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Thema: Hervorragende Sammlungen - Mauritius
Heinz 7 Am: 28.05.2020 21:23:46 Gelesen: 1364# 1 @  
Liebe Leser

Die Briefmarken von Mauritius haben eine magische Anziehungskraft. Auch viele Menschen, die sonst kein Interesse für Briefmarken aufbringen, wissen, dass eine "blaue Mauritius" die "teuerste Marke" ist, und viele wissen sogar, wie sie aussieht. Es gibt wohl keine Briefmarke, zu der ein Briefmarkensammler von fremden Menschen öfters angesprochen wird, als zur "blauen Mauritius". - Es ist also sehr nützlich, das Wichtigste über diese Marken und das ganze Sammelgebiet "Mauritius" zu wissen.

Bereits im 19. Jahrhundert war das Sammelgebiet "Mauritius" äusserst beliebt und bekannt. Das schlug sich auch in den Preisen nieder - Briefmarken und Sammlungen dieses Sammelgebietes wurden schon im 19. Jahrhundert teuer bezahlt. In Fachblättern wurde schon früh gerätselt, wie viele (oder wie wenige!) Exemplare denn von den einzelnen Ausgaben existieren.

Im Thema "die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" haben wir auch schon mehrfach von Mauritius gesprochen. Im bahnbrechenden Lehrbuch von Theodor Haas von 1905 spielten die Marken von Mauritius natürlich eine wichtige Rolle. Im Kapitel "Die hundert seltensten Marken nach ihrem Seltenheitsgrade geordnet" finden wir drei Marken dieser kleinen Insel im Indischen Ozean.

4. Mauritius 1847, Post Office, 2 P. blau
5. Mauritius 1847, Post Office, 1 P. rot
31. Mauritius 1859, grosses Stirnband, 2 P. blau

Dies ist die Rangliste bei den regulären Marken. Dazu kommt von der Liste der seltensten Fehldrucke:

24. Mauritius 1848, 2 P. blau, mit Penoe (statt Pence)

Wir sehen zwar, dass offenbar 1905 drei andere Marken von Haas noch höher eingeschätzt wurden, als die Erstausgabe von Mauritius (2 Pence Wert), aber immerhin: vier Nennungen (davon zwei Spitzenplätze) hat auch Haas ihnen vor 115 Jahren zugeteilt. Das war auch 1912 so, als Schubert eine Tabelle im Illustrierten Briefmarken-Journal vom 20.4.1912 zeigte: "Wertvolle Marken, Studie aus dem Senf-Katalog 1912".

1. Mauritius Nr. 2 gest.
2. Mauritius Nr. 1 gest.
18. Mauritius Nr. 5 *
80. Mauritius Nr. 3 II *
80. Mauritius Nr. 4 II *

Fünf Mal war Mauritius genannt unter den 101 Marken, die einen Katalogwert von mindestens 750 Mark aufwiesen. (Allerdings fehlten bei Schubert die Plätze eins und drei von Haas, weil die Marken 1912 von Senf nicht bewertet waren). Aber man sieht:

Mauritius war "immer schon" beliebt und teuer!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.05.2020 22:52:20 Gelesen: 1337# 2 @  
@ Heinz 7 [#1]

Ich habe mich gestern a.a.O. über die wohl beste Mauritius-Sammlung aller Zeiten geäussert, und dies hat den Wunsch geweckt, dass ich zu einigen führenden Sammlungen dieses Gebietes Stellung nehme, sofern mir dies möglich ist.

Im Auktionskatalog von David Feldman

"Mauritius, November 3, 1993"

sind auf Seite 18/19 nicht weniger als 52 Auktionen 1921-1985 genannt, als wichtige Mauritius Sammlungen angeboten wurden! Das ist eine grosse Auswahl. Zum Glück habe ich viele Auktionskataloge davon in meiner Bibliothek und kann vielleicht interessante Vergleiche anstellen.

Ein Name in der Aufzählung von David Feldman, der mir gar nichts sagte, hat mich neugierig gemacht. Und ich habe die Kataloge sogar gefunden! (es waren zwei Verkäufe):



Die Sammlung von George Wren wurde 1963 verkauft. Sie wurden von Robson Lowe angeboten, aber nicht in seinen Hauptkatalogen, sondern in seiner Serie der "Postal History Auctions" am 4.9.1963 und in der Serie "Bournemouth Stamp Auctions" am 7.9.1963.

Am 4.9.1963 wurden 114 Lose Mauritius angeboten (Sale 2298, Lose 128-241), und am 7.9.1963 91 Lose (Sale 2304, Lose 696-786). Beide Verkäufe fielen nicht auf durch teuerpreisige Lose; die Schätzpreise für fast alle Lose waren sehr moderat. Eine Summierung ergibt:

sale 2298: GB£ 1911
sale 2304: GB£ 2155 (wobei ein Los ohne Schätzpreis)
also total: GB£ 4066
Das wären umgerechnet in CHF von Ende 2019 ca. CHF 169'888.

Es überrascht mich, dass eine Sammlung mit einem doch relativ kleinen Schätzpreis auf dieser Liste von David Feldman einen Platz fand. Nur ein einziges Einzel-Los hatte einen Schätzpreis von GB£ 100 (Los 185: Ein Brief 1861 von St. Denis nach Calcutta) und Los 737 hatte einen Schätzpreis von GB£ 160; das war die Restsammlung der frühen Ausgaben 1848-1859; 43 Marken - sonst erreichte kein Los einen Schätzpreis von mehr als GB£ 60.



Die Sammlung gefiel aber mit vielen interesanten Losen, die zwar nicht teuer waren, aber gleichwohl oft recht selten. Es gab sehr viele Lose, die ihrer Stempel wegen angeboten wurden. Auch viele Briefe wurden oft einzeln ausgerufen, es gab auch 11 Briefe der Vor-Markenzeit (1762-1845; Lose 128-138).

Ganz teure Marken fehlten zwar offenbar, aber dennoch schaffte es Mister Wren, das Auktionshaus David Feldman zu überzeugen, seine Sammlung unter die bedeutendsten der Zeit 1921-1985 einzureihen. Gratulation!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.06.2020 14:44:42 Gelesen: 1238# 3 @  
@ Heinz 7 [#2]

Die Tabelle im Auktionskatalog von David Feldman 3.11.1993 „Mauritius at Auction 1921-1985“ (Seite 18-19) ist natürlich eine ideale „Steilvorlage“ zur Suche nach den wichtig(st)en Mauritius-Sammlungen aller Zeiten. Auf 52 Zeilen listet er viele der bekannten Auktionen auf, und ein paar, die „man“ nicht ohne Weiteres kennt.

Von den 52 Auktionen sind 27 Auktionen „Name sales“; wir kennen also den Verkäufer, 19 Mal sind es anonyme Verkäufer und 6 Zeilen sind Mehrfachzählungen, wenn ein „Name sale“ auf mehrere Daten verteilt wurde.

Ich schätze, dass ich Ihnen die pekuniär kleinste Sammlung bereits kurz vorgestellt habe. Die Sammlung von Mister George Wren wies einen Schätzpreis an den zwei Auktionen 1963 von „nur“ GB£ 4‘066 auf, 205 Lose wurden angeboten (von Robson Lowe, London / Bournemouth). Den Wert heute errechne ich mit CHF 169‘888 (per 31.12.2019). Es gibt mehrere Sammlungen, da übertrifft der Preis für das Spitzenstück alleine bereits diesen Betrag.

Ob eine Sammlung zu den „hervorragenden“ gezählt werden darf, auch wenn sie keine ganz teuren Stücke (oder gar eine Erstausgabe 1847 „Post Office“) enthält, darüber lässt sich trefflich diskutieren. Ich finde es richtig, auch nicht so teure, aber seltene, Stücke nach Möglichkeit zu berücksichtigen, aber die „Scheinwerfer“ werden meistens eben doch auf die grossen „Preiskracher“ gerichtet. Das ist verständlich und legitim.

Es gibt 25 „items“ der Erstausgabe 1847 „Post Office“.
13 items mit der orangen 1 Penny Marke
11 items mit der blauen 2 Pence Marke
1 item mit beiden Marken (sog. Bordeaux-Brief).

Das ist nicht viel! Wenn wir nun noch wissen, dass nicht weniger als 11 Exemplare (ELF!) in Museen fest gebunden sind (inkl. Royal collection London) und wir eine Marke seit über 100 Jahren nie mehr gesehen haben (verschollen?), so bleiben nur 13 items.

Diese sind natürlich in ihrem Wert auch nicht alle gleich! Während zum Bordeaux-Brief wohl ein Preisschild von CHF 7‘500‘000 passt, sind die losen, gestempelten, z.T. schadhaften Marken wohl mit Preisschildern von CHF 250‘000 – CHF 800‘000 richtig bewertet.



Ich möchte nun die vermutlich wertvollste Mauritius-Sammlung vorstellen, die je zusammengetragen wurde. Sie wurde am 2. November 1993 in Zürich versteigert von David Feldman und sie bestand im Wesentlichen aus der Sammlung von Hiroyuki Kanai.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.06.2020 15:26:01 Gelesen: 1228# 4 @  
@ Heinz 7 [#3]

Die Sammlung DF/Kanai umfasste nicht weniger als 452 Lose, die alle an einem denkwürdigen Nachmittag in Zürich verkauft wurden. Ich war an der Auktion dabei, obwohl ich Mauritius nicht sammle. Aber ich wusste um die Bedeutung dieser Auktion. Es war und bleibt ein unvergessliches Erlebnis!

Die Sammlung umfasste einige der grössten Preziosen, die Mauritius zu bieten hat. Aber neben den weltbekannten Ausgaben kamen auch schöne Marken und Briefe der späteren Ausgaben zum Verkauf.



Dies z.B. ist auch ein "Bordeaux"-Brief, aber nicht DER berühmte 1847-Post Office-Brief, sondern ein Brief rund 14 Jahre später (Abgang 6.12.1861), der mit späteren Ausgaben von Mauritius freigemacht wurde (spektakuläre Mischfrankatur 7. und 8. Ausgabe).

Interessant; dieser Brief nahm nicht den Weg über Plymouth/England, sondern ging offenbar durch den Suezkanal und das Mittelmeer!

Die Einteilung der Auktion war wie folgt:

1. Ausgabe 1847: Post Office: Lose 1 + 2 + 3 + 155 + 452
2. Ausgabe 1848: Post Paid (fünf Druckstufen): Lose 4 - 154
3. Ausgabe 1859: Lapirot: Lose 156 - 199 (drei Druckstufen plus Retuschierte Platte)
4. Ausgabe 1859: Sherwin: Lose 200 - 214
5. Ausgabe 1859: Dardenne: Lose 215 - 278
6. Ausgabe 1858-1862: Britannia - No Values: Lose 280 - 316
7. Ausgabe 1859-1861: Britannia - New Values: Lose 317 - 359
8. Ausgabe 1860-1882: Victoria - De La Rue: Lose 360 - 439
Mauritius used in Rodrigues Island & Seychelles: Lose 440 - 451.

Die Inszenierung war natürlich perfekt: gleich zu Beginn gab es zwei Höhepunkte (Lose 1+2), dann aber wurden zwei weitere Post Office-Superraritäten mitten am Nachmittag und zum Abschluss der Auktion verkauft.

Die Sammler und Händler waren in heller Aufregung!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.06.2020 16:12:20 Gelesen: 1217# 5 @  
@ Heinz 7 [#4]

Seit der Auktion sind 26 einhalb Jahre vergangen.

Das Angebot hatte einen schwindelerregenden Wert. Die Schätzpreise beliefen sich meines Wissens auf CHF 10'823'850; dabei waren 8 Lose ohne Schätzpreis ins Rennen gegangen. 448 Lose wurden verkauft, vier Lose wurden nicht verkauft; es waren moderat geschätzte Stücke.

Der Zuschlag erreichte meines Wissens: CHF 13'202'570
dazu kommt das Aufgeld von 15 %, also ein Preis von CHF 15'182'955.50.

Ende 20. Jahrhundert gab es noch eine Geldentwertung (und Zinsen auf den Sparkonti!), und darum rechne ich diesen Wert 1993 um in Geldwert Schweizer Franken per 31.12.2019 = CH 20'026'267.

Zwanzig Millionen Franken für eine einzige Sammlung, an einem Nachmittag! Wir waren alle "erschlagen". Aber auch glücklich, so etwas erlebt zu haben.

Ganze 20 Lose hatten einen Zuschlag von CHF 50'000 oder mehr erreicht. Diese 20 Lose machten am Ende über 84 % des Kaufpreises aus; das ist oft so bei Briefmarkensammlungen.

Nur Briefmarken der ersten vier Ausgaben übersprangen diese sehr hohe Hürde von CHF 50'000

1. Ausgabe 1847: Post Office: 4 Lose
2. Ausgabe 1848: Post Paid: 10 Lose
3. Ausgabe 1859: Lapirot: 1 Los
4. Ausgabe 1859: Sherwin: 5 Lose

Das Los 158 mit einer Briefmarke der dritten Ausgabe war etwas ganz Spezielles



Wir sehen einen Brief von 1859 von Mauritius nach London, der mit Marken von DREI verschiedenen Ausgaben freigemacht wurde!

3. Ausgabe Lapirot
2. Ausgabe Post Paid
6. Ausgabe Britannia - No Values:

Im Auktionstext steht zutreffend:

"It is amazing that someone should have made the one shilling rate from these three different issues though it was just around that moment, beginning May 1859, when these three stamps would have been abailable at the same time!"

Ob der Brief einmalig ("unique") ist, kann ich nicht genau sagen, aber jedenfalls ist er äusserst spektakulär und übertraf den bereits hohen Schätzpreis von CHF 120'000 um 33 % = Hammerpreis: CHF 160'000 + 15 % = CHF 184'000.

Dies war das acht-höchste Ergebnis dieser Auktion.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.06.2020 16:29:39 Gelesen: 1207# 6 @  
@ Heinz 7 [#4]

Ein Brief nach Bordeaux? Moment einmal... das kennen wir doch schon, oder nicht?



Los 29 war atemberaubend schön! Eine Two Pence blau, 2. Ausgabe (Post Paid), earliest impression, auf einem Brief von Mauritius nach Bordeaux, wunderbar gerandet, der Brief schön gestempelt ... grandios!

... und dann erst noch die Abart!

Von der Post-Paid-Ausgabe ist der "PENOE"-Irrtum (statt "PENCE") bekannt. Theodor Haas hat diese Abart auf Platz 24 gesetzt, weltweit. Auf Marke "earliest impression" und das noch auf Brief ist dies aber einmalig (Katalog: "it is the only known").

Dieser Brief wurde gnadenlos teuer. Ein Schätzpreis von CHF 60'000 genügte nicht; erst bei CHF 180'000 fiel der Hammer. Dazu kamen 15 % = CHF 207'000.

Es war das siebthöchste Ergebnis dieser denkwürdigen Auktion.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.06.2020 12:13:28 Gelesen: 1156# 7 @  
@ Heinz 7 [#6]

Wir haben gestern einmal mehr gesehen, dass die Kombination "Seltene Marke" und "Verwendung auf Brief" seit vielen Jahrzehnten bei den Sammlern immer wieder besonders hohe Preise bewirkt. So auch am 3.11.1979.

Ein Paar der Zwei Pence-Marke der 2. Ausgabe "Post Paid", Intermediate impression, auf Brief von Mauritius nach St. Denis, Réunion, wunderschön. Die linke Marke hat wieder die "PENOE" (statt "PENCE")- Abart.

Man sieht an diesem Auktionskatalog auch, dass es Sinn macht, diese Ausgabe nach verschiedenen Druckstufen zu unterscheiden:

- earliest
- early
- intermediate
- worn
- latest.

Die Briefmarken sehen deutlich unterschiedlich aus. Die Abgrenzung zwischen den Marken benötigt aber ein gutes Auge und viel Erfahrung.

Der Losbeschreiber im Katalog David Feldman schrieb zu diesem Brief: "In our opinion this item is by far the FINEST QUALITY and most beautiful piece of all Mauritius primitives in existence."



Ob dafür allerdings ein Schätzpreis von CHF 100'000 gerechtfertigt ist, darüber lässt sich diskutieren. Das Publikum nahm die Herausforderung an der Auktion aber an, und der Brief stieg sogar noch weiter im Preis und wurde erst bei CHF 190'000 zugeschlagen! Der Endpreis von CHF 218'500 (15 % Provision) war der sechs-höchste an dieser Autkion.

Den fünf-höchsten Erlös erzielte ein "alter Bekannter": unser einmaliges Paar der 2 Pence blau "Sherwin", ungebraucht!



Los 201 hatte einen strammen Ausrufpreis von CHF 200'000 und kletterte auf CHF 260'000 + 15% = CHF 299'000.

Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ein absolut philatelistischer Tiefflieger das Paar nach der Auktion aufgeteilt/zerschnitten hat! Das Paar existiert heute also nicht mehr! Wir haben im Thema "die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken" darüber bereits gesprochen.

An der Auktion David Feldman Mauritius/Kanai erzielte das Los den fünf-höchsten Zuschlag und bestätigte so den Status, der im Katalog angegeben war:

"The most valuable item of Mauritius outside the Post Office issue."

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.06.2020 14:33:39 Gelesen: 1135# 8 @  
@ Heinz 7 [#4]

Wir haben nach der besten Mauritius-Sammlung gefragt. Es kommen theoretisch ein paar Sammler dafür in Frage, aber - Hiroyuki Kanai; ist er wirklich zu übertreffen?

Hiroyuki Kanai hatte nicht weniger als 4 "items" der ersten Mauritius-Ausgabe (1847, Post Office-Ausgabe). Und zwar nicht die schlechtesten, sondern ohne Zweifel von den besten!

1993 waren noch vier Marken ungebraucht in privater Sammlerhand: zwei One Penny Marken orange und zwei Two Pence Marke blau. Zwei weitere Exemplare sind seit über 100 Jahren in den zwei grossen London-Sammlungen des Königshauses bzw. von Mister Tapling (= British Library).

1993 kamen als Lose 1 und 2 diese wunderschönen Marken zur Auktion mit adäquaten Schätzpreisen.



One Penny = Schätzpreis: CHF 1.2 Mio.
Two Pence = Schätzpreis: CHF 1.2 Mio.



Beide Lose fanden einen Käufer: Der Zuschlag fand statt bei CHF 1.4 Mio. bzw. CHF 1.5 Mio. (Los 2).

Was alle Anwesenden damals nicht wussten: es war das letzte Mal, dass BEIDE ungestempelte Marken angeboten werden konnten! Beide Lose wurden vom Museum Mauritius angekauft, und 1994 folgte dann noch ein weiterer Verkauf einer ungebrauchten 2d Marke an ein Museum in den Niederlanden. Damit waren nicht mehr acht Mauritius-items in Museen/institutionellen Sammlungen, sondern plötzlich sogar 11! Und die privaten Sammler haben noch weniger Auswahl. Nur noch EINE ungebrauchte Marke: eine One Penny orange! Eine ungebrauchte "Blaue Mauritius Post Office" - die mit Sicherheit berühmteste Briefmarke der Welt! - kann man nur noch in Museen bestaunen:

- Nr. 16: seit 1891 Tapling Sammlung in das British Museum / später Transfer in British Library London
- Nr. 14: seit 1904 in der königlichen Sammlung in London
- Nr. 13: seit 1993 im Museum in Mauritius
- Nr. 17: seit 1994 im PTT Museum der Niederlande

(Nrn. = Zählung ALLER Marken der 1. Ausgabe, nach Leon N. Williams)

Dieser Umstand macht einige Philatelisten wehmütig.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.06.2020 15:22:11 Gelesen: 1119# 9 @  
@ Heinz 7 [#8]

Vielleicht gleich schön wie die ungebrauchten Marken sind natürlich Original - Ball-Invitation Envelopes, also Unmschläge, mit denen die Geehrten zum Ball zun Lady Gomm eingeladen wurden. Man sagt ja, dass der Wunsch dieser Lady, die Einladungen mit hippen Briefmarken zu versenden, der Grund dafür gewesen ist, dass die zwei Marken in Mauritius gestochen wurden.

Einzelfrankaturen der One Penny orange auf solchen Einladungs-Umschlägen gibt es nur drei. Zwei davon "verschwanden" früh schon in grossen Sammlungen: Tapling und König George V., beide in London. Seit 1904 gibt es für "den Rest der Welt" nur diese eine Einzelfrankatur, welche 1993 in der Sammlung Feldman/Kanai angeboten wurde.



Ich habe schon erwähnt, dass dieser Brief ganz am Ende der Auktion am 3.11.1993 angeboten wurde. Der Schätzpreis von David Feldman war CHF 1'600'000 - 2'000'000. Der Zuschlag fand dann allerdings bereits bei CHF 1'400'000 statt. Nun ja; das ist ja auch ein stolzer Preis. 15 % Aufgeld kamen noch hinzu, also Endpreis CHF 1.61 Mio.

Drei atemberaubende Top-Stücke von Mauritius' Erstausgabe haben wir bereits gesehen. Man mag einwenden, König George V. hatte eine bessere 2 Pence blau (mit schöneren Rändern) und einen noch schöneren Umschlag eines Einladungs-Umschlages - und das stimmt! - Aber: Hiroyuki Kanai hatte ZUSÄTZLICH das Kronjuwel der Mauritius-Philatelie; den Bordeaux-Cover

Diesen Brief muss ich nun wirklich nicht noch einmal vorstellen. Es ist der wohl am meisten gezeigte Brief in der Geschichte der Philatelie: der einzige Brief mit BEIDEN Marken der 1. Ausgabe "POST OFFICE".



Los 155 hatte am 3.11.1993 einen wohl-ausgewogenen Schätzpreis von CHF 4'000'000 - 6'000'000. Der Zuschlag erfolgte bei CHF 5'000'000, dazu kamen 15 % Provision = CHF CHF 5'750'000, was 1993 einen neuen Weltrekord etablierte, der viele Jahre Bestand hatte.

* * *

Kein Sammler hatte je eine solche Kombination von Top-Stücken der Erstausgabe Mauritius wie Hiroyuki Kanai MIT dem Non-Plus-Ultra-Stück "Bordeaux-Cover". Daneben hatte Kanai auch unzählige Super-Stücke der späteren Ausgaben, wie ich oben etwas zeigen konnte.

Die Frage nach "der besten Sammlung Mauritius 1847-1882 aller Zeiten" ist damit wohl überzeugend geklärt.

* * *

Ah, und, übrigens... noch ein Nachtrag:
der wunderbare Bordeaux-Brief von 1861, Los 338 der Auktion, den ich Ihnen oben vorgestellt habe (Beitrag 4), kostete nur CHF 2'800 plus 15 %.

Das hätte sogar ich mir leisten können. Aber ich "hielt mein Pulver trocken" und begnügte mich 1993 in Zürich mit der Rolle des Zuschauers und Geniessers. Die CHF 3'220, die ich mir so "gespart" hatte, verwendete ich kurz darauf für ein schönes Rumänien-item. - - Aber das ist eine andere Geschichte.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.06.2020 23:46:33 Gelesen: 1077# 10 @  
@ Heinz 7 [#9]

Es ist naheliegend, die Besitzer des "Weltrekord-Briefes" Mauritius 1847 "Post Office" nach Bordeaux mit der einmaligen Frakatur-Kombination: 1 Penny orange + 2 Pence blau (Foto siehe Beitrag 3+9) zu "scannen": wer hatte NEBEN dem NON-PLUS-ULTRA - Stück der Mauritius-Philatelie eine hervorragende Sammlung? Denn DIESE Sammler haben die BESTEN Karten, um auch als Nummer 1 "aller Zeiten" für Mauritius-Sammlungen anerkannt zu werden. Andere Sammler werden es schwer haben, zu überzeugen, dass die Krone ihnen gebührt.

Sehen wir uns die Liste der Besitzer des Bordeaux-Briefes also einmal an:

01-1848: Briefempfänger
02-1902: Fund durch einen Schuljungen
03-1903: Th. Lemaire
04-1903: Brunet de l'Argentière
05-1917: A.F. Lichtenstein
06-1922: Arthur Hind
07-1934: Maurice Burrus
08-1963: Raymond Weill
09- ? : Käufer anonym (mehrere?)
10-1968: Raymond Weill
11-1971: Hiroyuki Kanai
12-1986: David Feldman
13-1988: zwei Berufsphilatelisten (u.a. Giangiacomo Orlandini ??)
14-1993: David Feldman (für Auktion: Kanai)
15-1993: Käufer/in anonym

(Angaben entnommen dem Auktionskatalog David Feldman 1.12.2016, Mauritius)

Nr. 3, 8, 10, 12, 13, 14 waren Händler/Auktionatoren
Nr. 1, 2, 9 waren offenbar keine ambitionierten Sammler, oder sie blieben anonym
somit bleiben also nur:

4,5,6,7 und 11

Da finden wir aber ganz hochkarätige Namen!

de l'Argentière - Lichtenstein - Hind - Burrus - Kanai.

Alfred Lichtenstein (bzw. seine Tochter Louise Boyd Dale) werden wir zwar als grossen Mauritius-Sammler noch kennenlernen, aber - - für den Bordeaux-Brief muss ich ihn eigentlich weglassen: er war zwar rund 5 Jahre (1917-1922) Besitzer des Briefes; dann aber VERKAUFTE er den Brief an "Konkurrent" Arthur Hind! Für mich unbegreiflich, denn später baute Alfred Lichtenstein und seine Tochter Louise Boyd Dale eine märchenhafte Mauritius-Sammlung auf, in der der Bordeaux-Brief das "Kronjuwel" gewesen wäre... aber der Bordeaux-Brief war 1922-1963 dann mal weg; Lichtenstein war schon 1947 gestorben, konnte den Brief also nicht mehr zurückkaufen (1963).

Also haben wir seit der Entdeckung des Briefes vor 118 Jahren nur 3 oder 4 Sammler(*), die eine Eins-A-Mauritius Sammlung hatten PLUS das Spitzenstück der Mauritius-Philatelie (den Bordeaux-Brief). "Briefmarkenkönig" Philipp La Renotière von Ferrary zählt nicht dazu.

(*): Vom Besitzer 1903-1917 weiss ich nichts Genaues.

Brunet de l'Argentière ? (1903-1917)
Arthur Hind (1922-1934)
Maurice Burrus (1934-1963)
Hiroyuki Kanai (1971-1986)

Die Sammlung Kanai haben wir bereits besprochen, gehen wir also 30 Jahre zurück zu Maurice Burrus.



Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.06.2020 01:06:45 Gelesen: 1067# 11 @  
@ Heinz 7 [#10]

WENN Diskussionen über den grössten Briefmarkensammler aller Zeiten entbrennen, WENN jemand für dieses Prädikat "die Krone" Philipp La Renotière von Ferrary (1858-1917) strittig machen könnte, dann kommt eigentlich nur EIN anderer Sammler dafür in Frage:

Maurice Burrus (1882-1959).

Seine Sammlungen wurden ab 1962 verkauft. Über seine "Sammlung Kap der Guten Hoffnung" habe ich an anderem Ort schon geschrieben. Knapp ein Jahr später kam die Sammlung "Burrus Mauritius" zum Verkauf.



Die Sammlung umfasste 316 Lose. Die Summe der Schätzpreise liegt m.W. bei GB£ 107'488. Dies entspricht nach meiner Umrechnung einem heutigen Wert (Stichtag 31.12.2019) von CHF 4'480'918.

Stellt man dies dem heutigen Wert (per 31.12.2019) der Mauritius-Sammlung von DF/H. Kanai (1993) gegenüber (Endpreis über CHF 20 Millionen!), dann liegt der Verdacht nahe, dass die Sammlung Burrus weit unter der Sammlung Kanai/DF 1993 liegen müsse. Dass damit meines Erachtens die wahre Bedeutung der Sammlung "Burrus Mauritius" nicht gewürdigt wird, möchte ich in den nachfolgenden Zeilen aufzeigen.

Vorab aber erst eine Bemerkung: eine fast viereinhalb-Millionen Schweizer Franken-Sammlung ist natürlich ein "ganz grosses Ding". Punkt. Ende der Durchsage. Wenn wir nicht von der CHF 20 Millionen-Sammlung DF/Kanai 1993 wüssten, würden wir wohl alle die Sammlung Burrus Mauritius UNEINGESCHRÄNKT bewundern.

Sehen wir uns erst die Loseinteilung an.

1. Ausgabe 1847: Post Office: Lose 1 - 4 (inkl. Reprint (Los 4))
2. Ausgabe 1848: Post Paid (fünf Druckstufen): Lose 5 - 143
3. Ausgabe 1859: Lapirot: Lose 144 - 180 (drei Druckstufen plus Retuschierte Platte)
4. Ausgabe 1859: Sherwin: Lose 181 - 197
5. Ausgabe 1859: Dardenne: Lose 198 - 224
6. Ausgabe 1858-1862: Britannia - No Values: Lose 225 - 250
7. Ausgabe 1859-1861: Britannia - New Values: Lose 251 - 278
8. Ausgabe 1860-1882: Victoria - De La Rue: Lose 279 - 304
Ausgaben 1885-1935: Lose 305-315
"Remainder" (Restlos): Los 316

Wir sehen also: Kanai/DF 1993 war eigentlich mengenmässig nur bei den späteren Ausgaben breiter aufgestellt als Burrus 1963; Burrus hatte eine ähnliche Fülle an auktionswürdigen Losen wie Kanai!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.06.2020 17:03:23 Gelesen: 1031# 12 @  
@ Heinz 7 [#11]

Die nackten Zahlen deuten darauf hin, dass Burrus' Sammlung Mauritius viel weniger Wert hatte, als die von Kanai, die 1993 bei David Feldman verauktioniert wurde (Kanai hatte sie ein paar Jahre zuvor bereits an Feldman abgetreten/verkauft). Die Zahlen scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen:

Schätzpreise:

Burrus 1963: GB£ 107'488 = Gegenwert CHF 4'480'918 (per 31.12.2019)
DF/Kanai 1993: CHF 10'823'850 = Gegenwert CHF 14'276'622 (per 31.12.2019)

Anzunehmen, die Sammlung Kanai sei mehr als dreimal wertvoller als die von Burrus, ist aber falsch, wie ich sofort zeigen kann.

Das Spitzenstück der Mauritius-Philatelie, der "Bordeaux"-Brief erreichte an den zwei Auktionen folgende Hammer-Preise:

bei Robson Lowe 1963: GB£ 28'000
bei David Feldman 1993: CHF 5'000'000

Der Käufer 1963 musste kein Aufgeld zahlen, 1993 aber kostete das Aufgeld noch 15% satte CHF 750'000 zusätzlich, Endpreis also CHF 5'750'000. Eventuell zusätzliche Kosten (Mehrwertsteuer/Warenumsatzsteuer Schweiz) klammern wir nun einmal aus, da diese davon abhängig waren, ob das Los exportiert wurde oder im Inland verblieb.

Die Preise waren stark unterschiedlich. Ich bewerte die GB£ 28'000 vom 1.10.1963 auf Ende 2019 mit CHF 1'167'253,
während der Kaufpreis am 3.11.1993 für mich = CHF 7'584'231 wert ist, also rund 6.5 mal mehr!

Das sind nun wirklich markante Unterschiede!

Wir können (müssen!) die erzielten Preise also als sehr wichtigen Indikator bei der Beurteilung der Bedeutung eines Stückes heranziehen, aber wir sollten ihn nicht als EINZIGEN Masstab einsetzen. Denn sonst schwankt unter Umständen DASSELBE STÜCK im Wert sehr stark, je nach dem Zeitpunkt der Betrachtung/des Verkaufes.

Ferner sollten wir die Briefmarken untereinander vergleichen und in ihrem Zeitablauf. Viele Stücke waren einst sehr teuer und sind heute relativ günstig. Und umgekehrt!

Doch kehren wir zurück zur Auktion Burrus.

Nicht jedes Stück aus der Auktion 1963 kostete 30 Jahre später 6.5 x soviel. Betrachten wir andere wichtige Lose der Sammlung Burrus.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.06.2020 17:48:57 Gelesen: 1023# 13 @  
@ Heinz 7 [#12]

1963 waren GB£ 1'000 eine Menge Geld. Wir sollten meines Erachtens einen Preis von GB£ 1'000 vom 1.10.1963 gleichsetzen mit einem Preis von ca. CHF 41'700 Ende 2019.

Nicht weniger als 18 Lose waren im Katalog zur Sammlung Burrus Mauritius auf GB£ 1'000 geschätzt

3 Lose der 1. Ausgabe 1847: Post Office: Lose 1 - 4 (inkl. Reprint (Los 4))
12 Lose 2. Ausgabe 1848: Post Paid (fünf Druckstufen): Lose 5 - 143
Null Lose 3. Ausgabe 1859: Lapirot: Lose 144 - 180 (drei Druckstufen plus Retuschierte Platte)
2 Lose der 4. Ausgabe 1859: Sherwin: Lose 181 - 197
1 Los der 5. Ausgabe 1859: Dardenne: Lose 198 - 224

Starten wir bei der fünften Ausgabe:

Los 220 der Auktion Burrus war der folgende phantastische Brief:



Ich zeige den Brief hier aber aus dem DF Katalog von 1993, weil hier das Stück farbig abgebildet ist.

Ein horizontaler Dreierstreifen der One Penny-Marke in Mischfrankatur mit einer One Penny Marke 2. Ausgabe "Post Paid"/worn impression auf einem Brief von 1860 durch den Suez-Kanal nach Granville/Frankreich.

Beim Verkauf Burrus war dieses Los auf GB£ 1'250 geschätzt, also ca. CHF 52'125 (Ende 2019).
Beim Verkauf DF/Kanai aber war dieses Los auf CHF 20'000 geschätzt, bei einem Zuschlag zu diesem Preis also CHF 23'000. Dies wären heute CHF 26'380.

Hier also das umgekehrte Bild: Die Dardenne-Mischfrankatur wurde offenbar deutlich tiefer geschätzt 1993 als 1963! Immerhin kletterte der Zuschlagpreis 1993 dann auf CHF 38'000, der Preis erreichte CHF 43'700 = Wert (2019) CHF 57'640, also fast beim Schätzpreis von 1963!

Eine verrückte Situation! Ein Stück (der Bordeaux-Brief) ist 6.5 x so teuer, ein anderes scheint praktisch unverändert... - Ich würde nun zu gerne den effektiven Zuschlag am 1.10.1963 kennen, denn bisher kenne ich nur den Schätzpreis bei Burrus, und habe nur damit gerechnet.

Sehr interessant ist:

Bei Burrus war dies Los 220 der Auktion
bei DF/Kanai war dies Los 223 der Auktion (bei ähnlichem Aufbau). Dies zeigt eindrücklich die Dichte der Raritäten, die BEIDE Sammlungen auszeichnete!

Bei Burrus erreichte dieses Los Platz 12 aller Lose (Schätzpreise)
bei DF/Kanai erreichte dieses Los Platz 23 aller Lose (Zuschlagpreise).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.06.2020 18:10:51 Gelesen: 1016# 14 @  
@ Heinz 7 [#13]

Betrachten wir die vierte Ausgabe



Aufmerksame Leser meiner Beiträge kennen diese auffällige Briefmarke bereits: es ist die 2 Pence Marke der Ausgabe von Sherwin.

Es gibt nur einen Viererblock davon, er war in beiden Sammlungen Burrus & Kanai! Er ist in beiden Kataloge farbig abgebildet, aber das Foto 1993 ist besser, und darum zeige ich dieses

Burrus: Los 181
DF/Kanai: Los 206

Burrus: Schätzpreis: GB£ 3'500 (1963) = Platz 3 (ex aequo) aller Schätzpreise der Auktion
DF/Kanai: Schätzpreis: CHF 50'000 (1993); Zuschlag 75'000 + 15 % = CHF 86'250 = Platz 13 der Zuschläge

Wir wissen, dass Kanai auch eine ungebrauchte "Sherwin"-Marke hatte (Los 202) plus das hochgeschätzte Los 201: ungebrauchtes Paar (siehe Beitrag 7, oben).

Burrus hatte keine ungebrauchte Marke der 4. Ausgabe Sherwin.

Dieser Vergleich geht also klar zugunsten von Kanai aus.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.06.2020 18:40:12 Gelesen: 1013# 15 @  
@ Heinz 7 [#14]

Auch bei der dritten Ausgabe von Mauritius hat Kanai "die Nase vorn" im Vergleich zu Burrus.

Burrus hatte zwar auch einen Brief mit Mischfrankatur "Britannia" (Los 180), aber Kanai hatte sogar einen Brief mit DREI verschiedenen Ausgaben (siehe Beitrag 5).

Burrus am höchsten geschätze Los der 3. Ausgabe war ein Paar ungebraucht (Late intermediate impression), Los 146, aber Kanai hatte gar einen ungebrauchten Viererblock (Worn impression): Los 181

Burrus hatte zwar nicht weniger als 11 gestempelte Paare (davon 3 auf Brief) der Lapirot-Ausgabe (verschiedene Druckstufen), aber Kanai hatte noch mehr (!) und dazu
- zwei Paare, die zusammen einen ehemaligen Viererblock ergeben (Los 159)
- einen Viererstreifen lose (Los 171) und auf Brief (Los 187)
- einen Dreierstreifen (Teil des Loses 195 = Plattenrekonstruktion der Positionen 1-12).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.06.2020 19:42:41 Gelesen: 1004# 16 @  
@ Heinz 7 [#15]

Auf ungefähr demselben Niveau schätze ich die Sammlungen Burrus/Kanai ein bezüglich 2. Ausgabe "Post Paid":

Burrus' Spitzenstücke waren

- 1 d. earliest impression, ungebraucht (Los 5)
- 2 d. earliest impression, ungebraucht: 3 Stück (Lose 6,7,8)
- 2 d. very early impression, Two Pence Abart "PENOE", ungebraucht (Los 11)



gebraucht:
- Fragment mit Buntfrankatur: 1 Penny / 2 Pence earliest (Los 25)
- 1 Penny: Sechserblock (very early impression) (Los 32)
- 1 Penny: Paar horizontal (very early), mit Stempel "14" (Los 41)
- 2 Pence earliest auf Brief nach Calcutta (Los 132)
- Brief mit Buntfrankatur: 1 d. intermediate / 2 d. intermediate (Los 137)

Alle diese 10 Lose hatten einen Schätzpreis zwischen GB£ 1'000 und GB£ 3'500 (=Los 11) von 1963.

Vergleichen wir mit Kanai:

1) Los 5 von Burrus war Los 5 bei DF/Kanai !
2) 2 d. earliest impression, ungebraucht: 2 Stück
3) einen PENOE Irrtum ungebraucht hatte Kanai nicht. Aber er hatte einen PENOE-Error earliest auf Brief!
4) da musste Kanai passen, scheint es
5) Los 32 bei Burrus war Los 6 bei DF/Kanai (andere Reihenfolge) !
6) kein solches Stück bei Kanai gefunden
7) Los 132 von Burrus war Los 28 bei DF/Kanai. Dazu hatte Kanai einen sehr ähnlichen Brief (Los 30), auch nach Calcutta, an denselben Empfänger!
8) Los 137 bei Burrus war echt ein Vorteil für ihn, denn dies fehlte in der Sammlung Kanai

... jedoch glänzte Kanai mit wunderbaren Stücken "early impression", "intermediate" und "worn" impression

zwei Briefe mit je einem Paar der 1 Penny
Dreierstreifen der Two Pence gestempelt
Brief nach Amsterdam mit Dreierstreifen der Two Pence gestempelt "intermediate"
Brief nach St. Denis/Réunion mit Paar der Two Pence "intermediate" (siehe oben, Beitrag 7)
Sechserblock der Two Pence "intermediate"
Viererstreifen senkrecht der Two Pence "intermediate"
"Penoe"-Error (worn impression) auf Brief
Sechserblock ungebraucht der 1 Penny "worn"

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.06.2020 20:26:56 Gelesen: 991# 17 @  
@ Heinz 7 [#12]

Kommen wir abschliessend zum Höhepunkt beider Sammlungen: die Marken der Ausgabe 1847 "Post Office".

Ich habe schon erwähnt, dass der "Bordeaux-Cover" beide Sammlungen zierte. 1993 wurde er gar zum Weltrekord-Stück, während er 1963 noch nicht ganz so hoch bewertet wurde. Siehe dazu unsere erstaunliche Erkenntnis in Beitrag [#12] !

Maurice Burrus hatte diesen Super-Brief 1934 gekauft! Er hatte ZUVOR aber schon ein Duo 2 Pence/1 Penny, das bei seiner Verwendung einmal ZUSAMMEN verwendet wurde. (Vergleiche dazu Beitrag "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt", Beitrag 708). Ich nenne diese zwei Marken das "Philbrick-Duo" von Mauritius 1847.



Dazu hatte Burrus sogar noch ein weiteres Exemplar der weltberühmten Two Pence-Marke:



Er hatte diese Marke ebenfalls an den Ferrary-Auktionen eingekauft, bereits 1923.
(Das Foto stammt aus einem anderen Katalog - ich werde darauf zurückkommen.)

Die Lose erzielten an der Robson Lowe-Auktion 1963 folgende Ergebnisse:

Los 1: GB£ 28'000
Los 2: GB£ 8'250
Los 3: GB£ 3'300

Damit hatte also Maurice Burrus nicht weniger als 5 Marken der Erstausgabe "Post Office" in 4 Teilen

1 Brief mit 2 Marken
3 Einzelmarken, wovon 2 einst ein Duo bildeten; alle gestempelt

Erinnern wir uns an Kanai: auch er hatte 5 Marken der Erstausgabe "Post Office" in 4 Teilen

1 Brief mit 2 Marken
1 Umschlag mit einer Einzelfrankatur
2 Einzelmarken ungebraucht.

Diese zwei Angebote miteinander zu vergleichen, fällt mir nicht leicht. Darf man sagen, das schwindelerregende Angebot von Maurice Burrus sei noch übertroffen worden durch das Angebot von Kanai?

Pause (bitte durchatmen) - -

Ja. Man darf das, denke ich. Bei allem Respekt vor der Sammlung von Burrus ziehe ich das Angebot von Kanai vor, weil er beide Marken, die One Penny und die Two Pence UNGESTEMPELT hatte (wunderschön!) und weil er zudem einen Ball-Einladungs-Umschlag sein eigen nannte.

Sorry, Monsieur Burrus, oder vielmehr: "excuser moi".

Aber: Zweiter zu werden, hinter Hiroyuki Kanai, ist mit DIESER Sammlung trotzdem ein bewunderungserheischender Erfolg. Und Herr Burrus war meines Wissens ein nobler Gentleman. Er hätte mir dieses Urteil nicht übelgenommen. Stattdessen hätte er sich mit mir über die schönen Briefmarken von Mauritius gefreut.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.06.2020 19:03:00 Gelesen: 894# 18 @  
@ Heinz 7 [#17]

Alfred Caspary war einer der grössten Sammler des 20. Jahrhunderts. Und er war ein sehr reicher Mann. Er war meines Wissens schon ein wichtiger Käufer an den Ferrary-Auktionen 1921-1925. Caspary sammelte vor allem USA, pflegte aber auch andere schöne Landesammlungen und stellte dort Traum-Sammlungen zusammen; z.B. bei Schweiz oder Rumänien.

Auch an den Schönheiten von Mauritius ging Caspary nicht vorbei, sondern kaufte immer wieder wertvolle Briefmarken. Zwar war seine Mauritius-Sammlung nicht sehr umfangreich und nicht komplett. Aber sie ist sicherlich beachtenswert!

Ein Wort vorab zu den Erstausgaben von Mauritius, die berühmten "Post Office"-Marken von 1847.

Alfred Caspary hatte keine Briefmarke dieser Ausgabe. Stanley Bierman ging dieser Frage auch nach und schrieb dazu in seinem Buch "The World's Greatest Stamp Collectors" (1990), auf Seite 156:

"Caspary was shy and retiring almost to a fault. He was by nature an unpretentious and modest man. Nevertheless he was a voluble, enthusiastic and fascinating conversationalist when in company of close friends. He claimed to be uncompromising as regards to the quality of his philatelic acquisitions as regards to the quality of his philatelic acquisitions and abhorred imperfections in stamps, although he was sometimes forced to compromise when issues were of sufficient rarity that his stringent demands could not be reasonably achieved. He stated that the reason he never owned examples of the "Post Office" Mauritius was because he never found an example on cover or mint issue of the pair that met this standard of excellence (115)" (Quellenangabe 115)

Während der Zeit, als Caspary aktiver Sammler war, kamen mehrere Mauritius-Briefmarken "Post Office" auf den Markt, die er hätte kaufen können. Ob er es aus Qualitätsfragen nie tat, vermag ich nicht zu beantworten.

Man kann die Ansprüche als Sammler auch zu hoch stecken. Manchmal ist es weise, gewisse Konzessionen zu machen. Sei es bei der Qualität, sei es beim Preis. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man ein hohes Ziel nie erreichen kann. Gewisse Chancen hat man nur selten im Leben.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.06.2020 19:58:25 Gelesen: 881# 19 @  
@ Heinz 7 [#18]

Am 26.2.1958 kam die Sammlung "Mauritius" von Alfred Caspary zum Verkauf. Lose 645-732 (88 Lose) waren der zweiten bis zur achten Ausgabe von Mauritius gewidmet 1848-1862, die letzten drei Lose 733, 734 und 735 waren Sammellose zu späteren Ausgaben 1860-1878.



8 sehr schöne Briefe und einige sehr schöne ungebrauchte und gestempelte Marken fallen dem Betrachter auf. Nicht weniger als 21 Lose erreichten einen Preis von US$ 700; das entspricht einem Wert von mehr als CHF 12'000 per Ende 2019.

Der gesamte Teil Mauritius erreichte einen Verkaufserlös von US$ 54'760.50 (sauf erreurs & omissions). Daraus errechne ich einen Wert von CHF 968'816 (per 31.12.2019).

Mit weitem Abstand am teuersten wurde das erste Los 645: Ein Viererblock der One Penny der zweiten Ausgabe 1848 "Post Paid", earliest impression.



Der Hammer fiel bei US$ 18'500; dies entspricht nach meiner Rechnung einem Wert von CHF 327'300 per heute (31.12.2019).

Dies ist einer der höchste Preise, die je für eine philatelistische Einheit (Brief/Marke/Block) von Mauritius NEBEN der Erstausgaben "Post Office" bezahlt wurde.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.06.2020 20:32:51 Gelesen: 870# 20 @  
@ Heinz 7 [#19]

Das zweithöchste Ergebnis erzielte Los 661. Ich zeige es nicht mit dem schwarzweiss-Foto aus dem Katalog von Harmer, sondern aus dem Katalog von David Feldman 1993, als dieser wunderbare Brief wieder angeboten wurde.



Es ist eine Michel Nr. 4: Post Paid, Earliest impression, 2 Pence blau, mit dem PENOE-Fehldruck.

Der Brief erreichte 1958 immerhin US$ 3'250, dies entspricht meines Erachtens heute einem Wert von CHF 57'499 (per 31.12.2019). Wir haben gesehen, dass David Feldman 1993 genau diesen Brief auf CHF 60'000 eingeschätzt hatte.

Ich schrieb dazu (in Beitrag [#6] dieses Themas, als ich die Kanai-Auktion kommentierte):

"Dieser Brief wurde gnadenlos teuer. Ein Schätzpreis von CHF 60'000 genügte nicht; erst bei CHF 180'000 fiel der Hammer. Dazu kamen 15 % = CHF 207'000. Es war das siebthöchste Ergebnis dieser denkwürdigen Auktion."

Auch für das dritthöchste Ergebnis der Caspary-Auktion kann ich auf ein Farbfoto "ex Kanai" zurückgreifen. Der hier gezeigte Brief war:



Los 632 bei Caspary 1958
Los 22 bei David Feldman/Kanai 1993

Es handelt sich um einen weiteren Brief der 1848 "Post Paid" Two Pence blau (dark blue oder indigo-blue) earliest impression.

Los 652 erzielte den hohen Preis von US$ 3'200; das entspricht nach unserer Rechnung einem Wert von CHF 56'614.

Los 29 bei Feldman war geschätzt 1993 auf CHF 50'000. Der tatsächliche Zuschlag war dann aber weit höher.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 29.06.2020 20:27:24 Gelesen: 839# 21 @  
@ Heinz 7 [#18]
@ Heinz 7 [#20]

Auch das vierthöchste Ergebnis von Caspary-Mauritius kann ich anhand der Illustration von Kanai zeigen:



Die gezeigte Ausgabe Sherwin, 2 Pence, ungebraucht war

Los 702 bei Caspary
Los 202 bei David Feldman/Kanai 1993

1958 erreichte diese seltene Marke den Schätzpreis von US$ 3'000 nicht, sondern schloss bei US$ 2'500. Daraus errechne ich einen heutigen Wert von CHF 44'230. 1993 wurde die Marke deutlich höher eingeschätzt (CHF 100'000) und auch verkauft (Zuschlagpreis: CHF 130'000).

Auch das fünfhöchste Ergebnis von Caspary-Mauritius kann ich anhand der Illustration von Kanai zeigen:



Die gezeigte Ausgabe Post Office, 2 Pence, ungebraucht war

Los 654 bei Caspary
Los 26 bei David Feldman/Kanai 1993

Wichtig ist folgende Feststellung: 1958 galt das Stück als "early impression", 1993 jedoch als "earliest".

Auch diese Marke erreichte 1958 den Schätzpreis von US$ 3'000 nicht, sondern schloss bei US$ 2'400. Nach unserer Umrechnung sind dies Ende 2019 = CHF 42'461. Bei Feldman/Kanai startete das Los bei CHF 40'000 und stieg dann auf CHF 50'000 + 15%.

Das sechsthöchste Ergebnis bei Caspary war ein schöner Brief der Two Pence "Post Office"-Ausgabe, Early Impression



Dieses Los erreichte hohe US$ 2'200 (= CHF 38'922 per 31.12.2019), dies war viel mehr, als der Schätzpreis von US$ 800. Im Katalog Feldman 1993 fand ich keinen Brief mit einer solchen Einzelfrankatur.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 29.06.2020 21:32:01 Gelesen: 828# 22 @  
@ Heinz 7 [#21]

Die Lose 646, 649 und 647 waren alles "Post Paid"-Marken, Earliest impression.

Lose 646+647: One Penny
Los 649: Two Pence

Die Lose erreichten US$ 1'900, 1'500 und 1'800 (also CHF 33'615, 26'538 und 31'845 nach unserer Umrechnung per 31.12.2019) und belegten damit Platz 7, 9 und 8 in der Caspary-"Hitliste". Los 647 kann ich gerne wieder zeigen, es entspricht dem Kanai/DF-Los Nummer 8



An der DF/Kanai-Auktion 1993 erzielte diese Marke "nur" CHF 19'000+15%, und landete in dieser Liste nur auf Platz 49. Los 649/Caspary wurde zu Los 25/DF-Kanai mit einem Zuschlag von CHF 20'000 (=Platz 47 1993er-Auktion).

Ebenfalls US$ 1'500 erreichte 1958 Los 667, und platzierte sich somit auf Platz 9 ex aequo mit Los 647.



Dies ist eine sehr seltene Two Pence PENOE-Abart ungebraucht der Post Office-Ausgabe/Intermediate Impressions. Meines Wissens hatte Kanai keine solche Marke.

Nachdem ich so die zehn höchsten Ergebnisse der Caspary-Auktion vorgestellt habe, lässt sich wohl definiv sagen: Caspary hatte zwar eine prächtige Mauritius-Sammlung, die aber bei Weitem nicht an Kanai (oder auch nicht an Burrus) herankam, weder im Umfang, noch in der Bedeutung (Anzahl Raritäten). Ferner sehen wir, dass die meisten Stücke, die in BEIDEN Sammlungen waren, 1993 weit teurer bezahlt wurden als 1958 (kaufkraftbereinigt).

Heinz
 
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