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Thema: Marken- und Belegkauf im Internet
Richard Am: 08.10.2019 09:53:33 Gelesen: 141# 1 @  
Der Handel mit Briefmarken, Belegen und anderen philatelistischen Produkten ist aus dem Internet nicht mehr wegzudenken, zumal viele Laden- oder Versandhändler mit Angebotslisten ihre Türen für immer geschlossen haben.

Unser Mitglied Lars Böttger gab in der BDPh Monatszeitschrift "philatelie" dazu Tipps, die sowohl beim Handel auf den Plattformen wie ebay oder delcampe als auch bei unserer PPA Philaseiten Auktion beachtet werden sollten.

Die Erstveröffentlichung erschien in der philatelie Juli 2019, für die Erlaubnis zur Veröffentlichung auf Philaseiten bedanken wir uns beim BDPh und unserem Mitglied Lars Böttger.

Marken- und Belegkauf im Internet

Von Lars Böttger

Das Internet wird heute als Marktplatz für Briefmarken und Belege von den allermeisten Philatelisten akzeptiert und aktiv genutzt. Es kommt mir so vor, als ob einige Sammler sogar ausschließlich im Internet bei Ebay, Delcampe und Co. nach Ergänzungen für ihre Sammlungen suchen. Nach zwanzig Jahren als Käufer und Verkäufer ziehe ich für mich persönlich ein eher nüchtern ausfallendes Fazit.

Qualität:

Die Beschreibung der Erhaltung lässt sehr viele Wünsche offen. Viele Verkäufer schreiben „siehe Scan“ oder „das Bild ist Bestandteil der Beschreibung“. Bei einem Tauschtag kann ich eine Marke in die Hand nehmen und sich eine Marke von der Rückseite ansehen, um helle Stellen oder Knicke auszumachen. Auf Bildern ist das oft schwierig. Eine optisch gutaussehende Marke kann trotzdem ein Knochen sein. Vielfach merkt man das erst beim Erhalt und ist dann enttäuscht. Selbst ein vermeintlicher „Schnäppchenpreis“ ist dann im Endeffekt zu hoch gewesen.

Allgemeine Geschäftsbedingungen:

Bei deutschen Privatanbietern liest man bei Ebay sehr häufig den folgenden Satz: „Keine Garantie, keine Rücknahme, Privatverkauf nach EU-Recht“. Im eher frankophonen Umfeld von Delcampe habe ich so eine Beschreibung bei belgischen oder französischen Anbietern noch nicht wahrgenommen. Was den wenigsten bekannt ist, die Verkäufer verstoßen damit immer gegen den Ebay-Verhaltenskodex: https://pages.ebay.de/briefmarkenratgeber/

Ich bin kein Anwalt, aber für mich macht der oben genannten Satz gar keinen Sinn. Es gibt kein „EU-Recht“. Es gibt EU-Richtlinien, die in nationales Recht umgesetzt werden. Von einem Privatverkäufer erwartet keiner eine Garantie. Ein Hersteller von Fahrzeugen garantiert einem Käufer das Funktionieren des Kaufgegenstandes für einen bestimmten Zeitraum. Was genau möchte jetzt ein Briefmarkenverkäufer garantieren? Die Klebeeigenschaft der Gummierung? Die

Nutzung als Postwertzeichen?

Wer als Privatmann etwas verkauft, muss aufpassen, dass er seine Ware richtig beschreibt. Sonst steht dem Käufer selbstverständlich eine Nachbesserung oder eine Rücknahme zu. Wer glaubt, mit solchen Sätzen wäre man aus dem rechtlichen Schneider, der sollte im Vorfeld einen Anwalt kontaktieren.

Bewertungen:

Oft werden Bewertungen über- oder unterschätzt. Nur weil jemand viele positive Bewertungen hat, heißt das nicht, dass er echte Briefmarken verkauft. Leider bewerten viele Käufer nur den schnellen Versand und den Erhalt der Marken oder Belege, die abgebildet waren. Es werden weder die Qualität des Kaufes noch die Echtheit evaluiert – oft mangels eigener Kenntnisse. In vielen von mir beobachteten Fällen hatten Verkäufer, die ausschließlich Fälschungen bzw. qualitativ minderwertige Marken angeboten haben, mehrere tausend positive Bewertungen. Neutrale oder gar negative Bewertungen kamen fast nicht vor.
Doch ganz außer Acht sollte man die Bewertungen nicht lassen. Rezenter Fall: Ein Käufer hatte bei einem frisch angemeldeten Ebay-Verkäufer aus dem europäischen Ausland ein teures Sammlerstück erworben. Der Verkäufer hatte PayPal ausgeschlossen und der Käufer musste den Kaufpreis überweisen. Die Leserin und der Leser ahnen es schon: Der zukünftige Besitzer wurde vom Anbieter über das Ohr gehauen. Der Verkäufer hatte sich nicht mehr gemeldet, das Geld ist weg.
Solche Vorfälle lassen sich nie ausschließen. Grundsätzlich gilt: Bei neuangemeldeten Verkäufern keine teuren Sammelgegenstände kaufen. PayPal ist vielfach sicherer, als eine Überweisung. Eine PayPal-Zahlung lässt sich stornieren, eine Überweisung nicht. Bei Neumitgliedern immer über die jeweilige Plattform kaufen, nie daran vorbei. Nur weil jemand viele Bewertungen erhalten hat, muss er kein qualitativ hochwertiges Angebot haben. Versteht mich nicht falsch - es gibt viele sehr gute Anbieter im Netz, die immer wieder interessante Waren verkaufen.

Vertrauen:

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Der Spruch bewahrheitet sich im Internet immer wieder. Die Anbieter können alles schreiben, was sie möchten. Man muss es ihnen nur nicht glauben. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Ebay-Verkäufer hatte eine kleine Sammlung mit den gezähnten und ungezähnten Blockausgaben zur Hannovermesse im Angebot. Auf den ersten Blick sah alles gut aus. Auch auf den zweiten Blick erschien mir alles normal zu sein. Alles war so, wie beschrieben.
Da der Hinweisgeber aber sehr zuverlässig ist, habe ich ein drittes Mal hingesehen. Da fiel mir auf, dass der ungezähnte Block nicht im Stichtiefdruckverfahren hergestellt war. Es war eine Offsetdruck-Fälschung. Das Angebot wurde danach vom Ebay-Sicherheitsteam gelöscht.

Bei Farbangaben neigen einige Verkäufer dazu, sich sehr weit aus dem Fenster zu lehnen. Der Versuch, Farbbeurteilungen aufgrund von Scans nachzuvollziehen, kann gerade bei moderneren Ausgaben scheitern. Wenn man eine Farbbezeichnung nicht zu 100% selbst nachvollziehen kann, sollte man bei seltenen Farben eher Abstand halten. Gerade wenn die Marken ungeprüft sind und man sich auf den Anbieter verlassen muss. Ein Rat am Rande: Ein Verkäufer bietet eine seltene Farbvariante (ungeprüft) im Internet an. Wenn man sie unbedingt haben möchte, dann sollte der Verkäufer bereit sein, die Prüfkosten zurück zu erstatten, sollte der Prüfbefund nicht die erwartete Farbe bestätigen. Ist er das nicht, dann würde ich auf einen Kauf verzichten.



Ungezähnter Block zur Hannovermesse. Leider gefälscht.

Prüfzeichen:

Jeder kann die Marken und Belege in seinem Besitz mit einem Zeichen versehen. Aber nicht jedes Zeichen ist ein Prüfzeichen. Im Internet liest man oft „geprüft BPP“ oder ähnliches. Wenn man sich die Marke ansieht, dann kann man mit dem Namen oder Zeichen nichts anfangen. Selbst im Internet wird man nicht fündig: http://www.briefmarken-pruefer.de oder http://www.filatelia.fi ergeben keinen Treffer.
Selbst wenn der Prüfer bekannt ist, kann das Prüfzeichen Probleme aufwerfen. Es gibt zahlreiche Prüfzeichenfälschungen, die Briefmarkenkataloge haben sich in den Jahrzehnten seit der Prüfung substanziell geändert und die vermerkte Nummerierung ist missverständlich oder der Prüfer hat sich vertan. Kenner wissen, dass die Prüfzeichen „Dr. Müller – Loebschütz“ oder „M. Härtel“ nur ganz vereinzelt auf echten Aufdruckmarken von Oberschlesien sitzen. Für den Normalsammler (und einen Großteil der Verkäufer) sehen solche Marken mit den besagten Prüfzeichen erst einmal „geprüft“ und damit echt aus.

Die Höhe des Prüfzeichens verrät etwas über die Qualität der Marke. Sitzt das Prüfzeichen auf dem unteren Rand, dann ist die Erhaltung der Marke zum Zeitpunkt der Prüfung einwandfrei. Wurde es etwas höher angebracht, dann hat die Marke einen oder einige kleinere Mängel. In der Mitte der Marke signalisiert sie dem Käufer, dass die Marke nur noch ein Knochen ist. Leider scheinen viele Internet-Käufer diese Prüf-Usancen nicht zu kennen. Hinzukommt, dass viele Trickser versuchen, eine tiefstgeprüfte Marke vorzutäuschen. Da wird dann gerne ein „ECHT“ vor das Prüfzeichen gestempelt.

Preise:

Wir haben einen Käufermarkt. Die Preise für Bund- oder DDR-Sammlungen sinken von Jahr zu Jahr. Eine in den Hauptnummern komplette Bund- oder DDR-Sammlung ab 1949 bis 1990 in gestempelter Durchschnittserhaltung kann man für 150 Euro kaufen. Vor zehn Jahren hätte man noch etwa das Dreifache zahlen müssen.

Wer aber glaubt, man bekommt teure Marken wie den Berlin Block Nr. 1 (natürlich nicht BPP-geprüft) für unter 10% des Katalogpreises bei Ebay und Co., der hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wenn so ein Stück zu einem Schnäppchenpreis weggeht, dann ist in der Regel der Stempel falsch oder die Erhaltung mangelhaft. Wenn unser Schnäppchenjäger dann sein Schätzchen an einem einigermaßen sachkundigen Käufer anbietet, erhält er in der Regel nur noch einen Bruchteil seines Einkaufspreises. Ein Mangel in der Gummierung oder ein falscher Stempel lassen den Ankaufspreis ins bodenlose fallen.

Andererseits sitzt den Käufern ab einem gewissen Betrag der Euro nicht mehr so locker im Portemonnaie. Das Internet ist für Marken und Briefe bis etwa 100 Euro ein guter Marktplatz. Alles was teurer ist, wird (ob gerechtfertigt oder nicht) mit Mistrauen betrachtet.



Berlin Block Nr. 1 mit Falschstempel.

Fazit:

Wer in der realen Welt oder über das Internet Briefmarken und Belege kauft, macht das auf eigene Gefahr. Auch bei einem Tauschtag oder einer Briefmarkenauktion kann man reingelegt werden. Aber es ist leichter, in der realen Welt einen Sammlerfreund zu fragen, ob eine Briefmarke „gut“ ist oder nicht. Und man kann die Belege und Marken in die Hand nehmen und unter einer Lupe betrachten. Das ist im Internet nicht oder nur eingeschränkt möglich. Oft muss man anhand eines miserablen Scans seine Kaufentscheidung im Alleingang treffen. Ja, im Internet gibt es Schnäppchen, aber die gibt es auf Tauschtagen und Auktionen auch. Persönlich waren für mich die Tauschtage ergiebiger, als das Internet.

Ich möchte nicht pauschalisieren. Es gibt sehr viele gute und vertrauenswürdige Anbieter. Als Sammler kann man mit Geduld und Sachkenntnis schöne und ungewöhnliche Sachen für die eigene Sammlung finden. Das Internet hat unser Hobby demokratisiert – jeder kann für sich kaufen und verkaufen. Und das vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Lassen Sie teure Marken prüfen. Selbst wenn ein Attest dabei ist oder sich eine Prüfsignatur auf den Marken befindet. Vielfach hat sich das Prüfwesen weiterentwickelt. Was vor zehn Jahren noch „echt und einwandfrei“ war, wird heute vielleicht kritisch gesehen. Vereinbaren Sie mit dem Verkäufer zum einen ein Rückgaberecht und zum anderen einen Prüfkostenersatz. Gute Anbieter werden gerne darauf eingehen, von allen anderen rate ich, sich fernzuhalten.

Ein Wort der Warnung: Man findet als Philatelist in den sozialen Medien oft Gleichgesinnte. In vielen Fällen erhält man gute Ratschläge. Es gibt aber auch Gruppen, die mit ihren angeblichen Schnäppchen angeben. Primitive Aufdruck- und Stempelfälschungen generieren zahlreiche „Likes“.

Ich wünsche uns allen viel Erfolg beim Briefmarkensammeln, sei es in der realen Welt oder im Internet!


 
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