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Thema: Indien: Indische Staaten Jammu und Kaschmir: Marken bestimmen
London-Dieter Am: 02.08.2019 01:19:40 Gelesen: 2107# 1 @  
Habe mir bereits den Zeigefinger rotglühend ge-googled - nun gebe ich erst einmal auf und frage hier, ob jemand evtl. weiss, um was es sich handelt.

Ist das überhaupt eine Briefmarke? Oder sonst etwas, irgendwo ausgeschnitten?

Das Papier ist dünn, wie üblicherweise Briefmarkenpapier von alten Ausgaben. Aber ich weiss noch nicht einmal, wie herum das gute Stück eigentlich gehört. Der "obere" Rand ist geschnitten, daher weiss ich nicht, ob der Druck vollständig ist.


 
SH-Sammler Am: 02.08.2019 07:13:33 Gelesen: 2074# 2 @  
@ London-Dieter [#1]

Hallo Dieter,

schau mal unter Indian States. Ich zeige Dir den Scan aus einem alten SG - Katalog 1981. Du brauchst die Marke nur noch um 180 Grad zu drehen, sie steht jetzt Kopf.



Sofern Deine Marke keine Fälschung ist, kommt sie aus Kaschmir, 1866. Im alten Katalog die Nr. 6, 1/2 anna.

Gruss

SH-Sammler
Hanspeter
 
umdhlebe Am: 02.08.2019 09:05:48 Gelesen: 2020# 3 @  
@ London-Dieter [#1]

Lieber Dieter,

"Jammu und Kaschmir" hatten von 1857 bis 1885 einen eigenen Postservice, Marken wurden ab 1866 verausgabt. Wie Hanspeter schon sagte, war die abgebildete nur für die Provinz Kaschmir gültig. Der Stanley Gibbons Katalog zu Indien von 2013 datiert die Marke mittlerweile auf Juni 1867, sie wurde ungummiert verausgabt. Leider ist Dein Exemplar angeschnitten, ansonsten wird sie mit 9 GBP katalogisiert.

Eine frei zugängliche Information in englischer Sprache zu diesem Sammelgebiet findest Du hier: http://www.kashmirstamps.com/

Wenn Du die Betreffzeile in "Jammu und Kaschmir" änderst, dürften sich noch mehr Sammler dieses äußerst feinen Gebiets in die Diskussion einschalten.

Gruß
umdhlebe
 
Martin de Matin Am: 02.08.2019 15:39:15 Gelesen: 1925# 4 @  
@ London-Dieter [#1]
@ umdhlebe [#3]

Das oben abgebildete Stück ist nicht in der Provinz Kaschmir sondern in Dschammu verausgabt worden. Die Wertangabe 1/2 Anna ist im inneren kleinen Oval zu erkennen.

Die Marken von Kaschmir sind in Bogen von 20 Marken (5x4)gedruckt worden und das grosse Oval ist schmal und ist vollständig. Die Marke ist in stark wasserlöslichen Farbe gedruckt.

Die rechteckigen Marken von Dschammu sind in Bogen zu vier Marken gedruckt worden, wobei die oberen zwei und die untere rechte halb Anna-Marken sind und die linke untere eine ein Anna-Marke ist. Das grosse Oval ist hierbei breiter und teilweise am Rand beschnitten. Diese Marken gibt es in wasserlöslicher Farbe und in wasserfester (Ölfarbe).

Da alle Markenbilder einzeln von Hand geschnitten worden, sind auch die einzelnen Marken auch einer Position im Bogen zuzuordnen.

Dein Stück ist durch das leicht schräg stehende kleine Oval eindeutig der Position 2 der Dschammuausgabe zuzuordnen. Es wäre somit die möglichen MiNr.7, 44 oder 49. Die ersten beiden sind in Wasserfarbe gedruckt und die 49 in Ölfarbe.

Von dem Erscheinungsbild deines Stückes würde ich Wasserfarbe ausschliessen und wenn es Ölfarbe wäre wäre es eine grosse Rarität sofern es überhaupt eine ungebrauchtes Exemplar gibt.

Nun zu deinem Exemplar; es sieht so aus als wäre es auf einem dünnen gemaschten Papier (feine Netzstrucktur) gedruckt. Ersichtlich ist dies am Rand als auch an den hellen Punkten in den blauen Flächen. Originale in blau, sind nie auf gemaschten Papier gedruckt worden. Aber in der Gruppe der Neudrucke/Fälschungen ist dies nicht unüblich. Auch das Druckbild deines Stückes deutet auf die Gruppe Neudrucke/Fälschungen hin.

Wenn man bei Delcampe bei Jammu und Kaschmir danach sucht wird man genügend Exemplare (teils auch in anderen Farben) wie deines finden, die oft auch als vermeindliches Original angeboten werden.

Noch eine kleine Anmerkung am Rande bezüglich der Schnittqualität. Die rechteckigen Marken von Dschammu sind ohne eine Schnittfläche aneiander gedruckt worden, so das nicht angeschnittene Marken die Ausnahme sind.

Jammu und Kaschmir ist ein sehr schwieriges Gebiet, das viel Erfahrung und Vergleichsmaterial erfordert. Aber manche Stücke (wie deines) sind schnell zu erkennen.

Gruss
Martin
 
22028 Am: 02.08.2019 17:29:18 Gelesen: 1906# 5 @  
Es gibt in Deutschland eine Reihe von Jammu und Kashmir. Einer der bekanntesten ist wohl Rolf-Dieter Jaretzky der seine Sammlung auch in Stockholm in 6 Rahmen ausstellte und dafür 92 Punkte (Gold) erhielt. Peter Suess erhilt für seine Sammlung in 8 Rahmen dort 85 Punkte und Groß-Vermeil.
 
Quincy Am: 02.08.2019 18:18:01 Gelesen: 1891# 6 @  
Ich kann auch noch mit einem Auszug aus dem Scott 2009 Vol. 3 dienen. Siehe India -> Native Feudatory States -> Jammu and Kashmir. Die entsprechenden Spalten habe ich in eine Bilddatei zusammenkopiert.



Gruß
Quincy
 
London-Dieter Am: 02.08.2019 19:26:04 Gelesen: 1881# 7 @  
@ SH-Sammler [#2]
@ Martin de Matin
@ umdhlebe
@ Quincy
@ 22028

Vielen Dank für Eure Hilfen. Die Informationen haben mir geholfen, ein wenig in die Tiefe dieser scheinbar doch schwierigen Materie reinzuschnuppern. Ich gehe davon aus, das es sich nach den beschriebenen Informationen dann doch eher um einen Neudruck oder gar Fälschung handelt.

Ich bin immer wieder überrascht, wie viel geballtes Fachwissen hier im Forum zusammenkommt. Ermöglicht ist dies durch unser heutiges IT - vor 35 Jahren, als ich damals das Sammeln einstellte, war so etwas undenkbar; m Verein gab es auch einige Sammler mit gutem Wissen; man musste viel Briefarbeit leisten, um gezielte Informationen zu bekommen. Aber was hier zusammenströmt ist schon so gut wie eine sehr gut ausgestattete philatelistische Bücherei.

Allen Respekt! und nochmals Danke.
 
London-Dieter Am: 02.08.2019 19:35:57 Gelesen: 1878# 8 @  
@ umdhlebe [#3]

Hat der Richard gerade schon für mich gemacht! - Danke !, Danke Richard.

Danach hat sich dann das vorgenannte herausgestellt. Ich gehe jetzt auch von einem Neu- oder Nachdruck, evtl. sogar Fälschung aus. Werde das Teil aber trotzdem behalten, entsprechend markiert.
 
Koban Am: 01.01.2021 17:52:34 Gelesen: 319# 9 @  
Hallo,

anbei drei unbestimmte Marken aus Dschammu aus den Sammlungen meines Vaters. Ich scheitere an der Bestimmung der Wertstufen und damit an der Bestimmung der Michelnummern. Bei allen drei Marken nehme ich an, daß es sich um Wasserfarben handelt. Die rechte Marke ist vermutlich oxydiert. Reste der orangeroten Originalfarbe sind noch zu erkennen.

Erste Marke, dünnes, durchscheinendes, senkrecht gestreiftes Papier,
zweite Marke, grobes, durchscheinendes, waagerecht gestreiftes Papier,
dritte Marke, hartes, durchscheinendes, nicht gestreiftes Papier.

Danke vorab,

Gruß,
Koban


 
Martin de Matin Am: 02.01.2021 00:34:27 Gelesen: 292# 10 @  
@ Koban [#9]

Ich fange mit der mittleren Marken an. Es ist vermutlich die MINr.11, denn das Erscheinungsbild ist typisch für Wasserfarbe. Vorsicht bei der Farbangabe; im Michel von 2003 wird die billigste Farbe mit lilarot bezeichnet. Es ist aber eher rot sowie es Gibbons auch bezeichnet.

Die MiNr.6 bis 13 und 44 bis 51 wurden von der gleichen Platte gedruckt. Die Platte bestand aus vier Marken; 3 Stück zu 1/2 Anna und eine 1 Anna und wurde in Dschammu verwendet (schwarze oder lila Stempelfarbe).



Ich habe die Zeichen aus dem inneren Oval, die für die Wertangabe typisch sind, in der Abbildung links vergrössert. Bei der 1 Anna sind bei diesen Ausgaben zwei Reihen von Schriftzeichen unter der Wertangabe.

Es wurden mehrere 4er-Bogen auf ein Blatt Papier gedruckt. Wenn man sich deine Marke ansieht stellt man weitere rote Farbe links von dem eigentlichen Bild der 1 Anna fest. Man könnte vermutlich sagen, das deine Marke einen Zwischenstegansatz hat, und somit Teile einer benachbarten 1/2 Anna hat. Nicht jubeln über ein vermeintlich teures Stück, denn es gibt zusammenhängende Bogen bzw. Bogenteile die bei weiten nicht so hoch bezahlt werden, wie es bei den ersten Marken von Bayern der Fall ist. Meistens ist der Abstand der Bogen zueinander grösser.



Die dritte Marke ist die MiNr.58 und wurde in Kaschmir ausgegeben. Der typisch Stempel für diese Ausgabe ist ein orangeroter Stempel. Die Marken wurden auf einer gemeinsamen Platte mit der halb Anna gedruckt. Die Platte bestand aus 20 mal der 1/2 Anna und 5 mal der 1 Anna, wobei jede Wertstufe getrennt gedruckt wurde. Deshalb sind am Oberrand der 1 Anna auch Teile einer 1/2 Anna zu sehen.



Die Wertangabe sieht auch so aus wie bei der 4er-Platte von Dschammu, allerdings sind hier drei Reihen von Schriftzeichen unter der Wertangabe. Ein weiterer Unterschied zur 4er-Platte, ist das grosse Oval schmaler und vollständig ist. Bei dem dünnen Papier ohne Streifung kann es auch eine Täuschung sein, da bei dem indische Papier eine Streifung mehr oder weniger deutlich sichtbar ist. Die Ausgabe wurde ja längere Zeit verwendet, somit kommen verschieden Variationen des Papiers vor.

Dein Stück stammt von Feld 1 des Bogens. Ich habe dein Stück über den Bogen gelegt und es passt zu diesem Feld, denn es gibt auch eine Fälschung in Wasserfarbe, die aber im Motiv abweicht.

Nun zu der blauen Marke. Der rote Stempel und das schmale Oval zeigen, das es sich um MiNr.55 aus Kaschmir handelt. Das Zeichen für die Wertangabe ist das gleiche wie bei der 4er-Platte; auch die Inschriften sehen ähnlich aus. Da jede Marke einzeln in die Druckplatte eingeschnitten wurde, kann man auch die Position im Bogen bestimmen, sofern die Druckausführung es zulässt.

Gruss
Martin
 
Koban Am: 03.01.2021 16:11:50 Gelesen: 241# 11 @  
@ Martin de Matin [#10]

Hallo Martin,

herzlichen Dank für die gut nachvollziehbare Bestimmung!

Immerhin sind die Marken offenbar echt. Das dürfte leider nicht bei allen meinen Marken des Gebietes der Fall sein.

Ich mag ja Knobelaufgaben, dennoch benötige ich noch weitere Hilfe.

Die folgenden Marken sind jeweils auf durchscheinendem, gestreiften Papier gedruckt. Die letzte Marke mutmasslich Ölfarbe (Nachdruck?), die gelbe mit Fragezeichen, der Rest wohl Wasserfarben. Die graue Marke dürfte ursprünglich schwarz gewesen sein.

Im Kontext mit den bereits gezeigten Marken vermute ich hier Mi 53, 60, 59 und 61.

Vielen Dank vorab!

Gruß,
Koban


 
Martin de Matin Am: 03.01.2021 23:07:32 Gelesen: 210# 12 @  
@ Koban [#11]

Nach Katalognummern sind die Marken richtig bestimmt.

Bis auf die Grau 1/4 Anna, bei der ich nicht ganz sicher bin, halte ich alle anderen für Wasserfarben drucke. Als Vergleich zeige ich unten Neudrucke/Fälschungen die in Ölfarbe gedruckt sind.



Diese unterscheiden sich meiner Meinung nach von den Wasserfarbendrucken, durch die gleichmässige Farbverteilung, die das Druckbild relativ deutlich erkennnen lässt. Der Farbauftrag sieht öfters etwas gesprenkelt aus.

Bei den Wasserfarbendrucken kommen oft auch Farbausfälle/Farbkleckse oder nur schwach eingefärbte Teile des Markenbilds vor, wie es oben bei deiner gelben oder ockerfarbenen (es gibt diese zwei Farben) 2 Anna und links unten bei der roten 8 Anna der Fall ist.

Die 1/4 Anna muss nicht unbedingt schwarz gewesen sein, denn die ersten Auflagen wurden in grauschwarzen Tönen gedruckt, wie es auch bei den gleichzeitig hergestellten runden Marken der Fall ist. Unten zeige ich dazu zwei Varianten, wobei die Druckausführung bei den beiden Farbtönen etwas anders aussieht, denn das Motiv tritt bei der grauschwarzen besser hervor, als bei der schwarzen mit den intensiven Pigmenten.



Gruss
Martin
 
Koban Am: 10.01.2021 20:48:49 Gelesen: 105# 13 @  
@ Martin de Matin [#12]

Hallo Martin,

Vielen Dank!

Die "graue" 1/4 Anna habe ich sicherheitshalber nochmal etwas größer gescannt.



Anbei noch die letzten beiden mutmaßlich echten Marken:

- 1/2 Anna, dickes, gestreiftes, durchscheinendes Papier, Ölfarbe?, vermutlich Mi 33,

- 4 Anna ??, hartes, gestreiftes, durchscheinendes Papier, Ölfarbe?, evtl. Mi 40?





Gruß,
Koban
 
volkimal Am: 10.01.2021 21:17:06 Gelesen: 96# 14 @  
Hallo zusammen,

dieser Stempel wäre für meine Kalendersammlung interessant:



Mir sieht er allerdings zu sauber aus. Können die Marken und der Stempel echt sein?

Was meint ihr?

Viele Grüße
Volkmar
 
Martin de Matin Am: 10.01.2021 21:49:06 Gelesen: 92# 15 @  
@ Koban [#13]

Die runde 1/2 Anna ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die MiNr.1 in grauschwarz welche in Wirklichkeit auch öfter eher schwarz aussieht. Das sichere Merkmal ist der lila Stempel, der nur auf den ersten Marken vorkommt. Die schwarze 1/2 Anna in Wasserfarbe oder Ölfarbe kommt nur mit schwarzen Stempel vor. Nebenbei bemerkt die MiNr. 1 ist gestempelt wesentlich häufiger als die anderen beiden Varianten, obwohl der Kataogwert etwas anderes aussagt.

Zu der smaragdgrünen Marke kann ich nichts genaues sagen. Man müsste überprüfen ob die Marke in Wasserfarbe gedruckt wurde.

Im Thema Indien: "Indische Staaten Dschammu und Kaschmir" Nr.6 zeige ich die Unterschiede zwischen den grünen Marken in Wasserfarbe und Ölfarbe.

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=13189&CP=0&F=1

Die smaragdgrüne 1/2 Anna ist der Sonderdruck in Wasserfarbe MiNr.22 daneben 4 Anna olivgrün ist der Ölfarbendruck (im Michel von werden 2003 werden beide als "grün" bezeichnet).

Darunter ist eine "gestempelte" 1 Anna in smaragdgrün in Ölfarbe zusehen. Sie ist kein Original, da die smaragdgrüne Ölfarbe nicht existiert. Diese ist auf einem dem Original ähnlichen Papier mit der typische rauhen Oberfläche gedruckt.

Die Neudrucke sind eigentlich auf vorderseitig glatten Papier gedruckt. Ob die gestempelte Marke ein Neudruck oder Fälschung ist weiss ich nicht.

Die Druckausführung der Smaragdgrünen Wasserfarbe variert, somit kann deine auch echt sein, was erst ein Test auf Wasserfarbe zeigen könnte.

Zur rechteckigen Marke, ob echte Marke oder nicht, kann ich aus der Abbildung nichts genaues sagen, wobei echte bei weiten häufiger sind als andere.

Gruss
Martin
 
Koban Am: 10.01.2021 22:44:46 Gelesen: 86# 16 @  
@ Martin de Matin [#15]

Prima! Die Mi 1 hatte ich gar nicht auf dem Zettel!

Mi 33 war entweder ein Tippfehler oder ich bin in der Katalogzeile verrutscht. Ich meinte natürlich Mi 32.

An der grünen Marke habe ich die beiden Tests aus dem Link in {# 15] durchgeführt. Es handelt sich eindeutig um Ölfarbe. Bei der Wertstufe bin ich mir anhand des Vergleichs mit der 4 Anna (gleicher Link) inzwischen auch relativ sicher.

Nochmals vielen Dank für die kompetente Hilfe!

@ volkimal [#14]

Der Viererblock steht auf dem Kopf. Mehr kann ich dazu nicht beitragen.

Gruß,
Koban
 
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