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Thema: Lars Böttger: Philatelie - Ist der Kipppunkt erreicht ?
Das Thema hat 41 Beiträge:
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JanClauss Am: 05.04.2026 11:23:20 Gelesen: 3694# 17 @  
Mein eigener Ortsverein, der mit rund 100 Mitgliedern seit Jahren die Spitze aller Vereine im Rheinland stellte, sackte kürzlich todesbedingt auf gut 90 runter. In gut 2 Monaten bekamen wir 3 Neuaufnahmen von Leuten um die Mitte sechzig. Das lässt etwas aufatmen, aber die finale Lösung zum Lebendighalten des klassischen Ortsvereins ist es nicht.

Da steht demnächst wohl mal wieder eine Fusion - in diesem Falle der Siegburger mit den Bonnern (die sich ja kürzlich erst selbst aus drei Bonner Vereinen gebildet hatten) an. Und in den Spitzen beider Vereine sitzen Leute, die auch noch in drei Auktionshäusern tätig sind, von Bonn über Neuss bis Wiesbaden - ist das nicht cool?

Bei den ArGen erlebte ich in den letzten 4 Jahren 5 Male Absterben bzw. Fusionen:

1. die schweizer "Kolonialbriten" (GB&CwPS) mit den Briten der deutschen FgGB,
2. die britischen Jugos (YSG) lösten sich ganz auf, behalten aber ihren regelmäßigen Rundbrief bei,
3. die britischen Osmanen (OPAL), einst eine schlagkräftige Truppe, lösten sich mangels Vorstandsfunktionen auf
4. die deutschen Jugos (ArGe-YU) nahmen die sterbenden Bulgaren auf und nennen sich jetzt "SOPhia" (siehe unter "Arbeitsgemeinschaften"),
5. die deutschen Inder und Südasiaten (FGI) bringen seit 6 Jahren keinen Rundbrief mehr zustande und bereiten sich durch Satzungsänderung aufs Sterben vor ... all das ist schon gruselig.

Es gibt aber auch Leute vom Fach, die sagen, dieser Art Flurbereinigung verschaffe den neuen Strukturen Aufwind und Zukunftsfähigkeit. Ihr Wort in Gottes Ohr!
 
nagel.d Am: 05.04.2026 14:33:09 Gelesen: 3599# 18 @  
@ JanClauss [#16]

@ JanClauss [#17]

Dieses Phänomen das JanClauss schildert, erlebe ich momentan haut nahe in der einen ARGE kam gerade heute morgen eine Mitteilung, daß ein Mitglied sich aus der aktiven Tätigkeit zurückzieht und nicht mehr in Deutschland wohnt, ein Austritt schein wahrscheinlich. Selbiges Mitglied ist bereits aus einer anderen ARGE ausgeschieden.

In einem anderen Verein laufen bereits Bestrebungen der Auflösung, im besten Falle findet eine Fussion statt (Mangels Mitglieder die den Vorstand übernehmen (altersbedingt)).

Die Gründe warum dies nun eintritt, sind so vielfältig wie die Ortsvereine und ARGEn. Manchmal ist auch der ein oder andere Verantwortliche mit daran schuld, in dem er beharrlich bis ins hohe Alter an seinem Posten festhält und jüngere nicht machen läst.

Junge Sammler möchten sich aber auch andererseits nicht in ein gewisses Korsett zwängen lassen, hier hat sich einiges geändert durch Facebook, Twitter und andere soziale Medien. Meiner Meinung nach sollten hier die Vereine auch mit der Zeit gehen.
 
DL8AAM Am: 05.04.2026 15:20:30 Gelesen: 3559# 19 @  
@ JanClauss [#17]

Es gibt aber auch Leute vom Fach, die sagen, dieser Art Flurbereinigung verschaffe den neuen Strukturen Aufwind und Zukunftsfähigkeit. Ihr Wort in Gottes Ohr!

Die Grundidee einer Stärkung durch Konsolidierung ist zumindest im Wirtschaftsleben verbreitet und kann, wenn die "Rahmenbedingungen" passen, auch wirklich Sinn machen bzw. zu einer "Zukunftsstärkung" führen. Dann müssen aber auch die Protagonisten auf Augenhöhe zusammenarbeiten (wollen), inklusive dem "Fußvolk".

Und was wichtig ist, dass soetwas frühzeitig genug passiert, solange noch genug Substanz vorhanden ist, dass aber dann auch alle Seiten davon profitieren. Ein Zusammenführen von 'zusammenbrechenden' Strukturen zu einer neuen 'angedacht gesunden' Form, ist wenig erfolgsversprechend, das zieht maximal den Zusammenbruch in die Länge. Zwei "Schwache" ergeben nicht zwangsläufig ein "Starkes". Und von "fast Null" neu aufzubauen ist sehr viel problematischer, als von "50-75%", zumindest für "Nischenfelder". Und ein einfaches Schlucken eines 'schwächeren' Partners durch einen 'stärkeren' hinterläßt beim 'schwächeren Fußvolk', den gefühlten "Verlierern", kein gutes Gefühl für eine gemeinsame bessere Zukunft.

Im Prinzip muss jetzt die Konsolidierung erfolgen, nicht erst, wenn es für viele Gruppierungen nicht mehr anderes geht.

Und in meinen Augen müsste eigentlich in der gesamten organisierten Philatelie so eine Konsolidierung baldigst eingeleitet werden. Noch sind die meisten Player noch (tat-) kräftig genug.

Und kurz zum Kipppunkt: Ja, natürlich haben wir diesen längst überschritten, zumindest als omnipräsente "Massenbewegung". Ohne Omnipräsenz (medial, wie nichtmedial), kein Massenzustrom. Da nützt auch eine professionelle Marketingoffensive nichts mehr. Das gilt auch für den Markt, zumindest als Massenmarkt - für "supermarktähnliche Versandhäuser" et al. (für Standard) und für einen direkten bwz. indirekten Second Hand-Markt für "Normalos" auf Augenhöhe (es werden einfach sehr viel mehr Sammlungen aufgelöst, als neue entstehen, Punkt).

Der normale Markt ist gekippt. Im wesentlichen ist der Markt in Richtung Käufermarkt gekippt, die Verkäuferseite verliert ihre Marktposition der "Gleichwertigkeit". Die wenigen interessierten Käufer bestimmen die Preise "nach unten". Die Verkäufer verlieren. Auch hier wird eine fortschreitende Konsolidierung die Folge sein, bis sich hoffentlich wieder ein "gesundes" trägfähiges Niveau für beide Seiten erreicht ist. Und auch hier gilt, Player die bereits "zu untragfähig" geworden sind - besitzen im Wesentlichen nur noch eine Adresskartei oder einen etablierten Namen als "Kapital" - bieten aber außer der freigewordenen Konkurrenzlücke keinen Mehrwert für den Übernehmenden. Für Vereine ist dieser Ansatz aber nicht erstrebenswert. "75%" der freigesetzten Altmitglieder solcher schwachen, 'untergegangenen' Vereinigungen bleiben im Anschluß vereinsfrei.

Und natürlich müssen wird das alles, inklusive den negativen Aspekten - auch öffentlich - ansprechen, thematisieren und diskutieren. Ein teekayisches Verschweigen und nur rosarote, mediale Schönfärberei im schulbuchmäßigem Marketingsprech ist der vollkommen falsche Ansatz. Sachlichkeit, Ehrlichkeit ist der Weg. Eine Lösung erreiche ich nur, wenn das Problem erkannt und klar benannt habe. Und womöglich unbeliebte, schmerzhafte Schlüsse ziehen muss. Wenn ich aber so ein Marketing-Neusprech höre, hat für mich der "Wollende" (Funktionär, Werbetreibende o.ä.) bereits vollkommen verschissen, ohne dass ich mich um den Inhalt näher kümmere. Pure Antiwerbung. Wer sowas macht, wird (zumindest von mir) einfach nicht mehr ernstgenommen. Das gilt insbesondere für Unternehmungen jeder Art die vollmundig-wohlklingenden, ausgeklügelten "Unternehmesphilosophien" im voreilenden Zeitgeistsprech auf ihren Webseiten weltfremd vor sich hintragen.

Ich muss Lars in fast allen Punkten zustimmen, wobei das im wesentlichen alles bereits lange bekannte Dinge sind. Es wird nur langsam Zeit, dass das auch zu entsprechenden Folgerungen führt.

Für mich ist die Philatelie noch lange nicht verloren, sie ist sehr lebendig, nur halt anders als in der Guten Alten Zeit. Kleiner und konsolidiert stärker. Und ja, auch die organisierte Philatelie lebt und hat sehr gute Chancen - nach einer (womöglich schmerzhaften) Konsolidierung. Wichtig ist auch, dass sie sich zunehmend auch mal ernsthaft mit modernen Dingen des echten "Postbetriebs" beschäftigt. Weg vom 'einfachen' Briefmarkensammeln, gemeint ist hier im wesentlichen die Briefmarke als reines, künstliches Kommerzprodukt einer Post AG. Klassik ist natürlich auch wichtig und weiterhin extrem bedeutend, auch hinsichtlich der "Geschichtsforschung" und Bewahrung - das sind unsere Wurzeln, bis zur Feldpost der mongolischen Khane oder japanischer Shogune.

Die Philatelie wird (auch für einzelnen Mitglieder) aber überregionaler und internationaler werden, weg vom örtlichen Gasthaus, hin zum Internet, hin zu aktiven (im weitesten Sinne Mitmach-) Arbeitsgemeinschaften, hin zu zentralen Inperson-Events und Conventions. Die Zeit von flächendeckend aktiven Ortsvereinen sollte, zumindest für die "überall breite Tiefe", zunehmend Geschichte werden. Das dürfte leider (!) ein unumkehrbarer Trend sein, den wir (sehrrrr wahrscheinlich) nie wieder drehen können, das müssen wir einsehen und darauf reagieren - ob es uns passt oder nicht.

Beste Grüße
Thomas
 
Eric Scherer Am: 05.04.2026 18:22:07 Gelesen: 3443# 20 @  
Die Diskussion ist interessant und letztlich hat wohl jeder, der hier schreibt recht. Schauen wir uns die Situation etwas nüchtern an: Die Philatelie als Hobby des kleinen Mannes und als (vermeintlich) sichere Wertanlage auf Basis von Abonementen ist de facto (fast) tot. Für lose Briefmarken aus den letzten 50 bis 70 Jahren interessiert sich (fast) niemand mehr. Die ganzen Abos waren mehrheitlich eine riesige Geldvernichtung. Die ganzen Versandhäuser für diese Massenphilatelie sind heute konkurs oder haben sich auf andere Märkte konzentriert. Die Anzahl der Versandstellen Abonennten ist massiv gesunken. Auch wenn es einen riesigen Wertzerfall gibt, ändert das nichts an der Schönheit und dem Zauber vieler dieser Markenausgaben. Ich habe ganze Jahrzehnte von Marken in schönen Vordruckalben von zahlreichen Ländern erworben. Quasi für nichts und schaue mir diese trotzdem gerne an. Ich habe Altbestände von Frankaturware aus der Schweiz, Liechtenstein oder Frankreich und verwende diese für meine Geschäftspost und die Empfänger lieben die buntfrankierten Umschläge. Aber da ist kein Wert mehr dahinter und auch keine grosse Sammlerschaft.

Gleichzeitig hat sich die Philatelie in den Jahren, seit dem von Lars identifizierten "Kipppunkt" massiv weiterentwickelt. Schaut man sich heute Ausstellungssammlungen an, sind diese viel besser wie noch vor ein, zwei Jahrzehnten. Man findet heute hoch spezialisierte und auch exotische Themen, die vor 25 Jahren nahezu undenkbar waren. Die philatelistische Forschung und Literatur blüht. Und Internet und einfaches und kostengünstiges Reisen haben zu einer weltweiten Vernetzung geführt. Über das Internet kommt man heute an Materialien, die früher garnicht erst den Weg zu den Börsen geschafft haben. Und die Suche mit Hilfe der elektronischen Verschlagwortung ist viel besser als früher. Hinzu kommen Scaner, Digitalfotografie, Bildverarbeitung und Übersetzungstools, nur um einige Dinge zu nennen.

Es gibt also ganz klar eine postive Entwicklung. Schaut man aber genauer hin, gleicht das ganze einem Tanz auf dem Vulkan. Die Überalterung wurde schon genannt. Die Dramatik dahinter ist nicht zu vernachlässigen. Wir haben ein Sterben von Sammlern, Vereinen, Arbeitsgemeinschaften, Händlern und Auktionshäusern. Der Nachwuchs fehlt an allen Ecken und Enden. Die Highlights der "Philatelistischen Industrie" wie etwa die Messen in Sindelfingen/Ulm sind trotz aller Besucherrekorde in Frage gestellt. Ohne philatelistischen Nachwuchs wird aus dem Kipppunkt eine dauerhafte Abwärtsspirale.

Die organisierte Philatelie in den "grossen Ländern" mit vielen Mitgliedern ist in einer Art Schockstarre bzw. negiert die Fakten. Gleichzeitig weitet eine kleine Schar von superreichen Funktionären aus Ländern, in den neben Weltausstellungen selten noch Ausstellungen stattfinden, ihr Philatelie-Olympia immer weiter aus und verlieren den Bezug zu den "Normalos" komplett.

In der Summe leider keine guten Aussichten.
 
Martin B. Am: 06.04.2026 13:00:28 Gelesen: 3146# 21 @  
Moin,

ich bin Lars für seine Ausführungen sehr dankbar.

Welche Sammelgebiete der allgemeinen Gesellschaft haben es "mengenmäßig" nicht in die Gegenwart geschafft (Telefonkarten, Zigarren Bauchbinden, Streichholzschachteln, Zuckerwürfel mit Werbung, Tafelservice aus Porzellan, Silberbesteck, Ersttagsblätter, Diddl, Schallplatten, bald CD, Video, Swatch Uhren u.v.m.)

Wer sammelt denn? (Keine Schüler außer kurzfristigen Saison Artikeln wie Panini, Topps und Pokemons, Jugendliche, aber Menschen mit Blick auf den Ruhestand, Personen, denen der Arzt Ruhe verschrieben hat, Personen mit Platz und einem Tisch, Personen mit freundlichen Familienmitgliedern, Personen mit Neugier und Interesse am Recherchieren...)

Und für unser Hobby gilt sammeln nur so lange, wie jemand Zugang auf Firmen- oder Behördenpost oder ähnliche Quellen hat.

Unser Hobby bedeutet beim Aufbau einer Sammlung kaufen! Dank der elektronischen Flohmärkte und der Onlinekataloge gibt es viel Material zu sehen.

Könnten wir bitte gemeinsam das Thema, das uns alle interessiert in die Zukunft drehen?

Meine Frage an die Schwarmintelligenz von philaseiten.de ist:

Welche Sammelgebiete der Philatelie (im weitesten Sinne) empfehlen wir ohne Hintergedanken einem guten Freund? Da es um die Zukunft geht, bitte nichts von früher oder Kommentare, die schlechte Laune verursachen können..

Los gehts:
 
opti53 Am: 06.04.2026 13:25:25 Gelesen: 3124# 22 @  
@ Martin B. [#21]

Hallo Martin,

Sammelgebiete zu empfehlen ist meines Erachtens der falsche Ansatz. Die Begeisterung für ein Thema muss anders geweckt werden. Bei jeder Empfehlung besteht die Gefahr, dass der nun Sammelnde die Begeisterung des Empfehlenden nicht realisieren kann, und sich anderen Dingen zuwendet. Die einzige Ausnahme ist, etwas zu sammeln, das garantiert einen Wertzuwachs in absehbarer Zeit bringt (z.B. Goldstücke). Gut, für manche Briefmarkensammler früherer Zeiten war das schon eine Motivation, auch wenn sie (oder die Erben) nun enttäuscht sind. Wenn ich Zeit und Geld investiere, muss ich schon einen Nutzen haben. Und da gibt es bei an sich meist geringwertigen Objekten wie Briefmarken durchaus einige Motive. Etliches wurde schon angesprochen. Dehalb ist es am Besten, anderen die Geschichten zu erzählen, die einen selbst an der Sammeltätigkeit reizen und begeistern.

Viele Grüße

Thomas
 
filunski Am: 06.04.2026 15:03:56 Gelesen: 3050# 23 @  
@ Martin B. [#21]

Hallo Martin,

Sehr gut! Das ist genau der richtige Ansatz, positiv an die Sache rangehen. Natürlich klatscht da jetzt nicht gleich jeder Beifall und natürlich gibt es so viele verschiedene Empfehlungen, wie es Sammler gibt. Aber dann lasst sie doch hören und nicht gleich wieder nur die Bedenken äußern.

Was mir da als Empfehlung einfällt, zum Einen aus der Erfahrung raus und dann natürlich auch aus eigener Vorliebe.

Was immer ankommt sind Motive, egal was, Eisenbahn, Flugzeuge, Feuerwehr, Autos, Blumen, Schmetterlinge, Vögel, Elefanten, Jesus, Buddha, Bauwerke, Ostern, Raumfahrt......die Reihe lässt sich fast unendlich fortsetzen und ist auch philatelieübergreifend.

Postkarten, ein fast genauso unendliches Thema, auch nicht nur von Philatelisten geliebt und neuerdings sogar schon wieder bei jüngeren Menschen im Kommen (ist so richtig schön retro). Nicht zuletzt auch ein Thema für die "Postcrosser".

Stempel, ein unendliches Gebiet wozu man noch lange mehr als genug Material findet. Gerne im weitesten Sinne, also auch die moderne Art von Entwertungen und auch ein Beispiel für den heutigen Postalltag.

Briefe, nicht nur Einzelstücke sondern ganze Korrespondenzen woraus sich dann herrliche und auch spannende Geschichten, ja sogar Romane erzählen lassen. Daraus kann man sogar Fortsetzungsgeschichten stricken und damit auch bei Menschen die sonst (noch) nichts mit der Philatelie am Hut hatten, die Neugier wecken.

Dies nur ein paar Beispiele und ich bin mir sicher, wenn ihr nur wollt findet sich da noch viel mehr. ;-)

Viele Grüße,
Peter
 
Martin B. Am: 06.04.2026 16:27:48 Gelesen: 2987# 24 @  
top!
 
saeckingen Am: 06.04.2026 17:18:21 Gelesen: 2937# 25 @  
@ Martin B. [#21]

Meine Empfehlung für Sammelgebiete ist immer: Das was interessiert und man Spaß daran hat!

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und für jeden sollte das passende dabei sein.

Grüße
Harald
 
Totalo-Flauti Am: 06.04.2026 17:19:17 Gelesen: 2932# 26 @  
Liebe Sammlerfreunde,

offtopic on

Ich hoffe Ihr hatte ein paar schöne Tage mit Familie und Hobby. Ich war heute nach den Familientagen den ersten Tag wieder im Garten unterwegs.

offtopic off

Mich begeistert die Heimatphilatelie im Zusammenhang mit Postgeschichte und sozialer Philatelie. Es gibt derzeit ca. 10.800 Gemeinden allein in Deutschland. Dabei hat die kleinste Dierfeld (Rheinland-Pfalz) wohl 9 Einwohner und Berlin als größte ca.3,7 Mill. Einwohner. Da kann immer mit Geduld und sicher auch mit viel Freude was gezaubert werden. Gerade im Bereich der sozialen Philatelie läßt sich oft über die Recherche im www überrachendes finden. Nicht immer aber immer öfter. Man befindet sich oft in einem historischen Kontext, was mich persönlch auch immer sehr anspricht. Auch Nebengebiete werden da angesprochen vom Fliegen zur Eisenbahn bis über das Automobil zum Fahrrad, der Industrie und Verwaltung eines Ortes oder wie schon angesprochen Postkarten. Wie groß die Vielfalt ist, sieht man ja auch hier an unserem Forum. Etwas problematisch scheint mir zwar in der Gegenwart die zentralisierte Postbearbeitung in den Briefzentren zu sein. Aber auch hier findet man das eine oder andere, was zur Sammlung passen kann.

Mit lieben Sammlergrüßen
Totalo-Flauti.


 
Eric Scherer Am: 06.04.2026 20:04:15 Gelesen: 2782# 27 @  
Schade wie schnell hier die Diskussion abtrifftet.
Was das Thema “Sammelgebiet” angeht: Viel wichtiger als die Frage, was man sammelt, ist die Frage wie man sammelt. Hierin liegn auch die grössten Veränderungen der letzten Jahrzehnte.
 
Bessie Am: 06.04.2026 20:10:19 Gelesen: 2777# 28 @  
Briefmarkensammler und Philatelisten

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Ewald Müller-Mark seine Reflexionen über Philatelie, in deren Mittelpunkt er die Wertentwickelung der Fünfmarkmarke der Germania-Ausgabe stellte. Stellt man heute wieder solche Reflexionen an, so müssten sie zu dem Schluss kommen, dass Spekulanten seit Mitte der fünfziger Jahre eine riesige Luftblase fabriziert haben, aus der seit 20 Jahren die Luft entwichen ist, und die so die „Aktie des kleinen Mannes“ in Verruf gebracht haben. Was Richard über unglückliche Erben solcher „Schätze“ erzählt, kenne ich auch. Ich rate dann immer, solche Erbschaften an Bethel zu schenken und damit etwas Gutes zu tun.

Dass da eine riesige Blase existierte, wurde mir vor etwa 20 Jahren klar, als ich in Sindelfingen zufällig Zeuge wurde, wie ein kompletter Bogensatz der berühmten Ziffer/Posthornserie an einem Stand den Besitzer wechselte. Als Ganzsachensammler war ich gottlob von dieser Blase wenig betroffen, aber den Katalogpreisen glaubte ich seither noch weniger als zuvor.

Entscheidender ist jedoch etwas anderes. Zum Niedergang des Sammelns – nicht der Philatelie! – führt aber vor allem der Wandel der Lebensgewohnheit. Sammeln bedeutet entspannte Erholung und Freizeitvergnügen. Wo gibt es das noch? Wer bringt noch die Zeit zum Lesen eines Buches auf? Selbst im Urlaub wissen Viele nichts mehr mit sich anzufangen und benötigen Animateure. Gewalttaten und andere Verbrechen Jugendlicher geschehen oft aus purer Langweile. Die Schule tut ein Übriges, indem sie die Schüler systematisch vom Lesen und Schreiben ab- und der künstlichen Intelligenz zuwendet, denn „die Wirtschaft“ braucht das. Und unser Staat lässt das billigend zu. Huxleys Roman „Schöne Neue Welt“ (1932) und eine künftige Plutokratie nach US-Muster lassen grüßen.

Fehlt also die Masse der Sammler, so kehrt die Philatelie zu ihren Anfängen zurück und wird wieder elitär. Als Lindenberg um 1900 seinen Berliner Club gründete, versammelte er eine kleine Zahl Zigarre rauchender „Herren von Stand“ um sich. Zigarren und Großbürgertum mit Smoking und Zylinder sind verschwunden, doch ersthafte Philatelisten gibt es weiterhin in allen Bevölkerungsschichten, mit oder ohne Geld. Sie werden sich weiterhin in Vereinen organisieren. Wo die bisherigen Ortsvereine weiterleben, dann stark verkleinert und im Verbund mit Nachbarvereinen. In meiner Nähe gibt es einen solchen Verein, der schon vor fünf Jahren total überaltert war. Seitdem sind einige alte Herren gestorben, aber auch einige alte Herren neu hinzugekommen. Außerdem hat man sich mit den Vereinen zweier benachbarter Kleinstädte zusammengetan und gibt für die wenigen Mitglieder sogar die kleine Vereinszeitschrift weiter heraus.

Eine ähnliche Entwicklung habe ich als gelernter Historiker bei regionalen Geschichtsvereinen erlebt, denen ich schon vor 50 Jahren auf Grund ihrer Altersstruktur ein baldiges Aussterben vorhersagte. Sie existieren immer noch!

Mit dem baldigen Ende der bisherigen Briefpost und damit der Briefmarken ist zu rechnen. Bits, bites und Emails lassen sich nicht in Alben verwahren. Aber aus der Vergangenheit sind reichlich Marken, Briefe und Stempel vorhanden. Ihnen werden sich künftige Sammler zuwenden. Doch die Zeit der Generalsammler ist vorbei, Spezialisierung angesagt. Die Interpretation von Briefen nicht nur mit postgeschichtlichen Fragestellungen, sondern auch in der Art der Social Philately hat Zukunft, so auch Heimat- und Motivsammeln, Vorphilatelie, Altdeutsche Staaten, ja sogar eine von den Machenschaften des Schalks Golodkofski gesäuberte DDR-Philatelie. Es wird ein anspruchsvolles Sammeln, das Kenntnisse vorausetzt, die sich – oh Graus – ohne Bücher nicht erwerben lassen. Doch Eliten wird es immer geben, auch in der Philatelie!
 
Droenix Am: 06.04.2026 22:30:29 Gelesen: 2621# 29 @  
Die Risiken sind hier umfänglich genannt. Fehlender Nachwuchs, Jugend, die nicht mehr mit den Briefmarken in Berührung kommt, die Überalterung der Sammlergemeinde und viele teuer gekaufte Briefmarkensammlungen, die heute fast wertlos sind. Keine besonderes gute Grundlage unser so geliebtes Hobby voranzutreiben.

Es werden zu wenig die Chancen beachtet! Die Babyboomer Generation geht gerade in den Ruhestand, alles Personen, die in ihrer frühen Jugend schon einmal mit dem Virus Briefmarken in Kontakt kamen. Gerade diese Generation sucht neben dem heimischen Garten und der Betreuung der Enkelkinder eine sinnvolle Beschäftigung. Diese Generation ist geschichtsinteressiert und andererseits auch mit dem Internet aufgewachsen. Das bietet ein großes Potential diese Personen für die Philatelie und die Postgeschichte zu gewinnen. Es liegt an uns mit guten Angeboten, auf diese potentiellen Sammler zuzugehen und sie von unserem Hobby zu begeistern, so wie wir davon begeistert sind.

Die Möglichkeiten gerade durch das Internet, Plattformen wie die Philaseiten.de oder weitere sozialen Medien bieten vielfältige Ansätze unser Hobby bekannter und interessanter zu machen. Dabei wird uns auch die KI helfen. Ich bin selbst gerade dabei hierzu etwas zu entwickeln.

Wir haben alle die Möglichkeiten unser Hobby wieder beliebter zu machen. Die positiven Aspekte, wie die geschichtliche und postgeschichtliche Forschung, die Möglichkeit weltweite Kontakte aufzubauen, aber auch in den persönlichen Treffen, wie in den Vereinen oder den ArGes freundschaftliche Beziehungen über die Philatelie hinaus zu knüpfen, ist ein großes Plus unseres Hobby.

Beste Grüße

Peter
 
rosteins69 Am: 06.04.2026 23:47:35 Gelesen: 2565# 30 @  
@ Bessie [#28]

„Dass da eine riesige Blase existierte, wurde mir vor etwa 20 Jahren klar, als ich in Sindelfingen zufällig Zeuge wurde, wie ein kompletter Bogensatz der berühmten Ziffer/Posthornserie an einem Stand den Besitzer wechselte.“

Du sprichst in Rätseln. Weshalb ist das der Beleg für eine „Blase“? Was wurde denn für den kompletten Bogensatz bezahlt? Vor zwei, drei Jahren ging so ein Satz (postfrisch, ungefaltet) noch für über 200.000 Euro auf einer Auktion weg. Und selbst wenn man das „Kleingeld“ dafür hätte, muss man erst mal ein Angebot finden.
 
10Parale Am: 06.04.2026 23:56:44 Gelesen: 2558# 31 @  
@ Eric Scherer [#20]

"Gleichzeitig weitet eine kleine Schar von superreichen Funktionären aus Ländern, in den neben Weltausstellungen selten noch Ausstellungen stattfinden, ihr Philatelie-Olympia immer weiter aus und verlieren den Bezug zu den "Normalos" komplett."

Oder anders herum. Die Normalos verlieren den Bezug zu den Funktionären der Philatelie.

Die Faszination des Sammelns wird wohl nie untergehen.

Schönes Osterthema, gute Beiträge, (Dank an Lars für den Anstoß), hat auch etwas mit Auferstehung zu tun.

Liebe Grüße

10Parale
 
KHV Am: 07.04.2026 09:49:58 Gelesen: 2430# 32 @  
@ Richard [#1], @ Lars Boettger [#3]

Was ist ein Kipppunkt und was ist organisierte Philatelie? Es wird die eigene Sicht beschrieben, was ich gut finde. Der Markt für Standardware und Sammlungen ist m. E. am Zusammenbrechen, lese ich. Das mag wohl so sein.

Doch was ist für mich Philatelie? Ich sammle seit meinem 10. Lebensjahr. Ich habe mehrfach den Sammelschwerpunkt geändert. Aber ich habe eigentlich fast alles noch hier. Und es ist eine gute Menge dazugekommen. Bin in einem Ortsverein Mitglied und damit auch im BDPh. Dort nehme ich regelmäßig an den Vereinsabenden und, wenn es geht, an den Tauschtagen teil. Weiterhin bin ich in mehreren Arbeits-/Interessengemeinschaften. Habe auch eine verantwortliche Position übernommen. Poste in drei Foren herum, die das Thema ihr Eigen nennen. Ist das jetzt für mich Philatelie?

Eher nicht. Es geht hier um mein Hobby. Es ist zuerst Lesen, Fragen, sich Wissen aneignen. Zu schauen, ob alte Dinge, vor langer Zeit geschrieben, wirklich so stimmen. Darüber mit anderen reden, Fakten zusammenstellen und vielleicht auch das eine oder andere darüber schreiben. Ab und zu halte ich auch Vorträge, für die, die es hören möchten. Wäge meine Zeit ab, ob und wann ich in einem Forum etwas schreiben oder darstellen sollte. Habe dabei im Kopf, dass es das Forum in Zukunft auch nicht mehr geben kann.

Eine eigene Belegsammlung zu diesen Themen zu haben, ist mir wichtig. Aber auch, keine Gedanken über möglich zu erzielende Preise zu verschwenden. Den Markt exakt zu beobachten, aber nur die Dinge zu erwerben, die einem wirklich weiterhelfen. Aber ich habe auch Entscheidungen getroffen, an die ich mich halte. Ich werde keine Mi.-Nr. 909 und 910 Deutsches Reich oder eine 339 x b DDR bzw. B I SBZ gestempelt erwerben. Wenn diese Ausgaben es wollen, kommen diese auch so zu mir. Ansonsten bleibt die Stellen eben im Album leer.

Um es zusammenzufassen: Ich lese von den Dingen, kann die Sicht eines Prüfers oder eines Händlers/Auktionators nachvollziehen, auch die eines Betreibers eines Forums, doch das hat eben wenig mit meinem Hobby zu tun. Deswegen ist es mir auch eher unwichtig, ob es einen Kipppunkt gibt. Es ist nicht meiner. Denn ich hoffe bei einigermaßen an Gesundheit, dass ich diese Dinge noch ein paar Jahre für mich ausüben kann. Denn letztlich betreibt man ein Hobby für sich. Doch anderen bei ihrem Hobby zu helfen, finde ich gut. Und so wird wohl jeder seine persönliche Ansicht zu der Frage haben.

Beste Grüße

Karl-Heinz
 
Bessie Am: 07.04.2026 17:07:35 Gelesen: 2239# 33 @  
@ rosteins69 [#30]

Des Rätsels Lösung ist einfach: eine Marke, die an einem Händlerstand auf einer Messe in einem Hunderterbogen gehandelt wird, kann so selten nicht sein. Viele zeitgleiche Marken wurden ähnlich teuer gehandelt. Komisch nur: wer sie besitzen wollte, konnte sie mühelos bei jedem Fachhändler kaufen. Spricht das für Seltenheit? Seltenheit und Beliebtheit sind nicht das Gleiche!

Meint Bessie
 
Nordensammler Am: 08.04.2026 09:35:49 Gelesen: 2011# 34 @  
@ KHV [#32]

Grundsätzlich stimme ich dir zu. Auch für mich zählt zunächst, dass mein Hobby mir persönlich Freude bereitet - unabhängig von den übergeordneten Entwicklungen oder finanziellen Aspekten. Als "junger" Sammler mit Anfang 40 (aber seit 30 Jahren dabei und somit doch schon ein "alter Hase") schätze ich die vielen Möglichkeiten, günstig Material zu meinen Sammelgebieten zusammenzutragen, digitale Quellen für meine philatelistische Forschung anzuzapfen und mich mit anderen Sammlern auszutauschen. Doch leider habe ich auch ein "Hobby mit demographischem Problem": Wenn ich 20-30 Jahre weiter denke, werde ich weiterhin im besten Sammleralter sein, während viele meiner jetzigen Kontakte nicht mehr da sein werden, und sich auch fast niemand mehr für meine philatelistischen Erkenntnisse, aufgebauten Datenbanken usw. interessieren wird - und das stimmt mich natürlich auch nachdenklich und traurig. Denn so sehr ich mein Hobby für mich betreibe und mich dafür begeistern kann, freue ich mich auch über jeden Tauschtag, den ich besuche oder selbst mit meinem Verein veranstalte, und über den Austausch mit gleichgesinnten Sammlern.

Das wird in der (entfernteren) Zukunft leider immer weniger werden und sich sicherlich auch auf meine Begeisterung für die Philatelie auswirken, ob ich will oder nicht. Gleichzeitig wird auf meine Sammlergeneration der Druck wachsen, Vereine und Arbeitsgemeinschaften fortzuführen und irgendwie ein Minimum an Struktur aufrechtzuerhalten - verteilt auf sehr wenige Schultern, was nicht möglich sein wird. Da ist vorprogrammiert, dass Erwartungen enttäuscht werden und Frust entsteht. Und da kommen wir letztendlich doch wieder zurück zu der Frage, wie eine zukünftige tragfähige Struktur von Vereinen, Verbänden und Arbeitsgemeinschaften aussehen kann, denn der strukturierte, institutionalisierte fachliche Austausch sowie persönliche Treffen auf Tauschtagen und die "physische" Suche nach neuem Material für die Sammlung ist aus meiner Sicht immer noch ein wichtiger Treiber für unser Hobby - gar nicht mal, um neue Interessierte dafür zu begeistern, sondern zunächst einmal, um die aktuelle Sammlerschaft bei der Stange zu halten, weil sie diese Form des Austauschs gewohnt ist und schätzt.
 
Eric Scherer Am: 08.04.2026 11:34:15 Gelesen: 1929# 35 @  
Leider reicht die Begeisterung für unser Hobby nicht aus. Unser Hobby braucht eine Organisation, eine Infrastruktur. Über Tauschen allein läuft heute fast nichts mehr. Es braucht Händler, es braucht Vereins- und ArGe-Treffen, es braucht Veranstaltungen. All das wird immer kleiner. Wir können froh sein, dass das Internet hier neue Perpektiven eröffnet hat, aber auch das hält nicht ewig.
 
Adalbert Am: 09.04.2026 11:39:10 Gelesen: 1582# 36 @  
Hallo,

unter [1] gibt es eine Studie eines amerikanischen Marktforschungsinstituts zum Markt von Sammlerobjekten und deren Zukunft. Danach ist das grundsätzliche Interesse am Sammeln - insbesondere auch bei jüngeren Leuten - sehr stark vorhanden und sogar steigend - jedoch: Gesammelt wird halt alles mögliche, aber Briefmarken spielen nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.

[1] https://www.grandviewresearch.com/industry-analysis/collectibles-market-report

Viele Grüße - Adalbert
 
nagel.d Am: 09.04.2026 21:25:24 Gelesen: 1341# 37 @  
@ Adalbert [#36]

Hier muss man sich dann die Frage stellen, wann kommt die Jugend von heute noch in der Tagespost mit Briefmarken in Kontakt? Schauen wir doch einmal selbst in die Tagespost, die im Briefkasten landet, wenn diese nicht einen philatelistischen Hintergrund hat, wieviel Briefe noch mit Briefmarken frankiert sind. Somit beantwortet sich die Frage eigentlich von selbst und warum es an der Jugend hapert. Wenn dann Briefe mit Marken frankiert sind, dann meist mit 0815-Standardware, welche x-fach vorhanden ist.
 
10Parale Am: 09.04.2026 22:30:38 Gelesen: 1275# 38 @  
@ Eric Scherer [#35]

"Es braucht Händler, es braucht Vereins- und ArGe-Treffen, es braucht Veranstaltungen."

Einige meiner Freunde und Freundinnen, die mein Hobby kennen, machen sich immer über mich lustig, wenn wir an leerstehenden Geschäften in unserer Innenstadt vorbeilaufen, und die Leerstände haben in den letzten Jahren zugenommen. "Stephan, da kannst du dein Briefmarkengeschäft eröffnen, du bist dein bester Kunde". Sie wollen mir damit 2 Dinge sagen:

- der ganze Handel ist im Wandel und an einem Kipppunkt (das Internet hat da auch "neue Perspektiven" eröffnet).
- deine Begeisterung ist das Beste an deinem Hobby, uns kannst du da nicht hinter dem Ofen vor locken.

Ich antworte dann immer meinen Freunden: "Hey ihr wisst gar nicht wieviel Geld ich da erst mal investieren müsste, um mir einen ordentlichen Händlerbestand zu besorgen. Zudem würde ich nur mit Raritäten handeln, nicht mit Massenware, adäquat zur Stangenware im Kleiderladen. Weiterhin müsste ich den Laden auch gut absichern, Eisengitter, Alarmanlage, Videoüberwachung, ihr wisst ja, was heutzutage nicht angebunden ist..." ...und so weiter.

Nun gut, träumen darf man bis ins hohe Alter und ich muss KHV in [#32] in vielen Dingen zustimmen. "Es ist nicht mein Kipppunkt".

Heute habe ich übrigens meinen Freunden die erste Marke der Welt, auf der eine Lokomotive abgebildet ist, vorgestellt. Die waren von den Socken.

Liebe Grüße

10Parale
 
Eric Scherer Am: 10.04.2026 13:42:12 Gelesen: 1092# 39 @  
@ 10Parale [#38]

Ich weiss jetzt nicht genau, auf was Du hinauswillst. Der Handel hat sich schon lange von den Ladengeschäften weg verlagert und einen Mix aus Vertriebswegen gefunden. Denke, dass funktioniert gut. Aber wir sehen eine Konsolidierung des Marktes. Dies hat weniger etwas mit betriebswirtschaftlichen Zwängen als einer Alterpyramide zu tun. Gleichzeitig kämpfen die Händler mit einem totalen Preisverfall des "einfachen" Materials - mit dem Posthornsatz oder einem Olympiablock kann man heute nicht mehr viel verdienen. Das führt dazu, dass immer weniger Händler zu Börsen, Messen, Ausstellungen kommen. Damit bricht dort die Finanzierung weg. Ein Teufelskreis.
 
Lars Boettger Am: 10.04.2026 20:50:07 Gelesen: 888# 40 @  
@ 10Parale [#38]

Heute habe ich übrigens meinen Freunden die erste Marke der Welt, auf der eine Lokomotive abgebildet ist, vorgestellt. Die waren von den Socken.

Das ist definitiv eine meiner Lieblingsmarken! US-Lokalausgabe von 1844, W. Wyman, Boston (Bild wurde über Powersearch auf der Robert R. Siegel-Webseite gefunden).

Beste Grüsse!

Lars


 
Jensen Am: 11.04.2026 13:38:33 Gelesen: 613# 41 @  
Hallo,

ja, eine Art "Kipppunkt" ist erreicht, allerdings trifft es Punkt nicht wirklich, da der Punkt bereits paar Jahrzehnte dauert und auch noch weiter geht.

Auf gewisse Weise hat die Philatelie mit ihren Preisen und Handelswerten viel von einer echten Spekulationsblase, ich kann nur jedem empfehlen sich mal mit dem holländischen Tulpenwahn zu beschäftigen.
Für viele wirkt es skurril, dass damals für eine seltene Tulpenzwiebel von Liebhabern so viel Geld bezahlt wurde, wie für ein großes Bürgerhaus in Amsterdam. Aber für einen Philatelisten ist das eigentlich nichts besonderes. Die "Blase" der Philatelie hat sich über etwa 100 Jahre aufgeblasen und "platzt" jetzt seit über 30 Jahren und vermutlich nochmal 30 Jahre. Was dann übrig bleibt ist offen, denke ich, irgendwas wird übrig bleiben.

Denn jenseits der Spekulationsblase ist Sammeln ein irgendwie menschliche Eigenschaft, jedenfalls bei dafür anfälligen Individuen. Und kleine vielfältige Objekte eignen sich besonders. Bevor die Philatelie in Mode kam, war das Sammeln von Naturalien sehr in Mode: (präparierte, d.h. getrocknete) Käfer, Schmetterline, Pflanzen, auch Mineralien. Gibt es heute auch alles noch, ist aber abgesehen von den Mineralien nicht vergleichbar mit dem 19. JH, wo es in jeder Stadt einen oder mehrere entomologischen Fachhandel gab. Die Briefmarken haben diese Sammel-Hobbys teilweise verdrängt. Und genauso wird und wurden gesammelt: Münzen (sowieso...), Feuerzeuge, Zigarrenbanderolen, Zigaretten und Streichholzschachteln und und und.....

Warum hat sich die Briefmarke so über die genannten anderen Sammelobjekte erhoben...? Abgesehen davon, dass sie besonders klein und (im Album) transportabel waren, glaube ich aus folgenden Gründen:
1. -Briefe und damit Briefmarken waren im 19. JH. ein sehr bedeutender Alltagsgegenstand für alle Leute
2. -das 19. JH ist auch das Zeitalter mit einem Schub der Globalisierung: Schiffahrt und Dampfschifffahrt, Telegraphie später dann Luftfahrt, außerdem war es das Zeitalter des Kolonaialismus, das hat dazu geführt dass "ferne Länder" für jeden ein Begriff waren und doch mehr oder weniger schwer selbst erreichbar, direkt damit verbunden war aber die Briefmarke aus Übersee, abgesehen davon waren Briefmarken die am ehesten erreichbaren Gegenstände aus einem fernen Land
3. -Mode: die Philatelie war Ende des 19 JH und paar Jahrzehnte danach für viele auch eine Mode die neue Leute ansteckte, so wie der Hula-Hup-Reifen in den 50ern und der Zauberwürfel in den 80ern und der Tamagocci (?) in den 90ern

Und das sind auch die Gründe warum es vorbei ist und warum eine "Begeisterung der Jugend" mit Briefmarken mehr oder weniger hoffnungslos ist, jedenfalls wenn man abzielt die Philatelie der alten Zeiten wiederzubeleben.
Briefmarken und Briefe sind heute kein bedeutender Alltagsgegenstand mehr, sondern ziemlich randständig was praktische Bedeutung betrifft. Gegenstände aus fernen Ländern kann man mit 2 Clicks im Internet bestellen und jeder Mensch hat dutzende Objekte aus China oder Amerika. Und per Handy/www ist die ganze Welt vernetzt so dass Videos, Bilder, Nachrichten aus aller Welt völlig trivial sind: eine "exotische" Briefmarke aus Übersee ist absolut uninteressant für die meisten Menschen.

Naja, und außerdem: die Modewelle ist vorbei.

Die Philatelie wird dahin gehen, wo das Sammeln von Minderalien, Streichholzschachteln oder alten Feuerzeugen schon lange ist -wahrscheinlich übertreibe ich damit etwas, aber zumindest so ähnlich könnte es sein.

Gruß
Jensen
 

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