Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: (?) (36/37) Nachporto: Postseitige Ergänzung der Freimachung bei Auslandspost
Das Thema hat 38 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1   2  oder alle Beiträge zeigen
 
DL8AAM Am: 07.12.2009 17:25:40 Gelesen: 35413# 14 @  
Hallo,

diese postseitigen Ergänzungen gibt es nicht im Auslandsverkehr, am Samstag kam hier für eine innerstädtische Sendung (entweder fiel die Briefmarke ab, oder es wurde wirklich versäumt eine Marke aufzukleben) mit einem Label des Postamtes Göttingen zurück, der auf die fehlende Franktur von 55 Cent strafportofrei hinweist.



Leider ist das Label zum Teil auf der Rückseite gelandet, habe es aber mal zusammengesetzt:



Ist das nun die übliche Verfahrensweise der Post, kein Nachporto mehr beim Empänger zu erheben, sondern die Sendung mit einen entsprechenden Hinweis zur Nachfranktur an den Absender zurückzuschicken? Das nenne ich Service ! Tippe aber, das ist nur ein Service unseres lokalen BZ 37 ?

Gruß
Thomas
 
Pete Am: 07.12.2009 17:42:52 Gelesen: 35406# 15 @  
@ DL8AAM [#14]

Ist das nun die übliche Verfahrensweise der Post, kein Nachporto mehr beim Empänger zu erheben, sondern die Sendung mit einen entsprechenden Hinweis zur Nachfranktur an den Absender zurückzuschicken?

Ja, solche Briefe gehen (meist?) zum Absender zurück. Mir ist dies vor ca. 3 Jahren in Duisburg (Postleitbereich 47, Briefzentrum 47228 Duisburg) passiert. Das kommt davon, wenn man versehentlich einen Kompaktbrief als Standardbrief verschicken möchte. :-)

Der Aufkleber sah ähnlich aus. ich hatte den Brief am nächsten Werktag wieder in meinem Briefkasten mit einem ähnlichen, ablösbaren Zettel (selbstklebend) gehabt.

Gruß
Pete
 
Heinz 1 Am: 07.12.2009 18:22:45 Gelesen: 35397# 16 @  
Hallo zusammen,

ich weiß nicht mehr ob ich es in diesem Forum schon einmal erklärt habe, trotzdem zu den Label der Post.

Briefsendungen werden grundsätzlich nur befördert, wenn das Porto vollständig bezahlt ist. Dies müsste auch so in den AGB der Post so stehen. Dies gilt für Inlandsbriefe wie auch für Briefe ins Ausland.

Ist ein Brief nicht oder nur unzureichend frankiert, wird ein Klebezettel (siehe Abb.) über die Empfänger Adresse geklebt und der Brief geht an den Absender zurück mit der Bitte das fehlende Porto nach zu frankieren und den Klebezettel bis auf den senkrechten Abschnitt "Deutsche Post" zu entfernen und den Brief dann wieder in den nächsten Briefkasten zu werfen.



Ist der Absender nicht zu ermitteln, weil z.B. kein Abs. angegeben ist, wird er zum Empfänger befördert und dort mit dem entsprechenden Nachporto (in Deutschland fehlendes Porto plus 0,51 €) zugestellt. Ins Ausland wird ein "T" Stempel mit einer entsprechenden Zahl angebracht aus dem das Empfängerland ersehen kann wie viel Nachgebühren eingezogen werden sollen.



Gruß Heinz 1
 
DL8AAM Am: 07.12.2009 18:34:12 Gelesen: 35393# 17 @  
@ Heinz 1 [#16]

Heinz,

besten Dank für die Info. Das war mir neu, dass auch unvollständig frankierte Inlandsssendungen - ohne Extragebühr - grundsätzlich an den Absender zum "auftackern" zurückgesandt werden.

Gruß
Thomas
 
T-M 123 Am: 07.12.2009 21:42:44 Gelesen: 35381# 18 @  
Soweit ich weiß werden Inlandsbriefe nur dann zurückgeschickt, wenn bereits im Briefzentrum, in dessen Bezirk der Absender wohnt, auffällt, dass sie Sendung unterfrankiert ist. Fällt es erst später auf, ist es wohl günstiger, beim Empfänger eine Nachgebühr zu erheben (auf die Gefahr hin, dass der dann die Annahme verweigert und der Brief doch wieder zurück muss).

Unterfrankierte Sendungen ins Ausland gehen aber immer zum Absender zurück, wenn der angegeben ist, weil die Deutsche Post sonst kein Geld dafür bekommt.

Verwendet die Deutsche Post überhaupt noch T-Stempel bei Auslandssendungen? Und werden Nachgebühren aus dem Ausland überhaupt noch eingezogen? Viele Postverwaltungen (z. B. Österreich) machen das gar nicht mehr. (Taiwan mal ausgenommen, die passen da anscheinend sehr auf.)

Ich habe schon öfter Sendungen aus dem Ausland bekommen, die unterfrankiert waren, aber nie Nachgebühr zahlen müssen. Allerdings war auch nie ein T-Stempel drauf. Ich habe aber auch nicht gehört, dass jemand in letzter Zeit Nachgebühren für Sendungen aus dem Ausland hätte zahlen müssen, oder andersherum jemand im Ausland für Sendungen aus Deutschland. Aber ich weiß nicht, ob das nur an der Unaufmerksamkeit der Postmitarbeiter liegt, oder ob die Regelung mittlerweile offiziell nicht mehr gilt. Vielleicht hat ja jemand hier Beispiele dafür, wie Nachgebühren bei internationalen Sendungen heutzutage gehandhabt werden?

Ach ja, was die gelben Labels angeht: Der Streifen mit der Aufschrift "Deutsche Post" bleibt auf der Sendung kleben, sodass die Post erkennen kann, dass eventuell schon gestempelte Marken weiterhin gültig bleiben.

Gruß,
T-M
 
Heinz 1 Am: 08.12.2009 09:05:03 Gelesen: 35362# 19 @  
@ T-M 123 [#18]

Hallo,

soweit ich weiß, wird der "T" Vermerk immer noch angebracht für Sendungen ins und aus dem Ausland. Wenn kein "T" Vermerk auf der Sendung aus dem Ausland vorhanden ist, wird die Deutsche Post auch keine Nachgebühren erheben, da es 1. fast unmöglich ist alle Gebühren der ausländischen Postverwaltungen zu kennen, bzw. nachzusehen und 2. die Sendung als vorschriftsmäßig freigemacht anzusehen ist. Wie dies in anderen Ländern gehandhabt wird kann ich allerdings nicht sagen.

Auch wenn ein "T" Stempel vorhanden ist und die Bruchzahl nicht angegeben wurde von der ausländischen Postverwaltung werden keine Nachgebühren erhoben.

Der Umrechnungsfaktor der Bruchzahl wird wie folgt berechnet:

z.B. 7/28 = 7 : 28 = 0,25 x 55 = 14 (gerundet) + 0,51 = 0,65 €

Gruß Heinz 1
 
DL8AAM Am: 08.12.2009 13:35:09 Gelesen: 35352# 20 @  
@ T-M 123 [#18]

> Ich habe schon öfter Sendungen aus dem Ausland bekommen, die unterfrankiert waren, aber nie Nachgebühr zahlen müssen.

Wir hatten vor ein paar Jahren anläßlich einer damals geplanten Reise in die USA ein paar "Chamber of Commerce" (die sind dort oft auch für die Tourismusförderung zuständig), mit der Bitte um Weiterleitung meiner Anfrage an ihre örtlichen "Unterkünfte" angeschrieben. Bekam daraufhin ungelogen knapp 300 Schreiben von Hotels bis zu kleinen gemütlichen B&Bs mit Familienanschluß bekommen. Von den "Standardbriefen" (1 Unze) waren max. 1/3 mit dem normalen Auslandsporto frankiert, der Rest mit normalen Inlandsporto und vielleicht gut 5% ganz ohne irgendeinen Portovermerk. Nachgebühr wurde nie fällig. Bei einigen wenigen Ausnahmen wurde in den USA der Brief (wie "hier") zur Nachfranktur an den Absender zurück geschickt.

Siehe "USA: Returned for additional postage" auf http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=19330#M13

Für den Sammler in mir war das natürlich super, Briefmarken zum Inlandsportosatz sind in DL viel viel seltener zu bekommen, als die "langweiligen" Air Mail Marken zu 80 oder 90 Cent aus der Serie "Landschaft". ;-)

Gruß
Thomas
 
Wachauer Am: 04.12.2012 18:51:35 Gelesen: 30485# 21 @  
Ich wende mich wieder einmal mit einer Bitte an die Forengemeinde, diesmal sind die Spezialisten für Nachporto gefragt. Kann mir jemand bei der Deutung bzw. Beschreibung der gezeigten Postkarte helfen?



Soweit ich das Stempeldatum interpretieren kann, ist die runde Karte am 31.7.1976 von St. Jakob im Rosental (Kärnten, Österreich) nach Berlin gelaufen und ist mit ATS 2,50 frankiert. Das richtige Porto für normale Postkarten wäre ab 1.1.1976 ATS 4,- gewesen.

Die Karte wurde mit dem deutschen "T-Stempel" und dem Vermerk 900/400 und dem roten "Nachgebühr-Stempel" gestempelt. Wie wurde nun das Nachporto berechnet?

Wurde überhaupt Nachporto erhoben? Hat auch das runde Format Auswirkung auf das Nachporto? Was bedeutet der handschriftliche Vermerk "16" - könnte das ein österreichischer postamtlicher Vermerk für ATS 16,- sein?

Ich weiß, schon viele Fragen, aber vielleicht findet sich ein gutmütiger Experte, der bereit ist, mir das zu erklären.

Herzliche Sammlergrüße
Gerhard
 
Nachtreter Am: 04.12.2012 19:32:06 Gelesen: 30477# 22 @  
@ Wachauer [#21]

Unabhängig vom "Nachporto"-Problem: Die runden Postkarten waren (sind ?) nur für den nationalen Versand in Österreich zugelassen. Ich denke, daß dann zumindest nicht der gewöhnlich Postkarten-Tarif für das Ausland gegriffen hat - eher ein Brieftarif.

Einen schönen Abend wünscht

Nachtreter
 
Wachauer Am: 04.12.2012 19:48:32 Gelesen: 30474# 23 @  
@ Nachtreter [#22]

Die runden Postkarten waren (sind ?) nur für den nationalen Versand in Österreich zugelassen. Ich denke, daß dann zumindest nicht der gewöhnlich Postkarten-Tarif für das Ausland gegriffen hat - eher ein Brieftarif.

Danke für diesen zusätzlichen Aspekt. Der Tarif für einen Standard-Auslandsbrief wäre ab 1.1.1976 ATS 6,-- gewesen.

Herzliche Sammlergrüße
Gerhard
 
T-M 123 Am: 04.12.2012 21:55:13 Gelesen: 30466# 24 @  
@ Wachauer [#21]

Ich nehme an, dass die 16 die in Deutschland erhobene Nachgebühr war, die wird ja bis heute auf diese Weise notiert. Allerdings scheinen mir 16 Pfennig für 1976 etwas wenig.

Die Berechnung ist soweit ich weiß wie folgt: Obere Zahl geteilt durch untere Zahl, das Ergebnis mal dem Standardbriefporto vom Empfänger- ins Herkunftsland (also in Gegenrichtung), und das Ergebnis davon wiederum plus einem Einziehungsentgelt, das je nach Land unterschiedlich ist (in Deutschland immer noch 51 Cent, glaube ich). Das ist wohl bis heute immer noch so, zumindest in den Fällen, in denen man sich überhaupt noch die Mühe macht, Nachgebühr für internationale Briefe zu berechnen und einzuziehen.

Allerdings weiß ich nicht, ob das 1976 auch schon so war. Ich glaube mal gelesen zu haben, früher sei es noch komplizierter gewesen.

Der rote Nachgebühr-Stempel ist sicherlich deutsch, was wiederum darauf hindeutet, dass auch die 16 deutsch ist, denn wenn man diesen Stempel abgeschlagen hat, wird man sicherlich auch die Höhe der Nachgebühr notiert haben.

Heutzutage gibt es solche Stempel nicht mehr, es wird (wenn überhaupt) nur noch der Betrag der Nachgebühr auf dem Umschlag notiert.

Gruß
Tim
 
drmoeller_neuss Am: 05.12.2012 10:16:53 Gelesen: 30435# 25 @  
Der T-Stempel wurde in Österreich angebracht, der rote Nachgebührstempel in Deutschland.

Wie sich die 900 Groschen zusammensetzen, kann ich nicht sagen, da ich nicht über eine österreichische Portotabelle verfüge. Möglicherweise wurden Postkarten im Sonderformat gebührenmässig als Briefe im Nicht-Standardformat behandelt.

In Deutschland wurde der Bruch 900/400 mit der Gebühr für einen Auslandsbrief (damals 70 Pfg.) multipliziert, macht 15,75 Pfg. und aufgerundet 16 Pfennig, was auch so in Blaustift vermerkt wurde.
 
Franz G. Am: 06.12.2012 07:24:48 Gelesen: 30395# 26 @  
@ Wachauer [#21]

Hallo Gerhard,

die Indizien auf der von dir gezeigten Postkarte sprechen für einen Versand in der Portoperiode von 01.07.1972 - 31.12.1975. Die Postkarte entspricht nicht den zu der Zeit gültigen Postverordnung. Postkarten mussten zu dieser Zeit mindestens 14 x 9 cm und maximal 14,8 x 10,5 cm mit einer Toleranzgenze von 2 mm sein. Deshalb wurde die Karte als Briefsendung angesehen, aber auch hier wurden die Vorgaben laut Postordnung nicht eingehalten.

1. Mindestmaße Länge 14 cm Breite 9 cm (rechteckige Form)
2. Höchstmaße Länge 23,5 cm Breite 12 cm (rechteckige Form)
3. Verhältnis der Länge zur Breite mindestens 1,414 : 1

Deshalb wurde ein Brief der zweiten Gebührenstufe taxiert. Das wäre in der oben genannten Periode 7,-- Schilling gewesen. 2,50 Schilling waren aufgeklebt. Es fehlen also 4,50 Schilling. Diese wurden in der zur Portoperiode richtigen Form taxiert als Bruch Doppelter Fehlbetrag im Zähler und Betrag für einen Auslandsbrief der ersten Gebührenstufe im Nenner, also 900/400.

Eine Taxierung der Karte mit Versanddatum 1976 hätte auf Grund der Änderungen im Taxwesen wie folgt lauten müssen 750/600.

Im übrigen haben sowohl drmoeller_neuss wie auch der taxierende Postler der Deutschen Post den gleichen Rechenfehler gemacht. Richtig wäre gewesen 900x70/400 = 157,5 ~ 158 Pfennig. Der Empfänger ist also mit nur 16 Pfennig Nachgebühr günstig ausgestiegen.

Gruß aus Graz,
Franz
 
Postgeschichte Am: 06.12.2012 16:34:38 Gelesen: 30362# 27 @  
@ Franz G. [#26]

Hallo Franz,

bei diesem Bierdeckel haben in der Tat einige einen oder mehrere Fehler gemacht. Es fängt schon mit dem T-Stempel an. Hier ist die Berechnung des Nachportos schon ein Mal falsch. Bei dem T-Stempel steht über dem Bruchstrich immer der Fehlbetrag. Dieser kann nie höher sein als das reguläre Porto, welches unter dem Bruchstrich steht. In diesem Fall hätte dort "T 150 / 400" stehen müssen, was eine Nachgebühr von 56 Pf zur Folge gehabt hätte (150x70/400+30). Auch bei Deiner Berechnung haben sich Fehler eingeschlichen. Bei Zugrundelegung der zweiten Gewichtsstufe, die du ja angenommen hast, hätte die Stempelbezeichnung lauten müssen T 450 / 700, was eine Berechnung der Nachgebühr von 450 x 70 / 700 = 45 + 30 = 75 Pf zur Folge gehabt hätte. Die Einziehungsgebühr hattest du in deiner Berechnung auch nicht berücksichtigt. Bei Nachgebühren kann man sehr schnell etwas übersehen. Ob der Empfänger überhaupt eine Nachgebühr, egal in welcher Höhe, gezahlt hat, ist fraglich, da er zur Zahlung nicht verpflichtet war.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
drmoeller_neuss Am: 06.12.2012 17:37:30 Gelesen: 30350# 28 @  
@ Postgeschichte [#27]

Natürlich kann der Fehlbetrag höher sein, als das reguläre Porto für einen Standard-Auslandsbrief. Noch einmal die Regelung:

Fehlendes Porto dividiert durch Standardbriefporto des Absenderlandes mal Standardbriefporto des Empfängerlandes plus Einziehungsgebühr ergibt die Nachgebühr.

Diese Regelung macht im Weltpostverein durchaus Sinn. Da die Postverwaltung des Empfängers die Portosätze des Absenderlandes nicht kennen kann, rechnet man einfach das Verhältnis des fehlenden Portos zu einem Bezugswert aus. Absender und Empfängerpostverwaltung müssen sich nun nur noch auf einen sinnvollen Bezugswert einigen, der auch die unterschiedlich Kaufkraft der Länder berücksichtigt. Statt des Portos für einen Auslandsbrief könnte man auch den "McDonald-Index" nehmen. Kosten eines Standard-Hamburgers im Empfängerland zum Verhältnis des Preises eines Hamburgers im Heimatland.

Vielleicht sollte man den Bruch so schreiben, dann wird es deutlich:

Porto für Standard-Auslandsbrief des Empfängerlandes
--------------------------------------------------------------------------------- * Fehlbetrag
Porto für Standard-Auslandsbrief des Absendelandes

Hat das Absendeland eine niedrige Kaufkraft und "billige Postgebühren", dann stellt bereits ein kleiner Fehlbetrag für die betroffene Postverwaltung einen grossen Verlust da. Das wird dadurch berücksichtigt, dass der Bruch grösser als 1 wird. Frankiere ich einen Brief aus Indien statt mit 15 Rupien nur mit 10 Rupien, fehlen absolut nur 5 Rupien und umgerechnet 7 Eurocent. Für die Indische Post fehlt aber 1/3 des Portos. Daher ist es nur fair und gerecht, dass ich im Empfängerland auch ein Drittel des Portos für einen Auslandsbrief nachzahlen muss. Der Bruch lautet daher auf 5/15, was einem Drittel entspricht.

Nehmen wir einmal an, dass die Regel von Postgeschichte stimmen würde, dass immer das reguläre Porto unter dem Bruchstrich stehen würde. Nun schicke ich einmal einen richtig schweren Brief, der 1600 Pfennig gekostet hätte, auf dem aber nur 10 Pfennig kleben. Der Bruch "nach Postgeschichte" würde dann lauten 1590/1600. In Indien würden dann noch nicht einmal 15 Rupien Nachporto anfallen. Ein Schnäppchen für den Absender also. Daher hätte die Deutsche Bundespost in den T-Stempel geschrieben 1590/70, und die indische Post den Betrag mit 15 Rupien multipliziert. Der Empfänger hätte etwas mehr als das 22-fache des Standardportos für einen Auslandsbrief gezahlt, was der Situation viel besser entspricht.

Im übrigen: Wären beide Teile variabel gewesen, hätte es keine Stempel mit einem festen Wert gegeben, oder man hätte Zähler und Nenner jedesmal neu einstellen müssen. Per Hand aufschreiben geht aber schneller, als jedesmal den Stempel neu einstellen.

Was ich aber auch bislang nicht verstanden habe, unter welchen Umständen der doppelte Fehlbetrag eingetragen wurde. Ich habe Belege aus den gleichen Zeiträumen für beide Verfahrensweisen (einfacher und doppelter Fehlbetrag).

Noch ein paar Links:

Beschreibung der Vorschrift für die Behandlung von unterfrankierten Sendungen aus dem Ausland durch die Postverwaltung der Vereinigten Staaten von Amerika:
"730 Shortpaid Mail to the United States": http://pe.usps.gov/text/imm/immc7_007.htm

Zwei Beispiele mit unterfrankierten Briefen aus Simbabwe und Burkina Faso:
http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=355&CP=0&F=1#M188
 
Franz G. Am: 06.12.2012 19:00:21 Gelesen: 30331# 29 @  
@ Postgeschichte [#27]

Hallo Manfred,

die von mir getätigten Aussagen über die Taxierung des in Beitrag 21 gezeigten Beleges sind korrekt und entsprechen sowohl der österreichischen Postverordnung in der geltenden Fassung der genannten Zeitperiode wie auch den zu der Zeit geltenden Bestimmungen des Weltpostvertrages.

Die geltenden Regelungen für die Taxierung der in Frage kommenden Perioden kannst du hier

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?F=1&ST=355&CP=0&page=4

im Beitrag 84 und 85 nachlesen.

Mit philatelistischem Gruß,

Franz
 
filunski Am: 06.12.2012 19:26:07 Gelesen: 30322# 30 @  
Kein Wunder, dass der "arme Postler" damals nicht auf den richtigen Betrag (wie immer der nun ausschauen mag?) kam. :-)

Beste Grüße,
Peter
 
Postgeschichte Am: 06.12.2012 19:43:54 Gelesen: 30317# 31 @  
@ Franz G. [#29]

Hallo Franz,

ich weiß. Hatte aber in der Zwischenzeit drmoeller_neuss etwas antworten wollen, was auf Grund der Fülle etwas länger gedauert hat, ich aber hiermit noch nachhole.

@ drmoeller_neuss [#28]

Bevor man die Aussage eines Mitgliedes kritisiert, sollte man die Vorschriften kennen oder sich zumindest sicher sein, die richtigen Beispiele zu bringen. Die Beispiele und auch die Berechnung der Nachgebühren nicht auf den in Rede stehenden Fall zu. Damit die Ausführungen nicht zu lang werden, bitte die Vorschriften des Weltpostvereins und die Umsetzung der Deutschen Post in der Postordnung nachlesen. Zunächst bestätigst Du die von mir genannte Regelung des Weltpostvereins um dann mit einem eigenen Index

Vielleicht sollte man den Bruch so schreiben, dann wird es deutlich:

Porto für Standard-Auslandsbrief des Empfängerlandes
--------------------------------------------------------------------------------- * Fehlbetrag
Porto für Standard-Auslandsbrief des Absendelandes



Der deutsche Postbeamte musste also erst den Fehlbetrag anhand einer Gebührentabelle des Absenderlandes ermitteln, denn der Fehlbetrag ist ja aus Stempel von Österreich nicht ersichtlich? Das ist mir neu und habe ich auch so nicht gelernt.

Dieser freien Darstellung nach "drmoeller_neuss" möchte ich einfach die nach der Postordnung der Deutschen Bundespost geltenden Formel für die Berechnung gegenüberstellen, die besagt:

Fehlbetrag
--------------------------- * Porto für Standard-Auslandsbrief + ggf. Einziehungsgebühr = Nachgebühr
die allgemeine, nicht ermäßigte Auslandsgebühr für einen Standardbrief


Die Berechnung bezieht sich nicht auf eventuelle Kaufkraftverluste von irgendwelchen Staaten oder selbst erstellte Indexe, sondern gibt die Vorschriften zur Nachgebührberechnung der Deutschen Bundespost in Deutschland wieder. Erfundene Beispiele mit Indien, deren Postvorschriften ich auch nicht kenne, sind irrelevant und möchte ich auch nicht kommentieren. Daß ein so schwerer Auslandsbrief von Indien nach Deutschland nur 15 Rupien kosten soll, halte ich aber für ein Gerücht. Außerdem geht es hier nicht um ausgehende Post, sondern um eingehende. Aber auch für die ausgehende Post empfehle ich, die Postordnung zu Rate zu ziehen. Die Vorschriften der USA für unterfrankierte Sendungen aus dem Ausland (die übrigens die gleiche Formel des Weltpostvereins verwendet, wie von mir beschrieben) sind auch auf den hier gezeigten Fall nicht anwendbar. Um einen Nachgebühr-Beleg erklären zu können, sollte man die Postvorschriften des Bestimmungslandes kennen. Ich habe mich bei meiner Erklärung daran gehalten.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
drmoeller_neuss Am: 06.12.2012 22:16:42 Gelesen: 30274# 32 @  
Liebes Mitglied "postgeschichte": Wenn Du von Dir behauptest, die Vorschriften zu kennen, warum wendest Du sie dann auf das gezeigte Beispiel der Postkarte aus Österreich falsch an? [#27]

Die Berechnung von Franz G [#26] ist richtig, und wird in Deinem Beitrag [#27] komplett in Frage gestellt. Dort lese ich auch "Bei dem T-Stempel steht über dem Bruchstrich immer der Fehlbetrag. Dieser kann nie höher sein als das reguläre Porto, welches unter dem Bruchstrich steht." Natürlich kann der Fehlbetrag höher sein, als das reguläre Briefporto für einen Auslandsbrief. Gerade bei schweren Briefen konnte das auch passieren, dass mehr als die Hälfte des Portos fehlte.

Ausserdem habe ich in meinem Beitrag bereits im zweiten Satz die Regel wiedergegeben: "Fehlendes Porto dividiert durch Standard-Auslandsbriefporto des Absenderlandes mal Standard-Auslandsbriefporto des Empfängerlandes plus Einziehungsgebühr ergibt die Nachgebühr."

Ich habe jetzt noch das Wort "Auslands-" eingefügt, ich bin aber davon ausgegangen, dass sich das aus dem Sinnzusammenhang ergibt, dass nicht die Inlandsportostufen gemeint sind.

Und der Rest meines Beitrages ist einfach nur der Versuch, zu erklären, dass die Regel des Weltpostvereins ganz sinnvoll ist.

Allerdings ist das Missverständnis auch erst dadurch entstanden, dass das Stempeldatum auf der Karte nicht richtig entziffert wurde (Bleistifteintrag 31.07.1976). Franz G. hat sich aber davon nicht beirren lassen und die Postkarte in die richtige Portoperiode von 01.07.1972 - 31.12.1975 eingeordnet.
 
Postgeschichte Am: 06.12.2012 23:45:15 Gelesen: 30255# 33 @  
@ drmoeller_neuss [#32]

wenn Du von Dir behauptest, die Vorschriften zu kennen, warum wendest Du sie dann auf das gezeigte Beispiel der Postkarte aus Österreich falsch an? [#27]

Weil ich aus Zeitgründen meine Augen nicht aufgemacht habe und dadurch auf eine falsche Fährte und zu einem anderen Zeitraum geleitet wurde, genau wie Du in Beitrag [#25] und der Postbeamte bei der Berechnung zu einem falschen Ergebnis gelangt seid. Irren ist nun mal Menschlich. Die Berechnung, die Franz G in Beitrag [#26] angestellt hat, ist für den in Beitrag [#21] gezeigten Beleg vollkommen richtig und entspricht auch der Deutschen Postordnung. Zu diesem Zeitpunkt war der doppelte Fehlbetrag zu Grunde zu legen.

@ drmoeller_neuss [#28]

Was ich aber auch bislang nicht verstanden habe, unter welchen Umständen der doppelte Fehlbetrag eingetragen wurde. Ich habe Belege aus den gleichen Zeiträumen für beide Verfahrensweisen (einfacher und doppelter Fehlbetrag).

Diese Frage ist auch nicht pauschal zu beantworten. Es kommt auf den Einzelfall an. Für die Berechnung von Nachgebühren gab es laut Weltpostvertrag Vorgänge, wo nur der einfache Fehlbetrag angewandt wurde, z.B. Einschreiben und Nachsendungen. Außerdem sollte man auch die Nicht- oder Falschanwendung der Vorschriften in Betracht ziehen.

Mit postgeschichtlichen Grüßen
Manfred
 
Wachauer Am: 09.12.2012 17:57:40 Gelesen: 30179# 34 @  
Vielen Dank an alle, die mir bei der Beschreibung dieses Beleges [#21] geholfen haben. Entschuldigen muss ich mich, dass ich unbeabsichtigt mit dem Datum eine falsche Spur gelegt habe. Aber da hat sich Franz G. nicht beirren lassen - nochmals danke.

Herzliche Sammlergrüße
Gerhard
 
drmoeller_neuss Am: 04.05.2015 17:54:28 Gelesen: 24454# 35 @  
In den USA wurden unzureichend frankierte Auslandssendungen an den Absender zur Auffrankatur zurückgegeben. Der rote Stempel lautet "Returned for additional postage. Postage Due 20". Total postage required 20. Rate 20 per 1/2 ounce." Der Brief war offensichtlich zu schwer, da die frankierte 20 cent nur das Porto für eine Unze deckten.

Für die Weihnachtspost war es aber zu spät, da der Brief erst am 24. Dezember im zweiten Anlauf auf die Reise in die Trinkhalle nach Duisburg geschickt wurde. Hätte doch der Absender besser am 20. Dezember gleich richtig gewogen und das richtige Porto frankiert.


 
Baber Am: 16.09.2017 15:25:22 Gelesen: 13850# 36 @  
Die leidige Geschichte mit der Deutung des Taxe Bruches

Fehlendes Porto dividiert durch Standard-Auslandsbriefporto des Absenderlandes mal Standard-Auslandsbriefporto des Empfängerlandes plus Einziehungsgebühr ergibt die Nachgebühr.

Wenn die einleuchtende Erklärung von drmoeller_neuss [#32] stimmt, kann ich die 6S Nachgebühr für diese Karte aus 1983 nur so erklären, dass der Bruch 70/90 *6 (Standardauslandsbrief Östereich) aufgerundet 5S Nachgebühr ergibt und Österreich damals zusätzlich 1S Einzugsgebühr berechnet hat. Kann das jemand bestätigen?



Gruß
Baber
 
wajdz Am: 17.08.2018 23:49:52 Gelesen: 7434# 37 @  
Die Höhe der Nachgebühr (66 in blau handschriftlich) und den T-Stempel 20/90 versuche ich gar nicht erst zu begründen. In der Realität hat der Empfänger sowieso nur die Wahl, den geforderten Betrag zu zahlen, wenn er wissen will, was in dem Brief steht oder den Empfang zu verweigern. Hat er aber nicht und so ist uns dieser schöne Beleg erhalten geblieben. frankiert 2x Schweiz MiNr 1059 (30) =60, notwendig wären für einen Auslandsbrief wohl 90 Rappen gewesen.



Mwst.1200 GENEVE 1 • 29.10.76 •EXP.LETTRES • Text im Werbestempel: Tag der Vereinten Nationen am 24. Oktober / UN-Logo

MfG Jürgen -wajdz-
 
10Parale Am: 16.11.2020 21:58:01 Gelesen: 267# 38 @  
@ wajdz [#37]

Hier eine interessante Nachporto-Erhebung aus der Schweiz (PTT). Die 170 Pfennig Friedrich List (Volkswirt 1789 - 1846), Michel Nr. 1429 wurde mit einem Nachporto von 80 Rappen belegt. Der T-Stempel 40/140 kann ich dabei nicht erläutern. Über dem T-Stempel hängt ein roter Taxschein auf Briefpostsendungen für Fachhalter.

Ich denke es handelt sich um eine Nachgebühr für einen Postfachhalter. Wurde diese Post ihm nachgereicht?

Wer bringt Licht ins Dunkel?

Liebe Grüße

10Parale



 

Das Thema hat 38 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1   2  oder alle Beiträge zeigen
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht  
 
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.