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Thema: Schweiz: Einschätzungen zum Schweizer Briefmarkenmarkt
Richard Am: 12.01.2020 09:15:51 Gelesen: 750# 1 @  
In seinem Newsletter geht Helmut Büchel, Philatelist und Geschäftsführer von Swissphila [1], auf die Lage am Schweizer Markt aus seiner Sicht ein.

Hier ein Auszug aus dem aktuellen Newsletter:

Altschweiz

Die ersten Briefmarkenausgaben der Schweiz und die unter kantonaler Hoheit herausgegebenen Briefmarken erfreuen sich nach wie vor grosser Beliebtheit. Die Käuferschaft wird immer breiter und viele neue Sammler widmen sich diesen Ausgaben. In diesem Zusammenhang sehen wir aber zwei Problemstellungen:

1. Viele Sammler kennen sich in diesem Gebiet zu wenig aus, und kaufen überteuert qualitativ minderwertige Stücke oder gar Fälschungen oder verfälschte Stücke. Dies vor allem im Internet auf Auktionsplattformen. Hier rate ich dazu, Käufe nur bei vertrauenswürdigen Händlern zu tätigen, die sich mit diesem Gebiet gut auskennnen.

2. Es gibt immer weniger Briefmarkenprüfer zum Sammelgebiet Altschweiz. Kommt hinzu, dass man auch immer wieder auf Befunde oder Atteste stösst, die unvollständig sind oder Stücke falsch beschreiben! Wir raten deshalb, sich nicht nur die Briefmarken, sondern auch die dazugehörigen Zertifikate genau anzuschauen, vor allem wenn es um grössere Beträge geht. Wenn Sie bei geplanten Käufen unsicher sind, beraten wir Sie gerne.

Semiklassik

Der Bereich 1907 bis 1960 ist seit Jahren preislich unter Druck, bietet aber dadurch gute Kaufgelegenheiten. Hier können heute mit wenig Geld wunderbare Sammlungen aufgebaut werden und auch für den Sammler von Abarten und Besonderheiten bietet dieses Gebiet viele Möglichkieten. Achten Sie auch bei diesem Gebiet auf Qualität. Es lohnt sich etwas mehr zu bezahlen und dafür lange Freude an schönen Stücken zu haben. Auch bei einem allfälligen Verkauf zahlt sich qualitativ gute Ware aus.

Neuheiten

Auch in diesem Jahr war die Nachfrage nach Neuheiten sehr gut. Vor allem auch in den Sommermonaten, in denen sonst allgemein das Sammeln eher in den Hintergrund rückt. Ich empfehle nach wie vor, den Bereich Neuheiten im Auge zu behalten. Themen wie Auflagezahlen, Schliessung von Poststellen, Abstempelungen in den Post-Verteilzentren werden uns hier noch weiter beschäftigen.

[1] http://www.SwissPhila.ch
 
Heinz 7 Am: 12.01.2020 11:35:26 Gelesen: 714# 2 @  
@ Richard [#1]

Diese Einschätzung von Helmut Büchel findet meine Zustimmung.

Zwei darin angesprochene Probleme verdienen meines Erachtens grosse Beachtung:

a) überteuerte Preise für qualitativ schlechte Stücke
b) immer weniger Briefmarkenprüfer

Ich wundere mich, dass immer wieder Stücke auftauchen, die eindeutige Fehler aufweisen, welche bei den Verkaufsbeschreibungen einfach "vergessen" (?/!) werden. Und dies betrifft, leider (!) nicht nur die vertrauens-unwürdigen "freier Markt"-Internet-Plattformen, sondern auch renommierte Briefmarken-Auktionshäuser! Die Käufer zahlen 20% Käufer-Provision, und dürfen sich trotzdem nicht darauf verlassen, dass die Stücke fair beschrieben sind.

Grundsätzlich sollte jedes teure Stück vom Attest eines anerkannten Experten begleitet sein.

Dass es nur wenige breit-kompetente Prüfer gibt, scheint mir für viele Gebiete zuzutreffen. Es wäre aber gar nicht nötig, dass die Stücke gebetsmühlenartig immer wieder zu den Prüfern geschickt werden, wenn die ALTEN ATTESTE nicht immer wieder verschwinden!

- Ich kenne ein Beispiel, das hatte ein Attest, das Fehler festhielt.
- Knapp zwei Jahre später erschien die Marke wieder mit einem Attest, das sich zum oben genannten Fehler nicht äusserte und "gut" klang.
- Wieder fünf Jahre später erschien die Marke mit einem Attest, dass die Marke "brutal schlecht" beschrieb. Das Los blieb darum natürlich unverkauft.
- Ein Jahr später(!) erschien die Marke wieder auf dem Auktionsmarkt, mit einem Attest eines Prüfers, der für das Gebiet meines Wissens gar nicht zuständig ist. Das Attest war "sauber", das heisst, die Marke wurde ohne Fehler beschrieben. Und, wenig erstaunlich, verkauft. Sogar über dem Ausruf, das heisst mindestens zwei Sammler kannten das Stück nicht, obwohl es erst kürzlich schlecht attestiert wurde.

Vier verschiedene Atteste in acht Jahren! Vermutlich wurde diese Marke bereits 10 - 20 x attestiert, aber die Atteste werden, vor allem bei "Nicht-Gefallen" einfach entsorgt.

Dem Problem könnte nur Einhalt geboten werden, wenn alte Beurteilungen irgendwo gespeichert würden (Attest-Datenbank) und für Sammler einsehbar wären. Aber da stellen sich juristische Probleme, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehen kann.

Der Schweiz Markt ist aber insgesamt kein problematischer, da es hier aktuell vertrauenswürdige Auktionshäuser gibt und ein paar wenige hervorragende Prüfer/Händler.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.01.2020 12:07:23 Gelesen: 690# 3 @  
@ Richard [#1]

"Auch in diesem Jahr war die Nachfrage nach Neuheiten sehr gut"

"Ich empfehle nach wie vor, den Bereich Neuheiten im Auge zu behalten. Themen wie Auflagezahlen, Schliessung von Poststellen, Abstempelungen in den Post-Verteilzentren werden uns hier noch weiter beschäftigen."

Ich rate dazu, den Empfehlungen von Helmut Büchel zu folgen!

Ich schätze, dass heute kaum mehr als zwei Dutzend Sammler auch ganz normale Korrespondenz mit Marken des XXI. Jahrhunderts sammeln und komplett haben. Die Briefmarken der Schweiz ab 2000 portogerecht auf echt gelaufenen Belegen vollständig zu besitzen ist eine Herausforderung, die

a) gar nicht einfach ist
b) an die sich kaum ein Sammler heranzuwagen scheint.

Es fehlt uns also nicht an Betätigungsfeldern!

Heinz
 
10Parale Am: 12.01.2020 20:31:01 Gelesen: 623# 4 @  
@ Richard [#1]
@ Heinz 7

Vielen Dank für diese hervorragenden Erörterungen.

Das Problem b) immer weniger Briefmarkenprüfer scheint mir aber mittlerweile auf sehr viele Sammelgebiete zuzutreffen. Man denke nur an Rumänien, wo ich im Moment nicht wüsste, wer die Marken noch prüft. Ich denke hier sollten keine Mühen (und Kosten) gescheut werden, begeisterte Sammler zu Prüfern auszubilden.

Ich glaube es wird bei den Verantwortlichen einfach unterschätzt, welches Potential in dieser Dienstleistung steckt, denn jeder Sammler möchte, - sollte er Geld in Briefmarken investieren -, doch dann bitteschön keine Fakes dafür haben.

Die Schweiz bietet, wie Heinz 7 konstatiert, ein wunderbares Betätigungsfeld, vor allem auch in der Semiklassik, wie ich hier an 3 einfachen, supergünstigen Belegen aus der 1,-- Euro Kiste mal zeigen möchte.

Liebe Grüße

10Parale


 
Michael Mallien Am: 14.01.2020 20:36:34 Gelesen: 518# 5 @  
@ Heinz 7 [#3]

Ich schätze, dass heute kaum mehr als zwei Dutzend Sammler auch ganz normale Korrespondenz mit Marken des XXI. Jahrhunderts sammeln und komplett haben. Die Briefmarken der Schweiz ab 2000 portogerecht auf echt gelaufenen Belegen vollständig zu besitzen ist eine Herausforderung, die
a) gar nicht einfach ist
b) an die sich kaum ein Sammler heranzuwagen scheint.


Lieber Heinz,

das ist eine sehr interessante Einschätzung und sie schreit geradezu danach ein Thema zu eröffnen mit modernen Schweiz-Belegen zur Dokumentation möglichst aller Ausgaben ab dem Jahr 2000!

Die Schweiz zählt nicht zu meinen Sammelgebieten, aber einige Belege habe ich in meinem Bestand.

:) ... das Thema folgt in Kürze!

Viele Grüße
Michael
 
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