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Thema: Saint Pierre & Miquelon: Moderne Besonderheiten
Vernian Am: 02.03.2026 01:04:03 Gelesen: 184# 1 @  
Hallo,

ich habe ja an anderer Stelle hier im Forum schon gelegentlich über die Markenausgaben des französischen Überseegebietes Saint Pierre & Miquelon berichtet - zwei kleine Inseln bei Neufundland.

Kurz zur "philatelistischen Geschichte":
-Bis 1885 wurden dort französische Kolonial-Freimarken verwendet
- dann bis 1909 Kolonialmarken mit Aufdruck
- ab 1909 erfolgte die Ausgabe eigener Briefmarken
- ab dem 16. Juli 1976 waren die Inseln Übersee-Departement Frankreichs geworden und mit einer letzten Markenausgabe am 5. Oktober 1976 wurde die Ausgabe eigener Marken eingestellt und fortan die Marken des französischen Mutterlands verwendet, wie dies in anderen Übersee-Departements wie bspw. Guyana, Martinique, La Réunion usw. bis heute der Fall ist.
- am 11. Juni 1985 änderte sich der politische Status der Inseln erneut, sie wurden nunmehr "Collectivité territoriale". Im Gegensatz zu anderen derartigen Überseegebieten Frankreichs waren die Inseln nie Teil der EWG (Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft), der E.U. oder des Schengen-Raum. Aufgrund dieser Besonderheit wurden
- ab Anfang 1986 wieder eigene Briefmarken für die Inseln herausgegeben.

Dauerserien-Werte und oftmals Ergänzungs-Werte sind i.d.R. französische Marken mit Überdruck, zu Beginn mit ganz ausgeschriebener "Landesbezeichnung", seit 2008 mit dem Kürzel "SPM", welches seit 2002 auch auf den eigens für die Inseln verausgabten Briefmarken verwendet wird. Seit 2006 hat sich auf den eigens hergestellten Marken das Kürzel in "SP&M" gewandelt, während die Überdrucke französischer Dauerwerte weiterhin mit "SPM" ausgeführt werden.

Neben den Sondermarken wurde erst ab 2016 (Ab MiNr. 1244 / Y&T No. 1151) begonnen auch eigene Dauermarken herauszugeben. Allerdings erfolgt auch weiterhin die Ausgabe von französischen Dauerwerten mit Überdruck.

Unter "Besonderheiten", wie in der Überschrift bezeichnet, sind vor allem Marken zu verstehen, die nicht im Abonnement des philatelistischen Dienstes der französischen Post ausgeliefert wurden und entweder nur lokal oder unter anderen besonderen Umständen erhältlich waren / sind. In den Neuerscheinungen der MICHEL-Rundschau wurden diese oftmals nicht gemeldet, und auch nicht alle wurden (meines Wissens) später im Katalog ergänzt. Überwiegend handelt es sich dabei um französische Dauermarken mit Überdruck.

Von 1986 bis 2018 gibt es eigentlich kaum Besonderheiten, bei dem wenigen hier handelt es sich meist um Abarten. Als Besonderheit aus diesem Zeitraum sehe ich eigentlich nur eine Marke an, nämlich den Ergänzungs-Wert zu 0,01 €, der MiNr. 918 (Y&T No. 829a) von 2005 mit Aufdruck SAINT PIERRE / ET / MIQUELON auf der französischen (Ur-)Marke MiNr. 3884 IV y A mit dem Druckereivermerk "Phil@poste"; statt "ITVF" (Urmarke 3884 I y A).

Da mir diese Besonderheit selber nicht vorliegt (und absehbar auch nicht vorliegen wird), kann ich nur die reguläre MiNr. 918 (Y&T No. 829) zeigen. Die Variante wird übrigens bei MICHEL nicht notiert ...



Die "Besonderheiten" ab 2018 liegen mir aktuell größtenteils vor, aber noch nicht vollständig, was aber in Kürze der Fall sein soll, und dann diese werde ich hier dann entsprechend vorstellen und auch zukünftig entsprechende Neuheiten "außer der Reihe", sobald sie mir vorliegen, vorstellen. 2018 und 2019 werde ich vermutlich im Laufe des Tages schon mal präsentieren.

Best

Vernian
 
Vernian Am: 02.03.2026 06:21:24 Gelesen: 171# 2 @  
Guten Morgen,

ich schrieb zuvor, die "Besonderheiten" begännen hauptsächlich ab 2018. Leider verfüge ich über keine Unterlagen mehr, aber meiner Erinnerung nach könnte bereits 2016 der erste Fall aufgetreten sein, wo bestimmte Ausgaben nicht im Abonnement ausgeliefert wurden. Und zwar waren dies die unter den MiNr. 1244 bis 1249 (Y&T No. 1151 - 1156) verzeichnete Dauermarken-Ergänzungswerte-Serie mit dem Motiv der Inselgruppe zu Wertstufen 0,01, 0,02, 0,03, 0,05 0,10 Euro und 20g (Porto für Standard-Inlandsbrief, bei Ausgabe 0,40 €).

Kommen wir also zu den "gesicherten" Erkenntnissen ...

2018

erschien von der gängigen französischen Dauerwertserie mit Überdruck "SPM" die wertstufenlose Dauermarke "Marianne d'Yz" rot (für "Lettre prioritaire", also priorisierte Briefbeförderung), zum Ausgabezeitpunkt im Wert von 0,95 €. Die Marke wurde nicht in der Michel-Rundschau gemeldet, aber später als MiNr. A1303 katalogisiert. Auch wurde diese Marke nicht im Abonnement ausgeliefert, weshalb ich sie "Besonderheit" führe.



2019

erschien aus der gleichen Reihe der grünfarbene Wert (lettre verte - ökologischer Transport) zu 0,80 € bei Ausgabe mit Überdruck "SPM". In der Michel-Rundschau ebenfalls nicht gemeldet, aber später als MiNr. A1324 (Y&T No. 1230A) katalogisiert. Ebenfalls nicht im Abonnement der Post ausgeliefert.



2020 fehlt mir im Moment noch eine Vorlage, soll ich aber in Kürze erhalten. Dann geht es weiter ...

Best

Vernian
 
Vernian Am: 02.03.2026 08:24:23 Gelesen: 153# 3 @  
Bevor ich demnächst fortfahre, die zuvor definierten Besonderheiten vorzustellen, mal noch ein paar gedankliche Anmerkungen …

Im Allgemeinen taucht die Frage auf, warum zwei kleine Inselchen mit lediglich knapp 5800 Einwohnern eigene Briefmarken haben bzw. herausgeben und ob denn da eine Notwendigkeit besteht.

Die Ausgabe eigener Marken ist historisch-politisch begründet, wie Eingangs in diesem Thread beschrieben. Die Frage der Notwendigkeit liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. Bis zur Einführung von Freistemplern und Barcode-Labels lässt sich sicherlich ein postalischer Bedarf oder Notwendigkeit erklären, danach ... aber das gilt ja im Grunde, vor allem auf die heutige Zeit bezogen, für die allermeisten Markenausgabenländer bzw. -gebiete.

Angesichts der geringen Einwohnerzahl und auch des nicht übermäßig hohem touristischen Aufkommens stellt sich allerdings doch nicht nur die Frage, warum eigene Briefmarken eine Notwendigkeit darstellen, sondern vor allem, ob die Anzahl jährlich verausgabter Marken tatsächlich einem Bedarf entsprechen ... was allerdings ebenfalls eine Frage bei vielen Markengebieten darstellt …

Die postalische Notwendigkeit von Briefmarken als vorab bezahlten Quittungsbeleg für Postsendungen, auch ohne Internetzugang und der einfachen Handhabung wegen (frankierte Sendung in einen Postkasten einwerfen und fertig) wird in jedem postalischen Ausgabegebiet weltweit gleichermaßen als sinnvoll erachtet werden. Nun könnte ja ein derart einwohnerschwaches Gebiet wie SPM auch, wie von 1976 bis 1986 es der Fall war, die Marken des französischen Mutterlands benutzen, dem Sinn und Zweck wäre damit Genüge getan.

Eigene Briefmarken sind aber vor allem drei Dinge:
1. Ausdruck einer gewissen politischen Autonomie, also Selbstbestimmung; und 2. informativ-touristische Werbemittel, sofern thematisch- und motiv- mäßig Markenausgaben eine direkte und offensichtliche Darstellung des Ausgabegebietes repräsentieren. Sowie 3. der finanzielle Vermarktungsaspekt.

zu 1.: Durch die Ausgabe eigener Briefmarken wird dementsprechend Rechnung getragen. Ob man dies als eine sinnvolle Notwendigkeit erachtet, oder nicht eigentlich doch Marken des politischen Herrschers (Französischer Staat) ausreichend wären, ist vermutlich eine Ansichtssache.

zu 2.: Die Sondermarkenausgaben von SPM (nicht den überdruckten französischen Dauerwerten), tragen dieser Funktion voll und ganz Rechnung. Der überwiegende Großteil der Sondermarken von SPM präsentiert gebietsspezifische Motive und Themen und lässt schon dadurch dem interessierten Sammler zahlreiche Themen, Aspekte und Ansichten der Inseln bewusst werden und bringt ihm diese näher, baut also einen gewissen Bezug auf. So manche deutsche Region oder Kleinstadt würde sich freuen, wenn sie die Möglichkeit hätte, sich selbst auf diesem Weg zu präsentieren und zu bewerben ...

zu 3.: Der mit Sicherheit entscheidende Aspekt für die eigentlich unnötige Anzahl an Neuausgaben pro Jahr, bewusst in Absicht auf Sammlertaschen, ist inzwischen deutlich gestreckt durch den philatelistischen Dienst der französischen Post. Überdruckmarken französischer Dauerwerte sind eigentlich gänzlich überflüssig, erst recht unter dem Blickwinkel, dass zumindest seit 2016 auch eigene Dauermarken herausgegeben werden. Die Anzahl an Sondermarken pro Jahr ist angesichts der geringen Nutzer- bzw. Einwohnerzahl ebenfalls als zu hoch anzusehen. Neben einer Dauerserie, die mit Ergänzungswerten alle bestehenden Portostrukturen abdeckt, würden vermutlich rund 5 Sondermarkenausgaben pro Jahr vollkommen ausreichend sein ... was allerdings für die allermeisten markenausgebenden Länder heutzutage gelten dürfte ...

Was man unter Punkt 3. bedenken muss, das ist der nationale bzw. nationalistische Charakter, der bei vielen französischen Sammlern dieses Sammelgebietes hineinspielt: SPM ist ein Gebiet Frankreichs, und nicht wenige französische Sammler sammeln SPM, weil es ein Teil französischer Briefmarkengebiete ist. Während (meiner jüngsten Information zufolge) auf SPM selbst nur noch 3 bis 4 Briefmarkensammler wohnhaft sind, dürfte der Anteil vor allem in Frankreich ansässiger Sammler noch mit hunderten, oder womöglich auch tausend(en), anzusetzen sein. Warum also sollte sich die Vermarktungsmaschinerie des französischen philatelistischen Dienstes dies entgehen lassen???

Allerdings ist es, wie bei Frankreich selbst, mehr als ärgerlich, dass auch hier inzwischen rein kommerzielle Vermarktungs-Ausgaben produziert werden, die nicht nur nicht im Abonnement, sondern nur zu besonderen Anlässen (Salon Philatélique in Frankreich, einmal im Jahr für einige Tage), oder, wie hier bei SPM, nur für den tatsächlichen Gebrauch bestimmt nur im Ausgabegebiet erhältlich sind. Letzteres widerspricht eigentlich einer gelddruckgemäßen Ausgabepraxis und wäre sogar in gewisser Hinsicht positiv zu bewerten, wenn es für den auf Vollständigkeit abzielenden Sammler nicht ein erschwerendes Ärgernis darstellen würde ...

Für die "Nicht-im-Abo-Ausgaben" von SPM für 2025 hat der philatelistische Dienst zwar kurz nach Auslieferung der zweiten Halbjahreslieferung 2025 (Anfang 2026) angekündigt, mit der nächsten Abo-Lieferung 1. Halbjahr 2026 drei bislang fehlende Ausgaben nachzuliefern, trotzdem fehlen aber dann immer noch einige Ausgaben des Jahres 2025 ... dazu aber dann in Folge mehr ...

Zusammengefasst gesagt: Eigene Marken für ein derart einwohnerschwaches Gebiet, bei politischer Oberhoheit von anderer Seite, wären eigentlich überflüssig. Auf der Basis müssten Helgoland und sämtliche deutsche Inseln und zahllose Regionen ebenfalls eigene Markenausgaben haben ... Das gilt auch oder gerade für den selbst-bewerbenden Aspekt. Lässt man diese Punkte außen vor, dann bleibt der kommerzielle Aspekt. Hier wäre allerdings - wie leider inzwischen bei fast allen Markengebieten - der Blickpunkt "weniger wäre mehr". Weniger Ausgaben, noch konzentrierter auf spezifische Thematiken und Motive, wäre für die bedauerlicherweise ohnehin immer weiter zurückgehende Sammlerschaft ein Plus ... Hier spielt allein die finanzielle Wirtschaftlichkeit die Rolle: So lange wie durch das Mehr an Ausgaben auch ein Mehr an Einnahmen von den Sammlern erzielt werden kann, stimmt die Kalkulation. Langfristig dürfte dies aber ein Killer sein ... Aber so weit in die Zukunft denkt da ja niemand ...

Best

V.
 
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