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Thema: Transnistrien
Altmerker Am: 11.08.2020 16:51:33 Gelesen: 198# 1 @  
Ist die Pridnestrowische Moldauische Republik ein Separatistenstaat und die Zeitung „Pridnestrowje“, ein Organ der Separatisten, das „fest die Interessen Russlands vertritt“? Und die herausgegebenen Briefmarken Separatisten-Wertzeichen?

Die Zeitung in russischer Sprache ist im Einzelhandel und im Abonnement zugänglich. Ihr 25-jähriges Bestehen wird 2019 mit einer Sondermarke begangen. Politische Beobachter sehen die Interessen Russlands und des separatistischen Dnjestr-Gebiets völlig übereinstimmen. Doch Transnistrien verkörpert eine interessante kulturelle Mischung aus russisch-ostslawischen und rumänischen Elementen sowie Überresten jüdischer und osmanischer Kultur.

Mit Ende der Sowjetunion strebte Moldawien einen Austritt aus der Sowjetunion an. Die Nationalisten schafften Russisch, bis dahin die Sprache zur interethnischen Kommunikation und die bevorzugte Sprache der Minderheiten, als Amtssprache ab. Im wirtschaftlich bedeutenderen Transnistrien waren die rumänischsprachigen Moldauer jedoch in der Minderheit, die dort lebenden Russen, Ukrainer und anderen Minderheiten sahen durch die neue Politik Moldaus ihre Rechte als bedroht an.

So erklärte Transnistrien bereits im Jahre 1990, als die Region offiziell noch zur Sowjetunion gehörte, seine Trennung von der Moldawischen SSR, falls diese sich von der Sowjetunion lösen wolle. Dies wurde von der moldauischen Regierung jedoch nicht hingenommen.

Nachdem sich dann 1991 Moldau formell für unabhängig von der Sowjetunion erklärte, versuchte das nun unabhängige Land mit militärischen Mitteln die Region zurückzuerobern, was zu einem Bürgerkrieg im Jahr 1992 führte. Mit Unterstützung der in Transnistrien immer noch stationierten russischen Armee konnte das Land seine de-facto vollständige Unabhängigkeit erringen, und Moldau verlor die Kontrolle über das Gebiet.

Am 22. Juli 1994 unterzeichneten der Präsident der Pridnestrowische Moldauische Republik Igor Nikolaevich Smirnov und der Vorsitzende des Obersten Rates Grigory Stepanovich Marakutsa eine Satzung „Über Presse und andere Massenmedien". Die Zeitung „Transnistrien“ wurde an diesem Tag vom Ausschuss für Fernsehen, Radio und Presse des Obersten Rat von Transnistrien unter der Nummer 404 registriert.

Das erste „Büro“ der Zeitung „Pridnestrowje“, die in Tiraspol erscheint, war Zimmer 27 im Hotel „Druzhba“ - ein Gemeinschaftsraum mit vier Betten, einem Nachttisch, auf dem die Schreibmaschine geparkt war, und mit einem Telefon. Der vorübergehende Aufenthalt im Hotel dauerte fünf lange Jahre.

Die Zeitung kündigte im September 1994 ihre erste Abonnementkampagne an. Es wurde festgelegt, dass das Blatt im A-3-Format in russischer Sprache fünfmal pro Woche auf vier Seiten veröffentlicht wird. Pro Jahr sollten planmäßig mindestens 250 Ausgaben erscheinen. Das klappte nur einmal nicht: 1996, als die Druckerei aufgrund von Finanzierungsproblemen den Druck einstellte und zehn Ausgaben die Abonnenten nicht erreichten.

Das Besondere der Zeitung besteht darin, dass sie offizieller Dokumente von nationaler Bedeutung sofort veröffentlicht, also ein Verlautbarungsorgan in besten sowjetischer Tradition ist. Gleichzeitig gilt „Pridnestrowje“ als offizielles Amtsblatt.


 
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