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Thema: (?) (54) Altdeutschland: Packkammerstempel
Das Thema hat 54 Beiträge:
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Magdeburger Am: 01.08.2010 16:16:19 Gelesen: 52045# 30 @  
@ BD [#29]

Hallo Bernd,

danke für die Infos. Aus der Zeit zwischen 1848 bis 1852 liegt mir hierzu nichts vor.

Ich denke, wie ich schon schrieb, dass der Brief aus 1851/2 stammen sollte. Theoretisch wäre ab 1849 möglich, wenn ich den 03.04. richtig lese.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 05.09.2010 16:32:44 Gelesen: 51690# 31 @  
Hallo Zusammen,

folgenden Beleg, was leider nur eine Hülle ist, möchte ich doch hier einstellen: Von Hamburg, dort beim preussischen Postamt aufgegeben, nach Berlin, ca 34 Meilen.

Vorderseitig ist der Ovalstempel P.C. der Packkammer von Hamburg bei der Paketaufgabe verwendet worden.



Auf der Siegelseite gibt es ebenfalls einen Packkammerstempel, jedoch von Berlin, entweder ist es P.C.D.H.P.A. BERLIN oder P.C.E. BERLIN aus den 30iger Jahren, wobei der erstere in rot für das Hofpostamt belegt ist, beim zweiten fehlt eine Farbangabe.



Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
volkimal Am: 08.10.2011 18:47:05 Gelesen: 47805# 32 @  
Hallo Ulf,

auf diesem Paketbegleitbrief aus Münster nach Coesfeld wurde der Coesfelder Packkammer-Stempel abgeschlagen. Weißt Du, was der Rötelstrich auf der Vorderseite soll? Auf der Rückseite ist der Ausgabestempel aus Coesfeld zu finden.



Viele Grüße
Volkmar
 
Magdeburger Am: 08.10.2011 19:16:50 Gelesen: 47801# 33 @  
@ volkimal [#32]

Hallo Volkmar

erstmal zum Packkammerstempel, laut Prof. Bruns wird er unter der Nummer 16 geführt und wertet mit 4 Punkte (3 bis 5 Belege bekannt). Die Verwendungszeit ist zwischen 1865 bis 1873 - also gehört Dein Beleg zu den (ganz) frühen.

Ein Unterstreichen ist mir eher bekannt bei Wertdeclarationen, vor 1861 auch bei protopflichtigen Actensendungen.

Möglicherweise hat der rote Strich etwas mit der Versendeform zu tun. Kleinere Pakete wurden incl. Begleitbrief in Briefbeutel versendet, soweit dies möglich war.

Dazu aus der
Erneute Dienst-Ordnung für die Unter-Beamten in der combinirten Annahme-Expedition für Fahrpost-Gegenstände und Packkammer-Expedition des Post-Amts zu Magdeburg vom 30. September 1851:

.
.

§ 5 Vom Tagesdienste
.
.

b Packet-Annahme

Die Packet-Annahme besorgt auch einer der älteren fest angestellten, unter Hülfsleistung eines zweiten Packboten, welcher die Bezettelung der Packete haltbar und so zu bewirken haben, daß die Register-Nummer unmittelbar neben der Signatur angebracht wird. Hiernächst wird das Packet vorsichtig und so, daß die Register-Nummer nicht verloren gehen kann, auf den Transportwagen gelegt und letztere wird, sobald er vollständig beladen, nach den hinteren Lagerräumen hingezogen. Während der Zeit, in welcher abgesandte Posten verlassen werden, bleibt zur Verhütung von Unregelmäßigkeiten der Transport und die Vertheilung der auszuliefernden Packete ausgesetzt.

In Beziehung auf Verpackung-Signatur u.s.w. der Fahrpostgegenstände ist die Bekanntmachung des Königl. General-Post-Amts vom 1ten Januar 1850 streng zu beachten und es sind die Aufgaben in Differenzfällen darauf hinzuweisen. Auf Erörterungen, welche erfahrungsgemäßig öfter Streit und Beschwerden zur Folge haben, hat sich der annehmende Packbote durchaus nicht einzulassen, vielmehr in jedem solchen Falle den Aufgeber an dem am Packetannahme-Fenster arbeitenden Expeditionsbeamten, resp. an den Expeditionsvorsteher zu verweisen. Wünschen die Aufgeber, daß etwaigen Manquement bei der Verpackung, Signatur rp. durch die Unterbeamten der Packkammer abgeholfen werde, so ist ihnen hierunter zu willfahren und es ist sodann eine mäßige Vergütung zu bedingen. Pack- und Signatur-Material haben die betr. Packboten aus eigenen? Mitteln zu beschaffen.

Ueber 50 Pfund schwere Kisten müssen mit festen Stricken oder Handhaben und Päckereien, welche noch den auf einem am Annahmefenster befindlichen Aushange benannten Ländern noch Nicht-Zoll-Vereins-Gebieten rp. bestimmt sind, müssen mit Inhalts-Declarationen versehen sein. In dieser Beziehung sind die Aufgeber jederzeit an den betr. Expeditionsbeamten zu verweisen.

Darauf, daß die kleineren unter 1 Pfund wiegenden Päckereien, sofern sie nach Form und Inhalt zur Versendung im Briefbeutel sich eignen, mit der Begleit-Adresse zugleich an den Annahme-Expedienten gelangen, hat der betr. Packbote sein Augenmerk mit zu richten und den Aufgebern diesfallsige Weisung zu ertheilen. Die zu diesen Poststücken gehörigen Begleit-Adressen werden mit dem Packet-Lagerraum-Stempel nicht bedruckt. Der Gewichts-Notiz der Gelder und Werthgegenstände fügt der betr. Packbote seinen Namen hinzu. Die Aufgeber dürfen in die Packkammer=Räume nicht eindringen.

Selbst wenn jetzt nicht alles hier zutrifft, ist es doch interessant.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
volkimal Am: 08.10.2011 19:29:35 Gelesen: 47796# 34 @  
@ Magdeburger [#33]

Hallo Ulf,

ich habe in Coesfeld meine Referendarzeit gemacht. Damals habe ich gleich zu Beginn der Referendarzeit von einem Kollegen, diesen Brief bekommen - er besaß drei davon. Als ich kurz darauf erstmals den Coesfelder Briefmarkenverein besuchte, brachte der langjährige Coesfeld-Sammler Dr. Wilde gerade seine neu verfasste Zusammenstellung der Coesfelder Stempel mit. Er kannte den Packkammerstempel noch nicht.

Der Sammler, von dem ich den Stempel eingetauscht hatte und Dr. Wilde waren beide schon seit Jahren Vereinsmitglieder in Coesfeld - sie hatten sich aber nie ausgetauscht.

Viele Grüße aus dem Münsterland
Volkmar
 
Magdeburger Am: 08.10.2011 20:16:35 Gelesen: 47787# 35 @  
@ volkimal [#34]

Hallo Volkmar

spontan fiel mir dazu ein: traurig, traurig, traurig.

Nur mal etwas zur Häufigkeit:

Persönlich interessiert mich nur die Magdeburger Packkammer, speziell sogar fast nur die sogenannten Lager- oder Cursstempel.

Die häufigsten sind die C.No 1 bis C.No 7 (Posting #20) und laut Liste von Prof. Bruns alle mit der Nummer 75.13 belegt. Die angegebene Bewertung sind 3 Punkte (6 - 10 Belege).

Allein den Stempel C.No 2 habe ich 12 mal - insgesamt sind mir z. Z. ca. 80 Belege bekannt. Die Liste führe ich seit ca. 2 Jahren und ich denke, dass noch vieles in Sammlungen schlummert.

Zum Stempel noch ein kleines Beispiel:

Beleg vom 21.01.1851 von Magdeburg nach Neuhaldensleben als Herrschaftliche Justiz Dienst Sache portofrei versendet. Hier ist der C.No 2 vorhanden. Schwach in der unteren Mitte des Beleges erkennt man noch einen L2 des ....... O.L.G. Botenmstr = "Ober Landes Gerichts Botenmeister". Als Name würde Ebeling passen - nur eindeutig erkennen kann ich es so nicht.



Hier ist das Wort Paquet unterstrichen - tja es kann hier auch der Stempel gemeint sein - die Portofreiheit betreffend - die Verlängerung geht in die Richtung.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
dr.vision Am: 29.10.2018 13:48:23 Gelesen: 19258# 36 @  
Moin zusammen,

ich habe hier eine als Begleitbrief benutzte Ganzsache zu einer 4 Pfund 2 Loth schweren Kiste. Aufgegeben wurde sie an einem 2. März. in Neisse (Nysa) für ihren Weg nach Breslau (Wrocław). Der Wertstempel und die zusätzliche Frankatur wurden mit dem Packkammerstempel entwertet. Die Entfernung beträgt nicht ganz 10 Meilen, so dass mir das Porto von 3 Groschen tarifrichtig erscheint. Am gleichen Tag wurde der Paketausgabestempel von Breslau - möglicherweise als Eingangstempel - abgeschlagen.



Die Rückseite macht mir etwas Kopfzerbrechen. Hat jemand eine plausible Erklärung dafür? Lag das Paket ein halbes Jahr in Breslau, bevor es abgeholt wurde?



Kann jemand das Wort vorderseitig unter dem roten Ausgabestempel entziffern?
Ich freue mich auf eure Erklärungen. Danke im Voraus.

Beste Grüße von der Ostsee
Ralf
 
Magdeburger Am: 29.10.2018 15:35:45 Gelesen: 19233# 37 @  
@ dr.vision [#36]

Hallo Ralf,

hochwohlgeb(oren) steht vorderseitig.

Im roten Stempel steht Packetausgabe - also die erfolgreiche Paketausgabe.

Für die rückseitigen Stempel, mehr als ein halbes Jahr später, habe ich keine Erklärung.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
dr.vision Am: 29.10.2018 15:59:39 Gelesen: 19228# 38 @  
@ Magdeburger [#37]

Moin Ulf,

danke für Deinen Beitrag.

Kann es sein, dass der Ausgabestempel als Eingangstempel genutzt wurde? Dann war eventuell der Adressat abwesend und das Paket lag wirklich über ein halbes Jahr.

Aber das wird sich wohl nicht mehr klären lassen.

Beste Grüße von der Ostsee
Ralf
 
Magdeburger Am: 29.10.2018 16:08:43 Gelesen: 19224# 39 @  
@ dr.vision [#38]

Kann es sein, dass der Ausgabestempel als Eingangstempel genutzt wurde?


Hallo Ralf,

eigentlich wäre ein Ausgabestempel erwartbar gewesen - aber vom Datum her unwahrscheinlich.

Dann war eventuell der Adressat abwesend und das Paket lag wirklich über ein halbes Jahr.

Nein, spätestens nach 2 Wochen hätte das Paket zurückgesendet werden müssen. Auch würde es der vorderseitigen Paketausgabe vom gleichen Tage widersprechen.

Mir würde nur eine Doppelverwendung der Ganzsache einfallen. Allerdings wäre die Frage, wie dies hier plausibel erklärbar sein sollte.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
roteratte48 Am: 16.04.2019 09:24:15 Gelesen: 17095# 40 @  
@ Magdeburger [#4]

Guten Morgen Ulf,

darf ich Dir einmal mehr mit einer Frage auf die Nerven gehen? In einer meiner Chaoskisten fand ich den unten abgebildeten Brief, der mich mit einigen Dingen überfordert:

1. Warum wurde der versendeten Dose mit Samtbändern neben einem Brief (auf dem alle Angaben und Stempel ja auch Platz gehabt hätten) ein, dem Brief mit einem Tropfen Leim angehefteten, Begleitzettel mitgegeben?

2. War es üblich, zwei Packkammerstempel anzubringen; rückseitig der K2 und vorderseitig der ovale "Packmeisterstempel"?

Wenn Du die Zeit findest - danke, daß Du mich etwas schlauer machst!

Liebe Grüße - Rolf




 
Magdeburger Am: 16.04.2019 09:46:43 Gelesen: 17090# 41 @  
@ roteratte48 [#40]

Hallo Rolf,

ein Begleitbrief sollte aus einem gefalteten Viertelbogen bestehen - wie es aussieht, war es nicht der Fall. Möglicherweise erfolgte erst später eine Trennung, da auch die vorgeschriebene Petschaft fehlt.

Durch das Anbringen eines "Zettels" rückseitig mit Kleber kann dies so wieder "rechtens" aussehen.

Das Anbringen von mehreren Packkammerstempel ein und derselben Packkammer ist durchaus normal. Die Ankunft des Paketes wurde in diesem Falle zuerst siegelseitig abgeschlagen, vorderseitig die der Paketausgabe.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
roteratte48 Am: 16.04.2019 10:01:05 Gelesen: 17088# 42 @  
@ Magdeburger [#41]

Du hast die Zeit gefunden, Du hast mich schlauer gemacht und das alles innerhalb weniger Minuten! Habe herzlichen Dank dafür !

Liebe Grüße - Rolf
 
10Parale Am: 31.12.2019 21:23:28 Gelesen: 14308# 43 @  
@ Magdeburger

Bei diesem Briefchen las ich auf einem Begleitzettelchen, das vorderseitig ein Packkammerstempel von Hannover sein sollte.

Ich finde zwar einen Stempel von Hannover, der mich an rumänische Fingerhutstempel erinnert vom 2/1 - ist dies aber ein Packkammerstempel?

Vielleicht gibt der dreizeilige Text auf der Briefvorderseite Aufschluss über den Charakter dieses Briefes. Leider kann ich außer einigen Währungsangaben nichts lesen: "Zwei Thaler, dreizehn Groschen und sechs Pfennige Court..."

Die Taxierungen dürften ebenfalls weiteren Aufschluss geben. Der Brief stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist nach Burgsittensen adressiert. Rückseitiger Ankunftsstempel von Sittensen vom 4.1.

Liebe Grüße

10Parale


 
Magdeburger Am: 01.01.2020 06:11:54 Gelesen: 14293# 44 @  
@ 10Parale [#43]

Hallo 10Parale,

oben steht:

Hierauf: Nachnahme ?? Rt 2 13 Gr. 6 Pfennige Cour(an)t
Schreibe: Zwei Thaler , dreizehn Großen, und sechs Pfennige Cour(an)t.

Also ist es ein Nachnahme- bzw. Postvorschußbrief und kein Paketbegleitbrief und somit kann dort kein Packkammerstempel vorhanden sein.

Er sollte auch nach der Währungsumstellung von 1Thaler = 24 Ggr. in 1 Thaler = 30 Groschen (1 Groschen = 10 Pfennige) am 01.10.1858 sein.

PV = 2 Rt 13gr. 6 Pfennige + 15 Pfennige Procura = 2 Rt 15Gr. 1 Pfennige + geraten 3 Groschen Porto = 2 rt 18 Gr. 1 Pfennige.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
JohannesM Am: 01.01.2020 18:51:19 Gelesen: 14261# 45 @  
In Halberstadt gab es Packkammerannahmestempel, ob die Nummern für bestimmte Strecken standen wie von Ulf in #20 beschrieben ist mir nicht bekannt.



Die Nummern 1 bis 3 kann ich belegen:





Dann gab es natürlich den üblichen Packkammerstempel für den Eingang auswärtiger Pakete:



Und natürlich gab es auch die bekannten Ausgabestempel, die ich von N1 bis N5 belegen kann.



Beste Grüße
Eckhard
 
Ameise Am: 04.03.2022 14:04:18 Gelesen: 4021# 46 @  
Hallo,

diesmal ein Packkammer-Stempel Aachen auf einen Paketbegleitbrief von 1855.

"AACHEN / PACKKAMMER"



Das bei diesen Beschriftungswirrwar noch ein Postbote den Überblick behalten hat, grenzt schon an ein kleines Wunder.

Viele Grüße
Enrico
 
Magdeburger Am: 04.03.2022 16:29:59 Gelesen: 4011# 47 @  
@ Ameise [#46]

Hallo Enrico,

Auf der Vorderseite oben steht:

Hierbei ein Packet gez(eichnet) G No 24 auf Gefahr des Absenders.

Neben dem Firmenstempel ist das Gewicht von 5 Pfund 13 Loth notiert worden.
Unten links:
Postvorschuß 3 Thaler 10 Sgr. J.P.Guielloth

Die 3 Thaler 10 Sgr. entsprechen der 100 (Sgr.) in Blau - über Großröhrsdorf erkennt man den roten Auslagenstempel von Aachen, für diese 100 Sgr.

Da nun je vorgeschossenen angefangenen Thaler 1/2 Sgr. Procura zu erheben war, sind dies in Summe 2 Sgr.

Ohne jetzt auf alles einzugehen, ist es so, dass sich für Preussen die Entfernungsstufe (PS) 12 und für Sachsen die der 4. PS ergeben.

Für Preussen berechnet sich es jetzt so:

6 Pfund (ist aufzurunden) * 2 Pfennige * 12 PS = 144 Pfennige = 12 Sgr.

Für Sachsen ist es:

6 Pfund * 2 Pfennige * 4 PS = 48 Pfennige = 4 Sgr.

So ergibt sich nun:

100 Sgr. Postvorschuß + 2 Sgr. ProCura + 12 Sgr. Fahrposttarif Preussen + 4 Sgr. Fahrposttarif Sachsen = 118 Sgr. bzw. Ngr.

Siegelseitig sind 4 Reichsthaler 0 Ngr. 8 Pfennige, also 2 Ngr. 8 Pfennige mehr, was möglicherweise zu die Zustellung zu zahlen war.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Ameise Am: 11.03.2022 22:26:58 Gelesen: 3860# 48 @  
Hallo,

anbei einen Packkammer-Stempel von Elberfeld:



Viele Grüße
Enrico
 
Magdeburger Am: 12.03.2022 09:37:20 Gelesen: 3842# 49 @  
@ Ameise [#48]

Hallo Enrico

ein sehr schöner Begleitbrief! - Das Wort Paq(ue)t hat man nicht mal ausgeschrieben.

Als Gewicht lese ich 1 3/10 Loth - und damit wäre es sehr leicht. Das blaue "Br" = Briefbeutel heißt, dass das Paket in einem solchen Beutel versendet wurde. Der Absender bezahlte die Versendung bar mit insgesamt 5 Sgr.

Ich gehe diesmal etwas genauer auf die Taxierung ein.

Die Versendung fand zwischen Preussen und Sachsen statt. Im Jahre 1854 war die Taxierung über Grenzpostämter zu erheben. Zwischen angrenzenden Staaten wie Preussen und Sachsen gab es hierzu Vereinbarungen, wo der Austausch der Fahrpostsendungen zu erfolgen hatte. Ich habe aus dem sächsischen Postverordnungsblatt vom 27.06.1850 die für das Paket geltende Bestimmung heraus gezogen:



Es wird die Entfernung zwischen Elberfeld und Schkeuditz bestimmt, was ca. 47 Meilen sind und die zwischen Leipzig und Großröhrsdorf. ca. 15 Meilen + 2 Meilen Zuschlag für Leipzig = 17 Meilen. Laut Vertrag waren 2 Pfennige je angerfangenes Pfund von 5 zu 5 Meilen zu zahlen.

So errechnet sich für Preussen:

1 Pfund * 2 Pfennige * 10 (45-50 Meilen) = 20 Pfennige, jedoch mindestens 3 Sgr. (obere Wert)

für Sachsen:

1 Pfund * 2 Pfennige * 4 (15-20 Meilen) = 8 Pfennige, jedoch mindestens 2 Sgr. (untere Wert)

Siegelseitig ist eine Quittung für 6 Pfennige und ein Botenlohn von 8 Pfennige = 14 Pfennige ausgewiesen.

Wofür die Quittung stehen soll, kann ich nicht sagen. Die vorderseitigen blauen Vermerke sind in Elberfeld angebracht worden, siegelseitig in Sachsen (Großröhrsdorf).

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Ameise Am: 18.03.2022 00:45:44 Gelesen: 3725# 50 @  
@ Magdeburger [#49]

Hallo Ulf,

noch einmal danke für Deine Erklärungen.

Anbei ein Packkammerstempel von Frankfurt (Oder):



Viele Grüße
Enrico
 
Ameise Am: 18.03.2022 01:15:21 Gelesen: 3723# 51 @  
Hallo,

hier noch ein Packkammerstempel. Diesmal von Breslau / Schlesien:



Viele Grüße
Enrico
 
Magdeburger Am: 19.03.2022 10:07:54 Gelesen: 3697# 52 @  
@ Ameise [#50]
@ Ameise [#51]

Hallo Enrico,

beim Beleg von Schweidnitz nach Frankfurt/Oder wog das Paket 15 Pfund. Innerhalb Preussen galt 1,5 Pfennige je angefangenes Pfund von 5 zu 5 Meilen, jedoch mindestens das doppelte Briefporto. Die Entfernung beträgt ca. 29 Meilen und damit ergibt sich:

1,5 Pfennige * 15 Pfund * 6 (25-30 Meilen) = 135 Pfennige = 11 1/4 Sgr.

Von Kempen nach Breslau sind es knapp 10 Meilen und das Paket wog 18 Pfund 10 Loth.

Berechnung:

1,5 Pfennige * 19 Pfund * 2 (5-10 Meilen) = 57 Pfennige =4 3/4 Sgr.
Übrigens unter Leopold Frankfurter steht "Spiegelglas Handlung".

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Ameise Am: 05.05.2022 18:57:55 Gelesen: 2489# 53 @  
@ Magdeburger [#52]

Hallo Ulf,

wieder danke für Deine Erklärungen. Für damalige Zeiten war das Porto sicher viel Geld.

Hier nun gleich ein Packetbegleitbrief mit Packkammerstempel von Eilenburg:



Viele Grüße
Enrico
 
Magdeburger Am: 06.05.2022 16:28:07 Gelesen: 2431# 54 @  
@ Ameise [#53]

Hallo Enrico,

wieder ein Beleg zwischen Preussen und Sachsen. Das Paket wog 2 Pfund und das Porto setzt sich aus 1 Sgr. für Preussen und 2 Sgr. für Sachsen zusammen.

Interessant ist jedenfalls dass er ursprünglich "franco" aufgegeben werden sollte, was nicht geschah. Der Beamte in Eilenburg notierte dashalb hier darunter, was ich leider nicht vollständig zusammen bekomme:

"hier nichtsbezahlt
Der Aufgeber hat sich ....
........"

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 

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