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Thema: USA Fälschungen
Heinz 7 Am: 07.09.2019 13:22:37 Gelesen: 7191# 1 @  
Fälschungen USA: 1890, 2 Cents, counterfeit grill

Liebe Philatelisten-Gemeinde,

wir kennen aus den USA extrem seltene Briefmarken, die unspektakulär aussehen, aber wegen einer Abart Weltraritäten sind, die es nur in wenigen Stücken gibt; bisweilen sogar Unikate. Ich spreche von Papier-Abarten.

Siehe dazu Thema: "Die seltensten und wertvollsten Briefmarken der Welt" (u.a. Beiträge 564, 565, 568, 569).

Alle seltenen Briefmarken sind fälschungsgefährdet. Ich wusste aber nicht, dass auch die schwierigen Riffelungen offenbar gefälscht wurden. Wer kann etwas Genaues dazu sagen?

Aufmerksam geworden auf das Thema bin ich, als ich in einer alten philatelistischen Zeitung auf diese "Naturalgabe" stiess, die den Abonnenten der Zeitschrift geschickt wurden.



Es wäre schön, wenn uns ein Spezialist etwas über diese frühen Fälschungen sagen könnte.

Heinz
 
lueckel2010 Am: 07.09.2019 15:26:54 Gelesen: 7168# 2 @  
@ Heinz 7 [#1]

Hallo, Heinz!

Mit den von Ihnen so bezeichneten "Riffelungen" könnten eventuell "grills" (Scott) bzw. Waffeleinpressungen (Michel) gemeint sein. Diese wurden bei den Briefmarkenserien, Mi.-Nr. 16-25, 26-35 und 36-48, mit Walzen eingepresst. Durch diese Maßnahme sollte eine Wiederverwendung leicht gestempelter Marken verhindert werden.

Michel katalogisiert insgesamt 8 Waffeltypen, die in der Tat meistens sehr teuer bezahlt werden müssen, insbesondere bei den Serien Mi.-Nr. 16 - 25 und 36 - 48, die sowohl mit als auch ohne Waffeleinpressungen verkauft wurden.! Da in der Vergangenheit (und vermutlich auch heute noch) immer wieder versucht wurde, "grills" zu fälschen bzw. nachträglich einzupressen, empfiehlt z. B. Michel, derartige Marken nur kompetent geprüft zu erwerben.

Ich werde in Kürze eine o Mi.-Nr. 20 II W VI, geprüft W. Jakubek, BPP, vorstellen.

Mich verwundert ein wenig, dass die unter [#1] gezeigte Mi.-Nr. 62 nie "gegrillt" wurde, allerdings wurde sie auf der Abbildung auch korrekt als "gefälscht" bezeichnet.

Wünsche ein schönes Wochenende.

Viele Grüße, Gerd Lückert.
 
lueckel2010 Am: 07.09.2019 15:55:05 Gelesen: 7161# 3 @  
Nachtrag zu [#2]

Mi.-Nr. 20 II W VI/ Scott Nr. 89 (bei Michel gibt es nur Unternummern, Scott katalogisiert "gegrillte" Marken mit Hauptnummern, m. E. auch korrekt, weil übersichtlicher!).



Laut "aktuellem" Michel USA Spezial (2014) "nur" 400.00 M€. Allerdings in den 1990er Jahren in einem "Groschenbuch" entdeckt und für einen "Tacken" erworben. Die schöne Fancy-Stempelung gab es "gratis" dazu!

Ab und an kann es sich schon lohnen, wenn man sich in "seinem" Sammelgebiet auskennt!
 
Holzinger Am: 07.09.2019 20:07:07 Gelesen: 7111# 4 @  
Für Interessierte aus "Counterfeits-USA" (Für die Übersetzungsmängel entschuldige ich mich):

2¢ Washington, 1894

Am 31. März 1895 erschien eine Anzeige in der Chicago Tribune, in der eine Neuheitsagentur aus Ontario zwei Cent US-Marken zum Verkauf anbot, den erstklassigen inländischen US-Briefkurs. Die Anzeige signalisierte den ersten bekannten Versuch, das United States Post Office Department (USPOD) zu betrügen.

Bei den angebotenen Briefmarken handelte es sich tatsächlich um gefälschte Briefmarken der zwei Cent Karminenausgabe von George Washington. Laut H.K. Petschel in seinem Buch Spurious Stamps: A History of U.S. Postal Counterfeits, 1997 von der American Philatelic Society veröffentlicht, handelte es sich um Fälschungen der Ausgabe 1894, Scott 250 Type I Dreieck, Krause-Minkus (K-M) 172 Type I. Die USPOD-Stempel wurden graviert; die Fälschungen wurden lithographiert. In einem Artikel von Linn vom März 1992 berichtete Wayne Youngblood, dass auch Fälschungen mit dem Typ III Dreieck bekannt seien.

Die gezeigten Beispiele sind das Typ I Dreieck. Auf der linken Seite ist ein Scott 250, die anderen "Stempel" sind Fälschungen.



Ähnliches gibt es auch bei den 2ct-Washington Franklin und 2ct-Washington of the Fourth Bureau - bis hin zu neueren Ausgaben. Im Prinzip sind aber US-Fälschungen selten (bezogen auch auf die großen Ausgabemengen) und eigentlich bekannt.

Evtl. könnte/sollte die Überschrift auf "US-Fälschungen (allgemein)" geändert werden, da mein Beitrag sich nicht genau auf den Erstbeitrag mit seiner Marke bezieht.
 
Richard Am: 14.09.2022 09:37:52 Gelesen: 3655# 5 @  
Es werden immer noch Grills gefunden, von einem Sammler im BDPh Forum, bereits von einem (namenlosen) Spezialist bestätigt (wer das wohl ist) und jetzt unterwegs zur Philadelic Foundation.

Der glückliche Sammler oder die Sammlerin schreibt schreibt:


Lea / registriert seit 05.2020 / Beiträge 23

[i] Franklin und Grill

Guten Abend vielen Dank für Ihre Meinung wie Sie bestimmt in den Beitrag mitbekommen haben, trifft alles für eine weitere Z Grill zu.

Und ein Spezialist hat es auch begutachtet, der es bald der Philatelic Foundstation übergibt.

Ja klar ist es kaum zu glauben das jemand ein 3 Exemplar findet und andere Varianten, aber es passt nur Z von Form und Größe.

Sie müssen es ja nicht glauben, wenn die Bestätigung kommt erfahren es alle.

Angenehme Restwoche!

---

Wer hat mit der Philadelic Foundation und den Zertifikaten Erfahrungen und kann hier im Forum darüber berichten ?

Schöne Grüsse, Richard
 
lueckel2010 Am: 14.09.2022 11:13:50 Gelesen: 3617# 6 @  
@ Richard [#5]

Guten Morgen, Richard,

ich vermute, dass der Hinweisgeber mit seinem Fund eine Scott-Nr. 85 A (Michel-Nr. 16 II W (=Waffeltype) V) meint. Ein solcher wäre in der Tat eine absolute philatelistische Weltsensation!

Allerdings würde ich dies hier im Forum zunächst nicht allzu "hoch hängen", sondern erst einmal abwarten, was die vom Finder angekündigte Expertise der Philatelic Foundation ergibt. Er hat ja zugesagt, dieses Ergebnis zu veröffentlichen.

In den USA gibt es für die Philatelie der USA mehrere Experten-Komitees, von denen die PF zu den bekanntesten gehört. Von der PF ausgestellte Zertifikate werden in der Regel weltweit anerkannt.



Abschließend zum "Genießen" noch ein Bild eines von bislang zwei bekannten Exemplaren der Scott-Nr. 85 A. Das Original befindet sich nicht in meiner Sammlung. Leider nicht meine "Kragenweite"!

Moin aus Ostfriesland, Gerd Lückert
 
drkohler Am: 26.10.2022 12:14:48 Gelesen: 3280# 7 @  
Zum Thema Fälschungen:

Eine Gang von Chinesen überschwemmt zur Zeit die USA mit gefälschten Markenheftchen und auch einzelnen Bogenmarken neuerer Ausgaben. Oft kommen die gefälschten Ausgaben sogar praktisch zeitgleich "auf den Markt".

Ich hatte mal versucht, eine Gruppe von Fälschungen zu kaufen aber die Jungs lieferten nicht nach Europa (das Geld nahmen sie natürlich...). Kostete etwas Nerven, das Geld wieder zurück zu bekommen. Die Druckerei steht sehr wahrscheinlich irgendwo im Chinatown in San Francisco. Die Gangleader sind in Nanking zu Hause.

Die gefälschten Heftchen verkaufen sich wie geschnittenes Brot. Auf ebay ist jetzt äusserste Vorsicht geboten bei Angeboten von neu verausgabten MH. Es waren schon Fälschungen darunter. Die Fälschungen haben keinen Leuchtstoff, wobei die allerneusten Fälschungen zum Teil jetzt sogar diesen Leuchtstoff emulieren.
 
drkohler Am: 14.01.2023 13:27:20 Gelesen: 2732# 8 @  
Die Chinesen schlagen in den USA mittlerweile so heftig zu, dass sich Scott Publishing entschlossen hat, einen Spezialkatalog herauszugeben:

2023 Scott Specialized Catalogue Of United States Counterfeits

Das ist nicht nur ein Faltblatt, das sind fast 100 Seiten.
 
DL8AAM Am: 18.01.2023 01:37:15 Gelesen: 2641# 9 @  
@ drkohler [#8]

Hier [1] ein kurzer Artikel bei den "LSN - Linn's Stamp News" (aus dem Hause "Amos Media Company", zu dem auch der Scott gehört) mit der Bezugsquelle.



Beste Grüße
Thomas

[1] https://www.linns.com/news/us-stamps-postal-history/identifying-counterfeit-u.s.-stamps
 
Journalist Am: 07.03.2023 15:52:39 Gelesen: 2299# 10 @  
@ DL8AAM [#9]

Hallo an alle,

ich habe mir den obigen Katalog bestellt. Zwar kostete der reine Katalog nur 19,99 $, aber die Versandkosten betrugen weitere 32 $ - und als alles ankam wollte der deutsche Staat noch knapp 6 Euro Mehrwertsteuer und die Deutsche Post 6 Euro Einziehungsentgelt haben, aber hier läuft derzeit eine Reklamation wegen falscher Berechnung.

In diesem Katalog werden auch die folgenden Marken gelistet:



Hier auch noch die Rückseite von diesem Bogen:



Oberflächlich sieht alles gut aus, wenn man aber weiß, dass dies direkt aus China kommt, ist klar, dass dies nicht das Original sondern die Fälschung ist.

Jetzt muss ich mir erst einmal die Originale besorgen, damit ich dann hier auch Vergleichsbilder zeigen kann.

Soweit für heute Neues aus der internationalen Fälscherküche

viele Grüße Jürgen
 
Journalist Am: 10.03.2023 18:59:21 Gelesen: 2251# 11 @  
@ Journalist [#10]

Hallo an alle,

ich möchte hier auf ein Video über Infos der amerikanischen Post über gefälschte Marken hinweisen, das ich für sehr interessant halte:

https://www.youtube.com/watch?v=MPzNdcJPLL4

Viele Grüße Jürgen
 
DL8AAM Am: 11.03.2023 15:15:41 Gelesen: 2209# 12 @  
@ Journalist [#11]

Interessant ist auch das Video "Detecting counterfeit USPS Forever Stamps with Wayne Youngblood":

https://youtu.be/QjjrnaMGDl0

Beste Grüße
Thomas
 
DL8AAM Am: 13.10.2023 15:27:50 Gelesen: 868# 13 @  
@ Journalist [#11]

Vor drei Tagen meldeten die Linn's Stamp News (LSN) eine weitere moderne Fälschung:

Counterfeit School Bus coil stamps found on postcard mailed to St. Petersburg, Fla. [1]

Es handelt sich um die Rollenversion der "School Bus"-Ausgabe [2] vom 05.01.2023. Das ist eine sogenannte nondenominated Briefmarke, d.h. die Marke trägt keine Wertangabe in Zahlen, sondern nur den Schriftzug "ADDITIONAL OUNCE", das bedeutet sie deckt den Unterschied für eine weitere Unze zum Standardbrief ab - kann aber trotzdem für alle anderen postalischen "Zwecke" eingesetzt werden. Ihr derzeitiger (Frankatur-) Wert beträgt somit heute 24 Cent.

Beste Grüße
Thomas

[1] https://www.linns.com/news/us-stamps-postal-history/counterfeit-school-bus-coil-stamps-found-on-postcard-mailed-to-st.-petersburg-fla
[2] https://about.usps.com/newsroom/national-releases/2023/0105-usps-celebrates-the-school-bus-with-additional-ounce-stamp.htm
 
drkohler Am: 18.10.2023 18:19:40 Gelesen: 744# 14 @  
Inzwischen gibt es kein Halten mehr bei den Chinesen.

Die neusten Fälschungen betreffen die Früchteserie von 2016. Ganze Kleinbögen je 20 Marken aller Werte sind aufgetaucht. Qualitativ besser als die Originale (inklusive Block tagging). Allerdings gab es die Originalmarken nur als Rollenmarken.

Der Scott Spezialkatalog "Fälschungen" erscheint anfangs November. Er ist doppelt so dick wie die erste Ausgabe.
 
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