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Thema: Das Geschäftsmodell des BDPh - schafft sein Vorstand noch eine Trendwende ?
Richard Am: 02.12.2019 09:12:50 Gelesen: 917# 1 @  
Im BDPh-Forum veröffentlichte "Altsax" folgenden höchst interessanten Beitrag, den wir mit seiner Erlaubnis übernehmen. Altsax war Mitglied der BDPh Strukturkommission, die am Vorstand und am Verwaltungsrat des BDPh gescheitert ist.

Das Geschäftsmodell des BDPh - schafft sein Vorstand noch eine Trendwende ? - Machtkämpfe in Vorstand und Verwaltungsrat führen zum Stillstand und Ende des Verbands

Für jede Organisation gilt, daß alle 10 Jahre das überprüft werden muß, was in der Wirtschaft "Geschäftsmodell" genannt wird.

Gemeint ist die Notwendigkeit zu prüfen, ob das eigene Angebot (Produkt, Dienstleistung o.ä.) noch den aktuellen Anforderungen der Zielgruppe entspricht.

Was geschieht, wenn eine solche Überprüfung unterbleibt, läßt sich an einer großen Zahl untergegangener Organisationen und Unternehmen studieren, deren Gemeinsamkeit war, ein einst erfolgreiches Geschäftsmodell ohne Anpassung dauerhaft unverändert zu lassen.

Eine solche Überprüfung beginnt mit der Definition der Zielgruppe. Im Falle des BDPh sind das

-- Briefmarkensammler, seien sie organisiert oder nicht
-- potentielle Interessenten für die Philatelie

Zu analysieren sind deren Interessen und Gewohnheiten im heutigen und absehbaren künftigen gesellschaftlichen Umfeld.

Aus dieser Analyse muß sich anschließend das Geschäftsmodell und damit die Struktur der organisierten Philatelie ableiten.

Denkbar ist dabei ein drastischer Bruch mit dem Hergebrachten ebenso wie eine organische Umwandlung hin zu einem definierten Endzustand. Welchen Weg man beschreitet, hängt davon ab, wie viel Zeit man zu haben glaubt bis zu dem Punkt, an dem keine Gestaltungsspielräume mehr bestehen, sei es aus finanziellen, personellen oder sonstigen Gründen.

Jeder Umbruch dieser Art erfordert von den handelnden Personen Änderungen der Tätigkeiten, der Arbeitsabläufe, oftmals auch verbunden mit Einbußen an Verantwortung und Einfluß. Wenn Positionen entfallen und komplett neue Fähigkeiten erforderlich sind, werden Einzelne ggf. nicht mehr gebraucht. Das alles gilt es zu berücksichtigen. Der in der Wirtschaft übliche "goldene Handschlag" läßt sich im Ehrenamt nur sehr bedingt durch hübsche Titel wie "Ehrenvorsitzender" ersetzen. Hinzu kommt das Problem der Altersstruktur der Funktionsträger, die tendenziell Einsichtsbereitschaft und Einsichtsfähigkeit gegenüber Neuerungen nicht fördert.

Die Forderung "Strategien für die kommende Zeit zu entwickeln" ist folglich so lange eine hohle Phrase, wie es an der Bereitschaft mangelt, mit Mut und Überzeugung gegen alle Widerstände ein Konzept für die Zielgruppe Sammler und potentielle Sammler vorzustellen und zu diskutieren. Im Rahmen einer solchen Strategie sind sowohl die Verbände als auch die Vereine Mittel zum Zweck der Zielerreichung, nicht aber Zielgruppe!!

Wichtig ist nicht der Erhalt von Verbänden und Vereinen, sondern der Sicherstellung, daß der Teil ihrer Funktionen, der auch künftig dem Bedarf der Sammler entspricht, erfüllt wird. Soweit dazu Vereine und Verbände eine sinnvolle Funktion erfüllen können, sind sie vom BDPh zu unterstützen. Andernfalls sollten sie außerhalb seiner Struktur weiterhin denen zur Verfügung stehen, denen sie notwendig und nützlich erscheinen.

Die persönlichen Angriffe zweier Landesverbandsvorsitzender gegenüber Jürgen Witkowski resultieren aus seiner Funktion als Vorsitzender der Strukturkommission. Das zeigt, mit welch harten Bandagen innerhalb des BDPh um Macht und Einfluß gekämpft wurde und wird. Wenn der Bundesvorstand weiterhin versucht, sich nicht mit aller Deutlichkeit gegen ein "weiter so" zu positionieren. wird selbst meine Altersgruppe noch zur Beerdigung des BDPh erscheinen können.
 
umdhlebe Am: 02.12.2019 15:52:51 Gelesen: 777# 2 @  
@ Richard [#1]

Der BDPh ist kein Wirtschaftsbetrieb, hat keine Kunden und braucht auch kein Geschäftsmodell, sondern er ist ein kultureller Verband, der in Kooperation mit seinen Mitgliedern erstens Servicedienstleistungen anbietet und zweitens eine Interessenvertretung betreibt. Die Mitglieder zahlen nicht für eine Ware, sondern weil sie als Philatelistinnen und Philatelisten sich von ihrer Beteiligung einen Vorteil erhoffen, der ihnen erlaubt, ihre Freizeitbeschäftigung unter besseren Bedingungen auszuüben. Manche sind auch einfach nur solidarisch und erwarten gar nichts Bestimmtes, sondern nur gut informiert zu werden.

Keine Frage, der BDPh könnte Reformen vertragen. Aber er ist sehr heterogen, weil es zahllose Formen der Philatelie gibt, vom heimeligen Ortsverein mit seinen Festen, Tauschtagen und Ausstellungen, über die forschungsaktive Arbeitsgemeinschaft, die beruflich als Händler, Prüfer oder Journalisten Beteiligten bis zu den stillen Leserinnen und Lesern, die in ihrem Kämmerchen eine Sammlung pflegen.

Eine Reform müsste alle diese Personen mitnehmen, und das unter den schwierigen Bedingungen von knapper werdenden Finanzmitteln, sinkender öffentlicher Resonanz der Philatelie, geringerer Mitgliederzahlen und steigendem Altersdurchschnitt.

Grundsätzlich gibt es immer noch sehr viele Philatelstinnen und Philatelisten. Viele davon sind auch bereit, sozial und finanziell in ihr Hobby zu investieren. Auch junge Interessentinnen und Interessenten gibt es.

Aber statt auf diese Personen zuzugehen und gemeinsam mit ihnen Reformschritte einzuleiten, bekämpfen sich etablierte Organisationsfunktionäre gegenseitig. Wenn jemand wie Altsax die Bereitschaft fordert "gegen alle Widerstände (!!!) ein Konzept für die Zielgruppe Sammler und potentielle Sammler vorzustellen und zu diskutieren", klingt das für mich nach einer Kampfansage, über die ich jetzt schon sagen kann: Kein Interesse, ich gehe mich mal um meine Sammlung kümmern.

umdhlebe
 
Richard Am: 07.12.2019 09:29:15 Gelesen: 342# 3 @  
Im Forum des BDPh gab es einen Beitrag von "Hugo67" und eine Antwort von "Altsax", die wir auszugsweise zitieren:

Was ich in diesem Kontext unverändert nicht verstehe, ist die Rolle der beteiligten BDPH-Bundesvorstandsmitglieder. Erst initiiert bzw. begleitet man die Erstellung des Konzepts und dann wirft man das Papier in die Rundablage. Auf welcher Seite stehen die genannten Herren denn jetzt ?


Antwort von "Altsax":

Vielleicht hilft zum Verständnis der Situation eine Schilderung der Entstehungsgeschichte des Konzeptes der Strukturkommission:

Als Ausgangslage war ganz bewußt das berühmte Stück weißes Papier gewählt worden, d.h., es sollte eine Struktur für die organisierte Philatelie in Deutschland erarbeitet werde ohne Beachtung der gegenwärtigen. Im zweiten Schritt sollte überlegt werden, ob dieses ziel auf einen "Schlag" oder in Etappen erreicht werden könnte.

Von Beginn an gab es mehrere Vorschläge, die einzeln in ihren Konsequenzen diskutiert wurden. Nach drei Wochenendsitzungen blieb das letztlich präsentierte Konzept übrig. Alle anderen waren verworfen worden, weil sie entweder zu komplex oder nicht weitgehend genug im Hinblick auf die aktuellen Rahmenbedingungen erschienen.

Allein der Zeitaufwand, den die Kommission für erforderlich hielt, um alle Aspekte zu durchdenken und letztlich einstimmig zu nur einer Lösung ohne Alternative zu kommen, zeigt das Hauptproblem:

Die Vorteile des Konzeptes sind nicht ohne Diskussion und Erläuterung zu erkennen, die Nachteile für die Verfechter der bestehenden Strukturen liegen aber auf der Hand.

Aus nicht der Strukturkommission bedurfte das Konzept folglich einer intensiven Diskussion sowohl auf Funktionärsebene als auch in der Sammlerschaft, um, ggf. nach Anpassungen, eine Mehrheit in der HV zu finden.

Die Gegner mehr als kosmetischer Satzungsänderungen hatten sehr schnell erkannt, daß eine solche Diskussion für sie nicht mehr steuerbar sein würde und deshalb bereits massiv gegen die Veröffentlichung des Vorschlags votiert. Das war ihre einzige Chance, die bestehenden Strukturen zu konservieren.

Vor diesem Protest innerhalb des Verwaltungsrates ist der BDPh-Vorstand eingeknickt. Wie ich Jürgen Witkowski kenne, vermutlich nicht einstimmig. Damit dürfte auf absehbare Zeit jedwede tiefgreifende Reform der BDPh-Struktur chancenlos sein. Die neue Satzung mit faktischem Ausschluss der Einzelmitglieder von der Willensbildung der HV tut dazu ein übriges.

Gute Führung zeichnet sich dadurch aus, daß die Hauptprobleme einer Organisation zuvörderst angepackt werden und man dabei Konflikten nicht aus dem Wege geht.

Die Hauptprobleme sind zweifellos der Mitglieder- und Sammlerschwund. Zur Halbzeit der Wahlperiode des BDPh-Vorstandes sind entsprechende Konzepte nicht erkennbar.
 
22028 Am: 07.12.2019 13:44:58 Gelesen: 273# 4 @  
@ Richard [#3]

Aus nicht der Strukturkommission bedurfte das Konzept folglich einer intensiven Diskussion als auch in der Sammlerschaft, um, ggf. nach Anpassungen, eine Mehrheit in der HV zu finden.

Das ist völlig weltfremd. Wie will man mit 30.000 Mitgliedern was diskutieren? Ein Vorstand ist gewählt, ähnlich wie in der Regierung, um den Verein zu führen, aber nicht um mit der Gesamtbevölkerung/Mitgliedern Grundsatzdiskussionen zu führen.

Was passiert im Ortsverein, werden da alle Entscheidungen im Verein durchdiskutiert? Dafür gibt es Vorstandssitzungen und was mit den Mitgliedern diskutiert und genehmigt werden muss steht im allgemeinen in der Satzung.
 
alemannia Am: 07.12.2019 14:44:06 Gelesen: 246# 5 @  
@ 22028 [#4]

Hallo zusammen,

das verstehe ich nicht, insbesondere den Vergleich mit einer Regierung. Aber gut, das gehört hier nicht hin.

Diskutieren hätte man sicherlich können, um Anpassungen bzw. Änderungen vorzunehmen.

Allerdings nur wenn die Fakten bekannt sind. Dies wäre das Ergebnis der Strukturkommission gewesen.

Der Vorstand mag ja führen, wichtige Entscheidungen treffen aber doch die Landesverbände mit den ihnen zur Verfügung stehenden Stimmen der Ortsvereinsmitglieder und der nicht auf der HV anwesenden Einzelmitgliedern.

So wurde eine Satzungsänderung durchgewunken, in der den Einzelmitgliedern faktisch eine Antragstellung zur HV entzogen wurde.

Und das mit den zugeordneten Stimmen des überwiegenden Anteils der Einzelmitglieder.

Gruß

Guntram
 
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