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Thema: BDB Präsident Harald Rauhut zu den Veuskens Meldungen
Richard Am: 02.08.2021 09:16:35 Gelesen: 2084# 1 @  
Im Philaseiten Thema "Auktionen: Falsche Beschreibungen in Auktions Katalogen" [1] analysieren und dokumentieren mehrere erfahrene Philaseiten Mitglieder Lose aus den Auktionskatalogen und Internetseiten, verstärkt seit diesem Jahr.

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=5048&F=1&CP=0&page=0

Im Forum habe ich am 23.06.2021 dazu geschrieben:

Redaktioneller Hinweis: Meldung der Lose an Auktionsfirmen

Ich möchte erneut darauf hinweisen, dass die in diesem Thema gezeigten Lose im Regelfall kurzfristig an die zuständigen Sachbearbeiter oder Geschäftsführer gemeldet werden. Das gebietet die Fairnis.

Wenn jedoch wie bei Bühler Auktion Berlin nicht auf 3 unserer Mails geantwortet wird, werden keine weiteren Mails mehr an diese Firma geschickt.

Bühler ist Mitglied im APHV, diesen haben wir über die zweifelhaften Lose informiert. Jede Auktionsfirma und überhaupt jedes unserer Mitglieder kann Themen abonnieren (auf ABO [im betreffenden] Thema klicken) und wird damit täglich auf neue Beiträge aufmerksam gemacht.

Schöne Grüsse, Richard

[2] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=270268

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Ergänzend: Inzwischen reagiert auch das Auktionshaus Veuskens (Mitglied BDB und APHV) nicht mehr auf unsere Mails (meist falsch beschriebene oder mit völlig falschen Michelpreisen).

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Von Harald Rauhut, dem Präsidenten des Briefmarkenversteigerer Verbandes BDB erhielten wir am 19.07.2021 die folgende Mail, deren Veröffentlichung am 26.07.2021 erlaubt wurde (Zitat: "meine Email können Sie natürlich veröffentlichen").

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Gesendet: 19.07.2021 11:06:35

Betreff: Veuskens Meldungen

Lieber Herr Ebert,

im Prinzip sind in jedem deutschen Auktionskatalog Lose enthalten, die nicht der Beschreibung entsprechen, fraglich sind und möglicherweise auch falsch. Meine persönliche Erfahrung ist, dass es immer sehr hilfreich ist, direkt den Auktionator zu kontaktieren.

In den Internet-Foren lässt sich zwar "ganz toll" über den Auktionator herziehen, aber einfacher wäre es doch, wenn sich zusätzlich der Verfasser direkt an das Auktionshaus wendet. Wenn er das nicht macht, nutzen auch die ganzen "tollen" Artikel nichts, weil damit Sammler immer noch nicht vor einem Fehlkauf bewahrt werden.

Sie werden hoffentlich Verständnis dafür haben, dass ich dem Kollegen Veuskens nicht in sein Reklamations-Management reinreden kann, aber vielleicht schreiben Sie trotzdem einmal in Ihr Forum, dass es in jedem Fall wichtig ist, den Auktionator direkt zu informieren, wofür dieser auch dankbar sein wird.

Auch Sie hatten mir vor einigen Wochen, meine Firma betreffend, etwas geschrieben und ich habe nie etwas von dem Verfasser gehört.

Beste Grüße
Harald Rauhut 

Rauhut & Kruschel Briefmarken-Auktionshaus GmbH, Werdener Weg 44, 45470 Mülheim a.d. Ruhr, Tel. (02 08) 3 30 98 - Fax: (02 08) 38 35 52
 
filunski Am: 02.08.2021 12:05:42 Gelesen: 1971# 2 @  
Hallo zusammen,

an den Ausführungen von Herrn Rauhut ist im Prinzip alles richtig. Als Präsident des BDB ist es natürlich auch seine Pflicht, über seine "Schäfchen" eine schützende Hand zu halten und dies ist ihm auch als sehr positiven Charakterzug hoch anzurechnen. Dabei bin ich mir sicher, dass auch Herr Rauhut sehr wohl weiß, wer in seinem Verband zu den eher "dunkleren Schäfchen" zählt. ;-)

Diese Ausführungen möchte ich aber, aus eigener Erfahrung, ergänzen. Zu dem Punkt "dass es in jedem Fall wichtig ist, den Auktionator direkt zu informieren, wofür dieser auch dankbar sein wird.". Das sehe ich genauso, aber dazu gehören, wie so oft, zwei Seiten. Nämlich auch eine Rückmeldung und/oder Reaktion seitens des Auktionators. Ob die hier im Forum zu falsch beschriebenen Losen tätigen Autoren auch immer direkt den Auktionator verständigt haben und auch eine Reaktion erfolgte, entzieht sich meiner Kenntnis, Richard hat die Betroffenen aber sicher immer davon in Kenntnis gesetzt. Auch kann man hier sicher keinem der Fälschungsmelder etwa "Auktionatoren-bashing" unterstellen sondern vielmehr profunde Kenntnisse zu den jeweiligen Losen.

Aber jetzt meine Erfahrungen dazu. Schon vor einiger Zeit hatte ich im Auktionsangebot eines namhaften deutschen Auktionshauses, eines der "TOP 3" mit eigentlich gutem Ruf, ein mir bekanntes Stück entdeckt, bei dem es sich (auch literaturbekannt) um eine Fälschung handelte. Angeboten war es als echt zu einem höherpreisigen Ausruf. Da ich in dem Auktionshaus mit einem der dort tätigen Philatelisten persönlich gut bekannt war, machte ich diesen darauf aufmerksam. Er gab mir Recht, meinte dazu noch, dieses Stück hätte wohl in der Eile die Sekräterin beschrieben. Da es nicht sein Gebiet war, bat er mich das Auktionshaus dazu direkt selbst anzuschreiben, sicher wäre man mir für den Hinweis recht dankbar. Habe ich auch gemacht, ganz sachlich und ohne Vorwürfe. Eine Antwort darauf habe ich nie erhalten, das Los blieb in der Auktion und wurde schliesslich bei dieser für den hohen Ausrufpreis verkauft. Ähnliches passierte mir noch ein paarmal bei anderen Auktionatoren und einmal bekam ich als Höhepunkt von einem italienischen Auktionator wüste Beschimpfungen und Bedrohungen zu hören, nachdem dieser ein von mir beanstandetes Angebot rausnehmen musste.

Sicher bin ich nicht der Einzige, der solche Erfahrungen machen durfte und so verwundert es mich auch nicht, sondern ich erachte es als durchaus legitim, solche Meldungen öffentlich auf einer seriösen Plattform wie z.B. den Philaseiten, vorzustellen.

Insbesondere die hier nicht nur einmal hervorstechenden Auktionshäuser täten m.E. gut daran auch öffentlich darauf zu reagieren und zu handeln. Manchmal geschieht dies, durchaus auch positiv dem Auktionator anzurechnen, bei anderen leider nicht. Wer das im Einzelnen ist, darüber kann sich jeder aufmerksame Mitleser sein eigenes Bild machen und Konsequenzen ziehen. Oftmals ist es gerade für den Auktionator zumindest blamabel. ;-)

Viele Grüße,
Peter
 
bayern klassisch Am: 02.08.2021 14:39:54 Gelesen: 1864# 3 @  
@ filunski [#2]

Lieber Peter,

100% Zustimmung - sehr gut geschrieben.

Keiner weiß alles und ein großes Auktionshaus hat halt sehr viele, ganz unterschiedliche Gebiete vorzuweisen und sollte sich glücklich schätzen, wenn aufmerksame und kenntnisreiche Sammler eindeutige Fehler entdecken und intern kommunizieren oder über ein Top-Forum wie hier öffentlich kenntlich machen.

Aber es gibt Häuser, die finanziell sehr angespannt sind und bei denen die Dollarzeichen in den Augen den Blick für die Realität (= falsche Marke, verfälschter Brief usw.) stark trüben. Bei finanziell soliden Häusern und Auktionatoren, deren Berufswahl selbst auch einen sammlerischen Impetus haben, wird man auf offene Ohren stoßen.

Bei denen, die sich einer fachlich kompetenten Argumentation durch Drücken der Löschtaste bei Emails entziehen, kann ich nur empfehlen, dieses Handeln öffentlich zu machen und gfs. dort nichts mehr zu kaufen.

Natürlich geht es gar nicht, ein Auktionshaus zu verunglimpfen und auf Nachfrage desselben den Schwanz einzuziehen, ohne sich dezidiert zu einem Stück fachkompetent zu äußern.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Altsax Am: 02.08.2021 18:29:39 Gelesen: 1727# 4 @  
@ filunski [#2]

Wie "seriös" ein Auktionshaus wirklich ist, zeigt sich nicht an der Handhabung von Hinweisen zu Losen mit Ausrufpreisen im niedrigen dreistelligen Bereich. Da würden nur Auktionatoren, die keinen Ruf mehr zu verlieren haben, nicht mehr zwischen dem finanziellen Verlust und dem des Rufes abwägen.

Die wirklich problematischen Fälle spielen sich auch nicht unbedingt bei eindeutig als Fälschungen nachgewiesenen Stücken ab. Es gibt aber bei allen Sammelgebieten, insbesondere auch im klassischen Bereich, Grenzfälle, sowohl was die Originalität als auch die Zuordnung angeht. Ob Marken auf einen Brief gehören, kann ebenso umstritten sein wie die Frage, ob ein weder durch Stempel noch durch Inhalt auf ein bestimmtes Verwendungsjahr datierbarer Brief nun vom Ersttag stammt oder nicht.

Solche Fälle können einem Prüfer viel Standfestigkeit abfordern.

Johannes2
 
Koban Am: 02.08.2021 20:45:18 Gelesen: 1621# 5 @  
Hallo zusammen,

für mich ist diese Einlassung ein Armutszeugnis! Nach meiner, zugegeben subjektiven Einschätzung, wissen die allermeisten Anbieter von Fälschungen sehr genau was sie tun. Auch und gerade (!) im gewerblichen Bereich. Wäre dem nicht so, müsste man Einigen ernsthaft den Wechsel des Geschäftsmodells / Gewerbes nahelegen.

Die Mär von der verantwortlich zeichnenden Sekretärin, dem Praktikanten, der "Reinigungskraft" ist eine schlechte Ausrede.

Was mich regelrecht wütend macht, ist dieser, wie selbstverständlich gelebte Anspruch auf nirgendwo formulierte Sonderrechte (von Briefmarkenverkäufern).

Es kann nicht Sache des Käufers/Sammlers/Kaufinteressenten sein, die Arbeit des Anbieters zu machen. Man übertrage doch einfach mal diese Praktiken und Empfehlungen zum Umgang damit auf andere Branchen!

Dass hier gar Internet-Trollerei behauptet wird, halte ich für eine Frechheit, auch wenn diese von Herrn Rauhut formuliert wurde.

Ich mache an dieser Stelle besser Schluß, bevor daraus noch ein Rundumschlag gegen nahezu die gesamte organisierte Philatelie wird.

Traurige Grüße,
Koban
 
Altsax Am: 02.08.2021 21:37:24 Gelesen: 1566# 6 @  
"Man übertrage doch einfach mal diese Praktiken und Empfehlungen zum Umgang damit auf andere Branchen!"

Sie lassen sich auf alle Branchen übertragen, die mit Kunst, Antiquitäten und anderen Objekten handeln, deren "Wert" sich zum großen Teil nach Alter, Herkunft und Seltenheit bemißt.

In diesem Umfeld sind der Briefmarken- und der Münzmarkt vermutlich noch am wenigsten betrugsanfällig, nicht zuletzt durch das Prüfwesen.
 
drmoeller_neuss Am: 05.08.2021 17:28:53 Gelesen: 1269# 7 @  
Auktionen sind per Gesetz öffentliche Veranstaltungen. Auktionatoren müssen damit leben, wenn über ihre Lose in Internet-Foren diskutiert wird. Dafür kommen Auktionatoren auch in den Genuss der Privilegien öffentlicher Auktionen. Bei Internetversteigerungen muss der erste Schuss sitzen, und das Fernabsatzgesetz schützt den Verbraucher vor Fehlgriffen.

Es ist immer eine persönliche Entscheidung, den Auktionator direkt zu informieren. Wenn man guter Kunde ist, und faule Lose die absolute Ausnahme sind, sollte man diesen Schritt als fairer Geschäftspartner gehen. Es besteht aber keine Pflicht dazu. Der Sammler ist nicht Mitarbeiter des Auktionshauses und die Qualitätssicherung auch nicht Aufgabe des Kunden.

Ich kann nicht beurteilen, ob es bei Veuskens eine überdurchschnittliche Häufung an "faulen" Losen gibt, oder ob Veuskens einfach Pech gehabt hat, und seine Kataloge in die Hände von schreibfreudigen und sachkundigen Sammlern geraten sind.

Hier sollte der Händlerverband APHV ein Auge darauf werfen, bestreitet er doch nach eigenen Angaben einen Teil seiner Einnahmen durch Abmahnung "privater" Fälschungsanbieter. Dann müssen die eigenen Mitgliedsfirmen sauber sein.

Rauhut hat nicht recht, wenn er behauptet, dass "die ganzen "tollen" Artikel nichts nutzen, weil damit Sammler immer noch nicht vor einem Fehlkauf bewahrt werden."
Im Gegenteil, die Vorstellung von Fälschungen in einem sachlichen (!) Stil hilft den Sammlern, Echtheitsmerkmale zu erkennen. Es nützt nichts, wenn nur Fälschungen mit einem Link gemeldet werden, und vielleicht mit dem Zusatz "größter Fälschungsverkäufer der Republik".

Am besten werden in einem Artikel die Fälschung und ein echtes Vergleichsstück gezeigt, und die Unterschiede beschrieben.

P.s. fairerweise sollte man auch sagen, dass Rauhut auf Einzellose eine Echtheitsgarantie von fünf Jahren gibt und damit weit über den gesetzlichen Anspruch der Mängelhaftung hinaus geht.
 
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