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Thema: Philateliegeschichte: Geschichte der Philatelie in Schwerin
Thomas S. Am: 10.01.2021 21:06:53 Gelesen: 365# 1 @  
Hallo Detlef,

zu Schwerin´s Philateligeschichte habe ich einmal in den mir vorliegenden Quellen angefangen zu suchen. Noch völlig unstrukturiert, aber ein paar Sachen waren schon zu entdecken. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für Dich wahrscheinlich keine neuen Infos sind.

Ich fange mal mit den Händlern an. Die älteste Briefmarkenhandlung scheint Eduard Spuhr gewesen zu sein. Hier der Eintrag aus „Das Deutsche philatelistische Jahrbuch 1931“von Bosshard und Seifert:



Er war auch Mitglied im „Internationalen Postwertzeichen-Händler-Verein“ (IPHV). In der PhilaHistorica 2/2013, S. 57 ff. wurde von Herrn Maassen ein Artikel über das Mitgliedertableau des IPHV aus dem Jahr 1910 veröffentlicht. Das Mitgliederfoto von E. Spuhr ist in diesem Tableau aus dem WM-Archiv enthalten:



Im Jahrbuch 1931 wurde ein weiterer Händler aufgeführt:

Mantow, Theo, Schwerin, Königsstraße 41, „Spezialität Alt- u. Neu-Deutschland".

In diesem Jahrbuch wurden damals auch bekannte Sammler aufgeführt. Aus Schwerin ist einer dabei:

Max Schmidt, mit dem Hinweis, dass er 1904 eine Veröffentlichung hatte: „Verzeichnis der kaiserlichen deutschen Marine-Schiffs-Posten“. Erschienen in Gößnitz.

Im Mitgliederverzeichnis des „Deutschen Philatelisten-Verband“ in Gößnitz aus dem Jahr 1900 war Max Schmidt nicht, oder vielleicht noch nicht?, als Mitglied gelistet. Hier die damaligen Mitglieder aus Schwerin, entnommen aus dem Jahresbericht 1900 des Verbandes:



Hier die Schweriner Mitglieder des IPV Dresden aus dem Jahr 1900, entnommen den Vertraulichen Mitteilungen des IPV, die Datumsangabe in der Klammer ist das jeweilige Eintrittsdatum:



Vielleicht finde ich noch Infos, sobald ich etwas habe schreibe ich hier.

Viele Grüße
Thomas
 
Detlef Am: 11.01.2021 15:23:32 Gelesen: 310# 2 @  
Hallo Thomas,

vielen Dank für die Eröffnung des Themas. Da hast Du mich jetzt natürlich in Zugzwang gebracht. Nachdem ich mir Dein Thema Postgeschichte Nürnberg angesehen habe reift in mir auch schon der Gedanke ein Thema zu eröffnen.

Da Deine Hinweise alle die Zeit vor 1945 betreffen, würde ich vorschlagen in diesem Thema auch nur diesen Zeitraum zu behandeln. Alles andere würde ausufern.

In den letzten Jahren habe ich eine Vielzahl philatelistischer Literatur studiert. Sehr ergiebig waren da die Bestände der Philatelistischen Bibliotheken Hamburg und München. Aber auch die Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern hat einen sehr guten Bestand.

Nicht zu vergessen natürlich die Rundbriefe der ARGE Mecklenburg-Vorpommern mit den interessanten Beiträgen von Herrn Fromm, den ich hier ganz besonders erwähnen möchte, die Informationen des Landesverbandes der Philatelisten Mecklenburg-Vorpommer e.V. (zwischenzeitlich aufgelöst), die Festschrift zum Mecklenburg Salon 2006 und die Rundbriefe des Schweriner Philatelisten Verein 1990 e. V., in dem ich auch Mitglied bin. Unbedingt zu erwähnen die persönlichen Gespräche mit Sammlern des Vereins.

Die organisierte Philatelie in Schwerin begann am 13. Oktober 1898. An diesem Tag wurde der "Mecklenburgische Postwerthzeichen-Sammler-Verein" gegründet.

In den Mecklenburger Nachrichten vom 18. 10. 1898 stand dazu:

„Am Donnerstagabend versammelten sich im Kasino, Pfaffenstraße, eine größere Anzahl hiesiger Herren zwecks Gründung eines Philatelistenvereins. Schon seit Längerem hatte man hier in Sammlerkreisen die Gründung eines solchen Vereins herbeigewünscht, mancher hatte seine wertvolle Sammlung vernachlässigt, weil ihm die Anregung fehlte. Daher wurde die Konstituierung eines Vereins, der die Interessen seiner Mitglieder auch nach außen hin wahrnimmt mit großer Freude begrüßt. Sämtliche Anwesenden traten sofort dem Verein als ordentliche Mitglieder bei. Es wurde beschlossen, einstweilen sich jeden Mittwoch Abends von 8 Uhr ab im Casino zusammenzufinden.“
Am 02. 11. 1898 erfolgte in der Zeitung schon eine Werbung neuer Mitglieder.



Im Vertraulichen Korrespondenz-Blatt philatelistischer Vereine Nr. 3 vom März 1905, Seite 99/100 wird der folgende Mitgliederbestand für den Mecklenburgischen Postwertzeichen-Sammler-Verein veröffentlicht:
"• Mahncke, Fritz, Spediteur, Schwerin 1. Vorsitzender
• Pommerencke, Hermann, Bankbeamter, Schwerin Schriftführer und Kassierer
• Fedder, Carl, techn. Eisenb.-Betr.-Sekr., Schwerin 2. Schriftführer
• Dr. Schmidt, Friederike, Schwerin Ehrenmitglied
• Lammers, Joseph, Fabrikant, Schwerin
• Eggers, Ludwig, Rentner, Schwerin
• Lindner, Paul, Kaufman, Schwerin
• Schiller, Ad., Kaufmann, Schwerin
• Mestermann, Peter, Registrator, Schwerin
• Spuhr, Eduard, Briefmarkenhändler, Schwerin
• Szabelski, Beleslaus, Briefmarkenhändler, Schwerin
• Hornemann, Max, Gen.-Agent, Schwerin
• Peters, Friedrich, techn. Eisenb.-Sekr., Schwerin
• Kleeberg, Georg, techn. Eisenb.-Sekr., Schwerin
• Gebert, Ernst, Kaufmann, Schwerin
• Lembcke, Heinrich, Photograph, Schwerin
• Steinhausen, Carl, Braumeister, Schwerin
• Grohmann, Rud., Opernsänger, Schwerin
• Krasemann, Hermann, Hotelbesitzer, Schwerin
• Frl. Mahncke, L, Rentiere, Schwerin
• Käcker, H., Fabrikant, Brühl i./M.
• Vollmershausen, Subdirektor, Stettin
• Gelbke, Rittergutsbesitzer, Kressin b. Gallin i./M.
• Raßmus, H, Greifswald
• Simonis, A., Alt- und Neu-Panstorf b. Remplin
• Cohen, E, Kaufmann, Schwerin
Das Sammlertreffen findet jeden 1. und 3. Dienstag des Monats im Hotel „Niederländischer Hof“, Schwerin, Wilhelmstr. Statt.
Vereinsorgan ist „Die Post“
Der jährliche Beitrag beträgt 6 M resp. 4 M, kein Eintrittsgeld."
 
Detlef Am: 11.01.2021 17:02:10 Gelesen: 301# 3 @  
Meine Informationen zu Eduard Spuhr:

Seit 1895 betreibt Eduard Spuhr einen Briefmarkenhandel in der Pfaffenstraße 15.
Lt. Adressbuch 1900: Antiquariats-Buchhandlung und Leihbibliothek, Königsstr. 25 a, Wohnung in der Landreiterstr. 15 a
Lt. Adressbuch 1905: Antiquariats-Buchhandlung und Leihbibliothek v. Eduard Spuhr Nachf. (Inhaber Kaufmann Carl Rehberg), Wohnung in der Apothekerstr. 24 b
In den Adressbüchern 1926,1935 und 1940 wird Eduard Spuhr nur noch als Schriftsteller , wohnhaft in der Pfaffenstr. 15 geführt

Firmenbriefe von Eduard Spuhr:




Der Firmenbrief eines weiteren Händlers (Hedler), zu dem ich bisher keine weiteren Informationen habe.


 
Detlef Am: 12.01.2021 15:31:51 Gelesen: 251# 4 @  
Weitere Hinweise zu Schweriner Philatelisten

Im Vertraulichen Korrespondenzblatt philatelistischer Vereine von 1922 werden die den Bund Deutscher und Osterreichischer Philatelisten-Vereine angehörigen Vereine aufgezählt. Dabei:

• Internationaler Philatelistenverein Dresden, Ortsgruppe Schwerin

Als Mitglieder der Ortsgruppe werden folgende Mitglieder erwähnt:
• Dr. Drewitz, Regierungsbaurat, Schwerin Mitglieds-Nr. 3871 *
• Hafermalz, Polizeibeamter, Schwerin Mitglieds-Nr. 3959 *
• Hahn, Oberregierungsrat, Schwerin Mitglieds-Nr. 3958 *
• Rese, Hermann, Bankbeamter, Schwerin Mitglieds-Nr. 3712 *
• Scheibe, Werner, Bankbeamter, Schwerin Mitglieds-Nr. 3713 *
• Wiegels, H., Zahnarzt, Schwerin Mitglieds-Nr. 4143 *

*) Quelle: Korrespondenzblatt philatelistischer Vereine Nr. 5 für August-November 1920
 
Thomas S. Am: 12.01.2021 19:50:32 Gelesen: 218# 5 @  
@ Detlef [#2]

Hallo Detlef,

tut mir sehr leid, ich wollte Dich auf keinen Fall in Zugzwang bringen.

Dank Deiner zahlreichen Infos passt ein weiteres kleines Puzzleteil in das Gesamtbild. Im „Illustrierten Briefmarkenjournal“ Heft 1 aus dem Jahr 1927, S. 21, fand ich diesen kleinen Artikel über den Ankauf der „Mahnkeschen Sondersammlung von Mecklenburg“ durch die mecklenburgische Landesregierung:



Nach Deinen Informationen war Fritz Mahncke im Jahr 1905 der 1.Vorsitzende des Mecklenburgischen Postwertzeichen-Sammler-Vereins und ein Frl. Mahncke Mitglied des Vereins. Ich nehme mal an, dass es sich in dem Artikel um deren Sammlung handelte. Sehr spannend, diese scheint beeindruckend gewesen zu sein.

Viele Grüße
Thomas
 
Detlef Am: 13.01.2021 16:45:33 Gelesen: 178# 6 @  
Hallo Thomas,

ich greife den Namen Mahncke gleich auf.

Ja, die Sammlung ist schon beeindruckend. Ich hatte Ende des letzten Jahres die Gelegenheit mir die Sammlung anzusehen. Sie liegt im Depot des Staatlichen Museums Schwerin.

Die Schweriner Mahnke-Sammlung

Die Mahnke-Sammlung, eine Zusammenstellung von über 800 Belegen aus der Vorphilatelie und aus der Markenzeit von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg Strelitz, ist das Ergebnis der Sammel- leidenschaft von Fritz Mahnke.

Fritz Mahnke wurde am 10. August 1880 in Schwerin geboren und übernahm später das Speditionsunternehmen seines Vaters, des Hofspediteurs Carl Mahnke, am Schweriner Schweinemarkt. Er heiratete am 17. 04. 1906 und aus der Ehe entstammten zwei Töchter und ein Sohn (Quelle: Schweriner Volkszählungsliste von 1919). Am 22. Dezember verstarb Fritz Manke in seiner Wohnung in Rostock-Gehlsdorf (Quelle: Standesamtsauszug von Rostock vom 27. 12. 1945).

Mit dem Briefmarkensammeln begann er bereits in der Jugend, als es noch üblich war, „Generalsammlungen“ anzulegen. Er spezialisierte sich dann aber auf die Ausgaben von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz und vermied es damals schon die Marken aus den Umschlägen auszuschneiden, sondern bewahrte diese als Belege auf. Sein Ansinnen war es, die vollständigste Mecklenburg-Sammlung zusammenzutragen.

Schon früh teilte er sein Interesse mit Gleichgesinnten und gehörte zu den Mitbegründern des Mecklenburgischen Postwertzeichen-Sammler-Vereins, der am 13. Oktober 1898 in Schwerin gegründet wurde (Quelle: Mitgliederliste aus „Vertrauliches Korrespondenz-Blatt“ Nr. 3 vom März 1905). Seit dem 15. November 1916 war er auch Mitglied (Nr. 2101) des Internationalen Philatelisten-Verein Dresden (Quelle: Der Philatelist 12/1916).

Auf der vom 15.- 22. Oktober 1922 stattfindenden Postwertzeichenausstellung in den Räumen des Zoologischen Gartens in Berlin stellte Fritz Mahnke seine Sammlung „Mecklenburg-Schwerin/Mecklenburg-Strelitz“ aus. Seine Sammlung wurde mit einer kleinen Goldplakette ausgezeichnet.

Nach der Inflation soll die Firma Mahnke in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein. Es wurde der Entschluss gefasst, die Sammlung zu veräußern. Es drohte der Sammlung das Schicksal, in alle Winde zerstreut zu werden. Trotz auch damals knapper Kassen entschloss sich der Freistaat Mecklenburg zum Ankauf und übergab sie dem Schweriner Museum. Die Sammlung wurde aber nicht wie allgemein geschrieben durch Fritz Mahnke, sondern durch seine Ehefrau, der er die Sammlung zwischenzeitlich gegen Zahlung einer lebenslangen Rente übertragen hatte, verkauft (Anlage-Kopien des Kaufvertrages und anderer in diesem Zusammenhang entstandenen Dokumente aus dem Archiv des Staatlichen Museums von Schwerin).

Im Zusammenhang mit dem Kauf und der Übergabe an das Museum wurde auch festgelegt, dass die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich sein soll. Wegen der besonderen Bedingungen für die Aufbewahrung wurden im Etat Mittel eingeplant, um einen Schrank mit über 150 herausziehbaren Fächern zu bauen, der die Belege vor künstlichem Licht schützt. Ausgestellt wurde dieser Schrank in einem Raum, der kein Sonnenlicht eindringen ließ. Man sprach daher auch von einem „Schatz der dunklen Kammern im Schweriner Schloss“.

Die „Mecklenburgische Zeitung“ vom 08. Januar 1936 widmete diesem „Schatz“ einen umfangreichen Artikel (Anlage). Der Schweriner Sammler Günter Theile geht in einem Bericht in den Rundbriefen der ARGE „Mecklenburg“ auf das Thema ein (s. 7124 und 7125).




Bis zum Beginn des II. Weltkrieges war die Sammlung in dieser Form als ständige Ausstellung im Schloss aufgebaut. Mit den zunehmenden Bombardierungen auch von Schwerin wurde die Mahnke-Sammlung zusammen mit anderen Kunstgegenständen, Münzen und Gemälden ausgelagert. Wenn Günter Theile in seinem Bericht davon ausgeht, dass die Sammlung 1942 ausgelagert wurde steht dem gegenüber, dass in den Auslagerungsort, den Salzstock in Grasleben bei Helmstedt, erst nach Mitte 1944 die ersten Einlagerungen erfolgten und bis April 1945 anhielten. In den Unterlagen des Schweriner Museums ist zum Datum der Auslagerung nichts vorhanden. Allerdings hat der Schweriner Sammler Georg Albert noch am 20. Januar 1945 in einer vom Staatsarchivrat Dr. Steinmann in Auftrag gegebenen Bewertung über die Mecklenburg-Sammlung des Landesmuseums eine detaillierte Aufstellung angefertigt, die ohne das Material vorliegen zu haben kaum möglich gewesen sein kann (Anlage 2).

Nach dem Kriegsende erfolgte bis 1946 eine Umlagerung der eingelagerten Bestände des Schloss-museums Schwerin (63 Kisten) in das Schloss Celle. Dort begann im Herbst 1946 die Inventarisierung der Gegenstände in den Kisten. Eine Aufstellung der Münzen z. B. erfolgte erst 1952/1953. Wann die Aufnahme der Markensammlung erfolgte ist nicht zu ergründen. Dr. Mansfeld, der Direktor des Staatlichen Museums Schwerin weilte mehrmals im Kunstgutlager Celle um Einblicke in die Sammlungen zu erhalten und Rückführungen zu besprechen (Quelle: Lothar Prezell, Das Kunstgutlager Schloss Celle 1945-1958). 1958 wurde das Kunstgutlager in Celle aufgelöst und restlichen Bestände, darunter auch die Mahnke-Sammlung, an das Niedersächsische Landesmuseum in Hannover übergeben.

1961 gelang die Rückführung der Sammlung nach Schwerin. Sie wurde in einem mit den Zollsiegeln verschlossen Raum des Museums aufbewahrt und am 12. Dezember 1962 von Mitarbeitern des Museums und Beauftragten der Bezirkskommission Philatelie des Deutschen Kulturbundes mit Genehmigung des Binnenzollamtes geöffnet (Anlage-Protokoll vom 12. 12. 1962).

Vom 24. August bis zum 28. September 1963 wurde die Sammlung dann der Öffentlichkeit in einer Ausstellung gezeigt.

Auf dieser Ausstellung, die gemeinsam vom Staatlichen Museum Schwerin und der Bezirkskommission Philatelie des Deutschen Kulturbundes gestaltet wurde, stellte der Sammler Anton Schinkowski auch seine bereits ein Jahr zuvor auf der Welt-Briefmarkenausstellung „PRAGA 1962“ mit einer Bronzemedaille ausgezeichnete Sammlung „Aus der Postgeschichte der Stadt Schwerin“ aus.

Erst 35 Jahre später auf der „NORDPOSTA 97“ wurden letztmalig wieder Auszüge aus der Mahnke-Sammlung in einer Sonderschau gezeigt.



Im Ausstellungskatalog vom 1963 wird die Sammlung wie folgt beschrieben:
„In der jetzt ausgestellten Sammlung des Staatlichen Museums Schwerin sind auf über vierhundert Albenblättern rund achthundert Briefe aus der Zeit der mecklenburgischen Postgeschichte aufgebaut. Im Einzelnen enthält die Sammlung:
Über fünfhundert Briefe aus der vorphilatelistischen Zeit. Etwa einhundertdreißig Briefe sind nur mit aufgeklebten Marken vorhanden, darunter drei mit 12/4 der Nr. 1 und ein Brief mit 16/4 der Nr. 5. Die Marken Nr. 1 und Nr. 5 fanden auch vielfach als Zusatzfrankaturen der 3 und 5 Schillinge Verwendung, und zwar von ¼ bis 6/4.

Sechsunddreißig Freikuverts haben Zusatzmarken von ¼ bis 16/4, aber auch von 2, 3 und 5 Schilling.

Zu dieser vielfältigen Verwendung der Marken kommen noch die mannigfaltigsten, zum Teil sehr seltenen Stempel, sowohl in der vorphilatelistischen ersten Art der Langstempel, als auch mit dem in Mecklenburg üblichen Zweikreiser in Antiqua oder später in Blockschrift. Alle mecklenburgischen Stempel hatten zu dieser Zeit keine Jahreszahl.

Von den vorhandenen Stempeln sind sehr selten Boltenhagen, Heil. Damm, Kleeth, Klütz, Lalendorf, Ortkrug, Rosenow, Serrahn, Vellahn, Ventschow, Warnow, Zachun und Zickhusen.

Literaturhinweise:

Rundbrief der ARGE „Mecklenburg“ im BDPh
Mecklenburgische Zeitung
Schweriner Volkszeitung
Ausstellungskatalog der Postwertzeichenausstellung Berlin 1922
Ausstellungskatalog „Mecklenburgische Briefe und Briefmarken“ 1963
Ausstellungskatalog „NORDPOSTA 97“ 1997

Ob Fritz Mahncke seine Sammlung vor 1922 oder nach der Berliner Ausstellung bis zum Verkauf noch einmal ausstellte ist mir leider nicht bekannt und für Informationen bin ich immer dankbar.

Gruß Detlef
 
Detlef Am: 14.01.2021 14:13:32 Gelesen: 142# 7 @  
Schweriner Sammler als Mitglieder im Dresdner Philatelistenverein:

Der am 01. 01. 1877 gegründeten Internationalen Philatelistenverein von Dresden zählte im Maximum über 3.000 Mitglieder mit Ortssektionen in allen Teilen der Welt.



Zu diesen Mitgliedern zählten auch die Schweriner Sammler bzw. Händler

• Lammers, Josph, Fabrikant seit 1894 (Mitglieds-Nr. 1669)*
• Mestermann, Peter, Registrator seit 1897 (Mitglieds-Nr. ?)*
• Dr. Schmidt, Friederike seit 1898 (Mitglieds-Nr. 1892)*
• Spuhr, Eduard, Briefmarkenhändler
• Janßen, Carl, Bankbeamter seit 1914 (Mitglieds-Nr. 1927)*
• Mahncke, Fritz, Spediteur seit 1916 (Mitglieds-Nr. 2101)*
• Dr. jur. Schönherr, Werner, Jurist seit 1917 (Mitglieds-Nr. 2209)*

*) Quelle: „Der Philatelist“, Jg.1914 bis 1916
 

Die Schweriner Sammler Joseph Lammers und Peter Mestermann erhielten 1914 bzw. 1917 die Ehrendiplome für 20-jährige ununterbrochene Mitgliedschaft im Dresdner Verein.
 

Detlef Am: 16.01.2021 13:57:46 Gelesen: 102# 8 @  
Philatelistische Aktivitäten der Schweriner Sammler in der Zeit vor 1945

Dr. Schmidt, Friderike (betitelt sich selbst als „Fika“ Schmidt“)

Sie hat sich um 1900 große Verdienste bei der Erforschung der Mecklenburgischen Poststempel gemacht. Dazu veröffentlichte sie eine umfangreiche Artikelserie in der Mitteldeutschen Philatelisten-Zeitung mit „Fälschungs-Nachrichten“ in den Heften des XII. und XIII. Jahrgangs von April 1903 bis April 1904 unter dem Titel:

„Mecklenburg. Eine Studie für Specialisten“



In dem Artikel gibt sie zunächst einen Überblick über die Mecklenburger Postgeschichte, beschreibt dann die Marken und Ganzsachen von Mecklenburg und Strelitz und geht dann auf die Abstempelungen in Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz ein.

Persönliche Daten von "Fika" Schmidt (soweit bekannt.):

geb. Adelheid Friederike. Sophie Ahrens, geboren am 24. Sept. 1860 in Wismar
gestorben am 22. Sept. 1927 in Schwerin
Tochter des Gutsbesitzers auf Gramkow bei Proseken
Verheiratet mit Dr. Friedrich Wilhelm Schmidt, geb. 26. April 1851 in Schwerin, gest. am 10. November 1900
Wohnt von 1894 bis 1896 auf dem Rittergut Rögnitz im Amt Wittenburg, ab 1896 wieder in Schwerin
Am 15. Februar 1898 als Mitglied Nr. 1892 im Internationalen Philatelisten-Verein Dresden aufgenommen.
Ehrenmitglied des Mecklenburgischen Postwerthzeichen-Verein in Schwerin.

Schnelle, Gottlieb

Er war Kaufmann und Philatelist. In einem Artikel im Rundbrief der ARGE Mecklenburg Nr. 83 (Seite 8301 – 8306) arbeitet Dr. Heinz Geistefeldt heraus, dass Informationen und Belege von Gottlieb Schnelle eine große Hilfe für die Forschungen von Frau Dr. Fika Schmidt waren.
Weiter geht aus dem ARGE-Artikel hervor, dass G. Schnelle 1874 Freimarken von Mecklenburg-Strelitz in Fachblättern angeboten hat und das sein gesamter noch vorhandene Markenbestand nach seinem Tode an den Rostocker Briefmarkenhändler W. Lundquist veräußert wurde.
 
philapit Am: 17.01.2021 17:45:35 Gelesen: 60# 9 @  
Hallo Sammlerfreunde,

ein kleiner Beitrag von mir zur Philatelie "Schwerin".

MVP Mi.Nr. 16 - verzähnt als EF auf Bankbrief vom 10.1.46 nach Wismar.



Nichts besonderes aber nett.

Bleibt gesund!
Philapit
 
Thomas S. Am: 17.01.2021 19:03:20 Gelesen: 46# 10 @  
@ Detlef [#8]

Hallo Detlef,

vielen Dank für Deine zahlreichen und interessanten Informationen über die Schweriner Philatelie! Klasse was Du da schon alles zusammentragen konntest.

Bei Friederike Schmidt ist mir aufgefallen, dass Sie bereits 1898 als promoviert angegeben war. Dies war zur damaligen Zeit äußerst selten und der Zugang für Frauen zum universitären Studium meist nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich. Mecklenburg war 1909 sogar das letzte Land in Deutschland, dass den Zugang von Frauen zum Studium erlaubte.[1] Es wäre sehr spannend mehr über das Studium und die Promotion von Dr. „Fika“ Schmidt zu erfahren. Durch Deine zusätzliche Information, dass sie mit Dr. Friedrich Schmidt verheiratet war kommt jetzt natürlich auch die Möglichkeit in Frage, dass Sie wie damals noch üblich den Doktortitel ihres Mannes in der Öffentlichkeit führte?

Zu Deiner ursprünglichen Frage nach Schweriner Sammlern bei Ausstellungen habe ich bisher leider noch nichts finden können. Ich habe mir noch die Veröffentlichung der F.I.P.P. zur IPOSTA 1930 organisiert. In diesem sind die Preisträger aufgelistet, bei diesen war jedoch leider kein Schweriner Sammler dabei.

Ich konnte bisher nur die Sammler „G. Albert“ und „H.Löhn“ als Preisträger bei der nationalen Briemarkenausstellung 1940 in Berlin entdecken. Aber die kanntest Du ja bereits.

Viele Grüße
aus Nürnberg
Thomas

[1] Siehe https://idw-online.de/de/news10367, abgerufen am 17.01.21; Vgl. auch Boeck, Gisela und Lammel Hans-Uwe, Frauen in der Wissenschaft, Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte Band 16, 2011.
 
Detlef Am: 17.01.2021 19:08:28 Gelesen: 45# 11 @  
Guten Abend Thomas,

Friderike Schmidt führte tatsächlich nur den Doktortitel ihres Mannes.

Gruß Detlef
 
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