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Thema: Die Christkindl-Fälschungen eines Mitglieds der Motivgruppe Weihnachten
Richard Am: 10.07.2022 09:27:17 Gelesen: 1190# 1 @  
Auf eine Anfrage der Philaseiten Redaktion über Fälschungen von Christkindl Belegen erhielten wir von unserem Mitglied Helmut Schraets, 2. Vorsitzender der Motivgruppe Weihnachten im BDPh, folgende Antwort:

Hallo Richard,

anbei der Artikel aus unserem aktuellen Rundbrief über die Christkindl-Fälschungen unseres ehemaligen Mitglieds, das inzwischen seine Mitgliedschaft in der Motivgruppe Weihnachten e.V. gekündigt hat.

Im Zuge der Entdeckungen dieser Fälschungen durch den Verbandsprüfer (BPP und VÖB) Rüdiger Soecknick aus Wien gab dieser Christkindl-Fälschungen eines seit vielen Jahren auf Ebay sehr aktiven Herrn aus Marchtrenk bekannt, dessen Fälschungen noch raffinierter angefertigt wurden und einen noch viel größeren Schaden angerichtet haben. Im Gegensatz zu unserem Ex-Mitglied beteuert dieser jedoch seine Unschuld, denn er habe die Belege von seinem Vater geerbt und verstehe selber nicht viel davon. Bei ihm konnte bisher kein Beweismaterial für Fälschungen sichergestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Helmut Schraets
(2. Vors. der Motivgruppe Weihnachten e.V.)

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Die Christkindl-Fälschungen eines Mitglieds der Motivgruppe Weihnachten

Mit Ratlosigkeit, Unverständnis, Entsetzen und Empörung reagierten unsere Mitglieder auf die Nachricht, die sich Mitte April wie ein Lauffeuer verbreitete, dass eines unserer Mitglieder in den vergangenen fünf bis sechs Jahren im großen Stil vor allem Christkindl-Belege aus den Jahren 1950-1956 und Ersttagsbriefe von 1945-1952 (vorwiegend Trachten-FDC) gefälscht und über verschiedene Händler, Ebay und andere Auktionen und zuletzt auch über unsere Vereinsauktion abgesetzt hat. Wie er selber zugab, gelang es ihm, auf diese Weise etwa 300 gefälschte Belege im Wert von mehreren zehntausend Euro zu verkaufen.

Besonders erzürnt sind etliche Mitglieder darüber, dass er seine Machwerke nicht nur bei Ebay oder anderswo, sondern auch bei unseren Vereinsauktionen gutgläubigen Mitgliedern der Motivgruppe Weinachten angedreht hat – offensichtlich ohne jeden Skrupel. Die folgenden Beschreibungen der Fälschungen erfolgen nach seinen Angaben.

Bei seinen Manipulationen ging er wie folgt vor, exemplarisch aufgezeigt an den inzwischen zurückgezogenen Belegen mit den Losnummern 4.007 und 4.010 aus unserer aktuellen Auktion.



- Von dem Brief an Gustav Pastl entfernte er die vorhandene Marke und klebte die Gruber/Mohr-Marke über den verbliebenen Stempelrest.
- Mit dem Tintenstrahldrucker druckte er den grünen Christkindlstempel auf.

- Von dem echt gelaufenen Kuvert entfernte er die Briefmarken und ersetzte sie durch den kompletten Satz „Glückliche Kindheit“.

- Die Stempelung erfolgte mit einem nachgemachten Christkindlstempel.

- Dann klebte er einen echten Leitzettel auf und stempelte ihn mit einem nach-gemachten OT-Stempel Wien 1.

- Den Rekozettel 9 403 druckte er per Tintenstrahldrucker auf die Rückseite eines echten Rekozettels und klebte ihn auf.

- Auf der Rückseite brachte er einen Viererblock der Gruber/Mohr-Marke an und entwertete ihn ebenfalls mit dem gefälschten Christkindlstempel.

- Das bedeutet: Kuvert, Zensurstempel, Zensurverschlussstreifen, Briefmarken und Leitzettel sind echt, Stempel und Rekozettel gefälscht.

- Stille-Nacht-Belege hat er nach eigenem Bekunden nicht gefälscht.

- Grundsätzlich löste er von original gelaufenen Belegen (meist Zensurbelegen) zwischen 1945 und 1955 die Originalmarken ab und ersetzte sie durch ungestempelte Briefmarken aus dieser Zeit, auf denen er nachgemachte Stempel abschlug, die er sich nach und nach hatte anfertigen lassen. Bei manchen höherwertigen Christkindlbelegen brachte er entweder einen von ihm selbst nachgedruckten Rekozettel (Rekonummern aus den Jahren 1950, 1951 und 1952 wurden dokumentiert) oder Original-Rekozettel (1953 und später) an. Auch die originalen Leitzettel klebte er selbst auf und versah sie mit einem gefälschten Stempel.

- Auch hat er über diverse Auktionen und Händler ganze Sammlungen mit einigen gefälschten Belegen verkauft, die erst auf Umwegen zu den Sammlern gekommen sind, möglicherweise auch an Mitglieder der MGW.

- Viele der manipulierten Belege erkennt man, wenn man sie gegen eine starke Lichtquelle hält, weil Reste der ursprünglichen Originalstempel unter den neu angebrachten Briefmarken durchscheinen, und nachgedruckte Rekozettel an deren originalen Rückseiten. Einige Stempel wurden einfach mit einem Tintenstrahldrucker aufgedruckt, was man mit Lupe oder Fadenzähler erkennen kann.

- Als der Betrug aufgefallen war und angezeigt wurde, begann er umgehend, die Abnehmer seiner gefälschten Belege zu kontaktieren, sie über seine Manipulationen zu informieren und aufzuklären, sich für seine Betrügereien zu entschuldigen und die Verkäufe rückgängig und den entstandenen Schaden wieder gutzumachen. Die gefälschten Belege unserer aktuellen Auktion wurden sofort zurückgezogen. Nach eigenen Angaben konnte er inzwischen schon etwa 150 Belege rückabwickeln und sicherstellen (Stand 7. Mai 2022).

- Mittlerweile ist er sich bewusst, dass er das Vertrauen der Sammlergemeinschaft schwer beschädigt und dem Sammelgebiet „Christkindl“ und vor allem der Motivgruppe Weihnachten, in der er seit 2009 Mitglied ist, immensen Schaden zugefügt hat. Daher hat er sich zum Ziel gesetzt, jeden der von ihm ge- oder verfälschten Belege zurückzunehmen und zu vernichten. Da vieles von ihm und den Sammlern dokumentiert wurde, ist er sich sicher, 90% der Belege in relativ kurzer Zeit rückabwickeln zu können.

- Er bereut seine Straftat sehr und entschuldigt sich in einem Brief vom 6. Mai 2022 aus tiefstem Herzen beim Vorstand und den Mitgliedern der Motivgruppe Weihnachten für seine betrügerischen Aktivitäten und bittet gleichzeitig um Verzeihung und darum, ihm eine Chance zu geben, seine Fehler wieder gutmachen zu können, sofern das überhaupt möglich ist.

- Weiterhin ist er bereit, vor Ort vorgelegte Christkindl-Belege zu begutachten und zu identifizieren, sofern sie von ihm stammen.

- Es war keine Überraschung, dass die Fälschungen beim Mitgliedertreffen der Motivgruppe Weihnachten Ende Mai in Freistadt nicht nur bei der Jahreshauptversammlung das Haupt-Gesprächsthema waren.

Helmut Schraets
2. Vorsitzender der Motivgruppe Weihnachten
 
Richard Am: 15.07.2022 09:11:32 Gelesen: 869# 2 @  
Mit Erlaubnis von Rüdiger Soecknick, Prüfer VÖB, möchte ich den obigen Beitrag um weitere oder deutlichere Abbildungen und zusätzlich Texte ergänzen:

Im Zuge von Nachforschungen auf Grund einer durch die Staatsanwaltschaft angeordneten Untersuchung bezüglich Fälschungen von hochwertigen Belegen mit Entwertungen des Sonderpostamts „Christkindl“ wurden andere, von dieser Causa unabhängige Fälschungen aufgedeckt, die seit zumindest 2017 in Umlauf kamen. Es handelt sich dabei um Belege wie die zu diesem Zeitpunkt unbekannten Nachnahmebriefe der Firmen „FRANZ J. HUTTER Wien IV/50 Taubstummengasse 15/12“ und „A. TECHT Linz Herrenstraße 36“.

Stempelabschläge von 15.12.1950-6.1.1951.



Ebenso wurden Einschreibe-Belege mittels Firmenkuverts aus dem gleichen Zeitraum gefälscht. Verwendet wurden z.B. Vordrucke der Firmen „Wr. -Neustädter Gardinen und Teppichfabrik, Wien III“ oder „BRÜDER HAUSMANN, Wien VII“, „G. Josephys Erben“ und weitere.



„Zeilinger“ Beleg R Nr 16, nur – Die Christkindlabschläge sowohl auf dem Brief selber, als auch auf dem Einlieferungsschein, ebenso der „Ankunftsstempel“ Marchtrenk sind falsch. Die Handschrift auf dem Einlieferungsschein stammt NICHT von Fr. Zeilinger und auch das Kürzel „Z“ neben dem Stempelabschlag weicht von ihrem ab.

Aus der gleichen Quelle gibt es sehr große Mengen von ähnlichen Fälschungen 1951-1954

Beispielhaft



Gefälscht wurden nicht nur die Christkindl Sonderstempeln, sondern auch alle Aufgabe- und Ankunftsstempeln.

Die verwendeten Stempelklischees weichen teilweise gering von den Originalen ab, ebenso wie die, besonders für Abschläge 1950, benutzte Stempelfarbe.

Rüdiger Soecknick VÖB
 
Cantus Am: 15.07.2022 19:27:38 Gelesen: 681# 3 @  
@ Richard [#2]

Auch wer sich als Österreicher nicht explizit mit Ganzsachen beschäftigt, hat doch meistens schon von der einstmals sehr großen Firma



gehört oder zumindest den Klang des Namens im Kopf, Vor diesem Hintergrund ist der im oberen Beleg gewählte Name

Franz J. Hutter

eine recht geschickte Wahl, werden potentielle Käufer alleine schon von der Namensähnlichkeit her hinter's Licht geführt.

Viele Grüße
Ingo
 
Richard Am: 08.08.2022 09:22:55 Gelesen: 324# 4 @  
Betrug in Briefmarkensammlerszene

(Redaktion ooe.ORF.at, 03.08.2022) - In der Szene der Briefmarken- und Briefsammler hat ein Mühlviertler Betrüger für ordentlich Wirbel gesorgt. Der 48-Jährige hat über Jahre hinweg wertlose historische Briefe manipuliert und sich damit viel Geld ergaunert.

Der Mühlviertler soll Originalbriefe aus der Nachkriegszeit so manipuliert haben, dass sie ihren Wert vervielfacht haben und in der Sammlerszene zum begehrten Gut wurden. Nach einem Bericht der „Kronen Zeitung“ bestätigt die zuständige Staatsanwaltschaft, dass darunter auch rund 70 Jahre alte Stempel des Postamts Christkindl waren. Der 48-Jährige soll sie am Computer nachgeahmt, ausgedruckt und aufwendig angebracht haben.

Mehr als 60 Opfer zahlten rund 70.000 Euro

Durch die Kombination aus gewissen Briefmarken und Stempeln wurden laut einem Sachverständigen aus den wertlosen alten Briefen wertvolle Sammlerstücke, die er auf der Internetplattform Ebay verkauft hat. Seit März ist der Fall bei der Staatsanwaltschaft anhängig, seither seien immer mehr getäuschte Sammler aufgetaucht – erhoben wurden demnach mehr als 60 Opfer, die rund 70.000 Euro für die vermeintlich wertvollen Briefe aus dem Mühlviertel bezahlt haben.

http://www.ooe.ORF.at
 
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