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Thema: Sinnvolles Vorgehen zum Verkauf von Briefmarken
Das Thema hat 29 Beiträge:
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bovi11 Am: 26.12.2018 10:27:38 Gelesen: 3524# 5 @  
@ Phil Ologe [#1]

Du schätzt die Leistung professioneller Verkäufer falsch ein.

Privat einen passenden Käufer zu finden, ist nahezu aussichtslos.

Deshalb bist Du, wenn Du selbst verkaufen willst, auf eBay (andere Plattformen kommen kaum ernsthaft infrage) angewiesen. Dabei ist schon mal zu berücksichtigen, daß eBay Dir auch mindestens 10 % Provision abnimmt. Dem stehen 23 % brutto Provission beim Auktionator gegenüber. Dafür mußt Du aber auch noch die ganze Abwicklung vornehmen und vor allem mußt Du wirklich gute und fundierte Beschreibungen und Scans machen. Beschreibst Du eine Marke falsch, vor allem unzutreffend, setzt Du Dich Schadensersatzforderungen aus.

Wenn Du alles berücksichtigst, kommst Du ohne weiteres darauf, daß die Marge des Auktionators oder Händlers gerechtfertigt ist. Bei Textilien beklagst Du Dich wahrscheinlich nicht, daß der Händler weit mehr als 100% Aufschlag nimmt.
 
Graf Zack Am: 26.12.2018 10:59:03 Gelesen: 3492# 6 @  
@ Phil Ologe [#1]

Zeige doch mal einige der Marken, die auch die Auktionshäuser interessierten. Hier findest du sicher genug Fachkompetenz, die etwas zum schätzungsweise erzielbaren Erlös etwas sagen kann.

Gruß
Graf Zack
 
guy69 Am: 26.12.2018 12:06:37 Gelesen: 3443# 7 @  
Bei solch einem Objekt kommt nur der Verkauf über ein Auktionshaus in Frage. Es ist völlig unerheblich welche Gebühren anfallen.

Als erstes muss etwas Aktivität aufgebracht werden. 3 Auktionshäuser besuchen und sich beraten lassen über Ablauf, voraussichtlichen Gewinn und letztlich den Erlös.

Zu Hause alle Angebote vergleichen. Entsprechen die Angebote den Vorstellungen, steht einer Einlieferung nichts im Wege. Ist man Laie und hat keinerlei Erlösahnung sind die Angebote ausreichend, um sich ein Bild zu verschaffen. Wenn du uns die Gegend nennst, kann dir hier über 3 seriöse Auktionshäuser Auskunft gegeben werden.
 
Phil Ologe Am: 31.12.2018 16:59:30 Gelesen: 3244# 8 @  
Danke für die Antworten.

Die Sammlung wurde bereits von mehreren Experten begutachtet (darunter sogar ein gerichtlich vereidigter Briefmarkensachverständiger). Es wurde ein realer Wert von ca. 50.000 € ermittelt (wobei das natürlich nur ein ungefährer Richtwert ist). Zu dieser Ermittlung wurde überhaupt nur etwa 1/4 der gesamten Sammlung herangezogen, der Rest wurde mit 0 € angesetzt, obwohl auch diese Marken noch zT versteigert werden. Einen wirklich exakten realen Wert kann man auch trotz Studium diverser Auktionskataloge bzw. deren Ergebnislisten nicht ermitteln, da viele der Marken so in der Form gar nicht angeboten wurden/werden; ein Vergleich einer einzelnen gezähnten Marke im Auktionskatalog macht z.B. keinen Sinn mit einer Ausführung als geschnittenen Doppel-Marke bzw. wie wird eine geschnittene Marke bewertet, wenn kein Rand/ sehr viel Rand vorhanden ist; auch sind Marken mit ihren diversen unterschiedlichsten Plattenfehlern nicht wirklich vergleichbar etc. etc. Und dann ist es bei Auktionen oft so, dass dort meist viele Marken in einem Los angeboten werden (häufig eine tolle zusammen mit relativ viel "Mist") und man so den Wert einer einzelnen Marke kaum ermitteln kann.

Es ist schon klar, dass der reale Wert einem Liebhaberpreis entspricht, der sich im Falle einer Auktion eben nach dem gerade an diesem Tag vorherrschenden Interesse richtet.

Was mich an der Auktionsform stört, sind im wesentlichen 2 Aspekte:

a)

Es geht eine PROZENTUALE Marge an den Auktionator.

Geht man von einem Versteigerungserlös von 50.000 € aus, wären das ca. 20.000 € Provision für den Auktionator (von der ich etwa die Hälfte zahlen müsste). (Natürlich ist das nicht sein Reingewinn, sondern sein eigener Umsatz, von dem er noch Kosten zu bestreiten hat) Für diese Summe müssen viele Leute in Deutschland ein ganzes Jahr hart arbeiten. Der springende Punkt ist: Der (zeitliche, finanzielle) Aufwand für den Auktionator ist derselbe, egal für welchen Preis die Marken versteigert werden. Würden jetzt die von Markus Pichl angeführten üblichen Marken im Wert von 10.000 € versteigert werden, dann bekäme der Auktionator insgesamt rund 4.000 € an Provision, was ich für seinen Aufwand auch in etwa gerechtfertigt/vertretbar halte; Dass bei so einer Auktion für den Auktionator ein ERHEBLICHER Aufwand anfällt, ist mir klar, aber 20.000 € sind dafür DEFINITIV zu viel (auch nach Abzug von Saalmiete, Mitarbeitergehältern, Katalogerstellung etc.) !

Wenn jemand von einem Klemptner sein Bad sanieren lässt, bekommt der Klemptner einen Stundensatz von sagen wir 60 €, und dies unabhängig davon, ob er dies in einer 10-Millionen-Villa mit Goldleitungen oder einer Bruchbude mit verrosteten Leitungen macht.

b)

Die von Auktionshäusern ausgerufenen Mindestgebotspreise sind meist relativ niedrig und eher unter dem "realen Wert" (was auch immer das genau ist). Der Hintergrund davon ist, dass die Auktionshäuser die Wahrscheinlichkeit hoch halten wollen, dass die Marken auch tatsächlich versteigert werden, denn nur so bekommen sie die Provision. Und die sagen sich; besser der Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Also konkret ist deren Denke vielfach: Lieber wird die Marke zu 10% vom Michel-Wert versteigert, als dass ich mit einem Mindestgebotspreis von 30% das Risiko eingehe, dass ich keine Provision bekomme und meine Arbeit umsonst war.

Das Problem ist, dass bei der Preisfestlegung der Auktionator die Untergrenze bestimmt. Man kann zwar dann als Einlieferer die Versteigerung ablehnen, wenn einem die Untergrenze zu niedrig ist, aber man kann eben NICHT einen höheren Mindestgebotspreis bestimmen. Oft läuft es ja so, dass der Auktionator dem Einlieferer einen ungefähren Verkaufserlös in Aussicht stellt, der tatsächlich erzielte Preis dann aber weit unter diesem wert bleibt. Ich kenne davon mehrere Fälle von Bekannten bzw. hatte auch in dem Forum hier einen solchen Fall gelesen.

Ich hätte z.B. keine Probleme damit eine Marke 3-4 mal bei verschiedenen Auktionen anzubieten (zunächst mit einem etwas höheren Preis), um mal zu sehen, was möglich ist und dann allmählich den Preis senken; ich stehe mit dem Verkauf unter keinem Zeitdruck.

So funktionieren vom Grundprinzip ja auch Immobilienverkäufe. Da wird erstmal ein recht hoher Preis ausgerufen, man beobachtet die Marktreaktion und wenn sich zu dem Preis kein Käufer findet, wird der Preis allmählich gesenkt bis sich eben ein Käufer findet. Genau das scheint aber über Auktionshäuser nicht möglich zu sein. Die scheinen mir in der Regel eher am schnellen Umsatz interessiert zu sein, als in einem längerwierigen Verfahren für den Verkäufer einen ordentlichen Preis herauszuholen (und damit auch für sich eine höhere Provision). Aber das wird anscheinend wegen des zusätzlichen Aufwandes wiederum abgelehnt von den Auktionshäusern.

Gerade weil es sich nämlich zT um einige Abarten der normalen Katalogware handelt, für die so in der Form gar kein richtiger Markt existiert und diese Marken - wie von Cantus beschrieben - zT über Katalogwert gehandelt werden (bzw. bei einigen Marken wird auch überhaupt kein Katalogwert angegeben), habe ich die Befürchtung, dass manche Marken bei einer Auktion eher unter Wert versteigert werden, wenn der Mindestgebotspreis zu niedrig angesetzt wird und es an dem konkreten Versteigerungstag nur einen Interessenten gibt, der dann mit einem Abstauberlimit zum Zug kommt. Es kann ja z.B. sein, dass es für bestimmte Marken sehr viele Interessenten gibt, nun liegt aber der eine am Versteigerungstag grade mit einer Lüngenentzündung im Krankenhaus, der nächste hat sich den Fuss verstaucht und kann auch nicht kommen und wie diese beiden hätte auch noch ein Dritter immenses Interesse, hat aber grade kein Geld, weil er seiner Tochter ein Auto mitfinanzierte etc und dann blieb nur noch ein echter Interessent bei der Versteigerung übrig, der billig zum Zug kam.

Also was ich sage: Der an einem Tag bei einer Auktion konkret erzielte Preis ist nicht gleich dem Marktpreis. Der müsste eben in einem zeitlich längerwierigen Verfahren ermittelt werden, was aber Auktionshäuser anscheinend nicht machen.

Was auch noch hinzukommt:

Mir wurde von mehreren Auktionshäusern gesagt, dass zu bestimmten Marken aktuelle Expertengutachten benötigt würden. Sonst würde angeblich keiner kaufen. Es liegen zwar aktuell zu einigen Marken solche Gutachten vor, allerdings sind die schon älter. Also da müssten dann nochmal Tausend € oder gar mehr für solche Gutachten/Zertifikate ausgegeben werden.

Wenn ich jetzt - wie auch immer - an einen wirklich kompetenten Käufer geraten würde, bräuchte man doch diese Gutachten gar nicht, derjenige müsste dann doch selber erkennen, ob es sich um eine Fälschung handelt oder nicht.

Wobei diese Gutachter einem natürlich am besten einen Wert nennen können sollten, der relativ nah an der Wahrheit dran ist. Von dieser Sichtweise würde es sich vielleicht doch lohnen, jetzt nochmal einen Gutachter einzuschalten.

Ich möchte die Sammlung schon verkaufen. Ich selber sammele Marken mit einem bestimmten Motiv, in aller Regel sind dies jedoch völlige Massenwaren und passen nicht zu der zugrunde liegenden Sammlung.

Mir geht es zunächst gar nicht mal darum, den Wert möglichst präzise einzuschätzen, sondern primär mal eine sinnvolle Verkaufsform zu ermitteln.
Den genannten Argumenten pro Auktionshaus stimme ich zu. Allerdings werde ich eben schon nachdenklich, wenn ich die bei einer teureren Sammlung aus meiner Sicht überhöhten Provisionen gegenüberstelle.

Ich habe im Moment keinen Scanner zur Verfügung, wo ich Marken einscannen kann. Es handelt sich bei der Sammlung um verschiedene Sammelgebiete. Es gibt nicht DIE Spitzenmarke darunter, aber schon etliche, die Preise im oberen 3-stelligen Bereich - wenn nicht sogar- unteren 4-stelligen Bereich bringen sollten. Deutsche Marken sind jedoch nur wenige dabei (ein paar Specimen aus dem 3. Reich). Dafür sehr viele israelische. Was ich z.B. auch nicht beurteilen kann, ob das Sammlerinteresse für solche ausländische Marken wie aus Israel eher in dem Land selber oder in Ländern wie Deutschland höher ist bzw. wo eine Auktion/Verkauf dafür sinnvoll ist ? Ich werde auch mit ziemlicher Sicherheit nicht alles über denselben Verkaufs-/Auktionskanal laufen lassen, sondern das Ganze splitten.

Interessieren tut mich auch noch, wie das mit der steuerlichen Behandlung aussieht, wenn man viele Marken auf ebay verkauft. Ich hatte gehört, dass man mitunter als Gewerbetreibender eingestuft wird und dann eben Steuern bezahlen muss. Stimmt das ?

Was ich an ebay im Vergleich zu den Auktionshäusern interessant finde: Zum einen kann man dort den Mindestgebotspreis selbst festlegen, zum anderen kann man auch die Marke zu einem Festpreis über einen langen Zeitraum anbieten; so könnte man sich dem tatsächlichen Marktpreis eben ganz gut nähern. Nur frage ich mich, ob der Kundenkreis der Auktionshäuser auch auf ebay aktiv ist, viele Sammler sind ja über 80 und der modernen Technik nicht so zugewandt.
 
JohannesM Am: 31.12.2018 18:24:01 Gelesen: 3202# 9 @  
@ Phil Ologe [#8]

Wenn du hochwertige Marken nicht prüfen läßt und als echt anbietest, sich die Marken aber als falsch erweisen kannst du auf Vertragserfüllung verklagt werden. Das kann teuer werden. Du könntest sie also nur als "Echtheit unbestimmt" anbieten, dann bekommst du aber kein Geld dafür. Dieser Problematik gehst du bei einem Auktionshaus aus dem Weg.

Beste Grüße
Eckhard
 
Markus Pichl Am: 31.12.2018 19:13:45 Gelesen: 3179# 10 @  
@ Phil Ologe [#8]

Mir geht es zunächst gar nicht mal darum, den Wert möglichst präzise einzuschätzen, sondern primär mal eine sinnvolle Verkaufsform zu ermitteln.

Das hängt von dem jeweiligen Objekt ab und kann nicht pauschal beantwortet werden.

Es müssen dann aber schon ganz schön viele Marken mit einem drei- bis unteren vierstelligen Handelswert vorhanden sein, dass ein zur Zeit im Raum stehender Schätzwert von Euro 50.000.- zusammenkommt. Eine derartige Sammlung macht einem Auktionshaus viel Arbeit und ist nicht an einem Tag bearbeitet, wenn viele Marken einzeln in den Auktionskatalog aufgenommen werden sollen. Mit der Aufnahme bzw. Beschreibung durch einen Philatelisten ist es dann noch nicht getan und die Marken müssen von der Graphikabteilung für die Print- und Online-Version des Auktionskataloges fotografiert oder eingescannt werden usw. usf.

Das Problem ist, dass bei der Preisfestlegung der Auktionator die Untergrenze bestimmt. Man kann zwar dann als Einlieferer die Versteigerung ablehnen, wenn einem die Untergrenze zu niedrig ist, aber man kann eben NICHT einen höheren Mindestgebotspreis bestimmen.

Das ist so nicht richtig. Der Einlieferer erhält von guten Auktionshäusern vor Druck des Auktionskataloges eine Aufstellung, mit der Beschreibung und dem Ausrufpreis der für die Auktion aufgenommenen Positionen. Selbstverständlich kann hier der Einlieferer noch auf einzelne Ausrufpreise einwirken, was aber eigentlich, wenn überhaupt, nur Sinn bei sehr hochwertigen Raritäten macht und nicht bei gängiger, ständig nachrückender Standardware.

In der Regel wird bei Abschluß des Versteigerungsauftrages ein voraussichtlicher Ausrufpreis für das gesamte Objekt, dieser ggf. in einer gesonderten Liste nach einzelnen Positionen aufgesplittet (besondere Einzelstücke, Länder- und Motivsammmlungen usw. usf.), festgehalten. Wird das Objekt in mehrere Teile, dies können verschiedene Einzellose, als auch verschiedene Sammellose sein, die bei Bearbeitung entstehen, für die Auktion aufgenommen, so weiß das Auktionshaus diese dann schon marktgerecht anzusetzen, damit der in Aussicht gestellte Ausrufwert zustande kommt und wie gesagt, der Einlieferer wird im Vorfeld, vor Druck des Auktionskataloges, über eine Aufstellung informiert. Durchaus kann es dann immer noch zu überraschenden Steigerungen bei einzelnen Positionen kommen, die dann beiden Seiten zu Gute kommen. Ein voraussichtlicher Ausrufpreis kann sich aber auch durch negative Überraschungen bei Prüfung wieder reduzieren, wenn sich beispielsweise im Vorfeld als unverfälscht eingeschätzte Stücke bei Prüfung als verfälscht erweisen oder Altattestierungen den heutigen philatelistischen Erkenntnissen nicht mehr standhalten.

Mir wurde von mehreren Auktionshäusern gesagt, dass zu bestimmten Marken aktuelle Expertengutachten benötigt würden. Sonst würde angeblich keiner kaufen. Es liegen zwar aktuell zu einigen Marken solche Gutachten vor, allerdings sind die schon älter. Also da müssten dann nochmal Tausend € oder gar mehr für solche Gutachten/Zertifikate ausgegeben werden.

Ein seriöses Auktionshaus wird für fälschungsgefährdete und hochwertige Briefmarken, die als Einzellos angeboten werden sollen, Prüfungen bei Dritten einholen. Hier geht das Auktionshaus für die entstehenden Kosten in Auslage, welche mit Auktionsabrechnung für den Einlieferer nachvollziehbar 1:1 in Abzug gebracht werden. Die Philatelie ist zu komplex, als das einer alleine alle Marken dieser Welt nach Echtheit und Qualität einschätzen könnte, daher bedarf es dieser Prüfungen. Es ergibt für den Einlieferer, als auch für das Auktionshaus keinen Sinn, eine fälschungsgefährdete Marke ungeprüft als Einzellos anzubieten. Sieht das Auktionshaus einen Sinn, dass eine in Frage kommende Marke zur Prüfung gesendet werden sollte, dann wird es eine solche Prüfung veranlassen.

Wobei diese Gutachter einem natürlich am besten einen Wert nennen können sollten, der relativ nah an der Wahrheit dran ist. Von dieser Sichtweise würde es sich vielleicht doch lohnen, jetzt nochmal einen Gutachter einzuschalten.

Ein Prüfer, der die Echtheit und die Qualität beurteilt und eine Expertise hierzu erstellt, legt keinen Handelswert fest. Das ist nicht seine Aufgabe. Gewisse Marken erhalten aber erst durch Prüfung einen Handelswert, den der Auktionator zusammen mit dem Einlieferer festlegt (siehe vorher).

Wenn ich jetzt - wie auch immer - an einen wirklich kompetenten Käufer geraten würde, bräuchte man doch diese Gutachten gar nicht, derjenige müsste dann doch selber erkennen, ob es sich um eine Fälschung handelt oder nicht.

Wenn der Käufer dies könnte, dann wäre er Prüfer oder müsste zumindest gleiches Wissen aufbringen können. Die meisten Interessenten überschätzen aber das eigene Wissen. Ein Prüfer haftet in der Regel für seine Expertisen und hält somit dem Einlieferer, als auch dem Auktionator, den Rücken diesbezüglich frei. Alleine aus diesem Grund, lohnt sich eine Prüfung. Was Dir bei Verkauf über ebay blühen kann, in Bezug einer Erfüllungspflicht, hat ja Eckhard schon in seinem Beitrag angedeutet.

Der an einem Tag bei einer Auktion konkret erzielte Preis ist nicht gleich dem Marktpreis.

Auch dies kann man so nicht ausdrücken und selbstverständlich kann einem auch der Himmel auf den Kopf fallen. Durchaus gab es schon Auktionsergebnisse, die bei einer späteren Verauktionierung selbigen Stückes nicht mehr erzielt werden konnten. Manchmal haben sogar schon zehntausende von Euros zwischen einst und zuletzt erzieltem Zuschlagpreis gelegen.

Ein Auktionshaus, mit hoher Katalogauflage und zusätzlich einer Online verfügbaren Katalogversion, erhält auf die den Markt interessierenden Stücke aus vielerlei Quellen Gebote. Nicht jeder Interessent kommt in den Auktionssaal gerannt, um mitzusteigern. Gebote können auch schriftlich (Gebotsformular, email, ggf. über Philasearch usw. usf.) beim Auktionshaus eingereicht werden und manche Interessenten beauftragen einen der am Markt tätigen Agenten/Agentinnen. Bei manchen Auktionshäusern kann man sogar Online live mitbieten oder auch telefonisch. Ein guter Marktpreis kommt dann zustande, wenn die angebotene Marke das Interesse von mehreren Bietern weckt und der Preis reizvoll angesetzt ist. Ein gutes Auktionshaus hat selbstverständlich Erfahrungswerte, kann die Marktlage einschätzen und auch, ob der Ausrufpreis ggf. steigerungsfähig ist oder sich eher kein Interessent findet, vor allem wenn der Preis überreizt ist. Ist der Preis für ein interessantes Stück überreizt angesetzt und es findet sich kein Käufer, dann ist das Stück quasi verbrannte Asche.

Wenn jemand von einem Klemptner sein Bad sanieren lässt, bekommt der Klemptner einen Stundensatz von sagen wir 60 €, und dies unabhängig davon, ob er dies in einer 10-Millionen-Villa mit Goldleitungen oder einer Bruchbude mit verrosteten Leitungen macht.

Das ist jetzt nun wirklich Äpfel mit Birnen verglichen. Ein guter freiberuflicher Philatelist, der beispielsweise mit hervorragenden Kenntnissen eine hochkarätige Altdeuschland-Sammlung für ein Auktionshaus bearbeitet, kostet Auktionatoren schon bis zu Euro 80.- zzgl. MWSt. die Stunde. Spezialisten kosten Geld, werden dann eingesetzt, wenn es das Objekt hergibt und sich dies dann auch für Einlieferer und den Auktionator lohnt. Die Rechnung des Spezialisten, trägt dabei in einem solchen Fall das Auktionshaus. Mir braucht man z.B. keine postgeschichtliche hochkarätige Palästina-Sammlung vorlegen, ich würde glatt mit den Achseln zucken, wenn es außerhalb meiner Spezialgebiete über die Standardsachen hinaus geht.

So wie Du aber dem Klemptner Deines Vertrauens beautragst, solltest Du ganz einfach den Auktionator Deines Vertrauens beauftragen und diesen seine Arbeit machen lassen. Dabei den Marktrealitäten ins Gesicht sehen und Dich auch von den Ängsten befreien, Deine Marken würden bei Auktion alle verschenkt werden. Irgendwie muß man auch hergeben können und nicht noch dem letzten Euro nachjagen.

Alternativ kannst Du Dich natürlich selbst mit einer jeder einzelnen Marke die nächsten Jahre beschäftigen und Preise hierfür recherchieren, als auch für bestimmte Stücke den potentiellen Kunden nachjagen bzw. diese aufspüren. Ob es gelingt, mag ich bezweifeln und bewerte dann doch einmal selbst eine jede Deiner aufgebrachten Stunden (zzgl. diversen ebay-Einstellungsgebühren und ebay-Provision), die Du mit dem Objekt verbringst, mit einem Satz von wenigstens Euro 60.- die Stunde. Je nach Umfang und Deinen eigenen Kenntnissen, können dann hunderte von Stunden zeitaufwand für Dich entstehen. Dann ist es wahrscheinlich doch preiswerter, einen Auktionator mit der Versteigerung zu beauftragen bevor Du vielleicht noch vor lauter Zeitaufwand ein theoretisches Minusgeschäft mit der geerbten Sammlung machst.

Beste Grüße und einen guten Rutsch in das Neue Jahr
Markus
 
guy69 Am: 01.01.2019 09:36:46 Gelesen: 3051# 11 @  
Nun, das ist die Realität. Verkauf über ein Auktionshaus oder als Privatperson. Das Auktionshaus lässt sich die Leistung bezahlen wie Sichtung, Bewertung bis hin zur Abwicklung). Als Privatperson bist du verantwortlich.

Jetzt bist du wieder am Zug. Hat das Haus Interesse deine Sammlung zu verkaufen und Geld zu verdienen wird sich dein Stellenwert in Bezug auf Sonderkonditionen erheblich verbessern. Auch dein Mitspracherecht beim Startpreis. Fehlen jedoch Expertisen, ist das Material eher durchschnittlich oder auch vom Volumen zu unübersichtlich rückst du immer mehr an die vorgegebenen Provisionen ohne Verhandlungsvorteil heran. Der Vergleich von Immobilenverkäufen über einen Makler bzw. Automobilverkauf über einen Händler sind legitim.

Nun zu deinem eigentlichen Problem. Der Kuchen wird unter den Häusern aufgeteilt. Die Provisionen sind annähernd gleich (siehe Makler, Autohändler). Diese nach unten zu schieben liegt nun in deinem Verhandlungsgeschick UND dem realen Wert deiner zu verkaufenden Sammlung mit der du deine Position stärken kannst. Hast du aber nichts an Sonderausstattung (Expertisen etc.) an Bord wird es schwierig für dein Objekt.

Klingt ein wenig nach Basar ist es auch.
 
olli0816 Am: 01.01.2019 11:27:50 Gelesen: 2978# 12 @  
@ Phil Ologe [#8]

Hallo,

im Grunde hat Markus alles wichtige zum Verkauf gesagt, er macht das schließlich beruflich. Deswegen kann ich dazu nichts mehr viel hilfreiches dazu setzen.

Ich wollte allgemein zu deiner Einstellung für den Verkauf etwas schreiben. Briefmarken sind sehr variabel gehandelte Gegenstände in einem Markt, der immer weniger Akteure hat. Es ist nicht so, dass es bei deinen teureren Marken massenhaft Interessenten gibt. Gute Ergebnisse auf Auktionshäusern wirst Du erzielen, wenn tatsächlich für einen Artikel zwei + x Interessenten existieren, die bereit sind mehr Geld für den Gegenstand zu zahlen. Ich rate dir, bei einer Saalauktion dich zwei Stunden reinzusetzen und das Geschehen mitzuverfolgen. Zugegebenerweise ist es eine etwas langweilige Veranstaltung, aber Du wirst sehr gut die Mechanismen sehen und auch erkennen können, dass die Kosten sich auszahlen, wenn Du gutes begehrtes Material anbieten kannst. Bei meinem letzten Besuch war ich durchaus immer wieder überrascht, wie bei einzelnen Positionen wesentlich höhere Summen herauskamen als das Mindestgebot. Die Saalbieter sind bis auf die engagierten Agenten häufig eher Nebenschauplatz. Die mit Abstand am meisten Lose werden von schriftlichen Bietern, Agenten oder Telefonbietern zugeschlagen.

Man sieht auch, dass Du wahnsinnig viel Angst hast, dass Du über den Tisch gezogen wirst. OK, die Berufsphilatelie kommt sicher nicht in den Himmel, aber wenn Du eines der renomierten Auktionshäuser auswählst, wirst Du gemessen an der Zeit/Aufwand immer noch den besten Schnitt machen. Wenn in deiner Sammlung viel Israel dabei ist, wird es zumindest in Deutschland keinen Riesenabnehmerkreis geben. Da wäre vielleicht noch die Chance am größten, ein Auktionshaus zu wählen, welches viele Überseegebiete anbietet. Da sind Interessenten am ehesten zu erwarten. Ein lokales Haus, das sich auf ein altdeutsches Gebiet spezialisiert hat, würde ich solche Marken jetzt nicht anbieten lassen.

Die eBay-Variante würde ich mir sparen. Ich weiß den Betrag nicht genau, aber irgendwo über 18.000 EURO (?) kommt das Finanzamt wegen UST an und wenn Du viele Positionen anbietest, befindest Du dich sofort in einem Graubereich bzgl. gewerblichen Handel, obwohl Du nichts anderes machen möchtest, als die überschüssigen Marken zu verkaufen. Der Aufwand steht sowieso nicht im Verhältnis zum Ertrag.

Zu den 40%: Du zahlst davon 50% - x, je nachdem was Du anbieten und wie gut Du handeln kannst abhängig von deiner Ware. Mach dich von dem Gedanken frei, dass Du übervorteilt wirst. Klar kann es am Ende sein, dass Du woanders mehr für deine Sammlung bekommen hättest. Wäre vielleicht möglich gewesen, wenn Du dich für ein anderes Auktionshaus entschieden hättest, weil da genau die Kunden gewesen wären, die sich speziell für deine Marken interessiert hätten. Das kannst Du nicht wissen, außer Du hast eine Wahrsagerkugel zu Hause. Andererseits wird die Situation tendentiell durch Auktionsplattformen wie Philasearch geringer, weil die Angebote viel freier verfügbar sind. Die wenigsten Sammler, die tatsächlich auf Auktionen einkaufen, machen dies nur bei einem Auktionshaus.

Grüße
Oliver
 
Markus Pichl Am: 01.01.2019 12:13:13 Gelesen: 2943# 13 @  
Hallo,

bei Immobilien und Automobilien handelt es sich in der Regel um Gebrauchsgegenstände bzw. teils um Anlageobjekte, ggf. mit laufenden Mieteinnahmen.

Bei Briefmarken handelt es sich jedoch durchgängig um nicht lebensnotwendige Gegenstände der Sammelleidenschaft und Liebhaberei, mit denen keine Mieteinnahmen zu erzielen sind und für die es in der Regel keine festen Marktpreise gibt. Es gibt auch keinerlei Garantien, dass ein bestimmter Marktpreis erzielbar ist.

Die vom Zuschlagspreis vom Auktionator einbehaltene Provision richtet sich nach dem Arbeitsaufwand und einer realistischen Einschätzung des zu erwartenden Zuschlagspreis, der mit dem Objekt verbunden ist. Je niedriger der Arbeitsaufwand ist, um eine interessante Umsatzhöhe zu erwirtschaften, desto verhandelbarer die Provision. Wer zu einem interessanten Ausrufpreis ein Luxussstück einer blauen Mauritius bei einer Auktion einliefert, der wird vielleicht sogar noch eine Auszahlung aus der Aufgeldprovision verhandeln können.

Arbeitsaufwand kann auch bedeuten, eine gewisse Preisvorstellung des Einlieferers zu erwirtschaften. Ist die Preisvorstellung unrealistisch hoch, wird ein Auktionator ggf. abwinken und die Freude einer Einlieferung einem Kollegen überlassen. Durchaus gibt es natürlich auch Auktionatoren, die erst einmal alle Wünsche des Einlieferers versuchen zu erfüllen, egal wie unrealistisch hoch die Preisvorstellung ist. Rein nach dem Motto, die Ware ist erst einmal im Haus und früher oder später wird der Einlieferer dann schon einsehen, dass seine Preisvorstellungen nicht realisierbar sind und dann nach kräftigem Herabsetzen der Ausrufpreise Umsatz generierbar ist. Solche Einlieferungen bringen aber in der Regel keinen Spaß, weder für die eine, noch für die andere Seite. Sind ggf. sogar nur mit Ärger und Verdruss verbunden. Glücklich der Auktionator, der auf solche Einlieferungen verzichten kann.

Wie ich in meinem ersten Beitrag schon erwähnt habe, ein bestimmter Prozentsatz muß nicht gleich für die maximal höchstmögliche Auszahlung stehen. Manchmal liegt es auch ganz einfach daran, ob sich durch die Kompetenz von dem/der Sachbearbeiter bei der Aufarbeitung von spannenden Objekten noch unerwartet etwas tolles finden lässt.

Sammler-Briefmarken sind Luxusgüter, die vielerlei Marktschwankungen unterliegen. Manchmal reicht es aus, dass ein Interessent wegen Aufgabe des Sammelgebietes oder aus anderen Gründen wegfällt und sonst niemand da ist, der gewisse Preise für bestimmte Sammelstücke bewilligt. Es bringt dann in solchen Fällen nichts, sich an alten, nicht mehr realisierbaren Preisen zu orientieren. Andererseits können dafür andere Stücke, die zuvor nie gefragt waren, enorme, im Vorfeld nicht zu erwartende Preise erzielen. Daher gilt es ständig für Auktionshäuser und Händler den Markt nach Veränderungen zu beobachten und möglichst das anbieten zu können was kein Sammler hat, aber mindestens zwei potente Sammler haben wollen. Glücklich der Einlieferer, der solche Stücke hat und einem kompetenten Auktionshaus mit potenter und in Frage kommender Kundschaft einliefert. Ausrufpreis und Provisionssatz spielen in einem solchen Fall dann eine untergeordnete Rolle.

Beste Grüße
Markus
 
bovi11 Am: 01.01.2019 12:14:10 Gelesen: 2939# 14 @  
@ olli0816 [#12]
@ Phil Ologe [#1]

Die eBay-Variante würde ich mir sparen. Ich weiß den Betrag nicht genau, aber irgendwo über 18.000 EURO (?) kommt das Finanzamt wegen UST an und wenn Du viele Positionen anbietest, befindest Du dich sofort in einem Graubereich bzgl. gewerblichen Handel, obwohl Du nichts anderes machen möchtest, als die überschüssigen Marken zu verkaufen. Der Aufwand steht sowieso nicht im Verhältnis zum Ertrag.

Diese von olli0816 beschriebene Problematik kommt noch dazu.

Früher war die Rechtsprechung des BFH so, daß auch die Verwertung großer Sammlungen in vielen Einzelpositionen als private Vermögensverwaltung angesehen wurde. Von dieser Rechtsprechung ist der BFH bereits vor einiger Zeit abgerückt.

Beispielhaft:

http://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=32169&linked=urt

https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/fg-koeln-urteil-14-k-188-13-umsatzsteuer-einkommensteuer-ebay/

Anders dagegen, wenn eine Sammlung en bloc verkauft wird. Das aber wäre bei der beschriebenen Sammlung kaum sinnvoll, denn der Kaufpreis einer solchen Sammlung wird bei eBay keinesfalls auch nur ansatzweise an das mögliche Ergebnis heranreichen.

Wettbewerbsrechtlich schließlich liegt die Hürde zum gewerblichen Handel sehr viel niedriger. Das heißt, um wettbewerbsrechtlichen Ansprüchen von einschlägig handelnden Händlern zu entgehen, müßte man beim Einzelvertrieb einer umfangreichen Sammlung die üblichen Kriterien eines Gewerbetreibenden erfüllen:

Impressum
Widerrufsrecht
Gewährleistung
Informationspflichten
usw.

Grüße

Dieter
 
guy69 Am: 01.01.2019 15:50:29 Gelesen: 2844# 15 @  
@ Markus Pichl [#13]

bei Immobilien und Automobilien handelt es sich in der Regel um Gebrauchsgegenstände bzw. teils um Anlageobjekte, ggf. mit laufenden Mieteinnahmen.

Es geht hier nicht um die zu verkaufenden Objekte sondern um die Provisionen der Makler, Händler oder Auktionatoren.

Der Vergleich dieser Gruppen ist sehr sinnvoll und macht Sinn um die Gesamtsituation zu verstehen. Alles in Allem ein schlüssiger Beweis.
 
Markus Pichl Am: 01.01.2019 16:21:21 Gelesen: 2815# 16 @  
@ guy69 [#15]

Dieser Vergleich ist Unsinn. Im Prinzip sogar eine Frechheit.

Der Aufwand und die damit verbundenen Kosten ein Auktionshaus für Briefmarken zu führen, ist weitaus größer als mit Immobilien oder Automobilien zu makeln oder zu handeln.
 
bovi11 Am: 01.01.2019 17:00:51 Gelesen: 2776# 17 @  
@ Markus Pichl [#16]

Sehe ich genauso - der Aufwand eines seriösen Auktionshauses ist in der Regel ungleich größer, als beispielsweise der Aufwand, den ein Immobilenmakler hat.
 
uli Am: 01.01.2019 18:09:27 Gelesen: 2695# 18 @  
@ Phil Ologe [#1]

Jahrzehnteslanges Marktgeschehen hat dazu geführt, dass sich div. Handelswege gebildet haben. Dieser status quo ist hier im Thread - mehr oder weniger gut - mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen beschrieben worden. Du kannst dir jetzt überlegen, welchen Weg du gehen willst. Weitere Diskussionen werden jeweils nicht dazu führen, dass die Auktionshäuser sich jetzt plötzlich hinsetzen und die Festsetzung der Entlohnung ihrer Dienstleistung überlegen werden. Weitere Diskussionen finde ich mit Blick auf deine Argumente auch überflüssig. Das Agieren anderer in einem dir völlig unbekannten Terrain beurteilen zu können, finde ich dabei bemerkenswert - Chapeau! Ich würde vorschlagen, ein Auktionshaus für Briefmarken zu eröffnen und den Markt aufgrund geringerer Preise für Einlieferer und Käufer zu dominieren.

Ich würde gerne mal ein paar der teureren Stücke aus dieser Sammlung sehen, bitte inkl. aktuellen Prüfungsergebnissen. Seit Anbeginn der Internetforen für Briefmarkensammler hat noch kein Verkaufswilliger, der mit der Aussage "Die Sammlung wurde von einigen Experten begutachtet und ist tierisch viel wert." aufgeschlagen ist, tatsächlich eine sofort veräusserbare, werthaltige Sammlung präsentieren können.
 
Markus Pichl Am: 01.01.2019 18:36:17 Gelesen: 2660# 19 @  
@ bovi11 [#17]

Vielen Dank, für Deine Zustimmung.

Im Bundesanzeiger kann man bestimmt die eine oder andere Bilanz von dem einen oder anderen großen Briefmarkenauktionshaus finden.

Bevor wir uns aber weiter damit beschäftigen, mit welchem Detailwissen, mit wie viel Arbeit und mit welchen Kosten es verbunden ist, eine umfangreiche und zugleich wertvolle Briefmarkensammlung aufzulösen (nachstehend ein Archivfoto aus meiner Firma, die Alben von nur einem Sammler), sollten wir uns doch lieber wieder anderen Themen widmen, z.B. schönen und interessanten Belegen, wertvollen Einzelmarken usw. usf.



Wer Fragen zu einzelnen Briefmarken oder Belegen hat, z.B. zu deren Echtheit, Seltenheit und ggf. zu deren Wert, der möge dies bitte mit beurteilbaren Scans in entsprechenden Themen tun. Die Beurteilung von Echtheit kann immer nur unter Vorbehalt einer Prüfung am Original erfolgen. Offensichtliche Falschheit ist hingegen einfacher beurteilbar. Seltenheit ist gemessen am Marktaufkommen beurteilbar. Für gleichartige, am Markt häufiger auftauchende Standardware gibt es genügend Möglichkeiten reale Verkaufspreise bzw. Zuschlagpreise zu recherchieren. Bei besonderen Einzelstücken, die ggf. tatsächlich Liebhaberpreisen unterliegen, ist nur eine wage Markteinschätzung möglich.

Gerne erinnere ich an den in 2017 erstmalig angebotenen, unten angeschnittenen Sachsendreier-Viererblock der Platte III. Nicht immer sind Seltenheiten zu einem jeglichen Preis verkaufbar. Die damalige Einschätzung verschiedener Experten, dass Euro 80.000.- als Ausrufpreis ein wenig übermotiviert seien, traf ja dann auch zu. 2018 wurde er dann bei einem zweiten Auktionshaus zum Ausruf von Euro 50.000.- angeboten, abermals ohne Verkaufserfolg. Wäre der Viererblock allseits vollrandig, wäre er wahrscheinlich schon zu einem bedeutend höherem Preis versteigert.

Ist alles nicht einfach und ich denke Phil Ologe hat hier von verschiedenen Beitragsschreibern eine Menge Hinweise und Ratschläge erhalten.

Nachstehend noch ein Link, zur Webseite des Bundesverbandes Deutscher Briefmarkenversteigerer. Dort finden sich auch noch weitere allgemeine Ratschläge für Einlieferer, als auch eine Liste der Mitglieder.

http://www.bdb.net

Beste Grüße
Markus
 
bovi11 Am: 01.01.2019 18:58:04 Gelesen: 2634# 20 @  
@ uli [#18]

Zu den Ausführungen zwei Anmerkungen:

Das Agieren anderer in einem dir völlig unbekannten Terrain beurteilen zu können, finde ich dabei bemerkenswert - Chapeau!

Ich für mein Teil kann den Arbeitsumfang von Immobilienmaklern bestens beurteilen, da ich lange Zeit als Bauträger für Gewerbebauten eng mit Maklern zusammengearbeitet habe.

Ich würde vorschlagen, ein Auktionshaus für Briefmarken zu eröffnen und den Markt aufgrund geringerer Preise für Einlieferer und Käufer zu dominieren.

Derartige Preiskämpfe gehen immer zu Lasten der Qualität. Das kann man in zahlreichen Branchen beobachten. Preisbrecher landen fast immer im geschäftlichen Straßengraben. Es gibt sicher Ausnahmen, z.B. der Brillenmarkt, nur eignet sich dieser nicht für einen Vergleich. Zum Vergleich taugen vorliegend nur Dienstleister.

Es gibt übrigens Auktionshäuser, die ein paar Prozent billiger sind.

Im Rechtsanwaltsbereich versuchen etliche Kandidaten, sich mit Dumpingpreisen für außergerichtliche Beratungen Mandate zu verschaffen. In nahezu allen mir bekannten Fällen passen auch die Leistungen zu den geforderten Dumpingpreisen.
 
Phil Ologe Am: 24.01.2019 17:45:22 Gelesen: 2233# 21 @  
Dass kein falscher Eindruck aufkommt:

Ich möchte einen Auktionator bei seinen Provisionen nicht auf Dumping-Preisniveau drücken. Ein Auktionator soll einen für seine Arbeit/Unkosten angemessenen Betrag erhalten. Wenn jetzt z.B. diese von Markus Pichl abgebildete Sammlung von 4 Regalen komplett versteigert werden soll, wäre eine Provision dafür von 20.000 € nicht völlig aus der Luft gegriffen. Nur in meinem Fall sind für die Auktion insgesamt wohl nur ca. 4 Alben überhaupt relevant (von insgesamt einem ganzen Schrank voll). Und es tut mir leid, 20.000 € stehen da in keinem (ansatzweise) angemessenen Verhältnis zu der Aufnahme von vermutlich nichtmal 1.000 einzelnen Stücken. Was mich stört, ist, dass es auf eine etwa 100mal höhere Provision hinausläuft, wenn zB Klassiker wie der Weihnachtsblock, Posthornsatz oder die 4 Renner-Blöcke versteigert werden verglichen zu einer Durchschnittsmarke von ein paar €, obwohl der dazu nötige Aufwand nahezu identisch ist, denn das Gutachten für diese teureren Marken wird ja ohnehin extern erstellt und Preisrecherchen muss der Auktionator dazu auch nicht einholen, da das Preisniveau für solche Klassiker jedem halbwegs interessierten Laien in etwa geläufig ist). Hinzu kommt noch, dass die Auktionatoren in der Regel gar keine Marken versteigern wollen, mit denen sie sich zuvor noch nicht intensiver auseinander gesetzt hatten. D.h. der Fall, dass sich ein Auktionator dann mit völligem Neuland beschäftigen muss (was eine höhere Provision rechtfertigen würde), tritt in der Praxis ohnehin kaum auf.

Eine Kassiererin bekommt noch nicht mal so viel (20.000 €) brutto im Jahr ! (Klar ist das Fachwissen eines Auktionators nicht vergleichbar). Auch mein Vorfahr musste für so einen Betrag sehr hart arbeiten.

Die von mir ins Auge gefassten Auktionshäuser gewähren allenfalls eine marginale Provisionssenkung von vielleicht 5% (wenn überhaupt), was aber am Grundprinzip so gut wie gar nix ändert. Und selbst, wenn der Verkäufer 0 Provisionen bezahlen müsste, fände ich eine Provisionssumme von 10.000 € immer noch zu hoch. Nehmen wir mal den in der Praxis nicht auftretenden hypothetischen Fall an, dass der Verkäufer 0 Provision bezahlt und der Käufer 20% beim Kauf einer 1.000 €-Marke. Dann erhält also der Verkäufer 1.000 € und der Käufer muss 1.200 € bezahlen. Jetzt hätte man aber auch beim direkten Verkauf die Marke für 1.100 € verkaufen können, dann erhält der Verkäufer mehr und der Käufer muss weniger bezahlen, eine win-win-Situation für beide bzw. eine loose-loose-Situation im Auktionsfall.

Weil viele den Vergleich mit Immobilienmaklern angeführt haben: Hier ist es in der Regel so, dass bei teureren Objekten eben nicht diese gesetzliche prozentuale Provision zum Tragen kommt, sondern es wird dann meist ein Fixbetrag ausgehandelt (der aber jetzt z.B. bei einer 2-Mio-Immobilie nicht so weit entfernt liegt von dem einer 1-Mio-Immobilie, also nicht doppelt so hoch ist). Aber selbst wenn alle Makler immer eine prozentuale Provision erhalten würden, heisst das noch lange nicht, dass dieses System sinnvoll ist bzw. es macht auch keinen Sinn daraus zu folgern, dass es auch so bei Briefmarkenauktionen sein muss. Ich halte z.B. die prozentualen Gebühren einer Bank bei Wertpapierkäufen für völlig ungerechtfertigt, aber selbst dort gibt es oft eine Deckelung der Gebühren nach oben; im Briefmarkenbereich gibt es aber diese Deckelung ganz offenbar nicht (zumindest nicht bei Sammlungen unter 100.000€ realem Gegenwert).

Ich hätte keine Probleme, einen Stundensatz von 60 € zu bezahlen (bei einer korrekten flüssigen Arbeitsweise) und nochmal: Ich will die Arbeit eines Auktionators (und die seiner Helfer) nicht herabwürdigen oder kleinreden. Man kann es drehen und wenden wie man will, 20.000 € sind da einfach nicht (ansatzweise) angemessen.

Im Kern geht es eben darum abzuwägen, ob es besser ist, horrende Gebühren zu bezahlen und auf einen hoffentlich umfangreichen Kundenstamm zugreifen zu können oder eben vertretbare Gebühren zu haben, aber dann auch auf einen vermeintlich nicht so grossen Interessentenkreis zugreifen zu können. Da bin ich immer noch unschlüssig.

Fernab von meinen finanziellen Ueberlegungen fühle ich mich jedoch innerlich zutiefst auch meinem Vorfahr verpflichtet, diese Sammlung nicht zu verramschen. Mir geht es nicht darum, den maximal möglichen Preis zu bekommen, aber ich möchte sie eben im Namen meines Vorfahren auch nicht unter Wert hergeben. Lieber behalte ich dann Marken, als sie zu einem Spottpreis zu verkaufen. Denn das stünde im krassen Gegensatz zu seiner hingabevollen, zeitintensiven Sammelleidenschaft und er wäre damit auch sicher nicht einverstanden. Genauso wie er mühevoll über diverse Kanäle an Marken gekommen ist, habe ich nachwievor extreme Bedenken nun alles auf eine (Auktions-)Karte zu setzen, wo dann bei einer Auktion mit einem niedrigen Ausrufpreis die Marke uU vergleichsweise billig weggeht (wie ich es schon von mehreren Bekannten miterlebt habe: Dieselbe Marke hatte dann bei einer späteren Auktion einiges mehr gebracht).

Es kann doch z.B. auch leicht sein, dass es viele Interessenten zu einer bestimmten Marke gibt, die aber von der einen konkreten Auktion, bei der dann die Marke verkauft wird, aus welchen Gründen auch immer gar nichts mitbekommen haben (z.B. weil sie gar nicht in dem Land leben, wo die Auktion stattfindet etc.).

Auf 50.000 €-Gesamtvolumen ist man relativ schnell mit gar nicht mal soviel Marken (z.B. 10, die im Schnitt 1.000 € machen, 30, die im Schnitt 333 € machen, 100, die im Schnitt 100 € machen, usw) Und selbst, wenn es nur 30.000 € Marktwert wären, ist die prozentuale Provision immer noch zu hoch., wenn sich der Auktionator nur um ca. 4 Alben kümmern muss.

Was ich mir auch schon überlegt hatte:

Ich gehe auf eine Auktion, nehme Flyer mit, die über wesentliche Teile der Sammlung Aufschluss geben und drücke die dann den Bietenden in die Hand. Hat so etwas schon mal jemand gemacht ?
 
doktorstamp Am: 24.01.2019 18:25:34 Gelesen: 2197# 22 @  
@ Phil Ologe [#21]

Flyer bei einer Auktion zu verteilen brächte vielleicht jede Menge Ärger mit sich, da es als betriebsschädigend zu betrachten ist. Auf einer Messe ist es ganz mal was anders.

mfG

Nigel
 
bovi11 Am: 24.01.2019 19:08:23 Gelesen: 2171# 23 @  
@ Phil Ologe [#21]

Deine Argumentation paßt vorne und hinten nicht. Ich habe aber keine Lust, jeden einzelnen Gedanken substantiiert auseinanderzunehmen. So, wie Du vorgehst, kann man vielleicht einen 15 Jahre alten VW-Golf verkaufen, aber keine Briefmareknraritäten.

Mit einem derartigen Geschachere um das letzte Provisionsprozent wirst Du nie den optimalen Verkaufsweg oder den optimalen Auktionator finden. Die meist weltweiten Kontakte der meisten Auktionshäuser gehören zu dem größten Betriebskapital eines solchen Hauses.

Nur ein Beispiel: Schlegel hat gerade ein Buch zur Sonderauktion "Deutsche Großraritäten" aus der Sammlung Peter Zgonc versandt. In dem "Katalog" sind gerade einmal 21 Lose (!) zur Sonderauktion am 8. Februar 2019 beschrieben. Solche (aber auch die meisten anderen Raritäten) wird man mit Sicherheit nicht zu annähernd angemessenen Preisen z.B. bei eBay verkaufen können. Das gilt aber auch für ungeeignete Auktionshäuser.

Raritäten (Briefmarken aber auch z.B. Kunst) werden ja nicht deshalb über meist namhafte Auktionshäuser verkauft, weil die Provision nehmen, sondern weil sie Kontakte zu passenden Käufern haben oder aufbauen können. Alle namhaften Auktionshäuser haben einen weltweiten Kundenstamm.

"Was ich mir auch schon überlegt hatte: Ich gehe auf eine Auktion, nehme Flyer mit, die über wesentliche Teile der Sammlung Aufschluss geben und drücke die dann den Bietenden in die Hand. Hat so etwas schon mal jemand gemacht ?"

Nach spätestens 5 Minuten wird man Dir zu Recht Hausverbot erteilen. Das ist so, als wenn Du bei Mercedes im Verkaufsraum Prospekte von BMW verteilst.
 
WPhV Stuttgart Am: 25.01.2019 00:11:09 Gelesen: 2085# 24 @  
Es ist schon bemerkenswert, wie sich die geballte Fachkompetenz hier um Phil Ologe, der selbst keinerlei philatelistische Ambitionen hat, bemüht, ihm bei seinem Trip à la "Ich will nicht selbst meine geerbte Sammlung wirklich wertschätzen, in dem ich mich damit mal ernsthaft beschäftige, sondern lasse mich lieber bequem auf dem Sofa sitzend hier aufschlauen" zu helfen, eine optimalstmögliche Realisierung zu bekommen. Ein solches selbstloses und ehrenhaftes Engagement ist nur lobenswert, weil es unser Hobby sichert und stärkt, da so Interesse geweckt und Sammlernachwuchs erfolgreich akquiriert wird.
 
drmoeller_neuss Am: 25.01.2019 15:39:38 Gelesen: 1874# 25 @  
Ich habe für Phil Ologe durchaus Verständnis. Bevor man 20.000 EUR für eine Dienstleistung ausgibt, kann man schon Fragen zu Alternativen stellen. Es ist eben immer eine Abwägung zwischen Aufwand und Bequemlichkeit. Es gibt Leute, den macht es nichts aus, hunderte von fremden Besuchern durch das eigene Haus zu führen. Andere überlassen die Vorauswahl lieber einem Makler, und zahlen dafür einen fünfstelligen Betrag.

Mein Tipp an Phil Ologo: Starte doch einen Versuchsballon. Nehme ein paar gute Einzelstücke und lasse sie entsprechend durch einen anerkannten Prüfer attestieren. Da wirst Du schon sehen, dass das etwas Arbeit macht, die verschiedenen Prüfsendungen fertig machen, und den ein oder anderen Prüfer nach Monaten freundlich an den Prüfauftrag zu erinnern. Auktionshäuser liefern ein vielfaches ein, und haben als gute Prüfkunden hier schon den ersten Vorteil.

Dann musst Du das Material vermarkten. Das Einstellen bei ebay für 1 EUR Startpreis gleicht einem Lottospiel. Wenn Du mit einem marktüblichen Preis einsteigst, werden Deine Lose einige Runde drehen, die Jahre dauern können. Du kannst natürlich auch das Material über Anzeigen in Briefmarkenzeitungen vermarkten. Hier musst Du mit einigen Euros in Vorleistung treten. Dann darfst Du das Material verschicken - die Fallstricke lauern hier im Kleingedruckten von DHL und Hermes und wie sie sonst heissen. Vielleicht kommt es gar nicht soweit, wenn Du an einen Spaßbieter geraten bist, der in einer Packstation oder in einem Postfach wohnt. Oder Dein Käufer sitzt in China, und Du hast Dich doch immer schon gut mit Zollformalitäten und Ausfuhranmeldungen ausgekannt?

Und der nächste Fallstrick - die Gewerbefalle und das Wettbewerbsrecht.

Ob jemand als Gewerbetreibender eingestuft wird, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. bovi11 wartet hier mit einem - meiner Meinung nach - schon dreisten Fall auf (BGH 12.8.2015, XI R 43/13). Da hat eine Frau über ebay 140 Pelzmäntel verkauft, und ihr Ehemann weitere 79 Stück, verteilt über mehrere ebay-Konten. Angeblich stammen sie alle von der verstorbenen Schwiegermutter. Die zu bedauernde Frau muss die edlen Pelze in total unterschiedlichen Grössen gehortet haben. Über den weiteren Ausgang muss ich hier nicht berichten, den Rest sagt schon der gesunde Menschenverstand.

Der Bierdeckelhändler ist kein so krasser Fall, aber der Händler trat auch als Ankäufer auf, weswegen man ein Gewerbe unterstellt hat (FG Köln, 04.03.2015, Az. 14 K 188/13).

Der Vertriebskanal spielt für die Einstufung als Gewerbetreibender erst einmal keine Rolle. Wer regelmässig bei verschiedenen Auktionshäusern einliefert, handelt genauso gewerblich wie ein ebay-Verkäufer mit entsprechenden Umsätzen. Nun muss man den deutschen Auktionshäusern zu Gute halten, dass Diskretion einen hohen Stellenwert hat. Ohne Insiderwissen wird man über verschiedene Häuser eingelieferte Lose nicht dem selben Einlieferer zuordnen können. Da macht es ebay dem Finanzamt schon leichter. Entsprechende Programme zur Auswertung von Verkäuferumsätzen sind kommerziell erhältlich.
 
Richard Am: 02.03.2019 09:11:03 Gelesen: 1472# 26 @  
@ bovi11 [#23]

Die meist weltweiten Kontakte der meisten Auktionshäuser gehören zu dem größten Betriebskapital eines solchen Hauses.

Nur ein Beispiel: Schlegel hat gerade ein Buch zur Sonderauktion "Deutsche Großraritäten" aus der Sammlung Peter Zgonc versandt. In dem "Katalog" sind gerade einmal 21 Lose (!) zur Sonderauktion am 8. Februar 2019 beschrieben.


Aber auch hier gibt es keine Garantie für Verkäufe - nur 22 % des Ausrufpreises wurden verkauft:

Zgoncs Großraritäten der Deutschlandphilatelie nur mäßig gefragt

(wm) Am 8. Februar 2019 führte das Berliner Auktionshaus Schlegel eine weitere Versteigerung der philatelistischen Pretiosen des verstorbenen österreichischen Unternehmers Peter Zgonc durch. Es waren nur 21 Lose im Angebot, die erneut in einem repräsentativen Hardcover-Sonderkatalog angeboten wurden. Allerdings zu einem Ausrufpreis von insgesamt 1.448.000 Euro! Andreas Schlegel teilte dazu mit: „Kein Wunder, handelt es sich bei diesen Kostbarkeiten doch um die Top-Seltenheiten der ganz großen Raritäten“ und meinte außerdem: „Diese Stücke sind einmalige Wertobjekte, denen auch Investoren ihre Aufmerksamkeit schenken“.

Allerdings wohl nicht in dem Maße, wie Schlegel es sich vielleicht selbst gewünscht hätte. Denn von den 21 Losen wurden nur acht verkauft (38%), dies zu einem Zuschlagspreis von 317.000 Euro (knapp 22% des Gesamtausrufwertes). Lose in sechsstelliger Größenordnung – davon gab es immerhin drei zu je 250.000 Euro – blieben liegen.

Auktionator Andreas Schlegel fand trotzdem in seinem Nachbericht auf der Internetseite positive Worte: „Schon zu Anfang unserer Auktion SAMMLUNG PETER ZGONC: Deutsche Großraritäten am 8. Februar 2019 zeigte sich, dass philatelistische Preziosen weiterhin stark im Kurs stehen. Eröffnet wurde der Auktionstag nämlich mit der international bekanntesten Rarität des Deutschen Kaiserreichs – dem Vineta-Provisorium. Das vorliegende zusammenhängende Paar aus der linken oberen Bogenecke mit einer Marke mit KOPFSTEHENDEM Aufdruck wurde entschlossen umkämpft und ließ seinen Ausruf mit einem Ergebnis von 74.000 EUR weit hinter sich.

Alle drei Marken aus der Germania-Trilogie – großartige Marken, die mit verkehrtem Wasserzeichen oder gar auf anderem Wasserzeichen-Papier gedruckt wurden – erfüllten die hohen Erwartungen – das Unikat der gestempelten 10-Pfg.-Germania mit liegendem Wasserzeichen mit Zuschlag 75.000 EUR, die gestempelte 30-Pf-Germania (Los 4) mit 50.000 EUR, sowie die ebenfalls gebrauchte 1920, 2 M Germania (Los 5) mit 39.000 EUR. Ein Liebhaber ersteigerte eine Rarität aus der Flugpost-Freimarkenserie ‚Holztaube‘ mit liegendem Wasserzeichen für 40.000 Euro. Eine der begehrten China-Handstempel-Ausgaben (1900, 30 Pfg. rötlichorange/rotschwarz auf mattgelblichorange mit Handstempelaufdruck „China“) übertraf ihren Ausruf von 20.000 EUR und erzielte 24.000 EUR.“
 
Phil Ologe Am: 15.11.2019 22:19:42 Gelesen: 666# 27 @  
Jetzt hatte ich mal einen kleinen Teil der zum Verkauf stehenden Marken über ein normales Auktionshaus versteigern lassen. Der dabei erzielte Verkaufserlös lag bei ca. 10.000 €, wohlbemerkt VOR Auktionshausgebühren. Auffällig fand ich bei der Auktion vor allem 2 Dinge:

1) Die meisten meiner eingelieferten Marken wurden versteigert. Meine Verkaufsquote (also das Verhältnis von verkauften Losen zu insgesamt angebotenen Losen) war bei mir etwa doppelt so hoch wie das bei der gesamten Auktion aller Einlieferer, also ca. 4/5 meiner angebotenen Marken wurden versteigert, wohingegen nur ca. 2/5 der Marken aller Einlieferer versteigert wurden.

2) Die meisten meiner Marken gingen exakt zum Ausrufungspreis weg, und bis auf 2-3 Ausnahmen lagen die (wenigen) höheren Gebote auch nur knapp über Ausrufungspreis.

Nun kann man natürlich verschiedene Interpretationen anstellen / Schlüsse ziehen:

Sicher war die Qualität meiner Marken / die Nachfrage danach höher als beim Durchschnitt der Auktion.

Jetzt werden viele sagen, der Auktionator hatte die Ausrufungspreise ja genau richtig eingeschätzt. Genau das stelle ich jedoch zumindest in Frage, denn ich kann mir gut vorstellen, dass meine Befürchtung eingetreten ist:

Offensichtlich gab es ja nach meinen Marken ein vergleichsweise überdurchschnittlich hohes Interesse. Nur bleibt eben die Frage offen, ob zB ein für 300 € angebotenes und zu dem Preis auch verkauftes Los nicht auch zu 350 oder 400 € oder noch mehr denselben Käufer hätte finden können. Mir wäre es lieber gewesen, es wäre nur die Hälfte verkauft worden, dafür diese dann aber zu einem höheren Preis. Und bzgl. des nicht verkauften Teils hätte man dann eben einen Anhaltspunkt, was eher nicht realistisch ist.

Nicht dass ich es hätte mit utopischen Ausrufungspreisen probieren wollen, nur erschienen mir die Ausrufungspreise noch Raum nach oben gehabt zu haben, als dass da bereits das Potential weitgehend ausgeschöpft gewesen wäre. Und wenn sich dann eben nur ein Sammler dafür interessiert, kommt er vergleichsweise billig zum Zug. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass da hinter manchen Käufen das Auktionshaus selbst steckt und die Marken dann später zu einem höheren Preis versucht zu verkaufen.

Von sich aus wollte der Auktionator eher noch niedrigere Ausrufungspreise ansetzen und so war es schon mit Anstrengung verbunden, überhaupt diese teilweise zwar etwas höheren, aber immer noch eher niedrigen Ausrufungspreise festzusetzen.

Da nun noch diverse weitere Verkäufe anstehen, bzw. im Auktionsfall zunächst mal die Preisfestsetzung des Ausrufungspreis, ist mir immer noch nicht klar, wie ich das obige Problem in den Griff bekommen kann, wenn die Auktionshäuser eben auf vergleichsweise niedrige Ausrufungspreise pochen.

@ WPhV Stuttgart:

Wenn ich die Sammlung nicht wertschätzen würde, hätte ich nicht so einen immensen Zeit- und Kostenaufwand auf mich genommen. Sowohl die Prüfgebühren als auch die Fahrt- und Hotelkosten belaufen sich mittlerweile auf einen 4-stelligen Betrag.

@ dr_moeller_neuss:

Ja, ich glaube ebay ist auch nicht die ideale Lösung.

Ich war mittlerweile durch halb Europa gefahren, hatte Kontakte zu diversen Auktionshäusern aufgenommen und insbesondere auch zu Prüfern. Diese gewonnenen Kontakte (insb. mit den Prüfern) stellten sich als sehr hilfreich heraus. Letztlich fand ich durch sie auch ein Auktionshaus, das spezialisiert ist auf das Sammlergebiet meiner angebotenen Marken. Und darüber hinaus wurde ich auch an private Käufer vermittelt, die mir einzelne (sehr teure) Marken direkt OHNE Einschaltung des Auktionshaus abkauften (zu aus meiner Sicht akzeptablen Preisen), was bereits zu erheblichen Gebühreneinsparungen führte. Allerdings waren davon nur wenige Marken betroffen. Leider fanden sich für die restlichen Marken keine direkten Abnehmer.
 
StefanM Am: 18.11.2019 09:12:37 Gelesen: 499# 28 @  
@ Phil Ologe [#27]

Dein Engagement ist bemerkenswert und Deine Erkenntnisse sind ebenfalls sehr interessant!

Ich frage mich nur, ob sich ein solches zeitliches und finanzielles Engagement am Ende lohnt, mal abgesehen von den Einsichten in das Marktgeschehen.
 
bovi11 Am: 18.11.2019 17:59:33 Gelesen: 421# 29 @  
@ Phil Ologe [#27]
@ StefanM [#28]

Ich kann allerdings die Mutmaßungen von Phil Ologe aus eigener Erfahrung bei vielen Auktionen nicht bestätigen.

Beispiele:

Schlegel Auktion 28.-30. Oktober 2019 - Nöbbe Sammlung. Recht hohe aber nicht überzogene Ausrufpreise. Von etwa 20 Losen habe ich bis auf eines alle bekommen, davon etliche zum Untergebot.

Harlos Auktion 16. November 2019. Niedrige Ausrufpreise aber ganz enorme Steigerungen und das ist bei Harlos fast immer so. Von 30 Losen habe ich 27 bekommen, mußte aber recht tief in die Tasche greifen - bis zum mehr als Zehnfachen der Ausrufpreise.

Ich habe für mich in vielen Jahren immer wieder festgestellt:

Niedrige Ausrufpreise führen dazu, daß viele Interessenten mitbieten. Den einen oder anderen motiviert das dazu, über sein eigentliches Limit deutlich hinauszugehen.

Bei hohen Ausrufpreisen nehmen viele (eigentlich Interessierte) erst gar nicht teil und das Bieterfieber fehlt.

Die Forderung einiger Einlieferer, mit hohen Einstiegspreisen zu operieren, ist eine typische, aber auch weit verbreitete Fehleinschätzung des Marktes und der möglichen Interessenten.

Übrigens:, Selbst bei eBay kann man genau dieses Phänomen ständig beobachten.

Anbieter stellt ein Produkt zum Preis von 120,00 Euro ein. Niemand bietet oder kauft.

Anbieter stellt das identische Produkt zum Startpreis von 1,00 Euro ein und erlöst am Schluß 165,00 Euro.
 

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