalter steht quasi vor der Tür. Bei der längst verblichenen NordbayernPost in Nürnberg war es nämlich in deren letzten Wochen genauso: da haben sie deutschlandweite Post nur noch über die DP AG abgeleitet. Offensichtlich weil sie schon aus dem Abrechnungssystem der Mail Alliance rausgeflogen waren.

Vielleicht gibt es noch andere logische Erklärungen?

Allseits frohe Feiertage, demnächst!
Edgar
 
Pete Am: 20.12.2018 21:25:19 Gelesen: 341# 2 @  
@ EdgarR [#1]

1 - die banale Erklärung: bei der Brieflogistik Oberfranken bzw. bei deren "Mutter", der MainPost Logistik hat keiner einen Überblick, welche jenseits des eigenen Zustellgebiets tätige Privatpost im Mail Alliance-Verbund noch aktiv ist und wo. Nicht völlig unrealistisch, denn umgekehrt scheint auch in Schleswig-Holstein bei der dortigen Privatpost noch keiner was von der Brielogistik Oberfranken gehört zu haben.

Ich sehe keine Hinweise für eine maschinelle Sortierung der Sendung bevor diese für den Versand über die Deutsche Post frankiert wurde. Kann es sein, dass die Sortierung per Hand vorgenommen wurde und sich jemand schlichtweg vertan hat? Irren ist menschlich. ;-)

Auch bei einer maschinellen Sortierung muss nicht jede Postleitzahl, welche von einem Zustellpartner mit eigenem Personal bedient wird, in der Software zur Steuerung der Sortierung angegeben sein. Dies kommt/kam durchaus vor und zugegebenermaßen auf Dauer u.U. ein recht teurer Fehler "vom Amt" (d.h. vom Briefdienstleister auf eigene Kosten bzw. zu Lasten des jeweiligen Absenders). Auch in solch einem Fall muss die jeweilige Postleitzahl per Hand eingegeben oder sonstwie als Datensatz in die Software importiert werden, damit die "Maschine" weiß, was diese später zu tun hat.

2 - eine beunruhigende Erklärung: Es kommt der MainPost Logistik - denn diese Muttergesellschaft der Brieflogistik Oberfranken ist der Konsolidierer "K2093" - billiger, den Brief für die DP AG zu frankieren und konsolidieren (nämlich wegen der Rabatte, die dann rückerstattet werden), als ihn über eine Partnerfirma im Mail Alliance-Verbund weiterzureichen. Träfe das zu so hieße das dass das ganze Privatpost-System in Deutschland im Grunde genommen eine Fehlkonstruktion wäre und längerfristig zum Scheitern verurteilt ist.

Ein Grundsatz der Konsolidierung: Die Anschriften der zu konsolidierenden Sendungen müssen maschinell lesbar sein, d.h. üblicherweise gedruckt (und nicht handgeschrieben), dito darf bei Fensterbriefumschlägen die durchsichtige Folie nicht reflektieren bzw. muss sich die Farbe der Empfängeranschrift ausreichend vom Briefumschlagpapier abheben.

Da die Empfängeranschrift handschriftlich vermerkt wurde, gehe ich in diesem Fall nicht davon aus, dass eine Konsolidierung erfolgte. Sollte konsolidiert worden sein, müsste sich auch eine fortlaufende Nummerierung auf dem Umschlag befinden. Weiterhin gehe ich davon aus, dass die Austauschpreise für Sendungen innerhalb des Netzwerks der Mail Alliance niedriger sind als man üblicherweise durch größtmögliche Rabatte bei der DPAG via Konsolidierung erzielen könnte (egal ob BZE = Briefzentrumseingang oder BZA = Briefzentrumsausgang).

Gruß
Pete
 
Tech-Nick Am: 22.12.2018 03:57:23 Gelesen: 313# 3 @  
@ EdgarR [#1]

Das beunruhigendste finde ich eigentlich, dass man wegen 1 ct Ersparnis irgend so einen Billiganbieter nimmt, dem es dann anscheinend kostengünstiger kommt, den Brief mit der DPAG zustellen zu lassen, als seine eigenen Zusteller loszuschicken! ;-)

VG
 
Pete Am: 22.12.2018 10:38:20 Gelesen: 300# 4 @  
@ Tech-Nick [#3]

Das beunruhigendste finde ich eigentlich, dass man wegen 1 ct Ersparnis irgend so einen Billiganbieter nimmt, dem es dann anscheinend kostengünstiger kommt, den Brief mit der DPAG zustellen zu lassen, als seine eigenen Zusteller loszuschicken! ;-)

Bitte nicht vergessen: Bei den auf Privatpostbriefmarken aufgedruckten Entgelten handelt es sich im Regelfall um Bruttopreise inkl. der Mehrwertsteuer von derzeit 19 %. ;-)

Das Angebot der Postmitbewerber richtet sich im Regelfall primär an gewerblich tätige Absender, welche oftmals die Mehrwertsteuer gegenüber dem Finanzamt geltend machen können. Da liegt die Ersparnis nicht nur bei 1 Cent pro Sendung. Im Fall der der Deutschen Post wäre hier für eine Sendung zu 70 Cent brutto = netto anzusetzen.

Gruß
Pete
 
EdgarR Am: 22.12.2018 11:41:38 Gelesen: 291# 5 @  
@ Tech-Nick [#3]

Hallo Tech-Nick!

Auch wenn Du es vielleicht nicht wahrhaben willst: In Bezug auf Privatpost und deren Dienstleistungen bin ich durchaus Überzeugungstäter - sogar in zweifacher Hinsicht:

- Als Philatelist: Ich finde die deutsche Privatpostszene in all ihrer Unübersichtlichkeit unglaublich spannend.

- Als Verbraucher, der Postdienstleistungen nachfragt: Hätte gegen Ende der 90-er Jahre die EU nicht die nationalen Postmonopole geknackt und die damalige deutsche Regierung die EU-Vorgaben nicht dahingehend umgesetzt, dass private Firmen uneingeschränkt Postdienstleistungen anbieten können – es ist meine feste Überzeugung dass wir dann heute an die DP AG bei (noch) schlechterem Angebot ganz erheblich höhere Postgebühren zu zahlen hätten – da würde keine Feigenblatt-Regulierungsbehörde was dran ändern.

LG und frohe Festtage Edgar
 
filunski Am: 10.01.2019 16:39:35 Gelesen: 254# 6 @  
Hallo Edgar und alle Privatpost-Interessierte,

diesmal hat's geklappt. ;-)



Abgeschickt am 4.1.2019 mit Brieflogistik Oberfranken (Maschinenstempel rechts oben) und dann nicht wie im Beispiel aus [#1] zur DPAG, sondern direkt zum beim Adressaten zuständigen Privatpostdienst, der Citymail Regensburg, Maschinenstempel rechts unten vom 7.1.2019 und von diesem dann beim Empfänger zugestellt.

Lag es vielleicht doch daran, dass jetzt die Adresse gedruckt, also maschinenlesbar war? Der Verdacht liegt nahe! ;-)

Viele Grüße,
Peter
 
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