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Thema: Gibt es Sammler von Fälschungen ?
Das Thema hat 31 Beiträge:
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10Parale Am: 20.10.2023 19:37:29 Gelesen: 1860# 7 @  
@ Leipzig-er [#1]

Bei der Kultserie (TV) "BARES FÜR RARES" dürfen Fälschungen nicht an die Händler zum Ankauf weitergegeben werden. Oft wissen Laien nicht, dass es Fälschungen sind und brauchen dringend Rat, den Experten geben können.

Unter dem aktuellen Beitrag [1] lernen wir ja auch wieder einiges über einen Fälscher. Es scheint also (wie in den Beiträgen #1 - #6) beschrieben einen seriös durchspielten und durchdachten Markt von Fälschungen zu geben (Stichwort: Spiro).

Mit dem Narrativ "Drang des Sammlers, Lücken in der Sammlung zu schließen" liegen die Experten hier ziemlich gut. Vielleicht gab es aber auch selbst bei den Fälschern eine Art "Herausforderung", ihr handwerkliches Geschick aufzuzeigen.

Von Lars Boettger würde ich gerne mal erfahren, ob es eigentlich auch Fälschungen gibt, die er Sammlern zum Kauf empfehlen würde?

Liebe Grüße

10Parale

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=18546&CP=0&F=1
 
Lars Boettger Am: 20.10.2023 23:51:11 Gelesen: 1804# 8 @  
@ 10Parale [#7]

Von Lars Boettger würde ich gerne mal erfahren, ob es eigentlich auch Fälschungen gibt, die er Sammlern zum Kauf empfehlen würde?

Nein, das Sammeln von Fälschungen kann ich generell keinem Briefmarkensammler empfehlen. Zu was ich aber rate, ist die Erweiterung des eigenen Wissens über Drucktechnik und Stempel, um Fälschungen leichter vermeiden zu können.

Wer sich mit Fälschungen beschäftigt, macht das aus der Freude an der Sache selbst.

Beste Grüsse!

Lars
 
Attila Am: 21.10.2023 03:44:32 Gelesen: 1790# 9 @  
@ 10Parale [#7]

Lieber 10Parale,

ich wäre sehr überrascht und enttäuscht, wenn Experten vorschlagen würden, Fälschungen zu sammeln.

Die Situation in Ungarn:

Die ungarischen Gesetze sind unglaublich veraltet. Wer zum Beispiel Sperati-Fälschungen sammelt, wird sogar mit Gefängnisstrafen bestraft. Und es wird sogar bestraft, wenn man eine Fälschung kauft, auch wenn man nicht weiß, dass es eine Fälschung ist.

Die einzige legale Möglichkeit besteht darin, dass auf dem „nicht echten“ Stempel ein „Facsimile“- oder „Kopie“-Zeichen angebracht ist. Wenn die Briefmarke mit „Falsch“ gekennzeichnet ist, kann sie nicht für einen einzigen Forint an einen anderen Sammler verkauft werden. Auch nicht, wenn man damit den leeren Raum des Albums füllen und es nicht missbrauchen möchte.

Leider hilft dieses schlechte Gesetz dem Schwarzmarkt und unterstützt ihn sogar gezielt.

Grüß
Attila
 
Journalist Am: 21.10.2023 08:39:08 Gelesen: 1734# 10 @  
Hallo an alle,

ja ich sammle und suche alle Fälschungen zum Schaden der Deutschen Post seit der Euroeinführung, um diese zu erfassen und auch zu dokumentieren und zu veröffentlichen.

Wer hier verdächtige oder eindeutige Marken hat, wird gebeten, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Diese Daten werden nach dem deutschen Presserecht streng vertraulich behandelt.

Ich suche hier von den derzeit circa. 80 bis 85 bekannten Fälschungen zum Schaden der Deutschen Post noch etliche im Original, da oft nur mehr oder weniger qualifizierte Aussagen vorliegen.

Hier bin ich aber auch am Ankauf oder Tausch gegen andere Fälschungen seit 2001 interessiert, um diese qualifiziert zu erfassen, da die Deutsche Post zu diesen Fälschungen ja leider keine Auskünfte erteilt.


Sobald entsprechende mir neu bekannte Fälschungen vorliegen, werden diese erfasst und analysiert und in der philatelie und oder zuerst nur hier in der entsprechenden Rubrik vorgestellt.

Derzeit liegt mir übrigens eine neue Fälschung zu 270 Cent nassklebend vor, die demnächst vorgestellt werden soll.

Wer übrigens in Ulm ist und sich für moderne Fälschungen interessiert, ich halte dort am Freitag ab 10 Uhr einen Vortrag zu den bisher bekannten Blumenfälschungen zum Schaden der Deutschen Post, den von dieser Dauerserie wurden bisher nachweislich 11 verschiedene Motive in teils unterschiedlicher Form (nassklebender Kleinbogen, nassklebende Rolle, selbstklebende Rolle, Folienblatt) gefälscht, teils auch in mehreren unterschiedlichen Teilauflagen.

Schon jetzt danke für weitere neue sachdienliche Hinweise zu diesem Teilbereich.

Viele Grüße Jürgen
 
bovi11 Am: 21.10.2023 08:50:32 Gelesen: 1732# 11 @  
@ Attila [#9]

"ich wäre sehr überrascht und enttäuscht, wenn Experten vorschlagen würden, Fälschungen zu sammeln."

Nahezu jeder ernsthafte Sammler braucht zu seinem Sammelgebiet eine Fälschungssammlung.

Wie soll er sonst bei fälschungsgefährdeten Marken echte von gefälschten unterscheiden? Natürlich könnte er sich dabei auf den Prüfer verlassen (auch der hat eine Fälschungssammlung), aber das ist für mein Verständnis zweite Wahl.

Ich will schließlich beim Tauschen oder bei Online-Angeboten auch selbst gefälschte oder verfälschte Marken erkennen können.

Die Überschrift differenziert hier nicht:

Fälschungen sammeln, um eine bestimmte teure Marke im Album durch eine gefälschte Marke zu ersetzen: Nein!

Fälschungen sammeln, um sich Wissen anzueignen, damit ich Fälschungen selbst erkennen kann: Klares Ja!
 
Lars Boettger Am: 21.10.2023 09:50:28 Gelesen: 1712# 12 @  
@ bovi11 [#11]

Wie soll er sonst bei fälschungsgefährdeten Marken echte von gefälschten unterscheiden?

Ein Prüfer braucht im Prinzip nur echte Marken. Wenn eine Marke nicht alle Merkmale einer echten Marke aufweist, dann wird sie nicht als "echt" geprüft. Trotzdem nimmt man als Prüfer die Fälschungen aus dem eigenen Prüfgebiet gerne als Vergleichsmaterial mit, aber zur Prüfung habe ich bisher nur ab und zu meine Sperati-Fälschungen herangezogen. In ganz vereinzelten Fällen auch die Neudrucke. Ich möchte hier nicht verallgemeinern, meine Prüfpraxis sieht aber wie oben geschildert aus.

Bei Fälschungen zum Schaden der Post kann ich aus Dokumentationszwecken die Sammlung von Journalist [#10] verstehen. Hier dokumentiere ich ein Problem der Post und wie damit postseitig umgegangen wird. Ich kann den Vortrag von Journalist [#10] in Ulm nur empfehlen!

Beste Grüsse!

Lars
 
bovi11 Am: 21.10.2023 10:01:16 Gelesen: 1704# 13 @  
@ Lars Boettger [#12]

"Ein Prüfer braucht im Prinzip nur echte Marken. Wenn eine Marke nicht alle Merkmale einer echten Marke aufweist, dann wird sie nicht als "echt" geprüft. Trotzdem nimmt man als Prüfer die Fälschungen aus dem eigenen Prüfgebiet gerne als Vergleichsmaterial mit, aber zur Prüfung habe ich bisher nur ab und zu meine Sperati-Fälschungen herangezogen. In ganz vereinzelten Fällen auch die Neudrucke. Ich möchte hier nicht verallgemeinern, meine Prüfpraxis sieht aber wie oben geschildert aus."

Hallo Lars,

im Prinzip ist das natürlich richtig, was Du schreibst. Andererseits kann man viele Fälschungen auch anhand von typischen Fälschungsmerkmalen identifizieren.

Um sich Erfahrungen anzueignen, ist deshalb bei nach meiner unmäßgeblichen Meinung vielen Sammelgebieten eine Fälschungssammlung unerlässlich.
 
alemannia Am: 21.10.2023 11:18:41 Gelesen: 1670# 14 @  
Hallo zusammen,

nachfolgend zeige ich beispielhaft eine Marke, die geprüft und als falsch befunden wurden.

Eine V/I - leider alles gefälscht,schlimmer geht es nimmer, Aufdruck, Stempel und Prüfzeichen falsch:



Derartige Marken dienen mir auch als Vergleichsmaterial.

Gruß
Guntram
 
22028 Am: 21.10.2023 12:13:12 Gelesen: 1648# 15 @  
Als ich noch Tibet, ein Gebiet mit gefühlt mehr Fälschungen als echtem Material sammelte habe ich KEINE Fälschungen gesammelt. Mein Wissen gut von schlecht zu unterscheiden genügte.
 
Attila Am: 22.10.2023 00:46:57 Gelesen: 1543# 16 @  
@ bovi11 [#11]

Lieber bovi11,

ich verstehe, aber ich bin anderer Meinung.

Wie ich geschrieben habe, gilt dies in Ungarn als Straftat. Das ungarische Gesetz ist schlecht und schädlich.

Fälschungen kommen im Handel immer häufiger vor. Wenn alle von Briefmarkensammlern gesammelt würden, würden sie mehr Geld für Fälschungen verschwenden als für echte. Man muss nicht jeden Tag mit Fälschungen vergleichen, aber man muss die Eigenschaften der echten kennenlernen.

Interpretieren Sie sie aktiv, kreativ und richtig assoziativ.

Grüß
Attila
 
Attila Am: 22.10.2023 00:54:20 Gelesen: 1541# 17 @  
@ bovi11 [#13]

Dabei hilft nicht die vergleichende Sammlung von Fakes, sondern technologisches Wissen. Drucktechnik, Farbenlehre, Farbmischung, Metallurgie, Buchbindung, Klebetechnik, Papierherstellung.

Das muss man auswendig anwenden und assoziativ nutzen können.

Bei einer Fälschungssammlung können nur schwache Fälschungen herausgefiltert werden, 80 % der Vollfälschungen. Dies ist auch das Pareto-Prinzip.

MvG
Attila
 
nagel.d Am: 22.10.2023 11:29:11 Gelesen: 1467# 18 @  
Ich bin der Meinung ja es gibt spezielle Fälschungssammler. Für mich handhabe ich es so, daß ich neben den nicht gefälschten Marken auch die gefälschten Marken in der Sammlung habe, diese aber mit einem gewissen Augenmaß, soll heißen, dass ich nicht jede Fälschung in die Sammlung aufnehme.

Fälschungen zu kaufen nur um sie als Platzhalter einzusetzen, ist nach meiner Meinung der falsche Weg.

Letztendlich ist es jedem Sammler selbst überlassen, ob er Fälschungen sammelt oder nicht.

Auch eine Sammlung mit Fälschungen hat ihren Wert. Es lässt sich jetzt natürlich über die Entscheidung streiten, wenn eine Fälschungssammlung, in einer bekannten Nachmittagssendung in einem öffentlich rechtlichen Anbieter, nicht zu den Händlern durchgelassen wird.
 
Stefan Am: 22.10.2023 12:09:35 Gelesen: 1448# 19 @  
Fälschungen können durchaus interessant sein, um zu erkennen, was bei einer Fälschung alles falsch gemacht wurde, wodurch die Fälschung als solche auffiel. Dies kann helfen, dass man selbst zumindest die gröberen Fälschungen erkennt und aussortiert. Für bestimmte Fälschungen braucht es kein Prüfer sondern zuerst den eigenen Sachverstand.

Ich habe beispielsweise das Buch von Infla Berlin ...

Günter Bechtold, Udo Fleiner, Rolf Tworek: INFLA-Band Nr. 48 - Gebrauchte Inflationsmarken echt oder falsch [1]

... "nachgebaut", d.h. ein Briefmarkenalbum mit Stempelfälschungen analog den Kapiteln in dem Buch zusammengestellt, welche sich in den vergangenen Jahren durch den Kauf von Lagerbüchern beiläufig ergaben. Literatur sollte nicht nur lesenswert sondern auch im besten Fall greifbar (und verständlich) werden. Das daraus entstandene Album war vor einigen Monaten als Vorlagematerial und Beispiele gut zu gebrauchen, als es darum ging, einen jüngeren Sammler (U18) auf dem Philaseiten-Treff in Essen-Steele das Thema Deutsche Inflation verständlicher zu machen bzw. Hinweise mitzugeben, worauf man bei Stempeln möglichst alles achten sollte, wenn (ungeprüfte) gestempelte Marken für die Sammlung "Deutsches Reich" erworben werden.

Gruß
Stefan

[1] https://www.infla-berlin.de/17_Daten/Verlag/Band-48Neuberarbeitet.pdf?m=1372314523&
 
Konrad Krämer Am: 22.10.2023 18:23:35 Gelesen: 1362# 20 @  
Ja, es gibt Sammler für Fälschungen.

Ich habe im Rahmen meiner Tätigkeit in Sachen Fälschungserkennung und Sammlerschutz eine ganze Reihe von Fälschungen und ich nehme immer wieder gerne neue Dinge in die Sammlung auf.
 
Droenix Am: 23.10.2023 08:34:22 Gelesen: 1277# 21 @  
Ja, ich sammle Fälschungen von berühmten Fälschern, wie Sperati oder Fournier.

Und natürlich Fälschungen zum Schaden der Post, wie die Mailänder oder Veroneser Fälschung.

Schöne Grüße

Peter
 
Altsax Am: 23.10.2023 09:32:10 Gelesen: 1262# 22 @  
@ Lars Boettger [#12]

"Ein Prüfer braucht im Prinzip nur echte Marken. Wenn eine Marke nicht alle Merkmale einer echten Marke aufweist, dann wird sie nicht als "echt" geprüft."

Lieber Lars,

es kommt immer darauf an, wie gut eine Fälschung tatsächlich ist!

Bei meinem Sammelgebiet Sachsen existieren Altfälschungen von der 3 Pfg. rot (Mi 1), die weitaus besser gemacht sind als die berühmten Speratis.

(Mindestens) ein BPP-Attest (als echt) über eine solche Fälschung ist mir bekannt. Man sollte die Fälschung also schon besitzen, um ihre Merkmale studieren zu können.

Das Problem bei vielen klassischen Marken besteht darin, daß bei der Klischeevervielfältigung ebenso wie beim Druck selbst fast immer kleine Abweichungen entstanden sind, die den Vergleich eines Prüfstückes mit einem "Original" erschweren.

Beste Grüße
Jürgen
 
Attila Am: 23.10.2023 14:35:54 Gelesen: 1198# 23 @  
@ Altsax [#22]

Lieber Jürgen,

um ein Original oder eine Fälschung zu erkennen, bedarf es keiner Sammlung von Fälschungen. Die echten müssen mit entsprechendem Fachwissen bekannt sein.

Trotz ihres guten Rufs handelt es sich bei den Produkten von Sperati um sehr schlechte Kopien.

Grüß
Attila
 
DL8AAM Am: 23.10.2023 15:14:45 Gelesen: 1182# 24 @  
@ Attila [#23]

Trotz ihres guten Rufs handelt es sich bei den Produkten von Sperati um sehr schlechte Kopien.

Speratis sammelt "man" nicht, um ein "postalisches" Original vorzutäuschen, sondern weil es ein Sperati ist.

Das ist wie bei echten Kujaus, die hängt man sich ja nicht als ein Vincent van Gogh an die Wand, sondern weil man stolzer Besitzer eines Kujaus ist. Da echte Kujaus inzwischen richtig wertvoll geworden sind, gibt es übrigens sogar gefälschte Fälschungen. Wie gesagt, es gibt auch Fälschungen, die teurer als die Originale sind. Hier wie da, ist der "Name" entscheidend, nicht zwingend die "Qualität", hier wie da.

Diese "klassischen" Fälschungen von legendär-bekannten Fälschern sind in aller Regel "harmlos". Diese sind bekannt, meist leicht erkennbar und entsprechend gut dokumentiert - und besitzen einen "eigenen Wert" aus sich selbst heraus.

Gibt es inzwischen vielleicht auch schon gefälschte Speratis? Weil ja "jeder" einen echten Sperati haben möchte - ich auch. ;-)

Beste Grüße
Thomas
 
Altsax Am: 23.10.2023 15:22:07 Gelesen: 1175# 25 @  
@ Attila [#23]

"um ein Original oder eine Fälschung zu erkennen, bedarf es keiner Sammlung von Fälschungen. Die echten müssen mit entsprechendem Fachwissen bekannt sein."

Lieber Attila,

der größte Kenner des Sachsendreiers war mit Sicherheit Georg Bühler. Er hat in seinem Handbuch über diese Marke rd. 110 Klischees mit ihren spezifischen Merkmalen aufgeführt. Gleichwohl hat er eine sehr gut gemachte Fälschung trotz eines darauf sehr ungewöhnlichen Nummernstempelabschlages (möglicherweise von einem echten Gerät) nicht als solche erkannt. Erst nachdem er eine Reihe von Fälschungen ähnlicher Machart, aber mit variierten Klischeemerkmalen zusammengetragen hatte, erkannte er sie als Fälschungen.

Angesichts der heutigen Scantechnik ist allerdings zu konzedieren, daß in vielen Fällen sehr gute scans von Fälschungen den gleichen Zweck erfüllen können. Sobald aber mikroskopische Materialuntersuchungen erforderlich sind, reichen auch sie nicht mehr aus.

Beste Grüße
Jürgen
 
Altsax Am: 23.10.2023 15:31:01 Gelesen: 1170# 26 @  
@ DL8AAM [#24]

"Gibt es inzwischen vielleicht auch schon gefälschte Speratis?"

Hallo Thomas,

ja, die gibt es. Von den "Original-Speratis" gibt es sogar zwei "Qualitätsstufen: die (relativ) "guten" stammen vom Meister selbst. Die schlechteren sind mit seinen Utensilien, die die RPS erworben hatte, angefertigt worden.

Kürzlich ist übrigens ein Nachdruckbogen einer Fälschung des Sachsendreiers bei ebay mit korrekter Beschreibung für 805 € zugeschlagen worden. Wenn sich das herumspricht, kommen vielleicht noch weitere Nachdrucke von Fälschungen auf den Markt.

Beste Grüße
Jürgen
 
bovi11 Am: 23.10.2023 16:14:56 Gelesen: 1158# 27 @  
@ Attila [#23]

"um ein Original oder eine Fälschung zu erkennen, bedarf es keiner Sammlung von Fälschungen. Die echten müssen mit entsprechendem Fachwissen bekannt sein."

Und woher kommt das Fachwissen?

Ich weiß, einige Zeitgenossen werden mit diesem umfassenden Fachwissen bereits geboren.

Andere müssen es sich erarbeiten und das geschieht beim Erkennen von gefälschten Briefmarken unter anderem durch Kenntnisse von vorkommenden Fälschungen und/oder Verfälschungen. Und da ist eine Fälschungssammlung sehr, sehr hilfreich.

Ich kann Altsax nur beipflichten: Ohne Kenntnis vorkommender Fälschungen geht es nicht.

Um die Frage

"Gibt es Sammler von Fälschungen?"

zu beantworten: Ja!
 
Attila Am: 23.10.2023 17:29:45 Gelesen: 1133# 28 @  
@ bovi11 [#27]

Lieber bovi11,

wir sind unterschiedlicher Meinung.

Diejenigen, die nicht genug über die echten wissen, brauchen eine Sammlung von Fälschungen. Dies gilt für die Nutzung. In diesem Fall werden die Fälschungen zum Vergleich herangezogen. Wenn der Sammler/Prüfer über die notwendigen Kenntnisse verfügt, ist ein Vergleich mit der Fälschung nicht erforderlich. Ich halte es für ein sehr großes Manko, dass ein sehr großer Teil der Prüfer nicht über die nötigen Kenntnisse der Drucktechniken verfügt.

Ich hatte die Gelegenheit zu sehen, wie ein angesehener deutscher Prüfer eine überdruckte Briefmarke als echten Probedruck beurteilte. Er untermauerte seine eigene Meinung mit einer anderen Meinung von 40 Jahren zuvor. Leider stellte sich heraus, dass der Prüfer den Unterschied zwischen Handpicking (harte Buchstaben) und zinkographisch geätzter Druckplatte nicht kennt. Dafür müssen Sie keine Fälschung sehen oder vergleichen. Die Technologie muss auf professionellem Niveau bekannt sein.

Ich selbst sehe dieses Manko oft, wenn ich Druckschulungen und Kurse durchführe, auch für registrierte Prüfer.

Ich möchte nicht viel über modernes Scannen schreiben. Ohne entsprechende Kenntnisse der klassischen Drucktechnik ist eine Quaste am Schwanz einer Kuh wertlos. Wenn jemand einen ernsthaften Überdruck im Buchdruck erstellen möchte, muss er zusätzlich zum Scannen ein erfahrener Grafikdesigner mit fundierten Kenntnissen in Typografie und Bézier-Zeichnung sein. Darüber hinaus sind Kenntnisse im Formenbau (Metallurgie) und im Druck (Druckmaschinenmeister) erforderlich. Auch Tintenchemie, Farbmetrik ... u.s.w.

Diese Prüfer brauchen es unbedingt.

Leider gilt auch hier das Pareto-Prinzip.

Grüße
Attila
 
bovi11 Am: 23.10.2023 17:54:30 Gelesen: 1111# 29 @  
@ Attila [#28]

"Ich halte es für ein sehr großes Manko, dass ein sehr großer Teil der Prüfer nicht über die nötigen Kenntnisse der Drucktechniken verfügt."

Hallo Attila,

Selbst diese Unterschiede in den Druckverfahren muß man erst lernen. Deshalb werden in der Fachliteratur, beispielsweise in dem empfehlenswerten Werk "Erkennen Sie den Druck" von Adalbert König Beispiele der verschiedenen Druckarten nebeneinander gezeigt.

Eine Briefmarke als "in allen Teilen echt" zu beurteilen, bestimmt sich jedoch keinesfalls nur dadurch, das echte Druckverfahren zu erkennen. Das ist lediglich einer von vielen Aspekten. Viele echte Marken werden durch Manipulationen verfälscht. Da nützt mir das Erkennen des richtigen Druckverfahrens überhaupt nichts - die Marken sind echt (z.B. Bezirks-Handstempelaufdrucke).

Was ist mit falschen Abstempelungen?

Ich kenne keinen Prüfer, der nicht über eine mehr oder weniger umfangreiche Stempelsammlung verfügt. Nur so werde ich - abgesehen von Deppenfälschungen - falsch gestempelte Briefmarken erkennen.

Was ist mit Marken, bei denen nachträglich (zur Wertsteigerung) die Zähnung manipuliert wurde? Als eines von zahllosen Beispielen nenne ich nur die frühere Notopfermarke Nummer 2 KW mit der Linienzähnung 13 1/2, die von Colonnaden-Fischer vertrieben wurde und die bis 1975 sogar im MICHEL-Katalog verzeichnet war. Erst durch zahllose Vergleiche und Forschungen hat Friedrich Harlos (Vater des heutigen Notopfer-Prüfers Peter Harlos) den Betrug 1974 aufdecken und nachweisen können.

Beispiele aus allen möglichen Sammelgebieten könnte man zuhauf beschreiben.

Grüße

Dieter
 
Winni451 Am: 23.10.2023 18:01:41 Gelesen: 1090# 30 @  
@ DL8AAM [#24]

Einen Wert geben ausschließlich wir (die Menschheit) den Dingen. Daher verkaufen sich Dinge, denen man eine Story gibt, oft teurer als andere Dinge. Deswegen werden seltene Dinge eventuell teurer gehandelt (aber nur eventuell und nur, weil wir die Auszeichnung suchen, einer der Wenigen zu sein, der das seltene Ding hat). Deswegen schwanken die Preise je nach Modischem Trend, deswegen kann der Preis in Amerika ein anderer sein wie in Deutschland.

Eine Briefmarke, ob echt oder nicht, wie fast alles andere was wir anfassen können, hat keinen Wert aus sich selbst heraus. Aus sich selbst heraus, ist die echte wie die gefälschte Marke eine Ansammlung von Zellulose, Farbpigmenten usw. Wie soll da ein Wert aus sich heraus bestehen? Es kommt auf unser Wollen und unseren Blickwinkel an. Je nach Farbe ist das in großen Mengen nicht als Altpapier zu gebrauchen. Aus Kreislaufwirtschaftssicht: Woher soll da der Wert kommen?

Daraus folgt der logische Schluss: Ob echte Marke oder Fälschung: Wert hat die Marke, wenn wir ihr einen Wert zugestehen. Und für die Große Masse hat die Gesellschaft entschieden, dass Fälschungen keinen Wert haben. Mit Ausnahme der alten Fälschungen, denen man eine Geschichte zuordnet (ein realer Krimi). Und manchmal wird dass dann vielleicht sogar zu einem Selbstläufer (weil es von Einigen teuer gehandelt wird, wird es Wertvoll in den Augen manch anderer).

Daraus folgt: Natürlich gibt es Sammler von Fälschungen und dagegen ist so lange nichts einzuwenden, wie diese die Fälschungen auch nur als solches wieder verkaufen und solange diese keine Märchen von Wert erzählen. Ich halte es für absolut nachvollziehbar und berechtigt, wenn Jemand sich entscheidet, Lücken zuzulassen, oder anstatt einer Lücke, ein bezahlbare Fälschung in seiner Sammlung vorzuziehen.

Und man kann Fälschungen auch sammeln, weil sie einfach in die Motivsammlung passen, oder weil diese geschichtlich in die Ländersammlung integriert werden können oder oder.

Grüße
Winfried
 
Attila Am: 23.10.2023 23:06:36 Gelesen: 995# 31 @  
@ bovi11 [#29]

Lieber bovi11,

ich stimme zu. Mehrere Bereiche können separat ausgewählt werden. Für Briefmarken ist das Erkennen der Drucktechnik unerlässlich. Auch die Art der Perforation ist notwendig. Ich kenne die Beispiele, die Sie geschrieben haben, nicht. Mein Forschungsgebiet ist Österr. Post in Ungarn 1850-1867, Ungarn bis 1867 und in erster Linie die sogenannten Besatzungs- und Lokalpost Ausgaben. Ich könnte die Beispiele hier auflisten.

Das Erkennen von Abstempelungen erfordert ganz andere Kenntnisse. Auch hier ist die Technik wichtig. Der Aufbau und die Funktionsweise von Handstempeln. Dafür sind in Ungarn jederzeit Zehntausende Abstempelungen erhältlich. Stempelungen, die ein Kontrollexemplar erfordern, sind äußerst selten. Das Erkennen ungarischer Briefmarken ist weitgehend einfach.

Perforationen können auch mit allgemeinem Fachwissen sicher erkannt werden. Fälschungen oder falsche Zähnungen sind gar nicht so schwer, wenn man die allgemeinen Merkmale kennt. Besonders gut ist die Verarbeitung der ungarischen Briefmarken. Aber einige Teilbereiche sind es noch nicht.

Eine vergleichende Falschsammlung ist meiner Meinung nach für die wenigsten Untersuchungen notwendig. Dies gilt auf jeden Fall für den Sammelbereich. Wer eine echte Briefmarke nicht auf hohem Niveau kennt, kann eine Fälschung nicht von einer Fälschung unterscheiden.

Grüß
 

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