Der ein oder andere Sammler kennt diese Ausgabe. Der Michel Osteuropa warnt im Kapitel der
"Post der Bürgerkriegsgebiete 1918/1923" (Russland) vor privaten Machwerken.


Es handelt sich um einen aus fünf Briefmarken bestehenden Satz der Belarussischen Volksrepublik aus dem Jahr 1920, welche auch gestempelt in der gezähnten und in der geschnittenen Variante vorliegt:




Wenn man die Briefmarkeninschrift
"АСОБНБІ АТРАД" (
"Separate Abteilung / B.N.R.") bei Google eingibt, landet man auf einer Seite im belarussischen Wikipeda [1].
DeepL.com übersetzt diesen Wikipedia-Eintrag wie folgt:
"Separate Abteilung der BNR (Briefmarkenserie)
Separate Abteilung der BNR – eine Serie von Briefmarken der Belarussischen Volksrepublik, herausgegeben 1920.
Beschreibung
Alle fünf Briefmarken der Serie zeigen dasselbe Motiv: junge Bauern in Tracht (die Mogilev-Tracht), ein Junge und ein Mädchen, die auf einer Bank neben einem Zaun sitzen. Das Briefmarkenmotiv wurde vom Künstler Rihards Zarinš entworfen. Historikern zufolge diente als Vorlage eine Gravur von W. de Garnier, die im dritten Band der Publikation „Zhivopisnaya Rossiya” [ru] (1882) unter dem Titel „Typen der Provinz Mogilev” [2] abgebildet ist.
Es wurden fünf Briefmarken mit unterschiedlichen Nennwerten herausgegeben: 5, 10, 15, 50 Kopeken und 1 Rubel. Es gibt sowohl gezähnte als auch ungezähnte Briefmarken. Die Gesamtauflage betrug 5 Millionen Exemplare (jeweils 1 Million). Das Verhältnis von gezähnten zu ungezähnten Briefmarken betrug 1:1. Die ungezähnten Briefmarken wurden herausgegeben, um die Kosten der Auflage zu senken. Davon wurden 250.000 auch ohne Gummierung hergestellt [3].
Nennwerte:
5 Kopeken – grün
10 Kopeken – rot
15 Kopeken – violett
50 Kopeken – dunkelblau
1 Rubel – braun
Geschichte
Im Jahr 1920 wurde in der lettischen Staatsdruckerei in Riga eine Briefmarkenserie herausgegeben, die vom Kommando der Separaten Abteilung der BNR in Auftrag gegeben worden war. Die Aufschrift „Separate Abteilung” weist darauf hin, dass die Briefmarken für eine belarussische Militäreinheit unter dem Kommando von General Bulak-Balakhovich herausgegeben wurden. Der Auftrag dafür wurde vom Vorsitzenden der belarussischen Militärkommission in Lettland, Kastus Jezavitaŭ, erteilt.
Die Briefmarken waren vom 14. Februar 1920 bis zum 22. April 1920 in Gebrauch. Die Briefmarken der Separate Detachment wurden von der Feldpost verwendet, die bis April 1920 in Lettland verblieb, und mit einem separaten Poststempel entwertet.
In der Folge wurde diese Ausgabe (ab 1939) sowohl von der Exilregierung der BNR als auch „inoffiziell” wiederholt neu aufgelegt, was zu einer großen Anzahl von Entwertungen auf Briefmarken dieser Ausgabe aufgrund der Druckqualität führte [4].Gut möglich, dass es sich bei den nachfolgenden Exemplaren um eine dieser ominösen Nachauflagen (oder besser Fälschungen) handelt. Die Papierqualität weicht deutlich ab und es ist keine Gummierung vorhanden.

Die Quellenangaben Nr. 1 bis 3 aus dem belarussischen Artikel werden in diesem Beitrag unter den Nummern 2 bis 4 aufgeführt (übersetzt mit DeepL).
Im Gegensatz zum Michel-Katalog schreibt das belarussische Wikipedia von einer regulären Ausgabe, welche acht Wochen lang gültig gewesen war (14.02.-22.04.1920).
Wer weiß Mehr?
Diese Briefmarken lassen sich gelegentlich finden (was bei einer Auflage von 1 Mio. Stück pro Nominale nicht verwunderlich wäre, wenn die Angabe aus dem belarussischen Wikipedia korrekt ist), bspw. in "Alle Welt"-Alben, alten Jugendsammlungen oder im Anhang zu Russland-Sammlungen (Lagerbüchern).
Gruß
Stefan
[1]
https://be.wikipedia.org/wiki/%D0%90%D1%81%D0%BE%D0%B1%D0%BD%D1%8B_%D0%B0%D1%82%D1%80%D0%B0%D0%B4_%D0%91%D0%9D%D0%A0_(%D1%81%D0%B5%D1%80%D1%8B%D1%8F_%D0%BC%D0%B0%D1%80%D0%B0%D0%BA)[2] Batievsky V. Briefmarken und Feldpost der „Separaten Abteilung der BNR” (auf Russisch) (inaktiver Link). mirmarok.ru (2. April 2011). Archiviert vom Original am 31. Januar 2016. Abgerufen am 2. März 2018.
[3] Le Collectionneur de timbres-poste. Nummern 459 bis 464. – Paris: Maison Arthur Maury Bureaux d'abonnement et de vente, 1920. – S. 62. – 224 S.
[4] I.F. Miaskovsky. 1.5. Sonderausgabe der BNR-Spezialeinheit (Bulak-Balakhovich) – Fälschungen der Briefmarken dieser Ausgabe (russisch) (inaktiver Link). Fantastische Ausgaben. Mir
m@rok (5. September 2010). Archiviert vom Original am 16. März 2018. Abgerufen am 2. März 2018."
@ Stefan
[#1]Der Entwurf dieser Serie stammt von Rihards Kārlis Valdemārs Zariņš, eingedeutscht Richard Sarrinsch [1]
Dieser renommierte Entwerfer hat auch teilweise ikonische Entwürfe für Russland (Zarenreich, RSFSR), die frühe UdSSR und sein Heimatland Lettland geliefert. Ebenso hat er das lettische Staatswappen geschaffen.
Gedruckt wurden die Marken in der Staatsdruckerei Riga.
Ich verstehe da den Michel nicht, daß diese Marken hier als private Machwerke gekennzeichnet werden, da es sich doch eher um eine unverausgabte Serie handelt, die möglicherweise auch wenige Tage im Umlauf gewesen sein könnte.
Viele Grüße
Thomas
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Rihards_Zari%C5%86%C5%A1 @ angim
[#2]Ergänzend zu Beitrag
[#1] führt einer der Links auf eine andere belarussische Seite [1], welche wie folgt über DeepL.com übersetzt wird.
Der publizierende Sammler hatte sich anscheinend Anfang des Jahrtausends sehr intensiv mit dieser Ausgabe befasst.
"BNR-Briefmarken: Fälschungen und Fakten
Die erste Briefmarkenausgabe in Belarus gilt als die Ausgabe der Separaten Abteilung der BNR. Die Geschichte dieser Briefmarken ist recht interessant. Chronologisch sah sie in etwa so aus.
1920
19. Januar
Kazimierz Dziewitt bittet den lettischen Finanzminister um die Erlaubnis, Briefmarken für die Separate Abteilung der Belarussischen Volksrepublik (BNR) in der lettischen Staatsdruckerei drucken zu dürfen.
28. Januar
Bulat-Kulich nimmt General Yudenich gefangen und fordert von ihm ein Lösegeld in Höhe von 100.000 Pfund, wobei er droht, den General an die Bolschewiki auszuliefern. Yudenich wird von den Esten befreit, und Bulat-Kulich flieht.
29. Januar
Ezovitav berichtet dem Finanzminister der BNR, dass die finanzielle Lage katastrophal ist und dass, wenn das Geld nicht aufgebracht werden kann, alle Arbeiten eingestellt werden müssen und auch die Unterstützung für die Spezialeinheit der BNR eingestellt werden muss. Es ist unklar, wie der Volksminister Yezavitaŭ hätte helfen können, da das Finanzministerium der BNR kein Geld hatte und auch unmöglich welches haben konnte. Denn das Parlament und die Regierung der BNR existierten zwar, die BNR selbst jedoch nicht, und daher gab es keine Bürger der BNR, die durch die Zahlung von Steuern die Staatskasse füllen konnten.
30. Januar
Mikhail Lakhovich erhält eine Vollmacht (auf Belarussisch!), um mit Briefmarkenhändlern über den Verkauf der Ausgabe zu verhandeln. Es müssen Bestellungen und vor allem Anzahlungen eingeholt werden, da der Druck der Briefmarken bezahlt werden muss und keine Zahlungsmittel zur Verfügung stehen.
3. Februar
Es wird ein Gesetz unterzeichnet, wonach bestimmte bevollmächtigte Vertreter der Separaten Abteilung der BNM auf der Suche nach Mitteln für die Bedürfnisse der Abteilung beschließen, Briefmarken herauszugeben. Dieses Gesetz ist reine Formsache, da ein Briefmarkendesign bereits existiert; Ezovitav hat bereits einen Brief an den lettischen Finanzminister geschickt und M. Lakhovich eine Vollmacht erteilt, Verhandlungen mit den Briefmarkenhändlern zu führen. Höchstwahrscheinlich wurde das Gesetz auf Wunsch derselben Briefmarkenhändler rückdatiert.
Im Februar und März 1920 wird der Schriftverkehr fortgesetzt, und in Lettland wird ein Postamt eröffnet, das für den Verkauf und Versand von Briefmarken mit der Aufschrift „Separate Abteilung der BNR” innerhalb Lettlands zuständig ist. Es gibt Hinweise darauf, dass das Postamt in Marienburg die offizielle Genehmigung hatte, die Briefmarken der Separate Detachment auf Umschläge zu kleben. Die Genehmigung wurde am 28. März 1920 unterzeichnet, und das Postamt wurde nach 21 Tagen Betrieb am 18. April geschlossen [2].
Briefumschläge mit Postwertzeichen sind in Belarus sehr selten, ebenso wie Stempelmarken. Die meisten Briefmarken wurden mit einem einzigen Poststempel entwertet. Dies lässt vermuten, dass sie speziell für Philatelisten entwertet wurden, um weltweit verkauft zu werden.[3]
Vor etwa 13 Jahren gelang es mir [4] während meiner Tätigkeit im Nationalarchiv der Republik Belarus, ein interessantes Werk des Amerikaners Bogdan Pawuk zu finden, in dem die Ausgabe dieser Postwertzeichen detailliert beschrieben wird.
Die Geschichte dieser Briefmarken hatte jedoch eine Fortsetzung.
Die Zeitschrift „Philately” berichtet, dass der ausländische Philatelist und Forscher Guy Picarda eine Ausgabe dieser Briefmarken aus dem Jahr 1939 gefunden hat. Die ersten Fälschungen, so schreibt der Autor, unterschieden sich kaum von den Originalen, und es wird vermutet, dass sie aus dem gleichen Klischee wie die Originale hergestellt wurden.
Später wurden auch einzelne Fälschungen hergestellt. In den Jahren 1948 und 1960 stellten Vertreter des BNR-Rates mehrere Varianten von Fälschungen der ersten belarussischen Briefmarken her. Diese waren von sehr schlechter Qualität, und ihre Unterschiede zu den Originalen sind sehr offensichtlich. Bis heute tauchen Fälschungen fast täglich und sogar in großen Mengen auf dem philatelistischen Markt auf. Eine Charge solcher Fälschungen wurde vom Journalisten und Forscher Ruslan Ravyaka aus Baranowitschi entdeckt: „Das hat mich völlig davon abgehalten, diese Briefmarken für meine Sammlung zu kaufen.“
Derzeit ist der Preis für die Serie von fünf Briefmarken „Separate Corps“ nicht besonders hoch – er liegt zwischen 5 und 10 Dollar für einen sauberen Satz und zwischen 10 und 20 Dollar für einen postalisch verwendeten Satz. Der Preis für einen Umschlag mit diesen Briefmarken liegt bei 1000 Dollar und mehr.
Derzeit ist der Wert der 5-Briefmarken-Serie „Separate Battalion“ nicht sehr hoch – er liegt zwischen 5 und 10 Dollar für einen sauberen Satz und zwischen 10 und 20 Dollar für einen postalisch verwendeten Satz. Ein Umschlag mit diesen Briefmarken kostet 1.000 Dollar oder mehr.
Darüber hinaus gibt es mehrere andere Briefmarken aus der Ausgabe von 1920–1921, auf denen Aratoga, Pahonia und Skorina abgebildet sind. Wer sie herausgegeben hat und zu welchem Zweck, ist jedoch noch nicht bekannt."Der Link [1] zeigt am Ende zwei Schreiben von Februar 1920 aus einem Schriftverkehr.
Abweichend zu Beitrag
[#1] wird in [2] ein Postamt (irgendwo) in Lettland beschrieben, welches vom 28.03.-18.04.1920 in Betrieb war. Wenn ich diesen Zeitraum mit dem Gültigkeitszeitraum dieser Briefmarken gleichsetzen würde, wäre diese Ausgabe gerade einmal drei Wochen gültig gewesen.
Bei dem unter [3] erwähnten Stempel handelt es such vermutlich um jenes Exemplar, welches in Beitrag
[#1] gezeigt wird. Die dort veröffentlichten Briefmarken weisen rückseitig eine Gummierung auf.


Gruß
Stefan
[1]
https://budzma.org/news/pashtovyya-marki-bnr-padrobki-i-realnyya-fakty.html[4] der Link aus [1] datiert nach eigenen Angaben aud den 07.06.2012