Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: Zeppelinpost der frühen Luftschiffe
aviator Am: 12.10.2024 19:55:53 Gelesen: 1695# 1 @  
Zeppelinpost und wie alles am 2. Juli 1900 mit dem Ersten Aufstieg von LZ1 begann

Natürlich hatte Graf Zeppelin an diesem 2. Juli 1900 andere Probleme als bei seinem Ersten Aufstieg an die Beförderung von Post für uns Sammler zu denken. Da dieser Aufstieg letztendlich nur knapp 20 Minuten dauerte und ausschließlich über der Wasserfläche des Bodensees stattfand, wäre ein Abwurf von Post somit auch „buchstäblich ins Wasser gefallen“. Erst der Monteur Laburda begann Jahre später mit den Abwürfen von Grußkarten die Ära der Zeppelinpost.

Es gibt aber frühe Zeppelin-Ansichtskarten verschiedener Motive und Verlage zu diesem Ereignis, die bereits ab den letzten Monaten des Jahres 1899 verwendet wurden. Geplant und auch propagiert war der Erstaufstieg von LZ1 aber eigentlich schon für den 30.Juni 1900. Auf einer dieser Ereigniskarten, geschrieben an diesem Tag in Friedrichshafen und nach Münchweilen (Thurgau) in die Schweiz gesendet steht bildseitig der Text: „Luftschiff geht erst 5 Uhr abends in die Höhe! Herzliche Grüsse sendet Euch von Friedrichshafen aus Onkel Adolf u. Fanny“.



Viele Schaulustige waren gekommen, da jedoch die Befüllung mit Gas zu lang dauerte wurde der Aufstieg auf den kommenden Tag verschoben. Auch an diesem 1. Juli standen wieder viele Menschen am Ufer um das Ereignis zu sehen. Schlechtes Wetter mit starken Winden machten einen Aufstieg zu riskant und es wurde wiederum um einen Tag nun auf den 2. Juli 1900 verschoben.

Mit etwas Glück und Geduld lässt sich auch einmal eine dieser Ereigniskarten genau vom 2. Juli 1900, die im Michel Zeppelin- und Flugpost-Spezial-Katalog unter der Nummer 1) registriert ist finden.



Geschrieben in Lindau an diesem denkwürdigen Tag und gesendet nach Waldkirch in die Schweiz waren die Schreiber anscheinend mit dem Schiff von Rorschach kommend über Lindau nach Bregenz unterwegs. Leider etwas zu weit entfernt um den Aufstieg beobachten zu können. Pech für die Leute damals, aber immerhin wurde das Interesse am Zeppelin durch die Verwendung dieser Ereigniskarte bekundet. Schade auch für den Sammler von heute, dem natürlich eine Karte vom Tag des Ersten Aufstieges genau von „vor Ort“ viel lieber gewesen wäre.

Das es doch noch besser geht belegt die nachfolgende Ereigniskarte von Friedrichshafen gestempelt am 2. Juli 1900 5-6N mit bildseitigem Text: „Heute soll der Aufstieg erfolgen. Wollen mal sehen“.

Genau wie an den beiden Tagen zuvor säumten auch wieder viele Schaulustige das Seeufer, oder versuchten von Boten aus das Geschehen zu verfolgen. Sie mussten sich lange gedulden, denn erst kurz nach 20 Uhr war der Erste Aufstieg endlich geglückt.



Zur Zeit der Abstempelung dieser Ereigniskarte gegen 18 Uhr wurde das Luftschiff gerade aus der schwimmenden Halle gezogen um sich zwei Stunden später in die Lüfte zu erheben. Das Ausharren des Schreibers damals und das Suchen des Sammlers von heute wurden belohnt. Der Schreiber mit dem Anblick des ersten Zeppelins über dem Bodensee und der Sammler mit einer Zeppelin-Postkarte vom Ersten Aufstieg des LZ1. Meine persönliche kleine Nr.1 und der schöne Beginn einer Sammlung.

Angebliche Abwurfpost (Fälschungen) zu diesem ersten Aufstieg habe ich persönlich bisher noch nicht gesehen. Der Altmeister der frühen Zeppelinpost mit ihren Fälschungen, Wolfgang Hacker hat aber eine Fälschung dazu abgebildet. In seinem „Philatelistischen Forschungsbericht Heft 2“ von 1961 ist auf Seite 8 eine gefälschte Karte mit entsprechender Beschreibung dazu abgebildet.



Dieser „Philatelistische Forschungsbericht Heft 2“ von Wolfgang Hacker ist absolut empfehlenswert, hat mir persönlich schon sehr gute Dienste geleistet, aber leider nur noch sehr schwer zu finden. Falls doch, kostet es kaum mehr als 10,- Euro!

Andere Fälschungen, auch zur frühen Zeppelinpost, habe ich hier im Forum unter „Fälschungen zum Schaden der Sammler“ beschrieben und abgebildet. Das alles findet Ihr auch hier im Forum. Diese Infos können sehr viel Ärger und finanzielle Verluste ersparen.

Mit besten Grüßen,

Aviator
 
hajo22 Am: 13.10.2024 16:45:10 Gelesen: 1652# 2 @  
Brief der amerikanischen Botschaft Berlin vom 25.4.1936 nach Washington D.C. frankiert mit 1,25 RM gestempelt Frankfurt a.M. Auslandsstelle Bahnpost: 25 RPf. für den Auslandsbrief und 1 RM für Luftpost per Zeppelin (Roter Stempel Deutsche Luftpost Europa-Nordamerika).

Ankunft New York 9.5.1936.



Schönen Sonntagnachmittag,
hajo22
 
Dulfen1 Am: 13.10.2024 22:56:57 Gelesen: 1618# 3 @  
Moin,

passt evtl. nicht ganz ganz in Dein Thema "Zeppelinpost der frühen Luftschiffe", aber irgendwie doch. :)

Vor genau 100 Jahren überführte Hugo Eckener die "Z.R.3" als Reparationszahlung nach Amerika. (Die spätere "Los Angeles")

Hier ein früh eingelieferter Brief aus Braunschweig vom 29.07.1924. (versendet über BEHRENS Briefmarkenhandlung)

Die Z.R.3 startete am 12.10.1924 von Friedrichshafen aus nach New York, landete in Lakehurst. Ankunftstempel New York vom 15.10.1924



Gruß Ulf
 
aviator Am: 15.10.2024 20:39:21 Gelesen: 1564# 4 @  
Ja Ulf, da hast Du natürlich recht, dass es eventuell nicht so ganz zu den frühen Luftschiffen passt. Aber schon „12 Jahre besser“ als der Brief von LZ 129 „Hindenburg“ von hajo22. Dazu kommt bei dem Reparations-Luftschiff ZR3 der Umstand, dass Eckener mit diesem Deal die Zeppelinwerft wirklich gerettet hat. Ohne den „ergatterten Auftrag ZR3“ hätte es sehr wahrscheinlich keine Nachfolger Luftschiffe gegeben und das wäre doch ein Jammer für uns Sammler gewesen!

Zeppelinpost vom Luftschiff LZ2 ist bisher noch keine bekannt geworden und zu diesem „LZ2 Pechvogel“ gibt es auch wirklich nicht viel zu sagen. Am 30.11.1905 nur ein Aufstiegsversuch und Luftschiff beschädigt. Am 17.01.1906 noch ein Fahrtversuch, aber im Sturm abgetrieben. Deshalb im Allgäu bei Kißlegg mit „harter Landung“ gestrandet, dieses Mal übel beschädigt und abgerüstet. Einige Teile konnten aber noch für den Bau von LZ3 (ZI) verwendet werden.

Da es so wenig zu LZ2 zu berichten gibt, füge ich kurz „abschweifend“ noch eine Kleinigkeit vom „Deutschen Verein für Luftschiffahrt“ mit ein. Da diente „Seine Hoheit, Prinz von Sachsen Altenburg“ als Major in Potsdam und bekam im Februar 1903 die unten abgebildete Einladung geschickt.



Abgebildet die Einladung des Deutschen Vereins für Luftschiffahrt zur 225. Vereins-Versammlung für den 23. Februar 1903 an „Seine Hoheit, Prinz von Sachsen Altenburg“, der als Major in einem Regiment in Potsdam diente. Mit Poststempel von Reinickendorf (West) 19.2.03. Der Verein hatte also bereits im Februar 1903 seine 225. Versammlung! Besonders bemerkenswert ist auch der Zusatz am Unterrand der Karte, dass nicht nur Gäste, sondern auch Damen als Gäste willkommen waren. Die „Herren Luftschiffer“ hatten bestimmt vergessen (oder verdrängt), dass es zu dieser Zeit auch schon einige sehr erfolgreiche Damen als Ballonfahrer gab. Die Herren mussten es damals eben noch lernen!

Mit beste Grüßen,

Aviator
 
Totalo-Flauti Am: 15.10.2024 21:15:25 Gelesen: 1556# 5 @  
Lieber Aviator,

vielen Dank für das interessante Thema. Leider kann ich nicht viel dazu beitragen, mangels Material. Sei mir bitte nicht böse, aber mein Foto ist auch eher off-Topic. Ich weiß auch nicht, ob ich es hier im Forum schon mal gezeigt habe, auf die Schnelle hab ich es nicht gefunden.

Die Aufnahme stammt vom 23.10.1913. Abgebildet ist eine Gruppe von Besuchern, die aus der Kanzel des Luftschiffes Sachsen schauen. Das ganze ist noch in der Luftschiffhalle von Leipzig aufgenommen worden. Ich weiß auch nicht, ob an diesem Tag eine Fahrt durchgeführt wurde.

Mit lieben Sammlergrüßen und in der Hoffnung gnädiger Aufnahme meines Beitrages
Totalo-Flauti.


 
aviator Am: 16.10.2024 09:41:55 Gelesen: 1538# 6 @  
Hallo Totalo-Flauti,

und Dir danke für das schöne Foto. Werden aber keine Besucher, sondern die Passagiere gewesen sein.

Bis zu LZ 17 „Sachsen“ wäre noch etwas Zeit gewesen, aber das gehört zu den frühen Luftschiffen.

An dem 23.10.1913 war eine Rundfahrt über Leipzig. Über Kilometer, Uhrzeiten und Anzahl der Passagiere fehlen mir leider Infos. Am 25.10.1913 war bereits die Überführungsfahrt von Leipzig nach Dresden. Dort am 26.10.1913 die 200. Fahrt mit Passagieren auf einer Dresden Rundfahrt usw..

Kurz vorher am 20.10.1913 ist die Sachsen schon einmal zur „Haidafahrt“ unterwegs gewesen, aber abgebrochen und später am 5.11.1913 noch einmal erfolgreicher ab Dresden wieder dahin.

Diese „Haidafahrt“ ist ein kleines, aber interessantes Sammelgebiet für sich innerhalb der „Sachsen“.

Mit besten Grüßen,

Aviator
 
aviator Am: 18.10.2024 20:07:45 Gelesen: 1477# 7 @  
Zeppelinpost vom Luftschiff LZ3 (ZI) ist bekannt, entsprechend in den Katalogen von Sieger und Michel auch gelistet. Diese Infos und Auflistungen aus diesen Katalogen möchte ich nicht nochmals hier wiedergeben, denn das kann jeder Interessierte dort selbst gut lesen. Ich halte mich da an dem, was ich in meinem privaten Archiv an Infos und Kopien zusätzlich zu den Katalog Auflistungen habe. Bei der Probefahrt, am 25.9.1907, war der Monteur Laburda der Erste, der mit einer Abwurfkarte mit (Bodensee)Schiffspoststempel vom 27.9.1907 die „Ära“ der Zeppelinpost begann.



Eine weitere Karte des Monteur Laburda von einer Bodenseefahrt am 29.10.1908 ist im Sieger S.14 erwähnt als: „Abwurfkarte ohne postalische Beförderung“. Zu dieser Karte gibt es eine Exp. von Dr.Simon. Laburda hat mehrere Karten unterschiedlicher früher Luftschiffe mit seinem Anschriftstempel versehen und „An den Finder“ abgeworfen.

Diese Karten sind echt beförderte Abwurfkarten(!), nur ohne Anschriften, denn die waren immer an den (glücklichen) Finder zum „Selbstbehalt“ gerichtet und den kannte er natürlich beim Abwurf nicht. Wohl dem Glücklichen, der davon eine gefunden hat!!



Eher weniger bekannt sind da ein Augenzeugenbericht und die von Hacker geschriebenen Karten. Die Karte vom 24.9.07 ab FH nach Schwelm als Augenzeugenbericht war bei Felz.37e in 2023/10361. Dazu bei Felz.178 in 2023/422 eine von Hacker am 26.9.07 persönlich beschriebene Bildkarte. Bei der Auktion Leipzig.175 in 2018/1 eine Karte von Hacker an seine Frau. Bei der Auktion Nordphila.492 in 2023/1732 ebenfalls eine von Hacker persönlich beschriebene Bildkarte.





Im November 1908 wurde LZ3 als ZI vom Heer übernommen und führte militärische Probefahrten durch. Im Michel unter 3 B)b ist aus dieser Zeit eine Abwurfkarte Neunkirchen gelistet, die auf mehreren Auktionen angeboten wurde. Bei Deider.35, Deider.39 (je unverkauft), Rauhut.132 mit Zuschlag 540€ und Kiel.65 in 2019/2573 mit Zuschlag 920€.



Ob diese Karte eine 100% Abwurfkarte ist, sollte aber jeder nach Lesen des Schreibens der „Luftschiffbau Zeppelin“, in dem nur bestätigt wird, dass es diese Fahrt an diesem Tag gab, selbst ermessen. Dazu habe ich noch eine Karte aus einer Expertise von Dr.Simon in meinem Archiv, die sehr wahrscheinlich eine Postabgabe in FH am 23.Apr. 1909 nach der Landung einer Probefahrt ist. In FH selbst wurde nichts mehr abgeworfen, sondern nach der Landung abgegeben. Sind daher auch echt beförderte Karten.



Dazu habe ich in meinem Archiv noch 5 Barographen Kurven registriert. Die da wären:
Barographen-Kurve Militärische Übungsfahrt (2) 10.3.09 / Peter Hagedorn 1909/S.12
Barographen-Kurve Höhenfahrt bis 1420m / 13.3.09 / Peter Hagedorn 1909/S.12
Barographen-Kurve Rückfahrt ZI von München / 2.4.09 / Peter Hagedorn 1909/S.13
Barographen-Kurve Rückfahrt Überführungsfahrt / 9.5.09 / Peter Hagedorn 1909/S.14
Barographen-Kurve Militärische 1.-3. Fahrt 9.3.09 / Köhler.383 in 2024/5310 mit Zuschlag 1700€







Fälschung ist aber auch hier ein Thema, obwohl ich bisher nur eine gefälschte Karte registrieren konnte. Und damit sind wir auch schon wieder bei der Studie des Wolfgang Hacker von 1961! Wolfgang Hacker sah diese Karte in einer Sammlung, die bei einer Ausstellung gezeigt wurde und hätte diese gefälschte Karte wohl am liebsten sofort entfernen lassen. Der Grund war, dass diese angeblich von seinem Vater Kapitän Hacker an seine Mutter Frau Kapitän Hacker und an ihn selbst mit den Worten: „u. Luftschiffer Filius Wolfg.(ang)“ gerichtet war! In seinen Augen natürlich eine absolute Unverfrorenheit, wie durch dieses (Fälscher)Machwerk der gute Name seinen Vaters, einem hoch geehrten und verdienten alten Luftschiff Kapitän derartig missbraucht wurde. Meiner Meinung nach wäre da mit Sicherheit auch jedem Anderen der „Kragen geplatzt“!



Mit besten Grüßen,

Aviator
 
Totalo-Flauti Am: 03.08.2026 21:42:29 Gelesen: 74# 8 @  
Liebe Sammlerfreunde,

entschuldigt bitte, aber auch dieser Beitrag von mir ist wieder off topic. Die von mir unten gezeigte Postkarte vom 16.07.1913 aus Volkmarsdorf nach Oberoderwitz hat bis auf die Bildseite mit dem Luftschiff LZ 17 "Sachsen" mit einer Zeppelinfahrt nichts zu tun. Der rote Stempel ist privater Natur und die Erfindung eines Gastwirts, der in der Nähe des Luftschiffhafens Leipzig sein Lokal hatte. Der rote Stempel vom 15.07.1913 dokumentiert allein den Kauf der Karte in der Gastwirtschaft.

Aber da der Stempel im Sieger-Katalog Erwähnung fand, kann man ihn sicherlich in diesem Zusammenhang auch hier zeigen. Übrigens fand weder am 15.07. noch am 16.07. eine Fahrt der "Sachsen" statt. Sie lag trocken in der Luftschiffhalle.

Mit lieben Sammlergrüßen
Totalo-Flauti.


 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht  
 
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.