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Thema: Altdeutschland Bayern: Belege in die Schweiz
bayern klassisch Am: 09.04.2022 12:07:13 Gelesen: 455# 1 @  
Liebe Freunde,

als Freund der Kosmologie/Astronomie konnte ich DEN nicht liegen lassen - Administration des "Komet" Pirmasens vom 19.7.1911 an G. Sütterlin, Kinematograph, Postfach 14260, Basel, Schweiz, portogereicht mit 20 Pfg. frankiert und noch am selben Tag dort angekommen (weltklasse von der bayerischen Bahnpost, Reichspost und CH - Post, auch wenn die nur für einen kleinen Teil der Strecke verantwortlich war).



Der Name "Sütterlin" sagt uns Schriftgelehrten natürlich etwas, aber Gustav Adolf Sütterlin hat nicht die nicht nach ihm benannte Schrift erfunden, sondern war Pädagoge und Hebelforscher, gelebt 1855-1936).

Auch "Komet" muss Himmelsforscher enttäuschen, denn es war ein Druck- und Verlagshaus und nicht das Pfälzer Zentrum der Himmelsbeobachtung. Aber das Kuvert ist wunderschön und der Empfängervordruck deutet für mich stark darauf hin, dass Herr Sütterlin häufiger mal Post aus der Westpfalz bekommen haben dürfte.

Mögen noch mehrere Kuverts des Kometen zu mir kommen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 09.04.2022 21:06:32 Gelesen: 428# 2 @  
@ bayern klassisch [#1]

Hallo Ralph,

Ein wirklich schönes Stück da passt alles.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 09.04.2022 23:00:57 Gelesen: 421# 3 @  
@ Gernesammler [#2]

Hallo Rainer,

vielen lieben Dank! Schau, was ich von einem netten Sammlerfreund bald dazu bekommen werde :



Dann sind beide zusammen, wie es sich gehört.

Liebe Grüsse,
Ralph

[Beiträge [#1] bis [#3] redaktionell verschoben aus dem Thema "Portobestimmung von Belegen: Altdeutschland Bayern - Schweiz"]
 
Gernesammler Am: 10.04.2022 14:04:06 Gelesen: 354# 4 @  
@ bayern klassisch [#3]

Hallo Ralph,

das gibt eine wunderschöne Seite in der Sammlung.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 16.04.2022 08:53:54 Gelesen: 282# 5 @  
Hallo Rainer,

wo du recht hast, hast du recht. :-)

Liebe Freunde,



einst schickte eine Frau M. Heckel aus Davos/Schweiz, eine Postkarte zu 10 Pfg. am 31.8.1895 als Antwortpostkarte von Davos an Herrn Hirschberg & Co. in München, wo sie am Folgetag einlangte. Dieser Karte muss also eine Hin-Karte aus München voraus gegangen sein. Als Antwort lesen wir folgendes:

"Herrn Hirschberg & Co !

Ich bedaure in meinem 2ten Brief Ihnen die Stocklänge nicht angegeben zu haben. In der Karte schrieb ich darüber. Meine ??? Stocklänge ist 102-103 cm, Hüftenweite 90 cm. Achtungsvollst Frau M. Heckel, Davos Platz, den 31. Aug. 1895"

Im Internet gibt es unter F. Hirschberg & Co in der Theatinerstr. 43 ein Mode- und Sportwarenkaufhaus Ende des 19. Jahrhunderts, was es wohl gewesen sein dürfte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 16.04.2022 10:39:49 Gelesen: 272# 6 @  
Liebe Freunde, lieber Ralph,

weiss nicht ob ich diesen Beleg nicht schon in einem anderen Thema gezeigt habe, aber hier passt er denke ich ganz gut.



Frankiert mit 2x6 Kreuzer weite Treppe (obwohl keine Notwendigkeit bestand)

An
Die Canzlei des Kantons
Unter"Walden ob den
Wald [1]
in Sarnen [2]
Schweiz

Unten:
St. Grethen bei Dürkheim
13 Juli 1854 Jos. Jakober

Der Vermerk oben ist für mich nicht zu entziffern.

Mühlkreisstempel 59
DÜRKHEIM i.d.Pf | 14 | 7
E.B. 15. Jul. | Curs 1. o (E.B.=Eisenbahn)
ZÜRICH | 16 | JULI | 54 | VORM.
SARNEN | 17 | JUL. | 1854 | *+*

Rückseitig nur der Vermerk (ich nehme an das war nicht die ganze Nachricht, es war wohl ein zweites Blatt eingelegt):

Meine Adresse ist
Joseph Jakober
in
St Grethen [3] bei
Dürkheim
in der Rheinpfalz

Oben noch der Vermerk "6", Frankoanteil der Schweiz? Aber das kann uns sicher "bayern klassisch" aufschlüsseln.

Liebe Grüße und frohe Ostern,
harald

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Unterwalden
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Sarnen
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Grethen_(Bad_D%C3%BCrkheim)
 
bayern klassisch Am: 16.04.2022 11:02:38 Gelesen: 266# 7 @  
@ bignell [#6]

Lieber Harald,

"Beförderung empfohlen" steht da. Da hast du für mich als Pfälzer einen netten Brief ausgegraben, den ich nicht kannte!

Eigentlich hätte man mit 9 Kr. aus der Pfalz (von jedem Ort dort) über Baden spedieren müssen und das Weiterfranko von 6 Kr. (über 10 Meilen vom Grenztaxpunkt Basel - Schaffhausen) frankieren müssen = 15 Kr.. Aber man hat, wenn keine Marke fehlt, nur 12 Kr. frankiert und weil er nicht als unterfrankiert angesehen wurde, hat die CH die fehlenden 3 Kr. = 10 Rappen auch nicht vom Empfänger beikassiert. Prima! In den frühen 1850er Jahren hatte man oft Probleme mit der korrekten Frankatur in die Schweiz, sowohl auf Seiten der Absender, als auch auf Seite der Post. Ja, die 6 waren der Frankoanteil für die CH = 20 Rappen ab 1.10.1852 bzw. ab 15.10.1852 von Schweizer Seite aus.

Mit "Beförderung empfohlen" wollte man sicherstellen, dass der Brief auch tatsächlich auf die Reise ging und nicht dem Absender in einem kleinen Nebenort ohne Postverbindung wieder zurückgetragen werden sollte.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bignell Am: 16.04.2022 13:21:14 Gelesen: 257# 8 @  
@ bayern klassisch [#7]

Lieber Ralph,

ja vor zwanzig Jahren konnte man günstig Briefe aus der Bucht (wie Du so schön sagst) fischen, da waren die Leute noch stärker an Marken interessiert als an Briefen, inzwischen hat die Erderwärmung die Bucht ziemlich ausgetrocknet. Aber es ist noch ausreichend Wasser im Bodensee, und der Brief ist aus der Kategorie "einmal über den Bodensee gespuckt":



10.1.1866 Lindau - 11.1.1866 Romanshorn/Schweiz, Mühlradstempel 289 wenn ich das richtig entziffere, der Lindau-Stempel sehr schlecht abgeschlagen, der Romanshorn-Stempel wie meist sehr klar

Spannend finde ich die Mischung von Currentschrift und lateinischer Schreibschrift im Aufzählungsteil, oder auch die Anrede in lateinischer Schrift während der Text in Current gehalten ist.

Lindau den 10. Januar 1866.

Lieber Freund Kinkelin!

Da ich nun wieder mit dem neuen Jahr meine
Bücher abschließe, so erlaube ich mir Dir meinen Rechnungsauszug
zur Vergleichung hiermit einzusenden.
Nach Einsendung der Abrechnung vom Jahr 1864 verblieb
meinen Guthaben vom Jahr 1863 u. 1864 nach meinem Buche
1864 den 1. Januar an Saldo-Vortrag f 8.50
1865 " 11 Februar eine Madonna abgegeben 9.45
" " 25 July. Repratur von 2 Brillen 1.6
" " 14 August " " 1 Brille -.30
f 20.11 [Summe = 18 Gulden 131 Kreuzer = 20 Gulden 11 Kreuzer, da 1 Gulden=60 Kreuzer]

Es liegen noch 2 Brillen bei mir, deren Repratur betrifft -.48x
Willst Du solche durch Jemand abholen lassen, damit sie nicht
ganz vergeßen werden

?? grüßt Dich dein freund
und ???
Mart. Koch
Opticus

Dankend verrechnet
25. Januar 1866
M. Koch
Optikus
???

Liebe Grüße,
harald
 
bayern klassisch Am: 16.04.2022 14:29:49 Gelesen: 249# 9 @  
@ bignell [#8]

Lieber Harald,

ein netter Brief im Grenzrayon (bis 5 Meilen von Auf.- zur Abgabepost) in üblicher, Lindauer Erhaltung. Die 3 Kr. bis 1 Loth verblieben komplett bei Bayern - die Schweiz bekam hier gar nichts.

Interessant auch der Inhalt - da war unser Opticus eine ziemliche Träne, wenn ihm erst Jahre später auffiel, dass er noch Geld zu bekommen hatte, aber unter guten Geschäftsfreunden war das kein Problem, weil man amtliche Verjährungsfristen eh nicht brauchte.

Leider kann ich das, was du nicht lesen kannst, auch nicht lesen. Vlt. kann es aber ein Anderer hier?

Ja, die "Bucht" (eBay heißt ja electronic bay, also die elektronische Bucht) ist nicht mehr die, die es früher war, aber mit etwas Glück und Zähigkeit kann man auch heute noch Schmankerl finden, wenngleich es immer schwerer und mühevoller wird.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 13.05.2022 09:33:57 Gelesen: 80# 10 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief aus dem lieblichen Lindau im Bodensee vom 30.9.1862 an den Weinhändler Amman in Ermatingen am Bodensee. Der Absender frankierte mit 3x blau am letzten Ausgabetag dieser Ausgabe, wir wissen, dass am Folgetag schon die 3x rot (Nr. 9) an die Schalter kam.



Leider hielt er seinen Brief trotz Luftlinie von fast 48 km für einen Grenzrayonbrief, der tatsächlich nur 3x (3 Kreuzer) gekostet hätte; aber der Grenzrayon betrug nur 5 Meilen = 27,5 km und war daher nicht zur Frankoberechnung geeignet. Vielmehr war es ein Brief aus dem 1. bayer. Rayon in den 1. Schweizerischen Rayon, der je Land 3x gekostet hätte.

Lindau notierte in blau einen Strich für "Grenze" und danach die fehlenden 3x.

Die CH in Romanshorn sah das genauso und konvertierte diese fehlenden 3x in 10 Rappen, die der Empfänger am 1.10.1862 zu zahlen hatte.

Geschrieben wurde der Brief im nahen Schachen (heute: Bad Schachen) von Sebastian Eglin und bei einem Weinhändler ging es natürlich um Wein, was sonst.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
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