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Thema: Abenteuer auf der Reise – Auge in Auge mit der örtlichen Postverwaltung
Das Thema hat 27 Beiträge:
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Bendix Gruenlich Am: 10.04.2021 21:52:52 Gelesen: 3390# 3 @  
Und hier noch alle sechs Kostbarkeiten, nicht optimal getrennt, aber wunderschön:


 
Bendix Gruenlich Am: 18.04.2021 21:22:01 Gelesen: 3261# 4 @  
Liebe Sammler,

ich teile heute einmal folgende Erfahrung mit Euch (für Freunde der Jagd, der Gegenwartsphilatelie oder des Sammelgebiets).

1992 fand ich mich im August in der Türkei. Also, wenn man schon mal auf Tour ist, gehört selbstverständlich ein Besuch des Postamtes in der nächsten größeren Stadt für den Philatelisten zum festen Teil des Besuchsprogramms.

Manavgat, mit 200.000 Einwohnern mittelgroße Stadt, befindet sich im Bezirk Antalya, nah an der Küste und in der Nachbarschaft zum antiken Side (Apollon-Tempel, griechisches Theater). Tourismus spielt eine entscheidende wirtschaftliche Rolle, internationale Besucher sind daher allgegenwärtig.

Als man in die Post reinkam, war vielversprechend, dass sich im Eingangsbereich der Post ein Rahmen mit verschiedenen Sondermarken befand, eine Präsentationsform die sich so ähnlich auch in den 1970er bis 1990er Jahren in den Postämtern Deutschlands finden lies.

Allerdings fielen die niedrigen Nominalen und die leichte Verblasstheit der Farben auf (typische Folge lang anhaltender Lichteinwirkung – nun ja, unter anderem wurde ein Block aus dem Jahr 1987 gezeigt, die Ausgaben waren daher ca. fünf Jahre alt).

So war denn auch festzustellen, dass die ausgestellten Marken, gar nicht verfügbar waren. Am Schalter habe ich dann nach „pul“ = Briefmarken und „filateli“ gefragt.

Nachdem der Tarif für Postkarten nach Deutschland klar war (TRL 1.500), habe ich aus den vorrätigen Marken eine Auswahl (siehe unten) mitgenommen. Herrlich, mal lässt sich Seite für Seite im Vorratsbuch zeigen, was da ist.
Vorfinden konnte man Marken aus den Jahren 1990-1992, insbesondere Freimarken – vorrätige Sondermarken waren Einzelwerte aus Sätzen. Ein Angebot vollständiger Sätze im Sinne einer philatelistischen Konfektion gab es nicht.

Daraus schließe ich
• Eine Limitierung des Verkauf von Marken nur satzweise fand daher in diesem Postamt nicht statt, obwohl die Auflagen der Sätze von zwei oder vier verschiedenen Nennwerten zu der Zeit einheitlich 0,6 Mio. Stück betrug
• Verfügbarkeit von Sondermarken = eine bedarfsmäßige Verwendung war einem breiten Publikum möglich

Andere Länder, andere Sitten – das macht das Reisen ja so spannend. So auch die Designs und Themen (siehe unten)

• Allgegenwärtig in der Türkei ist Kemal Atatürk, so auch auf den Freimarken. Er hat es wohl verdient:
- Kriegsheld des ersten Weltkrieges und des anschließenden Verteidigungskrieges gegen die schier maßlosen Annektionsaktivitäten der Ententemächte und ihrer Parteigänger
- Staatspräsident, radikaler Reformer, Schöpfer der modernen westlich orientierten Türkei – ihm haben wir es zu verdanken, dass wir die Beschriftung auf türkischen Briefmarken lesen können (in dem er das lateinische Alphabet eingeführt hat)
- Säkularisierer, aber auch autoritär. Dem Alkohol soll er auch zugetan gewesen sein, nun ja.
• Tiere (nicht mein bevorzugtes Motiv, aber hier mit lokalem Bezug was Tierwelt und Entwurf angeht, auch die Farbauswahl ist nicht kontinentaleuropäisch)
• Olympiade 92 – hier ist es schön zu sehen, dass die in der Türkei und in der Region allgemein populäre Sportart Ringen, es auf den Höchstwert gebracht hat
• Die Marken mit Postbezug (150 Jahre türkische Post und Mittelmeerkabel) haben eher Freimarkencharakter, man findet sie häufig in der Tagespost dieser Zeit.

Die unten gezeigte gestempelten Marken mit Normalstempel sind echt gelaufen und weisen den typischen türkischen Handstempel (am Schalter aufgelieferte Post). Die gezeigte Postkarte wurde hingegen in den Briefkasten geworfen und zeigt eine abweichende Stempelform.

Ebenfalls landestypisch ist der große Respekt und die Hilfsbereitschaft, die in der Türkei dem ausländischen Besucher entgegengebracht werden, was auch hier half, die Sprachbarriere zu überwinden (und da darf man sich nichts vormachen, was vermutlich im umgekehrten Fall schwerer wäre).

Bereits seinerzeit litt das Land an Inflation, die sich in den Folgejahren immer weiter emporschaukelte und 2004 zu Millionennominalen führte (weswegen die Mitnahme von Freimarken höherer Nomialwerte seinerzeit einfach nicht ratsam war).

Den unten gezeigten Block erwarb ich mit meinen letzten Banknoten (alles musste weg!) in einem Souvenir-Shop (dort lagen ca. 100 Blöcke lose übereinander, ich glaube zum Preis von TRL 12.000, was seinerzeit ca. DEM 2,40 entsprach. Die Nominale der prächtigen Atatürk-Ausgabe von 1981 beträgt immerhin TRL 500. Im Ausgabejahr entsprach das einem Gegenwert von ca. USD 4,00 bzw. DEM 7,50 oder dem Porto für rund 50 Inlandsbriefen.

Eine soweit gelungene Erfahrung, die Atatürk-Freimarken und die Sonderausgaben der 1970er blieben aber meine Favoriten.






 
Bendix Gruenlich Am: 08.05.2021 14:26:58 Gelesen: 3092# 5 @  
Abenteuer in Deutschland? Aber ja!

Erstens wird doch wohl jeder von uns seine Erfahrungen mit Postlern gemacht haben (viele gute, leider manchmal schlechte). So war es seinerzeit (wir schreiben das Jahr 1994) nicht selbstverständlich auf Service ausgerichtete Postmitarbeiter zu finden. Ich wache noch heute schweißgebadet auf, wenn mir im Traum der Giftzwerg begegnet, der mir als Dreizehnjährigen (1982) immer wieder gesagt hat „Haben wir nicht, kriegst du nicht, watt willste“ nur wenn ich mal eine Woche nach Ausgabetermin nach der Vorrätigkeit von irgendwelchen Neuheiten gefragt habe. Ich hätte es vielleicht vergessen, wenn es ein einmaliges Ereignis gewesen wäre, aber das Personal der Ämter meines hassgeliebten Heimatstädtchens, war darin spezialisiert, einen zu kujonieren.

Zweitens beginnt das Abenteuer doch schon immer bereits dann, wenn wir unsere Wohnhöhle verlassen. Wer weiß, was einen da erwartet? Vielleicht auch ein Grund, warum wir unsere Sammlung zu Hause lassen, wenn‘s rausgeht. Es soll ihr nichts passieren (oder sind wir da etwa übervorsichtig – erst geht es für die Marken über hunderte und tausende Kilometer vom Absender zum Empfänger -und dann, nichts mehr, Stillstand?). Wir sind da selbst mutiger; oder muten wir uns da mehr zu?

Wie dem auch sei, tatsächlich ging es seinerzeit auf Radtour (nix geplant, nix vorgebucht, nur die Richtung war klar, wo abends Schluss war – das war die Überraschung, ein paar Banknoten in der Tasche – Aus dem Leben eines Taugenichts).

Und es ist doch erstaunlich, kaum sind wir draußen und von zu Hause weg, schon wenden wir uns aus der Ferne (mit einem Kärtchen) nach Hause und lassen die anderen wissen: wir sind unterwegs, wir machen da was - aber an Euch, da haben wir gedacht.


 
Bendix Gruenlich Am: 15.05.2021 17:18:45 Gelesen: 3007# 6 @  
Wer das Abenteuer im Ausland sucht, kommt auch in Deutschland auf seine Kosten. Denn das ist doch eine Frage der Perspektive - wer von außen zu uns kommt, muss das Treiben hier ja auch als exotisch wahrnehmen (isses ja auch). Und Deutschland ist so verschieden. Man fährt 100 km und trifft die Sprache leicht verändert an, die Architektur wird anders, usw, usw. Ständen wir uns gegenüber, wir würden staunen.

Wem das nicht reicht und wer die Reise noch bunter haben will, kann ja auch von deutschem Boden aus, einen Abstecher ins Ausland machen, wir haben schließlich 3.758 km Außengrenze.

Z.B. kurz nach Frankreich. Da kam ich auf der Reise vorbei, und befand mich, ehe ich mich versah, ebenda und habe zielgerichtet anno 1994 die Post in Lauterbourg angesteuert. Dort wurde ich mit den unten gezeigten Marken belohnt. Nun sind Motive immer eine Geschmacksfrage - ich war von der Qualität der Marken jedenfalls schwer begeistert.



Und war das jetzt ein gutes Geschäft und die richtige Entscheidung?

Mir gefallen die Marken immer noch, und es ist erstaunlich. Sehe ich die, sind die immer mit der Reise und der verkaufenden Postlerin verbunden (da fand ich bemerkenswert, dass die 1 km hinter der deutschen Grenze, im Elsass, vorgab kein Deutsch zu verstehen – habe ich halt in rostiges Französisch gewechselt. Und natürlich wollte ich herausfinden, ob das jetzt Franzosen oder Deutsche sind. Was ist da dran an den Konflikten der Vergangenheit, die immer wieder zitiert werden, und was ist die kulturelle Realität? Also, wenn die Postlerin nicht aus Paris vom Geheimdienst geschickt wurde, um deutsche Reisende zu täuschen, dann dominiert das Französische).

Und wenn Ihr meinen vorherigen Beitrag gelesen habt, wo ich mal wieder über meine lokalen Postler in meiner Heimatstadt (50.000 Seelen) hergezogen bin. Was bekomm ich in einem französischen 3.000 Einwohner Städtchen? Ein tolles Markenheftchen Französisch-Schwedische Beziehungen (1,5 Mio. Auflage – was seinerzeit deutlich unterdurchschnittlich war) – na also, es geht doch.

Fazit: die Marken sind unbezahlbar.

Ach ja, und die Franzosen, die könnte ich immer noch verkleben, während es sich die Deutsche Post sich bei der Euro-Einführung nicht hat nehmen lassen, die ausgegebenen Marken zu devaluieren (mich ärgert vor allem, dass man sie nicht mehr benutzen kann - echt schade um die Fülle der tollen Motive).

Deswegen sage ich heute mal: Vive la France!
 
Bendix Gruenlich Am: 22.05.2021 23:39:35 Gelesen: 2908# 7 @  
Und manchmal kommt man bei der Reise unter die Räder – genau wie das unten gezeigte Stück, das Blessuren aufweist. Ich tippe auf einen Fehleinzug der Sortier- / Stempelmaschine.

Man sieht, dass das Reisen in Deutschland auch gefährlich sein kann.



Waldshut am Rhein, seinerzeit hatte ich das Postamt in Waldshut zum Depot gemacht, denn man konnte seinerzeit noch Pakete inländisch poste restante versenden, perfekt zum Wäschewechsel. Bei der Gelegenheit wurde noch ein Kärtchen nach Hause geschickt.

Völlig unbeschadet hingegen kamen die einen Tag zuvor in Basel beschafften Marken an. Denn die wurden auf der dortigen Hauptpost gekauft, dann im Gepäck verstaut und sicher nach Hause transportiert.

Werfen wir mal einen Blick auf die Schweizer (die nach der Heimkehr natürlich im Triumpfzug begleitet mit einem festlichen Essen und geistigen Getränken, in die Sammlung eingefügt wurden):



- Kunstwerke von Frauen – die 60er und der Höchstwert gefallen mit gut (Wer hätte daran gezweifelt, dass Frauen gute Designer sind? Denk ich an meine Schulzeit zurück, waren meine Mitschülerinnen in dem Bereich in der Mehrzahl einfach deutlich leistungsfähiger. Also: uns liegt hier eine politisch geprägte Ausgabe vor, und ich habe eine Vorliebe für gute Propaganda)
- die Jahrestage – so kennt man die Schweizer: nüchterne Designs. Interessant ist die Idee, vier unterschiedliche Themen in einem Satz zu packen. Also Formate gleich, Gestaltung und Gedenkanlass heterogen.
- Buchdruck - für meinen heutigen Geschmack bieder designte Ausgabe – andererseits die Qualität, für die Schweizer Marken in der Sammlerschaft geschätzt werden. Pralle Farben, ja wir sind in den 90ern.

So, eine Laudatio haben die guten Stücke heute also auch noch bekommen.

Da können wir schon nicht mehr von Gebrauchsgegenständen sprechen, sondern müssen wohl den Begriff des Kultgegenstandes verwenden – also damit höchsten Weihen, nämlich in unsere Sammlung aufgenommen worden zu sein.

Und was für Zeiten, kosteten damals nicht CHF 100,-- noch DEM 120,--? Das entspräche 1 EUR = CHF 1,62. Da soll noch einer sagen, das Sammeln von Briefmarken sei ein Verlustgeschäft.
 
Bendix Gruenlich Am: 29.05.2021 23:43:27 Gelesen: 2823# 8 @  
Jede Reise geht einmal zu Ende (denn wir gehen ja auch auf die Reise um wieder glücklich – sprich unversehrt – nach Hause zu kommen). Die letzten Etappen gingen vom Bodensee nach München. 1.000 km Deutschland + Besuch bei den Nachbarn. Phantastisch vielseitig – wie unsere Markenwelt.

Auf der Hälfte der Strecke ging noch mal eine Karte nach Hause, aus Schongau. Drehte man sich nach Süden um, sah man die Alpen.

Also noch einmal auf die Post – und toll wieder eine andere Marke zum Postkartentarif.

Gestempelt im Stil der Zeit – lesbar, mit Ortsbezeichnung. Maschinenstempel mit Werbezudruck, damals für Philatelisten nicht die bevorzugte Form der Entwertung.

Wie wurde anno 1994 gesammelt: überwiegend saubere Normalstempel. Und die Zeiten ändern sich, heutzutage soll es doch der Vollstempel sein, der Ort und Zeitpunkt angibt. Dann noch echt gelaufen und Bedarf, am besten noch als Beleg – soviel Platz muss man erst einmal haben, denn da kommt über die Jahre einiges zusammen.


 
Cantus Am: 29.05.2021 23:56:19 Gelesen: 2818# 9 @  
@ Bendix Gruenlich [#8]

Wir sind vor Jahren einmal über Luxemburg gekommen. Meine Frau sammelte damals Münzen und in einem kleinen Ort suchten wir eine Bank und trugen unsere Wünsche nach Sonder- und Gebrauchsmünzen vor. Daraufhin ging der Bankbeamte extra in den Tresorraum und holte frische Münzrollen für uns heraus. In Deutschland undenkbar.

Viele Grüße
Ingo
 
Bendix Gruenlich Am: 13.06.2021 00:19:31 Gelesen: 2719# 10 @  
Höchste Zeit mal gen Osten aufzubrechen. So im Jahr 1995, als man Deutschland wiedervereinigt vorfand (jetzt schon seit 31 Jahren – sensationell, wer hätte das, sagen wir einmal 1988, gedacht).

Bin Westler, wäre aber 1989/90 gerne nach Ostdeutschland und Berlin gefahren, Atmosphäre schnuppern. Dank meines seinerzeitigen zwangsweisen 15-Monats-Aufenthalt im Staatsdienst (mit Reiseverbot für das Warschauer Pakt-Gebiet und lausiger Bezahlung unter Grundsicherungsniveau, war ans Reisen nicht zu denken). Mann, war ich froh, als ich am 30.06.90 meine persönliche Freiheit wiedergewann (deshalb ist 1990 auch das Jahr der Befreiung, jawohl).

Also, sagen wir der Repression Ade. Und erinnern wir uns des Preises der Freiheit: es wurden leider die DDR-Marken und wohl als notwendige politische Konzession in diesem Zuge auch die Berlin-Marken ungültig (schade, schade - aber seien wir mal froh, dass die bundesrepublikanischen Marken bis zum 30.06.2002 gültig blieben). Wir Deutschen glauben ja immer, wir seien Weltmeister in allem - bei der Gültigkeit von Postwertzeichen sind wir das jedenfalls nicht und mit Blick auf die Vielzahl der Teilgebiete kann man uns wohl nur als Raubstaat bezeichnen.

Die Marke habe ich in Eisenach gekauft und in Weimar verschickt. Das war die seinerzeit erhältliche Sondermarke für Postkarten. Motiv Regensburg, aber selbst von einem Philatelisten kann man nicht verlangen, dass er immer nur dahin fährt, wo sich bei der Post im Ausgabejahr eine spezifische passende Ausgabe finden lässt.

Die Post in Eisenach war seinerzeit noch unrenoviert und hatte den Charme eines höchstfunktionalen, seit Jahrzehnten im erfolgreichen Betrieb befindlichen Postamts. Bester Service im Bereich Marken und Pakete durch selbstbewusster Postlerinnen (die wussten, was sie taten).



Hier noch ein Beweis, dass ich seinerzeit auch wirklich in Thüringen war (von wegen alles nur vorgegaukelt, alles gefälligkeitsgestempelt, alles nur gefaked, das ist ja gar kein Bedarf, Du hast Dein Zuhause gar nicht verlassen, sondern bei Hermann E. Sieger bestellt usw. usw.): die Thüringer auf dem Domplatz in Erfurt kostete seinerzeit DEM 1,00 pro Stück, und ich habe drei davon verputzt. Na, überzeugt?

Vom Rheinland nach Thüringen, da ist doch auch was dazwischen. Aber was? Also gut, musste eh noch ein paar Neuzugänge wegsortieren, nahm mir daher die letzten 60 Seiten meiner Deutschland-Sammlung vor (Lücken, Lücken, Lücken – aber die DEM-Marken-Ungültigkeitserklärung zusammen mit der voraussichtlich nicht dauerhaften Aufbewahrungsfähigkeit selbstklebender Marken in postfrischer Qualität hat eben ihre dauerhaften seelischen Schaden hinterlassen).

Das Ziel: du findest irgendwas was zum Thema

Die Erkenntnis: es gibt Leben zwischen Düsseldorf und Weimar!

Untenstehend Beweise auf Briefmarke:

• Die innerdeutsche Grenze ist weg? Nein, sie besteht immer noch, nur ist sie heute ein Naturschutzgebiet und ein Wanderweg. Kaum zu glauben (tolle Farbwahl)
• Tradition: im preußischen Teil des Weges galten mal Marken des Norddeutschen Postbezirks – die deutsche Post würdigt das mit einer Sonderausgabe – zu Recht
• Wer auf der Reise Hunger kriegt, für den gibt es deutsche Spezialitäten. Deutsches Brot – ich war schon an vielen Orten, sage aber mit voller Inbrunst: hier gibt es das Beste! Für einen Marke zu Ehre des deutschen Brots wurde es höchste Zeit
• Frankenberg / Eder – fantastische Fachwerkstädte lassen sich in Hessen entdecken. Hier Fachwerk mit Ziegelornamenten. Prachtvolles Deutschland!
• Die Wartburg – mit ein Idealbild für die Burg im deutschen Mittelgebirge – ich war da seinerzeit Essen (ja, wir sind halt Republik)
• Gehört zum Thema: Reformer oder je nach Perspektive mitteldeutscher Aufrührer und Populist – Martin Luther – Design der Marke: Zitat einer bekannten ikonographischen Darstellung
• Gotha – noch ein Schloss, aber in Thüringen gab es ja auch genug Fürstenhäuser
• Auf der Strecke allgegenwärtig: deutscher Wald (kaum Autobahn, kaum Eisenbahn, alles ist Mittelgebirge, kleine Städte – Deutschland Land der Romantik) und mittendrin satter grüner Wald und dünn befahrene Landstraßen
• Gebrüder Grimm – legendäre Sprachwissenschaftlicher, die kennt in Deutschland jedes Kind. Hessen vermarktet sich touristisch als Märchenland und die Waldgegenden, die wirken an manchen Stellen auch so wunderbar verwunschen.
• Prachtvolle Bauten – allerorten zu finden, hier ein Beispiel vor der Styroporisierung deutscher Fassaden



Na, Lust bekommen auf die Gegend? Ich hab es ja vor kurzem im „Luxusgut-Artikel“ in diesem Forum gesagt: Briefmarken sind sinnliche Inspiration auf kleinstem Raum.

Sinnliche Inspiration? Wie wäre es zum Schluss mit zusätzlich was zu Essen. Habe just diese Reise (bzw. die zweite Etappe von Morsbach nach Biedenkopf) vor ca. zwei Monaten kulinarisch mit Gästen geehrt:

• Spargelsuppe
• Gebackene Forelle, Kartoffeln, Salat – dazu grüne Sauce
• Paprikaschnitzel mir Fritten und Krautsalat
• Apfelpfannekuchen
• Getränke: Quellwasser, lokale Biere, Wein vom Rhein, Doppelwacholder

Danach singt Ihr die Nationalhyme, also die deutsche, wenn das Essen gelungen ist!

Denn folgendes: das Anfeuchten von Briefmarkengummierung alleine macht nicht satt!

Und das waren Inspirationen (wenn auch von Hölzken auf Stöcksken) aus acht, auch noch unvollständigen sechs Jahrgängen deutscher Briefmarken.

Und da ist noch viel, viel mehr in unseren Alben, das es zu entdecken und wiederentdecken gibt.
 
Bendix Gruenlich Am: 26.06.2021 18:37:41 Gelesen: 2599# 11 @  
Abenteuer? Hier vielleicht noch eine von der Distanz (5.200 km) her wirklich abenteuerliche Destination.

Wir wäre es denn mal mit St. Pierre & Miquelon (Archipel vor der kanadischen Küste, letzte französische Kolonialbesitzung in Nordamerika, ehemals ein Fisch-Dorado – bis der Kabeljau ausblieb).

Erst einmal, wie kommt man dahin?

Bus 790 der Rheinbahn, dann S-Bahn nach Leverkusen, dort in die Regionalbahn – umsteigen in Koblenz. Dann nach Frankfurt, dann hopp, in den Flieger nach Halifax (dann ist man schon mal in Kanada). Von da geht ein Flieger der Air St. Pierre nach St. Pierre (und das hab ich mir nicht ausgedacht, sondern 2019 wirklich so gemacht).



Das Postamt auf St. Pierre ist ein prägnanter Bau am Hafen.



Am Nachmittag kam ich auf St. Pierre an – erst einmal Postkarten besorgen (beim Fotografen Michael Briand wurde ich fündig). Abends ins Restaurant, bei der Gelegenheit schon mal Karten geschrieben und Frankaturen angebracht.

Zugegeben, diese Aktion hatte ich detailliert vorbereitet (Tarif erfragt, bei der Post die Gültigkeit der Marken abgefragt, schon zu Hause die Frankaturen vorgedacht, mögliche Dimensionen vorgeplant), denn hier durfte man wohl nichts dem Zufall überlassen. Wann ist man schon auf dem Archipel?

Die freundliche Antworten von dort (ich erhielt gleich zwei): alle Marken seien noch gültig, wenn sie die Bezeichnung „St. Pierre & Miquelon“ bzw. SPM tragen. Darunter alte Franc, CFA-Franc (entspricht dem alten Franc), neue Franc und Euro.


 
Bendix Gruenlich Am: 03.07.2021 19:48:38 Gelesen: 2506# 12 @  
Es gab auch einmal eine Periode (1976-1985), wo die Inseln als französisches Departement geführt wurden und Marken des Mutterlandes ohne Aufdruck benutzt wurden.

Bis heute sind für SPM über 1200 Michel-Nrn. verzeichnet.

Unfassbar, es sind also auch noch die Marken in den Kolonialzeichnungen gültig, deren Kleinstwerte sich in unterschiedlichster Erhaltung in vielen Anfängersammlungen finden.

Beim Katalogpreisniveau fällt auf. Dass die Marken bis 1976 zum Teil sehr hohe Katalogwerte aufweisen, z.B. Nominale FRF 4,00 – Katalogwert EUR 24,00 postfrisch. Das Niveau ändert sich, nach der Wiederaufnahme der Emission eigener Marken in 1986, z.B. FRF 5,00 - Katalogwert EUR 3,40 postfrisch.

Auflagen nennt der Michel für die Marken bis ca. 2015 keine, erst danach werden sie vereinzelt verzeichnet, z.B. 50.000 für eine Sondermarke mit gängiger Nominale, 40.000 für einen Block.

Die Einwohnerzahl des Archipels beträgt ca. 6.000 (90% auf der kleineren Insel St. Pierre mit 26 km², nur 10% auf der 10mal größeren Insel Miquelon/Langlade). Gehen wir also davon aus, dass das Interesse von nicht auf SPM ansässigen Sammler hoch ist.



Über den Sinn eigener Briefmarken für ein Gebiet mit 6.000 Menschen kann man streiten. Gehen wir aber davon aus, dass es nicht nur Lokalpatriotismus ist, sondern konkrete wirtschaftliche Vorteile Motive gibt.

Die Nennwerte erscheinen im Vergleich mit denen des Mutterlandes hoch, dafür weisen die Marken die gleiche hervorragende Qualität wie die des Mutterlandes aus.

Und sie sind dauerhaft gültig.......das ist einfach stark! Also man hält sein Versprechen, ohne dass es der Post weh tut, denn selbstverständlich hat die Inflation, die Nominalwerte devaluieren lassen.

Günstig war, dass ich kurz vor meinem Aufenthalt, eine Partie Marken aus den Jahren 1990 bis 2002 für einen Bruchteil (ca. 35%) ihrer Nominale erstehen konnte, ca. 300 Stück, so dass ich aus ich aus dem Vollen schöpfen konnte.

Zeit für einen Beleg



Und zwei Impressionen - Blick auf Saint Pierre und auf das menschenleere Langlade (subarktische Wildnis) von der Ostseite der Insel St. Pierre aus.



(wird fortgesetzt)
 
Bendix Gruenlich Am: 11.07.2021 19:39:11 Gelesen: 2420# 13 @  
SPM / Teil 3

Als ich das Postamt am folgenden Tag betrat, schlug mir das Herz, denn das war doch wirklich unglaublich.

Ich ging dann erst einmal zum Schalter, dort lagen unter Glas die vorrätigen Marken. Habe Kleinstwerte erworben und alles was mir gefiel (es waren ungefähr die Ausgaben der letzten drei Jahre vorrätig). Bedienung war bestens, allerdings war es vorteilhaft, noch etwas Schulfranzösisch sprechen zu können.

Als Appetitanreger ein Blick auf einen Teil der Beute



Ich zog mich dann zurück, gegenüber vom Schalter konnte man sich setzen (ca. drei Sitzplätze) und in Ruhe die Karten vervollständigen, einen A4-Umschlag an Sammlerfreunde hatte ich auch dabei.

Es war ganz schön Betrieb, viele Einheimische waren vor Ort (insbesondere Paketdienst). Wer auf St. Pierre seine Briefpost haben will, muss übrigens auch die Post besuchen, denn es gibt nur Postfächer, keine Hauszustellung (wobei das wirklich kein Problem wäre, so groß ist die Insel nicht).

Dann alles bestückt und mit klopfenden Herzen zurück an den Schalter und um Handstempelung gebeten. Hatte darauf hingewiesen, dass ich alles EUR-cent-genau vorgerechnet habe, habe auch noch einmal den Betrag erläutert.



Der Postler war aber völlig aufgeräumt, professionell und nicht überrascht. Er sagte mir die gewünschte Entwertung zu (und hat Wort gehalten - einfach hervorragende Arbeit!). Habe mir bei der Gelegenheit noch historische Kleinstwerte abstempeln lassen (was für ein Souvenir!).

Und da schauen wir mal gemeinsam drauf.

• Mi-Nr 73 von 1909: Auf SPM dreht sich alles um die See und die Fischerei. Mit einem Seemann / Fischer wurde daher ein treffendes lokales Motiv gefunden. Typische erste Kolonialzeichnung, die es für jedes französische Gebiet im einheitlichen Format zweifarbig gibt. Das Nominal beträgt alte Franc 0,01. Seinerzeit bestand Goldstandard, so gelingt eine Umrechnung, das entsprach 0,82 Pfennig. Und da die Marke bis zur Entwertung 110 (!) Jahre später gültig war, gucken wir mal auf den Wert in EUR. Das waren EUR 0,0000152449.
• Mi-Nr 134 von 1932: Die nächste Serie der Kolonialzeichnung, Franc 0,02 - Hügel mit Leuchtturm.
• Mi-Nr 170 von 1938 – mit alten Franc 0,02 ebenfalls der Kleinstwert. Bedenkt man, dass zu der Zeit ein Inlandbrief in Frankreich 0,75 Franc kostete, spürt man, dass dieser Wert keine große kommerzielle Bedeutung gehabt haben kann. Man sieht Schlittenhunde, weil es dort im Nordatlantik mit 120 Frosttagen pro Jahr eher frisch ist
• Mi-Nr 381 von 1957 – jetzt in CFA-Franc, der dem alten Franc entspricht. Nominal Franc 0,40. Ein Inlandsbrief in Frankreich kostete seinerzeit alleine schon 15,00. Man sieht einen Kabeljau, der Reichtum des Gebietes (und übrigens auch Neufundlands) und die wirtschaftliche Grundlage der Inseln zu dieser Zeit. Tragisch, dass man ihn massiv überfischt zu haben scheint. Moratorium / Fangverbot in 1992 – bis heute immer noch keine Erholung.
• Mi-Nr 375 von 1955 – für meinen Geschmack toll gezeichnet, im Stichtiefdruck der Refrigerateur, also das Kühlhaus. Das steht noch, wenn es auch nicht mehr im Betrieb gewesen zu sein schien, es liegt außerhalb der Siedlung, die Straße endet dort. Dort findet man das Ding, zusammen mit Infrastruktur (Öltanks etc., typisch Überseegebiet). Nominal CFA-Franc 0,40.
• Mi-Nr 347 von 1947: ein Fels vor Langlade, Marke ebenfalls in hervorragender Qualität ausgeführt.



Das sind die Marken, die wir in vielen Anfängersammlungen finden (sei es von SPM oder anderen französischen Überseegebieten). Das lässt den Schluss zu, dass diese Werte vor allem hergestellt zu sein scheinen, um an Sammler verkauft zu werden, zum kleinen Preis, daher die niedrigen Nominalen (mich würde mal interessieren, wie seinerzeit der Vermarktungsmechanismus war und wieviel die Post mit den ganzen Kolonialzeichnungen eingenommen hat). So sind mir diese Stücke über die Jahre auch in die Hände gefallen, sozusagen als Beifang.

Teilweise fehlte die Gummierung. der älteste Wert wies Spuren von ca. vier Falzen auf, auch bei den Werten aus den Fünfziger war noch Falz festzustellen. Was lag also näher als, wo ich schon mal da war, die Marken zu veredeln. Auch weil gestempelte Marken mir seltener erscheinen, als postfrische. Also alles Spielerei? Also mir hat das wahnsinnigen Spaß gemacht, die sind Bestandteil meiner Sammlung, und ich freue mich und schmunzle, wenn die sehe und ich daran erinnert werde, dass ich wirklich vor Ort war. Auch das Datum des Aufenthalts kann ich jetzt nicht mehr vergessen. Waschechte Trophäen also!

Einen Wert in CFA-Franc immerhin konnte ich noch sinnvoll nutzen.



Ich bin anschließend noch für ein paar Wochen nach Kanada gefahren (es gibt Fährverkehr von SPM nach Kanada, der Fähranleger – ist ja klar – legt direkt hinter der Post), aber von Freunden hörte ich, die Post sei rasch angekommen.



Es wäre auch möglich gewesen nach Miquelon überzusetzen, dort gibt es ebenfalls eine Poststelle, aber die Fähren fahren nicht täglich und es war leider, leider nicht wirksam mit Kanada zu synchronisieren (das muss alles sehr detailliert geplant werden, Unterkünfte sind rar und man muss schauen, wo man über Nacht bleibt).

Übrigens SPM-Tourismus weist auf ihrer website darauf hin, dass eine Anreise auch mit dem eigenen Boot möglich ist, Ankerplätze gibt es südlich der Post im Segelschulhafen. Meiner Meinung nach der am besten auf den Aufenthalt vorbereitende Anreiseweg (7 Tage auf See und dann in den sicheren Hafen einlaufen – das wäre doch was, da stimme ich sofort ein Seemannslied an...)

Also Leute, Anker auf!
 
Bendix Gruenlich Am: 28.11.2021 12:11:20 Gelesen: 2096# 14 @  
Reise? Dann schauen wir doch einmal was da geht (siehe Foto, oben beginnen - von links nach rechts)



1. Als erstes brauchts da mal Ferien - Gott sei Dank haben wir Deutschen einige Tage an Urlaub im Jahr, darum beneidet uns die Welt. Um das zu feiern gab‘s von der Post eine Marke - natürlich für den Postkartentarif, denn kein Urlaub ohne Urlaubsgrüße

2. Begeben wir uns also auf die Reise, die in meinem Fall (meinem Wohnort) immer in Deutschland beginnen muss. Schwarz-Rot-Gold sind unsere aktuellen Farben. Also gut, bleiben wir doch erst einmal in Deutschland

3. In 1996 war Ostdeutschland für einen Westdeutschen noch exotisch – denn der friedliche Umbruch war nur wenige Jahre alt. Unglaublich, wie schnell das damals ging, und unblutig – seien wir da froh.

4. Also los geht’s...mit der Eisenbahn...in wenigen Stunden ist man weit weg....und kommt in Mecklenburg an

5. Mecklenburg, also „Ostzone“ wie mein von dort stammender Großvater immer gesagt hat. Und was ist eine der größten Errungenschaften der DDR? Genau, es ist das Sandmännchen, denn nach einer guten Geschichte schläfts sich einfach besser. Gönnen wir unseren Jüngsten dieses Vergnügen der letzten leisen Aufregung vor einem tiefen, erholsamen Schlaf.

6. Früher Sommer in Norddeutschland, da kann man solche Felder und Alleen antreffen wie auf der Marke.

7. Norddeutschland, da hat die Hanse ihre bis heute sichtbaren Spuren hinterlassen, bis sie von der Kriegsmaschinerie des 30 jährigen Krieges zermalmt wurde

8. ...und dann bewegen wir uns der Küstenlinie lang von West nach Ost – Wismar – so schön, dass es Weltkulturerbe wurde

9. Rostock – Stadt mit architektonischem Licht und Schatten

10. Rügen und seine Steilküsten

11. Nochmal Rügen diesmal im DDR-60er-Jahre Design (pastellfarben, gefällig fürs Auge)

12. Stralsund – Tor zu Insel Rügen – hier Rathaus der Weltkulturerbestadt

13. Ostseeküste: mit der einzigartigen Mischung von Kiefernwäldern und Sandstränden

14. Sassnitz – Fährhafen für Schweden. Also, setzen wir über......und schauen im kommenden Beitrag, was da zu finden war.
 
Bendix Gruenlich Am: 11.12.2021 17:38:09 Gelesen: 1951# 15 @  
Es wurde höchste Zeit, das jetzt auch einmal fortzusetzen. Etwaig zwischenzeitlich aufgekommene Gerüchte, das Schiff – also die Fähre nach Schweden – sei vermutlich seinerzeit gesunken, und daher könne der Bericht nicht fortgeführt werden, sind natürlich falsch.

Nein, die Überfahrt war unkompliziert und nach wenigen Stunden landete ich in Ystad an.

Ach ja, Schweden und Skandinavien – deutsche Sehnsuchtsorte, deswegen sind auch die Gebiete bei uns Sammlern ungewöhnlich beliebt. Woran liegt das? Vermutlich eine Form von „Ewig singen die Wälder“-Romantik – da finden völkerwandernde Deutsche bevorzugt im Wald, immer ganz plötzlich und überraschend freundliche, junge, blonde Mädchen vor, die seit einigen Jahren auf einen warten. Schön, dass sie eine Hütte an einem See hat, in der ihr bleiben könnt, bevor ihr sie auf Euer weißes Pferd hebt und sie nach Wolfsburg, Leverkusen oder Gelsenkirchen, wo ihr als Diplom-Ingenieur arbeitet, mitnehmen könnt.

Märchenhaft schön jedenfalls sind die Briefmarken des Landes, insbesondere ab Beginn der 1970er Jahre. Bis dahin waren die Marken von erstaunlich nüchternen, meist ein- / zweifarbigen Designs im Stichtiefdruck geprägt.

Auch danach noch haben die Schweden einen Großteil ihrer Marken gestochen, übrigens bis heute, auch wenn zunehmend mehr Offset eingesetzt wird.

Ganz typisch sind die Verkaufsformen in Schweden. Freimarken werden in den Poststellen von großen Rollen verkauft, Sondermarken in der Regel im Heftchen (also im Zusammendruck, mit einem i.d.R. leichten Karton außen herum – was sehr angenehm ist, weil man die ins Album stecken kann, ohne dass das ausbeult. Dazu gibt es einen erläuternden Text, seinerzeit nur auf schwedisch – das aber für uns Germanen nicht schwer zu verstehen ist.

Dabei muss man vor allem den Gebrauchswert eines Heftchens schätzen: die Briefmarken wirksam schützend, mehrere Exemplare bevorratend, gut in Brief- oder Handtasche aufbewahrbar, damit leicht zu transportieren und immer zur Hand.

Ich bin in Schweden keinen sprachlichen Barrieren begegnet, die nicht leicht zu überwinden gewesen wären. Englisch war unproblematisch, Deutsch erstaunlich weit verbreitet.

Nach der Anlandung habe ich Westkurs eingeschlagen - und schon ist man in wenigen Kilometern in der schwedischen Großstadt Malmö. Da bin ich dann in der Innenstadt auf die Post.

Auf der Post gab es eine große Auswahl an Ausgaben. Die gingen - wir schreiben das Jahr 1996 - bis 1992 zurück. Die letzten beiden Jahrgänge waren vollständig da, viel auch aus Vorjahren. Insgesamt eine sehr erfreuliche Ausbeute, da freut sich der Sammler.

Hier zwei Beispiele

a. Damit Ihr Euch in Schweden einfühlen könnt: schwedische Häuser zum Inlandstarif
b. Einer meiner absoluten Favoriten: Design des frühen 20. Jahrhundert – diese phantastischen Muster und prachtvollen Gegenstände! Bereit, auch heute noch aufgestellt zu werden. Ich liebe das blaue Tapetenmuster. Sagenhaft!



Und weil die Beute so reichhaltig war noch eine Stichprobe

a. Passte wunderbar zur Überfahrt mit der Fähre: historische Segler
b. Goldschmuck – ebenfalls im Stichtiefdruck



Und dass Briefmarken auch einen Zweck haben, sieht man mal wieder hier. Natürlich echt gelaufen - sieht gut aus, macht neugierig, was für eine schöne Überraschung für den Empfänger.



Und man kann so ziemlich jede Marke seit 1920 noch benutzen – allerdings ist die Nominale einer Marke aus den 1950ern (SEK 0,05 bzw. 5 Öre kaum nutzbringend zu gebrauchen). Übrigens habe ich seinerzeit noch Kleinstwerte kaufen können. Die niedrigste Wertstufe war SEK 0,05, also EUR 0,005 bzw. DEM 0,01.

Ich bin hier als Sammler voll auf meine Kosten gekommen. Wenn Ihr also sagt, dieser Beitrag ist hier wie ja eine Werbesendung für das Sammeln schwedischer Briefmarken, dann ist das schon richtig. Hier hat einfach alles gestimmt.

Ich bin noch ein paar Tage die Küste entlangetourt – und in Halsingborg nach Dänemark übergesetzt. Aber das ist dann eine andere Geschichte.
 
bignell Am: 11.12.2021 18:35:24 Gelesen: 1937# 16 @  
@ Bendix Gruenlich [#15]

Hallo Bendix,

weil Du "Ewig singen die Wälder" erwähnt hast: Für alle die nur den Film kennen, unbedingt die Bücher von Trygve Gulbranssen: "Und ewig singen die Wälder", "Das Erbe von Björndal" und "Heimkehr nach Björndal" lesen. Auch wenn die Filme gut sind (ähnlich wie "Die Geier-Wally" von W.v.Hillern), die Bücher sind aussergewöhnlich. Und witzigerweise sehr unterhaltsam auch für jemanden wie mich, der sonst eher auf Fantasy, Science Fiction und Horror steht.

Liebe Grüße,
harald
 
Bendix Gruenlich Am: 09.01.2022 11:26:45 Gelesen: 1788# 17 @  
Kommen wir zum Ende der Reise und würdigen Dänemark philatelistisch.

Leider ist aus Dänemark seinerzeit (1996) keine Karte erhalten geblieben bzw. die Empfänger haben nicht abgeliefert (das kann man halt nicht immer erzwingen), aber ein Besuch auf der Post in Helsingör war erfolgreich.

Ein vollständiger Satz aus 1994 Schlösser war zu bekommen (in Prestigeverpackung, die auch noch erhalten geblieben ist - auf der Innenseite mit ETB-ähnlichen Erläuterungen - das ist ja ganz schön, aber in der Masse so platzeinnehmend), ein paar Sondermarken aus 1996 (Einzelverkauf der Marken eines Satzes fand statt) Segelboot und Ergänzungsmarken zum Auffrankieren auf Postkarten für den seinerzeitigen Deutschland-Tarif.



Insbesondere die Freimarke ist eine Würdigung wert. Immerhin 54 (Stand 2020) verschiedene gibt es, dann noch 35 mit zugedruckten zusätzlichen kleinen heraldischen Herzen. Dieses Design ist 1921 zum ersten Mal erschienen und wurde bis heute beibehalten. Diese Marken sind immer Öre-nominiert.



Ich finde die Schlichtheit des Entwurfs passt ganz gut zum Land, in dem ich es schwierig fand, einmal einen geöffneten Laden vorzufinden oder ein Restaurant (gut, ich habe zugegebenermaßen seinerzeit Kopenhagen umfahren und bin über Land gereist, aber das war schon augenfällig).

Selbst die Banknoten zu dieser Zeit waren auffällig unauffällig gestaltet.

Diese Schlichtheit zog sich auch durch meine seinerzeitigen Briefmarkenbestände des Landes, dass offenbar die Tatsache, dass man Marken auch vielfarbig und in frischen Farben drucken kann, ca. 30 Jahre nach anderen europäischen Ländern entdeckt hat.

Als Folge meiner Eindrücke habe ich dem Land, Dänemark-Freunde mögen mir verzeihen, den Titel des langweiligsten Landes der Welt verliehen.

Da nützen auch Olsen-Bande-Filme (die dänische Antwort auf James Bond?) oder die Tatsache, dass Dänemark in den frühen Siebzigern der Weltmarktführer des pornographischen Films war (bisher philatelistisch ungewürdigt), nichts.

Immerhin, die wenigen erschienen Marken sind häufig, preiswert und einfach zu bekommen. Auch wenn sich der Reiz häufig erst auf dem zweiten Blick erschließen mag, druckqualitativ gibt es nichts zu bemängeln. Ich erwarb über zwanzig Jahre später eine postfrische Sammlung 1970-1987 für übersichtliche EUR 40 (= 4 Abende beste Unterhaltung im Corona-Lockdown). Die Marken sind noch gültig (alles seit 1933 noch verwendbar) die Preise für Postdienstleistungen sind aber so unglaublich teuer geworden (Porto der Postkarte 1996 DKK 4,00 - heute (2022) wären DKK 36,00 ! fällig = ja, das sind ca. EUR 4,80), so dass eine wirtschaftlich sinnvolle Verwendung von Altnominalen schwierig ist (auf einer Karte wäre wohl nicht mal mehr Platz für ein Empfängerangabe).

Trotzdem, es macht einfach Spaß mal beim Nachbarland nachzuschauen, was da so vor sich geht.

Wer also irgendwo Dänemark-Marken liegen hat, sollte die mal herauskramen, durcharbeiten, sich eine eigene Meinung bilden und seinen Sammelhorizont erweitern. Den Impuls wollte ich heute einfach einmal geben.

Denn wer weiß, vielleicht sehe ich nur ein hässliches Entlein, und tatsächlich handelt es sich um einen prächtigen Schwan.
 
Bendix Gruenlich Am: 13.02.2022 11:45:04 Gelesen: 1610# 18 @  
Nach der Reise ist ja bekanntlich vor der Reise, hat doch Sepp Herberger so oder so ähnlich gesagt.

Aber wo könnte man da hinfahren? Da unterscheiden wie doch einmal drei Typen

1. Den, der immer woanders hinfahren muss. Entweder weil das eine Konsumerwartung ist oder weil ihn die Ruhelosigkeit (sei es aus Neugier, Eroberungswillen oder Todessehnsucht) von Kulturkreis zu Kulturkreis treibt. Solche Typen begegnen uns Sammlern in der Gestalt unbelehrbarer Alle-Welt-Sammler.

2. Dann gibt es den, der zwar das eigene Land verlässt und auch mal den Urlaubsort wechselt, aber immer in einen bestimmten Kulturkreis fährt, z.B. nach Frankreich, das bekanntlich groß ist - weil er Französisch spricht - oder in die Alpen, weil da immer gut Klettern ist. Das wäre der Typ Deutschland-Sammler zuzüglich eines spezifischen anderen Sammelgebiets.

3. Typ drei pendelt immer zwischen seinem Heimatort und dem traditionellen Urlaubsort (Wohnort Köln, Urlaub Gran Canaria - oder in extremer Ausprägung, wie mir kürzlich begegnet, Urlaub 30 Jahre lang immer an einem bestimmten Ort an der Nordsee.

Das liest sich vielleicht erst einmal trivial, kann aber durchaus Konflikte bergen:

• Typ 1 wird von Typ 3 für nicht ernstnehmbar, labil, per se verdächtig und letztlich auch gefährlich gehalten (weil er die Ordnung bedroht und den Horizont sprengt).

• Typ 2 ist der des limitierten, gut übersehbaren, weil ihn nicht überfordernden, Risikos.

• Typ 3 zeichnet sich in seiner Extremform durch eine überreinliche (keine Eckstücke, Versandstellenstempel)-Sammlung Deutschland unter Vordrucken aus. Etwas anderes käme auch nicht ins Haus, weil das nicht verstanden werden würde.

Wenn diese Typen interagieren, dann kommt es häufig zum Ausbruch von Wortscharmützeln entlang dieser Konfliktlinien - auch hier regelmäßig im Forum zu lesen. Das ist menschlich und gehört zu einer guten Diskussion.

So, wie kam ich noch darauf. Ach ja, ich ordne mich eher Typ 1 zu, aber nachdem ich im letzten Beitrag über Dänemark hergezogen bin (langweiligstes Land der Welt), wo bin ich da im nächsten Jahr hingefahren ?



Allerdings nur mit dem Ziel umgehend wieder nach Schweden überzusetzen. Ein Besuch der Post in Helsingör war allerdings wieder möglich, wo ich vorstehende farbfrohe Auswahl treffen konnte.

Wo da jetzt der Abenteuerfaktor ist? Nun:
• Wann seid Ihr zum letzten Mal zum Briefmarkenkaufen 780 km gefahren (das ist die Distanz vom Rheinland nach Helsingör)?

• ...in einer nächtlichen Zugfahrt - irgendein Nachtzug von Düsseldorf nach Hamburg, der irgendwann um Mitternacht losfuhr. Die Gestalten, die sich um diese Zeiten rumtreiben, sind schon einmalig und eine Bedrohung für jede bürgerliche Existenz. Das Rattern des Zuges durch die Nacht. Übernächtigt Umsteigen in Hamburg, mit der Eisenbahn und der Eisenbahnfähre über die Vogelfluglinie über See nach Kopenhagen. Wieder in einer anderen Großstadt orientieren, umsteigen.

• Bei solchen Aktionen muss man einfach auf dem Quivive sein.

Vogelfluglinie? 1963 eingeweiht. Das ist eine Verkehrsverbindung seinerzeit auch mit Eisenbahnfähre (also der Zug kam in die Fähre) über Fehmarn nach Dänemark bzw. von Dänemark nach Deutschland. Mit der Eisenbahn kann man heute nicht mehr fahren, die Verbindung ist eingestellt worden. Fährverkehr gibt es natürlich noch, aber auf Personen und nicht-schienengebundene Fahrzeuge beschränkt.

Zur Einweihung gab es übrigens seitens Westdeutschlands und Dänemarks Sonderausgaben. Ich habe ja an den dänischen Ausgaben das letzte Mal Kritik geäußert (zu bescheiden, unspektakulär). Aber bitte, urteilt selbst...



Na? Wie auch immer Euer Urteil ausgefallen ist (bildet Euch doch einfach selbst Eure Meinung und habt Freude an der einen oder anderen Gestaltung oder an beiden), ich wollte noch kurz erwähnen, dass die dänische Marke von Meister Slania gestochen wurde.

Mir gefallen beide

• Die deutsche Marke ist informativer, hier kommt schneller rüber was gemeint wird. Deutlich vielfarbiger und frischer. Thema und Vogelflugmotiv meiner Meinung gut verknüpft.

• Die dänische Marke ist ein erhabener Stichtiefdruck in grün und weiß. Man muss schon genauer hinschauen, um zu erkennen, was gemeint ist (oben Eisenbahn, in der Mitte eine Reifenspur = Straßenverkehr, der Fluss wohl für das Element Wasser und die See. Die Marke ist ornamentaler (und dafür habe ich eine Schwäche).

Michelwert ca. EUR 0,60 und damit unwürdig besprochen zu werden? Ich denke doch, die beiden Marken haben uns für 10 Minuten gut unterhalten. Ich rate davon ab, zu versuchen Kultur in Geldeinheiten zu messen.

Auch immer wieder faszinierend: Festzustellen, dass man die Infrastruktur, die hier auf Briefmarke gewürdigt wurde, auch einmal selbst benutzt hat.
 
Bendix Gruenlich Am: 01.03.2022 22:51:27 Gelesen: 1497# 19 @  
Ja, in der Ukraine war ich auch mal.

In 2014, kurz nach der Maidan-Revolution ging es nach Kiew, mit dem Ziel weiter nach Minsk zu touren.

Eigentlich gäbe es hier alleine von der ersten Etappe schon viel zu erzählen, aber wir alle sehen heute Bilder, die wir vor wenigen Tagen nicht für möglich gehalten hätten. Seinerzeit ging es nördlich aus Kiew raus, auf die Straße P02, durch Iwanow, an Tschernobyl vorbei, nach Owrutsch.

Kaum zu glauben, dass das in diesen Momenten eine Aufmarschstraße für russische Truppen zur Führung eines offenbar von langer Hand geplanten Angriffskriegs ist (wohl mit dem Ziel, das es in der Ukraine so schön bleiern zugeht, wie in Russland – also: man geht da auf die Straße, klappt das falsche Logo auf und schon ist man im Lager. Einfach die miesesten Tscheka-Methoden!).

Wenn es doch so toll in Russland ist, warum fliehen seit Jahrhunderten alle Nachbarn aus der eisigen Umarmung?

Widerlich! Geht nach Hause, ihr Drecksäcke! Was für eine Schande für alle Russen, die an daran teilnehmen!


 
fdoell Am: 03.03.2022 09:10:55 Gelesen: 1421# 20 @  
@ Bendix Gruenlich [#13]

In SPM gibt es auch mehrere Philatelisten. Einer hat einen Katalog herausgegeben und betreibt einen Briefmarkenhandel: Jean-Jacques Tillard [1]. Ich lernte ihn zufällig bei der ESTONIA 2020 am Frühstückstisch kennen (bevor ich wusste, wer er war). Er gewann dort den Grand Prix.[2]. Ein feiner Mensch! Und wenn ein Leser dieser Zeilen mal nach SPM kommt - Jean-Jacques spricht auch Englisch!

1 https://tillard-spm-philatelie.fr/
2 https://arge-baltikum.de/archiv_1-de.shtml (-> 2020, auf dem breiten Titelbild ist er im Gespräch mit dem Juror Thomas Höpfner)
 
Bendix Gruenlich Am: 27.03.2022 22:34:51 Gelesen: 1257# 21 @  
Dann schaue ich mal in das Jahr 2014 zurück. Ich wollte nach Weißrussland, die haben seinerzeit die Eishockey-WM ausgerichtet, und das war die einmalige (!) Gelegenheit mit einer Eishockeyeintrittskarte (für EUR 6,--, und zwar zum Spiel Deutschland vs. Kasachstan am 10.05.) visafrei und ohne bizarre bürokratische Prozeduren einzureisen.

Bei der Gelegenheit habe ich darüber gegrübelt, wie man am besten da einreist. Und siehe da, ab Dortmund (100 km von mir weg) konnte man mittels Wizz-Air direkt nach Kiew in die Ukraine fliegen. Das war nah dran und eine prima Gelegenheit die dortige Hauptpost zu plündern, so dachte ich.

Als ich am Flughafen ankam, wurde mir klar, dass ich ab hier „lost in translation“ sein werde, denn Englisch sprach kaum jemand. Also galt es mit 100 Vokabeln und einem auswendig gelernten kyrillischen Alphabet durch die Sowjetunion-Nachfolgestaaten zu touren. Dawaitsche!

Das ging schon beim Zoll los, ich hatte ein Fahrrad im Karton mit, das erregte Aufmerksamkeit. Der Taxi-Fahrer war ebenfalls nicht auf internationalen Besuch eingestellt. Aber natürlich, irgendwie geht das immer.

Auch auf der Post auf dem Maidan (die Maidan-Revolution war erst drei Monate her, es stand noch alles voll Barrikaden, irgendwelche uniformierten Gruppierungen standen noch wegen Spenden herum), hat die resolute (wie sind in der Ex-SU) Vorsteherin der Hauptpost mir zwar das verschafft, was ich wollte (Marken für Postkarten nach Deutschland), aber leider keine Sondermarken.

Eine Marke habe ich noch übrig und die ist noch immer gültig. Sie repräsentiert USD 0,70 (Auslandstarife werden in USD bepreist und zum Tageskurs abgerechnet).



Ich fuhr gegen die Zeit und wollte auch - wenn möglich - am 10.05. tatsächlich in Minsk sein, da wollte ich nicht zwei Tage verlieren, um die Öffnung des Philatelieschalters abzuwarten.

Also aufsitzen (auf den Fahrradsattel) und los! Die prestigeträchtigste Straße (und auch die optimalste Distanz) ging über die P02 an Tschnernobyl (Atomkraftwerkhavarie) vorbei. Ich habe mich im Hotel erkundigt, ob die Straße frei wäre. Das wurde bestätigt. Also bei bestem Wetter raus aus Kiew, hinein in die ukrainische Provinz, Atmosphäre schnuppern. Als ich aus Kiew raus war, wurde klar, mit Unterkünften wird das nicht einfach. Und dann zog es mich Kilometer um Kilometer in die Etappe hinein. Je weiter man vordrang, desto ländlicher und spärlicher besiedelt wurde es, aber auf Tour gilt: kein zurück.

Bei örtlichen „Produkty“ habe ich mich versorgt, da wurde kopekengenau herausgegeben, und dem schien auch ein wirtschaftlicher Wert beigemessen zu werden. Den „Fremden“ hat man mir angesehen und vor allem angehört. Irgendwie begegnete man ihm dabei mit einer gewissen Distanz, einer Art Schock, ein Stirnrunzeln, dass man nicht das örtliche Idiom sprach. Dabei stärker bei Frauen feststellbar als bei Männern, interessant. Aber so macht man das halt, man wirft sich ins Alltagsleben im fremden Land und irgendwie gehts immer. Da sind dann beide Seiten, so meine Wahrnehmung, hinterher positiv überrascht.

Nachdem ich in Iwanow, als einzige Herberge eine kleine Zimmervermietung neben einer Tankstelle gesehen hatte, beschloss ich einfach weiterzufahren.
Dann kam es wie es kommen musste: 40 km nach der letzten kleinen Stadt tauschte eine Schranke, ein Gebäude und eine schwer bewaffnete Wachmannschaft auf. Die Schranke war geschlossen!

Kein Durchkommen ohne Sonderausweis. Einer aus der Mannschaft sprach ein paar Worte Englisch, die Dienstgerade und der Wachoffizier nicht. Ja, sagte ich, da müsste ich wohl im Wachgebäude schlafen, was natürlich abgelehnt wurde (hatte ich auch nicht ernstlich vor), aber irgendwie musste ich bedeuten, das etwas passieren müsste.

Nun, für alles gibt es eine Lösung, und die bestand hier aus.....nun ja, nennen wir es eine Bearbeitungsgebühr von UAH 200,00 bzw. EUR 12,50, welche verdeckt in einem Stück Papier übergeben werden mussten. Mein Propass (ein Stück Papier) wurde sodann ausgefertigt und ausgehändigt und mit der Ermahnung, nicht den Weg zu verlassen, öffnete, sich die Schranke und mit militärischer Ehrenbezeugung wurde ich auf den Weg geschickt. Ich will hier nicht richten, vielleicht hat man mir einen Gefallen getan, und tatsächlich hätte es sonst kein Durchkommmen gegeben. Die Leute waren sanft (hätte auch ganz anders laufen können).



(gezeigte Marke habe ich 2016 im Filatelia-Geschäft in Iwanko-Frankiwsk gekauft)

Der Gruselfaktor war natürlich gewaltig, auch wollte ich mich in dem Abschnitt nicht länger als nötig aufhalten. Mir wurde auch die Ermahnung klar, den Weg nicht zu verlassen, im Sperrgebiet gab es nämlich eine kleine Geisterstadt, aufgegeben nach dem Unglück, bei der die Natur im Begriff war, sich das Gelände wiederzuholen. Katastrophentouristen lockt das an. Den Weg soll man nicht verlassen, weil überall noch verstrahltes Graphit rumliegen kann, das hat sich nämlich seinerzeit unregelmäßig verteilt.

Nach ca. 12 km kam dann der Austritt aus dem Sperrgebiet, wieder eine Schranke, dort eine Wache mit Maschinenpistole, dort sprach man besser Englisch „I am Ukrainian Police, do you have a gift?“. Mein Gott! Der Preusse in mir war geschockt, der Rheinländer in mir sah sofort die Notwendigkeit zum Kompromiss (EUR 5,00), zumal die Sonne unterging.

Im Hinblick auf den aktuell, in diesem Moment stattfindenden Krieg ist es interessant, dass dieser Kontrollpunkt genau an einer Straßenkreuzung, lag, weswegen dort eine Sperre auch angebracht war (nach Osten ca. 50 km bis Tschernobyl, nach Norden ca. 20 km nach Weißrussland - genau hier sind die Russen vorgestoßen, aus einem radioaktiv kontaminierten Sperrgebiet von der Weißrussischen Seite heraus-, nach Westen ca. 40 km nach Owrutsch).

Die Straße nach Owrutsch haben die Russen nicht genommen, sie ist eng und geht durch die Prypjat-Sümpfe links und rechts. Perfekt für leichte Einheiten zum Angriff auf Kolonnen.

Nun, für mich hieß es damals volle Kraft voraus, da keine Unterkunft mehr kam, musste ich nach Owrutsch und dort was finden. Irgendwann um 22h00 kam ich in dem staubigen Städtchen an, Gott sei Dank habe ich das Gasthaus „Panska Kata“ gefunden. Die nahmen mich - trotz skeptischen Blicks meiner Wirtin - auch auf. Nachdem die Formalitäten und die Bezahlung klar waren, hat mich die Wirtin auch sofort ins Restaurant (mit gehaltvoller osteuropäischer Küche, nebenan feierten mit einer Karaokemaschine, schöne Stimmung) geschickt. Und dass ist es, was so wundervoll am Gastgewerbe ist: die schauen nach uns, kümmern sich um uns, versorgen uns gut. Das zeichnete die Wirtin aus – sie erkannte, was nötig war. Wo wären wir, wenn wir solche dienstbaren Geister nicht hätten.

Vor kurzem schaute ich mir aus aktuellem Anlass die Original-Reiseunterlagen an. Sogar eine handgeschriebene Restaurantrechnung von diesem Abend fiel mit in die Hände, bedient wurde ich von Anna.

Und darauf will ich hinaus – alle diese Menschen denen ich begegnet sind, haben einen Namen, ein Leben und sind in Gefahr. Durch den aktuellen Krieg. Mein Gasthaus liegt in der besetzten Zone und wird beschlagnahmt sein, wenn es überhaupt noch steht, vermutlich werden da Soldaten ihr Unwesen treiben. Das ist unglaublich und auch ungeheuerlich.

Für was, Leute, für was?

Damit man die beherrschen kann, für nichts anderes. Damit man die als freier Mensch nicht mehr besuchen kann.

Und wem nützt das, man hat doch schon 144 Mio. Menschen, die man schikanieren und einschüchtern kann. Denn ein materieller Nutzen besteht doch nicht. Keinem wird es dadurch besser gehen. Nicht den 144 Mio. Russen (die mit Ihren Erdöl-Milliarden doch die Ernte der Ukraine einfach kaufen könnten), nicht den 40 Mio. Ukrainern.

Gut, man kann die Ukraine ausbeuten. Aber es ist doch eine Illusion zu glauben, dass käme den 144 Mio. in irgendeiner Form zu gute. Bleibt die Elite, dann fallen also ein paar Milliarden mehr den ca. 1.000 Profiteuren des Putin-Systems zu. Wertschöpfung, die die nicht ausgeben können, und damit auch keinen Zusatznutzen darstellen kann.

Das macht mich so wütend. Ich sehe die Zerstörung, die Toten, Menschen in Angst, die durch eine unberechenbare Soldateska bedroht werden. Kafkaesker Terror um des Terrors willen.

Ansonsten eigentlich ein tolles Abenteuer, ein irre Anekdote, die mit der einen nominallosen Marke verbunden ist. Also, Briefmarkensammeln soll langweilig sein?

Nur schade, dass der Krieg einen so unübersehbaren Schatten wirft, was ich hier nicht ignorieren konnte, weil mich das bewegt.
 
Bendix Gruenlich Am: 03.05.2022 22:47:52 Gelesen: 999# 22 @  
Dann mal wieder zurück nach Skandinavien und zu einem für den äußeren Betrachter idyllischen und völlig friedlichen Ort, nach Schweden. Es war diese spürbare Ruhe und Unbeschwertheit, die mich dazu bewog, das Land nochmals, aber an anderen Orten zu bereisen.

Dabei wirkte das Land so erstaunlich entspannt, wohlhabend und frei (und ja, auch das sei erwähnt - die Frauen waren schön und selbstbewusst), dass mir die Zeit als eine ganz unbeschwerte in Erinnerung ist. Mein vorher zu Rate gezogener Reiseführer meinte zu Land und Leuten, dass man sich darauf einstellen müsse, dass es in Schweden kühl und distanziert zugehe.

Tatsächlich wurde ich überall freundlich aufgenommen und habe bei der Unterkunftssuche tätige Unterstützung und viel Freundlichkeit erfahren, wie selten in einem Land.

So auch nicht anders auf der Post in Göteborg, wo ich den seinerzeit unterhaltenen Philatelieschalter ausfindig machen konnte (schließlich braucht jede Reise einen kleinen philatelistischen Höhepunkt - abgesehen davon, man kann ja nicht unterwegs sein, ohne ein paar Marken bei der Hand zu haben, oder? Wenn möglich natürlich die schönsten, die man finden kann). Hier war man noch besser sortiert als im Vorjahr in Malmö, die Auswahl ging gar bis in Jahr 1990 zurück.

Dann zeig ich mal einen Auszug aus der Beute:

Wie wär es denn mit schwedischem Film - oben rechts „Wilde Erdbeeren“ dürfte der international bekannteste sein (habe ich das letzte Mal vor 25 Jahren gesehen, seitdem in Giftschrank).



Passend zum sommerlichen Ausflug: der Sommer in der Kunst.



Außerdem war Inflation auch ein schon damals bekanntes Problem. Das Porto war gegenüber dem Vorjahr - meiner Treu! – um 7,7% gestiegen.



Freundlicherweise überließ man mir zum Einkauf die nachstehende Karte als Souvenir. Ihr seht, sie hat die Läufe der Zeit überlebt.

Und auf der Rückseite wurde für den Service geworben („vackra“ heißt übrigens „wunderschön“ und nicht „wacker“ oder „mutig“. Etwa weich geworden, die Wikinger?). Außerdem erfreulich lange Öffnungszeiten, 9-19h00.



Und war das damals nicht in einem Traditionsgebäude untergebracht? Hm, ich zweifle, also versuche ich, den aktuellen Standort zu finden. Gut, Post in Nordstan habe ich gefunden. Die ist jetzt im Einkaufszentrum untergebracht. Dies ist das Bild, das google dazu zeigt (und ja, es ist wirklich unglaublich - es zeigt die öffentlichen Toiletten!).



Also, eine Telefonnummer war auf der Karte auch angegeben (Vorinternetzeitalter). Gut, dachte ich, dann ruf ich jetzt mal an und klär das. Es klingelt....eine Stimme.... (warum nehmen die immer Frauen, mit Stimmen, die verlockend wie odysseusche Sirenen klingen, ich hab gleich zweimal angerufen) ...die sagt mir auf schwedisch, dass unter der Nummer niemand erreichbar sei.... Gut, also, tempi passati.

Aber es hätte wirklich schlimmer kommen können: stellt Euch vor, die Aufsicht über die Toiletten hätte den Hörer abgenommen..
 
Bendix Gruenlich Am: 03.06.2022 19:33:35 Gelesen: 822# 23 @  
Wenn man schon mal in Schweden ist, was liegt da nahe? Genau: ein Besuch Norwegens. Also auf nach Oslo, der unaufgeregten Hauptstadt Norwegens.
Hauptstadt = Hauptpost = Philatelieschalter = beste Bedienung für Sammler, so die Gleichung, die ich im Kopf hatte. Schauen wir also, ob die Erwartung aufging.

Norwegen weist eine erstaunliche Kontinuität aus, nämlich die eine der am längsten laufenden Freimarken-Zeichnungen der Welt zu nutzen - das norwegische Posthorn. Die erste Ausgabe erschien 1872, in neuer Dezimalwährung 1877 .....und die NOK-Ausgaben sind bis heute gültig. Ja, die allermeisten Marken dieses Landes sind noch oder wieder verwendbar. Ein gnädiger Gesetzgeber hat sogar verschiedene Altausgaben von 1945 und davor 1981 wieder für gültig erklärt. Halleluja!

Für alle die bisher nicht an Wunder geglaubt haben, hier eine Auswahl aus 100 Jahren Posthorn....und die 0,30er, die habe ich seinerzeit in Oslo gekauft.



Was erstaunlich an Norwegen ist, ist der Wandel vom armen Agrar- / Seefahrerstaat zum superreichen Wohlfahrtsstaat – durch, na was wohl: durch Öl und Gas. Meiner Meinung nach der Rohstoff, der am schnellsten reich macht, und zwar vorurteilsfrei: unabhängig von Rasse, Geschlecht, religiöser Orientierung oder Intelligenz. Man muss nur das Glück haben auf einer Gas- / Ölblase zu leben.

Aus der Beute vom Postbesuch zwei bemerkenswerte Heftchen (Auflagen ca. 1,2 Mio).

Erst einmal etwas mit - für meinen Geschmack - sehr konventioneller Zeichnung: 350 Jahre Postdienst in Norwegen. Mir gefallen die Zitate der Postbeförderung: ob per Läufer, Zug, Rad, Flugzeug, die Post bringt‘s - über Berge, das Meer, auch an ferne Orte. Eine tolle logistische Leistung – die Post überwindet alle Hindernisse und verbindet Menschen.



Höhepunkte der norwegischen Nachkriegsgeschichte - künstlerisch für meinen Geschmack schon ansprechender. Darunter 1971: Eröffnung des ersten Ölfeldes: Ekofisk (müsste eigentlich auf Echtgoldfolie gedruckt sein). Also acht Marken für 40 Jahre Landesgeschichte. Information noch kompakter? Geht kaum.



Folge dieses Reichtums ist ein - selbst für skandinavische Verhältnisse - atemberaubendes Preisniveau. So schafft es Oslo kontinuierlich zusammen mit Tokio und Zürich auf die vordersten Plätze der Städte mit den teuersten Lebenshaltungskosten der Welt.

Es kommen gar nicht so viele Marken pro Jahr heraus, ca. 25 habe ich in 1997 gezählt. In Oslos Frimerkerketj (also dem Philatelieschalter) gab es die Marken der letzten beiden Jahre.

So, ich habe aus dem Gedächtnis gearbeitet, aber siehe da, die Kaufquittung hat überlebt:



Ich wollte eigentlich noch über das Hardangervidda nach Bergen, habe das aber verworfen und auf später verschoben, weil meine Reisekasse wie Schnee unter norwegischer Sommersonne an einem Südhang dahinschmolz (kein Getränk, keine einfache Speise unter DEM 10,--. Da war ich im Restaurant - es geht auch ohne Alkohol, dachte ich – bestellte ein alkoholfreies Bier. Das kostete dann eine Mark weniger als das mit Alkohol, nämlich DEM 12,00. Hammer!). Zurück mit der Fähre nach Deutschland, Kiel.

Aber vorher noch ein Kärtchen nach Hause…. (wäre doch kein Beitrag ohne was Echtgelaufenes)



Und hier kurz mal ein Aspekt zur Auflage: Der König wurde 6,374 Mio. mal gedruckt. Deutschland hat 14,8 mal so viele Einwohner wie Norwegen. Dann rechnen wir das mal hoch - das entspräche einer Auflage in Deutschland von ca. 89 Mio. Stück (in Deutschland üblich waren seinerzeit ca. 30 Mio, für Sondermarken ohne Zuschlag). Selten ist die Marke also nicht – aber Sie passte wunderbar auf den sommerlichen Kartengruß (als ob man selbst von der Yacht herunter jovial grüßen würde).

Die Rückkehr nach Deutschland war hart - weil die Menschen hier hart und gnadenlos sein können (da nehme ich mich selber nicht aus). 15 Minuten am Kieler Bahnhof an einem Sonntagmorgen und ich war wieder in der deutschen Realität angekommen (in Teilen rücksichtslos, im Vergleich zu Skandinavien schmuddelig und lieblos, jede Menge Angetrunkene - am Vormittag. Ich hab geschluckt!).
 
Bendix Gruenlich Am: 03.07.2022 21:02:30 Gelesen: 575# 24 @  
Also auf zur nächsten Reise, warum nicht mal nach Österreich, für mich als Rheinländer nicht um die Ecke, aber kaum zu glauben, die Alpen kannte ich (mit 29 Jahren) noch nicht.

Also Anschauengehen.

Das Ganze fand 1998 statt und altgedienten Philatelisten sagt diese Jahreszahl etwas.

Großes warf seine Schatten voraus, nämlich die Euro-Einführung in 1999 (Geldzeichen gab es erst 2002, aber als Buchgeld wurde das schon 1999 eingeführt).

Der Schrecken für uns Sammler war ja seinerzeit die Frage, was wird aus unseren gehorteten ungebrauchten / postfrischen Beständen, und Österreichs Antwort war die Außerkurssetzung von ATS-nominierten-Marken in 2002.

Wer jetzt in Tränen ausbricht, braucht sich dessen nicht zu schämen, ein todtrauriges Ereignis. Ruhet in Frieden ihr vom 10.12.1947 bis 30.06.2002 gültigen Schilling-Marken. 18 Jahre später fiel mir für eine handvoll Euro eine Teilsammlung Österreich in die Hände, mit dabei mindestens 100 gefalzte, verschiedene Neue Schilling-Marken darunter die 1948er Wiederaufbau-Marken Wien und Salzburger Dom (wo wart ihr, als ich Euch gebraucht hätte). Fantastische Kunstwerke im Stichtiefdruck. Ach wie gern, würde ich Euch nutzen und auf meiner Post als Botschafter der Kultur und der eigenen Sache um die Welt senden. Aber ach - es ist vorbei.



Wenn ich das richtig erinnere, war dieses kommende Unglück 1998 bereits bekannt oder zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit zu befürchten. Also, alles musste raus.

So habe ich denn vor meiner Reise geschaut, was weg kann, ja, was weg musste. Das habe ich gefunden….

In Landeck ging ich aufs Amt und suchte um saubere Handstempelung nach, und das ist leider ganz schön schiefgegangen, denn die Christel von der Post hatte keinen guten Tag (und wie ich es erinnere, auch wenig Lust, ja ich hatte auch den Eindruck, dass sie mein Ansinnen gar nicht verstand - erst war es zu wenig Farbe, dann wurde einfach lieblos irgendwie nach dem Fassen neuer Farbe nachgestempelt und auch das war dann nicht lesbar). Schade, das ist aber nun einmal manchmal Postalltag. Nicht jeder Stempel gelingt, dann haben die Österreicher auch einiges an Stichdruckmarken, die nehmen die Entwertungen nicht so glasklar auf.



Und Neues wurde von der Reise nicht mitgebracht, die drohende Außerkurssetzung hat mein Herz hart werden lassen. Nichts mitbringen, das fällt mir eigentlich schwer, aber der Groll gegen die anstehende Enteignung (und den Entzug von tausenden wundervollen Motiven zur Frankaturgestaltung) wog schwerer. Ein Blick in die Katalognotierungen der 60er Jahre bei Bund für postfrisches Material hat für mich den Weg gewiesen. Mein Fazit: das bekommst Du nächstens deutlich günstiger, und das ist ja auch in einer Intensität wahr geworden, die ich damals nicht für möglich gehalten hätte.

Für uns Flachländer (wohne auf 40 Meter über dem Meeresspiegel) sind ja die Alpen etwas ganz Besonderes - ein tolles Panorama (zurück mit der Bahn über die phantastische Arlbergstrecke) - und das Wetter war auch der Hammer, im September war von Fön bis 20 cm Neuschnee alles dabei, und so sehe ich mich für die Verstempelung angemessen entschädigt.

Apropos „Christel von der Post“, ich kann gar nicht erklären, warum ich auf die Bezeichnung verfallen bin und weibliches Postpersonal grundsätzlich so bezeichne und. Also kurz das Internet befragt: das ist eine Figur aus einer Zeller-Operette und zwar einer Postlerin aus Tirol – na, das passt doch hervorragend - mehr Österreich geht nicht.

Für (Post-)Nostalgiker daher folgendes

https://www.youtube.com/watch?v=XG-5Ozo0c7I

(herrlich: im Liedtext macht man sich auch über Postlaufzeiten lustig…am besten begleitet mit einem Glas Sekt anschauen / anhören...oder das ganze Stück, da würde dann aber eine Flasche fällig werden, dazu empfehle ich die Durchsicht der Jahrgänge der 60er Jahre)

Na, dann sag ich für heute mal Servus.
 
bignell Am: 03.07.2022 21:50:55 Gelesen: 551# 25 @  
@ Bendix Gruenlich [#24]

Hallo Bendix,

von der Dame in violett (und allen anderen Farben) gab es zwei Ausgaben, eine 1948/52 auf graustichigem bis gelblichgrauem Papier, eine 1958 auf gelblichweissem bis weissem Papier - Deine Damen hier kommen recht hell daher scheint mir, also wohl eher von 1958.

Liebe Grüße,
harald
 
achim11-76 Am: 04.07.2022 19:18:53 Gelesen: 441# 26 @  
@ Bendix Gruenlich [#24]

Ich bin mal gespannt, ob die Bundesdeutschen Euro Marken ohne Matrixcode jetzt auch sehr kurzfristig ausser Kurs gesetzt werden, wenn sich das System mal gefestigt hat.

Siehe England, kurz nach Einführung der Datamatrixmarken wurde angekündigt, das die alten Marken nur noch 6 Monate gültig sind.
 
Bendix Gruenlich Am: 04.08.2022 22:01:24 Gelesen: 164# 27 @  
Nicht nur die Österreicher mussten sich von ihren Vor-Euromarken verabschieden, auch wir in Deutschland.

Von einer kleinen Tagesausfahrt ist dies erhalten geblieben.



Abgestempelt von einem der kleinsten Postämter in Bad Neuenahr, dem Postamt 11, wahrscheinlich schon seit Jahren geschlossen.

Ruhig ging es zu, eine Postangestellte vor Ort, die meinen Stempelauftrag nach möglichst vollen Stempeln sehr geflissentlich ausgeführt hat.

Natürlich sind die Briefmarken nicht ganz zeitgemäß verwendet worden und auch nicht vom Postamt vor Ort verkauft worden.

Das kam so: weil ich erst 1981 den Kauf postfrischen Materials aufgenommen hatte, fehlten mir immer die ersten Jahrgänge der noch gültigen Marken ab 1969. Durch die drohende Euroeinführung 2002 kamen auf einmal (nach meiner Wahrnehmung ab 1995) gehortete Marken auf dem Markt. Bin im Sommer 1998 einfach mal bei einem Briefmarkenhändler in Köln ins Geschäft gegangen und habe frech nach fünfmal den Jahrgängen 1969-1974 gefragt (die bis dato für mich immer unerreichbar waren, denn da sind alle Ausgaben enthalten, die in den 1970-er und 1980-er Jahren Wahnsinnsspekulationsobjekte waren und einzelne Marken zwischen dem 10-20-fachen ihres Postpreises gehandelt wurden)….und auch bekommen, ohne Zuschläge, zu 80%! Ich war sehr zufrieden.

Ab diesem Zeitpunkt wurde meine Post deutlich bunter.

Es hat einfach Spaß gemacht, sich hinzusetzen und bunte Kombinationen für ein Poststück zusammenzustellen und sicher viele Empfänger glücklich zu machen.

Auch ich habe mich immer gefreut, wenn sich Kunden mal Mühe bei der Frankatur gemacht haben. Gerne habe ich die Freundlichkeit, wann immer möglich, erwidert. Mit dem Material ging dann was.

Eine kleine, feine Reise. Von Euskirchen (150 Meter über NN) geht es direkt ins Mittelgebirge (immer eine der die schönsten Seiten Deutschlands, 400 Meter über NN) einem Teil der Eifel über kurvige Straßen über die Berge, auf und ab, bis man am Nürburgring vorbeifährt, ins Ahrtal eintritt, zum Rhein wo man von Sinzig bis Bonn etwas Rheinromantik schnuppern kann bis, bis man nördlich von Bonn ins industrialisierte Rheinland eintaucht, um in Köln in die Domstadt einzureiten (Radtour). Am besten mit ein paar Bier und einer deftigen rheinischen Mahlzeit den Tag ausklingen lassen.
 

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