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Thema: Stempelsammler und Stempelbeschaffung
volkimal Am: 02.11.2021 19:55:04 Gelesen: 1541# 1 @  
Hallo zusammen,

neben den Briefmarkensammlern gibt es auch noch die Stempelsammler. Es gibt in den Stempelsammlungen zahlreiche Stempelbeschaffungskarten. Häufig ist links ein zweiter Abschlag ohne Briefmarke zu finden. Diese Karten sind in der Regel nicht beschriftet.

Neben den Stempelsammlern selbst finde ich es besonders interessant, wenn hier auch Karten von Stempelbeschaffungsdiensten gezeigt werden. Ein weiterer interessanter Aspekt sind Belege von Vereinen, die sich auf das Sammeln von Stempeln spezialisiert haben.

Vor einiger Zeit bekam ich mehrere Kisten mit Gelegenheitsstempeln aus dem Deutschen Reich. Der Stempelsammler, der am häufigsten vertreten war, ist der Amtsgerichtsrat bzw. Oberamtsrichter a.D. Fritz Giseke. Über Fritz Giseke habe ich im Internet nichts finden können. Hat einer von euch Informationen über ihn?





Fritz Giseke hat sich diese Karten vermutlich selbst zuschicken lassen, denn sie tragen als Anschrift seinen Stempel. Bei diesen drei Karten hat er Privatpostkarten mit einem 3 Pfg. Hindenburg-Wertstempel verwendet. Die Karten wurden als Drucksache in Kartenform versendet, denn die Rückseite sind nicht beschrieben.

Auf der Karte vom 29.7.1937 steht im Stempel bei der Anschrift noch AGR (Amtsgerichtsrat). Zwei Monate später heißt es dagegen Oberamtsrichter a.D.. Unten links stehen handschriftlichen jeweils die Bochmann-Nummer und der Preis im Bochmann.



Später verwendete er zur Stempelbeschaffung auch Ortspostkarten mit einem 5 Pfg. Hindenburg-Wertstempel. Diese verschickte er ebenfalls als Drucksache.

Fritz Giseke hat aber nicht alle Stempel selbst beschafft. Auch dazu einige Beispiele:





Alle Karten mit der eingedruckten Anschrift „Herrn Amtsgerichtsrat F. Giseke, Magdeburg-S, Schneidersgarten“ tragen auf der Rückseite den eingedruckten Absender „Beschafft durch den Verband der Poststempelsammler Gössnitz (Kreis Altenburg)“. Die Drucksachenkarten sind mit einer 3 Pfg. Hindenburg-Marke freigemacht.



Über den Verband der Poststempelsammler wusste ich bisher noch nichts. Dann fand ich aber diese 3 Pfg. Hindenburg Privatganzsache. Links unten ist angegeben „Abs. Hellmuth Glasewald, Gössnitz (Kr. Altenburg)“.

Ich gehe davon aus, dass es sich bei Hellmuth Glasewald um den Sohn des bekannten Philatelisten Arthur Ernst Glasewald handelt. Nach ihm ist die Glasewald-Medaille benannt. Arthur Ernst Glasewald war seit 1886 selbständiger Briefmarkenhändler in Gößnitz und wurde um 1900 leitender Geschäftsführer der Bundesprüfstelle für Philatelie. Er gilt als bedeutender Philatelist mit großem Wirkungsfeld und großer Ausstrahlungskraft. 1922 übergab er seinen Briefmarkenhandel an seinen Sohn, widmete sich fortan nur der Markenprüfung und der Leitung des Deutschen Philatelisten-Verbandes.



Als letztes eine Karte, die auf der Rückseite den Stempel „Ihr Vorrat ist alle“ trägt. Ich vermute, dass Herr Giseke dem Verband der Poststempelsammler vorfrankierte Karten zur Verfügung gestellt hat. Diese Karten waren inzwischen aufgebraucht und Herr Giseke musste neue Karten zur Verfügung stellen. Da die eingedruckte Anschrift nur auf den Karten vom Verband der Poststempelsammler vorkommt, gehe ich davon aus, dass der Aufdruck der Adresse und des rückseitigen Absenders im Auftrag dieses Verbandes vorgenommen wurde.

Viele Grüße
Volkmar
 
evwezel Am: 02.11.2021 22:03:53 Gelesen: 1503# 2 @  
@ volkimal [#1]

Hallo Volkmar,

Ich habe Fritz Giseke ins Adressbuch von Magdeburg (1940) gefunden [1]. Weiter fehlt leider jede Spur.



Viele Grüße,

Emiel

[1] http://wiki-de.genealogy.net/w/index.php?title=Datei:Magdeburg-AB-1940.djvu&page=148&page=148
 
volkimal Am: 12.12.2021 19:52:10 Gelesen: 1255# 3 @  
Hallo zusammen,

im zweiten Beitrag komme ich noch einmal zu Herrn Giseke. Dieses ist der früheste Beleg an ihn selbst, den ich bisher gefunden habe. 1932 hat er gerade seine neue Wohnung in der Straße Schneidersgarten bezogen. Allerdings ist es eine andere Hausnummer als auf den späteren Karten.



Er hat wohl schon 1932 Stempel gesammelt und die Belege aufgehoben. Zusätzlich ist mir aufgefallen, dass er auch Briefe mit Gelegenheitsstempeln in seine Sammlung übernommen hat, die an seine Arbeitsstelle, das Amtsgericht in Magdeburg gerichtet waren.





Leider sind diese Umschläge von ihm selbst oder von einem späteren Stempelsammler alle auf das Postkartenformat zugeschnitten worden.



Auch zu Herrn Glasewald kann ich noch etwas ergänzen. Anhand dieser Karte ist erkennbar, wer die Karten mit den Adressen bedruckt hat.



Als letztes noch ein Sonderstempel aus Gößnitz zum 50jährigen Bestehen des Philatelisten Vereins Gößnitz. Unten im Stempel ist ein Der Lorbeerkranz mit den Buchstaben „A.E. Gl.“ Diese stehen für Arthur Ernst Glasewald [1], den Vater von Hellmuth Glasewald. Dieser war seit dem 15. März 1886 ein selbständiger Briefmarkenhändler in Gößnitz und dürfte Mitbegründer des Briefmarkenvereins Gößnitz sein. Der Verein hat den Namen „Gößnitzer Philatelistenverein A.E. Glasewald 1887"

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Ernst_Glasewald
 
volkimal Am: 19.12.2021 22:00:44 Gelesen: 1144# 4 @  
Hallo zusammen,

ich finde Karten zu diesem Thema besonders interessant, wenn sie auf Stempelbeschaffungsdienste oder Stempelsammlervereine hinweisen. Hier ein Beispiel dazu.

Laut Chronik der Poststempelgilde sind 1930 in Deutschland drei Stempelsammlervereine gegründet worden: Der Verein der Maschinen-Stempelsammler in Dresden. Der Deutsche Werbestempel-Sammler-Verein in Zerbst und der Verband der Maschinenstempelsammler in Lübeck.





Diese Karte aus Ebenhausen vom 13.12.1933 trägt auf der Rückseite den Stempel des Deutschen Werbestempel-Sammler-Vereins in Zerbst. An der Adresse erkennt man, dass sich Richard Fink die Karte selbst zugeschickt hat.





Bisher habe ich drei Karten an Herrn Fink in meinen Kisten gefunden. Auf zwei der Karten ist auf der Rückseite ein Zettel mit einer Nummer von ihm aufgeklebt. Zur Bedeutung kann ich natürlich bisher noch nichts sagen. Die folgende Karte ist im Moment im Internet im Angebot [1].



Man sieht, dass Herr Fink anderen Sammlern Karten direkt zugeschickt hat. Vermutlich stand dieser Dienst allen Vereinsmitgliedern zur Verfügung.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://www.ma-shops.com/nahues/item.php?id=2110678
 
volkimal Am: 15.03.2022 16:59:16 Gelesen: 778# 5 @  
Hallo zusammen,

bei den Stempeln, die ich heute zeige, fällt die Gestaltung besonders auf:



Welcher Stempelsammler die Ausschnitte auf ein schwarzes Papier geklebt und mit weißer Farbe beschriftet hat weiß ich natürlich nicht. Beim Stempel aus Baden-Baden vom 20.7.1922 hat er zusätzlich angegeben "1 - 1922". Ich vermute, dass es die laufende Nummer beim Ort in seiner Sammlung war. Der Monat ist die "1" nicht und sie hat auch nichts mit der Bochmann-Nummer zu tun. Diese ist unten links mit Bleistift angegeben. Daneben steht der Preis aus dem Bochmann. Eine ähnliche Beschriftung hat der Stempel aus Magdeburg vom 2.4.1925. Dort ist angegeben "3 - 1925".



Bei den beiden Stempeln aus Bismark (Altmark) und Bitz (Württ.) ist zusätzlich zur Jahreszahl noch der Werbetext angegeben. Eine Nummer vor der Jahreszahl fehlt. Vielleicht hat der Sammler festgestellt, dass eine laufende Nummer ungünstig ist, wenn er später noch einen weiteren Stempel aus demselben Jahr vom selben Ort bekommen hat.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.07.2022 20:01:22 Gelesen: 262# 6 @  
Stempelbeschaffung durch die Firma Walter Behrens in Braunschweig

Hallo zusammen,

von einer Bekannten bekam ich unter anderem ca. 100 Gelegenheitsstempel des Deutschen Reiches aus der Zeit von Dezember 1939 bis September 1940. Ihr Schwiegervater hatte ein Abonnement bei der Firma Walter Behrens in Braunschweig und bezog von dort Zettel im Format 10,4 x 7,3 cm mit der Anschrift, einer Briefmarke und einem Gelegenheitsstempel. Ich habe keine Ahnung, wie solch ein Abonnement ausgesehen hat. Zum Beispiel weiß ich nicht, ob man Gebiete bzw. Orte angeben konnte oder ob die Firma Behrens die Stempel ausgewählt hat.



Die Stempel kommen aus allen Gebieten Deutschlands. Auffällig viele Stempel kommen aber aus den Gebieten, die seit 1938 zum Deutschen Reich dazugekommen sind. Als Beispiel ein Stempel aus Scheles (tschechisch Žihle). Bis 1918 gehörte der Ort zum Kaiserreich Österreich-Ungarn, von 1919 an zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Durch die Besetzung des Sudetenlandes kam Scheles im Oktober 1938 zum Deutschen Reich.





Bei einigen Stempeln lag ein kleiner Zettel mit Erklärungen dabei. Diese Zettel waren vermutlich auf der Textseite gummiert (sie glänzen dementsprechend). Durch den Gummi sind die Zettel mit den Stempeln zum Teil deutlich verfärbt. Hier zum Beispiel beim Stempel aus Attersee. Attersee am Attersee ist heute wieder eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Vöcklabruck. Gehörten diese Zettel zum Abonnement dazu oder musste man sie extra bestellen? Ich weiß es nicht. Etwa bei der Hälfte der Stempel liegt ein Zettel mit Erklärungen dabei.



Ein paar Dinge werde ich bestimmt wieder Andreas Gronemeier melden. Er bearbeitet für die Poststempelgilde den Bochmann-Katalog 1919 – 1945. Als Beispiel dieser Stempel aus Ratzeburg. Dass es ihn auch in blauer Farbe gibt, ist bisher im Bochmann nicht erwähnt.

Im nächsten Beitrag folgen einige weitere Beispiele.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.08.2022 16:39:28 Gelesen: 118# 7 @  
Hallo zusammen,

sie schon angekündigt geht es weiter mit dem Abonnement der Firma Walter Behrens. Wie ich schon schrieb, ist der Anteil an Stempeln aus den Gebieten, die seit 1938 zum Deutschen Reich dazugekommen sind relativ hoch. In einigen Fällen sind es Handserienstempel.







Eupen und Malmedy dürften den meisten von euch aufgrund der Briefmarken bekannt sein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet Eupen-Malmedy nach der Eroberung Belgiens durch die deutsche Wehrmacht am 18. Mai 1940 in das Deutsche Reich eingegliedert.



Am 1. Juni 1940 annektierte das Deutsche Reich weitere überwiegend deutschsprachige Gemeinden „Altbelgiens“, die vor 1920 nicht zum Deutschen Reich gehört hatten. Im Landkreis Eupen liegt das weniger bekannte Moresnet. Obwohl noch weitere Orte in den Landkreisen Eupen bzw. Malmedy lagen, gibt es nur diese drei Stempel.





Den Handserienstempel zum Tag der Briefmarke gab es in 14 Orten. Bei dem Abonnement von Behrens waren nur die beiden Stempel aus Lodsch und Stuttgart dabei.

Nach dem ersten Weltkrieg gehörte Lodsch als Łódź zur neu gegründeten Polnischen Republik. Beim Überfall auf Polen marschierte die Wehrmacht am 9. September 1939 kampflos in Lodsch ein. Das Gebiet wurde ebenfalls in das Deutschen Reich eingegliedert. Damit kam auch Kutno (polnisch ebenfalls Kutno) zum Deutschen Reich, denn Kutno ist eine Kreisstadt in der Woiwodschaft Łódź. In dem Fall ist links auf dem Zettel noch eine Seriennummer - keine Ahnung wofür.

Viele Grüße
Volkmar
 
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