Thema: Saint Pierre & Miquelon: Auf der Post in.....St. Pierre
Bendix Gruenlich Am: 26.06.2021 21:44:09 Gelesen: 536# 1 @  
Erst einmal, wie kommt man dahin?

Vom Rheinland aus z.B. so - z.B. so: Bus 790 der Rheinbahn, dann S-Bahn nach Leverkusen, dort in die Regionalbahn – umsteigen in Koblenz. Dann nach Frankfurt, dann hopp, in den Flieger nach Halifax (dann ist man schon mal in Kanada). Von da geht ein Flieger der Air St. Pierre nach St. Pierre (und das hab ich mir nicht ausgedacht, sondern 2019 wirklich so gemacht).



Das Postamt auf St. Pierre ist ein prägnanter Bau am Hafen. Am Nachmittag kam ich auf St. Pierre an – erst einmal Postkarten besorgen (beim Fotografen Michael Briand wurde ich fündig). Abends ins Restaurant, bei der Gelegenheit schon mal Karten geschrieben und Frankaturen angebracht.



Zugegeben, diese Aktion hatte ich detailliert vorbereitet (Tarif erfragt, bei der Post die Gültigkeit der Marken abgefragt, schon zu Hause die Frankaturen vorgedacht, mögliche Dimensionen vorgeplant), denn hier durfte man wohl nichts dem Zufall überlassen. Wann ist man schon auf dem Archipel?

Die freundliche Antwort von dort: alle Marken seien noch gültig, wenn sie die Bezeichnung „St. Pierre & Miquelon“ bzw. SPM tragen. Darunter alte Franc, CFA-Franc (entspricht dem alten Franc), neue Franc und Euro.




...wird fortgesetzt...
 
Vernian Am: 26.06.2021 21:51:31 Gelesen: 533# 2 @  
@ Bendix Gruenlich [#1] (nochmal kopiert aus dem anderen Beitragsteil)


Interessant, weiter berichten und bitte viiiele Bilder zeigen!

Ja, Carole Helene ist eine sehr nette hilfbereite Verantwortliche der Post auf Saint Pierre, hatte mit ihr vor einigen Jahren auch schon mal einen direkten Austausch. Überhaupt ist man dort in Hinsicht Hilfsbereitschaft und Auskünfte sehr entgegenkommend, sowohl bei der Post vor Ort wie auch einer philatelistischen Vereingung oder Markenhändler, so genau weiß ich das jetzt nicht mehr ...

Interessant finde ich hier aber die Antwort des Herrn Lambert, das war mir so nicht bekannt: Das auch sämtliche französischen Marken für die Frankatur verwendet werden können ist zwar fast logisch, da die Inseln ja zumindest von 1976-1986 französische Marken verwendeten. Aber das bei der Verwendung französischer Marken mindestens eine Marke der Frankatur aus SPM sein MUSS, das ist mir neu ...

Best

V.

PS: Neuere Ausgaben von SPM habe ich abzugeben, bei Interesse über mein Profil Kontakt aufnehmen.
 
Bendix Gruenlich Am: 26.06.2021 22:33:33 Gelesen: 520# 3 @  
@ Vernian [#2]

Ich habe die mail von M. Lambert so verstanden dass alle Marken SPM-Kennzeichnung haben müssen (was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Marken des Mutterlandes nicht gültig sind), denn er benutzt bei den Marken das Plural (also die Marken, nicht eine der Marken, müssen die SPM-Kennzeichnung tragen).

Ist vielleicht Haarspalterei, aber so etwas ist uns Sammlern ja wichtig.

Seine Einführungssatz nennt ja nur den französischen Grundsatz (den ich im übrigen einfach super finde, wieder ein Punkt für die Franzosen) dass eine einmal ausgegebene Marke immer gültig bleibt (weil sie geldähnlich ist).

Spannend auch, ich hatte in meiner Anfrage von vorne herein die Petain-Marken ausgeklammert, bzw. festgestellt, die Petain-Marken sind doch nicht gültig, oder? Darauf sind die nicht eingegangen. Gehen wir davon aus, dass sie es nicht sind (denn im Mutterland sind die Petain-Marken als wenige Ausnahmen von der Regel ausdrücklich nicht gültig).

Schönen Gruß
 
Vernian Am: 26.06.2021 23:48:56 Gelesen: 504# 4 @  
Hm.

Er sagt zuerst das alle Marken Frankreichs gültig zur Frankatur sind, ganz gleich welcher "Währung" (und das sie ungestempelt sein müssen - was ja logisch ist).

Auf die Pétain-Marken geht er tatsächlich nicht ein, ist ihm möglicherweise gar nicht bekannt ...

Irritierend oder leicht mißverständlich ist seine folgende Ausführung, da er dort von "timbres surcharchés SPM" spricht - was ja eigentlich Marken mit Aufdruck sind. Ich denke aber er war hier ungenau und meint generell Marken, die SP&M als Bezeichnung haben.

Dabei grenzt er jedoch ein, das Sendung nach außerhalb der Inseln, also nach Frankreich oder ins sonstige Ausland "accompagnés" - also "verbunden sein" oder "einhergehen" sollen mit Marken der Inseln. In diesem Kontext kann "accompagnés" einfach "frankiert" bedeuten. Ob das nun bedeutet, dass alle Marken einer Sendung nach Außerhalb von SPM sein müssen (weil wie richtig erkannt er im Plural schreibt) oder nicht ist da leider nicht eindeutig ausgedrückt. Tatsache ist jedoch, das zumindest nach der erneuten Umstellung 1986 (und ich denke mal auch 1976) und auch noch danach Mischfrankaturen logischerweise üblich waren (gleiches gilt übrigens auch für Mayotte) - ich hatte genau zu der Zeit eine Brieffreundin auf St. Pierre, die mir gelegentlich Briefe auch mit Mischfranktaur gesendet hatte.

Allerdings schreibt er ja im folgenden Satz, das Sie am Postschalter bei ihrer aufzugebenden Post darauf achten sollen, dass diese eine Frankatur mit SPM-Marke(n) "et vos timbres personelles", also "und ihre eigene Frankatur", haben. Was für mich bedeutet: Mischfrankaturen sind möglich, es muss halt nur eine Marke der Inseln dabei sein. Es sei denn er meinte, sie können gerne Ihre eigenen französischen Marken zu einer (vollständigen) SPM-Frankatur kleben und diese wird dann auch abgestempelt - aber das hieße ja mehr als das nötige Porto verkleben ...

Das bedeutet also zum einen, für Sendungen innerhalb der Inseln können französischen Marken problemlos verwendet werden. Zum anderen aber, und da beginnt die Unklarheit, wird empfohlen? oder müssen? Sendungen nach Außerhalb mit Marken der Inseln / mindestens einer Marke der Inseln frankiert sein.

Wobei ich das Ganze eher als "dringliche Empfehlung" und nicht als verpflichtende Bestimmung verstehe (so wie es formuliert ist), um - wie er ausführt - eventuelle Nachportoerhebungen durch mit der Gültigkeit nicht vertraute Postangestellte zu vermeiden.

Wobei, die Regeln sind in Frankreich in der Hinsicht eigentlich eindeutig: Alle Marken(außer Pétain) sind unbegrenzt gültig, und das gilt auch für die Überseegebiete wie SPM und Mayotte, und ich denke auch die anderen früher als DOM (Überseedepartement) bezeichneten Gebiete Réunion, Guyana, Guadeloupe, Martinique und die anderen dazu zählenden kleineren kraibischen Inseln (nicht jedoch für die TOM, also die Territorien wie bspw. TAAF, Neukaledonien etc).

Best

Vernian
 
Bendix Gruenlich Am: 03.07.2021 20:01:38 Gelesen: 436# 5 @  
Es gab auch einmal eine Periode (1976-1985), wo die Inseln als französisches Departement geführt wurden und Marken des Mutterlandes ohne Aufdruck benutzt wurden.

Bis heute sind für SPM über 1200 Michel-Nrn. verzeichnet. Unfassbar, es sind also auch noch die Marken in den Kolonialzeichnungen gültig, deren Kleinstwerte sich in unterschiedlichster Erhaltung in vielen Anfängersammlungen finden.

Beim Katalogpreisniveau fällt auf. Dass die Marken bis 1976 zum Teil sehr hohe Katalogwerte aufweisen, z.B. Nominale FRF 4,00 – Katalogwert EUR 24,00 postfrisch. Das Niveau ändert sich, nach der Wiederaufnahme der Emission eigener Marken in 1986, z.B. FRF 5,00 - Katalogwert EUR 3,40 postfrisch.

Auflagen nennt der Michel für die Marken bis ca. 2015 keine, erst danach werden sie vereinzelt verzeichnet, z.B. 50.000 für eine Sondermarke mit gängiger Nominale, 40.000 für einen Block.

Die Einwohnerzahl des Archipels beträgt ca. 6.000 (90% auf der kleineren Insel St. Pierre mit 26 km², nur 10% auf der 10mal größeren Insel Miquelon/Langlade). Gehen wir also davon aus, dass das Interesse von nicht auf SPM ansässigen Sammler hoch ist.



Über den Sinn eigener Briefmarken für ein Gebiet mit 6.000 Menschen kann man streiten. Gehen wir aber davon aus, dass es nicht nur Lokalpatriotismus ist, sondern konkrete wirtschaftliche Vorteile Motive gibt.

Die Nennwerte erscheinen im Vergleich mit denen des Mutterlandes hoch, dafür weisen die Marken die gleiche hervorragende Qualität wie die des Mutterlandes aus.

Und sie sind dauerhaft gültig.......das ist einfach stark! Also man hält sein Versprechen, ohne dass es der Post weh tut, denn selbstverständlich hat die Inflation, die Nominalwerte devaluieren lassen.

Günstig war, dass ich kurz vor meinem Aufenthalt, eine Partie Marken aus den Jahren 1990 bis 2002 für einen Bruchteil (ca. 35%) ihrer Nominale erstehen konnte, ca. 300 Stück, so dass ich aus ich aus dem Vollen schöpfen konnte.

Zeit für einen Beleg



Und für zwei Impressionen. A) Blick auf St. Pierre B) Blick auf das menschenleere Langlade von der Westseite der Insel St. Pierre aus



(wird fortgesetzt)
 
Bendix Gruenlich Am: 11.07.2021 20:33:17 Gelesen: 345# 6 @  
Als ich das Postamt am folgenden Tag betrat, schlug mir das Herz, denn das war doch wirklich unglaublich.

Ich ging dann erst einmal zum Schalter, dort lagen unter Glas die vorrätigen Marken. Habe Kleinstwerte erworben und alles was mir gefiel (es waren ungefähr die Ausgaben der letzten drei Jahre vorrätig). Bedienung war bestens, allerdings war es vorteilhaft, noch etwas Schulfranzösisch sprechen zu können.

Als Appetitanreger ein Blick auf einen Teil der Beute.



Ich zog mich dann zurück, gegenüber vom Schalter konnte man sich setzen (ca. drei Sitzplätze) und in Ruhe die Karten vervollständigen, einen A4-Umschlag an Sammlerfreunde hatte ich auch dabei.

Es war ganz schön Betrieb, viele Einheimische waren vor Ort (insbesondere Paketdienst). Wer auf St. Pierre seine Briefpost haben will, muss übrigens auch die Post besuchen, denn es gibt nur Postfächer, keine Hauszustellung (wobei das wirklich kein Problem wäre, so groß ist die Insel nicht).

Dann alles bestückt und mit klopfenden Herzen zurück an den Schalter und um Handstempelung gebeten. Hatte darauf hingewiesen, dass ich alles EUR-cent-genau vorgerechnet habe, habe auch noch einmal den Betrag erläutert.

Der Postler war aber völlig aufgeräumt, professionell und nicht überrascht. Er sagte mir die gewünschte Entwertung zu und übernahm die Post (ausgezeichnete Arbeit!).



Habe mir bei der Gelegenheit noch historische Kleinstwerte entwerten lassen (was für ein Souvenir!!).

Und da schauen wir mal gemeinsam drauf.

• Mi-Nr 73 von 1909: Auf SPM dreht sich alles um die See und die Fischerei. Mit einem Seemann / Fischer wurde daher ein treffendes lokales Motiv gefunden. Typische erste Kolonialzeichnung, die es für jedes französische Gebiet im einheitlichen Format zweifarbig gibt. Das Nominal beträgt alte Franc 0,01. Seinerzeit bestand Goldstandard, so gelingt eine Umrechnung, das entsprach 0,82 Pfennig. Und da die Marke bis zur Entwertung 110 (!) Jahre später gültig war, gucken wir mal auf den Wert in EUR. Das waren EUR 0,0000152449.

• Mi-Nr 134 von 1932: Die nächste Serie der Kolonialzeichnung mit einem Hügel mit Leuchtturm.

• Mi-Nr 170 von 1938 – mit alten Franc 0,02 ebenfalls der Kleinstwert. Bedenkt man, dass zu der Zeit ein Inlandbrief in Frankreich 0,75 Franc kostete, spürt man, dass dieser Wert keine große kommerzielle Bedeutung gehabt haben kann. Man sieht Schlittenhunde, weil es dort im Nordatlantik mit 120 Frosttagen pro Jahr eher frisch ist

• Mi-Nr 381 von 1957 – jetzt in CFA-Franc, der dem alten Franc entspricht. Nominal Franc 0,40. Ein Inlandsbrief in Frankreich kostete seinerzeit alleine schon 15,00. Man sieht einen Kabeljau, der Reichtum des Gebietes (und übrigens auch Neufundlands) und die wirtschaftliche Grundlage der Inseln zu dieser Zeit. Tragisch, dass man ihn massiv überfischt zu haben scheint. Moratorium / Fangverbot in 1992 – bis heute immer noch keine Erholung.

• Mi-Nr 375 von 1955 – für meinen Geschmack toll gezeichnet, im Stichtiefdruck der Refrigerateur, also das Kühlhaus. Das steht noch, wenn es auch nicht mehr im Betrieb gewesen zu sein schien, es liegt außerhalb der Siedlung, die Straße endet dort. Dort findet man das Ding, zusammen mit Infrastruktur (Öltanks etc., typisch Überseegebiet). Nominal CFA-Franc 0,40.



• Mi-Nr 347 von 1947: ein Fels vor Langlade, Marke ebenfalls in hervorragender Qualität ausgeführt.



Das sind die Marken, die wir in vielen Anfängersammlungen finden (sei es von SPM oder anderen französischen Überseegebieten). Das lässt den Schluss zu, dass diese Werte vor allem hergestellt zu sein scheinen, um an Sammler verkauft zu werden, zum kleinen Preis, daher die niedrigen Nominalen (mich würde mal interessieren, wie seinerzeit der Vermarktungsmechanismus war und wie viel die Post mit den ganzen Kolonialzeichnungen eingenommen hat). So sind mir diese Stücke über die Jahre auch in die Hände gefallen, sozusagen als Beifang. Teilweise fehlte die Gummierung. der älteste Wert wies Spuren von ca. vier Falzen auf, auch bei den Werten aus den Fünfziger war noch Falz festzustellen. Was lag also näher als, wo ich schon mal da war, die Marken zu veredeln. Auch weil gestempelte Marken mir seltener erscheinen, als postfrische. Also alles Spielerei? Also mir hat das wahnsinnigen Spaß gemacht, die sind Bestandteil meiner Sammlung, und ich freue mich und schmunzle, wenn ich die sehe und ich daran erinnert werde, dass ich wirklich vor Ort war. Auch das Datum kann ich jetzt nicht mehr vergessen. Waschechte Trophäen also!

Einen Wert in CFA-Franc immerhin konnte ich noch sinnvoll nutzen.



Ich bin anschließend noch für ein paar Wochen nach Kanada gefahren (es gibt Fährverkehr von SPM nach Kanada, der Fähranleger – ist ja klar – liegt direkt hinter der Post), aber von Freunden hörte ich, die Post sei rasch angekommen.



Es wäre auch möglich gewesen nach Miquelon überzusetzen, dort gibt es ebenfalls eine Poststelle, aber die Fähren fahren nicht täglich und es war leider, leider nicht wirksam mit Kanada zu synchronisieren (das muss alles sehr detailliert geplant werden, Unterkünfte sind rar und man muss schauen, wo man über Nacht bleibt).

Übrigens SPM-Tourismus weist auf ihrer website darauf hin, dass eine Anreise auch mit dem eigenen Boot möglich ist, Ankerplätze gibt es südlich der Post im Segelschulhafen. Meiner Meinung nach der am besten auf den Aufenthalt vorbereitende Anreiseweg (7 Tage auf See und dann in den sicheren Hafen einlaufen – das wäre doch was, da stimme ich sofort ein Seemannslied an...also, Anker auf!).

So, das war es soweit zum Thema.