Thema: Grossbritannien: Belege bestimmen
Fridolino Am: 15.04.2019 18:11:42 Gelesen: 411# 1 @  
Grossbritannien: Ist das eine Briefmarke ?

Hallo,

ich habe hier einen Brief aus Grossbritannien, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob es sich bei dem Aufkleber um eine Briefmarke (ähnlich ATM) handelt oder nicht.
Bestimmt kann mir jemand auf die Sprünge helfen?



Viele Grüße
Fridolino
 
jmh67 Am: 15.04.2019 22:47:23 Gelesen: 315# 2 @  
Das ist keine Briefmarke, sonder "nur" ein Freimachungsvermerk, so ähnlich wie ein "Entgelt bezahlt"-Aufdruck.

Übrigens ist dieser Brief ein Beispiel für das sogenannte "Remailing". Das ist bisweilen schneller und/oder billiger als die Aufgabe im eigenen Land. Der Absender in den USA hat vermutlich eine größere Menge von Sendungen nach Europa als Fracht, im Paket oder durch Boten ins UK bringen lassen, wo sie erst auf die Post gegeben wurden. Dazu hat er wohl einen Vertrag mit Royal Mail. Im Extremfall wurde der Briefinhalt sogar erst im UK geschrieben oder gedruckt und kuvertiert.
 
DL8AAM Am: 16.04.2019 06:14:42 Gelesen: 283# 3 @  
Das ist sogar ein recht interessanter Remailing-Beleg, insbesondere für die moderne deutsche Postgeschichte.

Er handelt sich um ein "klassisches" Remailing aus der Frühzeit dieses Businesses. Hier wurden echte "normale" (Brief-) Sendungen im Absenderland eingesammelt und im Ausland versendet.

Die Angabe im Entbezahlt-Vermerk "ILS 400" führt uns auf die Spur des Schuldigen. Hier hole ich einmal etwas aus:

1987 wurde der Remailer "Global Mail Ltd." in Sterling, VA (USA) gegründet, der auf den Versand von Sendungen amerikanischer Absender hauptsächlich nach Europa spezialisiert war. 1998 hat die Deutschen Post AG die Firma übernommen. Heute nutzt übrigens unsere DPAG den alten Firmennamen Global Mail noch immer als Markennamen für einen Teil ihrer Auslandsdienstleistungen. Zufällig habe ich heute einen aktuellen amerikanischen DPAG/DHL Global Mail-Beleg in einem anderen Thread gezeigt (#4 in [1]).

Global Mail nutzte für die Einschleusung amerikanischer Postsendungen in das UPU-System dabei 1994-1996 die dänische Post SDPS bzw. deren Briefzentrum in Kastrup, unter den Lizenznummern 516, 652 und 674. Ab 1995 wurde dann die Royal Mail in Heathrow dafür eingesetzt, hier wurde "Deine" Kennung ILS 400 (aka HQ400) verwendet. Rücksendeadresse war die P.O. Box 815 in London EC1A 1AA. Belege mit ILS 400 sind bis mindestens 2002, d.h. bis tief in die Deutschen Post-Zeit hinein, bekannt.

Beste Grüße
Thomas

Alex Gundel: The Globalization of the Mail Market Through Remail and Direct Entry Mail - Postal History Notes (2003);
eine kleine "Leseprobe" unter http://www.rhombos.de/shop/downloads/dl/file/id/508/gundel.pdf

[1] https://www.philaseiten.de/thema/3437
 
Fridolino Am: 16.04.2019 07:43:58 Gelesen: 264# 4 @  
Vielen Dank für die Aufklärung. Also werde ich den Umschlag mal nicht wegwerfen.

Viele Grüße
Fridolino