Thema: Privatpost bis 1900
Das Thema hat 93 Beiträge:
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Christian Am: 29.10.2009 22:24:24 Gelesen: 104950# 1 @  
Hallo zusammen.

Seit langem wieder mal ein Markenthema von meiner Seite, da, je länger ich mich mit diesem Gebiet beschäftige, die Faszination für selbiges steigt. Wie immer an dieser Stelle möchte ich versuchen, eine kurzen geschichtlichen Abriss zu geben.

In dem Zeitraum von 1886 bis 1900 gab es in 170 deutschen Städten mehr als 250 Privatpostanstalten. Am 31.3.1900 fand diese Epoche der deutschen Postgeschichte durch die Schaffung des Postmonopols des deutschen Reiches ein erzwungenes Ende.

Das Vorwort von Horst Müller zum Michel Privatpostmarkenkatalog bietet eine gute Zusammenfassung zur Geschichte der Privatpost im deutschen Reich:

„Die gesetzliche Zulassung der Privatpostanstalten war eine Folge des Krieges Preußen gegen Österreich von 1866. Nach dem Sieg konnte sich Preußen verschiedene deutsche Staaten einverleiben: Das Königreich Hannover, die Herzogtümer Schleswig und Holstein, das Herzogtum Nassau, das Kurfürstentum Hessen-Kassel, die Freie Stadt Frankfurt am Main und schließlich die Posthoheit der Fürsten von Thurn und Taxis, zwar ohne eigenen Staat, aber mit zahlreichen Niederlassungen, wie z. B. das Oberpostamt in Frankfurt am Main. Andere deutsche Staaten, die zwar selbständig blieben, wurden von Preußen mit mehr oderweniger sanftem Nachdruck dazu angehalten, dem Norddeutschen Bund beizutreten und damit auf eigene Posthoheiten zu verzichten. Ein neues Postgesetz wurde erforderlich, das für alle deutschen Staaten verbindlich war.
Bei den Beratungen für dieses Postgesetz wurde schon damals gefordert, staatliche Postmonopole fallen zu lassen. Das Postgesetz des Norddeutschen Bundes vom 2. November sah schließlich als Vergleich im § 1 vor:

Die Beförderung

1) aller versiegelten, zugenähten oder sonst verschlossenen Briefe,
2) aller Zeitungen politischen Inhalts, welche öfter als einmal wöchentlich erscheinen,

gegen Bezahlung von Orten mit einer Postanstalt nach anderen Orten mit einer Postanstalt des In- oder Auslandes auf andere Weise, als durch die Post, ist verboten.

Erlaubt war somit ohne Einschränkung jegliche Privatbeförderung innerhalb der Ortsgrenzen, nach außerhalb unterlagen nur verschlossene Briefe dem staatlichen Monopol. Diese Bestimmungen wurden unverändert in das Reichspostgesetz vom 28. 10. 1871 übernommen.“

Die erste Privatpost, die dieses Gesetz für sich in Anspruch nahm, war die Brief- und Druckschriften Expedition von J. J. Schreiber in Berlin — Mai 1873 bis August 1874. Schreiber scheiterte an der damals herrschenden Wirtschaftskrise. Erst 10 Jahre später hatte sich die Wirtschaft so weit erholt, daß gute Erfolgsaussichten für Privatposten bestanden, das zeigen dann auch die zahlreichen Gründungen von Briefbeförderungsanstalten im Jahre 1886. Wenige unseriöse Einrichtungen der ersten Zeit waren dann Grund genug für die Reichspost, heftige, diskriminierende Kampagnen gegen alle Privatposten einzuleiten, gipfelnd schließlich in der Verleumdung, diese hätten ihre Existenz nur einer Lücke im Postgesetz zu verdanken.

Nach langem zähen Ringen u. a. mit dem Reichstag gelang es der Reichspost schließlich mit Gesetz vom 20. 12. 1899 jede private Briefbeförderung mit Wirkung ab 1. 4.1900 verbieten zu lassen. Dieses Gesetz regelte u. a. genau die zu leistenden Entschädigungen: Für die Unternehmer nach tatsächlichem Schaden und entgangenem Gewinn, für die Boten nach Dauer ihrer Beschäftigung und Höhe des Einkommens, sofern sie nicht in den Reichspostdienst übernommen wurden. Boten, die seit 1886 bei der Privatpost tätig waren, kamen so auf eine Abfindung von mehr als 3 Jahresgehältern.

Die damals noch bestehenden drei deutschen Postverwaltungen hatten an Entschädigungen für Unternehmer und nicht übernommene Boten folgende Gesamtzahlungen geleistet (gerundete Beträge):

Deutsche Reichspost 7.450.000 Mark
Kgl. Bayerische Post 440.000 Mark
Kgl. Württembergische Post 320.000 Mark
zusammen ca. 8.200.000 Mark

Außerdem wurden ca. 740 Boten in den Dienst der Reichspost übernommen.

Zum Vergleich: Gut 30 Jahre früher erhielt der Fürst von Thurn und Taxis von Preußen den Betrag von 3.000.000 Thalern (nach der Währungsumstellung im Deutschen Reich vom 1. 1. 1875 wurden aus 1 Thaler = 3 Mark.)

Für die Postkunden wurde am 1. April 1900, dem Tag, an dem das Verbot der Privatposten wirksam wurde, der Tarif für Ortspostkarten von 5 auf 2 Pfennig gesenkt (nicht jedoch für Briefe usw.). Dafür erschienen die Marke MiNr. 52 und die Postkarte P44 des Deutschen Reichs. Als diese Portoermäßigung am 1. Juli 1906 zurückgenommen wurde, entstanden neue Privatpostanstalten, die auf verschiedenste Weise versuchten, die Bestimmungen des erweiterten Postgesetzes zu umgehen. Diese Anstalten, die nur zum geringen Teil Freimarken herausgaben, sind meist nach kurzer Zeit wieder geschlossen worden oft nach verlorenen Prozessen, die die Reichspost angestrengt hatte. „


So und jetzt die Bitte an alle Formusmitglieder sich rege an diesem Thema zu beteiligen.

Herzliche Grüße

Christian
 
Christian Am: 29.10.2009 22:36:30 Gelesen: 104948# 2 @  
Als erstes Gebiet für Marken der Privatpost habe ich mir Bochum ausgesucht und zwar von dem Express-Paket-Verkehr und Privat-Brief-Verkehr von Christian Menne.

Die ersten Marken des am 16. Mai 1886 gegründeten Express-Paket-Verkehr, Werte zu 20, 25, 30 und 50 PF, Ausgabe 1886, Michel Nr. 1 -4



und Marken von Merkur zu 1, 2, und 3 PF, Ausgabe 1887, Michel Nr. 27 - 29



Jetzt hoffe ich auf rege Beteiligung an diesem Thema und bin gespannt, was wir alles zu sehen bekommen.

Herzliche Grüße

Christian
 
Jürgen Witkowski Am: 30.10.2009 23:36:56 Gelesen: 104923# 3 @  
Bei der Gestaltung der Markenausgaben gab es eine große Vielfalt. Während einige Marken eher an Ausgaben der Reichspost anlehnen, gab es ebenso Marken mit damals in Deutschland noch unüblichen Motiven.

Am Beispiel der Wuppertaler Firmen Privat-Brief-Verkehr und Courier kann man die unterschiedliche Gestaltung recht gut nachvollziehen. Die Courier-Marken erinnern irgendwie an die amerikanischen Ausgaben des legendären Pony-Express.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Christian Am: 01.11.2009 19:22:27 Gelesen: 104892# 4 @  
@ Concordia CA [#87]

Hallo Jürgen,

es gab allerdings auch Marken, deren Design spätere Anlehnung (Nachahmung) im Deutschen Reich erfahren haben.

Hier ein Beispiel aus Chemnitz der Briefbeförderung HAMMONIA, Ausgabe 1887. Welche Marken des Reiches mir da wohl in den Sinn kommen?



Im Michel-Katalog kann man folgendes über diesen Postdienst lesen:

"Briefbeförderung HAMMONIA
Gegründet am 1. Febr. 1887 von R. Kuhö als Zweigniederlassung der Hamburger HAMMONIA. Geschäftsführer M. Laschick, ab März 1887 G. A. Oehlschläger. Am 3. Juni 1887 Verkauf an Bernhard Müller, geschlossen am 24. März 1900. B. Müller wurde von der Reichspost mit 35563,— Mark entschädigt, 8 Boten wurden in den Reichspostdienst übernommen, 5 weitere wurden mit zusammen 4777,05 Mark abgefunden."


Herzliche Grüße

Christian
 
Jürgen Witkowski Am: 01.11.2009 22:44:25 Gelesen: 104879# 5 @  
@ Christian [#88]

Ich wüsste jetzt spontan nicht, auf welchen Marken des Deutschen Reiches Hammonia als Allegorie für Hamburg dargestellt wurde.

Zur Abwechslung möchte ich einmal einen Beleg vorstellen, der in Berlin gelaufen ist. Er stammt von einer der vielen "Eintagsfliegen", die nur kurz am Markt waren. Die Berliner Verkehrsanstalt Hansa wurde am 19.07.1886 gegründet, geriet schon bald in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde bereits am 20.11.1886 durch den damaligen Marktführer, die Berliner Packetfahrt Gesellschaft übernommen.

Die Postkarte vom 22.10.86 wurde frankiert mit der MiNr. 6 zu 3 Pf.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Christian Am: 02.11.2009 00:50:55 Gelesen: 104866# 6 @  
@ Concordia CA [#89]

Hallo Jürgen,

hier zwei Postkarten, die deinem Gedächtnis etwas nachhelfen könnten. :-) Eine der "beiden" Figuren ist wohl gemeint. Entscheide selbst, welche du bevorzugst.



Nachdem du einen Beleg eingestellt hast, ergänze ich das Spektrum noch um eine Ganzssache (Postkarte) aus Frankfurt, Kirchhoff'sches Wappenmuster, 2 PF, Ausgabe 1886



Noch ein Auszug aus dem Michel Katalog:

"Frankfurt (Main) Königreich Preußen —229279 Einwohner (1895)
Privat-Brief-Verkehr
Gegründet am 10. Oktober 1886, eröffnet am 15. 10.86 durch August Kirchhoffer, der ungefähr gleichzeitig eine Gesellschaft zur Beförderung für Stadtbriefe ins Leben rief, mit der er und seine Compagnons gleiche Anstalten in Elberfeld, Köln, Mainz und Mannheim einrichteten. Kirchhoffer leitete die Frankfurter Anstalt bis zum 31.3. 1900. Von der Reichspost gezahlte Entschädigung: An den Unternehmer 233 659,06 M. Von insgesamt 46 Bediensteten wurden 29 mit zusammen 60158,72 Mark abgefunden, 16 wurden in den Dienst der Reichspost übernommen."


Obwohl es auf der Hand liegt, stelle ich jetzt keinen Bezug zu einer Markenserie des deutschen Reiches her.

Herzliche Grüße

Christian
 
Christian Am: 06.11.2009 22:27:45 Gelesen: 104825# 7 @  
Hallo zusammen!

Heute möchte ich Marken des Privat-Brief-Verkehrs in Schwerte vorstellen. Gegründet wurde der Privat-Brief-Verkehr in Schwerte von W. Neubauer am 1.1.1887, eröffnet am 10.11.1887 und geschlossen am 1.6.1888



Wappenzeichnung der Stadt Schwerte, Ausgabe November 1887, 1 Pfennig rot und 2 Pfennig blau, Michel Nr. 1,2



Springendes Pferd, Ausgabe April 1888, 1 PF orange, 2 PF schwarz, 3 PF lila, 5 PF ultramarin, Michel Nr.13-16



Quittungsmarken für Massenbriefversand, ausgegeben wurden die Marken 1888, 1/2 Mark rot, 1 Mark grün, 3 Mark braun, 5 Mark blau und 10 Mark orangegelb, Michel Nr. 19 -23

Herzliche Grüße

Christian
 
Christian Am: 10.11.2009 23:47:29 Gelesen: 104779# 8 @  
Zwischendurch noch eine Ganzsache der Berliner Paketfahrt-Gesellschaft

3 Pf dunkelblau, Ausgabe 1894/95



Hier der Eintrag aus dem Michel Katalog:

"B. Berliner Packetfahrt Gesellschaft

Gegründet am 2. 2. 1884, Eintragung ins Handelsregister als Aktiengesellschaft am 13.2. 1884. Ab 12.1.1886 Firmierung NEUE BERLINER OMNIBUS- UND PACKETFAHRT-ACTIEN-GESELLSCHAFT.

1894: Aufgabe der Personenbeförderung und neue Firmierung BERLINER PACKETFAHRT AKTIEN-GESELLSCHAFT. Ende der Briefbeförderung am 31.3.1900. Die Paketfahrt erledigte in den letzten Jahren vor dem Verbot der privaten Briefbeförderung ca. 60% des Berliner Ortsbriefverkehrs. Für die Aufgabe dieses lohnenswerten Hauptgeschäftszweigs wurden die Aktionäre mit 2 700 000 Mark von der Reichs- post entschädigt. 344 Bedienstete wurden von der Reichspost übernommen, 521 wurden mit insgesamt 932 616,61 Mark für den Verlust ihres Arbeitsplatzes abgefunden.

Die nicht dem erweiterten Postmonopol unterworfenen Dienste wie Paket- und Geldbeförderung, sowie Verteilung nicht adressierter Drucksachen sind von dem stark verkleinerten Unternehmen weiter betrieben worden. Freimarken wurden dabei bis mindestens 1929 verwendet.

Alle Marken (außer MiNr. 203?) sind von Giesecke und Devrient, Leipzig gedruckt"


Herliche Grüße

Christian
 
Christian Am: 14.11.2009 23:21:31 Gelesen: 104742# 9 @  
Hallo liebe Philaseiten-Leser,

heute möchte ich Marken aus Bergedorf vorstellen.

Ausgegeben wurden die Marken am 25.12.1887 von Brief-Beförderungs-Gesellschaft. Diese wurde von A Salvador jr. am 21.12.1887 gegründet und am 28.1.1888 geschlossen. Tierbilder Serie, Michel Nr. 3-6. Die Marken gibt es gezähnt 11 1/2 oder geschnitten.



Herzliche Grüße

Christian
 
Jürgen Witkowski Am: 15.11.2009 23:46:58 Gelesen: 104709# 10 @  
@ Christian [#9]

Im Gegensatz zu den für diese Zeit recht attraktiv gestalteten Marken von Bergedorf erinnern die beiden einzigen Marken der Stadtbrief-Beförderung FLORA aus Beuthen in ihrer schlichten Gestaltung eher an alte Kinokarten, denn an Postwertzeichen. Dieses Privatpostunternehmen bestand von August 1896 bis März 1900. Das war im Gegensatz zu den vielen "Eintagsfliegen", deren Unternehmenszweck vornehmlich darin bestand, die Sammler zu schröpfen, eine recht lange Zeit und zeugt von der ernsthaften Absicht, als Postunternehmen tätig zu sein.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Christian Am: 16.11.2009 00:19:39 Gelesen: 104703# 11 @  
@ Concordia CA [#10]

Jürgen, als Zwischenstufe könnte man wohl Marken wie die aus Brandenburg bezeichnen.

Stadtbriefbeförderungs-Courier, gegründet am 8.4.1896 von Andreas Bernick, im Mai 1897 übernommen vom Buchhändler Irrgang, geschlossen am 31.3.1900. Die Entschädigung für den Eigentümer betrug 16.883,56 Mark. Zwei Briefträger wurden in den Reichspostdienst übernommen, zwei weitere mit ca. 600 Mark abgefunden.



Bei den gezeigten Marken handelt es sich um die Michel Nr. 1a, 2, 4 und 4x, Ausgabe April 1886.

Liebe Grüße

Christian
 
Christian Am: 17.11.2009 23:15:59 Gelesen: 104661# 12 @  
Zur Abwechslung noch einen Beleg der Berliner Paketfahrt. Gelaufen am 29.3.1900. Als Marke wurde die 1 PF, orange, Michel Nr. 64 verwendet.



Im Michel findet sich folgender Text:

"B. Berliner Packetfahrt Gesellschaft
Gegründet am 2.2. 1884, Eintragung ins Handelsregister als Aktiengesellschaft am 13.2. 1884. Ab 12.1.1886 Firmierung NEUE BERLINER OMNIBUS- UND PACKETFAHRT-ACTIEN-GESELLSCHAFT.

1894: Aufgabe der Personenbeförderung und neue Firmierung BERLINER PACKETFAHRT AKTIEN-GESELLSCHAFT. Ende der Briefbeförderung am 31 .3. 1900. Die Paketfahrt erledigte in den letzten Jahren vor dem Verbot der privaten Briefbeförderung ca. 60% des Berliner Ortsbriefverkehrs. Für die Aufgabe dieses lohnenswerten Hauptgeschäftszweigs wurden die Aktionäre mit 2700000 Mark von der Reichspost entschädigt. 344 Bedienstete wurden von der Reichspost übernommen, 521 wurden mit insgesamt 932616,61 Mark für den Verlust ihres Arbeitsplatzes abgefunden.
Die nicht dem erweiterten Postmonopol unterworfenen Dienste wie Paket- und Geldbeförderung, sowie Verteilung nicht adressierter Drucksachen sind von dem stark verkleinerten Unternehmen weiter betrieben worden. Freimarken wurden dabei bis mindestens 1929 verwendet.

Alle Marken (außer MiNr. 203?) sind von Giesecke und Devrient, Leipzig gedruckt."


Herzliche Grüße

Christian
 
Christian Am: 24.11.2009 22:28:11 Gelesen: 104590# 13 @  
Nachdem ja doch einige die Beiträge lesen, mache ich mal weiter, in der Hoffnung, dass weitere Philaseiten-Mitglieder bei diesem Thema mitmachen.

Heute stelle ich Marken aus Gießen vor.

Gegründet wurde die "Privat-Stadt-Post" am 24.12.1887 von Gustav Stahl und am 31.3.1900 geschlossen. Zu dieser Zeit wurde 1 Briefträger beschäftigt.

Bei den Marken handelt es sich um die Ausgabe vom März 1888, Burgzeichnung ohne Randinschriften, Michel Nr. 40-49. Ausgegeben wurden Werte zu 2,3,5,10,15,20,30,40,50 und 100 Pfennig.



Herzliche Grüße

Christian
 
Christian Am: 05.08.2010 22:23:20 Gelesen: 103738# 14 @  
Hallo zusammen!

Ich persönlich finde es wirklich schade, dass das Thema so wenig Beteiligung erfährt. Vielleicht kann man es wieder etwas beleben, da doch einige Forumsmitglieder die Beiträge gelesen haben.

Heute ein Beleg, der in sich einen kleinen Widerspruch darstellt:



Karte und Stempelform würden ja an sich auf eine Reichspostkarte hindeuten, wenn nur die Marke nicht wäre. Die stammt vom Magdeburger Courierdienst und wurde erstmals 1887 ausgegeben: Zifferenzeichnung, 1 1/2 Pfennig blau, abgestempelt am 3.10.1889, Michel Nr. 4.

Die Magdeburger Courierdienst wurde am 28.12.1886 von Ernst und Louis Herzberg gegründet und beendete seine Tätigkeit am 24.3.1900. Von den 55 Bediensteten wurden 35 in den Dienst der Reichspost übernommen, 16 Angestellte wurden mit 12.552,06 RM abgefunden, ein Mitarbeiter starb am 18.3.1900. Die Reichspost hat seine Abfindung in Höhe von 445,50 RM einbehalten und nie ausgezahlt.

Herzliche Grüße

Christian
 
abrixas Am: 07.08.2010 10:07:03 Gelesen: 103714# 15 @  
Mich faszinieren in erster Linie gelaufene Marken und Belege, denn Stempel erzählen die Lebensgeschichte der herausgegebenen Marken. Auch Plattenfehler sind von Interesse, denn davon findet man in den Katalogen so gut wie nichts.

Hier nun als Einstand ein Ausschnitt aus einer Nürnberger Albumseite.


 
Christian Am: 08.08.2010 09:12:53 Gelesen: 103691# 16 @  
@ abrixas [#15]

Ich stimme mit dir in großen Teilen überein, aber auch ungebrauchte Exemplare haben als Belegexemplare ihren Reiz.

Hier noch 3 Ganzsachen des Magdeburger Couriers, die zeigen, wie sehr sich die Privatpostanstalten mit ihren Stempeln an der Reichspost orientierten. Alle haben die Portostufe 2 1/2 Pfennige.



Stempeldatum 3.3.1890



Stempeldatum 09.09.1892, jetzt in der Farbe der Markenausgabe von 1891, braunorange, und dem Vermerk zur richtigen Briefkastenwahl



Stempeldatum 22.4.1899, jetzt wieder in geänderter Farbe und mit zusätzlichen Aufdrucken (Posttarife und Beförderung)

Herzliche Grüße

Christian
 
abrixas Am: 08.08.2010 23:27:57 Gelesen: 103676# 17 @  
Eine Freimarke aus Mühlhausen mit dem Wappen der Familie Hérion - in Augsburg gebraucht. Stempeldatum 30.3.97; Stempeldurchmesser 28,5 mm. Einfach nur schön.


 
Christian Am: 09.08.2010 22:43:28 Gelesen: 103652# 18 @  
Hallo liebe Forumsmitglieder!

Ich möchte noch etwas beim Magdeburger Courier bleiben und zwar bei der Marke: Wappen auf weißem Schild, 2 1/2 Pfennig der Ausgabe 1895, Michel Nr. 26 a,c,e. Die folgenden Postkarten sind nicht nur deshalb interessant, weil hier 3 von 5 Farbtypen der Marken verwendet wurden; Interessant sind sie auch deshalb, weil der Absender seine Reisegrüße wohl erst von zu Hause weggeschickt hat. Die ersten beiden wurden, wenn ich den Stempel richtig lese, am 6.9.1998, die dritte Karte am 29.9.1998 aufgegeben.







Der Vollständigkeit halber noch eine 26b in orangebraun aus dem Januar 1895. Leider ist der Beleg ziemlich beschädigt.



Herzliche Grüße

Christian
 

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