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Thema: Christian Geigle zu Verbänden, Suspendierung Dr.Heister und Diebstahl in Bonn
Richard Am: 03.05.2021 09:55:39 Gelesen: 436# 1 @  
Im APHV Magazin Dezember 2020, der Zeitschrift für Mitglieder des Händlerverbands APHV, führte Wolfgang Maassen, Präsident des Verbandes des Philatelie-Journalisten AIJP, ein Interview mit Christian Geigle, Präsident des Prüferverbandes BPP.

Wir veröffentlichen heute mit Erlaubnis von Wolfgang Maassen (WM), Christian Geigle (CG) und Wolfgang Lang, Präsident des APHV, den dritten und abschliessenden Teil von drei Auszügen aus dem Interview.


Teil 3 zum Verhältnis zu APHV, BDB und BDPh / zur Suspendierung von Dr. Heister im BPP und zum Diebstahl von Dr. S. im Archiv für Philatelie und Postgeschichte Bonn.


WM: Wie ist denn aus Ihrer Sicht generell die Zusammenarbeit mit dem BDPh und dem APHV. Gäbe es da nicht noch Optimierungsbedarf?

CG: Ich bin, wie Sie wissen, seit 1986 Berufsphilatelist und seitdem Mitglied im APHV. In diesen langen Jahren habe ich drei APHV-Präsidenten erlebt. Seit 1996 bin ich auch im BPP. Seit dem letzten Führungswechsel im APHV durch den (sagen wir mal: etwas abrupten) Abgang von Arnim Hölzer hin zu Wolfgang Lang läuft die Zusammenarbeit auf fachlicher wie auch menschlicher Ebene „einwandfrei“, wie ich es in einem Fotoattest formulieren würde.

Das gilt übrigens auch für die Zusammenarbeit mit dem BDB und seinem Präsidenten Harald Rauhut. Aus einer anfänglich schwierigen Beziehung mit einigen lesenswerten Briefwechseln ist ein vertrauensvolles Verhältnis entstanden, über das wir beide sehr froh sind, auch weil die Zusammenarbeit der Auktionatoren mit unseren Verbandsprüfern für die Philatelie in Deutschland elementar wichtig ist. Oder bildlich gesprochen: Die Auktionatoren sind der Motor des philatelistischen Marktes, der BPP sein Motoröl.

Der BDPh mit seinem Präsidenten Alfred Schmidt ist der mitgliederstärkste Philatelie-Verband. Hier gab und gibt es sicher noch Möglichkeiten zur Optimierung, aber nach einem längeren Gespräch mit Herrn Schmidt vor wenigen Wochen habe ich ein sehr gutes Gefühl. Wir wollen zukünftig die BDPh-Mitglieder direkt ansprechen und damit um Vertrauen in unsere Arbeit werben. Nicht nur die Berufsphilatelisten, sondern auch die organisierten Sammler in Deutschland sollen erfahren, wie sie sich vor allerlei Fallstricken auf dem (analogen und digitalen) Markt schützen können.

WM: Am 7. Oktober 2020 teilte die Geschäftsstelle des BPP wörtlich mit:

„Dr. Knut Heister suspendiert

Der Vorstand des BPP hat mit einem einstimmigen Vorstandsbeschluss die Prüftätigkeit von Dr. Knut Heister (Prüfgebiet: Venezuela) im BPP mit sofortiger Wirkung bis zum 31.12.2020 suspendiert. Die ordentliche Mitgliedschaft von Herrn Dr. Heister endet satzungsgemäß am 31.12.2020.“

Am 8. Oktober 2020 schrieb der Geschäftsführer des VP „Undank ist der Welten Lohn … ‚Suspendiert‘ lautet die ehrabschneidende Überschrift auf der BPP Homepage gegen Dr. Knut Heister. Dabei ist Dr. Heister seit 1994 (!) aktiv prüfendes Mitglied mit einer in jeder Hinsicht makellosen, jahrzehntelangen Prüfhistorie. … Den Grund für die Suspendierung verschweigt die BPP Mitteilung. Sie liegt offenkundig einzig darin, dass der weltweit anerkannte Südamerika-Experte seit September 2020 parallel auch Verbandsprüfer im VP ist, Prüfgebiet Venezuela, und im VP auch für HAPAG/Schiffspost St. Thomas-La Guaira-Puerto Cabello.

Statt Anerkennung auszusprechen für 26 Jahre erfolgreiche Prüftätigkeit (und nunmehr philatelistische Integration über Verbandsgrenzen hinweg) hält der BPP-Vorstand lieber sein Standgericht, mit beschämendem Verdikt. Freude an der Philatelie, Augenmaß und guter Stil sehen anders aus. …“

Können Sie etwas zu den Hintergründen sagen? Oder würden Sie sich den Schuh anziehen?

CG: Normalerweise äußert sich der BPP zu Mitgliederangelegenheiten nicht öffentlich. Allerdings sah ich mich nach der Pressemeldung des VP in einem philatelistischen Forum gezwungen, falsche Behauptungen geradezurücken und (ausnahmsweise) den Grund für die Suspendierung zu nennen, was ich an dieser Stelle wiederholen will:

Auf der MGV 2018 wurden die überarbeiteten Attestrichtlinien des BPP vorgestellt, umfassend diskutiert und abschließend mit nur einer Gegenstimme beschlossen. Die Gegenstimme in der offenen Abstimmung kam von Herrn Dr. Heister.

Es ist für alle Mitglieder per Satzung verpflichtend, zumindest alle fünf Jahre an der MGV des BPP teilzunehmen. Die Nichtteilnahme an fünf aufeinanderfolgenden MGV ist ein Ausschlussgrund, der gezogen werden kann, aber nicht muss. Herr Dr. Heister hat in den vergangenen 20 Jahren lediglich zwei MGV besucht: 2012 und 2018. Im Jahr 2018 war sein Erscheinen zwingend erforderlich, weil er die außerordentliche Verlängerung für das 76. und 77. Lebensjahr (2019 und 2020) beantragt hatte. Dieser Antrag wurde vom BPP-Vorstand befürwortet und in der MGV einstimmig angenommen.

Die wenigen Atteste, die seitdem von Herrn Dr. Heister angefertigt wurden, entsprechen in zahlreichen Punkten nicht den Attestrichtlinien, die für alle BPP-Prüfer verbindlich gelten. Da sich Herr Dr. Heister offensichtlich weigerte, eine verbindliche Richtlinie umzusetzen, wurde sein neuerlicher Antrag auf außerordentliche Verlängerung für 2021 und 2022 vom Vorstand nicht befürwortet, womit seine aktive Prüftätigkeit im BPP satzungsgemäß zum Ende des Jahres 2020 endet.

Zeitgleich wurden die zahlreichen Verstöße gegen Regelwerke des BPP untersucht mit dem Ergebnis, dass die Prüftätigkeit vorübergehend suspendiert wurde, um weiteren Verstößen vorzubeugen, die ein negatives Licht auf den BPP und seine Mitglieder werfen könnten.

Der Umstand, dass Herr Dr. Heister noch während seiner Mitgliedschaft im BPP dem VP beigetreten ist, hat mit seiner Suspendierung überhaupt nichts zu tun. Es gibt in den Regelwerken des BPP gar keinen Passus für einen solchen Fall, weil er bisher nie aufgetreten ist. Ich bin aber sicher, dass die nächste Mitgliederversammlung eine entsprechende Regelung finden und verabschieden wird.
Den Kommentar des VP zu dieser Angelegenheit kommentiere ich nicht. Er passt aber zum generellen Auftritt dieses Zusammenschlusses.


WM: Sie und einige ihrer Kollegen haben sich vor zwei Jahren massiv zur Aufklärung eines Falles im Archiv der Philatelie in Bonn engagiert. Stichwort: Dr. S. und der unterstellte Diebstahl von Material der Bezirkshandstempelmarken. Hat sich in der Sache etwas getan? Man hört nichts mehr davon. Oder wurde das angestrengte Verfahren eingestellt?

CG: Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann ich in der Causa „Dr. S.“ nur wenig sagen. Die gestohlenen Briefmarken sind aber meines Wissens bis heute nicht wieder aufgetaucht. Der Schaden an den vom Täter regelrecht „gefledderten“ Briefmarkenschätzen ist unermesslich, der Katalogwert der gestohlenen hochwertigen Marken soll sich auf mehrere Millionen Euro belaufen.
Das parallele Strafverfahren gegen den Leiter des „Archives für Philatelie und Postgeschichte“ wurde unterdessen eingestellt. Er ist weiter Leiter des Archives.
 
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