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Thema: Belege aus meiner Heimatsammlung Aachen
reichswolf Am: 09.06.2024 19:02:54 Gelesen: 304# 1 @  
In diesem Thread möchte ich in loser Reihenfolge Belege aus meiner Heimatsammlung "Aachen" zeigen. In erster Linie soll es dabei um Belege gehen, die entweder innerhalb der heutigen Stadtgrenzen aufgegeben wurden oder dorthin liefen, aber es wird auch Belege geben, die aus der OPD Aachen (01.01.1850 - 31.12.1870 & 01.01.1876 - 02.03.1943) stammen. Außerdem in geringen Mengen auch andere philatelistische Objekte mit Bezug auf Aachen, z.B. Briefmarken mit entsprechendem Motiv oder auch Belege aus der Fiskalphilatelie. Ich möchte jeden Leser herzlich dazu einladen, eigene Belege hier ebenfalls zu zeigen. Und natürlich bin ich für Anregungen, Korrekturen und Ergänzungen zu meinen Erklärungen nicht nur offen, sondern sehr dankbar.

Den Anfang mache ich mit einem Brief vom 15.03.1798 (Datum auf der Rückseite). Zu dieser Zeit war Aachen bereits seit vier Jahren französisch besetzt, und just 1798 wurde die Departementsgliederung in den besetzten linksrheinischen Gebieten eingeführt. Die Stadt Aachen wurde zur Hauptstadt des Départements de la Roer (103), und der Aachener Generalkommissar der Post Loiff zum Generalpostinspekteur der vier linksrheinischen Departements, wodurch Aachen quasi die postalische Hauptstadt dieses Gebietes wurde. Der in Rot abgeschlagene Aufgabestempel ist daher auf Französisch, er lautet AixlaCh: (Aix-la-Chapelle).



Die mit Rötelstift notierte 4 kann ich nicht erklären, dazu fehlt mir zu viel an Wissen. Allerdings kann ich sagen, dass erst im April 1798 französische Postgebühren eingeführt wurden. Gelaufen ist der Brief über Koblenz (dort befand sich meines Wissens ein französisches Austauschpostamt) nach Langensalza in Sachsen.



LG,
Christoph
 
bayern klassisch Am: 09.06.2024 19:12:40 Gelesen: 292# 2 @  
@ reichswolf [#1]

Hallo Christoph,

was du als "4" liest, ist eine "1-", also 1 1/2 Batzen. Eine Rötel-Taxe, die 1 1/2 Gutengroschen bzw. 6 rheinischen Kreuzern entsprach.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Jürgen Witkowski Am: 09.06.2024 21:57:58 Gelesen: 271# 3 @  
Aachen als Durchgangspostamt nach Belgien und Frankreich

Seit 1727 bestand zwischen Thurn und Taxis und dem Stift Essen ein Postvertrag. Mit dem Frieden von Lunéville gingen für das Haus Thurn und Taxis wesentliche Postgebiete verloren. Dadurch war es veranlasst, mit Frankreich einen Postvertrag abzuschließen. Nachdem der preußische Staat durch einen Spruch des Reichsdeputationshauptausschusses zu Regensburg das ehemalige Fürstentum Essen offiziell annektieren konnte, war die am 14. Dezember 1801 geschlossene Postkonvention am 1. Mai 1803 schon wieder hinfällig. Vor Inkrafttreten des Postvertrages zwischen Thurn und Taxis und Frankreich war Essen in den Jahren 1801 und 1802 Durchgangsbüro und hatte mit Köln und Aachen einen Briefpaketanschluß.

Der am 20. Februar 1802 in Riga geschriebene Geschäftsbrief lief über Hamburg , Essen und Aachen in das seinerzeit von Frankreich annektierte Belgien nach Hodimont, heute ein Stadtteil von Verviers. Vermutlich wurde er als Kaufmannsbrief „per Forwarder“ mit nach Hamburg genommen und dort, wie der Stempel belegt, am T&T Kaiserlichen Reichs-Ober-Postamt als Portobrief (siegelseitige rote Taxierung) aufgegeben. Über Essen ging es weiter nach Aachen, wo er den roten Zweizeiler ESSEN / PAR AIX LA CHAPELLE (aus Essen über Aachen) erhielt. Am Bestimmungsort ist er gemäß handschriftlicher Notiz am 15. März 1802 angekommen.



Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
bayern klassisch Am: 10.06.2024 10:09:20 Gelesen: 244# 4 @  
@ Jürgen Witkowski [#3]

Lieber Jürgen,

ein ganz feines Stück - dein Brief war, nach dem Schmuggel von Riga, "franco Düsseldorf" gestellt worden und die siegelseitige Taxe, die ich als Rötel nicht sicher deuten kann, zeigte, dass jemand in Hamburg dort diesen Betrag für den Brief bezahlt hatte.

Der Empfänger zahlte 3 Decimes Porto ab dem Rhein als Grenze.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
reichswolf Am: 10.06.2024 14:47:56 Gelesen: 206# 5 @  
@ bayern klassisch [#2]

Ganz herzlichen Dank für die Erläuterung!

@ Jürgen Witkowski [#3]

Ein tolles Stück!

Auch meinen nächsten Beleg kann ich leider nicht komplett erklären. Erst einmal die offensichtlichen Dinge:

Der Brief lief am 30.03.1802 von Aachen (bzw. Burtscheid, damals über Aachen postalisch versorgt, heute eingemeindet) nach Schwyz in der Schweiz. Der Aufgabestempel 103 AIX-LA-CHAPELLE ist eines von sechs gleichlautenden Geräten. Vor dem französischen Namen der Stadt steht darin die 103 für die Departementsnummer. Empfänger war Johann Jakob Castell & Cie, heute die St. Jakobskellerei Schuler & Cie AG. Es handelt sich laut der Aufschrift Échantillons sans valeur beim Inhalt des Briefes um Muster ohne Wert, was durch den Brieftext bestätigt wird.

Ob dieser Vermerk nur den Zoll betraf oder auch eine postalische Bedeutung hatte, entzieht sich meiner Kenntnis. Zur Röteltaxe und der schwarzen 46 kann ich gar nichts sagen.





LG,
Christoph
 
reichswolf Am: 10.06.2024 14:51:23 Gelesen: 205# 6 @  
Übrigens gab es einen Grund, warum ich den Thread einfach nur Aachen genannt habe.
 
bayern klassisch Am: 10.06.2024 18:00:05 Gelesen: 176# 7 @  
@ reichswolf [#5]

Hallo Christoph,

der Vermerk mit dem Muster ohne Wert(h) war ein zollrechtlicher, da es nicht angehängt worden war und damit sowieso keine Ermässigung nach sich ziehen konnte.

Die Aufgabepost taxierte den schweren Brief mit 20 Decimes. Die Schweiz reduzierte diese in 40 Kreuzer und addierte ab der Grenze 6 weitere Kreuzer hinzu, so dass der Empfänger 46 Kr. total zu zahlen hatte. Das war eine Menge Geld damals, sogar für die Schweiz.

Wieder ein feines Stück in sehr guter Erhaltung, Glückwunsch!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
reichswolf Am: 15.06.2024 09:20:05 Gelesen: 58# 8 @  
Heute zeige ich einen Brief mit einem waagerechten Paar der MiNr. 19 des Deutschen Reiches, aufgegeben am 07.02.1874 in Aachen, wo die Marken mit einem von drei 1873 - 1875 parallel genutzten Einkreisstempeln ohne Postamtsnummer und UB bzw. Sternen entwertet wurden. Unterscheidbar sind diese Stempel vor allem an der Größe der Inschrift. Einen Tag später erreichte der Brief Burgdorf im Kanton Bern, und am 09.02. am Zielort Biglen (ebenfalls im Kanton Bern), wie die rückseitigen Stempel zeigen.



LG,
Christoph
 
bayern klassisch Am: 15.06.2024 09:51:16 Gelesen: 51# 9 @  
@ reichswolf [#8]

Hallo Christoph,

das Franko wurde zwischen dem Reich und der Schweiz im Verhältnis 60 zu 40 geteilt.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
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