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Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt
Richard Am: 23.08.2009 20:42:57 Gelesen: 301478# 1 @  
Briefmarken sammeln: Welche sind die berühmtesten und wertvollsten der Welt ?

Simplify.de (15.07.09) - Für das Briefmarken sammeln sind sicherlich nicht sehr viele empfänglich. Aus diesem Grund verspricht der etwas antiquierte Anmachspruch "Darf ich dir vielleicht noch meine Briefmarkensammlung zeigen?" heutzutage wenig Erfolg. Manche Menschen, in der Hauptsache Männer, können sich aber für das Briefmarken sammeln ungemein begeistern und geben zum Teil Unsummen dafür aus, ihre Alben zu vervollständigen.

Ursprungsland des Briefmarken sammelns ist zwar England, jedoch befinden sich die meisten Verehrer der gezähnten Papierfetzen unter den Deutschen, man schätzt sie auf eine runde Million. Mit 500 organisierten Händlern und 450-500 Millionen Euro Umsatz darf sich der Markt für das Briefmarken sammeln und die Briefmarkensammler hierzulande zudem als größter weltweit bezeichnen lassen. Viele Marken sind unverschämt teuer. Manche, bei deren Anblick einem passionierten Sammler Tränen in die Augen schießen, sind sogar ein Vermögen wert. Welche Briefmarken aber zählen zu den berühmtesten und wertvollsten überhaupt?

One Penny Black

Wie der Name der One Penny Black schon sagt, besaß diese schwarze, ungezähnte Briefmarke, die das Profil der britischen Königin Victoria zeigt, einmal den Nominalwert eines Pennys. Heute ist die "One Penny Black" ein Vielfaches wert, vor allem deshalb, weil es sich bei ihr um die erste Briefmarke der Welt handelt. Sie wurde im Zuge der britischen Postreform entwickelt und ermöglichte es erstmals, die Beförderung von Briefen vom Absender bezahlen zu lassen. Ab dem Ausgabedatum der One Penny Black, dem 1. Mai 1840, war die Marke allerdings nur ein Jahr in Gebrauch. Denn da sich die ursprünglich roten Entwertungsmarkierungen sehr leicht wieder entfernen ließen, mussten sie bald durch schwarze ersetzt werden. Sofern aber schwarze Entwertungen auf schwarzen Marken logischer Weise nur schwer zu erkennen sind, musste auch die Farbe der Marke geändert werden: Aus der "One Penny Black" wurde die "One Penny Red". Von daher war die Anzahl der Exemplare dieses ersten Postwertzeichens von Anfang an sehr begrenzt.

Basler Taube

Die "Basler Taube" ist die erste und einzige Briefmarke, die am 1. Juli 1845 vom Schweizer Kanton Basel herausgegeben wurde. Da die Gründung eines einheitlichen Schweizer Postwesens erst 1849 erfolge, war zu diesem Zeitpunkt nämlich noch jeder einzelne Kanton selbst für die Organisation der Briefbeförderung zuständig. Der Name der Basler Taube, Postwert 2 1/2 Rappen, resultiert aus dem Umstand, dass sie als Motiv eine weiße Taube zeigt, die von der Inschrift "Stadt-Post-Basel" umgeben ist. Das Besondere der "Basler Taube" liegt jedoch in der Farbe, denn sie wurde in den drei Farben Schwarz, Blau und Karmin hergestellt und ist somit die erste mehrfarbige Briefmarke der Welt. Sie besitzt keine Perforation, da sie mit der Schere aus einem Bogen herausgeschnitten werden musste. Der hohe Sammlerwert der "Basler Taube" setzt sich aus ihrer Seltenheit und ihrem weiten Bekanntheitsgrad zusammen.

Rote Mauritius und Blaue Mauritius

Wenngleich die Rote und vor allem die "Blaue Mauritius" unter Nicht-Philatelisten als die berühmtesten gelten, sind die rote und blaue Mauritius nicht die wertvollsten und seltensten Briefmarken der Welt. Nachdem 1940 in England die ersten Briefmarken im Umlauf waren, wollte die Kronkolonie Mauritius diesem Beispiel nacheifern. Zwei Marken wurden gedruckt: Eine 1-Penny-Marke für Frankierungen im innerörtlichen Postverkehr der Mauritius-Hauptstadt Port Louis in der Farbe Rot und eine 2-Pence-Marke für den Postverkehr mit der benachbarten Insel Rodrigues sowie mit Übersee in der Farbe Blau. Diese Marken der ersten Serie von 1947, die bald durch eine zweite Serie ersetzt wurde, galten unrichtiger Weise lange als Fehldrucke, da sie neben der Wertangabe und dem Landesnamen "Mauritius" die für das Britische Empire unübliche Inschrift "Post Office" tragen. Von der "Roten Mauritius" existieren noch zwölf gebrauchte und zwei ungebrauchte Exemplare, während es von der Blauen nur noch acht gebrauchte und vier ungebrauchte gibt. Die "Blaue Mauritius" ist daher wertvoller. Jeweils ein Exemplar einer ungebrauchten Blauen Mauritius befindet sich im Besitz der Britischen Königin, des Internationalen Postmuseums in Den Haag, des Londoner Postmuseums sowie des Blue Penny Museums in Port Louis/Mauritius. Das Museum für Kommunikation in Berlin nennt immerhin eine gebrauchte Blaue Mauritius und eine gebrauchte Rote Mauritius sein Eigen. Eine weitere gebrauchte Blaue Mauritius wurde zuletzt 1993 für 1,725 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet etwa 1,1 Millionen Euro) veräußert. Das unter Philatelisten bekannteste Ganzstück, der sogenannte "Bordeaux-Brief", frankiert mit einer Roten und einer "Blauen Mauritius", wurde im gleichen Jahr von einem ungenannten Bieter für 6,125 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet knapp vier Millionen Euro) ersteigert.

(Quelle: http://simplify.de/index.php?id=stoeberninthemen&tx_ttnews[cat]=5&tx_ttnews[tt_news]=1233&backPid=10&cHash=941e1234ed&SYS=220&NL=1242806919&ML=1UJHYDL-H3VQUH)
 
BD Am: 23.08.2009 21:11:40 Gelesen: 301469# 2 @  
So war der Wert vor 96 Jahren, wobei die Verkaufspreise mit den Katalogpreisen fast identisch waren.

Mit besten Grüßen BD


 
Richard Am: 31.08.2009 08:21:34 Gelesen: 301374# 3 @  
Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt (Teil 2)

Simplify.de (22.07.09) - Den One Penny Black haben Sie vergangene Woche bereits kennengelernt, die Basler Taube ebenfalls und auch die Rote Mauritius und die Blaue Mauritius haben wir Ihnen näher gebracht. Mehr zu den Schönen und Reichen aus der Welt der Briefmarken erfahren Sie hier im 2. Teil.

Schwarzer Einser

Deutschlands älteste Briefmarke ist der sogenannte "Schwarze Einser". Das ungezähnte Wertzeichen wurde auf handgeschöpftem Papier gedruckt und 1849 im Königreich Bayern ausgegeben. Der "Schwarze Einser" war der kleinste Wert einer ganzen Serie von sehr ähnlichen Marken, die alle eine große Ziffer als Motiv zeigen. Die Gestaltung des Schwarzen Einsers in schwarzer Farbe bewährte sich nicht, da sie mit schwarzer Stempelfarbe entwertet wurde. Der Schwarze Einser wurde daher schon bald durch eine neue Ausgabe, den rosafarbenen 1-Kreuzer ersetzt. Trotz einer dennoch recht hohen Auflage von 832.500 Stück ist der "Schwarze Einser" bei Sammlern sehr beliebt und erreicht Sammlerwerte von 1.000 bis 3.000 Euro.

Sachsen Dreier

Der "Sachsen Dreier" (korrekte Bezeichnung: "Sachsen, Drei Pfennig rot"), eine der bekanntesten Marken Deutschlands, wurde 1850 als erstes Postwertzeichen des Königreichs Sachsen ausgegeben und diente vor allem zur Frankatur von Zeitungen. Da sie zumeist zur Hälfte mit der Drucksache und zur anderen Hälfte mit dem diese umfassenden Streifband verklebt wurde, fiel sie in der Regel der Zerstörung anheim. Der Wert, der bis heute erhaltenen 3000-4000 Exemplare vom Sachsen Dreier, schwankt je nach Farbnuance zwischen 4000 und 18 000 ?.

British Guiana

Von der "British Guiana 1¢ magenta" ? das Motiv der 1856 in British-Guayana (heute Guyana) herausgegebenen Briefmarke zeigt ein schwarzes Schiff auf magentafarbenem Papier - ist nur ein einziges Exemplar erhalten geblieben. Diese British Guiana wurde 1873 von dem zwölfjährigen Schüler Vernon Vaughan bei der Durchsicht von Briefen seines Onkels gefunden, machte danach eine Odyssee um die halbe Welt durch und ging schließlich 1980 für 935 000 $ in den Besitz John E. du Ponts über. Diese Summe brachte der "British Guiana 1¢ magenta" lange Zeit den Ruf der seltensten und teuersten Briefmarke der Welt ein. Der heutige Zustand der British Guiana ist unbekannt, da du Pont seit 1997 wegen Mordes in einer psychiatrischen Anstalt in Philadelphia eine längere Haftstraße absitzt.

Inverted Jenny

Bei der "Inverted Jenny", der ersten US-amerikanischen Flugpostmarke (zu 24 Cents) aus dem Jahr 1918, handelt es sich um einen Fehldruck. Er zeigt als Motiv die Curtiss Jenny, ein Flugzeug, das allerdings verkehrt herum abgebildet ist. Dies war möglich, da die Marke in zwei Farben (roter Rand, blaues Flugzeug) und damit in zwei Druckvorgängen hergestellt wurde. Es existieren nur 100 Fehldrucke der Inverted Jenny, deren Stückwert mittlerweile um die 120 000 ? beträgt. Die "Inverted Jenny" genießt eine hohe Popularität in der US-Pop-Kultur. So findet beispielsweise Homer Simpson in einer Folge der auch hierzulande beliebten Zeichentrickserie "The Simpsons" einmal zufällig einen ganzen Bogen "Inverted Jennys" -, wirft ihn aber sofort achtlos weg. Dumm gelaufen.

(Quelle: http://www.simplify.de)
 
DL8AAM Am: 25.04.2012 18:08:32 Gelesen: 295700# 4 @  
Aber auch so kann man eine Blaue in die Sammlung bekommen. ;-)



Aber mal ernsthaft, weiss jemand wer hinter dem FRANKIT Gerät (Neopost 1D10000115) mit dem Einsatz "Postfach 12 06 / 86407 Mering" steht? Sehr wahrscheinlich ein größerer "Lettershop", der hier für den Absender (Ch. Krager KG, Augsburg) das Mailing und/oder die Frankierung übernommen hat.

AFS mit dieser Angabe (Kreisstempel-AFS tragen die Ortsangabe "86368 Gersthofen") sind von zahlreichen Freistempelgeräten (u.a. C063032, C063035, C063036, C063038) bekannt. Vielleicht die Firma "KuvertierService Richter GmbH" (Gaußring 28, 86415 Mering) ?

Gruß
Thomas
 
el-mue Am: 26.04.2012 07:33:34 Gelesen: 295654# 5 @  
Ich kann mich noch erinnern, dass Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre letzten Jahrhunderts der Fehldruck der Baden Nr.4 auf Brief für mehr als 2 Mio. DM den Eigentümer wechselten. Es gab dann kurzzeitig die Diskussion, ob dieser Brief mit dem Fehldruck als teuerste Briefmarke der Welt gelten könnte, da sie auf einer Auktion höher versteigert wurde, als man den Wert für eine Mauritius ansetzen könnte, der Badenfehldruck aber auf Brief klebt. Von dieser Briefmarke ist soweit ich informiert bin nur dieses Exemplar vorhanden.

Weitere und berühmte Briefmarken kann man auch auf Wikipedia sich anschauen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Briefmarke

Einfach nach unten scrollen, unter der Überschrift berühmte Briefmarken findet man dann eine Auswahl, wo auch die schon oben genannten abgebildet sind.

Beste Sammlergrüsse

El Mü
 
DL8AAM Am: 22.08.2012 17:11:11 Gelesen: 294669# 6 @  
@ DL8AAM [#4]

Vielleicht die Firma "KuvertierService Richter GmbH"

Ja, inzwischen konnte ich das positiv bestätigen, siehe auch http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=53473
 
Richard Am: 18.02.2014 09:21:58 Gelesen: 290447# 7 @  
@ [#3]

Das einzige erhalten gebliebene Exemplar der British Guiana ist wieder zu haben, das notwendige Kleingeld mal voraus gesetzt:

Sotheby's will 10-Millionen-Dollar-Briefmarke verkaufen - Papierfetzen mit Milliardenwert - die British Guiana One-Cent Magenta.

Von ELLEN GAMERMAN

Die British Guiana One-Cent Magenta, eine der wertvollsten Briefmarken der Welt, war einst im Besitz eines zwölfjährigen schottischen Schuljungen, dann hatte sie ein österreichischer Adliger inne und anschließend ein amerikanischer Chemie-Erbe, der später wegen Totschlags verurteilt wurde.

Jetzt wird ein neuer Besitzer gesucht. Am 17. Juni wird Sotheby's die Briefmarke in New York versteigern, wie das Auktionshaus am Freitag offiziell ankündigen dürfte. Als Preisziel für das Objekt hat Sotheby's mehr als 10 Millionen Dollar ausgegeben. Bei einem Gewicht von 0,001 Unzen (rund 0,028 Gramm) würde der verblasste Papierfetzen einen Bieter damit mindestens 1 Million Dollar je zehntausendstel Unze kosten.


(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.wsj.de/article/SB10001424052702304434104579382471715280510.html )
 
bignell Am: 18.02.2014 19:14:56 Gelesen: 290351# 8 @  
@ Richard [#7]

Hallo Richard,

das Kleingeld wäre ja nicht das Problem, aber ich sammle nur mehr Briefe, und davon wurde noch keiner gefunden. :)

Nicht unerwähnt möchte ich als Ösi den Zinnoberroten Merkur [1] als teuerste Marke Österreichs lassen, zuletzt von Schwanke versteigert, Ausruf 40.000, Höchstgebot 68.000 Euro.

Lg, harald

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Zinnoberroter_Merkur
 
Heinz 7 Am: 19.02.2014 16:47:39 Gelesen: 290279# 9 @  
@ Richard [#7]

Nun, die US$ 10'000'000 sind nicht so falsch bzw. danebengegriffen. Das wird sehr spannend werden, was die Marke bringen wird. In der Ferrary-Auktionsserie (1921 ff) jedenfalls war diese Marke mit Abstand die Nummer eins weltweit, und bei der Unvergleichlichkeit dieser Sammlung Ferrary heisst das schon etwas! Der damalige Zuschlagpreis (vor über 90 Jahren) ist umgerechnet in Wert heute auch klar siebenstellig!

Auch zu den Zeiten von Hind (ca. 1933) wurde die Marke als die teuerste der Welt geschätzt, kam dann aber leider nicht wirklich zum Verkauf (sonst wäre ein Vergleich möglich gewesen). Zur Zeit von Caspary (ca. 1955) wurde die Marke erneut bestätigt als die "teuerste" im Aufsehen erregenden TIME-Artikel. Erst bei den Verkäufen der BURRUS-Sammlung (ab 1962) lösten allmählich andere Marken die British Guiana als "Teuerste" ab. Dann aber kamen die zwei Verkäufe bei SIEGEL, New York: 1970 und 1980 - und wieder war die British Guiana One-Cent Magenta der absolute Star: Erlös (1980) US$ 850'000 + 10% Aufgeld = US$ 935'000, Weltrekord!

Damals stand der US-Dollar noch um einiges höher als heute!



Dieser Rekord wurde dann erst wieder beim KANAI-Mauritius-Verkauf (1993) klar übertroffen, und seither ist der Mauritius-Brief mit der einmaligen Buntfrankatur die Nummer eins unter den philatelistischen Kostbarkeiten.

Nun, dieses schöne Ereignis (Auktion in Zürich) liegt nun auch bereits 20 Jahre hinter uns (ich war dabei!). Nun darf man gespannt sein, ob die British Guiana One-Cent Magenta den Sprung zurück an die Spitze schafft. CHF 5 Mio. +15 % = 5.75 Mio. müsste sie übertreffen, also zum heutigen Kurs mehr als US$ 6 Mio., das ist natürlich sehr viel Geld. Besonders, weil im US-Dollar-Raum die Leute natürlich ein anderes Verhältnis haben zum Dollar und eine Preisentwicklung von US$ 935'000 auf US$ 6'400'000 natürlich ganz anders aussieht als wenn wir das in CHF umrechnen! Und die Geldentwertung sollte ja auch noch berücksichtigt werden, wobei früher die Zinsen ganz anders waren, als heute.

10 Million Dollar ist also ein durchaus "vernünftiges" (wenn auch etwas hohes) Preisschild für diese Marke, die in den letzten 100 Jahren zu Recht oft als "die Teuerste" bezeichnet wurde. Will sie ihren Ruf behalten, sollte sie in die Nähe dieses Preises kommen. Übertrifft sie die US$ 6.4 Mio. - Grenze nicht (Achtung: 1993!), bleibt weiterhin der "Bordeaux-Brief" (Mauritius) das teuerste Stück, sogar ohne Zeitwertveränderungs-Betrachtung.

Wir werden gespannt nach New York schauen, wenn der Hammer fällt!

Heinz
 
doktorstamp Am: 19.02.2014 18:54:57 Gelesen: 290234# 10 @  
@ Richard [#546]

One Penny Black

Wie der Name der One Penny Black schon sagt, besaß diese schwarze, ungezähnte Briefmarke, die das Profil der britischen Königin Victoria zeigt, einmal den Nominalwert eines Pennys. Heute ist die "One Penny Black" ein Vielfaches wert, vor allem deshalb, weil es sich bei ihr um die erste Briefmarke der Welt handelt. Sie wurde im Zuge der britischen Postreform entwickelt und ermöglichte es erstmals, die Beförderung von Briefen vom Absender bezahlen zu lassen. Ab dem Ausgabedatum der One Penny Black, dem 1. Mai 1840, war die Marke allerdings nur ein Jahr in Gebrauch. Denn da sich die ursprünglich roten Entwertungsmarkierungen sehr leicht wieder entfernen ließen, mussten sie bald durch schwarze ersetzt werden. Sofern aber schwarze Entwertungen auf schwarzen Marken logischer Weise nur schwer zu erkennen sind, musste auch die Farbe der Marke geändert werden: Aus der "One Penny Black" wurde die "One Penny Red". Von daher war die Anzahl der Exemplare dieses ersten Postwertzeichens von Anfang an sehr begrenzt.


Rund 65 Millionen Penny Blacks waren gedruckt. Die Zahl an sich bildet schon längst keine Seltenheit. Begehrt ist sie ohnehin. Aber bei dieser Marke um Geld dafür zu bekommen, muß man eine von Platte 11 postfrisch auf die Wiege stellen. Alles andere geht stark Berg hinab.

Von der One Cent magenta gibts auch die von Peter Winter, dessen Stück begründungslos seitens RPSL von einer Prüfung abgelehnt worden war.

Insider hierzulande wissen auch von einer dritten, die erst mit dem Tod ihres Besitzers vorgestellt wird.

Aber sie dürfte die 10 Millionen einspielen.

mfG

Nigel
 
bignell Am: 19.02.2014 19:02:38 Gelesen: 290232# 11 @  
@ doktorstamp [#10]

Hallo Nigel,

von der zweiten wusste ich, aber das eine dritte existiert ist mir neu. Bitte um Infos.

Danke, harald
 
Heinz 7 Am: 20.02.2014 21:28:13 Gelesen: 290166# 12 @  
@ doktorstamp [#10]

Die Penny Black ist ja, wie richtig festgestellt ist, keine seltene Marke, es gibt sie in rauhen Mengen. Aber es gibt auch heute noch erstaunlich viele sehr hohe Resultate für z.B. Viererblocks und noch grössere Einheiten. Die Chartwell-Auktion (=Sir Cyril Humphrey Cripps), die 2011-2012 bei Spink zur Versteigerung kam, hat jedenfalls sehr viele sehr hohe Preise gebracht, nicht nur von Plate 11. Die Resultate haben mich überrascht (positiv).



Ich persönlich glaube nicht, dass im Sommer nun der Mauritius-Rekordpreis geknackt wird. Die One Cent British Guiana wird es schwer haben, gerade auch wegen diesen Gerüchten um weitere Exemplare. Und - lose Marken haben es heute schwerer als früher; die meisten Spitzen-Preise werden heute für BRIEFE bezahlt. Und darum könnte der einmalige Mauritius Brief die Nummer eins bleiben. - Auch wenn 20 Jahre eine lange Zeit sind, und ein neuer Rekord der Philatelie auch gut tun würde. - Naja, wir werden sehen. Vorfreuen kann man sich ja einmal... Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: David Feldman & Sotheby's New York scheinen sich die Sammlung Du Pont aufgeteilt zu haben, das erinnert sehr stark an die Sammlung "Great" 1980: Hauptteil bei Robson Lowe, aber "THE Stamp" bei Robert A. Siegel, New York...

Heinz 7
 
LK Am: 24.02.2014 14:51:51 Gelesen: 290058# 13 @  
@ Heinz 7 [#9]

Hallo,

nachdem es mir gesundheitlich wieder etwas besser geht, habe ich mal wieder in der Vergangenheit nach Beiträgen zu dieser Marke recherchiert.

Interessierte Sammler mögen sich folgenden Beitrag (Link) aufmerksam durchlesen.

Ob die Marke jetzt immer noch 10 Mio $ Wert ist, muss dann jeder für sich entscheiden.

http://www.phila-kompass.de/fileadmin/PDF_Dateien/guiana.pdf

Gruß

LK
 
Vernian Am: 24.02.2014 20:30:00 Gelesen: 289991# 14 @  
@ LK [#13]

Hochinteressant. Stellt sich nur die Frage, ist es nun eine Fälschung oder nicht? Ist das Ferrari-Exemplar keine Fälschung, ist es dann die Winter-Marke?

Anderseits: Was für eine Rolle spielt das? Es wird, solange nicht eindeutige Beweise vorgelegt werden können, genug geben, die an die Echtheit glauben, allein schon des Mythos wegen. Und wenn es sich doch unbezweifelbar als Fälschung herausstellen sollte - auch Fälschungen werden gesammelt, und es wird weiterhin Leute geben, die dann für diese "erst nach weit mehr als 100 Jahren entlarvte Fälschung" bereit sind viel Geld dafür zu zahlen. Mag sein, das der Preis dann geringer ausfällt, der dafür bezahlt wird. Aber der Mythos lebt.

V.
 
Lars Boettger Am: 24.02.2014 22:09:42 Gelesen: 289965# 15 @  
@ Vernian [#14]

Die "Winter"-Marke ist eine Fälschung.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
Vernian Am: 24.02.2014 23:07:37 Gelesen: 289947# 16 @  
@ Lars Boettger [#15]

Wenn man den Artikel in obig angegebenen Link liest und zu Grunde legt, dann ist diese Aussage so nicht richtig.

Wenn die bislang bekannte Marke (und ehemaliger Bestandteil der Ferrari-Sammlung) echt ist (also eine echte Briefmarke bzw. Postwertzeichen), dann ist die Wintermarke eine Fälschung. Ist aber auch die Ferrari-Marke keine echte Marke (und dies wird ja laut dem Artikel ebenfalls von verschiedenen Seiten angezweifelt), sondern ein Machwerk (sagen wir: Eine Vignette?), dem es gelungen ist, lange Zeit (bzw. bis heute) als Briefmarke zu gelten, dann stellt nach der Definition des Artikels auch die Winter-Marke keine Fälschung dar, sondern nur ein weiteres Machwerk der gleichen Art.

In dem Artikel heißt es:

Man produziert eine beliebige, nicht in der Philatelie vorkommende, durch postalische Dokumente belegte, briefmarkenähnliche Vorlage – und dann ist dies eben keine Fälschung, sondern ein Original! Grund: weil eine Fälschung das Original voraussetzt. Da es aber kein Original gibt, kann das so ähnliche, aber nicht gleiche Produkt eben auch keine Fälschung sein! Das ist höhere Philosophie.

Ich selber als Laie würde schon sagen, dass es von Interesse ist, wenn eine bis heute für eine Briefmarke gehaltene Vignette privater Machart nochmal auftaucht und dabei als Fälschung angesehen werden kann, aber für die zitierten Quellen in dem Artikel scheint es nicht relevant zu sein, wenn eine Vignette gefälscht wird. Diese Quellen interessiert a priori nur die Frage nach Postwertzeichen, nicht nach Vignetten. Ist es kein Postwertzeichen, also keine Briefmarke, dann ist es auch unerheblich ob das zweite Exemplar ein Original oder eine Fälschung des anderen Stückes darstellt.

Das sind hier die Grenzbereiche zwischen der herkömmlichen Postwertzeichen-Philatelie und der Philatelie, die sich (auch) mit anderen Marken wie etwa mit Fiskal- oder Gebührenmarken oder halt eben mit Vignetten befasst. Ich denke, das die Vignetten-Sammler der Jahrhundertwende um 1900 (denn damals war das Sammeln von Werbevignetten und ähnlichen Produkten zeitweise sehr beliebt) schon sehr an der Frage interessiert gewesen wären, ob das Winter-Exemplar eine Fälschung nach Vorlage des Ferrari-Exemplar darstellt oder nicht.

Beste Grüße

Vernian
 
DL8AAM Am: 02.04.2015 17:23:43 Gelesen: 286690# 17 @  
@ Richard [#3]

Inverted Jenny ( ... deren Stückwert mittlerweile um die 120 000 ...)

Zwei Inverted Jennies wurden gerade im vergangenen Februar 2015 in den USA versteigert, die Nummer 80 (ex Aldrich) auf der Aripex Stamp Show in Mesa, AZ am 21.02.2015 für US$ 132.250,00 und die Nummer 19 (ex Curtis) durch "Robert A. Siegel Auction Galleries" in New York am 22./23.02.2015 für US$ 195.500,00 - jeweils plus Aufgeld [1].



Die Nummer 80 [*] (Abbildung extern verlinkt nach [1])

[*] Die Nummerierung wurde seinerzeit vom Händler Eugene Klein rückseitig auf sämtlichen Briefmarken des einzigen bekannten Bogens (zu 100 Stück) angebracht, als dieser aufgetrennt wurde. So hat jede einzelne Inverted Jenny ihren eigenen Namen bekommen ;-) und ist somit durch die Geschichte rückverfolgbar.

Gruß und Frohe Ostern
Thomas

[1]: http://www.linns.com/news/stamp-market-insights/1636/Two-Inverted-Jennies-hammered-down-in-separate-auctions-in-February
 
bignell Am: 02.04.2015 19:57:14 Gelesen: 286637# 18 @  
@ DL8AAM [#17]

Und ich hab drei davon - sogar auf Brief. :)


 
bayern klassisch Am: 02.04.2015 20:08:43 Gelesen: 286626# 19 @  
@ bignell [#18]

Kapitalist! :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Hausfreund Am: 02.04.2015 21:17:18 Gelesen: 286596# 20 @  
@ bignell [#18]

Das wäre doch mal ein gutes Angebot bei eBay!

Schönen Abend!
 
DL8AAM Am: 02.04.2015 21:47:06 Gelesen: 286580# 21 @  
[#18][#20]

Nur das die neue, teure Jenny nun richtig herum fliegt, zumindest die richtig teure. ;-)

Gruß und Frohe Ostern
Thomas
 
bignell Am: 02.04.2015 21:50:09 Gelesen: 286578# 22 @  
@ DL8AAM [#21]

Nö sind beide bildgleich.


 
DL8AAM Am: 03.04.2015 13:37:30 Gelesen: 286519# 23 @  
@ bignell [#22]

Nee, nee, Du hast leider nur die richtig herum'ige, neue Inverted Jenny. Die seltene und richtig teure ist die 'right side up' Jenny oder "inverted Inverted Jenny". ;-)

Die US Post hatte seinerzeit als PR-Gag ganz bewusst noch zusätzlich 100 mini-sheets (mit je sechs dieser neuen 2$) gedruckt, bei denen der Einsatz richtig herum, "right side up", steht, d.h. diese Jennies fliegen nun endlich richtig herum. [1].



Mini-sheet "right side up", Abbildung extern verlinkt aus [2].

Diese Blätter wurden unter die "richtig" kopfstehenden gemischt und regulär durch die US Post verkauft. Da alle sheets in undurchsichtigen Umhüllungen vertrieben wurden (werden?), war das also eine Art von Lotterie. Die Glücklichen die so eine inverted "Inverted Jenny" zufällig erstanden haben, fanden zusätzlich noch eine Nachricht der Post, dass sie eine Telefonnummer anrufen sollen, dann bekamen diese zusätzlich dann noch ein Echtheitszertifikat des Generalpostmeisters der USA. Auf diese Weise weiss die USPS aber auch wieviele dieser bewussten "Fehldrucke" erkannt gefunden wurden. Ich meine mich entsinnen zu können, gelesen zu haben, dass das vor Kurzem noch nicht wirklich viele gewesen waren. Viele dürften von Zivilisten unerkannt auch für (eBay) Light Parcels etc. verwendet worden sein und wenn man weiss wie groß inzwischen der Anteil der einfach weggeworfenen Briefmarkenumschläge und achtlos aufgerissenen Päckchenumhüllungen auch in den USA ist, kann sich leicht ausrechnen, wie viele der Welt wohl erhalten geblieben sind.

Es gab also nur maximal 600 dieser neuen 'right side up Jennies', mit entsprechend "ansprechenden" Preisen in den USA. ;-) Bei Siegel ging im Juni 2014 bereits zum Beispiel einer erst bei über US$ 51.000,00 weg [3], während die ersten Funde im Januar noch für schlappe 25.000 Tacken zu ergattern waren [2], aber da dachte man auch noch, dass ein Großteil der 'right side ups' noch gefunden werden, hi. So wird der moderne Mehrwert erzeugt. ;-)

Gruß
Thomas

[1]: http://about.usps.com/news/national-releases/2013/pr13_079.htm
[2]: http://www.linns.com/news/breaking-stamp-news/56/Upright-Inverted-Jenny-pane-sells-for-$25000-new-reports-raise-census-to-eight-found-so-far
[3]: http://www.linns.com/news/breaking-stamp-news/608/First-upright-$2-Jenny-Invert-pane-auctioned-fourth-24and
 
Heinz 7 Am: 03.04.2015 19:19:13 Gelesen: 286461# 24 @  
@ DL8AAM [#17]

Hallo Thomas,

die "Inverted Jenny" gehört zweifellos zu Recht in dieses Thema "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt", obwohl sie vielleicht auch als "die am meisten überbewertete Briefmarke der Welt" bezeichnen könnte! Sie wird nämlich sehr, sehr hoch bewertet! Bei Michel stand sie 2010 bei satten Euro 200'000. Es gibt nicht viele Briefmarken, die so hoch bewertet sind!

Die Marke ist ein "Kopfsteher", also eine Abart (eigentlich ein Stück, das als Druckfehler hätte vernichtet werden sollen!). 1918 gab die USA die ersten 3 Flugpostmarken heraus: 6 Cents orange, 16 Cents grün und 24 Cents rot/blau = C 1, C 2 und C 3 nach "Scott"-Katalog, Michel Nr. 248, 249 und 250. Die zweifarbige Marke wurde in 2 Arbeitsgängen gedruckt, und einmal wurde dabei der Druckbogen verkehrt eingelegt, darum ist das Flugzeug kopfstehend.

Die "normale" 24 Cents Marke wird bewertet mit Euro 80 (Michel Nr. 250). Es gibt auch weitere Abarten dieser Marke, wie die "tieffliegende Jenny" (verschobener Blaudruck), wovon ein Viererblock auch schon teuer verkauft wurde. Ein Bild davon anbei!

.

Warum ist denn der Kopfsteher (Bild: Beitrag 17) so teuer?

"Der Markt macht den Preis", sagt man, und für die ABART dieser Flugpostmarke wurden immer schon sehr hohe Preise bezahlt, regelmässig. Aber eine Weltrarität ist sie eigentlich nicht einmal... Immerhin gibt es 100 Stück davon... Wenn wir berücksichtigen, dass es mehrere Viererblocks davon gibt und ursprünglich sogar einen Achterblock, so reduziert sich die Zahl der handelbaren Einheiten natürlich ein wenig, aber es gibt heute noch mindestens 60 Marken oder Einheiten davon. Das ist sehr viel mehr als bei vielen, vielen anderen philatelistischen Weltraritäten, bei denen es nur ganz wenige gibt (ein Dutzend oder noch weniger, einzelne gibt es sogar "nur ein Mal").

Im Jahr 2000 kam die "Inverted Jenny" nicht weniger als 6 x zur Auktion (sechs verschiedene Stücke) und sie erzielte damals Preise von US$ 155'000, US$ 85'000, US$ 72'500, US$ 120'000, US$ 110'000, US$ 85'000 ("Hammerpreise", dazu kam in der Regel noch ein Zuschlag von 10 % für den Auktionator). Das sind beachtliche Resultate, die nur erklärbar sind, weil die Marke wirklich weltberühmt ist und mehrere Käufergruppen anspricht: "USA" und "Airmails" und "Errors". Die USA sind traditionell ein Land mit vielen wohlhabenden Sammlern, darum ist das Preisniveau dort eher hoch. Der Katalogpreis bei Michel ist also durchaus begründet. Im Jahr 2007 wurden zwei die Briefmarken EINZELN sogar für unglaubliche US$ 977'500 und US$ 825'000 verkauft (vermutlich Endpreise, also "Hammerpreis plus Zuschlag"), aber nach der Finanzkrise 2008 brachen diese Preise ein. Nach Wikipedia (englisch): "In the wake of the 2008 financial meltdown, prices fetched by Inverted Jennys have receded. Between January and September of 2014, five examples offered at auction sold for sums ranging from $126,000 through $575,100." Wir sehen also: die Preisspanne(n) war/ist recht gross.

Zweifellos aber ist die Scott C 3a eine der teuersten und beliebtesten Marken der Welt. Sie wird auch publikumswirksam an jeder grösseren Ausstellung gezeigt. Auch der "Zirkus" mit dem Neudruck (siehe Beitrag 23) ist wohl nur mit dieser populären Marke so möglich.

Eine andere, viel weniger beachtete Story über eine ANDERE Weltrarität sei anbei erzählt.



1852 wurde in Indien (gehörte damals zu Grossbritannien) eine seltsame Briefmarke herausgegeben; die "Scinde Dawk" 1/2 Anna. Bei Michel steht dazu: "I. Ausgabe: Farbloser Prägedruck auf roter Siegeloblate". Die Marke ist im Michel 2010 gelistet mit Euro 12'000 gebraucht und mit Euro 100'000 ungebraucht. Von der ungebrauchten Marke soll nur ein Exemplar existieren! Diese war in einer der berühmtesten und wertvollsten Briefmarkensammlung der Welt: Maurice Burrus!



Anbei ein Bild des Auktionskataloges von 1963. Die Marke wurde damals teuer verkauft.

Jetzt, im März 2015 stand das Unikum wieder einmal zum Verkauf. Die Spannung war gross, ob das Stück verkauft werden kann, die Raritätenhändler Behr (Paris) sind nicht dafür bekannt, dass sie ihre Marken günstig anpreisen. Los 5299 war für Euro 150'000 angeboten.

Gestern erhielt ich die Ergebnisliste: danach wurde die Marke verkauft für Euro 150'500. Ein hoher Preis, gewiss, aber verglichen mit der "Jenny Inverted"
meines Erachtens nicht einmal überbewertet.

Aber das ist Ansichtssache - Die Marke "Scinde Dawk 1/2 Anna, scarlet, unused" gehört aber sicherlich AUCH in diese Rubrik der wertvollsten Briefmarken der Welt!

Grüsse
Heinz
 
bayern klassisch Am: 03.04.2015 19:55:20 Gelesen: 286444# 25 @  
@ Heinz 7 [#24]

Lieber Heinz,

ein toller Beitrag von dir - vielen Dank dafür und jetzt habe ich schon viel von dir gelernt.

Du hast den goldenen Stern wahrlich nicht umsonst.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
JohannesM Am: 03.04.2015 21:49:38 Gelesen: 286409# 26 @  
@ bignell [#22]

Lächerlich. Von der nach rechts fliegenden Jenny gibt's doch einen ganzen Bogen, aber meine fliegt nach links - und das ist wirklich ein Einzelstück und damit die allerallerseltenste Briefmarke der Welt. :-)

Beste Grüße
Eckhard


 
merkuria Am: 04.04.2015 00:14:43 Gelesen: 286378# 27 @  
Unter den weltweit teuersten Briefmarken rangieren mittlerweile manche Ausgaben Chinas in Spitzenpositionen. Ich werde in loser Folge einige dieser Spitzenreiter vorstellen.

Beginnen möchte ich mit einer Einheit des Kaiserreiches China.



Kaiserreich China 1897, 1$ breiter Aufdruck im 15er Bogenteil, Mi Nr. 33 II ungebraucht.

Die Einzelmarke wurde zur Zeit der Auktion im Michelkatalog mit 1‘700 Euro bewertet! Zuschlagspreis für diese Einheit an der Corinphila Auktion Zürich 2008: 640'000 CHF ohne Aufgeld. Dies entsprach damals etwa 413'000 Euro.
 
merkuria Am: 04.04.2015 11:03:15 Gelesen: 286327# 28 @  
Die wohl seltenste und auch teuerste Briefmarke des Kaiserreichs China ist die 1897 ausgegebene Red Revenue mit schmalem 1$ Aufdruck, Mi Nr. 33 I ungebraucht. Von dieser Marke sind bis heute gerade mal 32 Exemplare bekannt. Der letzte mir bekannte Verkauf dieser Rarität fand am 29. Juli 2013 bei der Interasia Auktion in Hongkong statt. Das Stück erreichte den Zuschlag bei 6.9 Mio HK$, was zu der Zeit 890‘000 US$ oder 670‘000 Euro waren.



Zum Vergleich; rechts der breite "preiswertere" Aufdruck!
 
merkuria Am: 04.04.2015 14:22:33 Gelesen: 286277# 29 @  
Eine der modernen Raritäten der Volksrepublik China ist die zweite geplante Ausgabe von „Das ganze Land ist rot“. Währendem die erste, kleinformatige Ausgabe vom 25. November 1968 im Michel Katalog unter der Nr. A1027 gelistet ist, wird die zweite Ausgabe nicht erwähnt. Dies hat folgende Hintergründe:

Die erste im Michel erwähnte Ausgabe wurde am 25. November 1968 zum Verkauf an die Postanstalten verteilt. Einen halben Tag später wurde auf der Briefmarke ein Fehler entdeckt, welcher die Postverwaltung dazu bewog, diese Ausgabe vom Verkauf zurück zu ziehen. Eine unbekannte Anzahl dieser Marken war aber bereits verkauft und konnte nicht mehr der Vernichtung zugeführt werden.

Was den Fehler anbelangt, so wurde auf der Landkarte vergessen, Taiwan welches als zu China gehörend propagiert wurde, entsprechend wie das Mutterland rot zu bezeichnen!



Diese Ausgabe brachte es im Viererblock vom Bogenrand an einer Interasia Auktion in Hongkong 2012 aber immerhin schon auf 6‘325‘000 HK$, was zu der Zeit 815‘000 US$ oder 613‘000 Euro waren.

Während die erste Ausgabe bereits an den Schaltern zurückgezogen worden war, befand sich eine zweite Ausgabe in einem grösseren Format zum gleichen Thema und dem gleichen Fehler noch in der Produktion für eine Ausgabe im Dezember 1968. Diese wurde gestoppt und die Marken der Vernichtung zugeführt. Weniger als 10 Exemplare entgingen der Vernichtung und sind aus ungeklärten Umständen in den Handel gelangt (Gscheidle lässt grüssen!)



Diese weit seltenere Ausgabe brachte es als Einzelstück an einer Interasia Auktion in Hongkong 2014 hingegen auf 5‘020‘000 HK$, was 647‘000 US$ oder 592‘000 Euro entspricht.
 
Heinz 7 Am: 04.04.2015 16:45:17 Gelesen: 286237# 30 @  
@ merkuria [#29]
@ merkuria [#28]
@ merkuria [#27]

Hallo Kollege,

Du hast recht, China hat sich ganz weit vorne eingereiht unter den "teuersten" Briefmarken der Welt. Vor allem die "1897 Red Revenue Small Surcharge" (Beitrag 28) ist IMMER sehr teuer, schon lange, obwohl es doch immerhin 32 Stück davon gibt (das ist nicht "extrem wenig"). Was bei China preistreibend ist, ist die grosse Zahl von neuen reichen Sammlern, die sich so etwas auch leisten wollen & können. Bei den vielen asiatischen Philatelisten sind natürlich 32 verfügbare Stücke nicht viel.

Interessant sind diese Marken auch, weil es "moderne" Marken sind (XX. Jahrhundert), wie die "Inverted Jenny", während sonst die "klassischen Marken" (XIX. JH) klar vorne liegen unter den Weltraritäten.

Die "Krone" für China betreffend "Teuerstem Stück" gebührt(e) meines Wissens längere Zeit dem einmaligen Ganzbogen (25 Stück) der Ausgabe "1878-1883 Large Dragon, Setting 3" (ich vermute das wäre dann Michel Nr. 3 III).



Die Marke hat zwar nur einen Katalogwert von Euro 850 (Michel 2010), aber als Ganzbogen erzielte sie meines Wissens GB£ 374'000 (britische Pfund 1991!); das war weit mehr als die Schätzung (GB£ 100'000 - 120'000). Dazu kam dann noch ein Aufgeld von 10 % für das Auktionshaus (Sotheby's London). Umgerechnet in US$ ergab das (ca. 1992) einen Kaufpreis von US$ 761'850 (Quelle: "Bolaffi 1992, all the records of the philatelic season" 1992). Damit schaffte es dieser Bogen 1991 auf Platz drei aller Top-Resultate weltweit!

Die Auktion war im September 1991 (Major James Starr collection, siehe Umschlag Auktionskatalog).

.

Bei einem Katalogwert von nur Euro 850 für die Einzelmarke ist dieses Ergebnis sicherlich erstaunlich. Aber war der Preis "zu hoch"? Wer entscheidet das? Immerhin ist es ein Unikat.

So, jetzt höre ich auf, sonst wird es noch philosophisch (auch DAS kann Philatelie manchmal sein).

Herzliche Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.04.2015 16:57:20 Gelesen: 286233# 31 @  
@ bayern klassisch [#25]

Oh, Ralph, danke sehr!

Dein Lob ehrt mich sehr! Wenn der Sieger von mehreren Philaseiten-Umfragen und selbst ein phantastischer Philatelist mit meinen Beiträgen zufrieden ist, macht mich das sehr zufrieden und auch ein bisschen stolz.

Es ist einfach schön, über anspruchsvolle Themen & Philatelie sprechen zu können, und auf Interesse zu stossen, oder von anderen Beiträgen lernen zu können! Ich bin sehr froh, auf "Philaseiten" so vielseitig-hochstehende Philatelie pflegen zu können und bin gerne bereit, dazu meinen Beitrag auch zu leisten, soweit mir das möglich ist (zeitlich und/oder vom Wissen her).

Eines ist gewiss: ich könnte 200 Jahre alt werden, es gäbe genügend interessante Themen in der Philatelie... das macht sie auch so "unfassbar" schön.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 05.04.2015 11:47:08 Gelesen: 286168# 32 @  
Eine weitere sehr seltene, vom Verkauf zurückgezogene Briefmarke aus der Volksrepublik China ist die im Yang Katalog unter der Nr. W82 aufgeführte Ausgabe „Sieg der Grossen Proletarischen Kulturrevolution“. Die Marke war 1968 zum Verkauf an die Postanstalten verteilt, jedoch war noch kein Erstverkaufstag festgelegt. Wenige Tage nach der Verteilung entschloss sich die Postverwaltung, diese Ausgabe nicht auszugeben und forderte die bereits ausgelieferten Marken zurück nach Peking, wo sie der Vernichtung zugeführt wurden. Ein Postamt in der Provinz Hebei verkaufte aber bereits vor diesem Beschluss einige Exemplare der Ausgabe. Die Gründe für den Rückzug der Ausgabe sind nicht bekannt.



Die Marke erzielte bei der Interasia Auktion vom 26.2.2011 einen Zuschlag von 2.2 Mio HK$ was zu der Zeit 205‘000 Euro entsprach (ohne Aufgeld).
 
merkuria Am: 05.04.2015 12:22:35 Gelesen: 286147# 33 @  
Eine ähnliche Geschichte wie in [#29] und [#32] beschrieben, hat eine für den 18. September 1968 geplante Ausgabe der Volksrepublik China. Die im Yang Katalog als W84 gelistete Ausgabe „Zitat des Vorsitzenden Mao an die japanischen Arbeiter“ wurde auf Druck der japanischen Regierung zurückgezogen. Japan befürchtete die Aufstachelung der japanischen Arbeiterschaft mit revolutionären Ideen. Die Ausgabe war bereits zum Verkauf an die Postanstalten verteilt als sich die Postverwaltung auf Druck Japans entschied, die Marke nicht zu verausgaben und zur Vernichtung zurück zu rufen. Eine unbekannte Anzahl dieser Marken war aber bereits verkauft und konnte nicht mehr der Vernichtung zugeführt werden.



Die bis anhin grösste bekannte Einheit dieser Briefmarke in Form eines Viererblocks vom unteren rechten Bogenrand erzielte bei der Interasia Auktion vom 26.2.2011 in Hongkong einen Zuschlag von 7.8 Mio HK$ was zu der Zeit 727‘000 Euro entsprach.
 
merkuria Am: 05.04.2015 14:07:29 Gelesen: 286128# 34 @  
Eine der wohl sagenumwobensten Ausgaben der Volksrepublik China ist wohl die im Volksmund unter der Bezeichnung "Big Blue Sky" bekannte halbe Briefmarke. Bisher sind nur zwei rechte Hälften sowie eine einzige ganz erhaltene Marke bekannt. An Auktionen wurde bisher nur die halbe rechte Briefmarke angeboten und abgebildet. Von der ganzen Briefmarke ist mir keine Abbildung bekannt, ausser die von Richard in seinem Thema unter http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=3053&CP=0&F=1 gezeigte Fälschung. Dass diese Fälschung die ganze "Big Blue Sky" darstellt, ist wohl unbestritten wenn man die verkaufte Hälfte mit der Ganzfälschung vergleicht.

Was die Geschichte der "Big Blue Sky" anbelangt, ist darüber wenig verbürgt. Bekannt ist, dass die Marke als Teil einer Sonderausgabe für den September 1967 vorgesehen war. Ob diese Sonderausgabe 2 oder 4 Marken umfassen sollte, ist aber schon umstritten. Bisher sind auch keine anderen Wertstufen dieser Ausgabe aufgetaucht. Der geplante Ausgabeanlass „40. Jahrestag der Vereinigung von Mao’s Herbst-Ernte-Armee mit der Aufständischen-Armee von Zhu De bei Jing Gangshan im Oktober 1927“ weist auf einen geschichtlichen Wendepunkt in der Revolution China‘s hin. Damit ist auch ein grosser Teil der Spekulationen verbunden, die über die Zurückziehung der Ausgabe angestellt werden.

Die Vorlage für die geplante Ausgabe lieferte ein während der Kulturrevolution im August 1967 entstandenes Propaganda-Plakat (Originalgrösse 39x54 cm)



Die angebotene Hälfte weist einen diagonalen Knick auf, was vielleicht auf deren Herkunft aus dem Vernichtungsvorgang herrührt. Wie weit diese Ausgabe bis zu ihrer Vernichtung bereits gefertigt war, ist ebenfalls unbekannt.



Eine Tatsache ist es aber, dass diese halbe Marke an der 9. Interasia Auktion 2010 in Hongkong unter Los Nr. 1173 einen Zuschlag von 1.9 Mio HK$ erzielte, was zu der Zeit 274‘000 Euro entsprach.
 
Heinz 7 Am: 10.04.2015 21:56:16 Gelesen: 285765# 35 @  
Danke, Merkuria, für diese interessanten Berichte. Es ist erstaunlich (und hier wohl wenig bekannt), dass China so viele "Hochkaräter" hat.

Beim Betrachten des Themas hier fällt auf, dass wir hier bis jetzt hauptsächlich von Ländern von bevölkerungsreichen Ländern gesprochen haben, so u.a. den Nummern 1-2-3 der Bevölkerungszahl (China-Indien-USA). Dass "nur" die Grösse des Landes eine wichtige Rolle spielt, kann aber klar widerlegt werden, wie ich hiermit zeigen werde.

Wir wissen, dass auch bevölkerungskleine Länder sehr wertvolle Marken haben können, wie z.B.

- Britisch Guiana (!)
- Schweden (Tre Skilling)
- Schweiz
oder (Paradebeispiel):
- Mauritius (Einwohner nur 1'234'000 (2004))

Nicht ALLE grossen Länder haben teure Marken. Das bevölkerungsmässig viertgrösste Land der Erde, Indonesien, mit heute rund 240 Mio. Einwohnern (Wikipedia) und seine "Vorgänger-(Briefmarken)-Regionen" "Niederländisch Indien" und "Portugiesisch Indien" beanspruchen im Michel-Raritäten-Katalog nur wenig Raum!

Referenz: MICHEL: "Valuable Stamps of the World - Wertvolle Briefmarken aus aller Welt", meines Wissens erstmals ausgegeben 2010 umfasst fast 1200 Seiten, wobei das nun in Rede stehende Gebiet nicht viel Platz einnimmt:

Indonesien: Seite 654: Keine Briefmarke mit Katalogwert über Euro 700 !
Niederländisch Indien: Seiten 855+856: Teuerste Marke: Nr. 2, *, KW: Euro 1'400
Portugiesisch Indien: Seiten 930+931: hier gibt es ein paar Marken mit KW > Euro 1'000, aber die höchste Notierung endet auch schon bei Euro 2'500.

Das sind für mich überraschend TIEFE Werte!

Man kann anfügen, dass einzelne posthistorisch interessante Briefe aus dem Gebiet auch schon teurere Preise gekostet haben (siehe Auktion Köhler 2010, Einzelfrankatur der Port. Indien Nr. 5 C: Hammerpreis (ohne Zuschlag/Taxen) 17'000 Euro (KW der Marke lose nur Euro 1'100)), aber das ändert nur wenig am Gesamtbild.

Ich kann leider im Moment diesen (mutmasslich) teuersten Wert für Indonesien nicht im Bild vorstellen; vielleicht kann jemand von Euch Lesern aushelfen (Auktion Köhler 23.3.2010)?

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.04.2015 00:10:07 Gelesen: 285634# 36 @  
In Beitrag [#30] haben wir ein/das(?) "China-best-ever" Auktionsergebnis kennen gelernt. Es ist erstaunlich, dass eine Marke mit einem Katalogwert von lediglich Euro 850 als grosse Einheit (Originalbogen) ein Resultat von US$ 761'850 (1992!) einspielte!

Das ist aber nicht das einzige Beispiel, bei dem die Sammler sehr tief in die Tasche greifen mussten, um genau DAS zu realisieren: die grösste EINHEIT einer seltenen Briefmarke zu haben! Dieser Verlockung sind schon viele Sammler erlegen. Auch die deutsche Philatelie kennt das bestens, man denke nur an Bayern, Oldenburg, oder Sachsen!



Vor 30 Jahren kannte noch jeder zweite Deutsche (Minimum!) den Sachsen-Dreier, eine der ersten Briefmarken Europas und der Welt. Zwar ist die Briefmarke gar nicht besonders selten; es gibt sie - im Gegenteil - recht häufig. Dennoch hat sie einen Katalogwert von Euro 4500 ungebraucht ohne Gummi, Euro 8000 ungebraucht mit Gummi oder Euro 7500 gestempelt (Michel-Wert 2010).

Die Marke gibt es natürlich auch auf Briefen oder Drucksachen, als Paare, Streifen oder gar in Viererblocks. Das "Königsstück" ist aber der Original-25er Bogen, der zwar ziemlich beschädigt ist/war (-> repariert), aber als Unikat schon seit Jahrzehnten den Besitzerstolz möglicher Sammler herausfordert. Er zierte Spitzensammlungen wie die von Ferrary und Maurice Burrus und erzielte Rekordergebnisse (echte und "gefakte") an internationalen Auktionen. Am 30. Januar 1999 war er meines Wissens das letzte Mal auf dem Markt, bei Heinrich Köhler in Wiesbaden. Verkäufer war der deutsche Sammler Ulrich D. Schulze, Käufer meines Wissens der "Mega-Philatelist" Joseph Hackmey, der damals den stolzen Preis von DM 920'000 bezahlte. Damit rangiert dieser Block zu den teuersten je bezahlten philatelistischen Einheiten der Welt; in der Saison 1999 war es das Spitzenresultat weltweit (siehe: BOLAFFI INTERNATIONAL 2000; all the records of the philatelic season/Bild: Ausschnitt von Titelseite). Und das hat Tradition! Bereits an den Ferrary-Auktionen erreichte dieses Stück an der 6. Auktion am 25.4.1923 55'000 Französische Francs, was (um- bzw. hochgerechnet) durchaus einem Wert von über CHF 300'000 (Wert 2011) entspricht.

Beeindruckende Zahlen! Altdeutsche Staaten sind also mit "ganz vorne" dabei. Bei ALLEN Ferrary-Auktionen zusammen rangierte das Stück übrigens auf Platz 25 aller Ergebnisse!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.05.2015 22:42:21 Gelesen: 284842# 37 @  
Wir nähern uns der Ausstellung in London. Die "One Penny Black", die erste Briefmarke der Welt, wird dann 175 Jahre alt sein!

Diese Briefmarke ist nun wirklich nicht selten, und selbst ungestempelt (wesentlich seltener als gestempelt!) "bereits" für Euro 3'800 zu finden (Katalogwert Michel 2010).

Aber natürlich gibt es auch von dieser Marke begehrte Blocks, die dann fast exponentiell im Wert steigen. Ich weiss nicht genau, welcher Block wann je der teuerste war, aber 2007 wurde ein 18er-Block zusammen mit einem (anhängenden) Sechserstreifen angeboten (William H. Gross-Sammlung: Great Britain; bei Shreves Philatelic Galleries Inc., New York, Auktion vom 11. Juni 2007). Los Nr. 8 war der 18er-Block "being the largest mint Penny Black multiple still remaining in private Hands" mit einem Schätzpreis von immerhin US$ 400-500'000. Los Nr. 9 war ein Sechserstreifen, der gemäss Auktionslosbeschreibung einst zum oberen Block gehörte (und also einen 24-er-Block bildete). Der Schätzpreis des Streifens betrug US$ 30-40'000.

In Los 10 wurden Los 8+9 zusammen angeboten und auch so zugeschlagen.



Der Hammer fiel bei genau US$ 1 Million, Kaufpreis also US$ 1'150'000 (15 % Zuschlag incl.).

Es gibt nur wenige Gelegenheiten, als eine philatelistische Einheit (Marke/Block/Brief) noch teurer verkauft wurde. Und so gehört auch Grossbritannien zum Kreis der "wertvollsten".

Heinz
 
WUArtist Am: 05.05.2015 17:35:31 Gelesen: 284752# 38 @  
@ Heinz 7 [#36]

Hallo Sammlerfreunde,

da der Sachsendreierbogen sicherlich irgendwo im Tresor vor sich hin döst und von Jahr zu Jahr teurer wird habe ich eine gute Alternative:



Da mein gezeigter Bogen wohl nicht so ganz in die Rubrik der berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt passt, kann Richard diesen Beitrag ja nach ein paar Tagen löschen.

Beste Grüße
WUArtist
 
Heinz 7 Am: 10.05.2015 22:26:34 Gelesen: 284568# 39 @  
@ WUArtist [#38]

Hallo,

ich würde diesen Nachdruck des Sachsendreier-Bogens für 1 Mark kaufen!

Etwas teurer war der beiliegende Brief, der die ersten drei Briefmarken der Welt auf EINEM Brief zeigt: Der berühmte "Daisy"-Faltbrief vom 7.7.1841. Er kam 2007 in New York wieder einmal zum Verkauf und der Hammer fiel erst bei US$ 375'000. Dazu kam noch die Provision.



Für Interessierte anbei die Losbeschreibung (Auszug) aus dem Shreves Auktionskatalog 11.6.2007 ("William H. Gross collection"):



Das Beispiel zeigt, wie drei an sich nicht seltene Briefmarken doch sehr wertvoll werden können. Ähnliches sehen wir manchmal auch bei seltenen Portokombinationen, Destinationen oder besonderen Verwendungsdaten, zum Beispiel Ersttag-Verwendungen, u.s.w.

Mehr davon später.

Heinz
 
Lars Boettger Am: 11.05.2015 14:39:01 Gelesen: 284490# 40 @  
@ Heinz 7 [#39]

Der Brief ist ganz nett. Ich bin aber eher auf das Ergebnis für den folgenden Brief gespannt:

http://www.philatelicfoundation.org/about/interview-with-mark-schwartz/

Ein vollständig mit Marken bzw. Ganzsache frankierter Schiffsbrief von England in die USA, nur neun Tage nach der Ausgabe der ersten Marken bzw. der ersten Ganzsachen. Wahrscheinlich liegt der Preis deutlich über 1 Million USD.

Der Brief ist schon seit Jahrzehnten nicht mehr über eine Auktion verkauft worden.

Beste Sammlergrüsse!

Lars


 
Heinz 7 Am: 11.05.2015 23:05:47 Gelesen: 284422# 41 @  
@ Lars Boettger [#40]

Lieber Lars,

ein superschönes Stück, auch dieses. Ich glaube, es bereits gesehen zu haben, weiss aber im Moment nicht (mehr) wann und wo. Im Moment habe ich keine Zeit zum Suchen, aber vielleicht komme ich später darauf zurück.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.05.2015 09:04:20 Gelesen: 284300# 42 @  
@ Lars Boettger [#40]

Hallo Lars,

dieser Brief wird zur Zeit gerade gezeigt in London an der Weltausstellung. Siehe Katalog S. 41, Kapitel "Special Features".

Schöne Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 24.10.2015 23:04:59 Gelesen: 280632# 43 @  
@ Richard [#546]

Dieses schöne Thema hat seit über 5 Monate keinen neuen Beitrag mehr gesehehen, also höchste Zeit...

Anbei zeige ich Euch ein Top-Weltrarität (leider nicht in meinem Besitz):



Es ist dies eine British Guiana, 1850-1851, 2 Cents schwarz auf hellrosa. Davon gibt es nur noch eine "Handvoll" Exemplare. Dieses zierte die Sammlungen von Ferrary, Avery, King Fuad, Hunt & Berlingin, du Pont.

1978 wurde die Marke verkauft und brachte CHF 66'000. Der Preis war damit tiefer als (kaufkraftbereinigt) zu Ferrary's Zeiten rund 55 Jahre früher. Aber 2014, als sie wieder versteigert wurde, übertraf das Resultat die Erwartungen: Startpreis Euro 100'000, Zuschlag Euro 190'000!

Die Marke wird seit jeher immer unter den "grössten Raritäten der Welt" aufgeführt. Also sollte sie hier in unserem Beitrag auch nicht fehlen. - Zu Brit. Guiana vgl. übrigens Beitrag Nr. 9

Freundliche Grüsse
Heinz
 
WUArtist Am: 25.10.2015 06:06:09 Gelesen: 280591# 44 @  
@ Heinz 7 [#43]

Lieber Heinz,

hoffentlich trete ich jetzt nicht ins Fettnäppchen; bitte nicht gleich an die Decke springen.

Ich finde es nicht schön, wenn ich die Vergrößerung anklicke, aber sich nichts vergrößert (oder das Gegenteil, man bräuchte zwei Bildschirme um die Vergrößerung unterzubringen).

Für alle, die es - wie ich - etwas größer mögen: Bitte Anklicken!

Beste Grüße
Joachim


 
Heinz 7 Am: 25.10.2015 21:56:10 Gelesen: 280503# 45 @  
@ WUArtist [#44]

Vielen Dank, Joachim!

Nein, ich springe nicht an die Decke. Ich war gestern unterwegs, und konnte das Bild nicht selber scannen, sondern habe ein abgespeichertes Bild genommen. Schade, dass man es nicht vergrössern konnte; sorry. Aber da hast Du ja jetzt nachgeholfen!

Jetzt - wieder zuhause - kann ich auch die Anzahl der Exemplare angeben. Die Marke ist eine der grössten Seltenheiten, denn es gibt nur 7 Einheiten (=10 Marken) davon

4 Einzelmarken (alle signiert/entwertet; und alle rund geschnitten) +
3 Briefe mit je einem Paar!

Wie so oft bei den ganz grossen Raritäten sind ein paar Stücke sogar noch unerreichbar für Sammler, weil in Museen: so auch hier:

2 Einzelmarken sind im Museum in Bonn und in der British Library (Tapling Collection), ein Brief ist in der Sammlung der Königin von England.

Also können sich die Sammler nur noch um 2 Einzelmarken und 2 Briefe (mit einem Paar) balgen.

Alle diese Infos: aus "Encyclopedia of rare and famous stamps" by Leon N. Williams, 1997

Heinz
 
Heinz 7 Am: 27.10.2015 00:06:57 Gelesen: 280409# 46 @  
@ WUArtist [#44]

Als Ergänzung zum Beitrag gestern:

Ich habe ein schönes Bild gefunden vom weltberühmten "Blankenburg"-Cover mit einem Paar der British Guiana 1851 2 Cents. Dieser Brief wurde 1996 an der ANPHILEX '96 in New York ausgestellt, als einer der wenigen "Aristocrat of Philately". Dieser Brief zierte die Sammlungen Duveen, Hind, Dale-Lichtenstein und Claude Cartier. Er wurde verwendet am 5. August 1851.



Die anderen beiden Briefe mit je einem Paar waren übrigens in der Ferrary-Sammlung, und alle drei Briefe wurden in den Jahren 1921 und 1922 verkauft zu sehr hohen Preisen. Der Brief "October 24" landete in der Royal Collection. Der Brief "November 26" bei Maurice Burrus.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 08.11.2015 22:11:16 Gelesen: 279968# 47 @  
@ Heinz 7 [#30]

Ich habe bereits gezeigt, dass gute Marken als grosse (grösste) Einheiten immer wieder Rekordpreise erzielen. Ähnlich ist dies mit den beliebten Kehrdruck-Paaren.



Anbei zeige ich Euch eine 1 Franc-Marke der Ausgabe Frankreich 1849-1850, Farbe vermilion vif, Yvert No. 7d.

Sicher eine seltene Marke, und als Kehrdruck-Paar (oder -Viererblock) eine ganz grosse Rarität. Dieses Stück wurde im November 2003 versteigert und hatte einen stolzen Schätzpreis von $ 600'000 - 800'000. Die Nachfrage war da; und der Zuschlag erfolgte bei US$ 1'025'000, dazu kamen die üblichen Zuschläge, sodass der Gesamtpreis bei US$ 1'178'750 lag (damals Euro 1'004'413). Alle diese Angaben stammen aus dem Buch von Bolaffi "Bolaffi International 2004; Alle Rekorde der philatelistischen Jahreszeit" (schlechte Übersetzung von: "All the records of the philatelic season").

Ich versuche noch in Erfahrung zu bringen, wie viele von diesen Kehrdrucken der Yvert No. 7d. heute noch bestehen (ich schätze ca. vier).

Guten Wochenstart morgen!
Heinz
 
Heinz 7 Am: 14.11.2015 21:27:39 Gelesen: 279686# 48 @  
@ Heinz 7 [#47]

Neben den Kehrdruck-Paaren sind auch die Marken mit kopfstehenden (Teil-) Drucken sehr augenfällige Abarten und darum (sofern selten) sehr beliebt und entsprechend teuer (siehe auch Beitrag [#17])



Ich zeige Euch hier eine US-Marke von 1869 mit kopfstehendem Mittelstück (Blaudruck). Bei Scott erhielt diese 15 Cent-Marke die Nummer 199b. Sie ist noch seltener als die "Inverted Jenny" (Beitrag [#17]). Bei Matthew Bennett kam diese seltene Marke im Mai 2003 zur Auktion - zum stolzen Ausrufpreis von US 275'000. Das Angebot fand Interessenten, und der Zuschlag erfolgte erst bei US$ 375'000; dazu kamen die Zuschläge --- Im Jahr 2003 war dies, nach dem Buch von Bolaffi, das fünfhöchste Resultat des Jahres. Damit rangiert diese Marke unter den teuersten aller Zeiten.

Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.12.2015 13:00:34 Gelesen: 279012# 49 @  
@ Heinz 7 [#48]

Hallo,

die primitiv hergestellten frühen Ausgaben der Welt faszinieren mich immer wieder. Dabei gibt es viele Weltraritäten. Anbei eine weitere:



Es handelt sich um eine sogenannte Postmeister-Marke von Bermuda; 2. Ausgabe von Postmeister Perot, 1853.

1 d. Carmine-red Crowned Circle on bluish laid paper auf hübschem Brief an Miss Hurst Care of W. Evans Esq. Somerset.

Zur Zeit sind meines Wissens nur 5 Marken bekannt, davon 2 auf Brief. Also eine der ganz grossen Raritäten, und dafür schon fast preisgünstig.

Ausruf GB£ 100'000. Bei einem Verkaufspreis von GB£ 36'000 im Jahre 1978 (als das britische Pfund noch mehr wert war) fast schon ein "Schnäppchen". Naja, die Kasse dazu müsste man trotzdem haben.

1950 musste der Käufer für das gute Ding offenbar US$ 2'500 zahlen. Ein kaufkraftbereinigter Währungsvergleich wäre interessant.

Heinz
 
merkuria Am: 04.12.2015 17:56:52 Gelesen: 278964# 50 @  
Hier wieder einmal eine chinesische Rarität :



Von dieser chinesischen Marke (Mi Nr. 166) soll 1915 irrtümlich ein Bogen zu 50 Stück mit kopfstehendem Mittelstück produziert worden sein. Von diesen 50 Exemplaren sind bis anhin 30 Stück bekannt. An internationalen Auktionen werden von Zeit zu Zeit postfrische Einzelstücke dieser Rarität angeboten. Für ein postfrisches Eckrandstück wurden beim US-Auktionshaus Cherrystone 250‘000 US$ bewilligt!



Das britische Auktionshaus Spink konnte im Januar 2013 das bisher einzig bekannte Exemplar dieses Fehldruckes auf Brief an seiner Auktion in Hongkong anbieten. Trotz des offensichtlich philatelistisch beeinflussten und auch überfrankierten Beleges wurden von einem Käufer 619.142 US$ bewilligt (inkl. Aufgeld)

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 11.12.2015 19:21:08 Gelesen: 278755# 51 @  
@ merkuria [#50]

Kopfsteher sind immer beliebt! Sie gehören zu den markantesten Abarten und sind darum in der Regel beliebt und teuer. Kopfsteher haben wir in dieser Rubrik schon zwei vorgestellt: Beitrag 17+48 (die Kehrdruck-PAARE, siehe B. 47, zähle ich dabei separat), Deiner ist also der dritte.

Dein Exemplar aus China mit dem einmaligen Brief dürfte vermutlich zur Zeit der teuerste Brief mit einer solchen Abart sein! Über eine halbe Million Dollar... sehr beachtlich!

Die US-Post hat auch später zu wenig aufgepasst und so kam es 1979 zur nächsten solchen Abart:



Der Kerzenhalter mit der kopfstehenden braunen Farbe. Ganz so hohe Preise wie die oben gezeigten Raritäten bringen sie zwar nicht, aber fünfstellige US-Dollar-Beträge sind ja auch nicht "ohne".

Ich habe keinen aktuellen Scott-Katalog. Wie hoch steht wohl die Marke im Katalog? Scott no. 1610c.

Grüsse aus der Schweiz
Heinz
 
merkuria Am: 11.12.2015 20:12:48 Gelesen: 278733# 52 @  
@ Heinz 7 [#51]

Hallo Heinz,

der Scott-Katalogwert beträgt z.Zt. 18'000 US$.

Ein US-Händler bietet das Stück zur Zeit zum Festpreisverkauf von 15'000 US$ an:

http://www.hgitner.com/shop/us-modern-after-scott-547/5147-us-1610c-vf-xf-nh-100-cia-invert.html

liebe Grüsse
Jacques
 
Heinz 7 Am: 11.12.2015 21:05:19 Gelesen: 278722# 53 @  
@ merkuria [#52]

Okay, danke. Ich hätte einen höheren Katalogwert erwartet, da die Briefmarke 2003 / 2004 immerhin Euro 18'278 bzw. Euro 18'746 an Auktionen kostete (nach "Bolaffi 004 International").

Liebe Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 11.12.2015 22:47:31 Gelesen: 278700# 54 @  
Hier noch drei weitere rare „Kopfsteher“ aus China:



Im November 1922 erfolgte die Freimarkenaushilfsausgabe zu 2 Cent (Mi Nr. 182) indem die 3 Cent Djunkenausgaben (Mi Nr. 152 II) mittels einem roten Aufdruck die neue Wertbezeichnung erhielten. Von dieser Aufdruckausgabe sind bisher 13 Exemplare mit kopfstehendem Aufdruck bekannt geworden (Mi Nr. 182K). Für ein postfrisches Stück wurden beim US-Auktionshaus Cherrystone 150‘000 US$ bewilligt! Die Michel-Notierung im neuesten China-Katalog 2015 beträgt 75‘000 €.



Am 31. Januar 1925 erfolgte die Freimarkenaushilfsausgabe zu 3 Cent (Mi Nr. 210) indem die 4 Cent Djunkenausgaben (Mi Nr. 192) mittels einem roten Aufdruck die neue Wertbezeichnung erhielten. Auch von dieser Aufdruckausgabe sind bisher 10 Exemplare mit kopfstehendem Aufdruck bekannt geworden (Mi Nr. 210K). Für ein postfrisches Stück wurden beim US-Auktionshaus Cherrystone 250‘000 US$ bewilligt! Die Michel-Notierung im neuesten China-Katalog 2015 beträgt 150‘000 €.



Am 21. Februar 1941 erfolgte die Freimarkenausgabe mit dem Bildnis Dr. Sun Yat sen’s (Mi Nr. 394-409). Diese Ausgabe wurde durch die American Bank Note Co. in New York ausgeführt. Vom 2$ Wert (Mi Nr. 406) wurde irrtümlich ein Bogen zu 50 Stück mit kopfstehendem Mittelstück produziert (Mi Nr. 406F). Für ein postfrisches Stück wurden beim US-Auktionshaus Cherrystone 200‘000 US$ bewilligt! Die Michel-Notierung im neuesten China-Katalog 2015 beträgt 110‘000 €

Für ein Paar dieser Rarität wurde an der Auktion des Hauses Zurich Asia im Oktober 2012 in Hongkong ein Preis von 707'700 US$ bezahlt!!

Siehe dazu die entsprechende Pressemitteilung:

http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fassets.nydailynews.com%2Fpolopoly_fs%2F1.1183780!%2Fimg%2FhttpImage%2Fimage.jpg_gen%2Fderivatives%2Farticle_970%2Fafp-stamps-sun-yat-sen.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fhttp://www.nydailynews.com%2Flife-style%2Frare-sun-yat-sen-stamps-sell-700-000-article-1.1183779&h=606&w=970&tbnid=VzKOcJ8nPVR6MM%3A&docid=FXVqHiYwYjQ6bM&ei=bkJrVpPwD8iVUYWrgkA&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=463&page=2&start=21&ndsp=26&ved=0ahUKEwiT35uz4tTJAhXIShQKHYWVAAgQrQMIaDAX

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 13.12.2015 16:51:15 Gelesen: 278632# 55 @  
@ merkuria [#54]

Hallo Jacques,

ich habe einen weiteren Kopfsteher. Diesmal aus Afrika (Britische Besetzung mit Bild von King Edward VII). Leider ist diese Marke auch nicht in meinem Besitz, wie wahrscheinlich kaum eine in dieser Rubrik.



Nyasaland: 1903-04 KEVII 4s dull and bright purple with watermark inverted, SG 64w

Den Katalogwert kann ich im Moment nicht nachsehen, weil mein Katalog nicht dort steht, wo er sein sollte. Das wird aber nachgeholt.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 13.12.2015 22:29:32 Gelesen: 278587# 56 @  
@ Heinz 7 [#55]



Lieber Heinz,

aus Südafrika (Transvaal) gibt es auch ein kopfstehendes Mittelstück dass mir kürzlich über den Weg gelaufen ist! Es handelt sich um eine 2 Sh/6p Gebühren-/Taxmarke um 1902 (ähnlich der Freimarkenzeichnung Mi Nr. 113) welche aber leider nicht im Michel-Katalog aufgeführt wird. Weshalb aber damit unter Los 1335 nur ein Preis von 140 £ [1] erreicht werden konnte, ist mir nicht ganz erklärlich.

Liebe Grüsse
Jacques

[1] http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fhttp://www.grosvenorauctions.com%2Fdyn_pages%2Fstamp_images%2F17%2F9822.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fhttp://www.grosvenorauctions.com%2Fdyn_pages%2Fhistoric_sale_summary.php%3FForeign_sub_cat_Code%3DSouth%2520Africa%3A%2520Transvaal%26page%3D2&h=334&w=294&tbnid=8ZfWMyzm8hD4UM%3A&docid=__NtuvAkWuU5iM&ei=U99tVtDTK8HUOLSgudgG&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=671&page=2&start=24&ndsp=29&ved=0ahUKEwiQycyn4NnJAhVBKg4KHTRQDmsQrQMIdzAc
 
Heinz 7 Am: 14.12.2015 22:34:46 Gelesen: 278525# 57 @  
@ merkuria [#56]

Wenn wir hier munter "Kopfsteher" zeigen, möchte ich gleich fortfahren.



Russland Nr. 27, Ausgabejahr 1875, Mittelstück kopfstehend, im Michel 2010 mit Euro 50'000 gelistet. Das hindert nun aber einen französischen Händler nicht, munter Euro 100'000 für das gute Stück zu verlangen. Er schreibt, dass es von dieser Abart nur zwei Exemplare gäbe.

Russland hat einige sehr teure Marken und auch einige Abarten, ist also ein "teures Pflaster" für Raritätenjäger.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 15.12.2015 00:59:32 Gelesen: 278502# 58 @  
Eine weitere US-amerikanische Kopfsteher-Ausgabe wurde schon lange vor der weltbekannten „Inverted Curtiss Jenny“ produziert, nämlich die Wertstufen 1, 2 und 4 Cent der Ausgaben zur Panamerikanischen Ausstellung in Buffalo, NY. (Mi Nr. 132-134).

Diese Ausgaben wurden im Jahre 2015 in unterschiedlichster Erhaltung zum Angebot gebracht. Hier ein paar Beispiele der erzielten Verkaufsergebnisse:



1 Cent Mi Nr. 132 in perfekter Zentrierung, verkauft durch Robert Siegel Auction Galleries, April 2015 für 29‘000 US$.



1 Cent Mi Nr. 132 im Viererblock in etwas weniger perfekter Zentrierung, verkauft durch Robert Siegel Auction Galleries, Juni 2015 für 75‘000 US$.



2 Cent Mi Nr. 133 in perfekter Zentrierung, verkauft durch Robert Siegel Auction Galleries, Februar 2015 für 45‘000 US$.



4 Cent Mi Nr. 134 in perfekter Zentrierung, verkauft durch Robert Siegel Auction Galleries, Februar 2015 für 30‘000 US$.



4 Cent Mi Nr. 134 im Viererblock in perfekter Zentrierung, verkauft durch Robert Siegel Auction Galleries, Juni 2015 für 240‘000 US$.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Hornblower Am: 16.12.2015 17:38:34 Gelesen: 278422# 59 @  
Hallo zusammen,

alles tolle Stücke mit wunderbaren Hintergrundinformationen dazu, für die man allen Beteiligten nur danke sagen kann. Als Baden-Sammler muss ich aber natürlich eine Marke zeigen, die in diesem Rahmen keinesfalls fehlen darf:



Der Baden-Fehldruck, die wohl berühmteste und teuerste Marke Deutschlands, von der nur drei Stück existieren: ein Brief im Berliner Museum, ein weiterer in einer großen deutschen Privatsammlung und das lose Briefstück, das als erstes 1894 auftauchte. Der "freie" Brief wurde 1985 für 2,3 Mio. DM versteigert, was damals einsamer Rekord war.

Das hier gezeigte Briefstück stammt aus einer englischen Sammlung und kann im Juni 2016 auf der SÜDWEST in Heidelberg im Original bestaunt werden. Letztmals war es in Deutschland 1903 zu sehen, wer weiß, wann die Chance wieder kommt...

Beste Grüße
Michael
 
Heinz 7 Am: 30.12.2015 22:13:00 Gelesen: 277957# 60 @  
@ Hornblower [#59]

Ja, Michael, der Baden-Fehldruck war und ist eine der "ganz grossen Granaten" in der Philatelie. Am 16.3.1985 konnte Köhler bei der ersten Boker-Auktion den Brief mit dem Baden-Fehldruck zu dem von Dir genannten Weltrekord-Preis verkaufen. Der Auktionskatalog zu dieser legendären Auktion ist ein Schmuckstück für jede Bibliothek!

Ich stelle Euch heute eine eher "unscheinbare" Rarität vor; ein Marke, die vermutlich die meisten Briefmarkensammler gar nicht als grosse Rarität erkennen würden.



USA 1910-1911, 3 Cents violet, "Orangeburg" coil, Scott no. 398, gezähnt 12 senkrecht; hier als ungebrauchtes Paar. Wenn ich das richtig "übersetze" ist dies Michel Nr. 180 G, mit einem Katalogwert von immerhin Euro 50'000 (Michel 2010, für DIESE Zähnung; eine ähnliche Marke mit ANDERER Zähnung kosten nur Euro 55).

Aufmerksam wurde ich auf diese Marke, weil sie 1957 an einer Auktion das höchste Ergebnis erzielte: ein einmaliger Viererstreifen erzielte einen Preis von US$ 4'300. Dies war 1957 sehr viel Geld! Zum Vergleich: Eine "Jenny Inverted" (Michel 250 I; heutiger Katalogwert: Euro 200'000) hatte DAMALS einen Katalogwert von US$ 4'000. Diese Marke war in der Sammlung auch vorhanden (Los 607) und erzielte respektable US$ 3'900. Aber wie erwähnt: der Viererstreifen der Scott no. 398 kam noch US$ 400 höher.

Die hübsche Sammlerin ist übrigens früh verstorben; sie wurde nur ca. 56 Jahre alt (und ist damit gleich alt wie ich...).

.

Ihre USA-Sammlung erhielt höchste Auszeichnungen an Internationalen Ausstellungen 1926, 1936 und 1947.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 19.01.2016 22:14:58 Gelesen: 277009# 61 @  
@ merkuria [#50]

Hallo Jacques,

China überrascht immer wieder mit hohen Preisen. Spink China hat soeben eine sehr erfolgreiche Auktion durchführen können!



Meiso Mizuhara, The Exhibition Collections, The Chinese Customs Post
Lot: 1682

China
1878-83 The Large Dragon Issue
Foreign Post Office Covers
United States Post Office
1878 (20 Dec.) envelope from Warren, U.S.A. to Shanghai bearing 1875 5c. Taylor tied by the despatch duplex. The 5ca. inland mail is made up of 1ca. deep green [18] and [19] with 3ca. brownish red [15] with right margin (trimmed perfs. at foot) tied by " customs/shanghai" 1879 (6 Feb.) c.d.s. in red with a further, clear strike on the lower corner.

A delightful and very important cover with many desirable attributes including being the earliest incoming cover bearing Large Dragon stamps and the only 5ca. rate cover with 1ca. and 3ca. franking.

Believed to be the only incoming U.S. Plus Large Dragon combination cover

Angeblich gibt es elf Briefe mit "Large Dragon" Marken, die mit der USA etwas zu tun haben, zwei davon sind "incoming" aus Sicht von China (also USA -> China): Sicherlich sehr begehrenswert. Dass der Brief aber HK $ 4'800'000 erzielte, ist doch sehr beeindruckend (Gegenwert ca. CHF 600'000).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 05.03.2016 22:31:36 Gelesen: 275030# 62 @  
@ merkuria [#58]

Wir haben in dieser Rubrik schon viele "Kopfsteher" gesehen. Einer der berühmtesten (und auch teuersten) fehlt aber bislang.



Michel Nr. 7 K; Ausgabe 1854. Achteckiger Rahmen mit Kopf der Königin, kopfstehendes Mittelstück.

Katalogwert: gestempelt Euro 40'000 8-eckig geschnitten, Euro 120'000 4-eckig geschnitten.

Das hier gezeigte Exemplar wurde 2010 vom Raritätenhändler Behr (Paris) angeboten als "le plus bel exemplaire connu". Auf englisch heisst es dann "one of the best copy known". Es ist Exemplar XXII der Dokumentation von Williams: "Rare and famous Stamps". 27 Exemplare sind dort gelistet, plus ein paar wenige weitere unsichere.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.04.2016 21:39:52 Gelesen: 273763# 63 @  
Ein weiterer Kopfsteher, der im Katalog aber nicht ganz hoch ausgepreist ist:



Österreich 1919, 4 Kreuzer rosakarmin/schwarz, kopfstehendes Mittelstück. Michel Nr. 287 K. Gemäss meinem Katalog (2010) nur Euro 1'200 (in einer aktuellen Auktionsbeschreibung aber nun offenbar Euro 3'000; stimmt das?).

Interessant: das kopfstehende Mittelstück der gleichen Serie, 20 Kreuzer, Michel 291 K bringt es hingegen auf stolze Euro 75'000. Ein Bild dazu liefere ich Euch nach Möglichkeit noch nach.

Der dritte Wert der Serie mit einem Kopfsteher ist die 2 Kreuzer Marke (284 K). Sie hat einen KW von Euro 3'500 (alle Preise für ungestempelt).

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.04.2016 22:02:49 Gelesen: 273750# 64 @  
Und gleich noch einer...



Ich denke, die Wenigsten von uns haben diese Marke schon einmal gesehen. An einer Auktion wird sie nun für US$ 475 angeboten. Es soll nur zwei solche Stücke geben.

1998 150L International Day, center inverted and misplaced, the right single from the souvenir sheet of two, cancelled on piece. A spectacular variety, incorporating elements of both stamps, one of only two (!) reported, with 2006 APS certificate (�2703b, incorporating elements of 2703a in inverted position, used on piece, genuine in all respects�), with a regular stamp and souvenir sheet included for comparison

Ein Sammlerfreund hat über solche Dinge nur die Nase gerümpft und gesagt: "Makulatur! Wertlos!". Viele Abarten werden heute "so" betrachtet...

So gesehen sollte ich diesen Kopfsteher wohl gar nicht unter diesem Thema zeigen.

Heinz
 
merkuria Am: 08.04.2016 00:35:49 Gelesen: 273727# 65 @  
@ Heinz 7 [#63]

Lieber Heinz,

der dritte Wert dieser Kopfsteher ist die 2 Kronen (nicht Kreuzer) Marke Mi Nr. 284K.



Ein solches postfrisches Stück wird gerade im Nachverkauf der 155. Felzmann-Auktion mit Attest zu 5000 Euro angeboten.



http://www.philasearch.com/de_tvgbk0hn2v73495eaouo8v0oe2/i_9107_36226/countryurl/12-A155-4287.html?breadcrumbId=1460067840.0305&row_nr=19

Was die 4 Kronen Marke Mi 287K anbelangt, so scheint dies die häufigst angebotene Marke dieser drei Ausgaben zu sein. Zur Zeit werden bei Schwanke gleich zwei Exemplare zu 750 resp. 800 Euro angeboten. Ein wirklich seltenes Angebot ist diese Marke auf Brief: für den unten abgebildeten Brief wurden bei Felzmann 17'000 Euro bewilligt.



Grüsse
Jacques

[Redaktionell eingefügt: Testat aus der 155. Felzmann Auktion, Los
4287, Österreich Mi. 284 K. Beschreibung: 2 Kr Parlament mit kopfstehendem
Mittelstück in postfrischer Luxuserhaltung, sign. Wallner sowie Fotoattest
Soecknick "... einwandfrei"]
 
Vernian Am: 08.04.2016 11:37:46 Gelesen: 273642# 66 @  
@ Heinz 7 [#64]

Hallo,

mir fehlt in diesem Beitrag sowohl Herkunftsland der Marke wie auch die Info, wie die reguläre Marke aussieht oder wo zu finden ist (also Land, MiNr.), und das Bild ist hier auch mal wieder nicht-vergrößernd, es lässt sich also nicht viel erkennen.

LG

Vernian
 
Heinz 7 Am: 08.04.2016 12:36:55 Gelesen: 273619# 67 @  
@ Vernian [#66]

Hallo Vernian,

ja, Du hast recht. Ich habe vergessen, das Land anzugeben; das ist ja auf der Marke gar nicht vermerkt. Es ist die Türkei. Eine Michel-Nummer kann ich Dir im Moment nicht geben, ich nehme an, die Nummer 2703 bezieht sich auf den Scott Katalog.



Ich habe die Marke nicht selber gescannt, sondern das Bild kopiert und dann bei Philaseiten hochgeladen. Offenbar ist das Bild so nicht mehr vergrösserbar. Ich versuche es nochmals, und lade den Scan aus dem Katalog Cherrystone hoch (Los 1543).

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 08.04.2016 12:42:06 Gelesen: 273618# 68 @  
@ merkuria [#65]

Hallo Jacques,

Deine Ergänzungen sind sehr interessant. Dass die 4 Kronen-Marke die häufigste ist, scheint klar zu sein und widerspiegelt sich ja auch in den Katalogpreisen.

Die 4-Kronen-Marke auf Brief ist nun sicher ein guter Grund, diese Marke auch in diesem Thread zu besprechen. Danke also für Deinen Beitrag!

Heinz
 
merkuria Am: 08.04.2016 14:00:25 Gelesen: 273584# 69 @  
@ Heinz 7 [#67]
@ Vernian [#66]

Hier eine vergrösserte Abbildung der besagten Marke, dazu die Abbildung der Originalausgabe vom 5. Juni 1998 (Mi Nr. 3150-3151).



Anhand der Abbildung der beiden Originalmarken ist auch zu erkennen, welcher Teil des Gelbdruckes aus der Marke 3150 irrtümlich auf die Marke 3151 gedruckt wurde. Sicher hat dieser Fehldruck ein Anrecht hier präsentiert zu werden, vor allem wenn dieser noch postalisch benutzt wurde!

Die meisten solcher Drucke, gerade Marken mit kopfstehendem Mittelstück oder kopfstehendem Aufdruck sind eigentlich Makulatur, welche aber (Gott sei Dank) durch die Kontrollen gerutscht sind und uns heute diese philatelistischen Besonderheiten bescheren!

Grüsse
Jacques
 
merkuria Am: 08.04.2016 15:46:01 Gelesen: 273559# 70 @  
Eine echte Rarität der modernen Deutschen Philatelie stellt die Ausgabe „Brot für die Welt“ (MiNr. X) dar.



Die Ausgabe dieser Marke war für November 1961 vorgesehen, doch das Motiv des ausgehungerten Kindes mit dem Essnapf rief dann doch gewisse Bedenken hervor und die Marke wurde im letzten Moment vor der Ausgabe zurückgezogen.
Eine unbekannte Anzahl dieser Briefmarke wurde mit der Bezeichnung „Muster“ versehen und der Presse mit einer Vorinformation zur Ausgabe verschickt.
Auf der 56. Deider-Auktion am 24. und 25. April 2016 wird eine solche „Muster“-Ausgabe zusammen mit dem Presse-Ankündigungsblatt für 3.600 Euro angeboten.



Bis 2007 waren keine dieser Briefmarken ohne den Aufdruck „Muster“ im Handel. Richard Stücklen, damaliger Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen, erhielt 1961 als Einziger vorab einen 50er Bogen zur Ansicht. Somit handelt es sich hier um die einzigen Marken ohne Muster-Aufdruck, bei denen die Herkunft geklärt ist. Der Stücklen-Bogen zählt zu den Welt-Raritäten der Philatelie und befindet sich in einem tadellosen Zustand. Auf der 1. Briefmarken-Auktion des Berliner Traditionshauses Schlegel wurde am 19.November 2007 der legendäre Stücklen-Bogen bei einem Ausrufspreis von 200‘000 € für 290‘000 € verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 01.05.2016 21:34:27 Gelesen: 272518# 71 @  
Im Buch von L.N. Williams "Encyclopedia of Rare and famous stamps" werden von einigen weithin anerkannten Weltraritäten genaue Verzeichnisse der bekannten Stücke wiedergegeben. Unter den auserlesenen Raritäten ist auch ein Fehldruck einer Marke aus Western Australia enthalten.

1854 wurde eine schöne Serie mit schwarzen Schwänen herausgegeben in 5 verschiedenen Wertstufen, von 1 Penny bis zu 1 Shilling (Michel Nrn. 1-5). Die Marke zu vier Pence hellblau wurde versehentlich auch mit kopfstehendem Rahmen produziert. Die Marke ist sehr selten und ist schon seit "ewig" sehr berühmt und teuer. Sie wird als "inverted swan" bezeichnet, obwohl dies meines Wissens nicht ganz richtig ist, denn nicht der Schwan wurde kopfstehend gedruckt, sondern der Rahmen.

Im Michel Kataloge "Wertvolle Briefmarken aus aller Welt" von 2010 wurde die Marke mit Euro 90'000 bewertet. Das ist, wenn man früher erzielte Preise dieser Weltrarität zu Rate zieht, nicht einmal extrem viel. Und auch die Tatsache, dass Williams 1997 nur noch 12 Exemplare auflisten konnte, hätte uns vielleicht sogar einen höheren Katalogwert vermuten lassen. Nun - vielleicht ist das ja auch nicht so wichtig.

Schön ist sie auf jeden Fall, diese geheimnisvolle Marke! Alle 12 Marken sind gestempelt.



Bereits 1949 schrieb L.N. Williams (damals noch mit seinem Bruder Maurcie Williams) ein viel beachtetes Buch: "Stamps of Fame", worin die Brüder in 48 Kapiteln die wertvollsten Briefmarken beschrieben. Damals kamen die Brüder noch auf 14 Exemplare des "Inverted swan", doch schreibt Williams 1997, dass die frühere Nummer X sich als Fälschung herausstellte! Im Buch von 1997 werden nur noch 12 Exemplare gezeigt.

Ich wünsche allen eine gute neue Woche!
Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.05.2016 18:21:26 Gelesen: 272305# 72 @  
Eine Marke, die wegen ihrem riesigen Nennwert (GB £ 25.00 des Jahres 1904) schon etwas ganz Besonderes ist, muss wohl auch unter dieser Rubrik eine Erwähnung finden. Die Marke hat einen Katalogwert von immerhin Euro 65'000 (Michel 2010).



Wieviele Exemplare davon existieren, weiss ich nicht, aber sie scheint nur ungebraucht vorzukommen (keine Bewertung bei gestempelt). Gemäss Michel: "...wahrscheinlich nur fiskalisch verwendet"

Heinz
 
10Parale Am: 06.05.2016 21:51:42 Gelesen: 272143# 73 @  
@ Heinz 7 [#72]

In dem Werk "Rare Stamps" - Pleasures and Treasures 1967 by George Weidenfeld and Nicolson Ltd. konnte ich nachlesen, dass solch eine ungebrauchte Marke mit den Nennwert von 25 Pfund am 27. November 1964 bei Harmer, Rooke & Co. Ltd. bei einer Auktion für 4.500 Pfund über den Tisch ging.

Es soll lt. diesem Buch sogar eine $500 Briefmarke von Straits Settlements (Malaya) geben violett und orange, herausgegeben im Jahr 1910.

Eine Abbildung habe ich vorliegen, bin aber nicht sicher, ob es rechtmäßig ist, sie aus dem Buch abzuscannen.

Liebe Grüße

10Parale
 
merkuria Am: 07.05.2016 00:48:06 Gelesen: 272111# 74 @  
@ 10Parale [#73]

Ich habe hier Abbildungen der Straits Settlements Ausgaben 500 Strait $ aus dem Jahre 1910 (Mi Nr. 137) und 500 Strait $ aus dem Jahre 1912 (Mi Nr. 154) sowie einige Angaben zum Handelspreis solcher Exemplare. Bei beiden Ausgaben wird im Michel notiert: Ausschliesslich fiskalisch verwendet!



500 Strait $ Ausgabe 1910 (Mi Nr. 137) ungebraucht mit Attest

Diese Marke wurde im August 2015 in der Spink-Auktion in Singapur für 220'000 SG$ (142‘000 €) verkauft.



500 Strait $ Ausgabe 1910 (Mi Nr. 137) fiskalisch entwertet mit Attest

Wurde am 9. Mai 2014 in ebay für 845 US$ verkauft!



500 Strait $ Ausgabe 1912 (Mi Nr. 154) Eckrandstück ungebraucht mit Attest

Wurde am 12. Dezember 2014 in der Bollaffi-Auktion unter Los 4294 angeboten, Startpreis 25‘000 €.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 07.05.2016 22:19:40 Gelesen: 272020# 75 @  
Heute wenden wir uns auf unserer Suche nach seltenen und teuren Briefmarken einem Sammelgebiet zu, bei dem man Raritäten dieses Ausmasses nicht unbedingt erwartet: Modernes Indien.



Die Ausgabe vom 15. August 1948 zur Unabhängigkeit Indiens mit dem Bid von Mahatma Gandhi (Mi Nr. 187-190 ) kennen die meisten Philatelisten. Diese Ausgabe, vielmehr der Höchstwert von 10 Rupien bildet die Grundlage für die zur Zeit teuerste Briefmarke des Landes.

Wenige Tage nach Erscheinen wurden 100 Briemarken des 10 Rupien Wertes (2 Bogen à 50 Stück) mit dem Audruck " Service" für die Dienststelle des Generalgouverneurs hergestellt. Der Verbleib dieser hundert Marken stellt sich nach heutigem Wissenstand wie folgt dar:

50 Stück wurden als kompletter Bogen ins Nationale Philatelistische Museum in Neu-Delhi abgegeben.
20 Stück wurden dem Generalgouverneur zum Verbrauch übergeben.
4 Stück gingen an die Königliche Sammlung, London (Eckrand-Viererblock)
5 Stück gingen an den Generaldirektor der Indischen Post (5er- Streifen)
11 Stück sind in Privatbesitz (mit vorhandenen Attesten)
10 Stück haben einen unbekannten Verbleib
 




Im September 2013 versteigerte David Feldman in Genf ein postfrisches Exemplar dieser Marke (Los 40968), der Zuschlagspreis betrug 144‘000 € ! Es darf angenommen werden, dass es sich dabei um eines der 10 Exemplare mit unbekanntem Verbleib handelt.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 

Heinz 7 Am: 07.05.2016 22:30:20 Gelesen: 272010# 76 @  
@ 10Parale [#73]

Hallo 10 Parale,

GB£ 4'500 für 1964 wären ein absoluter Hammerpreis gewesen. Am 27.11.1964 führte Harmer Rooke in London tatsächlich eine Auktion durch; ich habe den Katalog und werde einmal nachsehen, ob ich etwas dazu finde. Danke für den Hinweis!

Die Marke war meines Wissens auch auf der Titelseite von Rapp, anfangs 1980er-Jahre, als er grosse Erfolge feierte (20-Millionen-CHF-Auktionen). Auch dort finde ich vielleicht sogar ein Auktions-Ergebnis.

Dass die Marke zu den Top-Raritäten gehört, zeigt auch ein Blick in das alte Buch von John Nicklin: "Fabulous Stamps" von 1939. Auf der 38-seitigen "Check List of Rare Stamps" ist die Northern Nigeria £25 von 1904 auch erwähnt. Katalogwert damals: US$ 2'500.

Zum Vergleich:

Eine ungebrauchte Doppelgenf stand damals bei US$ 1'400,
ein Sachsendreier ungebraucht bei $ 500,
eine Toskana 3 Lire 1860: US$ 2'750,
die einmalige British Guiana, One cent black on magenta: US$ 50'000 (= teuerste Marke der Welt).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.05.2016 22:40:14 Gelesen: 272006# 77 @  
@ 10 Parale (73)

Ein Nachtrag noch:

In der Bücherreihe: "Philatelic Gems" von Linn's aus der Feder von Donna O'Keefe wurde in Band 2 auf Seite 119 und 120 die Northern Nigeria 1904: £25, behandelt. Dort wird gesagt, dass die Marke kaum einem Bedürfnis entsprach und darum schon bald nach Herausgabe wieder zurückgezogen wurde. Sie soll nur in wenigen Exemplaren überhaupt existieren.

Damals (das Buch kam 1985 heraus) wurde die Marke offenbar mit US$ 45'000 bewertet.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.05.2016 23:12:40 Gelesen: 271751# 78 @  
@ Heinz 7 [#72]

Ich habe mich richtig erinnert (Beitrag [#76]), die Nth. Nigeria war bei der "Weltrekord-Auktion" von Rapp im November eine von 4 Marken auf der Titelseite.



Los 6172 = Startpreis CHF 30'000 (bei Katalogwert von GB£ 24'000) = Zuschlag: CHF 75'000. Gemäss Ergebnis-Liste war 1 GB£ damals CHF 4.00 wert; d.h. Zuschlag plus Aufgeld (15 %) = CHF 86'250 = ca. 90 % des Katalogwertes.

Mit diesem Resultat wurde die Bedeutung dieser seltenen Marke sicherlich bestätigt.

Es war aber auch eine verrückte Auktion! Die Auktion fand an 8 Tagen statt und spielte ein Ergebnis von über CHF 33 Mio. ein! Das war ein neuer Rekord. Die Nachfrage nach Briefmarken war damals sehr gross, nicht nur für die grossen Raritäten, sondern auch für die modernen Ausgaben. Der Naba-Block Schweiz 1934 postfrisch wurde 12 x einzeln angeboten und erzielte Ergebnisse von CHF 1200 bis CHF 1500 (plus Zuschlag)!

Vergangene Zeiten!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.05.2016 23:27:47 Gelesen: 271748# 79 @  
@ Heinz 7 [#78]

Auch ein paar grosse Altschweiz-Raritäten wurden an dieser Auktion hoch bezahlt! Der schöne Brief mit dem Paar der Zürich 4 Rappen, (waagrecht) Los 1539 ging in die Sammlung Alma Lee, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Sie bezahlte den stolzen Preis von CHF 240'000 (+ 15 %) dafür.



Damit reihte sich das Ergebnis unter die höchsten Ergebnisse, die je für einen Altschweiz-Brief bezahlt wurden.

Heinz
 
merkuria Am: 13.05.2016 09:34:41 Gelesen: 271578# 80 @  
Hier eine interessante Geschichte um eine Markenausgabe von Jamaica:

Innerhalb der Freimarkenausgabe mit dem Bildnis König Georg’s VI. erschien am 15. August 1949 der Höchstwert 1 £ mit dem Motiv Zigarrenmacher (Mi Nr. 135).



Nach der Krönung von Elisabeth II. sollte 1956 eine neue Freimarkenausgabe mit den gleichen Motiven und Farben, jedoch mit dem Portrait von Elisabeth II. im Medaillon erscheinen.



Aus nicht bekannten Gründen wurde das 1 £ Motiv Zigarrenmacher für diese Ausgabe abgelehnt, obwohl die Marken bereits gedruckt waren. Als Ersatz für dieses Motiv wurde dann das Wappen der Insel gewählt und am 15. August 1956 ausgegeben (Mi Nr. 176).



Die vorhandenen 1 £ Zigarrenmacher wurden vernichtet. Gemäss Britischer Nationalbibliothek, bei der sich ein Exemplar befindet, sollen jedoch noch weitere 6 Stück dieser Marke existieren. Nähere Angaben zum Verbleib werden jedoch nicht gemacht, auch sind meines Wissens noch keine Exemplare im Handel aufgetaucht. Obwohl diese unverausgabte Marke weder im Michel noch im Scott erwähnt oder katalogisiert wird, hat sie nach meiner Meinung einen Platz in dieser Rubrik verdient!

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 13.05.2016 18:20:35 Gelesen: 271515# 81 @  
Besondere Frankaturen und dazu noch seltene Destinationen haben ihren Preis:



ungebrauchte 90 Cent Marke (Mi Nr. 35)



Der „Ice House“ Brief (benannt nach der Empfängeradresse in Calcutta) gehört zu dieser Gattung. Dieser Brief ist der einzig bekannte Beleg mit einer Frankatur der 90 Cent Marke (Mi Nr. 35). Aufgegeben am 8. August 1873 in Boston, fand er seinen Weg zum Empfänger in Calcutta/Indien.

Dieser Brief wurde 1914 entdeckt und letztmals 1943 an einer Auktion angeboten. Kurz an Ausstellungen gezeigt, blieb der Brief seit 1967 verschwunden. Am 13. Juni 2009 verkaufte das Auktionshaus Siegel in New York den Beleg unter Los Nr. 130 für 431‘000 US$ !

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 13.05.2016 19:43:36 Gelesen: 271494# 82 @  
Ein weiteres preisliches Highlight beschert uns diese Einheit aus der Zeit der US-Postmeisterausgaben:



Die Postmeisterausgaben 5 und 10 Cents (Mi 1-2) vom November 1845 aus St. Louis (Missouri) wurden auf einer Platte mit je 3 Stück senkrecht angeordneten Wertstufen 5 und 10 Cents hergestellt.

Die vorliegende Einheit ist mit 4 Stück die grösste bekannte, existierende Einheit dieser Ausgabe und eine der drei bekannten zusammenhängenden Einheiten von 5 und 10 Cents-Wertstufen.

Am 16. Juni 2007 verkaufte das Auktionshaus Siegel in New York diese Einheit für 260‘000 US$ !

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Lars Boettger Am: 14.05.2016 19:24:34 Gelesen: 271368# 83 @  
Inverted Jenny:

http://invertedjenny.com/ - hier wird die Geschichte der Marke und deren Besitzer erläutert.

Beste Grüsse!

Lars
 
10Parale Am: 14.05.2016 21:15:34 Gelesen: 271342# 84 @  
@ merkuria [#82]

Die Amerikaner nannten die Ausgabe "St. Louis Bears". Es gab später eine weitere Platte mit 1 Wert zu 5 Cents, 3 Werten zu 10 Cents und und 2 mit 20 Cents. Dieser "top value" 20 Cents soll sehr rar sein.

1895 fand eine Reinigungskraft im Gefängnis von Louisville,Kentucky, ein Bündel Zeitungen und Briefe mit seltsamen Briefmarken. Er wusste wohl nicht was er gefunden hatte und zeigte die Marken einigen Gefängniswärtern, die ihm dafür einen Drink spendierten.

1912 wurde ein weiterer Fund in einer Bank bestätigt. Darunter sollen gerüchteweise 6 dieser 20 Cents Marken gewesen sein. Briefmarkenhändler zahlten schon damals sehr viel Geld für diese Marken.

Liebe Grüße

10Parale


 
Heinz 7 Am: 14.05.2016 23:03:42 Gelesen: 271318# 85 @  
@ 10Parale [#84]

Hier zeige ich Euch einen Brief aus dem berühmten "Charnley & Whelan"-Fund (1912)



Harmer versteigerte diesen Fund 1948. Es waren 42 Lose, alles Briefe oder grosse Briefstücke. Auch der hier gezeigte Brief war dabei. Dieser wurde 1989 wieder verkauft, bei Christie's, als der legendäre Bestand der Weill Brother's verkauft wurde. Der Brief kostete vermutlich US$ 52'800 (1989), Los 654.

Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 15.05.2016 10:42:10 Gelesen: 271269# 86 @  
Eine weitere Rarität beschert uns die US-Postmeisterausgabe von Brattleboro (Mi Nr.1)



Der gezeigte Brief ist der einzig bekannte Beleg mit einer Mehrfachfrankatur dieser Ausgabe.

Verkauft wurde dieses Unikat an der 937. Siegel Auktion in New York vom 16. Juni 2007 als Los Nr. 3 für 200‘000 $

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 15.05.2016 12:03:32 Gelesen: 271248# 87 @  
@ Heinz 7 [#79]

Ich habe nachgesehen: Es war tatsächlich Alma Lee, die dieses Paar der Zürich 4 bei Rapp kaufte. 21 Jahre später durfte Peter Rapp dann die Sammlung von Alma Lee wieder verkaufen. Alma Lee war eine grosse Wohltäterin; sie hat der Royal Philatelic Society London einen grossen Geldbetrag gewidmet. Sie hat übrigens vermutlich auch den teuren Brief mit der "1850: 10-Rappen-mit Kreuzeinfassung" gekauft (Zuschlag 1980: CHF 260'000 + 15 %!), denn er war 2001 auch in ihrer Sammlung.



Siehe dazu auch Beitrag in der Rubrik "Schweiz, Ausgabe 1850".

Freundliche Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.05.2016 22:56:43 Gelesen: 271118# 88 @  
@ BD [#2]

In deiner Tabelle ist die Toskana Nr. 23 aufgeführt; vermutlich ist es also die Toskana-Wappen-Marke 3 Lire ocker, die auch heute zu den teuersten Marken der Welt gehört.

1913 hatte die Marke einen "Buchwert" von Mark 1'400. Du hast leider die Quelle nicht genau bezeichnet.

Es gibt nicht viele Briefmarken mit einem sechsstellingen Katalogwert. Die Toskana Nr. 23 (3 Lire ocker) ist eine. Sie ist (oder war) bei Michel bewertet ungebraucht mit Euro 160'000 (Katalog 2010).



Damit hat sie viele Marken, die 1913 noch vor ihr lagen, überholt!

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.05.2016 23:30:29 Gelesen: 270977# 89 @  
@ Heinz 7 [#12]

Wir haben schon mehrfach gesehen, dass auch nicht sehr teure Marken sehr hohe Preise erzielen können, wenn sie zum Beispiel in grossen Einheiten vorliegen. Ein eindrückliches Beispiel sehen wir anbei.

Die Penny Black ist lose ungebraucht "nur" Euro 3800 "schwer" (Michel 2010). Aber die Marke ist ungemein populär, und Great Britain gehörte schon immer zu den AAA-Briefmarken-Sammelgebieten.

"The largest surving mint Penny Black multiple still in private hands" = Ein 18er-Block wurde angeboten (Los 8). Ein Sammler hat Ende XX. Jahrhundert den passenden unten anschliessenden Sechserstreifen gefunden (Los 9) und so konnte man den "vereinten" 24er-Block anbieten (Los 10).



Der Schätzpreis war nicht unbescheiden: US$ 400 - 500'000 für Los 8, US$ 30 - 40'000 für Los 9, Los 10 war: Los 8+9 zusammen: Auktion Juni 2007 Shreves New York.

Das Ergebnis wurde von Shreves zu Recht euphorisch kommentiert: Los 10 brachte eine glatte Million US-Dollars (plus 15 % Zuschlag). Dieser Block zählt damit zu den wertvollsten phil. Einheiten.

Heinz
 
merkuria Am: 22.05.2016 17:38:18 Gelesen: 270629# 90 @  
Ein Kehrdruckpaar der französischen 10c Ceres Ausgabe (Mi Nr. 1) ist schon selten anzutreffen. Wenn dieser Tête bêche dann noch so zentrisch in einer 9er Einheit eingebettet ist, darf man mit einem guten Preis rechnen!



Für diese ungebrauchte 9er Einheit (ex Burrus) mit zentrischem Tête bêche wurde an der 989. Siegel Auktion vom 19. Juni 2010 in New York unter Los Nr. 291 ganze 90‘000 US$ + Aufgeld bewilligt.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 23.05.2016 10:42:38 Gelesen: 270533# 91 @  


Im Festpreisangebot des Hauses Dreyfus Investor Basel S.A. kommt ein sehr selten angebotener Briefbeleg zum Verkauf: Eine Mischfrankatur Basler Taube und Frankreich Ceres Ausgabe. Bisher sind uns insgesamt nur 3 Belege mit diesem Porto bekannt. Der Verkaufspreis ist mit 350'000 € angesetzt. Ich denke dieses Stück verdient es, in diesem Thread gezeigt zu werden.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 03.06.2016 04:59:31 Gelesen: 269781# 92 @  
Wer an die teuersten Marken von Hawaii denkt, dem fallen sicher die "Missionaries" ein (die Erstausgabe von 1851/52). An der soeben beendeten Auktion des Hauses Siegel hat aber ein anderer Brief den klar höchsten Preis erzielt:



1857 gab es ein Provisorium: 5 Cents- auf 13 Cents, wobei die "5" hanschriftlich vermerkt wurde. Es gibt nun einen einmaligen Brief mit gleich mehrerer dieser Marken, und dieser Brief erzielte schon mehrfach superhohe Preise (Caspary-Auktion, Lilly, Ishikawa, Giamporcaro). Er ist nicht nur für Hawaii-, sondern auch für USA-Sammler sehr interessant, das ist sicher eine Erklärung für den hohen Wert.

Am 29.5.2016 wurde der Bief in New York versteigert (Siegel Auction-Sale 1126, Los 24). Zuschlag war US$ 220'000 (Estimate war zwar US$ 250'000-350'000, aber die Auktion lief auch bei anderen Losen etwas "harzig").

Auf jeden Fall hat dieser Brief schon so oft hohe Preise erzielt, dass er hier sicher gezeigt werden darf.

Heinz
 
merkuria Am: 12.06.2016 19:56:47 Gelesen: 269293# 93 @  
@ DL8AAM [#17]

@ Heinz 7 [#24]

Liebe Freunde der Inverted Jenny,

ich möchte nochmals auf die Geschichte um die Inverted Jenny zurückkommen:

Am 14. Mai 1918, dem Ausgabetag der Flugpostmarke, entdeckte der Philatelist W. T. Robey dass sein erworbener Bogen zu 100 Briefmarken komplett kopfstehende Flugzeuge aufwies. Er überzeugte sich, dass dies der einzige Bogen des Postamtes mit solchen Fehldrucken war. Er konnte den Bogen, aus dem alle heutigen bekannten Stücke stammen, für 15.000 $ an den bekannten Briefmarkenhändler Eugene Klein verkaufen. Klein verkaufte diesen sofort für 20.000 $ an den Sammler Edward H. R. Green weiter. Dieser zertrennte auf Anraten Eugene Kleins den Bogen und begann mit dem Verkauf mehrerer Paare und Einzelstücke, die sich heute in den verschiedensten Briefmarkensammlungen der Welt wiederfinden. Green versah außerdem den Markenbogen mit einer aufsteigenden Nummerierung mit Bleistift (von 1 bis 100), sodass die Lebensläufe der verschiedenen Marken gut nachverfolgt werden können. Anschließend verkaufte er einige davon, darunter Viererblocks, behielt aber unter anderem die größte zusammenhängende Einheit, einen Achterblock für seine eigene Sammlung.

Das Vorhandensein der fortlaufenden Nummerierung hat mich dazu bewogen, dem Verbleib dieser 100 Stücke einmal nachzugehen. Durch ausgiebiges Studium von Auktionskatalogen ist es mir gelungen, den Handel von allen 100 Stücken nachzuweisen. Dabei ist mir aufgefallen, dass 50% aller Verkäufe der Inverted Jenny’s über das amerikanische Auktionshaus Siegel abgewickelt wurden. Siegel hat alleine mit diesen Jenny-Transaktionen seit 1980 mehr als 13.5 Millionen US$ umgesetzt.

Untenstehend die Tabellen mit den Handelsbewegungen der einzelnen Marken:





Ich habe diesen Beitrag auch im Thread "Kopfstehende Marken oder Rahmen" veröffentlicht, denke aber dass er hier genauso gut reinpasst, berichten wir hier doch vor allem über berühmteste und wertvollste Briefmarken der Welt !

Gruss aus der Schweiz
Jacques
 
DL8AAM Am: 13.06.2016 17:01:10 Gelesen: 269220# 94 @  
@ merkuria [#93]

Jacques,

ich bin gerade dabei meine Fotos von der NY2016 zu sichten. Dabei stand NY2016 gefühlt irgendwie unter dem Motto der Jenny. Schon in der Eingangshalle wurde eine echte Jenny ausgestellt ;-)



Die #58 "XF-Sub 95", die bei Siegel dort für ja knapp 1,2 Millionen wegging, wurde vorher am Stand gebührend ausgestellt.



Zusätzlich konnte man an anderer Stelle (Columbian Stamp Company) noch die #36 (dort am Stand für 450.000$ zu haben) und #57 ("Price on request") bewundern. Im Court of Honor durfte man ja leider nicht fotographieren, da wurden die #69 und der 4er-Block #41/#42/#51/#52 ausgestellt. Nur gelesen habe ich, dass am 01.06. bei Schuyler J. Rumsey Philatelic Auctions dort die #8 zu ersteigern gewesen sein soll. Diesen Verkauf (190.000$) hast Du auch ja bereits in die Liste aufgenommen.



Leider sind das alles nur Handy- und keine Profikamerafotos, sorry ;-) Und es ist schon ein vollkommen anderes Gefühl, diese Marken mal in echt, und nicht nur als Abbildungen, zu sehen! Das war einer der Gründe deshalb extra nach NY zu fliegen, obwohl meine eigenen Sammelgebiete "Moderne Postgeschichte" dort nicht unbedingt im Fokus standen und wohl auch zukünftig auf diesen Veranstaltungen wohl auch nie zu Ausstellungsehren kommen werden. Im Prinzip war das also nur eine Woche, sehr interessanter "Museumsbesuch". ;-)

Die passend zur NY2016 wieder aufgetauchte bzw. dort vom FBI an das APRC zurückgegebene #76 aus dem 1955 gestohlenen McCoy-4er bekam ich leider nicht zu Gesicht. Die Übergabezeremonie, die vor der echten Jenny stattfand, habe ich leider irgendwie verpasst, eigentlich schade. Hier konnte sich der Finder Keelin O'Neill aus Nordirland wenigstens noch über einen 50.000$ Scheck von Mystic freuen, besser als nichts ;-) Jetzt fehlt wohl nur noch die #66.

Beste Grüße
Thomas
 
Heinz 7 Am: 13.06.2016 20:54:16 Gelesen: 269195# 95 @  
@ merkuria [#93]

Das sind sehr interessante Informationen, und ich danke dir für diese Fleiss-Leistung!

Der Achterblock existiert heute in dieser Form nicht mehr! Es waren die Positionen 85 bis 88 und 95 bis 98. Heute sind die Positionen 85+86+95+96 Einzelstücke, nur die Positionen 87+88+97+98 blieben als Einheit erhalten und bilden einen der verbliebenen 6 Viererblocks! (2 Stücke sind verschollen, 74 Marken sind einzeln mehr oder weniger "genau" nachgewiesen. Siehe Bemerkung unten).

An der 17. Auktion von Harmer Rooke New York wurde am 13.11.1944 als Los 166 dieser Achterblock verkauft. Er erzielte dann US$ 27'000.



Wir lesen dazu: Stanley Bierman: The World's greatest Stamp Collectors (1990), im Kapitel 9: "Colonel Edward H.R.Green":

"The block realized $27,000, which represented the highest price paid to date for a single item of United States stamps. The block of eight was acquired by Y. Souren of New York, and later broken into a plate block, which was purchased by Raymond Weill Company, along with a line pair and two single issues."

Souren und Weill waren übrigens bekannte Händler/Auktionatoren.

Wir sehen also, dass diese Marke gewaltige Wertsteigerung erfahren hat (das wäre ein super-Studienobjekt für unseren "Kaufkraft-Vergleich!". Erinnern wir uns:

1918: Hunderter-Bogen: US$ 15'000 bzw. US$ 20'000
1944: Achterblock: US$ 27'000
2016: Einzelmarke: erstmals über eine Million US-Dollar!).

Meines Erachtens ist diese Marke eine der am meisten überbezahlten Briefmarken der Welt. Aber sie ist eben ungemein populär. In New York hat gefühlt jeder dritte Händler mit dieser Marke Werbung gemacht und sie war an der Ausstellung x-mal zu sehen! Sie ist etwa so populär wie die "Basler Taube" für die Schweiz.

Der neueste Auktionskatalog von Siegel (1128) ist für "Jenny"-Fans ein "Must"! Auf nicht weniger als 64 Seiten wurde dieses eine Los angeboten (das dann ja auch den Rekordpreis von über US$ 1 Mio. erzielte) mit sehr vielen Hintergrund-Infos! Sehr wertvoll ist auch die Abbildung auf Seite 62: "Reconstruction of inverted "Jenny" Sheet". Siegel hat eine detaillierte Kartei über diese Marke. Leider darf ich sie Euch nicht zeigen. weil das copyright bei Siegel ist "All rights reserved. May not reproduced in any form."

Natürlich hat die Einzelmarke (Pos. 58) einen "Sonderstatus": sie ist mit Abstand am höchsten bewertet (US-Qualitäts-Rating). Also: nicht JEDE Jenny-Inverted-Marke hat einen "Wert" von 1 Million! (Ebenso, wie bei den Basler-Taube Briefen grosse Preisunterschiede bestehen). Dennoch sind die Verkaufspreise für diese Marke meistens erstaunlich hoch!

Freundliche Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 13.06.2016 22:11:55 Gelesen: 269176# 96 @  
@ Heinz 7 [#95]

Ich habe vorgestern begonnen, mit Hilfe der Siegel-Auktions-Dokumentationen die im Netz zur Verfügung stehen, alle "Jenny's" die bei Siegel je gehandelt wurden, zu erfassen. Ich bin dabei auf 48 Stück gekommen. Der Rest war dann noch offen. Gestern stiess ich beinahe zufällig auf einen Link, der sich speziell nur mit den Jenny-Ausgaben befasst. Hier wird praktisch jedes Wissen der Nr. 1-100 archiviert: Besitzer seit 1918, Verkäufe seit 1918, Biographien der Besitzer, Auswertung der Erlöse zum Katalogpreis, usw. Nun, so war es mir relativ schnell möglich, diese übersichtlichen Tabellen zu erstellen. Auf den Kaufkraft-Vergleich komme ich noch zurück!

Hier noch den Link zu dieser wirklich tollen Seite:

https://invertedjenny.com

liebe Grüsse
Jacques
 
merkuria Am: 13.06.2016 22:27:03 Gelesen: 269168# 97 @  
@ DL8AAM [#94]

Hallo Thomas,

besten Dank für Deinen Beitrag mit den tollen Bildern. Ich beneide Dich um das Erlebnis, 2 dieser Marken live gesehen zu haben! Ich habe mich zwischenzeitlich etwas mit der Ausgabe in Papier und Netz beschäftigt. Es ist schon fast unheimlich, welche Geldsummen da im Spiel sind. Alleine das Auktionshaus Siegel hat mit dieser Marke seit 1980 mehr als 13.5 Mio US$ Umsatz gemacht. Zählt man die in der Liste aufgeführten Transaktionssummen zusammen, so kommt man auf eine Summe von mehr als 20 Mio US$ (ohne Berücksichtigung der Geldentwertung und ohne Erfassung aller Transaktionen). Hier waren schon früher Käufer am Werk, bei denen das Geld keine Rolle spielte.

liebe Grüsse
Jacques
 
merkuria Am: 14.06.2016 11:15:38 Gelesen: 269100# 98 @  
@ Heinz 7 [#95]

Hier noch eine interessante Bogenrekonstruktion der Inverted Jenny. Wann diese entstanden ist, kann ich nicht genau sagen. Gemäss den inhaltlichen Angaben muss diese zwischen 1955 (Erwähnung des Mc Coy-Diebstahles) und 1994 (Never seen Bemerkung zu einer Marke die 1994 verkauft wurde) entstanden sein.



Eigentlich sind darin nur 3 nicht mehr zutreffende Informationen enthalten:

Never seen Nr. 13: Dieses Stück tauchte 2007 an einer Siegel-Auktion auf.

Missing Mc Coy Nr. 60: Dieses Stück wurde 2014 dem Philatelic Research Centerex geschenkt.

Never seen Nr. 99: Dieses Stück tauchte 1994 an einer Siegel-Auktion auf.

Liebe Grüsse
Jacques
 
Heinz 7 Am: 14.06.2016 20:39:42 Gelesen: 269046# 99 @  
@ merkuria [#98]

Danke, Jacques, diese Bogenrekonstruktion ist wirklich interessant.

Wenn ich die neue Übersicht von Siegel daneben stelle kann ich sagen: Es sind nur noch die Marken Pos. 49 und 79 verschollen. Zu allen anderen gibt es Fotos/Nachweise. Ein paar wenige sind allerdings älteren Datums und es sind nur schwarz-weiss Fotos vorhanden.

Am 12.10.1989 fand auch eine legendäre Auktion statt, als das Lager der Weill Brothers zur Auktion kam (ein kleiner Teil davon). Unser berühmter Viererblock 87/88+97/98 ("Plate number block, 8493") erzielte dort einen sehr hohen Preis: US$ 1'100'000! Das war nicht weniger als "This was claimed as the highest price ever paid for a philatelic item" (damit wurde wohl der "Blue Boy" übertroffen, der bei David Feldman US$ 1'000'000 gebracht hatte (May 1981)).

Diese "Weill Stock"-Auktion wurde nicht von Siegel, sondern von Christie's New York durchgeführt.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 14.06.2016 20:54:54 Gelesen: 269040# 100 @  
@ Heinz 7 [#99]

Wenn ich hier schon vom "Blue Boy" spreche, sollte ich ihn (auch in dieser Rubrik) noch vorstellen:

Es ist der Name der einmalige Postmeister-Marke von Alexandria:



Dieser Brief wurde von David Feldman im Mai 1981 für US$ 1.000.000 verkauft, was damals ein Weltrekord war und meines Wissens das Resultat von US$ 850'000 für die British Guiana aus dem Jahr 1980 als Rekord ablöste (siehe Beitrag 9).

In New York habe ich, zu meiner grossen Freude, diesen Brief zum ersten Mal im Original gesehen: er war im Ehrenhof ausgestellt von Erivan Haub. Eine absolut phantastische Sammlung (siehe thread: New York 2016).



Im Exponat von Haub gab es noch viele weitere Unikate, die die amerikanischen Sammler wohl schwer beeindruckt haben! Haub hat vielleicht angeknüpft an die legendäre Sammlung "US Postmasters" von Altmeister Alfred Caspary. Dieses Exponat war für mich ein Glanzpunkt der Ausstellung New York 2016

Heinz
 
valgrande Am: 15.06.2016 13:02:28 Gelesen: 268983# 101 @  
@ Richard [#546] und [#3]

Gehören nicht auch die „Ochsenaugen“ in die Liste der seltenen Marken?

Es gibt nicht viele Briefmarkenausgaben aus Übersee, die bei Philatelisten einen geradezu legendären Ruf genießen. Warum gehören die „Ochsenaugen“ aus Brasilien nicht auch dazu?

Was ist das Faszinierende der Marken seit mehr als 160 Jahren? Es ist wohl die eigenwillige grafische Gestaltung dieser großformatigen, im aufwändigen Stichtiefdruck hergestellten Marken: Die Wertziffer nicht als dominierendes, sondern als einziges Motiv in einem mit feiner Hintergrundzeichnung ausgefüllten Oval, dem diese Marken den Namen „Ochsenaugen“ verdanken. Die Bezeichnung rührt vom eigenartigen Aussehen der Ziffernzeichnung her und stammt aus dem Portugiesischen. Die Nachfolgeserien werden als Ziegenaugen und Katzenaugen bezeichnet. Die Marken sind die Ersten ohne Landesbezeichnung und sind nach der Schweiz die zweite Ziffernserie der Welt.

1. Ausgabe vom 1. August 1843 (so genannte „Ochsenaugen“) 3 Marken Brasilien. Bei den heutigen Preisen – notiert der Michel (Online-Katalog, abgerufen Dezember 2015) € 9000,– für den ungebrauchten und € 2800,– für den gebrauchten Satz von drei Werten (30, 60 und 90 Réis), sind sie noch durchaus moderat. Bei Auktionen werden zum Teil weit höhere Summen geboten. Aufzupassen ist jedoch, da es viele Fälschungen gibt, siehe unten.

Gruß von
valgrande


gefälschte Ausgaben
 
Heinz 7 Am: 15.06.2016 19:46:03 Gelesen: 268942# 102 @  
@ valgrande [#101]

Hallo Kollege,

Du schreibst, die "Ochsenaugen" aus Brasilien gehören nicht zu den legendären ("besten") Briefmarken der Welt? Da bin ich anderer Ansicht.

Die "Ochsenaugen" werden in mehreren einschlägigen Büchern unter "den Besten" geführt (L.N.+ M. Williams 1949, siehe Kapitel 35; Hertsch: 1957, O'Keefe (Linn's), 1987). Und zwar, obwohl die Erstausgabe (1842) ja nicht wirklich selten ist (Mi 1-3 haben Katalogwert von 800/320/1700 Euro, gestempelt, 2010). Aber es gibt viele teure Einheiten, Abstempelungen, Briefe. Und die Brasilien-Philatelie hat auch ein Ausnahmestück, das zu den "ganz teuren" gehört.



Dieser Dreierstreifen ist speziell, weil eine 60 Reis Marke am Paar der 30 Reis Marke hängt via Zwischensteg). Dieser Streifen war das Schmuckstück von mehreren Brasilien-Sammlungen; einer von ihnen war Charles Lathrop Pack. Seither hat diese philatelistische Einheit den Übernamen: "The Pack strip".

Im Ausstellungskatalog zur Anphilex '96 (New York) war ein prominentes Kapitel den "besten" Briefmarken der Welt gewidmet: "The Aristocrats of Philately". Auch hier wird der "Pack strip" aufgeführt und im Text steht:

"it is inevitably included in lists of the top 10 items of philately."

Auch der berühmte Auktionator Siegel nahm den Pack-Strip zu den "top ten rarities" (Juni 2008).

Der Streifen war auch in der Angelo Lima-Sammlung Brasilien enthalten, die bei David Feldman versteigert wurde. Der Erlös (1993) für dieses eine Los war meines Wissens eine glatte Million Schweizer Franken (plus 15 % Aufgeld).

Ich denke, diese Tatsachen genügen, um zu zeigen: Brasilien's Ochsenaugen gehören zum Besten, das die Philatelie zu bieten hat.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.06.2016 11:06:50 Gelesen: 268856# 103 @  
@ merkuria [#93]

Lieber Jacques,

Du hast einige Verkaufspreise betrachtet und hast bei einem Durchschnittspreis von US$ 350'000 einen (theoretischen) Preis für den Hunderterbogen von US$ 35 Millionen abgeleitet. Mit Sicherhiet ist dieser Fehldruckbogen heute der teuerste aller Zeiten, aber einen Durchschnittspreis von US$ 350'000 würde ich dennoch nicht sehen.

Wir wissen ja, wie das ist: Bei einer Ausgabe sind immer nur die "Schönsten" teuer bezahlt (Katalogwert, oder noch höher), während weniger attraktive Stücke oft zu einem Bruchteil davon liegenbleiben. Das dürfte auch für die "Inverted Jenny" zutreffen. Offenbar gibt es einige "nicht schöne" Stücke. Auktionator Siegel schrieb im Katalog zur Zoellner-Auktion (1998) folgenden Kommentar:

Many of the original 100 stamps were mistreated by collectors during the years, despite the stamps' rarity and value. Colonel Green himself allowed moisture to affect some of the stamps he retained. Other examples have become slightly toned from improper storage and climactic conditions. Hinging has caused thins and creases in numerous stamps, and at least seven have been "lost" to philately--or nearly so as in the case of the copy swept up in a vacuum cleaner.

Zur Position 78 gibt es eine eigentlich "unglaubliche" Geschichte (oder vielleicht auch zum Schmunzeln)!

Der sehr reiche Sammler Robert Zoellner kaufte 1985 diese Marke (Pos. 78) für US$ 88'000 bei seinem Versuch, eine komplette US-Sammlung zusammen zu tragen. Wie wir wissen, schaffte er sein Ziel und der Zoellner-Sale erregte grosses Aufsehen; darin war die einmalige 1 Cent blue 1867-1868, Z grill (Scott 85 A), enthalten. Sie erst machte die US-Sammlung "komplett" und erreichte beim Verkauf die Kleinigkeit von US$ 850'000 + 10 % = US$ 935'000 (Sale Siegel 8.10.1998; Startpreis war US$ 450'000).



Wir können diese Marke später noch ausführlicher besprechen. Kurios ist etwas anderes: Siegel verkaufte auch eine "Inverted Jenny" von Zoellner, aber nicht die Position 78, sondern die deutlich bessere Position 58. Die hatte Zoellner nachgekauft, nachdem Folgendes passiert war:

Die Marke fiel Zoellner aus dem Album. Die Putzfrau hat dann mit einem Vakuum-Cleaner die Marke eingesaugt. Man fand sie im Gerät, nun natürlich in einem etwas traurigen Zustand.

Kein grösseres Problem für Zoellner: er kaufte die Marke einfach noch einmal (26.10.1992 Superior Stamp & Coin Company).

Die US$ 88'000-Marke (1985/Pos. 58) dürfte heute nur noch einen geringen Wert haben.

Ob die Putzfrau ihren Job verlor, weiss ich nicht.

Heinz
 
Lars Boettger Am: 16.06.2016 11:42:41 Gelesen: 268846# 104 @  
@ Heinz 7 [#103]

Ein paar Anmerkungen zu der "einmaligen 1 Cent blue 1867-1868, Z grill (Scott 85 A)":

Diese Marke gibt es bisher nur zwei Mal: Einmal in einer Museumssammlung, einmal die gezeigte Marke.

Vor etlichen Jahren wurde über die Scott 85 A im Forum des bekannten US-Philatelisten Richard Frajola ausführlich und kontrovers diskutiert. Die Echtheit des Grills wurde von einigen Teilnehmern stark in Zweifel gezogen.

Die Marke selbst war jahrelang im Besitz der "Mystic-Stamp-Company". Der neunjährige Sohn des Besitzers hat die Marke wohl bei der Zoellner-Auktion ersteigert. Der unterlegene Bieter "was beaten by a kid".

Beste Grüße!

Lars
 
valgrande Am: 16.06.2016 14:12:03 Gelesen: 268806# 105 @  
@ Heinz 7 [#102]

Wenn schon zitieren, dann bitte richtig. Ich schrieb "Gehören nicht auch die „Ochsenaugen“ in die Liste der seltenen Marken? Es gibt nicht viele Briefmarkenausgaben aus Übersee, die bei Philatelisten einen geradezu legendären Ruf genießen. Warum gehören die „Ochsenaugen“ aus Brasilien nicht auch dazu?"

Meine Äußerungen bezogen sich auf den Eintrag Richard [#546] und [#3]. Ich bedauerte ausdrücklich, dass die "Ochsenaugen" nicht in der Auflistung der berühmtesten und seltensten Briefmarken vorhanden war.

Gruß valgrande
 
merkuria Am: 16.06.2016 18:39:56 Gelesen: 268767# 106 @  
@ Heinz 7 [#103]

Lieber Heinz,



Obenstehende Zusammenstellung war der Ausschlag für meine Schätzung von 350'000 $/Stk. Sicher hat es bei den verbleibenden 74 Positionen ein paar Krücken dabei, aber es gibt auch noch 6 Viererblocks die heute wahrscheinlich einen phänomenalen Preis erzielen würden! Auch wenn ich vielleicht etwas hoch gegriffen habe, teuer sind die Jenny's allemal.

liebe Grüsse
Jacques
 
Heinz 7 Am: 17.06.2016 07:49:35 Gelesen: 268702# 107 @  
@ valgrande [#105]

Guten Tag,

ich habe den Beitrag [#101] so verstanden, dass es eine Frage sei (von Ihnen). Wenn Sie der Meinung sind, die Ochsenaugen gehören zu den legendären Briefmarken, dann sind wir uns ja einig. Diese Briefmarken haben natürlich eine Sonderstellung, weil sie sind sehr sehr früh herausgegeben worden (1843).

Sie sind nicht sehr selten (ähnlich wie die "Penny Black" aus Grossbritannien), da sie aber populär sind, und viel gesammelt werden, erreichen Spitzenstücke dieser Ausgabe (grosse Einheiten, seltene Stempel und dgl.) auch immer wieder hohe Preise. Auch der PACK-STRIP wäre nicht so hoch geschätzt, wenn Brasilien nicht ein sehr angesehenes (Briefmarken-) Land ist.

Klassisch Brasilien ist meines Erachtens ein "Triple-A" Sammelgebiet, könnte man sagen.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.08.2016 19:53:08 Gelesen: 265012# 108 @  
@ BD [#2]

Eine der vielen klassischen Raritäten ist die Canada 1851: 12 Pence, schwarz (Michel Nr. 6). Katalogwert heute (bzw. Michel Raritäten-Katalog 2010; siehe Seite 194) gestempelt: Euro 55'000 (6x: senkrecht gestreiftes Papier) / Euro 80'000 (6y: gewöhnliches Papier)



Es gibt wenige ungestempelte Marken und sehr wenige gestempelte Paare und Exemplare auf Briefen. Sie gehören seit 150 Jahren zu den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt.

Anbei ein Exemplar mit dem typischen Siebenkreis-Stempel, der weder Ort noch Datum angibt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.09.2016 00:01:37 Gelesen: 263619# 109 @  
@ Liebhaber von Klassischen Marken aus Nordamerika

Auch aus Nordamerika kommt diese sehr seltene Marke:



Beschreibung: 1857, 1s Reddish Purple, Watermarked, full to large margins, strong color on bright paper, small part o.g., Extremely Fine, ex-Argenti, Foxbridge, Baillie; with 2013 V.G. Greene certificate. SG No. 8.
Scott No. 6 var. $32,500.

A REMARKABLE SOUND UNUSED EXAMPLE OF THE 1857 1S REDDISH PURPLE CLEARLY SHOWING THE PAPERMAKERS WATERMARK. ONE OF ONLY SIX RECORDED UNUSED EXAMPLES, OF WHICH ONLY THREE ARE SOUND.

Quelle: http://www.rumseyauctions.com/auctions

Eine sehr schöne Marke!
Heinz
 
merkuria Am: 30.09.2016 13:19:26 Gelesen: 263031# 110 @  
Heute möchte ich eine wirklich seltene Ausgabe aus dem Bereich der italienischen Auslandspostämter vorstellen:



1917 erfolgte die Einrichtung von italienischen Postanstalten in Peking und Tientsin. 1919 verausgabte die italienische Postverwaltung von Peking (Pechino) eine neue Freimarkenausgabe in chinesischer Währung (Mi Nr. Ital. Post in China Nr. 27-35). Dazu verwendete man Freimarken von Italien (ex Mi Nr. 74-125) und versah diese mit einem Aufdruck des neuen Wertes sowie Pechino. Wir unterscheiden hier unter 3 verschiedenen Aufdrucken: Turiner Aufdruck, Lokaler Handstempelaufdruck und Lokalaufdruck.

Die vorgestellte Marke gehört zum Lokalaufdruck und ist in gesamthaft nur 15 Exemplaren (ungebraucht und gestempelt) bekannt. Von diesen 15 Exemplaren wurden an der Cherrystone Auktion vom Januar 2013 gerade zwei Exemplare angeboten:

Los Nr. 937 beinhaltete ein ungebrauchtes Stück mit Falz und wurde für 32‘500 US$ + Aufgeld verkauft.

Los Nr. 938 beinhaltete ein postfrisches Stück und wurde für 50‘000 US$ + Aufgeld verkauft. Dabei soll es sich um das einzig bekannte postfrische Exemplar der 15 Bekannten handeln!

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
bayern klassisch Am: 30.09.2016 14:32:36 Gelesen: 263005# 111 @  
@ Heinz 7 [#109]

Hallo Heinz,

vielleicht die schönste Marke der Welt - wow, hätte ich mein Herz nicht schon vor vielen Jahren an Bayern verloren, würde ich allein der Schönheit wegen diese Ausgabe sammeln, allerdings auf Beleg, nicht postfrisch oder lose. Diese Marken sind Hingucker allererste Kajüte!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
merkuria Am: 30.09.2016 15:37:31 Gelesen: 262988# 112 @  
@ bayern klassisch [#111]

Hallo Ralph,

damit Du die Schönheit in voller Pracht geniessen kannst, hier noch etwas aus meinem Bildarchiv:



Michel Nr. 4

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
bayern klassisch Am: 30.09.2016 17:19:04 Gelesen: 262968# 113 @  
@ merkuria [#112]

Hallo Jacques,

vielen Dank - ein Genuß und eine graphische Leistung, vor der man sich heute noch verneigen muss.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 21.12.2016 09:12:56 Gelesen: 257702# 114 @  
Siehe Beitrag [#45]

Ich komme zurück auf eine bereits vorgestellte Marke: Siehe Beitrag [#45].

Nun wird eine der zwei verfügbaren Marken angeboten! - Und - wenn wir genau hinsehen: Es ist die andere der zwei verfügbaren Marken!



Der ausführliche Text zur Losbeschreibung anbei

Spink London, 24.1.2017
Auction: 17012 - The Leeward Islands, Bahamas, British Guiana, British Honduras and Turks Islands, The David Pitts Collection
Lot: 61

British Guiana
1850-51 "Cottonreel" Issue
2 Cents Rose
The Finest of the Four Recorded Examples
2c. rose on medium wove paper, Townsend & Howe Type B with thick frame and break over "gu", cut round and remarkably with outer frameline intact, initialled "J.B.S." (J.B. Smith) and cancelled with Demerara double-arc datestamp for 23 June 1851; affixed to non-contemporary small piece.

The finest of the four examples recorded and the only one without any of the obvious defects clearly visible in the illustrations of the other three in "Encyclopaedia of rare and Famous Stamps" (2 - The Biographies). Sc. 1; S.G. 1, £325,000. Photo

Note: There are four examples of the 2c. rose known used off cover and all are cut round. It is generally considered that this was the method that the postmasters used and the bulk of all "Cottonreels" exist in this manner. All four examples are Type B and all are initialled "J.B.S."

In terms of "Classic" rarities, this "Number One" example of British Guiana is considered to be amongst the greatest of all philatelic treasures. This is only the second opportunity for collectors to acquire this iconic stamp at auction over the last 90 years with it last auctioned by Spink in Washington in 2006

There is only one other example held in private hands and that example is heavily repaired
The other two recorded examples are in the British Library and in the Post and Telecommunications Museum, Bonn

provenance for l.n. williams example number 4:
1877 N.R. McKinnon acquired the stamp
1878 Ferrary obtained this remarkable stamp in exchange for number 4
1924 Gilbert Ferrary sale 10, lot 169, Fr.58,750 = approx. $3,172
196(?) Changed hands privately together with other items from the Champion collection
1996 Offered for sale by B. Behr in a Private Treaty brochure at Amphilex 1996 and acquired by an American collector
2006 Offered on behalf of the American collector by Spink during the Washington International Stamp Show in our Important Stamps and Covers of the World auction, lot 43, sold for $365,500

Subject to 5% tax on Hammer Price in addition to 20% VAT on Buyer’s Premium. For more information please view Terms and Conditions for Buyers.
Estimate £200,000 to £250,000

Auf das Resultat der Auktion darf man gespannt sein!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.01.2017 18:29:12 Gelesen: 255569# 115 @  
@ Beitrag [#114]

Ich kann vermelden, dass die obige Briefmarke zum Preis von GB£ 180'000 zugeschlagen wurde. Bei 20 % Provision ergibt dies also einen Preis für den Käufer von GB£ 216'000.

Dies liegt also unter dem Schätzpreis, und da das britische Pfund heute nicht mehr "stark" ist (im Vergleich zum Schweizer Franken), muss hier ein deutlicher Preisrückgang seit dem letzten Verkauf 2006 festgestellt werden (siehe Beitrag 114).

Kurs heute, gemäss "oanda": GBP 1.00 = CHF 1.16270. Kaufpreis heute also CHF 251'143.

Man muss bei diesen Vergleichen aber immer auch die Währungssituation der damaligen Zeit mit in Betracht ziehen. Während für Leute, die in Schweizer Franken rechnen, der Preis für diese Marke also deutlich nachgelassen hat, könnte die Situation aus Sicht von Grossbritannien anders aussehen.

Machen wir die Probe aufs Exempel. Nehmen wir die Kurse vom 1.10.2006 (ich weiss nicht, wann GENAU diese Marke 2006 verkauft wurde). Gemäss Oanda galten am 1.10.2006 folgende Wechselkurse:

100 USD = CHF 125.091
100 GBP = CHF 234.233

USD 365'500 (2006) also = CHF 457'208 = GBP 195'194

Wir sehen also: aus Sicht eines Sammlers aus London, der in GBP rechnet, ist der Preis 2017 sogar leicht höher (ca. 10%), während er für einen Sammler aus Zürich, der in CHF rechnet, sehr stark gesunken ist (minus 45 %)!

Dieses Rechenbeispiel zeigt uns schön, wie die Währungen völlig unterschiedliche Entwicklungen nahmen. Ich bin erstaunt, wie krass dies in diesem Beispiel deutlich wird.

(Erste Frage: Ich hab doch nicht etwa einen Rechnungsfehler gemacht?)

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.02.2017 14:01:25 Gelesen: 254202# 116 @  
@ Richard [#546]
@ DL8AAM [#4]

Eine "blaue Mauritius" ist auch heute noch vielen Leuten ein Begriff. Wenn ich heute aber die beiliegende Marke zeigen, denken manche Leute wohl: "das ist sie jetzt!". Aber: Das ist wohl eine blaue Marke von Mauritius, und der Brief sieht "gut" aus, aber es ist eben nicht DIE blaue Mauritius!



Der Brief sieht sehr ähnlich aus wie die berühmte Welt-Rarität. Der Kenner aber wird sehen, dass im linken Rand steht "POST PAID". Bei der allerersten Ausgabe des Landes wurde (wohl irrtümlich) das Wort "POST OFFICE" gedruckt (siehe Abbildung in Beitrag 4; zwei Marken Mauritius Nr. 1+2, zusammen verwendet, und ehemals in der Ferrari-Sammlung; hier als Nachbildung).

Kurz nachdem die ungewollte Inschrift der Briefmarke "POST OFFICE" bemerkt wurde, wurde die Marke neu gedruckt. Diese Marke blieb dann eine Weile in Gebrauch. Die allerersten Drucke dieser "POST PAID"-Marken sind ebenfalls sehr selten.

Anbei der Text zu dem Auktionslos, das soeben bei Gärtner versteigert wurde (Los 9845):

"1848 Queen Victoria 2d. blue, EARLIEST IMPRESSION, used on folded cover from Port Louis (dated 4th April 1849) to Bordeaux (FAMOUS VEILLON CORRESPONDENCE) per "Collingwood" via Greenock, London and Boulogne-Sur-Mer, tied by superb strike of circle of bars (Proud K1, early usage), large double circle "MAURITIUS POST OFFICE/AP 07/1849", black two-liner "GREENOCK/SHIP LETTER", France arrival cds, French boxed 'Colonies ...' h/s in red and charge marks on front, British transit datestamps and Bordeaux '21 July 1849' arrival dater on the reverse. The fresh stamp with even huge margins all round used on an interesting Mauritius-Scotland-England-France cover. A MOST OUTSTANDING AND ATTRACTIVE COVER WITH A SUPERB STAMP FROM THE EARLIEST IMPRESSION - according to the Kanai Handbook ONLY 4 covers recorded - this one is the FINEST - even finer than the famous cover from the Caspary collection (same correspondence). Various signatures and certified by Bottacchi (2016) and the Royal Phil. Soc., London (1953)."

Angeblich gibt es nur vier solcher Briefe, und dies sei der schönste. Er kostete denn auch die stolze Summe von Euro 75'000 plus Zuschlag.

Damit gehört auch "die jüngere Schwester" der weltbekannten blauen "Post Office"-Mauritius Marke zu Recht in dieses Kapitel.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.04.2017 20:29:35 Gelesen: 251584# 117 @  
@ Heinz 7 [#116]

Die blaue Mauritius "Post Office"-Ausgabe gilt bei vielen Sammlern (und Nicht-Sammlern!) als seltenste und wertvollste Briefmarke der Welt! Dies hat gute Gründe. Einen davon möchte ich heute präsentieren.

Die Marke ist ja wirklich sehr selten! Man kennt heute nur noch 12 Exemplare davon (4 ungebraucht, 5 gestempelt, 1 auf Fragment, und 2 auf Brief, davon 1 Brief in Kombination mit der 1 Penny-Marke orange).

Das schönste Exemplar der ungebrauchten 2 Pence-Marke landete früh schon in der königlichen Sammlung des Königs von England.



Dieses Foto stammt aus dem Buch von Leon N. Williams: "Encyclopaedia of rare and famous stamps", Band 1, 1993.

Es hat, im Gegensatz zu den anderen Exemplaren, schöne breite Ränder an allen vier Seiten. Die Marke war schon vor mehr als hundert Jahren sehr begehrt, und als das gezeigte Stück 1904 in London an einer Auktion verkauft wurde, zahlte der König (damals noch "Prince of Wales") dafür die unglaubliche Summe von GB£ 1450. Das Auktionshaus war Puttick & Simpson (13.1.1904, Los 301, Startpreis: GB£ 500).

Der Preis war damals eine Sensation, und die Marke festigte ihren Welt-Ruhm.

Die Marke wurde im monumentalen Buch von Sir John Wilson: "The Royal Philatelic Collection" 1952 in Farbe abgebildet.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.06.2017 22:30:49 Gelesen: 246308# 118 @  
@ merkuria [#91]

Wir haben schon gesehen, dass die Basler Taube bisweilen sehr teuer sein kann. Erstens ist die Marke weltberühmt (eine der ersten Marken weltweit, dazu die erste im mehrfarbigen Prägedruck) und zweitens gibt es davon sehr seltene "besondere Verwendungen".

Ein Brief mit einer Einzelfrankatur einer Basler Taube kann zwar auch respektable Preise einbringen, in der Rubrik der "wertvollsten" erreicht die Basler Taube aber kaum einen absoluten Spitzenplatz. Dafür gibt es einfach zu viele dieser Basler-Taube-Briefe. Seltene Verwendungen aber haben schon mehrfach Preise erzielt im sechsstelligen CHF/Euro-Bereich.

Die von Jacques gezeigte Mischfrankatur (B. 91) mit einer Frankreich-Marke ist natürlich sehr selten! Diese Woche wird nun ein weiteres Spitzenstück verkauft, in Zürich:



Ein Paar Tauben, in Kombination mit einer Bundesmarke der Schweiz 1850 - ein Traumstück, das zu Recht nun entsprechend hoch gepriesen wird. Sollte der Ausrufpreis des (wohlbekannten) "Gagnebin-Renan-Briefes" von CHF 400'000 eingespielt oder sogar übertroffen werden, dann reiht sich diese Schweiz-Rarität unter den teuersten Stücken der Philatelie ein.

Wer sich näher mit dem Stück auseinandersetzen möchte, hier die Information dazu: Corinphila-Auktionen, Los 3001.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
bayern klassisch Am: 07.06.2017 06:15:16 Gelesen: 246256# 119 @  
@ Heinz 7 [#118]

Hallo Heinz,

danke fürs Zeigen dieses Hammerbriefes - ich stelle mir gerade vor, wie sich derjenige gefühlt haben muss, der vielleicht vor 100 oder 120 Jahren in einer Kiste mit privaten Korrespondenzen DAS Stück entdeckt hat.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 12.06.2017 22:57:46 Gelesen: 245733# 120 @  
@ bayern klassisch [#119]

Nun ist das Ergebnis bekannt. Der Brief wurde verkauft für CHF 320'000.

Corinphila Zürich hat oft recht tiefe Ausrufpreise und akzeptiert in den meisten Fällen KEINE Untergebote. Bei diesem Los war es anders: ein "stolzer" Ausrufpreis schreckte offenbar alle mögliche Kunden ab, und der Startpreis wurde nicht erreicht. Was tun? Bei solchen Stücken haben die Auktionatoren natürlich nicht gerne Rücklose - also machte Corinphila eine Ausnahme und akzeptierte ein Untergebot (80 % des Startpreises). Danach fiel der Hammer doch noch.

Der Preis ist also gefunden. Ich kann zur Zeit nur wenig Preisvergleiche (mit früheren Zuschlagpreisen) anstellen, aber der Brief war, natürlich, schon früher teuer. 1967 zierte der Brief die Titelseite des Auktionshauses Arnold Ebel; Ausruf vor 50 Jahren: DM 275'000.

Im September 1991 wurde der Brief verkauft an Sylvain Wyler, der mit seiner Schweiz-Sammlung den Grand Prix holte. 26 Jahre lang war der Brief nicht mehr auf dem Markt. 1991 war der Zuschlag CHF 340'000.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 13.06.2017 06:18:59 Gelesen: 245711# 121 @  
@ Heinz 7 [#120]

Hallo Heinz,

vielen Dank für deine Aktualisierung und die Angabe historischer Zuschläge, was ja immer äußerst interessant ist, gerade bei solchen Bomben.

Ich glaube, dass die wenigen, die in diesen Größenordnungen spielen, keine Probleme haben, ob ein Brief 100.000 CHF mehr oder weniger kostet. Wenn man ihn dann, mangels Nachfrage, für 20% weniger schnappen kann, macht man das natürlich gerne.

In 5 oder 10 Jahren kann er durchaus auch 500.000 CHF bringen - oder nur 250.000 CHF, das weiß man nie. Aber auch dafür gälte dann mein obiger Satz.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 14.06.2017 19:02:04 Gelesen: 245619# 122 @  
@ bayern klassisch [#121]

Lieber Ralph,

die Wertentwicklung der berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt ist sicherlich ein wichtiges und interessantes Thema. Wir stellen ja fest, dass einerseits gewisse Marken dramatisch an Wert verloren haben, dass andererseits auch heute immer wieder sehr hohe Preise für andere Briefmarken/philatelistische Belege bezahlt werden. Dies ist nicht einfach zu erklären. Wollen wir (die langjährigen Sammler) zu solchen Fragen "gute" (richtige) Antworten geben, müssen wir den Markt kennen und immer wieder neu beobachten.

Ob es mehr oder weniger Superreiche geben wird, die bereit sind, viel Geld in Briefmarken zu investieren, ist eine schwierige Frage. Allgemein gibt es ja mehr Superreiche, aber ob sich diese für die Philatelie zu begeistern vermögen, ist eine andere Frage. Eine Zeitlang schien es so, zum Beispiel in den USA.

Halten wir die Augen offen und freuen wir uns, dass noch immer gewaltige Umsätze mit Briefmarken erzielt werden!

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Briefmarkenburny62 Am: 15.06.2017 10:22:33 Gelesen: 245564# 123 @  
@ bayern klassisch
@ Heinz7

Ich erfreue mich auch immer wieder solche Granaten der Spitzenphilatelie sehen zu dürfen! Ein wahrer Augenfang, der wohl von Käuferseite aus betrachtet als Schnäppchen bewertet werden kann.

Von der Wertentwicklung her sind solche Rosinen nie genau einzuschätzen, da hier Liebhaberei und Investition meistens zu einer Kombination vermischen. Spitzenpreise für Raritäten sind alleine wegen der Reklame in auch überregionalen Zeitungen immer ein Gewinn für das Briefmarkenhobby.

Heinz 7, vielen Dank fürs zeigen.

Gruß
Briefmarkenburny
 
Heinz 7 Am: 16.06.2017 21:31:37 Gelesen: 245485# 124 @  
@ Briefmarkenburny62 [#123]

Vielen Dank für die freundlichen Worte.

Es ist sehr spannend, zu verfolgen, welchen Weg die berühmtesten und wertvollsten Marken genommen haben! Einige können sich seit über 100 Jahren ganz an der Spitze der wertvollsten Marken halten, andere sind heute nicht mehr ganz so begehrt wie früher und selbstverständlich gibt es auch neue "Lieblinge", die früher noch günstig waren.

Nehmen wir zum Beispiel die Tabelle in Beitrag 2 und fragen wir uns, was aus den Bestplatzierten geworden ist. 1913 standen noch die Marken im Vordergrund, weniger die Briefe, welche vor allem heute für manche Preis-Sensationen verantwortlich sind.

Die "Liste 1913" (wir wollen sie so nennen) nennt als teuerste Marke die einmalige Marke 1 Cent Postmeistermarke von Alexandria, USA. Diese Marke hat ihren Nimbus voll behalten können und erreichte auch im späten 20. Jahrhundert noch Weltrekord-Preise. Siehe Beitrag Nummer 100! Die Briefmarke wurde letztes Jahr in New York ausgestellt und sie gehört dem Philatelie-Giganten Erivan Haub.

Zweiter auf der "Liste 1913" ist die weltberühmte "Blaue Mauritius" (Erst-Ausgabe Mauritius, "Post Office", 2 Cents), die ich in Beitrag 117 vorgestellt habe. Siehe auch Beitrag 1.

Dritter auf der "Liste 1913" ist die British Guiana, Nummer 1: 2 Cents schwarz auf magenta, die in dieser Rubrik schon ein paar Mal zur Sprache/ins Bild kam: Beitrag 43+44+46+114+115. Siehe auch Beitrag 3.

Vierter auf der "Liste 1913" ist die Mauritius Nummer 1: (Erst-Ausgabe Mauritius, "Post Office", 1 Cent). Die "orange Mauritius" ist ja fast nahezu gleich selten wie die "blaue", aber sie ist bei Nichtsammlern nicht GANZ so berühmt.



Diese Abbildung zeigt die Marke, die 1993 an der legendären Auktion verkauft wurde (Sammlung Hiroyuki Kanai, David Feldman Zürich, 3.11.1993, Los 1). Der Zuschlag lag bei über einer Million Schweizer Franken.

Wir sehen also: die vier teuersten der "Liste 1913" zählen auch heute noch zu den teuersten!

Fünfter auf der "Liste 1913" ist die Rumänien Nr. 3, also der weltberühmte Ochsenkopf, 81 Parale. Ich habe im Thema "Rumänien für Sammler" gerade (aus aktuellem Anlass) über die hohen Zuschläge berichtet (Beitrag 504), die am 3.12.2006 (wieder bei David Feldman, Auktion, damals parallel in Genf/Monte Carlo). Nicht weniger als vier Exemplare der 81 Parale-Marke kamen zur Auktion (!) und sie erreichten respektable Ergebnisse: Euro 120'000, Euro 80'000, Euro 70'000 und Euro 60'000. Die Resultate sind also nicht ganz so gewaltig, wie bei den oben genannten Marken, sind aber doch noch recht hoch.



Anbei ist die Abbildung einer der wenigen gestempelten Marken (bei der Rumänien Nr. 3 ist ausnahmsweise die gestempelte Variante seltener als die ungebrauchte, bei Rumänien Nr. 1,2+4 ist es aber die ungebrauchte). René Berlingin bezeichnete das vorliegende Stück einmal als "le plus bel exemplaire connu du timbre classique le plus rare d'Europe" (= das schönste bekannte Exemplar der seltensten klassischen Marken Europas). Es ist auch die einzige Marke mit ROTEM Stempel (sonst: blaugrün). Die Marke zierte die Sammlungen des Multi-Millionärs René Berlingin und des Rumänien-Experten und Grand Prix-Gewinners Fritz Heimbüchler. Seine Sammlung wurde 2010-2013 in drei Auktionen bei Corinphila Zürich verkauft.

Die Nummer 6 der "Liste 1913" ist die Postmeistermarke von St. Louis, der höchste Wert, zu 20 Cents. Beiträge zu dieser Ausgabe finden wir bei Nummer 82,84,85.

Gerne mache ich später weiter mit der Nummer 7...

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.06.2017 14:05:38 Gelesen: 245323# 125 @  
Liebe Leser,

ich habe erst bei der konsequenten Bearbeitung der Liste in Beitrag 2 realisiert, dass die St. Louis Bears (20 Cents-Wert) 1913 als sechs-wertvollste Marke der ganzen Welt eingeschätzt wurde! Dies überrascht mich, denn ich kenne wohl diese seltene US-Postmaster-Marke (seit langem), habe sie aber nie als ganz-so-top-wertig eingeschätzt/eingereiht.

Ich werde mich nun ein wenig um die Marke kümmern und versuchen herauszufinden:

a) warum sie so hoch, bis auf Platz 6, der "Liste 1913" kam
b) warum sie heute nicht mehr unter den Top-20 figuriert

Auf Wikipedia habe ich eine schöne Abbildung gefunden, die ich hier zeigen möchte: Anbei sind die drei Werte zu 5, 10 und 20 Cents gezeigt. Die 20 Cents-Marke ungebraucht wird im Wikipedia-Artikel "St. Louis Bears" heute am höchsten geschätzt im Wert, wie die Tabelle "Estimated value" zeigt:

5 Cents: USD 8'000
10 Cents: USD 8'000
20 Cents: USD 50'000.

Gemäss Quellenangabe entsprach dies den Katalogwerten nach "Scott, 2013" ISBN 0894874756.



Ich verweise nochmals auf Beitrag 82, als uns Jacques eine Spezialität zeigte: St. Louis-Bears, zwei Wertstufen zusammenhängend! Und erst noch die grösste bekannte Einheit von ungebrauchten Marken! Dass diese Kombination zweier Marken aus dem "mittleren" Preisbereich (US$ 8'000 + 8'000) dann doch wieder sehr teuer wird, zeigt uns Beitrag 82: der Viererblock brachte US$ 260'000 ein! Dabei war die seltenste Marke, der 20-Cents-Wert, im Block nicht einmal enthalten!

Mehr davon später!

Heinz
 
DL8AAM Am: 20.06.2017 20:17:53 Gelesen: 245239# 126 @  
@ Heinz 7 [#125]

Zu den Bärchen auch http://www.philaseiten.de/beitrag/129092

Das waren für mich eine der (gezielten) Highlights auf der New York Stamp Show 2016. ;-)

Gruß
Thomas
 
Heinz 7 Am: 21.06.2017 00:23:22 Gelesen: 245202# 127 @  
@ DL8AAM [#126]

Lieber Thomas,

vielen Dank für den hochinteressanten Beitrag, den ich im Thema "Bären" irgendwie übersehen habe.

Diese Sammlung St. Louis Bears auf 16 Blatt in New York hätte mir auch gefallen! Zum Glück hast Du ein paar Fotos gemacht, so kann man die Sammlung ein wenig erahnen. Besonders toll sind vermutlich die 6 Briefe mit Mehrfach- oder sogar Buntfrankaturen! Ein Brief scheint 5 Marken zu tragen! Insgesamt haben wir 30 Objekte in dieser Sammlung, das ist riesig!

Ich kenne nur wenig US-Postmeister-Sammlungen so gut, dass ich nun ein zuverlässiges "rating" machen könnte. Aber einen Vergleich möchte ich doch heranziehen: die Alfred Caspary-Sammlung, die ja einen atemberaubenden US-Teil hatte mit unglaublichem Material auch bei den US-Postmastern.

Schon bei der ersten Caspary-Auktion 15.11.1955 kamen die US Postmaster-Marken unter den Hammer (Teil 1), und meines Wissens alle Caspary-St.Louis-Bears wurden an diesem Tag versteigert: Lose 123-151. Caspary hatte:

9 Briefe mit Mehrfach- oder Buntfrankaturen
8 Briefe mit Einzelfrankaturen
2 Fragmente mit Mehrfachfrankaturen
2 Fragmente mit Einzelfrankaturen
1 Block mit zusammenhängenden Marken (5+10+10 Cents)
1 Paar
6 Einzelmarken
= total 29 Objekte mit total 47 Bärenmarken!

22 der Bären sind 5 Cents-Marken
22 der Bären sind 10 Cents-Marken,
nur 3 der Bären sind 20 Cents-Marken,

kein Wunder daher, dass die drei Lose mit den 20 Cents-Marken hohe Zuschläge erreichten:

Los 142 - 20 Cents, Type I = US$ 2'500
Los 143 - 20 Cents, Type II = US$ 2'500
Los 145 - Brief mit 20+10 Cents, Korr. Charnley & Whelen (1.4.1846) = US$ 4'400

Die 20 Cents-Marke hatte damals einen Katalogwert von US$ 1'750, der Zuschlag an der Auktion lag also deutlich höher, als der Katalogwert. US-Dollars von 1955 sind natürlich nicht mit heute zu vergleichen, sondern waren damals ein Vermögen. (Mehr dazu später).

Die US$ 4'400 waren an dieser Auktion der höchste Zuschlag für ein Los mit St. Louis-Postmarke(n).

Gemäss Liste 1913 hatte die 20 Cents-Marke 1913 einen Katalogwert von 6'000 Reichsmark. 1913 reichte dies zu Platz 6. 1955 reichten die US$ 1'750 Katalogwert vermutlich nicht mehr unter die Top 50, schätze ich (auch wenn wir nur die losen Marken, einzeln - also ohne Blocks - nehmen). Aber teuer war die Marke 1955 immer noch.

Im Raritätenkatalog von Michel 2010 steht die Marke (entwertet mit Federstrich) übrigens bei Euro 22'000 (Nr. 6, 20 Cents, schwarz auf lilagrau, 1846 bzw. bei Euro 75'000 (Nr. 3, 20 Cents auf grünlich, 1845). Damit gehört die Nummer 3 also noch immer zu den "ganz teuren Marken", es wäre interessant zu wissen, wie viele Marken Michel 2010 höher bewertete.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 23.06.2017 00:42:48 Gelesen: 244984# 128 @  
@ merkuria [#82]
@ 10Parale [#84]
@ Heinz 7 [#85]

Wir haben bereits einiges über die St. Louis Bears gesehen und gelesen. Die Geschichte mit dem Gefängnis-Fund 1895 habe ich nun auch gelesen! Wenn der Mann geahnt hätte, was er gefunden hat!

In Beitrag [#85] habe ich Euch einen wichtigen Brief gezeigt, der eine der seltenen 20 Cents Marken zeigt. Ich habe nun den Auktionskatalog aus meiner Bibliothek konsultiert und kann bestätigen, dass dieser Brief

a) wirklich aus der Charnley & Whelen-Korrespondenz stammt
b) freigemacht wurde der Brief mit 2 x 5 Cents plus 1 x 20 Cents; Katalog 11X4 und 11X6
c) einen roten Stempel trägt: "ST. LOUIS APR. 10"
d) Los 654 war aus der Auktion 12.10.1989, als der grossartige Besitz der Gebrüder Weill versteigert wurde (sie waren Raritäten-Briefmarkenhändler)

Es gab in derselben Auktion aber einen noch wertvolleren Brief, Los 647.



Wir sehen, dass auch dieser Brief aus dieser berühmten Korrespondenz C/W stammt. Der Brief kostete gar 50 Cents und wurde freigemacht mit 2 x 20 Cents + 1 x 10 Cents (Katalog 11X3 und 11X5).

Aus dem Auktionstext zitiere ich: "This cover, which was the highlight of the 1948 Charnley and Whelen sale, is widely recognized as the most important St. Louis "Bears" Provisional cover extant and one of the most outstanding of all Postmasters' Provisionals". Der Brief erzielte meines Wissens ein Resultat von US$ 140'000 + 10 %. Der Brief ist heute in der grossartigen Sammlung von Erivan Haub.

Aus seiner Sammlungsdokumentation (Buch: "Edition spéciale: Postmasters' Provisionals") entnehme ich auch, wie selten diese 20 Cents Briefmarken sind:

"Only about 60 copies of the scarce 20 cent stamp are recorded, including 6 on greenish paper".

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 24.06.2017 22:30:01 Gelesen: 244738# 129 @  
@ Richard [#546]
@ BD [#2]

Gemäss "Liste 1913" waren vor 104 Jahren die wertvollsten Marken

In Beitrag 124 habe ich die Nummern 1-6 vorgestellt. Die 7.teuerste Marke ist - schon wieder! - eine US Postmeister-Ausgabe, ex aequo mit zwei anderen Marken (die ich später vorstelle).

Nr. 7 mit US$ 4'000 (1913) Katalogwert ist die US Postmeistermarken von Millbury, 1846, 5 Cents schwarz auf bläulich.



Diese Marke, Scott Nr. 7X1, ist bis heute nur 19 Mal registriert, gemäss Buch "Edition Spécial: Postmasters' Provisionals; The "Erivan" Collection", Seite 47. Im Raritäten-Katalog von Michel 2010 war die Marke ausgepreist mit:

Euro 40'000 gestempelt
Euro 150'000 ungestempelt.

Damit zählt die Marke immer noch zu den teuersten der Welt! Oben sehen wir ein sehr schönes Exemplar:

Los 631 der Auktion 12.10.1989 Christie's New York: The Weill Brothers' Stock.

Heinz
 
merkuria Am: 25.06.2017 00:03:18 Gelesen: 244714# 130 @  
@ Heinz 7 [#129]

Eine schöne Zusammenstellung der in den letzten Jahren angebotenen Stücke dieser seltenen Ausgabe bietet das Auktionshaus Siegel aus New York an:

https://siegelauctions.com/lot_grd.php?majgroup=United%20States&cat_supgroup=U.S.%20Stamps&recsperpage=10&lot_catfk=65&subgroup=19th%20Century%20Issues&realized1=&realized2=&sale_no=&srtorder=7X1&lot_no=&sdate1=01%2F01%2F1930&sdate2=01%2F01%2F2020&symbol[]=All&lotclass=All&syear=All&pfoper=All&pseoper=All&pfgrade=&psegrade=&gandor=or&keyword=&catselect=eq&pscolumn=default&pssortby=&sortord=DESC&photo=&calledfrom=lkp

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 25.06.2017 13:31:47 Gelesen: 244591# 131 @  
@ merkuria [#130]

Das ist eine sehr interessante Aufstellung! Vielen Dank!

Ich habe aus der "Liste 1913" die Positionen 1-6 und 7b vorgestellt. Nun möchte ich den interessierten Lesern natürlich 7a nicht vorenthalten.

Kenner der Weltraritäten vermissen vermutlich die Hawaii-Erstausgaben, und nun, Position 7a der "Liste 1913" (Beitrag 2) ist tatsächlich eine Hawaii-Marke. Aber nicht, wie alle Kenner erwarten, die Nummer 1 von Hawaii (die legendäre 2 Cents Marke), sondern die Nummer 4, die zweite 13 Cents Marke. Ich zeige Euch ein schönes Exemplar dieser Marke aus der weltberühmten Sammlung "The Honolulu Advertiser", die im November 1995 von Siegel verkauft wurde.



Sie erzielte 1995 einen Preis von US$ 75'000 + 10 % Zuschlag = US$ 82'500.

Soweit, so gut. Aber eine genauere Betrachtung zeigt Erstaunliches.

Die Hawaii-Erstausgaben von 1851 (No. 1-3 = "Hawaiian Postage) und von 1852 (No. 4 = "H.I. & U.S. Postage) (Hawaiian Islands and United States Postage) sind bei den Sammlern sehr beliebt und Weltraritäten, die immer schon die höchste Aufmerksamkeit der Sammler auf sich zogen. Hauptsächlich darum, weil sie sehr selten und entsprechend teuer sind. Diese 4 Nummern sind auch sehr genau inventarisiert worden, der Auktionskatalog von Siegel zum sale 769 (in 3 Teilen!) zeigt uns auch eine genaue Statistik über diese Ausgabe. Vorbildlich, perfekt, genauer kann eine Statistik wohl nicht sein! (Siehe Auktionskatalog, Teil 1, Seite XIV und XV).

Wir lesen daraus: Gesamtzahl der bekannten Marken:

2 Cents: 15 Stück
5 Cents: 61 Stück
13 Cents (1851): 70 Stück
13 Cents (1852): 51 Stück = 197 Stück

Da verschiedene Exemplare zudem in Museen untergebracht sind, verringert sich die Zahl der vefügbaren Stücke noch weiter! Auch darüber gibt Siegel Auskunft: 4-3-6-4 Exemplare sind abzuzählen = 17, somit ergibt sich:

2 Cents: 11 Stück
5 Cents: 58 Stück
13 Cents (1851): 64 Stück
13 Cents (1852): 47 Stück = 180 Stück

Die Aufteilung: unused / cancelled / on piece und on cover ist auch vermerkt! Ebenso die Verteilung der Stempelformen.

Ohne Zweifel ist die 2 Cents die seltenste Marke, und die einzige ungebrauchte erreichte meines Wissens bei einem Verkauf 1963 auch einen Weltrekord-Preis (Verkauf legendäre Sammlung Burrus). Trotzdem wird in "Liste 1913" nicht die 2 Cents Marke aufgelistet, sondern die Hawaii Nummer 4. Warum das so ist, entzieht sich meiner Erkenntnis. Eine Vermutung, dass die Marke 1913 noch nicht bekannt war, ist NICHT zutreffend, da Theodor Haas schon 1905 genau diese Hawaii-2 Cents-Marke in seinem "Lehrbuch der Briefmarken-Kunde" auf Seite 477 erwähnte: "Die hundert seltensten Marken nach ihrem Seltenheitsgrade geordnet": Wir lesen da, unmissverständlich:

"3. Hawai (sic) 1851, 2 C. hellblau."

Eine mögliche Erklärung für das Fehlen der 2 Cents Marke könnte im einleitenden Satz zur Tabelle "Liste 1913" zu finden sein: "Eine Anzahl sehr teurer Marken, z.B. einige Lokalmarken der Vereinigten Staaten, haben im Katalog keinen Preis, diese musste ich daher in meiner Studie unberücksichtigt lassen".

Wir wissen es nicht. Vielleicht teilt uns BD noch mit, wer der Autor des interessanten Artikels (Beitrag Nr. 2) ist und/oder welcher Katalog der Studie zugrundegelegt wurde.

Ein letztes Wort, im Moment, zu der Hawaii Nr. 4. Diese existiert sogar in 2 verschiedenen Typen. Zusammen gibt es 8 ungebrauchte, 30 gebrauchte, 4 auf Fragment und 9 auf Brief (nach Siegel). Sie zählt also zu Recht und auch heute noch zu den wertvollsten Marken der Welt.

In der sensationellen Hawaii-Sammlung von 1989 wurden gleich drei (!) Exemplare der Nummer 4 ungebraucht angeboten:

Los 24: Type I = Erlös US$ 75'000 + 10 %
Los 25: Type II = Erlös US$ 19'000 + 10 %
Los 26: Type I = Erlös US$ 27'000 + 10 %

Alle drei Marken hatten damals einen Katalogwert von US$ 45'000. Zwei der drei Lose gingen also verhältnismässig günstig "über den Tisch", wenn wir uns die grosse Seltenheit dieser Rarität vor Augen führen.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
BD Am: 25.06.2017 14:24:41 Gelesen: 244562# 132 @  
Hallo Heinz,

danke für die höchst interessante Ausarbeitung dieses Themas. Bitte unbedingt weitermachen!

Anbei der gesamte Artikel aus dem Illustrierten Briefmarken-Journal vom 20.4.1912. Marken ohne Bewertung sind nicht aufgeführt, 2 cent Hawai war schon 1906 im Katalog von Senf, aber auch da ohne Preis.

Beste Grüße Bernd




 
Heinz 7 Am: 25.06.2017 22:41:53 Gelesen: 244466# 133 @  
@ BD [#132]

Lieber Bernd,

schön, dass Du geantwortet hast! Und danke für die freundlichen Worte. Ja, ich mache gerne noch etwas weiter! Und natürlich freue ich mich, wenn das auch jemandem gefällt.

Mit Deinem Beitrag räumst Du also einige Fragen aus. Die "Liste 1913", wie ich sie nannte, basiert also auf dem Katalog "Senf 1912", und die Auswertung dazu wurde von Herrn Schubert geleistet. Wir sehen auch, dass meine Vermutung vermutlich richtig war:

Im Senf 1912 war bei der Preisangabe der Hawaii Nr. 1 eine Angabe: " -.-" sowohl beim ungebrauchten, wie beim gebrauchten Exemplar, somit wurde die Marke einfach gar nicht berücksichtigt in der Tabelle von Schubert. Ich finde das etwas schade, denn wenn so wichtige Marken einfach fehlen, ist die Aussagekraft der Studie natürlich arg geschmälert.

Ich wundere mich etwas, dass Senf 1906 für Hawaii Nr. 1-4 offenbar nur drei von acht Positionen bewertete (siehe Abb. Beitrag 131). Vermutlich war dies 1912 ähnlich. Ich habe einen deutlich älteren Senf Katalog: Senf 1893. Meines Wissens war dies die zweite Auflage dieses sehr guten Kataloges, der 1892 zum ersten Mal erschien. Die zweite Ausgabe ziehe ich aber der ersten vor, weil viele Anfangsfehler in der Erstauflage im 2. Werk (Senf 1893) korrigiert wurden. Der Senf-Katalog 1893 ist für mich ein wichtiger Wertmasstab für diese Zeit!

Interessant ist nun, dass im Senf 1893 alle acht Notierungen für Hawaii 1-4 stehen! Warum Senf später die Preise wieder aussetzte, weiss ich nicht.

Wie war denn die Situation 1893? (Preise ungebraucht/gebraucht)

Hawaii Nr. 1, 2 Cents: Mark 3'000 + 2'500
Hawaii Nr. 2, 5 Cents: Mark 2'000 + 1'500
Hawaii Nr. 3, 13 Cents: Mark 1'500 + 800
Hawaii Nr. 4, 13 Cents: Mark 1'800 + 1'200

Daraus sehen wir, dass bereits 1913 die Hawaii Nr. 1 die höchste Notierung erhalten hätte, wenn sie denn ausgepreist worden wäre. Wir dürfen die Hawaii 2 Cents also sicherlich zu den wertvollsten Marken zählen, auch für das Jahr 1913, auch wenn sie auf der Liste Schubert fehlte, weil Senf 1912 sie nicht bewertete.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.06.2017 14:48:01 Gelesen: 244385# 134 @  
@ BD [#132]

Lieber Bernd,

nun, nachdem wir wissen, dass "Senf 1912" der massgebende Katalog war für die Studie von Schubert, habe ich gesucht, ob ich einen Senf 1912 finde, um vielleicht die eine oder andere Frage besser beantworten zu können. Zu meiner Freude habe ich in der Mittagspause in einer Bibliothek zwei hilfreiche Kataloge gefunden:

- Senf 1908
- Senf 1913.

Das Optimum wäre ein Senf 1912 gewesen, aber wir wollen nicht undankbar sein und studieren gerne auch den Katalog 1913. Und der zeigt Erstaunliches!

a) Hawaii Nr. 1-4 sind alle bewertet! Die Katalog-Redaktion von "Senf" hat sich seinerzeit mit der Frage neu auseinandergesetzt, vermutlich auch wegen der Studie von Schubert und den Kommentaren in der Zeitschrift "Illustriertes Briefmarken-Journal vom 20.4.1912", welche ja auch das Fehlen von Preisangaben bedauern (siehe Text Seite 195, Beitrag oben. Bernd, zeig uns doch auch Seite 196, damit wir wissen, was die Zeitschriftenredaktion zur Arbeit Schubert sonst noch sagte).

b) Für alle 4 Hawaii-Marken sind im Senf 1913 nur die "gebraucht"-Preise angegeben. Für ungebraucht gilt leider wieder durchwegs das Zeichen "-.-"

c) trotzdem bewertet Senf 1913 Hawaii Nr. 1 mit sage und schreibe 30'000 Mark! Das ist höher als Mauritius Nummer 1+2! (Keine Preisänderungen von 1912 zu 1913; bei diesen Marken steht der Katalogwert 1913 weiterhin bei 20'000 und 25'000 Mark).

Das gefällt mir jetzt aber nicht. Die 2 Cents Hawaii Marke gestempelt wurde 1913 somit klar überbewertet. Würden die 30'000 Mark für die einzig bekannte ungebrauchte Marke gelten, wäre das meines Erachtens okay, aber nicht für die gebrauchten Exemplare!

Man sieht: Das Ganze ist gar nicht so einfach. Mehr später.

Heinz
 
BD Am: 26.06.2017 19:07:32 Gelesen: 244281# 135 @  
Hallo Heinz,

auf der Seite 196 sagt die Redaktion wenig zur Schubertschen Liste. Sie ist sich der Schwierigkeit solcher Einstufungen bewußt und macht den Normalsammlern klar, auch ohne die ganz großen Raritäten kann man wunderbar die Philatelie betreiben.
Sehr richtig, obwohl, so eine Hawaiimarke !

Beste grüße Bernd


 
Heinz 7 Am: 26.06.2017 21:05:47 Gelesen: 244251# 136 @  
@ BD [#135]

Lieber Bernd,

besten Dank für die Ergänzung. Ich stimme der Meinung, auch ohne teure Marken wunderbar Philatelie betreiben zu können, voll zu. Aber es macht auch viel Spass die Teuersten und Seltensten zu suchen und ihre Geschichte zu verfolgen.

Die Hawaii 1851, 2 Cents-Marke, ist ohne Zweifel eine der berühmtesten und teuersten Briefmarke der Welt! Seit mehr als 120 Jahren gilt dies unverändert! Es gibt ja nur 15 Stück davon (siehe Beitrag 131), davon sind 4 in Museen (z.B. British Library, Tapling Collection). Von den 11 übrigen Stück ist nur eine Marke ungestempelt, und nimmt darum eine Sonderstellung ein.



Dieses Stück zierte die Sammlungen von Philippe de la Renotiere von Ferrary, von Maurice Burrus, Alfred J. Ostheimer III und Thurston Twigg-Smith (= "The Honolulu Advertiser Collection"). Jedes Mal erzielte die Marke imposante Preise:

23.6.1921, Auktion Ferrary, Auktionshaus Gilbert in Paris: Maurice Burrus zahlte FRF 156'000 + 17.5 % Aufgeld; dies war der dritthöchste Erlös aller Ferrary-Lose! und damals ein Vermögen.
27.5.1963, Auktion Burrus, H.R. Harmer New York, Rekord-Erlös: US$ 41'000
7.11.1995, Auktion "Honolulu Adv.", Siegel New York, Erlös US$ 600'000 + 10 %

Die Marke ist bei Michel bewertet mit Euro 700'000 (Raritäten-Katalog 2010). Ich weiss nicht, ob es höher bewertete Marken in diesem Katalog gibt. Die gestempelte Marke gilt dort Euro 300'000. Auch ganz nett.

Heinz
 
merkuria Am: 27.06.2017 16:33:50 Gelesen: 244145# 137 @  


Diese Ausgabe wurde in diesem Thread schon ausführlich unter den Beiträgen [#17], [#24], [#26], [#93], [#95], [#96], [#97], [#98], [#99], [#103], [#106] behandelt.

Nachdem ich erfahren habe, dass das Auktionshaus Siegel in New York am 11. Mai 2017 wieder einmal eine „Inverted Jenny“ angeboten hat, möchte ich doch wieder einmal auf diese Ausgabe zurückkommen.

Bei der verkauften Marke handelt es sich um die Pos. 76 aus dem 1955 gestohlenen Mc Coy-Viererblock. Diese Marke tauchte 2014 in einem Nachlass auf und wurde von den Erben an die American Philatelic Research Centerex (APRI) geschenkt. Diese hat sich nun entschieden, dieses Exemplar zu verkaufen.

Trotz kleiner Mängel sowie einer Teil-Nachzähnung im oberen Bereich erzielte das Stück 250‘000 US$ + Aufgeld! [1]

Grüsse aus der Schweiz
Jacques

[1] https://siegelauctions.com/lots.php?year=2017&lot_name=The+Ethel+B.+McCoy+Inverted+Jenny%2C+Position+76+%28Scott+C3a%29&start_lot=4000&stop_lot=4000&sale_name=The+McCoy+Inverted+Jenny+-+Position+76&sale_no=1157&sale_date=Thursday%2C+May+11%2C+2017
 
Heinz 7 Am: 27.06.2017 19:30:07 Gelesen: 244044# 138 @  
@ merkuria [#137]

Lieber Jacques,

die Inverted Jenny ist zweifellos eine der wertvollsten Marke der Welt! Eigentlich ist sie ja gar nicht sooo selten, nur eine der 100 verkauften Marken scheint verschollen zu sein (seit 1918 nicht mehr gesehen), die übrigen 99 Marken werden alle immer wieder gehandelt und meist zu sehr stabil hohen Preisen verkauft. Da wir heute 6 Viererblocks kennen (der Green Achterblock wurde aufgeteilt, siehe Beitrag 95), sollten wir meines Erachtens von 81 "Einheiten/units" ausgehen:

6 x 4 = 24
75 x 1 = 75
Summe 81 = 99

Theoretisch können also 81 Sammler gleichzeitig eine dieser Top-Raritäten besitzen. Das gilt meines Wissens sonst für keine andere Briefmarke in dieser Preiskategorie!

Dass dies so ist, hat meines Erachtens mehrere Gründe:

a) USA = ein Land mit vielen kaufkräftigen Briefmarkensammlern!
b) Jenny Inverted = eine augenfällige, sehr spektakuläre Abart
c) spricht auch Flugpost-Sammler an, nicht nur Länder-Sammler. Plus Motiv-Sammler!

Wir kennen auch einige sehr spektakuläre Preise für diese Marke oder Viererblöcke davon!

US$ 2'700'000 + 10% = 2'970'000 für Viererblock Pos. 87/88+97/98
US$ 1'351'250 (inkl. Zuschlag & Sales Tax, 2016, Einzelstück, Pos. 58 (= "die Schönste")).

Der Michelpreis von Euro 200'000 (2010) ist mehrfach schon überboten worden (siehe auch Dein Beitrag 106). Scott wertet die Marke zur Zeit mit US$ 525'000.

Zu Ehren dieser Marke sei noch der Achterblock gezeigt, wie er 1944 noch bestand, als die Sammlung von Colonel Green verkauft wurde (Seite aus dem Auktionskatalog Harmer, Rooke & Co., New York, 13.-18.11.1944; Los 166)



Wer sich für noch mehr Details interessiert, dem sei die Seite: "https://invertedjenny.com"; empfohlen.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.06.2017 09:36:48 Gelesen: 243933# 139 @  
@ Heinz 7 [#103]

In Beitrag [#103] verwies ich auf die traurige (oder lustige ?) Geschichte der Jenny, Position 78, die von einer Putzfrau durch eine Vakuum Reiniger schwer beschädigt wurde. Ich sagte, die einstmals sehr teure Marke sei damit wohl ziemlich wertlos geworden.

Dank der Internetseite "https://invertedjenny.com"; wissen wir heute mehr:

1985 wurde die Marke zu immerhin 80% des damaligen Katalogwertes verkauft: KW: US$ 110'000 - VP: US$ 80'000+10%=US$ 88'000. Ihr damaliger Zustand wird heute als "Sound" bezeichnet, was mit "einwandfrei" übersetzt werden kann.

1990, nach dem Unfall im Vakuum Reiniger, wurde die Marke wieder verkauft, bei demselben Auktionshaus, Christie's New York. Der Katalogwert der Marke lag (5 Jahre später) bei US$ 135'000. Die Erhaltung war nun: "WITH CREASES AND REPAIRED TEARS" ("mit Bügen und reparierten Rissen"). Dennoch erreichte die Marke immer noch knapp 30 % ihres Katalogwertes: US$ 36'000+10% = US$ 39'600!

Auch dies zeigt, wie beliebt diese Marke ist! Eine Marke in so schlechter Erhaltung bringt im Allgemeinen kaum 10% ihres Katalogwertes.

Der Haushaltunfall hat trotzdem rund US$ 50'000 gekostet. Ob wohl eine Versicherung für den Schaden aufkommen musste?

Heinz
 
merkuria Am: 02.07.2017 09:36:21 Gelesen: 243436# 140 @  
Am 5. Dezember 1932 verausgabte die Sowjetunion eine Sonderausgabe anlässlich der 1. Philatelistischen Allunions-Ausstellung in Moskau (Mi Nr. 422-423). Zu diesem Anlass wurden 500 Blockausgaben bestehend aus je zwei dieser Marken auf Kartonpapier ohne Zähnung und Gummierung hergestellt, welche an eingeladene Gäste abgegeben wurden.



Ein Vorlagestück für diese Blockausgabe mit Randeindruck zum Bericht No. 16832 an das Allrussischen Zentral-Exekutivkomitee mit entsprechendem Randeindruck wurde an der 132. Felzmann Auktion im Februar 2011 bei einem Ausruf von 80‘000 € für 105‘000 € + Aufgeld verkauft.



Ein normaler Block wird an US-Auktionen um die 8‘000 US$ + Aufgeld gehandelt.

Was lange nicht bekannt war, ist der Umstand, dass von diesen 500 Blocks 25 Stück mit einem zweizeiligen Aufdruck Лучшему ударнику /Всероссийского общества филателистов (zu deutsch: Den schlagkräftigsten Mitarbeitern / Allrussische Philatelistische Gesellschaft) hergestellt wurden. Diese waren als Ehrung für führende Mitarbeiter des Ausstellungskomitees vorgesehen:



Ein solches Exemplar wurde 2013 an einer Cherrystone Auktion in New York für 140‘000 US$ angeboten, blieb jedoch unverkauft.

Diese Ausgabe hat aber auch ein Unikat der sowjetischen Philatelie zu bieten:

Was vielen Philatelisten unbekannt blieb, war die Herstellung von 3 mit Namen personalisierten Blocks. Diese mit einem dreizeiligen Aufdruck versehenen Stücke waren für Genrikh Jagoda, den Chef der Geheimpolizei NKWD, die Leningrader Philatelistische Gesellschaft und E.M. Nurkas, dem Präsidenten des Moskauer Organisationskomitees bestimmt. Von diesen 3 Blocks hat in den Wirren der stalinistischen Säuberungen und des 2. Weltkieges nur das Exemplar von E.M. Nurkas überlebt.



Dieses E.M. Nurkas-Unikat wurde mit Auflösung der Shtern-Sammlung an der Cherrystone Auktion vom Oktober 2008 in New York unter Los 348 für die Summe von 675‘000 US$ + Aufgeld verkauft!

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 03.07.2017 22:23:23 Gelesen: 243271# 141 @  
@ BD [#132]

Lieber Bernd,

"Bitte unbedingt weitermachen!" hast Du geschrieben, und gerne komme ich dieser Aufforderung nach. Ich habe die letzten Tage den "Senf 1913" studiert und mit der Studie von Schubert (Beitrag 2+132+135) verglichen und dabei eine Menge gelernt.

Erste Aussage: Es ist ganz schön kompliziert! Was "Senf" 1912 katalogisierte wurde von anderen Katalogen nur zum Teil gleich gesehen; es gibt manch eine Abweichung! Problematisch sind vor allem die vielen "-.-" Bewertungen, sodass eine Aussage, welches nun die 100 teuersten Marken 1913 waren, wirklich NICHT abschliessend gemacht werden sollte, trotz der Fleiss-Leistung von Hernn Schubert.

Ich konnte meine Studie nur anhand des Kataloges "Senf 1913" durchführen (nicht "Senf 1912"), aber die Notierungen scheinen fast durchgängig unverändert zu sein. Ich sah bei den 101 Marken (Wert > 750 Mark) nur 2 geänderte Preise:

Canada Nr. 6 (1913: Mk 1750, 1912: Mk 1600 ?)
Rumänien Nr. 5a (1913: Mk 1200, 1912: Mk 1000 ?)

Eine wichtige Änderung war aber, dass Hawaii Nr. 1 1913 bewertet wurde (Mk. 30'000; 1912 vermutlich "-.-"). 1913 waren also mindestens 105 Marken mit Mk. 750 bewertet, denn es kamen hinzu:

Kap der Guten Hoffnung, Senf Nr. 5 (1 Penny rot) - bewertet 1913: Mk. 1'000
Kap der Guten Hoffnung, Senf Nr. 6 (4 Pence blau) - bewertet 1913: Mk. 1'200
Rumänien, Senf Nr. 5b (5 Parale, Papier weiss) - bewertet 1913: Mk. 800

Wir dürfen festhalten: Im Katalog Senf 1912 wurden mindestens 101 Notierungen gefunden von Marken mit Wert von mindestens 750 Mark (bis 25'000 Mark) 1913 waren es mindestens 105 Marken von Mk. 750-30'000. Wir können aber auch sicher sagen, dass wichtige, sehr wertvolle Marken in dieser Liste Schubert fehlen! Andererseits dürfen wir fragen, ob es Sinn macht, dieselbe Marke zweimal in die Liste aufzunehmen, nur weil die Marke auf verschiedenen Papieren gedruckt war (weiss oder bläulich). Postmeistermarke USA, Baltimore, Senf Nr. 2 und 2a (1500 Mark) oder Grossbritannien Nr. 69, Nr. 69a (1800 Mark oder 1200 Mark), usw.

Doch nun noch eine Neu-Vorstellung.

Wir haben alle Werte der Liste Schubert im Wert von 4'000 Mark schon gezeigt, bis auf:

USA, Confed. States, Victoria, 5 Cents, *. Ich gestehe gerne, dass ich diese Marke bisher nicht kannte. Wenn ich den aktuellen Michel-Katalog "Raritäten weltweit 2010" konsultiere, weiss ich auch, warum: die Briefmarke war 2010 bewertet mit nur Euro 11'000 für ungebraucht. Das ist natürlich, im Vergleich zu Mark 4'000 97 Jahre früher, recht wenig.



Diese Abbildung ist aus dem Buch "Edition Spéciale - Postmasters' Provisionals USA & CSA - The "Erivan" Collection". Sie zeigt uns diese seltene Marke. Gemäss Sammlungsbeschreibung sind nur 5 Exemplare dieser Marke bekannt! Dies erklärt, warum die Marke früher extrem hoch eingeschätzt wurde. Trotzdem ist sie heute unerwartet tief bewertet.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
BD Am: 04.07.2017 18:49:40 Gelesen: 243167# 142 @  
Hallo Heinz,

die Postmeistermarken der USA sind ein Traumgebiet der Philatelie, leider etwas teuer. Beim Lesen alter Philateliezeitschriften fand ich diesen Artikel aus 1885 von Dr. Alfred Moschkau, den damals wohl alle deutschen Sammler kannten. Schubert führte die Rumänien 1 mit 1100 Mark.

Beste Grüße Bernd





 
Heinz 7 Am: 04.07.2017 20:23:45 Gelesen: 243127# 143 @  
@ merkuria [#140]

Diese Russland-Rarität war mir gänzlich unbekannt.

Ich bin aber nicht ganz überzeugt von dieser Rarität. Im Zumstein Katalog ist überhaupt nichts vermerkt (Katalog Ost 1992). Im Michel Raritäten-Katalog "Valuable Stamps of the World" (2010) ist sie auch nicht vermerkt.

Im Michel Ost-Katalog lesen wir nach Nr. 422/423, dass es einen Block gab (Auflage 500). Bei einem Katalogpreis von DM 10'000 (Michel-Katalog 1999/2000) ist ein Handelspreis von US$ 8'000 sehr hoch (Zahlen aus Deinem Beitrag).

Im Michel-Katalog ist auch die Sonderauflage (mit Blockrandbedruckung) erwähnt, da war die Auflage nur 25 Stück! 1999/2000 bewertete Michel dies mit satten DM 50'000. Ich frage dazu: War das alles staatlich genehmigt oder war das eine quasi-Privat-Auflage? Die Briefmarke (bzw. den Gedenkblock) wurde jedenfalls nie offiziell herausgegeben und hat darum meines Erachtens einen Sonderstatus.

Dies gilt natürlich noch mehr für die drei mit Namen personalisierten Blocks, wovon 2 offenbar verschollen sind. Diese Ausgaben erfüllen meines Erachtens klar nicht mehr den Anforderungen an reguläre Briefmarken (oder Gedenkblocks). Das ist privates Machwerk, eventuell mit Hilfe der Staatsdruckerei.

Wenn ein Sammler für dieses private Machwerk eine Dreiviertel Million Dollar bezahlt, ist das seine Entscheidung, die ich nicht kommentieren möchte.

Kannst Du noch einen aktuellen Katalogwert des Blockes mit oberer Blockrandbedruckung nennen?

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.07.2017 21:51:54 Gelesen: 243105# 144 @  
@ BD [#2]

Wir haben von der Liste Schubert die erstplatzierten alle bereits besprochen (Platz 1-8; Mark 25'000 bis Mark 4'000). Betrachten wir also Platz 9:

Hawaii Nr. 2: Mark 3'500, gestempelt.



Hier zeige ich das Los 18 aus der Sammlung "The Honolulu Advertiser", die 1996 bei Siegel, New York verkauft wurde. Diese Marke erzielte einen Preis von US$ 32'500 + 10 % Zuschlag.

Dieser Preis ist für eine so seltene Mark nicht sehr hoch, umso mehr, wenn man berücksichtigt, dass diese Marke eine der wenig gut erhaltenen ist. Heute hat die Marke einen Katalogwert von Euro 35'000 (Michel Raritäten Katalog 2010). Damit rutscht die Marke auf der Liste der weltweit teuersten etwas nach hinten, das scheint klar.

Nun noch ein Problem der Liste Schubert: Da Hawaii Nr. 2 ungebraucht mit "-.-" bewertet war (Senf 1912), listete Schubert die Marke nur "gestempelt". Ungebraucht war und ist sie aber seltener! Nach Katalog Siegel gibt es die Marke nur 12 x ungebraucht; 2 Exemplare sind in der Museums-Sammlungen, also sind nur 10 Exemplare verfügbar!

Ungebraucht wertet Michel 2010 die Marke mit Euro 60'000. Das ist fast doppelt so viel, wie gebraucht. Das ist sicher gerechtfertigt.

Heinz
 
merkuria Am: 05.07.2017 10:12:24 Gelesen: 243033# 145 @  
@ Heinz 7 [#143]

Zu den Kommentaren möchte ich folgendes ergänzen:

Im Michel Ost-Katalog lesen wir nach Nr. 422/423/I]

Da die Michelpreise für solche Raritäten oft schwer nachvollziehbar sind, orientiere ich mich ausschliesslich an effektiv erzielten, repräsentativen Handelspreisen.

[I]Ich frage dazu: war das alles staatlich genehmigt oder waren das eine quasi-Privat-Auflage?


Die All-Unions-Briefmarkenausstellung wurde vom Volkskommissariat für Post und Fernmeldewesen (vergleichbar mit unseren heutigen Postdirektionen) organisiert und durchgeführt. Gemäss mir vorliegender Literatur waren zu der Ausstellung auch keine privaten Aussteller zugelassen. Da diese Dienststelle die gesamte Organisation und Durchführung des Anlasses für sich beanspruchte, muss auch angenommen werden, dass diese dazu auch keine privaten Initiativen duldeten.

der Gedenkblock wurde jedenfalls nie offiziell herausgegeben und hat darum meines Erachtens einen Sonderstatus.

Der Gedenkblock war offiziell, was durch die Behandlung durch das Allrussischen Zentral-Exekutivkomitee mit Bericht No. 16832 belegt ist (siehe Vorlagestück im Beitrag [#140]). Sicher kann man bei diesen Blocks von einem Sonderstatus sprechen. Vergleichbar dazu sehe ich z.B. den Heydrich-Block von Böhmen und Mähren (vergl. dazu Text nach Mi Nr. 131) oder die Hochzeitsblocks des Fürsten Rainier aus Monaco (vergl. dazu Text nach Mi Nr. 568).

ersonalisierten Blocks ... Das ist privates Machwerk

Von privatem Machwerk darf hier sicher nicht gesprochen werden, da bei allen Aktivitäten der Ausstellung ausschliesslich das Volkskommissariat für Post das Sagen hatte.

einen aktuellen Katalogwert des Blockes mit oberer Blockrandbedruckung

Damit kann ich nicht dienen und ist für mich eigentlich nebensächlich. Eine wirkliche Wertbestimmung ergibt sich aus den am Markt erzielten Preisen!

Schöne Grüsse
Jacques
 
merkuria Am: 05.07.2017 10:41:50 Gelesen: 243028# 146 @  
@ Heinz 7 [#141]

Eine dieser fünf bekannten 5 Cents Ausgaben wurde an der Robert A. Siegel Auktion vom 28. März 2012 lose ungebraucht für 21‘000 US$ + Aufgeld verkauft.

An der gleichen Auktion wurde ein Brief mit der 10 Cents für 100‘000 US$ + Aufgeld verkauft. Von der 10 Cents sollen nur zwei Briefe bekannt sein.

Hier die dazugehörenden Losbeschreibungen:

http://stampauctionnetwork.com/y/y102232.cfm

Grusse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 08.07.2017 18:18:38 Gelesen: 242723# 147 @  
@ merkuria [#146]

Ich werde auf diese Briefmarke zurückkommen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 08.07.2017 18:57:49 Gelesen: 242707# 148 @  
@ BD [#142]

Lieber Bernd,

Rumänien Nr. 1 wertete mit Mark 1.100, gemäss Senf 1912 und 1913 (und damit auch Studie Schubert). Wäre aber ein "ungebraucht"-Betrag angegeben worden, wäre dieser mit Sicherheit höher gewesen, denn die 27 Parale ungebraucht ist und war deutlich seltener als gestempelt! Das hätte auch in den Katalog-Notierungen einen Einfluss haben sollen.

Senf verzichtete 1900-1913 offenbar auf eine Bewertung der 27 Par. *, nachdem 1893 und 1897 noch Preise dafür eingesetzt wurden. 1893 und 1897 lag die Bewertung dafür bei 150 bzw. bei 123 % des Preises für gestempelt. In beiden Jahren wurde die 81 Parale Marke * mit einem Wert von 250 % der 27 Parale eingesetzt! Würden wir diesselben Relationen für 1912 ansetzen, käme die Rumänien Nr. 1 auf einen Katalogwert zwischen 1350 und 3000 Mark.

Yvert & Tellier (1916) und Paul Kohl (1912) sahen die 27 Parale ungest. sogar teurer als die 81 Parale-Marke ungestempelt! Die Rumänien Nr. 1 gehört also ungestempelt auch zu den besten Marken der Welt!


Wir können froh sein, dass wir heute mehr wissen als Dr. Moschkau 1885. Viele Briefmarken waren noch nicht gründlich erforscht und neue Erkenntnisse gab es im XIX. Jahrhundert viele.

Gerade die Erstausgabe runder Ochsenkopf gab "in der Frühzeit" viele Rätsel auf! Ich erinnere daran, dass im ersten Handbuch 1869 von Monsieur Legrand der Autor davon ausging, dass es von den Ochsenköpfen je 5 Typen gäbe (ausser von der 27 Parale Marke, die 1868 noch gar nicht bekannt war!). Dabei waren die anderen "Typen" Fälschungen.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 08.07.2017 19:27:39 Gelesen: 242692# 149 @  
@ BD [#2]

Die Liste Schubert ist äusserst interessant, obwohl sie unkomplett ist (in dem Sinne, als sie viele Briefmarken gar nicht enthält, weil sie im Senf-Katalog 1912 nicht bewertet waren). Sie bestätigt in vielen Punkten eine andere Liste, die ich hiermit vorstellen möchte.

Theodor Haas war Ende XIX. Jahrhundert ein führender Philatelist. Carlrichard Brühl schrieb zu ihm u.a.:



Dieses Buch habe ich in einem anderen Thema bereits vorgestellt:

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=1899

Thema: Vom Nutzen philatelistischer Literatur, Beitrag 69.

Im "Lehrbuch der Briefmarkenkunde" von Haas wird ab Seite 477 ein höchst interessantes Kapitel vorgestellt: "Die hundert seltensten Marken nach ihrem Seltenheitsgrade geordnet".

Ich habe nun die beiden Listen (Schubert 1913/Senf 1912) und Haas (1905) miteinander verglichen und werde meine Beobachtungen gerne mit Euch teilen.

Die Nummer 1 bei Haas war British Guiana 1856, 1 Cent karminrosa.

Das ist eine weise Wahl. Wir haben diese Marke schon besprochen (siehe Beitrag 3, 7, 9).

Im Senf 1912 war die Marke mit "-.-" bewertet, darum fehlte sie in der Studie Schubert.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.07.2017 12:35:03 Gelesen: 242602# 150 @  
@ Theodor Haas [#149]

Auch die Liste Haas ist leider nicht komplett. Lesen wir, was er zu seiner Studie auf Seite 477 ff einleitend sagt:

"Nachdem (...) sei dieses Kapitel der eigentlichen Feststellung der Seltenheit von verschiedenen Marken gewidmet, jedoch nur bei teilweiser Beachtung des Markenpreises, da derselbe durchaus nicht immer mit dem Seltenheitsgrad zusammenfällt. Um möglichst streng zu verfahren, sollen in die Aufzählung nur die gewöhnlichen Postmarken aufgenommen werden; Lokalmarken, Typen, Fehldrucke und dgl., ferner Aufdrucke, zweifelhafte Sachen, halbierte Marken, Plattennummern, postalisch gebrauchte Stempelmarken usw. sollen ausgeschlossen bleiben."

"Jede Marke wird nur nur einmal aufgeführt, also gebraucht oder neu, ungezähnt oder gezähnt, wobei keine weniger als M. 100.- kosten darf; die Marke wird nach ihrem niedrigsten Wert eingereiht. Kostet sie z.B. ungebraucht M. 1000.-, gebraucht M. 100.-, so kommt sie zu den Stücken, die M. 100.- wert sind."

Dieser Ansatz unterscheidet sich also klar vom Ansatz Schubert (siehe Beitrag 132), was das Ganze zwar kompliziert, aber darum nicht weniger interessant macht.

Wir haben jetzt also zwei "unkomplette" Listen nebeneinander, die nach unterschiedlichen Methoden erhoben wurden. Wenn wir das Ganze aber jetzt mit den tatsächlichen Auktionsergebnissen der Ferrary-Auktionen vergleichen, so erhalten wir meines Erachtens sehr aufschlussreiche Erkenntnisse. Ferrary's Sammlung wurde 1921-1925 verauktioniert; sie war praktisch komplett! Viele der in Senf mit "-.-" bewerteten Marken bekamen in diesen Jahren 1921-1925 ein konkretes Auktionsergebnis, das natürlich von den Philatelisten und den Katalogredaktoren vor 90 Jahren begierig aufgenommen wurde.

Solche Studien: "die Besten....", "die Teuersten..." wurden auch in den Jahren nach 1910 natürlich immer wieder angestellt, teils sehr detailliert (z.B. Ewald Müller-Mark, mit x Studien ("Briefen") von März 1942 - Juli 1945), teils mit "einfachen" Katalogpreise-Scans. Es ist interessant, solche Studien ergänzend zu Rate zu ziehen.

Anbei sei nun die Nummer 2 von Haas 1905 vorgestellt:

"British Guiana 1851, 2 C. rosa".

Wir haben diese Marke hier schon vorgestellt: Beitrag 43, 44, 45, 46, 114, 115.

Es ist KEIN Zufall, dass ein Brief mit dieser Marke bei den Ferrary-Auktionen das ZWEITHÖCHSTE Ergebnis einbrachte! Wir haben also das verblüffende Ergebnis, dass Haas 1 und Haas 2 durch den Markt ca 15 Jahre später voll bestätigt wurde!

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.07.2017 18:19:48 Gelesen: 242560# 151 @  
@ Heinz 7 [#150]

Anbei die Abbildung der weltweit zweitteuersten Marke 1921, anlässlich der Ferrary-Auktionen!



Wie bereits erwähnt sind bis heute nur 3 Briefe mit je einem Paar und vier Einzelmarken bekannt!

Zum abgebildeten Stück schrieb Leon Williams: (Encyclopedia of rare and famous stamps):

"The Edward Gordon cover which was later purchased by Maurice Burrus. It is the most attractive of the three known covers and bears the finest examples of the 2 cents known." (Seite 22)

Die Marke erzielte 1921 ein Traum-Resultat, das, zum heutigen Wert, die Grenze von CHF 1'000'000 klar übertraf!

Dass 16 Jahre zuvor, 1905, Theodor Haas diese Marke als zweitwertvollste der Welt bezeichnet hatte, hat ihrem Ansehen sicher nicht geschadet!

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.07.2017 19:37:27 Gelesen: 242535# 152 @  
@ el-mue [#5]
@ Hornblower [#59]

Deutschland-Spezialisten muss ich natürlich den beiliegenen Beleg nicht vorstellen:



Dieser Baden-Fehldruck erregte 1985 höchstes Aufsehen. Am 16.3.1985 fand die erste Auktion der phantastischen Altdeutschland-Sammlung von John R. Boker Jr. statt, bei Heinrich Köhler in Wiesbaden. Bereits Los 5 der ersten Auktion war der hier gezeigte Brief, der Farbfehldruck 9 Kreuzer schwarz auf blaugrün (statt: schwarz auf rosalila).

Das Resultat von DM 2.3 Millionen war damals ein sensationelles Ergebnis.

Die Marke kommt bis heute nur dreimal vor. 2 x auf Brief, einmal lose. Ein Brief ist im Museum in Berlin, somit verbleiben nur 2 verfügbare Exemplare.

Es ist nun interessant, zu sehen, wie diese Marke früher eingeschätzt wurde.

Bei Haas fand die Marke aus den bekannten Gründen keine Berücksichtigung (weil "Abart" (Fehldruck), siehe Beitrag 149). Bei Schubert aber fand die Marke Erwähnung! An zehnter Stelle seiner Auflistung erscheint die Marke! Wert Senf 1912 (1913): Mk. 3000.

Nun fragen wir uns, wo diese Marke bei den Ferrary-Auktionen ihren "Platz" fand. (Ja, er hatte auch diese Marke, bzw. sogar genau diesen Brief!).

"Sauf erreurs et omission": Dieser Brief erreichte 1923 bei den Ferrary-Auktionen Platz 10 aller Lose! Also einen absoluten Top-Platz. Das wurde 1985 voll bestätigt.

Ob es gerechtfertigt ist, die Marke "aussen vor" zu lassen, weil es ein Fehldruck ist, ist letztlich Ansichtssache. Ich finde, es schadet nichts, diese Marke in die Liste der berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt aufzunehmen. Für mich gehört diese Marke mit auf die Liste!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.07.2017 22:50:06 Gelesen: 242493# 153 @  
@ merkuria [#82]

Aus den USA gibt es 11 Postmeister-Ausgaben 1845-1846.

Neun Postmeister schufen eigene Briefmarken:

Alexandia
Baltimore
Boscawen
Brattleboro
Lockport
Millbury
New York
Providence
St. Louis

Drei Postmeister schufen Ganzsachen (Briefumschläge)

Annapolis
Baltimore
New Haven

Die 9 Marken waren im Senf-Katalog 1913 alle aufgeführt (unter Nummern 1-20), jedoch mehrere mit Bewertung "-.-".

Dazu katalogisierte Senf 1913 nicht weniger als 71 Marken der Konföderierten Staaten von Amerika, mehrere mit "-.-" Bewertungen.

Es waren Ende des XIX. Jahrhunderts noch nicht allzu viele Details über diese seltenen Briefmarken verfügbar, darum müssen wir Verständnis aufbringen für die Redaktion des Senf-Kataloges 1912/1913. Heute sind wir froh um die Erkenntnisse der letzten 100 Jahre, um diese Briefmarken besser einschätzen zu können. Heute kennen wir Ergebnisse der verschiedenen Auktionen. Nicht alle Marken sind ganz teuer, aber mehrere. Einzelne gehören sogar zu den wertvollsten Marken der Welt.

Den "Blue Boy" haben wir bereits kennengelernt (siehe Beitrag [#100]).

Der "Blue Boy" fehlte auf der Liste Haas 1905 (weil "local") und bei Schubert 1913 (weil Bewertung Senf 1912 "-.-"). Ferrary hatte keine Marke Alexandria "blue", er hatte nur Alexandria "buff". Aber in der Sammlung Caspary war der "Blue boy" dabei. Die Caspary-Auktionen 1955-1958 waren weitere wegweisende Anlässe, bei welchen die Philatelisten der Welt den Atem anhielten...

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.07.2017 23:36:00 Gelesen: 242480# 154 @  
@ Heinz 7 [#136]

Wir haben schon gesehen, dass Hawaii 2 Cents ungebraucht eine der teuersten Briefmarken der Welt war und ist (siehe Beiträge [#133] [#134] und [#136]).

Es wird vielleicht interessieren, auf welchen Plätzen denn diese Marke anfangs des XX. Jahrhunderts klassiert wurde.

Schubert nahm die Marke 1913 nicht auf die Liste, aus den bekannten Gründen.
Haas führte sie auf seiner Liste auf Platz 3!

An den Ferrary-Auktionen erreichte genau DIESE Marke, die ungestempelte 2 Cents-Marke (vgl. Beitrag 136), das dritthöchste Ergebnis aller Lose!

Das ist eine ganz aussergewöhnliche Sache, finde ich! Haas lag also 1905 völlig richtig und wurde 1921 voll bestätigt. Die ersten drei Plätze waren vollkommen übereinstimmend!

Bravo, Theodor Haas!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.07.2017 19:32:17 Gelesen: 242356# 155 @  
@ BD [#2]

Im Mai 1954 veröffentlichte das weltbekannte Magazine «Life» eine aufsehenerregende Story über die berühmtesten und teuersten Briefmarken der Welt. Auf 8 riesigen Farbseiten wurden die seltensten Briefmarken vorgestellt, in Farbe. Das war vor 63 Seiten noch keine Selbstverständlichkeit.



Unter dem Titel «Stamp Album worth $ 1,000,000. For the first time «Life» brings world’s classics together» zeigte «Life» die meisten Raritäten der Welt:

Seite 85: Einleitung und 2 Rekordstücke
Seite 86+87: 53 Briefmarken und Einheiten (Viererblöcke, Paare, usw.)
Seite 88+89: 19 Briefe
Seite 90: 9 «Rebel Rarities» (Briefe)
Seite 91-93: weitere Spezialitäten

Fast alle der weltbekannten Raritäten wurden gezeigt und – was besonders interessant ist – auch bewertet. Nicht erstaunlich ist dabei, dass auch die USA-Raritäten prominent vertreten waren. So finden wir Einschätzungen für viele der Weltraritäten und können diese so miteinander vergleichen.

Am höchsten bewertet wurde – einmal mehr – die British Guiana, 1856, 1 Cent. Danach folgen meist Briefe mit seltenen Marken oder Einheiten von Marken, z.B. einen Viererblock der US Jenny Inverted. Der Wert von US$ 30'000 darf uns nicht «enttäuschen», denn 1954 war dies ein Vermögen. Damit rangierte diese US-Rarität auf Platz 8, zusammen mit zwei anderen Marken/Einheiten.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.07.2017 20:09:12 Gelesen: 242337# 156 @  
@ Heinz 7 [#155]

Anhand dem hier gezeigten Traumstückes möchte ich eine Problematik besprechen, die wir haben, wenn wir die teuersten Briefmarken auflisten.



Die "Doppelgenf"-Marke ist den meisten Philatelisten ein Begriff. Sie gilt und galt seit über 100 Jahren als eine der wertvollsten Briefmarke der Welt.

Theodor Haas setzte die Marke auf Platz 21 (1905)
P. O Schubert setzte die Marke auf Platz 31 (1913)
Senf bewertete die Marke 1912/1913 mit Mk. 1600 (*) bzw. Mk. 650 (gebraucht)
Michel bewertete die Marke 2010 mit Euro 65'000 (*) bzw. Euro 40'000 (gebraucht).

Ungebrauchte Einheiten der Doppelgenf können anhand den Fingern einer Hand abgezählt werden. Klar ist, dass der oben gezeigte Dreierstreifen nicht nur 3 x soviel wert ist, wie eine ungebrauchte Doppelgenf, sondern ein Zuschlag berechnet werden soll und darf. Wie hoch dieser sein soll, ist stark unterschiedlich; es gibt keine allgemeingültigen Aussagen dazu.

Ich denke, es macht Sinn, Einheiten separat aufzulisten, wenn wir nach den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt suchen. Mit anderen Worten: einerseits interessieren uns solche Stücke sicher, und gerne versuche ich, die Besten davon ebenfalls aufzulisten, aber unsere "Ur-Liste" soll durch solche Einheiten nicht durcheinandergebracht werden. Dort soll nur die Einzelmarke berücksichtigt werden.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.07.2017 20:26:32 Gelesen: 242327# 157 @  
Zu Beitrag [#156]:

Der Dreierstreifen der Doppelgenf ungebraucht zierte die Sammlungen

Ferrary
Leemann
Ivan Bally
"Helveticus"

1991 wurde dieses Stück in Genf verkauft, bei David Feldman, Genf. Los 90022 hatte einen stolzen Ausrufpreis von CHF 250'000, doch mehrere Sammler wollten diese Rarität kaufen, und so stieg das Los auf CHF 480'000 + 15% Aufgeld, Summe also CHF 552'000. Damit war und ist diese Rarität eine der teuersten Stücke der Schweizer Philatelie.

Heinz
 
DL8AAM Am: 11.07.2017 00:04:07 Gelesen: 242294# 158 @  
@ Heinz 7 [#154]

"Zu" Hawaii konnte man auf der New York Stamp Show 2016 übrigens auch "Originale" der Grinnell Hawaiian Missionaries ("The Greatest Stamp Controversy Ever") anschauen. Irgendwie kribbelts einem trotzdem, so etwas mal in "echt" bewundern zu können ... und wer weiss, ob ... ;-)



Leider machte die Art der künstlichen Beleuchtung der Kamera einen dicken Strich durch die Rechnung. Egal.

Gruss
Thomas
 
Heinz 7 Am: 11.07.2017 00:29:37 Gelesen: 242290# 159 @  
@ merkuria [#145]

Ich habe in Beitrag 141 die CSA Victoria 5 Cents vorgestellt. Dank den Infos in Deinem Beitrag 145, den sehr detaillierten Los-Beschreibungen des Auktionshauses Siegel, wissen wir nun, wie selten diese Marke ist:

Scott 88 X 1 - 5 Cents: 5 Exemplare bekannt, alle ungebraucht
Scott 88 X 2 - 10 Cents/dünne Zahl: 2 Briefe bekannt, 1 gestempeltes Stück (stark beschädigt) + 2 ungebrauchte = 5 total
Scott 88 X 3 - 10 Cents/dicke Zahl: 4 Exemplare bekannt, 2 *, 2 gestempelt.

Zweifellos ist das Exemplar, das am 28.3.2012 verkauft wurde, deutlich schöner, als dasjenige, das ich vorgestellt habe (Beitrag [#141]). Aber auch 2012 erreichte die Marke nur US$ 21'000, das ist für eine so seltene Marke nicht sehr viel.

Interessant ist, dass Ferrary beide Marken besass (88 X 1 + 88 X 3). Sie wurden zusammen in einem Los verkauft im Juni 1922 (4. Ferrary-Auktion), Los 113. Das Resultat war Francs Français 6'000 (+ 17.5 %), das entsprach damals etwa US$ 526.80 (Summe 619.00). Das war zwar nicht wenig, aber für ein Los mit zwei Marken, die einen Katalogwert von 4'000 Mark (1 Marke!) hatte (Senf 1912), auch nicht gerade viel.

Wir dürfen sicher festhalten, dass die Marke heute nicht sehr hoch bewertet ist: Michel 2010:

5 Cents: (*): Euro 11'000
10 Cents/dünne Zahl: (*) 12'000
10 Cents/dicke Zahl: (*) 12'000

Also ein Beispiel für eine Marke, die sich unterdurchschnittlich/schlecht entwickelt hat im Zeitverlauf.

Hier zeige ich das Exemplar der 10 Cents Marke aus der Sammlung Erivan Haub.



Beim Verkauf von Caspary 7.3.1956 wurden drei Marken "Victoria" verkauft:

Los 482: 88 X 1, 5 Cents, (*), Katalog: US$ 800, Price realized: US$ 310
Los 483: 88 X 2, 10 Cents, Brief, Katalog: "unpriced", Price realized: US$ 2'400
Los 484: 88 X 3, 10 Cents, gestempelt, Katalog: "unpriced used" "unused; 1'250", Price realized: US$ 280.

Es fällt auf, dass die Preise 1957 nicht höher waren als 1922, aber auf Brief werden doch hohe Preise bezahlt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.07.2017 00:46:24 Gelesen: 242288# 160 @  
@ DL8AAM [#158]

Lieber Thomas,

ja, ich hab es auch gesehen, aber "echt" solltest Du hier nicht schreiben, weil es sind ja alles Fälschungen.

;-)

Heinz
 
DL8AAM Am: 11.07.2017 11:30:34 Gelesen: 242230# 161 @  
@ Heinz 7 [#160]

Aber das sind doch echte Grinnells. ;-) Und nicht ohne Grund habe ich das ja in Anführungszeichen gesetzt. ;-)

Damit es von den Sandwich Inseln "echter" wird, hier wirklich echte Hawaiians:

Der berühmte Dawson Cover:

Wenn mal vor solchen solche Legendären stehen kann, kann einem schon irgendwie etwas schummrig werden, selbst für den "FRANKIT-Sammler" ;-)



Das sind die Legenden, die die Philatelie bereichern bzw sogar ausmachen, sie "legendär macht" ... ;-)



Ja, wie üblich - die Qualität der Fotos ist bei solchen beleuchteten Rahmen unter Folien meist etwas problematisch (trotzdem echte eigene Fotos sind gefühlt irgendwie noch ein wenig authentischer, als 1st Class-Abbildungen in Hochglanzpublikationen), aber zumindest durfte man ja bis auf eine Ausnahme, bei so etwas komischen gelben aus Schweden ;-) in NYC alles ablichten, leider ganz im Gegensatz als dann später in Taipeh. Schade eigentlich, als ob man so "qualitativ hochwertigste Fotos für Veröffentlichungen" machen könnte. Schade.

Gruß
Thomas
 
Heinz 7 Am: 11.07.2017 12:27:54 Gelesen: 242213# 162 @  
@ DL8AAM [#161]

Lieber Thomas,

der Dawson Brief ist wirklich etwas vom Schönsten, was die Philatelie zu bieten hat. Da kommt ALLES zusammen!

Eine irrsinnig seltene Marke, die Hawaii, 2 Cent (sie galt bei Theodor Haas 1905 als drittbeste Marke überhaupt)

- dazu auf Brief
- dazu mit einer ebenfalls seltenen 5 Cents-Marke
- dazu eine einmalige, auch optisch schöne postalische Verwendung
- dazu in Mischfrankatur mit USA-Ausgaben

Dieser Brief hat, völlig zu Recht, immer wieder zu den absolut Besten gehört, und auch entsprechende Preise erzielt. Der höchste war, wenn ich mich recht erinnere, US$ 1.9 Millionen plus 10 % = US$ 2'090'000. Auch dieser Brief kommt aus der Thurston Twigg-Smith Sammlung ("The Honolulu Advertiser").

Dieser Brief ist nur knapp dem Feuer entkommen, wie zu lesen war. Es wäre nicht auszudenken, wenn dieser Brief verloren gegangen wäre! Der kleine braune Fleck am linken Rand erinnert daran.

Neben dem Mauritius-"Post Office"-Brief mit der Mischfrankatur (1+2 Penny/Pence, ex Kanai) ist für mich dieser Brief vielleicht der zweitbeste Brief der Philatelie.

Ich finde auch, dass man solche Schätze noch viel mehr bewundern kann, wenn man sie einmal mit eigenen Augen sehen konnte. Darum sind die philatelistischen Ausstellungen so wertvoll für uns Enthusiasten.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
DL8AAM Am: 11.07.2017 22:01:16 Gelesen: 242117# 163 @  
@ Heinz 7 [#162]

Ja, absolut Heinz, aber was Du vergessen hast in Deiner Aufzählung

- dazu eine echte 'legendäre' Geschichte

Für mich ist dieser Brief auch eines der absoluten Highlights der Philatelie, da passt wirklich alles, aber auch alles, zusammen, sogar der Brandfleck. ;-)

Nochmals kurz zu den in NYC am Stand der Mystic Stamp Company ausgestellten "Grinnell Hawaiian Missionaries" [#158]. Mystic hatte extra hierfür eine 35seitige "Hochglanz"-Broschüre mit dem Aufsatz "The Grinnell Hawaiian Missionaries: Genuine Stamp Rarities or Clever Fales Created to Cheat Collectores?" von Ken Lawrence kostenlos verteilt. Höchst interessant und wirklich sehr spannend zu lesen!



Übrigens der Mystic Stand war auch hinsichtlich seines Auftritts und des Aufbaus, ein echter Anlaufpunkt bzw. optischer Hinkucker, so stelle ich mir einen ansprechenden philatelistischen Messestand vor und nicht immer nur diese typischen "langweiligen" 2-3 Meter- Küchentische. Ja gut, klar, Mystic ist eben nicht unbedingt ein kleiner "armer" Krauter. ;-)

Beste Grüße aus Göttingen
Thomas
 
Heinz 7 Am: 11.07.2017 22:30:30 Gelesen: 242103# 164 @  
@ DL8AAM [#161]

Lieber Thomas,

vor 24 Jahren wurde die Verauktionierung einer wichtigen Sammlung angekündigt. Hiroyuki Kanai's unglaubliche Sammlung "Mauritius" wurde in Zürich angeboten, von David Feldman.

Ich sammle nicht Mauritius, aber für mich war klar, dass ich bei dieser Auktion dabei sein muss! Kanai gewann 1975 und 1978 den Grand Prix International (Paris) und den Grand Prix d'Honneur (Toronto) mit Mauritius und hatte eine einzigartige Sammlung zusammentragen können. Die Mauritius-Marken sind die berühmtesten der ganzen Philatelie.

Die legendären "Post Office"-Marken von 1847 zählen zu den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt. Theodor Haas setzte diese zwei Marken (1905) auf Platz 5 (1 Penny orange) und auf Platz 4 (2 Pence blau). Bei Schubert (1913) standen diese zwei Marken auf Platz 2 und 1!

Die Marke ist extrem selten, und einige Exemplare sind dazu noch in Museen fest gebunden! Es ist also fast nicht mehr möglich, eine Kollektion zusammenzutragen. Kanai schaffte es, vielleicht als letzter (für Mauritius).

Hiroyuki Kanai besass auch das "Kronjuwel" der Philatelie: den einmaligen Brief mit BEIDEN Marken darauf!



Die Auktion war ein herausragender Erfolg. Als Los 155 zum Ausruf kam, stieg die Spannung noch weiter. Ein Ausruf von CHF 4.0 Millionen war angesetzt. Das Los wurde beboten. Es gab auf dieser Höhe keine "Bieterschlacht" mehr, aber das Angebot stieg doch um wenige Stufen. Als das Gebot bei CHF 5.0 Millionen stand, gab der zweitletzte Bieter auf. Der Käufer hatte das Los für CHF 5'000'000 + 15 % Zuschlag = CHF 5'750'000 gekauft. Dies war ein Weltrekord, der fast 25 Jahre Bestand hatte.

Ein Brief, der zwei der seltensten Marken trägt - auch für mich ist der "Mauritius-Post Office-Bordeaux-Brief" das wertvollste philatelistische Objekt der Welt.

Ich werde diese Auktion nie mehr vergessen. Es war ein aussergewöhnliches Erlebnis, dabei gewesen zu sein!

Heinz
 
bignell Am: 11.07.2017 22:33:21 Gelesen: 242100# 165 @  
@ Heinz 7 [#164]

Hallo Heinz,

ich habe den Bordeaux-Brief auf der WIPA gesehen, war der einzige Brief mit persönlichem Bodyguard.

Lg, harald
 
muemmel Am: 11.07.2017 22:47:26 Gelesen: 242092# 166 @  
Salut,

auch wenn diese absoluten Raritäten für einen einfachen Sammler, der lediglich im Vergleich dazu nur in der 3. oder 4. Bezirksliga spielt, finde ich das Thema absolut spannend.

Bitte weiter so.

Schönen Gruß
Mümmel
 
Heinz 7 Am: 11.07.2017 22:53:35 Gelesen: 242089# 167 @  
@ DL8AAM [#161]

Lieber Thomas,

für alle Leser, die den phantastischen "Dawson Letter" gerne ganz genau betrachten möchten, poste ich anbei ein besseres Foto:



Wie gesagt, Theodor Haas bewertete Hawaii Nr. 1 als 3. beste Marke der Welt und Hawaii Nr. 2 (5 Cents) schaffte es auf Platz 9 (1905). Der Dawson-Brief ist eine einmalige Kombination zweier Weltraritäten.

Nicht nur ich sehe diesen Brief als philatelistisch zweitbesten von allen.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 11.07.2017 23:05:20 Gelesen: 242077# 168 @  
@ Heinz 7 [#167]

Für diesen schönen Brief muss doch auch ein schönes Foto her!



schöne Grüsse
Jacques
 
Heinz 7 Am: 11.07.2017 23:11:30 Gelesen: 242072# 169 @  
@ Heinz 7 [#164]
@ Heinz 7 [#167]

In Beitrag [#164] und [#167] zeigte ich die zwei vielleicht "besten" Briefe der ganzen Welt. Vielleicht ist der folgende der drittbeste?

Theodor Haas bewertete 1905 die Moldau-Erstausgaben wie folgt:

Platz 6 - Moldau Nr. 3 (81 Parale)
Platz 18 - Moldau Nr. 1 (27 Parale)
Platz 19 - Moldau Nr. 4 (108 Parale)



Auf diesem einmaligen Brief sind gleich drei Weltraritäten vereinigt! Von der 81 Parale-Marke gibt es sonst keine Briefe (nur eine Handvoll Fragmente), also eine atemberaubende Seltenheit.

Über den Wert dieses Briefes müssen wir uns keine Gedanken machen: der Brief ist nicht verkäuflich! Er schmückt das Museum für Kommunikation in Berlin.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.07.2017 12:59:15 Gelesen: 241953# 170 @  
@ Beitrag [#48]

Die USA hat gleich mehrere sehr bekannte und teure "Kopfstehende Marken", über die wir hier oder im Thema "Kopfstehende Marken" berichtet haben. Gleich drei solcher Kopfsteher gab es bei der Serie von 1859, als folgende Wertstufen versehentlich auch mit kopfstehendem Mittelstück gedruckt wurden:

15 Cents
24 Cents
30 Cents.

Alle drei Marken waren bereits bei Schubert 1913 (Senf 1912) hoch bewertet und brachten es auf Platz 18 (30 Cents) bzw. 92 (15 Cents) und 92 (24 Cents).

Ich habe in Beitrag 48 eine 15 Cents Marke gezeigt, Merkuria im Thema "Kopfstehende Marken" die Werte 15 und 24 Cents (Beiträge [#209] und [#233]).

Die zugrunde liegende Marke ist übrigens wunderschön und war eine graphische Herausforderung für den Produzenten (ein Bild mit ca. 40 Personen!).



Vom 24 Cents -Wert existiert übrigens ein Viererblock, der es zu Weltruhm gebracht hat. Es ist der einzige Viererblock und war das Vorzeigestück der Sammlung Crocker, die 1938 verkauft wurde (Harmer Rooke London). Längere Zeit galt dieser Viererblock als "teuerste Einheit der USA".

Dieser Viererblock zierte auch die Sammlung von Ryohei Ishikawa, der, wie sein Landsmann Kanai, auch mehrere Grand Prix gewinnen konnte mit diversen Exponaten. 1993 wurde seine USA Sammlung 1847-1869 verkauft bei Christie's New York. Unser 24 Cents-Viererblock war das Titelfoto auf dem Umschlag.



Der Viererblock trägt etwas schwere Stempel, darum habe ich auch die Grundmarke gezeigt, damit die Schönheit der Marke erkennbar ist.

In dem Verzeichnis von Life (siehe Beitrag 155) war dieser Viererblock 1954 übrigens das DRITTHÖCHST-BEWERTETE STÜCK weltweit (!!), noch vor dem Mauritius-Post-Office-Bordeaux Brief (Beitrag 164) oder dem Hawaii-Dawson Brief (Beitrag 161,162,167+168) oder dem Baden-Fehldruck (Beitrag 152)! Die drei letztgenannten Briefe haben alle schon Ergebnisse von mind. CHF 2'000'000 eingespielt.

Ganz so teuer war der 24 Cents-Viererblock 1869 meines Wissens nie, erreichte aber z.B. bei der Crocker-Auktion (1938) einen sehr hohen Preis und war darum 1954 so hoch geschätzt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.07.2017 19:00:19 Gelesen: 241880# 171 @  
@ bignell [#165]

Hallo Harald,

welche WIPA meinst Du denn? Da gab es mehrere. Wien 2008?

@ muemmel [#166]

Danke!

@ [#170]

Die Auktion Ishikawa USA war sehr umfangreich, 746 Lots! Das allerletzte Los war der 1869-Inverted-Viererblock. Der untere Schätzpreis (Startpreis?) lag bei US$ 750'000.

Wenn wir die Liste der erzielten Preise studieren, wird uns schwindelig, so viele sechsstellige Resultate wurden damals erzielt. Aber "unser" Los 746 löste keine Bieterschlachten aus, im Gegenteil - es blieb ziemlich lange liegen. Schliesslich wurde es zu 60 % des unteren Schätzpreises zugeschlagen: Hammerpreis: US$ 450'000 + 10 % Zuschlag.

Man kann vielleicht von einem "Schnäppchen auf sehr hohem Niveau" sprechen? Aber eins ist klar: Der Block, der 1954 als "Nummer 3 weltweit" eingeschätzt war (Life), hat seine "besten Tage" hinter sich. 1993 wurden vor allem schöne/seltene Frankaturen hoch bezahlt. Ich komme später auf diese Auktion zurück. Das Gesamtresultat lag hoch. Der Auktionskatalog ist eine wunderbare Dokumentation einer grossartigen Sammlung USA 1847-1869.

Ein hohes Resultat erreichte Scott Nr. 2 als Sechserblock:



Der Block erzielte einen Preis von US$ 420'000 plus 10 %, das war 20 % mehr als geschätzt. Eine Einzelmarke ist nicht teuer, aber der einmalige Sechserblock lockte mehrere Sammler sehr. Nur einer konnte gewinnen, zu einem hohen Preis.

Heinz
 
bignell Am: 12.07.2017 19:49:08 Gelesen: 241867# 172 @  
@ Heinz 7 [#171]

Hallo Heinz,

ja genau, WIPA08.

Lg, harald
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 13:02:54 Gelesen: 241754# 173 @  
@ BD [#2]

In diesem Thema haben wir bereits eine stattliche Zahl von Weltraritäten vorgestellt, und zwar gibt es noch einige Lücken in der Reihe "der Besten", aber von denjenigen Marken/Briefen/Einheiten, die weltweit anerkannt zu den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt zählen, haben wir doch schon viele aufgelistet und vorgestellt in Wort und Bild.

Eine grosse "Nummer" fehlt aber gewiss noch!

Eine klassische Marke von 1855, die schon im XIX. Jahrhundert klar als grosse Seltenheit galt, soll nun besprochen werden. Auf der Liste von Schubert 1913 ist sie aber ebenso wenig enthalten wie in der Liste Haas 1905! Warum? Die Antwort für Schubert 1913 kennen wir (keine Bewertung der Marke im "Senf 1912"), und Haas nahm die Marke nicht auf seine Hauptliste, weil die Marke eine Abart, ein Farb-Fehldruck, ist (siehe Beitrag 150).

1855 gab Schweden eine Reihe von 5 Marken heraus in der Währung Skilling: Nominalen: 3, 4, 6, 8, 24. Die erste Marke hatte die Farbe grün



Es gibt diese Marke aber auch in gelb, der Farbe der 8-Skilling Marke!



Bis heute hat man immer nur dieses eine Stück gekannt! Die Marke wurde von einem Schuljungen 1885 gefunden! Es ist verständlich, dass der "König der Briefmarkensammler", Philipp la Renotière von Ferrary, diese Marke jagte und sie offenbar 1894 erwerben konnte. Ferrary soll 1894 ca. GB£ 400 für die Marke bezahlt haben. Sie schlummerte dann 28 Jahre in seiner Sammlung, bis diese im Juni 1922 versteigert wurde.

Der Zuschlag erfolgte damals bei FRF 30'000 + 17.5 % Zuschlag, was damals ein hohes Ergebnis war, aber nicht für ein Top-50-Ergebnis der Ferrary-sales ausreichte. Umgerechnet soll das Ergebnis 1922 knapp GB£ 700 erreicht haben (Info gemäss Auktionskatalog).

Nach 1922 gab es dann in relativ kurzer Zeit einige Handwechsel, bis das Stück schliesslich beim König von Rumänien (Carol II.) landete. Er bezahlte auch einen königlichen Preis für die Marke, und sein "Nachfolger", René Berlingin, sehr vermögend, wird dies 1950 vermutlich noch "getoppt" haben (müssen).

Jedenfalls galt die Marke unter den Raritätenhändlern nun sehr viel! Das zeigt auch der "LIFE"-Artikel (Beitrag 155), als die Marke als viert-teuerste philatelistische Rarität galt, gleich hoch wie der Mauritius-Post Office-Bordeaux-Brief (Beitrag 164)!

Grosses Aufsehen erregte die Marke dann 1984, als David Feldman (damals noch in Zürich) die Marke versteigern durfte. Sie erzielte die damals sehr stolze Summe von CHF 850'000 + 15 % = CHF 977'500. In den letzten 30 Jahren wurde die Marke dann einige Male an Ausstellungen gezeigt oder bei Auktionen angeboten. Seit 2013 ist sie Prunkstück in der Sammlung von Herrn Gustaf Douglas.

Dieser einmalige Fehldruck hat also anfangs XX. Jahrhundert eine deutlich weniger prominente Rolle eingenommen als hundert Jahre später. Sie zählt heute zu den Top-Stücken, ähnlich, wie der Baden-Farbfehldruck (Beitrag 152), die (wie erwähnt) bei Schubert 1913 aber bereits an 10. Stelle weltweit gelistet wurde.

Liebe Grüsse
Heinz
 
DL8AAM Am: 13.07.2017 14:58:46 Gelesen: 241721# 174 @  
@ Heinz 7 [#173]

In den letzten 30 Jahren wurde die Marke dann einige Male an Ausstellungen gezeigt

Ja, ja Heinz, ich schon wieder. ;-)

Das war übrigens dieses komische Gelbe aus Schweden [#161], das man auch in NYC bewundern konnte. Leider war das genau die Reihe, die mit zwei Wachleuten, je vorne und hinten, damit hier bloss keine Fotos gemacht wurden. Sonst durfte man ja alles knipsen. Schade. Ich hatte die gelbe Tre-Skilling-Banco vorher auch überhaupt nicht auf dem Schirm für New York gehabt, die war irgendwie auch nirgends (?) angekündigt, oder? Sie steckte einfach nur so in der Ausstellungssammlung eines gewissen Gustaf Douglas. [1] ;-) Aufgefallen ist die mir nur, eben weil der zwei "persönlichen" Bodyguards. Glück gehabt. Denn eine "normale" Schwedensammlung wäre mir zwischen all den zig 1000den Rahmen vollkommen untergegangen. Ich möchte nicht wissen, was mir noch so entgangen ist. ;-)

Gruß
Thomas

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Gustaf_Douglas
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 20:00:44 Gelesen: 241648# 175 @  
@ DL8AAM [#174]

Lieber Thomas,

es scheint so üblich, dass gewisse Sammler ihre besonders wertvollen Stücke mit Body-Guards bewachen lassen. Joseph Hackmey machte dies 2008 in Bukarest mit seiner Rumänien-Sammlung so, nun offenbar Gustaf Douglas mit Schweden? - Ob das "nötig" ist, kann ich nicht beurteilen, aber publikumswirksam ist es bestimmt.

Ich freue mich mit Dir, dass Du, wie ich, an Ausstellungen ein paar Highlights suchst und Dich erfreuen kannst an den gezeigten Weltraritäten.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 20:53:42 Gelesen: 241630# 176 @  
@ BD [#2]

Bisher habe ich bei der Betrachtung der Studie Schubert vor allem die TEUERSTEN Marken betrachtet. Es ist aber genau so spannend, einmal nach den Stücken zu fragen, die heute nicht mehr so bekannt sind.

In der Liste Schubert sind 101 Marken aufgeführt mit einem Wert von Mk. 750 und mehr (Senf 1912). Einige Länder konnten gleich mehrere Briefmarken unter den ersten 101 platzieren, so auch - -

AFGHANISTAN!

Die Ausgaben von 1875/76 schafften es gleich vier Mal unter die ersten 101! Die (Senf-)Nummern 33, 23, 35 und 34 erreichten Platz 50, 58, 58 und 75!

Ich verstehe von der Afghanistan-Philatelie etwa so viel, wie eine Kuh vom Schlittschuhlaufen. Was tun?

Der Michel Raritäten-Katalog 2010 listet die Nrn. 1-5, 12-50 der Jahre 1871, 1875-1876 auf. Nur drei Marken werden (2010) vierstellig bewertet (Mi 1 I = Euro 1500, Mi 2 II = Euro 1000, Mi 5 = Euro 1400), alle anderen sind unter Euro 1000 bewertet. Hier hat also ein dramatischer Wertverlust zu den Notierungen von Senf 1912 stattgefunden!

Woran das liegt, weiss ich nicht. Natürlich sind fast 40 Jahre Krieg im Land ein wichtiger Grund, aber auch früher schon bestimmten (bei anderen Ländern) oft ausländische Sammler die Geschicke eines Sammelgebietes mit. Viele Bestände befanden sich seit dem XIX. Jahrhundert in Europa, in den USA, und so weiter.



Meine Bibliothek gibt nun auch nicht gerade Dutzende von Hinweisen, wenn ich nach Afghanistan-Sammlungen suche, um vielleicht etwas mehr zu erfahren. Immerhin soviel: 1963 konnte Corinphila ein sehr schönes Angebot von Afghanistan verkaufen; in 123 Losen wurde eine Sammlung Afghanistan 1870-1919 verkauft. Auf der Umschlagsseite des Nachtrag-Kataloges wurde Los 6013 abgebildet: 1871/1872 (1289) Platte V - rekonstruierter Bogen von vier Marken Typen 1-4 bestehend aus zwei waagrechten Paaren 6 Shahi und 1 Rupa, braunviolett (Katalog Masson 4+5). Der Michel-Preis 1963 wurde angegeben mit Deutsche Mark 8'400, der Schätzpreis mit CHF 6'000. Es war das dritt-teuerste Los dieser Sammlung (Schätzpreise).

Wenn ich das richtig sehe, hatten diese 4 Marken 1912 bereits einen Katalogwert von mind. Mk. 1'100.

Die Sammlung gehörte vermutlich Maurice Burrus, so vermutet jedenfalls Herb Trenchard. Siehe sein Artikel in der Philatelic Literature Review zu den "Burrus-Sales".

Dass dieses Gebiet durchaus eine Chance für Sammler ist, möchte ich im nächsten Beitrag zeigen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 21:33:14 Gelesen: 241622# 177 @  
@ Heinz 7 [#176]

1997 kam eine weitere Afghanistan-Sammlung zum Verkauf, wieder bei Corinphila (100. Auktion). Die Lose 3495-3585 umfassten mehrere Sammellose, einschliesslich einer internat. Gold-Medaillen Sammlung. Hunderte von Marken und auch einige Briefe waren enthalten. Trotzdem kostete die ganze Sammlung (91 Lose!) nur CHF 30'250 (Startpreise, sauf erreur & omissions).

Das zeigt, dass viele Sammler nicht viel Geld brauchen, um eine grosse Ausstellungssammlung zusammenzustellen. Aber sie brauchen viel Sachverstand. Sammler mit Ambitionen, aber eng beschränkten finanziellen Mitteln, finden immer wieder Gebiete, die noch gut erschwinglich sind, mit denen an Ausstellungen dann aber trotzdem Lorbeeren zu holen sind!

Anbei aber noch ein Rückblick auf vergangene Zeiten.



William Dorning Beckton, FRPSL, RDP, Präsident der Royal London 1929-1931, hatte zweifellos eine der besten Afghanistan-Sammlungen aller Zeiten. Seine Sammlung Afghanistan 1870-1929 wurde 1932 bei Luder-Edelmann versteigert (XXIII. Versteigerung). Sie umfasste 766 Lose (!). Im ausführlichen Vorwort wird viel über die Sammlung gesagt. Sie umfasste grösste Raritäten dieses exotischen Gebietes. Viele ganze Druckbogen und rekonstruierte Platten sind vorhanden und gezeigt. Im Katalog von Luder-Edelmann wurden dafür hohe Wertangaben gemacht ("Price Yvert 1932"). Damals scheinen die Bewertungen noch höher gewesen zu sein. Eine Liste der tatsächlich erzielten Preise habe ich leider nicht.

Das ist alles sehr lehrreich.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 22:06:59 Gelesen: 241612# 178 @  
@ Heinz 7 [#173]

Christie's Robson Lowe veranstaltete hoch interessante Spezialauktionen in der Schweiz. So kam am 19.5.1988 in Zürich eine Spezial-Sammlung "Afghanistan" zur Versteigerung, die ich bei unserer "kleinen Afghanistan-Entdeckungsreise" auch vorstellen möchte: die Sammlung von Major Adrian E. Hopkins



Die Sammlung Afghanistan 1839-1848 umfasste auch Vorphila-Belege aus dem ersten Afghanistan-Krieg (Belege 1839-1843) und das Stück auf der Titelseite erinnert uns stark an das Stück "Burrus" aus dem Beitrag 176. Da auch die Beschreibung einigermassen zutrifft, nehme ich an, dass es dasselbe Stück ist! Es wurde zu CHF 5'000 geschätzt und zu CHF 11'000 zugeschlagen (+ 12.5 % Aufgeld = CHF 12'375).

Schön ist auch die Abbildung auf Seite 22 des Auktionskataloges



Hier sehen wir eine Platten-Rekonstruktion. 21 von 24 Marken sind gefunden, nur Position 5,17+19 sind nicht besetzt. Wir sehen da sehr schön, wie auf derselben Platte unterschiedliche Wertstufen gedruckt wurden: Schahi, Senar, Abasi und Rupie; 5 verschiedene Werte wurden auf einem Bogen gedruckt!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 22:52:17 Gelesen: 241597# 179 @  
@ Heinz 7 [#176]

Abschliessen möchte ich meine "Afghanistan-Reise" mit einem unerwarteten Fund. Ich suchte, ob ein Sammler mit Afghanistan ganz grosse Ausstellungs-Erfolge erzielen konnte. Und ich wurde fündig!

1976 gewann der Deutsche Horst G. Dietrich mit Afghanistan den Grand Prix International der Ausstellung INTERPHIL 1976 in Philadelphia! Unglaublich, aber wahr!



27 Jahre später wurde die Sammlung verkauft bei David Feldman, Onex (bei Genf). Der Auktionskatalog hilft uns, die Sammlung(en) zu überblicken (vermutlich war in der Auktion mehr als nur die Ausstellungssammlung). Auch die Dietrich-Sammlung startete mit Belegen aus dem ersten Afghanen-Krieg 1839 und sie erstreckt sich bis 1947 (234 Lose).

Die Auktion war auch finanziell ein Erfolg! 19 Mal fiel der Hammer erst bei CHF 10'000 oder mehr! Der höchste Preis wurde erzielt für...

...einen alten Bekannten!



Es ist tatsächlich das Stück Burrus - Hopkins! Beim Corinphila-Katalog 1963 stand auch der Hinweis: "ex Ferrary"!

Feldman war übrigens vorsichtig mit der Schätzung: CHF 8'000 war der Schätzpreis für Los 10132, als der Hammer fiel, stand der Preis bei CHF 40'000 (+ 18% = CHF 47'200).

Jetzt haben wir also doch noch, auch für das XXI. Jahrhundert, einen hohen Preis für ein Afghanistan-Stück gefunden! Es scheint aber so, dass wir, ohne es gestern gewusst zu haben, heute das aktuell beste Stück von Afghanistan kennen. Genau genommen ist es keine Einheit (sondern zusammengesetzt), aber vermutlich bleiben die Stücke jetzt so zusammen, wie 1963-2003.

Zusammenfassung:

Wenn wir auch gesehen haben, dass die Afghanistan Marken seit 1912 dramatisch an Wert verloren haben (siehe Beitrag 176), so zeigt der Fall "Afghanistan" meines Erachtens auch deutlich, dass es sich lohnt, nach seltenen Marken Ausschau zu halten. Burrus, Hopkins und Dietrich haben sich durch die gefallenen Preise nicht abschrecken lassen. Tiefe Preise (für gutes Material) können auch Chancen sein!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 23:13:18 Gelesen: 241593# 180 @  
@ Heinz 7 [#178]

Ein Nachtrag:

Die Marken auf den Positionen 1, 2, 6, 9, etc. der Plattenrekonstruktion sind zwar defekt, aber das "muss" so sein, weil in Afghanistan die Marken so entwertet wurden.

Ein anderer Nachtrag:

"Briefmarkenkönig" Ferrary jagte auch die Briefmarken von Afghanistan und strebte danach, sie ebenfalls komplett zu haben. Es wird gesagt, dass er für eine fehlende Marke von Afghanistan eine ungebrauchte Mauritius, Post Office, 2 Pence, hergab (im Tausch; Ferrary soll in seinem ganzen Leben nie eine Marke verkauft haben). Allerdings war die Mauritius-Marke eine Fälschung, was Ferrary und sein Tauschpartner damals aber nicht wussten.

(Info betr. Afghanistan/Mauritius-Tausch aus: Brühl: "Geschichte der Philatelie", Band 1, Seite 193).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.07.2017 18:51:54 Gelesen: 241131# 181 @  
@ Hornblower [#59]

Michael hat uns einen Farb-Fehldruck gezeigt, den in Deutschland wohl bekanntesten. Es gibt aber weltweit einige Farb-Fehldrucke, deren Wert zum Teil immens ist!

Wir haben gesehen, dass einige dieser Fehldrucke in der Studie Schubert berücksichtigt waren (z.B. eben der Baden-Fehldruck auf Platz 10!). Haas hat auf seiner Haupt-Liste 1905 (siehe Beitrag 149+150) die Fehldrucke aber weggelassen.

Ich muss aber ergänzen, dass Theodor Haas die Fehldrucke nicht einfach ganz aus seinen Betrachtungen ausschloss, sondern er erstellte eine ZWEITE Tabelle, lautend: "Die vierzig seltensten Fehldrucke": (Seite 480-482 seines Lehrbuches).

Auf Platz 8 dieser Liste wurde aufgeführt:

"Kap der Guten Hoffnung 1861, 1 P. blau, sogenannter Holzschnitt"
und, Platz 13:
"Kap der Guten Hoffnung 1861, 4 P. rot, sogenannter Holzschnitt"

Donna O'Keefe publizierte ab 1987 interessante Studien: "Linn's Philatelic Gems". In Band 1 wurden auch die zwei "Woodblock" - errors besprochen (Seite 39-40): 1 d blau (statt rot) und 4 d rot (statt blau). Die Zahl der bekannten Marken wurde nicht genannt, aber die Katalogpreise:

Scott (1985?):
1 d - blue: unused: -.- used: US$ 35'000
4 d - red: unused: US$ 100'000, used: US$ 37'500

Michel 2010 wertete die Marken wie folgt:
1 Penny hellblau: *: -.-, gest. Euro 40'000 = Michel 5 F
4 Pence rot: *: Euro 200'000, gest. Euro 65'000 = Michel 6 F I
4 Pence hellkarmin: *: -.-, gest. Euro 130'000 = Michel 6 F II

Natürlich wollen wir auch wissen, wie Schubert 1913 diese Marken sah (bzw. Senf 1912). Tatsächlich: wir finden beide Marken!

24. Platz: Kap der GH: Senf 6b: 4 Pence rot: Mk. 2'000
33. Platz: Kap der GH: Senf 5b: 1 Penny blau: Mk. 1'500.

Wichtig: beide Marken werden mit "-.-" bewertet für "ungebraucht".

Die 1 d hellblau gibt es ungebraucht nur 2 x. (Katalog Stanley Gibbins: 13 c).



Wir sehen hier das Exemplar, das 1982 in der Auktion von Sotheby's London zum Verkauf kam. Los 731. Wir sehen: das Stück ist fehlerhaft (Ränder unten und Büge).



Auch dieses Stück ist nicht fehlerlos, aber zweifellos das schönere der Beiden. Es war Teil der Sammlung "Lady Hope", die 2003 bei David Feldman zur Versteigerung kam. Der Ausruf (Schätzpreise) war stolze CHF 140'000-180'000. Der Hammer fiel dann aber erst bei CHF 200'000 + 18% Aufgeld = CHF 236'000.

Damit sind die frühen hohen Bewertungen von Schubert/Haas auch 100 Jahre später voll bestätigt!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.07.2017 22:38:30 Gelesen: 240994# 182 @  
@ BD [#2]

Auf der Liste Schubert (1913) war Ceylon mit 5 Marken unter den ersten Hundert (101, um genau zu sein), prominent vertreten! Nur vier Länder schafften es, NOCH mehr Marken unter die ersten Hundert zu bringen!

Betrachten wir doch einmal, wie sich diese Marken in den letzten hundert Jahren entwickelt haben.

Senf 1912: (alle ungebraucht)

10. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 4: 4 Pence rosa: Mark 3.000
10. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 7: 8 Pence braun: Mark 3.000
33. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 8: 9 Pence violettbraun: Mark 1.500
58. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 12: 2 Shillings blau: Mark 1.000
92. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 10: 1 Shilling blauviolett: Mark 750

Interessant ist, dass alle Marken gebraucht deutlich weniger teuer waren (Preise gest. Senf 1913):

10. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 4: 4 Pence rosa: um Faktor 7.5 günstiger = Mark 400
10. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 7: 8 Pence braun: um Faktor 7.5 günstiger = Mark 400
33. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 8: 9 Pence violettbraun: um Faktor 11.5 günstiger = Mark 130
58. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 12: 2 Shillings blau: um Faktor 5.7 günstiger = Mark 175
92. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 10: 1 Shilling blauviolett: um Faktor 37.5 günstiger = Mark 20

Bei Haas landeten die Marken auf folgenden Plätzen:

35. Ceylon 1857, Senf Nr. 7: 8 Pence braun
36. Ceylon 1857, Senf Nr. 4: 4 Pence rosa
76. Ceylon 1857, Senf Nr. 12: 2 Shillings blau

Senf Nrn.8+10 schafften es nicht unter die ersten Hundert.

Bestimmt interessiere nicht nur ich mich für die Katalogwerte 2010 (Michel Raritäten-Katalog):

Ceylon 1859, Michel Nr. 4y: 4 Pence rosa: Euro 75.000
Ceylon 1859, Michel Nr. 7y: 8 Pence gelbbraun: Euro 35.000
Ceylon 1859, Michel Nr. 8y: 9 Pence violettbraun: Euro 50.000
Ceylon 1859, Michel Nr. 12y: 2 Shillings blau: Euro 8.500
Ceylon 1857, Michel Nr. 10y: 1 Shilling blauviolett: Euro 7.000

Die hohen Shilling-Werte wurden in der Zwischenzeit überholt von:

Ceylon 1857, Michel Nr. 6xa: 6 Pence braunviolett auf bläul. Papier: Euro 11.000
Ceylon 1859, Michel Nr. 6yb: 6 Pence (dunkel)braun auf weissem Papier: Euro 9.000

Wir halten also fest, dass (nur) die 4 und die 9 Pence sich mit hohen Preisen behaupten konnten (8 Pence auch, aber deutlich weniger), aber mit den teils rasanten Preisentwicklungen anderer Gebiete nicht Schritt halten konnten. Kaufkraftbereinigt haben die anderen Marken (Shilling-Werte) aber bestimmt eingebüsst (Vergleich 1912 / 2010). Und zweifellos rangieren die Marken nicht mehr auf Platz 10 der Welt.

Merke: 1912/1913 waren die zwei teuersten Marken Ceylons noch gleich bewertet wie der Baden-Farb-Fehldruck!

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.07.2017 23:51:34 Gelesen: 240977# 183 @  
@ Heinz 7 [#182]

Bei Donna O'Keefe "Philatelic Gems" 1987 ist die Ceylon 1859: 4 Pence mit berücksichtigt. Ihr Wert wurde damals (vor 34 Jahren!) mit strammen US$ 60'000 angegeben. O'Keefe bezog sich damals auf den Scott Katalog (1983). Leider sagt auch sie nicht, wie viele ungebrauchte 4 Pence-Marken bekannt sind.

Auch O'Keefe nennt als einen der grossen Ceylon-Sammler Herrn Percy de Worms. Dessen grossartige Sammlung wurde 1938 bei H.R. Harmer, London, verkauft. Der Auktionskatalog zeigt auf einer Farb-Fototafel viele Gross-Raritäten:



Lose 25-28: 6 d. purple-brown (1857) blued paper - vier Exemplare ungebraucht!
Lose 143-146: 6 d. purple-brown (1857) white paper - 4 Exemplare ungebraucht
Lose 166: 6 d. brown (1857) white paper - 1 Exemplar ungebraucht
Lose 198-200: 1/- dull violet (1857) - 3 Exemplare ungebraucht
Lose 217-218: 4 d. dull rose (1859) - 2 Ex. ungebr.
Lose 225-226: 8 d. brown (1859) - 2 Ex. ungebr.
Lose 235-236: 9 d. purple-brown (1859) - 2 Ex. ungebr.
Lose 268-271: 2/- blue (1859) - 4 Ex. ungebr.

10 dieser Raritäten sind auf dieser Fototafel abgebildet und brachten hohe Ergebnisse! Das höchste Ergebnis erzielte Los 217, eine 4 Pence Marke.

Es ist schön, diese seltenen Marken in Farbe sehen zu können.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.07.2017 00:11:21 Gelesen: 240974# 184 @  
@ Heinz 7 [#182]

Heureka!

Jetzt habe ich doch noch ein aktuelles Ergebnis gefunden! Wieder ist die 4 Pence - Marke als "teuerste" von Ceylon bezeichnet (siehe Auktionstext). David Feldman konnte 2007 ein ungebrauchtes Exemplar versteigern.



Hochwillkommen ist auch die Angabe im Auktionskatalog, wie viele Exemplare denn vorhanden sind: "only 5 unused examples known"! - Das ist eine wichtige Information.

Los 60009 stieg über den Startpreis hinaus:

Startpreis (Estimate) Euro 20'000 - 30'000

Zuschlag: Euro 28'000 + 19.5 % Zuschlag = Euro 33'460. Das ist nicht sehr viel, wenn wir den Katalogwert (Euro 75'000) zu Rate ziehen. Der Käufer hat also trotz Auktionszuschlag nur 44.6 % des Katalogwertes zahlen müssen.

Wir haben damit in Beitrag 183+184 3 von 5 existierenden ungebrauchten Marken kennen gelernt!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.07.2017 20:52:18 Gelesen: 240863# 185 @  
@ BD [#2]

Die 12 ersten Marken der Liste Schubert haben wir besprochen. Kommen wir zur Nummer 13.

Hawaii wurde bei Haas (1905) sehr hoch geschätzt:

3. Hawai* 1851, 2 Cents hellblau (Nr. 1)
8. Hawaii 1852, 13 Cents hellblau (H.I. & U.S.) (Nr. 4)
9. Hawaii 1852, 5 Cents (Nr. 2)
11. Hawai* 1852, 13 Cents hellblau (Hawaiian Postage) (Nr. 3)
(*Schreibweise wie bei Haas)

Nur British Guiana war noch erfolgreicher (bei Haas 1905) mit Platz 1, 2, 7, 13, 17, 23, 24, 49, 62, 73, 88 !

Weil Schubert die "-.-" Bewertungen wegliess, kam er auf weniger Top-Notierungen:

Hawaii: 3 Marken unter den ersten 101
Brit. Guiana: 5 Marken unter den ersten 101.

Bei Hawaii wird die Schwäche der Liste Schubert deutlich:

Nr. 1 (2 Cents) wird gar nicht bewertet
Nr. 2-4 werden alle bewertet "gestempelt", obwohl die ungebrauchte Version Bei Hawaii (1. Ausgabe) IMMER die bessere ist. Das sehen wir auch an Hawai 1852, 13 Cents hellblau (Hawaiian Postage) (Nr. 3)

Wenn diese Nr. 3 gestempelt bereits gestempelt 3000 Mk. wert war, wie hoch wäre sie wohl bewertet worden ungebraucht? Wir wissen heute, dass die Nr. 3 ungebraucht extrem selten ist:

7 Exemplare ungebraucht
48 Ex. gestempelt
3 Ex. auf Fragment
12 Ex. auf Brief.

(alle Informationen gemäss Auktionskatalog Siegel, Sale 769 (November 1995) "The Honolulu Advertiser Collection").

Seltsamerweise bewertet Michel die Marke ungestempelt nur unwesentlich höher als gestempelt: (Michel Raritäten 2010):

Mi. Nr. 3 (*) = Euro 30'000
Mi. Nr. 3 gest. = Euro 26'000

Ich zeige heute aber eine der raren ungestempelten Marken.



Los 20 wurde 1995 für US$ 32'500 zugeschagen (+ 10%) = US$ 35'750. Auch diesen Betrag halte ich nicht für sehr hoch, angesichts der grossen Seltenheit (nur 7 ungest. Exemplare vorhanden). Den Katalogwert würde ich höher setzen als "nur" Euro 30'000.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.07.2017 21:25:29 Gelesen: 240851# 186 @  
@ BD [#2]

Die bestplatzierten 1-13 der Liste Schubert haben wir besprochen.

Es folgt Nummer 14.



Die Rumänien Nr. 4 ist der höchste Wert der 1. Ausgabe von Rumänien (bzw. des "Vorläufers" Fürstentum Moldau). Sie hat mehrere Parallelen zur eben gezeigten Hawaii Nr. 3

- Beide Marken sind ungestempelt sehr selten! Von Rumänien Nr. 4 sind weniger als 20 ungebrauchte Exemplare bekannt!
- Beide Marken sind gestempelt nicht ganz so selten wie ungebraucht
- Beide Marken haben noch wertvollere "Schwestern" aus dem gleichen Satz: die Hawaii Marke die 2 Cents und die 5 Cents Marke und die Nummer 4; die Rumänien-Marke die 27 Parale und die 81 Parale.

Der Katalogwert der 108 Parale-Marke betrug nach Michel 2010 Raritätenkatalog Euro 30'000, also exakt denselben Wert wie die Hawaii Nr. 3!

Das ist doch erstaunlich!

Die 108 Parale-Marke wird nur selten angeboten. In manchen grossen Sammlungen fehlte eine Rumänien Nr. 4 ungebraucht! So z.B. in der Sammlung "Sarah" (Corinphila Mai 1999) oder Paul Laptev (Köhler September 1998). In der Tomasini-Sammlung aber finden wir so ein Stück (siehe oben). David Feldman verkaufte 2006 in Genf/Monte Carlo (Simultan-Auktion) die Tomasini/Künzi-Sammlung: Zuschlag des Loses 20019 war Euro 36'000 (+ 18.5 %) = Euro 42'660.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 18.07.2017 23:10:29 Gelesen: 240817# 187 @  
@ Heinz 7 [#185]

Auch die 13 Cents Rarität hat 14 Jahre später etwas Federn gelassen:

An der 974. Robert A. Siegel Auktion [1] vom 16. Juni 2009 wurden bei der Auflösung der Laila Collection of Hawaii unter Los 504 für ein (allerdings leicht repariertes) ungebrauchtes Exemplar 20‘000 US$ + Aufgeld bewilligt. Der Schätzpreis lag bei 52‘500 US$.

Freundliche Grüsse
Jacques

[1] http://stampauctionnetwork.com/y/y9741.cfm
 
Heinz 7 Am: 19.07.2017 00:15:41 Gelesen: 240802# 188 @  
@ merkuria [#187]

Ich habe die Hawaii Nr. 3 vorgestellt in Beitrag [#185]. Du zeigst uns eine Nummer 4. Die Marke ist fast gleich selten wie die Nummer 3: es gibt von der Nummer 4 auch nur 8 ungestempelte Marken. Zieht man davon noch das Stück ab, das im Museum ist, wäre man auch bei 7; genau gleich viel (bzw. wenig) wie bei der Nummer 3!

Die Nr. 4 ist im Michel-Katalog deutlich höher bewertet, nämlich mit Euro 55'000 (Raritäten-Katalog 2010). Ich halte diesen Katalogpreis für angemessen, den für die Nummer 3 würde ich auch in etwa dieser Höhe sehen.

Nun zeigst Du uns ein relativ schlecht (billig) verkauftes Stück. Das kommt ab und zu einmal vor, dennoch bleibe ich bei meiner Meinung. Ob die Hawaii-Marken im XXI. Jahrhundert eher nur noch tiefe(re) Preise erzielen, kann ich im Moment nicht beurteilen. Die Katalog-Herausgeber richten sich in der Regel eher an den "erfolgreichen" Auktionen aus, wobei sie meist wohltuend ausgleichend wirken (i.d.R. werden Katalogwerte recht stabil gehalten, und nicht jedes Zittern des Marktes wird in den Katalogwerten wiedergegeben).

Der Preis US$ 52'500 war übrigens wohl der Katalogwert (Scott?), nicht der Schätzwert. Viele US-Auktionen zeigen grundsätzlich den Katalogwert, keine Schätzpreise.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.07.2017 23:30:56 Gelesen: 240598# 189 @  
@ BD [#2]

Acht Marken haben es gemeinsam auf Platz 10 geschafft auf der Liste Schubert 1913. Sie hatten einen Katalogwert von 3000 Mark.

Wir haben die ersten 5 Marken aus dieser Gruppe in den Beiträgen 152, 182-186 besprochen (Baden-Fehldruck, zwei Ceylon-Marken, eine Hawaii, eine Rumänien). Die Plätze 1-9 der Liste haben wir auch schon verglichen mit dem Michel-Wert 2010 und dabei festgestellt, dass es grosse Unterschiede gibt: Einige Marken sind auch heute noch teuer, zum Teil: SEHR teuer.

Andere haben sich nicht so prächtig entwickelt und sind, kaufkraft-bereinigt, heute WENIGER wert als vor rund 100 Jahren.

Zur ZWEITEN Kategorie zählt auch die Postmeister-Marke von Brattleboro. Wie in Beitrag 153 gesagt, verausgabten 9 Postmeister eigene Briefmarken, wobei leider einzelne im "Senf 1912" nicht bewertet wurden (und darum auf der Liste Schubert keine Aufnahme fanden). Einzelne Postmeister-Marken sind heute sehr teuer, andere eher nicht.

Die Marken von Brattleboro sind selten. Heute sind offenbar nur 32 Einzelmarken bekannt plus 19 Briefe. Aktuell (bzw. 2010) ist die Marke im Michel bewertet mit Euro 25'000 (*) bzw. Euro 12'000 gest. Das ist heute eher wenig. Das erstaunt uns vielleicht, denn es gibt heute viele teure USA-Briefmarken.

Im Artikel (Illustrierten Briefmarken-Journal vom 20.4.1912) ist die Briefmarke gezeigt (Abbildung 7). Vielleicht freuen sich auch andere, die Briefmarke auf einem hübschen Brief zu sehen.



In der genialen Sammlung Erivan Haub sind gleich zwei Briefe mit Brattleboro-Briefen enthalten. (Kopie aus Buch: Postmasters' Provisionals: United States and Cofederate States; The "Erivan" Collection). Eine lose Marke kann sich aber auch ein Sammler mit nicht-ganz-grossem Budget leisten.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.07.2017 00:13:01 Gelesen: 240590# 190 @  
@ Heinz 7 [#182]

Ich erwähnte, dass Ceylon mit 5 Marken unter den ersten 101 auf der Liste Schubert glänzen konnte. Noch erfolgreicher waren nur folgende Länder:

USA: 12 Marken
Konföderierte Staaten von Amerika: 8 Marken (= CSA)
Grossbritannien: 8 Marken
Rumänien: 6 Marken

Wenn wir uns noch vor Augen führen, dass viele der (damals) 71 gelisteten CSA mangels Vergleichen nicht bewertet waren, sehen wir, wie wichtig die USA/CSA-Marken vor hundert Jahren bei Senf (und nicht nur bei ihm) eingeschätzt wurden.

Die CSA-Marke von Victoria haben wir bereits besprochen (Beitrag 159). Nun folgen die zweitteuersten: diejenigen von Baton Rouge (10 Cents, gest., Senf Nr. 5) und von Livingston (*, Senf 1912 Nr. 36).

Zu Baton Rouge finden wir im Michel Katalog (2010) folgende Angaben:

Nr. 1-3: 2 Cents, 5 Cents (Maltese cross border), 5 Cents (Crisscross border): Wert * und gest. zwischen 1'300 und 6'000. Auch die Baton Rouge Nr. 4 (= 10 Cents) bleibt nur vierstellig (Euro 7'000 für gest., kein Preis für ungest.). Ausnahmsweise sind aber im Michel auch die Briefpreise angegeben, und die lauten wie folgt:

Baton Rouge Nr. 1 = Euro 25'000
Nr. 2 = Euro 3'500
Nr. 3 = Euro 12'000
nr. 4 = Euro 75'000.

Unser geniales Buch über die Sammlung Erivan Haub sagt uns, WIE selten diese Briefe sind:
Nr. 1 = nur 5 Briefe
Nr. 3 = 5 Cents (Crisscross border) = nur 11 Briefe bekannt
Nr. 4 = 10 Cents = unique on cover!



Auch dieses Unikat war in New York zu bestaunen in der Sammlung Erivan Haub. Ich habe nachgesehen, es war auch in der Sammlung Alfred Caspary und brachte 1956 einen nur bescheidenen Erlös von US$ 1'400 (Los 61).

Auch ein Preis von Euro 75'000 (2010) ist für ein Unikat aus einem solchen prestigeträchtigen Land (USA bzw. CSA) meines Erachtens kein sehr hoher Preis. Zur "Schnäppchenjagd" kann man das Stück dennoch nur den "Gut-Betuchten" empfehlen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.07.2017 14:55:26 Gelesen: 240497# 191 @  
@ BD [#132]

Bernd hat in Beitrag [#2] auf eine sehr interessante Fleiss-Arbeit von einem Herrn Schubert hingewiesen, die ein idealer Anknüpfungspunkt ist, um zu begreifen, welchen Stellenwert die internationale Philatelie vor rund 100 Jahren hatte!

Stellen wir uns einmal vor, unser Ur-Urgrossvater hätte um 1910 herum eine Briefmarkensammlung gehabt oder gestartet: welche Ziele hätte er wohl verfolgt? Welches waren die teuren Marken damals und wohin hätte ein ambitionierter Sammler sein Geld wohl investiert? - Hätten sich seine Investitionen gelohnt, oder wäre sein investiertes Geld verpufft und verloren gegangen in den späteren Jahren? Haben die Briefmarken wirklich so massiv an Wert zugelegt, wie dies Ende des XX. Jahrhunderts noch fast jeder Sammler zu glauben wusste? Oder haben die Briefmarken gegenüber früher "massiv an Wert verloren", wie wir dies heute oft hören oder nachlesen? Knifflige Fragen ...

Ich habe bisher versucht, die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt einmal aus der Sicht von 1913 vorzustellen. "Nur wer die Geschichte kennt und versteht, kann die Gegenwart begreifen und kommentieren" sagte einst ein weiser Philosoph. Wir haben gesehen, dass wir der Liste Schubert 1913 nicht vorbehaltlos "trauen" können, weil sie uns wichtige Informationen nicht gibt (nicht geben konnte). Einige Überlegungen dazu waren hoffentlich hilfreich, um die Liste noch besser würdigen zu können.

Doch mit der Betrachtung der Liste Schubert ist unsere (freiwillige!) Arbeit noch nicht zu Ende; vielmehr sehe ich als mögliche "Studien-Ergänzungen" folgende "Kapitel".

- Vergleich der Liste Schubert 1913 mit den Listen Haas (1905)
- Abgleich unserer Erkenntnisse mit den tatsächlichen Auktionserlösen anlässlich der Ferrary-Auktionen 1921-1926 (der grössten Sammlung seiner Zeit / aller Zeiten)
- Welche wichtigen Marken kamen im XX. Jahrhundert hinzu?
- Welche Rolle spiel(t)en Abarten, Einheiten, Briefe, Stempel, Frankaturen? Wie sind die Entwicklungen in der jüngsten Zeit?
- Welche Erkenntnisse erhalten wir aus ähnlichen Studien von namhaften Philatelisten des XX. Jahrhunderts? (Müller-Mark, Nevile Stocken, Gebrüder Williams, etc.)?
- Wie war die Situation Mitte der Fünfziger-Jahre? ("Life"-Artikel, siehe Beitrag 155, und Caspary-Auktionen)
- Welche Erkenntnisse brachten die Verkäufe der Burrus-Auktionen? (vereinfacht gesagt: der letzten grossen "gleichzeitig weltweiten Sammlung")
- welche besonderen Verkaufserfolge meldeten die grossen Auktionshäuser 1970- heute?
- welches sind (oder waren) die Spitzenstücke von herausragenden Sammlungen?
- wie sähen die "Bestenlisten" heute wohl aus (getrennt nach Marken, Abarten, Einheiten, Briefen, besonderen Stempeln, besonderen Frankaturen, etc.)?
- welches sind die "Briefmarkenländer" mit einer Bewertung "AAA" heute?

Es ist leicht ersichtlich, dass das Gebiet "uferlos" ist oder werden könnte, darum scheint mir ein "roter Faden" hilfreich. Gerne will ich versuchen, auf unserer Suche nach den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt noch viele Erkenntnisse zu gewinnen und gleichzeitig mit einer Zeitreise die Entwicklung der letzten 100 Jahre etwas besser zu verstehen. Zeitlich kann und will ich mich für meine oben skizzierte "Studienarbeit" nicht festlegen. Vielleicht kann ich einzelne "Kapitel" nicht breit bearbeiten, aber mit etwas Geduld und Zeit werde ich gerne noch viele (?) Beiträge beisteuern, sofern mir dies möglich ist und die Beiträge auch ein positives Echo auslösen/gerne gelesen werden.

Die achte Marke, die es 1912/1913 auf den Platz 10 der Liste Schubert geschafft hat, (ex aequo mit 7 anderen), werde ich demnächst in diesem Thema zeigen und etwas kommentieren. Doch dazu benötige ich wieder etwas Zeit.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Ron Alexander Am: 21.07.2017 15:04:58 Gelesen: 240488# 192 @  
@ Heinz 7 [#191]

Hallo Heinz, Hallo Beitragende,

ich selbst kann zu dem Thema leider nichts beitragen, außer tiefe Bewunderung für die tollen Ausarbeitungen aller beitragenden Personen. Wirklich toll und ich lese mit Begeisterung jeden neuen Beitrag.

Mir gefällt der Ansatz des "roten" Fadens sowie die letzten Ausführungen wie die Philatelisten vor ~100 Jahren agiert haben. Wirklich toll gemacht, bitte macht weiter so! Ich werde mir das Thema mal auch noch für eine YouTube Ausgabe vornehmen aber gerade hätte ich nicht mal einen Ansatz dies sauber aufzuziehen. Daher lese ich weiter mit Begeisterung, so das sich mir mein roter Faden dann hoffentlich auch noch erschließen wird. :)

Grüße,
Ron
 
Heinz 7 Am: 23.07.2017 20:41:32 Gelesen: 240241# 193 @  
@ Ron Alexander [#192]

Lieber Ron,

vielen Dank für die freundlichen Worte.

Was einen YouTube Beitrag betrifft, hätte ich (bei Bedarf) einen guten Vorschlag für ein Drehbuch.

Herzliche Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 24.07.2017 20:35:11 Gelesen: 240081# 194 @  
@ BD [#2]

16 von 17 Marken mit Wert 3'000 Mark und mehr (1913 bzw. 1912 Senf), siehe Liste Schubert, haben wir schon besprochen, nun fehlt noch Nr. 17:

Konföderierte Staaten von Amerika: LIVINGSTON!

Die Confederate States existierten nur von 1861-1865, und wurden von keinem Staat auf der Welt anerkannt. Die Abspaltung von den Vereinigten Staaten mündete in einem schrecklichen Bürgerkrieg, und rund vier Jahre später kapitulierten die Südstaaten. Alabama war der 4. Staat, der aus der USA ausgetreten und sich den CSA angeschlossen hatte. Viele Postmeister gaben in diesen Jahren eigene Wertzeichen heraus, so auch Livingston. Viele dieser Postmeistermarken waren bei den Briefmarkensammlern sehr begehrt!

1912 waren die Briefmarken also knapp 50 Jahre lang bekannt. Senf registrierte 70 Nummern von 37 verschiedenen Orten. Nummern 1-61, 63-71. Die Nummer 62 entfällt (die frühere Nummer 62 ist ein Briefumschlag). Nur 37 der 70 Marken waren 1913 bewertet (Senf), die übrigen 33 wurden zweimal mit "-.-" bewertet (ungestempelt/gestempelt). Nur für 19 Marken (Hauptnummern) wurden beide Bewertungen aufgeführt. Diese waren aber sehr oft hoch bis sehr hoch! Ich habe schon erwähnt, dass nicht weniger als 8 CSA-Marken den Sprung unter die ersten 101 (weltweit) auf der Liste Schubert schafften! (Beitrag 190).

Eine Marke sticht unter allen 70 hervor: die Marke aus Livingston. Sie war zwar, zu meinem Erstaunen, 1913 noch nicht die Teuerste (siehe Beitrag 141), aber mit 3000 Mark schaffte es die Marke auf Platz 10 bei Schubert, ex aequo mit 7 anderen Marken!



Die CSA-Marke von Livingston ist graphisch überraschend schön ausgefallen. Gemäss Auktionskatalog "Caspary" waren 1956 nur ca. 10 Stück dieser Marke bekannt. In der Sammlung Erivan Haub ist erwähnt, dass offenbar 6 Einzelfrankaturen davon bekannt sind. Die obige Abbildung ist aus seiner Sammlung bzw. dem Buch, das ich bereits mehrfach vorgestellt habe: "Postmasters' Provisionals: United States and Confederate States; The "Erivan" Collection" (Edition Spéciale, Global Philatelic Network (Köhler/Corinphila/Harmer New York/Bull), 2016).

Den heute mit Abstand teuersten Brief habe ich 1983 kennengelernt.



Edgar Mohrmann, Hamburg, konnte im April 1983, viele Raritäten anbieten, u.a. auch einen Livingston-Brief, und zwar den einzigen Brief mit ZWEI Marken. Dieser Brief galt schon seit langem als herausragendes Stück für die CSA.

Die Michel (2010) - Notierung interessiert uns sicherlich auch: gestempelt wertete sie nur mit Euro 10'000, auf Brief aber immerhin mit Euro 80'000.

Der einmalige Brief mit einem Paar der Marke ist dann noch deutlich teurer.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 24.07.2017 22:29:23 Gelesen: 240046# 195 @  
@ Heinz 7 [#194]

"Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht". So sang einst Drafi Deutscher, vor rund 50 Jahren.

Gleich fest und dauerhaft kann der Wert des untenstehenden Briefes angesehen werden. Seit mehr als hundert Jahren ist dieser Brief bekannt, und immer, immer war er teuer! Wenn sich denn je ein Besitzer von ihm trennte!

Der wunderbare Brief mit einem Paar der 5 Cents-Marke der Livingston CSA-Postmeistermarke verdient es sicherlich, einmal breit und ausführlich vorgestellt zu werden!



Zwei Jahre nach dem Angebot in Hamburg (Edgar Mohrmann, siehe Beitrag 194) wurde dieses Unikat wieder angeboten, diesmal in New York, von Christie's Robson Lowe. Zur Auktion hatte das Auktionshaus gleich einen 20-seitigen Verkaufskatalog erstellt, der die Bedeutung dieses Briefes unterstreichen sollte. Nur dieser eine Brief wurde darin vorgestellt, ein "Single-lot-catalogue" also.

Dieser einmalige Brief wurde am 12.11.1861 von Livingston, Alabama, gesandt an Capt. R. Chapman, Jr., Manassas Junction, Va.

Dieser Brief hat eine makellose "Provenance"

1) gehörte er dem "Briefmarkenkönig" Philippe la Renotière von Ferrary. Im Juni 1922 kam er als Los 17 an der 4. Ferrary-Auktion zum Verkauf und erzielte stolze FRF 22'000 + 17.5 % Aufgeld. Dies seien US$ 2'950 gewesen, schreibt Christie's

2) der Brief war Zierde der traumhaften Sammlung Caspary, die seinerseits 1956, im 3. Caspary-Verkauf, als Los 186 angeboten wurde (HR Harmer Inc. NY sales 989-991), und sehr beachtliche US$ 14'000 erreichte. Harmer schrieb damals: "This celebrated pair and cover is generally considered to be the most outstanding and most valuable Confederate item in existence".

3) der Brief wurde wieder verkauft 1967, als bei Robert A. Siegel die märchenhafte Sammlung von Josiah K. Lilly zum Verkauf kam: 3. Lilly-sale (Siegel sale 317), Los 329, Zuschlag US$ 19'000. Beschrieben als "the most valuable of all Confederate Items".

4) offenbar kaufte John R. Boker, Jr., den Brief. Boker = der grosse US-Sammler, der auch die unvergleichliche Deutschland-Sammlung hatte (Köhler Auktionen ab 1985). Boker versuchte wohl, den Brief via Edgar Mohrmann zu verkaufen (siehe Auktionskatalog in Beitrag 194), aber der darin geforderte Limit-Preis von DM 500'000 (!) war dann offenbar doch zu viel.

5) Christie's Robson Lowe New York verkaufte dann 1985 den Brief für US$ 160'000 + 10 % = US$ 176'000.

6) Sammlung Erivan Haub. Siehe Buch: "Postmasters' Provisionals: United States and Confederate States; The "Erivan" Collection" (Edition Spéciale, Global Philatelic Network (Köhler/Corinphila/Harmer New York/Bull), 2016).

Ich weiss, dass die Resultate 1,2 und 3 nach "nicht viel" tönen, aber man muss sehen, dass der US-Dollar damals einen völlig anderen Wert hatte, als heute.

=) In den Ferrary-Sales erreichte der Brief nach meiner Auswertung kaufkraftbereinigt den 64. Platz aller Ferrary - Lose. Per 1.1.2011 hatte das Resultat von 1922 etwa einen Gegenwert von CHF 162'280.

=) In der Aufstellung des Magazines von LIFE (1954)(siehe Beitrag 155) war der Livingston (Chapman) - Brief auch enthalten! Er war mit nicht weniger als US$ 12'000 bewertet; das war der 24. Platz in dieser illusteren Gesellschaft

=) Das Caspary-Ergebnis, nur 2 Jahre später, bestätigte dann mit US$ 14'000 voll diese Einschätzung im "Life"-Artikel. Es gab bei den Caspary-Sales nur ganz wenige Lose, die mehr als US$ 10'000 einbrachten! Der "Blue Boy" (siehe Beitrag 100) hatte es (an der ersten Caspary Auktion 1955) "nur" auf US$ 10'000 gebracht, der Livingston-Brief wurde also 40 % höher zugeschlagen.

=) An der Jubiläumsausstellung ANPHILEX 1971 in New York City wurde der Brief als einer der "Aristocrats of Philately" im Ausstellungskatalog gezeigt.

Dieser Chapman-Brief verhilft der Briefmarke von Livingston also zu höchstem Ruhm. Da ist der Katalogwert 2010 (Michel) von nur Euro 10'000 meines Erachtens verhältnismässig sehr tief!

Nach dem Christie's Katalog 1985 gibt es von dieser Marke nur:

- 1 Brief mit dem Paar (der "Chapman"-Brief)
- 6 Briefe mit einer Einzelfrankatur
- 3 lose Marken, gestempelt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 27.07.2017 22:11:31 Gelesen: 239760# 196 @  
@ BD [#2]
@ Richard [#546]

Spätestens seit 1961 wissen die Schweizer Philatelisten eine Menge über die ganz grossen Raritäten der Altschweiz-Philatelie. Zu verdanken haben wir dies Herrn Toni Abele (1913-1992). Er publizierte 1958-1961 in der SBZ (Schweizer Briefmarken-Zeitung) eine Artikelserie, die riesige Beachtung fand: "A propos Altschweiz". In 36 Artikeln stellte er die grössten Seltenheiten der Altschweiz vor und zeigte den Lesern, wie viele (oder: wie wenige!) Stücke von gewissen Marken nur vorhanden waren/sind.

Es ist für einen Schweizer natürlich schön, wenn auch Schweizer Briefmarken zweifellos zu den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt gehören. Auf unserer Liste Schubert von 1913 kommt die Schweiz auf stolze 5 Nennungen unter den ersten 101 der Welt.

Es ist nun aber nicht so, dass die Basler Taube darunter ist. (Abbildungen: Beitrag [#91] und [#118]). Zwar, da hat Richard recht, ist die Basler Taube weltberühmt (siehe Beitrag 1), aber ganz so selten ist sie nicht, sodass sie es "nur" auf einen Katalogwert von 300 Mark brachte (für ungebraucht) (Senf 1913). Um unter die ersten 101 zu kommen, benötigte man 1912 aber 750 Mark!

Dass es sehr teure Basler Tauben gibt, ist ein anderes Kapitel: Paare oder besondere Briefe. Aber das ist heute nicht das Thema; da kümmern wir uns nur um die lose Marke (gest./ungebraucht).

Nur nebenbei erwähnt: heute (Michel 2010) ist die Basler Taube aber immerhin mit Euro 13'000 bewertet (siehe Michel Raritäten-Katalog 2010). Damit gehört die Briefmarke nicht zu den "Verlierern" der letzten hundert Jahre.

Welche Marke ist nun aber die teuerste der Schweiz? Oder vielmehr: WAR die teuerste (1913)? Das Resultat mag überraschen, denn HEUTE steht diese Marke NICHT mehr an der Spitze.

Die Marke ist im Beitrag Schubert abgebildet (vgl. Beitrag [#2], Abb. Nr. [#5]): es ist die sogenannte "Waadt 4". Katalogisiert ist sie bei Michel bei "Schweizerische Bundespost" 1849, Nr. 1, in den Schweizer Katalogen trägt sie die Nummer 9 (Zumstein, Händlerkatalog, etc.).



Eine Abbildung aus der Sammlung von Silvain Wyler (Buch: Edition d'Or, Band IX, 2008)

Schubert zeigt uns, dass die Marke mit stolzen 2500 Mark bewertet war 1912. Senf 1913 zeigt dieselbe Zahl für die Marke (ungebraucht; gestempelt: 650 Mark). Damit kam diese Schweiz Rarität auf Platz 18 der Liste Schubert, zusammen mit 4 anderen, gleich bewerteten Marken.

Im Michel 2010 ist diese Marke bewertet wie folgt: (*) 35'000, gest. 19'000. Wir sehen also, dass sich die gestempelte Marke stärker im Wert entwickelte als die teurere ungebrauchte Marke. Die 4 Centimes-Marke ist ungebraucht extrem selten, ich finde aber im Moment nirgends Vermerke, wie wenig es von dieser Marke heute noch gibt. Ivan Bally besass ZWEI davon, in anderen Weltklasse-Sammlungen sucht man sie vergebens (z.B. "Helveticus" (1991/1992)).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 29.07.2017 17:17:26 Gelesen: 239559# 197 @  
@ Richard [#546]
@ BD [#2]

Dieses schöne Thema nähert sich dem 200. Beitrag; das ist eine Gelegenheit für eine Standortbestimmung. Richard hat es 2009 lanciert, es kam aber erst ab April 2015 langsam "in die Gänge" (ab Beitrag [#17]). Wertvoll scheint mir der frühe Beitrag von Bernd mit der Liste Schubert 1913. Spätestens ab Beitrag 124 verwende ich dieses Studie als "roten Faden" (oder Startpunkt) durch das Thema, wie erläutert in Beitrag [#191].

Die Liste Schubert 1913 ist bei Weitem nicht komplett, aber natürlich gibt sie uns ein gutes "Grundlagen-Wissen", welche Marken denn vor 100 Jahren zu den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt zählten. Ich möchte also die Marken dieser Liste in Wort & Bild vorstellen, nicht alle, aber doch noch einige. Im Moment haben wir die Positionen 1-17 behandelt und haben nun die Plätze 18-22 eröffnet (siehe Beitrag 196).



Ich werde, nachdem wir unser Grundlagen-Wissen etwas gefestigt haben, dann Ergänzungen zur Liste Schubert anbringen und die Liste Schubert vergleichen mit anderen Listen/Studien, z.B. Haas 1905 oder Life 1954. Wir haben also noch einen langen Weg vor uns, aber schliesslich haben wir auch ein grosses Ziel vor Augen: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt kennen zu lernen! - Eigentlich benötigten wir dazu mindestens ein Vierjahres-Vollzeit-Studium, aber wir können ja auch kleinere Brötchen backen. Weitere Ziele habe ich in Beitrag [#191] aufgelistet.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 03.08.2017 22:49:31 Gelesen: 238948# 198 @  
Guten Abend,

wenn wir fragen, aus welchen Ländern denn vorwiegend die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt kommen, so können wir festhalten:

Gemäss Studie Schubert (Beitrag [#2]) bzw. Senf Katalog 1912 schafften es 9 Länder mit 4 oder noch mehr Marken unter die 101 am höchsten bewerteten Briefmarken:

12 Marken: USA
8 Marken: Confederate States of America
... und Grossbritannien
6 Marken: Rumänien
5 Marken: Mauritius
... Britisch Guiana
... Schweiz
... und Ceylon
4 Marken: Afghanistan

Wir wissen, dass einige wichtige (teure) Marken auf dieser Liste fehlen, trotzdem ist die Tabelle natürlich sehr aufschlussreich.

Die Spitzenstellung von British Guyana wurde an den Ferrary-Auktionen dann auch voll bestätigt mit einigen sehr hohen Preisen!

Auf der Liste Schubert erreichten zwei weitere Marken von British Guyana den 18. Platz: (2.500 Mark 1912+1913):

1850 Ausgabe, 4 Cents, Senf Nr. 2, "strohgelb"
1856 Ausgabe, 4 Cents, Senf Nr. 11, "schwarz auf dunkelblau"

Michel bewertete diese Marken 2010 wie folgt:

1850 Ausgabe, 4 Cents, Michel Nr. 2a, "zitronengelb" * = Euro 70'000
.... oder Michel Nr. 2c "mattgelb" * = Euro 85'000
1856 Ausgabe, 4 Cents, Michel Nr. 11a, "schwarz auf blau", gest. = Euro 70'000
.... oder Michel Nr. 11b, "schwarz auf dunkelblau", gest. = Euro 95'000

Im XX. Jahrhundert gab es eine Reihe grosser British Guyana-Sammlungen:

1909 Mirabaud, 1922 ff Ferrary, 1932 Manus, 1934 Hind, 1942 Webster, 1944 Yardley, 1957 Caspary, 1961 Cheung, 1963 Burrus, 1969 Boyd Dale Lichtenstein, 1969 Townsend, 1970 Small, 1975 Auktion Robson Lowe Geneva, 1980 Auktion Siegel.

Danach gewann John E. Du Pont 1986 mit seiner märchenhaften Sammlung an der Ameripex 1986 in Chicago den Grand Prix International.

Danach kehrte mehr oder weniger "Ruhe" ein, bis - 28 Jahre später! - David Feldman eben diese legendäre Sammlung Du Pont verkaufen durfte. Das war ein Aufsehen-erregender Verkauf.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 03.08.2017 23:35:50 Gelesen: 238937# 199 @  
@ Heinz 7 [#198]

Die Auktion "Du Pont British Guyana" beinhaltete fast alles, was das Herz begehrt:

Los 60000: 1850, 2 Cents, black on pale rose, gestempelt: Estimate Euro 100'000
Los 60003: 1850, 4 Cents, black on lemon-yellow, auf Brief: Estimate 20'000
Los 60029: 1850-51, 4 Cents, black on pale yellow, viereckig, gestempelt: Estimate 30'000
Los 60030: 1850-51, 4 Cents, black on pale yellow, auf Brief: Estimate 120'000
Los 60085: 1856, 4 Cents, black on dark blue, gestempelt, achteckig: Estimate 40'000
Los 60086: 1856, 4 Cents, black on blue, gestempelt, viereckig: Estimate 40'000
Los 60087: 1856, 4 Cents, black on blue, gestempelt, achteckig: Estimate 20'000
Los 60088: 1856, 4 Cents, black on blue, gestempelt, achteckig: Estimate 10'000
Los 60089: 1856, 4 Cents, black on blue, auf Brief, achteckig: Estimate 150'000



Hier Los 60089, welches den höchsten Preis erzielte.

Diese Schätzpreise wurden meist weit übertroffen:
Los 60000: 1850, Estimate Euro 100'000 - Zuschlag Euro 190'000 + 20 % = Euro 228'000
Los 60003: 1850, Estimate Euro 20'000 - Zuschlag 55'000 + 20 % = Euro 66'000
Los 60029: 1850-51, Estimate Euro 30'000 - Zuschlag 90'000 + 20 % = Euro 108'000
Los 60030: 1850-51, Estimate Euro 120'000 - Zuschlag 80'000 + 20 % = Euro 96'000
Los 60085: 1856, Estimate Euro 40'000 - Zuschlag 80'000 + 20 % = Euro 96'000
Los 60086: 1856, Estimate Euro 40'000 - Zuschlag 170'000 + 20 % = Euro 204'000
Los 60087: 1856, Estimate Euro 20'000 - Zuschlag 150'000 + 20 % = Euro 180'000
Los 60088: 1856, Estimate Euro 10'000 - Zuschlag 80'000 + 20 % = Euro 96'000
Los 60089: 1856, Estimate Euro 150'000 - Zuschlag 240'000 + 20 % = Euro 288'000

Du Pont hatte also offenbar gar keine ungebrauchte Michel Nr. 2, aber die Resultate waren beeindruckend. Ich weiss nicht, ob Michel danach die Preisnotierungen im Katalog erhöhte!

British Guyana war also international wieder sehr gefragt, auch 2014, 101 Jahre nach der Studie Schubert. Das Beste verliert eben selten seinen Wert!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.08.2017 14:35:41 Gelesen: 238851# 200 @  
Beitrag [#199]

Es ist sicherlich gerechtfertigt, diesen Verkauf "Du Pont British Guyana, David Feldman 2014" etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Verkauf brachte ein sensationelles Ergebnis. Die 131 Lose wurden zu Euro 5'401'150 verkauft, das heisst also im Durchschnitt kostete jedes Los Euro 41'230 + 20 % Zuschlag! Dazu wissen wir, dass die teuerste Marke, die einmalige British Guyana, 1 Cent, gleichzeitig bei Sotheby's New York für ca. US$ 9 Millionen verkauft wurde, so ergibt sich in der Summe, für die ganze Sammlung, ein Wert von ca. 14 Millionen Euro. - Es gibt nicht viele Sammlungen, die so teuer sind oder je so teuer waren.

Man muss sich das einmal vorstellen: Nicht weniger als 13 Lose erreichten Euro 100'000 oder mehr, gar 36 Lose erreichten oder übertrafen die Marke von Euro 50'000! Die drei höchsten Zuschlage habe ich in Beitrag 199 erwähnt: Los 60089 und Los 60000 und Los 60086.

Das Auktionshaus war äusserst "bescheiden" in die Auktion gegangen: Der untere Schätzpreis für die 131 Lose war "nur" etwas mehr als eine Million Euro. Dass danach ein "Feuerwerk" an Bieterschlachten abbrannte, darüber gibt es viele Zeugen. Es ist allerdings eine gut bekannte "Masche", einige Lose eindeutig zu tief anzusetzen. Diverse Startpreise auch an dieser Auktion sind daher nicht wirklich ernst zu nehmen, sie wurden viel zu tief angesetzt! Andere Lose, die realistisch angesetzt sind, profitieren dann oft von dem "Auktionsrausch", wenn "das Feuer" dann erst einmal die Auktionsteilnehmer entzündet hat.

Die Einschätzung des wahren Wertes gelingt nur den wahren Kennern der Materie.

Anbei noch zwei besonders schöne Lose aus der Auktion.



Es sind dies die Lose 60004 + 60005, Michel Nummern 3; Erstausgabe 1850, 8 Cents, gestempelt. Die Marken hatten einen Katalogwert (damals) von GB£ 11'000, ausgerufen waren sie mit Euro 4'000 bzw. Euro 3'000. Die Zuschläge waren dann schwindelerregende Euro 70'000 bzw. Euro 80'000. Dabei sind die Marken gestempelt! Die ungestempelten sind noch deutlich höher bewertet, aber Du Pont hatte offenbar keine. Bei Schubert ist diese Marke (Senf Nr. 3) bewertet mit Mark 2'000, was zum 24. Platz reichte. Allerdings gilt dieser Preis (bei Schubert) für die ungestempelte Marke!

Die zwei Lose waren 2014 also bestimmt teuer! Aber dem Zauber von seltenen Erstausgaben erliegen viele Sammler.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 05.08.2017 11:02:07 Gelesen: 238716# 201 @  
@ Heinz 7 [#197]

Von den Briefmarken, die im Senf 1912/1913 mit 2500 Mark bewertet wurden, fehlen uns nur noch zwei, die wir noch nicht vorgestellt haben. Wobei wir die USA, Senf Nr. 40 I. in einem anderen Thema ausführlich besprochen haben, siehe "Kopfstehende Marken", Beitrag 22 von "Merkuria"

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=8987#newmsg

Hier noch ein Bild des Exemplares aus der Sammung Ishikawa



Seine grossartige Sammlung wurde 1993 bei Christie's verkauft und wie sehen hier dieselbe Angabe, wie sie Jacques schon machte: von der ungestempelten Marke sind nur 7 Stück registriert.

Im Michel Raritäten Katalog 2010 ist die Marke nicht gelistet (weil Abart), es müsste aber wohl die Michel 34 K sein. Im Scott trägt sie die Nummer 121 b und hatte einen Katalogwert von US$ 210'000 (ungestempelt, gest. US$ 65'000; Scott-Katalog 2000).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.08.2017 17:30:48 Gelesen: 238527# 202 @  
@ BD [#2]

1912 notierte Senf (wie 1913):

"Mauritius; 1859. Kopf der Königin mit grossem Stirnreif; rechts MAURITIUS von unten nach oben (12 Typen)"

... und bewertete sie wie folgt für ungebraucht / gestempelt: Mark 2500.- bzw. 500.-

Damit schaffte diese Briefmarke den Sprung unter die ersten 20 bei der Liste Schubert (18., zusammen mit 4 anderen Marken). Diese Marke ist ungebraucht extrem selten. Sie ist relativ primitiv in der Herstellung (es ist die nachgestochene Platte der Senf/Michel Nr. 4; sogenannte Sherwin-Platte).

Bei Michel wird die Marke hoch bewertet ungebraucht, gestempelt aber nicht sehr (2010):

Euro 120'000 bzw. 5'500. Es ist die Michel Nummer 6. Bei Stanley Gibbons trägt sie die Nummer 40! (Hinweis: So detailliert erfasste Stanley Gibbons die (Michel) Nrn. 3 und 4: die ersten "POST PAID"-Ausgaben von 1848 erhielten bei SG die Nrn. 3-35!)

Von der Sherwin-Marke gibt es ungestemeplt nur 5 Einheiten: ein Paar und vier Einzelstücke. Das meines Wissens schönste Stück kam 1993 zur Auktion, bei der einmaligen Kanai-Sammlungs-Auflösung.



Diese Marke erzielte an der Auktion CHF 130'000 + 15 % = CHF 149'500; der Katalogpreis von Euro 120'000 vermutlich (auch) an diesem Ergebnis ausgerichtet. Der Startpreis war CHF 100'000 (Los 202).

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.08.2017 00:29:32 Gelesen: 237981# 203 @  
@ BD [#2]
@ Heinz 7 [#197]

Ich freue mich, dass wir die ersten 22 Positionen der Liste Schubert "abgearbeitet" haben. Auf Platz 23 folgt eine Marke, welche den deutschen Lesern bekannt sein dürfte; der berühmte Sachsen-Fehldruck!

Von der Sachsen-Ausgabe 1851 König Friedrich August II., 1/2 Neugroschen, gibt es einen Fehldruck in der Farbe "schwarz auf hellblau" (statt: "schwarz auf grau"). Vermutlich wurden 60 Stück von diesem Fehldruck hergestellt; der Bogen soll dann in sechs Zehnerblocks aufgeteilt worden sein.

Gestempelt/gebraucht gibt es diese Marke nicht (echt), und ungestempelt wurde sie früh sehr hoch bewertet (Senf 1912+1913: Mark 2'200). Damit schaffte es die Marke auf Platz 23 bei Schubert. Es ist dies die dritte Abart auf dieser Liste nach dem Baden-Farbfehldruck (10. mit Mk. 3000) und dem Stück USA mit dem kopfstehenden Mittelstück (18. mit Mk. 2500) (siehe Beitrag 201).

Wie hoch der Katalogwert der Sachsen 3 F im Michel 2010 ist, weiss ich nicht, weil die Marke im Raritätenkatalog der Welt nicht aufgeführt ist (da Abart). Im Scott 2000 war die Marke mit US$ 18'000 katalogisiert. Damit hat sich die Marke seit 1912 weniger stark entwickelt als andere Marken.

Das absolute Highlight dieser Marke ist natürlich der einzige noch existierende Teilbogen à 10 Stück.



Er wurde an der 7. Boker-Auktion im März 1988 in Wiesbaden angeboten und ausgerufen mit stolzen DM 500'000 (Los 372). Der Zuschlag erfolgte bei DM 505'000 + 15 % Zuschlag. Damit gehört diese Einheit natürlich zu den teuersten Einheiten der deutschen Philatelie.

Es gibt noch weitere sehr teure grössere Einheiten bei Altdeutschland. Als Einzelmarke schaffte es der Sachsen-Fehldruck aber heute nicht mehr unter die allerteuersten weltweit. Da haben ihr andere Raritäten den Rang abgelaufen...

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.08.2017 22:55:18 Gelesen: 237818# 204 @  
@ Heinz 7 [#203]

Als Ergänzung zum Beitrag [#203]: Der Sachsen Fehldruck Michel 3 F * hat einen Katalogwert von Euro 20'000 (Michel 2017), so wurde mir mitgeteilt (danke!).

Der Sachsen Fehldruck Mi 3 F ist bei Senf 1912 als dritthöchste Abart bewertet. Haas machte 1905 eine eigene, sehr wertvolle Zusammenstellung "Die hundert seltensten Marken nach ihrem Seltenheitsgrade geordnet". In dieser Hauptliste wurden weder Lokalmarken, noch Abarten aufgenommen.

Auf Seite 480/481/482 schloss Haas dann aber eine Ergänzungsliste an, in der die Fehldrucke ebenfalls, separat aufgelistet wurden! Wir finden dabei:

3. Baden, I. Ausgabe, 9 Kr. grün (statt rosa) (siehe Beitrag 152 und 59)
6. Sachsen 1851, 1/2 Ngr. blau (statt grau)
7. Vereinigte Staaten 1869, 30 C. mit verkehrtem Mittelstück (siehe Beitrag 170)
8. Kap der guten Hoffnung 1861, 1 P, blau, sog. Holzschnitt (siehe Beitrag 201)
10. Vereinigte Staaten 1869, 24 C. mit verkehrtem Mittelstück (siehe Beitrag 170)

(Die Plätze 1-2-4-5-9 werde ich später noch besprechen).

Ich habe schon erwähnt, dass sich der Sachsen Fehldruck wertmässig seit 1912 in den rund 100 Jahren seither nur relativ schwach entwickelt hat. Diese Marke galt also anfangs des XX. Jahrhundert deutlich mehr als anfangs des XXI. Jahrhundert.

Ich habe im Auktionskatalog von Köhler 1988 gelesen, dass der Zehnerblock erstmals 1923 in die grosse Aufmerksamkeit der Philatelisten rückte, anlässlich der 6. Ferrary-Auktion. Als Los 553 wurde damals genau dieser Zehnerblock angeboten, und teuer verkauft! 41'000 Franz. Francs + 17.5 % bezahlte der Käufer; es war der grosse Sammler Arthur Hind!

Dieses Los 553 brachte immerhin das 38. höchste Resultat aller Einzellose aller Ferrary-Auktionen ein. Wird das damalige Ergebnis (1923) in Schweizer Franken umgerechnet (= CHF 18'018/?*) und mit 3% hochgerechnet, so errechnen wir einen "Wert" von CHF 122'500* per Ende 1987 (64 Jahre später). Das Ergebnis der Boker-Auktion 1988 (Zuschlag-Preis: DM 505'000) war dann also deutlich höher.

Der Sachsen-Zehnerblock ist also zweifellos ein Stück "für die Gallerie"; es gibt nicht viele Einheiten, die jemals höher bewertet wurden.

* Diese Werte möchte ich noch verifizieren.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.08.2017 18:33:01 Gelesen: 236791# 205 @  
@ Heinz 7 [#198]

Ich würde Euch ja liebend gerne eine British Guiana (Michel Nr. 2) ungebraucht zeigen. Es ist aber so, dass ich bis jetzt noch keine gefunden habe!

Wir haben gesehen, die Briefmarke ist gestempelt nicht so hoch bewertet (2a Euro 8500, 2b Euro 7500, 2 c Euro 9500), aber ungestempelt sehr hoch (70'000 - 46'000 - 85'000 Euro für die drei Varianten schwarz auf zitronengelb, auf orange und auf mattgelb/sehr dünnes, hartes Papier).

Wir dürfen also annehmen, dass alle drei Marken ungebraucht existieren. Aber die Sammlung Du Pont hatte offenbar keine (siehe David Feldman-Auktion 2014). Und die Sammlung Burrus auch nicht! (Robson Lowe November 1963).

Nun gibt es ja viele weitere British Guiana-Sammlungen (ich kenne etwa 2 Dutzend davon), aber ich hatte noch nicht die Möglichkeit, meine vielen Auktionskataloge danach zu durchforsten.

Übrigens hat Stanley Gibbons diese Marken anders nummeriert:

Michel 2 b = Stanley Gibbons 2 (orange)
Michel 2 a = S.G. 3 (lemon-yellow)
Michel 2 c = S.G. 8 (pale yellow on pelure paper) (1851)

Robson Lowe hat im Auktionskatalog "Burrus" vier Drucke unterschieden:

first printing = thin frame, type A1 only, Smooth surfaced paper
second printing = thick frame, types A2 and B, Smooth surfaced paper
third printing = thick frame, types A2 and B, Thin pelure paper
fourth printing = thick frame, types A2 and B, Stout rough surfaced paper.

Burrus hatte 22 "Cottonreels"-Ausgaben aller 4 Druckstufen, aber keine ungebrauchte 4 Cents.
Die königliche Sammlung (England) hat(te) 14 "Cottonreels"-Ausgaben, (darunter alle 3 Varianten der 4 Cents), aber keine ungebrauchte 4 Cents
Yardley hatte (nur) 3 "Cottonreels"-Ausgaben, aber keine ungebrauchte 4 Cents*. - u.s.w.

*(Yardley besass aber eine VIERECKIGE 4 Cents-Marke, die 1944 dann in die königliche Sammlung überging!)

Mit einer schönen gestempelten Marke möchte ich aber heute abschliessen



Es ist Los 60001 der DuPont-Auktion. Sie hat die "Kleinigkeit" von Euro 42'000 gekostet (plus Aufgeld, vermutlich +20%). Das ist bei einem Katalogwert von weniger als Euro 10'000 (2010) nicht wenig. Der Startpreis war also unnötig tief (Euro 5'000), aber wenn wir die Katalogpreise betrachten, auch nicht völlig falsch.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.08.2017 22:59:08 Gelesen: 236734# 206 @  
Nachtrag zu [#198]

Ich habe erwähnt, dass Grossbritannien bei Schubert mit 8 Marken unter den ersten 101 sehr prominent vertreten war. Die Dienstmarke 1885, Senf Nr. 47, I.R.OFFICIAL, 1 Pound braunviolett, notierte bei Senf 1913 mit sehr hohen Euro 2000 (ungebraucht) bzw. 1600 (gestempelt). Mit diesem Wert (2000) erreichte diese Marke Platz 24 (zusammen mit 5 anderen Marken).



Im Michel Katalog (2010) finden wir die Marke schnell, sie hat dieselbe Nummer wie Senf 97 Jahre früher: Mi D 47. Ihr Katalogwert ist (2010) Euro 30'000 bzw. 16'000. Diese Marke hat sich also über die letzten 100 Jahre nicht sehr stark entwickelt. Bei einer Wert-Entwicklung von 3% pro Jahr (nominal) ist eine Marke von 1000 hundert Jahre später 19'219 wert.

Ich habe noch nicht untersucht, ob 1913 2000 Mark oder 2010 30'000 Euro mehr wert waren, bei einer Wertentwicklung von 3 Prozent pro Jahr, aber im Vergleich zu anderen Marken hat sich diese Dienstmarke nicht überdurchschnittlich entwickelt.

Die gezeigte Marke wurde im Jahr 2005 aber deutlich teurer verkauft! Bei Spink London erreichte sie am 9.3.2005 ein Ergebnis von GB£ 26'000 plus 15 % Zuschlag! Das entsprach damals ca. Euro 43'760 (gemäss Umrechnung im Buch Bolaffi). Euro 43'760 ist immerhin fast 46 % über dem Katalogwert!

Diese Marke wäre vielleicht neu zu bewerten im Michel-Katalog? Oder vielleicht war das Ergebnis bei Spink 2005 ein "Ausreisser nach oben"? - Vielleicht können wir das noch etwas studieren.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.08.2017 16:58:19 Gelesen: 236606# 207 @  
Nachtrag zu [#205]

Ich stütze mich auf die Publikation "Statistisches Monatsheft" und "Historische Zeitreihen" der Schweizerischen Nationalbank vom November 2007, wenn ich Fremde Währungen umrechne oder Geldentwertungen berechne.

Es ist ein äusserst schwieriges Unterfangen, ein Resultat z.B. der Auktionen von Ferrary 1921-1925 mit demjenigen späterer Verkäufe (z.B. Burrus 1962-1967 oder Boker Altdeutschland 1985-2000) zu vergleichen. Währungen und Zinsen (real und nominal) haben sich in den verschiedenen Gebieten völlig anders entwickelt. Es spielt eine grosse Rolle, WELCHEN Ansatz man wählt, in welcher Währung man rechnet, u.s.w.

Die Methode: "Umrechnung des Ergebnisses in Schweizer Franken und jährliche Verzinsung des Wertes" liegt mir als Schweizer Bürger natürlich nahe und eignet sich meines Erachtens auch gut, weil die Schweiz doch ein wirtschaftlich stabiles Land war und ist. Seit 1900 gab es in der Schweiz keine Hyperinflationen und die Währung war stabil.

Ich habe die Werte für GB£ und US$ seit Januar 1914 und alle möglichen Zinssätze für die Schweiz seit 1900. So kann ich Werte des XX. Jahrhunderts umrechnen in CHF und danach verzinse ich sie; so gelange ich zu Vergleichswerten.

Das XXI. Jahrhundert ist ökonomisch eine "völlig andere Welt", verglichen mit den vielen Jahrzehnten davor. Negativ-Zinsen auf breiter Front ist etwas, mit dem sich die Ökonomen erst gründlich auseinandersetzen müssen. Es scheint mir aber angezeigt, heute mit anderen Ansätzen (weiter) zu rechnen, als die hundert Jahre zuvor. Das macht die Sache nicht einfacher.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.08.2017 18:06:13 Gelesen: 236585# 208 @  
@ BD [#2]

Auf unserem Weg, die ersten 30 der Liste Schubert vorzustellen, kommen wir zum zweiten Mal auf eine Briefmarke aus der Schweiz zu sprechen. Nachdem wir, vielleicht eher überraschend, die "Waadt 4" auf dem höchsten Platz 1913 vorgefunden haben, darf ich heute eine wohlbekannte Briefmarke vorstellen: die berühmte Doppelgenf!



Hier sehen wir gleich drei Exemplare: eine ungebrauchte (aus der oberen rechten Bogenecke!), eine gestempelte und eine verkehrt geschnittene!

Die Doppelgenf konnte ja für zwei Zwecke eingesetzt werden: Nahbereich: 5 Centimes; dazu genügte eine halbe Doppelgenf; Fernbereich: 10 Centimes = eine ganze Marke. Die Marke war natürlich noch ungezähnt. Nun kam es einige Male vor, dass der Postbeamte (oder der Absender) eine Doppelgenf falsch schnitt: anstatt links/rechts (mit intakter Inschrift oben) wurde rechts/links (mit zerschnittener Inschrift oben) abgegeben und auch verwendet. Diese sogenannten "inverti" sind sehr selten; es gibt nur eine Handvoll davon, allerdings auch zwei senkrecht zusammenhängende halbe Doppelgenf, u.s.w. - auch das gibt es.

Nun ist es meines Erachtens ein Fehler, die "Inverti" als eigene Marke aufzuführen, wie Schubert 1913 es tat. Die Inverti ist streng genommen ein Einheit von zwei (zusammenhängenden) Marken: Michel 1 HR + Michel 1 HL zusammenhängend. Sie gehört daher nicht auf die Liste der seltensten EINZEL-Marken! Sonst müssten wir auch andere Paare mit berücksichtigen, zum Beispiel Paare mit einer Marke kopfstehend, sogenannte "tête-bêche"-Paare. Davon gibt es mehrere sehr teure! Doch davon später.

Betrachten wir die Notierungen in Senf 1913:

Genf Senf 1. 5+5 C. gelbgrün, Doppelmarke: 1600.- (*) bzw. 650.- (gest.) Mark
Genf Senf 1I. 5+5 C. verkehrt: 2000.- (*) bzw. 700.- (gest.)
Genf Senf 2. 5 C. gelbgrün (halbierte Nr. 1): 200.- (*) bzw. 110.- (gest.)

Damit erreichte die Doppelgenf bei Schubert den Platz 24 (1I.) und 31. (1.).

2010 wurden diese Marken wie folgt gelistet (Michel 2010, Raritäten):

Genf Michel 1: Euro 65'000 (*) bzw. 40'000 (gest.)
Genf Michel 1 HL/1 HR: Euro 20'000 (*) bzw. 8'000 (gest.)

Die "Inverti" ist im Michel Raritäten-Katalog erwähnt, aber nicht bewertet.

Der Blick in den Händler-Katalog der Schweiz (SBK) zeigt folgendes Bild:

Nr. 3: CHF 100'000 (*) bzw. 55'000 (gest.)
Nr. 4L/4R: CHF 32'000 (*) bzw. 10'000 (gest.)
Nr. 3/vw: verkehrt geschnitten, waagrecht: 100'000 (gest.)
Nr. 3/vs: verkehrt geschnitten, senkrecht: 225'000 (gest.)

Ungebraucht werden diese 2 Spezialitäten nicht gelistet, obwohl sie theoretisch aus Paaren oder grösseren Einheiten fabriziert werden können.

Die obigen 3 Lose stammen übrigens aus der Auktion vom 8.12.1989, als Harmers of New York in Zürich die Sammlungen von Louise Boyd Dale und Alfred F. Lichtenstein verkaufen konnte (in Zusammenarbeit mit Harmers Auctions S.A., Lugano).

Die drei Lose erzielten gute Resultate:

Los 15: CHF 60'000 + 15 % = CHF 69'000
Los 16: CHF 34'000 + 15 % = CHF 39'100
Los 17: CHF 80'000 + 15 % = CHF 92'000

Diese Resultate liegen jetzt aber auch schon wieder fast 28 Jahre zurück. Aber so schöne Exemplare wie hier, sieht man nur sehr selten.

Heinz
 
StefanM Am: 14.08.2017 08:28:08 Gelesen: 236495# 209 @  
Hallo Heinz,

ich möchte nur einmal zum Ausdruck bringen, wie sehr ich deine Beiträge hier schätze. Ein großes Dankeschön dafür.

Die Analyse und Betrachtung des Marktes von Raritäten hat zwar für die meisten eher einen akademischen Wert, doch eröffnet deine Herangehensweise Perspektiven, die ich zuvor noch nie bedacht habe und die auch die Beschäftigung mit philatelistischer Materie außerhalb meiner Reichweite sehr interessant macht.

Gruß
Stefan
 
bayern klassisch Am: 14.08.2017 09:02:50 Gelesen: 236485# 210 @  
+ 1 !
 
Richard Am: 14.08.2017 09:33:09 Gelesen: 236472# 211 @  
@ Heinz 7 [#206]

Im Michel Europa Katalog (2010) finden wir die Marke schnell, sie hat dieselbe Nummer wie Senf 97 Jahre früher: Mi D 47. Ihr Katalogwert ist (2010) Euro 30'000 bzw. 16'000

Hallo Heinz,

im Michel Europa 1016 ist der aktuelle Katalogwert mit Euro 60.000 für * und Euro 25.000 für o angegeben.

Schöne Grüsse, Richard
 
Heinz 7 Am: 14.08.2017 12:53:28 Gelesen: 236433# 212 @  
@ StefanM [#209]
@ bayern klassisch [#210] und [#25]
@ Richard [#211]

Lieber Stefan,
lieber Ralph,

vielen Dank für die anerkennenden Worte.

Es hat mich selber fasziniert, wie aufschlussreich solche Studien sind. Ich habe solche vor vielen Jahren schon einmal durchgeführt; sie haben mir wesentlich geholfen, als ich ein neues Sammelgebiet suchte und mich aufgrund der Erkenntnisse meiner Studien auf "Rumänien" festlegte. Rumänien war zum Zeitpunkt, als ich meine neue Sammlung anfing, sehr attraktiv; als Land top, 1A, mit vielen hochwertigen Raritäten, im aktuellen Preisgefüge (damals) aber stark unterbewertet!

In den letzten 25-30 Jahren hat sich dann Rumänien preislich stark entwickelt. Ich konnte vor vielen Jahren einige "Raketen" kaufen, die ich mir heute nicht mehr leisten könnte. Ich habe Weltklasse-Stücke bekommen zu relativ sehr günstigen Preisen. So konnte ich eine Weltklasse-Sammlung aufbauen, mit Mitteln, die mir bei anderen Top-Gebieten "nirgendwohin" gereicht hätten.

Das ist mein ganz konkreter Nutzen meiner Studien. Ich habe dabei aber sicherlich auch Glück gehabt. Andere Gebiete haben eher "geflopt" und sich eher negativ entwickelt. Zudem ist mein konkreter Nutzen aber auch nur theoretisch, denn ich will meine Stücke ja nicht verkaufen, sonst habe ich keine schöne Sammlung mehr.

Als zentrale Erkenntnisse meiner Studien möchte ich aber sagen:

a) gute Briefmarken hatten immer schon einen beachtlichen Wert! (Ausnahme: früher nicht erkannte Raritäten). Ich spreche hier für die Zeit ab 1900 bis heute. Zahlen des XIX. Jahrhunderts sind zwar auch interessant, aber es wird dann sehr kompliziert und mit vielen "wenn und aber". Ausserdem waren die Philatelisten damals noch stark auf der Suche und wussten vieles noch nicht.
b) gute Briefmarken waren in ihrem Wert SEHR OFT erstaunlich stabil! Unglaublich stabil sogar, vielleicht mehr als alles andere auf der Welt! Selbst Gold schwankte in den letzten 120 Jahren im Wert oft stärker als ausgewählte Briefmarken! Das gibt natürlich Vertrauen in die kleinen Papierchen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 14.08.2017 15:32:22 Gelesen: 236389# 213 @  
@ Richard [#211]

Lieber Richard,

ich realisiere erst jetzt, dass Du mir den Wert der Great Britain, I.R. Official (Michel D 47) geliefert hast.

Ich sehe mit Erstaunen, dass Michel den Preis offenbar stark erhöht hat!

2016 = 200 % von Michel 2010 *
2016 = 156 % von Michel 2010 gest.

Solche Preiserhöhungen sind ungewöhnlich, doch nehme ich an, dass der neue Preis gut abgestimmt (begründet) ist.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 14.08.2017 21:13:25 Gelesen: 236339# 214 @  
Nachtrag zu Beitrag [#207]

Wenn ich heute die beiliegenden hübschen "Münzkarten" zeige, dann bedeutet dies nicht, dass ich nun auch zu den Numismatikern gewechselt habe (wie so mancher Briefmarkenauktionator!) sondern ich zeige diese Karte, um auf die Währungssituation anfangs des XX. Jahrhunderts hinzuweisen. Vielen Lesern dürfte dies kaum bekannt sein.



Die Karte wurde meines Wissens ca. 1905 produziert und zeigt uns Interessantes:

20 Schweizer Franken hatten den Wert von 16 Mark und 20 Pfennig
20 Schweizer Franken hatten aber auch den Wert von 20 Französischen Francs oder 20 Italienischen Lire!
20 Schweizer Franken hatten den Wert von 7 Rubel 50 Kopeken

Dazu muss man wissen, dass 1865 einige Länder der sogenannten "Lateinischen Münzunion" gründeten: Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz gründeten die "L.M.", der sich 1868 auch Griechenland anschloss. Die Währung war an Silber und Gold gebunden. Sie wurden zum frei umlaufenden und allgemein akzeptierten Zahlungsmittel innerhalb der Staaten der Union.

Das Deutsche Reich übernahm 1871 den Goldstandard. Silbermünzen wurden zuhauf liquidiert, aber das Gold wurde knapp. So verschoben sich die früher festgelegten Wertverhältnisse (ursprünglich galt ein Gold-Silber-Verhältnis von 1:15,5). Auch die Länder der L.M. stellten darum ab 1880 die Prägung von Silbermünzen ein. So galt auch für die L.M. faktisch nur noch das Gold als Wert-Vergleichs-Masstab. Aber bis zum 1. Weltkrieg bestand die L.M. fort, und erst 1920 kam es zu Auflösungserscheinungen. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges kam auch der sogenannte Goldstandard schwer unter Druck.

Noch 1910 galt für Standardgoldmünzen folgende Umrechnungen(siehe: Liste der Wechselkurse (Goldstandard), gemäss Wikipedia):

Schweiz: 1 Franken = 0.81 Gold-Mark
Frankreich: 1 Franc = 0.81 Gold-Mark
Griechenland: 1 Neudrachme = 0.81 Gold-Mark
Belgien: 1 Franc = 0.81 Gold-Mark
Italien: 1 Lira = 0.81 Gold-Mark

Es stimmt also alles!

Besonders interessant für mich ist natürlich, dass auch Rumänien in diesem festen Verbund seinen Platz hatte. Das zeigt nicht zuletzt die oben gezeigte Münzenkarte Rumänien! Die Standardgoldmünze für Rumänien 1910 war der "Carlo d'or" = 20 Lei. Sein Wert wurde mit 16.20 Mark angegeben, also genau dieselbe Relation 1 = 0.81.

NACH dem Jahre 1920 wird alles komplizierter. Doch davon später.

Heinz
 
10Parale Am: 14.08.2017 22:35:19 Gelesen: 236312# 215 @  
@ Heinz 7 [#208]

Ich wohne ja nur einen Katzensprung oder eine S-Bahn-Fahrt entfernt von der währungsstabilen Schweiz und lese deine Beiträge hier mit großer Begeisterung. Wahrlich, ich verstehe nicht alles und grüble im Moment noch sehr über die Rolle der Zinsen bei der Umrechnung von Auktionsergebnissen früherer Zeiten in vergleichbare Werte von heute.

Zu deinem Beitrag über die berühmte Doppelgenf der Schweiz zeige ich noch einen 20-er Block aus dem Bogen mit dieser schönen Gebrauchsanweisung in französischer Sprache. Er befindet sich wohl in Privatbesitz. Der einzig noch erhaltene Bogen dieser wunderschönen Marke soll sich im Postmuseum in Genf befinden.

Wie ich nachlesen konnte, ist dieser Bogenabschnitt zuletzt 1929 gehandelt worden und dann im Privatbesitz verschwunden. Einer der Vorbesitzer war der nicht weniger berühmte Sammler Henry J. Duveen (1856-1919).

Ich freue mich über weitere spannende Berichte und Analysen, super.

Liebe Grüße

10Parale


 
Heinz 7 Am: 15.08.2017 00:06:45 Gelesen: 236292# 216 @  
@ 10Parale [#215]
@ BD [#132]

Lieber 10 Parale,

Du zeigst uns hier ein Superstück der Schweizer Philatelie, ganz klar. Grosse Blockstücke von Kantonalmarken sind grosse Seltenheiten. Ich werde das Stück irgendwann gerne einmal besprechen, ich kenne es.

Wenn wir nach der Liste Schubert vorgehen, so finden wir diese Marke aber nicht auf seiner Liste. Mit einem Katalogwert von nur 90 Mark (ungestempelt) erreichte die Senf Nr. 5 die Mindestlimite von 100 Mark knapp nicht, um auf die Liste aufgenommen zu werden.

Bernd zeigte uns, dass gemäss Studie Schubert 1049 Marken fand, die im Senf mit Mark 100 oder höher bewertet wurden. Unsere schöne Genfer Marke schafft es also nicht einmal unter die "Top 1000"! - Aber im grossen Bogenteil ist sie dennoch sehr teuer.

Ich werde dies auch an anderen Beispielen zeigen können.

Doch vorerst möchte ich Euch zumindest die Top 30 der Liste Schubert fertig vorstellen.

Aber nicht mehr heute.

Zu Deiner Frage betreffend Zinsen: Ich möchte Auktionsergebnisse und Katalogpreise aus ganz verschiedenen Jahren miteinander vergleichen. Im Zeitverlauf gibt es aber eine Geldentwertung (wenigstens galt dies für die Jahre 1900-2010). Ein Schweizer Franken 1960 hat klar mehr Wert als ein Schweizer Franken 2000. Um einen Vergleich anzustellen, können (auch) Zinssätze als Aufrechnung in Betracht gezogen werden. Wie würdest Du vorgehen?

Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.08.2017 22:42:03 Gelesen: 236123# 217 @  
Nachtrag zu [#196]

1913 war die "Waadt 4" 2500 Mark wert. 2500 Mark entsprachen 1913 CHF 3'086 (vgl. Beitrag 214). Rechnen wir den Wert 1913 in den Wert Ende XX. Jahrhundert um (Ende 1999) oder nehmen wir das Jahr 2010, so müssen wir den Wert irgendwie vergleichbar machen.

Nehmen wir den Landesindex der Konsumentenpreise (= LIK) der Schweiz. Zum Glück finden wir offizielle Zahlen. https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/preise/landesindex-konsumentenpreise.gnpdetail . Wir finden Zahlen für 1914-2016, und, separat 1899-1913. Damit lässt sich arbeiten.

Am 1.1.1900 stand der Index (1914) bei 84.3
am 31.12.1999 stand der Index (1914) bei 952.2
Das ist eine Steigerung von 1129.5 %
das ist pro Jahr eine Verzinsung von 2.154 % pro Jahr.

Natürlich verlief in der Schweiz die wirtschaftliche Entwicklung und die Entwicklung der LIK nicht linear. Wenn wir es genau nehmen, sollten wir das XX. Jahrhundert in 6 Perioden teilen (mein Vorschlag):

1900-1914 = moderate Steigerung des LKI (ca. 1 %) = 15 Jahre
1915-1920 = Kriegsfolgen. Böse Preissteigerungen (ca. 14.5 %) = 6 Jahre
1921-1935 = Nachkriegszeit und Weltwirtschaftskrise; Preissenkungen (ca. - 3.5 %) = 15 Jahre
1936-1970 = Nach-Weltwirtschaftskrise und Nachkriegs-Wirtschaftswunder (ca. 3 %) = 35 Jahre
1971-1992 = Wirtschafts-Überhitzung und geopolitische Krisen, Währungskrisen (ca. 4 %) = 22 Jahre
1993-1999 = Ende Hochzinspolitik (ca. 1.5 %) = 7 Jahre.

Seit 2000 können wir ergänzen: Tiefzinspolitik!

Die risikolosen Zinsen in der Schweiz lagen in diesen 100 Jahren höher. Auch hierzu bestehen verlässliche Zahlenreihen der Schweizerischen Nationalbank. Die "Zinssätze für Spareinlagen" werden seit 1907 geliefert. Für die Jahre 1900-1906 verwende ich die Zahlen: "Rendite von Obligationen der Eidgenossenschaft". Diese liegen fast immer höher als die
"Zinssätze für Spareinlagen". Wurden am 1.1.1900 so CHF 1000 angelegt, so vermehrte sich theoretisch der Betrag bis 31.12.1999 auf CHF 26'823. Das gibt eine jährliche Durchschnittsrendite von 3.344 %. In den Jahren 1921-1935 wurden gute Zinsen bezahlt (zwischen 2.98 - 4.55 %), sodass Leute mit Geld doppelt profitieren konnten (da gleichzeitig sinkender LIK!). Für die Zeit 1936-1999 lagen dann die Zinsen für Spareinlagen gesamthaft UNTER der Entwicklung des LIK. Mit (sicheren) Schweizer Obligationen liess sich aber auch für diese Zeit eine ansehliche Rendite erzielen (4.15 % p.a.), die deutlich über der Zunahme des LIK lag.

Zu allen Zahlenreihen lassen sich Einwände finden. Man kann auch weitere Kennzahlen zu Rate ziehen, wie die Wirtschaftsleistung eines Landes (pro Kopf), aber wir müssen es uns nicht zu schwer machen.

Da die Zinsen auch in den Jahren 1921-1935 hoch lagen, halte ich es für vertretbar, für das GANZE Jahrhundert nur eine einzige Zahl zu verwenden. p = 3 (also 3 % pro Jahr) soll meine Berechnungsbasis sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für das XXI. Jahrhundert nehme ich (per heute) 4 Promille.

Dies bedeutet nun also, dass unsere Briefmarke "Waadt 4" wie folgt bewertet wird:

1913: CHF 3'086
1999: CHF 39'210
2010: CHF 40'970
oder 2016: CHF 41'963

Der Katalogwert der "Waadt 4" lag bei Euro 35'000 (Michel 2010). 2010 war der Euro noch hoch bewertet gegenüber dem Schweizer Franken 1.2806. Das heisst die Euro 35'000 ergaben CHF 44'821 (Ende 2010).

Damit können wir feststellen: die "Waadt 4" notiert "heute" (2010) 9.4 % höher als vor (rund) hundert Jahren (Senf 1913) und zählt damit zu den GEWINNERN der letzten 100 Jahre.

Notiz am Rande: Der Euro-Kurs ist heute deutlich tiefer: CHF 1.1054 per Juli 2017. Stieg der Michel-Kurs bis 2016? Wir könnten die Vergleiche auch auf 2016 aktualisieren, nur fehlen mir dazu die aktuellen Michel-Kataloge.

Ich hoffe, meine Berechnungen seien verständlich und überzeugend.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.08.2017 23:02:10 Gelesen: 236113# 218 @  
@ Heinz 7 [#217]

Wenn also im Katalog
Senf 1913 ein (Mark)-Betrag von 2'500 steht
dann ist bei Michel 2010 eine (Euro)-Betrag von Euro 31'993 notwendig, um die Geldentwertung bis 2010 zu kompensieren.

=> Der Faktor (nominal) ist also 12.8

Die Marken, die diesen Faktor übertreffen, haben im Wert ZUGELEGT, die Marken, die ihn nicht erreichen, haben im Wert VERLOREN. Es ist interessant, die Unterschiede bei den Marken der Liste Schubert zu sehen.

Nehmen wir die "Blaue Mauritius", (= die beste Marke nach Schubert): Beitrag 117
Senf 1913: Mk. 25'000
Michel 2010: Euro 625'000 (gestempelt)
Faktor 25

= klarer Gewinner!

Ich hoffe, alles sei verständlich und klar.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.08.2017 23:44:41 Gelesen: 236096# 219 @  
@ Heinz 7 [#218]

Nach so viel "Theorie" zum Abschluss noch ein konkretes Portrait. Die folgende Marke wurde bei Schubert an 24. Stelle klassiert (zusammen mit 5 anderen Marken). Es ist erfreulicherweise wieder eine Marke aus Europa:

1851. Österreich, Zeitungsmarke. 6 Kreuzer zinnoberrot. Senf Nr. 14. Wert: Mark 2'000 (für *)



Diese Michel Nr. 9 wurde 2010 wie folgt bewertet: Euro 40'000 (für *).

Sie erreicht also "unseren" Bewertungsfaktor 20 und zählt damit zu den Gewinnern der letzten hundert Jahre!

Diese gezeigte Marke ist aber etwas Besonderes: Es ist ein gestempeltes Stück! Davon sind NOCH weniger bekannt, als von den ungebrauchten, und der Katalogwert beträgt sogar Euro 100'000 (Senf 1913: -.- (nicht bewertet)). Das Stück wurde 2011 vom Hause Schwanke angeboten (333. Auktion), Los 135. Angeblich gibt es nur 7 gebrauchte Marken der Michel Nr. 9 und im Text ist vermerkt:

"Das Stück zeigt den typisch "engen" Schnitt, der bei allen bekannt gewordenen sieben gebrauchten Exemplaren auftritt".

Wir haben es hier also mit einer Weltrarität zu tun! Es wäre spannend, zu wissen, welches Resultat das Los erreichte. Wer weiss es?

Heinz
 
merkuria Am: 15.08.2017 23:52:58 Gelesen: 236090# 220 @  
@ Heinz 7 [#219]

Das Ergebnis bei Schwanke war 68'000 Euro!

Gruss
Jacques

https://www.philasearch.com/de/auction_results_table.html?set_anbieter=9255&set_auktion=84
 
Heinz 7 Am: 16.08.2017 12:55:10 Gelesen: 236001# 221 @  
@ merkuria [#220]

Lieber Jacques,

besten Dank für Deine Ergänzung. Wenn ich das richtig sehe, war dies der Zuschlagpreis, zu dem ja wohl noch ca. 20 % (?) Provision kamen. Damit wären wir bei Euro 81'600, also mehr als 80% des Katalogwertes.

Es gibt viele Briefmarkensammler, die rechnen für ihr Sammelgebiet mit 20 % des Katalogpreises, manchmal noch weniger. Es mag für sie interessant sein, dass für einige Gebiete (oder für besondere Raritäten) solches "Kleinrechnen" nicht zum Ziel führt. Man kriegt NICHTS, aber auch GAR NICHTS, wenn man nur so wenig bezahlen will. Viele Sammler zahlen darum gerne 60, 80 oder auch 100 % des Katalogpreises, wenn sie dafür Material ihres Sammelgebietes tatsächlich erhalten.

Das gilt insbesondere für Ganzsachen, die nach wie vor zum Teil lächerlich (unter-) bewertet sind in den Katalogen.

Dass andererseits bei vielen "traditionellen Sammelgebieten" eigentlich eine sehr kräftige Katalog-Korrektur (nach unten!) angezeigt wäre, sei aber auch erwähnt!

Wie gesagt - das Studium des Briefmarkenmarktes ist nicht eine Sache, die "so nebenbei" in kurzer Zeit erledigt werden kann, sondern braucht viel Zeit und Erfahrung.

Liebe Grüsse

Heinz
 
10Parale Am: 16.08.2017 22:47:22 Gelesen: 235914# 222 @  
@ Heinz 7 [#216]

"Ein Schweizer Franken 1960 hat klar mehr Wert als ein Schweizer Franken 2000. Um einen Vergleich anzustellen, können (auch) Zinssätze als Aufrechnung in Betracht gezogen werden. Wie würdest Du vorgehen?"

Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt, die uns hier in aktuell 222 Beiträgen vorgestellt wurden und mit Spannung erwartet noch vorgestellt werden nehmen bei der Katalog-Bewertung meiner Ansicht nach eine absolute Sonderstellung ein. Eine Berechnung zur Ermittlung eines realen periodischen Wertzuwachses bzw. einer realen Wertminderung nach einem nationalen nichtlinearen LIK (dein genialer Beitrag #217) und nach periodisch schwanken Zinssätzen bis hin zu Minuszinsen in jüngster Zeit macht die Sache sinnvoll. Mein ganzer Respekt vor dieser Leistung!

Im Jahr 1893 gab es 116 Briefmarken und Ganzsachen, die damals mit einem Wert von größer = 400 Reichsmark angesetzt wurden (Quelle: Deutsche Briefmarken Zeitung Ausgabe Juni 1893, Autor: Lindenberg - rezitiert von Müller-Mark in Reflexionen über Philatelie)

Interessant dabei: Die One Penny orange Mauritius und ein ungebrauchter Ganzsachenumschlag von Finnland zu 20 Kop. wurde jeweils mit dem Höchstwert von 5.000 Mark bewertet.

All diese Briefmarken und Ganzsachen (insgesamt sind es 1274 Preise über 60 Mark, die von Lindenberg auf Basis des Senf Kataloges untersucht wurden) könnte man nun ebenfalls mit den kohärenten Algorithmen auf den realen Wert heute umrechnen. Ich überlasse es den Computern!

Interessant ist ebenfalls, dass man sich schon damals, gute 50 Jahre nach Herausgabe der ersten Briefmarke Gedanken über Preisansätze machte. Müller-Mark rezitiert in seinem Buch weiterhin die Gedanken von "Altmeister Lindenberg" - ich erlaube Lindenberg zu zitieren:

"Im Jahr 1863 waren die Preise, die man in Zeitungen und Katalogen anführte, stets Lagerpreise, d.h. man konnte die betreffenden Sachen zu den angeführten Preisen auch tatsächlich kaufen. Heute (1893) dagegen ist die bei weitem größte Mehrzahl aller Preise lediglich nominell, selbst die größten Händler sind nicht in der Lage, das, was sie in ihren Katalogen mit Preisen versehen, stets zu liefern und das Briefmarkensammeln gehört nachgerade immer mehr zu den Sammelgebieten, auf welchen sich eine Vollständigkeit unter keinen Umständen erzielen läßt, auf welchen gewisse Marken absolut aus dem Handelsverkehr verschwinden, und auf welchen es also unmöglich ist, den Wert gewisser Stücke, und sei es auch nur annähernder Schätzwert, festzustellen"


Dieser Text, 1893 verfasst, hat es tatsächlich in sich. Lindenberg hielt es also faktisch nicht für möglich, den Wert seltenster Marken und Ganzsachen auch nur annähernd festzustellen. Seiner Ansicht nach waren diese Raritäten dazu verdammt, vom Handelsverkehr zu verschwinden. War ja auch ein logischer Gedanke und wenn man mal den Geldbeutel des Otto-Normal-Sammlers betrachtet (zu denen auch ich gehöre), sind die Marken aus diesem Thread für uns ja wirklich verschwunden. Allerdings tauchen sie hin und wieder vereinzelt auf Auktionen auf und werden dem Sammlermarkt tatsächlich zum Kauf angeboten. Jedes einzelne Ergebnis solch einer Auktion ist eine wertvolle Information für uns Sammler und führt zum Studium des Briefmarkenmarktes. Ich würde deshalb deine Frage, wie ich vorgehe, folgendermaßen beantworten: ich lasse den Markt sprechen. Ich hoffe nur auch eines Tages den Markt genauer studieren zu können als jetzt.

Noch ein Hinweis zu Österreich Michel Nr. 9, der zinnober Merkur: Michel Online Katalog * 75.000 Euro, gestempelt: 150.000 Euro

Im Jahr 1942 stand er bei Michel auf Rang 1 (in Europa) mit 40.000 Mark.

Liebe Grüße

10Parale
 
Heinz 7 Am: 17.08.2017 12:40:57 Gelesen: 235801# 223 @  
@ 10Parale [#222]

Vielen Dank für die Anerkennung ("genialer Beitrag"). Ich habe mir viele Stunden den Kopf zerbrochen (auch schon in früheren Jahren), welcher Ansatz denn wohl der Beste sei und mir die Daten zusammengesucht, bin aber selber mit dem Ergebnis meiner Studien sehr zufrieden. Ich denke, der Ansatz:

1. Umrechnung des Wertes x in CHF
2. Aufrechnung des Wertes x mit Verzinsungsfaktor p=3 (3 %) für 1900-1999 bzw. p=0.4 (4 %o) für die Jahre 2000-2016 ist einfach und richtig (für die Schweiz).

Ich kenne die Studie von Altmeister Lindenberg sehr gut und habe diese Fleissleistung an anderem Orte auch bereits gewürdigt. Sie zeigt auch tatsächlich Interessantes & Erstaunliches. Trotzdem möchte und kann ich im Moment nicht vertieft darauf eingehen, weil:

a) die Jahre 1890-1905 sind Daten-mässig meines Wissens auf deutlich "dünnerem Eis", als die Jahre danach. Ich wüsste zur Zeit nicht, wie ich die Jahre 1890-1900 bewerten und aufrechnen sollte. Ich habe weder abgesicherte Umrechnungskurse (Fremdwährungen) noch Zinssätze "greifbar"
b) Lindenberg stützte sich bei seinen Arbeiten auf den Senf 1893, die zweite Ausgabe dieses Kataloges! Darin waren noch einige Unsicherheiten MEHR enthalten als im gleichen Katalog 20 Jahre später!

Ein wichtiges Problem ist die Zuteilung von Katalogpreisen für sehr seltene Marken, besonders bei Unikaten. Wie soll diese Marke bewertet werden? Nehmen wir als Beispiel die Marke der 81 Parale mit rotem Stempel (Beitrag [#124]). Diese Marke ist meines Wissens erst dreimal verkauft worden (2 x via Auktion) in den letzten 159 Jahren seit ihrer Herstellung! Wenn nun bei diesen Gelegenheiten der Wettbewerb nicht so heftig war, dann wurde die Marke vielleicht zu günstig verkauft? - Anderes Beispiel: wenn eine Marke EINMAL sehr teuer bezahlt wurde, bei späteren Verkäufen dann aber nur noch (deutlich) weniger einbrachte, sollte dann der Katalogpreis auf das neue Niveau gesenkt werden? - Diffizile Frage! - Viele Kataloghersteller "glätten" die Ergebnisse etwas aus; generelle Aussagen sind aber fast unmöglich.

"Der Markt" ist also grundsätzlich sicher der einzig "legitime" Bewertungsmass-Stab, nur gibt es zeitweise für bestimmte Gebiete über längere Zeitspannen keine (neuen) Marktdaten. Dann ist die Kunst gefragt, trotzdem eine einigermassen gerechte Wertfindung festzulegen. Gewisse Raritätenhändler oder Auktionatoren konnten dies meisterhaft! Sehr oft wurden die "allgemein akzeptierten Wert-Schätzungen" an konkreten Auktionen dann verblüffend gut bestätigt.

Im XX. Jahrhundert hatten die Philatelisten immerhin drei wirklich gute Gelegenheiten, das allgemeine Preisgefüge wieder einmal weltweit zu vergleichen, als die drei gewaltigen weltweiten Sammlungen von Ferrary, Caspary und Burrus versteigert wurden. Seither gab es aber keine solchen gleichzeitigen Anlässe mehr, und wir müssen uns mit mehr Einzelverkäufen ein Gesamtbild bauen (viele Mosaik-Steinchen ergeben auch wieder ein Gesamtbild).

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.08.2017 23:08:23 Gelesen: 235724# 224 @  
@ 10Parale [#222]

Lieber Freund,

anhand einer Rarität will ich die Schwierigkeit aufzeigen, einen fairen ("richtigen") Katalogwert zu finden. Nehmen wir dazu die folgende Marke:

Postmeistermarke Mount Lebanon, Louisiana, 5 Cents rotbraun.



Diese Marke ist ein Unikat! Bis heute kennt man nur dieses eine Exemplar (auf Brief).

Die Marke war bereits im XIX. Jahrhundert bekannt, war bei Senf 1912/1913 aber nicht aufgelistet (damals waren nur 70 Marken katalogisiert, Senf 1-61, 63-71. Scott listete 2000 fast doppelt so viele: 137 verschiedene Hauptnummern auf, Scott 1-143, mit 6 Lücken).

Der legendäre Sammler Ferrary besass auch diese Marke! Sie wurde am 14.6.1922 angeboten, vermutlich das allererste Mal. Es war die 4. Ferrary-Auktion, Los 50. Ohne Startpreis, ohne Schätzpreis.

Die Marke (bzw. der Brief) wurde zu Francs 13'500 verkauft, dazu kamen 17.5 % Zuschlag = FRF 15'862.50. Ich kenne den genauen Umrechnungskurs vom 14.6.1922 nicht (FRF in CHF), darum behelfe ich mir mit der Angabe (gemäss Resultatliste): 1 GB£ = 50.90 FRF und erhalte also als Resultat = GB£ 311,64. (Die Umrechnung von 0,64 GB£ in Shilling und Pence erspare ich mir). Im Juni 1922 war der Kurs des GB£ zu Schweizer Franken 1 GB£ = CHF 23.355. Damit errechnen wir einen Wert von CHF 7278.36. Bis 31.12.1922 erhöhte sich der Betrag um CHF 118.88 (Verzinsung um 3 %, 196 Tage). Damit ergibt sich ein "theoretisch richtiger" Katalogwert von CHF 7'397 Ende 1922. So weit, so gut. Per Ende 1999 wären dann daraus CHF 72'031 geworden.

Erst 34 Jahre später wurde der Brief wieder verkauft (3. Caspary-Auktion, Los 287). Der Katalogwert betrug damals offenbar US$ 3'500 (Scott No. 60 X 1). Der Brief wurde immerhin zu US$ 5'500 verkauft. Die Auktionsfirma (H.R. Harmer, New York) verlangte damals kein Aufgeld zum Zuschlagpreis.

Machen wir unsere Rechnung aufs Neue. Ein US$ galt im März 1956 CHF 4.285. Daraus errechnen wir einen Kaufpreis von CHF 23567.50. 6.3.1956 bis 31.12.1956 ergab dies Zinsen von CHF 577.40, Ende 1956 war der Brief theoretisch also CHF 24'145 wert. Hochgerechnet auf Ende 1999 erhalten wir einen theoretischen Katalogwert von CHF 86'065.

Im LIFE-Artikel war der Brief übrigens erwähnt, und mit US$ 5'000 bewertet (1954), erstaunlich nahe am tatsächlichen Verkaufspreis rund 2 Jahre später.

Erst 43 Jahre später, am 28.9.1999 kam die Sammlung Kilbourne zum Verkauf, bei R.A. Siegel (Sale 815). Das Los erzielte einen horrenden Preis von US$ 350'000 + 10 % = US$ 385'000 und löste so meines Wissens den berühmten "Livingston"-Brief als teuerste Einheit aller Zeiten der Konföderierten Staaten ab. Im Scott Katalog "2000" war der Brief damals noch mit US$ 100'000 katalogisiert; die Kilbourne-Auktion war nach dem Redaktionsschluss dieses Kataloges.

Der US$ war damals bewertet mit 1 US$ = CHF 1.5246, daraus errechnen wir einen Kaufpreis von CHF 586'971 (per 28.9.1999). CHF 4'500 rechnen wir dazu (bis 31.12.) und erhalten so CHF 591'471.

Dieser dritte bekannte, echte Markt-Wert liegt also viel höher als derjenige von 1922 oder 1956!

1922: CHF 72'031
1956: CHF 86'065
1999: CHF 591'471 (alle Werte aufgerechnet per 31.12.1999)

Am 19.11.2009 wurde dieser Brief wieder verkauft (Spink Shreves New York). Der Erlös war "nur" US$ 220'000 + 15 % Aufgeld (20 % für die ersten US$ 2000) = US$ 253'100 (nach meiner Berechnung). Der US$ hatte nochmals kräftig an Wert verloren (1 US$ = CHF 1.0123). Wir errechnen also einen Kaufpreis von CHF 256'213 (November 2009), das sind nur noch 43.3 % des Preises 10 Jahre früher.

Welcher Katalogwert war also korrekt von 1900 bis heute? Die US$ 100'000 im Scott 2000 schienen vielleicht eher hoch, wurden dann aber nahezu Makulatur, spielten beim Verkauf der Sammlung Kilbourne keine Rolle mehr.

Wir haben meines Wissens in 110 Jahren nur 4 x einen Marktwert feststellen können.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.08.2017 14:37:26 Gelesen: 235678# 225 @  
@ 10Parale [#222]

150'000 Euro! Und das für eine einzelne, lose (gestempelte) Briefmarke! Das ist schon eine "Hausnummer"! Gut möglich, dass damit die Frage nach "EUROPA's Teuersten" entschieden ist! Zumindest, was die aktuelle Einschätzung der Michel-Redaktion betrifft.

Der "Streit", wer denn Europa's Teuerste ist, tobt schon während Generationen und wird NICHT einheitlich gesehen!

Anfangs XX. Jahrhundert schien die Sache klar zu sein; Schubert und Haas setzten Rumäniens 81-Parale Marke zuoberst auf die Liste (siehe Beitrag [#124] und [#169].

Später entwickelten sich andere alte Europäer im Wert stärker, sodass der in Beitrag 219-221 gezeigte "Merkur zinnoberrot" plötzlich die Nase vorn hatte, oder auch andere, auf die ich später noch eingehen werde.

Anfangs des XX. Jahrhunderts wurden die Farbfehldrucke noch nicht sooo gewaltig hoch bewertet, wie es später der Fall war. Nimmt man diese Farbfehldrucke bei der "Europa-Wahl" hinzu, wird man kaum um die Baden 9 Kreuzer grün (siehe Beitrag [#5], [#159] + [#152]) oder den Schweden 3 Skilling-gelb-Fehldruck (siehe Beitrag 173) herumkommen. Aber es gibt noch weitere, sehr interessante und sehr seltene Fehldrucke, die wir bisher noch nicht besprochen haben.

Wir haben also noch einen weiten Weg vor uns, und sind immer noch dabei, uns zuerst ein "Grundwissen" anzueignen.

Lektion 1: Teuerste reguläre Marken Europas und der Welt (im Laufe der Zeit, seit 1900 - heute)
Lektion 2: Teuerste Abarten Europas und der Welt
Lektion 3: zusätzlich: Teuerste Einheiten Europas und der Welt (z.B. Viererblocks oder Paare, insbesondere Kehrdruck-Paare)
Lektion 4: zusätzlich: Teuerste Briefe Europas und der Welt
Lektionen 5 ff: zusätzlich: Teure Spezialitäten: Ersttag-Briefe, seltene Stempel, Destinationen, Frankatur-Kombinationen....

Für einen Abschluss als "Bachelor der Philatelie" müssen wir mindestens die ersten beiden Lektionen noch fertig studieren. Wer dann noch weiterlesen mag, der schafft es dann vielleicht auch zum "Master"?

All diejenigen, denen es jetzt schon schwindelig ist vor den vielen grossen Zahlen, sei folgende Erkenntnis in Erinnerung gerufen.

DIE TEUERSTE BRIEFMARKE DER WELT WAR UND IST DIE BRITISH GUIANA, 1856, ONE CENT (siehe Beitrag 2, 7-9, 14-16, 149).
DIE DREI BESTEN BRIEFE sind (meines Erachtens)

Mauritius, Post-Office-Buntfrankatur (Beitrag 164+165)
Hawaii, Dawson Brief, Bunt- und Misch-Frankatur der 1. Ausgabe (Beitrag 161+162, 167+168)
Rumänien, Bunt-Frankatur 1. Ausgabe, inkl. 81 Parale-Wert (Beitrag 169)

Mit diesem Wissen werden Sie schon den schönsten Small-Talk über Briefmarken mit Bravour bestehen! Würzen Sie das Ganze mit Erfahrungen zum eigenen Sammelgebiet, und sie können ganze Abende füllen mit interessanten Gesprächen.

Viel Vergnügen wünscht

Heinz
 
Heinz 7 Am: 19.08.2017 18:23:47 Gelesen: 235621# 226 @  
@ BD [#2]

Ich möchte bei unserem Streifzug durch die teuersten Marken nach der Liste Schubert eine weitere Marke vorstellen, die 1912 und 1913 mit 2000 Mark klassiert war (im Katalog Senf) und damit immerhin Platz 24 aller Marken weltweit erreichte, zusammen mit 5 anderen Marken. Ich gebe gerne zu, dass ich die Marke aus den USA nicht wirklich kannte.

Ich habe vor mehr als 25 Jahren eine ähnliche Studie (Wertvergleich der teuersten Marken weltweit über die Jahre) schon einmal gemacht, mich dabei aber auf die Liste Haas 1905 abgestützt (vgl Beitrag [#149]), nicht auf die Liste Schubert 1913. Die 50 bestplatzierten bei Haas kenne ich alle, die meisten ziemlich genau. Die Schubert Nr. 24.6 aber ist bei Haas nicht gelistet und ist mir in den letzten 20 Jahren nie speziell aufgefallen. Darum musste ich mich nun selber auf die Suche begeben.

Ich denke, ich habe die Marke gefunden! Sie sieht jedenfalls so aus, wie Abb. 8 in Beitrag [#2].



Ich werde noch nachprüfen, ob Senf 1913 noch mehr sagt zu dieser Marke (vielleicht meint Senf ja doch eine andere Marke, z.B. in einer anderen Farbe?). Bis auf Weiteres nehme ich aber an, es handelt sich bei dem gefunden Stück um die gesuchte Nr. 24.6 gemäss Liste Schubert.

Anbei die Losbeschreibung: Siegel-Auktion 1125 vom 5.5.2016, Los 838:
"(1c) Dull Blue, Franklin Carrier (LO1). Large margins to clear, detailed impression, trace of letters from a red cancel at bottom right and top right, few thin spots".

Die ungebraucht wirkende Marke trägt offenbar leichte Spuren eines Stempels und wird darum gelistet als "gestempelt". Das ist die teurere Variante (siehe Schubert).

Der Preis 2016 ist nun aber eine Riesenenttäuschung für einen Sammler von 1913: Katalogwert 2016 nur US$ 8'000, und Price realized nur US$ 1800 plus Aufgeld.

Damit hat diese Marke dramatisch an Wert verloren in den letzten 100 Jahren. Vielleicht wurden davon grössere Bestände nach 1913 gefunden? Ich weiss nicht, wie häufig diese Marke heute ist (wie viele Stücke sind bekannt?). An der besagten Auktion kamen nämlich offenbar gleich 5 verschiedene Exemplare dieser Marke zum Verkauf: 4 gestempelt, 1 ungebraucht. Die Resultate der anderen Lose waren aber auch nicht erheblich anders: Los 839: $ 2300, Los 840: $ 1900, Los 841: $ 3500, Los 842: $ 2300.

Dies wäre dann wohl die Marke, die am meisten an Wert eingebüsst hat seit 1912, seit wir unsere Studie hier ausbreiten.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
LK Am: 19.08.2017 20:22:44 Gelesen: 235605# 227 @  
@ Heinz 7 [#226]

Hallo Heinz,

erstmal ein Lob für dein Engagement.

Bei dieser Marke irrst du leider.

Die abgebildete Marke ist nicht die aus der Liste von Schubert.

Dieser meint die Nr. 1 , 1 Cent orangebraun von der bis heute nur 3 gestempelte Stücke existieren.

Die Marke wurde umgehend zurückgezogen, da sie starke Ähnlichkeit in Druck und Farbe mit Mi 4 der Unionsausgaben hatte.

Die von dir gezeigte Marke ist die Nr. 2 in Farbänderung 1 Cent dunkelblau, und die ist nicht wirklich selten ( Auflage über 300.000 )

Derzeit wird die Nr. 2 (*) mit 5000 €, * mit 8000€ und gestempelt mit 5000 € bewertet.

Entsprechend sind die Auktionserlöse von Siegel nicht ungewöhnlich, ich habe für mein ungebrauchtes Exemplar mit Attest Jakubek nur DM 1200 ( 1989 ) gezahlt.

Zudem ist die Marke mit Vorsicht zu betrachten, da am 2.4.1875 ein ungezähnter Neudruck aufgelegt wurde der nur 50 € wertet.

Dieser unterscheidet sich nicht im Druck, sonder nur in der Papierfarbe Orginal auf lilarosa, ND auf rosa.

Bei der von mir gezeigten Marke soll es sich um ein Essay der sehr seltenen Nr. 1 handeln ( Quelle Kelleher Auktion USA )



Beste Grüße

LK
 
Heinz 7 Am: 20.08.2017 16:07:24 Gelesen: 235503# 228 @  
@ LK [#227]

Hallo LK,

Du hast natürlich recht! Zum Glück habe ich vorsichtig geschrieben, dass ich mir nicht sicher sei, ob die gezeigte Marke wirklich die "teure" sei, gemäss Schubert (Senf) Nr. 03 I (gestempelt). Im Katalog "Senf 1913" habe ich heute nachsehen können; da steht als Farbe der Marke "braunrot". Die in Beitrag [#226] gezeigte Marke in Farbe blau (Senf Vereinigte Staaten Nr. 3) war nur mit Mark 200 bewertet, nicht mit Mark 2000!

Ich war gestern den ganzen Tag unterwegs und hatte keinen Zugriff auf meine Kataloge und übrige Literatur.

Im Katalog "Michel; Valuable Tsamps of the World / Wertvolle Briefmarken aus aller Welt" von 2010 finde ich die Carrier-Marke der USA nicht.

Im Katalog: "Scott; 2000; Classic Specialized Catalogue of stamps & covers 1849-1940" folgen die Carriers' stamps im hinteren Teil der USA-Sektion. Die Franklin Marke in blau wird breit aufgelistet (Seite 27), aber keine Marke mit gleicher Zeichnung braunrot! Das wundert mich.

Wo ist denn diese alte Senf Nr. 03 I (braunrot) katalogisiert? Ich suche weiter.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.08.2017 17:42:05 Gelesen: 235483# 229 @  
@ LK [#227]

Deine Information ist sehr interessant:

"Dieser meint die Nr. 1 = 1 Cent orangebraun von der bis heute nur 3 gestempelte Stücke existieren.

Die Marke wurde umgehend zurückgezogen, da sie starke Ähnlichkeit in Druck und Farbe mit Mi 4 der Unionsausgaben hatte."

Woher hast Du diese Information? Wie ist die Scott Nr. der alten Senf 03 I braunrot?

Caspary hatte sicherlich eine der besten US-Sammlung mit "Carriers and Locals" aller Zeiten (wenn nicht gar "die beste"). Der Auktionskatalog 1957 ("Carriers and Locals", H.R.Harmer Inc., New York, sales 1069, 1070, 1071, 1072) umfasste 1046 Lose! Doch auch hier kann ich keine braunrote Franklin-Marke gestempelt finden! Los 1 und 2 waren zwei ähnliche Lose, ein Einzelstück und ein Sechserblock, aber ungestempelt:



Katalog-Beschreibung: "1 c orange on wove paper, trial color plate proof (L01aTC4), in horiz. block of 6. Excellent color (...). Unlisted as block and believed to be the only one in existence."

Das Resultat dafür reisst uns jetzt nicht von den Stühlen, nur US$ 170 ist als price realized vermerkt.

Derselbe Block kam 42 Jahre später wieder zum Verkauf: Siegel sale 817: "the David Golden collection of United States Carriers & Locals". Aus diesem Auktionskatalog stammt auch das obige Foto mit der Losbeschreibung (Los 10):

"(1c) Franklin Carrier, Orange Trial Color Plate Proof on Wove (LO1TC4a). Positions 12-14/22-24, block of six, large margins to just in at left, folded horizontally between top and bottom rows, slight bend thru bottom row

FRESH AND VERY FINE APPEARANCE. THE LARGEST RECORDED MULTIPLE OF THE RARE ORANGE TRIAL COLOR PROOF.

Ex Worthington, Caspary and Middendorf".

Wenn die Marke Senf 03 I (1913) als "Trial Color Plate Proof" identifiziert wurde, dann verstehe ich, dass der "proof" in den Standard-Katalogen nicht aufgeführt wurde. (Er hätte dann wohl auch nicht in den Senf 1913 gehört, meine ich). Dann ist aber erstaunlich, dass es von dem "Ding" drei GESTEMPELTE Exemplare geben soll. Proofs kamen nicht zur Ausgabe, sollten also gestempelt auch nicht vorkommen.

Schwierig - wer weiss mehr?

Übrigens auch bei Siegel erreichte dieser Sechserblock kein sehr hohes Ergebnis: US$ 3'000 war offenbar der Zuschlagspreis.

Heinz
 
BD Am: 20.08.2017 17:56:56 Gelesen: 235473# 230 @  
Hallo Heinz,

anbei Auszug Michel-Spezial USA 1992.

Beste Grüße Bernd


 
LK Am: 20.08.2017 18:31:45 Gelesen: 235460# 231 @  
@ Heinz 7 [#229]

Hallo,

BD hat die Quelle in seinem Posting schon genannt.

Die Orginale dieser Marke sind bis heute nur in 3 gestempelten Exemplaren bekannt.

Eines davon soll sich im Nationalen Postmuseum in Washington DC befinden, auch die anderen 2 sind in den letzten Jahrzehnten nicht gehandelt worden.

Auch von dieser Marke gibt es Neudrucke die von abgeschliffener Platte hergestellt wurden, und dazu zähle ich auch den von dir gezeigten 6er Block.

Dieser präsentiert sich im Gegensatz zu deiner gezeigten Nr. 2 im verschwommenen Druck auf weißem Papier, Orginal bräunlichweiß im sauberen Stichtiefdruck.

Vergleich bitte mal nur die Ornamente und das Mittelstück, (ohne Schraffur) die Nr.2 wurde von der gleichen Platte gedruckt, nur in Farbänderung.

Der erzielte Auktionserlös sagt eigentlich schon alles aus.

In jeder besseren USA Sammlung befindet sich solch ein Neudruck. Über die Auflage ist nichts bekannt.

Beste Grüße

LK
 
Heinz 7 Am: 20.08.2017 21:36:19 Gelesen: 235429# 232 @  
@ BD [#230]
@ LK [#231]

Vielen Dank, Bernd und LK,

die Nummer 24.6 der Liste Schubert ist damit auch vorgestellt. Ich möchte als Zwischenbilanz aufzeigen, welche Nummern (Schubert) in welchem Beitrag behandelt wurden. Die ersten 29 Nummern haben wir mehr oder weniger gezeigt in Wort und Bild.

Wir haben gesehen, dass drei äusserst seltene und teure Marken auf der Liste Schubert leider fehlen, aus den bekannten Gründen. Sie sind unten auf der beiliegenden Liste aufgeführt.



Die nächsten 7 Tage werde ich nur wenig Zeit finden, um an der Studie weiter zu arbeiten. Ich komme aber spätestens im September gerne mit Ergänzungen zurück.

Freundliche Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.08.2017 13:44:09 Gelesen: 235369# 233 @  
Lieber LK,

Dein Hinweis: "Eines davon soll sich im Nationalen Postmuseum in Washington DC befinden" ist offenbar zielführend, denn ich fand folgenden Hinweis:

"Benjamin Miller had an abundance of the early stamps called carrier stamps. Used in cities in the mid-1800s, carrier stamps paid for mail delivery or pick-up. At the time, this was a special service; letters were normally carried only between post offices, not street addresses.

The original 1851 Franklin carrier stamps were not used for long. Easily confused with a Franklin postage stamp, they were replaced within two months by stamps with an eagle design. These Eagle carriers were used for several years, making them less rare. Starting in 1875, the Post Office made special printings of both stamps for collectors. Miller collected those later stamps, too.

Miller album page with 1-cent Franklin carrier stamps"


Dazu muss man wissen: Benjamin Miller hatte eine grossartige USA-Sammlung, die er der New York Public Library vermachte. Offenbar gelangte diese Sammlung dann ins Nationale Postmuseum in Washington DC ("Smithsonian National Postal Museum"). In dieser Miller Sammlung ist offenbar die 1 Cent-Franklin Carrier Marke braunrot enthalten, auf Brief. Das Bild ist geschützt und so klein, dass man nichts Genaueres erkennen kann.

Es wäre nun schön, wenn wir finden, wo denn die anderen zwei Exemplare dieser Marke einst waren (oder: heute sind).

Wenn die Marke wirklich nur 3 x bekannt ist, und ein Exemplar ist im Museum, dann ist ihr heutiger Katalogwert sicher sehr hoch. Seltsam dünkt mich allerdings, dass sie im Scott 2000-Katalog nicht zu finden ist! (Scott; 2000; Classic Specialized Catalogue of stamps & covers 1849-1940). Oder habe ich sie übersehen? Hat jemand einen Scott USA-Specialised und findet die Marke mit Bewertung?).

Anbei der Link zur Ausstellung der Miller-Sammlung:

https://arago.si.edu/exhibit_238.html

Miller hatte übrigens das zweite Stück der "1 Cent blue 1867-1868, Z grill (Scott 85 A)", vgl. Beitrag [#103]!

... und - auch interessant - ein Teil der Miller-Sammlung wurde offenbar aus dem Museum gestohlen!

LK, Dein Beitrag [#231] wird im nächsten "Update" meiner Übersichtsliste (siehe Beitrag [#232]) vermerkt. Ich habe die Liste schon erstellt, als ich Deinen Beitrag gestern entdeckte.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.08.2017 13:49:03 Gelesen: 235367# 234 @  
@ Heinz 7 [#233]

https://arago.si.edu/record_174019_img_2.html

Anbei die Seite mit der schlichten Scott Nummer LO1 (gemäss Museums-Beschreibung). Aber: stimmt das? Ist LO1 nicht die blaue Marke?

Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.08.2017 23:32:50 Gelesen: 235311# 235 @  
@ Heinz 7 [#234]

Zurück auf Feld 1!

Die vermeintliche 1 Cent Carrier-Marke braunrot ist mitnichten die gesuchte Marke!



Dies ist der Brief aus der Miller-Sammlung (siehe Beitrag [#233]). Die Marke links auf dem Brief ist braunrot, ja, aber es ist die Washington 3 Cent-Marke!

Damit haben wir (ich) keine einzige gültige Marke je gesehen. Was mir zudem sehr zu denken gibt: auch im Scott USA specialized catalogue war und ist die Marke offenbar NICHT verzeichnet. Ich habe alte und neue Scott Speciliazed Catalogues konsultiert!

Was bedeutet das?

Im Senf 1912 und 1913 war die Marke gelistet mit 2000 Mark. Dieselbe Notierung finden wir im Senf 1915. Im Senf 1921 ist anstatt einer Preisangabe ein "-.-" vermerkt. Im Senf 1925 ist eine interessante Notiz angebracht: "Nr. 03 I ist vermutlich Probedruck, gestempelt ist nur ein Stück davon bekannt." Im Senf 1929 ist die 03 I. gar nicht mehr aufgeführt.

Nun möchte ich wissen:

a) worauf gründet Michel seine Anmerkungen?
b) was hält Scott von dieser Ausgabe? Warum wird sie im Katalog nicht gelistet?

Solange ich keine Zusatzinformationen habe, setze ich ein grosses Fragezeichen hinter diese Marke. Weiterführende Hinweise nehme ich gerne entgegen.

Grüsse
Heinz

[Redaktioneller Hinweis: Bitte in Beitrag [#330] lesen !]
 
Heinz 7 Am: 22.08.2017 23:09:06 Gelesen: 235240# 236 @  
@ 10Parale [#215]

Einzelne Präzisierungen zu Deinem Beitrag.

Obwohl der Block seit dem XIX. Jahrhundert bekannt ist (er wurde 1893 in der Sammlung Reich-Langhans an der Internationalen Briefmarken-Ausstellung Zürich beschrieben), ist er in den letzten 124 Jahren doch nur sehr selten (einzeln) verkauft worden, öffentlich schon gar nicht. Dank Herrn Toni Abele wissen wir seit 1958-1961 viel über die Geschichte (auch) dieser Schweiz-Rarität. In der Artikelserie "A propos Altschweiz" wurde der Zwanzigerblock der Zumstein Nr. 6 (Michel Nr. Genf 4) beschrieben. Er zierte manch eine grosse Sammlung, die aber gleich mehrfach von Händlern "en bloc" eingekauft wurden (kein Einzelverkauf via Auktion). Die Sammlungen Avery und Duveen beinhalteten diesen Block.

Vermutlich zum ersten Mal kam dieser Block ALS EINZELLOS an eine Auktion im April 2012. Bei Corinphila wurde die Sammlung von Silvain Wyler verkauft (ein Teil davon). Sammlung "Seebueb". Auktion 175 vom 28.4.2012. Los 5014.



Dieser Block wurde zu CHF 270'000 angeboten und verkauft (plus Zuschlag). Einzeln kostet diese Marke nur Euro 1900 (Michel 2010), CHF 3000 (Händlerkatalog Schweiz 2017) CHF 2800 (Zumstein 2013).

Es ist der zweitgrösste Block, weil Ferrary hatte gar einen Originalbogen mit 100 Stück. Dieser ist heute im Postmuseum (Bern, nicht Genf).

Freundliche Grüsse
Heinz

Heinz
 
10Parale Am: 23.08.2017 16:46:18 Gelesen: 235199# 237 @  
@ Heinz 7 [#236]

Vielen Dank, dass du diesen wunderschönen Block der Zumstein Nr. 6 hier noch einmal in seiner Provenzienz und Geschichte erläuterst.

Man bedenke:

Der Kanton Zürich, Brasilien und der Kanton Genf folgten 1843 mit der Einführung der Briefmarken als erste Länder (Kantone-Stadtgebiete) dem englischen Vorbild (abgesehen von privaten und halbamtlichen Ausgaben der USA - 1842). Die Eidgenossenschaft folgte 1849/50.

1845 folgte der Kanton Basel mit dem berühmten Dübli.

1899 folgte Dahomey als letztes Land im 19. Jahrhundert mit der Einführung von Briefmarken.

Dabei habe ich gelesen, dass die Genfer zunächst gar nicht so einverstanden waren mit der Einführung der Vorauszahlung des Portos. In seinem Buch "DIE ENSTEHUNG DER BRIEFMARKE" (1985 erschienen im MONDO Verlag) schreibt Traugott Haefeli-Meylan, dass, - um die Bevölkerung Genfs die Akzeptanz der Briefmarke zu erleichtern -, diese 1844 zu 4 Rappen die halbe Marke und 8 Rappen die ganze Marke verkauft wurden. Dieser Abschnitt des Buches ist sehr interessant zu lesen. Obwohl die Kantone Genf und Zürich auch mit dem Aussehen der ersten Stempel den Engländern nacheiferten, war von Anfang an ein Einheitstarif wie in England nicht vorgesehen.

Auf Seite 132 kommt dann ein kleiner Abschnitt, den ich hier einmal zitieren möchte, weil ich ihn inhaltlich nicht verstehe, jedoch unter Umständen ein wichtiger Hinweis auf unser Thema in diesem Thread:

"Es dürfte den Laien interessieren, dass 1979 diese Zettelchen (Anmerkung: Briefmarken) von 10 Rappen und weniger, gestempelt und von guter Qualität im Briefmarkenhandel ab 300 die schwarze Penny, 20.000 die Zürich vier, 50.000 die Doppelgenf und 12.000 die Baslertaube verkauft wurden (in Gold konvertiert und dies noch vor der Hausse des Edelmetalles)."

Gibt es eine Konvertierung der Märkte in Gold? Kann man dies auch auf Briefmarken ansetzen und von welcher Einheit spricht der Autor? Für mich ein Rätsel.

Liebe Grüße

10Parale


 
Heinz 7 Am: 29.08.2017 23:26:29 Gelesen: 234743# 238 @  
@ 10Parale [#237]

Lieber 10 Parale,

ich habe dieses hübsche Buch auch, und ich habe die angegebene Stelle nachgelesen. Ich muss sagen, ich verstehe hier den Autoren auch nicht richtig.

Vermutlich wollte er sagen, wie teuer diese vier Briefmarken damals (1979) waren (das Buch erschien aber erst 1985). Möglicherweise waren dies die damals aktuellen Katalogpreise in Schweizer Franken. Da die Gold-Umwandlungspflicht für Banknoten für die Nationalbank damals aber schon längere Zeit nicht mehr bestand, macht für mich diese Aussage keinen rechten Sinn.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 30.08.2017 23:07:18 Gelesen: 234608# 239 @  
@ Heinz 7 [#206]

In Beitrag [#206], [#211] und [#213] haben wir die teuerste Marke aus Grossbritannien kennengelernt (gemäss Katalog Senf). Nun stelle ich die nächste Marke vor, die 1912/1913 mit Mark 1'800 bewertet war (Senf Nr. 69). Bei Schubert erreichte diese Marke Platz 30.

1 Pound braunviolett der Ausgabe 1882/83.

Im Michel-Katalog von 2010 finde ich diese Marke auch als Mi Nr. 69 mit einem Katalogwert von Euro 60'000 für Variante a (weisses Papier). Variante b (bläuliches Papier) ist bewertet mit Euro 50'000. Diese Marke ist bei Senf 1912/1913 bewertet mit Mark 1'200 (Senf Nr. 69 a) und landete auf Platz 50 der Liste Schubert.

1878 kam eine bildgleiche Marke heraus mit einem anderen Wasserzeichen (Senf Nr. 50). Sie ist bewertet Senf 1912/1913 mit Mark 800 = Platz 80 bei Schubert. Michel Nr. 50 ist bewertet mit Euro 40'000 ungebraucht.

Anbei ein Foto dieser Marke



Dieses Foto stammt aus dem Buch "Bolaffi 1998-Tutti i record della stagione filatelica". Auf Seite 95 ist ein Verkauf bei Spink, London, erwähnt, als diese Marke verkauft wurde. Gemäss Umrechnung Bolaffi erreichte die Marke einen Endpreis von US$ 26'370 (Umrechnungskurs von 1998 beachten). Das "passt" einigermassen zum Michelpreis von Euro 40'000 (2010) bzw. US$ 27'500 (Scott 2000 für Scott no. 75).

Diese Marken haben sich also in den letzten 100 Jahren gut entwickelt.

Schöne Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 31.08.2017 22:53:32 Gelesen: 234464# 240 @  
@ Heinz 7 [#239]

Gestern habe ich die Michel Nr. 50 gezeigt. Heute folgt die Michel Nr. 69y, die noch höher bewertet ist (siehe oben).



Anm 11.6.2007 wurde in New York die Sammlung "Great Britain" von William H. Gross verkauft. Gross war ein gern gesehener Käufer bei diversen Auktionshäusern; er hat sich über viele Jahre grosse Mengen an Raritäten zusammengekauft, die er aber in den letzten 10 Jahren zum Teil wieder verkaufte. So auch im Juni 2007 bei Shreves Philatelic Galleries, Inc., New York.

Ich habe die Losbeschreibung (Los 141) gleich dazu gescannt. Diese Marke hatte damals offenbar einen Katalogwert von GB£ 80'000, also noch deutlich mehr als bei Michel (69y im Jahr 2010 = Euro 50'000).

Es wäre nun interessant, zu sehen, welchen Preis das Los 2007 erzielte. Ich habe leider keine Ergebnisliste.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 01.09.2017 19:09:39 Gelesen: 234317# 241 @  
@ Heinz 7 [#124]

Wenn ich heute die 27 Parale-Marke vorstelle, dann habe ich dafür gleich mehrere Gründe. Zwar ist die "kleine Schwester" der weltbekannten 81-Parale-Marke (Nr. 4 bei Schubert, Nr. 6 bei Haas) bei Schubert bloss auf Platz 57 zu finden, aber das liegt daran, dass Senf die Marke 1912/1913 ungebraucht nicht bewertete (Angabe: "-.-"). Gestempelt/lose ist die Marke nicht ganz so selten wie die 81 Parale-Marke, aber ungestempelt gibt es nur sehr wenige Stück davon. Fritz Heimbüchler listet nur 14 davon auf, aber mindestens ein Stück davon ist unerreichbar für Sammler (da im Museum) und andere sind schon lange nicht mehr auf dem Markt erschienen.

Im Verlaufe der Jahrzehnte haben diverse Kataloge die Michel Nr. 1 ungebraucht sogar höher bewertet als die 81 Parale-Marke, was für "ungebraucht" durchaus nachvollziehbar ist. Nimmt man aber die gestempelten Marken hinzu, so ist die 81 Parale-Marke die seltenste der 1. Ausgabe von Rumänien.

Das schönste Stück dieser faszinierenden Marke war in den Sammlungen Caspary und Tomasini/Künzi und wurde im November 2006 für stolze Euro 130'000 plus Zuschlag verkauft. Bereits an der Caspary-Auktion (19.11.1957 in New York) hatte die Marke ein sehr hohes Ergebnis erreicht.



Was ist nun der richtige Katalogpreis? Bei Michel 2010 war die 27 Parale-Marke mit nur Euro 35'000 bewertet, ein Wert, der am Markt bereits mehrfach und klar übertroffen wurde. Im Handbuch 3 von Heimbüchler (2007) wurde eine Bewertung von Euro 50'000 genannt.

Bei Haas rangiert die 27 Parale Marke übrigens auf Platz 18 der Welt. So oder so - sie gehört ohne Frage zu den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 01.09.2017 21:35:58 Gelesen: 234289# 242 @  
@ Heinz 7 [#241]

Was gibt es Besseres als eine Rumänien Nummer 1?

Na klar! ZWEI Rumänien Nummern 1! - Und wenn sie dann als Paar noch im Kehrdruck zusammenhängen, so haben wir eine höchstkarätige Weltrarität vor uns!

Ich habe an anderem Orte schon erwähnt, dass die Erstausgabe von Rumänien in kleinen 32-er-Bogen gedruckt wurde: 4 Reihen zu 8 Marken. Im Thema "Rumänien für Sammler" habe ich gezeigt, wie der Bogen bedruckt wurde; es entstanden beim Druck pro Bogen 8 Kehrdruck-Paare.

Von allen hergestellten Marken ist nur ein einziges Paar gestempelt übriggeblieben:



Hier eine der ganz wenigen Farb-Fotos, das existiert. Die Marke (das Paar) wurde im LIFE-Artikel (siehe Beitrag 155) auch abgebildet.

Das Kehrdruck-Paar war ein Star an der Auktion bei Ferrary! Von weit mehr als 10'000 Losen erreichte Los 501 der 2. Auktion (13.10.1921) das 29. höchste Ergebnis. Die Francs Français 46'000, die damals erzielt wurden, haben einen Wert von rund CHF 300'000 per heute (genauere Ausrechnung folgt).

Auch bei der HIND-Auktion 1935 erreichte dieses Paar ein Top-Resultat.

Diese Welt-Rarität ist aber seit 67 Jahren verschollen! Letztmals wurde sie 1950 in London ausgestellt (in der Royal Philatelic Society), danach ward sie nie mehr gesehen.

Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.09.2017 15:15:31 Gelesen: 234169# 243 @  
@ Heinz 7 [#242]

Die 27 Parale-Marke (Michel Nr. 1) wurde erst spät katalogisiert. Während die Werte zu 54, 81 und 108 Parale schon ab 1863 in den Briefmarken-Katalogen erschienen (Mount Brown), war die 27 Parale Marke damals noch unbekannt. Erst 1869, also volle 11 Jahre nach dem Erscheinen der Marken, wurde die Existenz dieser Marke mit der Veröffentlichung einer Schrift über die Briefmarken der Moldau (Autor: Legrand) und mit der Aufnahme in die Kataloge (Moens) auch bestätigt.

Der oben gezeigte, einmalige Kehrdruck wurde erst 1895 entdeckt und war gemäss Handbuch Heimbüchler 1994 (Seite 276/277, Nr. 4) 1904 "in London". Ob an einer Auktion, oder an einer Ausstellung, wird nicht erwähnt. Jedenfalls fand die Marke ihren Weg in die grösste Sammlung aller Zeiten: Philipp La Renotière von Ferrary besass auch dieses Unikat!

An der 2. Auktion seiner riesigen Sammlung am 13.-15.10.1921 kam als Los 501 das oben gezeigte Kehrdruckpaar in Paris zur Versteigerung: Gilbert, Paris.

Es war kein Katalogwert angegeben, auch kein Schätzpreis. Diese Auktion war eine in diesem Umfang noch nie dagewesene Möglichkeit für die Philatelisten, die Wertverhältnisse unter den Raritäten festzustellen/vom Markt bestimmen zu lassen.

Im Senf Katalog 1913 war die Existenz des KD-Paares vermerkt (unbewertet); ich kann mich nicht erinnern, je in einem Briefmarken-Katalog 1895-1921 eine Bewertung für dieses Kehrdruck-Paar gesehen zu haben. Es muss also eine riesige Spannung geherrscht haben unter der Philatelisten der damaligen Zeit.

Los 501 wurde zugeschlagen für FF 46'000 am 15.10.1921, dazu kamen 17.5 % Zuschlag "Government Surtax". Gemäss Umrechnungstabelle der Ergebnisliste (aus dem Werk von G.S.F. Napier, London, 1925) stand der FF zum britischen Pfund wie folgt:

"Francs per £: 53.20". Wir errechnen also einen Kaufpreis von GB£ 1015.98 (die Umrechnung in Shilling und Pence wird an dieser Stelle vernachlässigt). Das Pfund wertete damals (Oktober 1921) mit CHF 21.165 , wir errechnen also einen Kaufpreis von CHF 21'503 (per 15.10.1921) oder CHF 21'638 (per 30.12.1921).

Ende Jahrhundert (31.12.1999) entsprach dieses Ergebnis einem Wert von CHF 217'030. Ende 2016 liegt der entsprechende Wert bei CHF 232'070. (Den in Beitrag 242 genannten Wert ("rund CHF 300'000") korrigiere ich hiermit ausdrücklich, er basierte auf einer älteren Berechnung mit leicht anderen Parametern).

Ein Katalogpreis für dieses KD-Paar müsste also liegen bei ca. GB£ 1'000 seit 1922. Per heute (Ende 2016) wäre ein Katalogpreis von CHF 232'000 "richtig", wenn wir davon ausgehen, dass der Verkaufspreis "Ferrary 1921" der einzig richtige war. Dazu später noch ein paar Gedanken.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 03.09.2017 20:07:28 Gelesen: 234017# 244 @  
@ Heinz 7 [#243]

Dieser Mann war ein Philatelie-Titan! Es war Arthur Hind



Über ihn ist viel geschrieben worden, es ist interessant, dies nachzulesen. Wichtig für uns ist, dass er einer der grossen Philatelisten war, der eine der beeindruckendsten Sammlungen weltweit zusammentragen konnte. Ähnlich wie Ferrary sammelte er offenbar "ganze Welt" und brachte es auf erstaunliche Resultate. Vor allem seine USA-Sammlung war grossartig. Bierman schrieb (1990): "Hind's United States collection was the most complete in the world, (...). The Hind exhibit of rarities was shown at Monte Carlo 1928, where he won the Grand Trophy for his display. (...). This exhibit was then, and probably will be forever, the most complete collection of United States rarities shown by one man at philatelic exhibit". (siehe: "The world's greatest stamp collectors", Stanley M. Bierman, 1990).

Eine andere ganz starke Sektion war seine Mauritius-Sammlung, doch davon spreche ich ein anderes Mal. Heute möchte ich den Verkauf "unseres" Rumänien-Nr.1-Kehrdruckes kurz besprechen.

Hind starb 1933, 77-jährig. Der Börsencrash im Oktober 1929, der die Weltwirtschaftskrise einleitete, hatte auch üble Folgen für den Briefmarkenmarkt. Viele Raritäten verloren enorm an Wert und erreichten an Auktionen nur noch Preise, die zum Teil deutlich unter den Preisen der Zwanziger-Jahre lagen. Es gibt mehrere Autoren, die diese Entwicklung ausführlich kommentierten.

Hinds wunderbare Sammlung wurde in mehreren Teilen verkauft. Sein USA-Teil kam zuerst zum Verkauf, im November 1933 bei Phillips & Kennett (1653 Lose). Doch der Verkauf brachte deutlich weniger ein, als von den Erben erhofft. So wurde den Auktionatoren, die den zweiten Katalog bereits vorbereitet hatten (u.a. mit 398 Losen Mauritius!), die Einlieferung wieder entzogen. Henry Harmer hatte erreicht, dass ihm die Restsammlung übergeben wurde. 1934 und 1935 konnte Harmer in London in elf Auktionen die Hind-Sammlung anbieten. Es wurde ein weiterer Höhepunkt der Philateliegeschichte.

Der Rumänien-Teil wurde in nur 55 Losen verkauft am 29.1.1935 (8. Hind-Auktion, Sales 729-730 H.R. Harmer, London, 28./29.1.1935). Los 380 war das einmalige 27-Parale-Kehrdruck-Paar.

Wir haben gesehen, dass Hind 1921 GB£ 1'016 bezahlen musste. Wenn wir die schwierige wirtschaftliche Zeit berücksichtigen, hätte mich ein tieferes Resultat 1935 nicht erstaunt. Doch die List of prices realised zeigt:

GB£ 1,000 - also praktisch dasselbe Ergebnis wie 1921 (in GB-Pounds)! Dazu muss aber bemerkt werden, dass 14 Jahre nach 1921 das britische Pfund deutlich schwächer war. Dennoch würde ich das Ergebnis als unter den Umständen recht gut bezeichnen.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 05.09.2017 14:27:20 Gelesen: 233714# 245 @  
@ Heinz 7 [#244]

Liebe Leser,

ich denke, dass dieses Thema hier mir geholfen hat, es immerhin auf Platz 4 der "beliebtesten Mitglieder" von Philaseiten zu schaffen. Besten Dank den Leserinnen und Lesern, die mir ihre Stimme gegeben haben! Anerkennung tut wohl, das gebe ich offen zu. Wenn ich sehe, dass mein letzter Beitrag in den letzten 41 Stunden 298 x gelesen wurde, dann ist die Zahl von rund 20 "Fans" aber auch nicht sooo gewaltig, als dass ich nun mit stolzgeschwellter Brust durch die Strassen wandeln würde! Die meisten Leser sind eben doch eher zurückhaltend, denn nur rund 120 Teilnehmer an der Umfrage von Richard sind eigentlich ziemlich wenig, wenn wir ehrlich sind.

Eine Äusserung hat mir besonders Freude gemacht: "Heinz 7: Der Denker, der Logiker, der Analyst, zeigt, wie modern die Philatelie sein kann, er macht die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt lebendig, so dass man geistig davon Besitz ergreift." - Schön! Richtig! Genau so geht es mit. Ich bin kein Maurice Burrus, kein Arthur Hind oder kein Erivan Haub, aber meine Begeisterung für die Raritäten ist vermutlich genau so gross, wie bei den Genannten. Und darum finde ich solche "Spielchen" sehr anregend, WIE ich meine Millionen für die Philatelie denn einsetzen würde, WENN ich sie denn hätte...

Dass dies nicht "Sandkasten-Spiele" oder lose Träumereien bleiben müssen, das möchte ich aber herausstreichen. Wer sich wirklich engagiert, und auch einmal die Geldbörse zückt, wenn die Gelegenheit günstig ist, der wird erstaunt feststellen, dass viele (realistisch gesteckte) Ziele tatsächlich erreicht oder sogar übertroffen werden können! Man darf sich aber nicht beim ersten Fehlschlag gleich entmutigen lassen.

Zurück zum Thema -

Obwohl ich "Lektion 1" (= Grundwissen: welches waren anfangs XX. JH. die besten Briefmarken der Welt?) ja noch nicht abgeschlossen habe, habe ich mir aus gegebenem Anlass Gedanken gemacht zum Wert des Rumänien Nr. 1-Kehrdruck-Paares (Beitrag [#242] bis [#244]). Auf andere Kehrdruck-Paare (anderer Länder) werde ich gerne zurückkommen, da ist noch viel Wichtiges festzustellen.

Dazwischen aber folgende Frage. Kann ein Kauf zum Katalogwert ein "Schnäppchen" sein? - Meine Antwort: JA, DURCHAUS!

Wir haben gesehen, dass die Mi. Rumänien Nr. 1 KD kaum je gehandelt wurde und zu allem Überfluss auch noch seit 67 Jahren verschollen ist! Einen Katalogwert festzusetzen ist also sehr schwierig. Ich habe gezeigt, dass 1922 der Katalogwert wohl bei GB£ 1'000 oder bei CHF 22'000 hätten angesetzt werden müssen. Obwohl rein rechnerisch der Wert 1935 (bei der Hind-Auktion) in Schweizer Franken nicht erreicht wurde, hätte ich den Katalogwert 1935 sicher nicht gesenkt. Gründe:

- äussert schwieriges wirtschaftliches Umfeld, 1935,
- Rumänien-Kehrdruck-Paar mit sehr gutem Resultat, im Vergleich zu anderen Raritäten der Hind-Auktion

Die CHF 22'000 von 1922 sind nach meinem Ansatz heute (Ende 2016) CHF 232'000 wert, somit wäre dies wohl "der richtige Katalogwert". Ich bin jedoch der Überzeugung, dass das Kehrdruck-Paar in den letzten 15 Jahren TEURER verkauft worden wäre!

WENN - HÄTTE - WÄRE... das sind alles Gedanken-Spiele! Aber überlegen wir uns, wie wir reagieren, wenn

a) das Kehrdruckpaar morgen wieder entdeckt wird
b) einem Auktionshaus zum Verkauf angeboten wird
c) uns der Auktionator fragt, welchen Schätzpreis er denn einsetzen soll?

Vermutlich sind wir dann mit CHF 232'000 zu tief! Betrachten wir, was aus anderen Spitzenraritäten geworden ist (in den letzten 100 Jahren). Manche haben an Wert deutlich stärker zugelegt, als in unserer Modellrechnung.

Wie sieht das mit Rumänien aus?

- Das teuerste Stück der Rumänien-Philatelie wurde 2006 zu mehr als CHF 700'000 gehandelt (dazu mehr später).
- Der beste Brief von Rumänien (im Museum, vgl. Beitrag [#169]) hat meines Erachtens einen Wert von mindestens CHF 2'500'000.

Dann müsste das legendäre, einzigartige und weltbekannte Kehrdruckpaar an einer Auktion auch einen gewaltigen Preis erzielen. Vielleicht CHF 400'000? Oder CHF 500'000? Vielleicht noch mehr? Rumänien war in den letzten 15 Jahren ein Sammelgebiet mit sehr guter Nachfrage nach den wirklich guten Stücken. Ich bin darum überzeugt, dass mehr als ein Sammler liebend gerne CHF 232'000 bezahlen würde, könnte er das Stück dafür übernehmen!

Heinz
 
bayern klassisch Am: 05.09.2017 15:25:09 Gelesen: 233679# 246 @  
Hallo Heinz,

ich lese deine Beiträge (nicht nur unter diesem Thread) stets mit großer Freude und Interesse und freue mich, dass du ein Sternchen bekommen hast.

Die Anzahl der für dich abgegebenen Stimmen ist nicht ausschlaggebend - hier lesen zahllose Sammler mit, die deine Beiträge genauso toll und lehrreich finden, wie ich - nur geben die allermeisten halt keine Stimme ab.

Wichtig ist doch, dass man sein Wissen teilt und das machst du hiermit in vorzüglicher Weise - wenn es dann noch einen Stern obendrauf gibt, ist das doch nur umso besser.

Also: Bitte weiter machen mit dieser tollen Serie, jedes mal ein Highlight für mich.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gerhard Am: 05.09.2017 15:27:50 Gelesen: 233677# 247 @  
@ bayern klassisch [#246]

Das kann ich nur unterstreichen: Das ist der Geist!

Mphg
und Glückwunsch an Heinz
Gerhard
 
Heinz 7 Am: 06.09.2017 19:46:23 Gelesen: 233511# 248 @  
@ bayern klassisch [#246]

Lieber Ralph,

vielen Dank für Dein Lob. Ich fühle mich geehrt, und das tut mir auch gut, das gebe ich gerne zu. Es ist auch eine sehr schöne Motivation, weiterzumachen. Denn wenn all die Beiträge ungelesen/unbeachtet/ungeschätzt verpuffen würden, und es gäbe keine positiven Reaktionen, dann würde ich mir schon überlegen, ob ich die vielen Stunden nicht besser woanders einsetze. Ich kann die Arbeiten ja auch für mich ganz alleine machen und die Erkenntnisse für mich "horten", aber ich halte es eher mit der Ansicht: "geteilte Freude ist doppelte Freude" (wie auch das Gegenteil: "geteiltes Leid ist halbes Leid").

Ganz generell möchte ich zusätzlich sagen, dass "die Konsumenten" gut daran tun, nicht alles als Selbstverständlichkeit zu beziehen, sondern hin und wieder hinzustehen und "danke" zu sagen oder ein Lob auszusprechen. Es ist leider eine Tatsache, dass viel Freiwilligenarbeit (gerade in den Vereinen) ohne jeden Dank an die "Macher" konsumiert wird. Viele Freiwillige geben darum ihre Tätigkeit rasch wieder auf - weil es an Anerkennung und Wertschätzung fehlt. -

Auch darum finde ich Richards Umfragen gut und motivierend: Es gibt "feedback". Es wäre schön, wenn mehr Leserinnen und Leser sich dann auch daran beteiligen würden.

@ Gerhard [#247]

Danke!

Doch zurück zum Thema.

Die seltsame Carrier-Marke lässt mir keine Ruhe (Schubert-Liste 24.6 - siehe Beiträge 226 bis 235). Ich habe nun wichtige Zusatzinformationen!

In der alten Fachzeitschrift "Illustriertes Briefmarken-Journal" habe ich den Entdeckungsbericht von Theodor Haas gefunden (XXII. Jahrgang, Heft Nr. 3, vom 2.2.1895; Seite 44-46).







Ich schätzte Theodor Haas sehr, vgl. [#149], und sein Aufsatz ist interessant. Aber - genau genommen - haben wir noch immer kein Bild je gesehen von der braunroten MARKE! Offenbar wurde die Marke erstmals in der US-Zeitschrift "American Journal of Philately" erwähnt (10.8.1869). Diese wirklich alte Zeitschrift habe ich leider nicht zur Einsicht bereit.

Tiffany, auf den sich Haas bezieht, schreibt offenbar auch nur etwas von Probedruck, aber Haas sah ein Exemplar mit (Teil-) Stempel (NEW Y)ORK.

Ist dieses Exemplar irgend wann einmal abgebildet worden? Ich muss sagen: das gänzliche Fehlen in den US-Katalogen macht mich sehr vorsichtig; ich glaube noch nicht, dass es eine gültige braunrote Carrier-Marke USA 1851 je gegeben hat. Eventuell sah Haas eine Fälschung?

Interessant auch, was Haas 10 Jahre später in seinem Handbuch "Lehrbuch" zu dieser Marke schreibt (Seite 468):

"(...) Marken, deren Charakter bis zur Stunde nicht aufgeklärt ist, trotzdem sie schon in den sechziger Jahren bekannt war(...)"

"(...) sie (...) dürfte das einzig gebrauchte Stück sein, das man kennt" (Anm.: seine 1895 besprochene "Neuentdeckung").

"Nach Jahren (...) verkaufte der Sammler die Marke für etwa 60-80 Mark an die Firma Gebrüder Senf, in deren Geschäftssammlung sie sich noch heute befindet."

Oh weia! Denkbar ist, dass Senf eine Fälschung hatte, die sie 1912 / 1913 - als Unikat! - keck mit 2000 Mark bewerteten (siehe Beitrag [#2]). Warum Senf dann 1929 die Marke im Katalog NICHT mehr aufführte, ist eine wichtige Frage. Meine Fragen in Beitrag [#235] sind also drängender denn je.

Ich hoffe, dass sich US-Spezialisten dieser "Geschichte" einmal annehmen können.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 06.09.2017 20:12:43 Gelesen: 233495# 249 @  
@ Heinz 7 [#248]

Lieber Heinz,

von US - Marken habe ich leider keine Ahnung, aber ich habe mir den Text, den hier lobenswerterweise eingestellt hast, gelesen. Dort steht, dass es eine Eilboten - Marke wäre (Express würden wir heute dazu sagen).

Ich kann mir das nicht vorstellen. In jedem mir bekannten Land damals, also um 1850 ff war die Gebühr bzw. der Expresslohn hoch und 1 Cent wären ein Witz für einen Eilboten gewesen.

Wenn es diese Marke so kaum einmal gegeben hätte/hat, dann hatte sie ganz sicher nichts mit der Eilbestellung zu tun, die ich mir in den USA damals eh kaum vorstellen kann. Ich lasse mich aber gerne korrigieren.

Köhler zeigt gerade in seinem neuesten Katalog ein paar Bomben der Sammlung von Erivan Haub in einem Sonderkatalog. Wäre es nicht sinnvoll, dort mal wegen dieser Marke anzufragen? Sicher kann Herr Louis oder andere, fähige Mitarbeiter dort nachforschen, was es mit dieser Marke auf sich hat.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
olli0816 Am: 06.09.2017 20:47:18 Gelesen: 233480# 250 @  
Hallo Heinz,

ich denke, dass es heute kaum mehr auflösbar ist, ob diese Marke echt herausgegeben wurde und tatsächlich für den Gebrauch der Beförderung verwendet wurde. Wenn man sich den Artikel durchliest, sind da lauter Annahmen. Wenn dort z.B. berichtet wird, dass es keine Aufzeichnungen zu der Marke bei der Herausgabe gibt, dann ist das kein so positiver Hinweis. Auch die sagenhafte Auflage von 300.000 Stück (woher kommt diese Zahl?) und das es davon kaum Marken gibt, lässt viele Fragen offen. Bei gut angelegten Betrug schafft man i.d.R. Argumente, die so absurd sind, dass die Leute wieder anfangen, es zu glauben. Und wenn man sich schon damals die Summen anschaut, die sehr vermögende Sammler bereit waren zu zahlen, dann ist die Versuchung sicher groß gewesen, da mal etwas zu "entwerfen".

Andererseits kann es tatsächlich ein Probedruck sein, der versehentlich oder weniger versehentlich mit der Post befördert wurde. Niemand wird es heute heraus bekommen, da es äußerst unwahrscheinlich ist, das Unterlagen auftauchen. Unabhängig davon ist es ein schönes Stück Zeitgeschichte aus den Anfangstagen der Briefmarken und passt zum "Wilden Westen", auch wenn es der Osten der USA war. Sehr faszinierende Geschichte. Das ist ähnlich wie bei der 1 Cent British Guyana: Da ist die Meinung auch dahingehend, dass die in der Form verfälscht ist. Trotzdem ist sie viele Millionen wert.

Zu den Abstimmungen:

Ich muß zugeben, dass ich meistens auch nicht abstimme. Ist mir nicht so wichtig und es ist im Grunde doch so, dass es viele Leute gibt, die hier Beiträge schreiben oder anderweitige Aktivitäten an den Tag legen. Je nach Zeit und Aktivität gibt es Leute, die nur wenige oder einen Beitrag schreiben, aber trotzdem zu dem Forum beitragen. Mir fehlt z.B. die Zeit, dass ich viel schreibe und ich denke, gerade Leute, die berufstätig sind, können nicht so viel schreiben. Ich schätze dein Thema z.B. sehr, aber ich finde auch andere Beiträge sehr interessant. Daneben gibt es Beiträge, die außerhalb meiner Interessensgebiete liegen, die aber sicher insgesamt auch sehr hochwertig in ihrem Gebiet sind. Da ich diese Schreiber kaum wahrnehme, täte ich ihnen unrecht, wenn ich sie bei einer solchen Befragung nicht berücksichtigen würde, wenn sie sehr viel interessantes zu ihren Gebieten beitragen. Von daher bin ich lieber fair und enthalte mich. Sei aber sicher, dass ich das Thema hier öfters lese, von daher sehe es von meiner Seite als positive Bestätigung.

Grüße
Oliver
 
Heinz 7 Am: 07.09.2017 22:54:01 Gelesen: 233314# 251 @  
@ bayern klassisch [#249]

Ralph, ich nehme an, dass auch Leute von "Köhler" die Philaseiten lesen. Von daher hoffe ich gerne auf eine Antwort aus Wiesbaden. Sie haben/kennen ja Leute, die sich mit USA besonders gut auskennen. Ich kann natürlich auch noch gezielt nachfragen.

Ich habe zu den Carrier-Marken schon andere Erklärungen gelesen. Die 1 Cent war eine Entschädigung für den Transport vom Postamt nach hause, aber keine Eilzustellung. Ohne Carrier-Marke musste der Empfänger den Brief auf dem Postamt abholen. Hauslieferung gab es nur mit der Extra-Taxe.

@ olli0816 [#250]

Hallo Oliver,

danke für Deine Überlegungen, die ich zum Teil teile.

- Mir scheint auch die Variante, dass es sich um einen Probedruck handelt, die wahrscheinlichste. Immerhin kennt ja Scott die (ungebrauchten) Probedrucke. Ob dann ein echter oder ein gefälschter Stempel auf die Briefmarke kam, lässt sich heute kaum mehr ermitteln.

- Nicht einverstanden bin ich mit der Behauptung, die British Guiana 1856, 1 Cent, sei verfälscht. diese Marke wurde x-mal mit den besten Methoden untersucht, und sie gilt als echt. Punkt. Wer das nicht glaubt, soll mit seiner Meinung selig werden. Die Mehrheit der Philatelisten vertraut den Forschern, die sagten: "echt, keine Verfälschung feststellber."

- Lesen/Bewerten: Ich kann natürlich auch nicht alles lesen und würdigen, das auf Philaseiten geschrieben wird. Ich habe damit aber kein Problem. Gerne lese ich einige Themen nach, die mich ansprechen, oder ich sehr mir an, was gewisse Sammler geschrieben haben. Wenn es mir dann gefällt, was der Andere schreibt, erhält er vermutlich bei Richards nächster Rundfrage eine Stimme von mir, mit Begründung. So einfach ist das. Die Schreiber sehen dann, dass jemand ihre Beiträge mochte und ist motiviert, weiter zu schreiben. Wenn hingegen die Beiträge einfach so ohne Reaktion(en) verpuffen, dann muss der Schreiber ja annehmen, dass das Thema wenig interessiert oder die Beiträge nicht gefallen. Vermutlich hat er dann irgendwann wenig Motivation, noch weiter zu schreiben (ausser, er/sie macht das nur für sich selber).

Ich freue mich natürlich, wenn Du dieses Thema hier schätzest und werde bald daran weiter schreiben. Danke für Deine Aufmunterung!

Heinz
 
olli0816 Am: 08.09.2017 09:12:21 Gelesen: 233250# 252 @  
@ Heinz 7 [#251]

Zur British Guyana möchte ich - ob Fälschung oder nicht - keine große Diskussion auslösen. Ich werde es nicht bestimmen können. Tatsache ist, dass es Diskussionen dazu seid den 20er-Jahren gibt. Ich habe aber weder die 1 Cent noch die 4 Cent jemals live gesehen und selbst wenn, dann werde ich zu keinem Ergebnis kommen.

Ich habe einen Link, der dir gefallen könnte:

http://stampforgeries.com/forged-stamps-of-british-guiana-1850-1860/

Wie der Link richtig aussagt, werden dort alle Fälschungen der klassischen Marken aus British Guyana gezeigt. Aber auch Originale und das in einer sehr guten Auflösung. Falls dir mal eine British Guyana 1 Cent angeboten wird, kannst Du da nachschauen ob die Original ist :). Ich mag das Gebiet selber sehr gerne und besitze ein paar Briefe aus der alten Zeit mit dem schönen Schiffsmotiv.

Grüße
Oliver
 
Heinz 7 Am: 08.09.2017 18:09:35 Gelesen: 233173# 253 @  
@ olli0816 [#252]

Lieber Oliver,

ich habe sowohl die One Cent als auch die 4 Cents Marke 1856 schon von eigenem Auge gesehen, zuletzt in New York 2015, masse mir aber kein eigenes Urteil über echt oder falsch an. Das überlasse ich den vielen Spezialisten, die dieses Gebiet schon seit mehr als 130 Jahren sammeln / gesammelt haben. Meines Wissens haben frühe erstklassige Kenner die Frage definitiv entschieden, und daran halten sich nicht nur die Katalogherausgeber, sondern auch die führenden Raritätensammler und Auktionatoren.

Natürlich gibt es bei so berühmten Marken (und vor allem auch bei Unikaten) immer auch Zweifler und Neider, die alles in Frage stellen. Auch bei anderen Kunstwerken gibt es immer wieder Verschwörungstheorien, so soll z.B. die "Mona Lisa" aus dem Louvre nicht echt sein, und ähnlicher Unsinn.

Ich will nun aber nicht alle Zweifler in einen Topf werfen oder ihnen unlautere Motive unterstellen, sicher gab es ernsthafte Philatelisten, die berechtigte Fragen stellten zu der so berühmten Marke. Daraufhin hat man die Fragen geklärt. Und damit soll es nun gut sein, das ist meine Meinung. Ich verweise auf die Fachliteratur zu British Guiana.

Ich weiss nicht, wie viele Fälschungen es auf dem Gebiet "British Guiana" gibt, ich weiss dies aber z.B. zum Gebiet "Rumänien". Im ersten Sachbuch zur ersten Ausgabe stellte der Autor z.B. je 5 Typen vor der Michel Nummern 2, 3 und 4! Dabei gab und gibt es von jeder dieser Marke definitiv nur EINEN Typ, nämlich die Urmarke! Alle anderen 4 "Marken" (Typen) waren Fälschungen! Die Pioniere der Philatelie mussten viel lernen, bevor sie (man) es besser wussten.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.09.2017 21:45:02 Gelesen: 232726# 254 @  
@ BD [#2]

Es freut mich sehr, heute eine klassische Schönheit vorstellen zu dürfen: Die Réunion Nummer 1!

13 GB+British Commonwealth: 1, 2.1, 2.2, 10.2, 10.3, 18.1, 18.2, 18.3, 24.1, 24.2, 24.3, 30, 31.1
8 Europa: 4, 10.1, 10.5, 18.4, 23, 24.4, 24.5, 31.2
11 USA+Hawaii: 5, 6.1, 6.2, 6.3, 9, 10.4, 10.6, 10.7, 10.8, 18.5, 24.6

Unter den ersten 32 Marken der Liste Schubert finden wir zwar einige europäische Marken, aber EIN Gebiet wird sicher schmerzlich vermisst:

LA GRANDE NATION ET SON EMPIRE

Frankreich war im XIX. Jahrhundert eine bedeutende Weltmacht und hatte unzählige Kolonien, das "Empire" war 1900 flächenmässig die drittgrösste Weltmacht. Das Mutterland umfasste "nur" 536 Tausend qkm, aber der "Aussenbesitz" belief sich auf rund 12'000 T qkm (Quelle: "Bibliothek des allg. und praktischen Wissens" von Emanuel Müller-Baden, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin (etc.), 1920, Band 3, Teil 2, Seite 42).

Keine Briefmarke aus Frankreich oder seinen Kolonien schaffte es unter die ersten 32 bei Schubert. Auf Platz 33 sind nun aber (endlich!) 3 Marken anzutreffen: Frankreichs Nr. 6 und zwei Marken der Insel Réunion.

Réunion liegt knapp 700 km östlich von Madagaskar und ist nur rund 200 km vom weltberühmten Mauritius entfernt! 1852 erschienen die ersten Ausgaben dieser Insel: zwei Werte (15 und 30 Cents).

Im Senf 1912/1913 waren beide Marken gleich bewertet: mit 1500 Mark (für ungebraucht). 2010 gibt es Bewertungsunterschiede im Michel:

Nr. 1 = 15 Centimes = 38'000 (*) bzw. 30'000 (gest.)
Nr. 2 = 30 Centimes = 32'000 (*) bzw. 30'000 (gest.)



Ein besonders schönes Exemplar der Réunion Nr. 1 wurde am 19.5.2010 bei Spink in New York verkauft. Bei einem Katalogwert von US$36'000 (?-2010, ich habe nur Scott 2000, dort US$ 30'000) war der Zuschlagpreis von nur US$ 21'550 (ohne Zuschlag) für ein qualitativ sehr gutes Exemplar kein überragend hohes Resultat.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.09.2017 22:19:32 Gelesen: 232717# 255 @  
@ Heinz 7 [#254]

Im Auktionskatalog 2010 steht, völlig zu Recht: "One of the World's Rarest Classic Stamps" (siehe [#254])

Dass beide Marken Réunion (Nr. 1+2) sowohl ungestempelt als auch gestempelt sehr selten sind, hat sie in der Liste Haas (1905) noch weiter nach vorne gebracht, als bei Schubert.

1912/1913 waren beide Marken bei Senf ungestempelt mit 1500 Mark, gestempelt mit 1200 Mark bewertet. Die Bewertungen im Michel 2010 habe ich im Beitrag [#253] erwähnt. Es gibt diese Marke also nicht billig!

Theodor Haas, siehe [#149], wählte bekanntlich den Ansatz, die BILLIGERE Variante bei seiner Beurteilung heranzuziehen. Ist also eine Marke z.B. nur ungebraucht sehr teuer, so kann es sein, dass sie wohl in der Bewertung Schubert weit oben erscheint, nicht aber bei Haas!

Konsultieren wir nun also die Liste Haas, dann finden wir unsere Réunion-Marken wirklich sehr weit oben auf der Liste der "seltensten" (siehe sein Handbuch, Seite 477 ff):

14. Réunion 1851, 30 C. schwarz
15. Réunion 1851, 15 C. schwarz

Bei Haas sind diese Marken also noch deutlich besser bewertet als bei Schubert/Senf!



Anbei zeige ich eine Nummer 2 (30 Centimes) aus der Sammlung Maurice Burrus, die 1964 versteigert wurde. Burrus konnte (auch mit Réunion!) glänzen mit:

- Los 879: 15 c. ungebraucht, Schätzpreis (=SP) GB£ 650
- Los 880: 15 c. auf Brief, SP GB£ 1,200
- Los 881: 30 c. ungebraucht, SP GB£ 1,000 => siehe Abbildung
- Los 882: 30 c. ungebraucht, SP GB£ 400
- Los 883: 30 c. auf Brief, SP GB£ 400
- Los 884: 30 c. auf Brief, SP GB£ 1,500
- Los 885: 30 c. auf Brief, SP GB£ 40 => siehe Abbildung

Zum letzten Los muss gesagt werden, dass die Marke repariert war und nicht zum Brief gehört ("... sur petit enveloppe, à laquelle il le t. n'appartient pas.").

Mit 7 Marken der Nummern 1+2 kann die Sammlung Burrus aber sicherlich beeindrucken. Ich versuche noch, die tatsächlich erzielten Preise zu eruieren.

Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.09.2017 23:25:08 Gelesen: 232702# 256 @  
@ Heinz 7 [#254]

Die Nummer 1 von Réunion ist selten
die Nummer 2 von Réunion ist selten

Ein Brief, der die Nummer 1 und 2 von Réunion trägt, ist eine Weltrarität!

In Caspary's legendärer Sammlung war folgender Brief zu sehen:



Los 1278 von Auktion 18-21.11.1957 (sales 1123-1126) (11. Caspary-Auktion) zeigt Réunion Nr. 1+2 auf einem kleinen Brief von St. André (Réunion) nach Nantes (Frankreich).

Dieser Brief, ohne Schätzpreis im Katalog, erzielte respektable US$ 3'000 im Jahr 1957.

Dies ist (geldwertbereinigt) vermutlich mehr als 2004, als der Brief meines Wissens wieder angeboten wurde, (Boule/Harmer New York in Monaco), dann aber nur US$ 46'000 erreichte (+15 % = US$ 52'900). Nach "Bolaffi" entsprach dies damals einem Wert von Euro 43'008.

Der Schätzpreis bei Boule/Harmer lag bei US$ 60-80'000, wurde aber, wie gezeigt, nicht erreicht. Der Käufer hat ein Spitzenstück erworben zu einem günstigen Preis. Der Brief ist mehr wert als Euro 43'000 (2004), das ist meine Meinung.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.09.2017 21:04:04 Gelesen: 232531# 257 @  
Nachtrag zu [#256]

Ich hätte gestern gerne ein schönes Bild eingestellt eines Briefes mit Réunion 1+2, aber den Caspary-Brief habe ich noch nicht besser gefunden.

Anbei aber ein ähnlicher Brief:



David Feldman bot im April 2015 viele Raritäten an in einem "Private Treaty"-Katalog "Treasures of Philately". Auf Seite 200 fand ich diesen interessantes Brief, gestempelt: "St. André, Ile de la Réunion, 23. Aout 1852". Der Brief ging nach Nantes, mit zwei Ankunftsstempeln: "Colonies Fra. / Marseille / 25 Nov. 52" (in rot, Briefvorderseite) und "Nantes 26 Nov. 52" (schwarz, Briefrückseite). Offenbar benötigte der Brief mehr als drei Monate für seine Reise. Den Tax-Stempel "35" finden wir auch auf dem Caspary-Brief.

Leider wissen wir nicht, wieviel der Brief kosten sollte (Angabe: "Price on request"). Aber eine Angabe ist für uns sehr interessant: "A stunning combination first issue franking, (...), one of only five recorded first issue combinations covers recorded".

Damit haben wir also 2 der 5 bekannten Briefe hier gesehen.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.09.2017 22:15:28 Gelesen: 232507# 258 @  
@ Heinz 7 [#256]

Nun ist meine Grobschätzung fehlgeschlagen. Die US$ 3'000 von 1957 sind geldwertbereinigt auch nicht mehr, als der Erlös im Jahr 2004.

Konkret sieht das so aus:

Nach meiner Umrechnungsmethodik erhalte ich folgende Werte

21.11.1957 = Resultat US$ 3'000, kein Aufgeld (!)
Umrechnungskurs Schweiz. Nationalbank, US$ Nov. 1957 = 4.284 (bestätigt durch PR-Liste des Auktionshauses: CHF 4.28)
= CHF 12'852 bzw. CHF 12'894 per 31.12.1957

Diese CHF 12'894 werden bei p=3 (3 Prozent Jahresverzinsung) CHF 44'622 per Ende 1999 (42 Jahre später). Rechnen wir weiter bis Ende 2016 (mit p=0.4, also 4 Promille) erhalten wir 31.12.2016 einen Wert von CHF 47'756.

Das ist, zu meiner Überraschung, sogar WENIGER als die von Bolaffi genannten Euro 43'008 (2004) für den Verkauf bei Boule, Monaco.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.09.2017 18:47:36 Gelesen: 232125# 259 @  
@ 10Parale [#222]

Aus gegebenem Anlass mache ich heute einen kleinen "Exkurs" und verlasse das Gebiet der berühmtesten & wertvollsten Briefmarken der Welt "im engeren Sinn".

Der "Anlass" ist der Versand der Auktionskataloge von Köhler zur Herbstauktion. Da sind schöne Angebote dabei! In einem Spezialkatalog wird "Lübeck" angeboten. "Was hat nun Lübeck in dieser Rubrik verloren?" wird manch ein Leser fragen, zu Recht, denn die teuerste Marke ist bereits für Euro 3000 zu haben (Michel-Katalog 2010: Lübeck Nr. 2, 1859, 1 Schilling orange, ungebraucht).

Ganz abgesehen davon, dass es sensationelle Briefe gibt, die (aus verschiedenen Gründen) hohe fünfstellige Beträge kosten, möchte ich heute an die "Schwester der Briefmarke" erinnern.

Ja! Neben den seit jeher heiss geliebten Briefmarken gibt es noch weitere Postwertzeichen, die GLEICHWERTIG zu den Briefmarken existieren und ihre Daseinsberechtigung voll und ganz haben, aber dennoch von vielen Sammlern kaum wahrgenommen (beachtet) werden! - DIE GANZSACHEN!

Wir haben zum Glück in diesem Forum einige Freunde der Ganzsachen, und ich empfehle allen Lesern die Lektüre dieser Themen.

Und - wichtig! - die Ganzsachen waren auch einmal sehr beliebt und hoch bewertet! Die frühen Philatelisten haben sich mit Eifer auch ihrer Erforschung gewidmet, bevor die Ganzsache anfangs des XX. Jahrhunderts dann mehr und mehr in Vergessenheit geriet.

10 Parale hat im Beitrag 222 auf die Studie Lindenberg hingewiesen und den Senf-Katalog 1893. Er schreibt:

"Im Jahr 1893 gab es 116 Briefmarken und Ganzsachen, die damals mit einem Wert von größer = 400 Reichsmark angesetzt wurden (Quelle: Deutsche Briefmarken Zeitung Ausgabe Juni 1893, Autor: Lindenberg - rezitiert von Müller-Mark in Reflexionen über Philatelie)"

Im Senf Katalog 1893 (dem zweiten, den es gab; 1892 erst
mals herausgegeben) finden wir für Lübeck folgende Notierungen: (Auswahl:)

Senf Nr. 1 - 1/2 Schilling lila: 25 Mark (ungestempelt/gestempelt)
Senf Nr. 2 - 1 Schilling rotgelb: 20 Mark (ungestempelt/gestempelt)
Senf Nr. 3a - 2 1/2 Schilling rotbraun: 125 Mark (gestempelt); 50 Mark (ungest.)

1913 (20 Jahre später) waren die entsprechenden Bewertungen bei:

Senf Nr. 1 - 1/2 Schilling lila: 75/85 Mark (ungestempelt/gestempelt)
Senf Nr. 2 - 1 Schilling rotgelb: 70/80 Mark (ungestempelt/gestempelt)
Senf Nr. 3a - 2 1/2 Schilling rotbraun: 325 Mark (gestempelt); 45 Mark (ungest.)

DIESE KATALOGNOTIERUNGEN wurden aber BEI WEITEM in den Schatten gestellt von folgenden Bewertungen (Auswahl/Senf 1893):

Ganzsache Nr. 1a: 1/2 Schilling grün, kl. Form. 125 Mark (ungebr./gebr.)
Ganzsache Nr. 1b: 1/2 Schilling grün, gr. Form. 150/200 Mark (ungebr./gebr.)
Ganzsache Nr. 2b: 1 Schilling gelbrot, gr. Form. 20/200 Mark (ungebr./gebr.)
... usw....
Ganzsache Nr. 5a: 4 Schilling hellbraun, kl. Form. 250/200 Mark (ungebr./gebr.)
Ganzsache Nr. 5b: 4 Schilling hellbraun, gr. Form. 300/300 Mark (ungebr./gebr.)

Diese Ganzsachen wurden also sehrsehr hoch bewertet. Sie sind aber auch sehrsehr selten!

Heute (Ende Monat) ergibt sich die Möglichkeit, ein paar dieser Rosinen zu picken. Ein Beispiel:



Los 9692 Köhler - (30.9.2017): "Umschlag 1/2 Schilling grün im Grossformat mit Ringstempel "L" und nebengesetztem Doppelkreisstempel "LUEBECK 31/12" als Ortsbrief gebraucht (...) und einzig bekanntes gebrauchtes Exemplar dieses auch in ungebrauchter Erhaltung schon seltenen Umschlages (...)"

Mit anderen Worten: Eine absolute WELTRARITÄT.

Ich bin nun wirklich gespannt, wo der Zuschlagpreis sein wird. Schätzpreis: Euro 5000. Andere, ebenfalls SELTENE Umschläge, sind für lächerliche Euro 100/250/300/500/800 zu haben (Schätzpreise).

Wenn die schöne Schwester der Briefmarke (eben: die Ganzsache!) von mutigen Prinzen einmal aus dem Dornröschenschlaf wach-geküsst wird, könnten wir hier "Preisraketen" erwarten wie zu den besten Zeiten der Philatelie! - Verdient hätten sie es, die Ganzsachen!

Wir dürfen gespannt sein!

Heinz
 
Cantus Am: 17.09.2017 12:00:27 Gelesen: 231916# 260 @  
@ Heinz 7 [#259]

Hallo Heinz,

ich schaue selten in dieses Thema, denn Briefmarken interessieren mich naturgemäß eher weniger, aber im Anschluss an deinen Beitrag möchte ich doch noch etwas zum Besten geben. Es handelt sich dabei um ein Randgebiet, weder Ganzsache noch Briefmarke, sondern in entsprechenden Handbüchern als "ganzsachenähnliche Formulare" beschrieben.

Vor mehr als einem Jahrzehnt suchte ein in diesem philatelistischen Teilgebiet bedeutender Schweizer Sammler weltweit nach Abbildungen bestimmter echt gelaufener mehrsprachiger österreichischer Postbegleitadressen, die zwar im Handbuch von Ing.Franz Schneiderbauer sämtlich gelistet und im österreichischen ANK-Ganzsachenkatalog in ungebrauchter Form nun auch abgebildet sind, die aber in gebrauchter Form nirgends aufzutreiben waren. Ziel dieser Suche war die Herausgabe mehrerer Handbücher, die sich ausschließlich mit der österreichischen Fracht- und Paketpost befassen.

Bei einzelnen Sammlern in den USA konnte er gesuchte Einzelstücke bekommen, aber auch ich konnte mit mehreren Exemplaren aushelfen. Sie stammen sämtlich aus einem Posten sogenannter Katastrophenpost, den ich zuvor bei Schwanke in Hamburg ersteigert hatte. Alle diese Stücke haben seitliche mehr oder minder deutliche Brandspuren, wurden sie doch im Rahmen eines Zeppelinabsturzes gefunden und sichergestellt. Bis heute wurden meines Wissens keine weiteren dieser Exemplare irgendwo angeboten, es dürfte sich dabei also ebenfalls um sogennnte Weltraritäten handeln. Mangels allgemeiner Nachfrage und wenig Fachwissens um diesen - für mich jedoch bedeutenden - Teilbereich der österreichischen Philatelie dürften mögliche zukünftige Angebote entweder im unteren Finanzsektor oder nur in irgendwelchen Posten veröffentlicht werden, sehr zu meinem Vorteil, denn so dürfte das allgemeine Erwerbsinteresse in überschaubarem Rahmen bleiben.

Nicht jede Weltrarität bedingt also auch gleich einen hohen Preis, sondern es bedarf auch noch des gleichzeitigen Wunsches mehrerer vermögender Sammler, so ein Einzelstück unbedingt besitzen zu wollen.

Viele Grüße
Ingo
 
Heinz 7 Am: 18.09.2017 10:58:08 Gelesen: 231716# 261 @  
@ Cantus [#260]

Lieber Ingo,

ich weiss, dass ich das Thema "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" etwas dehne, wenn ich nun plötzlich von Ganzsachen schreibe [#259]. Meine Absicht war dabei, das Augenmerk der Leser auf diesen FASZINIERENDEN und (den Briefmarken) GLEICHWERTIGEN Aspekt der Philatelie zu lenken, denn die Ganzsache ist - ohne Frage - ein Postwertzeichen wie die Briefmarke auch!

Ganzsachen waren im XIX. Jahrhundert sehr beliebt und erreichten oft sehr hohe Preise, die denen für Briefmarken nicht nachstanden! 10 Parale hat die Studie von Lindenberg angesprochen, der einen frühen Senf-Katalog analysiert hatte und dabei sehr viele sehr teure Ganzsachen auflistete. Anfangs des XX. Jahrhunderts gerieten dann die Ganzsachen mehr und mehr in Vergessenheit und wurden von vielen Sammlern, Händlern, Auktionatoren, stark vernachlässigt, wenn nicht gar vergessen. Dies hatte natürlich auch einen Einfluss auf die Preise, die heute, vereinfacht gesagt, für Ganzsachen in der Regel sehr tief sind. Zum Glück wurde wenigstens bei den Briefmarkenausstellungen die Sparte "Ganzsachen" mit einer eigenen Klasse immer am Leben gehalten und ein paar Sammler haben so einer noch stärkeren Vernachlässigung der Ganzsachen entgegen gewirkt.

Ich werde in Zukunft unter DIESEM Thema generell nicht vertieft auf Ganzsachen eingehen. In Beitrag [#191] habe ich skizziert, wie ich dieses Thema gerne (weiter) bearbeiten würde. Wenn dabei gelegentlich auch Ganzsachen besprochen werden, dann soll das zum Thema einen direkten Bezug haben (wie - meines Erachtens - in Beitrag [#259]). Oder wenn ich hohe Resultate kommentiere, die Briefe mit Ganzsachen-AUSSCHNITTEN, erreichten! (Es ist ja seltsam, dass die GSA bei den Briefmarkensammlern sehr beliebt sind, sobald sie "als Briefmarke" verwendet wurden! (= Ausschnitt auf einen Brief geklebt anstelle einer Briefmarke)).

Wenn die Leser die "berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" kennen, so können sie erst einen relativ KLEINEN TEIL der Verkaufserfolge ohne Weiteres verstehen. VIELE ANDERE Aspekte haben ebenfalls einen gewaltigen Einfluss auf die Preise von philatelistischen Stücken (Briefmarken/Briefen, usw.). Beispiele für teure Stücke:

a) eine an sich nicht-wertvolle Marke (als Einzelstück) erreicht als grössere Einheit einen sehr hohen Preis
b) eine an sich nicht-wertvolle Marke (als Einzelstück) erreicht auf Brief einen sehr hohen Preis
c) eine an sich nicht-wertvolle Marke (als Einzelstück) erreicht als besondere Frankatur einen sehr hohen Preis
d) eine an sich nicht-wertvolle Marke (als Einzelstück) erreicht wegen ihrer Abstempelung einen sehr hohen Preis
e) eine an sich nicht-wertvolle Marke (als Einzelstück) erreicht wegen ihrer postalischen Verwendung einen sehr hohen Preis (interessant unter dem Aspekt "postal history")
f) u.s.w. die Liste lässt sich noch verlängern...

Unter Buchstabe e) können wir wohl auch Katastrophen-Post auflisten! Es ist in der Tat faszinierend, wenn von einem Zeppelin-Unfall noch Poststücke übrigblieben (oder von Schiffs-Unglücken); solche ansonsten absolut gewöhnlichen Briefe können so plötzlich enorm rar/gefragt/teuer sein!

Mit deiner Bemerkung ganz am Ende hast Du völlig recht! - Dies kann aber für Sammler auch eine sehr lohnende Herausforderung sein, die Gebiete zu entdecken (und zu sammeln), die rar und wertvoll sind, zur Zeit aber sehr günstig zu haben sind. Ganzsachen gehören - in weiten Teilen - heute ganz sicher dazu. Wenn ich mit meinem Beitrag bei einigen Lesern diese Erkenntnis schärfen konnte, dann habe ich mein Ziel erreicht.

Heinz
 
Cantus Am: 18.09.2017 11:29:40 Gelesen: 231700# 262 @  
@ Heinz 7 [#261]

Lieber Heinz,

dem ist nichts hnzuzufügen. Ich hätte hier auch niemals einen Beitrag gebracht, wenn du nicht das Thema Ganzsachen angeschnitten hättest. Alles, was du geschrieben hast, ist mir längst bekannt und bewusst. Bleibe hier also am besten bei den Briefmarken, über die Wertigkeit von und die Nachfrage nach Ganzsachen und ganzsachenähnlichen Formularen kann dann gerne an anderer Stelle und von tatsächlichen Sammlern dieser Teilbereiche der Philatelie diskutiert werden.

Viele Grüße
Ingo
 
Setubal Am: 18.09.2017 11:46:05 Gelesen: 231694# 263 @  
Hallo ins Form,

ich möchte hier mal einen Brief plazieren, bei dem die Seltenheit der Marke nicht das Ausschlag gebende ist. Es ist eine One Penny black - die 1. Marke der Welt.

Nun kommt diese Marke auf Briefen innerhalb Englands doch recht "häufig" vor.

Ich zeige sie hier auf einem bezahlten Brief ins Ausland.



Der materielle Wert des gesamten Beleges ergibt sich hier aus der seltenen Destination.

Rolf-Dieter
 
Heinz 7 Am: 18.09.2017 21:10:47 Gelesen: 231593# 264 @  
@ Cantus [#262]

Lieber Ingo,

einverstanden; ich werde hier (in diesem Thread) nur ausnahmsweise über Ganzsachen schreiben (und nur wenn ein Bezug zum Thema besteht) und sonst das Thema den "tatsächlichen Sammlern" von Ganzsachen überlassen.

Ich zähle mich übrigens auch zu diesen "tatsächlichen Sammlern", wie Du ja weisst; siehe mein 2013 gestartetes Thema: "Ganzsachen Rumäniens". Auch Ganzsachen der Schweiz sammle ich.

Herzliche Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.09.2017 21:24:45 Gelesen: 231581# 265 @  
@ Setubal [#263]

Guten Abend Rolf-Dieter

Danke für Deinen Beitrag. Du zeigst uns einen Brief, der aus folgenden Gründen interessant ist:

seltene Marke? - Nein
selten auf Brief? - nein

Also muss es etwas anderes sein.
Auslandbrief, nur teilweise voraus-bezahlt
Schiffspost 1841.

Ich kenne mich zuwenig aus, bei diesen Briefen, ob die Destination Funchal/Madeira aus England so selten ist, dass Sammler dafür wirklich hohe Preise bezahlen. Kannst Du uns sagen, was der Brief gekostet hat?

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.09.2017 22:36:45 Gelesen: 231552# 266 @  
In Beitrag [#254] habe ich festgestellt, dass Frankreichs am höchsten bewertete Marke bei Schubert (bzw. Senf 1912/1913) erst auf Platz 33 erscheint.

33.04 Frankreich, 1849, 1 Franc rotorange, ungebraucht: Senf 1912 / 1913 = 1'500 Mark.

Im neuen Michel (neu, naja, 2010...) ist diese Marke bewertet mit Euro 70'000 (Michel Nr. 6a = orangerot, *).



Diese Marke hat sich in den letzten 100 Jahren also gut entwickelt.

RICHTIG teuer wird es, wenn diese frühen Ausgaben in Kehrdruckpaaren vorliegen! Gemäss Michel-Katalog 2010 ist die Nr. 6aK mit Euro 250'000 bewertet.

Ich habe in Beitrag [#47] einen solchen (oder ähnlichen) Kehrdruck-Viererblock gezeigt, dort aber die Nummer Yvert No. 7d. Ich möchte die Nummern korrekt auseinanderhalten, und mit Bildern in Farbe zeigen, habe aber im Moment die entsprechenden Kataloge nicht zur Hand.

Darum vorerst nur die lose Marke, orangerot...

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Setubal Am: 19.09.2017 10:00:47 Gelesen: 231445# 267 @  
Hallo Heinz,

sicherlich hast Du Verständnis dafür, dass ich den von mir gezahlten Preis nicht schreibe.

Ein paar Beiträge zurück ging es um die generelle Aussage, dass sich der Wert einer an sich nicht seltenen Marke dann steigern kann, wenn bestimmte Zusatzmerkmale es hergeben.

Mit dem von mir gezeigten Brief wollte ich ein Beispiel zeigen.

Die One Penny black allein als Marke setze ich mal (willkürlich) mit 100 an.
Auf Brief, schon nicht mehr so häufig, innerhalb Englands (willkürlich) mit 250 - 500.
Auf Brief ins Ausland mit einem (willkürlichen) Wert bei 5.000.
Ich weiß von einem Sammlerfreund, dass er eine One Penny black auf Brief nach Mexico, für 50.000 angeboten bekam.

Auch wenn meine "Zahlen" willkürlich sind, geben sie ein grobes Beispiel, wie sich der Wert steigert.

Bei allen Angaben von Preisen (Zahlen) ist aber jedes mal darauf zu achten, ob überhaupt jemand bereit ist, den genannten Preis zu zahlen!

Rolf-Dieter
 
Heinz 7 Am: 19.09.2017 12:35:16 Gelesen: 231394# 268 @  
@ Setubal [#267]

Hallo Rolf-Dieter,

ja, natürlich habe ich Verständnis, wenn Du den Ankaufspreis nicht bekanntgeben willst.

Ich gehe einig mit Dir, dass solche seltenen Verwendung den Wert eines Briefes schnell sehr stark erhöhen. Dein Beispiel ist sicher geeignet, um dies klar zu zeigen: Ein One-Penny-Black Brief wird durch die seltene Postroute/-beförderung heraufkatapultiert von, sagen wir (als Grössenordnung): Euro 500 auf Euro 10'000.

Du hast aber sicher auch Verständnis, dass unter diesem Thema Dein Brief es nicht unter die "wertvollsten Briefmarken der Welt" schafft (das ist der Titel dieses Themas). In Beitrag [#191] habe ich skizziert, wie ich dieses Thema gerne (weiter) bearbeiten würde. Dabei werde ich (auch) einige Auktionsresultate vorstellen, die exorbitant hoch waren. Ich werde VERSUCHEN, das zu kommentieren und ggf. Erklärungen dafür zu finden.

Sobald ein philatelistisches Stück extrem teuer ist OHNE dass die zugrundeliegende Briefmarke eine teure Welt-Rarität ist, wird der Kreis der Interessenten, die sich für dieses Stück interessieren, sehr viel kleiner. Die Preise sind dann teils sehr starken Schwankungen unterworfen: es ist, wie Du schreibst: es braucht immer mindestens einen oder vielmehr ZWEI Sammler, die einen hohen Preis für ein Stück zu zahlen bereit sind.

Ich gratuliere Dir zu dem seltenen Stück und zu Deiner Sammlung Portugal! Du hast uns - fleissig! - viel davon gezeigt. Danke.

Heinz
 
Setubal Am: 19.09.2017 13:16:44 Gelesen: 231371# 269 @  
Hallo Heinz,

(mit einem verschmitzten Lächeln)

der Titel lautet: Die berühmtesten und wertvollsten Marken

und ich habe den Beitrag aus 2 Gründen gebracht:

Die Berühmtheit der Marke und die Wertmäßigkeit in Abhängigkeit zu anderen wertbestimmenden Punkten.

Rolf-Dieter
 
Heinz 7 Am: 19.09.2017 14:09:48 Gelesen: 231337# 270 @  
@ Setubal [#269]

Prima!

Richard hat das Thema ja auch so angefangen, mit der One Penny Black! Sie ist nicht nur berühmt, sie ist auch wunderschön!

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.09.2017 20:44:19 Gelesen: 231025# 271 @  
@ Heinz 7 [#266]

Die teuerste Marke von Frankreich war 1912/1913 die 1 Franc-Marke aus der ersten Ausgabe 1849/1850. Der 1 Franc-Wert gibt es in zwei Farben:

nach Michel:

6a) orangerot
6b) fahlrot (1.1.1849)
7a) karmin
7b) braunkarmin (1.12.1849)

nach Zumstein:

6) orangerot
6a) ziegelrot
6b) zinnober (Vervelle)
7) karmin
7a) braunkarmin

nach Yvert & Tellier:

6) carmin foncé
6a) carmin claire
6b) carmin brun
7) vermillon (vif)
7a) rouge terne



Dieser Ausschnitt aus dem Auktionskatalog Ivy & Mader Philatelic Auctions, Inc., USA-West Caldwell (21.11.1998) zeigt die karmin-Variante, die deutlich tiefer katalogisiert ist (Euro 10'000 = Michel 2010). Los 38+39.

Los 48 ist anbei gezeigt:



Michel Nr. 6a hatte einen Katalogwert von Euro 70'000 (Michel 2010)
Michel Nr. 6b hatte einen Katalogwert von Euro 40'000

Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.09.2017 21:29:34 Gelesen: 231009# 272 @  
@ Heinz 7 [#271]

Nicht restlos klar ist mir Los 49:



Scheinbar ist die Variante "vervelle" bei Michel nicht katalogisiert (siehe aber Zumstein).

Die Lose hatten einen Schätzpreis von
US$ 10'000 (Los 38)
US$ 10'000 (Los 39)
US$ 42'500 (Los 48)
US$ 22'000 (Los 49)

Das sind grosse Unterschiede, die genaue Kenntnisse der Nuancen voraussetzten.

2003 gab es eine phantastische Frankreich-Auktion, die neue Massstäbe setzte. Zwei Lose waren sehr aufschlussreich, um die Unterschiede der Farben zu zeigen.



Die Auktion war der Verkauf der Sammlung "La Fayette" (Spink/Behr, Paris, 17.11.2003).

Darin waren zwei "Super-Lose"

Heinz
 
Koban Am: 20.09.2017 22:32:19 Gelesen: 230996# 273 @  
@ Heinz 7 [#272]

Die "Vervelle" ist im Michel unter römisch I, gleich im Anschluss an die Erstausgabe katalogisiert. Die Marke wurde nicht offiziell ausgegeben.

Kehrdrucke der seltenen Mi 6 (Yv 7), siehe [#47] und [#266], sind nur zwei bekannt. Zum einen in dem bereits von Dir in [#47] gezeigten Viererblock, zum anderen in einem Dreierstreifen auf Brief. Von der "Vervelle" gibt es nur einen Kehrdruck.

Gruß,
Koban
 
Heinz 7 Am: 21.09.2017 00:26:24 Gelesen: 230966# 274 @  
@ Heinz 7 [#272]

Los 83 der Sammlung "La Fayette" (2003) wurde beschrieben als Yvert & Tellier Nr. 7f = Vermillon pâle dit vervelle; tête-bêche dans un bloc de quatre.



Das war das berühmte Los der Auktion Ferrary (11. Auktion/Los 59), das damals eines der höchsten Ergebnisse erzielte, das vierthöchste, um genau zu sein.

Dieser Block galt lange Zeit (zu Recht) als wertvollstes Stück der französischen Philatelie!

Aber 1924 ist nicht 2003. (Doch davon später).

Los 83 erreichte 2003 folgendes Ergebnis:

Estimate: Euro 325'000 - 425'000
Zuschlag: Euro 460'000
Aufpreis: 10 bzw. 15 % (gestaffelt) = Euro 511'000 plus Mehrwertsteuer = ca. Euro 520'996
(eigene Berechnungen. Bolaffi weist etwas andere Werte aus).

Der Euro galt damals 1.5587 zum Schweizer Franken. Das ergibt CHF 812'076 (17.11.2003). Ende Jahr entspricht dies CHF 812'464. Mit 4 Promille verzinst ergibt das Ende 2016 = CHF 855'741.

Dieses Ergebnis war 33 % höher als dasjenige von Ferrary 1924!

Rechnen wir nach:

Resultat 19.11.1924 = Francs 200'500 + Zuschlag 19.5 % = FF 239'597.50
Umrechnungskurs Franc zum GB£ = 87.55 = GB£ 2736.69
Umrechnung in CHF = (Kurs 23.852) = CHF 65'275.53 (19.11.1924)
Ende Jahr (1924) = CHF 65'499
Ende 1999 = CHF 601'210
Ende 2016 = CHF 643'428.

Wir folgern daraus:

a) Dieser Kehrdruck-Viererblock ist schon seit 100 Jahren sehr wertvoll/teuer.
b) es gibt Briefmarken/philatelistische Einheiten, die sich noch stärker positiv entwickelt haben; heute steht dieser Block nicht mehr auf "Platz vier der Welt" (wie bei der Ferrary-Auktion 1922-1925).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.09.2017 21:39:42 Gelesen: 230740# 275 @  
@ Koban [#273]

Gemäss Studie Schubert gibt es unter den 100 teuersten Marken 2 Notierungen zu Frankreich:

33.4. Ausgabe 1849/50, Senf Nr. 6, ungebraucht
80.4. Zeitungs-Stempel-Marken 1868, Senf Nr. 032 IV. 5 Cents blau, ungebraucht.

Die 1 Franc-Marke (Senf Nr. 6 = Yvert Nr. 7 = Michel Nr. 6) habe ich in Beitrag 266, 271, 272 und 274 vorgestellt, und dabei nicht nur die Einzelmarke gezeigt, sondern auch die sehr seltenen Kehrdruck-Paare (Tête-bêche). In Beitrag [#272] konnte ich das wertvollste Stück der französischen Philatelie 1900-1931 vorstellen.

Warum 1931? - Nun, damals wurde ein (unregelmässiger) Grossblock von 22 Marken der 1 Franc vermillon gefunden.

NNNNNN
NNNNNN
NNNNKN
NNNN--

Die 17. Marke dieses Bogens stand auf dem Kopf! (mit "K" markiert, "N" für "normalstehend").

Der Raritätenhändler Georges Behr trennte noch im selben Jahr 1931 diesen Grossblock auf in

1 Achterblock
1 Viererblock
5 Paare.

Position 10+11+16+17 bildete einen Viererblock mit einem Tête-bêche-Kehrdruck. Dieses Super-Stück kam in die Sammlung Théodore Champion, später Ballat, Robert Gill, Duane Hilmer und ... La Fayette (= vermutlich Steven Walske).



Auf den ersten Blick können wir kaum einen Unterschied feststellen zwischen dem TB-VB der Yvert Nr. 7d ("vermillon vif"), Los 50, und dem TB-VB der Yvert Nr. 7f ("vermillon pâle; vervelle") Los 83, den ich in Beitrag [#274] vorgestellt habe. Der YT 7d-TB VB hat eine leicht defekte Ecke rechts-oben.

Los 50 wurde dennoch bedeutend höher eingeschätzt als Los 83: mit Euro 600'000-800'000! Und der Zuschlag war auch beeindruckend: nach Bolaffi waren es US$ 1'025'000, Endpreis damit US$ 1'178'750 oder Euro 1'004'413

(Ich vermute, dass Bolaffi hier einen Fehler machte; der Zuschlag war gestaffelt (15 % und 10 %). Fraglich ist auch, ob der Zuschlag in $ erfolgte, wie Bolaffi vermuten lässt; die Auktion war aber in Paris und die Schätzpreise waren in Euro. Leider habe ich keine offizielle Ergebnisliste).

Wie auch immer: Der 1931 gefundene "vermillon vif"-Block ist massiv höher bewertet als der "vermillon pâle/vervelle"-TB-Viererblock. Warum?

Nach Koban gibt es 2 TB-Paare der "vermillon vif" aber nur einen der "vermillon pâle/vervelle". Dennoch ist der "vemillon vif"-Kehrdruck viel teurer? Das macht irgendwie keinen Sinn.

Studieren wir den Auktionskatalog SPINK/BEHR:

Los 50: es ist nicht vermerkt, wie viele TB-KD-Paare (oder grössere Einheiten) bekannt sind
Los 83: hier ist vermerkt: "one of the five vermilion tête-bêche known", also "einer von fünf". Die fünf scheinen sich aber auf alle Yvert & Tellier Nr. 7 zu beziehen, also 7f, 7d, etc.

Koban kennt offenbar immerhin 3 davon.

Auch das Buch "Encyclopedia of rare and famous stamps/Vol. 2/The Biographies" (Leon N. Williams, 1997) klärt die Frage nicht: auf Seite 75+76 sind nur genau die zwei Stücke beschrieben, die jetzt auch besprochen werden (die zwei TB-VB).

schwierig.

Ich muss zu einem vorläufigen Ende kommen. Der TB-Viererblock "vermillon vif" (ursprünglich aus dem Fund 1931) gilt heute als das wertvollste Stück der Philatelie Frankreichs!

Die einzige (aber m.E. schlüssige) Erklärung für den grossen Wert-Unterschied sehe ich im Hinweis von Koban:

"Die "Vervelle" ist im Michel unter römisch I, gleich im Anschluss an die Erstausgabe katalogisiert. Die Marke wurde nicht offiziell ausgegeben."

Heinz
 
Koban Am: 22.09.2017 23:41:51 Gelesen: 230714# 276 @  
Hallo Heinz,

die Variante "vermillon vif" ist ungebraucht die seltenste und teuerste Nuance der Mi 6 (Yv 7). In vergleichbarer Erhaltung, ungebraucht ohne Gummi (der Vervelle-Bogen war ungummiert), wertet eine "vermillion vif" etwa das zweieinhalbfache der "Vervelle". Der Vervelle-Bogen wurde 1892 im Nachlaß eines hochrangigen Postmitarbeiters gefunden. Der später nach seinem Käufer benannte Bogen enthielt den Kehrdruck aus Los 83.

"One of the five vermilion tête-bêche known" sowie auch meine Zählung(drei) beziehen sich auf sämtliche Nuancen von Mi 6(Yv 7) incl. Vervelle.

Gruß,
Koban
 
Heinz 7 Am: 23.09.2017 16:12:01 Gelesen: 230567# 277 @  
@ Koban [#276]

Hallo Koban,

danke für die kurze Nachricht. Sie bringt mich allerdings kaum weiter.

Vielleicht möchten die Leser noch genauer Bescheid wissen. Darum meine Ergänzungen:

Yvert & Tellier (1995) listet im "gewöhnlichen" Katalog (Tome 1 des Weltkataloges) vier Farbnuancen auf:
YT 7 = vermillon
YT 7a = vermillon vif
YT 7b = vermillon terne
YT 7c = vermillon pâle (Vervelle)

Die Tête-Bêche Paare (oder grössere Einheiten) erhalten dann folgende (zusätzliche) Nummern

YT 7d = TB der vermillon vif
YT 7e = TB der vermillon terne
YT 7f = TB der vermillon pâle (Vervelle)

Tête-Bêche Paare der (Grundmarke) "vermillon" (YT 7) gibt es offenbar nicht, sondern nur der Grundmarken 7a,7b,7c. Die Bewertungen der TB- zeigen, dass vier verschiedene TB unterschieden werden können:

YT 7d * FF 1.65 Mio. (Katalog 1995, Französische Francs)
YT 7d gest. FF 1.2 Mio.
YT 7e gest. FF 1.0 Mio.
YT 7f * FF 1.3 Mio.

Die 7e * oder die 7f gestempelt gibt es offenbar nicht. Bei der 7f (bzw. der 7c) macht das Sinn, weil die Marke ja nie offiziell verausgabt wurde. Es wurde einst ein Bogenteil von 139 Marken gefunden.

Nach dem Auktions-Katalog von Spink/Behr gibt es nur 5 TB-Paare von allen - danke für Deine Bestätigung -) YT Nummern 7. Du kennst offenbar einen Brief mit Dreierstreifen; vielleicht zeigst Du ihn uns und/oder sagst uns, welche Nummer er hat (YT 7d oder 7e?). In welcher Sammlung war er? Wenn wir ferner wüssten, von welcher Art es ZWEI TB gibt, dann wären wir auch weiter in unseren Erkenntnissen.

Beim Spezialkatalog "Cérès" ist es noch etwas detaillierter, dort gibt es sechs "Varianten" (gemäss Katalog 1991)

C 7 = vermillon
C 7a = vermillon vif
C 7d = vermillon foncé
C 7e = vermillon orangé
C 7B = vermillon terne
C 7C = vermillon pâle (Vervelle)

Doch bringt uns dies in Bezug auf Kenntnisse über die TB-Paare auch nicht weiter.

Es wäre schön, wenn wir am Ende alle 5 TB der Yvert Nr. 7 (Michel Nr. 6) kennen würden.

Schöne Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 23.09.2017 16:39:55 Gelesen: 230556# 278 @  
Liebe Leser,

ich habe in meinem "Vorgehensplan" zu diesem Thema geschrieben, dass ich später auch die Studie von LIFE 1954 besprechen möchte, siehe [#155].

Wenn wir uns jetzt aktuell aber so vertieft haben in die "Teuerste Frankreichs" wollen wir vielleicht bereits heute vorausschauen in das Jahr 1954, als die "world's rarest stamps" grossformatig und farbig vorgestellt wurden. Und - besonders interessant - auch mit Preisangaben!

Ich habe einzelne dieser LIFE 1954-Rangierungen bereits bekanntgegeben; nun suchen wir doch unseren französischen Spitzenreiter!

Dazu noch ein Wort zur Erinnerung: Im LIFE-Artikel werden die meisten ganz grossen Raritäten seiner Zeit aufgelistet, aber nicht unterschieden nach

- Einzelmarken
- Einheiten
- Briefe oder lose
... sondern alles miteinander!

Dennoch ist die Studie natürlich hochinteressant.

Anbei nun unser "Star" aus Frankreich, wir finden ihn tatsächlich:



Wir lesen: "18 - France, 1849, vermilion block, with tête-bêche pair, Champion.

Es ist dies unzweifelhaft "unser" TB-Viererblock, der bei Spink/Behr 2003 als Los Nr. 50 verkauft wurde, vgl. [#275].

Wie wir sehen, war das Stück 1954 bewertet mit US$ 17'500. Dies war 1954 ein sehr hoher Betrag und erreichte im "Kabinett" von LIFE 1954 Platz 16.

Unmittelbar hinter dem "Blue Boy" den wir schon kennen gelernt haben, siehe Beitrag [#100], der damals mit US$ 18'000 bewertet wurde!

Das passt!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 23.09.2017 17:51:24 Gelesen: 230542# 279 @  
Tête-bêche der 1. Ausgabe, Nummer 3

In Beitrag [#278] sprach ich den Wunsch aus, dass wir alle 5 TB-Paare der 1. Ausgabe von Frankreich kennen. Anbei ist Nummer 3!



Dieses (dunkle!) Exemplar der 1 Franc-Marke ist nicht etwa die braunkarmine Variante (Yvert No. 6), sondern es ist auch eine YT Nr. 7 - und damit unser drittes Exemplar!

Genau genommen ist es die Yvert Nr. 7d. Auch dieser Dreierstreifen stammt aus einer weit grösseren Einheit! In den Dreissigerjahren des XX. Jahrhunderts existierte ein gestempelter, unregelmässiger 32-er-Block der Yvert 7d, dieser wurde dann aufgeteilt (zerschnitten) und aus den Positionen 17-19 des alten Blockes entstand der Dreierstreifen.

Auch dieses Spitzenstück kam in die Sammlung Steven Walske ("La Fayette") und wurde ebenfalls am 17.11.2003 verkauft, ebenfalls zu einem sehr hohen Preis (Los 80). Im Katalog war sie als YT Nr. 7d angeschrieben, aber das müsste wohl 7e sein, siehe @ Heinz 7 [#277], YT 7e = TB der vermillon terne.

Die Ceres-Nummer im Auktions-Katalog (Spink/Behr) stimmt.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Koban Am: 23.09.2017 20:31:16 Gelesen: 230499# 280 @  
Die aktuellsten Daten, die ich auf die Schnelle finden konnte, stammen aus dem Spink/Maury aus 2016. Dieser Katalog listet zusätzlich zu den Farben vermillon, vermillon vif, vermillon terne und vermillon fonce noch die Nuance rouge brun.

Zu den Kehrdrucken finden sich dort die folgenden Angaben (etwas gekürzt und übersetzt):

S/M 7a vermillon vif - ein ungebrauchter Kehrdruck im Viererblock(Beitrag [#275]), ein gestempelter, defekter Dreierstreifen auf Brieffragment! (Nicht auf Brief wie ich fälschlich schrieb.)
S/M 7b vermillon terne - ein gestempelter Kehrdruck im Dreierstreifen (Beitrag [#279]), ein gestempelter Kehrdruck auf Brief
S/M 7d rouge brun - ein gestempelter Kehrdruck auf Brief
Vervelle - ein ungebrauchter Kehrdruck im Viererblock(Beitrag [#274])

Gruß,
Koban
 
Heinz 7 Am: 24.09.2017 12:34:51 Gelesen: 230394# 281 @  
@ Koban [#280]

Also sechs, und nicht fünf. Danke.

Ich habe drei weitere berühmte Sammlungen konsultiert, aber bis jetzt kein weiteres TB-Paar der Yvert & T. Nr. 7 entdeckt. Ich werde die Augen offenhalten und bin für Hinweise dankbar.

Ich möchte eine weitere Marke der Liste Schubert 1913 vorstellen.

Auf Platz 33.3. stand im Senf 1912/1913 die folgende Marke:



1874/1879 gab es die Erstausgabe von Dominica (British West Indies): Der Kopf der Königin erschien in 6 Werten von 1/2 Penny bis zu 1 Shilling (=Senf 1-6).

1886 gab es eine Aufbrauchsausgabe der 1. Ausgabe. Der Wert der 6 Pence-Marke (=Senf Nr. 5) wurde überdruckt mit einem neuen Wert: "HALF PENNY". Gleichzeitig wurde die 1 Shilling-Marke (=Senf Nr. 6) überdruckt mit dem neuen Wert: "ONE PENNY". Die Aushilfsausgaben bekamen die Senf-Nummern 12 und 13.

Nun gab es einige wenige Stücke, da erhielt die 6-Pence-Grundmarke den Überdruck von "ONE PENNY" (statt "HALF PENNY"). Insgesamt ein Bogen (zu 60 Stück) wurde so überdruckt. Ursprünglich wurden 12 davon verkauft (gemäss Donna O'Keefe). Was mit den übrigen 48 Stück passierte, war ihr unklar (1985, Buch: "Linn's Philatelic Gems II"). Jedenfalls gelangten einige Stücke zur Verwendung, "versehentlich", gemäss Senf-Katalog 1913.

Im Katalog Senf 1913 war nur die *-Variante bewertet, mit hohen 1500 Mark. Das oben gezeigte Stück ist aber gestempelt. 1985 lagen die Katalogwerte für die Stücke offenbar bei US$ 27'500 (*) bzw. US$ 19'000 (gest.).

Im Michel-"Valuable Stamps"-Katalog 2010 ist diese Abart nicht aufgeführt (da Fehldruck).

Bei Scott lagen die Katalogwerte 2000 bei:

Nr. 14: *: US$ 25'000, gest. US$ 15'000 (also offenbar tiefer als ca. 15 Jahre früher!)

Das oben gezeigte Stück wurde verkauft bei Matthew Bennett, am 24.6.2001 in New York, offenbar für US$ 11'000 (10 % inkl. Aufgeld).

Insgesamt scheint diese Marke also anfangs des XX. Jahrhunderts mehr wert gewesen zu sein als hundert Jahre später (kaufkraftbereinigt).

Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 27.09.2017 22:38:38 Gelesen: 229836# 282 @  
Ich habe meine Absichten für dieses faszinierende Thema in den Beiträgen [#191] und [#225] dargelegt. Zu der Frage, wie weit wir denn unser "1. Kapitel" schon bearbeitet haben, kann ich die folgende Aufstellung zeigen.



Ich möchte alle Marken, die bei Schubert ÜBER 1000 Mark notierten, zeigen. Das sind 57 Marken (vgl. Beitrag [#2]). Dazu kennen wir MINDESTENS 10 Marken, die den Wert mit Sicherheit AUCH überschritten hätten, wenn sie denn im Senf 1912 bewertet worden wären.

Von diesen 67 Marken haben wir 52 schon (mindestens kurz) besprochen (siehe Spalte G). Das heisst, 15 fehlen noch. Ich werde sie nach und nach noch besprechen.

Danach können wir uns ganz dem 2. Kapitel widmen! Ich freue mich jetzt schon.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 01.10.2017 12:27:38 Gelesen: 229364# 283 @  
@ Heinz 7 [#282]

Die Dienstmarke "I.R. Official" von Grossbritannien hat uns bereits beschäftigt (siehe Liste Schubert 24.2, Philaseiten-Beitrag [#206], [#211], [#213].

Senf katalogisierte 1912/1913 zwei offenbar weitgehend identische Marken unter zwei Nummern:

Dienst Nummer 47: 1 Pound braunviolett (Nr. 85) 2000.- / 1600.- (1885)
Dienst Nummer 51: 1 Pound braunviolett (Nr. 98) 1500.- / 1200.- (1891/92)

Die Grundmarken (Nr. 85 bzw. 98) unterscheiden sich durch ihr Wasserzeichen. Nr. 98 (1890) wurde dabei als "Fehldruck" bezeichnet.

Rund 100 Jahre später sieht das bei Michel ähnlich aus:

Dienst Nummer 47: 1 £ braunlila (Nr. 85) 30000.- / 16000.- (1885)
Dienst Nummer 51: 1 £ braunlila (Nr. 98) 40000.- / 25000.- (1890)

Nr. 85: Wasserzeichen 11 (dreimal)
Nr. 98: Wasserzeichen 10

In der Weltklasse-Sammlung von William Gross waren BEIDE Marken enthalten (siehe Auktionskatalog Shreves, New York: 11.6.2007). Los 205 zeigt eine Dienstmarke mit dem Wasserzeichen mit den drei Kronen (= Wz. 11 nach Michel), Los 206 zeigt die Dienstmarke mit dem Wz. Reichsapfel (= Wz. 10 nach Michel).



Beide Lose wurden hoch geschätzt, aber die genauen Verkaufspreise kenne ich nicht.

Es ist jedem Sammler überlassen, ob er diese Marken als zwei "verschiedene" zählen will, oder nicht. Wenn man geringfügige Variationen nicht separat zählt, dann hätte man für die Liste der "berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" auch nur eine Position aufführen sollen. Aber wenn eine neue Hauptnummer vergeben wird für eine bildgleiche Marke in derselben Farbe, dann hat der Katalogherausgeber eine Entscheidung getroffen, die grosses Gewicht hat.

Hinweis: Nicht immer (und nicht bei allen Katalogherausgebern) führ(t)en aber Unterschiede im Wasserzeichen zu neuen Hauptnummern!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.10.2017 23:55:33 Gelesen: 229086# 284 @  
@ Heinz 7 [#282]

Wenn wir unsere bisherigen "Kandidaten" betrachten, fällt auf, dass "der fünfte Kontinent" bis jetzt nicht vertreten ist!

Westaustralien als australischer Teilstaat (diese mit eigenen Marken!) waren im XIX. Jahrhundert natürlich ebenfalls bekannt und beliebt. Aber offenbar war doch keine der Marken ganz so teuer, dass es unter die "Top-Fifty-Seven" gereicht hätte.

Dass der sehr seltene kopfstehende Schwan aus West-Australien (siehe @ Heinz 7 [#71]) von Senf 1912 nicht bewertet wurde, davon habe ich mich eigenhändig vergewissert (anhand Katalog Senf 1913). Diese Abart hätte sonst die Hürde von 1100 Mark sicher geschafft (1913).

Somit verbleibt als einzige Marke die Neuseeland 1 Shilling-Marke von 1856 (Senf Nr. 6), Kolonialdruck (nicht: Londoner Druck), ohne Wasserzeichen, die ungebraucht mit hohen 1500 Mark bewertet war (1913). Gestempelt war die Marke nur mit 85 Mark bewertet.

Heute (2010) steht die Marke bei Michel wie folgt:

Michel Nr. 6: 1 Sh. grün auf blau: * Euro 25'000 - gest. Euro 4'600.

Wir haben andere Marken kennen gelernt, die sich in den letzten 100 Jahren noch positiver entwickelt haben, aber ein "nomineller Faktor" von 16.67 ist ja auch nicht schlecht. (Ich werde diese Werte später untereinander vergleichen).

In allen 14 Katalogen "Bolaffi 1992-2005" wird diese Marke nur einmal aufgelistet:



Sie wurde im Jahr 2000 bei Spink verkauft und brachte als Endpreis Euro 11'925 ein (Berechnungen von Bolaffi). Das ist nicht riesig viel, vielleicht liegt das daran, dass die Marke keine breiten Ränder hat. Die Marke wurde auch erstaunlich tief geschätzt (Startpreis).

Bei Schubert erhielt diese Marke die Position 33.08 siehe BD [#2]

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.10.2017 21:57:44 Gelesen: 228143# 285 @  
@ Heinz 7 [#282]

Die Briefmarke gemäss Liste Schubert 33.11, Spanien, 1854/55, 1 Real, hellblau auf bläulichem Papier, Senf (1913) Nr. 30 b, hat mich stark beschäftigt!



Anbei sehen wir das schöne/seltene Stück. Das Foto stammt aus dem Auktionskatalog: Afinsa, Madrid, Auktion 17.11.1998; es ist Los 30. Hilfreich ist auch, dass Afinsa die Katalogisierung der wichtigen (Welt-) Kataloge aufführt.

Aus Senf Nr. 30 wurde also Michel Nr. 27y. Im Raritäten-Katalog "Michel, Valuable stamps of the world" von 2010 ist die Marke aufgelistet.

Den aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass ich ein wenig "geschummelt" habe. Oben zeige ich nämlich ein zweifellos gestempeltes Stück, auf Rang 33 der Liste Schubert schaffte es aber die UNGEBRAUCHTE Marke. Die Katalognotierungen 1913 waren klar: *: 1500 Mark, gest.: 375 Mark.

Dass ich uns allen nun keine UNGEBRAUCHTE Marke zeigen kann, hängt damit zusammen, dass ich bis heute noch keine FINDEN konnte! Auch in den grössten Spanien-Sammlungen sucht man die Marke ungebraucht vergebens!

Beispiele gefällig?

1) Maurice Burrus, Balasse 1963: Los 250-254: 5 Lose mit Yvert Nrn. 33, aber nur gestempelte Marken
2) Ramon Ruiz de Arcaute, Luder & Edelmann 1928: Los 2873: Galvez Nr. 34: Marke gestempelt
3) Arthur Hind, Harmer London 1935: Los 280-282: zwei Einzelmarken und ein Wert auf Brief, keine ungebrauchte Marke
4) Alfred Caspary, Harmer New York 1958: Los 526-528: 3 Lose mit Scott Nrn. 33, aber keine ungebrauchte Marke
5) Alfred Lichtenstein, Harmer New York 1966: Los 222: gebrauchte Marke
6) Josiah K. Lilly, Siegel 1967: keine 1 Real "pale blue"
7) "Sarah" Collectio, Corinphila 1999: Los 4292: gebrauchte Marke

Wir bitte? Hatte denn KEINER dieser Sammlung diese Marke ungebraucht?

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.10.2017 22:37:30 Gelesen: 228116# 286 @  
@ Heinz 7 [#285]

Die Spanien-Marke Senf Nr. 30 b, die 1913 mit 1500 Mark bewertet wurde (ungebraucht) ist schwer zu finden! In 7 grossen Spanien-Sammlungen war die Marke nicht enthalten!

Natürlich fragen wir auch nach Ferrary. Der Grossmeister hatte tatsächlich diese Marke in seiner Sammlung und unsere Pupillen weiten sich, wenn wir Los 177 der 8. Ferrary Auktion sehen (108. Auktion Gilbert, Paris, 1923)



Wir lesen die knappe Losbeschreibung:

"* 177 - Idem (= Espagne). 1 R. bleu pâle apparemment neuf, photo pl. 5"

Das passt also! Aufgeregt konsultieren wir die Ergebnisliste und - sind enttäuscht. Die Marke wurde NICHT verkauft, sondern (soweit ersichtlich: als EINZIGES Los dieser Auktion) zurückgezogen. Vermutlich, weil die Marke nicht echt war.

Das heisst also nichts anderes, als dass ich weiter eine Sammlung SUCHE, die diese Marke UNGEBRAUCHT enthielt!

Die deutschen Philatelisten werden nun neun Jahre zurückblättern, denn auch Köhler hatte (2008) eine grosse Spanien-Auktion im Angebot.



Tatsächlich prangt da eine wundervolle Einheit der Michel 27y vom Titelbild - aber: wieder GESTEMPELT!

Wir sehen die grösste bekannte Einheit (Los 610) und die Lose 606-609 sind ebenfalls Michel Nrn. 27y. Los 606+607 sind fast nicht erkennbar gestempelt (ganz schwach); vielleicht hielt man sie (früher?) für ungebraucht?

Fazit: 9 wichtige Spanien-Auktionen - und KEINE ungestempelte Marke (Michel Nr 27y) dabei ... Freunde, im Moment muss ich aufgeben ... ich weiss nicht, wo weitersuchen.

Aber was sagen denn die Kataloge dazu?

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.10.2017 23:00:59 Gelesen: 228104# 287 @  
@ Heinz 7 [#285] und [#286]

Die Marke, die im Senf 1913 ungebraucht mit 1500 Mark notiert war (Senf Nr. 30 b) ist bei Michel nun die Katalognummer 27 y. Im Raritäten-Katalog "Michel, Valuable stamps of the world" von 2010 finden wir folgende Notierungen:

*: -.-
gest.: Euro 7'500

Das bringt uns nun vor neue Rätsel. Warum ist die Marke ungebraucht nicht (mehr) bewertet, und wie entwickelte sich das Ganze?

Die Schweizer Zumstein-Europa-Kataloge kann ich Jahr für Jahr konsultieren und finde Erstaunliches für die Nr. 30a:

Zumstein 1959: *: CHF 25'000 (!), gest.: CHF 2'200
Zumstein 1978: *: CHF 50'000, gest. CHF 12'500

Also sehr hohe Bewertungen!

1979 setzte Zumstein dann die Marke für * auf: -.- (unbewertet). Warum wohl? Die gestempelte Marke kletterte weiter auf CHF 18'000 (1981), bevor sie dann drastisch zurückgestuft wurde: 1995/96 (letze Ausgabe Zumstein Europa):

*: -.-, gest. CHF 9'500.

Auch hier weiss ich nicht, was hinter diesen Entscheiden steckt. Bei Michel sieht es irgendwie ähnlich aus:

Michel 1989/90: (27y): * DM 60'000, gest. 15'500
Michel 2010: *: -.-, gest. 7'500

Der Scott-Katalog (USA) zeigt uns was folgt (No. 33):

1971: *: US$ 15'000, gest. US$ 3'600
2000: *: leer (keine Notierung), gest. US$ 6'250.

Vielleicht sind die Katalogherausgeber zur Erkenntnis gelangt, dass es gar keine ungebrauchten Exemplare dieser Marke mehr gibt?

Wir werden weiter forschen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.10.2017 23:14:29 Gelesen: 228101# 288 @  
@ Heinz 7 [#287]

Oft hilft ein Studium der Spezial-Kataloge, die es (auch für Spanien) gibt. Einen "Edifil"-Katalog habe ich leider nicht, doch vielleicht hilft ein alter GALVEZ-Katalog (Madrid, 1923):



Catalogo de los Sellos de Correos Telegrafos y Fiscales con sus Pruebas y Ensayos de Espana y Colonias - 1923

Auf Seite 11 finden wir

als Nummer 34: 1 R. azul claro: *: 15.000.- gest: 2.750
und auf Seite 13 wird sogar ein Preis für Paare angegeben: "Parejas, Nuevas: 40.000.-".

Offenbar ging man damals wirklich davon aus, dass diese Marke ungebraucht existiert, sogar im Paar!

Vielleicht kann uns ein Spanien-Sammler hier weiterhelfen. Oder ein neuerer Edifil-Katalog.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.10.2017 18:57:56 Gelesen: 227325# 289 @  
@ Heinz 7 [#285]

In Beitrag [#285] - [#288] hat uns Spanien Senf Nr. 30 b / Michel Nr. 27 y beschäftigt. Spanien hat aber auch eine weitere Marke auf Rang 33 der Liste Schubert: Senf Nr. 68 I. von 1865.

Ich habe diese Marke bereits vorgestellt, aber in einem anderen thread (als ich am 1.5.2016 das Thema "Kopfstehende Marken oder Rahmen" eröffnete).



1865 gab Spanien bereits die 11. Ausgabe heraus (Spanien damals in der Regel: eine Ausgabe pro Jahr). Wiederum wurde Königin Isabella gezeigt; 5 Werte ungezähnt (2 Cuartos bis 2 Reales), Senf Nr. 61-65 und, dieselben Marken gezähnt, aber sogar sechs Werte (Senf Nr. 66-71). Heute haben die Marken die Nummern: Michel 61-66 (Nr. 62 entfällt) und 67-72.

Der Wert zu 12 Cuartos (blau/rosa) existiert mit kopfstehendem Rahmen. Der gezähnte Wert ist dabei sehr wertvoll: Senf 1913: Mark 1500!

Diese Marke ist heute nicht mehr ganz so wertvoll wie rund hundert Jahre zuvor. Im Michel Katalog 2010 ist diese Abart bewertet mit "nur" Euro 15'000; dies ist eine kleinere Wertentwicklung als vergleichbare Raritäten.

Das beiliegende Exemplar wurde verkauft 1999



Das Resultat bei Corinphila 1999 (Mai) war immerhin CHF 20'000 + 15 % = CHF 23'000. Damals war der Schweizer Franken gegenüber dem Euro noch nicht so stark, aber immerhin wurde damals der Katalogwert durch das tatsächliche Markt-Ergebnis (fast) voll bestätigt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.10.2017 22:46:01 Gelesen: 227099# 290 @  
@ Heinz 7 [#282] und [#283]

Die Postmeistermarken der USA haben uns schon mehrfach beschäftigt, und nun tun sie es gleich wieder! Und zwar gleich doppelt! Oder sogar vierfach?

Nun, ich habe nicht irgendwelches (philatelistisches) Fieber, sondern stehe vor der nicht so leichten Aufgabe, uns die Raritäten 33.13 und 33.14 der Liste Schubert vorzustellen. Ich will dies jeweils nicht ohne Erläuterungen dazu "erledigen", denn schliesslich möchten wir die philatelistischen Raritäten der Welt richtig kennen- und schätzen lernen.

Im Katalog Senf 1913 ist katalogisiert:

Vereinigte Staaten von Amerika; Lokalmarken
Baltimore. 1846.

Senf Nr. 2: 5 Cents schwarz: *: -.- / gest. Mark 1500
Senf Nr. 2a: bläulich: *: -.- / gest. Mark 1500
Senf Nr. 3: 10 Cents schwarz: -.- / -.-
Senf Nr. 3a: bläulich: -.- / -.-

Die a-Marken sind Marken auf bläulichem Papier, die anderen sind auf weissem Papier.

Die Postmeistermarken aus Baltimore waren sehr lange Zeit unbekannt! Erst 1895 entdeckte man die ersten Exemplare, fast 50 Jahre nach ihrer Verwendung! In den Jahren 1895-1910 wurden dann einige Exemplare der 5 Cent und der 10 Cent-Marke gefunden und zum Teil teuer verkauft.

Im Senf-Katalog 1913 sind nur die 5 Cents-Marken bewertet. Wie viele Exemplare damals bekannt waren, weiss ich nicht, aber es waren nur wenige. Um 1910 war auch klar, dass die 10 Cents-Marke noch seltener ist als die 5 Cents-Marke.

Anbei ein Bild des vielleicht schönsten 5 Cents-Briefes auf blauem Papier



Im Verkauf von Christie's New York vom 12.10.1989 (Weill Brothers' Stock United States Postmasters' Provisionals) wurde dieser Brief wie folgt beschrieben:

"extremely fine- The finest known example of the five-Cent on bluish paper. (...). No. 16 in the Hayes census".

Der Brief wurde trotzdem nur auf US$ 12-15'000 geschätzt. Den erzielten Preis versuche ich noch herauszufinden.

Warum ist dieser Brief nicht teurer? - Sehen wir uns den Michel-Katalog an (2010). Wir sehen Erstaunliches:

Im Katalog Michel 2010 ist katalogisiert:

Vereinigte Staaten von Amerika; Postmeistermarken
Baltimore (Md.) 1845.

Senf Nr. 1: 5 Cents schwarz auf weiss: *: leer / gest. Euro 6'000
Senf Nr. 2: 5 Cents schwarz auf bläulich: *: Euro 70'000 / gest. Euro 6'000
Senf Nr. 3: 10 Cents schwarz auf weiss: *: leer / -.-
Senf Nr. 4: 10 Cents schwarz auf bläulich: *: leer / Euro 70'000

Wir sehen, dass die 5 Cents Marken im Vergleich zu 1913 sehr tief bewertet sind! Und wir sehen, dass ungebraucht offenbar nur die 5 Cents auf bläulich existiert.

Aus anderen Quellen weiss ich, dass die 10 Cents-Marke äusserst selten ist! Es gibt nur 7 Exemplare!

... auf weissem Papier: 5 Briefe
... auf bläulichem Papier: 1 Brief und 1 Fragment

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.10.2017 23:03:20 Gelesen: 227081# 291 @  
@ Heinz 7 [#290]

Anbei die selbe Marke noch auf weissem Papier. Auch hier als Exemplar auf Brief



Dieses Prachtstück ziert heute die Sammlung Erivan Haub und ist in dem wunderbaren Buch über seine Sammlung "Postmasters' Provisionals; The "Erivan" Collection" (2016) auf Seite 28 abgebildet.

Welche(n) Preis(e) dieser Brief in den letzten 170 Jahren erzielte, ist eine schwierige Frage. Aber vielleicht finden wir Antworten?

Heinz
 
Heinz 7 Am: 19.10.2017 20:24:36 Gelesen: 226629# 292 @  
@ BD [#2]

Position 33.15 bei Schubert ist von einer weiteren USA-Marke belegt. Hier ein schönes Bild davon von einer Auktion vom 2.3.2011 von Robert Siegel, New York: Sale 1005: The New Amsterdam Collection of City Despatch Post.



Aus der Auktionbeschreibung lesen wir, dass diese Marke wirklich sehr selten ist. Es soll nur ca. 10 Stück davon geben.

"Sale Number 1005, Lot Number 216, 1842-46 United States City Despatch PostU.S. City Despatch Post, New York N.Y., 3c Black on Rosy Buff Unsurfaced (6LB2), U.S. City Despatch Post, New York N.Y., 3c Black on Rosy Buff Unsurfaced (6LB2)U.S. City Despatch Post, New York N.Y., 3c Black on Rosy Buff Unsurfaced (6LB2). Position 21R, unused (no gum as always), large even margins, without any thins, beautiful impression on bright paper, certificate notes "tiny gum soiling in the margins at top right and bottom left" but this is of absolutely no significance

EXTREMELY FINE. THE FINEST OF THE APPROXIMATELY TEN KNOWN EXAMPLES OF THE 3-CENT ON ROSY BUFF PAPER."

Die heutige Scott Nr. 6LB2 ist allem Anschein nach die Senf Nr. 8 (von 1913). Damals war die Marke ungebraucht mit 1500 Mark bewertet. Die Farbe "bräunl'gelb" passt meines Wissens zur Marke Scott 6LB2. Die Marke existiert auch in anderen Farben:

Senf 9a = blau
Senf 9b = blaugrau
Senf 10a = grün
Senf 10b = bl'grünl.
Die Nummern 9 und 10 sind - sofern sie denn 1913 bewertet waren - deutlich tiefer notiert als die seltene Nummer 8.

Alles gut also? Aufgabe gelöst? - Nun, da gibt es ein grosses Fragezeichen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 19.10.2017 20:57:20 Gelesen: 226613# 293 @  
@ Heinz 7 [#292]

Die oben gezeigte Marke ist äusserst selten und war schon vor 100 Jahren sehr teuer. Wir erwarten also einen hohen Katalogpreis auch heute. - Und sind überrascht.

Die Marke hatte 2010 oder 2011 gemäss Auktionskatalog nur einen Katalogwert von US$ 2'500. (Die Marke erzielte übrigens einen Zuschlagpreis von US$ 4'500). Im Katalog Scott 2000 ist sogar nur ein Katalogwert von US$ 1'250 genannt! Das ist natürlich weit unter unseren Erwartungen!

Was ist denn da passiert? - Eine mögliche Erklärung könnte sein:

1913 wurde die Marke bei Senf zusammen mit den anderen Postmeistermarken der USA aufgelistet, als eine von 20 Marken (siehe Katalog Seiten 1246+1247). Heute allerdings figuriert diese Marke NICHT mehr unter den Postmeistermarken, sondern "irgendwo hinten"

Siegel klassiert die Marke wie folgt:

U.S. Stamps
Back-of-Book
Carriers, Locals and Independent Mails

Im schönen Buch "Postmasters' Provisional Stamps" von John N. Luff von 1937 stellt dieser berühmte Philatelist Postmaster-Marken aus 23 Städten vor. New York ist auch darunter, aber nur eine andere Marke zu 5 Cents (Bildnis George Washington). Folglich hatten die grossen US-Postmaster-Sammler keinen Grund mehr, diese Marke zu suchen.

Die "Verbannung" der Marke in den hinteren Teil des Kataloges hatte ganz offensichtlich einen sehr starken Einfluss auf ihre Beliebtheit/ihren Wert!

Einen weiteren Hinweis gibt uns Michel. In diesem Katalog (Valuable Stamps of the World 2010) werden die grünen und blauen bildgleichen Marken katalogisiert als Nr. 2,3,4 und 5. Eine Marke bräunlichgelb wird hier NICHT erwähnt. Aber etwas weiter unten steht ganz klein: "Essay: schwarz auf rosa". Ist damit diese Marke Scott 6LB2 gemeint? Ich weiss es nicht. Seltsam ist es aber, dass eine Marke mit der Farbe "rosy buff" bei Michel sonst nicht gelistet ist.

Das wäre dann meine nächste Frage an einen US-Spezialisten.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 24.10.2017 23:42:36 Gelesen: 225475# 294 @  
@ Heinz 7 [#282]

Mit Victoria, Baton Rouge und Livingston haben wir bereits drei verschiedene Marken der Konföderierten Staaten von Amerika kennen gelernt. Als 16. Marke mit einem Katalogwert von 1500 Mark (im Senf 1913) schafft es mit Spartanburg sogar eine vierte Marke auf die Liste der Teuersten 1913.

Im Senf 1913 waren vermerkt
Nr. 63: 5 Cents schwarz: Katalogwert 500 Mark
Nr. 63a: 5 Cents schwarz auf bläulich: KW 1'500 Mark

Das Bild zeigt eine Marke mit schmaler Ziffer. Andere, spätere Kataloge zeigen aber, dass die Nr. 63a wohl eine Marke mit breiter/fetter Ziffer ist. Der Katalog Scott erteilt zwei Nummern:

78X1 für die schmale Ziffer
78X2 für die breite Ziffer: black on bluish

...aber wir finden gar eine dritte Marke
78X3 für die breite Ziffer: black on brown.

Diese Marke war im Senf noch nicht erwähnt. Aber im Michel 2010 finden wir diese drei Marken ebenfalls. Die Marke Michel 2a Spartanburg ist dabei "unsere" Senf Nr. 63a.



Diese Abbildung habe ich bei Siegel gefunden. Der Text zur Auktion ist aufschlussreich:

"Sale 869, Datum: 15. November 2003"

Spartanburg S.C., 5c Black on Bluish (78X2). Cut to shape, part of stamp missing (most likely prior to use), tied by neat "Paid" cancel, "Spartanburg S.C. Sep. 2, 1861" double-circle datestamp on cover to "Company IE Spartan Rifles, 5th Palmetto Regt. So. Sar. Volunteers, Col. M. Jenkins Commander, Tudor Hall Near Manassas Junction Virginia", missing top flap

THIS IS THE ONLY RECORDED EXAMPLE OF THE 5-CENT SPARTANBURG PROVISIONAL ON BLUISH PAPER, ON OR OFF COVER.
 
Heinz 7 Am: 25.10.2017 00:17:19 Gelesen: 225469# 295 @  
@ Heinz 7 [#294]

Gemäss obiger Auktionsbeschreibung ist diese Marke also ein Unikat! Ich habe eine 5 Cents schwarz auf bläulich in mehreren Spezialauktionen CSA gesucht, aber nicht gefunden, bis auf...

1956 Caspary
Sale 3, no. 989-991, 5.-7. März 1956; Los 459

Das Bild zeigt zweifelsfrei dieselbe Marke! Im Auktionskatalog von Harmer, New York steht:

"The stamp is defective at bottom but excessively rare".

Gemäss Ergebnisliste erzielte der Brief ein Verkaufsresultat von US$ 380. Das ist nun nicht besonders viel.

Sehen wir uns die Katalogpreise an.

Scott 2000: 78X2 = gestempelt: US$ 4'000; on cover: US$ 15'000
Michel 2010: 2a = gestempelt: Euro 5'000; auf Brief: Euro 18'000.

Wenn die Marke wirklich ein Unikat ist, so wird uns der tiefe Preis erstaunen.

Folglich ist auch das Auktionsresultat bei Siegel keine Überraschung:
Auktion 869 vom 15.11.2003; Katalogpreis: US$ 15'000 - Zuschlagpreis: US$ 9'500. Dazu kamen vermutlich noch Provisionen.

Als Fazit können wir sagen:

Die Marke Senf 63a (1913) ist wirklich ausserordentlich selten, aber sie hat sich preislich unterdurchschnittlich und enttäuschend entwickelt in den letzten 100 Jahren.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.10.2017 22:21:21 Gelesen: 225287# 296 @  
@ Heinz 7 [#294]

Ich habe oben erwähnt, dass von Spartanburg neben einer Postmeister Marke mit schmaler Ziffer und einer mit breiter Ziffer auf bläulichem Papier auch eine dritte Marke existiert auf braunem Papier (Michel Nr. 2b, Scott No. 78X3). Diese war 1913 im Katalog Senf nicht aufgeführt.

Gerne zeige ich nun diese Scott 78X3. Auch diese Marke ist angeblich ein Unikat, so wie offenbar auch die Scott 78X2! Die Marke ziert die phantastische Sammlung von Herrn Erivan Haub



Herr Haub vermerkt richtig, dass die Marke 1956 in der Caspary-Sammlung war! Sale 3 Caspary = Harmer Sale 989-991, Los 460. Dort erzielte der Brief US$ 525, also etwas mehr als die 78X2 (an derselben Auktion), aber auch nicht riesig viel.

Interessant sind sicher die neueren Katalogwerte:
Scott 2000 = 78X3 = US$ 4'000, on cover = US$ 18'000
Michel 2010 = 2b = Euro 5'000, auf Brief = Euro 20'000

Also leicht höher als die oben gezeigte Marke auf bläulichem Papier (Beitrag 294-295). Das ist nachvollziehbar, denn die bläuliche Variante ist doch arg beschädigt.

Allerdings ist auch der "braune" Brief nicht fehlerlos! Im Harmer-Katalog 1956 sieht man gut, dass der Brief am oberen Rand, oberhalb des Stempels, eine grössere Fehlstelle hatte (Briefteil ausgerissen). Dies wurde in der Zwischenzeit repariert, man sieht das auch am Foto oben: da wurde ein Briefteil ergänzt und der obere Teil des linken Stempels "Spartanburg" nachgezeichnet.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.10.2017 22:50:41 Gelesen: 225093# 297 @  
@ Heinz 7 [#88]

Die Toskana 3 Lire Weltrarität habe ich in Beitrag 88 bereits gezeigt. Dass ich nun nachdopple, hat seinen Grund.

Im Senf 1912 (und 1913) ist nur die gestempelte Variante mit einem Katalogwert angegeben: Mark 1400. Das ist etwas schade, denn die Marke gibt es in ganz wenigen Exemplaren auch ungebraucht! Senf konnte oder wollte sie aber vor rund 100 Jahren nicht bewerten.

Im Michel-Katalog 2010 habe wir zum Glück beide Notierungen:
Gestempelt: Euro 70‘000
Ungestempelt: gar Euro 160‘000.

Das sind sehr stolze Werte und sie platzieren die Toskana 3 Lire heute noch weiter vorne als 1912/1913.

Im Auktionskatalog zur Burrus-Sammlung (1./2.12.1964) suchen wir vergeblich eine 3 Lire Marke ungebraucht! Aber Burrus hatte auch diese Weltrarität in seiner Sammlung, wie das Buch von Giulio Bolaffi zeigt („The Stamps of Maurice Burrus; Old Italian States“, ca. 1956).



Diese Exemplare sind sehr schön, weit überdurchschnittlich. Die 3 Lire ist meist angeschnitten. Ich nehme an, die 3 Lire ungebraucht wurde separat verkauft und fehlte darum in der Robson Lowe-Auktion.

Sehr interessant ist auch, dass im Handbuch von Paul Kohl („Kohl Briefmarken-Handbuch und Grosser Katalog; 10. Jubiläums-Ausgabe, 1915“) beide Varianten bewertet waren:

Gestempelt: Mark 1500 (= 107 % von Senf 1912)
Ungestempelt: Mark 4500. Diesen Wert sollten wir uns merken, wir können ihn meines Erachtens als Richtgrösse heranziehen. Mit 4'500 Mark wäre die Marke auf der Liste Schubert ganz weit vorne platziert gewesen; nur 5 Marken waren bei Schubert noch höher bewertet!

Heinz
 
10Parale Am: 28.10.2017 22:09:32 Gelesen: 224758# 298 @  
@ Heinz 7 [#185] und [#131]
@ BD [#132]

Am Stand der philatelistischen Bibliothek Hamburg in Sindelfingen - von Frau Schwanke gut gepflegt - fand ich folgenden Auktionskatalog:

GUIDO CRAVERI "HARMERS AUCTIONS SA" "HAWAIIAN MISSIONARIES", LUGANO, Saturday 4 June 1994

Es fanden demnach in Lugano am 4. Juni 1994 und in New York nachfolgend vom 16. - 19. May Auktionen statt, ausschließlich mit Raritäten aus Hawai.

Der Katalog gibt eine etwas andere Aufstellung der noch vorhandenen Exemplare wie in #131. Diese Aufstellung "Census" beruht auf einen John K. Bash, welche durch Geoffrey Brewster noch einmal ein Update erfuhr. Demnach gibt es insgesamt 173 Missionaries.

Mir fällt auf, dass es von der Scott Nr. 1 (2 Cents) exakt 1 ungebrauchtes Stück geben soll, ebenso nur 1 Exemplar auf Brief.

Hier die Aufstellung:

Nr. 1 Total: 15 Stück
Nr. 2 Total: 55 Stück
Nr. 3 Total: 60 Stück
Nr. 4 Total: 43 Stück

Summe: 173 Stück
 

Differenz zu deiner Aufstellung in #131: Nr. 1 = 0 Nr. 2 = -6 Nr. 3 = -10 Nr. 4 = -8

Ich zeige hier Katalog Nr. 101 - eine 2 Cents Marke Michel Nr. 1, die an der Auktion in Lugano (eine von 35 Auktionslosen) für 200.000 Schweizer Franken angeboten wurde. Ob ein Zuschlag erzielt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Marke ist gestempelt. Weshalb dieser exorbitante Ausruf?

Wo ist die ungebrauchte Michel Nr. 1, sie müsste doch die teuerste aller Marken sein?

Von der Michel Nr. 4, die exorbitant selten ist (da in zwei Typen auftretend, gibt es wie Heinzz uns auch schildert) nur 7 gestempelte Stück der Michel Nr. 4 Typ II., werden in dem hier abgebildeten Katalog 11 Stück (Typ I und II) angeboten, die teuerste mit einem Ausruf von 40.000 Schweizer Franken.

Die Hawaian Missionaries sind sicherlich eine Highlight der Upper Class Philately und damit auch der Forschung. Da ich sie mir in diesem Leben nicht leisten kann, freue ich mich, sie im Katalog zu studieren.

Liebe Grüße

10Parale


 

Heinz 7 Am: 29.10.2017 12:11:04 Gelesen: 224647# 299 @  
@ 10Parale [#298]
@ Heinz 7 [#131]
@ Heinz 7 [#282]

Lieber 10 Parale,

Du lässt Dich auch von den klassischen Hawaii-Marken Nrn. 1-4 begeistern, gleich wie ich! Hawaii Nr. 1-4 ist aber auch etwas vom Besten, das es gibt!

Ich habe in meiner Übersicht (Beitrag [#282]) die Hawaii Nr. 1 aufgenommen unter den "fehlenden Marken" (bei Schubert nicht bewertet) und habe dies auch etwas kommentiert. In der Tabelle (Beitrag 282) fehlt allerdings der Hinweis auf Beitrag [#131] und [#133], [#134], [#136], als ich genau über die Hawaii Two Cents einiges beschrieb, das auch Dich heute beschäftigt.

Im Juni 2017, als ich Beitrag [#131] schrieb, wussten wir noch nicht, welche Tabelle Bernd uns in Beitrag [#2] vorgestellt hat. Bernd hat in Beitrag [#132] dann Aufklärung gebracht. Wir wissen seither, warum die Hawaii Nr. 1 nicht ganz weit oben auf der Liste der Teuersten (bei Schubert) erschienen ist. Die Hawaii Nr. 1 ungebraucht gehört aber zu den "Top Ten" der Teuersten. Ein Katalogwert von Euro 700'000 (Michel 2010) ist ja auch sehr beachtlich!

Anlässlich der Burrus-Auktionen 1962-1967 erzielte die Marke auch einen Rekordpreis; ich meine mich an den realisierten Preis zu erinnern: US$ 41'000. Das tönt heute nach "wenig", war damals aber ein sehr hohes Resultat (und wurde als Rekorderlös gefeiert).

Bei einer generellen Besprechung der BURRUS-Auktionsresultate werde ich auf dieses Verkaufsergebnis zurückkommen. (Dies kommt aber erst in einem späteren Kapitel bei meinem "Lehrgang" durch unser "Studium" "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" vor). :-)

Eine letzte Ergänzung zu Deiner Frage: "Weshalb dieser exorbitante Ausruf?" (zur Hawaii Two Cents gestempelt). Nun - Eine Marke, die einen Katalogwert von Euro 300'000 hat, darf schon einmal hoch ausgerufen werden. Ich werde nachsehen, ob ich herausfinde, ob das Los damals (1994) verkauft wurde und zu welchem Preis.

Schöne Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 29.10.2017 22:47:24 Gelesen: 224511# 300 @  
Liebe Alle,

in den letzten Wochen und Monaten konnte ich viele Beiträge zu unserem wunderschönen Thema schreiben, uns so erreichen wir heute Beitrag 300! Das freut mich sehr, und ist zugleich Anlass, wieder einmal eine Übersicht einzublenden.



Wir sehen also, dass nicht mehr viel fehlt, und wir haben unser erstes grosses Ziel erreicht, und die ersten 57 Positionen unserer Liste besprochen (plus ein paar zusätzliche). Einzelne Marken sollten/werden wir noch etwas ausführlicher besprechen und vielleicht können wir auch die Fragezeichen, die aufgetaucht sind, später noch auflösen.

Bei unserem "Studium" der berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt, sind wir aber noch lange nicht am Ende, sondern wir wollen noch viele zusätzliche Aspekte und Veränderungen nach 1913 kennen lernen, wie bereits angekündigt.

Ich wünsche allen eine gute neue Woche!
Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.11.2017 00:11:38 Gelesen: 223015# 301 @  
@ Heinz 7 [#300]

Nach meinen Auslandferien freue ich mich, eine weitere spannende Entdeckung vorstellen zu können. Wie in Beitrag 300 gezeigt, habe ich mich in letzter Zeit meist an meinen "Lehrplan" gehalten, und eine Marke nach der anderen aus der Liste Schubert 1913 gezeigt.

Heute möchte ich aus gegebenem Anlass einen "neuen Star" vorstellen, der meines Erachtens aber zu Recht unter dieser Rubrik "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" erscheint. Er FEHLTE aber auf der Liste Schubert 1913. Warum?

Nach Informationen aus "Philatelic Gems II" von Donna O'Keefe, 1985, Linn's Stamp News, Amos Press Inc., USA-Sidney Ohio, Seite 127-128 gab es schon 1880 Gerüchte um eine alte russische Briefmarke, die sogar älter sein soll als die erste russische Marke von 1858 (der Michel Nr. 1): Staatswappen im Oval, mit Mantel und Krone (1.1.1858 (gemäss Michel 1999/2000) oder 10.12.1857 (gemäss Michel 2010). Es soll in der georgischen Hauptstadt Tiflis schon 4 Monate zuvor eine 6 Kopeken-Marke herausgegeben worden sein.

1889 schrieb der damals weltbekannte belgische Händler Moens dem Postmeister von Tiflis, welcher ihm die Herausgabe einer solchen Marke 1857 bestätigte. Allerdings war kein Stück davon mehr zu finden, und so erschien erst 1924 die erste Abbildung dieser Marke in eime Artikel von K.K. Schmidt. 1930 sei die Marke dann erstmals ausgestellt worden, an der IPOSTA 1930 in Berlin.

Offenbar wurde also 1857 eine Lokalmarke in Tiflis (Russland) herausgegeben. (Wir kennen das auch von anderen Ländern als Russland!). Da aber 4 Monate später schon die russische Post mit eigenen Marken nachzog, war die Tiflis-Marke nur kurz in Gebrauch; sie wurde 1858 zurückgezogen. Nach O'Keefe gab es (1985) weniger als 6 Stück ("less then a half dozen copies"). Drei davon stammen aus der Sammlung von Agathon Fabergé, dem berühmten russischen Sammler.



Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.11.2017 00:44:58 Gelesen: 223010# 302 @  
@ Heinz 7 [#301]

Der oben gezeigte Nachdruck eines Auktionskataloges des Auktionshauses Harmer's ist für uns höchst interessant. Sale 1152-1153 vom 20./21.11.1939 fängt an mit einem Paukenschlag, denn zu Beginn der Sammlung AGATHON FABERGE RUSSIA kommen tatsächlich drei Marken zur Versteigerung:

Tiflis, Nov. 1857, 6 Kopeken weiss.

Ohne grossen Kommentar werden die drei ungebrauchten Marken angeboten und zwei davon gemäss Ergebnisliste auch verkauft (Los 1+2). Spätestens von da an sollten wir erwarten können, dass die Briefmarke in den Weltkatalogen auch aufgelistet wird.

Doch wir suchen weitgehend vergeblich.

Im Michel-Raritäten Katalog 2010 ist die Marke nicht enthalten*. Aber im Michel Europa-Katalog Ost 1999/2000 finden wir auf Seite 997 folgenden Eintrag:

"Stadtpostmarken.
Tiflis
1857, 20. Juni. Stadtpostmarke für Tiflis. Farbloser Prägedruck."

Die Marke ist aber nicht bewertet (Angabe: "-.-"). Darum fehlt die Marke wohl auch im Raritäten-Katalog 2010.

Donna O'Keefe bewertete die Marke mit US$ "7,250 plus" und bezog sich dabei offenbar auf den Verkauf eines Exemplares bei Siegel: ex Stibbe coll., sold 1971, for US$ 7'250.

Sehr spannend war nun die Ankündigung von Spink, London, dass se wieder eine solche Briefmarke verkaufen wollen: The Philatelic Collector's series sale 17026; October 25+26, 2017. Los 1677.

Wir lesen da:

"(x) Russia
1857 Tiflis Local
6k. embossed in colourless relief on thick white paper, unused without gum, margins all round, generally fine and sharp embossing; a few very minor surface marks. A superb and wonderful recently discovered World Rarity which had remained unrecognised in an old Oppens album in New Zealand for the last 100 years or so. The first stamp of Russia and one of only six recorded genuine examples, two of which are in institutional collections. With R.P.S. Certificate (2016). Photo"



Schätzpreis war - satte GB£ 70'000!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.11.2017 00:58:54 Gelesen: 223009# 303 @  
@ Heinz 7 [#302]

Die angebotene Marke ist also eine Neuentdeckung! Und das heute, 2017! Spink listet auf, wo die 5 anderen Exemplare auftauchten, und wir sehen, dass zwei Exemplare in Museen untergebracht sind; die Nummern 4 und 5 nach der Zählung von Spink. Die Nummer 5 muss dabei wohl das Exemplar sein, dass an der IPOSTA 1930 von Schmidt ausgestellt wurde (Berliner Postmuseum), die Nummer 4 ist angeblich im Smithsonian Institute.

Die Nummern 1-3 sind die Exemplare, die wir bereits 1939 bei Fabergé fanden. Das neu entdeckte Exemplar wird bei Spink als Nummer 6 gelistet.

Das Stück wurde für beeindruckende GB£ 165'000 verkauft; dazu kommen vermutlich noch Aufgelder etc. von 20 % (?), darum wird auf der Homepage bei Spink ein Preis von GB£ 198'000 genannt.

Damit hat die Marke, 160 Jahre nach ihrer Verausgabung, wohl die höchste Beachtung gefunden, die ihr je zuteil wurde!

Man darf gespannt sein, ob die Kataloge die Marke in Zukunft nun bewerten werden, und wie hoch.

Heinz
 
marc123 Am: 17.11.2017 18:43:03 Gelesen: 221675# 304 @  
@ Heinz 7 [#202]

Bilder von den sechs ungebrauchten Einzelmarken und dem Paar der Sherwin-Ausgabe und deren Proenienzen.



Provenienz: Sammlung Ph. la Renotiere v. Ferrary 2 (M.G. Gilbert 12.10.1921, Los 423).
Sammlung Louise Boyd Dale/Alfred F. Lichtenstein Sale 1 (H.R. Harmer 21.10.1968, Los 85).
Sammlung Hiroyuki Kanai (Feldman 03.11.1993, Los 201).



Provenienz: Sammlung Ph. la Renotiere v. Ferrary 6 (M.G. Gilbert 23.04.1923, Los 353).
Sammlung A. Hind Sale 4 (Phillips & Kennett 31.03-10.04.1934, Los 355); (H.R. Harmer 11.-14.06.1934, Los 383).
Sammlung A. H. Caspary Sale 12 (H.R. Harmer 24-26.02. 1958, Los 702).
Sammlung J.K. Lilly Session 2 (R. Siegel, 15.03.1967, Los 1054).
Sammlung Hiroyuki Kanai (Feldman 03.11.1993, Los 202).




Sammlung A. Hind Sale 4 (Phillips & Kennett 31.03-10.04.1934, Los 356).
Sammlung, König Karol von Rumänien (erwähnt bei der "Chartwell" Sammlung).
Sammlung "Chartwell" (Spink 28.06.2011, Los 109.




Sammlung Louise Boyd Dale/Alfred F. Lichtenstein Sale 6 (H.R. Harmer 29.09.1969, Los 119).



Sammlung Royal Philatelic Collection (Courtney N., The Queens's Stamps (London 2004), 92).



Sammlung H.P. Manus (Plumridge & Co 10.03.1933, 93).



Sammlung A. Hind Sale 4 (Phillips & Kennett 31.03-10.04.1934, Los 357).

Interessant ist, dass bei sämtlichen Aufzählungen die beiden Letztgenannten fehlen. Diese scheinen in Vergessenheit geraten zu sein.

Liebe Grüße
Marc
 
Heinz 7 Am: 17.11.2017 20:24:06 Gelesen: 221625# 305 @  
@ marc123 [#304]

Lieber Marc,

ich gratuliere zu dieser interessanten Zusammenstellung!

Zum Exemplar "Manus" steht im Auktionskatalog: "apparently *, very rare, but repaired". Vielleicht bestätigte sich die Vermutung nicht, dass das Stück ungestempelt ist? - Das wäre eine Erklärung.

Zum Deinem letzten Exemplar "Hind" kann ich noch nicht viel sagen. Hind wurde zwar angeboten im Katalog von Phillip & Kennett, definitiv verkauft aber bei H.R. Harmer in London! Im Auktionskatalog (Sales 684-687) ist aber nur eine Marke ungebraucht angeboten (Los 383) (bei Dir als zweite Abbildung gezeigt). Warum Harmer "nur" eine Marke anbietet, wenn die Sammlung angeblich zwei enthielt, ist mir nicht klar.

Vielleicht steht etwas in den britischen Fachblättern? Manus und Hind waren beide in den Dreissigerjahren.

Liebe Grüsse
Heinz
 
marc123 Am: 17.11.2017 23:15:33 Gelesen: 221562# 306 @  
@ Heinz 7 [#305]

Lieber Heinz,

vielen Dank.

Die Abbildung vom "Manus" Exemplar reicht nicht aus um da mehr zu erfahren. Es kann aber sein dass du recht hast, dass das Stück nicht ungestempelt ist. Eine Möglichkeit wäre eine entfernte Federentwertung. Zu den "Hind" Exemplaren, es sind bei der ersten Auktion drei gewesen (Bei mir 2,3 und 7). Ich dachte vielleicht an ein Sammellos, aber da kommt im Katalog keines in Frage, außer ich habe etwas übersehen. Die beiden sind qualitativ wesentlich schlechter als das das bei der zweiten Auktion angeboten wurde.

Britische Fachblätter aus dieser Zeit habe ich leider nicht.

Dass einige ungebraucht Exemplare in Vergessenheit geraten sind, könnte z.B. der Auktionskatalog von Feldman (1993, 119) zum Los 202 beweisen. Hier wird erwähnt, dass nur zwei ungebrauchte Einzelstücke bekannt sind. Das Gleiche schreibt Kanai (Classic Mauritius. The locally printed postage stamps 1847-59 (London 1981), 111.). Dass Herr Kanai die Auktionskataloge der großen Sammlungen nicht gekannt haben soll würde mich allerdings verwundern. Vielleicht hatte er Zweifel an der Echtheit anderer Stücke?

Liebe Grüße
Marc
 
Heinz 7 Am: 18.11.2017 23:51:11 Gelesen: 221286# 307 @  
@ marc123 [#306]

Lieber Marc,

Arthur Hind war ein "Titan" unter den Briefmarkensammlern! Zu Recht wird er zu den "grössten" gezählt; seine Sammlung war märchenhaft!



Als seine Erben nach seinem Tod die Sammlung verkauften, war die Zeit eine sehr unsichere! Die damalige Wirtschaftskrise gilt meines Wissens als schlimmste der letzten 150 Jahre!

1933 durften Charles J. Phillips und William C. Kennett den ersten Teil der Super-Sammlung in New York verkaufen (siehe Auktionskatalog vom 20.-24.11.1933). Der Teil USA wurde in 1653 Losen verkauft.

Obwohl das Ergebnis der Auktion nach Carlrichard Brühl nicht schlecht war, waren die Erben mit dem Ergebnis unzufrieden. Henry R. Harmer nutzte die Chance und bot der Erbengemeinschaft an, die übrigen Teile der Sammlung über SEINE Auktionsfirma in Europa zu verkaufen! Zur Freude des Briten nahmen die Erben das Angebot an, und die Riesen-Sammlung wurde "über den Teich" nach London verschifft, wo am 1.5.1934 der erste Teil der (Rest-) Sammlung zur Auktion kam! H.R. Harmer hatte einen riesigen Prestige-Erfolg errungen!

Phillips/Kennett hatten den Auktionskatalog zur zweiten Auktion bereits gedruckt!



Sie planten einen "Monster-sale" an 9 Tagen (31.3.-10.4.1934 (ohne 1./8.4.1934)) mit 3506 Losen "British Empire", aber der Verkauf in New York fand nie statt!

Es ist nun höchst erstaunlich, dass das Angebot nicht (genau) dasselbe war! Dies sehen wir gut am Beispiel von Mauritius.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 19.11.2017 00:21:58 Gelesen: 221275# 308 @  
@ Heinz 7 [#307]
@ marc123 [#304]
@ Heinz 7 [#202]

Der Mauritius-Teil war sicherlich einer der Höhepunkte der Hind-Sammlung. Im Auktionskatalog von Phillips & Kennett umfasste das Angebot die Lose 1399-1796! Der klassische (älteste) Teil war in schwindelerregender Dichte und Qualität vorhanden.

Marc schreibt nun von ZWEI Losen 356 und 357, welche "unsere" seltene UNGEBRAUCHTE Mauritius-Marke der Sherwin-Ausgabe beinhalten. Tatsächlich finden wir auf der ca. 30. Fototafel die gesuchten Lose.



Ich schreibe "ca.", weil die Fototafeln waren lose in einem separaten Fototeil enthalten.

Um genau zu sein, müssten wir von "Fotos" 355, 356 und 357 sprechen, nicht von den "Losen". Natürlich waren nicht ALLE Lose abgebildet (in diesen frühen Jahren war dies noch nicht üblich), sondern es galt:

Los 1592 war abgebildet = Foto 355
Los 1593 war abgebildet = Foto 356
Los 1594 war abgebildet = Foto 357.

Sehen wir uns den Text an:

Titel: "Oct. 1859. The Large Fillet"

Los 1592: 2d. dark blue (No. 5), superb unused, gum (Photo 355)
Los 1593: 2d. dark blue (No. 2), unused, close on right (Photo 356)
Los 1594: 2d. dark blue (No. 6), used, close on 3 sides (Photo 357)

Es ist kein Zweifel: CP boten ZWEI ungebrauchte 2 Pence-Marken an! Das ist auch am Katalogwert erkennbar, der für Los 1592 und 1593 bei jeweils stolzen US$ 4'000 lagen. Los 1594 hatte einen Katalogwert von US$ 400. Ich zeige diese dritte Marke nur zu Vergleichszwecken. Interessant: auch bei Foto 357 sieht man nicht eindeutig, ob die Marke einen Stempel trägt oder ob sie ungestempelt ist!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 19.11.2017 00:42:32 Gelesen: 221262# 309 @  
@ Heinz 7 [#307]
@ Heinz 7 [#308]
@ marc123 [#304]

Der Verkauf in New York fand nie statt, die Kataloge waren umsonst gedruckt worden! Doch wenige Wochen später bot H.R. Harmer in London (fast) dieselbe Sammlung in London an, an seiner eigenen Auktion (sales 684-687, 11.-14.6.1934, "fourth portion" der Hind-sales).

Wir suchen unsere Mauritius-Marken, Sherwin-Ausgabe und sehen Erstaunliches:



Titel: "October 1859 / Large Fillet / S.G. 30" (S.G. steht für den Katalog: "Stanley Gibbons")

Los 383: "2d. DEEP BLUE (No. 5), unused with part gum, large margins all round and superb (see photo, plate XIX)"

Los 384 war dann dieselbe Marke, aber gestempelt. Bei Phillips & Kennett war Los 384 Foto 364.

WARUM bei H.R. Harmer London die zweite ungebrauchte 2 Pence Marke aus der Sammlung Hind fehlte, weiss ich nicht! Marc hat eine höchst interessante Entdeckung gemacht!

Liebe Grüsse und gute Nacht!
Heinz
 
marc123 Am: 19.11.2017 22:17:07 Gelesen: 220978# 310 @  
@ Heinz 7 [#309]

Lieber Heinz,

vielen Dank für diese aufwendige und interessante Recherche. Ich glaube du hast genauso viel Freude an diesem Thema wie ich. Ich gebe dir absolut recht, die Begriffe "Lose" und Fotos zu unterscheiden. Die letzte Marke würde ich nun nicht mehr mit in die Aufzählung nehmen oder zumindest mit Fragezeichen. Ich glaube auch eher der Katalogbeschreibung dass sie gestempelt ist als der Fototafel auf der sie ungebraucht aussieht. Noch eine Überlegung zum "Manus" Stück. Die Marke ist unten stark angeschnitten. Es ist möglich, dass sich an der abgeschnittenen Stelle ein kleiner Teilabschlag eines Stempels befand der durch abschneiden des Markenteils "entfernt" wurde. Dies ist nicht auszuschließen und man kann dann über den Begriff ungebraucht streiten.

Noch etwas trauriges zum Paar. Dieses wurde laut Rudge (2006, 50) getrennt "severed after 1993". Im Mauritius Pricing Guide to Classic von David Feldman, der sich im Anhang der "Rarities of the World, Autumm 2006" befindet steht "The unique pair, sold in 1993, since severed into two singles & rejoined".

Weist du oder sonst jemand etwas mehr darüber?

Liebe Grüße
Marc
 
Heinz 7 Am: 20.11.2017 23:12:58 Gelesen: 220635# 311 @  
@ marc123 [#310]

Lieber Marc,

ich habe Los 1594 (Hind) nur aus Vergleichsgründen gezeigt, weiss aber, dass sie "gebraucht" ist, und damit keine grosse Seltenheit.

Los 1593 wurde in London 1934 vielleicht als "nicht echt" enttarnt (Los 1592+1594 sehen anders aus, finde ich!). Vielleicht war DAS der Grund, warum Harmer das Los 1593 NICHT in seine Auktion aufnahm? Grosses Fragezeichen.

Ob beim Manus-Stück Deine "Erklärungs-Variante" zutrifft, wissen wir beide nicht, denkbar wäre es aber!

Dass der Käufer des Sherwin *-Paares dieses GETRENNT hat, war eine Riesen-Dummheit; der Kerl hat mit diesem Scherenschnitt auch gleich ein paar zehntausend Euro Wert vernichtet! Ich zitiere aus dem Auktionskatalog David Feldman (1993): "The most valuable item of Mauritius outside the Post Office issue." (Aber NUR das Paar, NICHT die Einzelmarken). Unglaublich, dass dies im späten XX. Jahrhundert noch vorkam; anfangs XX. Jahrhundert war es noch keine Seltenheit, aber "heute" sollte man meinen, die Leute seien besser informiert und hätten aus Schaden gelernt. Naja, wir können es beide nicht ändern!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.11.2017 23:41:55 Gelesen: 220622# 312 @  
@ Heinz 7 [#300]

Auf Platz 50 der Liste Schubert stehen 7 Marken mit einem Katalogwert von 1200 Mark. Davon ist eine von Britisch-Zentralafrika.

Der Senf-Katalog katalogisierte wie folgt:

Britisch-Nyassaland
Neue Ausgabe. Wappen mit zwei Negern zu den Seiten; Steindruck, ausser 1 P. sämtl. Werte zweifarb. (Mittelstück schwarz).
1896. Grosses Format u. Wz. seitwärts
Nr. 41: 25 Pounds gelbgrün: * 1200, gest. -.-

Die Marke fehlt in vielen wichtigen British Empire-Sammlungen. Der grosse Sammler Alfred Lichtenstein (bzw. seine Tochter Louise Boyd-Dale) aber konnten diese Marke vorweisen, wie auch die Senf Nr. 30, 39 und 40).



Im Auktionskatalog von Harmers New York Inc. vom 14.3.1991, sale no. 2867 finden wir diese hübsche Serie.

Los 31 (nicht im Bild) = Senf Nr. 29 (10 £)
Los 32 = Senf Nr. 30 (25 £, blaugrün, 1895, ohne Wasserzeichen)
Los 33 = Senf Nr. 39 (1 £, 1896)
Los 34 = Senf Nr. 40 (10 £, 1896)
Los 35 = Senf Nr. 41 (25 £, 1896)

Die Marken haben heute keinen sehr beeindruckenden Katalogwert mehr. (Michel Rarities, 2010):

Michel Nr. 41 = Euro 12'000

Die anderen 4 Werte: Euro 5000, 9500, 1000, 5500 für Mi. 29+30+39+40.

Damit hat sich British Central Africa eindeutig weniger positiv entwickelt als andere Weltraritäten der Jahre 1912/1913.

Auch den erzielten Preis an der Auktion in New York 1991 kann ich melden. Es waren US$ 8'000.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.11.2017 20:29:57 Gelesen: 220044# 313 @  
@ Heinz 7 [#109]
@ merkuria [#112]

Bereits im September 2016 haben wir die 1 Shilling-Marke von Neuschottland (Nova Scotia) kennengelernt, noch bevor wir uns systematisch der Liste Schubert gewidmet haben. Dort ist die Briefmarke gleich zweimal unter den ersten 59 Positionen vertreten.

Senf 1912:

33. Senf 4b: 1 Shilling d'lila: Mark 1'500
50. Senf 4a: 1 Shilling d'violett: Mark 1'200

Wie sieht die Katalogisierung in Deutschland 98 Jahre später aus?

Michel 2010:

Michel 4b: 1 Shilling purpur auf bläulich (1856): Euro 20'000
Michel 4a: 1 Shilling mattviolett auf bläulich (1851): Euro 28'000

Zehn Jahre zuvor galt bei Scott (2000):

Scott 6: 1 shilling reddish pur (1857): US$ 14'500
Scott 6b: 1 shilling deep purple: US$ 15'000
Scott 7: 1 shilling deep violet: US$ 18'500

Ein Sammler, der die Nummern 6+7 ungebraucht hatte, war William Gross. Am 19.11.2009 wurde bei Spink in New York ein Teil seiner Sammlung(en) verkauft:



Los 329: No. 6 "reddish violet"



Los 331: No. 7 "dull violet"

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.11.2017 22:09:32 Gelesen: 220005# 314 @  
@ Heinz 7 [#312]

Ich habe das Bild in Beitrag 312 mit 600 dpi eingestellt, bin aber mit der Qualität der Abbildung nicht zufrieden. Nun habe ich das Bild noch mit 300 dpi gescannt, und hoffe, es wirke besser.



Freundliche Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 23.11.2017 00:38:53 Gelesen: 219931# 315 @  
@ Heinz 7 [#312]

Von drei dieser Ausgaben kann ich neuere Auktionsergebnisse mit Abbildungen beisteuern:



Mi Nr. 28 (1 £, 1895 ohne WZ)

An der Siegel Auktion vom April 2013 wurde für ein ungebrauchtes Stück 700 US$ + Aufgeld bezahlt.



Mi Nr. 29 (10 £ 1895 ohne WZ)

An der Status International Auktion vom Oktober 2017 in Sydney/Australien wurde ein ungebrauchtes Stück mit Attest für 7‘000 A$ (ca. 4500 €) + Aufgeld verkauft.



Mi Nr. 39 (1 £, 1896 mit WZ)

An der Siegel Auktion vom April 2013 wurde für ein ungebrauchtes Stück 700 US$ + Aufgeld bezahlt.

Grüsse
Jacques
 
Heinz 7 Am: 25.11.2017 12:40:52 Gelesen: 219343# 316 @  
@ Heinz 7 [#88] und [#297]

Die teuerste Marke von Italien haben wir bereits kennengelernt (Toskana 1860, 3 Lire, siehe Beitrag [#88] und [#297]). Im Buch von Giulio Bolaffi: "I Francobolli di Maurice Burrus; Antichi Stati Italiani" wird aber eine andere Marke in den Vordergrund geschoben.

Italienische Staaten, Neapel, 1860, Michel Nr. 9: Weisses Savoyer-Kreuz als Mittelstück, 1/2 Tornese blau.



Nach Bolaffi gilt zu diesem Stück:

Tavola XIV - no. 48: "è un pezzo fra i piu classici ed interessanti che esistano al mondo. / "This is one of the most classic and interesting items in existence"

Natürlich hat diese Marke meine Aufmerksamkeit geweckt und ich wollte mehr darüber wissen.

Die Jahre 1840-1860 (die ersten "zwanzig Briefmarkenjahre") waren politisch höchst unruhige Zeiten! 1848 erklärte eine italienische Freiheitsbewegung den herrschenden Österreichern den Krieg. 1859 gelang es, mit französischer Hilfe, die Österreicher zu besiegen. Nord- und Mittelitalien waren nun weitgehend geeint. Giuseppe Garibaldi beschloss, den Sieg Viktor Emmanuels zu nutzen und auch Süditalien von der Fremdherrschaft zu befreien. 1860 gelang es Garibaldi in vier Monaten ganz Sizilien und Neapel zu befreien!

Diese historisch wichtigen Ereignisse hatten auch Einfuss auf die Philatelie. Neapel, das 1858 als Königreich eine hübsche erste Briefmarkenserie herausgegeben hatte (Mi Nr. 1-7) erhielt eine provisorische neue Regierung (unter Garibaldi).

Garibaldi wollte seine politischen Ideen kommunizieren und halbierte die Posttaxen für Drucksachen auf die Hälfte! Das Porto für Zeitungen wurde reduziert von 1/2 Grano auf 1/2 Tornese. Die Farbe der Michel Nr. 1 (mattlilarosa) wurde geändert auf blau. Die neue Marke wurde herausgegeben am 6.11.1860, die Auflage betrug angeblich nur 100 Stück (!) = Michel Nr. 8.



Natürlich gefiel Garibaldi die Zeichnung des Wappen von Bourbon nicht! Das befreite Neapel sollte nicht an die alte Herrschaft erinnert werden. Die Marke (Druckplatte) wurde also nochmals verändert; der Mittelteil wurde ersetzt durch ein weisses Savoyer Kreuz. Am 6. Dezember 1860 erschienen die neuen Marken. Wieder nur 100 Stück !

Kein Wunder also, dass diese zwei Marken sehr selten sind, vor allem in ungebrauchtem Zustand. Das oben gezeigte Paar ist eines der teuersten philatelistischen Stücke von Italien!

Moment - wir sprechen in diesem Thema bis jetzt nur von Briefmarken, also Einzelmarken, nicht von Paaren, etc. - Wie sieht es also aus für EINZELMARKEN?

Leider weiss ich nicht, wie viele Stücke der Michel Nr. 8 und Michel Nr. 9 heute noch bekannt sind (Leon N. Williams erzählt von einem spektakulären / vielleicht auch tragischen Ereignis, als eine Putzfrau mehrere dieser Marken vernichtet hat).

Zu Vergleichszwecken zeige ich anbei auch die Michel Nr. 1 (1858: Währung Grano):



Die Katalog-Situation war / ist wie folgt:

1912

Senf Nr. 1: 1858 Dreiteiliges Wappen rosa, Grano, * Mark 20, gest. 9
Senf Nr. 8: 1860 Dreiteiliges Wappen blau, Tornese, * Mark 1200, gest. 400
Senf Nr. 9: 1860 Savoyer Kreuz, Tornese, * Mark 600, gest. 120

2010

Michel Nr. 1: 1858 Dreiteiliges Wappen rosa, Grano, * Euro 1'200, gest. 250
Michel Nr. 8: 1860 Dreiteiliges Wappen blau, Tornese, * Euro 200'000, gest. 12'000
Michel Nr. 9: 1860 Savoyer Kreuz, Tornese, * Euro 35'000, gest. 4'500, (*) 11'000

Wir trauen unseren Augen kaum: die Michel Nr. 8 ist bewertet mit 200'000 Euro! Das ist eine der spektakulärsten Werte-Entwicklungen seit 1912.

Zur Differenz zwischen Katalogwert und tatsächlich erzielten Preisen ist aber gerade zu DIESER Marke viel zu sagen... Nur soviel: bei Christoph Gärtner blieb diese Marke unverkauft, obwohl sie zu nur 33'000 Euro ausgerufen wurde (Juni 2016)! Ein repariertes Stück wurde zu höchst bescheidenen Euro 2'900 zugeschlagen (Juni 2017).

Im Moment scheint die Marke also nur wenig Interessenten zu finden...

Ein Wort noch in eigener Sache: dies ist mein 200. Beitrag zu diesem Thema, darum habe ich mir eine "schöne Geschichte" / Marke dafür aufgespart und der Beitrag ist noch länger geworden, als sonst üblich...

Ich mache gerne weiter... Mit diesem wunderbaren Thema, und allgemein auf Philaseiten. Danke an Richard & sein Team für diese Plattform.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 03.12.2017 20:19:02 Gelesen: 217710# 317 @  
@ Heinz 7 [#316]

Mit meinem 201. Beitrag zu diesem wunderbaren Thema stelle ich Ihnen FAST eine Weltrarität vor:



Dies ist der 80 Parale Wert der 2. Ausgabe des Fürstentums Moldau, Michel Nr. 7. Der Wert erschien im November 1858. Der Wert ist ungebraucht seltener als gestempelt.

Da DIESE Marke aber auf weissem Papier gedruckt ist, und nicht auf bläulichem, ist die Marke "nur" selten, aber eben KEINE Weltrarität. Die gezeigte Marke ist Michel Nr. 7ay, mit einem Katalogwert von Euro 600 (Michel 2010). Auf bläulichem Papier ist die Michel Nr. 7ax mit Euro 12'000 (2010) bewertet.

Fritz Heimbüchler schreibt in seinem ersten Handbuch (1994) zur Nr. 7ax was folgt:

"Im Gegensatz zu den Werten zu 5 und 40 Parale druckte man die 80 Parale von Anfang an auf weissem oder schwach gelblichweissem Papier. (...). Die ersten 8 Auflagen hindurch gelang es, für die 80 Parale das Papier einigermassen konstant zu halten, das heisst auf weisses oder gelbliches Papier zu begrenzen. Bei der 9. Lieferung am 1.4.1861 kam jedoch plötzlich für die 80 Parale kräftig lilabläuliches Papier zum Einsatz." (siehe Seite 172).

Eigentlich sind Euro 12'000 für eine so seltene Marke nicht einmal extrem viel. Es sind nämlich erstaunlich wenige ungebrauchte Exemplare bekannt. Wieviel? Genau will dies niemand sagen. "Weniger als zehn" scheint zu stimmen, vielleicht sind es auch nur 5 oder 6?

Um den Unterschied zwischen weissem und bläulichem Papier zu zeigen, habe ich ein Exemplar des 40 Parale-Wertes gescannt (Michel Nr. 5x bläulich, 5y weisses Papier). Von Auge sieht man klare Unterschiede. Auf dem Foto scheint es mir weniger deutlich. Aber vielleicht hilft die Abbildung totzdem.



In grössten und ganz wichtigen Rumänien-Sammlungen FEHLTE die Nr. 7ax ungebraucht! Nicht so bei Gross-Meister Alfred Caspary! Er konnte gleich ZWEI Mal diese Rarität vorweisen (siehe Lose 390+391 der Auktion vom 19.11.1957).

In der Liste Schubert erschien diese Marke als Senf Nr. 7a auf Rang 50 (6. Marke) mit einem Katalogwert von 1'200 Mark (1912/1913).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 03.12.2017 21:13:02 Gelesen: 217695# 318 @  
@ Heinz 7 [#300]

Mit Beitrag [#317] haben wir die ersten 57 Briefmarken der Liste Schubert kennen gelernt (siehe Beitrag [#2]) plus 13 weitere.

Zwar wäre zu der einen oder anderen Rarität noch Wichtiges zu sagen/nachzutragen, aber gleichwohl ist die nachfolgende "Bestandesaufnahme" wohl hilfreich.



Damit ist also das erste Kapitel unseres "Lehrganges" geschrieben. Ich werde gerne noch ein paar Ergänzungen anbringen, mich ansonsten dann aber dem "Kapitel 2" zuwenden. Ich finde das spannend und freue mich darauf!

Liebe Grüsse
Heinz
 
bayern klassisch Am: 04.12.2017 11:48:44 Gelesen: 217652# 319 @  
@ Heinz 7 [#316]

Hallo Heinz,

ich habe leider eben erst deinen tollen Beitrag gelesen - klasse!

Ist das richtig, dass die halbierten Taxen für Drucksachen nochmals halbiert (also geviertelt) wurden?

Zum Preis: Die großen italienischen Sammler geben sehr hohe Beträge aus für Marken (und Briefe), die qualitativ sehr gut bis sensationell sind - weit höhere, als hiesige Sammler, die ja auch schon enorme Preis für Raritäten bezahlen.

Wenn aber, selbst eine Weltrarität wie diese hier, die Marke stark repariert ist, dann kauft sie keiner mehr südlich der Alpen und der Markt bricht ein. Daher erklärt sich der äußerst niedrige Zuschlagpreis vermutlich leicht. In Toppzustand wäre sicher ein ganz andere Preiskategorie anvisiert worden.

Vielen Dank für deine Mühewaltung hier und die tollen und stets interessanten Beiträge - einmalig!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 04.12.2017 20:19:16 Gelesen: 217609# 320 @  
@ Heinz 7 [#318]

Danke, Ralph!

Ich habe etwas vorschnell die Erledigung von "Kapitel 1" bei unserem "Lehrgang" bekanntgegeben. Zwar sind alle Marken über 1'100 Mark (1913) gemäss Senf vorgestellt, aber ich wollte die Liste ja um ein paar fehlende Grossraritäten ergänzen (siehe Liste Beitrag 318), und da habe ich noch zwei Lücken.

Dabei habe ich die Postmeistermarke von Boscawen 1846 zum Zeigen vorgesehen. Sie war schon 1912 bekannt (siehe Senf 1913, Seite 1246, Senf Nr. 4) aber nicht bewertet (darum: bei Schubert nicht auf der Liste!). Bei Ferrary erreichte der Brief hohe Aufmerksamkeit; er galt, zu Recht, als Unikat! An der 3. Ferrary-Auktion kam der Brief als Los 556 am 7.4.1922 zum Verkauf, und war fast in Originalgrösse abgebildet. Der Brief wurde sehr teuer! Er schmückte dann die Sammlungen von Arthur Hind, heute ist er Bestandteil der Mega-Sammlung von Erivan Haub.



Der Brief mit der (ungestempelten) Marke Boscawen hat einen Katalogwert von Euro 250'000 (Michel 2010).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.12.2017 22:19:33 Gelesen: 217521# 321 @  
@ Heinz 7 [#320]

Die USA-Postmeister-Ausgaben nehmen unter den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt eine Schlüsselstellung ein. Rekap:

5. St. Louis
6.(2.) Millbury
10.(6.) Brattleboro
33.(13+14.) Baltimore (5 Cents)
33.(15.) New York

Wir wissen auch, dass gleich mehrere Marken im Senf 1912/1913 nicht bewertet waren. Da sie aber sehr selten und beliebt sind, habe ich die Liste "Schubert" um folgende Postmeistermarken erweitert:

- Alexandria, sämisch
- Alexandria, blau
- Baltimore (10 Cents)
- Boscawen
- Lockport

Einzelne dieser Postmeistermarken gelten heute als UNIKATE!
Es sind die Alexandria (blau), Boscawen + Lockport!



Alle drei Unikate sind heute in der "Triple A"-Sammlung von Erivan Haub!

Hochachtung!

Bei Senf wurde die Lockport katalogiesiert als (US-Postmeister-Marke) Nr. 6
Bei Michel war sie 2010 mit Euro 300'000 bewertet.
Bei Scott erhielt sie die Nummer 6X1

Heinz
 
bignell Am: 08.12.2017 11:08:00 Gelesen: 217456# 322 @  
Bei Feldman wurden wieder viele seltene Stücke versteigert, z.B. Mauritius. [1]

Dieser nette Brief ist unter Los 80015 aber noch zu erwerben:



Lg, harald

[1] https://www.davidfeldman.com/de/kauf-bei-einer-auktion/lose-durchsuchen/aucP/2017-december-british-empire-gbp/browse/1/20480/all/all/all/all/all/all/all/all/all/
 
Heinz 7 Am: 10.12.2017 11:27:20 Gelesen: 217309# 323 @  
@ Heinz 7 [#191]

Ich habe im Juli bereits angekündigt, dass ich es nicht dabei bewenden lassen will, die ersten 50 Briefmarken der Liste Schubert 1913 in Wort und Bild darzustellen, sondern ich möchte diese Liste auch mit derjenigen von Theodor Haas vergleichen und Unterschiede und gegebenenfalls Neuentdeckungen (?) besprechen. Theodor Haas habe ich in diesem Thema bereits vorgestellt, siehe

@ Heinz 7 [#149]

und auch sein grossartiges "Lehrbuch der Briefmarkenkunde"

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=1899.

Es ist schön, diese Studie (nochmals) zu machen! Ich habe vor rund 30 Jahren diese Studie von Haas bereits analysiert und sie hat mir massgeblich dabei geholfen, mich für das Sammelgebiet "Rumänien" zu entscheiden! Nun kommt noch der Vergleich mit Schubert 1913 hinzu, das ist sicherlich spannend.

Wir wissen, dass Haas einen anderen Ansatz wählte, als Schubert. Schubert nahm den HÖHEREN Katalogwert einer Marke, wenn sie beide Notierungen hatte (für ungebraucht oder gestempelt). Haas hingegen beachtete nur den TIEFEREN Wert der Marke. War also eine Marke ungebraucht sehr teuer, gestempelt aber billig, dann kam sie bei Schubert auf die Liste, bei Haas aber nicht!

Beispiel: Württemberg 1859, Wappenzeichnung, ohne Seidenfaden. Senf Nr. 13. 6 Kreuzer grün:

ungestempelt: 1000 Mark
gestempelt: nur 4 Mark!



Anbei ein Foto von Los 217 aus der 2. Boker-Auktion vom 7.12.1985, als eine 6 Kreuzer ohne Seidenfaden verkauft wurde (Michel Nr. 13).

Bei Schubert schaffte es diese Marke damit auf Platz 58 (mit etlichen anderen Marken "ex aequo"). Bei Haas kam diese Marke nicht in Betracht! Er suchte und listete NUR die wirklich SELTENEN Marken!

Die Württemberg Nr. 13 hat sich in den letzten 100 Jahren nicht so prächtig entwickelt. 1912 war sie bewertet mit 1000 Mark (!), Michel 2010 bewertet sie "nur" mit Euro 12'000, Andere Weltraritäten haben sich da stärker entwickelt.

Es kann natürlich sein, dass in den letzten 100 Jahren es sich herausstellte, dass die Marke weniger selten ist, als 1912/1913 angenommen (Entdeckung weiterer Exemplare?). Bei anderen Raritäten hat sich Altdeutschland meines Wissens gut entwickelt 1912 / 2010.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.12.2017 12:45:02 Gelesen: 217293# 324 @  
@ Heinz 7 [#323]

Nun, wie sah denn Haas die Besten? Seite 477-478 gibt Auskunft:

1. British Guiana, 1856, 1 Cent karminrot

bei Schubert NICHT gelistet (da im Senf 1912 unbewertet), aber in diesem Thema ausführlich vorgestellt: siehe Beiträge 3-7-9-15-149-185-195-250-251-252-253 (siehe Übersicht Beitrag 300)

2. British Guiana, 1856, 1 Cent karminrot

bei Schubert ebenfalls auf Platz 2! (2.1.)

3. Hawaii 1851, 2 Cents hellblau

bei Schubert NICHT gelistet (da im Senf 1912 unbewertet), aber in diesem Thema ausführlich vorgestellt in 16 Beiträgen (!) (siehe Übersicht Beitrag 300)

4. Mauritius 1847, Post Office, 2 P. blau

bei Schubert auf Platz 1

5. Mauritius 1847, Post Office, 1 P. rot

bei Schubert auf Platz 2! (2.2.)

6. Rumänien 1858, 81 Para blau auf bläulich

bei Schubert auf Platz 4. Anbei nochmals das Bild des schönsten Exemplares dieser Marke. Vollrandig, und das einzige Exemplar mit rotem Stempel



"Le plus bel exemplaire connu du timbre classique le plus rare d'Europe" schwärmte der "Briefmarken-König" René Berlingin; einst selber Besitzer dieser Weltrarität.

7. Britisch Guiana 1856, 4 C. blau

bei Schubert auf Platz 18.2.

8. Hawaii 1852, 13 C. hellblau (H.I. & U.S.)

bei Schubert auf Platz 6.1

9. Hawaii 1852, 5 C. hellblau

bei Schubert auf Platz 9

10. Canada 1851, 12 Pence schwarz

bei Schubert auf Platz 31.1.

Wir können also zufrieden feststellen, dass wir die Grossraritäten anfangs des XX. Jahrhunderts gut kennen, falls wir dieses Thema aufmerksam verfolgt haben.

Ganz zufrieden zurücklehnen wollen wir uns aber doch nicht! Wir wollen noch etwas tiefer graben und ZUSÄTZLICHE wichtige Erkenntnisse gewinnen. Doch dazu benötige ich noch etwas Vorbereitungszeit.

Herzliche Grüsse
zum 2. Advent
Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.12.2017 20:55:18 Gelesen: 217183# 325 @  
@ Heinz 7 [#324]

Bauen wir unsere Liste "HAAS 1905" noch etwas aus.

11. Hawaii 1852, 13 C. hellblau (Hawaiian Postage)

bekannt! bei Schubert auf Platz 10.4.

12. Toscana 1860, 3 Lire gelb

bekannt! bei Schubert auf Platz 49.

13. British Guiana 1850, 4 C. gelb

bekannt! bei Schubert auf Platz 18.1.

14. Réunion 1851, 30 C. schwarz

bekannt! bei Schubert auf Platz 33.10.

15. Réunion 1851, 15 C. schwarz

bekannt! bei Schubert auf Platz 33.9.

16. Oesterreich 1856, Zeitungsmarke zinnoberrot

bekannt! bei Schubert auf Platz 24.4.

17. Britisch Guiana 1850, 8 C. grün

bekannt! bei Schubert auf Platz 24.1.

18. Rumänien 1858, 27 Para schwarz auf rosa

bekannt! bei Schubert auf Platz 57. Wäre die UNGEBRAUCHTE Marke im Senf 1912 bewertet gewesen, wäre die Marke auch bei Schubert deutlich weiter vorne platziert gewesen.

19. Rumänien 1858, 108 Para schwarz auf rosa

bekannt! bei Schubert auf Platz 10.5.

20. Natal 1857, 9 Pence blau

Dies ist die erste Marke, die wir in den Beiträgen 1-323 noch nicht vorgestellt haben. Sie hatte einen Katalogwert von 1000 Mark (Senf 1912/1913) und ist damit bei Schubert auf Platz 58.8. platziert. (Wir haben "nur" Platz 1 - 58.2. gezeigt).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.12.2017 21:26:13 Gelesen: 217177# 326 @  
@ Heinz 7 [#325]

Die Briefmarke von Natal, 1857, 9 Pence blau, wird in Europa nur selten gezeigt und angeboten. Im Büchlein "Linn's Philatelic Gems 2" von Donna O'Keefe (1985) wird diese Marke vorgestellt (Seite 110-111).



The "Invisible Rarity" nennt die Autorin die Marke, weil die Prägung auf dem blauen Papier wirklich kaum sichtbar ist!

Interessant ist, was zu den Preisen steht (geschrieben 1985): Die Preise für die erste Ausgabe (4 Werte) schwanken zwischen US$ 600 und US$ 7'500, alle für die GESTEMPELTE Marke.

"The only mint example is the 9d blue. It was sold for US$ 75'000 at the March 29, 1984 auction conducted by the Colonial Stamp Company of Los Angeles".

Im Senf Katalog 1913 waren die vier Werte Natal 1-4 wie folgt bewertet:

Senf 1: 3 Pence rosa: 60 Mark
Senf 2: 6 Pence grün: 175 Mark
Senf 3: 9 Pence blau: 1000 Mark
Senf 4: 1 Shilling blassbraun: 400 Mark

Alle Marken waren nur gestempelt bewertet, in der Spalte "ungebraucht" steht ein "-". Also entweder gibt es diese Variante nicht oder es war Senf nicht möglich, sie zu bewerten.

Ob diese Marke ungebraucht ein Unikat ist, möchte ich noch verifizieren! Jedenfalls ist es gut, dass wir sie noch kennengelernt haben. Sie verdient es sicher, in diesem Thema besprochen zu werden.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.12.2017 23:10:48 Gelesen: 217156# 327 @  
@ Heinz 7 [#326]

Dass ich das Gesuchte so schnell finde, macht mich zufrieden.

Am 25./26.3.2004 fand in London eine Auktion statt bei Spink London (Sale Africa-4001). "British Africa, featuring the estate of the late William Frazer". Los 544 zeigt uns, was wir suchen:



Dies ist die 1857-61 Ausgabe von Natal 9d. blue (Scott no. 3, Stanley Gibbons no. 6)

In der Losbeschreibung steht, dass es nur zwei ungebrauchte Exemplare gäbe! Es ist das einzige in privaten Händen, da das andere in der königlichen Sammlung ist!

Im grossen Buch der königlichen Sammlung habe ich den Hinweis auf die 9d. blue unused gesehen, und die Marke ist auch abgebildet (schwarz-weiss).

Also, ganz klar: Die Marke ist ungebraucht eine Weltrarität! Sie wurde geschätzt von Spink auf GB£ 28'000-30'000. Der Zuschlag war dann aber tiefer, bei nur GB£ 20'000. Dazu kamen 15 % Aufgeld = GB£ 23'000.

Eine Frage bleibt noch. O'Keefe schrieb, die Briefmarke habe 1984 an einer Auktion US$ 75'000 erbracht. Den Auktionskatalog March 29, 1984 / Colonial Stamp Company, Los Angeles, habe ich nicht und kann ihn nicht einsehen. Die Fotos scheinen aber überein zu stimmen (siehe oben, Beitrag 326). Im Auktionskatalog Spink 2004 wurde unter "Provenance" auf einen Verkauf 1984 aber NICHT hingewiesen.

Im Katalog Michel 2010 ist die Marke ungebraucht nicht bewertet. Nachdem aber Verkäufe 1956, 1982, 1985 und 1991 (und 1984?) offenbar stattfanden, finde ich dies schade. Auch Scott und Stanley Gibbons bewerten die Marke nicht. Warum eigentlich nicht?

Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.12.2017 23:18:25 Gelesen: 217112# 328 @  
@ Heinz 7 [#318]

Bevor ich auf der Liste "HAAS 1905" noch etwas tiefer gehe (ich habe die Nummern 1-20 kurz vorgestellt und wir haben gesehen: mit Ausnahme der NATAL-Marke waren alles "alte Bekannte") möchte, nein MUSS ich noch etwas Wichtiges ergänzen:

UNSERE LISTE (Beitrag 318) MUSS NOCH UM WICHTIGES ERGÄNZT WERDEN!

Die Auflösung dieser überraschenden Erkenntnis finden wir auf Seite 480-482 im Lehrbuch von Haas. Ich zitiere:

"Unter die oben nicht mitgezählten Marken gehören auch Fehldrucke, die besonders behandelt werden sollen. (...). Fehler im Aufdruck, deren Zahl ja Legion ist, werden nicht berücksichtigt; (...)"

Danach bietet Haas eine Liste von 40 Fehldrucken! Und die beinhaltet nun doch einige Überraschungen!

In Deutschland kennen fast alle Philatelisten die Baden 1851 9 Kreuzer grün statt rosa. In diesem Thema haben wir diesen sehr seltenen Fehldruck in den Beiträgen 5, 59 + 152 behandelt. Die Marke erzielte schon gewaltige Preise und gehört darum ohne Zweifel zu den berühmtesten und wertvollsten Marken der Welt.

Auf Seite 481 finden wir den "Baden-Fehldruck" auch tatsächlich. Bei Schubert stand sie auf Platz 10.1. Bei Schubert trafen wir keinen teureren Fehldruck an. Aber bei Haas 1905 ist die Baden 1851 9 Kreuzer grün statt rosa nicht auf dem Spitzenplatz sondern nur auf Platz DREI!

Viele Leser werden nun vermuten: klar, auf Platz 1 steht der berühmte Schweden 3 Skilling Farbfehler (gelb statt grün), die bereits mehrfach für Rekordpreise besorgt war (siehe Beiträge 173+174). Aber NEIN... Es ist NICHT dieses Unikat, dieser einmalige Fehldruck...

Ich möchte die Spannung nicht weiter erhöhen, sondern stelle Ihnen hiermit den "seltensten Fehldruck" gemäss Haas 1905 (Seite 480-482) vor:



Die 2 Reales Marke wurde ebenfalls 1851 gedruckt. Die normale Marke ist die Senf Nr. 8 / Michel Nr. 8 und hat die Farbe "ziegelrot" oder "orangerot". Es gibt nun aber diese Marke auch in blau! siehe oben.

"Im Buch Encyclopaedia of rare and famous stamps" von Leon N. Williams (1993) wird die Marke breit besprochen. Sie wurde schon 1868 entdeckt und gelangte 1868 in die Sammlung von Westoby. 1884 kaufte Thomas K. Tapling den grössten Teil der Westoby-Sammlung und kam so in den Besitz dieser Marke, die damals noch als Unikat galt.

Noch im XIX. Jahrhundert tauchten aber zwei weitere Exemplare auf. Beide gelangten "natürlich" in die Sammlung von "Briefmarkenkönig" Ferrary.

Tapling verstarb jung, 1891. Er hat seine atemberaubende Sammlung dem britischen Museum vermacht, sie ist also nicht mehr käuflich zu erwerben. Sie ist heute in der British Library London.

Die oben gezeigte Marke ist nicht etwa ungestempelt, sondern der Stempel wurde weitgehend entfernt. Dies geschah, als man die Briefmarke zu Prüfzwecken kochte!

Die übrigen zwei Exemplare werde ich bei Gelegenheit auch noch besprechen/vorstellen.

Im Katalog Michel Raritäten 2010 ist der Fehldruck Spanien 8 F bewertet mit Euro 150'000. Im Senf 1912/1913 war sie auch katalogisiert, aber nicht bewertet (Angabe "-"). Darum FEHLT diese Marke in der Liste Schubert 1913!

Wir machten also eine gewichtige "Neuentdeckung" bei unserer Entdeckungsreise durch die weite Welt der Philatelie!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.12.2017 17:42:21 Gelesen: 216595# 329 @  
@ bignell [#322]

Lieber Harald,

ich habe dieses Angebot bei Feldman auch gesehen. Dieses Mal blieb dieser seltene und schöne Brief unverkauft.

Es gibt aber mehrere solche frühen Briefe, die als Marken-Kombinationen sehr selten waren und die bei den Sammlern sehr beliebt sind (Buntfrankaturen). Vergleichbare Stücke sind vielleicht frühere Grossbritannien-Kombi-Briefe, vgl. z.B. Heinz 7 [#39].

Mauritius SG no. 7 und 9 kombiniert ist extrem selten. An der Kanai-Auktion am 3.11.1993 wurde genau dieser Brief angeboten und damals auch verkauft. Der Ausruf lag dort allerdings deutlich tiefer: "nur" CHF 120'000. Zuschlag war dann bei CHF 140'000 + 15 % Aufgeld = CHF 161'000.

Obwohl dieses Ergebnis nun schon 24 Jahre zurückliegt, war nun die "Hürde" für einen neuen Verkauf offenbar zu hoch. Der "Estimate"-Preis bei David Feldman 2017 war nun aber auch sehr ambitioniert: GB£ 300'000-400'000! Wir wissen nicht, wie tief ein Unterbieter gehen durfte, um das Los dennoch zu erhalten; vorerst wurde der Brief jedenfalls als unverkauft gemeldet.

Zweifellos ist dies eines der Spitzenstücke der Mauritius-Philatelie.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 23.12.2017 00:10:46 Gelesen: 216005# 330 @  
@ Heinz 7 [#235]

Achtung, nun wird es spannend!

BETRIFFT US CARRIER, 1 CENT BRAUNROT

Vielleicht als "vorgezogenes Weihnachtsgeschenk" habe ich eine Abbildung unserer gesuchten Marke gefunden! Zur Erinnerung: wir haben schon Einiges über diese Marke gelesen, aber GESEHEN haben wir (ich) noch nie ein echtes Stück! Darum war ich heute sehr überrascht, als ich folgendes Auktions-Angebot erblickte:



Diese Abbildung in Farbe erschien 1920, als die 10. Auktion der Firma "Marken- und Ganzsachenhaus G.m.b.H., Berlin" angekündigt wurde. Diese fand am 22.-27.11.1920 statt in Berlin.

Im Auktionskatalog wird die Marke wortreich vorgestellt. Der englische Text ist noch ausführlicher, als der deutsche, darum an dieser Stelle die gesamte Losbeschreibung:



Was ist davon zu halten? Haben wir das lang gesuchte Stück gefunden?

Oder vielleicht doch nicht? - Halten wir fest:

a) Angeboten wurde das Stück von Herrn Rudolf Siegel 1920. 1926 wurde Rudolf Siegel wegen Betrug verurteilt (siehe: Carlrichrad Brühl, "Geschichte der Philatelie")

b) die gemäss Beschreibung erwähnte deutliche Abstempelung "NEW YORK" ist auf den Fotos NICHT erkennbar (Farbfoto, siehe oben, oder schwarzweiss-Foto Seite 343).

c) seltsam ist auch, dass Siegel die Marke einerseits anpreist: "worth several thousand dollars!", dann aber im Katalog doch ganz schlicht um ein Gebot bittet ("Please make a reasonable bid!")

d) ein Jahr später nimmt Senf die Marke gestempelt aus der Bewertung, siehe Anmerkungen im Beitrag 235:

"Im Senf 1912 und 1913 war die Marke gelistet mit 2000 Mark. Dieselbe Notierung finden wir im Senf 1915. Im Senf 1921 ist anstatt einer Preisangabe ein "-.-" vermerkt. Im Senf 1925 ist eine interessante Notiz angebracht: "Nr. 03 I ist vermutlich Probedruck, gestempelt ist nur ein Stück davon bekannt." Im Senf 1929 ist die 03 I. gar nicht mehr aufgeführt."

Also - Viel Lärm um nichts? Ich gehe aufgrund meiner Informationen davon aus, dass diese Marke echt gestempelt NICHT existiert. Dass wäre auch eine Erklärung, warum sie bei Scott im Katalog nicht aufgeführt ist.

Schöne Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.01.2018 23:35:27 Gelesen: 213264# 331 @  
@ Heinz 7 [#318]

Im Jahr 2017 haben wir ca. 70 (!) Marken kennen gelernt, die entweder gestempelt oder ungebraucht 1912/1913 sehr hoch bewertet waren oder die bestimmt einen sehr hohen Katalogwert aufgewiesen hätten, wären sie denn 1912/1913 von Senf bewertet worden!

Die Leser dieses Themas wissen, dass wenige Jahre vor Schubert der Philatelist Theodor Haas eine ähnliche Studie publiziert hatte, dabei aber etwas anders vorging. Haas nahm die günstigere Variante (gestempelt oder ungebraucht) und erstellte darauf seine Liste "Die hundert seltensten Marken nach ihrem Seltenheitsgrade geordnet". Die 20 ersten Marken dieser Liste habe ich Ihnen bereits vorgestellt. Ich habe darauf hingewiesen, dass Haas danach auch die 40 seltensten Fehldrucke auflistete. Diese Liste haben wir erst in Bruchstücken kennengelernt, und sicher ist es spannend, zu sehen, ob weitere Neuentdeckungen zur Liste Schubert gemacht werden können.

Die Antwort ist: JA!

Auf Platz 1 der zweiten Liste Haas ist die Spanien 1851, 2 Reales blau statt ziegelrot (siehe
@ Heinz 7 [#328])

Heute möchte ich den Fehldruck auf Platz 2 vorstellen, es ist die Österreich 1867, 3 Kreuzer rot statt grün.



Es gibt diese Marke gemäss Beschreibung Auktionskatalog (1995) nur dreimal! Sie kam am 12.4.1995 zur Auktion bei Christie's in Zürich (Sammlung Gary Ryan). Los 2232 hatte einen Schätzpreis von CHF 65'000 - CHF 80'000.

Der Hammer fiel dann aber bereits bei CHF 55'000. Dazu kamen noch 15 % Provision, total also CHF 63'250.

Ich meine, mich erinnern zu können, dass in den letzten 20 Jahren ein anderes Exemplar dieser Weltrarität einen noch deutlich höheren Preis erzielte!

Natürlich fragen wir nun, warum denn die Marke auf der Liste Schubert fehlte. Die Antwort ist einfach: dieser Fehldruck war im Senf 1912/1913 nicht aufgelistet! Das erstaunt uns jetzt aber, denn Haas schrieb ja sein Lehrbuch einige Jahre FRÜHER (1905), also hätte den Katalog-Herausgebern dieser Fehldruck bekannt sein müssen.

Im Katalog Ferchenbauer (1974, 2. Auflage, Seite 180) wird erwähnt, dass es diese Marke 5 x gäbe: 3 x gestempelt, 1 x als Fragment und 1 x auf Brief.

Den heutigen Katalogwert kenne ich nicht. Im Michel Raritätenkatalog von 2010 war die Nr. 36 F (Fehlfarbe: rot statt grün) mit stolzen Euro 100'000 bewertet.

Übrigens kann die Marke auch von Ungarn reklamiert werden. Die Marke wurde nämlich in Nagy Beckerek gestempelt.

Diese Marke ist es also sicherlich wert, dass wir ihr unsere Beachtung schenken!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 05.01.2018 00:09:38 Gelesen: 213235# 332 @  
@ Heinz 7 [#331]

Wichtige Ergänzung

Paul Kohl schrieb in seinem Briefmarken-Handbuch von 1915 (10. Auflage) Folgendes:

(Seite 934)

"Den sogenannten Fehldruck 3 K. rot halte ich für eine Fälschung, hergestellt aus der echten 5 K. rot."

Wenn die Gebrüder Senf dieselbe Meinung hatten, wäre dies eine Erklärung für das Fehlen dieser Marke (dieses Fehldruckes) im Katalog 1912 und 1913 von Senf. Auch Yvert & Tellier katalogisierten in ihrem Catalogue (Jahr 1916) die 3 K. rot nicht.

Ferchenbauer schrieb rund 60 Jahre später zu dieser Marke (Spezialkatalog 1974/2. Auflage):

"In einer der ersten Platten des 5-Kreuzer-Wertes (in Type Ia) war kurze Zeit irrtümlich ein Stöckel mit der Wertangabe "3 Kr." eingefügt, wodurch der Farbenfehldruck 3 Kr. rot entstand von dem einige Stücke unbemerkt zur Verwendung gelangten."

... und ...

"Der Fehldruck wurde in Südungarn verwendet".

Ich denke, diese Zusatzinformation ist interessant. Vielleicht kennt ein Österreich/Ungarn-Kenner den Zeitpunkt, als der Fehldruck als solcher (und nicht als Fälschung) allgemein anerkannt wurde.

Gute Nacht!
Heinz
 
Heinz 7 Am: 05.01.2018 00:42:12 Gelesen: 213225# 333 @  
@ Heinz 7 [#331]

Zu Weihnachten hat mich das Auktionshaus Gärtner mit einem Buch beschenkt, das mir grosse Freude bereitet. Ich habe es nun konsultiert und sehe mit Freude, dass ich eine willkommene Ergänzung anbringen kann. Im Buch "Sammlung Peter Zgonc; Die Briefmarken von Österreich & Lombardei-Venetien 1850 - 1867" finden wir nämlich ein weiteres Exemplar der oben gezeigten Weltrarität.



Auf Seite 105 des Buches ist das einzige Exemplar gezeigt, das auf einem Fragment erhalten geblieben ist, in sehr guter Erhaltung. Die Marke trägt den ungarischen Stempel "DETTA 4/10". Ferchenbauer, der Autor dieses Buches, schreibt zu dieser Marke, dass (nun, 2017) 6 Exemplare bekannt sind; gegenüber seinem Kenntnisstand von 1974 ist also ein zweiter Brief bekannt geworden. Alle 6 Exemplare wurden in Ungarn gestempelt!

Damit kennen wir nun schon 2 von 6 dieser Marken und ich weiss, dass ich mindestens einen der Briefe auch irgendwo schon gesehen habe! Aber vor dem Schlafengehen suche ich diesen nicht mehr! Ich bin noch berufstätig, und brauche nun meinen Schlaf.

Gute Nacht!

Heinz
 
bayern klassisch Am: 05.01.2018 07:08:21 Gelesen: 213171# 334 @  
@ Heinz 7 [#333]

Hallo Heinz,

weil ich dich in diesem Jahr noch gar nicht gelobt habe, hole ich das hiermit nach: Deine Beiträge sind klasse und allein dieser Thread ist es wert, eigentlich im Printmedienbereich veröffentlicht zu werden.

Zu der 3 Nkr. / 5 Nkr. Marke: Den Brief zu sehen wäre sehr aufschlußreich, sähe man dann nämlich, ob sie als 3 Neukreuzer- oder 5 Neukreuzermarke tatsächlich verwendet worden ist.

Also schlug Farbe die Nominale, oder die Nominale die Farbe? Ich denke, dass die Farbe die Nominale schlug, wie wohl bei den allermeisten Farbfehldrucken.

Bitte weiterforschen und den Brief finden - ich drücke dir die Daumen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Martin de Matin Am: 05.01.2018 10:32:37 Gelesen: 213129# 335 @  
@ Heinz 7 [#333]

Da ich die Beiträge schon seit längerer Zeit verfolge, und seit Ende 2017 Mitglied bin, möchte hiermit einen kleinen Beitrag zum Fehldruck 3 Kr. hinzufügen.

Das Titelstück der 144. Corinphila Auktion 2005 (Sammlung Anton & Elisabeth Jerger) war ein Brief des Fehldrucks. Auf Seite 93 ist dieser auch abgebildet. Auf der Seite 92 sind die anderen 5 (2 davon in Farbe) abgebildet.

Im Moment ist es mir noch nicht möglich Abbildungen davon zu zeigen.

Martin
 
Heinz 7 Am: 05.01.2018 14:30:51 Gelesen: 213060# 336 @  
@ bayern klassisch [#334]

Lieber Ralph,

Dir alles Gute zum Neuen Jahr! Vielen Dank für die lobenden Worte, die mich anspornen, meine Bemühungen fortzusetzen.

@ Martin de Matin [#335]

Besten Dank für den Hinweis. Dies hat mir den Suchaufwand erspart!

Ich konnte in meiner etwas ausgedehnten Mittagspause mir den gewünschten Auktionskatalog gleich kurz ansehen. Martin hat alles korrekt zusammengefasst!



Der Auktionskatalog zeigt auf zwei Seiten alles Wichtige auf zu unserem Stück:

Es gibt sechs Marken dieses Farbfehldruckes

25.8.1867 = Brief von Köbanya nach Wien
8.9.1867 = Brief von Köbanya nach Wien
24.9.1867 = loses Stück mit Stempel Brukenau
1.10.1867 = loses Stück mit Stempel N. Becskerek
2.10.1867 = loses Stück mit Stempel N. Becskerek
4.10.1867 = Fragment mit Stempel Detta

Das Stück aus der Sammlung Jerger ist also das zweite der obigen Aufstellung. Der Brief 25.8.1867 ist aus derselben Korrespondenz. Er ist heute im Ungarischen Briefmarken-Museum in Budapest.

Mit dem obigen Stück haben wir also bereits die Hälfte des Weltbestandes in Bild gesehen:

Nr. 2 = Beitrag 336, Sammlung Jerger
Nr. 4 = Beitrag 331, Sammlung Ryan
Nr. 6 = Beitrag 333, Sammlung Zgonc

Mehr später.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
bayern klassisch Am: 05.01.2018 14:55:25 Gelesen: 213049# 337 @  
@ Heinz 7 [#336]

Hallo Heinz,

danke fürs Auflisten - beide Marken wurden also als Brief, nicht als Drucksache, zu 5 Neukreuzer anerkannt von der Post. Sehr interessant. Solch einen Brief hätte ich auch gerne, aber da werden wohl die Kosten ein bisserl zu hoch für mich sein. :-)

Schönes WE und liebe Grüsse,
Ralph
 
wuerttemberger Am: 05.01.2018 15:26:41 Gelesen: 213030# 338 @  
@ Heinz 7 [#336]

Mir stellt sich spontan die Frage, ob beim Druck des 3 Kreuzer Bogens versehentlich die falsche Farbe genommen wurde, oder ob sich ein 3 Kreuzer Klischee in einen 5 Kreuzer Bogen geschmuggelt hat. Letzteres würde nur funktionieren, wenn der Bogen aus Einzelklischees zusammengesetzt wurde.

Gruß

wuerttemberger
 
Heinz 7 Am: 06.01.2018 00:03:33 Gelesen: 212847# 339 @  
@ wuerttemberger [#338]

Herr Dr. Ulrich Ferchenbauer schreibt seit Jahrzehnten, dass der 3 Kreuzer-Farbfehldruck rot statt grün durch das Einsetzen eines falschen Klischees erfolgte (3 Kreuzer statt 5 Kreuzer). Man könnte also, streng genommen, von einem "Wertzeichenfehldruck" statt von einem "Farbfehldruck" sprechen. Aber weil sich ein Betrachter einer Marke wohl immer zuerst am Nominalwert der Marke orientiert, hat sich diese Bezeichnung "Farbfehldruck" eingebürgert.

Freundliche Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.01.2018 00:45:19 Gelesen: 212832# 340 @  
@ bayern klassisch [#337]

Lieber Ralph,

in diesem Fall hast Du recht. Dieser einmalige Brief würde teuer. Sehr teuer sogar!

Ich denke, es ist gerechtfertigt, hier von einem einmaligen Brief zu sprechen. Es gibt zwar zwei davon (gemäss Dr. Ferchenbauer/Auktionskatalog 2005 Corinphila), aber ein sehr ähnlicher Brief ist seit 1997 im ungarischen Briefmarken-Museum in Budapest und damit für Sammler nicht käuflich. Corinphila hat auch diesen Brief im Auktionskatalog abgebildet (kleines Bild).



Als die Jerger-Sammlung versteigert wurde, gab es einige hohe Ergebnisse für schöne Stücke und Raritäten. Das höchste Ergebnis wurde erzielt - für den Köbanya-Brief 8.9.1867 mit dem Farbfehldruck! (siehe Abbildung 336).

Wir wissen, dass eine EINZELMARKE 1995 rund CHF 63'000 kostete (siehe Beitrag von Heinz 7 [#331]). Zweifellos ist ein Brief natürlich mehr wert, als eine (beschädigte) Einzelmarke. Corinphila ging dann aber doch relativ "vorsichtig" in die Auktion und setzte einen Ausrufpreis an von "nur" CHF 85'000.

Die Auktion brachte dann aber ein sehr beeindruckendes Ergebnis! Das Los wurde auf CHF 500'000 hochgeboten. Dazu kamen noch 18 % Aufgeld = CHF 590'000.

Das Auktionshaus war zu Recht stolz auf dieses Ergebnis und bezeichnete dies als "Weltrekord", was für eine Rarität der österreichisch-ungarischen Philatelie meines Wissens auch stimmte.

Gemäss Auktionskatalog wurden die beiden "KÖBANYA"-Briefe erst in den Jahren 1939-1945 gefunden (kriegsbedingte Dachbodenräumung). Ob ihr Finder die Briefe bereits teuer verkaufen konnte, weiss ich nicht. Aber 2005 dürfte ein neues Kapitel für diesen Fehldruck geschrieben worden sein, denn Marken/Briefe mit einem Kauf-Wert von über einer halben Million Schweizer Franken sind nun wirklich selten.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 06.01.2018 07:57:55 Gelesen: 212768# 341 @  
@ Heinz 7 [#340]

Hallo Heinz,

danke für das beeindruckende Hintergrundwissen zu diesen beiden Briefen. Fast 600.000 € sind wirklich sehr viel Geld, aber der Brief ist schön und einen besseren mit dieser Marke wird man nicht finden. Wohl dem, der so viel Geld hat, sich solch eine Bombe leisten zu können.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 07.01.2018 12:47:04 Gelesen: 211958# 342 @  
@ Heinz 7 [#285] und [#318]

Auf der Liste Schubert haben wir auf Position 33.11 die Spanien Senf Nr. 30 b kennengelernt: 1854/55: Wappenschild auf weissem Grunde, hellblau auf bläulichem Papier. Die Marke hat in den Katalogen der Welt/Spezialkatalogen folgende Nummern erhalten:

Michel 27y
Yvert & Tellier 33
Stanley Gibbons 39
Scott 33
Edifil 34 A
Galvez 34

Die Marke wurde im Senf-Katalog 1911 - 1913 unverändert* bewertet wie folgt:

ungebraucht: Mark 1500
gestempelt: Mark 375

*den Katalog 1912 habe ich nicht vorliegen, aber 1911 und 1913, es ist unwahrscheinlich, dass 1912 andere Preise galten.

Es scheint nun aber so, dass die Marke ungebraucht echt nicht vorkommt. Das Exemplar aus der Ferrary-Sammlung hatte vermutlich eine (entfernte) Tintenstrich-Entwertung und wurde vom Verkauf zurückgenommen, vgl. Beitrag Heinz 7 [#286] und Thema: "Spanien: Hintergründe zur Mi. 27 y".

Ich wiederhole zwar den Hinweis, dass der Spezialkatalog Galvez (17. Aufage/1923) die ungebrauchte Marke auch bewertete (siehe Seite 11) und sogar eine Bewertung für ein ungebrauchtes Paar aufführte (Seite 13), aber wir haben keine Hinweise, dass diese Stücke heute tatsächlich noch existieren.

Mehrere Kataloge haben die Bewertung für ungebraucht ersetzt durch die Angabe -.- Leider fand ich in der Berner Briefmarkenzeitung 1977-1979 keine Hinweise, warum z.B. Zumstein die Bewertung von CHF 50'000 (!/Katalog 1978) auf: -.- (unbewertet) heruntersetzte. Die BBZ ist das Hausblatt der Briefmarken-Firma Zumstein.

So müssen wir wohl diese Marke bis auf Weiteres (sprich: neuen Erkenntnissen)aus der Liste Schubert 1912 herausstreichen. Mit dem Preis für gestempelt fällt die Marke auf der Liste weit zurück.

Dass die Marke aber (auch gestempelt) sehr selten ist und führende Philatelisten dazu brachte, sie als "seltenste Briefmarke von Spanien" zu bezeichnen, sei hier nochmals festgehalten. Warum sie trotz des geringen Vorkommens "nur" einen Katalogwert von Euro 7'500 hat (gemäss Michel Raritäten 2010), ist bestimmt weitgehend damit zu erklären, dass die Marke von vielen nur als Abart der Michel Nr. 27w betrachtet wird: 1 Real schwarzblau auf dünnem weissem Papier. (Katalogwert * Euro 3500, gest. Euro 350). Viele Spanien-Sammler begnügen sich vermutlich mit dem Besitz einer 1 Real-Marke schwarzblau auf weissem Papier und "MÜSSEN" die Nr. 27y nicht unbedingt dazukaufen.

Vielen Dank an alle meine Helfer (EdgarR, saintex und ein FRPSL-Spaniensammler) sowie an die "Fans", die Interesse an dieser Studie zeigten!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.01.2018 00:25:27 Gelesen: 208092# 343 @  
@ Heinz 7 [#318] und [#328]

Am 12.12.17 habe ich in Aussicht gestellt, dass ich mich in die Liste "Haas 1905" vertiefen wolle. Nun sind 5 Wochen vergangen, und ich möchte gerne ein weiteres Mosaik-Steinchen dazufügen zu unserem Gesamtbild "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt".

Haas listet ab Seite 481 die 40 "seltensten Fehldrucke" auf. Rekapitulieren wir, was wir schon wissen:

1. Spanien 1851, 2 Reales blau statt ziegelrot: siehe Beitrag 328
2. Oesterreich 1867, 3 Kreuzer rot statt grün: siehe Beiträge 331-341
3. Baden, I. Ausgabe, 9 Kreuzer grün statt rosa: siehe Beiträge 5, 59, 152 + 204

Ich habe schon erwähnt, dass nur der drittplatzierte Baden-Fehldruck es auf die Liste "Schubert 1912" schaffte (siehe dort - Position 10.1).

Neben den drei Erstplatzierten haben wir auch schon die Nummer 4 der Liste Fehldrucke (Haas 1905) kennen gelernt: es ist Westaustralien 1854, 4 Pence blau, mit kopfstehendem Schwan in der Mitte. Ich habe diesen Fehldruck in Beitrag 71 vorgestellt.

@ Heinz 7 [#71]

Auch diese Marke ist mit nur 12 bekannten Stücken extrem selten. Sie war im Senf 1912 zwar erwähnt (Senf 1913: Seite 1280), aber sie war nicht bewertet und fand darum keine Aufnahme in die Liste Schubert. Was die Marke aktuell "bringt", wird sich bald zeigen, denn in der Sammlung "Besançon" ist auch ein Exemplar enthalten. Der 1. Teil dieser Sammlung "Australische Staaten & Commonwealth of Australia 1850-1950" kam am 23.11.2017 in Zürich zur Versteigerung. Auf die Fortsetzung darf man gespannt sein!

Australien & Neuseeland haben uns bis jetzt nicht besonders beschäftigt. Ich weiss nicht mehr genau, ob ich schon erwähnt habe, dass auf der Liste "Schubert 1912" Australien & Neuseeland nur ein einziges Mal erwähnt waren unter den ersten 101 Marken seiner Liste: Neuseeland, 1856, 1 Shilling grün (siehe Beitrag 284); Position 33.8.

@ Heinz 7 [#284]



Anbei nun noch ein Ausschnitt aus der Broschüre Vorschau. Das Exemplar soll "possibliy the finest in private hands" sein, schrieb der Auktionator 2017.

Mit dieser Ergänzung "Inverted Swan" haben wir nun also doch ein zweites Top-Stück von "Down under" gefunden!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.01.2018 20:16:31 Gelesen: 207706# 344 @  
@ Heinz 7 [#343]

Ich kann sogar ein weiteres sehr seltenes Stück von Australien/Neuseeland vermelden!

Während der oben gezeigte "Inverted Swan" weit bekannt ist, gibt es einen weiteren Fehldruck vom australischen Staat "South Australia". Er ist bei Haas 1905 sehr hoch bewertet und schaffte es auf Platz 5 seiner Liste der 40 "seltensten Fehldrucke"

Bei Haas heisst es:

5. Süd-Australien 1870, 4 P. blau (ohne Aufdruck 3 Pence).

Im Senf Katalog 1913 war die Marke erwähnt, war aber nicht bewertet (Senf Nr. 29 I). Darum erscheint die Marke nicht auf der Liste Schubert 1912.

Rund 100 Jahre später ist die Marke bei Michel katalogisiert als Nr. 36 F (fehlender Aufdruck).

Ich habe zwei Exemplare dieser Marke gefunden.



Am 28.11.1962 wurde dieses Los bei Robson Lowe, London, verkauft; es stammt aus der weltberühmten Sammlung von Maurice Burrus. Die schwarzweiss-Abbildung ist grösser, als die farbige, darum zeige ich hier beide.



Bei Burrus war das Stück nicht hoch bewertet, obwohl ähnliche Stücke schon hohe Preise erzielt hatten.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.01.2018 20:34:59 Gelesen: 207693# 345 @  
@ Heinz 7 [#344]

Im Buch "Linn's Philatelic Gems 1" von Donna O'Keefe, 1987, wird ein ungebrauchtes Exemplar der Marke mit fehlendem Überdruck gezeigt:



Es stammt aus der Sammlung von Alfred Caspary, H.R. Harmer Limited, 6.-9.10.1958, London, Los 449, Scott no. 44b. Der Verkaufserlös betrug immerhin GB£ 750, das waren damals mehr als CHF 9'000 (1958).

Im Buch von O'Keefe ist ein sehr interessanter Vermerk bezüglich Seltenheit zu finden: "Fewer than 12 of these stamps are known to exist". Also: "weniger als 12 Exemplare"; die Aufteilung auf ungebraucht / gestempelt ist nicht erfolgt.

Im Michel-Katalog 2010 ist die Marke wie folgt bewertet:

36 F *: Euro 25'000.
36 F gest.: Euro 14'000.

Bei Linn (1987) war die Marke bewertet ("today" - vermutlich Scott 1987 -): US$ 22'500 unused und US$ 16'000 used.

Verglichen mit den Fehldrucken 1-4 der Liste Haas 1905 ist der "South Australia missing surcharge"-Fehldruck heute nicht mehr so hoch bewertet wie vor rund 100 Jahren.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.01.2018 23:51:45 Gelesen: 202570# 346 @  
@ Heinz 7 [#343]

Haas listet 1905 bekanntlich zwei verschiedene Tabellen auf: "die hundert seltensten Marken" und "die vierzig seltensten Fehldrucke". Von der zweiten Liste haben wir die Plätze 1-5 bereits kennengelernt, aber wir kennen sogar noch mehr!

Platz 6: Sachsen 1851, 1/2 Neugroschen blau (statt grau):

Richtig! Bei Schubert 1912 ist diese Marke auf Rang 23 und bei uns besprachen wir das Stück ausführlich in Beitrag [#203] und [#204]!

@ Heinz 7 [#203]

Platz 7: Vereinigte Staaten 1869, 30 Cents mit verkehrtem Mittelstück.

Auch diese Marke kennen wir bereits! Sie ist bei Schubert auf Platz 18.5 und wurde besprochen und gezeigt in Beitrag [#170], 201 und 204

@ Heinz 7 [#201]

Platz 8: Kap der Guten Hoffnung 1861, 1 P. blau, sogenannter Holzschnitt

Über diesen Farbfehldruck (blau statt rot!) habe ich viel geschrieben in Beitrag 181+204. In der Liste Schubert fanden wir diese Marke auf Platz 33.6.

@ Heinz 7 [#181]

Damit muss ich für heute aufhören. Ich werde unsere Tabelle aufdatieren, denn immerhin haben wir jetzt unsere Kenntnisse erweitert auf die Marken der Liste:

Schubert 1-57
Haas 1-20
Haas Abarten 1-9

Herzliche Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.01.2018 23:52:23 Gelesen: 201734# 347 @  
@ Heinz 7 [#346]

Platz 9 auf der Liste "Haas 1905 Abarten" bereitet uns Kopfzerbrechen.

"Spanien 1876, 25 M. blau und rosa, Rahmen kopfstehend" (siehe Seite 481)

Wir suchen bei 1876, finden aber eine Ausgabe "König Alfons XII.", aber einen Wert zu 25 M. finden wir nicht, und schon gar keinen Kopfsteher. Ab 1872 gibt es keine Milésimas mehr ("M").

Die aufmerksamen Leser erinnern sich aber an die Marke 33.12 der Liste Schubert: Spanien, 1865, 12 Cuartos blau/rosa. DIESE Marke gibt es mit kopfstehendem Rahmen!

ungezähnt = Senf Nr. 62 I: Preis *: -.- (keine Angaben)
gezähnt = Senf Nr. 68 I: Preis *: Mark 1500

Rund 100 Jahre später haben die Marken die Michel Nummern 63 I (geschnitten) und 69 I (gezähnt), wobei die gezähnte Variante die teurere ist (2006).

Und wenn wir weiter suchen, finden wir die Senf Nr. 85: Isabella nach links im Doppeleinrund, mit farbiger Umschrift, gezähnt. Und gleich darunter: Senf Nr. 85 I: "Fehldr. mit kopfstehend. Rahmen". Es MUSS aber die Abart sein, die bei Haas so hoch eingeschätzt wurde! Haas hat vermutlich einen "Zahlendreher" geschrieben: "1876" statt "1867". Die Marke ist bei Senf (1913+1911) nicht bewertet ("-.-"), also war sie es vermutlich auch 1912 nicht und fehlte darum in der Liste Schubert 1912. Im Michel (2006) hat die Abart die Nummer 88 III, sie wird nun aber nicht als "kopfstehender Rahmen" bezeichnet, sondern als "kopfstehendes Mittelstück".

Die Abart gleicht der Michel Nr. 69 I etwas, ist aber zweifellos eine andere Marke. Wir haben also eine NEUE Marke, die es verdient, auf unsere Liste der "berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" aufgenommen zu werden!

Gerne suche ich dazu noch eine Abbildung, aber das ist nicht so einfach.

Einen Hinweis zum Wert um das Jahr 1912 habe ich aber noch gefunden!

Im Kohl Briefmarken-Handbuch und Grosser Katalog, 10. Ausgabe von 1915, finden wir alle diese drei Marken wieder, und diesmal alle bewertet:

Kohl 63 I (1865, ungezähnt): *: 600 Mark
Kohl 69 I (1865, gezähnt): *: 1500 Mark (also wie Senf 1912!)
Kohl 86 (1867, gezähnt): *: 2400 Mark

Dieser Preis ist (bzw. war) sehr hoch und hätte bei Schubert Platz 19 bedeutet!

Also: Champagnerkorken dürfen knallen! Wir haben eine weitere "ganz teure" Marke (Abart) gefunden zur Zeit, als unserer Studie startet (1912). Ich hoffe, ich finde ein schönes Bild davon.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 27.01.2018 11:48:02 Gelesen: 201275# 348 @  
@ Heinz 7 [#347]

Liebe Leser,

gestern schrieb ich

"Champagnerkorken dürfen knallen!"

weil ich mich freute eine weitere "Superbriefmarke" (bzw. eine Abart) gefunden zu haben, die zu den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt gezählt werden dürfen: Die Spanien Michel Nr. 88 III von 1867.

"Meine" Leser wissen, dass ich jeweils versuche, die besprochenen Briefmarken auch nachzuweisen mit Bild und Provenienz: Also, in welcher namhaften Sammlung war DIESE Briefmarke vorhanden? - Wenn möglich mit Bild und Verkaufspreis. Nun, gelegentlich benötigt dies ganz schön Recherchier-Arbeit, und nicht immer kann ich die Zeit dafür aufwenden.

Die Michel Nr. 88 III kann ich im Moment noch nicht so vorstellen, wie ich es mir wünsche. Aber ich zeige in der Zwischenzeit einmal die Michel Nr. 88, die normale Marke. Sie hatte 2010 einen Katalogwert von Euro 250. Aber die Abart: (der kopfstehende Rahmen oder das kopfstehende Mittelstück) = 88 III ist die gesuchte Marke (Katalogwert: Michel 2010: Euro 20'000). Mit etwas Phantasie können wir uns das aber vorstellen.



Heute (aber wirklich erst heute!) ist mir aber etwas anderes ins Auge gestochen: unser schönes Thema hat heute nämlich klammheimlich die Hürde von 100'000 Lese-Klicks überstiegen! Wenn das kein Grund zur Feier ist! Ich bin beeindruckt! Gestern spät, um 23:52 Uhr habe ich Beitrag [#347] ins Netz gestellt, heute, 11 Uhr 11, weniger als 12 Stunden später sehe ich:

Beitrag gelesen 437 Mal
Total bei 100'183.
Ich finde das sensationell!



Na, das muss doch gefeiert werden!



Vielen Dank dem Team Philaseiten, welches das alles erst möglich machen!

Heinz
 
bayern klassisch Am: 27.01.2018 14:07:26 Gelesen: 201145# 349 @  
Hallo Heinz,

Glückwunsch zu Sechssteller! Das kann weiß Gott nicht jeder für sich reklamieren.

Bitte weitermachen - vielleicht wird es gar siebenstellig? Ausschließen kann man nichts.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
merkuria Am: 28.01.2018 10:41:37 Gelesen: 200306# 350 @  
@ Heinz 7 [#348]

Spanien verausgabte am 1. Juli 1867 eine Freimarkenausgabe zu 25 Milésimas mit dem Bildnis von Königin Isabella II nach links (Mi Nr. 88). Von dieser Ausgabe sind uns kopfstehende Mittelstücke bekannt (Mi Nr. 88 III).



An der Christoph Gärtner Weltraritäten-Auktion vom 30. Mai 2016 während der World Stamp Show in New York wurde unter Los Nr. 624 ein solches Stück in fehlerhaftem Zustand angeboten, blieb jedoch unverkauft [1]

Der Losbeschrieb von Gärtner beinhaltet folgende Informationen:

1867: Königin Isabella II, 25 M. blau/rosa, KOPFSTEHENDES MITTELSTÜCK, sehr feines Exemplar mit Nummern-Strichstempel "1". Von dieser Abart sind bis heute lediglich 3 Stücke bekannt. Ein ähnliches Exemplar, aus der - Tapling-Collection - (ebenfalls fehlerhaft), befindet sich heute im British Postal Museum. (Abgebildet im Handbuch "Rare Stamps" von L.N. und M. Williams, 1967). Die Marke zählt somit zu den bedeutenden Welt-Raritäten. Einschränkungen in der Qualität sind daher nicht sehr relevant. Fotoatteste Comex, Brettl/Schmitt. (Edifil 95ei) Preis 19'000 €

Bei den vorliegenden Angaben bleiben doch einige Fragen offen:

Existieren nur 3 gestempelte Exemplare oder gibt es auch ungebrauchte Exemplare?

Angesichts der angeblichen Existenz von nur 3 Exemplaren erscheint mir eine Michel-Bewertung von 20‘000 € doch eher bescheiden. Im Michel 2006 stand die Bewertung sogar noch bei 12‘000 € !

Grüsse aus der Schweiz
Jacques

[1] http://www.stampcircuit.com/zh-hans/stamp-Auction/auktionshaus-christoph-g%C3%A4rtner-gmbh-co-kg/6883379/lot-624-spanien-auktionshaus
 
Heinz 7 Am: 30.01.2018 00:03:03 Gelesen: 198971# 351 @  
@ merkuria [#350]

Lieber Jacques,

besten Dank für das gute Foto und die neue Info, die allerdings auch Fragen aufwirft, die Du ja auch schon gestellt hast:

Michel katalogisiert die Marke nur ungestempelt:
88 III: 2010: *: Euro 20'000
88 III: 2006: *: Euro 12'000

Scott katalogisiert die Marke nur gestempelt:
96a: 2000: gest. US$ 13'000 ("frame inverted")

Zumstein hingegen katalogisiert die Marke in beiden Erhaltungen!
85 I: 1992: *: -.- gest. CHF 21'000.

Den Spanien-Spezialkatalog Galvez 1923 habe ich in die Bibliothek zurückgebracht und kann ihn im Moment nicht konsultieren; vgl. @ Heinz 7 [#288].

Wir wissen also nicht, wie viele Exemplare es gibt und ob gebraucht oder ungebraucht. Die Beschreibung bei "Gärtner" ist auch nicht erschöpfend. Viele Abklärungen konnte ich noch nicht treffen, aber folgende Aussage kann gemacht werden:

An all diesen wichtigen Auktionen wurden grosse SPANIEN-Sammlungen versteigert. Es kam dabei aber nach meinen Feststellungen KEINE 1867 25 M. mit kopfstehendem Rahmen zum Verkauf!

Corinphila, Zürich, 18.5.1999 (113. Auktion)
Luder-Edelmann, Zürich, 27.2.-3.3.1928 (8. Auktion)
Robert A. Siegel, New York, 20.11.1967 (323. Auktion)
H.R. Harmer, Inc., New York, 5.-9.12.1966 (Sales 1735-1739)
H.R. Harmer, Inc., New York, 24.-27.3.1958 (Sales 1162-1165)
H.R. Harmer, London, 25.-26.3.1935 (Sales 747-748)

Natürlich habe ich auch die legendäre Ferrary-Auktion(en) konsultiert. Und ich gewann eine wichtige Erkenntnis:

Dank dem sehr wertvollen Index von Napier sah ich, dass das Ferrary-Material über 5 Auktionen verteilt war (ohne Kolonien; sonst noch mehr). Der Hauptteil kam an der 5. Auktion zum Verkauf (Lose 136-217), aber auch später finden sich Spanien-Lose. Ausgerechnet das allerletzte Spanien-Los des Napier-Index zeigt uns das Gesuchte!



Los 664 der 14. Auktion ist also die gesuchte Abart, und zwar gleich zweifach, leider aber ohne Foto. Der Auktionator hielt die Marken offenbar für Verfälschungen (siehe Text), und entsprechend schlecht wurden die Marken angeboten und verkauft für lumpige FF 500 (26. November 1925).

Der Auktionator schreibt, dass er noch nie ein echtes Exemplar dieser Marke gesehen habe!

Ich fürchte, diese Abart macht uns noch einiges Kopfzerbrechen!

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 31.01.2018 21:25:07 Gelesen: 197402# 352 @  
@ merkuria [#350]

Ja, ich habe auch dieses Buch!

In der Beschreibung des "Gärtner"-Loses steht ein Hinweis, der mich hellhörig machte: "Abgebildet im Handbuch "Rare Stamps" von L.N. und M. Williams, 1967".

Ich wusste, dass ich dieses Buch der Gebrüder Williams auch schon hatte, und nach kurzem Suchen fand ich den Band auch; hier die deutsche Ausgabe!



Auf dem Umschlag dieses Buches sind sechs Marken gezeigt, die wir vermutlich nicht unbedingt erwartet hätten: neben einer Weltrarität wie der Hawaii 2 Cents-Marke auch mehrere, doch eher unbekannte, nicht wirklich sehr teure Briefmarken werden hier gezeigt, scheinbar wahllos. Für uns ist natürlich heute die fünfte Marke von Interesse, es ist ganz offenbar wirklich die gesuchte Spanien 1867, 25 M. mit verkehrtem Rahmen!

Höchst gespannt suchen wir im Buch nähere Angaben zu dieser Marke. Und werden enttäuscht! Das kleinformatige, 124 Seiten starke Buch geizt nicht mit Abbildungen; 168 sind durchnummeriert, zum Teil füllen sie ganze Seiten - aber der Text dazu ist dann oft sehr knapp! Und im Falle der 6 Marken auf dem Umschlag sind diese nicht einmal alle im Buch beschrieben!

Das Buch gibt uns zwar das Bild eines weiteren Exemplares der seltenen Abart, aber keine weiteren Informationen! Schade!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.02.2018 23:00:35 Gelesen: 191807# 353 @  
Bei unserem "Spanien-Rätsel" (oben) bin ich noch nicht fündig geworden, das heisst, ich kann zur Michel Nr. 88 III nichts weiteres (wichtiges) aussagen.

Darum knüpfe ich an bei Beitrag

@ Heinz 7 [#325]
@ Heinz 7 [#328]

Hier habe ich aufgehört, die "erste" Liste von Haas vorzustellen und zu kommentieren. Wir haben erst Platz 1-20 kennen gelernt, und sicher interessieren uns auch noch die nächstfolgenden!

Auf Platz 1-20 bei Haas war noch keine Schweizer Marke dabei. Wir wissen aber, bei Schubert erreichten folgende zwei Schweizer die Plätze:

Schweiz Bundespost Nr. 1 (sog. "Waadt 4") 1849: Rang 18 (18.4.)
Schweiz Genf Nr. 1 (sog. "Doppelgenf") 1843: Rang 31 (31.2.)

Beide Marken waren 1912 ungestempelt deutlich teurer als gestempelt. Beide Marken sind aber auch gestempelt selten, und darum schafften es beide Marken auch weit nach vorne auf der Liste Haas (der ja die günstigere Variante zur Beurteilung heranzog!).

Bai Haas 1905 finden wir unsere zwei Schweizer einträchtig zusammen:

Platz 21: Genf 1843, 5+5 C. gelbgrün
Platz 22: Sogenannte Waadt 1849, 4 C. schwarz und rot.



Anbei ein schönes Exemplar der "Waadt 4" aus der Sammlung Alfred Lichtenstein/Louise Boyd Dale

Damit ist (war) also auch die Schweiz weit vorne vertreten, und dies gleich zweimal!

Dass heute ANDERE Marken als die beiden oben genannten als "die seltensten/teuersten" der Schweiz gelten, wissen viele Schweiz-Sammler. Auch in Bern können wir diese bald bestaunen, denn zum 175-Jahr Jubiläum organisiert das Museum für Kommunikation eine Ausstellung der Sonderklasse. Die Tore zur Ausstellung öffnen anfangs März 2018, also exakt 175 Jahre nach der Herausgabe der "Zürich 4" und "Zürich 6".

Soviel Info noch zusätzlich:

Die Zürich 4 schaffte es auf Platz 50 (50.7.) bei Schubert 1912 bzw. auf Platz 47 bei Haas 1905.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.02.2018 00:00:39 Gelesen: 190442# 354 @  
@ Heinz 7 [#347]
@ merkuria [#350]
@ Heinz 7 [#351]

Jacques konnte uns schon eine schöne Farbfoto zeigen der Spanien Mi Nr. 88 III. Ich habe weitere Spanien-Sammlungen inspiziert, ob sie wohl diese seltene Abart enthielten.

Nun bin ich fündig geworden!

In der Sammlung von Charles Lathrop Pack, einem der "ganz Grossen" in der Philatelie der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts, war ein gestempeltes Exemplar zu entdecken! Los 596 der Auktion 6.-8.12.1944 bei Harmer, Rooke & Co., New York, sales 237-242, ist wie folgt beschrieben:

"1867, 25m de e. blue and rose. Frame inverted. repaired at left but fine appearance and of the greates rarity (See Photo, plate 25)(96a)"



Der Katalogwert der Marke damals war stolze US$ 2500 (1944).

Leider weiss ich nicht, ob die Marke damals verkauft wurde, und ggf. zu welchem Preis. Aber wir wollen zufrieden sein, dass wir ein zweites Stück gefunden haben. Wir suchen weiter.

Im Katalog M. Galvez, Madrid, 1923 ist diese Abart übrigend katalogisiert: Galvez 94i: 25 m. azul y rosa: centro invertido: ungebraucht: Ptas. 15'000, gestempelt: Ptas: 2'500.

Im Vergleich dazu: Galvez 8e: 1851, 2 Reales: azul: * Ptas. 60'000, gest. 35'000 (1923)
Galvez 34: 1854, 1 Real: azul claro: * Ptas. 15'000, gest. 2'750 (1923)
Galvez 69m: 1865, 12 Cuartos: azul y rosa; Error Marco invertido: * Ptas. 11'000, gest. 1'500 (1923).

Das sind interessante Werte, die wir uns merken wollen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.02.2018 16:04:13 Gelesen: 189658# 355 @  
@ Heinz 7 [#353]

Es hat mir grossen Spass gemacht, als ich in rascher Folge die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt vorstellen konnte, nach der Liste Schubert (1912) und Haas (1905). Im Moment ist das Ganze etwas ins Stocken geraten. Meinen "Vorgehensplan" habe ich nicht vergessen; und es gibt also noch sehr viel zu tun (zu forschen und zu schreiben), aber mein Alltag lässt mir nicht genügend Freizeit, um die dazu nötigen Stunden für dieses Thema aufzuwenden.

Gleichwohl will ich natürlich nicht "aufgeben"... -

Eine "drängende Frage" möchte ich darum heute schon beantworten, obwohl ich die Marke in meinem "Lehrplan" erst später vorstellen wollte. Ein lieber Freund aber BRAUCHT nun eine Antwort, und gerne will ich meinen Beitrag dazu leisten.

WELCHES IST EIGENTLICH DIE WERTVOLLSTE BRIEFMARKE DER SCHWEIZ?

Wir sahen, dass Schubert die Zumstein Nr. 9 (= Waadt 4) von 1849 ungebraucht zuoberst sah (Platz 18.4) mit einem damaligen Wert von 2'500 Goldmark. Haas (1905), der die günstigere Variante (ungebraucht ODER gestempelt) auflistete, nannte die Zumstein Nr. 3 (= Doppelgenf) von 1843 als seltenste Marke. Diese war im Senf 1913 übrigens mit 650 Mark bewertet (gestempelt; ungestempelt 1600 Mark); interessanterweise gleich hoch wie die Waadt 4 (gestempelt/1913: Mark 650).

Die grosse Frage: "GILT DIES HEUTE, mehr als 100 Jahre später, IMMER NOCH?" dürfen wir verneinen. Heute gehört eine andere Briefmarke auf den Thron der wertvollsten Schweizer Marke:



1850-1852 kamen die ersten Briefmarken des neuen Bundesstaates heraus:

Zumstein Nr. 13: 2.5 Rappen Orts-Post
Zumstein Nr. 14: 2.5 Rappen Poste Locale
Zumstein Nr. 15: 5 Rappen Rayon I. dunkelblau/rot
Zumstein Nr. 16: 10 Rappen Rayon II. gelb/rot
Zumstein Nr. 17: 5 Rappen Rayon I. hellblau/rot
Zumstein Nr. 18: 15 Rappen Rayon III. ziegelrot
Zumstein Nr. 19: 15 Centimes Rayon III. ziegelrot
Zumstein Nr. 20: 15 Rappen Rayon III. ziegelrot, grosse Wertziffer

Das Besondere daran ist, dass die ersten 5 Marken mit oder ohne Kreuzeinfassung existieren. Zuerst wurde die Marke mit einer KE hergestellt, doch dann wurde angeordnet, dass diese zu entfernen sei. Die Nr. 14 ist seltener OHNE KE, bei den späteren Marken 16+17 ist es umgekehrt, da gibt es fast keine Exemplare MIT Kreuzeinfassung!

Und diese 16 I und 17 I sind nun wirklich extrem selten und teuer!

Sehen wir uns die aktuellen Katalogpreise an (Schweizer Briefmarken Katalog 2017 (Sz. BM-Händler-Verband) dann sehen wir:

17 I: CHF 275'000 (gestempelt; es gibt keine ungebrauchten)
16 I: CHF 220'000 (gestempelt; es gibt keine ungebrauchten)
14 II: CHF 35'000 (gestempelt, ungebraucht ohne Bewertung, Katalog sagt "Marke kommt praktisch nicht vor")
13 II: CHF 3'800 (gestempelt, ungestempelt: CHF 10'000)
13 I: CHF 2'300 (gestempelt, ungestempelt: CHF 5'000)
14 I: CHF 2'100 (gestempelt, ungestempelt: CHF 4'400)
15 I: CHF 1'800 (gestempelt, ungestempelt: CHF 8'500)
19: CHF 1'500 (gestempelt, ungestempelt: CHF 26'000)
18: CHF 1'000 (gestempelt, ungestempelt: CHF 29'000)
15 II: CHF 750 (gestempelt, ungestempelt: CHF 2'500)
20: CHF 200 (gestempelt, ungestempelt: CHF 3'500)
16 II: CHF 200 (gestempelt, ungestempelt: CHF 1'300)
17 II: CHF 200 (gestempelt, ungestempelt: CHF 800)

Die hellblaue 5 Rappen-Marke ist also der "neue König".

Anbei eines der schönsten Exemplare, aus dem Postmuseum.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.02.2018 16:30:14 Gelesen: 189642# 356 @  
@ Heinz 7 [#355]

Die Zumstein Nr. 17 I ist heute also wesentlich höher bewertet als die Nr. 3 (Doppelgenf) oder die Nr. 9 (Waadt 4).

Schweizer Briefmarken Katalog 2017 (Sz.BM-Händler-Verband):

Nr. 3 *: CHF 100'000
Nr. 9 *: CHF 70'000
Nr. 17 I gest: CHF 275'000

Das ist nun relativ deutlich! Warum sich die Nr. 9 (Waadt 4) trotz ihrer grossen Seltenheit markant schwächer entwickelt hat, als die zwei anderen Marken kann ich nicht begründen.

Im Senf 1913 waren die zwei Rayon-Marken (siehe oben) auch aufgelistet, allerdings mit nur tiefen (bzw. sehr tiefen) Katalogwerten:

Zumstein Nr. 16 I: 10 Rappen Rayon II. gelb/rot = Senf 8 I: gestempelt: 400 Mark
Zumstein Nr. 17 II: 5 Rappen Rayon I. hellblau/rot = Senf 9 I: gestempelt: nur 80 Mark !

Diese Marke war vor hundert Jahren also sehr tief bewertet. Eine Erklärung dürfte sein, dass damals viele Sammler die Differenz zwischen "mit Kreuzeinfassung"/"ohne Kreuzeinfassung" nicht beachteten.

Eine Entwicklung von 80 (Mark 1912) auf 275'000 (CHF 2017) dürfte ganz-ganz weit in der Spitzengruppe ALLER Briefmarken weltweit anzusiedeln sein (siehe Anmerkung). Wer also 1912 beim Händler eine SOLCHE Briefmarke gekauft hat, hat das grosse Los gezogen!

Anmerkung: das ist also Faktor 3'437.5 (!!)
im Gegensatz zur Waadt 4 *: Faktor 28
oder zur Doppelgenf *: Faktor 62.5
 

Herzliche Grüsse
Heinz
 

Heinz 7 Am: 06.03.2018 22:26:34 Gelesen: 188341# 357 @  
@ Heinz 7 [#355]

Ich habe im Februar gezeigt, dass zwei Schweizer Marken im Verlauf der letzten hundert Jahre einen sehr steilen Aufstieg schafften: Von einer moderat bewerteten Briefmarke 1912 schafften es die Zumstein Nr. 16 I und 17 I sehr weit nach oben auf der Liste der wertvollsten Marken.

Bei Michel wurden die Rayon II und die Rayon I hellblau mit Kreuzeinfassung unter der Nummer 8 I und 9 I katalogisiert. Die Katalogwerte in CHF habe ich oben genannt. Wie stand der Michel 2010?

Rayon II/KE: Euro 110'000
Rayon I hellblau/KE: Euro 170'000.

Ganz aktuelle Katalogwerte kann ich im Moment nicht liefern. 2010 war der Euro noch deutlich mehr wert als der Schweizer Franken. Aber wir sehen auch an den Michel-Notierungen, dass diese Schweiz-Marken extrem teuer sind.

Die Rayon I hellblau/KE haben wir oben gezeigt, nun fehlt noch die Rayon II:



Anbei eine Abbildung aus dem Büchlein von O'Keefe: "Philatelic Gems 1" (1987). Es sind keine ungebrauchten Marken dieser seltenen Variante bekannt, aber auf dem Bild kommt die Kreuzeinfassung schön zum Ausdruck.

Aber auch in Farbe kann ich diese Rarität zeigen.



In der Sammlung Sylvain Wyler war die Rayon II/KE gleich drei Mal enthalten, davon 2 Mal lose und einmal auf Briefstück! "Ganz grosses Kino" also. Die Beschreibung durch den Sammler ersehen wir aus dem Scan. Nicht erwähnt ist die recht starke Druckfarben-Verschiebung auf beiden Marken; beide Kreuzeinfassungen sind nach unten verschoben. Der Rotdruck musste genau zum Schwarzdruck passen, damit das Schweizer Kreuz optimal herausgehoben wurde.

Heinz
 
merkuria Am: 10.03.2018 11:53:18 Gelesen: 188066# 358 @  
Heute möchte ich die wohl teuerste Briefmarke aus Grossbritannien vorstellen. Dabei handelt es sich um die One Penny rot gezähnt mit vier farbigen Eckbuchstaben (Mi Nr. 16) mit der 1863 datierten Druckplatten Nr. 77.

Marken von der Platte 77 wurden nie am Postschalter verkauft, da die schlechte Qualität der Platte nicht den Anforderungen für einen guten Druck entsprachen. Die Druckplatte 77 wurde vernichtet, ebenso die bereits in unbekannter Anzahl gedruckten Marken. Trotzdem gelangte eine unbekannte Anzahl dieser Marken in den Gebrauch. Gemäss Literatur sind uns bis heute 6 gestempelte Exemplare bekannt geworden, ein Exemplar davon befindet sich im britischen Postmuseum.


Auf der rechten Abbildung zeige ich den Standort der Plattennummer 77 auf der Marke

Den höchsten je erzielten Preis für eine einzelne englische Briefmarke löste Stanley Gibbons 2012 mit einem Exemplar dieser unverausgabten Plate 77 Marke. Diese wechselte damals für 550‘000 GB£ (zu der Zeit ca. 680‘000 €) den Besitzer und ging nach Australien!

Stanley Gibbons verkaufte 2016 ein weiteres Exemplar dieser Unverausgabten an einen nicht benannten britischen Sammler für 495‘000 GB£ (zu der Zeit ca. 640‘000 €). Dies ist der zweithöchste Preis der je für eine einzelne englische Briefmarke bezahlt wurde!

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 11.03.2018 16:31:26 Gelesen: 187995# 359 @  
@ merkuria [#358]

Die Michel Nr. 16 von Grossbritannien ist im Katalog "Michel - Valuable Stamps of the World - Wertvolle Briefmarken aus aller Welt" von 2010 (1. Ausgabe) NICHT aufgeführt!

Wie ist das möglich? Gehört die oben genannte Marke nun in dieses Thema oder nicht? Die Antwort ist nicht eindeutig.

Ich will das gerne erläutern.

Die gezeigte Briefmarke (die Grundmarke) hatte (vor 18 Jahren) einen Katalogwert von Deutsche Mark 12.00 ungestempelt und DM 2.25 gestempelt. (Michel-Katalog 2000/2001, sorry, etwas in die Jahre gekommen). Sie wurde ab 1858 gedruckt, und zwar zig-millionenfach. Es gab viele Druckplatten dieser Marke, meines Wissens wurden 160 Druckplatten von Perkins & Bacon erstellt (Plates 69-228). 9 dieser Platten wurden nicht oder kaum verwendet, aus unterschiedlichen Gründen, die 151 anderen können voneinander unterschieden werden (!) und werden in englischen Spezialkatalogen sogar katalogisiert.

Platte 77 wurde nicht akzeptiert (und zerstört?). Doch einige Bogen davon wurden produziert und ein paar wenige Stück fanden schliesslich sogar den Weg in die Postzirkulation.

Nach meinen Kenntnissen gibt es neun registrierte Marken von Plate 77: vier ungebrauchte und fünf gebrauchte. (Jacques schreibt von sechs gestempelten).

Spezialsammler von England lassen sich diese seltene Abart offenbar sehr viel kosten, wie gezeigt in Beitrag 358. Die genannten zwei Resultate waren mir bisher nicht bekannt. Verrückt. Das einzige Verkaufsergebnis einer 1d Plate 77 der neueren Zeit sind die US$ 75'000, welche am 11.3.1987 bezahlt wurden für ein Exemplar der Isleham-collection (Auktion Christie's Robson Lowe, New York). Der Auktionator begnügte sich damals noch mit 10% Aufgeld, der Verkaufspreis war also US$ 82'500.

Ich nehme die oben genannten Ergebnisse 2012 und 2016 zur Kenntnis und bin gerne bereit, diese Marke als eine der wertvollsten der Welt zu "akzeptieren". Allerdings finde ich, es ist nötig, wenn wir weiterhin unterscheiden:

a) offizielle Marken, die sehr selten sind: in jedem Fall (egal ob gestempelt / ungestempelt)
b) offizielle Marken, die sehr selten und teuer sind: entweder gestempelt oder ungestempelt
c) offizielle Marken, die nur als besondere Abart selten sind

usw. Wir können dann auch noch die inoffiziellen Briefmarken nennen.
z.B.
d) nicht verausgabte Briefmarken
e) versehentliche Fehldrucke
f) Versuchsdrucke/Probedrucke.

Die 1 Penny rot gezähnt, Plate 77 gehört in die Kategorie c).

Nach Meinung von Sir Edward Bacon könnten die Marken der Plate 77 auch "trials" sein, "printed before plate 77 was rejected". Dann gehört die Marke in Kategorie f)

Ich habe in den letzten Monaten vor allem Briefmarken der Kategorie a) (=Liste Haas, 1905) und b) (=Liste Schubert, 1912) besprochen, siehe z.B. @ Heinz 7 [#318]. Ich werde mit diesen Studien noch fortfahren (ich habe mich zuerst auf die "Grundlagen" (= Raritäten im Jahr 1905 bzw. 1912) konzentrieren wollen, nicht ohne dabei zu vergleichen, wie diese "alten Raritäten" sich heute, rund 100 Jahre später, behaupten konnten).

Wie ich mich den Briefmarken der übrigen Kategorien c) - f) ... widmen kann und soll, muss ich im Moment noch offen lassen. Die nicht verausgabten Marken (d) werden von uns ja bereits in einem speziellen Thema behandelt.

Heinz
 
Koban Am: 11.03.2018 18:00:08 Gelesen: 187976# 360 @  
Weiteres zur Platte 77 findet sich hier:

http://pennyreds.co.uk/Plate-77-

Gruß,
Koban
 
merkuria Am: 11.03.2018 18:49:18 Gelesen: 187957# 361 @  
@ Heinz 7 [#359]

Sicher wollte ich hier keine Durchmischung der einzelnen Markenkategorien a) bis f) verursachen. Mir ist bewusst, dass die Plate 77 Marke eigentlich zur Kategorie d) gehört, nämlich zu den Unverausgabten.

Mit der Platte 77 wurde eine nicht bekannte Zahl Bögen gedruckt, welche bei der Kontrolle als nicht den Qualitätsansprüchen genügend abqualifiziert wurden. Die Platten sowie die gedruckten Bogen wurden aus diesen Gründen anschliessend vernichtet, weshalb sie zu den Unverausgabten zu zählen sind. Es muss angenommen werden, dass bei diesem Prozess eine nicht bekannte Anzahl dieser Drucke entwendet und als Frankaturware verwendet wurden.

Ich habe diese Ausgabe eigentlich nur aus einem Grund in diesem Thread vorgestellt: Die Plate 77 Marke weist seit 2012 mit 550‘000 GB£ den höchsten je erzielten Preis für eine einzelne englische Briefmarke aus.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 11.03.2018 23:32:00 Gelesen: 187922# 362 @  
@ Koban [#360]

Hallo Koban, Dein Link führt ins Leere, leider.

@ merkuria [#361]

Ist schon okay! Ich finde es auch interessant, hier die superteuren Marken (auch) zu zeigen, vor allem, wenn wir den Verkaufspreis/-ort benennen können. Dein Beitrag war berechtigt - "wertvollste Briefmarken der Welt". Es ist mir aber hoffentlich gelungen, die Problematik aufzuzeigen, welche diesem Thema hier innewohnt; wir sollten versuchen, die Kategorien getrennt zu halten, oder zumindest sauber zu bezeichnen, damit das Ganze nicht unübersichtlich wird.

Ich werde die Briefmarken der Kategorien c) - f) vorerst nur sehr ausnahmsweise in DIESEM Thema hier besprechen.

Gute neue Woche!

Grüsse
Heinz
 
Koban Am: 12.03.2018 00:06:51 Gelesen: 187916# 363 @  
@ Heinz 7 [#362]

Der Unterstrich erscheint trotz copy/paste und korrektem Link in der Vorschau, im Beitrag um einen _ zu kurz. Mir ist schleierhaft woran das liegt.

Im Zweifel über Google:

one penny red plate number 77

Erstes Suchergebnis. Es lohnt sich.

Gruß,
Koban
 
Heinz 7 Am: 12.03.2018 14:57:05 Gelesen: 187846# 364 @  
@ Koban [#363]

Ich habe "http://pennyreds.co.uk/Plate-77-"; nachgelesen, und das ist sehr interessant! Der Autor spricht dort von nur 8 Exemplaren (4 ungebraucht, 4 gestempelt), und stellt die 8 auch gleich in Wort und Bild vor, plus eine weitere, die beim Erdbeben 1906 San Francisco verloren ging.

Das Exemplar aus der Isleham-Sammlung (siehe Heinz 7 [#359]) ist da auch gezeigt. Es ist offenbar das Stück, das 25 Jahre später so teuer verkauft wurde! (GB£ 550'000 / 2012; gegenüber US$ 82'500 / 1987).



Einen Kommentar erlaube ich mir.

Ich bin nicht ganz so euphorisch über den Wert dieser Briefmarke.

Eine Briefmarke, die gleich aussieht wie tausend andere, ist meines Erachtens nicht gleich begehrenswert, wie z.B. eine Hawaii 2 Cents-Marke (gestempelt). (vgl. Heinz 7 [#136]). Trotzdem soll sie wesentlich teurer sein? - Aber dazu kann ja jeder seine eigene Meinung haben!

Heinz
 
buzones Am: 16.03.2018 15:42:10 Gelesen: 187414# 365 @  
Gerade kam eine Email vom Auktionshaus Burda (Prag) bei mir an, die mir mitteilt, dass die seltenste tschechoslowakische Briefmarke bei ihnen in der Auktion #56 (11.03.2018) zum Rekordpreis von 9.300.000 CZK (= 372.000 EUR!) zugeschlagen wurde! Respekt!

Es handelt sich um eine ungebrauchte Marke zu 4 Kronen im Breitformat auf Faserpapier mit kopfstehendem Aufdruck POŠTA ČESKOSLOVENSKÁ 1919.



Und dazu noch die Original-Losbeschreibung (auf Englisch): „ THE RAREST CZECHOSLOVAK STAMP / Pof.50b FP, Coat of arms 4 K light green on GRANITE PAPER WITH INVERTED BLACK OVEPRINT POŠTA ČESKOSLOVENSKÁ 1919; wide format, excellent centering, overprint type II; superb piece with original gum, lightly hinged, cat. by estimation 7.000.000 CZK, certificates Vrba 2017, Gilbert, Karásek, Pittermann + copy of certificate František Beneš 1992, exp. Šula, Mrňák, Tribuna and Lešetický; THE RAREST AND MOST VALUABLE CZECHOSLOVAK STAMP, THE GEM OF WHOLE CZECHOSLOVAK PHILATELY, unique piece, the only one example recorded, in 1928 sold in public auction in Brno (famous auction Přehnálek for 31.900Kč), after 1945 placed in Postal museum in Prague, exhibited on world stamp shows PRAGA 1968, PRAGA 1978 and PRAGA 1988; in 1990´s bought by Mr. Ludvík Pytlíček as the most important acquisition of his magnificent collection of Czechoslovakia, after 90 years is this elusive and famous stamp in public offer!!!, GREAT EUROPEAN RARITY!

Ich finde, die Marke gehört auch in diesen Thread! ;-)
 
Heinz 7 Am: 16.03.2018 17:52:58 Gelesen: 187392# 366 @  
@ buzones [#365]

Lieber Kollege,

Danke für den Beitrag und die Anregung "die Marke gehört auch in diesen Thread".

Ich komme mir ein bisschen vor wie ein Professor im Lesesaal. Er hat einen Vorgehensplan und trifft auch auf interessierte Studenten! Er freut sich darüber und sieht, wie das Interesse am Thema steigt und sich immer neue Studenten anschliessen.

Über die Fragen der Studenten, die noch "mehr" wissen wollen zu dem Thema oder selber interessante Kenntnisse haben, freut er sich einerseits, weiss aber auch, dass dies nun in seinem "Lehrplan" zeitlich nicht hineinpasst. Was tun, also?

Erstmals "Dankeschön sagen" (das wäre geschafft!). Doch gerne möchte ich mich zu dieser Marke auch ein wenig äussern, möchte dazu eine "Gewichtung" abgeben und sie wenn möglich sogar einreihen in eine (noch nicht bestehende!) "Liste der Besten".

Um dies alles fundiert machen zu können, müssen wir aber erst die Grundlagen abschliessen, und da sind wir noch nicht ganz so weit. Die Liste "Schubert 1912" ist abgearbeitet ("Pflichtfach"), aber bei der Liste "Haas 1905" bin ich noch nicht ganz durch! Gerade GESTERN habe ich wieder daran gearbeitet (Vorbereitung für einen neuen Beitrag)!

Du siehst also: wir "tummeln" uns noch anfangs des 20. Jahrhunderts herum, wollen da unsere Erkenntnisse noch abschliessen, bevor wir dann aufbrechen und sehen, was sich seit 1912 alles verändert hat. Dazu gehört natürlich: Welche Werte sind NEU DAZUGEKOMMEN?

Deine vorgestellte Marke hat Jahrgang 1919, kann also in meinem "Lehrplan" noch gar nicht vorgekommen sein! Einverstanden? Aber ich komme darauf zurück. Versprochen!

Heinz
 
buzones Am: 16.03.2018 18:47:03 Gelesen: 187375# 367 @  
Lieber Kollege,

ich entschuldige mich hiermit auf's Äußerste dafür, dass ich den Lehrplan durcheinander gebracht habe! Es war meinerseits ein "Spontanposting": Email gelesen und kurz danach in's Forum geschaut, wo mir der vorliegede Thread in's Auge sprang. Ich dachte: "Passt doch gut!" und hab's eingestellt, ohne mich mit den Präliminarien näher zu befassen. *ascheaufmeinhauptstreu*

Also: Mein unqualifizierter Beitrag darf gerne gelöscht werden – mittlerweile hat er auch im "Nachbar-Thread" der kopfstehenden Überdrucke ein Zuhause gefunden.

Ralf
 
10Parale Am: 16.03.2018 19:26:12 Gelesen: 187370# 368 @  
@ buzones [#367]

Da ich wie viele Philatelisten (Hobby-, Profi und sonstige Spezies des Homo collectus) gerade eine Reise nach Prag plane, wo dieses Jahr die Praga 2018 stattfindet (August), habe ich diesen Beitrag von Ihnen mit größtem Interesse verschlungen.

Ein paar wenigen tschechischen Freunden (keine Philatelisten!), die ich neu hinzugewonnen habe, kann ich endlich erzählen, dass auch ihr Land von philatelistischen Preziosen gesegnet ist. Soviel von meiner Seite zu der vereinigenden Kraft dieses Threads "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt", der bestimmt ein außerordentliches Lehrbuch darstellt, Heinz 7 sei es gedankt.

Er mag mir auch dieses "Spontanposting" verzeihen, aber buzones Beitrag war es wert.

10Parale
 
bayern klassisch Am: 16.03.2018 19:46:25 Gelesen: 187366# 369 @  
Liebe Freunde,

ich würde kein Posting von buzones löschen, kein einziges, nicht mal spontan. ;-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Heinz 7 Am: 16.03.2018 20:01:21 Gelesen: 187356# 370 @  
@ buzones [#367]

Nein, um Himmels Willen - da wurde ich (wirklich?) ganz falsch verstanden!

Erstens: ich habe nie gesagt, Dein Beitrag sei unqualifiziert oder passe nicht in dieses Thema
zweitens: ich sage doch, ich freue mich über Deinen Beitrag!
drittens: mein Beitrag als "Professor im Lesesaal" ist doch augenzwinkernd gemeint, ist dies nicht ersichtlich?

Also: Schwamm drüber! Bitte nicht Dinge hineininterpretieren, die ich nie gesagt habe.

Ich werde vermutlich früher oder später auf diese Marke zurückkommen, möchte aber zuerst die Liste "Haas 1905" beenden. Ich habe (von anderen Lesern) schon den Wunsch gehört, ich solle meinem "roten Faden" weiter folgen. Das mache ich gerne, ausser, es werde nicht mehr gewünscht.

Okay?

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.03.2018 21:49:44 Gelesen: 187329# 371 @  
@ Heinz 7 [#318]

Es ist eine Weile her, seit ich die letzte Tabelle zeigte. Damals zeigte ich die erstplatzierten Stücke der Studie Schubert 1912.

Nun möchte ich anschliessen mit den besten Stücken der Listen Haas 1905. Die meisten Stücke kennen wir natürlich schon, aber es sind doch ein paar neue dabei. Und - das sei nochmals gesagt - der Ansatz Haas war ein anderer, als der Ansatz Schubert!

Haas listete NUR die Marken, die AUF JEDEN FALL selten sind (gebraucht UND ungebraucht).

Schubert aber listete die Marken mit den höchsten Katalognotierungen (gebraucht ODER ungebraucht).

Ein Extremfall, der den Unterschied der zwei Listen zeigt, ist die Württemberg Senf Nr. 13: 1859 Wappen, 6 Kreuzer grün, Marke ohne Seidenfaden.

Ungebraucht hatte die Marke einen stolzen Wert von 1000 Goldmark gestempelt aber listet die Marke nur mit 4 Mark!

Auf der Liste Schubert erreicht die Marke also den respektablen 58. Platz (Position 58.17); für Haas spielte die Marke aber absolut keine Rolle!

Wir haben zuerst die Liste Schubert kennengelernt, ich schlage nun aber vor, die Liste Haas 1905 an den Anfang der Studie zu setzen: DIESE MARKEN sind wirklich absolute Briefmarken-Raritäten.

Ein weiterer interessanter Ansatz bei Haas ist, dass er unterscheided zwischen normalen (verausgabten) staatlichen Marken und Fehldrucken, die irrtümlich entstanden.

Die Liste zeigt nun die ersten 24 Marken (zwei Dutzend) und ein Dutzend Fehldrucke. Bis heute habe ich 22 von 24 und 10 von 12 Fehldrucken vorgestellt. Die noch fehlenden Stücke werde ich nachliefern.



In Spalte 3 sehen wir den Querverweis auf die Liste Schubert 1912. Wir finden immerhin 8 Marken bei Haas, die bei Schubert aus den bekannten Gründen nicht gelistet wurden (i.d.R.: keine Preisangaben bei Senf).

Ich habe aber darauf hingewiesen, dass auch die Liste Haas nicht perfekt ist: gewisse Marken wurden weggelassen. Für unserer Thema "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" möchte ich sie aber wenn möglich auch in Betracht ziehen, zumindest teilweise.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.03.2018 22:05:56 Gelesen: 187325# 372 @  
@ Heinz 7 [#371]

Ich habe auf obiger Liste auch den Katalogwert festgehalten, obwohl er im Buch Haas nicht genannt wurde. Die Studien Haas/Schubert lagen zeitlich nicht sehr weit auseinander. Um das Ganze nicht noch komplexer zu machen, habe ich nun denselben Katalogwert verwendet: beidesmal: Senf 1912 (oder 1913).

Auch Haas dürfte sich 1905 weitgehend am (damaligen) Senf orientiert haben.

Was zeigen uns die Listen Haas?

Hoch im Kurs standen die britischen Kolonien British Guiana und Mauritius, sowie Hawaii. Die Europäer sind nur vereinzelt vertreten, doch bei den seltensten Fehldrucken sind sie gut vertreten (und das, obwohl der Schweden Tre Skilling Error fehlte!).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.03.2018 22:40:44 Gelesen: 187316# 373 @  
@ Heinz 7 [#371]

Auf der Liste Haas 1905 steht auf Platz 23:

British Guiana, 1856, 4 Cents karmin (Senf Nr. 10)



Die Marke werden viele Philatelisten kennen, weil die Senf Nr. 9 die weltbekannte "ONE CENT BRITISH GUIANA 1856" gleich aussieht (siehe z.B. Beitrag 9)

Es wundert mich etwas, dass diese Marke bei Haas es auf Platz 23 schaffte. Sie hatte bei Senf 1912/1913 einen Katalogwert von (nur) Goldmark 500 (gestempelt). Ungestempelt ist die Marke viel seltener (zwei Stück bekannt?) und war (und ist) unbewertet in den Katalogen Senf (1912) und Michel (2010). Bei Schubert kam die Marke nicht unter die ersten hundert Plätze; dafür waren mind. 750 Goldmark erforderlich.

Im Michel 2010 hat die Senf Nr. 10 = Michel Nr. 10 einen Katalogwert von Euro 11'000.

An der Auktion von David Feldman wurden diese Preise aber pulverisiert (Juni 2014)

Los 60073 gest. Exemplar - Ausruf: Euro 4'000 - PR: Euro 40'000
Los 60074 gest. Exemplar - Ausruf: Euro 3'000 - PR: Euro 48'000
Los 60075 gest. Exemplar - Ausruf: Euro 3'000 - PR: Euro 40'000
Los 60076 gest. Exemplar - Ausruf: Euro 3'000 - PR: Euro 50'000

Das sind doch erstaunliche Ergebnisse, vor allem, wenn gleich alle vier Stücke weit über Katalog verkauft wurden.

British Guiana ist eben immer wieder ein Magnet für kaufkräftige Sammler!

Heinz
 
Schwämmchen² Am: 17.03.2018 00:41:27 Gelesen: 187300# 374 @  
In chinesischen Philatelie gibt es grob geschätzt ca. 200 Einzelmarken mit einem Handelswert über 10.000.- EUR, denke hier haben die Chinesen auch einen Rekord aufgestellt.

bspw diese unscheinbare Marke (verkauft in China 2017) ca. 21.000.- EUR (Ost China 1942, Yang EC265). Drei Exemplare existieren (zwei davon in Privathänden).


 
Heinz 7 Am: 17.03.2018 13:08:04 Gelesen: 187246# 375 @  
@ Schwämmchen² [#374]

Lieber Roman,

danke für Deinen Beitrag. Ich habe diese Marke noch nie gesehen (oder kann mich nicht daran erinnern).

Es ist korrekt, dass China Ende 20. Jahrhundert/anfangs 21. Jahrhundert enorm zugelegt hat mit teuren Briefmarken. Auch Jacques hat in diesem Thema davon schon einige ganz teure Stücke vorgestellt.

Ich kenne mich da nicht sehr gut aus und kann dazu nur wenig sagen. Es dünkt mich aber, dass im Bereich, den Du nennst (Wert > Euro 10'000) auch die USA unglaublich viele Marken hat. Vielleicht noch mehr als China? - Sicherlich ein Hauptgrund dafür ist in der Tatsache zu finden, dass in diesen zwei Ländern heute die grösste Anzahl an Millionären wohnen. Dass einige von ihnen ihr Geld auch für Briefmarken ausgeben, ist wohl für die Philatelie weltweit eine gute Sache.

Dass die Sammler (und auch die Briefmarken) aus Europa hier vielleicht etwas in den Hintergrund rücken, ist vermutlich auch eine Folge davon.

Den höchsten Preis für eine chinesische Marke vor rund hundert Jahren war übrigens vermutlich 250 Goldmark (Senf 1913), also doch deutlich unter den Werten der damals Teuersten. (Ohne Gewähr, wäre noch zu verifizieren). Die Marke dazu kennen wir schon:

Senf Nr. 33 I. Kaiserlich Chinesische Post, Wertaufdruck. 1 Dollar auf 3 Cents. Abart: "mit fetterem Aufdruck". Ich nehme an, das ist die heutige Michel Nr. 33 I: "chinesischer Aufdruck schmal" mit einem imposanten Katalogwert von Euro 340'000 (Michel 2010).



Ich erlaube mir, anbei das Foto aus Beitrag 28 nochmals zu zeigen - siehe: merkuria [#28], Jacques hat dazu das Wichtigste schon geschrieben.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
buzones Am: 17.03.2018 20:15:48 Gelesen: 187193# 376 @  
@ Heinz 7 [#370]

Lieber Heinz,

nur keine Aufregung: Ich hab's nicht so ernst gemeint wie du es nicht gemeint hattest – oder so.

Alles gut und weiterhin viel Spaß mit diesem interessanten Thread!

Beste Philagrüße
Ralf
 
Heinz 7 Am: 18.03.2018 08:55:34 Gelesen: 187133# 377 @  
@ buzones [#376]

Sehr gut!

Ich sehe, Du bist Mitglied der ARGE Spanien. Ich möchte Dich auf die teils ungeklärten Fragen hinweisen zu den Spanien Marken Michel Nr. 85 I und 30 b und 68 I. Wenn Du uns (mir) dazu weitere Angaben machen könntest, würde ich mich sehr darüber freuen.

In Beitrag [#318] und [#371] siehst Du, in welchen Beiträgen diese Marken bisher behandelt wurden.

Insbesondere folgende Fragen interessieren:

a) wie viele Stücke der jeweiligen Marke gibt es nach heutigem Wissen?
b) gibt es bekannte Marktpreise zu diesen Stücken?
c) wie sind die alten und die neuen Katalogpreise dieser Marken? (* / g)

Vielleicht kannst Du und Deine ARGE-Kollegen diesen Fragen gelegentlich nachgehen. Das wäre super!

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.03.2018 16:27:03 Gelesen: 187087# 378 @  
@ Heinz 7 [#371]
@ Heinz 7 [#48]

Auf der Übersicht "Haas 1905" fehlt der Hinweis, dass ich die Marke

USA, 1869, Senf Nr. 38 III. 15 Cents, Fehldruck mit kopfstehendem Mittelstück

bereits in Wort und Bild vorgestellt habe, siehe Beitrag 48. Anbei nochmals das Bild dazu.



Bei Senf 1913 war die Marke bewertet wie folgt:

*: -.-
gest: 750 Goldmark

Sie schaffte es damit auf Platz 92.09 der Liste Schubert. Bei Haas war sie auf Platz 11 der Fehldrucke.

Das Exemplar, das ich im November 2015 zeigte, war postfrisch oder ungebraucht, und damit noch wertvoller als die gestempelten Exemplare.

Die Marke steht also seit über 100 Jahren in der Reihe der wertvollsten Briefmarken der Welt!

Liebe Grüsse
Heinz
 
buzones Am: 18.03.2018 20:46:15 Gelesen: 187039# 379 @  
@ Heinz 7 [#377]

Lieber Heinz,

als "Spanier vom Dienst" in (fast) allen deutschen Foren bin ich natürlich der richtige Ansprechpartner für ein solches Ansinnen! ;-)

Zuerst einmal habe ich mich gewundert, welches denn die "Spanien Marken Michel Nr. 85 I und 30 b und 68 I" sein sollen, habe aber dann gesehen, dass es sich um Senf-Nummern handelt, die ich in einem meiner alten Senf-Scharteken dann auch gefunden habe. Ich möchte die Liste gerne noch um den Fehldruck der 2 Reales blau von 1851 ergänzen (Senf 8a), da hierzu vor kurzem eine kleine Monografie des leider jüngst verstorbenen José-María Sempere erschienen ist, die den neuesten Stand der Forschung referiert.

Ich muss dich/euch allerdings um etwas Geduld bitten, denn nach längerer Krankheit (mit relativ viel Zeit für die Philatelie) nehme ich ab morgen wieder am Arbeitsleben teil und werde daher meine "Forenpräsenzfrequenz" herunterfahren müssen; auch die Zeit für entsprechende Recherchen wird wieder knapper.

Man scheue sich auch nicht, mich ggf. an mein hier gegebenes Versprechen zu erinnern - ich nehme es nicht übel! :-)

Also hier nochmal die Liste der zu bearbetenden Marken (inkl. Konkordanz Michel/Edifil):

1851 - 2 Reales blau (Senf #8a / Michel #8F / Edifil 8ec)
1854 - 1 Real hellblau (Senf #30b / Michel #27y / Edifil #34A)
1865 - 12 Cuartos gezähnt kopfstehender Rahmen (Senf 68I / Michel #69I / Edifil #76ea)
1867 - 25 Mils.de Escudo kopfstehender Rahmen (Senf 85I / Michel #88 III / Edifil #95ei)

Eigentlich gehört ja auch noch die Senf #34a / Michel #34F / Edifil (1855 2 Reales grünlichblau) mit in die Liste. Und warum fehlt die geschnittene 12 Cuartos von 1865 mit ebenfalls kopfsthendem Rahmen? Nun ja, wenn ihr wollt, kann man das ergänzen.

Beste Philagrüße & saludos filatélicos
Ralf
 
Heinz 7 Am: 19.03.2018 19:11:43 Gelesen: 186988# 380 @  
@ buzones [#379]

Lieber Ralf,

danke für das Angebot.

Senf Nr. 8a habe ich bereits vorgestellt, ziemlich ausführlich, siehe [#328].

Bei Senf 30b fragen wir uns, ob es überhaupt ungebrauchte Marken gibt? (Tendenz, meines Wissens: nein!)

Zu 68I und 85I interessieren uns die Anzahl Exemplare */gest.

Der von Dir genannte Fehldruck 34a (Senf) ist sowohl bei Haas, als auch bei Schubert, gelistet. Allerdings nicht in den ganz vorderen Rängen:

Spanien 1855, 2 Reales grünblau statt braunviolett:

- bei Haas 1905: erst auf Platz 30 der Liste Fehldrucke
- bei Schubert 1912: erst auf Platz 126.30 mit einem Katalogwert von 500 Goldmark

Noch deutlicher ist es bei der Senf Nr. 62I = Spanien 1865, 12 Cuartos blau/rosa, ungezähnt. Fehldruck: mit kopfstehendem Rahmen:

Mit einem Katalogwert von "nur" 160 Goldmark verschwindet diese Marke in den Tiefen der Tabelle Schubert. Bei Haas ist nur die gezähnte Abart gelistet: auf Platz 38 der Fehldrucke.

Ich schlage darum vor, diese zwei Marken vorerst nicht weiter zu behandeln, sonst wird unsere Liste uferlos.

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.03.2018 00:16:47 Gelesen: 186919# 381 @  
@ Heinz 7 [#371]

Eine - so meine ich: interessante - Analyse zeigt uns:

Platz 25 der Liste Haas 1905 war bei Senf 1912/13 bewertet mit: -.- / 500 GM
Platz 26 der Liste Haas 1905 war bei Senf 1912/13 bewertet mit: 800 / 450 GM
Platz 27 der Liste Haas 1905 war bei Senf 1912/13 bewertet mit: 600 / 600 GM
Platz 28 der Liste Haas 1905 war bei Senf 1912/13 bewertet mit: 750 / 400 GM
Platz 29 der Liste Haas 1905 war bei Senf 1912/13 bewertet mit: 500 / 350 GM
Platz 30 der Liste Haas 1905 war bei Senf 1912/13 bewertet mit: 1200 / -.- GM oder -.- / -.-
Pl. 31: 2500 / 500 GM
Pl. 32: 850 / 500 GM
Pl. 33: 750 / 500 GM
Pl. 34: 800 / 500 GM
Pl. 35: 3000 / 400 GM
Pl. 36: 3000 / 400 GM
Pl. 37: 1000 / 500 GM
Pl. 38: 800 / 500 GM
Pl. 39: 400 / 375 GM
Pl. 40: -.- / 400 GM oder 1000 / 500
Pl. 41: 1500 / 375 GM
Pl. 42: 750 / 500 GM
Pl. 43: -.- / 400 GM
Pl. 44: 1200 / 350 GM
Pl. 45: 300 / 300 GM
Pl. 46: 1200 / 400 GM
Pl. 47: 1200 / 300 GM oder 1000 / 350
Pl. 48: 300 / 325 GM
Pl. 49: 500 / 375 GM
Pl. 50: 280 / 300 GM

Wir sehen also: Alle Marken (ausser Platz 30) haben den unteren Katalogwert zwischen 280-600 Goldmark (Senf 1913, meist wie Senf 1912). Wir können daraus ableiten, dass die Marken auf Platz 1-24 also einen Katalogwert von MEHR ALS 600 GOLDMARK haben sollten, um zu Recht auf den vorderen Plätzen bei Haas (1905) zu stehen.

Betrachten wir die Liste in Beitrag 371, dann sehen wir, dass ALLE Marken auf Platz 1-22 mit mindestens 650 Goldmark bewertet sind [#371]. Platz 23+24 fallen hingegen unter diese Grenze.

Ich habe mich daher entschlossen, meine "Grund-Liste" 1 (die "alten sowohl-als-auch RARITÄTEN"; ungebraucht UND gestempelt) vorerst auf 22 Positionen zu beschränken. Dazu kommen natürlich noch die Fehldrucke! Und ich möchte auch die Marken ergänzen, die auf der Liste Haas 1905 fehlten, aber bereits 1912 mindestens den Wert von 650 Goldmark hatten (z.B. ein paar US-Postmeistermarken).

Die Marke auf Platz 30 bei Haas 1905 werde ich später noch besprechen.

Die 650 Goldmark (1912) sind also das "Eintritts-Ticket" für meine erste (überarbeitete) Liste!

Heinz
 
Martin de Matin Am: 22.03.2018 08:53:19 Gelesen: 186868# 382 @  
@ Heinz 7 [#287]

Hallo Heinz,

in Bezug auf Spanien Mi 27y 1 Real blau auf bläulichen Papier ungebraucht bin ich endlich fündig geworden. Ich konnte mich nur daran erinnern das ich ein Exemplar gesehen hatte, das nach der gestempelten Einheit von Köhler versteigert wurde.

In meinen Auktionskatalogen fand ich sie nicht, aber im Auktionsarchiv der Firma Gärtner fand ich das gesuchte Stück. Bei der 28. Auktion im Juni wurde sie unter Losnummer 8961 für 15.000 Euro angeboten und für 13.500 Euro zugeschlagen.

In der Losbeschreibung wird gesagt das 4 Exemplare existieren einschlieslich dem Ferrary-Exemplar. Die angebotene Marke hat einen kleinen reparierten Einriss rechts und wurde von Galvez, E. Diena und Thier signiert und hat jeweils eine Expertise von J.F.Brun und Pascal Scheller. Das angebotene Stück ist wohl nicht das Ferray-Exemplar, es hat einen anderen Schnittverlauf.

Leider habe ich den Auktionskatalog nicht mehr, und kann kein Bild davon zeigen.

Martin
 
Heinz 7 Am: 22.03.2018 12:35:37 Gelesen: 186846# 383 @  
@ Martin de Matin [#382]
@ Heinz 7 [#286]
@ Heinz 7 [#342]

Hallo Martin,

Deine Hinweise / Dein Beitrag bringt uns nun echt weiter, vielen Dank dafür!



Gärtner zeigt in seinem Auktionskatalog (28. Auktion) ein wunderbares Bild dieser ungebrauchten Marke, das ich hier gerne kopiert habe. Gemäss Katalogbeschreibung ist das Stück mehrfach signiert (u.a. auch von Altmeister Galvez!). Wir dürfen also davon ausgehen, dass dieses Stück echt ist und als ungebraucht gilt, das bestätigen ja auch die zwei Atteste von Jean-François Brun (2014) und von Pascal Scheller, Paris (2011). Ich habe also dazugelernt, und korrigiere meine Vermutung in Beitrag [#342].

Spannend wäre es jetzt, zu wissen, warum z.B. Zumstein (Bern) die Bewertung von CHF 50'000 (!/Katalog 1978, also vor 40 Jahren!) auf: -.- (unbewertet) heruntersetzte.

Gärtner schreibt in der Losbezeichnung u.a. "... of which only four are recorded in unused condition (including one in the Ferrary collection)". Da meines Wissens das Ferrary-Stück (das ich in Beitrag [#286] gezeigt habe) nicht als "ungebraucht" gelten darf (-> entfernte Tintenentwertung), bleiben offenbar nur noch 3 Exemplare übrig!

Umso erstaunlicher ist, dass diese Rarität bei der Gärtner-Auktion nicht einmal den moderaten Ausruf von Euro 15'000 erreichte, sondern zu nur Euro 13'500 zugeschlagen wurde. Vielleicht, weil es nur eine Farbnuance ist zu anderen 1 Real-Marken (ebenfalls blau)? Nun - der Käufer bei Gärtner dürfte sich gefreut haben! Er hat eine grosse Rarität günstig erwerben können.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.03.2018 22:20:12 Gelesen: 185868# 384 @  
@ Heinz 7 [#371]

Ich möchte den Fehldruck vorstellen, der bei Haas 1905 auf Platz 12 landete.



1901 gab es eine Ausgabe zu der Panamerikanischen Ausstellung, bestehend aus 6 Werten von 1, 2, 4, 5, 8 und 10 Cents. Die normale Ausgabe ist häufig, aber es wurde auch eine spektakuläre Abart festgestellt: Stücke mit kopfstehendem Mittelstück!

Heute kennen wir Kopfsteher der Werte zu 1 Cent (Senf 138 K, Scott 294a), zu 2 Cents (Senf 139 K, Scott 295a) und zu 4 Cents (Senf 140 K, Senf 296a). Gemäss Auktionskatalog wurden von der 2 Cents 200 Stück (ein Bogen) hergestellt, und 1989 bestanden davon noch 155 ungebrauchte und 3 gebrauchte Marken; 42 wurden vermutlich vernichtet oder gingen verloren.

Von der 4 Cents-Marke wurden offenbar 400 Stück hergestellt, und zwar offenbar absichtlich! 194 Stück wurden dann wieder vernichtet, aber 206 Stück kamen zu den Sammlern.

Es ist daher logisch, dass die 2 Cents-Marke einen höheren Katalogwert hat (US$ 37'500 / Scott 2000) als die 4 Cents-Marke (US$ 21'000/Scott 2000). Die 1 Cent-Marke ist etwas günstiger zu haben (US$ 15'000); genaue Zahlen über den Bestand liegen mir nicht vor.

Oben ist einer der seltenen Viererblocks angeboten: Auktion Christie's New York 12.10.1989, Los 263.

Im Katalog Senf 1913 wurden diese Marken nicht bewertet. Jacques und ich haben die Kopfsteher (1 Cent, 2 Cents) im Thema "Kopfstehende Marken oder Rahmen" behandelt Beiträge 8, 57 + 59.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.03.2018 23:01:32 Gelesen: 185858# 385 @  
@ Heinz 7 [#384]

Wie oben erwähnt, ist eigentlich der 2 Cents-Wert noch etwas seltener als der 4 Cents-Wert, dennoch wurde er bei Haas 1905 erst auf Platz 16 gelistet auf Seite 481/482 (Fehldrucke).



Dieser prächtige Viererblock kam ebenfalls zum Verkauf an der Auktion Christie's New York 12.10.1989, Los 262. Es ist derselbe Block, den Jacques (merkuria) im Beitrag 59 zum Thema "Kopfstehende Marken oder Rahmen" ergänzt hat. Wir haben im Juni 2016 die beiden existierenden Viererblocks dieses Fehldruckes vorgestellt (Beitrag 57+59).

Der 1 Cent-Wert kopfstehend der 1901 Pan-American Issue schaffte es bei Haas 1905 nicht auf die Liste der 40 seltensten Fehldrucke.

Heinz
 
Martin de Matin Am: 29.03.2018 17:20:47 Gelesen: 185755# 386 @  
@ Heinz 7 [#385]
@ Heinz 7 [#384]

Hallo Heinz,

ich hätte noch ein paar Ergänzungen zu den 3 Pan-American Marken mit kopfstehenden Mittelstück.

Zur 1 cent: Im Auktionskatalog der 804. Robert Siegel Auktion (Sammlung Zoellner) wird im Los 505 geschrieben, das in ihren Levi-Aufzeichnungen ungebraucht 13 Viererblocks, 1 Sechserblock und 1 Zwanzigerblock aufgeführt sind; teilweise wurde diese schon zertrennt. Wie viele Einzelstücke bekannt sind wird nicht gesagt.

Im Siegel-Census sind 55 gestempelte Exemplare abgebildet.

Zur 2 cent: Im Siegel-Census sind 7 gestempelte Exemplare abgebildet (alle haben mehr oder minder starke Mängel)

Zur 4 cent: Bei der 818 Robert Siegel wurden unter Los 1002 eine ohne und unter Los 1003 eine Marke mit Aufdruck "Specimen" angeboten. Es wird in der Losbeschreibung gesagt das ein unbekannter Anteil der nicht vernichteten Marken den Aufdruck "Specimen" erhielten. Des weiteren steht darin das ein grosser Teil der Marken ohne Aufdruck Gummimängel oder andere Mängel haben, da diese auf einer Papierunterlage montiert waren.

Nur zur Info für USA-Interessierte im Siegel-Census von Siegel Auction Galleries sind einige USA-Seltenheiten mit ihren bekannten Exemplaren abgebildet (es sind auch einige Marken von anderen Länder aufgeführt z.B. Kanada 12 Pence schwarz mit Bildnis von Königin Viktoria)

Martin
 
Heinz 7 Am: 30.03.2018 01:00:25 Gelesen: 185702# 387 @  
@ Martin de Matin [#386]

Lieber Martin,

vielen Dank für diese Informationen! Auf der Siegel-Seite habe ich diese verschiedenen Zählungen von Raritäten auch schon gesehen; das ist eine hervorragende Quelle der Information! Für das Sammelgebiet USA finden wir hier eine grossartige Datenbasis. Bei den internationalen Raritäten hingegen hat Siegel deutlich weniger notiert.

Bei der Aufbereitung der zwei oben genannten Kopfsteher habe ich vergessen, die Infos von Siegel abzufragen. Du hast dies nun nachgeholt. Besten Dank!

Die relativ grossen Stückzahlen, die von der 1 Cent-Marke noch existieren, machen es verständlich, dass sie nicht mit der 2 Cents und der 4 Cents-Marke mithalten können. Das wusste vermutlich schon Haas, immerhin hat er die 1 Cent-Marke nicht unter den besten 40 Fehldrucken erwähnt.

Ich werde die 1 Cent-Marke grundsätzlich nicht weiter verfolgen/beschreiben, weil sie nicht zum Kreis der "Besten" gehört.

Bei Haas haben wir bei den normalen Marken eine Wertgrenze von 650 Goldmark festgelegt (Werte gemäss Senf 1912/1913) (siehe @ Heinz 7 [#381]). Denselben Masstab will ich auch bei den Fehldrucken anwenden. Darum "muss" ich bei den Fehldrucken noch ein paar wenige Marken vorstellen, bevor wir die erste Liste der wertvollsten (1905-1913) komplett haben. Aber es werden nicht mehr viele sein. Soviel vorweg: von den Fehldrucken auf Platz 21-30 der Liste Haas 1905 hatten ALLE einen Katalogwert zwischen GM 350-600. Aber nicht ÜBER 600 Goldmark, keiner hat also unsere Grenze erreicht. Ich will daher auf diese Fehldrucke 21-30 nicht detailliert eintreten.

Das Ganze ist aber nicht ganz einfach, weil einzelne Marken im Senf 1913 nicht bewertet waren oder gar nicht aufgeführt waren, offenbar.

Ich melde mich gerne wieder, wenn ich einen weiteren Fehldruck vorstellen kann.

EINE "Notlösung" habe ich übrigens noch gefunden: falls eine Marke (genannt von Haas 1905) im Senf 1913 nicht bewertet (oder nicht einmal katalogisiert) ist, kann ich mir in ein paar Fällen aushelfen mit dem Katalog Yvert & Tellier, Amiens/Paris (Frankreich), der mir mit dem Jahrgang 1916 vorliegt. Hier finde ich z.B. die Preisnotizen für die 1901-USA-Kopfsteher! (Bei Senf 1913 sind sie alle nicht bewertet).

YT 138a = 1 Cent, centre renversé: Wert FF 500
YT 193a = 2 Cents, centre renversé: Wert FF 1250
YT 140a = 4 Cents, centre renversé: Wert FF 1500

Ich denke, dies sind gute "Ersatzwerte". Der Französische Francs galt nicht gleichviel wie eine Goldmark, aber umgerechnet übertreffen die 2c und die 4c-Marke die Grenze von 650 GM, während die 1c-Marke darunter bleibt! Das passt also genau zu unserem Bild, das wir uns zu dieser Zeit (1905/1912, Haas/Schubert) gebildet haben.

Gute Nacht!
Heinz
 
Heinz 7 Am: 31.03.2018 23:44:40 Gelesen: 185634# 388 @  
@ Heinz 7 [#371]

In Beitrag [#371] habe ich aufgeführt, dass ich den Fehldruck: Kap der Guten Hoffnung 1861, sog. Holzschnitt, 4 Pence rot (statt blau) in Beitrag [#181] vorgestellt habe.

Ich war da allerdings sehr knapp, und habe den Fehldruck nur beiläufig erwähnt, denn zur Hauptsache stellte ich ja den anderen Fehldruck vor: Kap der Guten Hoffnung 1861, sog. Holzschnitt, 1 Penny blau (statt rot). Die Marken/Fehldrucke sind ähnlich wie Geschwister: beide enstanden, indem ein falsches Klischee eingesetzt wurde.

Dies wird wohl am besten ersichtlich, wenn wir uns ein Bild vor Augen führen.



Diese im Erscheinungsbild etwas primitive Marke (ein berühmtes "Kap-Dreieck") wird hier im Viererblock gezeigt. Die 2. Marke ist aber keine 1 Penny Marke, wie die erste, dritte und vierte Marke des Viererblocks, sondern da steht klar und deutlich: "FOUR PENCE".

Diese Marke entstand also in der Absicht eine One-Penny-Marke zu drucken. Genau genommen sollten wir also nicht von einem Farbfehldruck sprechen, sondern von einem "Wertstufen-Fehldruck".

Diese Abart ist sehr spektakulär. Weil sie gleichzeitig auch sehr selten ist, hat sie es früh schon weit gebracht:

13. auf der Liste der 40 seltensten Fehldrucke bei Haas 1905.

Die Marke erreichte im Senf 1913 einen Katalogwert von 2000 Goldmark (Senf 6b, gestempelt; ungestempelt: -.-), vermutlich gleich wie im Senf 1912. Damit erreichte die Marke bei Schuberts "kombinierter Liste" Platz 24.3 (und war damit noch höher bewertet als der hellblaue Fehldruck Senf 5b, der es "nur" auf 1500 Goldmark und Platz 33.6 schaffte. Haas hingegen hatte den hellblauen Fehldruck höher eingeschätzt (Platz 8 der Liste Fehldrucke)).

Es ist klar, dass im Viererblock, zusammen mit regulären Marken, der Fehldruck einen noch viel höheren Wert hat, als alleine (isoliert, als Einzelstück).

Der Viererblock war ein Top-Stück von folgenden berühmten Kap-Sammlungen:

- Ferrary (1921)
- Riesco
- Stevenson (1950)
- D'Arcy Hall (1962)
- Maria de la Queillerie (1970)
- Sir Maxwell Joseph (1982), Los 897 (obiges Foto ist aus diesem Katalog)
- "Maximus" = Lee; (1989) Los 414

Auf die Resultate, die dieses "Hammerstück" erzielte, werde ich später noch zurückkommen.

Im Michel gilt heute der rote Fehldruck (4 Pence-Marke) auch (deutlich) mehr als der blaue (1 Penny-Marke)!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 03.04.2018 00:24:15 Gelesen: 185156# 389 @  
@ Heinz 7 [#371]

Wir haben bisher

22 "normale" Marken der Liste Haas (1905) als sehr selten und sehr wertvoll kennengelernt, dazu
13 Fehldrucke.

Damit sind wir aber noch nicht ganz am Ende unseres Grundlagen-Wissens. Auf Platz 14 der zweiten Liste Haas steht eine eher unbekannte Marke:

Finnland 1891, 3 R. 50 Kop. gelb und schwarz (statt grau und schwarz). Wir kontrollieren (Senf 1913), ob der Fehldruck die Grenze von 650 Goldmark auch erreicht. Zwar finden wir die Marke katalogisiert (Senf Nr. 46a), aber die Preisnotierung ist wenig aussagefähig: -.- und -.-

Wie helfen wir uns weiter?

Yvert & Tellier 1916 ist auch keine wirkliche Hilfe. Auch hier ist der "Erreur" katalogisiert (YT 47a), auch hier aber ohne Preis!

Aber es gibt doch einen wertvollen Hinweis im berühmten "Kohl Handbuch", das ja bekanntlich 1915 in 10. Auflage erschien. Das kommt uns nun sehr gelegen, denn damit liegen wir nur um 3 Jahre neben "Schubert", der den Katalog "Senf 1912" verwendete. Und Kohl bewertet nun diesen Fehldruck tatsächlich!

Kohl Finnland 46 I: -.- 1350.- (1915).

Und ich habe eine weitere Bestätigung, dass die Marke die von uns gesetzte Wert-Grenze von 650 Goldmark 1912 wirklich überschritt im ERSTEN Katalog von Hugo Michel gefunden: 1910 gab er einen dünnen Katalog "Europa" heraus, wir finden darin

Michel Finnland 46 a: -.- 1000.- (1910).

Also gehört diese Marke mit auf unsere Liste!

Anbei noch ein Foto dieser Marke



Dies ist ein Bild des Loses 271 der 6. Auktion Ferrary 25.-27.4.1923. Der Text ist klar: "Finlande 1891. Erreur 3 R. 50 noir et jaune, ex. superbe, (Photo pl. 9)". Aus Platzgründen war die Marke liegend statt stehend abgebildet; ich habe sie hier aufgestellt, darum ist die Losnummer senkrecht.

Ferrary also besass diesen Fehldruck! Die Marke war sogar ungebraucht, dies scheint die noch teurere Variante gewesen zu sein. Natürlich interessiert uns der Verkaufserlös dieses Loses (1923). Es waren immerhin 4'500 Francs + 17.5 % Aufgeld = FF 5287.50; die Bewertung dieses Resultates muss ich später vornehmen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.04.2018 22:36:53 Gelesen: 184208# 390 @  
@ Heinz 7 [#389]

Ich bin ja "zur Zeit" immer noch damit beschäftigt, die "historische Ausgangslage" zu klären, sprich die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt vorzustellen DES JAHRES 1912 (Liste Schubert) bzw. des Jahres 1905 (Haas). Das meiste ist "geschafft", einzelne wenige Ergänzungen fehlen aber noch.

Aus aktuellem Anlass aber möchte ich heute zwei Marken vorstellen, die wenige Jahre NACH unserem Startjahr 1912 herausgegeben wurden: 1915!

Bekanntlich hatte das Deutsche Reich Ende des XIX. Jahrhunderts einige Besetzungen hauptsächlich in Afrika durchgeführt und damit ein ebenfalls imposantes Kolonialreich gegründet. Ende dex XIX. Jahrhunderts war Deutschland eine grosse Kolonialmacht: Nach Bevölkerung hinter England und Russland an dritter Stelle, nach Fläche hinter England, Russland, Frankreich und der Türkei an fünfter Stelle.

Als im 1. Weltkrieg die Länder sich gegeneinander erhoben kamen auch gewisse Kolonien unter Druck. Die Besitzungen in Togo beispielsweise wurden von Franzosen und Briten überrannt und besetzt. Beide Besetzer überdruckten deutsche Marken von "TOGO" aus den Jahren 1900/1909. Diese Überdruck-Marken aus den Jahren 1914 und 1915 sind zum Teil extrem selten!

Die 1-Mark-dunkelrot Grundmarke Nr. 16 (mit einem Katalogwert von gerade einmal 4 Euro) wurde von den Briten 100 x überdruckt (mit weitem Zeilenabstand) bzw. 40 x mit engem Zeilenabstand: "TOGO Anglo-French Occupation". Die Franzosen hingegen waren in ihrer Auflage noch bedeutend kleiner: von der 1-Mark Marke wurde nur ein einziges Stück (!) überdruckt mit dem Aufdruck "TOGO Occupation franco-anglaise". Katalog Nr. Togo/Französische Besetzung/Mi Nr. 16.

Dieses Unikat klebt zusammen mit vier anderen Briefmarken auf einem Brieffragment. Die ebenfalls vorhandene 5-Mark-Marke (Mi Nr. 19) hatte eine Auflage von auch nur 3 Stück! Einzig der 5-Pfennig-Wert hatte eine etwas grössere Auflage von 1000 Stück.



Das Spitzstück der Sammlung Zgonc 2018 stammte aus der Sammlung Marquess of Bute (1959) Anbei ein Bildausschnitt des damaligen Auktionskataloges von Robson Lowe, London.



Das einmalige Stück mit den Nummern 16+19+3 x 9 kam diese Tage zur Auktion. Das Stück war geschätzt/ausgerufen zu Euro 250'000. Es wurde verkauft am 7.4.2018 in Ludwigsburg durch das Auktionshaus Christoph Gärtner für Euro 370'000 (plus Zuschlag).

Damit gehört dieses Brieffragment aus dem 20. Jahrhunderts sicher zu Recht in dieses Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 30.04.2018 19:04:04 Gelesen: 181793# 391 @  
@ Heinz 7 [#381]

Ich wollte noch eine schwierige Marke näher kommentieren, dies war mir aber einige Tage lang nicht möglich. Umso mehr möchte ich jetzt diese "Pendenz" endlich schliessen.

Ich habe bereits erwähnt, dass die Briten in ihren afrikanischen Kolonien zum Teil Briefmarken mit sehr hohen Nominalwerten herausgaben. Im Katalog "Senf 1913" finden wir so unter anderem: (Werte höher als 2 brit. Pfund):

Seite 147:
Britisch-Nyassaland
(bis 1907 Britisch-Zentralafrika genannt)

Freimarken

1891
Senf Nr. 13 + 14: Werte zu 5 und zu 10 Pfund !

1895
Senf Nr. 29, 30: Werte zu 10 und zu 25 Pfund !

1896
Senf Nr. 40, 41: Werte zu 10 und zu 25 Pfund !

1897
Senf Nr. 52: Wert zu 10 Pfund

1903
Senf Nr. 68: Wert zu 10 Pfund

1908
Senf Nr. 81: Werte zu 10 Pfund

Die Marken Senf 30 und 41 sind gestempelt nicht bewertet, ungestempelt ist es nur die Nr. 41. Ob sie allerdings seltener ist, als die Nummer 30, wissen wir nicht.

Ich habe nun zwei alte Stanley Gibbons-Kataloge zu Rate gezogen: Ausgabe 1906-07 und 1932.

Im Katalog von 1906/07 sind alle diese Marken aufgeführt, aber nur z.T. bewertet!

1891 - SG no. 16: 130 Shillings
... no. 17: 250 Shillings

1895 - SG no. 30: unbewertet
... no. 31: unbewertet

1896 - SG no. 41: unbewertet
... no. 42: unbewertet

1897 - SG. no. 52: unbewertet

1903-03 - SG. no. 67: GB£ 12

1908: noch nicht gelistet

Das bringt uns in den Erkenntnissen nun noch nicht wirklich weiter. Vergleichen wir mit Katalog 1932

1891 - SG no. 16: GB£ 14
... no. 17: GB£ 25

1895 - SG no. no. 30: GB£ 50
... no. 31: GB£ 100

1896 - SG no. 41: GB£ 50
... no. 42: GB£ 120

1897 - SG. no. 52: GB£ 55

1903-03 - SG. no. 67: GB£ 55

1908 - SG. no. 82: GB£ 60

Wir haben also einmal eine komplette Bewertung aller 9 Marken. Dabei fällt auf, dass 1932 waren die zwei Marken mit dem Nennwert 25 £ die am höchsten bewerteten, wobei die Ausgabe 1896 die Nase noch vorne hat: GB£ 120. Die Ausgabe 1895 hatte "nur" GB£ 100 Katalogwert.

Auch ein Blick in den verehrten Katalog von Paul Kohl 1915 hilft uns. Die einzigen zwei Marken aus dieser Reihe von 9 extrahohen Marken (Nennwert) mit einem Katalogwert von mehr als 750 Reichsmark sind die 25-Pfund-Marken von 1895 und 1896

Kohl Nr. 30 (1895) = RM 1600
Kohl Nr. 41 (1897) = RM 1500

Kohl bewertete also die Ausgabe 1895 höher als die von 1896 (nach Kohl: 1897).

Es ist aus heutiger Sicht schwierig, zu entscheiden, welche Briefmarke denn damals nun die wertvollere war. Salomonisch geurteilt würden wir vielleicht zum Schluss kommen: beide waren gleich viel Wert und gehörten damals schon auf die Liste der besten.

Wir haben bereits gesehen, dass Schubert sie 1912 auf den 50. Platz setzte (die Marke 1896). Haas kam zu einem ähnlichen Schluss, bei ihm wurde die Marke 1896 im Jahr 1905 auf Platz 30 der Hauptliste geführt.

Wir sollten diese Marke also auf unserer "Startliste" dabei haben! Die Marke 1896 hatte ein Wasserzeichen, die Marke 1895 hatte keines. Sonst sehen die Marken meines Wissens gleich aus. Ich habe sie bereits gezeigt in Beitrag 314.

Schlussfolgerung (ganz knapp): Aus Haas' Hauptliste sollten wir neben Platz 1-22 also unbedingt auch Platz 30 dazu nehmen! Sonst lassen wir eine Marke aus, die um 1912 herum zu den wertvollsten Marken der Welt gehörte!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 01.06.2018 22:33:06 Gelesen: 163647# 392 @  
@ Heinz 7 [#71]
@ Heinz 7 [#343]

Ich habe die berühmteste Briefmarke von Australien schon ausführlich vorgestellt und auch angekündigt, dass nun ein besonders schönes Exemplar dieses Fehldruckes verkauft werden soll.

Nun ist die Auktion erfolgt, bei Corinphila in Zürich, und das gute Stück ist auch tatsächlich stark umworben worden! Gemäss Auktionskatalog sind zur Zeit nur 14 Exemplare bekannt, von denen 50 % in Museen untergebracht sind und damit für Sammler unerreichbar sind!



Los 3517 war meines Erachtens zu Recht mit einem hohen Schätzpreis angeboten: CHF 100'000! Ein etwas älterer Katalogwert (2010) lag bei Euro 90'000 (Michel, vgl. Beitrag 71).

Nach Angaben des Auktionshauses wurde die Briefmarke nun aber sogar erst bei CHF 260'000 zugeschlagen! Dazu kommen noch 21 % Provision, also ein Totalpreis von klar mehr als CHF 300'000. Das ist sicher ein respektables Ergebnis!

Zur Erinnerung: bei Haas 1905 kam diese Marke auf Rang vier der wertvollsten Abarten.

@ Heinz 7 [#371]

Die Marke zählt also seit mindestens 113 Jahren zu den wertvollsten Marken der Welt und gehört zu Recht in diesem Kapitel besprochen.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
bayern klassisch Am: 02.06.2018 07:51:02 Gelesen: 163380# 393 @  
@ Heinz 7 [#392]

Hallo Heinz,

danke fürs Weitermachen und mit dieser Granate sowieso.

Bei Standardware geht es stark nach unten, aber bei den Highlights der Branche stark nach oben, wie man hier gut sehen kann.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 02.06.2018 17:56:32 Gelesen: 163139# 394 @  
@ bayern klassisch [#393]
@ Heinz 7 [#375]

Lieber Ralph,

danke für Deine Aufmunterung! Ich mache sehr gerne weiter, bei diesem spannenden Thema und ich habe eigentlich noch viele Beiträge "im Köcher", aber das braucht alles seine Zeit, und die hatte ich im Mai schlicht und einfach nicht. Aber - aufgeschoben ist nicht aufgehoben, versprochen!

Du sprichst ein Thema an, dass alle "Vereinsleute" stark beschäftigt. - Einerseits: Die unspektakuläre Standard-Sammlung erzielt kaum mehr anständige Preise (vieles ist nahezu "wertlos" geworden) und die Vereinsmitglieder sind frustriert, andererseits muss der engagierte Sammler für die Spitzenstücke manchmal heute NOCH MEHR zahlen, als früher, und die Auktionatoren vermelden Rekordergebnisse. - All dies macht die Philatelie NOCH anspruchsvoller als früher schon! Aber ich persönlich freue mich (letztlich), wenn ein wichtiger Anteil der Philatelie noch immer (oder wieder neu) gute bis sehr gute Preise bringt. Denn dies ist für das Gesamt-Hobby doch sehr förderlich.

Aus aktuellem Anlass komme ich auf eine Marke zurück, die hier auch schon besprochen wurde: Die "beste Marke Chinas", wie sie (vereinfachend) auch schon bezeichnet wurde.

@ merkuria [#28]

Ein weiteres Exemplar dieser gar nicht SOOOO seltenen Marke wurde diese Tage in Zürich verkauft. Los 2398 "Small Dollar 1897". Siehe Beiträge [#28] und [#375]



Es gibt nur sehr wenige Marken mit einem NOCH höheren Katalogwert, als diese China-Rarität. Trotzdem braucht es eine Portion Mut, um für eine Marke einen STARTPREIS von CHF 300'000 festzusetzen !

Nun - mindestens zwei Leute liessen sich davon nicht abschrecken und haben diesen Betrag zahlen wollen, ja sogar DEUTLICH MEHR ! Der Hammer fiel nämlich erst bei CHF 500'000. Dazu kommen 21 % Kommission.

Ein stolzer Preis!

Heinz
 
bayern klassisch Am: 02.06.2018 19:12:18 Gelesen: 163107# 395 @  
@ Heinz 7 [#394]

Lieber Heinz,

ganz ehrlich - als ich anfing, Briefmarken zu sammeln, gab es die Firma "Marken-Paul" und eine andere wie "Universum Briefmarken" oder so ähnlich. Die hatten Lots mit "100 Marken alle Welt", oder "1000 Marken alle Welt", in denen auch chinesische Marken waren, teils auch mit Aufdrucken, wie hier.

Ich weiß ja nicht, wann die große Seltenheit dieser Katalognummer erkannt wurde, aber wenn ich mein Jugendalbum noch hätte und die steckte darinnen, würde ich nicht im Traum an über 600.000 Euro brutto denken.

Ich wette, dass es vielen Sammlern wie mir geht und dass die jetzt, wenn sie ihr Jugendalbum noch haben, nach deinem Posting nachschauen, ob sich nicht vielleicht doch so ein Stück damals in ihre Sammlung verirrt hat.

Schön, dass du noch viele Pfeile im Köcher hast - dein "Fanclub" liest sehr gerne mit!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 24.06.2018 14:37:37 Gelesen: 155247# 396 @  
@ bayern klassisch [#395]

Wir haben bei unserem Streifzug durch die Geschichte der Philatelie und ihrer Raritäten schon mehrfach gesehen, dass in vielen Fällen die ungebrauchte Briefmarke seltener ist (war) als die gebrauchte. Dieses "Gesetz" wurde in späteren Jahrzehnten aufgeweicht, wenn nicht gar ausser Kraft gesetzt, weil die Sammler den Stempeln und noch mehr den ganzen Briefen verstärkt Beachtung schenkten. Somit rückten auch Frankatur-Kombinationen, Leitwege, Destinationen u.a.m. in den Vordergrund und Sammler waren neu bereit, sehr hohe Preise zu bezahlen für gestempelte Marken.

Das macht die ganze Studie über die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt nicht einfacher. Aber keine Angst, ich "kapituliere" nicht angesichts der Komplexität der Aufgabe, und versuche, trotzdem einen gültigen Massstab zu zeigen über die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt. Ich werde also versuchen, auch besonders interessante und wertvolle Briefe darzustellen. Ich habe dies ja auch bisher schon "ein bisschen" gemacht und Euch die meines Erachtens wertvollsten drei Briefe der Philatelie vorgestellt

@ Heinz 7 [#164]
@ Heinz 7 [#167]
@ Heinz 7 [#169]

Mauritius, Hawaii und Rumänien - Buntfrankaturen! - Ich denke, es gibt sehr starke Argumente, diese drei Briefe "auf das Podest der Besten" zu stellen.

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute aber zurückkehren zu den losen Marken, welche anfangs XX. Jahrhundert von den meisten Sammlern noch am eifrigsten gesammelt wurden.

1909 kam eine atemberaubende Sammlung auf den Markt, die bei Ventom, Bull & Cooper verauktioniert wurde:



453 Lose mit nur ungebrauchten europäischen Briefmarken, dabei viele Raritäten - das weckt doch unser Interesse! Das Herz hüpft vor Freude, wenn wir dann noch eine Fototafel entdecken, welche 23 ausgewählte Lose zeigt



Ich bin sicher, die treuen Leser dieses Themas werden die eine oder andere Briefmarke wiedererkennen. Schweiz, Toskana, Spanien ... da haben wir einiges besprochen! Andere Raritäten Europas vermissen wir: zum Beispiel Fürstentum Moldau (Rumänien) oder Grossbritannien. Zwei Wochen später gab es bereits die nächste Auktion, als die Teile "Great Britain and British Colonies in Asia and Africa" von Robert Reid verkauft wurden. Die Briten werden also noch folgen.

Ich frage nun die Leser: Aufgrund der Fototafel der 299. Auktion: Welche Marken erzielten wohl die höchsten Preise? Ich habe die Ergebnisliste und kann das Rätsel lösen. Danach können wir die Reid Auktionen 2, 3, 4 und 5 auch ein wenig studieren und untersuchen, ob "neue" (bisher nicht bekannte) Raritäten höhere Preise erzielten als die Top-Resultate der Auktion 299 "Europa" vom 18.2.1909.

Ich bin gespannt auf Eure Einschätzung.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 24.06.2018 14:42:43 Gelesen: 155244# 397 @  
@ Heinz 7 [#396]

Lieber Heinz,

ich tippe auf die Trinacria unten mittig in der letzten Reihe.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 24.06.2018 15:56:37 Gelesen: 155227# 398 @  
@ bayern klassisch [#397]

Sehr gut! Prüfen wir den Vorschlag:

Neapel, 1860, Senf Nr. 8, (auch Michel Nr. 8), hatte 1912 (1913) einen Katalogwert von Senf 1200 RM für ungebraucht. Da die Marke gestempelt aber "nur" RM 400 notiert war, schaffte es die Neapel 1860, Senf Nr. 8 bei Haas nur auf die Position 46 (Liste 1/ohne Fehldrucke) und blieb unter der von mir festgesetzten Limite von RM 650, um definitiv zur ERSTEN Auswahl der berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt zu zählen.

Aber, wie gesehen: in der Sammlung Reid waren nur ungebrauchte Marken enthalten, und als solche ist sie natürlich sehr selten. Sie schaffte es bei Schubert (zusammen mit 6 anderen Marken) auf Platz 50, siehe BD [#132]

Los 245 der Auktion 1908 wurde als etwas schadhaft beschrieben ("a little rubbed on face, but extremely rare"). Vielleicht war das der Grund, dass der Erlös des Loses etwas tief lag - nur GB£ 14.

Wenn ich das anhand der Karte mit den Währungswerten umrechne (siehe Heinz 7 [#214], hier wiederholt) ...



... erhalte ich einen Verkaufswert von lediglich 174 Goldmark, wenn ich richtig gerechnet habe. Das sind nur ca. 15 % des Katalogwertes Senf 1912. Damit war die Trinacria hellblau kein Spitzenreiter dieser Auktion. Wir haben drei andere Marken auf den Podestplätzen!

Danke für den Tipp!

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.06.2018 09:47:43 Gelesen: 155173# 399 @  
@ Heinz 7 [#398]

Da schon 53 Leser den Beitrag [#398] angeklickst haben, möchte ich eine Korrektur dazu nicht in Beitrag [#398] hineinschummeln (Korrektur-Modus), sondern offiziell einen Nachtrag anbringen:

Die GB£ 14 Verkaufserlös entsprachen zur Zeit der Gültigkeit dieser "Münzenkarte" rund 286 Goldmark (nicht 174, wie oben falsch ausgerechnet). Ich bitte um Verzeihung. 1 Britisches Pfund galt damals ca. 20 Mark 40 Pfennig.

Das waren aber auch nur ca. 24 % des Katalogwertes von Senf 1912. Damit wurde die Trinacria 1860 an dieser Auktion 1908 zu einem tiefen Preis verkauft.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.06.2018 23:04:38 Gelesen: 155061# 400 @  
@ Heinz 7 [#396]
@ bayern klassisch [#397]

Drei Lose schafften 1909 einen Verkaufserlös von GB£ 30 und mehr. Das waren immerhin 612 Goldmark.

Toskana 3 Lire (Senf Nr. 23): GB£ 36 = GM 734 (5. Reihe, 2. Marke)
Schweiz 1849, 4 Centimes (Senf Nr. 1): GB£ 36 = GM 734 (4. Reihe, 2. Marke)
Schweiz/Genf 1843. 5+5 Centimes (Senf Nr. 1): GB£ 30 = GM 612 (2. Reihe, 2. Marke)

Die Marken waren bei Haas auf der Liste auf Platz 12, 22 und 21.

EIN Los blieb unverkauft, das auch gute Chancen gehabt hätte, einen guten Preis zu erzielen: Los 350: Spanien, 1851, 2 Reales blue, The error. Very fine. - Die Losbeschreibung lässt uns aufhorchen: "This stamp was obtained by the Vendor from a gentleman who purchased it at the time of issue, in Spain, in a pair, with other values, which he unfortunately severed". Wenn der Gentleman wirklich den Farbfehldruck vom anderen Wert (6 Reales) abgetrennt hat, hat er eine der weltweit grössten Raritäten entwertet.

Die zwei 2 Reales Spanien 1851 ziegelrot (Senf Nr. 8) erzielten GB£ 21 und 20 (die Lose 348+349), das waren (bei einem Katalogwert von 800 GM (Senf 1913, für ungebraucht)) immerhin 428 GM bzw. 408 GM. Die blaue Marke war diejenige in der Mitte (3. Reihe).

Schöne Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.06.2018 00:05:18 Gelesen: 155021# 401 @  
@ Heinz 7 [#396]

Kaum war die erste Reid-Auktion vorüber, folgte schon die zweite. Wiederum zierte eine Fototafel den Auktionskatalog. Davon zeige ich anbei die ersten vier Reihen mit ein paar Raritäten aus Grossbritannien und den British Colonies.



Die Marke im Zentrum erreichte ein hohes Verkaufsresultat: volle GB£ 60! Das waren umgerechnet 1224 Goldmark!

Grossbritannien, Dienstmarke "I.R. OFFICIAL" zweizeilig, 1885, Senf Nr. 47: KW: * 2000 / gest. 1600 GM.

Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass Haas diese Marken nicht in seine Liste aufnahm. (Beiträge [#205] [#211] und [#213]). Das ist eigentlich schade, denn so fehlt diese anerkannt sehr wertvolle Marke.

Wir können dies bei unseren Betrachtungen 100 Jahre später korrigieren und diese Marke in unsere Liste der berühmtesten und wertvollsten Briefmarken aufnehmen. Bei der Studie Schubert schaffte sie es immerhin auf Platz 24 (ungebraucht)! Sie ist aber gemäss Katalog auch gestempelt sehr selten und verdient darum unsere Beachtung.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.06.2018 19:55:54 Gelesen: 154607# 402 @  
@ Heinz 7 [#396]

Ventom, Bill & Cooper (London) konnte am 18./19.3.1909 bereits die dritte Portion der Robert Reid - Sammlung zur Versteigerung bringen. 453+440+410 Lose nur ungebrauchte Lose (Einzelmarken und Lots) wurden angeboten. Einige Marken sind wiederum auf einer Fototafel wiedergegeben. Diese Fototafel ist 109 Jahre alt!

Die dritte Portion war gewidmet: British North America, British West Indies and the remainder of the British Colonies in Africa, also Liberia.



Newfoundland Senf Nr. 9 zeigte schon 1912/1913 zwei Varianten:

9a - rotorange
9b - ziegelrot

im Katalog Michel 2010 finden wir:

9a - zinnober (1857)
9b - orange (1860).

Gestempelt schaffte es diese Marken 1912 nicht in den Kreis der "berühmtesten und wertvollsten Briefmarken" (Limite: Goldmark 650, siehe @ Heinz 7 [#381]; Katalogwert 1913: Senf 9a: GM 400, Senf 9b: GM 500), aber ungebraucht sind diese Marken sehr wertvoll: GM 1000 für 9b (Senf nicht bewertet: 9a; gemäss Handbuch Kohl (1915) aber ca. 10 % teurer).

Genau diese zwei Marken schafften bei Reid nun hohe Verkaufserlöse:

Los 170: 1857 - scarlet-vermilion = GB£ 54 (siehe 2.Reihe / 3. Marke)
Los 173: 1860 - orange-vermilion = GB£ 50 (siehe 2.Reihe / 5. Marke)

Wir errechnen also Verkaufserlöse von Goldmark 1102 bzw. GM 1020. Das sind sehr hohe Werte.

Ein weiteres Los konnte mit diesen Erlösen mithalten:

Canada, 1851, Senf Nr. 6: 12 Pence schwarz. Siehe Beitrag 108.

Diese Marke gilt grundsätzlich als noch wertvoller als die Marken von Neufundland: bei Haas ist sie stolze Nummer zehn!

Sie erzielte bei der Reid-Auktion ebenfalls den Erlös von GB£ 50. Los 143.

Diese Marke scheint sehr schön zu sein und es sind keine Fehler beschrieben. Der Käufer hat diese Weltrarität 1909 also (meines Erachtens) nicht zu teuer bezahlt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 30.06.2018 23:02:18 Gelesen: 152270# 403 @  
@ Heinz 7 [#396]

Ich habe bereits mehrfach gesagt, welches Ziel ich mit meiner Artikel-Serie verfolge, und manchmal denke ich, ich sollte bei meinen Studien einmal zügig fortfahren... Ich befinde mich bei meinen Studien ja immer noch am Ausgangspunkt, bei der Grundliste der wertvollsten Briefmarken 1912. Das "Skelett" meiner Arbeit sind die zwei Studien Haas (1905) und Schubert (1912). Ich möchte aber die bestehenden Listen nicht einfach abschreiben, sondern ich verifiziere und kommentiere die Liste Haas auch. Haas hat leider einige Marken nicht berücksichtigt; die versuche ich nicht zu übersehen! Ich versuche, Haas 1905 zu ergänzen!

Ich habe vor ein paar Tagen über eine Auktion von 1909 berichtet, weil die Erkenntnisse aus dem Studium des Kataloges uns hilft, die Situation besser zu kennen, welche vor hundert Jahren galt. Das klärt zwar Fragen, aber es kann auch neue Fragen hervorbringen, wie ich anbei zeigen möchte.

Es gibt sehr wenige Möglichkeiten, eine wichtige Auktion von 1909 zu analysieren. Oben habe ich 7 Resultate zeigen können von Losen, die hohe Resultate erzielten.

Nun will ich aber nicht nur die Resultate vermelden, die gerade "passen", sondern auch Resultate vorstellen, die uns Kopfzerbrechen machen.

In der vierten Reid-Auktion wurde nämlich ein unerwartetes Spitzenresultat erzielt!

Zuerst ein Wort zu Robert Reid. Ich kenne diesen Sammler nicht, doch in Wikipedia habe ich einen Artikel gefunden, der passen könnte [1].



Vielleicht ist dies der Sammler, dessen Sammlung 1909 bei Ventom, Bull & Cooper 1909 in fünf Sessionen versteigert wurde? Gut möglich… 1909 war Robert Treshie Reid 63 Jahre alt; vielleicht hat er sich damals von seiner Sammlung getrennt? –

Also: ohne Gewähr, aber vielleicht war dieser edle Sir der Sammler mit den vielen schönen ungebrauchten Raritäten!

Heinz

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Reid,_1._Earl_of_Loreburn
 
Heinz 7 Am: 30.06.2018 23:53:18 Gelesen: 152259# 404 @  
@ Heinz 7 [#403]

Los 33 der 4. Auktion Reid erzielte das äusserst hohe Resultat von GB£ 80!



GB£ 80 waren Goldmark 1632, und das war 1909 richtig viel Geld!

Wir wissen, dass 650 Goldmark nötig waren, um unter die wertvollsten Marken 1912 vordringen zu können (gestempelt oder ungestempelt). Wir wissen aber auch, dass diese Wertgrenze von einigen Marken MEHR übertroffen wurde, wenn die seltenere Variante zur Auswahl stand. Schubert hat gezeigt, dass dann der Preis auf 1'100 Mark gesetzt werden kann, und wir haben trotzdem noch eine Auswahl von 57 Marken!

Bei Reid (4. Auktion) wurde nun auch die Grenze von 1100 Goldmark klar übertroffen! Nun interessiert uns natürlich, welche Marke dieses hohe Resultat erzielen konnte.



Der vierte Auktionskatalog hatte sogar zwei Fototafeln, und darauf ist auch Los 33 abgebildet. Die 2. Marke der 2. Zeile ist Los 33!

New South Wales, 1853, 8 Pence gelb, Senf Nr. 9 (auch Michel Nr. 9). Anbei zeige ich auch ein Foto in Farbe einer ähnlichen Marke:



Los 3075 der Corinphila-Auktion 31.5.2018 war ebenfalls eine 8 d. orange-yellow. Sie trägt die unglaubliche Nummer 80 nach Katalog Stanley Gibbons (NSW wird bei SG äusserst detailliert katalogisiert)!

Wir kennen diese schöne Marke bisher nicht in unserem Thema, und wenn wir den Katalog Senf konsultieren, wissen wir auch, warum: Senf Nr. 9 wurde nur mit GM 600 katalogisiert (*), gestempelt nur mit GM 100. Damit schaffte es diese Marken nicht auf vordere Plätze, weder bei Haas, noch bei Schubert.

Warum aber erzielte diese Marke einen sooo hohen Preis 1909?

Ich kann es nicht sagen. War es eine unverständliche Bieterschlacht zweier ehrgeiziger Sammler? Dieses hohe Resultat kommt für mich völlig überraschend. Im Katalog Yvert & Tellier (1916) war sie ungebraucht unbewertet. Im Katalog Stanley-Gibbons 1906-07 ist sie auch unbewertet. Kohl bewertete die ungebrauchte Marke 1915 auch mit GM 600.

Heute ist die Marke nicht besonders hoch bewertet. Michel 2010 notierte nur Euro 5'500 (für ungebraucht), gemäss Auktionskatalog Corinphila wertet Stanley Gibbons (2018?) die Marke * mit GB£ 13'000. An der Auktion in Zürich erzielte das Los CHF 14'000 + 21 %.

Ich versuche weitere Hinweise zu finden, ob die Marke 1912 in den Katalogen unterbewertet war. Vielleicht findet sich auch ein aufschlussreicher Kommentar in einer Zeitschrift des Jahres 1909, als dieses hohe Ergebnis sicher grosses Aufsehen erregte.

Ohne weitere Information können wir annehmen, dass das Resultat 1909 ein "einmaliger Ausreisser gegen oben" war. Er fand offenbar keine Berücksichtigung in den Katalogisierungen der Jahre nach 1909.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 01.07.2018 08:08:44 Gelesen: 152193# 405 @  
@ Heinz 7 [#404]

Hallo Heinz,

damals waren privilegierte Sammler, und nur um einen solchen kann es sich bei Reid handeln, mit ihrem Wissen den Katalogherstellern weit voraus. Irgendwann bekamen diese dann mit, was Sache war und holten die Informationen mit der nächsten Auflage ihrer Kataloge nach, d. h. vermeldeten neue, stark abweichende Katalogpreise.

Heute gilt für die meisten Sammler, dass ein Kataloghersteller die Preise macht und die Sammler darauf ihre Lehren zu ziehen versuchen. Damals stellten die Spitzensammler Fakten fest, die dann später in die Kataloge - mehr oder weniger stark gefiltert - Einzug hielten.

Es mag durchaus sein, dass 1909 von dieser Marke nur ganz wenige Stücke verfügbar waren, aber in den Jahren danach noch das ein oder andere Stück, vlt. sogar ein größeres Blockstück auftauchte, welches dann zerschnitten wurde und die größeren Sammler dieses Gebietes befriedigte. Dass dies am Preis und Katalogpreis nicht spurlos vorüber gehen konnte, liegt auf der Hand.

Auch gibt es Fälle, da müssen wir gar nicht so weit wie nach NSW (New South Wales) gehen, wo Randstücke äußerst selten sind, weil man diese auf der Post regelmäßig abgeschnitten hatte und daher ein Sammler von Randstückmarken oder gar Bogeneckenmarken viele Hundert Prozent über dem bezahlte, was sonst gangbar gewesen wäre.

Oder eine Sammlung mit etlichen Stücken einer seltenen Marke galt als untergegangen (Überflutung, Unwetter, Brand, Absturz usw.) und tauchte dann doch wieder auf.

Ich finde deine Arbeit sehr bewunderswert, aber ich bezweifle, dass man alle (Hinter-)Gründe für sprunghaft gestiegene, oder gefallene Preise einzelner Marken über 100 Jahre später wird aufdecken könnten. Du machst es schon richtig: Vorstellen, was man an Marken und Preisen, gfl. an Tatsachen in der Peripherie eruieren kann und daraus eine hoch interessante Geschichte zu erzählen. Daher bin ich sehr gespannt, was da noch alles kommt, wissend, oder zumindest ahnend, dass es noch viel Interessantes werden wird.

Dein treuer Leser,
Ralph
 
Martin de Matin Am: 01.07.2018 08:24:42 Gelesen: 152190# 406 @  
@ Heinz 7 [#404]

Hallo Heinz,

zur 8 Pence gelb hätte ich noch ein paar Anmerkungen.

In meinem Gibbons Preis-Katalog von 1920 wird diese Marke selbst gestempelt mit 9 Pfund in der billigsten Farbe bewertet, somit auch einer der teuersten Marken von Neu Süd Wales; ungebraucht aber in jeder Farbe ohne Preisangabe.

In der Manwood-Collection, die 1995 bei Siegel versteigert wurde war nur eine ungebrauchte 8 Pence enthalten, aber von den teuren ungebrauchten Michelnummer 1 bis 3 gesamt mehr als 35 Exemplare. Das von dir vorgestellte Exemplar bei Corinphila war das Stück aus der Manwood-Collection Los 4440, und wurde damals mit 2.600 Dollar zugeschlagen.

Nun zum Klassiker Ferrary bei dem eine grössere Anzahl vorhanden war.

- 3. Auktion 6Stück (dabei 1 Paar) Los 141 Zuschlag 2500 Fr.
- 4. Auktion 1Stück Los 397 Zuschlag 2100 Fr.
- 4. Auktion 2Stück Los 398 Zuschlag 1900 Fr.
-10. Auktion 1Stück Los 311 Zuschlag 8100 Fr.
-10. Auktion 6Stück (6er Block) Los 312 Zuschlag 47500 Fr.
 

Zu beachten ist, das bei den Losen 141 und 398 die Beschreibung einzelner Marken als "offenbar ungebraucht" lautet. Es ist auch noch auffällig alle Marken bis auf eine aus Los 398 und dem 6er Block die Farbe orange hatten. Die Blockeinheit und die Einzelmarke waren als gelborange beschrieben. Die damals bei Gibbons genannte Farbe mattgelb war nicht vorhanden.

Nach meinen subjektiven Beobachtungen wird die ungebrauchte 8Pence extrem selten angeboten. Es würde mich auch noch intersessieren ob es den 6er Block heute noch gibt.

Martin
 

Heinz 7 Am: 01.07.2018 10:53:22 Gelesen: 152161# 407 @  
@ bayern klassisch [#405]
@ Martin de Matin [#406]

Freunde, das macht echt Spass so!

Herzlichen Dank, dass Ihr Euch da gleich mit so guten Beiträgen einschaltet. Das ist sehr interessant.

Ralph - ich bin einverstanden mit Dir. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass wir 1912 uns nicht mehr in den Gründerjahren der Philatelie befinden, sondern schon sehr viel Wissen sich angesammelt hatte. Dutzende, hunderte hoch talentierter Sammler hatten damals schon die Marken erforscht, und ihr Wissen floss zusammen in Kompetenzzentren, die phantastische Arbeit leisteten. Die Katalogherausgeber waren damals äusserst kenntnisreiche Philatelisten, die eng mit den führenden Sammlern zusammenarbeiteten. Ein Blick in zeitgenössische Literatur zeigt uns das immer wieder (vgl. dazu auch Beitrag: Literatur).

Natürlich müssen wir auch akzeptieren, dass gewisse Marktpreise damals wie heute zwar real waren/sind, aber trotzdem als "nicht angemessen" bezeichnet werden müssen. Und - wenn die Kataloghersteller bei den "Achterbahnfahrten" nicht jede Laune des Marktes mitmachen, dann ist dies nur zu loben. Es ist (war) die noble (aber schwierige) Aufgabe für sie, zu erkennen, welche Preisentwicklungen nachvollziehbare Gründe hatte, und welche schlicht einer momentanen Laune entsprangen. Oder einem Zufall.

Martin - super, dass Du die Ferrary-Sales schon analysiert hast!

Los 141 der dritten Auktion brachte nur FFR 2'500 ein, obwohl da offenbar 6 Exemplare (davon sogar ein Paar) enthalten waren. Im 3. Katalog sind 2 der 6 Marken im Foto gezeigt



Aufgrund des Rand-Verlaufes nehme ich an, dass beide nicht aus der Reid-Sammlung stammen. 2.500 FFR für sechs Marken (davon ein Paar) ist natürlich nicht sehr viel. Aber in Kontrast dazu steht Los 311 der 10. Auktion!



Diese Marke brachte nun immerhin FRF 8.100 ein! Also rund 20 x soviel wie eine Marke aus Los 141/3.Auktion ! Das ist schwer nachzuvollziehen. An den Rändern der Marke kann es ncht gelegen haben, denn auch diese 8 Pence Marke (Los 311) ist sehr eng geschnitten/beschnitten.

Zur Farbfrage ist auch noch einiges zu sagen.

Gemäss Stanley Gibbons (Katalog 1906/07) gab es zwei Nuancen:

no. 75: 8d. yellow
no. 76: 8d. orange

dazu noch Abarten:

"no leaves right of "SOUTH"": no. 77
"no lines in corners over "P" and "E" of "POSTAGE"": no. 78.

Dies ist also EIN Grund für die hohen Nummern bei Stanley Gibbons; er verteilte oft Hauptnummern auch für Abarten ("varieties"), was meines Erachtens klar abzulehnen ist: Das deutsche System (Senf) war eindeutig besser: Abarten und Nuancen erhalten z.B. (Buchstaben-) Zusätze, aber keine eigenen Hauptnummern).

Bei Senf 1912 war nur die gelbe Variante notiert, aber dafür wurde nach Papieren unterschieden: Papier grau (= 9a) oder Papier bläulich (= 9b). Die Abart (ohne das dreiblättrige Ornament rechts von SOUTH) war auch bei Senf erwähnt: 9 I.

Moens hingegen hatte schon 1882 die zwei Nummern vergeben: no. 67 für gelb ("jaune"), no. 68 für orange. Leider waren im Kataloge 1882/83 aber beide Nummern unbewertet.

Paul Kohl nannte in seinem grossartigen Briefmarkenhandbuch folgende Varianten:

Nr. 16: gelb
Nr. 16b: orange
und DREI Abarten (Nr. 16 I. - 16 II. - 16 III.

(Fortsetzung folgt)
Heinz
 
Heinz 7 Am: 01.07.2018 11:16:33 Gelesen: 152149# 408 @  
@ Heinz 7 [#407]
@ Heinz 7 [#404]

Ich habe in Beitrag [#404] eine äusserst schöne New South Wales, SG no. 80 gezeigt. Dank der Auflösung der aussergewöhnlichen "Besançon"-Sammlung kann ich nun auch ein SG no. 79 ungebraucht zeigen!



Am 23.11.2017 kam in Zürich bei Corinphila Los 6071 zum Verkauf mit folgender Beschreibung:

"1853 (May): Laureated 8 d. dull yellow on medium blued paper, unused example with four margins, in a fine fresh shade, without gum. Couple of little spots in lower panel not detracting from the fine appearance of this extremely scarce stamp. Cert. RPSL (1951) Gi = £ 13'000."

Wir sehen also, die Marke ist gleich bewertet (SG) wie die no. 80. Und sie erzielte einen hohen Preis: erst bei CHF 22'000 fiel der Hammer, dazu kamen 20 % Aufgeld.

Es scheint also so, dass die 8 Pence sehr begehrt ist und die Katalogpreise eher zu tief liegen als zu hoch.

Spannend. Am besten wäre, wir wüssten, wie viele Exemplare es von dieser Marke ungefähr noch gibt, dann könnten wir besser die erzielten Preise würdigen.

Wer weiss Genaues?

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.07.2018 21:58:08 Gelesen: 151984# 409 @  
@ Heinz 7 [#404]
@ Heinz 7 [#408]

Wer "New South Wales" hört und wissen will, wer denn die beste Sammlung davon hatte, wird um einen Namen nicht herumkommen: Charles Lathrop Pack.



Wer kennt diesen distungierten Herrn nicht?

Sorry - Wenn Sie jetzt sagen: "ich kenne ihn nicht", dann sage ich, das ist eine ähnliche "Unterlassung", als wenn ein Fussball-Liebhaber Franz Beckenbauer nicht kennt!

Nun - mit Vergleichen soll man vorsichtig sein, und ich will keinesfalls eine "Majestätbeleidigung" begehen... Charles Lathrop Pack war ein Sammler, der 1937 starb (80-jährig); heute aber ist er weit herum vergessen. Stanley Bierman, der grosse Philatelie-Kenner und extraordinäre Literatur-Liebhaber (er besass eine der grössten Sammlungen aller Zeiten von Auktionskatalogen) hat in seinem sehr guten Werk (2 Bände) "The world's greatest stamp collectors" und "More of the world's greatest stamp collectors" von 1990 für mich unbegreiflich C.L.Pack nicht berücksichtigt, weder in Band 1, noch im 2. Band (obwohl er im 1. Band - korrekt - anmerkt, dass C.L. Pack wohl auch zu den "greatest" zählen dürfte). - Nun - Carlrichard Brühl vermerkte auf Seite 167 (zum Kapitel "Die grossen Sammler") zumindest den Namen von Pack, auch wenn er ihm dann letztlich doch kein eigens Kapitel widmet.

Charles Lathrop Pack war einer der fünf reichsten Männer Amerikas vor dem 1. Weltkrieg (gemäss Wikipedia). Er besass phantastische Briefmarken-Sammlungen verschiedener Länder und holte an Ausstellungen hohe Auszeichnungen. Er schrieb ein Buch über die Briefmarken von Victoria; dafür erhielt er die Crawford Medaille 1923 und die Lindenberg Medaille 1926. Er war einer der ersten Unterzeichner der "Roll of Distinguished Philatelists" (1921). Gemäss Portrait von Butler (1990) besass Pack wichtige Sammlungen zu

- Canada
- British North America
- Cape of Good Hope
- New Zealand
- New South Wales
- Victoria
- Argentina
- Brazil
- Uruguay

Die Auktionskataloge zu den Auflösungen der Pack-Sammlungen des Hauses Harmer, Rooke & Co., New York, sind Schmuckstücke für jede Bibliothek.

2197+1752+1134+705+1470+1067 Lose beinhalteten die 6 Auktionskataloge 1944-1949, also nicht weniger als 8325 Lose!

New South Wales wurde angeboten an der

1. Auktion (13.12.1944) Lose 967-1333
2. Auktion (12.4.1945) Lose 840-1317
5. Auktion (11.3.1947) Lose 24-728
6. Auktion (16.2.1949) Lose 101-335.

Ich habe nun wirklich erwartet, in dieser grandiosen Sammlung ein paar ungebrauchte 8 Pence-Marken 1853 anzutreffen (Scott Nrn. 20) - aber Fehlanzeige! Nur Los 533 der 5. Auktion war ungebraucht - und dieses Stück war repariert! Text: "8p orange. Good appearance but repaired.". Ich staune! Oder habe ich etwas übersehen?

Also DIESE Marke (8 Pence 1853) muss ungebraucht wirklich sehr selten sein! Ich möchte das weiter untersuchen.

schönen Abend
Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2018 15:08:18 Gelesen: 147972# 410 @  
@ Heinz 7 [#108]

Es kommt selten vor, dass eine Briefmarke einen Katalogwert von GB£ 100'000 aufweist. Dies ist bei der Canada 1851, 12 Pence, laid paper, der Fall.

Wenn dann noch eines der schönsten bekannten Exemplare dieser Marke verkauft wird, schaut die philatelistisch interessierte Öffentlichkeit gebannt zu und alle fragen sich, zu welchem Preis das Los wohl zugeschlagen wird.



Der Käufer bezahlte für das gute Stück GB£ 90'000 + 20 % Aufgeld + 5 % Steuern, d.h. klar mehr als den vollen Katalogwert.

Dies ist ein weiterer schöner Erfolgsausweis für die Marke, die bei Haas an 10. Stelle gelistet war (1. Tabelle/reguläre Marken) und bei Schubert auf Platz 31.

Anbei die Details der Losbeschreibung (Spink London)

"Auction: 18010 - British North America, The David Pitts Collection
Lot: 9 (x) Canada
The Pence Issues 1851 Laid paper
12d. black, a spectacular used example in an intense deep colour and with full strong detailed impression on bright paper indicating that this was quite probably from an early impression of the plate, large to exceptionally large margins giving a well-balanced appearance and neatly cancelled with a single clear strike of the seven-ring target postmark.

An extraordinarily attractive and exceptionally fine example of this iconic classic high value rarity. One of the most desired stamps of the British Empire, this outstanding example having always been considered the finest known used example.

Balasse (1980) and Philatelic Foundation (1983) Certificates.

Sc. 3; S.G. 4, £100,000. Photo

Note: A total of just 51,000 stamps were printed, a mere 255 impressions of the plate of 200 subjects. The stamp proved unpopular and only a miniscule 1,450 were sold, the balance being returned to the Post Office and subsequently destroyed

provenance:
Hart
Barclay
Consul Weinberger
Schneider

Subject to 5% tax on Hammer Price in addition to 20% VAT on Buyer’s Premium. Sold for £90,000"

Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.07.2018 17:33:20 Gelesen: 141965# 411 @  
@ Heinz 7 [#410]

Bei unseren Betrachtungen haben wir gesehen, dass im XIX. Jahrhundert die Ganzsachen unter den Postwertzeichen neben den Briefmarken keineswegs nachstanden, sondern dass es darunter unzählige auch sehr teure Stücke gab. Während die Briefmarken auch heute noch sehr beliebt und hoch bezahlt sind, haben sich die Ganzsachen viel weniger stark entwickelt und heute ist nur "eine handvoll" noch in der absoluten preislichen TOP-LIGA. Unzählige Ganzsachen sind heute unterbewertet, sehr rar, philatelistische Preziosen - und sehr günstig zu kaufen! Kluge Philatelisten kümmern sich darum besonders intensiv um diese Postwertzeichen; die "ungeliebten Schwestern" der Briefmarke, wie sie einmal treffend bezeichnet wurden.

Eine der WENIGEN Ganzsachen, die seit über 100 Jahren auch preislich mit den wertvollsten Briefmarken der Welt mithalten kann, ist die Postmeister-Ausgabe von Annapolis. Von Postmeister-Ausgaben haben wir schon einiges gelesen: Neben den vielen Postmeister-Marken wurden auch einige Ganzsachen ausgegeben, u.a. der Briefumschlag zu 5 Cents.



Dieser Umschlag ist meines Wissens nur zweimal bekannt. Und, wenn ich das richtig im Kopf habe, wurde das gezeigte Stück in den vergangenen 123 Jahren nur ein einziges Mal öffentlich verkauft (an einer Auktion). 2018 wird dies das zweite Mal erfolgen!

Der Preis dafür soll mindestens US$ 300'000 sein! Damit ist diese Ganzsache auf "Augenhöhe" mit den teuersten Briefmarken der Welt...

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.07.2018 18:03:39 Gelesen: 141942# 412 @  
@ Heinz 7 [#411]

Ich sehe schon, dass der eine oder andere Leser erstaunt die Augenbraue hochzieht und bemerkt: "Der Heinz schreibt am Thema vorbei..."; darum noch kurz eine "Rechtfertigung":

Die Ganzsache ist wie die Briefmarke ein Postwertzeichen. Wenn unser Thema also "Die berühmtesten und wertvollsten Postwertzeichen der Welt" heissen würde, so würden sich alle Leser (vielleicht ?/hoffentlich !) über meinen neuen Beitrag freuen, aber VIELE würden zu DIESEM Thema vielleicht auch gar nichts lesen, denn mit dem Begriff "Postwertzeichen" können heutzutage viele Leute gar nichts anfangen, während das Thema "Briefmarke" doch noch viele Leute zumindest interessiert.

Die Ganzsache ist also "fast dasselbe" wie die Briefmarke. Sie wurden in den früheren Katalogen auch nebeneinander aufgelistet, wurden genauso eifrig gesammelt, waren (Ende XIX. Jahrhundert) ähnlich im Preisgefüge und hatten ihren festen Platz in der Philatelie.

Viele gute Exponate bei Ausstellungssammlungen schliessen Ganzsachen mit ein. Einige Ganzsachen erhielten auch Zusatzfrankaturen (Briefmarken wurden zu Ganzsachen hinzugeklebt); eine strikte Trennung zwischen Briefmarke und Ganzsache ist dann also gar nicht möglich und macht vor allem auch nur wenig Sinn (meines Erachtens).

Da, wie erwähnt, heute aber auch nur noch sehr wenige Ganzsachen mit den hochbezahltesten Briefmarken "mithalten" können, werde ich in dieser Rubrik nur selten auf solche Stücke eingehen und hoffe, die Leser sehen dies als Bereicherung.

Nun aber zurück zu der Weltrarität Annapolis - Briefumschlag 5 Cents rot.

Das oben gezeigte Stück ist gemäss Auktionsankündigung eines von nur zwei bekannten Stücken dieser Rarität. Es wurde 2012 letztmals angeboten an der (Briefmarken-) Auktion von R.A. Siegel: Sale 1020 — The Frelinghuysen Collection, Part One, Sale Date — Wednesday, 28 March, 2012.

Beschreibung:

"Annapolis, Maryland, 5c Carmine Red on White entire (2XU1). Complete and sharp impression of "POST OFFICE/ANNAPOLIS MD." Eagle and Shield negative circular handstamp with equally clear "5" and "PAID" handstamps impressed separately in same shade of Carmine Red ink, sharp strike of blue "Annapolis Md. 20 Mar." (1846 or 1847) circular datestamp on white envelope (120 x 71 mm) addressed to "Chas. S. Carstairs, Care of John Latour & Co., No. 261 South Front St., Phila. Penna.", manuscript check mark at center of envelope

EXTREMELY FINE. ONE OF TWO RECORDED EXAMPLES OF THE ANNAPOLIS, MARYLAND, POSTMASTER'S PROVISIONAL. ONE OF THE RAREST OF ALL UNITED STATES POSTAGE ISSUES AND OFFERED AT AUCTION FOR THE FIRST TIME SINCE ITS DISCOVERY 117 YEARS AGO."

Das Stück wurde 2012 angeboten mit einem Schätzpreis von US£ 200'000-300'000; bei einem Katalogwert von US$ 300'000. Der Zuschlag erfolgte dann aber erst bei US$ 550'000.

2018, am 3. Oktober, kann dasselbe Auktionshaus (Siegel) diesen Brief wieder anbieten. Der Schätzpreis liegt bei US$ 300'000 bis 400'000.

Wann wird wohl der Hammer fallen? Wir dürfen gespannt sein!

Heinz
 
bayern klassisch Am: 28.07.2018 18:14:39 Gelesen: 141936# 413 @  
@ Heinz 7 [#412]

Hallo Heinz,

ich sehe auch keine sinnvolle Trennung zwischen Briefmarken und Ganzsachen - beide lassen sich noch in zahlreiche Untergruppen aufdividieren, ohne dass ihr identitätsstiftender Charakter dadurch tangiert würde.

Die von dir gezeigte Ganzsache ist schon optisch ein Genuß - um wie viel mehr muss sie das erst sein, wenn man dergleichen sammelt und nach Jahrzehnten solch eine Pretiose endlich angeboten bekommt? Da spielt das Geld, wenn man es hat, wohl keine große Rolle mehr.

Ich könnte mir daher vorstellen, dass beim Zuschlag vorne eine 6 stehen könnte.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 29.07.2018 18:24:13 Gelesen: 141432# 414 @  
@ Heinz 7 [#411]

Den Philatelisten, die sich wundern, dass der oben gezeigte Brief angeblich über 100 Jahre nie öffentlich verkauft wurde, kann ich versichern: Ich habe mich auch gewundert. Denn ich kenne diese Ganzsache und weiss, dass sie in berühmten Sammlungen enthalten war!

Wieder zuhause kann ich meine Bibliothek konsultieren. Und ich kann vermelden:



Dieser Brief mit Stempel 8. April ist DER ANDERE der zwei bekannten ANNAPOLIS-Ganzsachen! Er gleicht dem anderen Umschlag nicht "wie ein Ei dem anderen", aber doch ausserordentlich stark! 1895 entdeckte ein Briefmarkenhändler zwei dieser Umschläge, beide an dieselbe Adresse (Charles S. Carstairs, John Latour & Company, Philadelphia). Der eine ist gestempelt 20. März (1846 oder 1847), der andere 8. April (1846 oder 1847). Wichtig ist auch: die zwei Umschläge haben unterschiedliche Formate (112 x 71 mm bez. 120 x 71 mm)!

Die beiden Neuentdeckungen 1895 wurden verkauft an die Philatelisten W. A. Castle (20.3.) und Ferrary (8.4.). Das Exemplar 20.3. ging über in die Sammlung des Earl of Crawford und verschwand dann sehr lange von der Bildfläche. Noch im Jahre 1989 schrieb Christie's in einem Auktionskatalog:

"The March 20 cover has virtually disappeared from philately. It was owned by W.A. Castle, a collector in New York City (...) and was later exhibited by the Earl of Crawford at the 1906 International in London, according to Robson Lowe".

Wenige Jahre später muss der vermisste Umschlag wieder aufgetaucht sein, (nachdem er vielleicht 83 Jahre lang "untergetaucht" war), denn 2012 konnte Siegel das Exemplar aus der Sammlung Frelinghuysen verkaufen (siehe Beitrag 411+412).

Der Umschlag 8.4.1846 hingegen sorgte in den letzten knapp 100 Jahren verschiedentlich für grosses Aufsehen.

Mehr davon später.

Heute konnte ich immerhin den zweiten Umschlag, die zweite dieser phantastischen US-Postmaster-Raritäten, zeigen!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 31.07.2018 08:42:08 Gelesen: 140777# 415 @  
@ Heinz 7 [#414]

Der Umschlag von Annapolis war früh schon (und immer schon, seit seiner Entdeckung 1895) ein heissbegehrter Star. Wie viel Briefmarkenkönig Ferrary dafür bezahlen musste, ist meines Wissens nicht bekannt (er kaufte in als erster vom Briefmarkenhändler Burger). Rund ein Vierteljahrhundert war er im Besitz des Sammlers mit der grössten je bekannten Sammlung.

Am 5.4.1922 kam an der dritten Ferrary-Auktion diese Rarität zum Verkauf. Es war Los 537, beschrieben als "seule piece connue" (einzig bekanntes Exemplar) und war auf Fototafel 14 abgebildet. Man darf nicht sagen, de Beschreibung war falsch, denn der Umschlag vom 20.3. (Beitrag 411) hat ja ein anderes Format (120 x 71 mm), aber besser wäre gewesen, man hätte gesagt, dass nur ein weiteres Exemplar in leicht anderem Format bekannt sei. Ferrarys Ganzsache hat(te) die Masse 112 x 71 mm, was aber im Auktionskatalog von 1922 nicht erwähnt wurde.

Die Ferrary-Auktion zog die meisten der ganz grossen Sammler an, und damals gab es einige wohlhabende Amerikaner, die diese US-Rarität natürlich begehrten. Wie so oft war auch bei diesem Los Arthur Hind schliesslich der Käufer des Loses.

Interessant an den Ferrary-Auktionen ist sicherlich, dass meines Wissens ALLE Lose ohne Katalogwerte oder Schätzpreise angeboten wurden! Einige der Lose waren zum ersten Mal öffentlich an einer Auktion (so eben auch diese ANNAPOLIS-Ganzsache) und die Sammler mussten einen Wert erst finden.

Los 537 wurde zu einem Betrag von 26'000 Franz. Francs zugeschlagen, dies entsprach einem Gegenwert von CHF 14'375 (inkl. Aufgeld). Das war ein sehr hoher Wert und brachte diese Ganzsache auf Platz 50 aller Ferrary-Lose. Es war dies auch der höchste Preis für eine Ganzsache, auf den Plätzen 1-49 waren alles Briefmarken (einzelne oder Einheiten) oder Briefe.

Diese ANNAPOLIS-Ganzsache war auch bei späteren Verkäufen immer teuer...

Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.09.2018 18:43:02 Gelesen: 127910# 416 @  
@ 10Parale [#222]

Vor rund einem Jahr haben wir über Österreichs Superstar gesprochen, die Zeitungsmarke 1856 mit Merkurkopf, zinnoberrot. Die Marke war von Theodor Haas 1905 auf Platz 16 der (regulären) Marken der Welt platziert, als 3. Marke von Europa. Der Blick in den (für uns wohl wichtigsten) Katalog für diese Zeit (Gebrüder Senf) zeigt uns einen Katalogwert von 2000 Goldmark für die Senf Nr. 14 (ungestempelt/1911). Wir haben auch gesehen, dass diese Marke als Ausnahme gestempelt noch teurer ist, als ungebraucht. 1911 wollte sich Senf nicht festlegen, und notierte beim Preis "-.-". Auch Kohl legte sich nicht fest (weder im "Illustrierten Briefmarken Normal-Katalog 1913 - Herausgabe 1912, noch im 10. Handbuch, 1914). Hugo Michel aber legte keck seinen ersten Europa-Katalog vor und bewertete Österreich Nr. 9 dabei wie folgt:

ungest: GM 1500
gestempelt: GM 5000 (!)

Interessant ist auch, dass im 19. Jahrhundert Senf hier konkreter war: Wir finden für die Zeitungsmarke Nr. 4 folgende Notierungen:

ungest: GM 2000
gestempelt: GM 4000

Warum er später die konkrete Bewertung für gestempelt wegliess, wissen wir im Moment nicht. Unbestritten war beim "Merkur zinnober" also immer schon die gestempelte Variante teuer als die ungestempelte.

Österreich hat aber zwei weitere teure Zeitungsmarken: Merkur gelb und Merkur rosa (beide 1851), sie sind ungebraucht höher bewertet als gestempelt, wobei für Marken mit Gummi erstaunliche Preisaufschläge vermerkt sind gegenüber Marken ohne Gummi.

Das hier gezeigte Angebot erregt nun sicher unsere Aufmerksamkeit:



LOS Nr. I Gelber Merkur, 1856, ANK Nr. 7 I b BRAUNORANGE, 6 kr, ungebraucht mit VOLLEM ORIGINALGUMMI

Sassone 250.000, Michel nur 2 Stück bekannt, ANK -.-, Ferchenbauer -.-.

Eines der seltensten Stücke der österreichischen und internationalen Philatelie und unikaler Glanzpunkt der großen Merkur- oder Klassiksammlung in herausragender Erhaltung. Ausführliche Atteste von Alberto Diena (1968), Fiecchi (1968), Botacchi (2014), Dr. Avi (2017), Steiner (2018) und Dr. Ferchenbauer (2018). Gelbe Merkure in ungebrauchter Erhaltung mit vollen Rändern und vollem Originalgummi sind äußerste Raritäten. Das vorliegende Stück ist in dieser Farbnuance das besterhaltene, wobei lt. MICHEL Katalog 2017 überhaupt nur 2 (!) Stück bekannt sind.

Wir reiben uns erstaunt die Augen: Sassone wertet diese Farbabart mit Euro 250'000? Es gibt nur zwei Stück dieser Marke?

Ist das eine Marke, die wir bisher vergessen haben? Da lohnt sich ein genaueres Hinsehen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.09.2018 19:42:08 Gelesen: 127881# 417 @  
@ Heinz 7 [#416]

Nein - Wir haben die Marke nicht vergessen, bei unserer Betrachtung der berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt.

Ich habe vorgeschlagen, dass wir zuerst die Grundlagen kennenlernen, wie sie um 1910 galten. Und da sind die Grundlagen eindeutig.

Bei Haas wird der gelbe Merkur nicht erwähnt (1905) und ein Blick in den Senf 1911 zeigt uns auch, warum. Da wird die Marke nur bewertet wie folgt:

Senf Nr. 12: ungestempelt: 300 Goldmark - gestempelt: 200 Goldmark.

Das reichte nicht auf Spitzenplätze in den Listen Haas oder Schubert. Auch in anderen (späteren) Übersichten erscheint die Marke (meines Wissens) nie "ganz weit oben".

Warum ist denn eine solche Katalogbewertung (Sassone) möglich?

Lesen wir die Losbeschreibung der gezeigten Marke, so sehen wir: es ist eine Farbnuance; es ist nicht die Marke "gelb", sondern es ist braunorange.

Konsultieren wir einen Michel-Katalog, dann sehen wir Erstaunliches:

Österreich Nr. 7: (6 Kr) gelb, braunorange war 2010 bewertet mit Euro 35'000 (ohne Gummi), ungebraucht (mit Gummi) finden wir wieder eine "-.-" (im Katalog 2000/2001) waren beide Preise noch vermerkt (letzter Katalog mit DM-Bewertung):

*: DM 46'000
(*): DM 28'000

Das sind sicher respektable Werte,aber GANZ nach vorne reichen solche Bewertungen eben nicht. Somit kann man sagen: der "gelbe Merkur" sollte hier gar nicht besprochen werden.

Es ist immer eine heikle Frage, wie detailliert wir ohnehin seltene Marken noch unterscheiden sollen. Macht es Sinn, Grossraritäten noch nach Farbunterschieden oder anderen Unterscheidungsmerkmalen zu unterscheiden? Beispiele?

Zürich 4: Wir können 5 Typen unterscheiden
Hawaii-Missionaries: unterschiedliche Typen!
Mauritius 1850-Ausgabe: unterschiedliche Druck-Stati
u.s.w.

Wenn nun Sassone diese Farbnuance mit schwindelerregenden Euro 250'000 bewertet, wage ich es, die Sammler zu ermahnen, auch andere Kataloge heranzuziehen. Michel ist hier weniger "euphorisch" als Sassone. Ob es allerdings korrekt ist, "gelb, braunorange" in einer Zeile gleich zu bewerten, ist eine andere Frage.

Paul Kohl bewertete 1914 "gelb" sogar höher als "orange". Der Spezialkatalog von Ferchenbauer sah keine grossen Unterschiede:

Nr. 7: gelb = 60.000 Schilling
Nr. 7: dunkelgelb = 75.000 Schilling
Nr. 7: braunorange = 100.000 Schilling

Das sind alte Werte aus dem Ferchenbauer 1974, allerdings für gestempelte Werte:

Ungebraucht ohne Gummi war nur "gelb" bewertet (ÖS 125.000), mit Gummi stehen alle Bewertungen sowieso nur -.-

Wenn natürlich eine Farbnuance ungebraucht mit Gummi nur in 2 Exemplaren bekannt ist (siehe Losbeschreibung), ist ein Extra-Zuschlag schon angemessen.

Aber übertreibt Sassone hier nicht?

Ansic