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Thema: Österreich Perfins bestimmen
Nicky Am: 27.12.2024 01:54:59 Gelesen: 1238# 1 @  
Hallo Sammlerfreunde,

ich habe wieder ein Perfin gefunden und würde gerne wissen, welche Geschichte sich dahinter verbirgt.

Vielen Dank,
Mit besten Sammlergüßen
Nicky


 
BANANA60 Am: 27.12.2024 06:04:20 Gelesen: 1219# 2 @  
@ Nicky [#1]

Dieses Perfin ist von der Fa. G. WINIWARTER, eine Bleche- und Bleiwarenfabrik.

Firmensitz: Wien 1, Getreidemarkt 8
Dazugehörende Firmen waren: J. Ulrich in Budapest, Berlin und Agram
Verwendung von 1899 bis 1935
Lochzahl 20 + 28

Liebe Grüße
Harald
 
Reini46 Am: 17.06.2026 14:38:07 Gelesen: 646# 3 @  
Hallo,

ich hoffe mein Beitrag ist hier richtig.

Bei der gestrigen Auktion im Dorotheum Wien wurde auch ein Brief aus dem Jahr 1876 mit einer 10 Kreuzermarke der Ausgabe 1867 versteigert mit der Lochung der Gutsverwaltung Wertheimer in Ranshofen.

Mit meinem Gebot von € 420,- habe ich keinen Erfolg gehabt - € 440,- war das höchste Gebot.

Grüße

Reini46

[Beitrag redaktionell verschoben aus dem Thema "Perfins - Was sammeln, wie sammeln, Aufbewahrung, Kataloge und mehr"]
 
Richard Am: 18.06.2026 12:26:31 Gelesen: 542# 4 @  
@ Reini46 [#3]

"ich hoffe mein Beitrag ist hier richtig."

Das gewählte Thema war nicht richtig. Ob der Beitrag hier am besten platziert ist kann erst bestimmt werden, wenn der Beleg (am besten mit beiden Seiten) abgebildet ist und natürlich die Perfin Frankatur.

Schöne Grüsse aus dem heissen Allgäu, Richard
 
Perfin Fan Am: 18.06.2026 12:42:44 Gelesen: 536# 5 @  
@ Reini46 [#3]

Bitte unbedingt zeigen - es ist weder ein Perfin aus Ranshofen noch von der Gutsverwaltung Wertheimer bekannt. Zudem kommt mir das Datum 1876 auch sehr seltsam vorkommt, da die bislang älteste Lochung laut Sand-Katalog von 1877 datiert. Früher waren sie in Österreich meines Wissens auch gar nicht zugelassen. Ein 76er Perfin wäre also nicht nur ungewöhnlich, sondern eine echte Sensation.
 
Perfin Fan Am: 18.06.2026 12:53:47 Gelesen: 530# 6 @  
Hab sie schon gefunden.

Also wenn das keine Fälschung ist, weiß ich's auch nicht. Eben aus den genannten Gründen, dass es zu früh ist, nicht eine einzige andere Lochung dieses Verwenders bekannt ist und vor allem schaut der Stempel über der Marke sehr, sehr seltsam aus. So, als wäre das N nachgezeichnet worden.



Zudem ist die Lochung auch nicht wirklich zu identifizieren - ein F, wie im Auktionskatalog beschrieben, ist das auf keinen Fall. Möglicherweise eine Doppellochung, aber dazu muss ich mir die Löcher noch genauer anschauen.


 
Reini46 Am: 18.06.2026 15:21:47 Gelesen: 508# 7 @  
@ Perfin Fan [#6]

Hallo Perfin Fan,

Post der Wertheimer ist aus allen Epochen reichlich noch da.

Daß nur ein einziger Brief mit Lochung existiert ist mehr als seltsam.

Grüße

Reini46
 
Torsten Grunwald Am: 18.06.2026 20:28:35 Gelesen: 476# 8 @  
@ Reini46 [#3]

Hallo Reini46,

vielleicht war es gut, dass Du das Los nicht bekommen hast, ich halte den Beleg zu hoher Wahrscheinlichkeit für verfälscht.

Ferndiagnosen mache ich nicht gerne, hier denke ich aber das die Marke ausgetauscht wurde, die richtige befand sich an gleicher Stelle, nur etwas tiefer.

Am Original könnte man es aber sicher leicht feststellen.

Grüße
Torsten
 
Perfin Fan Am: 19.06.2026 08:59:11 Gelesen: 440# 9 @  
@ Torsten Grunwald [#8]

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass hier gar nicht mit einer einzelnen Lochstanze (z. B. eine Uhrmacher-Triebnietmaschine), sondern - wie mir Gerhard Sand vor einigen Jahren mal erklärt hat - für die Fälschung einfach eine normale Nähmaschine verwendet wurde.

Das könnte die seltsamen, knapp nebeneinander liegenden Löcher oben erklären. Da hat der Fälscher wohl die Maschine unabsichtlich ein-, zweimal zu viel "lochen" lassen.

Man sollte hier sowohl das Dorotheum bzw. den dortigen Prüfer sowie natürlich den Käufer darauf aufmerksam machen, dass er das Stück unbedingt nochmals prüfen lassen soll - da müsste dann ohnehin aufkommen, ob der Stempel verfälscht wurde oder die Marke gar nicht an der ursprünglichen Stelle angebracht ist.
 
Richard Am: 19.06.2026 15:55:42 Gelesen: 409# 10 @  
@ Perfin Fan [#9]

Wie wäre es, wenn Du bitte einen Link auf das Los zeigst ?

Schöne Grüsse, Richard
 
Torsten Grunwald Am: 19.06.2026 18:04:17 Gelesen: 384# 11 @  
@ Richard [#10]

Hallo Richard,

ein Link zu dem Los ändert nichts, es ist oben schon gut abgebildet.

Das Los wurde verkauft und die Sache ist erledigt, solange der Käufer nicht seine Rechte wahr nimmt.

Wenn unsere Vermutungen richtig sind, sollte er es selbst sehen. Ein Prüfer kann nur die Manipulation feststellen, die Lochung prüft keiner.

Man sollte immer vorsichtig sein und bei Lochungen / Perfins Briefe bevorzugen, nur dann ist man auf der sicheren Seite.

Vor einem Monat wurde gerade eine Handstanze in Belgien versteigert, es ist ein leichtes damit nun reichlich Fälschungen zu produzieren und Verwirrung zu stiften.

Torsten
 
Perfin Fan Am: 19.06.2026 20:19:36 Gelesen: 361# 12 @  
@ Richard [#10]

Bringt nix, aber bitte gern:

https://www.dorotheum.com/de/l/10149220/
 
Perfin Fan Am: 22.06.2026 09:53:56 Gelesen: 279# 13 @  
@ Perfin Fan [#6]

So, da nun etwas Zeit war, hab ich den Prüfer des Dorotheum Wien, der diesen Belegt bewertet hat, persönlich angeschrieben.

Mal sehen was - bzw. ob überhaupt - geantwortet wird.

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Sehr geehrter Herr (xxx)

mein Name ist (xxx) und ich bin seit vielen Jahren leidenschaftlicher Perfin-Sammler.

Meine Sammlung umfasst mittlerweile an die 50.000 Briefmarken mit Firmenlochungen, wobei alleine über 15.000 verschiedene Exemplare aus Österreich dabei sind.

Ich habe 2016 Herrn Gerhard Sand kennengelernt und mit ihm an den letzten Ausgaben seines Perfin Austria Kataloges gearbeitet.

Aus diesem Grund möchte ich mich schon fast als Perfin-Experten bezeichnen, was österreichische Lochungen angeht.

Nun wurde im Briefmarken-Forum philaseiten.de eine Ihrer Auktionen mit einem wunderschönen Perfin-Beleg gepostet, der immerhin 440,- Euro erzielt hat.

https://www.dorotheum.com/de/l/10149220/

Da würde mich jetzt interessieren, welchen Prüfer bzw. Fachmann für Firmenlochungen Sie für Ihre Expertise in diesem Fall herangezogen haben.

Das Stück wirft nämlich nicht nur eine, sondern etliche Fragen auf.

Punkt 1: Die Verwendungszeit.

Gerhard Sand hat für seinen Katalog sämtliche Daten des alten Nussbickel-Kataloges mit den eigenen Recherchen - und er hatte Kontakt zu ALLEN größeren Österreich-Sammlern weltweit - ergänzt. Es gibt KEINEN EINZIGEN bezeugten Beleg vor 1877. Allein dieser Umstand sollte sofort alle Alarmglocken schrillen lassen.

Punkt 2: Der Verwender.

Wertheimer in Ranshofen ist keine kleine Bäckerei, die ab und an etwas verschickt hat. Es gibt unzählige Belege der Gutsverwaltung oder auch der anderen Wertheimer-Unternehmen. Jedoch wurde bei diesen bekannten Briefen NIE eine Lochung entdeckt. Das grenzt schon fast an eine Unmöglichkeit, dass man sich dort zwar eine extra Lochstanze angeschafft hat, aber sie praktisch nie verwendet hat.

Punkt 3: Der Stempel.

In der mitgeschickten Vergrößerung ist eindeutig zu erkennen, dass der Stempel zwar echt ist, aber auf der Marke seltsam erscheint. Sehen Sie sich doch das "N" von Ranshofen an. Hier wurde eindeutig manipuliert - und zwar dermaßen stümperhaft, dass das "N" aussieht wie ein "H". Das wäre bei einem echten Stempel nie der Fall!

Punkt 4: Die Lochung.

Der WICHTIGSTE PUNKT! Hier eröffnet sich für den Perfin-Spezialisten nun ein breites Feld an Fragezeichen. Zum einen ist das auf KEINEN FALL ein "F", zum anderen ist aus dem Lochbild eine eindeutige Manipulation zu erkennen. Wie Sie sicherlich bemerkt haben, befinden sich einige Löcher ganz knapp nebeneinander. Ja - das ist bei einer Doppelochung, also wenn die Marke versehentlich 2x gestanzt wurde, durchaus möglich. Allerdings sollte dann das Lochbild als Ganzes mehrfach zu sehen sein und nicht nur einzelne Löcher. Zudem ist dies bei der Klarheit der Löcher (einheitliche Größe, keine nur teilweise durchstoßenen Löcher) praktisch unmöglich.

Gerhard Sand hat mir einmal erklärt, dass sie meisten Fälschungen mit einer handelsüblichen Nähmaschine erzeugt werden - und genau danach sieht es für mich hier aufgrund der seltsamen Lochpositionen auch aus.

Punkt 5: Die Marke.

Dieser Punkt wurde nur in besagtem Forum besprochen, hier kenne ich mich nicht aus. Aber es wurde gesagt, dass die Marke höchstwahrscheinlich abgelöst und durch eine andere ersetzt wurde, weil sie nicht 100%ig exakt an der ursprünglichen Anbringungsstelle platziert wurde.

Somit ergibt sich für mich - und auch die Kollegen aus dem philaseiten-Forum - ein klares Bild:

Der Beleg ist EINDEUTIG eine Fälschung! Und dies sollte dem Käufer unbedingt mitgeteilt werden!

In einem Auktionshaus, wie dem Dorotheum Wien mit seinem hervorragenden Ruf, dürfte so etwas auf keinen Fall vorkommen.

Für zukünftige Expertisen im Bereich Firmenlochungen bzw. weitere Fragen zu diesem Los stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Mit besten Grüßen ...

 
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