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Thema: Der Postort Aachen (inkl. OPD)
Das Thema hat 93 Beiträge:
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reichswolf Am: 09.10.2024 23:26:31 Gelesen: 9341# 69 @  
@Richard:

Ich habe inzwischen hier im Thread einige Fehler gemacht. Da ich ja immer nur den letzten Beitrag berichtigen kann, wäre ich dir super dankbar, wenn du folgende Fehler korrigieren könntest:

in [#55] hätte ich gerne die beiden Stempeltexte aus Aachen und Berlin in fetter Schrift, so wie es bei allen Stempeln mache
in [#61] ersetze bitte "über Aachen" durch via Aachen (also in kursiv)
in [#63] stimmt der angegebene UB nicht. Statt g müsste es a lauten

Und natürlich sind auch im letzten Beitrag [#68] Fehler. Es ist zum Haare raufen! Es muss Karolus heißen statt Carolus. Und wenn du dann noch "Karls-Apotheke" in kursiv setzt, bin ich glücklich.

[Beitrag redaktionell gelesen am 21.10.2024 um 14:45 Uhr. Leider ist der Verantwortliche noch nicht in der Lage, 24 Stunden täglich zu arbeiten. Ausser Forum gab es in den letzten 24 Stunden 40 Mails zu bearbeiten und zu beantworten, dazu die Vorbereitungen für die Messe Ulm, die heute an erster Stelle standen und weiter stehen, da sie nicht verschoben werden können.]
 
reichswolf Am: 21.10.2024 14:31:15 Gelesen: 9174# 70 @  
@ reichswolf [#69]

Zumindest ein "Nein" wäre schon nett gewesen. Aber egal, da ich jetzt krank zuhause bin, habe ich endlich wiedermal ein bisschen Zeit, hier etwas zu zeigen.

Heute ist das ein Brief aus den letzten Monaten der Franzosenzeit, also der Zeit, in der die deutschen Gebiete links des Rheines ein Teil Frankreichs waren (Vgl. [#1], [#5] und [#26]). Mein Brief ist datiert auf den 19.10.1813. Als Aufgabestempel diente einer der in den genannten Beiträgen bereits erwähnten zweizeiligen Stempel 103 AIX-LA-CHAPELLE in rot. Absender war der Stolberger Pastor Heinrich Simon van Alpen, den der rückseitige Siegelstempel als Mitglied des CONSISTOIRE DES EGLISES REFORMEES CHEF LIEU STOLBERG ausweist (Chef Lieu = Hauptort). Laut [1] wurde er 1815 dann der dortige Konsistorialpräsident, während aus dem Brief hervorgeht, dass er das bereits 1813 war (s. Abb. 4).

"Ein Konsistorium war in der reformierten Kirche Frankreichs ein Rat, der für die spirituelle, moralische und administrative Leitung einer Gemeinde oder lokalen Kirche zuständig war. Es vergab auch die Méreaux, Medaillen, die den Zugang zum Abendmahl ermöglichten, und wählte die Pastoren. Es besteht aus einem Pastor, den Ältesten und gegebenenfalls Diakonen. Die Ältesten sind angesehene Mitglieder der Gemeinschaft, die von der Gemeinschaft gewählt und durch Kooptation erneuert werden. Ihre Aufgabe ist es, auf das Verhalten der Gläubigen zu achten und die Disziplin im Gottesdienst sowie im täglichen Leben zu überwachen. Die Diakonen sind dafür verantwortlich, sich um die Armen und Kranken zu kümmern. Das Konsistorium hat auch die Funktion eines Gerichts, das abweichende Lehren oder moralische Verfehlungen beurteilt. Im 19. Jahrhundert, infolge des Konkordats (Gesetz vom 8. April 1802 oder 18. Germinal Jahr X), wurden nur Kirchen mit sechstausend Seelen anerkannt. Dies führte zur Zusammenlegung mehrerer lokaler Kirchen, um eine konsistoriale Kirche zu bilden, die vom Konsistorium geleitet wird. Letzteres besteht aus dem Pastor und Laien, die aus den wohlhabendsten Mitgliedern ausgewählt werden."[2]

Empfänger des Briefes war der President d'Eglise Consistoriale reformeé in Maastricht. Der Inhalt des Briefes ist zwar sehr gut lesbar, aber ohne weiteren Kontext erschließt sich mir nicht, worum genau es darin geht.

Zur Taxierung kann ich nichts sagen, ich vermute, der Brief hat 8 Centimes gekostet. Auf jeden Fall handelt es sich um einen innerfranzösischen Brief, denn Maastricht war Hauptort des französischen Départements de la Meuse-Inférieure und Stolberg eine Mairie im Département de la Roer.





[1] https://portraits.hab.de/person/131
[2] https://archives.vendee.fr/ark:/22574/glossaire52#:~:text=Le%20consistoire%20est%20un%20des,une%20paroisse%20ou%20%C3%89glise%20locale. (Übersetztmit ChatGpT)
 
bayern klassisch Am: 21.10.2024 15:09:56 Gelesen: 9166# 71 @  
@ reichswolf [#70]

Hallo,

dein Brief wog 15 g, die oben links notiert wurden. Daher kostete er 8 Decimes = 80 Centimes Porto für den Empfänger.

Briefe in Centimes gab es damals nicht; im Prinzip wurden alle manuellen Notationen bzw. späteren Stempeltaxen in Decimes angegeben, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Internationale Gebühren gab es zwar keine, da jede Postverwaltung in ihrer eigenen Währung abrechnete, aber wenn du dir Folgendes merkst, wirst du bald erkennen, ob Centimes, oder Decimes gemeint waren, weil ja jeder Transportleistung Gewicht und Entfernung als bestimmende Faktoren zugrunde lagen:

1 Decime = 3/4 Silbergroschen = 2,8 Kreuzer = 10 Rappen = 1 Decima (Italien) = 5/6 Penny paritätisch.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
reichswolf Am: 21.10.2024 22:43:08 Gelesen: 9130# 72 @  
@ bayern klassisch [#71]

Herzlich Dank Ralph!

Witzigerweise hatte ich auch nach Decimes gegoogelt, denn das ist die Einheit, die ich von deinen stets großartigen Beschreibungen alter Briefe kenne, dann aber hier Centimes geschrieben. Heilige Konzentrationsschwäche, würde Batmans junger Sidekick Robin wohl sagen.

Liebe Grüße
Christoph
 
bayern klassisch Am: 22.10.2024 09:39:43 Gelesen: 9104# 73 @  
@ reichswolf [#72]

Lieber Christoph,

bei einem guten Forum fällt das sofort auf, woanders wahrscheinlich nie und würde bis in alle Ewigkeit falsch dastehen, was viele Sammler dazu bewegen könnte, das Falsche zu übernehmen. Ich lese ja, als Nicht-Aachener, nicht unbedingt alles im Forum über Orte, Gebiete und Länder, die mit Bayern eher, oder rein gar nichts zu tun hatten; aber ab und zu weiß ich auch über solche Stücke etwas zu erzählen, auch wenn sie nicht meine Kernkompetenz betreffen. Daher verbessere ich gerne, wo ich es kann und freue mich auch selbst, verbessert zu werden, wenn ich mal eine "heilige Konzentrationsschwäche" an den Tag lege - niemand ist perfekt, wir sind alle nur Menschen.

Liebe Grüsse und ab jetzt gilt es zu warten auf deine nächste Rosine,
Ralph
 
reichswolf Am: 17.11.2024 19:07:18 Gelesen: 8850# 74 @  
Frisch bei mir eingetroffen ist der folgende Beleg, ein portorichtiges Einschreiben, frankiert mit einer MiNr. 519 und einem senkrechten Paar der MiNr. 520. Aufgegeben wurde der Brief in Konzen über Aachen 1, die Marken wurden am 03.08.1937 entwertet mit dem Tagesstempel AACHEN 1 LAND, der von 1929 bis 1943 in Gebrauch war. Der Einschreibezettel lautet Aachen 1 Land. Zur Poststelle (II) in Konzen kann ich leider keine weiteren Details nennen.

Der Brief ist nach Köln gelaufen und erhielt dort noch am Aufgabetag den Ankunftstempel KÖLN * 1 m.



Konzen ist der älteste Teil von Monschau (erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 888) und liegt unmittelbar an der belgischen Grenze und am Hohen Venn. Von Konzen aus wurden Burg und Stadt Monschau gegründet.
 
reichswolf Am: 01.12.2024 00:49:24 Gelesen: 8754# 75 @  
Heute zeige ich eine Postkarte vom 27.07.1938, deren Marke wie in [#74] mit dem Tagesstempel AACHEN 1 LAND entwertet wurde. Der Landpoststempel lautet diesmal AACHEN-SIEF und ist der erste von fünf Stempeln, die die Bezeichnung Sief im Text führen. Verwendet wurde dieser Stempel laut Bruns/Kaußen von 1930 - 1939.



"Sief war bis zum Ersten Weltkrieg ein Ortsteil von Raeren und wurde im Versailler Vertrag zunächst mit der Gemeinde Raeren an Belgien abgetreten, jedoch aus wasserwirtschaftlichen Gründen am 1. Oktober 1921 an Deutschland zurückgegeben und am 1. November 1922 in die Stadt Aachen eingemeindet. Seither bildet Sief eine der Gemarkungen Aachens. Bei der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen durch das Aachen-Gesetz kam Sief 1972 zum Stadtbezirk Kornelimünster/Walheim." [1]

Bildseitig zeigt die Karte den Nürburgring, der auch im Kartentext erwähnt wird. Falls jemand das x sucht, das laut Text den Platz des Schreibers am Ring bezeichnet: es befindet sich zwischen Fuchsröhre und Adenauer Forst.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Sief
 
Martin de Matin Am: 03.03.2025 21:36:46 Gelesen: 8122# 76 @  
Ich zeige etwas modernes, einem Umschlag für 10 Postzustellungsaufträge von der Stadt Aachen. Für die Gebühr wurden diverse Marken und einem Freistempler verwendet. Die Marken tragen einen Stempel vom 6.1.2004 und der Freistempel (Kennung F732986) mit dem Zusatz "Räumt auf wenn ihr Aachener seit" trägt das Datum vom 6.1.2003.

Wegen der Grösse des Briefes musste ich das Bild aus zwei einzelnen zusammensetzen. Dies führte zu leichten Farbunterschieden und leichten Versatz.



Gruss
Martin
 
Cantus Am: 13.04.2025 23:00:29 Gelesen: 7131# 77 @  
Von mir ein Eilbrief vom 1.Mai 1930 der NEUTEX-Sicherheitsglas GmbH, gelaufen von Aachen nach Bochum.

Anfang der 1930er Jahre war in Deutschland die Neutex-Sicherheitsglas GmbH in Aachen-Forst als alleiniger Hersteller auf die Produktion von schusssicherem Panzerglas (genannt Neutex-Panzerglas)[2] spezialisiert. Im April 1931 wurde dort ein Fall von Industriespionage aufgedeckt: Der Neutex-Mitarbeiter Theodor Pesch wurde verhaftet, weil er „Fabrikationsgeheimnisse über das Herstellungsverfahren des sogenannten Panzerglases an Sowjetrußland verraten und Panzerglas nach dort geschafft haben“ soll.[3] Möglicherweise war dies die Grundlage für die Entwicklung von Triplex in der UdSSR.

Mitte 1931 führte die Deutsche Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen Beschussversuche mit dreischichtigem 20 mm starkem Panzerglas durch, um dessen Attribut „kugelfest“ zu überprüfen. Die mittlere Scheibe blieb bei den verwendeten Kalibern 6,35 mm, 7,65 mm und 9 mm in allen Fällen unbeschädigt. Damals war der Einsatz des Panzerglases für Schalter von Postämtern, Banken usw. sowie für die Verglasung von Autos als „sichere[m] Schutz gegen Geschosse und andere mutwillige Zerstörungsversuche“ vorgesehen [1].





Viele Grüße
Ingo

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Panzerglas
 
Cantus Am: 13.04.2025 23:55:52 Gelesen: 7128# 78 @  
Auf einem Brief, gelaufen am 6.3.1917 von Aachen nach München, findet sich vorderseitig ein Handstempel mit dem Text

Aachen - Stadt / zu / befördern / P. K.

mit dem ich nichts anfangen kann, denn der Brief war ja ein Fernbrief. Was hatte der Stempel zu bedeuten?



Viele Grüße
Ingo
 
Heinz 1 Am: 15.04.2025 09:43:30 Gelesen: 6999# 79 @  
Hallo Ingo,

die beiden Abb. passen nicht zusammen. Die Feldpostkarte ist sicherlich die falsche Abb. zu dem Zensurstempel.

Gruß Heinz
 
reichswolf Am: 11.01.2026 15:29:56 Gelesen: 2473# 80 @  
@ Cantus [#78]

Ab April 1915 wurde die Inlandspost in den Grenzkreisen zum Zwecke der Spionageabwehr zensuriert. Dein Brief (auch wenn wir ihn nicht sehen) sollte dem Zensor nur vorgelegen haben, aber tatsächlich nicht geprüft worden sein. Laut Vorschrift erhielten tatsächlich geprüfte Stücke Stempel, aus deren Text dieser Umstand klar hervorgeht. Allerdings wurde die Anweisung nicht immer korrekt umgesetzt.

Als Beispiel für einen geprüften Beleg mag diese Karte aus CÖLN- MÜLHEIM 1 f nach Aachen vom 23.05.1916 dienen. Hier lautet der rechteckige Postkontrollstempel Aachen Stadt P. K. geprüft und zu befördern.


 
Cantus Am: 11.01.2026 16:52:18 Gelesen: 2455# 81 @  
@ reichswolf [#80]

Danke für die Info.

Viele Grüße
Ingo
 
reichswolf Am: 01.02.2026 17:36:36 Gelesen: 1990# 82 @  
Heute zeige ich einen Weihnachtsgruß auf Postkarte. Die leider defekte Marke der MiNr. 183x trägt zwei Stempel. Erstens den Landpoststempel 22c Berensberg über Aachen 1 und zweitens den Tagesstempel AACHEN 1 LAND l vom Dienstag, den 24.12.1957. Das besondere an der Karte ist aber etwas anderes. Die Karte lief im kleinen Grenzverkehr (vgl. entsprechende Threads), daher ist die Karte mit nur 10 Pfennig frankiert, obwohl der Zielort Bildchen in Belgien (siehe auch die Zusatzangabe La Calamine = Kelmis) lag. Aber auch das ist erstmal etwas völlig normales, wenn auch seltener als "normale" Belege. Was hier wirklich beachtenswert ist, ist der historische Hintergrund des Zielortes Bildchen. Dazu zitiere ich einmal Wikipedia:

Im Wiener Kongress wurde Bildchen 1815 zu einem Bestandteil der zu Preußen gehörenden Gemeinde Preußisch-Moresnet, im Kreis Eupen. Durch den Versailler Vertrag 1919 wurde Preußisch Moresnet Belgien zugesprochen und wurde zu Neu-Moresnet geändert. Im Rahmen von Grenzkorrekturen kam Bildchen 1922 ins Deutsche Reich zurück und wurde zusammen mit anderen zurückgegebenen Gebieten des ehemaligen Kreises Eupen in die Stadt Aachen eingemeindet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam am 2. April 1949 Bildchen zusammen mit weiteren Grenzgebieten, darunter die Orte Leykaul bei Kalterherberg und Losheim bei Hellenthal sowie der Weiler Hemmeres unter belgische Verwaltung. [...] Obwohl sich das Verhältnis zwischen Belgien und der Bundesrepublik Deutschland in den Folgejahren deutlich verbesserte, zogen sich die deutsch-belgischen Verhandlungen über einen Ausgleichsvertrag zu einer endgültigen Grenzregelung jahrelang hin. Es dauerte bis zum 24. September 1956, bis ein neuer Grenzvertrag in Brüssel unterzeichnet wurde, dessen Ratifizierung auf deutscher Seite jedoch erst am 6. August 1958 erfolgte. Schließlich konnten am 28. August 1958 die Grenzanpassungen vollzogen werden und die Gebiete, darunter Bildchen, wieder an Deutschland zurückgegeben werden.
[1]

Die Karte ist also ein Zeugnis der durch mehrere Kriege immer wieder geänderten Grenzverläufe in meiner Heimatregion.



[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bildchen_(Aachen)
 
reichswolf Am: 01.02.2026 17:53:38 Gelesen: 1983# 83 @  
@ reichswolf [#57]

In Ergänzug zum verlinkten Beitrag zeige ich hier noch einen mit Werbung bedruckten Briefumschlag der Firma Leo Lammertz, der am 09.03.1935 von AACHEN 1 a nach Troppau (heute: Opava) in der Tschechoslowakei gelaufen ist. Die Frankatur besteht aus einer MiNr. 515 und einem senkrechten Paar der MiNr. 520, zusammen also aus 35 Pfennig. Die Frankatur erschließt sich mir nicht, Kaufanreiz war aber neben dem Umschlag der Umstand, dass alle drei Marken das Perfin LEO zeigen.

DA die Rückseite leer ist, zeige ich sie nicht.


 
reichswolf Am: 03.02.2026 18:53:31 Gelesen: 1820# 84 @  
@ reichswolf [#82]

Kleine Ergänzung: Berensberg gehört heute zu Kohlscheid, was wiederum zu Herzogenrath gehört. Die dortige Poststelle (II) wurde am 01.09.1929 eröffnet und bestand mit kriegsbedingter Unterbrechung bis zum 31.03.1978 unter verschiedenen Bezeichnungen (Berensberger Straße, Berensberg, Aachen 36).

___________________________________________________________________________________________________________________________

Astenet ist heute ein Ort im im Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens mit ca 600 Einwohnern. Doch von 1815 an war er zunächst preußisch, gehörte dann ab der Reichsgründung zum Deutschen Reich und kam 1920 aufgrund des verlorenen Krieges zu Belgien. Vom 01.01.1850 an gehörte der Ort zur neugegründeten OPD Aachen, bis diese am 31.12.1870 der Oberpostdirektion Köln unterstellt wurde. Dies galt bis zum 01.01.1876, denn ab dann bestand erneut eine OPD Aachen.

Aus diesem Ort schickte am 25.06.1917 der Unteroffizier Hoff eine Ansichtskarte mit Aachener Dom darauf per Feldpost an das Fräulein Hoff in Rostock. Der bei der Aufgabe verwendete Kreisgitterstempel lautet ASTENET * * *.

Wann die Postagentur in Astenet eröffnet wurde, kann ich leider nicht sagen. Im Verzeichnis der Post-Anstalten in Deutschland (Wien, 1899) ist der Ort aber bereits aufgeführt.



Die Karte selbst stammt von der Lithographischen Anstalt, Buch- und Steindruckerei Ostermann & Co., Aachen, Bahnhofstraße 25.
 
preussen362 Am: 03.02.2026 19:42:03 Gelesen: 1801# 85 @  
Da kann ich Dir helfen:

Astenet erhielt eine Postexpedition im Jahre 1870.

In Werner Münzbergs Werk "Preussen, Postgeschichte und Postanstalten 1649-1923", Teil I/A, heißt es hierzu:

ASTENET
Rheinland/Regierungsbezirk Aachen/Kreis Eupen/Gebührenfeld 1649
+Postexpedition II - OPD Aachen (Amtsblatt 30 vom 13.05.1870), ab 1.1.1871 zur OPD Köln, Postamt III ab 1.1.1876 zur OPD Aachen (Amtsblatt 1 vom 10.01.1876), nun Agentur (Amtsblatt 63 vom 03.12.1884) , an Belgien (Amtsblatt 3 vom 14.01.1920)


(Abkürzungen von mir teilweise ausgeschrieben)

Viele Grüße,
Andreas
 
reichswolf Am: 05.02.2026 23:36:03 Gelesen: 1685# 86 @  
@ preussen362 [#85]

Danke für die Information, ist direkt notiert!

Liebe Grüße,
Christoph
 
reichswolf Am: 15.02.2026 01:36:23 Gelesen: 1293# 87 @  
Heute zeige ich einen einfachen Brief vom 17.05.1938 nach Köln-Braunsfeld. Frankiert wurde der Brief mit dem Zusammendruck S155 mit anhängendem Rand (ändert der eigentlich etwas am potentiellen Preis?). Dieser wurde entwertet mit dem Serienstempel AACHEN 1 b 1933 - 1938 5 Jahre Reichsluftschutz- bund! 5 Jahre Einsatz für Deutschland!. Diesen Werbeeinsatz gab es in Aachen auch in Kombination mit mindestens einer weiteren Stempelkrone, dem Zweikreisbrückenstempel AACHEN 1 c. Davon liegt mir jedoch kein Exemplar vor.



Liebe Grüße,
Christoph
 
reichswolf Am: 01.03.2026 11:55:59 Gelesen: 676# 88 @  
Heute zeige ich einen Brief, den komplett zu beschreiben mir etwas Probleme macht. Aber fangen wir mit dem an, was mir klar ist. Aufgegeben wurde der Brief wahrscheinlich am 12. Thermidor XIII (französischer Revolutionskalender), was dem 31.07.1805 unseres Kalenders entspricht. Aufgabeort war Lüttich, damals Hauptort (chef-lieu) und Sitz der Präfektur des Département de l’Ourthe. Dieses Département gehörte seit Oktober 1795 zu Frankreich. Der Aufgabestempel lautet 96 LIÉGE, zeigt also die Département-Nummer und den französischen Namen der Stadt.

Der Absender war le Conservateur des Eaux et Forêts (die Verwaltung von Gewässern und Wäldern). Leider ist der entsprechende Stempel auf der Rückseite nur fragmentarisch erhalten geblieben.

Nicht ganz klar ist mir der Laufweg des Briefes. Wenn ich den Vermerk links oben richtig lese, wurde das Porto bis Juliers (Jülich) bereits vom Absender gezahlt. Von da sollte es dann nach Aachen (Aix-la-Chapelle) im Roer-Département gegangen sein. Dort scheint der Empfänger aber nicht gewesen zu sein, weshalb der Brief ihm nachgesandt wurde. Diese Weiterleitung dokumentiert der rückseitige Stempel DÉB. AIX-LA-CHAPELLE. Aber wohin ging es dann? Und sehe ich das richtig, dass der Brief dann letztlich doch nach Aachen ging, dann aber an einen anderen Empfänger, der laut Vermerk rechts oben Angestellter der Präfektur in Aachen war?

Auch sonst bin ich für Anmerkungen und Ergänzungen dankbar.





Wie man erkennen kann, wurde der Brief innen bereits ein wenig geflickt. Das verwendete Material scheint mir ähnlich sein wie Tesafilm. Sollte ich mich darum kümmern, und wenn ja, was sollte ich tun?

LG,
Christoph
 
reichswolf Am: 03.03.2026 13:26:20 Gelesen: 522# 89 @  
Aachen war lange ein wichtiger Ort für die Produktion von Stoffen, aber auch Nadeln wurden in der Region sehr gute gefertigt (vgl. [#52] und [#57]).

Zeugnis davon geben zahlreiche Belege von entsprechenden Firmen. Vorstellen möchte ich heute einen eingeschriebenen Brief vom 16.11.1950. Die Frankatur besteht aus einem senkrechten Dreierstreifen der MiNr. 85. 20 Pfennig davon waren das Briefporto, 40 Pfennig die Einschreibegebühr. Entwertet wurden die Marken mit dem Stempel AACHEN 5 k, trotz der Form ein Nachkriegsstempel. Im Gegensatz zum Einschreibezettel trägt der Stempel aber noch nicht die Postgebietsleitzahl 22c.

Gelaufen ist der Brief nach Frankfurt am Main, wo er noch am gleichen Tag ankam und rückseitig den Stempel (16) FRANKFURT (MAIN) 1 bx erhielt.

Dort findet sich auch ein Klebesiegel der Firma J. van GÜLPEN K.G. AACHEN . Eingetragene Schutzmarke seit 1875 . Zum Firmengründer findet sich ein Eintrag in der Wikipedia [1].

Empfänger war die Hauptleitung der Kleiderkasse der deutschen [sic!] Bundesbahn. Diese erhielt auf diesem Wege ein zeitlich befristetes Angebot auf Oberstoffe für Dienstkleidung.



[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_van_Gülpen

LG
Christoph

(Der Vollständigkeit halber aus dem Kleidung und Wäsche - Rohmaterial, Herstellung, Vertrieb-Thread hierher kopiert)
 
reichswolf Am: 04.03.2026 12:37:01 Gelesen: 451# 90 @  
Die Firma Aachener Tuchversand Matthias Reiners sandte am 06.03.1938 die heutige Werbepostkarte nach Bad Homburg v.d. Höhe. Frankiert wurde die Karte mit einer MiNr. 513 zu drei Pfennig, die Karte liefe also als Drucksache. Entwertet wurde die Marke mit dem Maschinenwerbestempel AACHEN 1 b RHEUMA - GICHT - ISCHIAS BAD AACHEN. Im Text werden Stoffmuster angepriesen.

Der Empfänger stempelte am 10.03. die Karte als eingegangen.

Matthias Reiners wurde am 24.02.1886 in Mönchengladbach geboren und ist am 04.02.1975 in Aachen verstorben. Seine Firma überlebte ihn nur um wenige Jahre.



LG
Christoph

(Der Vollständigkeit halber aus dem Kleidung und Wäsche - Rohmaterial, Herstellung, Vertrieb-Thread hierher kopiert)
 
reichswolf Am: 05.03.2026 08:29:34 Gelesen: 373# 91 @  
Noch ein Beleg zur Aachener Tuchindustrie: eine Warenprobe vom 17.09.1958, mittels Absenderfreistempel (22c) AACHEN 1 DEUTSCHE BUNDESPOST FEINTUCH-MARKE AarEdel ADLER-RING-TUCHE • HERVORRAGENDE QUALITÄT • FRITZ HERRMANN KG mit 15 Pfennig korrekt frankiert. Gelaufen ist diese nach Unterhausen in Württemberg, heute ein Ortsteil von Lichtenstein. Empfänger wäre ein Damenmodengeschäft gewesen, doch laut rückseitigem Vermerk war die Firma erloschen.

"Die Fritz Herrmann KG hatte vor dem Zweiten Weltkrieg ihren Hauptsitz in Görlitz gehabt. 1952 nahm sie aufgrund der politischen Umstände die Produktion von feinen Kammgarnstoffen in Aachen wieder auf. Die neue Adresse war mit Bedacht gewählt, da die Aachener Tuchindustrie seit Jahrzehnten für ihre Kammgarntuche bekannt war, die Firma also von dem überregionalen Renommee des Standortes profitierte. Allerdings konnten weder der gute Ruf noch die unbestrittene Qualität der Produkte verhindern, dass auch die Aachener Tuchfabriken in den Sog des allgemeinen Niedergangs der deutschen Tuchindustrie gerieten. Zahlreiche Firmen mussten im Verlauf der letzten Jahrzehnte die Produktion einstellen. 1992 war das Ende auch für die Fritz Herrmann AG gekommen." [1]

Unter der Anschrift Stromgasse 42-50 finden sich in Aachen heute Wohnungen.



LG,
Christoph

[1] https://industriemuseum.lvr.de/de/sammlung/sammlung_entdecken/unternehmen___ihre_produkte/postkartenserie__aaredel_feintuche_/aaredel_feintuche_1.html

(Der Vollständigkeit halber aus dem Kleidung und Wäsche - Rohmaterial, Herstellung, Vertrieb-Thread hierher kopiert)
 
Dieter 66 Am: 05.03.2026 22:28:51 Gelesen: 295# 92 @  
Hallo,

Eine Barfrankatur des Finanzamt Aachen an die Firma Venten & Co., Tuchgroßhandlung, Aachen Jülicherstr. 120.

Auf Grund von Markenmangel wurden auch Paketstempel eingesetzt, um die Barfreimachung zu bestätigen. Das Aachener Postamt 1 verwendetet ein Paketstempel vom Postamt 7. Datum und Stundenangabe wurden entfernt, da der Stempel nur die eigentliche Freimachung zu dokumentieren hat. Zusätzlich wurde der Beleg mit einem Tagesstempel 9.4.46 abgeschlagen.

Noch vorhandene Briefumschläge mussten entnazifiziert werden. Entweder wurde der Reichsadler mit schwarzer Farbe unkenntlich gemacht, oder wie in diesem Fall mit Papier verdeckt.

Nähere Infos über die Fa. Venten & Co. konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Waren aber sicherlich auch ein Teil der Aachener Tuchindustrie.



Schönen Gruß Dieter.
 
reichswolf Am: 08.03.2026 13:44:17 Gelesen: 64# 93 @  
Wie gesagt, in Aachen machte man auch Nadeln, nicht nur Stoffe. Einen Brief dazu vom 27.06.1938 möchte ich heute zeigen. Freigemacht mittels Absenderfreistempel AACHEN 1 DEUTSCHES REICH ENFA Nadelfabriken Aachen lief der Brief nach Leipzig.

Der Umschlag gibt mehr über den Absender preis, es handelte sich um die

Aachener Nadelwerke, Simons & Reumont, G.m.b.H.
Aachen Reichsweg 19 - 42
.

Da die Rückseite blank ist, verzichte ich aufs Zeigen.



LG,
Christoph
 

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