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Thema: Österreich Belege aus der Ostmark (1938-1945)
Das Thema hat 103 Beiträge:
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Reini46 Am: 31.10.2025 11:24:50 Gelesen: 9650# 29 @  
Hallo,

zwei Belege mit österreichischen Nachmarken



Eine Postkarte vom 23.4.38 über amtlichen Auftrag, die eine Geburtsanzeige zum Inhalt hat. Die Kartengebühr von 6 Pfennig wurde durch 2 Portomarken und einer Freimarke zu 3 Groschen abgegolten. Grund dafür war der Mangel an entsprechenden Nachmarken.

Brief des Pfarramtes Feldkirchen bei Graz vom 8.6.38 an die Gemeindevorstehung in Steinach bei Gröbming. In Steinach war ebenfalls ein Mangel an Portomarken, so wurde eine 4 Pfennig Hindenburgmarke aushilfsweise als Portomarke verwendet. Briefgebühr 12 Pfennig, die österreichische Portomarke von 12 Groschen wertete 8 Pfennig zusammen ergab das mit der 4 Pfennig Hindenburg das Briefporto das vom Empfänger zu bezahlen war.

Reini46
 
Stefan Am: 02.11.2025 16:35:47 Gelesen: 9536# 30 @  
Kurz vor Toresschluss (d.h. Beendigung der NS-Diktatur in Österreich & Ende des zweiten Weltkrieges) wurde am 06.04.1945 die nachfolgende Zahlkarte im Postamt Amstetten (Niederdonau) 2 abgegeben:



Zur verklebten Gebühr in Höhe von 10 Rpf. kann ich nichts sagen. Ich nehme an, dass der Einzahlungsbetrag in Höhe von 2,86 RM für ein Abo der Zeitschrift "Der Stürmer" aus Nürnberg gedacht war, welche nach [1] ihr Erscheinen einige Wochen zuvor am 22.02.1945 einstellte.

Gruß
Stefan

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_St%C3%BCrmer
 
Reini46 Am: 03.11.2025 10:55:50 Gelesen: 9499# 31 @  
@ Stefan [#30]

Hallo Stefan,

bis zu einem Betrag von RM 10,- betrug die Gebühr für die Zahlungsanweisung 10 Pfennig.

Ich muß nachschauen, ob ich überhaupt eine derartige Zahlungsanweisung aus der Ostmark besitze.

Grüße

Reini46
 
Stefan Am: 05.11.2025 19:06:13 Gelesen: 9374# 32 @  
@ Reini46 [#31]

bis zu einem Betrag von RM 10,- betrug die Gebühr für die Zahlungsanweisung 10 Pfennig.

Danke für die Info!

Die beiden nachfolgenden Belege hatte ich auf der Briefmarkenmesse in Ulm in einer Grabbelkiste gefunden ...



... und aufgrund der Gestaltung des Datumsteils angenommen, dass es sich um aptierte Freistempelmaschinen handelt (d.h. neuer Wertrahmen u.a. in der Währung Reichspfennig) und nur deshalb erworben.

Wenn ich mir allerdings bei näherer Betrachtung die beiden Absender NSDAP-Kreisleitung I (Wien) (links) und NSDAP Gauleitung Wien / Amt für Volkswohlfahrt als Absenderangabe (rechts) ansehe, dann frage ich mich, ob es sich tatsächlich um Maschinen mit aptierten Wertrahmen handelt. Ich nehme nicht an, dass diese beiden Organisationen bereits vor dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich existierten. Wenn dann müssten diese recht zeitnah nach dem "Anschluss" (Besetzung 13.03.1938) gegründet worden sein und man griff damals auf noch verfügbare Freistempelmaschinen zurück, welche für den österreichischen Markt produziert worden waren. Oder gibt es eine andere Erklärung?

Gruß
Stefan
 
Reini46 Am: 07.11.2025 14:27:25 Gelesen: 9327# 33 @  
Hallo,







Sofort nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Österreich begann die Verfolgung von Regimegegnern und Juden.

Der Brief dieses 13-jährigen Mädchens zeigt in bedrückender Weise dass die letzteren versuchten, den vorhersehbaren Progromen zu entkommen.

Reini46
 
Reini46 Am: 10.11.2025 18:10:39 Gelesen: 9222# 34 @  
Hallo,



Auch als Folge der Novemberprogrome versuchten viele Juden - aber auch andere vom Nazi Regime Verfolgte - ihre Kinder ins Ausland in Sicherheit zu bringen. Die Kinder, die auf diese Weise Österreich verlassen mußten, sahen oft ihre Eltern nie wieder. Unter anderen war auch die Caritas Helferin bei den Kindertransporten.

Der Text dieser Karte muss nicht erläutert werden.

Karte vom 23.12.38 nach London 15 Pf Luftpost 10 Pf Einschreiben 30 Pf Express 50 Pf.
 
evwezel Am: 11.11.2025 06:58:56 Gelesen: 9176# 35 @  
@ Reini46 [#33]

Hallo Reini46,

weißt Du vielleicht auch, ob die Familie Reich den Krieg überlebt hat? Im Adressbuch von Wien (1939) wird Wilhelm Reich, wohnhaft unter der Adresse “Laudong(asse)”, noch erwähnt.

Viele Grüße

Emiel
 
Reini46 Am: 11.11.2025 10:10:07 Gelesen: 9148# 36 @  
Hallo Emiel,

in der Opferdatenbank habe ich keinen Hinweis gefunden, daß die Familie Reich ermordet wurde.

Ich gehe also davon aus, daß sie überlebte.

Grüße Reini46
 
evwezel Am: 11.11.2025 22:50:00 Gelesen: 9099# 37 @  
@ Reini46 [#36]

Hallo Reini,

diese Datenbank habe ich auch gesehen. Im Adressbuch von 1940 wird Kaufmann “Wilhelm Reich” übrigens nicht mehr aufgelistet. Deshalb vermute ich, dass die Familie irgendwann zwischen 1939 und 1940 ausgewandert ist. Informationen darüber sind leider nicht online erhältlich (ich konnte sie jedenfalls nicht finden). In diesem Zusammenhang ist die folgende Anzeige auffallend (Illustrierte Kronen Zeitung, 29 Oktober 1939):



“Florianigasse 58” war die Wohnadresse der Großmutter.

Felicitas schreibt, dass “The business of my parents is a very old one, (…) and it has a very good reputation over the whole world.”

Wenn diese Aussage stimmt, hätte ich eigentlich erwartet, dass der Name “Wilhelm Reich” sich ziemlich einfach in der Zeitung finden lässt [https://anno.onb.ac.at/ ]. Das ist nicht der Fall. Das Schicksal der Familie Reich bleibt vorläufig ein Mysterium.

Viele Grüße

Emiel
 
Reini46 Am: 16.11.2025 12:42:30 Gelesen: 8876# 38 @  
Hallo,



Brief von Anna Glaser Wien 19.8.41 an ihren Sohn Otto Glaser in Dublin. Deutsche Zensur München, britische Zensur und irische Zensur. Der Brief ging über Lissabon 31.8.41 kein Ankunftsstempel Dublin.

Der Vater von Otto - er hieß ebenfalls Otto - war Minister unter Schuschnigg und wurde sofort nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht verhaftet und ins KZ Dachau eingeliefert. Die Mutter die Angst um das Leben ihres 13 jährigen Sohnes hatte, konnte Otto mit Hilfe einer katholischen Organisation (Caritas ?) nach Irland bringen lassen.

Der Vater überlebte das KZ und der Sohn wurde in Irland ein bekannter Mann.

Bei Wikipedia habe ich einen Artikel über Otto Glaser gefunden.



Die ist mein einziger Beleg der das Schicksal eines dieser Kinder beschreibt.

Grüße

Reini46
 
Jürgen Witkowski Am: 30.11.2025 17:42:12 Gelesen: 8585# 39 @  
Die Auslandsdrucksache von Graz nach St. Gallen in der Schweiz wurde irrtümlich nur mit 4 Rpf freigemacht, wie am Postfreistempel vom 31.12.38 zu sehen ist. Daher wurde am 2.1.39 noch eine 1 Pf Marke aus der Hindenburg-Dauerserie nachfrankiert.

Beim Postfreistempel handelt es sich um den Typ D-68 217A nach Dürst/Eich. Er stammt von einer umgerüsteten Francotyp A Maschine.



Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Reini46 Am: 06.12.2025 16:56:28 Gelesen: 8465# 40 @  
Hallo,



Brief vom 7.6.38 von Wien nach Australien. Absender war Dr. Herbert Michael Bachrach aus Wien 6 Gumpemdorferstrasse 9.

An diesem Haus befindet sich eine Tafel, die an die Ermordung von Dr. Bachrachs Eltern in Ausschwitz erinnert. Herbert Bachrach ist die Flucht aus Österreich gelungen, er nannte sich später Dr. Herbert Michael Barker.

Auf diesem Brief wurde die Freimarke zu 3 Reichsmark Bauwerke Mi 366 verwendet, wobei die Fachliteratur die Meinung vertritt, daß diese Marke an den österreichischen Postschaltern nicht erhältlich war. Ich teile diese Meinung nicht.

Brief über 20 Gramm 40 Pfennig = 61 Groschen ( Einzelverrechnung ) Einschreiben 70 Groschen Flupostzuschlag je 5 Gramm 130 Groschen = für 35 Gramm 910 Groschen ergibt insgesamt 10 Schilling 41 Groschen und das ist auch geklebt.

Die Verwendung der Mi 364 - 367 in Österreich ist selten.

Grüße

Reini46
 
achim11-76 Am: 09.12.2025 16:47:39 Gelesen: 8354# 41 @  
Woher weisst du, dass es grade dieser Absender war? Die Rückseite ist unbeschriftet. Vorne steht auch kein Absender drauf.
 
Reini46 Am: 09.12.2025 17:49:29 Gelesen: 8341# 42 @  
Hallo Achim,



Da ist beim scannen die Anschrift des Absenders verloren gegangen. Ich nutze die Gelegenheit und zeige einen Brief nach Mombasa.

Brief 25 Pf Einschreiben 70 Groschen Luftpostzuschlag 4x70 Groschen = 280 Groschen

Grüße Reini46
 
Reini46 Am: 14.12.2025 11:51:44 Gelesen: 8249# 43 @  
Hallo,



Karte vom 23.2.1939 von Wien nach Bouloyne zum Schiff Highland Monarch an Otto Herschmann.

Otto Herschmann geboren 4.1.1877 gewann bei den Olympischen Spielen 1896 Silber im 100 Meter Freistilschwimmen. Im Jahr 1912 trat er bei der Olympiade wieder an und gewann mit der österreichischen Mannschaft Silber im Säbelfechten. Er war Präsident des österreichischen olympischen Komitees. Da Otto Herschmann Jude war wurde er von den Nazis verfolgt und starb 1942 im Durchgangslager Izbica auf dem Transport nach Sobibor. In Wien Simmering ist eine Strasse nach ihm benannt.

Offensichtlich hat Otto Herschmann die Flucht im Jahr 1939 nicht geschafft. Die Briefschreiberin wünscht ihm viel Glück für sein neues Leben in Buenos Aires. Hat er auf diesem Schiff keinen Platz erhalten ? Oder gab es einen zweiten Otto Herschmann, der ebenfalls von den Nazis verfolgt wurde und nach Argentinien flüchtete ?

Karte 15 Pf Luftpostzuschlag 10 Pf.

Grüße
Reini46
 
cilderich Am: 15.12.2025 18:18:44 Gelesen: 8159# 44 @  
Servus Reinhard,

ich denke diese Karte, die sehr interessant ist mit ihrer Weiterleitung, betraf nicht den Olympioniken. Der Name Otto Herschmann aus Wien und auch aus Österreich ist häufig belegt allein für Verfolgte und Verhaftete. Einige, mit gleichem Namen haben vermutlich die Flucht geschafft.

Herzliche Grüße Johannes
 
Nordluchs Am: 18.12.2025 08:43:52 Gelesen: 8066# 45 @  
Hallo,

ein kleiner Beitrag für diese Rubrik. Freigemacht mit einer Francotyp C ging der Brief nach Hamburg.



Wien 1, Girovereinigung der Sparkassen Wien 1

Gruß
Hajo
 
becker04 Am: 25.12.2025 12:09:54 Gelesen: 7843# 46 @  
Hallo zusammen,

von mir ein Eilbrief aus Neuhaus am Klausenbach nach Wien vom 17.5.1938, Frankatur je 2 mal 6 Pfg. und 24 Gr. Die Empfängeradresse wurde - von wem auch immer - leider überklebt. Auf der Rückseite die Ankunft in Wien am nächsten Tag und ein Stück wurde der Brief wohl noch mit der Rohrpost befördert.



MfG
Klaus
 
Reini46 Am: 26.12.2025 15:15:00 Gelesen: 7797# 47 @  
Hallo Klaus,

Brief über 20 Gramm 24 Pfennig Expressgebühr 30 Groschen = 20 Pfennig

Das Porto passt genau.

Grüße

Reini46
 
Reini46 Am: 28.12.2025 10:11:24 Gelesen: 7649# 48 @  
Hallo,



An anderer Stelle habe ich schon geschrieben, daß bei Luftpostbriefen aus Österreich in die Vereinigten Staaten für die US Luftpostgebühr auch US Marken verwendet werden durften. Ein derartiges Beispiel zeige ich hier.

Brief vom 18.7.38 aus Wien nach London in New Hampshire. Rückseitig der Durchgangsstempel von London GB 20 JLY.

Absenderin war wohl eine Urlauberin aus den USA, darauf deutet die Absenderangabe hin.

Briefgebühr 25 Pf Luftpost bis London GB 40 Groschen Luftpost USA 6 Cents. Die US Marke wurde sowohl in Österreich als auch in den USA nicht entwertet. In Österreich war das vorgeschrieben.

Wir finden hier Marken von 3 Ländern auf einem Bedarfsbrief.

Grüße

Reini46
 
Reini46 Am: 04.01.2026 10:23:52 Gelesen: 7484# 49 @  
Hallo,



ein einfacher Brief aus Wien vom 19.4.38 in die USA.

Briefporto 25 Pfennig Luftpostzuschlag 35 Groschen (für die Flugpost in den USA).

Rohrpostbeförderung

Reini46
 
Briefuhu Am: 13.01.2026 07:26:27 Gelesen: 7441# 50 @  
Drucksache vom 6.7.38 von Wien nach Hagen in Westfalen. Die Drucksache wurde unten mit einem Maschinenstempel von Wien versehen. Die oben angebrachte österreichische Marke Michel Nr. 568, 3 Groschen wurde am 07.07.1938 in Nürnberg nachträglich entwertet. Absender war die Zeitschrift "Der Luftschutz", Empfänger Meyer-Hagen Feuerwehren-Geräte.



Schönen Gruß
Sepp

[Auf Wunsch eines Mitglieds redaktionell kopiert aus dem Thema "Stempel "Nachträglich entwertet" auf ausländischen Briefmarken"]
 
Reini46 Am: 28.01.2026 17:07:17 Gelesen: 7205# 51 @  
Hallo,

in der Ostmark gab es einige Besonderheiten bei gewissen Frankaturen.



Das Erlagscheinporto - früher Krankenkassenporto genannt - war eine dieser eigenartigen Frankaturen. Aus der gezeigten Verordnung ist ersichtlich, daß Erlagscheine, soweit sie auf der Rückseite Erläuterungen zu den Rechnungen enthielten, mit dem Sonderporto Postkarte + Drucksache frankiert werden mußten.



Der 1. Erlagschein der Landwirtschaftskrankenkasse Wien vom 21.7.38 ist innerhalb Wiens gelaufen. Ortspostkarte 5 Pfennig + Drucksache 3 Groschen = 2 Pfennig ergibt die Frankatuer von 7 Pfennig.

Der 2. Erlagschein aus Bregenz vom 24.5.38 ging nach Lingenau in Vorarlberg. Fernpostkarte 6 Pfennig + Drucksache 2 Pfennig ergibt das Porto von 8 Pfennig.

Belege dieser Art sind selten.

Grüße

Reini46
 
HWS-NRW Am: 28.01.2026 17:27:47 Gelesen: 7180# 52 @  
Hallo am Abend.



Ortspostkarte der städtischen Strassenbahnen der Stadt WIEN, aufgegeben im August 1940, das Porto freigemacht auf einer Absenderfreistempel-Maschine.

mit Sammlergruß
Werner
 
Reini46 Am: 01.02.2026 17:10:11 Gelesen: 7083# 53 @  
Hallo,



Luftpostbrief vom 7.6.38 von Wien nach Canberra.

Absender war Dr. Michael Bachrach, seine Eltern wurden ermordet. Darauf weist eine Tafel am Gebäude Gumpendorferstrasse 9 hin.

Brief über 20 Gramm 61 Groschen Einschreiben 70 Groschen Luftpostzuschlag 7x130 Groschen = 1041 Groschen.

Grüße

Reini46


 

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